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präsentiert von Michael Palomino
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30.8.2011: <Forscher lösen Rätsel um den Schwarzen Tod> - die Pest-Welle ist nun auch bakteriell aufgeklärt
aus: Basler Zeitung online; 30.8.2011;
http://bazonline.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Forscher-loesen-Raetsel-um-den-Schwarzen-Tod/story/10209309
Endlich konnten Forscher genetisch zeigen: Es gab ein Pest-Bakterium. Das Bakterium Yersinia pestis sei zweifelsfrei für die Seuche verantwortlich, berichten Forscher um den Tübinger Archäologen Johannes Krause im Fachmagazin «PNAS». Der Schwarze Tod sei somit eine Pest-Epidemie gewesen und nicht wie zuletzt angenommen ein Ebola-ähnliches Fieber.
Der Seuche waren vor rund 650 Jahren etwa 25 Millionen Menschen und damit ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer gefallen. Auf die Spur des Bakteriums kamen die Forscher, als sie das Erbgut von 109 Skeletten aus dem 14. Jahrhundert auf einem Londoner Friedhof untersuchten.
Studien auf einem Friedhof
Dabei sei ein wichtiger Teil der DNA von Yersinia pestis entziffert worden. Weil der Friedhof nur genutzt wurde, während der Schwarze Tod in Europa wütete, sei das Pest-Bakterium somit eindeutig als Auslöser der Epidemie identifiziert worden. An der Studie waren auch Wissenschaftler aus den USA, Kanada und Grossbritannien beteiligt.
Der Schwarze Tod gibt den Forschern seit Jahren Rätsel auf. Lange waren Experten davon ausgegangen, dass es sich um eine Epidemie der sogenannten Beulenpest handelte. Dabei kann es zu starken inneren Blutungen kommen, die als schwarze Flecken unter der Haut zu sehen sind – daher der Name Schwarzer Tod.
Einige Fachleute bezweifelten jedoch den Pest-Ursprung der Epidemie. Vor zehn Jahren veröffentlichten britische Forscher eine Studie, gemäss der eine Virusinfektion wie etwa Ebola den Schwarzen Tod ausgelöst haben soll. Allerdings verwiesen sie lediglich auf Beobachtungen zum Krankheitsverlauf.
Heutige Formen sind milder
Zwar wurde das Pest-Bakterium in den vergangenen Jahren schon mehrmals in mittelalterlichen Skeletten nachgewiesen. Allerdings konnten die Forscher nie belegen, dass die DNA tatsächlich von einem mittelalterlichen Pest-Bakterium stammt. Nun ist dieser Nachweis erstmals gelungen.
Die Forscher untersuchten nämlich die DNA auf Beschädigungen, die nur bei sehr altem Erbgut vorkommen. «Damit ist zweifelsfrei bewiesen, dass der heute bekannte Pesterreger Y. pestis auch Auslöser der Pest im Mittelalter war», sagte Krause.
Das mittelalterliche Pest-Bakterium sei in weiten Teilen identisch mit heutigen Pesterregern, die nach wie vor jedes Jahr weltweit rund 2000 Menschen an der Beulenpest erkranken lassen. Bislang sei allerdings noch unklar, weshalb sich die Pest im Mittelalter so rasend schnell verbreitet habe, während sich der Erreger heute – selbst ohne medizinische Behandlung – deutlich langsamer ausbreite. (bru/sda)>
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27.11.2011: <Frankenkönig Chlodwig I.: Ein Massenmörder wurde zum Gründer Europas>
aus: Welt online; 27.11.2011;
http://www.welt.de/kultur/history/article13735420/Ein-Massenmoerder-wurde-zum-Gruender-Europas.html
Chlodwig I. (466-511), Schöpfer des Frankenreiches
Die Goten hatten die besseren Chancen. Aber es wurde das Reich Chlodwigs I., aus dem Europa entstehen sollte. Denn er schloss den Pakt mit der katholischen Kirche.Die Geschichte vom „Kelch von Soissons“ zählt zu den großen Mythen Frankreichs. Bei einem Feldzug im Jahr 486 hatte ein fränkischer Krieger ein prachtvolles Gefäß erbeutet. Sein König, obgleich Heide, wollte es dem Eigentümer, dem Bischof von Reims, zurückgeben und erbat das gute Stück. Doch der wütende Soldat zerschlug den Kelch. Ein Jahr später erkannte der König den Mann bei einer Truppeninspektion wieder. Er rügte den Zustand von dessen Waffen und warf sie ihm vor die Füße. Als dieser sie aufheben wollte, hieb er „ihn mit der Axt in den Kopf“.
Die Sage, die der Bischof Gregor von Tours in seinen „Zehn Bücher Geschichten“ überliefert, bündelt die zentralen Probleme Galliens am Ende der Antike: „Plünderungen, das Aufeinandertreffen von Heiden und Christen, das Verhältnis der Bischöfe zu andersgläubigen Herrschern, die Hierarchie innerhalb eines ,barbarischen’ Heeres, insbesondere die Stellung des Königs“, so deutet der Mediävist Matthias Becher die berühmte Stelle. 1500 Jahre nach dem Tod Chlodwigs, für den gemeinhin der 27. November 511 angenommen wird, hat der Bonner Historiker jetzt die erste deutschsprachige Biografie des Königs vorgelegt („Chlodwig I.“). Denn anders als in Frankreich hielten sich Deutsche in der Beschäftigung mit dem brutalen Machtmenschen zurück.
Als „klug rechnender Tatmensch“ oder ungebildeter Gewaltherrscher wurde Chlodwig I. hierzulande abgetan, geradezu als Verkörperung der griffigen These von der „Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt“. In dem fränkischen Kleinkönig, der mit Mord und Totschlag das erste Großreich des mittelalterlichen Europa zimmerte, hätte er einen passablen Protagonisten gefunden. Schließlich entstanden aus dem Erbe Chlodwigs mit Frankreich und Deutschland die zentralen Staaten des Mittelalters. Und sie sollten dem Christentum päpstlicher Provenienz folgen.
Becher beschreibt die Karriere seines Protagonisten zwar als eine Mischung aus persönlichem Ehrgeiz und glücklichen Zufällen, die aber in der strukturellen Gemengelage des spätantiken Gallien beste Entwicklungsmöglichkeiten fand. Chlodwig war Sohn eines gewissen Childerich, der sich wiederum von Merowech ableitete, was die Dynastie zu Merowingern werden ließ. Childerich ließ sich um 481 mitsamt seinen Schätzen bei Tournai bestatten.
Sinn für Macht und Selbsterhaltung
Das Gold – rund 80 Kilogramm, darunter zahlreiche Bienen aus Edelmetall - wurde übrigens im 17. Jahrhundert wiederentdeckt. Bevor Diebe den Schatz 1831 stahlen und einschmolzen, wählte sich kein Geringerer als Napoleon die Biene als neues Herrschaftssymbol gegen die verhasste Lilie der Bourbonen.
Als Chlodwig König in Tournai wurde, war er gerade einmal 15 Jahre alt. Es steht für einen früh entwickelten Sinn für Macht und Selbsterhaltung, dass er sich gegenüber seinen Leuten und seinen Nachbarn soviel Respekt verschaffte, dass er fünf Jahre später an den Ausbau seines Erbes gehen konnte. Vielleicht half ihm dabei auch die Erinnerung an den Rang seines Vaters, der als Germanenfürst zugleich auch Verwalter und militärischer Kommandeur der römischen Provinz Belgica II gewesen war.
Im Jahr 486, Chlodwig war gerade 20 Jahre alt, zog er gegen den letzten römischen Heermeister in Gallien, Syagrius, der das Land nördlich der Loire allerdings längst als eigenes Reich regierte. Chlodwig besiegte ihn und dehnte damit seine Macht bis weit nach Westen aus. Bald waren die Alemannen an der Reihe und natürlich seine fränkischen Nachbarn, die entweder ihr Leben in der Schlacht, von Mörderhand oder durch Chlodwig höchstpersönlich verloren. Große Teile des heutigen Frankreich, die Benelux-Staaten und Westdeutschlands fanden sich am Ende unter einer Herrschaft vereint.
Dass aus dieser Landmasse 300 Jahre später der Franke Karl der Große aus der Dynastie der Karolinger das westliche Kaiserreich formen sollte, erklärt sich aber nicht allein mit der Brutalität Chlodwigs. Auch die Gründer der anderen Germanenreiche wie der Ostgote Theoderich oder der Vandale Geiserich waren nicht zimperlich im Umgang mit ihren Gegnern.
Aber während diese ihre Großreiche am Ende von Völkerwanderungen im Herzland des Römischen Imperiums errichteten, stammte Chlodwig aus einem Milieu, das bereits seit Jahrhunderten in Gallien ansässig war und – aus der Sicht der Kaiser – zum fernen (und reichlich überflüssigen) Grenzland zählte.
Weil Chlodwig die „Lex Salica“ aufschreiben ließ, hat man ihn lange als Angehörigen des Großstammes der Salfranken gedeutet. Das ist passé. Es waren wohl überschaubare Gruppen, die vom Rhein kommend, als Plünderer, Siedler und Söldner seit dem 3. Jahrhundert am Rande der römischen Provinz angesiedelt wurden.
Mit zeittypischer Brutalität
Um 500 verstand man unter „salicus“ nur noch „allgemein“ jene Leute, die aus diesem Völkergemisch hervorgegangen waren. „Insgesamt wird man festhalten müssen, dass es die Salier als Teilvolk der Franken entweder gar nicht gegeben hat oder dass sie nach der Mitte des 4. Jahrhunderts verschwunden sind“, konstatiert Matthias Becher.
Damit aber waren die Franken längst Einheimische geworden, die den Römern nicht – wie die Ostgoten in Italien, die Westgoten in Spanien oder die Vandalen in Afrika – als Invasoren entgegentraten. Die provinzialrömischen Eliten Galliens hatten längst gelernt, mit den Neuankömmlingen ein einvernehmliches Auskommen zu finden. Und das war auch nötig. Schließlich waren es vielleicht gerade einmal 150.000 Franken, die einer nach Millionen zählenden romanischen Bevölkerung gegenüber standen.
Wenn sich aus der dürren Überlieferung neben seiner – durchaus zeittypischen – Brutalität ein weiterer Charakterzug Chlodwigs destillieren lässt, dann war es ein außerordentlicher Machtinstinkt. Daher war es im klar, dass seine Herrschaft nur dann Aussicht auf Bestand haben konnte, wenn er nicht mehr als heidnischer, sondern als christlicher Herrscher regierte. Doch welche von den vielen Spielarten der Botschaft Jesu sollte er annehmen?
Die Hinwendung zum katholischen Glauben
Goten oder Vandalen hatten sich zur Konfession des Arius bekannt. Dieser Presbyter aus Alexandria hatte gelehrt, dass Christus nicht wesensgleich, sondern nur wesensähnlich mit Gott sei – was ihn in den Augen der katholisch-orthodoxen Reichskirche zum Häretiker stempelte. Offenbar hat Chlodwig durchaus mit dem Gedanken gespielt, mit dem Arianismus eine Brücke zu den übrigen Germanenreichen auf römischem Boden zu schlagen. Dass er es nicht tat, zeigt seine politische Klugheit.
Denn mit der Hinwendung zum katholischen Glauben schmiedete Chlodwig zugleich einen Pakt mit der römischen Aristokratie, der noch immer weite Teile des Landes gehörten und die die Städte beherrschte. Diese Großgrundbesitzer hatten die Kirchenorganisation als neuen Ort einträglicher Pfründe erkannt. Als Bischöfe und Äbte traten sie den fränkischen Großen entgegen und boten ihnen damit auch lukrative Vorbilder für eigene Karrieren.
"Entreiße mich der Hand meiner Widersacher"
Sein Biograf Becher misst der christlichen Königin Chrodechild, einer burgundischen Prinzessin, eine entscheidende Rolle bei Chlodwigs Entscheidung für den Katholizismus bei. Beim Bemühen, diese seinem heidnischen Anhang zu erklären, erwies sich der König aber wieder einmal als Meister politischer Ranküne. Als es während einer Schlacht gegen die Alemannen Spitz auf Knopf stand, schreibt der sicherlich nicht unparteiische Bischof von Tours, soll Chlodwig zu Gott gerufen haben: „Dich nun rufe ich an und verlange, an Dich zu glauben; nur entreiße mich aus der Hand meiner Widersacher!“
Diese Geschichte gleicht fatal der Erzählung, die von der Bekehrung des römischen Kaisers Konstantin 312 im Umlauf war (auf deren 1700-Jahr-Feier sich die Christenheit 2012 vorbereitet). Auch er erkannt in der Schlacht an der Milvischen Brücke vor Rom in dem gütigen Gott der Christen einen machtvollen Kriegsherrn, der ihm die Herrschaft über das Imperium verschaffen konnte.
Binnen kurzer Zeit stieg die Lehre Jesu zu Staatsreligion der römischen Ökumene auf, was Konstantin nicht hinderte, seine Familie hinzumorden und politische Gegner über die Klinge springen zu lassen. Chlodwig sollte sich in allen Belangen als gelehriger Schüler erweisen.
Geburtsstunde des christlichen Frankreich
Nach der Tradition ließ sich Chlodwig Weihnachten 496 (auch andere Jahre werden angenommen) vom Bischof Remigius in der Kathedrale von Reims taufen. Einige Tausend Krieger sollen es ihm gleichgetan haben. Nicht umsonst beehrte Papst Johannes Paul II. 1996 Frankreich mit seinem Besuch. Schließlich gilt die königliche Taufe als Geburtsstunde des christlichen Frankreich.
Die Annahme des katholischen Bekenntnisses hatte nicht nur im Inneren seines Reiches höchst politische Folgen. Chlodwig stellte sich damit in scharfen Gegensatz zu seinen gotischen Nachbarn im Süden, die ihren Arianismus nicht zuletzt als zentrale Mittel germanischer Identitätswahrung gegenüber den Romanen mit zum Teil brachialen Mitteln einsetzten.
Hinzu kam, dass viele Bistümer seines Reiches teilweise südlich der Loire, also auf dem Gebiet des Westgoten-Reichs von Toulouse lagen, was immer wieder zu Konflikten führte. Chlodwig löste das Problem schließlich auf seine Weise, indem er gegen die Goten Krieg führte und ihre Hauptstadt eroberte. Die Westgoten zogen sich ganz hinter die Pyrenäen zurück.
Partner des oströmischen Kaisers
Was seine Taufe wirklich bedeutete, durfte Chlodwig wenige Jahre vor seinem Tod erfahren. 508 erreichte eine Delegation des oströmischen Kaisers Anastasius I. den Frankenkönig am Grab des heiligen Martin in Tours. Sie übergab Chlodwig „ein Patent als Konsul und legte in der Kirche des heiligen Martin den Purpurrock und Mantel an und schmückte sein Haupt mit einem Diadem“, wie Gregor schreibt. Damit war der ehemalige Kleinkönig aus dem nördlichen Grenzland zum anerkannten Partner des mächtigsten Mannes in den Grenzen des einstigen Imperiums geworden. Es war Chlodwigs größter Tag.
Das mussten die übrigen Germanenreiche bald erfahren. Unter Justinian begann Byzanz mit der systematischen Rückeroberung der Mittelmeerwelt. Als erstes verschwanden die Vandalen, die mit aller Macht gegen die katholische Kirche Afrikas vorgegangen waren, von der Landkarte. Es folgten die Ostgoten Italiens und Teile der Westgotenherrschaft in Spanien. Nur Gallien hatte man in Konstantinopel längst abgeschrieben.
Am Ende wurde er zum Heiligen
Den Rest besorgte das Glück. Während das Reich der Ostgoten nicht zuletzt am Mangel königlicher Prinzen laboriert hatte, war es den Franken offenbar gleichgültig, wer ihre Söhne zur Welt brachte. Diese brachten sich zwar regelmäßig gegenseitig um, schafften es aber, das Frankenreich soweit zusammenzuhalten, bis die Karolinger es 754 übernahmen und zum Imperium ausbauten.
Je weiter der Massenmörder Chlodwig in der Geschichte verschwand, desto mehr verklärte sich seine Geschichte. Als Saint Clovis wurde er zum populären Heiligen, die französischen Könige begründeten mit seinem Regiment ihren spezifischen Zugriff auf die Kirche und Historiker erklärten Chlodwig zum ersten Herrscher Frankreichs. Bei so viel Glorie war es kein Wunder, dass die Verleihung des Ehrenkonsulats an Chlodwig in Deutschland auch als „erste deutsche Kaiserkrönung“ verklärt wurde. Wie Karl der Große musste Chlodwig wirklich für alles Mögliche herhalten, ein Gründer Europas aber war er gewiss.
Matthias Becher: „Chlodwig I. Der Aufstieg der Merowinger und das Ende der antiken Welt“. (C. H. Beck, München. 330 S., 24,95 Euro)>
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31.1.2012: Mittelalter: <Klimaforschung: Vulkanausbrüche stürzten Erde in Kleine Eiszeit>
aus: Spiegel online; 31.1.2012;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,812399,00.html
<Von Axel Bojanowski
Hungersnöte, Seuchen, Kriege - die Kleine Eiszeit am Ende des Mittelalters traf besonders Europa. Forscher haben ermittelt, warum es so kalt wurde: Vulkane setzten eine fatale Kettenreaktion in Gang - die sich jederzeit wiederholen könnte.
Hamburg - Am 9. September 1302 erfroren die Weinstöcke im Elsass. Es folgte ein strenger Winter. Am 2. Mai 1303 standen in Deutschland die Bauern vor ihrem erfrorenen Saatgut. Noch ahnten sie nicht, wie hart die Zeiten werden sollten - die Kleine Eiszeit hatte begonnen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Welt viele ungewöhnlich kalte Jahrzehnte. Europa traf es besonders heftig; häufig blieb die Ernte aus, Krankheiten grassierten, gesellschaftliche Spannungen wuchsen, Kriege brachen los.
Wie kam es zu dem Klimaumschwung? Klar scheint, dass die Sonne mehrere Schwächephasen durchlebte. Eine neue Studie aber bestätigt nun die vorherrschende Theorie, wonach Vulkanausbrüche die Ursache der Kleinen Eiszeit waren. Mehrere große Eruptionen in den Tropen im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts hätten eine Klima-Kettenreaktion in Gang gesetzt, berichten Forscher um Gifford Miller von der University of Boulder in den USA im Fachmagazin "Geophysical Research Letters".
Die Wissenschaftler stützen sich auf die Analyse von Ablagerungen aus der Anfangszeit der Kleinen Eiszeit, sowie auf Klimasimulationen. Im Norden Kanadas und in Island fanden sie Pflanzenreste, die bislang unter Gletschern verborgen lagen. Zwischen 1275 und 1300 und um 1450 herum habe es ein regelrechtes Massensterben der Vegetation in den Polarregionen gegeben, berichten die Forscher. Vorrückende Gletscher hätten die Pflanzen daraufhin zugedeckt.
Suche nach dem Übeltäter
Ablagerungen am Grund eines Gletschersees in Island bestätigten, dass sich während jener beiden Abkühlungsphasen massenhaft Schutt am Boden des Sees ablagerte - ein Hinweis dafür, dass Gletscher vorrückten, dabei Sand vom Boden kratzten, der schließlich in den See rieselte.
Schon lange verdächtigen Forscher Vulkane, die Kälteschübe ausgelöst zu haben. Ihre Partikel legen sich als Schleier um die Erde und blockieren wärmende Sonnenstrahlung. Im Eispanzer Grönlands haben Geologen Schwefelspuren von Ausbrüchen gefunden. Demnach ereigneten sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts vier große Eruptionen; Mitte des 15. Jahrhunderts gab es den Schwefelablagerungen zufolge mindestens einen heftigen Ausbruch. Welche Vulkane dies jeweils waren, ist allerdings umstritten. Die stärkste Wirkung entfalten Vulkane in den Tropen - ihre Partikel verteilen sich am besten.
Die größte Eruption ereignete sich wohl 1258. In jenem Jahr lagerten sich in Grönland und der Antarktis große Mengen Schwefel ab, die bis heute aber keinem Vulkan zugeordnet werden können. Gesucht werden müsse der Übeltäter in den Tropen, meinen Experten. Die Schwefelschichten am Nord- und Südpol seien ähnlich dick, was darauf hinweise, dass der Vulkan etwa am Äquator gelegen haben müsse.
Jahr ohne Sommer
Um die Wirkung der vier Ausbrüche am Ende des 13. Jahrhunderts zu testen, haben Gifford Miller und seine Kollegen das Szenario mit einem Klimamodell durchgespielt. Dabei zeigte sich, dass mehrere große Eruptionen in den Tropen eine fatale Kettenreaktion in Gang setzen: An den Polen breiten sich Gletscher und Meereis aus. Das Eis reflektiert Sonnenstrahlung, die sonst die Erde wärmt - die Luft kühlt sich weiter ab. Das Meereis bremst gleichzeitig warme Strömungen wie den Golfstrom, so dass weniger Wärme in hohe Breiten gelangt. Die Abkühlung lässt noch mehr Eis wachsen, woraufhin sich die Kettenreaktion verstärkt.
Während der Kleinen Eiszeit sorgten weitere Vulkanausbrüche für besondere Kälteschübe: Der Ausbruch des indonesischen Tambora 1815 etwa verschmutzte jahrelang die Atmosphäre. 1816 ging als das "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte ein. Die Vulkanpartikel sorgten aber auch für besonders schöne Sonnenuntergänge, die Künstler auf Bildern festgehalten haben.
Jederzeit wären ähnliche Kältephasen möglich: Schon die Eruption des Pinatubo auf den Philippinen 1991 führte im Folgejahr zu einer weltweiten Abkühlung von immerhin knapp einem halben Grad. Drei Ausbrüche dieser Größe binnen weniger Jahre könnten Simulationen zufolge erneut eine lang anhaltende Kältephase auslösen - womöglich eine Kleine Eiszeit.>
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