Kriegsverbrechen Städtebombardements Zweiter Weltkrieg
2.11.1940-15.5.1944: Blitz: Bristol
6 NS-Grossangriffe und weitere Angriffe der NS-Luftwaffe
zerstören Bristol - Flugzeugproduktion in Filton und Yate -
Hafenanlagen in Avonmouth und Portishead - Verminungen der
Severn-Mündung - Jagd nach Churchill in Weston super Mare - 1200 bis
1400 Tote in Bristol - der Streit um den Wiederaufbau - Stadt ohne
Gemütlichkeit
aus Webseiten
präsentiert von Michael Palomino (2008)
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Bristol

Karte mit Bristol als Endstation der Linie Rotterdam-London-Bristol.
Von der Küste Frankreichs aus sind es ca. 300 km bis Bristol.
| Bristol vor 1940 vor der Zerstörung |
![Bristol, das alte holländische Haus ("Old Dutch House") an der Ecke High Street / Wine Street um 1920 [15,18] Bristol, das alte holländische Haus ("Old Dutch House") an der Ecke High Street / Wine Street um 1920 [15,18]](blitz-Bristol-d/1920ca-Bristol-altes-hollaendisches-haus-High-street-Wine-street.jpg)
Bristol, das alte holländische Haus ("Old Dutch House") an der Ecke
High Street / Wine Street um 1920 [15,18] |

Bristols Theater "Old Vic" 1920 ca., eröffnet 1766 [16] |

Bristol,
St Augustine's Parade, 1920 ca. [17] |
![Bristol, Alte Marktstrasse ("Old Market Street") mit Trams und Empire-Reklame, 1910 ca. [17] Bristol, Alte Marktstrasse ("Old Market Street") mit Trams und Empire-Reklame, 1910 ca. [17]](blitz-Bristol-d/1910ca-Bristol-Old-Market-street-m-trams-66pr.jpg)
Bristol,
Alte Marktstrasse ("Old Market Street") mit Trams und Empire-Reklame,
1910 ca. [17] |
![Bristol, Kirche St Mary Redcliffe, 1910 ca. [17] Bristol, Kirche St Mary Redcliffe, 1910 ca. [17]](blitz-Bristol-d/Bristol-kirche-St-Mary-Redcliffe-1910ca-66pr.jpg)
Bristol,
Kirche St Mary Redcliffe, 1910 ca. [17] |

Bristol,
die Kirche St.-Nikolaus (St Nicholas) mit Brücke, 1920 ca. [19] |
![Bristol, die Kathedrale von vorn, 1920 ca. [18] Bristol, die Kathedrale von vorn, 1920 ca. [18]](blitz-Bristol-d/1910ca-Bristol-kathedrale-von-vorn-77pr.jpg)
Bristol,
die Kathedrale von vorn, 1920 ca. [20] |
![Bristol, Seitenansicht der Kathedrale mit der Längsfassade am College Green, 1920 ca. [18] Bristol, Seitenansicht der Kathedrale mit der Längsfassade am College Green, 1920 ca. [18]](blitz-Bristol-d/1910ca-Bristol-kathedrale-Laengsfassade-am-College-Green-77pr.jpg)
Bristol,
Seitenansicht der Kathedrale mit der Längsfassade am College Green,
1920 ca. [22] |
![Bristol, Spital St. Peter am 25. Juni 1936 ca. [35] Bristol, Spital St. Peter am 25. Juni 1936 ca. [35]](blitz-Bristol-d/1936-06-25-spital-St-Peter.jpg)
Bristol, Spital St. Peter am 25. Juni 1936 ca. [35] |
|
Rüstungsindustrie in Bristol
Bristols Rüstungsindustrie besteht aus
-- Hafenanlagen
-- Flugzeugfabrik [1]
-- Flugzeugfabrik in Filton bei Bristol, die British Aeroplane Company
[12]
Die Bristol Aeroplane Company in
Filton (Nord-Bristol)
Sir George White, der Besitzer der Strassenbahngesellschaft in Bristol,
gründete 1910 in den Tramdepots von Filton die Britisch-koloniale
Flugzeuggesellschaft ("British and Colonial Aeroplane Company"). 1911
wurde hierzu ein kleine Landebahn an der Fairlawn Avenue angelegt.
Schon im Ersten Weltkrieg wurden 1000e Bristol-Jagdflugzeuge und andere
Flugzeuge hergestellt. 1915 wurde der Flugplatz Filton am Fusse des
Filtonbergs ("Mount Filton") [12]. Da war auch eine Flugschule
integriert [13].
Flugplatz Filton bei Bristol, der
Ausgangspunkt für Flugzeugfabriken
|

Flugschule
am Flugplatz von Filton bei Bristol, 1915 ca. |

Derek N. James, Buch: British Aeroplane Company
|
1920 wurde die Motorenfirma Cosmos Engineering aufgekauft
und ab sofort auch Flugzeugmotoren hergestellt. Die Firma wurde im
selben Jahr 1920 in Bristol-Flugzeuggesellschaft ("Bristol Aeroplane
Company") umbenannt [12]. Das Aufrüstungsprogramm von
1935 bis zum
Kriegsausbruch von 1939 bewirkte eine weitere Expansion mit dem Bau
neuer Produktionswerke für Flugzeugmotoren, die Ostwerke ("East Works")
an der Gypsy Patch Lane, und den Rodney-Werken ("Rodney Works") entlang
der Gloucester Road North. Auf den Wiesen auf dem Filtonberg neben dem
Golfclub wurden zum Schutze der Flugzeugfabriken Flak aufgestellt.
Allgemein galt der Glaube, dass deutsche Bomberflugzeuge die Stadt
Bristol nicht erreichen könnten [12].
Bristol und seine Stadtteile - der
Fluss Avon bis Avonmouth
Karte von Bristol
mit Stadtteilen und mit Avonmouth an der Mündung des Flusses Avon.
Filton mit seinen Flugzeugfabriken ist oben im Norden, daneben der
Filton Golf Club. Weiter von Bombardierungen betroffen waren östlich
des Zentrums die Stadtteile Easton, Lawrence Hill, südlich des Zentrums
Temple Meads,
Totterdown, Knowle, Bedminster, westlich vom Zentrum Clifton, und die
Hafenbecken liegen in Avonmouth an der Flussmündung.
Der deutsche Codename für Bristol war "Bruder"... [23]

Karte
der Region Bristol-Cardiff [27]. Die deutschen Luftangriffe erfolgten
auf Bristol, die Häfen Avonmouth, Portishead, sowie auf die Küstenstadt
Weston-super-Mare, als Churchill dort vermutet wurde, ausserdem auf
Yate (mit Flugzeugfabrik), auf Bath (Baedeker-Angriffe 1942), und
Bomben fielen innerhalb der Angriffe auf Bristol auch ungewollt auf
Städte am anderen Ufer der Trichtermündung Newport und Cardiff (siehe
Chronologie). In den Mendip-Bergen ("Mendip Hills") befand sich eine
Scheinstadt, ein Nachbau von Bristol, um die NS-Luftwaffe zu täuschen
[1]. Die NS-Luftangriffe erfolgten 1940-1941 von Norden oder von Süden
her.
Bombardierungen
Die Flugzeugfabrik in Filton produzierte die Flugzeugtypen
Bristol-Blenheim-Bomber, Bristol-Beaufort-Bomber und
Bristol-Beaufighter [9]. Filton war deswegen für die NS-Luftwaffe ein
militärisches Ziel erster Priorität, wie auch die Flugzeugproduktion in
Yate und in Yeovil militärische Ziele erster Priorität waren. Schon im
August 1939 vor den Kriegserklärungen im September 1939 fanden
deutsche Aufklärungsflüge über Bristol statt [23]. Ab der deutschen
Besetzung Frankreichs lagen Bristol und die
Flugzeugfabriken von Filton in der Reichweite deutscher Bomberflugzeuge
[12]. Der Anflug war bei Mondschein einfach zu bewerkstelligen, indem
man dem Fluss Avon entlangflog, genau ins Stadtzentrum von Bristol [1].
Der Angriff auf England war von vornherein aussichtslos, denn England
umfasste damals nicht nur Grossbritannien, sondern England hiess damals
das gesamte englische Kolonialreich (English Empire). Wie wollten
Hitler und Göring mit dem kleinen Kontinentaleuropa gegen das koloniale
Weltreich gewinnen, das zudem noch die Verwaltung von französischen,
belgischen und holländischen Kolonien übernahm? Und die deutsche
Bevölkerung duckte sich in einen nationalen Selbstmord unter einem
kriminellen Ausländer namens Hitler... (Schlussfolgerung Palomino)
Eine Scheinstadt, die Bristol
darstellen sollte
Um die NS-Luftangriffe abzulenken, wurde bei Blackdown ungefähr 25 km
südwestlich von Bristol am westlichen Ende der Mendip-Berge eine
Scheinstadt als Köder hingestellt. Sogar die flackernden Lichter des
Rangierbahnhofs wurden nachgestellt. Bei Luftangriffen wurden dann
Leuchtfeuer als Köder eingeschaltet, und manchmal verleiteten sie die
deutschen Bomber tatsächlich zu Bombenabwürfen, die aber in den Bergen
landeten [1].
[Bei einem solch einfachen Anflug
am Fluss Avon entlang war das Verfahren, eine Scheinstadt aufzustellen,
aber nicht sehr effektiv.
(Schlussfolgerung Palomino)]
Juni 1940: Englands Häfen an der
Westküste gewinnen an Bedeutung - auch Bristol
Da die NS-Luftwaffe die Luftüberlegenheit über den Ärmelkanal gewinnt,
wurden die Importe und Exporte Englands nun über die Häfen an der
Westküste abgewickelt, darunter Bristol. Deswegen wurden nun auch die
Hafenstädte an der Westküste Englands zum Ziel der deutschen Luftwaffe
[23].
19./20. Juni 1940: Erfolgloser
NS-Luftangriff auf die Flugzeugfabrik in Filton
In der Nacht vom 19./20. Juni 1940 flog die NS-Luftwaffe einen
Luftangriff gegen das militärische Ziel der Flugzeugfabrik "Bristol
Aeroplane Company" in Filton, sowie gegen die Hafenbecken in
Avonmouth und Southampton. 7 Heinkel He 111 vom III/KG 27 starteten vom
Flugplatz Merville in Nordfrankreich aus. Die Angreifer behaupteten,
Filton erfolgreich bombardiert zu haben. Die Wahrheit war aber ein
bisschen anders, denn weiter als nach Portishead kamen die deutschen
Bomber nicht. Um ungefähr 2:15 Uhr fielen 10 Sprengbomben an die Küste
[23].
19. Juni bis Ende August 1940: Die
Flugzeugfabrik
in Filton ist über 20 mal das Ziel der NS-Bomber
[23]
24./25. Juni 1940: NS-Luftangriff
auf die Flugzeugfabrik in Filton landet im Stadtgebiet
In der Nacht vom 24./25. Juni flog die NS-Luftwaffe einen weiteren
Luftangriff gegen das militärische Ziel der Flugzeugfabrik "Bristol
Aeroplane Company" [23] von 0:10 bis 2:35 [9]. Die 5
Heinkel-Bomber He 111 des I/KG 27 trafen aber nicht die Flugzeugfabrik,
sondern um 0:17 Uhr traf die erste Brandbombe des Krieges die Stadt
Bristol im Quartier St. Philipp, kurz darauf gefolgt von der ersten
Sprengbombe ("High Explosive Bomb", H.E.
bomb) an der Ecke Lower Maudlin Street / Harford Street bei 3
Todesopfern [23]. Die Sprengbombe fiel in eine Gegend mit alten Häusern
und Läden in der Nähe der Fabrik
Champion & Davies an der Unteren Maudlin Street ("Lower Maudlin
Street"). Die Fabrik selbst, die dem Roten Kreuz als Depot diente,
wurde durch eine andere Bombe getroffen. Ein weiterer Angriff wurde um
1:30 in der Nacht gegen den Stadtteil Knowle geflogen, und weitere
Bomben fielen auch in die Stadtteile St. George und Bedminster [9].
Die betroffenen Stadtteile waren vor allem St. Philipp, St. Paul und
Brislington. Vielleicht war das Ziel die Eisenbahnstation Temple Meads
gewesen, da 9 Sprengbomben auf Eisenbahngelände fielen - zwei
explodierten aber nicht. Weitere Bomben, die nicht zündeten, wurden am
Tempeltor ("Temple Gate") und an der Victoria Street gefunden.
Insgesamt wurden 5 Personen getötet, 14 schwer verletzt und 19 leicht
verletzt [9].
Die deutsche Seite behauptete, die Flugzeugfabrik in Filton
getroffen zu haben [23].
Ab dem 25. Juni 1940 wurden nun fast jede Nacht Luftangriffe gegen
militärische Ziele geflogen [23].
29. Juni 1940: Neue
Aufklärungsfotos über Bristol
Die NS-Luftwaffe machte am 29. Juni 1940 neueste Aufklärungsfotos von
einer neuen Qualität [23].
30./31. Juni 1940: NS-Luftangriff
auf die Hafenanlagen von Bristol und Cardiff
In der Nacht vom 30./31. Juni 1940 flog die NS-Luftwaffe einen weiteren
Luftangriff gegen Bristol und Cardiff mit dem militärischen Ziel der
Hafenanlagen. Das Knickebein-Leitstrahlsystem richtete sich dabei das
erste Mal gegen Westen. Der Leitstrahl war über Filton und St. Athan
bei Cardiff gelegt [23].
3. Juli 1940: Tagesangriff gegen
die Hafenbecken in Portishead bei Bristol
Am 3. Juli 1940 flogen 3 Ju 88 des II/KG 51 am Nachmittag einen
Luftangriff auf die Hafenbecken von Portishead bei Bristol [gegenüber
Avonmouth] [23].
4. Juli 1940: Tagesangriff gegen
die Flugzeugfabrik in Filton - der NS-Bomber wird beim Rückflug
abgeschossen
Am 4. Juli 1940 flog ein einzelner Heinkel-Bomber He 111 des
Geschwaders III/KG 54 einen Tagesangriff gegen die
Bristol-Flugzeugfabrik ("Bristol Aeroplane Company") in Filton. Es
wurde nur geringer Schaden am Dach der Rodney-Werke verursacht.
Spitfire-Jagdflugzeuge des 92. Schwadrons verfolgten den Bomber beim
Rückflug, der dann bei Gillingham in der Grafschaft Dorset (Dorsetshire
in Südengland) abstürzte. Dies war das erste deutsche Flugzeug, das bei
einer Operation gegen die Region Bristol verlorenging [23].
ab Mitte Juli 1940: Verminung von
Englands Häfen
Die Minenflüge wurden in der Nacht geflogen, um die Verteidigung auf
Trab zu halten und die Produktion des Gegners zu beeinträchtigen.
Nebenbei wurden Suchscheinwerfer und Flakstellungen bombardiert [23].
17. Juli 1940: NS-Bomber verminen
den Seezugang zu Bristol
Am 17. Juli 1940 verminten die Heinkel-Bomber He 111 des Geschwaders
I/KG 4 (stationiert in Soesterberg, Holland) den Bristol-Kanal und die
Severn-Trichtermündung [23].
1. August 1940: Flugblätter mit
einer Hitler-Rede über Bristol und Wales
Im Rahmen der grossen Flugblattaktion zur Verbreitung der Hitler-Rede
vom 19. Juli 1940 vor dem Reichstag ("Letzter Appell an die Vernunft",
"Last Appeal to Reason") versuchten 4 Heinkel 111 des Geschwaders II/KG
55 der NS-Luftwaffe, über Bristol und Southampton solche Flugblätter
abzuwerfen. Durch die Kombination von schlechter Navigation und
Bewölkung kam der Grossteil der Flugblätter über Süd-Wales und über der
ländlichen Grafschaft Somerset herunter [23].
1.August 1940: Fehlangriff gegen
die Flugzeugfabrik in Yate bei Bristol
In derselben Nacht des 1. August 1940 war auch die Flugzeugproduktion
Parnall in Yate [nordöstlich von Bristol] ein militärisches Ziel, aber
die beiden Heinkel-Bomber He 111 vom Geschwader II/KG 55 konnten weder
Yate, Filton oder Avonmouth finden [23].
ab 13. August 1940: "Schlacht um
England": Bristol ist vorerst nicht sehr betroffen
Die "Schlacht um England" ab 13. August 1940 kam nicht oft bis Bristol,
weil die deutschen Jagdflugzeuge nicht die nötige Reichweite hatten,
und wenn, dann waren die Bomber ohne Begleitjäger ein willkommenes Ziel
für die englischen Jagdflugzeuge, und die Bomber gingen oft verloren.
Die Nächte vom 19. bis 21. August verliefen sogar ohne Alarm. In dieser
Zeit wurde nun auf der Nazi-Seite die Taktik geändert. Auf weit
entfernte, englische Ziele sollten nur noch Nachtangriffe geflogen
werden, um Bomberverluste zu vermeiden. Die Luftflotte 3 erhielt dann
den Befehl, die nächstwichtigen Ziele in England an der Westküste
anzugreifen, also die Häfen von Liverpool und Bristol [23].
[denn England hatte noch kein
X-Radar und die englischen Jagdflugzeuge konnten in der Nacht noch
keine Flugzeuge abschiessen].
22./23. August 1940:
NS-Luftangriff auf Filtons Flugzeugfabrik
In der Nacht vom 22./23. August 1940 flog das Bombergeschwader KGr 100
der NS-Luftwaffe einen Luftangriff gegen die die Bristol-Flugzeugfabrik
in Filton. Das Geschwader KGr 100 war bisher als einziges mit dem
X-Verfahren ausgerüstet. Der Luftangriff der 23 Heinkel He 111 mit
Hilfe des Leitstrahls, der von Cherbourg ausgesendet wurde, konnte
zwischen 23:19 und 2:50 Uhr ohne Gegenwehr bei klarem Mondhimmel
ausgeführt werden. Es wurden 16,65 Tonnen Sprengbomben und 576
Brandbomben abgeworfen und Schaden bei den Flugzeugwerken verursacht,
speziell in den Fabriken Nr. 4 und am Prüfstand Nr. 11, bei 4
Verletzten. Die Bomber kehrten ohne Verluste an ihre Basis in Vannes
zurück [23].
24./25. August 1940:
NS-Luftangriff auf die Hafenanlagen von Bristol wegen Wolken erfolglos
In der Nacht vom 24./25. August 1940 flog die NS-Luftwaffe einen
Angriff mit dem Ziel der Hafenanlagen von Bristol. Die 44
Bomberflugzeuge (Heinkel-Bomber der Geschwader I, II und III/KG 27, Ju
88 der Geschwader I und III/LG 1) wurden im Zielgebiet mit niedriger
Bewölkung konfrontiert. Der Luftangriff dauerte von 21:40 bis 5:09.
Der Angriff ging daneben und die Mehrzahl der Bomben fiel ohne grossen
Schaden auf die nördlichen Gebiete der Grafschaft Somerset. 41
Bomberbesatzungen behaupteten, sie hätten über Bristol 27,2 Tonnen
Sprengbomben (HE bombs) und 13 Tonnen Ölbomben sowie 5364 Brandbomben
abgeworfen, was nicht stimmte [23].
28./29. August 1940:
NS-Luftangriff auf Bristol wegen Wolken erfolglos
In der Nacht vom 28./29. August 1940 flog die NS-Luftwaffe einen
Grossangriff auf die Hafenanlagen von Liverpool mit 160
Bomberflugzeugen und einen Nebenangriff auf Bristol mit 23
Dornier-Bombern 23 Do 17 des Geschwaders KGr 606. Wegen starker
nächtlicher Wolkenentwicklung wurde der Angriff ein Fehlschlag, auch
wenn die Besatzungen behaupteten, sie hätten 9,5 Tonnen Sprengbomben
und 900 Brandbomben über Bristol durch die Wolken abgeworfen. Nur ein
paar Bomben erreichten überhaupt die Nähe der Stadt [23].
1./2. September 1940:
NS-Luftangriff auf Bristol, Avonmouth und Portishead wegen Wolken
erfolglos
In der Nacht vom 1./2. September 1940 flog die NS-Luftwaffe einen
Grossangriff gegen Liverpool und einen Nebenangriff auf Bristol,
Avonmouth und Portishead mit 31 Bomberflugzeugen der Geschwader I, II
und III/KG 55. Der Angriff fand zwischen 20:15 und 3:30 Uhr statt. Ab
ungefähr 23 Uhr entwickelte sich Bodennebel, so dass die Ziele verdeckt
waren. Die deutschen Bomberbesatzungen behaupteten, 22,9 Tonnen
Sprengbomben und 9 Tonnen Ölbomben abgeworfen zu haben, konnten dies
aber wegen des Bodennebels nicht beweisen. Die Bomben kamen verstreut
herunter, von Avonmouth über Stoke Bishop und über dem Stadtzentrum von
Redfield [23].
Bis zum 2. September hatte Bristol 9 Bombentote und 14 Verletzte durch
Bombardierungen zu beklagen [23].
3./4. September 1940: Zerstreuter
NS-Luftangriff auf die Hafenbecken von Avonmouth
In der Nacht vom 3./4. September 1940 flog die NS-Luftwaffe einen
Luftangriff gegen die Hafenbecken von Avonmouth mit 21 Heinkel-Bombern
He 111 von den Geschwadern Stab, I und III/KG 55 an. Der Angriff
zwischen 21:45 und 1:22 Uhr in der klaren, mondlosen Nacht zerfledderte
sich. In Avonmouth wurde nur wenig Schaden verursacht. Die Bomben
gingen verstreut über der Küste der Grafschaft Somerset nieder. In
Portishead wurden 4 Menschen getötet und 5 verletzt. Die deutschen
Bomberbesatzungen behaupteten, 13,7 Tonnen Sprengbomben und 7,75 Tonnen
Ölbomben über dem Ziel abgeworfen zu haben [23].
4./5. September 1940:
NS-Luftangriff auf Bristol
In der Nacht vom 4./5. September 1940 flog die NS-Luftwaffe einen
Luftangriff auf Bristol mit Bomberflugzeugen der Geschwader I/KG 27,
II/LG 1, I, II und III/KG 51 sowie I und II/KG 55. Beim Angriff
zwischen 21:20 und 4:47 wurden 47 Bomber über Bristol und einer über
Avonmouth gesichtet. Der Himmel war zuerst absolut klar, bis in den
frühen Morgenstunden Bodennebel auftrat, stellenweise stark. Gemäss den
deutschen Bomberbesatzungen wurden 45,05 Tonnen Sprengbomben und 9,25
Tonnen Ölbomben abgeworfen. Beschädigt wurden Gebäude in den
Stadtteilen Clifton, Redland, St. Anne und Knowle. Eine Ölbombe fiel
auf die Bristol-Flugzeugfabrik in Filton und provozierte ein Feuer im
Laden Nr. 2, so dass die Feuerwehr von Bristol gerufen werden musste.
Es gab 4 Bombentote und 6 Verletzte [23].
7. September 1940: Tagesangriff
ohne Alarm: 5 Bomben auf die Kathedrale
Es gab keinen "roten" Alarm, und doch fielen am Tag 5 Bomben bei der
Kathedrale von Bristol herunter. Eine Bombe landete einen direkten
Treffer auf der Kathedralschule und verletzte den Rektor (Rev. H.A.
Watts) [9].
Ab 7. September 1940 reduzierten sich die Angriffe auf Bristol, weil
nun London das Hauptziel der NS-Luftwaffe wurde [23].
16. September 1940: Tagesangriff
auf die Flugzeugfabrik in Filton
mit einem einzelnen Heinkel 111 vom Geschwader I/KG 55 [23]
17. September 1940: Hitler sagt
Seelöwe-Invasion ab
England soll stattdessen zerbombt und durch die Seeblockade erdrosselt
werden [23].
19. September 1940: Befehl von
Bombardierung Tag und Nacht gegen die englische Flugzeugindustrie
Gleichzeitig wurden die Luftangriffe auf London verringert [23].
23. September 1940 ca.: Erneuter
Strategiewechsel der Hitler-Führung
Dadurch wurden die Städte an der Westküste zum Hauptziel und es folgten
vermehrte Tagesangriffe auf die Flugzeugindustrie an der Westküste. Die
Begleitjäger hatten jetzt genügend Reichweite, um die Bomber auf ihren
Flügen an die Westküste Englands zu begleiten [23].
25. September 1940: Tagesangriff
auf die Flugzeugfabrik in Filton bei Bristol
Am 25. September 1940 flog die NS-Luftwaffe einen Luftangriff gegen die
Flugzeugfabrik Bristol Aeroplane Company in Filton bei Bristol
[9,11] mit 58 Heinkel-Bombern He 111 vom Geschwader KG 55, begleitet
von 52 Begleitjägern Bf 110 vom Geschwader ZG 26 [23]. Die angreifenden
NS-Bomberflugzeuge
erreichten Bristol um 11:40 Uhr und steuerten genau auf die
Flugzeugfabriken zu, die da ohne Gegenwehr vor ihnen lagen [9]. Um
ungefähr 11:45 Uhr [23] liessen die Bomber in 45
Sekunden 168 Bomben fallen und verursachten hohen Schaden [9]. Auf
Filton und die Umgebung wurden 81,5 Tonnen Sprengbomben und 6 Tonnen
Ölbomben abgeworfen [23]. Schlimm getroffen waren die Rodney-Werke
[23]. Ausserdem waren durch Treffer auf Bunker auch viele Todesopfer zu
beklagen [9], wo Mitarbeiter getötet wurden. Es waren 132 Tote zu
beklagen, darunter 91 Angestellte der Flugzeugfabrik, und 315 weitere
wurden verwundet [23].
Es wurden
genau 8 Flugzeuge irreparabel zerstört [9], davon zwei Prototypen eines
neuen Beaufighters. Die Produktion kam vorübergehend zum Stillstand
[23]. Die Flak schoss ihren ersten Bomber ab, der bei Failand westlich
von Bristol abstürzte. Die Bomber wurden auf dem Rückflug von
Jagdflugzeugen der RAF angegriffen. 6 Bomber stürzten über England, bei
8 getöteten Besatzungsmitgliedern, 10 Gefangenen, davon 5 verletzt.
Zwei Bomber stürzten über dem Kanal ab, bei 2 verletzten
Besatzungsmitgliedern [23]. Kontrollfotos der Besatzungen und ein
Kontrollflug eines deutschen Jägers Bf 110 konnten beweisen, dass der
Angriff für die deutsche Seite ein voller Erfolg war [23].
Die deutsche Propaganda, vertreten durch die Luftwaffen-Zeitschrift
"Der Adler", behauptete kurz nach dem Angriff: "Diese
Fabrik wird keine Flugzeuge mehr bauen." Am 14. Oktober 1940 wurde der
Gruppenkommandeur des Geschwaders II/KG 55 mit dem Ritterkreuz
ausgezeichnet [23].
26. September 1940: Filton bekommt
Jagdflieger
Am 26. September 1940 wurde am Flugplatz von Filton ein Geschwader
Supermarine-Spitfire zur Verteidigung stationiert [11] bzw.
Hurricane-Jagdflugzeuge des Geschwaders 504 [23].
27. September 1940: Tagesangriff
auf die Flugzeugfabrik Filton abgewehrt
Am 27. September 1940 flog die NS-Luftwaffe einen Luftangriff
gegen die Flugzeugfabriken von Filton bei Bristol. Um ungefähr 11:30
Uhr flogen
ungefähr 9 Bomberflugzeuge von Begleitjägern begleitet über die Stadt.
Aber sie wurden von einem Geschwader Hurricane-Jägern bekämpft, und
auch von der Flak. So wurde die deutsche Bomberformation zerstreut,
bevor sie ihr Ziel erreichen konnte. Obwohl grosse Gefahr bestand,
waren ganze Scharen von Leuten auf den Strassen, um sich das Schauspiel
des "Kampfes gegen die Hunde" ("dog fights") anzusehen am Himmel
anzusehen [9,23]. Ein Bomber stürzte im Stadtteil Fishponds in Bristol
ab (der einzige Absturz auf Stadtgebiet), ein anderer in Haydon bei
Radstock. Insgesamt ging ungefähr 1/3 der Flugzeuge verloren, denn
insgesamt kamen 1 deutsche Flugzeuge nicht zurück, bei 14 toten
Besatzungsmitgliedern, bei 6 Gefangenen, 5 davon verletzt [23].
Die Tagesangriffe wurden noch bis 7. Oktober 1940 weitergeführt, dann
nur noch Einzelangriffe [23].
6. Oktober 1940: NS-Tagesangriff
auf die Flugzeugfabrik in Yate - Ausweichziel Bournemouth
Am Nachmittag des 6. Oktobers 1940 versuchte ein einzelner
Heinkel-Bomber He 111 des Schwadrons II/KG 55, die Parnall-Fabrik in
Yate zu bombardieren. Zum Zeitpunkt des Angriffs war Yate aber unter
schweren Wolken, und so bombardierte die Besatzung als Alternative
Bournemouth [23].
7. Oktober 1940: NS-Tagesangriff
auf Yeovil
mit 9 abgeschossenen deutschen Flugzeugen [23].
10.-15. Oktober1940:
Einzelangriffe auf Filton und Yate
Filton wurde dabei zweimal getroffen, Yate wurde einmal angegriffen
aber nicht getroffen [23].
Die Piratenangriffe bei Tageslicht wurden am 15. Oktober nach einem
fehlgeschlagenen Angriff auf Filton eingestellt, dann später wieder
fortgesetzt. Am 19. Oktober wurde diese Operationsweise wieder
fallengelassen [23].
19. Oktober 1940: Göring hat die
Ausrede "Schlechtes Wetter" und kann die Tagesangriffe einstellen
[23]
24. Oktober 1940: NS-Luftangriff
auf Yatton (südwestlich von Bristol)
mit Bombentreffern [23].
31. Oktober 1940: NS-Luftangriff
zerstört die Fabrik der Königlichen Ordonanz in Glascoed (Südwales)
in Südwales nördlich von Newport. Das eigentliche Ziel Filton wurde
verfehlt und die Königliche Fabrik für Filton gehalten. Dieser Treffer
bewirkte eine Erwähnung im Bericht des Oberkommandos vom
2. November, wo für den 31. Oktober die Zerstörung einer Fabrik bei
Bristol erwähnt wurde [23].
ab Ende Oktober 1940:
Wiederaufnahme der Verminungen von Häfen
Die Verminung spielte nun wieder eine wichtige Rolle, um England zu
erdrosseln, kombiniert mit konzentrierten Luftangriffen auf Betriebe
und Hafenanlagen und einem unbegrenzten U-Boot-Krieg, um die Blockade
Englands zu steigern. Die Heinkel-Bomber He 111 des Schwadrons KGr 126
übernahmen die Verminungen englischer Häfen bis Juli 1941. Während
eines Jahres liefen in der Severn-Trichtermündung 10 britische Schiffe
auf Minen auf und sanken, 9 weitere wurden beschädigt [23].
2./3. November 1940: Erster
NS-Luftangriff auf die Stadt Bristol
Die NS-Luftwaffe bombardierte Bristol in der Nacht vom 2. November
1940. Auf das Stadtzentrum wurden 10.000 Sprengbomben und 5000
Brandbomben abgeworfen. Hitler behauptete, dass Bristol in dieser Nacht
komplett zerstört worden sei [1].
24. November 1940: Erster
NS-Grossangriff
auf Bristol
![Bristol, Wine Street nach dem NS-Grossangriff vom 24. November 1940 [11] Bristol, Wine Street nach dem NS-Grossangriff vom 24. November 1940 [11]](blitz-Bristol-d/1940-11-24-Wine-street-in-ruinen-u-schutt-Bristol.jpg)
Bristol, Wine Street in Ruinen und Schutt nach dem
NS-Grossangriff vom 24. November
1940 [11]
Der Grossangriff auf Bristol war eigentlich für die ganze Nacht
vorgesehen. Als aber über Nordfrankreich am Morgen dichter Nebel
herrschte mit der Wahrscheinlichkeit, dass dieser in der Nacht
wiederkommen könnte, wurde entschieden, dass der gesamte Grossangriff
bis 24 Uhr zu Ende sein musste [23]. Die NS-Luftwaffe flog am 24.
November 1940 den Grossangriff auf
Bristol mit 148 Flugzeugen. Ziele waren die Hafenanlagen und die
Industriebetriebe beidseits der städtischen Hafenbecken, begleitet mit
der Devise, "Bristol als wichtige Hafenstadt, die das Mittelland
("Midlands") und Südengland versorgt, zu eliminieren" [23].
Am späten Nachmittag berichtete die Auffangstation der RAF, dass
schwache Hinweise bestünden, dass X-Strahlen über Bristol gelegt
wurden. Die Knickebein-Stationen für X- und Y-Verfahren legten ihre
Strahlen von Cherbourg und von Dieppe aus [23].
Um 18:21 Uhr heulten die Sirenen. Es stand nun ein 6-stündiges Blutbad
mit Verwüstung und Zerstörung bevor. Zuerst kamen die Flieger, die den
Himmel mit vielen weissen Leuchtbomben erhellten ["Christbäume"] [9].
Der Anflug kam von Süden her. Es herrschte sanfter West-Südwestwind,
und die Leuchtbomben an ihren Fallschirmen wurden vom Geschwader II/KG
55 erfolgreich abgesetzt [23]. Innerhalb von
Sekunden hagelten dann die Brandbomben und die Sprengbomben herunter
auf die Erde [9]. Um 19:13 Uhr explodierte der Gasometer an der
Marksbury Road im Stadtteil Bedminster. Die Stichflamme wurde von den
Geschwadern KGr 100 und II/KG 55 aufnotiert, letzteres vermutete, es
sei das Gaswerk im Stadtteil St. Philipp gewesen, Ziel GB 52 52 [23].
Und die Bomber kamen in Wellen hintereinander, um nach
der ersten Zerstörung eine zweite und dritte tödliche Bombenladung der
Zerstörung hineinzulegen [9]. Als sich die Feuer entwickelten, konnte
mehr und mehr auf Sicht bombardiert werden, ohne Strahlen, X- oder
Y-Verfahren. Die Feuer waren 250 km weit sichtbar [23].
[Die weite Sichtbarkeit deutet auf
einen Feuersturm hin].
Die Feuer entwickelten eine riesige Kumuluswolke, die mit dem
Süd-Südwestwind gegen Süden driftete, so dass der Anflug von Süden her
nicht mehr möglich war. Die späteren Bomber mussten deshalb um das
brennende Bristol herumfliegen und von Norden her bombardieren [23].
Erst um 0:08 - fast 6
Stunden hatte das Blutbad mit der Verwüstung und Zerstörung gedauert -
heulten die Sirenen "Entwarnung" [9]. Aber eigentlich hätte der Angriff
noch viel länger dauern sollen. 135 Besatzungen gaben an, Bristol
zwischen 18:30 und 23:00 Uhr angegriffen zu haben mit einem Abwurf von
156,25 Tonnen Sprengbomben, 4,75 Tonnen Ölbomben und 12.500 Brandbomben
[23].
Gegen den Grossangriff wurden 77 Feuerwehren von ausserhalb in die
Stadt geschickt. Die gelegten Feuerwehrschläuche aus Cardiff, Newport,
Bournemouth und Plymouth waren insgesamt 20.000 Fuss [6094 m] lang.
Innerhalb von 30 Minuten waren 897 Mitglieder der AFS-Hilfskräfte
unterwegs [9].
Der Grossteil der Bomben waren Brandbomben, darunter ein neuer Typ
einer explosiven Brandbombe. Es waren viel mehr Brand- als
Sprengbomben. Einige waren extrem gross und produzierten im Vorort
Totterdown an der Thomas Street und an der Wells Road grosse Krater
[9]. Extrem grosse Kaliber gingen gemäss Berichten in den Stadtteilen
Eastville, Speedwell, Temple und Totterdown nieder. Die Innenstadt
dagegen brannte fürchterlich und viele bekannte Gebäude wurden total
zerstört und andere schwer beschädigt [23].
Die deutsche Seite verlor 2 Flugzeuge, 4 getötete Besatzungsmitglieder
und 4 Gefangene, davon einer verletzt. Beteiligte Geschwader waren I/KG
1, III/KG26, LG 1, I und III/KG 27, KGr 100, KGr 606, I, II, und III/KG
51, Stab, I, II, und III/KG 55 [23].
Die Zerstörungen
Bristol, die Victoria Street nach dem 24. November 1941 ist in Ruinen,
dahinter steht der noch intakte Turm der Templerkirche [11]
Die beteiligten Flugzeugbesatzungen hatten den Eindruck, die
Zerstörungen seien mit denen von Birmingham und Coventry vergleichbar.
Bristol als Verteilerzentrum und wichtiger Eisenbahnknotenpunkt wurde
für ausgelöscht erklärt [23].
Das Herz der Stadt vom Broad Quay zum Alten Markt ("Old Market") war
das Ziel des Angriffs, speziell St. James Barton und St. Philipps sowie
die Stadtteile Clifton, Bedminster, Knowle, St. Georg [9], Temple,
Barton Hill und Eastville [23]. Die Stärke
kann man an den zerstörten Gebäuden abmessen [9]. Zerstört wurden die
ganze Gegend des heutigen Schlossparks.
Darunter waren die Fachwerkhäuser aus dem 17. Jh., das Holländische
Haus und das St.-Peters-Spital. Vier der Kirchen in Bristol, St. Peter,
die Innenausstattung der Kirche St. Nicholas, St. Mary-le-Port und die
Templerkirche wurden ebenfalls irreparabel beschädigt [1].
Zerstört wurden das Museum und ein Teil der Kunstgalerie, ein Teil der
Universität, darunter die Grosse Halle ("Great Hall"), das
Prinzentheater ("Princes Theatre"), die Kirche St. Anselm, die Kirche
Clifton Parish, die Gymnasiumsvorbereitungsschule, und die
Freimaurerhalle. Die Einkaufsstrassen wurden fürchterlich zerstört -
die Lennards-Häuser und viele Geschäftslokale waren nur noch
Schutthaufen, während auf einer anderen Seite der Park Street kaum ein
Geschäft heil blieb [9].
Weiter wurden Geschäfte in College Green und verschiedene
Geschäftslokale in Canons' Marsh zerstört. Am schlimmsten aber wurde
das Stadtzentrum zerstört, unter anderem: Marsh Street, Nicholas
Street, High Street, Bridge Street, die alten Häuser an der
Mary-le-Port Street, Wine Street, Castle Street, Union Street, und
Broadmead (einige dieser Strassenzüge waren total zerstört), Barr
Street, die Barton, und Stokes Croft, und zerstört waren so altbekannte
Gebäude wie das Alte Holländische Haus ("Old Dutch House"), der
Fischmarkt, St. Nikolaus-Kirche ("St. Nicholas Church"), St.
Peters-Spital (einzigartiges und schönes Elisabethianisches Gebäude),
Kirche St. Peter, Kirche Mary-le-Port, die Obere Arkade, ein Teil des
Bristol Club, und einige der alten Armenhäuser. Die Kirche St. Mary
Redcliffe war nur leicht beschädigt. Zerstört
waren die Dr. White-Armenhäuser an der Templerstrasse und die
Armenhäuser an der North Street, Long Row, und Königsstrasse (King
Street), und die georgianischen Häuser an der Charlotte Street und am
Berkely-Platz ("Berkeley Square") [9].
Die meisten der beliebten Geschäfte an der Wine Street und an der
Castle Street waren komplett vernichtet. Die Redcliff Street, die
Victoria Street und die St. Thomas Street hatten schwerste Schäden
erlitten, und E.S.&A. Robinson, Mardon Son & Hall, und Bennett
Bros wurden schwer beschädigt [9].
Die historische Templerkirche war zerstört, aber der berühmte Turm
hatte den Bomben widerstanden und blieb Zeuge der 800-jährigen
Freimaurergeschichte [9].
Im Stadtteil Knowle waren weit verbreitete Schäden an Häusern zu
verzeichnen. Die Geburtskirche ("Holy Nativity Church") war
ausgebrannt, und die Industrie hatte Bombenschäden bei British Oxygen
Co. und John Lysaght Ltd zu beklagen [9].
Bristols
Oberbürgermeister Alderman Thomas Underwood beschrieb die Auswirkungen
des Bombenangriffs so: "Die Stadt der Kirchen ist in einer einzigen
Nacht eine Stadt von Ruinen geworden." [1]
Rettung und Bergung
Es kamen die Armee, die Königlichen Ingenieure und die Infanterie. Sie
retteten, wo es ging, und sie rissen einsturzgefährdete Häuser ab,
räumten die Strassen, übernahmen die Verkehrskontrolle und die
Reparatur von Häusern. An einem Tag waren 830 Soldaten beschäftigt. Es
wurden für 2087 Leute Unterbringungen organisiert. In 12 Tagen wurden
70.294 Malzeiten an 39 Herbergen ausgegeben. Das Deckenlager des
Spitals St. Peter war zerstört, aber in der Nacht des folgenden Tages
waren 1500 Decken aufgetaucht, und für die nächste Nacht vom 26. waren
es 3700 Decken. Schäden an den öffentlichen Einrichtungen behinderten
die Organisation und so wurden die Malzeiten der Gemeinde eingeführt.
Mitte der Woche waren 2000 Leute mit Reparaturen beschäftigt [9].
Bilanzen des NS-Grossangriffs auf
Bristol vom 24. November 1940
Später wurde geschätzt, dass der Angriff von ungefähr 60
Bomberflugzeugen ausgeführt worden war. Die offizielle Opferbilanz gab
an
-- 200 Tote
-- 163 Schwerverletzte
-- 526 Leichtverletzte an
-- 8 Hilfsfeuewehrmänner fanden beim Luftangriff den Tod [9].
Schadensbilanz:
-- Geschäftshäuser zerstört
-- mindestens 10.000 Häuser in irgendeiner Weise beschädigt [9].
Insgesamt sprachen die Berichte von 337 nicht detonierten Bomben oder
verdächtigen Bomben, und bei einer Untersuchung kam heraus, dass der
Bombeneinheit 175 nicht explodierte Bomben gemeldet worden waren. Der
deutsche Bericht behauptete, dass 300 Tonnen Sprengbomben und 10.000
Brandbomben abgeworfen worden waren. Eine konservativere Schätzung wäre
unter 1000 Sprengbomben und 5000 Brandbomben [9].
Das zerstörte Bristol nach dem
NS-Grossangriff
vom 24. November 1940
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Der zerstörte Stadtteil Schlosspark von Bristol am 24. November 1940.
Hier wurde nicht wieder aufgebaut, sondern der Häuserblock wurde in
einen Park verwandelt. Die Ruinen der Kirche St. Peter wurden belassen
[3].
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Bristol, das Holländische Haus wurde am 24. November 1940 bombardiert.
Es war das bekannteste Haus der ganzen Stadt [4].
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Bristol, die Mary-le-Port-Strasse in Trümmern nach dem NS-Grossangriff
vom 24. November 1940 [5].
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Bristols Kirche St. Peter in Trümmern nach dem NS-Grossangriff vom 24.
November 1940 [6].
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Bristol, Blick vom Kino Odeon aus auf die Gegend um die Union Street
und die Castle Street [8] bzw. Union Street / Broadmead [11]. Die
Häuser der engen Geschäftsstrassen der
Innenstadt stehen wie offene Schachteln da [8].
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Nach dem Grossangriff vom 24. November rauchte Bristol noch tagelang
und ein weiterer grosser Luftangriff war in den nächsten Tagen nicht
möglich [23].
25./26. November 1940:
NS-Luftangriff gegen die Hafenbecken von Avonmouth - mit 1 Treffer
mit 9 Flugzeugen. Wegen einer dicken Wolkendecke ergab sich aber nur
ein ernstzunehmender Zwischenfall, ein Feuer in der
Konservendosenfabrik am Hafenbecken Royal Edward ("Royal Edward Dock")
[23].
26./27. November 1940: Erfolgloser
NS-Luftangriff gegen die Hafenbecken von Avonmouth
Immer noch herrschte weitverbreiteter Nebel, aber die NS-Flieger vom
Geschwader KGr 100 kamen wieder, dieses Mal mit 7 Flugzeugen, alle
unter Anwendung des X-Verfahrens, und wieder gegen das Hafenbecken
Royal Edward. Dieses mal herrschte dicke Bewölkung auf 1200 Metern
mit nur zufälligen Wolkenlücken. Es gab keine nennenswerten Schäden.
Die Mehrheit der Bomben fiel in den Regionen Avonmouth und Shirehampton
harmlos auf offenes Feld [23].
2./3. Dezember 1940: Zweiter
NS-Grossangriff auf Bristol
Vor dem Angriff konnte die RAF-Aufklärung die X-Strahlen genau
identifizieren, die über Bristol gelegt wurden. Und kurz vor
Sonnenuntergang schwenkte der Knickebein-Sender von Dieppe von London
auf Bristol um. Es herrschte zweischichtige Bewölkung zwischen 300 und
1000 Metern sowie zwischen 2500 und 3000 Metern. Fesselballons waren
aufgezogen worden, hatten aber keine Wirkung, ebenso war die Flak
wirkungslos [23].
Am 2. Dezember 1940 flog die NS-Luftwaffe den zweiten Grossangriff auf
Bristol [9] mit 121 Flugzeugen zwischen 18:20 und 22:30 Uhr. Wegen der
Bewölkung wurden Knickebein-Navigation und Koppelnavigation angewandt.
Der Anflug kam von Süden her, einige Flugzeuge flogen auch von
Nordwesten an. Der Abwurf der Leuchtbomben an Fallschirmen
["Christbäume"] vom Geschwader II/KG 55 gelang wegen der Bewölkung
nicht richtig, denn viele landeten über dem Stadtteil Clifton und über
nördlichen Stadtteilen. Staffelkapitän Otto-Bernard Harms kontrollierte
in einem Sturzflug die Markierung und bezeichnete sie als präzis [23].
Es wurden 120,9 Tonnen Sprengbomben, eine Tonne Ölbomben und 22.140
Brandbomben abgeworfen. Wieder wurde Befehl gegeben, dass der
Grossangriff um 24 Uhr beendet sein musste, damit die Bomber in
Kontinentaleuropa landen konnten, noch bevor Nebel aufgezogen war [23].
Der Angriff begann um 18:16 Uhr und dauerte bis 23 Uhr. In den
ersten Stunden wurden 55 Feuer gemeldet. Insgesamt waren es 167 Feuer.
1518 Feuerwehrmänner bekämpften die Flammen [9].
Im späteren Verlauf rissen die
Wolken etwas auf, und manchmal war sogar die Bombardierung aus Sicht
möglich. Die Besatzungen konnten aber wegen der Wolkendecke keine
Zielfotos schiessen und hatten keine Beweise, ob sie getroffen hatten
oder nicht. Sie gaben an, bei diesem Angriff seien die Industrie und
die Hafenanlagen komplett vernichtet worden. Die Verluste der deutschen
Flugzeuge waren minimal, bei 4 getöteten Besatzungsmitgliedern während
des Absturzes im Startmanövers in Frankreich. Beteiligt waren die
Geschwader 1 und III/KG 1, II/KG 77, II und III/LG 1, 1 und III/KG 27,
KGr 100, KGr 606, I und II/KG 54, KGr806, 1 und II/KG 55 [23].
Schäden
Die deutsche Seite wusste nicht, dass der Schaden dieses Angriffs viel
verbreitetere Formen hatte als der Angriff vom 24. November, mit
Konzentration entlang einer Linie von Ost nach West über Stadtteile
Redfield [Osten], St. Paul [Nordosten], Cotham [Norden] und Redland
[Nordwesten] [23].
Der Bischofspalast brannte komplett aus. Getroffen waren auch das
Kinderspital, St. Michaelsberg ("St. Michael's Hill"), aber
glücklicherweise hatten die Kinder ins Homöopathische Spital evakuiert
werden können. Sie waren wohlauf. Getroffen war auch Welsh Back und ein
Teil der Quayside. Das Warenhaus Budgett an der Nelson Street, das
schon beschädigt war, war nun komplett zerstört [9].
Die nördliche Hälfte des Portland-Platzes ("Portland Square" war
ausgebrannt, und in der Rosemary Street war die Dockland-Siedlung
zerstört. Eine Bombe grossen Kalibers zerstörte den Wachposten
St. Paul an der Dean Street und begrub 13 Menschen unter sich. Auch das
Polizeihauptquartier des Stadtteils Bridewell wurde getroffen. Bei der
Schiffsanlegestelle Hill an der Cumberland Road war das Schiff Bristol
City getroffen. Eine weitere Bombe fiel auf die Fabrik W.D.&H.O.
Wills' No.1 bei 10 beschädigten Maschinen, aber die Produktion lief
weiter [9].
Die offizielle Opferzahl war 156 Tote, 146 Schwerverletzte, 121
Leichtverletzte [9] bzw. 270 Verletzte [23]. Die Rettungskräfte konnten
an 66 Stellen Leute unter
Trümmern finden und retteten 135 Personen lebend und bargen 117 Tote.
Zwei Feuerwehrmänner kamen ums Leben [9].
6. Dezember 1940: Dritter
NS-Grossangriff auf Bristol
Der RAF-Aufklärungsdienst entdeckte am Nachmittag des 6. Dezember 1940
X-Strahlen auf Bristol, aber diese wurden vor der Abendaktion
abgeschaltet, weil ein deutsches Geschwader KGr 100 gezwungen wurde,
seine Operation zu annullieren. Der Angriff
war kleiner als die vorherigen zwei, weil stürmische West- bis
Nordwestwinde auf dem europäischen Kontinent die Aktivität der
Nazi-Bomberflotten einschränkten, und einmal mehr musste der Angriff in
kurzer
Zeit abgewickelt werden. Das Knickebein-Signal strahlte am frühen
Abend das Signal aus, das den britischen Behörden anzeigte, dass
Bristol das beabsichtigte Ziel des Tages war. Der Anflug erfolgte in
einer Linie von Shaftesbury nach Bath, und auf
der Höhe von Bristol drehten die Bomber nach Westen ab, um die Stadt
von Ost nach West anzugreifen. Es war eine kalte Mondnacht, mit 1/10
Wolken auf 750 Metern Höhe. Durch das Fehlen des Geschwaders KGr 100
fehlten die funkunterstützten
Pfadfinderbomber. Die Christbäume des Geschwaders Geschwader II/KG
drifteten durch starken Westwind zum Teil nach Osten
ab. Gleichzeitig war es aber durch die fast wolkenlose Nacht möglich,
auch auf Sicht zu bombardieren [23].
Es war der dritte Grossangriff in zwei Wochen und dauerte von 18:30 bis
23:28 [9] bzw. gemäss deutschen Angaben von 19:20 bis 22:45 Uhr, mit 67
Flugzeugbesatzungen, die gemäss eigenen Angaben 77,5 Tonnen
Sprengbomben, eine halbe Tonne Ölbomben und 5688 Brandbomben abwarfen
[23].
Schäden
Betroffene Stadtteile waren St Philip's Marsh, Temple Meads, das
Stadtzentrum und Cotham [23]. Schwerste Schäden erlitten das Rathaus,
das Schwurgericht,
G.P.O. (Government Printing Office?), die Markthalle, das
Seemannsinstitut und die Getreidebörse und weitere bekannte Gebäude der
Stadt. Wasserwagen wurden nun immer mehr ein vertrauter Anblick in den
Strassen. Zerstört oder beschädigt waren auch die Betriebe der
Schnapsbrennerei (Cheese Lane), Bennet Bros (an der Strasse
Counterslip) und die Metallwerke (am Welsh Back und an der Queen
Charlotte Street). Beträchtlichen Feuerschaden hatten das Firmengelände
der British Oxygen Company, die Flugzeugwerke Parnall im Stadtteil
Barton Hill, und die Firma John Lysaght & Co. Im Stadtteil Temple
Meads ereignete sich der schlimmste Zwischenfall, wo eine Sprengbombe
auf einen Bahnsteig fiel, wo Leute auf den 19:10-Zug von Bristol nach
Salisbury warteten. Der Zug entgleiste, zwei Wagen wurden beschädigt
und es gab viele Verluste [9].
Bilanz:
-- 100 Tote [23,9]
-- 80 Schwerverletzte
-- 108 Leichtverletzte [9]
bzw. 188 Verletzte [23]
Die deutschen Flugzeugbesatzungen meinten, einen erfolgreichen Angriff
geflogen zu haben. Verluste über England gab es nicht. Bei der Landung
auf dem Kontinent stürzten aber drei Bomber ab, bei 6 toten
Besatzungsmitgliedern und 6 Verletzten. Beteiligt waren Flugzeuge der
Geschwader I und III/KG 77, I und II/LG 1, II/KG 27, I und II/KG 51, I,
II und III/KG 55 [23].
16. Dezember 1940: Königlicher
Besuch in Bristol
Am 16. Dezember 1940 kam der König Edward von England nach Bristol, um
sich
die Ruinen anzusehen und den ungebrochenen Geist der Bürger zu loben.
Lord Mayor (Aid. T.H.J. Underdown) sagte, der König habe der
Bevölkerung der Stadt seine grossherzige Sympathie erwiesen in der Art
"von Mann zu Mann". Die Königin Mary machte am Nachmittag in Bristol
eine Tour durch die Wohlfahrtseinrichtungen [9].
Anfang Januar 1941: Die
NS-Luftwaffe organisiert neue Geschwader gegen Bristol
Anfang Januar 1941 wurde die NS-Luftflotte 3, die Ziele im Westen
Englands vernichtete, eine Verstärkung durch die Einheiten von
Luftflotte 2. So konnten wieder Grossangriffe auf Bristol geflogen
werden. Auch die Fliegerkorps II und das Fliegerkorps IX, das bisher
Schiffe auf See bombardierte, wurden nun in die Luftflotte gegen
Bristol integriert, mit dem Heinkel-Geschwader KG 4, KG 28 und KG 53
mit He 111, dem Geschwader KG 30 mit Ju 88 und den Geschwadern KG 2 und
KG 3 mit Do 17. Gleichzeitig aber war die Kälte im Januar eine neue
Gefahr mit kalten Nordostwinden, Gefrieren und Schnee über England [23].
3./4. Januar 1941: Vierter
NS-Grossangriff auf Bristols Anlagenbereiche
Für Bristol begann das neue Jahr mit einem kombinierten Luftangriff von
178 Flugzeugen. Die RAF-Funkaufklärung stellte kurz vor dem Angriff das
Ziel Bristol fest. Ab 17 Uhr waren Knickebein-Navigationsstrahlen von
Cherbourg aus auf Bristol gelegt und der erste NS-Luftangriff wurde für
18:30 erwartet. Auch das X-Verfahren lief. Das Ziel war die totale
Zerstörung der Hafenanlagen, der grossen Mühlen, der Lagerhäuser und
der
Kühlhäuser der Stadt, um es als Handelszentrum Südenglands vollends zu
lähmen [23].
Da die Pfadfinderbomber des
Geschwaders KGr 100 in Vannes wegen schlechten Wetters zu spät
gestartet waren, flogen die ersten Bomber in Schlangenlinien und
mussten über Bristol einige Warteschlaufen drehen. Die Stadt Bristol
lag schneebedeckt im hellen Mondschein und war mit der Silhouette des
Flusses Avon gut zu sehen. Zeitweise Bewölkung machte die Anwendung von
Knickebein und Koppelnavigation zum Bombardieren notwendig. Der Angriff
von 18:35 bis 00:38 Uhr wurde von 111 Flugzeugen der
Luftflotte 3 eröffnet. Das Geschwader II/KG 55 markierte das Ziel wie
immer mit Leuchtbomben an Fallschirmen ["Christbäume"] [23]. Die
NS-Markierungsbomben markierten den Stadtteil Temple Meads und die
Hafenbecken. Die erste Bomberwelle warf Brandbomben ab, hauptsächlich
vom Stadtteil Temple Meads aus in Richtung Westen [9]. Eine zweite
Welle mit 67 Bombern von Luftflotte 2 bombardierte Bristol zwischen
1:40 und 5:51 Uhr. Die Navigation war da kein Problem mehr, weil das
brennende Bristol 150 bis 170 km weit sichtbar war [23]. Mit 12 Stunden
war es der bisher längste Luftangriff
[1,9] die ganze Nacht hindurch [9]. Gemäss deutschen Angaben wurden auf
Bristol 152
Tonnen Sprengbomben, 2 Tonnen Ölbomben und 53,568 Brandbomben
abgeworfen. Hauptziel war das Stadtzentrum beidseits des Flusses Avon.
Auch das Geschwader III/KG 26 kam zu spät und konnte deswegen auf Sicht
bombardieren ohne Anwendung des Y-Verfahrens [23].
Dabei wurde die grösste deutsche Bombe "Satan" eingesetzt, eine 2000 kg
schwere Luftmine, 2,67m lang (ohne Schwanzteil 2,44m), mit einem
Durchmesser von 66,04 cm Durchmesser [1]. Das Bombenmonster fiel auf
die Beckington Road im Stadtteil Knowle [9]. Glücklicherweise
explodierte der
"Satan" nicht [1,9].
Während dieses Angriffs durch die ganze Nacht hatten die Feuerwehren
nicht nur Nazi-Deutschland als Feind, sondern auch noch den Frost, denn
diese Nacht war eine der kältesten des ganzen Winters. Das war das
schlimmste Los für die Feuerwehrmänner. Das Wasser strömte zwar durch
die Schläuche, bildete aber Eiszapfen an den Gebäuden, und die Strassen
waren nun also auch noch voller Eis [9].
Schäden
Getroffen wurden die Stadtteile Bedminster, St. Philipp, Hotwells und
Cotham, mit dem Bahnhof Temple Meads und den städtischen Hafenbecken,
die beschädigt wurden [23]. Beim Bahnhof
gerieten die Nachbargebäude der Bahnsteige 9 und 12 bald in Brand.
Zerstört wurden die Schalterhalle, das Telegraphengebäude, der
Erfrischungsraum und der Uhrturm. In der Stadt wurden nun noch
Einkaufszonen zerstört oder schwer beschädigt, die vorher noch nicht
zerstört worden waren, die Ladenräume in Bristol-Bridge und an der High
Street.
Schwer beschädigt wurden u.a. die Strassenzüge am Königinnenplatz
("Queen Square"), Welsh Back, Broad Quay, Nelson Street und Redcliff
Street. Viele weitere wichtige Gebäude wurden zerstört, darunter die
Kornspeichergesellschaft am Prinzenquai ("Prince's Wharf"), wo 8000
Tonnen Getreide gelagert waren; zerstört wurden auch die Metallbetriebe
(an der Südseite des Königinnenplatz) und die Kirche St. Augustin ("St.
Augustine's Church"). Beschädigt wurden auch das Stadtspital ("Bristol
General Hospital") und das Homöopathische Spital, die Lebensmittelkette
Warmer's Food, die Büros der Hafenbecken Hill, die Handelskammer, die
Gildenhalle, und das Finanzamt. Weiter wurde eine Anzahl Geschäfte und
Lagerbaracken bei den zentralen Hafenbecken ("City Docks") zerstört [9].
Bristol nach dem Bombenangriff vom 3./4. Januar 1941, Feuerwehrleute
von Bristol posieren vor
einem umgestürzten Auto [9] am Ende der Park
Street [11]
Bilanzen
-- es wurden schätzungsweise ungefähr 2500 Häuser beschädigt
-- 149 Tote [9,23]
-- 133 Schwerverletzte
-- 218 Leichtverletzte [9]
bzw. 351 Verletzte [23]
Für die deutsche Seite war
es eine erfolgreiche Nacht bei einem
verlorenen Flugzeug, das bei der Landung abstürzte, ohne Tote und ohne
Verletzte. Beteiligte Geschwader der NS-Luftflotte 3 waren I und III/KG
1,
I und III/KG 77, I und III/KG 26, I/LG 1, I und II/KG 27, KGr 100, I
und II/KG 54, Stab, I, II und III/KG 55. Von der NS-Luftflotte 2
operierten die Geschwader KG 30, KG 4, KG 3, KG 2 und KG 53 [23].
4./5. Januar 1941: NS-Luftangriff
auf Avonmouth
Die RAF-Funkaufklärung war nicht fähig, diesen Luftangriff auf die
Region Bristol vorherzusagen. In der Nacht vom 4./5. Januar 1941 flog
die NS-Luftwaffe einen Luftangriff gegen Avonmouth mit 103
Bomberflugzeugen mit dem Ziel der Hafenanlagen und industriellen
Einrichtungen im westlichen und nordwestlichen Teil der Stadt. Der
Himmel war zu 8/10 auf 1500 Metern bewölkt. Mit Hilfe des Vollmonds
konnte z.T. auf Sicht bombardiert werden. Während des Luftangriffs von
18:35 bis 6:15 Uhr wurden gemäss Berichten 106,5 Tonnen Sprengbomben,
1,5 Tonnen Ölbomben und 27.722 Brandbomben abgeworfen. Die RAF-Funkaufklärung entdeckte das
Kleve-Knickebein-Signal erst um 18:45 Uhr über dem Gebiet der
Themse-Trichtermündung [Severn-Trichtermündung?]. Gemäss
RAF-Funkaufklärung operierte das Geschwader KGr 100 mit dem X-Verfahren
[23].
Während des Luftangriffs entwickelte sich eine dichte Wolkendecke und
die Bombardierung wurde nun mit Koppelnavigation und Knickebein-Signal
durchgeführt, oder die schon entstandenen Feuer galten als Ziel. Wegen
der dichten Bewölkung gab es nicht viele Zielfotos. Schwere Brände in
der Gegend der Hafenbecken von Avonmouth wurden erst nach Mitternacht
gemeldet. Der Angriff hatte sich an der Küste des Bristol-Kanals
zerfleddert und richtete an den industriellen Installationen von
Avonmouth keinen grossen Schaden an. Dafür wurden einige Feuer in
Gebäuden von nationaler Bedeutung entfacht, die aber meist bis 22 Uhr
gelöscht werden konnten. In der Region Bristol wurden 2 Leute getötet
und 5 verletzt. Bomben fielen auch auf Clevedon, bei 1 Todesopfer und 3
Verletzten. Ein schlimmer Luftangriff mit 5 Sprengbomben und
geschätzten 3000 Brandbomben traf den Küstenort Weston super Mare mit
34 Todesopfern und 85 Verletzten.
Beteiligte Geschwader der NS-Luftflotte 3 waren II und III/KG 77, I/KG
26, I und II/KG 27, KGr 100, I, II und III/KG 51, I und II/kg 54. Von
der NS-Luftflotte 2 kamen Teile der Geschwader KG 30, KG 4, KG 3, KG 2
und KG 53 [23].
16./17. Januar 1941:
NS-Luftangriff auf Avonmouth
Innerhalb der neuen Taktik gegen Importhäfen und Ziele der Rüstungs-
und Flugzeugindustrie vom 13. Januar blieb Avonmouth weiterhin ein
wichtiges Ziel der NS-Luftwaffe. Ziel war das Stadtzentrum und die
nördliche Hälfte der Hafenanlagen und deren industrielle Einrichtungen.
Einzelne Bomber sollten ausserdem die Parnall-Flugzeugwerke in Yate
[nordöstlich bei Bristol] und die Gloster-Flugzeugwerke in Brockworth
[weiter nordöstlich] angreifen.
Berichten zufolge beteiligten sich während des Luftangriffs zwischen
19:30 und 5:08 Uhr 126 Bomberflugzeuge über Avonmouth sowie 15 über
Bristol unter Anwendung der X- und Y-Verfahren. Der X-Leitstrahl fiel
z.T. aus, und die Winde waren stärker als vorhergesagt. Das mit dem
X-Verfahren ausgerüstete Geschwader KGr 100 war unsicher. Zudem
herrschte 8/10 Bewölkung mit dichtem Nebel, der sich erst nach
ungefähr 23 Uhr zu lichten begann. Zuerst wurden wieder Leuchtbomben
abgeworfen, und für die zweite Welle um 1:45 wieder. Nach den
Leuchtbomben folgten viele Brandbomben auf die Hafeneinrichtungen.
Gemäss Berichten warfen die Bomber 158,2 Tonnen Sprengbomben sowie
54.864 Brandbomben ab, unter Anwendung der Koppelungsnavigation und
Knickebein. Mit Hilfe von Militärpersonal konnten die Feuer aber
schnell gelöscht werden und der Schaden an lebenswichtigen Gebäuden
wurde auf kleine Dimensionen begrenzt. Eine Inspektionsflug eines
Flugzeugs vom Geschwader III/KG 55 kurz nach 23 Uhr mit einem Sturzflug
auf 1200 Meter berichtete von einem sehr grossen Feuer im Zielgebiet.
Bis 2 Uhr verbesserten sich die Bedingungen und erlaubten die
Bombardierung. Der Bombenregen mit Brandbomben fiel durch Wollkenlöcher
auf Sicht trotz des inzwischen starken Rauchs über der Stadt. Nun
starteten die Feuer rasch und gerieten ausser Kontrolle, und der
Schaden an den Hafeneinrichtungen und an den industriellen Gebäuden war
beträchtlich [23].
Der 17. Januar 1941 wurde der einzige Tag des Krieges, an dem durch
Feindeinwirkung die Hafenanlagen nicht normal laufen konnten. Dies
wusste die deutsche Seite aber nicht. In der gesamten Region Bristol
waren 18 Todesopfer und 109 Verletzte zu beklagen [23].
Die Verluste auf der deutschen Seite waren 2 Flugzeuge und 8 getötete
Besatzungsmitglieder. Beteiligt waren Flugzeuge der Geschwader der
NS-Luftflotte 3 III/KG 26, I/LG 1, I, II und III/KG 27, KGr 100, I, II
und III/KG 51, I und II/KG 54, KGr 806, Stab, I, II und III/KG 55 [23].
Das schlechte Wetter im Februar 1941 in Kontinentaleuropa liess keine
grossen Flugoperationen zu, so dass im Februar 1941 keine Grossangriffe
auf England geflogen werden konnten. Es blieb bei Angriffen einzelner
Flugzeuge ("Piratenangriffe") auf die Rüstungs- und Flugzeugindustrie
[23].
22. Februar 1941: NS-Luftangriff
auf Yate erfolglos - Absturz
Am 22. Februar 1941 flog die NS-Luftwaffe einen Piratenangriff auf die
Parnall-Flugzeugfabrik in Yate mit einem einzelnen Heinkel-Bomber He
111 des Geschwaders II/KG 27. Bis zur Severn-Trichtermündung überwand
das Flugzeug alle Verteidigungslinien, aber bei der Annäherung an
Avonmouth bei Nieselregen und Winden wurde der Bomber von Flakfeuer
getroffen und stürzte bei Portbury in den Morast. Dies war das zweite
Opfer der Bristoler Flak [23].
27. Februar 1941: NS-Luftangriff
auf Yate
Am Nachmittag des 27. Februars 1941 flog die NS-Luftwaffe einen
Piratenangriff auf die Parnall-Flugzeugfabrik in Yate mit einem
einzelnen Heinkel-Bomber He 111 des Geschwaders II/KG 27 von
Oberstleutnant Hermann Lohmann. Die starke, niedrige Bewölkung und
zufälliger Nieselregen begünstigte den Piratenangriff. Der Angriff um
14:36 Uhr aus 3 Metern Höhe mit 7 250 kg-Sprengbomben mit Zeitzündern
gelang. Der Schaden war beträchtlich, bei 53 Todesopfern und 150
Verletzten unter den Angestellten. Viele wurden Opfer der verspäteten
Explosion der Zeitzünderbomben.
Oberstleutnant Lohmann gab an, er sei von Norden angeflogen und die
Bomben hätten sich auf die gesamte Länge des Ziels verteilt. 5 Treffer
konnten auf eine Betriebshalle beobachtet werden und eine Explosion im
nördlichen Teil des Zielbereichs. Der Bomber entkam nur glücklich der
Flak in Yate, die aus 8 40mm-Rohren und 40 leichten Maschinengewehren
bestand [23].
März 1941: NS-Vorbereitungen zu
neuen Grossangriffen auf England
Mit den Verbesserungen der Wetterbedingungen und der Aufstockung und
Neuausrüstung der Bomberflotten plante die NS-Luftwaffe neue Angriffe
auf die britischen Haupthäfen. Die Piratenangriffe gegen
Flugzeugfabriken und andere damit verbundene Industrien liefen weiter
[23].
6. März 1941: NS-Fehlangriff auf
Filton
Am 6. März 1941 flog die NS-Luftwaffe einen Luftangriff auf die
Bristol-Flugzeugfabrik ("Bristol Aeroplane Company") in Filton bei
Bristol mit einem einzigen Heinkel-Bomber He 111 des Geschwaders I/KG
27 unter Oberstleutnant Hollinde. Kurz nach 18 Uhr ertönten an diesem
düsteren Abend über Bristol die Alarmsirenen. Nach Einsetzen von
Maschinengewehrfeuer in den Aussenquartieren folgten 7 Sprengbomben auf
die Filton-Werke, die aber das Ziel total verfehlten [23].
Da auf der deutschen Seite angenommen wurde, sie hätte grossen Schaden
verursacht, wurde die Besatzung im Bericht des Oberkommandos der
Luftwaffe am folgenden Tag speziell erwähnt [23].
7. März 1941: NS-Luftangriff auf
Yate
Am 7. März 1941 flog die NS-Luftwaffe einen Luftangriff auf die
Parnall-Flugzeugfabrik in Yate mit einem einzigen
Heinkel-Bomber He 111 des Geschwaders II/KG 27 von Oberstleutnant
Hermann Lohmann. Es wurden 7 250 kg-Sprengbomben aus einer Höhe von 25
Metern abgeworfen, bei 3 Todesopfern und 20 Verwundeten. Die Produktion
kam zum totalen Produktionsstillstand und es wurde die Auflösung des
Fabrikgeländes angeordnet [23].
Gemäss Lohmann waren 5 Bomben auf Montagehallen niedergegangen, die
anderen zwei auf Unterkünfte und Nebengebäude im südlichen Teil des
Fabrikgeländes [23].
Die Besatzung von Oberstleutnant Lohmann erhielt am 9. März 1941 für
ihre erfolgreichen Angriffe vom 27. Februar und 7. März 1941 eine
spezielle Erwähnung im Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht [23].
16./17. März 1941: Fünfter
NS-Grossangriff auf Bristol
In der Nacht vom 16./17. März 1941 flog die NS-Luftwaffe einen
Grossangriff auf Bristol [9] mit 164 Bomberflugzeugen der
Bombergeschwader der NS-Luftflotte 3. Die Bomber der Luftflotte 2
konnten am Angriff nicht teilnehmen, weil dichter Nebel über ihrer
Basis in den Niederlanden den Start verhinderte. Die Pfadfinderbomber
wurden durch X-Strahlen über Avonmouth und Y-Strahlen über Bristol
geleitet. In Bristol war das Zielgebiet der Flusshafen ab dem
Bathurst-Becken
abwärts, in Avonmouth war das Zielgebiet ein Rechteck mit den
Lagerhäusern und industriellen Einrichtungen des Hafengebiets. Über den
Zielgebieten herrschte anfangs dicke Bewölkung, später mit Nebel.
Folglich kamen zuerst Knickebein und Koppelnavigationsverfahren zur
Anwendung. Am Anfang wurden Leuchtbomben abgeworfen [23].
Es wurden 700 bis 800 Sprengbomben und
mehrere 1000 Brandbomben abgeworfen [9], gemäss Berichten 164,25 Tonnen
Sprengbomben und 33.840 Brandbomben [23]. Von allen Grossangriffen auf
Bristol war dieser vielleicht der schlimmste. Der Angriff dauerte von
20:35 bis 3:25 [23] bzw. begann kurz
vor 20:30 Uhr, und nach über fünf Stunden erklang die Entwarnung
("Raiders Passed"). Die Leute wollten schon aufatmen, aber nach 10
Minuten kam eine weitere Bomberwelle und führte das Zerstörungswerk
unerbittlich bis 4:12 am Morgen weiter. Die Bombardierung war schwer
und zäh, und viele Teile, die bisher glücklicherweise noch nicht
zerstört waren, wurden nun schwer zerstört [9]. Wegen der dicken
Bewölkung über dem Zielgebiet rutschte der Luftangriff vor allem in
Wohngebiete, und eine Anzahl Bomber wurden von den wenigen Grossfeuern
angezogen [23].
Kurz nach Mitternacht konnte eine grosse Explosion mit einer ungefähr
1000 Meter hohen Stichflamme beobachtet werden. Die Besatzungen nahmen
an, dass nun der Gasometer explodiert war, und sie hatten recht. Es
waren aber nicht die Gaswerke von St. Philipp, sondern der wahre
Standort war an der Stapleton Road [23].
Die Bedingungen wurden gegen Ende des Grossangriffs für die
Bombardierungen immer besser, so dass auch Bombardierung auf Sicht
möglich wurde. Die aktiven Suchscheinwerfer waren ausserdem ein Hinweis
darauf, dass sich die Bomber über der richtigen Stadt befanden,
manchmal unterstützt durch Feuerschein, der durch den Nebel
hindurchdrang [23].
Die Bomben verteilten sich dieses Mal auf viele Stadtteile. Die meisten
kamen in einer Linie von Ost nach West herunter, von der Bahnstation
Stapleton Road über di Innenstadt zur Bahnstation Clifton Down. Neben
dem Stadtzentrum waren am meisten die Stadtteile Fishponds, Eastville,
Whitehall, Easton, St. Paul, Monpelier, Kingsdown, Cotham Redland und
Clifton betroffen [23]. Die St.
Michael-Kirche (St Michael's Church) geriet in Brand, wo zu dieser
Zeit 300 Leute in der Krypta Schutz gesucht hatten. Es konnten alle
unverletzt entkommen. Die Krypta der Kirche St. Barnabas erhielt
dagegen einen
direkten Treffer [9].
Bilanz
-- 257 Todesopfer [9,23], 15 aus der Krypta der Kirche St. Barnabas [9]
-- 391 Verletzte [9,23].
Es wäre noch viel schlimmer gekommen, wenn dichter Nebel in den
Niederlanden den Start der Bomber der Luftflotte 2 nicht verhindert
hätte [23].
Die deutschen Verluste waren höher als bei den früheren Angriffen auf
die Region Bristol, aber die Verteidigung schaffte es nicht, einen
Bomber herunterzuholen. 1 Bomber stürzte über England wegen
Maschinenschadens ab und die 4 Besatzungsmitglieder wurden
festgenommen. 5 Bomber stürzten bei der Landung in Frankreich ab, bei
12 toten und 6 verletzten Besatzungsmitgliedern. Beteiligt waren
Flugzeuge der Geschwader I und II/KG 1, III/KG 26, I und II/KG 77,
Stab, I, II und III/KG 55, I, II und III/KG 27, KGr 100, I, II und
III/KG 51, I/KG 54 und II/KG 76 [23].
Allgemein liessen die schlechten Wetterbedingungen in Frankreich und
Holland grosse Starts der NS-Luftflotte kaum zu [23].
26. März 1941: Verlegung von
Teilen der NS-Luftwaffe auf den Balkan
für die NS-Besetzungen von Jugoland und Griechenland [23].
29./30. März 1941: NS-Luftangriff
auf Bristol (erfolglos) und Avonmouth (Brände)
Am Nachmittag des 29. März 1941 verbesserte sich in Kontinentaleuropa
die Wettersituation, so dass wieder grössere Luftangriffe auf England
möglich wurden. In der Nacht des 29./30. März 1941 flog die
NS-Luftwaffe einen Luftangriff gegen Hafeneinrichtungen im südöstlichen
Bristol. Das Zielgebiet lag zwischen dem östlichen Ende der Stadt
("East End") und dem Hafen am Fluss, sowie zwischen den beiden
Gasometern 2 km ost-nordöstlich. Avonmouth war ebenfalls Zielgebiet mit
den Hafenanlagen und den industriellen Einrichtungen. X- und Y-Strahlen
wurden über Avonmouth gelegt und die Pfadfinder flogen mit X- und
Y-Verfahren. Über dem Zielgebiet lagen Wolken und Nebel. Gemäss
deutschen Angaben wurden zwischen 21:05 und 22:08 Uhr von 36
Bomberflugzeugen 33 Tonnen Sprengbomben und 13.088 Brandbomben auf
Bristol und Avonmouth abgeworfen. Über Bristol bombardierten 5
Besatzungen auf Sicht, die anderen 15 unter Anwendung des
Koppelnavigationsverfahrens und Knickebein. In Bristol wurden keine
Feuer gemeldet. Über Avonmouth wurden Feuer gemeldet, die den
nachfolgenden Bombern eine Navigationshilfe waren. In Avenmouth brannte
es im Hafenbereich. Drei Tanks der Englisch-Amerikanischen
Ölgesellschaft ("Anglo-American Oil Company") brannten lichterloh, und
der letzte konnte erst um 16:30 gelöscht werden. In der Bevölkerung
waren 6 Tote und 17 Verletzte zu beklagen [23].
Es ging kein Flugzeug verloren. Die Besatzungen des Geschwaders III/KG
26 berichteten später, dass die Y-Signale gut empfangen werden konnten.
Beteiligt waren Flugzeuge der Geschwader III/KG 1, II/KG 76, III/KG 26
und KGr 100. [23].
3./4. April 1941: NS-Luftangriff
gegen Avonmouth - Ausweichziel Bristol
Die normalen Operationen der NS-Luftwaffe wurden schliesslich unter
verbesserten Wetterbedingungen nach dem Sonnenuntergang vom 3. April
1941 wiederaufgenommen. Am 3. April 1941 flog die NS-Luftwaffe einen
Luftangriff gegen die Hafenanlagen und Industrieeinrichtungen von
Avonmouth bei Bristol, mit 76 Flugzeugen der Luftflotte 3 [23].
X- und Y-Strahlen wurden über Avonmouth gelegt und so die
Pfadfinderbomber an den richtigen Ort geführt. Es herrschte
Halbmondbeleuchtung bei anfangs 7/10 Bewölkung, die dann zwischen 22
und 23 Uhr auf 2/10 zurückging. Bis Mitternacht aber bildete sich eine
geschlossene Wolkendecke mit Regen. Während des Luftangriffs von 21:16
bis 0:45 Uhr wurden gemäss deutschen Angaben 79,8 Tonnen Sprengbomben
und 8938 Brandbomben auf Bristol und Avonmouth abgeworfen unter
Anwendung des Koppelnavigationsverfahrens und Knickebein. 49
Bomberflugzeuge bombardierten Avonmouth z.T. auf Sicht. 27 Bomber
fanden Avonmouth nicht und bombardierten als Ausweichziel den
Flusshafen und das Industriegebiet von Bristol unter ausschliesslicher
Anwendung des Koppelnavigationsverfahrens und Funkmethoden wegen der
geschlossenen Wolkendecke [23].
Die Feuerwehren arbeiteten absolut effektiv, dass sich keine Grossfeuer
entwickeln konnten, auch wenn 1000 Brandbomben abgeworfen wurden, v.a.
in den Stadtteilen St. Michael's Hill bis Redland Green. Die Welle mit
Sprengbomben war dann auf einer Linie zwischen Horseshoe Bend und
Filton herunter. In Avonmouth wurde nur von wenigen Vorfällen
berichtet. Bristols Zivilbevölkerung beklagte 22 Todesopfer und 56
Verletzte [23].
Die deutschen Verluste waren minimal, aber ein Beaufighter unter Pilot
John "Cats Eyes" Cunningham vom Geschwader 604 von der Basis Middle
Wallop in Hampshire konnte einen Bomber runterholen, der in der Nordsee
vor der Isle of Wight abstürzte, mit Todesfolge für die gesamte
deutsche Besatzung. Beteiligt waren Flugzeuge der Geschwader III/KG 26,
II und III/KG 1, II/KG 76, KGr 100, II/KG 27, I und II/KG 54 und KGr
806 [23].
4./5. April 1941: NS-Luftangriff
auf Avonmouth und Bristol
In der Nacht vom 4./5. April 1941 flog die NS-Luftwaffe einen
Luftangriff auf Bristol mit 85 Bomberflugzeugen. Ziel für 83 Bomber
waren wieder die Hafenanlagen und industriellen Einrichtungen von
Avonmouth, und 2 Bomber sollten Ziele in Bristol bombardieren. Es war
eine klare Nacht mit Halbmondlicht. Ab 23 Uhr verschlechterte sich die
Wettersituation leicht. Die Pfadfinderbomber markierten unter Anwendung
von X- und Y-Verfahren erfolgreich das Gebiet. Ganz Bristol wurde von
15 Leuchtbomben gleichzeitig beleuchtet [23].
Beim Luftangriff auf Avonmouth zwischen 21:15 und 1:30 Uhr wurden 80,4
Tonnen Sprengbomben und 19.675 Brandbomben abgeworfen. Die Bomber
konnten hauptsächlich auf Sicht bombardieren, nur wenige benutzten das
Koppelnavigationsverfahren oder Knickebein. Es folgten in regelmässigen
Abständen Sprengbomben und Brandbomben [23].
Die Feuerwehren arbeiteten sehr effizient und konnten den Ausbruch von
Grossfeuern verhindern und so die Stadt Bristol vor schwereren Schäden
bewahren. Avonmouth wurde sehr getroffen, und in leichterem Ausmass
auch die Gebiete Westbury und Whitchurch. An den Hafenanlagen von
Avonmouth wurde aber nur minimaler Schaden verursacht. Viele
Brandbomben, die in der Nachbarschaft heruntergingen, brannten im
Shirehampton-Park aus. Die schlimmsten Vorfälle dieser Nacht ereigneten
sich bei der Nationalen Hüttengesellschaft ("National Smelting
Company"), wo die Produktion schwer beeinträchtigt wurde, speziell in
den Düngemittelbetrieben und Säurebetrieben [?]. Insgesamt waren in der
Zivilbevölkerung 3 Tote und 21 Verletzte zu beklagen [23].
Ein deutscher Pfadfinderbomber stürzte noch vor Ankunft über Bristol
über Hewish bei Weston Super Mare durch Abschuss durch einen
Beaufighter des Geschwaders 604 aus Middle Wallop ab. 2
Besatzungsmitglieder wurden getötet, die anderen 3 gefangengenommen.
Beteiligt waren Flugzeuge der Geschwader I, II und III/KG 77, III/KG
26, II/KG 27, KGr 100, I und II/KG 54 und KGr 806. Pfadfinder waren von
den Geschwadern KGr 100 und III/KG 26 [23].
7./8. April 1941: NS-Luftangriff
auf Avonmouth und Bristol
Die NS-Luftwaffe flog in der Nacht des 7./8. April 1941 im Zusammenhang
mit einem Grossangriff gegen die Regionen Glasgow, Greenock und
Liverpool einen Luftangriff kleineren Luftangriff gegen Bristol und
Avonmouth mit 33 Bomberflugzeugen. Von 21:13 bis 1:17 wurden gemäss
Berichten 29,2 Tonnen Sprengbomben und 6442 Brandbomben auf Bristol und
Avonmouth abgeworfen. Der schlimmste Schaden in Bristol wurde im
Stadtteil Horfield verursacht. Als sich im Zielgebiet eine geschlossene
Wolkendecke auf 1000 Metern Höhe entwickelte, wurde die Operation mit
Knickebein und Koppelnavigation durchgeführt. Bristols Zivilbevölkerung
hatte 9 Verletzte zu beklagen [23].
Es ging kein deutsches Flugzeug verloren. Beteiligt waren Flugzeuge der
Geschwader KGr 100, I und II/KG 54, KGr 806, I, II und III/KG 55, KGr
100, II und III/KG 1, I und III/KG 27 [23].
11./12. April 1941 (Karfreitag):
Sechster NS-Grossangriff auf
Bristol
Der NS-Grossangriff vom Karfreitag 1941 auf Bristol verursachte
weiteren Schaden in der Innenstadt, in den Stadtteilen Knowle,
Hotwells, Cotham und in der Stadt Filton [1].
Nachdem die deutschen Flugzeuge eine
speziell starke Luftabwehrstellung überwunden hatten, warfen die
Bomberwellen nach 22 Uhr Sprengbomben und Brandbomben auf Bristol ab.
Die Bombardierung dauerte ungefähr 1 3/4 Stunden.
Um 23:53 gaben die Sirenen Entwarnung
("Raiders Passed"). 13 Minuten später kam der Feind aber wieder und
verliessen Bristol erst um 3:52 Uhr. Sprengbomben fielen hauptsächlich
im Stadtteil Horfield und im oberen Teil des Stadtteils Easton ("Upper
Easton") bei der Bahnstation Lawrence Hill [9].
Die NS-Luftwaffe flog in der Nacht des 11./12. April 1941
("Karfreitagsangriff")
den sechsten und letzten Grossangriff gegen Bristol, dieses Mal gegen
die Hafenanlagen und industriellen
Einrichtungen im südwestlichen und westlichen Zentrum von Bristol
mit
153 Bomberflugzeugen. Über das Ziel wurden Y-Strahlen gelegt, wie auch
über Avonmouth, und über die Hafenanlagen von Portishead wurden
X-Strahlen gelegt. Das Wetter im Zielgebiet war gut mit Vollmond und
hohen Schäfchenwolken. Zwischen 22:10 und 3:15 Uhr wurden gemäss
Berichten 193 Tonnen Sprengbomben und 36.888 Brandbomben abgeworfen,
hauptsächlich auf Sicht, von Zeit zu Zeit bei dicker Wolkenentwicklung
mit Koppelungsnavigationsverfahren oder Funkunterstützung.
In einer
ersten Welle kurz nach 22 Uhr wurde in einer Linie vom Stadtzentrum
Bristol
Bridge bis zum nördlichen Stadtteil Horfield bombardiert. In einer
zweiten Welle kurz nach Mitternacht wurden weitere Stadtteile
bombardiert, darunter St. Augustine, Bedminster und Knowle, die schwer
getroffen wurden, und in weniger starkem Ausmass Avonmouth und
Shirehampton [zwischen Bristol und Avonmouth]. Auch auf Avonmouth
konnte auf Sicht bombardiert werden. Über Portishead lag dichter Rauch.
Um 2:10 bemerkten die Besatzungen des Geschwaders I/KG 55 eine grosse
Explosion mit einer 1500 Meter hohen Stichflamme, die Zerstörung des
Gasometers von Canon's Marsh, der dritte zerstörte Gasometer in Bristol
[23].
Viele Feuer entzündeten sich beim ersten Angriff. Das grösste Feuer war
dasjenige in der Öffentlichen Bibliothek an der Cheltenham Road und das
Feuer in der Mädchenschule gegenüber. Bomben beschädigten das
Union-Haus schwer, die Telefonverwaltungsbüros der G.P.O [Government
Printing Office?] und die benachbarten Geschäfte. Bomben zerstörten
auch das Öl- und Farbengeschäft von Oliver Pragnall & Co. an der
Strasse Broadmead. An der Newfoundland Road zerstörten zwei
Sprengbomben die Essigproduktion Purnell und die Kirche St. Clement
("St. Clement's Church") [9].
In der zweiten Welle fielen viele Bomben rund um die Strassen
Prinzenstrasse ("Prince Street"), Broad Quay und Königinnenplatz
("Queen's Square"). Das Bürogebäude der Elektrizitätsgesellschaft an
der Colston Avenue wurde durch Feuer zerstört [9].
Bombentreffer an der Colston Avenue am Karfreitag 1941, zerstört wurde
hier das Hauptgebäude der Elektrizitätsgesellschaft [2]
Vom Stadtteil St. Augustin wurde das Innenstadtquartier Canon's Marsh
schwer getroffen, Ankerstrasse ("Anchor Road"), Park Row und [das
Quartier] Hotwells. Grosse Feuer entwickelten sich bei Taylors an der
Strasse College Green und am Coliseum an der Park Row [9].
Im Stadtteil Bedminster brachen mehrere Feuer in der Gegend der
Victoria Street aus, und die St. Philipps-Brücke ("St Philip's Bridge")
wurde zerstört. An der Strasse Temple Back wurde ein Umspannwerk des
Elektrizitätswerks getroffen, und auch das Hauptkabel zur St.
Philipps-Brücke wurde getroffen. Andere zerstörte Gebäude waren u.a.
die Kirche St. Paul, die Halle St. Peter's Parish in Bedminster,
Jacob's Wells, die Gebäude an der Ecke von Union Street und Broadmead,
die Feuerwehrstation, die Ashley Down Road, und das Südbad ("Bristol
South Baths") [9].
Die bombardierte St. Philipps-Brücke von Bristol nach dem 11./12. April
1941 [9]. Die Stromleitungen für
die Strassenbahn verliefen
über diese Brücke. Der Trambetrieb wurde unterbrochen
und nach dem
Krieg nicht mehr aufgenommen [7].
Vorort Avonmouth [an der Mündung des Flusses Avon]: Das Kino wurde
bombardiert und zerstört [9].
Bilanz
-- 180 Todesopfer [9,23]
-- 146 Schwerverletzte [9]
-- 236 Leichtverletzte [9].
bzw. 382 Verletzte [23]
Es gingen 5 Bomber
verloren. 3 stürzten über England ab, wovon einer
vom Geschwaderführer John Cunningham des Geschwaders 604 abgeschossen
wurde. 2 weitere Bomber stürzten über Frankreich ab. 17 deutsche
Besatzungsmitglieder wurden getötet, 2 verwundet. Beteiligt waren 15
Flugzeuge der NS-Luftflotte 2 von den Geschwadern I und II/KG 53 sowie
138 Flugzeuge der NS-Luftflotte 3 von den Geschwadern I, II und III/KG
27, KGr 100, II und III/KG 1, III/KG 26, I und II/KG 54, KGr 806, Stab,
I, II und III/KG 55 [23].
12. April 1941: Churchill
begutachtet die Ruinen von Bristol
Premierminister Churchill fuhr in der Nacht auf den Ostersamstag nach
Bristol und konnte noch das Ende des Luftangriffs von seinem Zugabteil
beobachten [10]. Dann begutachtete er am 12. April 1941 die Ruinen von
Bristol. Dabei wurde Churchill von der Menschenmenge beschimpft, dass
die Luftverteidigung wohl nicht ganz in Ordnung sei [1]. Churchill
versprach grimmig seine Rache an den Feind: "Wir werden es ihnen
heimzahlen" ("We will give it them back") [9].
Gedanken an den Wiederaufbau ab
1941
Schon im Jahre 1941 wird über das Aussehen des wiederaufgebauten
Bristol nachgedacht [28].
25. April 1941: NS-Luftangriff auf
Bristol
Die NS-Luftwaffe bombardierte am 25. April 1941 Bristols Stadtteile
Brislington, Bedminster und Knowle. Spekulationen besagen, dass das
eigentliche Ziel die Stadt Filton gewesen sei und die Bomben ihr Ziel
verfehlten.
Dabei kam auch eine hohe Zahl Brandkanister zum Einsatz ("Goering's
Bread Basket" ["Görings Brotkorb"]), die viele Feuer verbreiteten und
Panik unter der
Bevölkerung auslösten. Die Feuerwehren der ganzen Region wurden
eingesetzt [1].
Mai 1941: Relativ kleine
NS-Luftangriffe auf Bristol als Ausweichziel
mit relativ wenig Flugzeugen, als Ausweichziel für Bomber, die die
Ziele in Liverpool und in Glasgow nicht finden konnten [23].
7. Mai 1941: NS-Luftangriff auf
Bristol als Ausweichziel
Über Liverpool herrschte eine geschlossene Wolkendecke und 16
Bomberflugzeuge suchten sich Bristol als Ausweichziel aus und
bombardierten die Stadtteile Knowle, Bedminster, Clifton und Teile der
Innenstadt. Der Schaden war gross, und die Zivilbevölkerung hatte 20
Tote und 84 Verletzte zu beklagen. Es war der schwerste Luftangriff im
Mai 1941 [23].
Beteiligt waren Flugzeuge der Geschwader II und III/KG 27, KGr 100, I,
II und III/KG 55 [23].
Mai 1941: Verminungen und
Verschleierungstaktik gegenüber England
Von Mitte Mai an war die NS-Luftwaffe mit den Operationen in Russland
beschäftigt. Aber der Grundplan, die englische Kriegswirtschaft und die
industriellen Einrichtungen und Hafenanlagen zu zerstören, wurde
aufrechterhalten, um so zu kaschieren, dass ein Grossteil der Luftwaffe
sich in Russland befand. Also wurden weiter Wasserwege in England
vermint, und Ende des Monats wurde der Befehl herausgegeben, sich auch
bestimmte Landziele vorzunehmen und die Bombergruppen zu unterstützen,
die Landminen abwarfen [23].
30. Mai 1941: NS-Luftangriffe auf
Liverpool und Bristol
In der Nacht vom 30./31. Mai 1941 flog die NS-Luftwaffe einen letzten
Luftangriff auf Liverpool mit 34 Flugzeugen und gegen Bristol mit 15
Flugzeugen. Die Besatzungen für Bristol gaben an, 4 Tonnen Sprengbomben
und 12 Landminen [Luftminen?] über Bristol abgeworfen zu haben.
Landmine [Luftmine?] fiel aber keine einzige in die Stadt. Stattdessen
kamen zwei in Kingston Seymour herunter, und eine davon explodierte
nicht [23].
Schaden ergab sich in den Stadtteilen Clifton, Westbury, Sea Mills und
St. Anne, bei 12 Toten und 29 Verletzten in der Zivilbevölkerung [23].
11. Juni 1941: NS-Luftangriff auf
Bristol (Ausweichziel)
Am 11. Juni 1941 flog ein Heinkel-Bomber He 111 des Geschwaders I/KG 28
von einer Verminungseinheit einen Einzelangriff an der Küste des West
Country [Südwest-England]. Der Pilot hatte sein Ziel in der Region
Birmingham nicht gefunden und hatte die Region Bristol als Ausweichziel
ausgewählt. Zwei Landminen [Luftminen?] wurden auf Bedminster
abgeworfen, bei 16 Toten und 77 Verletzten in der Zivilbevölkerung [23].
Die Luftflotte 2 (ausser das IX. Fliegerkorps) und die Mehrheit der
Bombereinheiten der Luftflotte 3 wurden an die Ostfront verlagert. Das
Geschwader KGr 100 mit dem X-Verfahren führte weiterhin kleine
Nachtangriffe gegen englische Flugplätze und Flugzeugfabriken aus [23].
14. Juni 1941: NS-Luftangriff auf
die Flugzeugfabrik in Filton
[23]
16. Juni 1941: NS-Luftangriff auf
die Gloster-Flugzeugfabrik in Hucclecote
[23]
Bilanz für Bristol vom 12. August
bis 26. Juni 1941
Deutsche Daten von 1944 besagen:
-- auf Bristol wurden 10 Grossangriffe geflogen mit Abwurf von 50 oder
mehr Tonnen Sprengbomben
-- Bristol lag an vierter Stelle der Bombardements hinter London,
Liverpool und Birmingham, Coventry folgte auf Platz 7
-- auf Bristol wurden 1237 Tonnen Sprengbomben und Ölbomben, sowie 248
Tonnen Brandbomben abgeworfen [23].
23./24. Juli 1941: Störung des
Leitstrahlsystems durch EE205 - eine deutsche Ju 88 landet in Bristol
Eine Junker 88 des Geschwaders I/KG 30 wurde auf dem Rückflug von
Birkenhead bei Liverpool von EE205-Störsignalen der RAF so verwirrt,
dass das deutsche Leitstrahlsystem nicht mehr zu gebrauchen war. Die
Besatzung war verloren, es ging der Treibstoff aus, und um 6:20 landete
die Ju 88 in Bristol auf dem im Bau befindlichen Flughafen Lulsgate in
der Meinung, in Frankreich zu sein. Das Störsignal EE205 wirkte
scheinbar [23].
Bis August wurde die NS-Luftwaffe gegen England auf 120 Bomberflugzeuge
reduziert. Die Aktivität beschränkte sich aufs Minenlegen ab September
1941, wozu die Ju 88 des Geschwaders III/KG 30 vom Balkan nach Melun
verlegt wurden. Luftangriffe auf Bristol wurden zur Seltenheit. Anfang
Oktober 1941 wurde der Bristol-Kanal und die Severn-Trichtermündung neu
vermint. Im Dezember 1941 zog das Geschwader in den Norden von Norwegen
ab. Durch die Minen im Bristol-Kanal und in der Severn-Trichtermündung
sanken 6 Schiffe und eines wurde beschädigt. Durch eine verstreute Mine
auf dem Land wurde eine Zivilperson in Oldbury Naite am 25. November
getötet [23].
Ende November 1941: Rückkehr von
Pfadfindergeschwadern von der Ostfront an die Westfront
Während der späten Novembertage 1941 wurden die Pfadfindergeschwader
KGr100 und III/KG 26 vorübergehend von der Ostfront zurückverlegt und
als "ruhend" bezeichnet [23].
15. Dezember 1941: Übungen mit
einem neuen X-Verfahren "Taub"
Das revidierte X-Verfahren
läuft auf einer neuen Frequenz und hat ausserdem einen unhörbaren
Überschallton aufgeschaltet [23].
1941-1942: Der Flugplatz von
Filton erhält eine betonierte Landebahn
[11]
3. April 1942: Luftangriff auf
Filton
mit dem revidierten X-Verfahren [23].
4. April 1942: NS-Luftangriff
gegen die Gloster-Flugzeugwerke in Brockworth bei Gloucester
Der Luftangriff fand am Nachmittag unter Anwendung des X-Verfahrens der
Pfadfinderbomber des Erprobungs- und Lehrkommandos 100, stationiert in
Chartres [23].
9. April 1942: NS-Luftangriff
gegen die Gloster-Flugzeugwerke in Brockworth bei Gloucester
Der Luftangriff fand am Nachmittag unter Anwendung des X-Verfahrens der
Pfadfinderbomber des Erprobungs- und Lehrkommandos 100, stationiert in
Chartres [23].
25./26. April 1942: Fehlangriff
auf Bristol beim Baedeker-Luftangriff auf Bath
Einige der Bomber waren völlig falsch orientiert und bombardierten
Bristol-Brislington. Die Zivilbevölkerung beklagte 18 Tote und 41
Verletzte [23].
23. Mai 1942: Erfolgloser
NS-Luftangriff gegen Avonmouths Hafenanlagen
Am Nachmittag des 23. Mai 1942 flog die NS-Luftwaffe einen Luftangriff
gegen die Hafenanlagen von Avonmouth mit 7 Heinkel-Bombern He 111 unter
Verwendung der X- und Y-Verfahren, bei schweren Wetterbedingungen. Es
wurde nicht viel Schaden verursacht. Die Bombe, die dem Ziel am
nächsten war, fiel auf die Kreuzung Severn Tunnel, etwa 6 Meilen vom
Ziel entfernt. Ein Flugzeug ging verloren [23].
Es war das erste Mal, dass die britische Aufklärung die
Überschall-Modulation ("supersonic modulation") auf dem X-Signal
entdeckte, und Gegenmassnahmen wurden sofort in Gang gesetzt [23].
27./28.Juni 1942: NS-Luftangriff
auf Weston super Mare - Jagd auf Churchill
Die Küstenstadt Weston super Mare südwestlich von Bristol wurde von der
NS-Luftwaffe als Rache für den grossen Luftangriff der RAF auf Bremen
vom 26./27. Juni ausgewählt, weil der deutsche Geheimdienst erfahren
hatte, dass Churchill sich nach der Rückkehr von seinem USA-Besuch in
dieser Stadt aufhalten würde [23].
Gemäss deutschen Angaben bombardierten 53 Bomberflugzeuge die Stadt
Weston mit 28,6 Tonnen Sprengbomben und 18.832 Brandbomben, in
Begleitung von zwei Ju 88, die nach britischen Jägern Ausschau hielten.
Zu Anfang des Angriffs herrschten ideale Wetterbedingungen bei
Vollmond, und die ersten Bomben wurden abgeworfen, noch bevor die
Sirenen ihre Warnung um 1:22 herausgaben. Der Angriff dauerte nur bis
2:00. Berichte gaben 62 Sprengbombenvorfälle an, die Opfer forderten.
Das Zentrum des Bombardements war die Innenstadt. Der Grossteil des
Schadens betraf Wohnhäuser [23].
Ein Flugzeug ging verloren, das bei der Landung in Frankreich
abstürzte, bei 4 verletzten Besatzungsmitgliedern. Die beteiligten
Flugzeuge waren von den Geschwadern I, II und III/KG 2, II/KG 40 und Kü
FI Gr 106. Die Ju 88 war vom Geschwader 1 (F)/123 [23].
Bilanz
-- 102 Tote
-- 400 Verletzte [23].
28./29. Juni 1942: NS-Luftangriff
auf Weston super Mare
Zwischen 0:59 und 2:24 Uhr wurden 27 Tonnen Sprengbomben und 20.096
Brandbomben abgeworfen. Das Hauptziel war dieses Mal die Einkaufsmeile.
Es entwickelten sich gross Feuer und die Geschäftslokale und
Handelsbüros in der Regent Street, High Street, South Parade, Waterloo
Street und in der Gegend des Boulevards wurden vernichtet. Die
Eisenbahn musste eingestellt werden. Vom Bahnhof wurde der Wartesaal
und das Warenlager zerstört, ausserdem auch 12 Eisenbahnwagen [23].
3 Flugzeuge stürzten während der Landung ab bei 3 getöteten und 1
verletzten Besatzungsmitglied. Die beteiligten Flugzeuge waren wie
einen Tag zuvor von den Geschwadern I, II und III/KG 2,
II/KG 40 und Kü FI Gr 106. Die Ju 88 war vom Geschwader 1 (F)/123 [23].
1./2. Juli 1942: Erfolgloser
NS-Angriff auf Bristols Hafenanlagen
In der Nacht vom 1./2. Juli 1942 flog die NS-Luftwaffe einen
Luftangriff auf Bristols Hafenanlagen. Über dem Zielgebiet war dichter
Nebel bei hellem Mondlicht sowie eine 4/10 Bewölkung auf 1200 Metern.
Gemäss deutschen Angaben wurden 20 Tonnen Sprengbomben abgeworfen. Die
Hafenanlagen blieben aber unberührt. Stattdessen wurden Orte an der
Süd- und Südwestküste von Südwales bombardiert. Die Bombe, die Bristol
am nächsten kam, war jene bei Brean Down um 2:10 Uhr [23].
Die 46 deutschen Besatzungen behaupteten, das Ziel der Hafenanlagen von
Bristol erfolgreich bombardiert zu haben [23].
Eine Bomberbesatzung erlitt in einem Gefecht mit einem englischen Jäger
einen Toten und einen Verletzten. Die beteiligten Flugzeuge waren von
den Geschwadern I, II und III/KG 2, und II/KG 40 [23].
RAF-Luftverteidigung - der
deutsche Höhenbomber Ju 86R
Die Luftverteidigung der Briten machte Fortschritte. Insgesamt hatte
die NS-Luftwaffe im Sommer 1942 40 Flugzeuge verloren und die Stärke
der deutschen Bomberverbände nahm stetig ab, der Druck des
Hitler-Regimes auf die Luftwaffe nahm gleichzeitig immer mehr zu, weil
die englischen Bombenangriffe auf deutsche Städte nun immer schlimmer
wurden mit den 1000-Bomber-Angriffen auf Köln, Essen und Bremen. Die
Luftwaffe hatte gleichzeitig einen Prototypen Ju 86R entwickelt, einen
Höhenbomber. Somit wurde in Beauvais in Frankreich ein
Höhenkampfkommando der Versuchsstelle für Höhenflüge stationiert,
später in 13/KG 6 umbenannt. Die Ju 86R erreichte Höhen von über 12.000
Metern, die Ladung betrug aber nur eine einzige 250 kg-Bombe. Die
NS-Führung liess mit der Ju 86R nun einige Bombardierungen in England
ausführen, darunter auch Bristol [23].
28. August 1942: NS-Luftangriff
auf Bristol (Piratenangriff und Bus-Inferno)
Am 28. August 1942 um 9:20 Uhr wurde von einem NS-Bomber von über
20.000 Fuss [über 6 km Höhe] eine 250-Kilo-Bombe ins Stadtzentrum
abgeworfen [9]. Die 250 kg-Bombe des Höhenbombers Ju 86R von Leutnant
Erich Sommer und Pilot Fw. Horst Götz traf in der Strasse Broad Weir
ein Auto Ford Ten [23]. Es gab keine Warnung. Die Bombe traf die
Strasse Broad Weir
bei der Kreuzung an der Philadelphia Street, explodierte beim Aufschlag
und verursachte schrecklichen Schaden. Vor allem fingen drei Busse voll
mit Passagieren sofort Feuer [9]. Die Explosionswelle beschädigte einen
Bus schwer. Das Benzin aus dem Benzintank des Ford-Autos spritzte in
mehr oder weniger Pulverform über die anderen beiden Busse, die sofort
in Feuer aufgingen [23]. Viele der Toten waren Frauen und Kinder und
verbrannten in den lodernden Bussen.
Weitere Kinder waren in anderen brennenden Fahrzeugen eingeschlossen.
Die Feuerwehren konnten trotz ihrer schnellen Anwesenheit nur wenig
tun. Die Busse waren nur noch verbogene Gerippe. Der Vorfall war das
schlimmste Einzelereignis des Krieges in Bristol. Die
Durchgangsstrasse, die
Taylor-Häuser aus dem 16. Jahrhundert und die Druckerei an der Strasse
Broad Weir wurden beschädigt [9].
![Bristol, ausgebrannte Busse am 28. August 1942 [9] Bristol, ausgebrannte Busse am 28. August 1942 [9]](blitz-Bristol-d/1941-08-28-busse-ausgebrannt.jpg)
Bristol, ausgebrannte Busse am 28. August 1942 [9]
Bilanz:
-- 45 Tote [9,23]
-- 26 Schwerverletzte
-- 30 Leichtverletzte [9]
bzw. 45 Verletzte [23].
Die RAF baut einen Höhenjäger
gegen den deutschen Höhenbomber
Die RAF reagiert mit der Konstruktion einem umgebauten
Spitfire-Jagdflugzeug, das ebenso hoch fliegen kann, mit Stationierung
des neu formierten Geschwaders "SS" Flight in Northolt [23], "Special
Service Flight" [25].
12. September 1942: NS-Luftangriff
auf Bristol
Bristol wurde am 12. September 1942 erneut zum Ziel eines einzelnen
Höhenbombers Ju 86R, erneut mit Götz und Sommer am Steuer. Der Flug
wurde aber von einem speziell umgebauten Spitfire-Jäger abgefangen
[23].
April 1943: Die deutsche Bombe
"Satan" wird
weggebracht
[1]
1944: In Filton werden
"US"-Flugzeuge zusammengebaut
Vor dem D-Day wurden eine Anzahl US-Flugzeuge in Einzelteilen via
Avonmouth nach Grossbritannien transportiert und am Flugplatz von
Filton zusammengebaut [12].
März 1944: Bau von V1-Rampen und
V2-Abschussbunker an Frankreichs Küste gegen Bristol
Die NS-Luftwaffe plante auch Angriffe auf Bristol von der Halbinsel
Cotentin aus. Dort waren in Richtung Bristol 8 spezielle Startrampen
installiert. Die deutsche Seite behauptete, innerhalb von 6 Stunden
könnten 96 bis 120 Raketen in Richtung Bristol abgeschossen werden.
Ausserdem wurden an der Normandie-Küste Abschussbunker für V2-Starts
gegen Bristol gebaut
[23].
27. März 1944: NS-Luftangriff auf Bristol
angeblich erfolglos
Nach Luftangriffen auf London und einem erfolglosen Luftangriff auf
Hull am 19. März 1944 flog die NS-Luftwaffe am 27. März 1944 den ersten
direkten Angriff gegen Bristol seit 1942. Der Luftwaffe standen gegen
England zu diesem Zeitpunkt nur 297 Bomberflugzeuge zur Verfügung:
Do 217 der Geschwader I und III/KG2, Stab und 6/KG 100 und ein Teil des
Geschwaders I/KG 66, sowie Ju 88 der Geschwader II und III/KG 6, Stab,
II und III/KG 30, Stab, I und II KG/54 und Stab/KG 77, sowie Ju 188 der
Geschwader II/KG 2, Stab und I/KG 6 und ein Teil des Geschwaders I/KG
66, sowie Me 410 der Geschwader Stab und I/KG 54, sowie Heinkel 177 des
Geschwaders I/KG 100 [23].
Das Ziel des Angriffs waren die Hafenanlagen von Bristol, in
Kombination mit Angriffen auf Flugplätze der Nachtjäger in der Region.
Die Pfadfinder des Geschwaders 1/KG 66 benutzten das Y-Verfahren, das
von 22:18 bis 1:38 von Cherbourg, Calais und Sainte-Valéry ausgestrahlt
wurde. Knickebein wurde von Bergen op Zoom, Caen, Cherbourg West und
Morlaix ausgestrahlt. Die Bomberflotte überflog die Lyme Bay um
ungefähr 23:44 Uhr und dann bis zum ersten Kehrpunkt bei der Mündung
des Usk bei Newport. Newport wurde von vier Ju 188 Markierungsbombern
des Geschwaders II/KG 2 aus 3000 Metern Höhe mit vier roten
Markierungsfeuern markiert, die in 4-Minuten-Abständen gelegt wurden,
das erste um 23:58 Uhr. Der zweite Kehrpunkt lag 4 Minuten Flug weg am
Nordufer der Severn-Trichtermündung bei Beachley in der Region
Chepstow, und dann ging es direkt von Nord nach Süd nach Bristol. Das
Ziel wurde vom Geschwader I/KG 66 mit Trauben von weissen und gelben
Markierungsbomben markiert. Ausserdem wurden auch Folienstreifen gegen
das britische Radarsystem abgeworfen.
Der Himmel war klar, bei 16 Knoten Südostwind und 3,2 km Sichtweite,
aber Nebel auf 1500m.
Beteiligt waren Flugzeuge der Geschwader I, II und III/KG 2, I, II und
III/KG 6, II und III/KG 30, I und II/KG 54, I/KG 66 und I/KG 100. Die
Angriffe auf die Flugplätze der Nachtjäger wurden von Me 410 des
Geschwaders I/KG 51 geflogen [23]. Die Bombardierung sollte zwischen
0:00 und 0:12 stattfinden, um die Verteidigung zu überfordern. Die
Bomber sollten zudem aus einer Höhe zwischen 3350 und 4425 Metern ihre
Bombenlast abwerfen. Nach der Bombardierung sollten die Bomber sich am
dritten Kehrpunkt 13 km süd-südwestlich von Bath sammeln, dann zum
vierten Kehrpunkt an der Küste bei Bridport und dann den Kanal
überqueren.
Gemäss deutschen Angaben wurden zwischen 23:38 und 0.13 100 Tonnen
Bomben abgeworfen, darunter Sprengbomben und eine beträchtliche Zahl
Phosphor-Öl-Brandbomen. Die Anwendung von Phosphorbomben fand erstmals
auf ein Gebiet statt. Kontrollfotos waren nur noch nachts möglich. Der
Angriff verursachte in Bristol keinen Schaden, und diejenigen
Flugzeuge, die die Region Bristol erreichten, wurden von den falschen
Markierungen fehlgeleitet. Die Zielmarkierung war in den Westteil des
Hafens abgedriftet. Der Angriff verstreute sich total. Vorfälle wurden
in ganz Südengland gemeldet, von Hastings bis an die Küste von
Somerset. Die höchste Konzentration war auf dem Land um Highbridge und
Weston super Mare. Viele Phosphorbomben fielen auf Weston
Bournville-Estate. Die 3 Sprengbomben und 6 Phosphorbomben auf Strode
bei Winford in Somerset waren diejenigen Bomben, die Bristol am
nächsten kamen [23].
116 der 139 Besatzungen gaben an, das Ziel bombardiert zu haben. Es
gingen 13 Bomber verloren. 10 stürzten ab, bei 21 toten und 18
gefangenen Besatzungsmitgliedern, davon 5 verletzt. Ausserdem stürzten
in Frankreich 3 weitere Bomber ab bei 4 toten und 3 verletzten
Besatzungsmitgliedern. Ein Bomber landete mit einem toten
Besatzungsmitglied [23].
Bis 18. April 1944 war Ruhe in England, und die deutsche Aufklärung war
mit
Fotoflügen beschäftigt [23].
23./24. April 1944: NS-Luftangriff
auf Bristol angeblich erfolglos
auf Hafenanlagen und Nachtjäger-Flugplätze, wieder wie beim Angriff vom
27. März 1944 ohne jeden Erfolg. Der erste Kehrpunkt sollte an der
Mündung des Flusses Usk sein, der zweite bei Chepstow, und von dort
sollte von Norden her Bristol angeflogen werden. Das Ziel sollte bei
Beginn des Angriffs mit einem Quadrat rot und weiss markiert sein. Über
dem Zielgebiet wehte ein Südwestwind von 16 Knoten bei 5/10 Bewölkung
auf 900 Metern mit Bodennebel bis 800 Metern. Die Pfadfinderbomber des
Geschwaders 1/KG 66 benutzten das Y-Verfahren, das von 23:45 bis 2:45
von St. Valéry aus ausgestrahlt wurde. Zudem wurde Knickebein von
Cherbourg West, Caen und Morlai aus ausgestrahlt, und Folien gegen die
britische Radarüberwachung wurden abgeworfen, erstmals um 1:25 über der
Küste bei Portland, dann wahrscheinlich auch über eine grosse Fläche
von ungefähr 20 Meilen Radius [23].
117 Flugzeuge wurden hinausgeschickt. Gemäss deutschen Angaben wurden
59,3 Tonnen Sprengbomben und 79,4 Tonnen Brandbomben auf Bristol
abgeworfen [23].
93 Flugzeugbesatzungen gaben an, Bristol getroffen zu haben. Aber keine
einzige Bombe landete auf Bristol. Die Mehrzahl wurde in alle
Richtungen verstreut, auf die Grafschaften Wiltshire, Dorset, Hampshire
und East
Somerset. Die Bombe, die Bristol am nächsten kam, landete um 2:05 Uhr
in Batheaston [23].
Insgesamt gingen 10 deutsche Bomber verloren, 39 Besatzungsmitglieder
wurden getötet, 3 weitere gefangengenommen, von denen 2 verwundet
waren. Zudem stürzten noch 4 Bomber über Frankreich ab, bei 5 toten und
6 verletzten Besatzungsmitgliedern. Die beteiligten Flugzeuge waren
wahrscheinlich von den Geschwadern I, II und III/KG 2, I, II und III/KG
6, II und III/KG 30, I und III/KG 54, I/KG 66, I/KG 100, zusammen mit
Ju 88 der Übungseinheit IV/KG 101 [23].
14./15. Mai 1944: NS-Luftangriff
auf Bristol angeblich erfolglos
Am 15. Mai 1944 fand der letzte Luftangriff in der Schlacht um Bristol
statt. In dieser Nacht wurden 10 Sprengbomben von über 13.000 Pfund
abgeworfen. Zwei fielen in die Kings-Weston Lane, wobei ein Beamter an
der Suchscheinwerferbatterie getötet wurde. Er war das einzige
Todesopfer
dieses Angriffs. Im Stadtteil Bedminster kamen auch drei Sprengbomben
bei St. Peter's Rise und Gifford's Hill herunter und beschädigten
mehrere Häuser auf beiden Seiten der Stadtgrenze, und die weiteren fünf
Sprengbomben kamen gemäss Berichten an der Abbot's Leigh im Gelände
Sonnenuntergang Nr. 1 herunter ("Somerset No. 1 area"). Um 3:07 früh
wurde Entwarnung gegeben ("Raiders Passed"). Die deutschen Bomber
drehten ab und kamen nie mehr zurück [9].
Details:
Nach zwei ruhigen Mai-Wochen flog die NS-Luftwaffe in der Nacht vom
14./15. Mai 1944 einen Luftangriff gegen die Hafeninstallationen von
Bristol mit 91 Bomberflugzeugen, der dritte Luftangriff gegen Bristol
im Jahr 1944. Zuerst flogen die Flugzeuge zur Insel Guernsey [vor der
Halbinsel Cotentin], um sich zu einem Bomberstrom zu vereinigen, und
von dort direkt nach Bristol, begleitet von einer
Sonderaufklärungsstaffel Ob.d.L., die seit Ende April die Zielmarkierer
fotografierte, und die auch die Bombenabwürfe fotografierte [23].
Die Pfadfinderbomber flogen unter Anwendung des Y-Verfahrens mit
Signalen aus Cherbourg und Saint-Valéry. Knickebein war von Caen,
Cherbourg West und Morlaix aus eingeschaltet. Das Ziel sollte mit zwei
grünen Traubenleuchtbomben des Geschwaders I/KG 66 markiert werden. Die
Bombardierung sollte dann Süd nach Nord entlang des 30. Grades in 4000
bis 6000 Metern stattfinden. Über Bristol war eine wolkenlose Nacht, es
wehten 8 Knoten Nord-Nordostwind bei Halbmond mit einer Sichtweite von
16 km. Gleichzeitig führte die NS-Luftwaffe in dieser Nacht erstmals
Funkstörgeräte mit sich, um auf die Frequenz zwischen Britischem
Bodenradar und Luftradarsystem zu stören. Einige Ju 188 des Geschwaders
I/KG 2 trugen den Apparat mit sich unter dem Codenamen "Kettenhund"
oder "Watchdog". Der Apparat wie das Flugzeug mit dem Störsender wurden
so genannt. Ausserdem wurden viele Stanniolstreifen (Düppel) verwendet,
die ab 1:20 Uhr ausgeworfen wurden und vielleicht eine Strecke von 20
Meilen zwischen Portland und Bristol abdeckten. Die Region Bristol war
bis 3:01 voller Stanniolstreifen [23].
In der Region Bristol fielen nur 5 Bomben herunter, und zwar um ca. 2
Uhr in Headley Park [südwestliches Bristol], und in Kings Weston
[zwischen Bristol und Avonmouth], wo die Suchscheinwerferstation
zerstört wurde und eine Person des Bedienungspersonals getötet wurde.
Die Entwarnung kam um 3:07, als die letzten deutschen Bomber den
Bedrohungsraum verliessen [23].
Gemäss deutschen Angaben wurde Bristol zwischen 1:50 und 2:25 mit 163
Tonnen Sprengbomben bombardiert, die Flugplätze mit 4,65 Tonnen
Sprengbomben. 68 deutsche Flugzeuge gaben an, Bristol angegriffen zu
haben. Ausserdem bombardierten gemäss deutschen Angaben weitere 15 Me
410 des Geschwaders I/KG 51 örtliche Flugplätze von Jagdgeschwadern
[23].
Es gingen 14 Flugzeuge verloren. 11 Flugzeuge wurden über England
abgeschossen. Von deren Besatzungen wurden 40 Leute getötet, 6
gefangengenommen, davon 3 verletzt. Ausserdem stürzten in Frankreich 3
weitere Flugzeuge ab, 2 der Besatzungsmitglieder starben. Beteiligt
waren wahrscheinlich Flugzeuge der Geschwader I, II und III/KG 2, I und
II/KG 6, II und III/KG 30, I und III/KG 54, I/KG 66 und I/KG 100 [23].
Dies war der letzte NS-Luftangriff auf die Region Bristol [23].
Die Erfolglosigkeit der NS-Luftangriffe erscheint ein Rätsel, oder die
Radarstrahlen wurden von der englischen Aufklärung auf die Scheinstadt
in den Mendip-Bergen abgelenkt, so dass die Scheinstadt bombardiert
wurde und Bristol selbst nicht mehr (Schlussfolgerung Palomino).
15.5.1944-31.5.1944
NS-Luftangriffe gegen die Hafenanlagen der Vorbereitung der alliierten
Invasion
Betroffen waren die Häfen Portsmouth, Weymouth, Torquay und Falmouth.
Bristol wurde nicht mehr bombardiert
[23].
6.6.1944:
Alliierte Landung in der
Normandie - die V1- und V2-Bedrohung für Bristol fällt weg
Die Startrampen für die V1 gegen Bristol auf der Halbinsel Cotentin
konnten von den NS-Kräften nicht verteidigt werden und wurden zerstört
[23].
Die Abschussbunker für die V2 gegen Bristol wurden von den Alliierten
ebenfalls besetzt [23].
Gefahr für Bristol ging nur noch von der umgebauten Heinkel He 111 aus,
die von der Nordsee aus V1-Flugbomben aus der Luft abschiessen konnte.
Am 31. August wurden 20 in Richtung Gloucester abgeschossen. 8 dieser
V1 landeten in Südwest-England, 6 in Suffolk und 2 in Essex. Ab dem 16.
September war aber auch diese Gefahr vorbei, weil das Geschwader III/KG
3 nach Deutschland zurückgezogen werden musste [23].
Bilanz 1945
Bristol
-- Bristol lag bei den bombardierten Städten des Zweiten Weltkriegs an
5. Stelle [1]
-- über 1400 Bombentote [1] bzw. 1243 [23]
-- 2903 Verletzte [23]
-- über 3000 Häuser total zerstört [23]
-- 90.000 Gebäude beschädigt [23].
-- Zerstörung eines Grossteils der Altstadt [1]
-- die beliebten Einkaufszentren an der Wine Street und Castle Street
sind komplett zerstört [29]
Auf dem Gebiet des heutigen County of Avon wurden 2046 Menschen getötet
und 5961 verletzt [23]
Die NS-Luftwaffe und Bristol
-- 105 Flugzeuge verloren [23]
-- 257 Besatzungsmitglieder getötet [23]
-- 65 Besatzungsmitglieder verletzt [23]
Weston super Mare
-- 138 Tote [23]
-- 478 Verletzte [23]
-- 282 Geschäfteslokale ("premises") waren total zerstört
-- 7757 Häuser beschädigt
-- 6 industrielle Einrichtungen beschädigt
-- 581 Büros und Geschäfte ("shops") beschädigt
-- 85 Kirchen und öffentliche Gebäude beschädigt
-- 18 andere Geschäftslokale ("premises") beschädigt [23]
Filton
-- 135 Tote [23]
-- 335 Verletzte [23]
Yate
-- 57 Tote [23]
-- 175 Verletzte [23]
North Somerset
36 Tote [23]
57 Verletzte [23]
South Gloucestershire
19 Tote [23]
61 Verletzte [23]
Mai 1945
London: "Satan" aus Bristol an der
Siegesparade
An der Siegesparade wurde die Luftmine "Satan" durch London gezeigt
[1]. Diese Verwendung der "Satan"-Bombe war vom deutschen Kommando wohl
nicht vorgesehen [9].
ab 1946 ca.: Soldatenfriedhöfe
Bristols Soldatenfriedhöfe wurden am Greenbank-Friedhof in Bristol und
in Weston
super Mare angelegt, wo Deutsche und Engländer nebeneinander begraben
sind [23].
Wiederaufbau ab 1945: Den Charme der Stadt Bristol gibt
es nicht mehr
Die Churchill-Zensur über die Zerstörungen der NS-Luftwaffe hält auch
nach 1945 an. Eine Karte von 1946 z.B. zeigt keine einzige Zerstörung
in Bristol,
sondern spiegelt eine intakte Stadt vor:

Karte
von Bristol von 1946 ohne jedes Anzeichen von Zerstörungen [26]
Der englischen Kartographen wollte scheinbar nicht zugeben, dass
Deutschlands Luftwaffe schätzungsweise über 50 % der englischen Städte
zerstört hatte und viele schwarzen Flächen eigentlich hätten weiss bzw.
als unbebaut hätten eingezeichnet werden müssen (Schlussfolgerung
Palomino).
![Stadtzentrum "Bristol Brücke" ("Bristol bridge") in den 1930er Jahren [35] Stadtzentrum "Bristol Brücke" ("Bristol bridge") in den 1930er Jahren [35]](blitz-Bristol-d/1930er-j-Bristol-bruecke.jpg)
Stadtzentrum "Bristol Brücke" ("Bristol bridge") am Flutt Avon in den
1930er Jahren
[35] |
![Stadtzentrum "Bristol Brücke" ("Bristol bridge") 1946 ca., ganze Häuserblocks sind nur noch leere Felder [35] Stadtzentrum "Bristol Brücke" ("Bristol bridge") 1946 ca., ganze Häuserblocks sind nur noch leere Felder [35]](blitz-Bristol-d/1946ca-Bristol-bruecke-leere-felder.jpg)
Stadtzentrum "Bristol Brücke" ("Bristol bridge") am Fluss Avon 1946
ca., ganze
Häuserblocks sind nur noch leere Felder [35] |
Der Streit um den Wiederaufbau in
Bristol - und 1960er-Bauten, die bald wieder abgerissen werden
Tatsache war, dass Hitler zwar die Stadt hatte zerstören lassen, dass
aber viele Pläne mit Wiederaufbau nicht viel mit dem alten Stadtbild
vor Hitler zu tun hatten. Es wurden laufend neue Elemente
hineingemischt [29]. Bei den Fragen um den Wiederaufbau lagen nun der
Stadtrat und die lokalen Geschäftstreibenden im Dauerstreit, und
erfahrene Ratsmitglieder fehlten. So zog sich der Wiederaufbau immer
wieder in die Länge und verzögerte sich um viele Jahre. Die Regierung
der Nachkriegszeit drängte dazu, die zerstörten Städte so schnell wie
möglich wiederaufzubauen. In Bristol war der Planungsoffizier in Tat
und Wahrheit ein Verkehrsingenieur. Es dauerte Jahre, bis endlich ein
realistischer Plan vorlag. Der Plan lehnte die Mitarbeit der
Handelskammer ab, die zwar aktiv, aber taktlos agierte. Diese
Konfrontation führte zu einer immer mehr feindlichen Haltung der
Händler und der Geschäftsleute. So kam es zu Planungsresultaten, die
nichts mehr mit den Wünschen der Bevölkerung Bristols zu tun hatten.
Die Bristoler waren wie betäubt, als sie die Planungsresultate über die
Evening Post erfuhren, obwohl der Stadtrat versuchte, diese
geheimzuhalten. Der Schlüssel war eine innere Ringstrasse um die
Innenstadt [28].
Der Traum der 1950er Jahre war es, dass die beliebten alten
Einkaufszentren wiederaufgebaut würden. Stattdessen wurde aber um
Broadmead ein neues Einkaufszentrum gebaut, gegen den grossen
Widerstand der Kleinhändler. Die Territorien der alten Einkaufszentren
blieben lange leer [28].
![Wiederaufbau an der Merchant Street im Jahre 1959 [28]. Der Wiederaufbau ist immer noch nicht abgeschlossen, genau wie in Frankreich oder Deutschland... Wiederaufbau an der Merchant Street im Jahre 1959 [28]. Der Wiederaufbau ist immer noch nicht abgeschlossen, genau wie in Frankreich oder Deutschland...](blitz-Bristol-d/1959-wiederaufbau-an-Merchant-street.jpg)
Wiederaufbau an der Merchant Street im Jahre 1959 [28]. Der
Wiederaufbau ist immer noch nicht abgeschlossen, genau wie in
Frankreich oder Deutschland...
Der Flugplatz von Filton bei Bristol wurde weiter ausgebaut, die Piste
verlängert, das Dorf Charlton dafür abgerissen [12].
1959: Fusionen in der
Flugzeugindustrie um Bristol: Bristol Aeroplane Company wird umbenannt
Ab 1956 teilte sich die Bristol Aeroplane Company in Bristol Aircraft
und Bristol Aero Engines auf. 1959 wurde die Bristol Aircraft mit
anderen grossen Flugzeugfirmen fusioniert zur British Aircraft
Corporation (BAC). Gleichzeitig fusionierte Bristol Aero Engines mit
Armstrong Siddeley und nannte sich nun Bristol Siddeley [24].
Bristol blieb auch in den 1960er Jahren eine einzige Grossbaustelle.

Bristol 1964, Grossbaustelle des Polizeihauptquartiers und des
Amtsgerichts Bridewell [28].
Im Hintergrund sind andere Grossbaustellen
zu sehen mit vielen Kranen und Sparstilbauten der 1960er Jahre.
Am College Green wurden auf 60 Acres ein neues Spital und
Universitätsgebäude erstellt. An der Winde Street und Castle Street am
Platz der alten Einkaufszentren wurde ein unterirdisches Parkhaus für
2000 Autos geschaffen, eine Konferenzhalle, ein Museum, eine
Kunstgalerie, eine Konzerthalle und eine neue Gildenhalle[28].
Am Broadmead sollte ein neues Einkaufszentrum entstehen mit Läden unter
schönen Arkaden und im Design mit höchster Qualität. Der Stadtingenieur
gab zu: "Einige der Vorschläge sind neu und vielleicht revolutionär,
aber der Geist des Abenteuers verbindet sich mit den
Nachkriegsentwicklungen." Die Evening Post war enthusiastischer. Die
Pläne wurden als jenseits der wildesten Träume bezeichnet, und das
Einkaufszentrum sei der Entwicklung 50 Jahre voraus und würde die
Wünsche der Bevölkerung auch noch im Jahre 2000 befriedigen können. Die
abgeordneten der Arbeiterpartei nannten die Pläne eine unvergleichliche
Gelegenheit, eine Stadt zu bauen, die im Zusammenhang mit der Tradition
und gleichzeitig mit der glorreichen Zukunft stand. Die konservative
Zeitung Citizen versprach: "Nichts wird uns an der Planung und am
Wiederaufbau Bristols hindern. Die Stadt sollte ein kulturelles und
künstlerisches Zentrum des Westens werden." Das war ein schöner Traum,
der da auf sich warten liess [28].
![Bristol, das Fairfax-Hotel von 1970. Dieses geschmacklose Resultat für eine Innenstadt konnte kaum den Charme einer Altstadt ersetzen und wurde 1988 schon wieder abgerissen, um einer neuen Einkaufspassage Platz zu machen... [28] Bristol, das Fairfax-Hotel von 1970. Dieses geschmacklose Resultat für eine Innenstadt konnte kaum den Charme einer Altstadt ersetzen und wurde 1988 schon wieder abgerissen, um einer neuen Einkaufspassage Platz zu machen... [28]](blitz-Bristol-d/1970-bis-1988-Fairfax-warenhaus.jpg)
Bristol, das Fairfax-Hotel von 1970. Dieses geschmacklose Resultat für
eine Innenstadt konnte kaum den Charme einer Altstadt ersetzen und
wurde 1988 schon wieder abgerissen, um einer neuen Einkaufspassage
Platz zu machen... [28]
![Bristol, das Fairfax House am Broadmead, heute abgerissen [28] Bristol, das Fairfax House am Broadmead, heute abgerissen [28]](blitz-Bristol-d/1950-Fairfax-House-am-Broadmead.jpg)
Bristol, das Fairfax House am Broadmead. Besitzer war die Bristol
Cooperative Society. Heute ist der Komplex abgerissen [28]
![Bristol, das Broadmead-Einkaufszentrum von 1973 [28] Bristol, das Broadmead-Einkaufszentrum von 1973 [28]](blitz-Bristol-d/1973-Broadmead-einkaufszentrum.jpg)
Bristol, das Broadmead-Einkaufszentrum von 1973 [28]
In Bristol-Filton wurde ausserdem der englische Teil der Concorde
gebaut (Triebwerke und Kabine) [31], 1978 wurde in Bristol das erste
Retortenbaby geboren [30]. In den 1980er und 1990er Jahren folgte die
Revision des
Wiederaufbaus. Die Sparstilhäuser der 1960er Jahre wurden abgerissen
und völlig neue Bauten gemäss den neuen menschlichen Bedürfnissen
hochgezogen [29]. 1966 und 1996 wurden zudem die beiden Brücken über
die Severn-Trichtermündung eröffnet [30].

Bristol in den 1990er Jahren, das hässliche Hauptquartier der Bristol
& West Building Society am Broad Quay aus den 1960er Jahren steht
immer noch
Das alte Stadtbild von vor 1940 interessierte die kapitalistischen
Führer Englands scheinbar nicht mehr gross. Es war für immer verloren,
und die Verdrängung sowie der Drang nach Effizienz und nach neuer
Technik dominierten den Sinn für Gemütlichkeit. So entstand auch in
Bristol in den 1960er Jahren eher eine Betonwüste als eine neue
Altstadt, was ab den 1980er Jahren schrittweise mühsam korrigiert
wird. Die Entwicklung der Städte ähnelt somit derjenigen im Ruhrgebiet.
(Schlussfolgerung Palomino)
Bristol, Altstadtkreuzung im Jahr 2000 ca. (01) mit dominanten
Flachfassaden und Fensterfassaden aus den 1960er bis 1980er Jahren
[33]. Eine Ausstrahlung von Gemütlichkeit gibt es nicht mehr. Der
Profit hat die Gemütlichkeit nicht wiederauferstehen lassen
(Schlussfolgerung Palomino).