von
Michael Palomino (1999)
aus: Vortrag von Rainer
Barmet: Luzern und die österreichische
Landesherrschaft
zur Zeit der Schlacht bei Sempach; In: Mittelalterseminar von Peter
Niederhäuser (Winterthur), Universität Zürich Januar 1999
"[...] eine
wichtige Rolle in der damaligen Situation spielte das
Pfandwesen. Unter Herzog Otto
steigen die Verpfändungen für Hoheitsrechte schlagartig an. Diese
wurden schon
bald zu einer aktiven Territorialpolitik eingesetzt und ihre
Verpfändung
verdinglichte die Herrschaftsabhängigkeiten, da persönliche Beziehungen
wie bei
den Lehen kaum mehr eine Rolle spielten.
Von dieser
ganzen Kommerzialisierung der Hoheitsrechte profitierten
aber vor
allem die Territorialstaaten. Dank der Beachtung spezieller
Pfandlösebestimmungen
und einer Kontrolle der Pfänder durch Pfandregister waren die
Habsburger
besonders erfolgreich. Durch Herrschaftsklauseln hielten sie sich ein
Verfügungsrecht über die Pfänder offen, welches sie dank ihrer Macht
und
Übersicht auch wahrnehmen konnten.
Die Pfandherren
blieben jedoch nicht untätig. Durch Investitionen und
Zusammenlegung ihrer Pfänder, erschwerten sie die Möglichkeit einer
Auflösung
des Pfandvertrages erheblich. Damit ging aber eine Veränderung der
Herrschaftsstruktur einher. Die Pfandherren versuchten, die Pfänder
möglichst
intensiv zu nutzen und betrieben eine expansive Auslegung ihrer Rechte.
Häufig
verweigerten sie ihren Untertanen auch den Weg zur Klage bei der
habsburgischen
Herrschaft.
Diese hatten
angesichts der Macht des Pfandherren kaum mehr die
Möglichkeit, in
dessen Gebiet einzugreifen. Dies störte sie aber nicht allzusehr, da
der
Pfandherr trotz allem noch in das habsburgische Herrschaftsgefüge
eingebettet
war und blieb [...]."
[Die Habsburger
haben sich durch Passivität ausgezeichnet, sind nicht
gegen den
Machtmissbrauch der Pfandherren vorgegangen und haben so die Sympathie
ohne
eigenes Handeln bei der Bevölkerung verloren].