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Städtebombardements Zweiter Weltkrieg

11. März bis 9. April 1945: Kiel. Düsenjäger ME 262 ohne Sprit

  Neue Grossangriffe wegen "Wunderbooten" - ein geretteter Dackel - Kohlenmonoxyd im Moltke-Bunker - Düsenjäger ME 262 mit kaum Sprit - Bomben gegen U-Boot-Fertigelemente - Untergang der "Admiral Scheer" - Bombenteppiche auf die Stadt - Bilanz: 90 Grossangriffe

präsentiert und mit Ergänzungen versehen von Michael Palomino (2008)


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ggg
aus: David J. Irving [u.a.]: Und Deutschlands Städte starben nicht. Ein Dokumentarbericht (Karweina 1964)
Statt sich auf die Werften zu konzentrieren und die Zufahrtswege unpassierbar zu machen [1], bombardierten die Alliierten gleich die ganze Stadt, und so wurde Kiel zu 73 % vernichtet... [2]
[1] Schlussfolgerung Palomino
[2] http://www.gfm-kiel.de/klein/mei.html


[Der Grossangriff vom 11. März 1945 misslingt]

Der erste Grossangriff nach der neuen Bomberdirektive [?] wird wegen des Winterwetters erst am 11. März 1945 von den Amerikanern geflogen. Da die Bodensicht schlecht ist und der Bombenabwurf nach den Angaben der Radargeräte nicht sorgfältig genug durchgeführt wird, verzettelt sich der amerikanische Angriff.

Gemäss anderen Angaben war der Angriff gar nicht so "verzettelt":

11.3.1945 Grossangriff auf Kiel

Am 11.3.1945 griffen am Sonntagnachmittag gemäss "amerikanischen" Angaben 1256 B-17-Bomber mit 814 P-51-Jägern U-Boot-Werften und Schiffswerften von Kiel und Bremen an, sowie Raffinerien in Hamburg, bei Verlust eines B-17-Bombers und 4 P-51-Jägern. Kiel wurde von 344 B-24-Bombern angegriffen, mit Angriffen auf Krupp-Werft, Germaniawerft und U-Boot-Werft in Kiel, eskortiert von 232 P-47- und P-51-Jägern, bei 2 beschädigten B-24-Bombern und einem Verlust eines P-51-Jägers.

Gemäss Zeugenangaben erfolgte der Angriff in mehreren Wellen mit Sprengbomben und vor allem Brandbomben. Getroffen wurde vor allem das südliche Kiel, die Innenstadt und das Ostufer [mit den Werften], mit Zerstörung oder Beschädigung von Häusern, auf das Rathaus, auf die Vereinsbäckerei, und auf Bunkereingänge, so dass auch Kinderwagen brannten.
(http://www.spurensuchesh.de/luftangriffe.htm)


[3. April 1945: Bombenteppiche - Warnungen von Dönitz seit 3.1.1945]

Am Nachmittag des 3. April 1945 kommen die Amerikaner wieder. Über 750 Fliegende Festungen werfen 2200 Tonnen Spreng- und Brandbomben ab. In dem Luftkriegsbericht des Statistischen Amtes der Stadt Kiel heisst es (S.313)

darüber:

"Kiel erlebte einen sehr schweren Nachmittags-Angriff. Es wurden 42 Bombenteppiche gezählt, die erneut in den meisten Stadtteilen grosse Verwüstungen hervorriefen. Besonders betroffen wurden die Werften und der Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf. Auf den Deutschen Werken wurden 70, auf der Germania-Werft 30 Sprengbomben registriert."

3.4.1945 Grossangriff auf Kiel

Am Nachmittag des 3.4.1945 griffen gemäss "amerikanischen" Angaben 752 B-17-Bomber in Begleitung von 569 P-51-Jägern in Kiel die U-Boot-Werften an, bei 2 verlorenen Bombern und 4 verlorenen Jägern. 693 weitere  B-17-Bomber die Deutsche U-Boot-Werft, 24 Bomber die Howaldt-U-Boot-Werft an, begleitet von 98 P-51 Jägern, bei einer beschädigten Maschine [Jägermaschine?].

Gemäss Zeitzeugen folgten nach einigen kreisartigen Flügen mehrere Wellen feindlicher Bomber mit unablässigem Abwurf von Luftminen, Sprengbomben und Brandbomben. Die Beobachter vom Rathausturm zählten 42 Bombenteppiche. Schwerpunkt der Treffer waren die Werften und der [angrenzende] Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf, bei den Deutschen Werken 70 Sprengbomben, bei der Germaniawerft 50 Sprengbomben, ausserdem schwere Treffer auf mehrere Kriegsschiffe und sonstige Fahrzeuge, darunter der schwere Kreuzer "Admiral Hipper" mit zwei Treffern, und die "Emden" mit einem Treffer.

Bild 217: Kiel, der schwere Kreuzer "Admiral
                  Hipper" im Dock nach den Angriffen nach dem
                  3.4.1945.
vergrössernBild 217: Kiel, der schwere Kreuzer "Admiral Hipper" im Dock nach den Angriffen nach dem 3.4.1945.

Strassenbahn fuhr keine mehr, ein Grossteil der Omnibusse fiel aus, der öffentliche Verkehr war damit praktisch ausgeschaltet. Gas, Wasser und Licht war ebenso ausgeschaltet. Eine Sprengbombe, die den Eingang des mit mehreren Öfen geheizten "Moltke-Stollens" verschüttete, bewirkte den Tod von ca. 230 Menschen durch Kohlenoxydgase. Beim "Lessing-Bunker" kamen durch einen Volltreffer 20 Personen ums Leben.
(http://www.spurensuchesh.de/luftangriffe.htm)

Für Hitler, der in seinem unzerstörbaren Bunker in der Reichskanzlei lebt, kommen diese Angriffe nicht überraschend. Grossadmiral Karl Dönitz hat ihm schon am 3. Januar abends unter vier Augen mitgeteilt, welche Gefahr den "Wunderbooten" droht.

Dönitz notiert gleich nach der Unterredung den Verlauf des Gespräches in einer Aktennotiz:

"Der Oberbefehlshaber der Marine gibt dem Führer einen Überblick über den augenblicklichen Stand des Tonnage-Krieges und seine voraussichtliche Entwicklung in nächster Zeit. Die Meldungen der Schnorchel-U-Boote beweisen, dass auch diese Boote zu Erfolgen fähig sind, und zwar in Gebieten, in denen die deutschen U-Boote sei mehr als drei Jahren nicht mehr auftreten konnten. Um so eher aber wird der Gegner den Eindruck gewinnen, dass die neue deutsche U-Boot-Offensive bereits wieder angelaufen ist. Mit starken Gegenmassnahmen muss daher schon in allernächster Zeit, noch vor dem ersten Auftreten der neuen U-Boot-Typen, gerechnet werden. Diese (Gegenmassnahmen) werden sich wegen der geringen Bekämpfungsmöglichkeit der Boote in See im Hinblick auf ihr Verschwinden von der Wasseroberfläche zwangsläufig gegen die U-Boot-Stützpunkte und Werften richten.

Die Sorgen um die Durchführung des neuen U-Boot-Krieges liegen also nicht bei den Operationen in See, sondern ausschliesslich bei der Bedrohung der Heimatbasis durch die feindliche Luftwaffe. Der Führer stimmt den Gedankengängen des OBdM [Oberbefehlshaber der Marine] durchaus zu und geht im einzelnen auf die Möglichkeit der Abhilfe ein. Insbesondere betont er, dass er die Flakverstärkung für die Häfen persönlich übernehmen will." (S.314)

[Gleichzeitig werden Millionen Deutsche vertrieben, so wie 1939-1943 von der SS Millionen Osteuropäer vertrieben wurden, und in den Bunkerbauten und in der Roten Armee kommen Millionen Juden um...]


[3. April 1945: Bombenteppiche - Walter Bock in der Villa von Admiral von Friedeburg - die Rettung von Personen aus dem Nachbarhaus]

Am 3. April [1945] merken die Kieler nicht viel von dieser Flakverstärkung, die Hitler seinem Grossadmiral versprochen hat. Der Marinestabsgefreite Walter Bock ist einer von über 150.000 Menschen, die immer noch in der schwer angeschlagenen Stadt leben. Als die Sirenen um 16.19 Uhr Vollalarm geben, rennt Bock in den Keller. Der Stabsgefreite ist Hausmeister in der Villa des Admirals von Friedeburg, des Befehlshabers der U-Boote, im Niemandsweg. Er sitzt ganz allein in der Waschküche der Villa, die er sich als Luftschutzkeller ausgebaut hat.

Schon nach wenigen Minuten heulen die ersten Bombenteppiche herunter. (S.314)

Quer durch das Düsternbrooker Gehölz kommen die Einschläge heran. Nur Sekunden liegen zwischen den einzelnen Explosionen. Und immer näher kommen sie auf die Villa zu.

Der Stabsgefreite Bock sitzt wie gelähmt auf seinem Stuhl. Da schleudert ihn eine ungeheure Druckwelle quer durch den Raum. Bock hört Balken prasseln und Steine rutschen. Mit einem Schlag ist es stockdunkel geworden, dichte Staub- und Dreckwolken hängen in der Luft.

Für einen Augenblick verlässt den Stabsgefreiten das Bewusstsein. Aber gleich kommt er wieder zu sich. Er tastet seinen Körper ab. Nur ein paar Prellungen, nichts von Bedeutung. Auf allen vieren kriecht er durch das Gewirr der zerbrochenen Abstützbalken zum Notausgang.

Aber der Notausgang ist verschüttet. Erschrocken arbeitet sich der untersetzte Mann durch die halb zusammengestürzte Waschküche zurück. Er kann eine Kellertür freilegen und sich über die Treppe nach oben retten. Eine schwere Sprengbombe ist dicht neben dem Haus in den Garten gefallen, hat die Erde hoch gegen das Haus getürmt und das halbe Dach weggerissen. Bock hört von der Strasse eine Männerstimme: "Ist da jemand?"

Er meldet sich. Ein Hauptmann der Wehrmacht winkt ihn aufgeregt heran. "Kommen Sie mit! Drüben im Nachbarhaus sind Frauen verschüttet!"

Das Nachbarhaus gehört einem Versicherungsvertreter, der Soldat ist. Seine Frau hat Bock noch kurz vor dem Angriff gesehen, auch die Putzfrau. Das Haus hat einen Volltreffer bekommen. Es ist nur noch ein Trümmerhaufen. Aus einem Kellerfenster dringen schwache Hilferufe.

Der Stabsgefreite Bock kriecht durch das Kellerfenster. Vor ihm liegen Trümmer über Trümmer. Vorsichtig räumt er die Steine zur Seite, arbeitet sich langsam unter der Kellerdecke vorwärts.

Er erkennt das Gesicht der Nachbarin. Sie ist bis zum Hals verschüttet. Und sie schreit markerschütternd. Wenige Schritte weiter sieht er die Putzfrau. Auch sie ist bis zum Hals von Steinen und Schutt eingeschlossen. Sie wimmert nur leise.

Im Dämmerlicht bemerkt der Stabsgefreite, dass der hintere Teil des Kellers nicht eingestürzt ist. Dort stehen Schaufel und Spitzhacke. Bock zwängt sich mühsam an den Verschütteten vorbei, um zu den Werkzeugen zu gelangen.

Da findet er noch einen dritten Überlebenden. Neben der Putzfrau ist ein kleiner Dackel zwischen zwei Balken festgeklemmt. Der Marinesoldat will das Tier sofort befreien, greif hin... und hat einen Biss weg.

Walter Bock kriecht zu den Werkzeugen und trägt den Schuttberg ab. Die (S.315)

verzweifelten Schreie der Nachbarin spornen ihn zu übermenschlichen Leistungen an.

Jetzt zwängt sich ein zweiter Mann durch das Fenster in den halb verschütteten Keller. Es ist Professor Kreuzfeld, der Direktor der Kieler Universitäts-Nervenklinik. Er gibt der von Schmerzen gepeinigten Frau eine Beruhigungsspritze.

Noch eine halbe Stunde lang schuftet Bock. Dann endlich hat er die Nachbarin freigeschaufelt. Mit äusserster Vorsicht schiebt er sie aus dem Kellerfenster nach draussen. Dort ist gerade ein Sanitätskommando der Marine eingetroffen. Die Sanitäter legen die Nachbarin auf eine Bahre. Sie sieht die Männer mit einem dankbaren Blick an.

Dann schliesst sie die Augen. Für immer...

Bock kriecht in den Keller zurück. Jetzt ist der Dackel dran. Er hat anscheinend eingesehen, dass der Uniformierte ein freundlicher Mensch ist, jault zwar auf, als Bock ihn aus den Balken zerrt, aber er beisst nicht mehr.

[Die Putzfrau ist nicht mehr erwähnt].

[Der Moltke-Bunker mit ca. 230 Toten durch Kohlenmonoxydvergiftung wegen umgestürzter Öfen]

Alle anderen Helfer sind inzwischen weggegangen. So bindet Bock das gerettete Tier an eine Leine und nimmt es mit. Kaum ist er 100 Meter die Moltkestrasse hinaufgegangen, da stösst er auf ein grosses Aufgebot von Polizei und Militär.

Ist im Moltke-Bunker etwas passiert...? fragt sich Bock erschrocken. Dieser tiefe Erdbunker für die Zivilbevölkerung liegt etwa 300 Meter von der Villa seines Admirals entfernt. Er galt als absolut sicher.

Die Polizisten an der Sperre lassen den Stabsgefreiten passieren. Eine schwere Bombe ist genau auf den Bunkereingang gefallen und dort explodiert. Marinesoldaten schaufeln gerade den Eingang frei. Die ersten Bergungstrupps werden in das Innere des Bunkers geschickt.

Bock bindet seinen Dackel fest und meldet sich beim Leiter der Rettungsarbeiten. Er wird als Bahrenträger eingesetzt. Gleich darauf steht er in einem Gang des Bunkers. Die Decke ist mit schweren Balken abgestützt. Über einer dicken Betonschicht liegen mehr als zehn Meter Erde.

In den Zellen, die vom Bunkereingang abzweigen, sitzen zahlreiche Menschen. Sie rühren sich nicht. Ihre Gesichter sind nicht verzerrt, sie alle, auch die Kinder, sehen so aus, als wenn sie schliefen. Und doch sind sie alle tot... (S.316)

Einige von ihnen sind durch die übermächtige Druckwelle der explodierenden Sprengbombe am Eingang getötet worden. Die meisten aber sind durch das Kohlenmonoxyd vergiftet worden, das aus den umgefallenen Öfen in den Stollengängen geströmt ist.

Im statistischen Bericht der Stadt Kiel ist darüber zu lesen:

"Zirka 230 Menschen, vornehmlich Frauen und Kinder, fanden einen grausigen Tod im Moltke-Stollen." Eine genaue Zahl weiss man nicht, da die Bombe auch einige Menschen am Eingang zerrissen hat. Von ihnen sind nur noch Blutspuren zurückgeblieben.

Eine Stunde lang hastet der Stabsgefreite Walter Bock mit seiner Tragbahre zwischen den dunklen Bunkerzellen und dem hellen Tageslicht hin und her. Er trägt Tote heraus, Tote und nochmals Tote. Draussen, hinter der Kette der absperrenden Polizisten, stehen zahllose Menschen mit versteinerten Gesichtern. Jedesmal, wenn eine Rettungskolonne auftaucht, blicken alle Augen zur regungslosen Gestalt auf der Bahre. Es sind die Angehörigen der Menschen, die im Bunker Schutz gesucht haben.

Der Stabsgefreite Bock sieht, wie einige von ihnen die Toten auf Handwägelchen davonfahren. Aber noch mehr Tote müssen von den Lastwagen der Stadt abtransportiert werden. Auf sie wartet niemand mehr. Ganze Familien sind ausgerottet worden.

Endlich sind die letzten Opfer geborgen. Walter Bock fühlt sich unsagbar müde. Er bindet den kleinen Dackel los, der ihn wedelnd begrüsst, und geht langsam nach Hause. Da hört er einen Ruf. Er zuckt zusammen, bleibt stehen. Seine Frau läuft mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu. Tränen der Erleichterung und der Freude rinnen über ihr Gesicht.

Als sie von den schweren Bombeneinschlägen im Nordviertel der Stadt gehört hat, ist sie von ihrer Wohnung in der Innenstadt losgelaufen, um nach ihrem Mann zu sehen. Unterwegs hat sie von der schweren Katastrophe im Moltke-Bunker gehört. Sie hat auch gehört, dass das Haus des Admirals getroffen worden ist.

Arm in Arm gehen die beiden durch die zerstörten Strassen. Keiner von ihnen sagt etwas. Vor ihnen zieht ein Mann einen Handwagen. Seine Schultern sind gebeugt, sein Blick klebt am Boden. Manchmal bleibt er stehen und rückt die Decke über dem Wagen wieder zurecht. Unter dieser Decke liegt eine der Toten vom Moltke-Bunker...


[4. April 1945: Neuer Tagesangriff - Angriffsleiter Captain R.L. Swain - Einsatz von Düsenjägern ME 262, denen aber der Sprit ausgeht]

In den Morgenstunden des 4. April starten über 400 amerikanische Bomber zu einem neuen Angriff auf Kiel.

Captain R.L. Swain ist der Luftschlacht-Kommandant dieses zweiten Grossangriffs (S.317).

Vom Sitz des Co-Piloten aus leitet er den Angriff seiner Fliegenden Festungen.

"In 15 Minuten sind wir über der Stadt, Sir", meldet der Pilot.

Der Luftschlachtkommandant gibt keine Antwort. Er blickt angespannt nach vorn. Jetzt sieht auch der Pilot die vier Punkte, die mit ungeheurer Geschwindigkeit näherkommen.

Captain Swain schaltet sein Mikrophon ein. "Düsenjäger!" ruft er und gibt die Richtung an. Alle Maschinengewehre des Pulks schwenken auf die deutschen Maschinen zu.

Deutscher Düsenjäger Me262. Aber ohne
              Sprit konnte er kaum fliegen...
Deutscher Düsenjäger Me262. Aber ohne Sprit konnte er kaum fliegen...

Captain Swain zieht den Kinnriemen seines Stahlhelm fester. Die Düsenjäger ziehen plötzlich, noch drei Kilometer vor dem Pulk, steil nach oben. "Sie wollen uns im Sturzflug angreifen!" ruft der Kommandant.

Und da stürzen sie schon herab... Sie fallen über die Bomber her wie Raubvögel über einen Schwarm lahmer Hennen.

Die amerikanischen Begleitjäger sind nicht schnell genug, um die Bomber abzuschirmen.

Aus allen Bordkanonen schlagen lange Flammen, während die Jets wie Schatten mitten durch die Bomberformation hindurchhuschen.

"Fünfzig neue Düsenjäger von hinten!" schreit der Heckschütze.

"Wieviel?" ruft der Schlachtkommandeur ungläubig zurück.

"Ich sage fünfzig, Sir! Jetzt kann ich sie nicht mehr erkennen. Sie stossen aus der Sonne heraus auf uns zu..."

Eine 55 Millimeter-Rakete des vordersten deutschen Düsenjägers vom Typ Me 262 zerreisst die Maschine unter Captain Swain. Aus dem klaffenden Bauch des Bombers fliegen Menschen und Bomben heraus. Nur vier Fallschirme öffnen sich.

Im gleichen Augenblick harkt eine Kanonengarbe durch den Bomber des Captains Swain. Schwarzer Rauch dringt aus einem Steuerbord-Motor.

Captain Swain spürt keinen Schmerz, aber er sieht, dass Blut aus seiner Uniformhose quillt.

Der Luftschlacht-Kommandant wirft seinem Piloten einen fragenden Blick zu. Der Pilot kämpft mit seiner Maschine, versucht, sie aus dem Sturz abzufangen. Mit einer Kopfbewegung weist er zu den Absprungluken.

Captain Swain schaltet sein Mikrophon ein. "Hallo, Stellvertreter!" ruft er. "Sie übernehmen jetzt die Schau. Wir steigen aus."

Captain Swain wartet, bis seine Männer abgesprungen sind. Dann hechtet er als letzter aus der abstürzenden Maschine.

In den Gurten seines Fallschirms hängend, sieht der abgeschossene (S.318)

Luftschlachtkommandant, wie die Düsenjäger seinen Pulk zum zweitenmal angreifen. Diesmal stürzen drei Bomber brennend ab.

Doch die Deutschen können ihren Sieg nicht vollenden. Obwohl keine einzige ihrer Maschinen abgeschossen worden ist, drehen sie ab und fliegen nach Süden davon.

"Sie haben keinen Sprit mehr!" schreit Captain Swain an seinem Fallschirm. Er sieht, wie seine zerfledderte Bomberformation sich erneut zusammenschliesst. Jetzt liegt nichts mehr zwischen den Bombern und Kiel...

[Dieser Düsenjäger stand schon ab 1939 zur Verfügung, aber Hitler hat seine Stadtbevölkerungen und die Städte in Frankreich, Holland, Italien und Osteuropa lieber verbrennen lassen, statt den Düsenjäger zur Verteidigung einzusetzen. Der Kommunismus hätte es wohl nie bis Berlin geschafft, wenn der Düsenjäger eingesetzt worden wäre...]


[4. April 1945: Bombenteppiche]

"Schon wieder Grossalarm und ein furchtbarer Angriff. Es wurden 34 Bombenteppiche gezählt, die Kiel endgültig in eine Trümmerstadt verwandelten. Besonders schwer heimgesucht wurden die drei Werften und die anliegenden Stadtteile Gaarden und Ellerbek. Die Verkehrsmittel fielen fast völlig aus. Gas, Wasser und Licht gab es nicht mehr."

So sieht die Luftkriegs-Chronik diesen Angriff vom 4. April 1945.

Bild 211: Kiel, Angriff von Liberators auf
                        Hafen, Werften und Hauptbahnhof
vergrössernBild 211: Kiel, Angriff von Liberators auf Kiel-Gaarden, Hafen, Werften und Hauptbahnhof
Karte von Kiel mit der
                      Altstadt, Kiel-Gaarden, dem
                      "Gewerbegebiet" (Hafen und Werften) und
                      den Bahnlinien, Kiel Brunswik, Vorstadt,
                      Ravensberg, Düsternbrook, Ellerbek und
                      Wellingdorf
Karte von Kiel mit der Altstadt, Kiel-Gaarden, dem "Gewerbegebiet" (Hafen und Werften) und den Bahnlinien, Kiel Brunswik, Vorstadt, Ravensberg, Düsternbrook, Ellerbek und Wellingdorf

Die
                      Lutherkirche Kiel wird am 4. April 1945
                      kaputtgebombt, nur der Kirchturm bleibt stehen
Die Lutherkirche Kiel wird am 4. April 1945 kaputtgebombt, nur der Kirchturm bleibt stehen




4.4.1945 Grossangriff auf Kiel

Am 4.4.1945 griffen am Morgen um 8:34 Uhr gemäss "amerikanischen" Angaben 505 B-17-Bomber die Deutsche Schiffswerft [Deutsche Werke] in Kiel an, 2 weitere Maschinen den Flugplatz Eggebek [mit deutschen Geschwadern [1]], bei 3 verlorenen und 50 beschädigten B-17-Bombern und 27 vermissten Besatzungsmitgliedern.
[1] http://www.flensburg-online.de/nazizeit/eggebek-flugplatz.html

Gemäss Zeugenaussagen war der Luftangriff auf Kiel vom 4.4.1945 ein "furchtbarer" Angriff in mehreren Wellen mit Luftminen, Sprengbomben und Brandbomben, in Kombination mit einem Gewitter mit Donner und Blitzen. Die Beobachter vom Rathaus zählten 34 Bombenteppiche mit Treffern auf alle drei Werften sowie auf die Stadtteile Gaarden und Ellerbek [angrenzend an die Werften]. Der Angriff kostete in der Bevölkerung 26 Menschenleben. Auf dem Kasernenhof in Gaarden wurde ein Brotwagen der Vereinsbäckerei mit Pferd durch eine Sprengbombe vollkommen zum Verschwinden gebracht.
(http://www.spurensuchesh.de/luftangriffe.htm)


[9. April 1945: Bombenteppiche - der Untergang des schweren Kreuzes "Admiral Scheer"]

Bild 216: Kiel, U-Boot-Bauteile und das
                        gekenterte Schiff Admiral Scheer vergrössernBild 216: Kiel, U-Boot-Bauteile und das gekenterte Schiff Admiral Scheer nach dem 9. April 1945

Der ohnmächtige Riese: Fünf Bomben, die unmittelbar neben dem schweren Kreuzer "Admiral Scheer" einschlugen, brachten das Kriegsschiff zum Kentern. Nach dem Angriff treibt die "Admiral Scheer" kieloben im Hafenbecken (hinten im Bild). Hauptziel des Angriffs waren jedoch die Hellinge, auf denen die neuen "Wunder-U-Boote" nach Fertigbauweise zusammengesetzt wurden (vorne im Bild).

Vier Tage trügerischer Ruhe folgen. Dann kommen am 9. April zwei neue Grossangriffe. Einer am Tag, der andere in den Abendstunden.

Diesmal fallen 70 Teppiche in die Werftanlagen und Marine-Arsenale am Ostufer der Kieler Förde. Dort bleibt nur noch ein bizarres Stahlträgergerüst zurück. Der Nachtangriff wird einem der letzten deutschen Kriegsschiffe, dem schweren Kreuzer "Admiral Scheer", zum Verhängnis.

[Der schwere Kreuzer "Admiral Scheer" hatte zuletzt Flüchtlinge aus Ostdeutschland nach Kiel gebracht.
(Ryszard Samulczyk: http://www.zwangsarbeiter-s-h.de/STADT/Kiel/Samulczyk/Samulczyk.htm#Anm1o)]

Die "Admiral Scheer" liegt im Hafenbecken der Kieler Grosswerft Deutsche Werke. In seiner Broschüre "Dem Erdboden gleichgemacht" beschreibt Otto K. W. Neuerburg diesen dramatischen Untergang.

"Schon wurde der Abflug der Flugzeuge gemeldet, neue waren nicht angekündigt, es müsste also dem Ende zugehen... als ein Reihenabwurf von fünf schweren Bomben haargenau neben dem Schiff gemeldet wurde. Also in den Bach!

Vom Beobachtungsturm konnten Unterwasser-Explosionen zwar flüchtig erfasst werden, aber das Schiff schwamm. Äusserliche Beschädigungen waren nicht zu erkennen. Die Gefahr schien vorüber.

Da durchdrang ein vielfacher Schrei die Stille der Nacht. Das Schiff war unter Wasser aufgerissen worden. Langsam, aber stetig krängte es [lag schief], neigte sich und kenterte schliesslich.

Es war ein gespenstischer Anblick. Erstarrt gewahrte man, wie die Aufbauten (S.319)

des Schiffes unter der Wasseroberfläche verschwanden und der nackte Schiffsboden sich mehr und mehr erkennen liess.

Herrgott, wo waren die Menschen geblieben? Was zu retten war, wurde herausgeholt. Mit Schneidbrennern riss man in fliegender Hast die Räume auf, aus denen Klopfzeichen noch Leben verrieten.

Bei vielen kam man aber doch zu spät..."

[Erstickungstod].

Von nun an lassen die Bomber der Stadt keine Ruhe mehr. Von den 423 U-Booten der neuen Typen, die in die Produktion gegangen waren, kommen nur sieben in den letzten Tagen und Wochen des Krieges zum Einsatz. (S.320)


Bild 215: Kiel, zerstörte Werft,
                        Volltreffer in die Maschinenhalle einer
                        Schiffswerft von Kiel
vergrössernBild 215: Kiel, zerstörte Werft, Volltreffer in die Maschinenhalle einer Schiffswerft von Kiel


[Bilanzen: 90 Grossangriffe]

Von Kiel aber bleibt nach 90 Grossangriffen nur noch ein riesiger Trümmerhaufen übrig. Die U-Boote sind der Stadt zum Verhängnis geworden. (S.320)

Kiel erleidet 633 Vollarlarme, 90 Angriffe, eine Zerstörung von 73 %, und 2653 Todesopfer. Auf die Stadt Kiel wurden 29.946 Tonnen Bomben abgeworfen, Platz 6 in der alliierten Statistik.
(http://www.gfm-kiel.de/klein/mei.html)

Kiel in Ruinen 1945 / 1946
Kiel in Ruinen, Mai 1945. Die Strassen sind
                      schon leergeräumt und wieder befahrbar.
vergrössernKiel in Ruinen, Mai 1945. Die Strassen sind schon leergeräumt und wieder befahrbar.
Kiel in Ruinen nach Mai 1945, Westufer mit
                        Blick auf das Ostufer mit den Werften. Viele
                        Ruinen und Schutt sind schon weggeräumt.
vergrössernKiel in Ruinen nach Mai 1945, Westufer mit Blick auf das Ostufer mit den Werften. Viele Ruinen und Schutt sind schon weggeräumt.
Das Hauptgebäude der
                    Universität Kiel um 1938 vor dem Krieg
Das Hauptgebäude der Universität Kiel um 1938 vor dem Krieg
Das Hauptgebäude der
                    Universität Kiel nach dem Mai 1945 mit einer
                    Trümmerbahn davor
Das Hauptgebäude der Universität Kiel nach dem Mai 1945 mit einer Trümmerbahn davor
Gesammelte
                    Kriegsschiffmunition zur Versenkung in der Ostsee
                    1945 (was wiederum zu Altlasten in der Ostsee
                    führt)
Gesammelte Kriegsschiffmunition zur Versenkung in der Ostsee 1945 (was wiederum zu Altlasten in der Ostsee führt)
Kiel in Ruinen im Schnee
                    1945 / 1946
Kiel in Ruinen im Schnee 1945 / 1946


Wiederaufbau von Kiel: Studenten und Vorlesungen auf Schiffen

Studenten werden schon 1945 / 1946 z.T. in Schiffen untergebracht, und auch Vorlesungen werden ab 1945 / 1946 auf Schiffen abgehalten.
(http://www.uni-kiel.de/anorg/lagaly/group/klauskolgesch/d_klaus.htm#4)

Die Werften von Kiel: Zum Teil demontiert - die Howaldtswerft überlebt

Die teilweise zerstörte "Germaniawerft" ("Friedrich Krupp Germaniawerft") wurde gegen den Protest der Bevölkerung und Oberbürgermeister Andreas Gayk demontiert. Die "Germaniawerft" wurde aufgelöst [1]. Die stark zerstörte Werft "Deutsche Werke" wurde teilweise demontiert [2]. Der Maschinenbau und Lokomotivenbau wurde in der Firma Maschinenbau Kiel (MaK) untergebracht [2,3]. Die Howaldtswerft wurde nicht demontiert und durfte weiter bestehenbleiben [4]. Im Jahre 1955 übernahm die Howaldtswerft die restlichen Werftanlagen der "Deutschen Werke" [2]. 1968 fusionierten die Howaldtswerft und die Deutsche Werft zur Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (HDW) [5]. Die HDW erwarb sodann Ende der 1960er Jahre das Gelände der ehemaligen "Germaniawerft" und nutzte das Areal als Lager- und Schrottplatz [1].
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Germaniawerft
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Werke
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Maschinenbau_Kiel
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Howaldtswerke
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/HDW

Der Wiederaufbau der Stadt Kiel erfolgt eher im geistlos-trostlosen Stil, so wie das Geschäft mit Kriegsschiffen immer ein Geschäft des Todes bleibt, das Kiel weiter dominiert.

Das "Arbeitserziehungslager Nordmark" wird zum DP-Lager, dann zum Vertriebenen-Lager, dann zum Sportplatz
Das "Arbeitserziehungslager Nordmark" wurde zuerst überfüllt, u.a. mit Juden aus dem Rigaer Ghetto und Zuchthausgefangenen des Gestapogefängnisses Hamburg-Fuhlsbüttel. Nach letzten Mordaktionen der Gestapo an etwa 300 Häftlingen flohen die Wachmannschaften am 2. und 3. Mai und am 4. Mai zogen die Briten ein und fanden die Gefangenen völlig verdreckt und verwahrlost vor. Das Lager wurde sodann als DP-Lager für Displaced Persons eingerichtet, dann auch für deutsche Flüchtlinge und Vertriebene bis Anfang der 1960er Jahre. Dann wurde das Gelände in Sportplätze umgewandelt.
(http://www.geschichte-s-h.de/vonabisz/arbeitserziehungslagernordmark.htm)


Die geistlos-lieblose Architektur des Kieler Wiederaufbaus

Universität Kiel,
                      geistlos-lieblose Schachtelbauten 1963
Universität Kiel, geistlos-lieblose Schachtelbauten 1963
Universitätsbibliothek
                      Kiel, ein geistlos-liebloser Schachtelbau, 1966
Universitätsbibliothek Kiel, ein geistlos-liebloser Schachtelbau, 1966
Rathaus und Opernhaus Kiel 2005. Der
                      Rathausturm ist dem Markusturm von Venedig
                      nachempfunden.
Rathaus und Opernhaus Kiel 2005. Der Rathausturm ist dem Markusturm von Venedig nachempfunden.
Kiel, Blick in die Dänische Strasse 2005 ca.
                      mit deutschen 08/15-Hausbauten. Von der Altstadt
                      blieb allein das Strassenpflaster. Nicht einmal
                      die Fenster sind im alten Format gehalten.
Kiel, Blick in die Dänische Strasse 2005 ca. mit deutschen 08/15-Hausbauten. Von der Altstadt blieb allein das Strassenpflaster. Nicht einmal die Fenster sind im alten Format gehalten.

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Quellen von Irving und seinen Journalistenkollegen über Kiel

Die Entwicklung der neuen deutschen U-Boote und die daraus resultierenden Sorgen der Alliierten sind gut dokumentiert:
-- Army Air Forces in World War II, Bd. III / 752, 720 und 799
-- US Bombing Survey, Overall Report, S. 70
und u.a. auch in
-- Churchill: Memoiren, Bd. VI.

Die amerikanischen Angriffe auf Kiel sind in den Histories verschiedener Einheiten, vor allem in der 390th Bombardment Group, geschildert. Der Ablauf des britischen Angriffs, bei dem die "Admiral Scheer" kenterte, findet sich in Strategic Air Offensive, III / 205. Harris erwähnt Kiel nur einmal, und zwar im Zusammenhang mit der "Scheer". Doch er gibt das falsche Jahr an. (S.396)

Die britische Zielkarte für Kiel ist schon während des Krieges in Deutschland abgedruckt worden, und zwar in "Britische Navigationsverfahren, Februar 1944", herausgegeben vom Ic, Fremde Luftwaffen West, Bild 16. Die amerikanische Zielkarte ist reproduziert in "Target Germany" auf S. 120.

Die Luftkriegsberichte des Statistischen Amtes der Stadt Kiel sind eine hervorragende Unterlage. Die Broschüre "Dem Erdboden gleichgemacht" von Otto K.W. Neuerburg ist als Privatdruck erschienen. (S.397)


Weitere Literatur

-- Jürgen Jensen: Kriegsschauplatz Kiel. Luftbilder der Stadtzerstörung 1944/45


Bildernachweis

-- Lutherkirche Kiel in Ruinen 4. April 1945: http://www.luther-kiel.de/geschichte.html

-- Düsenjäger Me262: http://www.spurensuchesh.de/fzhimmel.htm

-- Kiel in Ruinen 1945 Westufer mit Blick auf das Ostufer mit Werften:
http://www.uni-kiel.de/anorg/lagaly/group/klauskolgesch/d_klaus.htm

-- gesammelte Kriegsschiffmunition zur Versenkung 1945: http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/45-08.htm

-- Kiel in Ruinen im Schnee 1945 / 1946: www.kiel.de; http://www.kiel.de/kultur/stadtarchiv/cms/bilder/Ruine.jpg

-- Universität, Hauptgebäude 1938ca., und nach Mai 1945 in Ruinen mit Trümmerbahn:
http://www.uni-kiel.de/anorg/lagaly/group/klauskolgesch/d_klaus.htm

-- Universität Kiel 1963 und Universitätsbibliothek 1966, Schachtelbauten:
http://www.uni-kiel.de/anorg/lagaly/group/klauskolgesch/d_klaus.htm#4

-- Rathaus und Opernhaus 2005: http://de.wikipedia.org/wiki/Kiel; http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Rathaus-kiel.jpg

-- Dänische Strasse 2005 ca.: http://kreuzungsperspektive.de/kiel-689/2/


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