Städtebombardements Zweiter
Weltkrieg
Die Strategieentwicklung des Luftkriegs 1914-1945
Der Bomber kommt immer durch - der Stellungskrieg in der Luft
- die Zivilbevölkerung wird zum neuen "Ziel" der Kriegsstrategen
- gezielte
Städtevernichtung trotz Lufthoheit
aus: David J. Irving [u.a.]: Und Deutschlands Städte starben nicht. Ein
Dokumentarbericht (Karweina 1964)
Nachwort und Analyse des Herausgebers Günter Karweina
präsentiert und mit Ergänzungen versehen von Michael Palomino (2008)
Teilen mit Facebook-Freunden
[Moral beim Bombenkrieg - die
deutsche Seite kannte keine Moral 1870 - und da waren Bomben aus Zeppelinen
1914-1918]
Der Herausgeber hat in dieser kurzen Analyse bewusst den "moralischen"
Aspekt des Bombenkrieges nicht behandelt. Er ist der Meinung, dass es
besser um die Welt bestellt wäre, wenn alle Individuen und Völker sich
so gründlich um die eigene "Moral" kümmern würden, wie sie sich bisher
vorzugsweise mit der ihrer Nachbarn beschäftigt haben. Dass man ein
militärisches Phänomen wie den Bombenkrieg darüberhinaus nicht
plötzlich aus seinem historischen Zusammenhang reissen und völlig
isoliert betrachten kann, dürfte einleuchten. "Terrorangriffe" auf die
Zivilbevölkerung haben auch schon in den beiden vorhergehenden, grossen
Kriegen stattgefunden. Im preussischen Generalstab war man 1870 nicht
zu Unrecht der Ansicht, dass eine Beschiessung der Wohnviertel der
französischen Festungen am schnellsten zur Übergabe führte. Die
Bombardierung von London aus Zeppelinen im Ersten Weltkrieg, der
eigentliche Beginn des modernen Bombenkrieges, nahm auf die feindliche
Zivilbevölkerung so wenig Rücksicht, wie die Beschiessung von Paris mit
der "Dicken Bertha" [Kanone gegen Festungsanlagen]. (S.398)
[Der Luftkrieg soll für die
Militaristen "Materialschlachten" vermeiden helfen - militärische und
industrielle Ziele - die "Kampfmoral der Zivilisten" wird ein neues
"Ziel" - Ziel wird es, die "Nation"
vernichten]
Die strategische Konzeption des uneingeschränkten Bombenkrieges gegen
feindliche Städte ist ein direktes Ergebnis der Materialschlachten des
Ersten Weltkrieges. Diese Schlachten sind zur Zeit fast in
Vergessenheit geraten, aber sie werden als die grossen Blutsäufer ihren
Platz in der Geschichte behalten.
Um aus dem schrecklichen Patt des Stellungskrieges herauszukommen, bei
dem man einen Vorstoss von zehn Kilometer Tiefe mit 100.000 Toten
bezahlen musste, suchten die Generalstäbler aller Nationen nach 1918
neue Wege für die Rückkehr zum Bewegungskrieg. Schon vor dem grossen
Theoretiker der Luftmacht und des Bombenkrieges, dem italienischen
General Giulio Douhet [1869-1930], glaubten die leitenden Offiziere des
britischen Luftstabs im Bomber die Waffe der Entscheidung gefunden zu
haben (S.374).
[Geplantes
Moral Bombing schon 1918
Schon 1918 wurde für 1919 eine von den westlichen Alliierten eine
grosse Bombardierungs-Offensive gegen deutsche Städte im Sinn eines
"moral bombing" geplant, auch mit Bombardierungen von Berlin. Die
Bombardierungen wurden dann nicht mehr realisiert.
(http://www.erster-weltkrieg.clio-online.de/_Rainbow/documents/einzelne/Luftkrieg14_181.pdf)
Der Chef des Luftstabes, Sir Hugh Trenchard, erwartete, dass in Zukunft
nur noch Luftkriege stattfinden würden, und dass man die Armee auf eine
Art Polizeitruppe reduzieren könnte, die nach dem Luftsieg das
feindliche Land besetzte. Theorie und Planung sahen vor, dass die
Bombenangriffe nicht nur gegen militärische und industrielle Ziele,
sondern ausdrücklich auch gegen die "Kampfmoral der Zivilisten"
geflogen werden sollten.
"Das Ziel der Armee ist es, die feindliche Armee zu besiegen. Unser
Ziel aber muss es sein, die feindliche Nation zu besiegen", erklärte
Sir Hugh [Chef des britischen Luftstabes] in einer Stabssitzung am 19.
Juli 1923. Der mögliche Feind, der bei dieser Sitzung ins Auge gefasst
wurde, war nicht Deutschland, sondern Frankreich. Der Chef des
Luftstabes sagte unmissverständlich: "Es ist lebenswichtig, die
französische Nation (mit unseren Bombern) so schwer zu treffen, dass
sie früher aufschreit als wir."
[Durch die Bomben soll die
Hoffnung verloren gehen - Devise: Bomber kommen immer durch]
Man hatte aus dem Ersten Weltkrieg gelernt, dass für den Ausgang eines
Krieges weniger die Höhe der Verluste, als der Verlust der Hoffnung
massgebend war. Darum sollte mit der neuen Waffe nicht nur das
feindliche Industrie- und Kriegspotential vernichtet, sondern auch die
Hoffnung aus den Menschen herausgebombt werden.
[Devise: Bomber kommen immer durch]
Das Kriegsbild, das von den Propheten der Luftmacht gezeichnet wurde,
unterschied sich radikal von dem bisherigen. In der Luft liessen sich
keine Schützengrabensysteme und Festungsstreifen ziehen, in denen sich
Armeen festrennen und verbluten mussten. Ein unumstösslicher (wenn auch
unbewiesener) Lehrsatz der Anhänger des Bombenkrieges lautete daher:
"Die Bomber kommen immer durch!"
Man glaubte in diesen Kreisen nicht an die Möglichkeit, den
dreidimensionalen Luftraum in der vollen Länge der Landesgrenzen
abzuschirmen. Wohl rechnete man damit, dass sich die Bomber mit Flak
und Jägern herumschlagen mussten. Aber dass diese Abwehr den gut
bewaffneten und von allen Seiten anstürmenden Bombern den Weg verlegen
könnte, das hielt man für undenkbar.
Auch der künftige Krieg würde grausam sein, gab man zu. Noch 1936
rechnete die Planungsgruppe der britischen Chiefs of Staff für die
erste Kiegswoche mit 150.000 Toten allein in England durch deutsche
Bombenangriffe. Aber da die Bomber pausenlos und mit grösster Präzision
die lebenswichtigen Industrien, Kraftwerke und Verkehrswege eines
Landes zerstören würden, musste eine von beiden Seiten schon nach
kurzer Zeit in die Knie gehen. Der Krieg würde zwar grausam, aber kurz
sein. Siegen würde jene Nation, die dem Bombenhagel am längsten
standhielt. Die Zeit der (S.375)
jahrelangen Feldzüge und Schlachten war vorbei... wenigstens nach
Ansicht der Anhänger des Bombenkrieges.
Natürlich teilten Heer und Marine in England diese Auffassung vom
Gesicht des künftigen Krieges nicht. Sie waren überzeugt, dass Armeen
und Kriegsschiffe auch weiterhin die entscheidende Rolle spielen
würden und setzten eine etwas realistischere Verteilung der
Verteidigungsausgaben durch. Auch der Luftstab gab im Laufe der Jahre
zu, dass es nicht ganz ohne Armee und Marine ging. Aber in seiner
Grundauffassung von der kriegsentscheidenden Wirkung des strategischen
Bombenkrieges wurde er nie irre.
[Die Politik und der Jägerbau -
Erfahrungen aus dem spanischen Bürgerkrieg - die englische Bomberflotte
1938 ohne Technik ist nur für militärische Ziele geeignet]
Und die Politiker teilten weitgehend diese Auffassung. Sie bewilligten
die Mittel, die schon im Jahr 1936 für die Entwicklung der schweren
viermotorigen Langstreckenbomber benötigt wurden. Allerdings
"verwässerten" sie auch die Konzeption, indem sie grosse Summen des
Büdgets der Luftstreitkräfte für die Jägerproduktion abzweigten...
gegen den erbitterten Widerstand des Luftstabes. Wenn es auf ihn
angekommen wäre, dann hätte England 1940 nur über einen Bruchteil der
eingesetzten Jäger verfügt. So blind glaubte man noch an das alte
Dogma: "Die Bomber kommen immer durch."
Dabei lagen damals bereits die Erfahrungen des Spanienkrieges vor,
hatten die britischen Konstrukteure einen den Bombern überlegenen
Hochleistungsjäger entwickelt, und die Kette der Radarstationen
erfasste die anfliegenden Bomber schon in grosser Entfernung und
ermöglichte rechtzeitig eine Konzentration der Jäger im Angriffsraum.
Doch das alles konnte den Glauben des Luftstabs an die strategische
Bomberoffensive nicht beeinträchtigen.
Dass England dennoch im Jahr 1938 eine internationale Einschränkung des
Bombenkrieges auf rein militärische Ziele anstrebte, hatte ausser
moralischen auch schwerwiegende militärische Gründe. Denn bei der
Ausarbeitung der konkreten Angriffspläne musste der Befehlshaber des
Bomberkommandos erkennen, dass die operativen Planungen mit den
praktischen Möglichkeiten nicht in Einklang zu bringen waren. Die Zeit
der grossen theoretischen Entwürfe und der Grand Strategy war vorbei,
jetzt begann die Unerbittlichkeit der Praxis. Und erst jetzt stellte
sich heraus, dass das Bomberkommando weder genügend einsatzfähige
Bomber, noch ausreichende Navigationsverfahren, noch ernsthafte
Nachtflugerfahrung, noch nennenswerte Reserven an Maschinen und
Piloten,
ja nicht einmal moderne, hochexplosive Bomben besass.
Unter diesen Umständen wundert man sich nicht, dass der Befehlshaber
des Bomber Commands sofort seine Zustimmung gab, als angeregt wurde,
die (S.376)
Bomber nur gegen einwandfrei militärische Objekte einzusetzen. Doch
auch während dieser Zeit liefen die Aufträge für die viermotorigen
Langstreckenbomber weiter, und der Luftstab versicherte durch ein
Rundschreiben allen führenden Offizieren, dass die im Augenblick
notwendige Defensivplanung nicht etwa die offensive Strategie abgelöst
hätte.
In der offiziellen Geschichte des Bombenkrieges heisst es:
"Da man annahm, die Deutschen hätten 1500 Langstreckenbomber, war es
für das Bomberkommando natürlich die beste Politik, den
uneingeschränkten Bombenkrieg so lange hinauszuzögern, bis die neuen
und wirkungsvolleren Bomber aus den Fabriken kamen und ihre Besatzungen
ausgebildet waren."
[These von Karweina: Die
Zerstörung der
deutschen Städte wäre auch ohne die deutsche Luftwaffe gekommen -
bei den Briten stand die Luftkriegsstrategie an erster Stelle - für das
NS-Regime war die Luftwaffe nur eine Hilfe für den Landkrieg - das
Reich hatte keine Kapazität zur
Vernichtung Englands durch die Luftwaffe]
Während des Krieges und nachher ist oft erklärt worden, das
strategische Bombardement deutscher Städte sei nur eine Antwort auf den
Bombenkrieg der deutschen Luftwaffe gewesen. Diese Darstellung ist
oberflächlich. Der strategische Bombenkrieg wäre auch ohne die Angriffe
der Luftwaffe gekommen. Denn es war der einzige Krieg, auf den die
führenden Offiziere des britischen Luftstabs planungs- und
ausbildungsmässig vorbereitet waren.
Wie stark auch in der militärischen Praxis die Tradition des
strategischen Denkens durchschlägt, zeigt das Beispiel Deutschlands.
Dort dachte man in den Kategorien des Landkrieges, und selbst als 1935
die deutsche Luftwaffe offiziell ins Leben gerufen worden war und in
kurzer Zeit stärkemässig an der Spitze aller Mächte lag, kam es nicht
zur Planung einer strategischen Bomberoffensive. Nur der erste
Generalstabschef der Luftwaffe, General Wewer, entwickelte eine
Konzeption, die der britischen ähnlich war. Aber Wewer stürzte bereits
1936 ab, und mit seinem Tod wurde auch seine Konzeption endgültig zu
den Akten gelegt. Die Luftwaffe wollte eine Magd des Heeres, eine
Hilfswaffe des Landkrieges sein. Darauf wurde sie taktisch geschult,
und für diese Aufgabe wurden ihre Flugzeugtypen entwickelt.
Deutschland hatte bei Kriegsbeginn weder einen viermotorigen Bomber im
Einsatz, noch kam während des ganzen Krieges ein wirklich frontreifes
Modell zu den Kampfgeschwadern. Von den beiden Viermotorigen, die
tatsächlich geflogen wurden, war die He 177 ein krasser technischer
Versager, und die FW 200 "Condor" war eine umfrisierte
Passagiermaschine, die als Fernaufklärer und Gelegenheitsbomber gegen
Schiffsziele nur Aushilfsarbeit leisten konnte. Die Luftwaffe war ein
Schau- und Prunkstück des Dritten Reiches, aber ihren führenden
Offizieren war das Denken des reinen Luftkriegs fremd.
Das zeigte sich auch bei der Kriegsplanung. Erst am 18. Februar 1938
gab der Oberbefehlshaber der Luftwaffe der Luftwaffengruppe 2 den
Auftrag, (S.377)
"für den Fall eines Eingreifens Belgiens bzw. Englands in den Krieg die
Unterlagen für einen Einsatz gegen diese Mächte vorzubereiten." Nach
ersten Generalstabsstudien eines Luftkrieges gegen England erklärte die
Führungsabteilung der Luftwaffengruppe 2 am 22. September 1938: "Es
kann bei den bisher verfügbaren Mitteln nur mit einer störenden Wirkung
gerechnet werden. Ob diese zur Zermürbung des englischen Kampfwillens
führt, hängt von zum Teil unwägbaren, jedenfalls nicht voraussehbaren
Faktoren ab... Ein Vernichtungskrieg gegen England erscheint mit den
bisher zur Verfügung stehenden Mitteln ausgeschlossen."
[Planspiele der NS-Luftwaffe
1938-1939 besagen: England und sein Empire sind mit Luftschlägen gegen
London nicht in die Knie zu zwingen]
Das Lw.-[Luftwaffen]-Gruppenkommando 2 (später Luftflotte 2) führte im
Herbst 1938 bis Sommer 1939 mehrere Plan- und Kriegsspiele durch, die
den Einsatz gegen England betrafen. Am 22. Mai 1939 gab der Generalstab
1. Abteilung (Chef) eine Lagebeurteilung, die vom Chef des Generalstabs
gebilligt wurde. Dort heisst es unter 3. b):
"Terrorangriffe auf London. Das erkennbare Fortschreiten der englischen
Luftabwehr und ihre Organisation gerade im Gebiet um London würde
diesen Angriff auf die stärkste Stelle des Gegners lenken. Es erscheint
zweifelhaft, ob selbst eine Katastrophenwirkung in der Hauptstadt in
der Lage ist, eine kriegsentscheidende Bedeutung zu erlangen. Bei der
Zähigkeit der englischen Mentalität besteht vielmehr die
Wahrscheinlichkeit, dass hierdurch der nationale Wille zum äussersten
Widerstand eine unerwünschte Steigerung erfährt.
Die Luftflotte 2 machte den Vorschlag, "unter Aussparung des
Luftverteidigungsgebietes London in rollenden Angriffen kleiner
Verbände die englische Luftrüstungsindustrie sowie alle in abwehrarmen
Räumen gelegenen Anlagen der Wirtschaft und der Versorgung
anzugreifen". Dieser Vorschlag wurde in eine Weisung des
Oberbefehlshabers der Luftwaffe übernommen.
Bei der "Luftschlacht um England" zeigte es sich, wie richtig diese
nüchterne Einschätzung war. Die leichten und mittleren deutschen Bomber
waren nicht in der Lage, eine strategische Luftoffensive durchzustehen.
Die Schlacht musste abgebrochen werden. Die Luftwaffe war weder nach
Aufgabenstellung noch nach faktischer Stärke auf eine strategische
Bomberoffensive vorbereitet. Jede andere Darstellung verkennt das Wesen
einer strategischen Luftoffensive, oder ist als Schutzbehauptung
anzusehen. (S.378)
[Englands Korrekturen 1939: 50 %
Verluste bei Tagesangriffen - Streichung aller Tagesangriffe - auf
Nachtangriffe ist die RAF nicht vorbereitet]
Das britische Bomberkommando trat in den Krieg mit einer
durchschnittlichen täglichen Einsatzstärke von 200 Maschinen. Bereits
der "Sitzkrieg" vor Beginn des Westfeldzugs ergab eine entscheidende
Korrektur der bisherigen Planung. Am 14. Dezember 1939 landeten von
zwölf bei Tag gegen deutsche Schiffahrtsziele gestarteten
Wellington-Bombern nur sechs. (S.378)
Am 18. Dezember 1939 kamen von 24 gegen Wilhelmshaven gestarteten
Wellingtons nur zwölf vom Tagesangriff zurück. Diese untragbare
Verlustquote durch die feindliche Jagdabwehr veranlasste den britischen
Luftstab, alle weiteren Bombenangriffe bei Tageslicht abzusetzen. Ohne
eigenen Jagdschutz waren die Bomber den Jägern weit unterlegen. Aber
das Dogma "Die Bomber kommen immer durch" hatte die Entwicklung von
Langstreckenjägern zum Schutz der Bomber verhindert. Von nun an musste
der britische Bombenkrieg gegen Deutschland in der Hauptsache bei Nacht
geführt werden. Auf eine solche Wendung aber hatte sich das
Bomberkommando nie ernsthaft vorbereitet. (S.379)
[Das Bemühen um Beschränkung auf
industrielle Ziele - Hitler scheut die Eskalation gegen die
Zivilbevölkerung schon 1939 nicht]
Vor dem 10. Mai 1940 zeigten sich Deutsche und Alliierte gleichermassen
bemüht, den Bombenkrieg auf "militärische Objekte" zu beschränken. So
heisst es zum Beispiel in dem britischen Angriffsbefehl beim Einsatz
des Bomberkommandos gegen die deutsche Flotte am 4. September 1939:
"Mit grösster Sorgfalt ist darauf zu achten, dass die Zivilbevölkerung
nicht betroffen wird." Auch die Luftwaffe hatte strengen Befehl, sich
auf Schiffsziele zu beschränken.
Beide Seiten hatten sich aber bereits in Operationsstudien mit den
Problemen des Städteangriffs befasst. Dass man Zurückhaltung übte, war
ein Ergebnis der Kriegslage.Sobald die Lage sich änderte, nahm man
keine Rücksicht mehr auf die Zivilbevölkerung, oder machte sie gar zum
eigenen Angriffsziel.
So erklärte Hitler in einem Memorandum an Brauchitsch, Raeder, Göring
und Keitel vom 9. Oktober 1939:
"Der rücksichtslose Einsatz der Luftwaffe gegen das Herz des britischen
Widerstandswillens kann und wird im gegebenen Augenblick folgen." Dass
die Luftwaffe für einen solchen Einsatz nicht gerüstet war, erkannte
Hitler nicht. Moralische Skrupel gegen Städteangriffe hatte er jedoch
nicht... (S.386)
[1940-1941: Ein Jahr lang folgt
ein totaler Blackout der RAF im Nachtflug auf Punktziele - der
Entschluss zur Stadt als Ziel als einzige Chance 1941 - und dann drängt
Churchills Regierung zum Städtebombardement]
Nach der Bombardierung von Rotterdam wurde der "Ruhrplan" wirksam. Er
sah die Zerstörung von Schlüsselindustrien, Kraftwerken,
Eisenbahnanlagen und Raffinerien im Rhein- und Ruhrgebiet vor. Im
Gegensatz zu alten Überlegungen und Plänen sollte es sich um
Präzisionsangriffe auf Punktziele handeln, nicht um Angriffe gegen die
"Moral" der Bevölkerung. (S.387)
Ab dem Einmarsch der Wehrmacht in
die Benelux-Staaten ab 11. Mai 1940 schickte Churchill seine Royal Air
Force über deutsches Gebiet zur Zerstörung militärischer Ziele. Am 15.
Mai 1940 wurden knapp 100 englische Bomber ins Ruhrgebiet geschickt. Am
24. Mai 1940 verkündete Hitler, dass er die englischen Luftangriffe in
Deutschland nicht mehr akzeptieren würde und erklärte, dass die
Luftwaffe nun die Erlaubnis bekomme, ganz England mit voller Wucht
anzugreifen, als Rache für die Angriffe aufs Ruhrgebiet.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Es dauerte über ein Jahr, bis man im Luftstab
und im Bomberkommando erkannte (oder zugab), dass alle bisherigen
Nachtangriffe Fehlschläge waren. Die Besatzungen fanden beim Nachtflug
nur selten die richtige Stadt und trafen selbst dann im grellblendenden
Licht der Scheinwerfer so gut wie nie das vorgesehene Punktziel.
[Also liess Hitler seine Luftwaffe
nach England fliegen, um England zu bombardieren, obwohl die Royal Air
Force in Deutschland kaum Schaden angerichtet hatte. Hitler aber fühlte
sich mit dem Radar und Funkleitstrahl so überlegen, dass er einen
schnellen Sieg erwartete. England hatte noch kein X-Radar und konnte
nachts keine Bomber entdecken
(Schlussfolgerung Palomino)]
Nach einem peinlichen, aber realistischen Vergleich der Pläne mit den
Möglichkeiten entschloss sich der Luftstab, den Bombern in Zukunft
ganze Städte als Ziel anzuweisen. Wie sich in der Praxis bis zum
Kriegsende herausstellte, was das eine durchaus realistische
Einschätzung der Treffgenauigkeit grösserer Verbände beim Nachtangriff.
Dieser Entschluss zum bewussten Angriff auf die Kampfmoral der
Zivilbevölkerung ist schärfster Kritik ausgesetzt. Es gab noch zwei
andere Möglichkeiten. Einmal konnte das Bomberkommando die Angriffe auf
Deutschland so lange einstellen, bis die neuen, viermotorigen Bomber
samt ihren Radarnavigationshilfen und den neuen Zielverfahren
entwickelt und die Besatzungen entsprechend ausgebildet waren. In der
Praxis hätte diese "Pause" bei dem grossen Flugzeugbedarf der
zahlreichen Fronten dieses Weltkrieges (Kampf gegen Japan, in
Nordafrika und gegen die U-Boote im Atlantik) zu einer Aufsplitterung,
wenn nicht Auflösung des Bomberkommandos geführt. Selbst wenn dieses
Resultat nicht eingetreten wäre, hätten die neu aufgestellten
Bombergruppen auch keine kleineren Ziele als Stadtteile angreifen
können.
Die zweite Möglichkeit wäre eine Einstellung des gesamten strategischen
(S.379)
Bombenkrieges gegen Deutschland gewesen. Militärisch gesehen hätte das
den Verzicht auf eine zur Zeit zwar recht unwirksame, mit einigen
Anstrengungen jedoch stark verbesserungsfähige Waffe bedeutet. Das tut
keine kriegsführende Nation. Psychologisch dürfte eine Einstellung des
Bombenkrieges damals kaum möglich gewesen sein. England hatte diesen
Krieg nicht gewollt. Nachdem alle seine Verbündeten auf dem Kontinent
besiegt und besetzt waren, stellten die Bomber für einige Jahre die
einzige Waffe dar, mit der englische Streitkräfte Deutschland direkt
Schaden zufügen konnten. Auf eine solche Waffe kann man nicht
verzichten, wenn man sein Land weiter im Krieg halten will.
Es war daher vor allem die britische Regierung, die auf eine
Verschärfung des Bombenkrieges und zum Angriff auf ganze Städte
drängte.
[Hitlers NS-Regime liess zuerst
Englands Flugplätze und Flugzeugfabriken bombardieren. Anfang August
1940 verkündete das NS-Regime, dass Englands Zivilbevölkerung zum Ziel
geworden sei und Zentren der Zivilbevölkerung bombardiert würden.
London wurde somit zum Hauptziel, neben anderen strategischen Städten.
(http://jp29.org/2ar.htm)
Hitler hat also zuerst
ganze
Städte in Polen und dann in Frankreich, Benelux und England vernichtet,
und dann ganze Landstriche in Osteuropa
und Russland. Es war der deutsche Widerstand, der die deutsche
Radartechnik den Briten weitergab, so dass eine "Verschärfung des
Bombenkriegs" auf ganze Städte als "Antwort" zwei
Jahre später ab 1942 überhaupt möglich wurde.
(Schlussfolgerung Palomino)].
Die NS-Luftwaffe liess nach der Besetzung der Beneluxstaaten und nach
der Besetzung Frankreichs die Luftflotte 2 in den Niederlanden
stationieren, mit Zielen in Ost-England, und die Luftflotte 3 wurde an
der Seine in Frankreich stationiert. So kamen auch Städte an Englands
Westküste in den Bereich der deutschen Bomber. Die NS-Luftwaffe
bombardierte zuerst Flugzeugfabriken, Hafenanlagen, Öldepots und
spezialisierte Industriegebiete. Diese kleinen Angriffen auf beiden
Seiten hatten eine grosse Propagandawirkung. Ausserdem waren darunter
auch Übungsflüge für die Nachtnavigation. Die Alarme unterbrachen den
Menschen nicht nur den Schlaf, sondern auch die Produktion in der
Industrie. Die NS-Luftwaffe war mit Radiotechnik,
Radar-Leitstrahlsystems (Knickebein) und Radar im Vorsprung. Aber die
Briten hatten den technischen Vorsprung bald wieder aufgeholt.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Die NS-Luftwaffe hatte nach der Frankreichbesetzung sofort die
Luftherrschaft über den Ärmelkanal, und die Importe und Exporte musste
England nun über die Häfen an der englischen Westküste abwickeln. Aber
auch diese Hafenstädte wurden nun zum Ziel der Luftwaffe. Gleichzeitig
hatte England 1940-1942 aber eine absolut schwache Luftabwehr.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Gleichzeitig war die englische Bevölkerung der betroffenen, von der
NS-Luftwaffe betroffenen Gebiete, gegen die Anwendung von
Bombardierungen im Krieg.
(http://museum.woolworths.co.uk/1940s-remembernewcross.htm)
Da plante Hitler die Vernichtung der gesamten englischen Royal Air
Force und der damit verbundenen Flugzeugindustrie. Alles sollte Anfang
August vernichtet sein. Die Operation "Adlertag" sollte alle
Jagdflugzeuge südlich der LInie zwischen London und Gloucester
vernichten. Das sollte in 4 Tagen zu schaffen sein, meinte Hitler. Die
Vernichtung des RAF-Jagdkommandos sollte in 4 Wochen zu schaffen sein,
und danach sollte die Invasion Seelöwe beginnen. Die deutschen Bomber
verminten in der zweiten Juli-Hälfte 1940 nachts zuerst alle Häfen und
Kanäle an der englischen Ostküste, dann auch an der Westküste. In den
letzten Juli-Tagen hatten die Bomber auch die Aufgabe, beiläufig
militärische Ziele der englischen Flugzeugindustrie zu vernichten. So
entstand ein Tag-Nacht-Bombardement ("day and night bombing") Der auf
den 10. August festgesetzte "Adlertag" wurde wegen schlechten Wetters
auf den 13. August 1940 verschoben und dann die ganze Macht der
NS-Luftwaffe gegen Englands militärische Ziele der Flugzeugindustrie
losgelassen, die am Tag auf Sicht bombardiert wurden. Aufgrund der zu
kurzen Reichweite der deutschen Jagdflugzeuge Messerschmidt Bf 109
mussten die deutschen Bomber die letzten Streckenabschnitten ohne
Jägerschutz fliegen und waren willkommene Ziele für die englischen
Jäger, die dadurch bei Tagesangriffen erfolgreich die deutsche
Luftwaffe dezimierten. Somit wurde die Schlacht um England bis dahin
nur eine Schlacht um Südost-England, weil die deutschen Jagdflugzeuge
keine grössere Reichweite hatten und die Luftwaffe sich nicht so viele
Bomberverluste bei Tagesangriffen leisten wollte, und Hitler musste auf
Nachtangriffe umstellen, um keine Verluste mehr zu erleiden, was mit
sich brachte, dass nun ganze Städte das Ziel wurden und auf
militärische Punktziele verzichtet wurde. Manchmal wurde auch ein
Ausweichziel bombardiert, eben gerade dort, wo keine Wolken waren, oder
wo ein Wolkenloch war.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Bei den ersten Nachtangriffen
der NS-Luftwaffe Anfang September 1940 wurden 105- bis 250 kg-Ölbomben
verwendet. Das Leitstrahlverfahren wurde nach den Angriffen auf
Coventry, Birmingham und Wolwerhampton mit Störsendern blockiert. Gegen
die Radars aber (X-Radar und später Y-Radar) fanden sich keine Mittel.
Die Bomber, die mit X- und Y-Radar ausgerüstet waren, wurden die
Pfadfinderbomber, die mit Christbäumen und Leuchtbomben die Ziele
markierten und fortan "Beleuchtergruppen" genannt wurden. Sprengbomben
mit nun 1400 bis 1800 kg Gewicht wurden nun nicht nur dazu genutzt,
Häuser zu zerstören, sondern auch in einer zweiten Welle dazu,
Feuerwehrleute zu töten. Die Bomberwellen folgten einander in kurzen
Abständen, um Luftangriffe noch vor Mitternacht zu beenden, oder in
langen Abständen, um England möglichst lange unter Alarm zu halten.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Am 13. Januar 1941 gab das NS-Luftflottenkommando neue Befehle für den
Luftkrieg gegen England heraus, wie das Tag-und-Nacht-Bombardement
weiterzuführen sei. Die Angriffe auf Industriestädte wurden
herabgestuft, und es sollten nur noch Nachtangriffe gegen die
wichtigsten Importhäfen geflogen werden, die auch vermint waren.
Knotenpunkte der Rüstungs- und Flugzeugindustrie blieben aber weiterhin
Ziele, die wenn immer möglich mit Piratenangriffen durch
Einzelflugzeuge am Tag bombardiert werden sollten. Im März begannen
neue Grossangriffe mit frisch aufgefüllten Geschwadern der
NS-Luftflotten. Am 26. März 1941 wurden 600 Kampfflugzeuge von
Frankreich, Deutschland und dem Mittelmeerraum in Bulgarien und
Rumänien stationiert, um ab 6. April 1941 Operationen in Jugoslawien
und Griechenland zu fliegen. Von MItte Mai 1941 an war die NS-Luftwaffe
mit den Operationen in Russland
beschäftigt. Aber der Grundplan, die englische Kriegswirtschaft und die
industriellen Einrichtungen und Hafenanlagen zu zerstören, wurde
aufrechterhalten, um so zu kaschieren, dass ein Grossteil der Luftwaffe
sich in Russland befand. Ab August 1941 blieben noch 120
Bomberflugzeuge gegen England, die die Blockade weiterführen sollten.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Die offiziellen Historiker, denen sämtliche geheimen Dokumente
zugänglich waren, schreiben vielsagend:
"Die Änderung der Bombenkriegsstrategie (zum Städteangriff) war nicht
allein ein Ergebnis der Überprüfung der taktischen Möglichkeiten... Sie
war ebenfalls auf starkes Drängen prominenter Mitglieder des
Kriegskabinetts zurückzuführen, die den Deutschen mit gleicher Münze
heimzahlen wollten. Hier wurde die Initiative von den Zivilisten
ergriffen und nicht von den militärischen Befehlshabern."
Für einen gewissen Zeitraum dürften die Städteangriffe damit
unausweichlich gewesen sein. Auch der Luftstab hat sie immer nur für
eine Übergangslösung gehalten, bis zu jenem Tag, an dem gezielte
Schläge gegen kriegswichtige Industrieanlagen wieder möglich waren. Sir
Arthur Harris jedoch hatte sich in den Gedanken verrannt, dass er den
Krieg allein durch Bombenangriffe gewinnen könnte, wenn er dabei nur
deutsche Städte vernichtete. Dabei hätte spätestens im Herbst 1943 klar
sein müssen, dass man die deutschen Arbeiter durch Bomben nicht zum
Aufstand oder zur Flucht aus den Städten treiben konnte. (S.380)
[Die Strategie, Wohnraum
("Dehousing") und die Moral ("Moral Bombing") vernichten zu wollen,
ging nicht auf.
(http://www.gfm-kiel.de/klein/mei.html)]
In England gab es 1941 eine lange und teilweise mit grosser Erbitterung
geführte Diskussion in den Stäben und Kommissionen darüber, wie die
Bomberwaffe am besten eingesetzt werden sollte. Die Royal Navy hätte es
am liebsten gesehen, wenn alle Bomber zur U-Boot-Bekämpfung abgestellt
worden wären. Beim Empire Generalstab, der RAF und den Politikern fand
der Gedanke eines unterschiedslosen Flächenbombardements ganzer Städte
immer mehr Anhänger und setzte sich schliesslich durch (S.387).
[Keine neuen strategischen
Prinzipien des Krieges - die RAF ist in der Sackgasse der
Zermürbungstaktik - die realistischen "Amis" mit Langstreckenjägern
garantieren die Luftüberlegenheit - die RAF trifft in Frankreich am Tag
Punktziele besser als die "Amis"]
Zu dieser Zeit stand ebenfalls bereits fest, dass sich eine weitere
Prophezeiung der Bombenkriegstheoretiker nicht verwirklicht hatte: der
Luftkrieg entwickelte keine völlig neuartigen strategischen Prinzipien,
sondern verlief ganz nach den klassischen Regeln der Kriegskunst, mit
einem zähen, über viele Monate hingezogenen Ringen zwischen Angreifern
und Verteidigern, mit leichten und schweren Verbänden, Aufklärern, Vor-
und Nachhuten, mit Ablenkungsangriffen, Grossangriffen und Nachstössen.
Sir Arthur Harris hat die uralten Regeln hinter dem modernen Kampf der
Maschinen nicht erkannt. Das ist vielleicht nicht verwunderlich bei
einem Troupier, der Nacht für Nacht seine Besatzungen gegen die
deutschen Jägerschwärme und Flakstellungen schicken musste. Aber im
Luftstab hätte man bemerken müssen, dass man in eine Sackgasse geriet,
dass auch der Luftkrieg in eine Art "Stellungskrieg" ausartete, bei dem
mit dem Mahlen der Blutmühlen die Entscheidung nicht näherrückte.
Dabei spielte auch die
Radarentwicklung eine Rolle. Kurz nach dem 15. Dezember 1941 wurden auf
dem Experimentier- und Testgeländer Märkisch-Friedland in Deutschland
die Pfadfindergeschwader KGr 100 und III/KG 26 zusammengezogen, um
zusammen das Geschwader KG 100 zu binden. Im Januar 1942 flog das
Geschwader 2/KG 100 unter der neuen Bezeichnung Erprobungs- und
Lehr-Kommando einen Experiments- und Übungsflug X-Y. Damit wurde die
Bombardierungsgenauigkeit und die neue Variante des X-Verfahrens "Taub"
getestet. Das revidierte X-Verfahren lief auf einer neuen Frequenz und
hatte ausserdem eine für das menschliche Ohr unhörbare
Überschallfrequenz drauf. Das Erprogungs- und Lehr-Kommando X-Y unter
dem Kommando von Hautpmann Siegfried Langer bezog Mitte Februar 1942
sein Quartier in Amiens und begann gegen England Experiment-Angriffe
mit einem Luftangriff von 10 Bomberflugzeugen am 8. März. Die Präzision
des X-Verfahrens bei Tageslicht wurde während der ersten 10 Tage im
April ausgetestet, am 3. April 1941 gegen die Bristol Aeroplane Company
in Filton, sowie gegen die Gloster Aircraft in Brockworth bei
Gloucester am Nachmittag des 4. und 9. April 1942, nun wieder als
Erprobungs- und Lehr-Kommando 100 von Chartres aus.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
[Die Luftverteidigung der Briten
machte Fortschritte. Insgesamt hatte
die NS-Luftwaffe im Sommer 1942 40 Flugzeuge verloren und die Stärke
der deutschen Bomberverbände nahm stetig ab, der Druck des
Hitler-Regimes auf die Luftwaffe nahm gleichzeitig immer mehr zu, weil
die englischen Bombenangriffe auf deutsche Städte nun immer schlimmer
wurden mit den 1000-Bomber-Angriffen auf Köln, Essen und Bremen. Die
Luftwaffe hatte gleichzeitig einen Prototypen Ju 86R entwickelt, einen
Höhenbomber. Somit wurde in Beauvais in Frankreich ein
Höhenkampfkommando der Versuchsstelle für Höhenflüge stationiert,
später in 13/KG 6 umbenannt.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Ab der Konferenz von
Casablanca 1943 bombardierten Briten und "Amerikaner" gemeinsam rund um
die Uhr ("Bombing Round the Clock").
(http://www.gfm-kiel.de/klein/mei.html)
Die britische Flugabwehr wurde ab Anfang 1943 so stark, dass
Tagesangriffe für die NS-Luftwaffe nicht mehr möglich waren, sondern
nur noch Nachtangriffe geflogen wurden.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Ende 1943 beschloss wurden die RAF-Angriffe auf deutsche Städte immer
schlimmer, so dass Göring am 12. Dezember 1943 befahl, unter dem
Codenamen "Steinbock" oder "Ibex" eine neue Reihe Vergeltungsangriffe
gegen britische Städte zu starten. Insgesamt wurden im Westen bis Mitte
Januar 1944 ungefähr 500 Flugzeuge stationiert. Dabei versuchte die
NS-Luftwaffe, die englische Vorgehensweise mit Markierungsbomben
nachzuahmen, um noch konzentriertere Brände hervorzurufen. Aber die
deutschen Markierungsbomber der Ju 88 und Ju 188 markierten nicht gut
genug, und die britische Luftabwehr mit Radar-Flack, Z-Raketenbatterien
und Suchscheinwerfern sowie Nachtjägern in Kombination mit einem
Abhörsystem und Radarsystem am Boden verursachten nun hohe
Verlustraten. Allein im Januar und Februar 1944 wurden 129 NS-Bomber
heruntergeholt. Zudem wurde die Luftwaffe nun hoffnungslos aufgeteilt,
weil durch die Landung der Alliierten in Italien am 23. Januar 1944
eine neue Front entstand. Und der deutsche viermotorige Bomber Heinkel
177 war eine Fehlkonstruktion bei 50 % Abstürzen im Kampf, meist aber
durch Maschinenschaden.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Das Desaster mit einem viermotorigen deutschen Bomber war kein Wunder,
denn die Anforderungen des Luftfahrtministeriums an das Flugzeug waren
unmöglich. Die viermotorige Maschine sollte gleichzeitig auch
sturzkampftauglich sein,
(http://de.wikipedia.org/wiki/Heinkel_He_177)
und das war eine totale Überforderung für die Konstruktion.
(Schlussfolgerung Palomino)
Unpräzise Markierungen führten zu Fehlangriffen und die Fofo-Flieger
hatten alle Nächte voll zu tun, um auch die Markierungen der Pfadfinder
zu kontrollieren.
(http://www.century-of-flight.net/Aviation%20history/WW2/bombing%20in%20the%20Bristol%20area.htm)
Das Dritte Reich
provozierte 1944 mit
der V1 und der V2 und hatte weitere Raketentypen in der Entwicklung.
Churchill seinerseits will am 22.4.1944 einem besiegten Deutschland
keine Rechte gemäss der Atlantik-Charta oder einer sonstigen
Rechtsgrundlage mehr zugestehen, denn "bedingungslose Kapitulation
bedeutet, dass die Sieger freie Hand haben."
(http://www.nexusboard.net/showthread.php?siteid=6365&threadid=296702)]
Der prüfende Blick aus der Distanz von 20 Jahren bemerkt verwundert die
Resignation,mit der der Luftstab sich in die Zermürbungstaktik des
Nachtkriegs schickte und sogar die Amerikaner von seiner
Zweckmässigkeit überzeugen wollte. Dabei hätte inzwischen klar sein
müssen, dass ein entscheidender Bombenkrieg erst nach Erringung der
eindeutigen Luftüberlegenheit geführt werden konnte. Dieser Kampf liess
sich nicht durch ein Auswichen der angreifenden Bomber in die
schützende Dunkelheit gewinnen und auch nicht durch eine laufende
Verfeinerung des Katze- und Maus-Spiels zwischen Nachtjägern und
Nachtbombern. Die Luftüberlegenheit musste mit Jägern gegen Jäger
erkämpft werden. So kam denn auch erst die grosse Wende, als die
Amerikaner im Februar 1944 mit ihren Langstreckenbegleitjägern über
Deutschland auftauchten. Damals begann die entscheidende Phase des
strategischen Luftkrieges gegen Deutschland. Im April schon hatte das
8. Fighter Command (US) für die Tagesangriffe der amerikanischen Bomber
die deutliche Luftüberlegenheit hergestellt. Dies ermöglichte die
Zielangriffe gegen die Flugzeugindustrie und die Raffinerien.
[Dabei machte Hitler es den
Westalliierten insgesamt noch ziemlich leicht, indem der Düsenjäger am
Boden blieb, was bis heute strategisch gesehen unbegreiflich ist...]
Vor allem aber ermöglichte die endlich erkämpfte Luftüberlegenheit bei
Tage den Alliierten die Zerstörung des Verkehrsnetzes in
Nordfrankreich, die anschliessende Invasion und schliesslich auch den
zweiten Blitzfeldzug quer durch Frankreich. Bei dieser an den Erdkampf
zweckgebundenen Bomberoffensive zeigte das britische Bomberkommando
eine hervorragende Treffgenauigkeit, die oft über der amerikanischer
Tagesverbände lag. Dabei waren die Verluste bei Nacht erheblich höher
als am Tage. Erst im August 1944 liess mit einem Schlag auch die
Kampfkraft der hervorragenden deutschen Nachtjäger stark nach. Durch
den Vormarsch der alliierten Armeen hatten sie ihre vorgeschobenen
Radarketten in Nordfrankreich und Belgien verloren, und durch die
amerikanischen Tagesangriffe war Flugzeugbenzin so knapp geworden, dass
nur noch verschwindend wenig Maschinen Starterlaubnis bekamen.
[Die Schlussvernichtung
Deutschlands, das keinen Sprit mehr hat - einen Aufstand gegen die
NS-Herrschaft gab es
nie
durch ein Bombardement]
Nun erst war der Weg tatsächlich frei für jene vernichtende und nicht
abreissende Kette von Luftangriffen auf das feindliche Land, von der
die Theoretiker in den zwanziger und dreissiger Jahren so viel
geschrieben hatten. Nun erst kamen die Bomber tatsächlich immer durch.
Ihre Zielangriffe (S.381)
gegen Raffinerien und Verkehrsknotenpunkte schufen die Voraussetzungen
für den raschen Vormarsch der westalliierten Armeen. Ihre weiterhin
geflogenen Städteangriffe dagegen waren strategisch sinnlos geworden
und nur noch erklärbar als Akte eines unflexiblen Denkens, das den
grundsätzlichen Umschwung der Lage nicht zu erkenne vermochte.
[Jede Seite hatte ihren
"Bomber-Baedeker". Der Baedeker der zu bombardierenden Städte auf
englischer Seite musste abgehakt
werden].
Psychologisch gesehen haben allerdings diese Städteangriffe eine starke
Wirkung gehabt, denn sie zeigten der deutschen Bevölkerung, dass dieser
Krieg hoffnungslos verloren war, und in zahlreichen Städten wurde der
Einmarsch der Alliierten erleichtert begrüsst, weil damit der
Bombenkrieg endlich ein Ende gefunden hatte. Dennoch muss festgestellt
werden, dass es auch in dieser letzten Kriegsphase selbst nach
schwersten Vernichtungsangriffen in keiner Stadt zu offener Auflehnung
gekommen ist. Die Schlacht gegen die "Moral" hatten die Bomber
verloren.
[Ende 1944 und 1945 vollzogen die
alliierten Flieger zum Spass auch Tieffliegerangriffe auf alles, was
sich in Deutschland bewegt [1]. Sie schossen auf Kinder auf dem
Schulweg, auf Bauern auf dem Feld etc. [2]
[1]
http://www.gfm-kiel.de/klein/mei.html
[2] Zeugenaussagen an Michael Palomino
[Bomberei im Hinterland des
Feindes - Städtebombardements binden Kräfte des Gegners - Zielangriffe
waren nur mit Zielmarkierungsbomben möglich]
Doch über die Bedeutung des strategischen Bombenkrieges für den
Kriegsausgang kann man ernsthaft kaum streiten. Der Grosseinsatz der
strategischen Bomber war entscheidend. Ohne diesen Einsatz wäre die
Invasion kaum geglückt, hatte der Ausbruch aus dem Landekopf mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gelingen können. Ohne
das unablässige Hämmern der strategischen Bomberverbände auf das
deutsche Hinterland endlich wäre die deutsche Front am "Westwall" nicht
so leicht geplatzt und der Durchbruch in die Tiefe nicht gelungen. Man
muss nur an den Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs erinnern, um den
Unterschied sichtbar zu machen, der auf den Einsatz der Bomber
zurückzuführen ist.
Wesentlich umstrittener ist der Wert der Städteangriffe zwischen 1942
und 1945. Bei ihrer Beurteilung hat sehr oft das Gefühl eine
entscheidende Rolle gespielt. Ihnen rundweg jeden militärischen Sinn
abzusprechen, wie das zahlreiche Kritiker tun, ist unrealistisch.
Schliesslich banden die Bomber im Jahr 1944 fast 900.000 Mann der
Heimat-Flak-Verbände in Deutschland, entzogen den deutschen Fronten bis
30 % der Flakgeschützproduktion und verlangten eine laufende
Verstärkung der Tag- und Nachtjagdgeschwader.
Auch der wirtschaftliche Wert dieser Städteangriffe dürfte in
zahlreichen Veröffentlichungen, darunter amtlichen der Amerikaner, zu
gering veranschlagt werden. Die erhaltengebliebenen Papier des
Speer-Ministeriums sprechen eine andere Sprache. Wenn die Produktion
von Kriegsmaterial trotz der Bombenangriffe bis 1944 weiter stieg, dann
muss man auch fair bedenken, wieviel mehr sie ohne Bombardierung
gestiegen wäre.
Wesentlich für die strategische Beurteilung der Städteangriffe aber
ist, dass (S.382) das Bomberkommando erst bei diesen Angriffen jene
taktischen und operativen Erfahrungen sammelte, die ihm die späteren,
besser gezielten Schläge ermöglichten. Man muss in aller Nüchternheit
darauf hinweisen, dass ohne "area bombing" und die dafür entwickelten
Navigations- und Zielhilfsmittel die entscheidende Vorbereitung der
Invasion durch das Bomberkommando nicht hätte wirksam durchgeführt
werden können. Man vergisst häufig, und zum Teil weiss man es wohl auch
nicht, dass es zu jener Zeit nicht etwa die Wahl gab zwischen
Städteangriff und gezieltem Objektangriff. Wie wir in dieser Chronik
gezeigt haben, war es für die Normalbesatzung lange Zeit kaum möglich,
ohne Hilfe der farbigen Pfadfinder-Zielmarkierungsbomben eine grosse
Stadt zu treffen. Und selbst mit diesen Markierungsbomben schlugen, wie
wir ebenfalls, z.B. bei Hannover, gezeigt haben, viele Angriffe noch
fehl. Erst wenn die Besatzungen Zielgebiete von der Grösse eines
Stadtteils regelmässig trafen, konnte man ihnen mit Aussicht auf Erfolg
kleinere Ziele zuweisen. Dieser Prozess ist nicht umkehrbar.
[Überflüssige Städtevernichtungen
ab Sommer 1944]
Hier kann die Kritik also nicht ansetzen. Dagegen kann sie den
verantwortlichen Männern mit voller Berechtigung vorwerfen, dass sie an
den Städteangriffen auch nach dem Sommer 1944 noch festhielten, als
bereits wesentlich besser gezielte Angriffe auf die kriegsentscheidende
Treibstoff-Industrie und das deutsche Verkehrsnetz möglich waren. Die
Bombenlasten, die in den letzten neun Monaten des Krieges über den
deutschen Städten ausgeklinkt wurden, stehen in gar keinem Verhältnis
mehr zu den militärischen Erfordernissen. "Eine Orgie des
Bombardierens" hat ein kluger alliierter Beobachter diese Zeit genannt.
Der Vernichtungsangriff auf Dresden ist das Symbol für diesen Verlust
der Rationalität...
[Ergänzung: Die Westalliierten
konnten die NS-Rüstungsindustrie kaum noch bombardieren, weil sie seit
1941 immer mehr unterirdisch
angelegt war. Städtebombardements blieben die einzigen Zeichen, dass
eine starke Zweite Front bestand. Hätte das deutsche Regime die
Westalliierten ab 1944 nach Berlin ziehen lassen, wären alle
Städtebombardement
ab Sommer 1944 nicht passiert...]
Trotz der apokalyptisch anmutenden oder unterkühlt sachlich
auftretenden Prophezeiungen der Theoretiker des Bombenkriegs zwischen
den beiden Kriegen sind Seeherrschaft und Landschlachten im Zweiten
Weltkrieg nicht überflüssig geworden. Die Bomberflotten haben die alten
Kriegsregeln nicht umgestürzt. Es hat im Gegensatz der Anwendung dieser
alten Regeln bedurft, um auch den strategischen Luftkrieg endlich zur
optimalen Wirkung gelangen zu lassen. (S.383) [...]
[Schwere Navigationsfehler bis
1945: Prag statt Berlin]
Schwerwiegende Navigationsfehler waren beim Nachtbombardement selbst in
den letzten Kriegsjahren noch nicht ganz zu vermeiden. Dass sie auch
bei Tagesangriffen vorkamen, beweist jener Bomber der USAF, der am 14.
Februar 1945 statt Dresden Prag bombardiert hat. (S.387)

Buch des Analysten Patrick Bishop: "Bomberboys" ("Bomberbuben"), ein
sarkastischer Titel, der erahnen lässt, dass der Autor von den
soziologischen Gegebenheiten in Diktaturen und von der Kollaboration
der Industrie der "USA" mit Hitlers Wehrmacht keine Ahnung hat...
[Die Bilanz des Luftkriegs als
Mahnung: In Deutschland 593.000 Zivilopfer]
Auch ein Atomkrieg wird sich diesen
gesetzmässigen Abläufen des Kriegsgeschehens nicht entziehen können.
Die unvermeidliche Folge wird die Zerstörung der wichtigsten
Lebenszentren ganzer Kontinente sein. Auf beiden Seiten hat man aus dem
letzten Krieg gelernt, dass Kriege ihre eigene Folgerichtigkeit haben.
Bei der alliierten Luftoffensive gegen Deutschland wurden nach
amtlichen Unterlagen wenigstens 593.000 Zivilisten getötet. Vielleicht
(S.383)
sollte das der Menschheit an der Schwelle zum atomaren Zeitalter eine
letzte Warnung sein. Und so sollen am Schluss dieses Berichtes die
Worte jener Urkunde stehen, die in das Hamburger Mahnmal für die 55.000
Luftkriegsopfer dieser Stadt eingemauert worden ist:
"Möge dieses Grab für alle eine eindringliche Mahnung zur Besinnung und
zur Menschenliebe sein." (S.384)
[England wurde von der
NS-Luftwaffe
bombardiert, ohne dass England die deutsche Grenze angegriffen
hatte]
Wenn die Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg auch nicht auf eine
strategische Bombenoffensive vorbereitet war, so lässt sich von ihren
Angriffen doch nicht behaupten, dass sie auf die Zivilbevölkerung
besondere Rücksicht genommen hätte. Das zeigt sich schon am starken
Einsatz zweier Waffen, mit denen ein gezielter Wurf nicht möglich war:
den Brand- und den Luftminenbomben. Es war völlig ohne Malice, als
Luftmarschall Sir Robert Saundby in einem Gespräch mit David Irving
sagte: "Wir sind nach dem Lehrsatz von Clausewitz vorgegangen, dass im
Krieg alles legitim ist, was zum Siege führt. Das muss für die
unprovoziert angegriffene Nation erst recht gelten."
Wer die moralische Position bezieht, kann auch dem taktischen
Bombardement kaum mit Nachsicht begegnen. Dass es international als
erlaubt angesehen wird, ist ein Kompromiss, der mit "Moral" wenig zu
tun hat. Denn was konnten etwa die Bewohner von Rotterdam oder Halle
dafür, dass ihre Städte plötzlich in der Kampflinie lagen und ihre
eigenen Armeen sich am Stadtrand eingruben? Waren Frauen und Kinder
deshalb schon legitime Angriffsobjekte?
Diese Überlegungen sollen nicht dazu führen, eine unmenschliche
Kriegsführung zu verherrlichen. Sie sollen nur dazu dienen, die
Diskussion zum Kernpunkt zu führen: dass nämlich in unserem Jahrhundert
der progressiven Technik auch der Umfang der Kriegsverluste progressiv
ist. "Taktisch" Atomwaffen von heute können die Grauen von Dresden in
den Schatten stellen. Statt nach Schuld von Gestern zu suchen, sollten
wir an die Pflicht von
Morgen denken. (S.398)
[Schlussfolgerung:
Luftkrieg ist eine Sackgasse
Der Luftkrieg ist die Sackgasse
selbst. Die Pflicht wäre es, dass die "USA" und Herzl-Israel endlich
abrüsten
und alle Staaten die Menschenrechte unterschreiben, und dass jeglicher
Luftkrieg
unterbleibt
(Schlussfolgerung Palomino)].
Englische Thesen über den
Luftkrieg: Bombardements hätten die Demokratisierung bewirkt
Patrick Bishop, der Autor des Buchs "Bomberboys", meint, dass es ein
Verbrechen gewesen wäre, auf Kampfmethoden gegen die Nazis zu
verzichten, und dass die Bombardierungen der deutschen Nation geholfen
haben, sich in eine Demokratie zu verwandeln.
(wörtlich:
"Patrick Bishop’s claim is that to hold back on any method of defeating
the Nazis would have been a crime and that bombing helped to convert
the German nation to democracy.")
(http://your.sydneyanglicans.net/culture/reading/bomber_boys/&h=341&w=225&sz=26&hl)
[Ergänzung:
Die Vorgeschichte 1931-1940 -
wenige englische Bomben 1940 - ab
1941-1945 reine alliierte Zerstörungslust gegen das
deutsche Kulturerbe
Der Bombenkrieg Englands gegen Hitler-Deutschland war auch die Antwort
auf NS-Bombardements und auf den verbrecherischen U-Boot-Krieg der
deutschen Flotte gegen englische Handelsschiffe und die Besetzung von 6
europäischen Ländern innerhalb von 5 Monaten:
-- Hitlers Bomben töteten schon in Spanien 1936-1938, wo England
"neutral" zugeschaut hatte
-- 1939 wurden durch NS-Bomber erste Städte mit gezielten, grossen
Städtebombardements zerstört (erstes Flächenbombardement in Warschau)
[1]
-- 1939-1941 versenkten die deutschen U-Boote reihenweise englische
Handelsschiffe von Juni bis Oktober 1940 allein
270 alliierte
Schiffe. Diese Zeitspanne wurde bei den U-Boot-Besatzungen als "Die
Glückliche
Zeit" bekannt [2]. Man informiere sich auch über die versenkten Schiffe
bei den Chronologien der einzelnen U-Boote [3]. Gleichzeitig versuchten
England und Deutschland, sich gegenseitig einzukreisen bzw.
abzuriegeln, und die Gefahr,eingekreist zu werden, wurde für England
nach dem Frankreichfeldzug sehr real.
-- im April 1940 wurden Dänemark und Norwegen von NS-Streitkräften
besetzt [4]
-- während des Frankreichfeldzugs bombardierten und zerstörten deutsche
Bomber
belgische und nordfranzösische Städte zum Teil zum zweiten Mal
innerhalb von 25 Jahren, z.B. Amiens, das 1940 noch nicht ganz
wiederaufgebaut war, und ebenso Dünkirchen u.a. [5]
-- Italien konnte sein Staatsgebiet ebenfalls gegen Frankreich hin
vergrössern: Italien kann seine Grenze gegen Frankreich in Richtung
Westen vortreiben [6] und besetzt auch Korsika [7]
-- zudem war Hitlers Koalitionspartner Japan schon seit 1931 daran,
ganze Städte in China mit Bombardements auszulöschen und Bevölkerungen
mit chemischen Bomben auszurotten mit dem Plan, dass Japan und
NS-Europa eine gemeinsame Grenze in Indien pflegen würden [8].
Insofern waren Churchills kleine Bombardierungen von 1940 sicher keine
unangebrachte Massnahme, um überhaupt über positive Meldungen gegen das
Dritte
Reich und gegen die Frankreichbesetzung zu verfügen. Gemäss Fachkreisen
war die Bombardierung von Mönchengladbach keine Absicht, sondern die
englischen Staffeln hatten den Auftrag, deutsche Verbindungslinien zu
unterbrechen. Der Bombenschaden in Mönchengladbach wurde von den
deutschen Stellen auch nicht als Bombardierung einer Stadt gewertet
[9].
Ein Frieden mit
Hitler wurde von Churchill abgelehnt, weil Hitler die Welt schon x-fach
mit
Friedensbeteuerungen betrogen hatte. Seit 1933 und ab der Konferenz von
München
von 1938 hat Hitler jede grosse Krise mit Truppen beantwortet, wo kein
Krieg hätte sein müssen. Ferner war seit 1933 auch ein KZ-System schon
installiert und Judendeportationen waren seit 1938 schon im Gang [10],
und es waren auch noch mehr Judendeportationen zu erwarten.
Bombardements waren in Anbetracht der NS-Überlegenheit während des
Frankreichfeldzugs 1940 und in Anbetracht der Brutalität des NS-Systems
für England und für das Empire die einzige Möglichkeit, sich zu wehren
und den Alliierten
zu Hilfe zu kommen, wobei viele französische Einheiten jeden Kampf
vermieden und selbst für eine NS-Besetzung waren, weil sie selbst nicht
mehr an die Demokratie glauben wollten, was heute allgemein bekannt
ist.
Aber: Ab 1942 sind die Städtevernichtungen in Deutschland für die
englische
Kriegssituation nicht mehr gerechtfertigt, weil die alliierte
Technik mit neuem
Radar und Funkentschlüsselung die deutschen U-Boote immer mehr in den
Griff bekam, die eigenen Verluste auf See weitgehend zurückgingen, und
die Zweite Front sogar um zwei Jahre hinausgezögert wurde [11].