
9.3.2009:
Aquädukte im Römischen Reich: Beispiel Naher Osten mit einem 100 km
langen Wassertunnel und "Wasserspielen" ohne Betrieb
aus: Spiegel online: Archäologie: Der Kanal der Pharaonen;
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,611973,00.html
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,611973-2,00.html
<Von Matthias Schulz
Ein
deutscher Forscher hat im Bergland von Jordanien den längsten Tunnel
des Altertums entdeckt. Die Steinröhre, rund hundert Kilometer lang,
förderte einst Millionen Tonnen Trinkwasser in die Prunkstädte des von
Römern besetzten Vorderen Orients. Doch das Bauwerk gibt Rätsel auf.
Wenn die Römer nicht gerade damit beschäftigt waren, Feinde zu
besiegen, dann verschwendeten sie Wasser. Überall gluckste und
sprudelte es. Genormte Bleirohre ersannen die Ingenieure des Reichs,
Aquädukte, hoch wie Festungen, und Leitungen mit 15 bar Druck.
Allein in der Hauptstadt gab es Tausende Brunnen, Tränken und
Thermen. Reiche Senatoren erquickten sich in Privatbädern und
verzierten ihre Gärten mit kühlenden Grotten. Ergebnis war ein
Rekordverbrauch von mehr als 500 Liter Wasser pro Kopf und Tag
(Deutschland heute: um 125 Liter).
Als das Imperium kurz vor Christi Geburt ins karge Palästina
einrückte, war es mit dem Plantschen allerdings vorerst vorbei - zu
trocken.
Aber auch dort schufen kluge Aquaplaner schließlich Abhilfe: In der
früheren römischen Provinz Syria (im heutigen Jordanien) wird derzeit
ein sensationelles Kanalsystem untersucht. Es verläuft 106 Kilometer
weit unterirdisch.
Entdecker des Tunnels ist der Darmstädter Professor für Hydromechanik
Mathias Döring. Über bemooste Stufen zwängte er sich in düstere
Kavernen, verputzt mit wasserdichtem Mörtel. Griechische Buchstaben
prangen an den Wänden, Fledermäuse huschen umher. "Manchmal mussten wir
die Arbeit abbrechen - zu wenig Sauerstoff", so der Projektleiter.
Qanat Firaun, "Kanal der Pharaonen", nennen Einheimische die
verwitterte Fernleitung. Unter den Anwohnern kursiert das Gerücht, in
den bis zu 80 Meter tiefen Stollen sei Gold versteckt.
Döring weiß jetzt mehr. Das Aquädukt ist römischen Ursprungs. Es
beginnt in einem - heute ausgetrockneten - Sumpf in Syrien, verläuft
zuerst 64 Kilometer weit oberirdisch, ehe es in drei Tunnel von einem,
11 und 94 Kilometer Länge verschwindet. Die bislang längste bekannte
Wasserröhre der Antike - in Bologna - ist nur 19 Kilometer lang.
"Erstaunlich" nennt der Forscher die Schlagleistung der Bautrupps,
vermutlich waren es Legionäre. Mehr als 600.000 Kubikmeter Stein
hämmerten die Soldaten aus dem Boden. Das entspricht einem Viertel der
Cheopspyramide.
Drei große Städte der "Dekapolis", eines Wirtschaftsverbunds von
anfangs zehn Kommunen, wurden so mit Quellwasser versorgt. Endpunkt war
Gadara, eine Stadt mit rund 50.000 Einwohnern. Der Bibel zufolge trieb
Jesus dort Dämonen aus und jagte sie in eine Schweineherde.
Im kommenden April wird Döring mit seinen Studenten wieder vor Ort
sein, um die Unterwelt weiter zu erkunden. Jeden Morgen schwärmt die
Gruppe dann mit Theodoliten und GPS-Geräten ins karge Gelände aus.
Gesucht werden neue Einstiege, die in das verborgene Labyrinth führen.
Als Grabungscamp dient ein armseliges Bauernhaus inmitten der Ruinen
des antiken Gadara, hoch über dem See Genezareth.
Etwa um 90 nach Christus, so viel ist klar, wurde die gigantische
Unternehmung gestartet. In Rom regierte Kaiser Domitian, das Reich
stand in voller Blüte. Frontinus, Oberaufseher der Wasserversorgung in
der Hauptstadt, gebot über neun hochbeinige Aquädukte. Selbst in den
Keller des Kolosseums ließ er kostenlos Wasser pumpen.
Auch die Levante erlebte damals einen enormen Aufschwung - durch den
Orienthandel. Die Plebs wollte Tiger sehen. Domitians Thron umstrich
ein zahmer Löwe. Reiche Senatoren labten sich an Gewürzen aus Indien
und trugen Seide aus China. Wer auf sich hielt, nebelte mit Weihrauch
und beschaffte sich schöne Sklavinnen aus Arabien.
Entsprechend schwunghaft lief der Wüstenhandel. Karawanen drängten
zur Rast durch die Tore Gadaras, Kamele standen an den Tränken. Die
Römer bauten in der Stadt zwei Theater. Sogar ein Nymphen-Heiligtum
wurde geplant, mit Fontäne und einem 22 Meter langen Becken.
Für solchen Luxus reichten die lokalen Quellen jedoch nicht. Bald
klagte die Region über Wassermangel. So entschloss sich die
Stadtverwaltung zu einem beispiellosen Kraftakt. Nach bisherigem
Wissensstand wurde weit im Hinterland, bei Dille im heutigen Syrien,
ein Fluss angezapft. Diesen leitete man in einen Trog aus römischem
Beton, dem berühmten Opus Caementitium.
Oben war die Rinne mit Platten abgedeckt - ein Schutz gegen Tiere,
Vogelkot und Staub. Zugleich fiel kein Licht hinein, das stoppte das
Algenwachstum.
Mit geringer Neigung zog sich die Leitung über das syrische
Hochplateau. Hunderte Zementmischer schwitzten in der Sonne.
Schließlich war die erste Stadt, Adraa, erreicht.
Dann aber stellte sich das nordjordanische Bergland in den Weg, eine
Abfolge von Tafelbergen, umgrenzt von steilen Schluchten. Gleich das
erste Hindernis, das Wadi al-Schalal, schnitt 200 Meter tief in die
Landschaft. Kein römischer Baumeister hätte den Abgrund überbrücken
können. Was tun?
Die Ingenieure wichen zunächst nach links aus und führten das
Aquädukt entlang der Bergflanke nach Süden. Weil in dem unwegsamen
Gelände eine oberirdische Trassierung kaum möglich war, verlegten sie
den Wasserlauf ins Innere des Steilhangs. So ging es elf Kilometer weit.
Dann endlich war das Wüstental so eng, dass es sich mit einem kühnen
Brückenschlag überwinden ließ. Noch heute liegen die Steinquader des
Bauwerks in der Schlucht.
Jenseits des Abgrunds aber folgte noch schlimmeres Terrain, ein Auf
und Ab aus Hügeln und Hängen. Vor Karthago hatten die Römer in einer
ähnlichen topografischen Situation das Wasser 19 Kilometer weit über
gewaltige Mauern und Steinbögen geführt.
Diesmal verfolgte das Imperium ein noch ehrgeizigeres Ziel. Die
Reststrecke sollte komplett unter der Erde verlaufen. Brücken waren so
zwar nicht mehr nötig; unter Tage konnten die Hauer die Tunnelsohle in
der gewünschten Höhe einfach aus dem Fels meißeln.
Doch dem standen gewaltige Nachteile gegenüber: Der Kompass war in
der Antike unbekannt; wie sollte man sich im Berg orientieren? Und wie
die Stollen bewettern? Schon nach wenigen Metern hätten die Handwerker
in dem staubigen Schlauch mit Atemnot gekämpft.
Zudem: Bei einer durchschnittlichen Höhe von 2,5 Metern (Breite: 1,5
Meter) konnten unter Tage nur je vier Legionäre für den Vortrieb
sorgen. Mehr als zehn Zentimeter pro Tag schafften sie nicht. Bei dem
Tempo hätten sie Gadara bis heute noch nicht erreicht.>
<Teil 2: Katerstimmung in Gadara
Vermesser, Wasserbauer und Minenexperten reisten ins Morgenland, um
das Problem zu lösen. Döring hat deren Arbeitsweise jetzt weitgehend
entschlüsselt. "Vieles spricht dafür, dass die Ingenieure zunächst den
oberirdischen Verlauf der Trasse festlegten und dann alle 20 bis 200
Meter schräge Schächte in den Fels abteuften", erklärt er.
Diese Kamine führten frische Luft heran. Zudem konnten nun Hunderte Männer gleichzeitig ans Werk gehen.
Als Kaiser Hadrian 129 nach Christus die Dekapolis besuchte, war das
Unternehmen in vollem Gang. Zum Klang von Trompeten traten die
Legionäre und örtlichen Hilfskräfte an und kletterten abwärts.
Gearbeitet wurde mit Spitzmeißeln im Schein von Öllampen. Knechte
schleppten den Aushub die Schächte empor.
Anhand der alten Service-Öffnungen ließ sich jetzt der Verlauf des
Hydro-Labyrinths ermitteln. "Fast alle Einstiege wurden bereits im
Altertum vermauert, damit keine Tiere hineinfielen", erzählt Döring,
"andere fanden wir verschüttet oder meterdick mit Müll verstopft." In
einem Schlund lagen tote Hühner.
Wie ein Bergsteiger, die Hand an der Strickleiter, stieg der Meister
mit seinen behelmten Studenten im 50-Grad-Winkel die Treppen hinab. Mit
jeder Stufe wurde es glitschiger.
Unten auf der Tunnelsohle umfing die Forscher feuchte Finsternis.
Zuweilen war es so stickig, dass die Gas-Überwachungsgeräte zu piepsen
begannen. Geröll versperrte den Weg, davor staute sich hüfthoch Schlamm
und Regenwasser. Dann wieder pfiff und wehte es wie im Windkanal.
Mehr als 300 Abstiege hat die Gruppe bislang aufgespürt. Gleichwohl
ist noch vieles unklar. "Auf den ersten 60 Kilometern weist der Tunnel
eine Neigung von 0,3 Promille auf", erklärt der Projektchef. Das sind
30 Zentimeter pro Kilometer - ein phantastisch niedriger Wert.
Zwar kannten die Römer den Chorobat, eine aus Persien übernommene
sechs Meter lange Wasserwaage; auch füllten sie Ziegendärme mit Wasser
- so konnten sie um die Ecke nivellieren. Doch damit allein lässt sich
die Präzision des Wunderbaus nicht erklären.
"Zuerst mussten die Vermesser kilometerweit eine einheitliche
Höhenlinie mit Pfählen markieren", gibt Döring zu bedenken. Schon das
war in dem holprigen Gelände extrem schwierig. Dann galt es, das Niveau
in die Tiefe zu übertragen und zentimetergenau die Tunnelsohle zu
bestimmen.
Nur, wie gelang das so genau? Lote konnte man nicht hinunterlassen, die Bauschächte waren ja schräg.
Angesichts solcher Schwierigkeiten wundert es nicht, dass Fehler passierten.
Zuweilen pickelten die Hammertrupps aneinander vorbei. Nur über
Klopfzeichen und Zickzackkurse im Fels fanden sie wieder zueinander.
Erst nach 120 Jahren war das Unterwelt-Unternehmen fertiggestellt.
Dann aber toste und sprudelte es aus der Tiefe. Sinterspuren in
einem Abschnitt bei Abila zeigen, dass pro Sekunde 300 bis 700 Liter
durch den Kanal rauschten. Roms zivilisatorisches Genie hatte es
geschafft, diesen Teil der Levante in einen Garten Eden zu verwandeln.
Und doch herrschte zuletzt Katerstimmung in Gadara. Auch der
Superkanal in Jordanien bezeugt die tragische Klage, dass allem
menschlichen Tun stets die letzte Vollendung fehlt. Eigentlich nämlich
sollte das Wasser einen hochliegenden Steinbehälter füllen, um in der
Stadt Springbrunnen und das geplante Nymphen-Heiligtum zu speisen.
Dazu kam es nicht. Weil sich die Vermesser zuletzt mehrfach
verhauten, kam das Nass - nach über 170 Kilometern - um ein weniges zu
tief in Gadara an.
Das Reservoir ließ sich nicht füllen, die Wasserspiele gingen nie in Betrieb.>
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7.7.2011: <Einbrüche, Mord und Totschlag> - die hohe Kriminalität im Römischen Reich ist archäologisch bewiesen
aus: gmx Nachrichten; 7.7.2011;
http://www.gmx.net/themen/wissen/mensch/007ukas-einbrueche-mord-und-totschlag
<(rh/ak)
- Überfälle, Diebstähle und Betrügereien aller Art waren in der Antike
an der Tagesordnung. Vom 8. Juli an zeigt eine Ausstellung das Bild
einer Epoche voller krimineller Umtriebe.
Im alten Rom durfte man nicht zimperlich sein, denn auch die, die
einen eigentlich beschützen sollten, - wie hier römische Legionäre -
waren häufig selbst Täter.
Wer ans Römerreich denkt, hat häufig ausschweifende Feste vor Augen,
Wagenrennen, Diskussionen Gelehrter und beeindruckende Monumente. Aber
es gibt auch die andere, die kriminelle Seite: Die Menschen im alten
Rom konnten sich nicht wirklich sicher fühlen. Die Bevölkerung lebte in
ständiger Angst vor verbrecherischen Übergriffen.
Doch wie ging sie damit um? Eine Polizei, so wie wir sie heute
kennen, gab es nicht. So musste man stets wachsam sein und sich selbst
schützen. Wie heute auch sicherte man mit Schlössern und Fenstergittern
sein Haus und hielt sich einen Wachhund - falls man sich einen leisten
konnte.
Aber gerade außerhalb der sicheren Unterkunft lauerten die Gefahren:
Wegelagerer und Banditen waren überall. So findet Archäologen heute
noch römische Grabsteine auf denen "Erschlagen von Räubern" zu lesen
ist. Aber selbst wenn man davon kam und die Verbrecher gefasst wurden,
wusste man nie, ob man sich im juristischen Ernstfall auf sein Recht
verlassen konnte.
Die Frage nach Recht und Unrecht wurde damals sowieso anders
beantwortet als heute. So galt die Vergewaltigung einer verheirateten
Frau als Kapitalverbrechen und konnte sogar mit dem Tod bestraft
werden. Wurde eine Sklavin von einem Fremden vergewaltigt, konnte ihr
Herr den Täter nur auf Schadensersatz wegen Sachbeschädigung verklagen.
Besitzer selber durften mit ihren Sklavinnen und Sklaven machen, was
sie wollten.
Auch damals gab es schon einen hohen Anteil an
Wirtschaftskriminalität. Unzählige Funde von Formen zum Gießen von
Falschgeld verdeutlichen, wie verbreitet die Geldfälscherei gewesen
sein muss - auf die übrigens die Todesstrafe stand.
Zudem gehörte Korruption zum politischen Tagesgeschäft. So waren es
auch offizielle Amtsträger, ranghohe Militärs und Senatoren, die zu
skrupellosen Tätern wurden.
Geriet ein Verbrecher in die Hände der Justiz, wurde ihm kurzer
Prozess gemacht. Haftstrafen gab es nicht. Verurteilte erwartete eine
Geldstrafe, Verbannung, Schinderei in den Bergwerken oder die
Hinrichtung. Besonders grausam war das Zerfleischen durch wilde Tiere
oder die Kreuzigung. Zur Abschreckung vollstreckte man Hinrichtungen
gerne öffentlich in Amphitheatern.
Wer mehr über diese kriminelle Epoche erfahren will, sollte zur Ausstellung "Gefährliches Pflaster - Kriminalität im Römischen Reich" im LVR-Archäologischen Park Xanten
gehen. Die Ausstellung läuft vom 8. Juli bis 12. Februar 2012.
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Juli 2011: <Gefährliches Pflaster: Kriminalität im Römischen Reich>
aus: Landschaftsverband Rheinland (LVR), Römer-Museum; Juli 2011;
http://www.apx.lvr.de/; http://www.apx.lvr.de/roemermuseum/veranstaltungenmuseum/aktuell.htm
<Überfälle und Einbrüche, Mord und Totschlag, Diebstähle
und Betrügereien aller Art waren in der Antike keine Seltenheit. Vom 8. Juli 2011 bis 12. Februar 2012 zeichnet die kommende Sonderausstellung im LVR-RömerMuseum das Bild einer Epoche voller krimineller Umtriebe.
Informationen zum umfangreichen Begleitprogramm für Groß und Klein finden Sie weiter unten auf dieser Seite.
Die Menschen vor zweitausend Jahren mochten dem mächtigsten Reich
angehören, das die Alte Welt bis dahin gekannt hatte – wirklich sicher
konnten sie sich kaum fühlen. Zahlreiche archäologische Funde
und antike Textquellen führen uns noch heute auf die Fährte von
Verbrechen, die das Leben in Stadt und Land gefährdeten. Die
Bevölkerung lebte mit einer allgegenwärtigen Bedrohung durch kriminelle
Machenschaften aller Art. Wie ging sie damit um? Eine Polizei im
heutigen Sinne gab es nicht. Man tat daher gut daran, stets wachsam zu
sein und sich selber zu schützen. Mit Schlössern und Fenstergittern
sicherte man sein Hab und Gut. Und wer es sich leisten konnte, hielt
einen Wachhund.
Auch die Straßen waren ein gefährliches Pflaster. Wegelagerer und
Banditen lauerten überall. „Erschlagen von Räubern" lesen wir häufig
auf den Grabsteinen der Opfer. Vom kleinen Mädchen bis zum erfahrenen
Veteranen, besonders auf Reisen konnte offenbar niemand seines Lebens
sicher sein. Ebenso ungewiss war, ob man sich im juristischen Ernstfall
auf sein Recht verlassen konnte. Doch was ist eigentlich Recht, und was
Unrecht?
Die Antwort auf diese Frage sah in römischer Zeit oft anders aus als
heute. So galt die Vergewaltigung einer verheirateten Frau als
Kapitalverbrechen und konnte sogar mit dem Tod bestraft werden. Wurde
eine Sklavin von einem Fremden vergewaltigt, konnte ihr Herr den Täter
nur auf Schadensersatz wegen Sachbeschädigung verklagen. Der Besitzer
selber durfte mit seinen Sklavinnen und Sklaven machen, was er wollte.
Auch die alltägliche Kleinkriminalität trieb viele Blüten. Von
Schmuck und Geld über Kleidung und Lebensmittel war nichts vor
Langfingern sicher. Falschspieler nahmen ihre Zeitgenossen mit
Taschenspielertricks und gezinkten Würfeln aus. Doch waren das nur
kleine Fische verglichen mit Geldfälschern, die im großen Stil
Wirtschaftskriminalität betrieben. Unzählige Funde von
Falschmünzerförmchen verdeutlichen, wie verbreitet ihr „Handwerk"
gewesen ist, obwohl darauf die Todesstrafe stand. Denn für den
römischen Staat war dieses Delikt besonders gefährlich.
Oft war es bittere Armut, die viele Menschen in die Kriminalität
trieb. Doch auch offizielle Amtsträger, ranghohe Militärs und Senatoren
konnten zu skrupellosen Tätern werden. Korruption gehörte zum
politischen Tagesgeschäft. Wie konnte man als Opfer eines Verbrechens
Gerechtigkeit erlangen? Die zuständigen Offiziellen konnten häufig
nicht helfen. Viele Geschädigte suchten Zuflucht in okkulten Praktiken.
Sie verwünschten die Übeltäter mit Flüchen voller Unglück, Krankheit
und Tod – der brennende Wunsch nach Vergeltung ist auch heute noch
hautnah zu spüren.
Geriet ein Verbrecher in die Hände der Justiz, wurde ihm der
(oftmals kurze) Prozess gemacht. Haftstrafen gab es nicht. Verurteilte
Übeltäter erwartete eine Geldstrafe, Verbannung, Schinderei in den
Bergwerken oder die Hinrichtung. Besonders grausam war das Zerfleischen
durch wilde Tiere oder die Kreuzigung. Zur Abschreckung vollstreckte
man Hinrichtungen gerne öffentlich in Amphitheatern. Damals wie heute
übte das Verbrechen eine besondere Faszination auf die Menschen aus.
Ein umfangreicher Begleitband zur Ausstellung ist an der Museumskasse erhältlich (450 Seiten, 19,90 ¤).
Es gelten die normalen Öffnungszeiten und Eintrittspreise.>
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8.7.2011: Hohe Kriminalität im "Alten Rom" - Polizei gab es nicht
aus: Welt online: Strafverfolgung im Alten Rom: "Auf dass er weder urinieren, kacken, reden kann"; 8.7.2011;
http://www.welt.de/kultur/history/article13471783/Auf-dass-er-weder-urinieren-kacken-reden-kann.html
<Es gab keine Polizei, Menschenhandel war erlaubt, Prostitution
steuerpflichtig. Die Römermuseum Xanten beschäftigt sich mit der
Kriminalität im antiken Rom.
Den Kopf sollte man dem Dieb abreißen, ihm das Augenlicht nehmen oder
ihn am besten gleich in die Hölle schicken – wer im alten Rom Opfer
eines Betrugs oder Raubes wurde, wusste sich oft nicht anders zu helfen
als mit Flüchen und Verwünschungen. Zwar hatte das Römische Reich ein ausgefeiltes Justizwesen, das teilweise bis heute fortlebt, doch eine Polizei gab es nicht.
Kein Wunder, dass viele auf okkulte Praktiken setzten und die Götter zu
beschwören versuchten. Die Flüche ritzten die Opfer in ihrer
Hilflosigkeit auf Bleitäfelchen und vergruben sie. Rasend vor Wut muss
ein Mann gewesen sein, dem der Umhang in einer Therme gestohlen wurde,
der seinem Ärger auf einem Fluch-Täfelchen Luft machte. "Auf dass er
weder urinieren, kacken, reden, schlafen oder wachen kann, weder
Wohlergehen noch Gesundheit hat!"
Unmengen von Schlüsseln
Rom war ein gefährliches Pflaster. Das LVR-Römermuseum in Xanten
am Niederrhein zeigt erstmals zahlreiche archäologische Funde und
antike Textquellen zu Verbrechen, Strafverfolgung und Rechtsprechung im
Römischen Reich. "Der Römer war sehr abergläubisch", sagt der Leiter
des Museums und Archäologe Marcus Reuter. Außerdem waren die Bürger
Roms in ihrem Sicherheitsbedürfnis wahre Schlüsselfetischisten. "Die
Römer schlossen alles ab, vom großen Portal bis zum kleinen
Schmuckkästchen", sagt Reuter. "Unmengen von Schlüsseln wurden bei
Ausgrabungen gefunden."
Schutz bieten sollten auch Fabelwesen wie
Seeleopardinnen oder Medusenköpfe, die in Bronze gegossen an
prominenter Stelle an den Haustüren angebracht waren. Geldschätze
wurden in der Fußbodenheizung vergraben oder in die Wand eingemauert.
Mosaike mit Hunde-Darstellungen warnten vor dem bissigen Wachhund
("Cave Canem").
Schädel von Mordopfern werden in Xanten ebenso gezeigt wie eiserne
Fußfesseln und eine ganze Armee von Terrakotta-Wachhunden, die nur in
Gräbern gefunden wurden und offenbar Schutz vor Grabräubern bieten
sollten. Damals wie heute kämpften Staaten auch gegen Seeräuberei.
Einen Coup landete Caesars Gegenspieler Pompeius im Mittelmeer: Durch
ein verlockendes Amnestieangebot soll er schlagartig Hunderte
Ex-Piraten in Kleinasien neu angesiedelt haben.
Menschenhandel, Prostitution und Zuhälterei waren legal in der
römischen Antike. Käufliche Liebe war steuerpflichtig. Ehebruch dagegen
war ein anzeigepflichtiges Verbrechen. Die Vergewaltigung einer
verheirateten Frau konnte mit dem Tod bestraft werden – eine
Verjährungsfrist gab es nicht.
Im Vorprogramm der Spiele
Umfangreiche Protokolle von Gerichtsverhandlungen zeugen von einem
entwickelten Rechtswesen. Die Justiz machte mit den Verbrechern dann
aber größtenteils kurzen Prozess. Haftstrafen gab es nicht. Verurteilte
erwartete eine Geldstrafe, Verbannung, Schinderei in Bergwerken oder
ein grausamer Tod.
Für einen günstigen Preis konnten Finanzprokuratoren zum Tode verurteilte Verbrecher außerdem für Volksfeste zum Zerfleischen
durch wilde Tiere weitergeben. Sträflinge wurden Löwen und Tigern immer
nur im Morgenprogramm an den Amphitheatern vorgeworfen, der Nachmittag
gehörte voll und ganz den Gladiatoren.
LVR-Römermuseum Xanten, bis 12. Februar 2012
dpa/bas>
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17.7.2011: Nachbau römischer Waffensysteme
aus: Welt online: Belagerungswaffen. Enthusiasten bauen antikes Kriegsgerät nach; 17.7.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/article13484752/Enthusiasten-bauen-antikes-Kriegsgeraet-nach.html
Römer haben die Kriegsmaschinen der Griechen modifiziert
und perfektioniert. Es entstanden Waffen, die für Belagerungen
unentbehrlich waren. Heute werden sie wieder gebaut.
Wir schreiben das Jahr 73 nach Christus. Masada fällt. Die Festung am
Ostrand der judäischen Wüste hält der Belagerung der Römer nicht mehr
stand. HIstoriker Flavius Joseph schildert in "Geschichte des jüdischen
Krieges" sowohl die Eroberung, als auch den kollektiven Selbstmord der
Unterlegenen. Zu groß war deren Angst vor römischer Gefangenschaft.
Feldherr Flavius Silva hat gesiegt – und mit ihm seine 15.000 Mann.
Eine noch heute erhaltene Erdrampe (agger) zeugt von der Kunst
des Krieges. Die Römer hatten sie bis zu der Mauer der Festung gebaut.
Eine bei ihnen übliche Technik, denn nur der Bau eines Aggers sicherte
den Einsatz schwerer Kriegsgeräte. Um bei der Arbeit Angriffen von
Feinden nicht ausgeliefert zu sein, schirmten sich die Soldaten mit
einem Schutzdach auf Rollen ab.
Nach der Fertigstellung der Rampe wurden darauf Wandeltürme
herangeschoben. Vermutet werden Türme von 20 Meter Höhe. Da es jedoch
keine zuverlässigen historischen Belege gibt, sind diese Angaben rein
hypothetisch zu sehen.
In den oberen Bereichen mit Geschützen ausgerüstet, dienten unten
eingebaute Widder zum Einreißen der Mauer. War ein Widder nicht
eingebaut, sondern eine selbstständige Kampfwaffe, bestand er aus einem
niedrigen Schutzhaus mit einem Baumstamm. Mit Stricken - befestigt am
hinteren Ende - setzten Soldaten den Balken in Bewegung. Der vordere
Teil war mit Eisen beschlagen, häufig in Form eines Widderkopfes, und
damit namensgebend für die Ramme.
Aber die wichtigste, die Standardwaffe in der Antike, war das
Torsionsgeschütz. Griechen und Römer bedienten sich gleichermaßen dieser
Technik, bei der Sehnenbündel schraubenförmig mit dem Spannbolzen
gespannt werden: Drehspannung entsteht. Während bei einfachen Handbögen
die Elastizität von Holz genutzt wird, werden in diesem Fall Nacken- und
Sprunggelenksehnen von Stieren eingesetzt.
Die Römer unterschieden zwei Arten: einarmige Torsionsgeschütze und
zweiarmige Torsionsgeschütze. Erstere werden Onager (griechisch für
Wildesel) genannt und sind ein Schleudergeschütz. Bei den Zweiarmigen
wird eine Einteilung in Pfeilgeschütze (römisch Catapultae) und
Wurfgeschütze (römisch Ballistae) vorgenommen. Unter Catapultae versteht
man direkt richtende Pfeilgeschütze, während Ballistae im indirekten
Beschuss Steine gegen ein sich in Deckung befindendes Ziel schießen.
Obwohl die Konstruktionen Unterschiede aufweisen, funktionieren sie nach
den gleichen Grundsätzen.
Marcus Vitruvius Pollio, in Schriften später meist nur "Vitruv" genannt,
hat die Bauweise der Maschinen für die Nachwelt festgehalten. Der
römische Militärtechniker und Ingenieur lebte in der Zeit Julius
Caesars. Berühmt ist sein zehntes Buch des Hauptwerkes "Zehn Bücher über
die Baukunst" (De architectura libri decem), in dem Vitruv
Kriegsgeschütze und Werkzeuge beschreibt.
Folgt man seinen Anweisungen für den Bau einer Catapulta, so zeigt sich,
dass ein Bestandteil entscheidend für die Konstruktion ist: die Länge
des abzuschießenden Pfeiles. Die Größe der Spannlöcher beträgt den
neunten Teil der Pfeillänge – und anhand dieser Spannlöcher wird der
Großteil der verwendeten Teile gemessen.
Das Kernstück der Ballistakonstruktion ist ein senkrechter hölzerner
Rahmen. Mittels zwei weiterer Balkenstücke wird er in drei Rahmen
unterteilt. In den beiden Äußeren befinden sich Sehnenstränge,
eingelassen in Spannbuchsen. Zwischen diesen werden starre hölzerne Arme
eingeschoben – die äußeren Enden verbunden mit weiteren Sehnen.
Das Prinzip der Torsion kommt zum Einsatz: Die gedrehten Sehnenbündel
rufen eine Spannung hervor. Die Bogensehne wird durch eine
Windenkonstruktion bis zum Einrasten durch eine Sperrklinke
zurückgezogen. Bei Entriegelung schnellen die Arme hervor und schleudern
das Geschoss weg.
Die Beschreibung eines Onagers stammt hingegen von Ammianus Marcellinus.
Geboren gegen 330 nach Christus handelt es sich bei ihm um einen
Historiker der Spätantike. Der Arm des Torsionsgeschützes ist durch die
Mitte eines Sehnenbündels gesteckt.
Am oberen Ende befindet sich eine Schleuder. Eine Winde hilft den
Schleuderarm zurückzuziehen und ein Riegel sichert die Stellung. Es
entsteht, wie bei den zweiarmigen Torsionsgeschützen, eine starke
Spannung. Nach Entriegelung schleudert der Arm den Stein ab und prallt
gegen ein Widerlager bestehend aus Heu oder Haaren.
Kampfgeräte waren damals wie heute ein wesentlicher Bestandteil der
Kriegsführung. "60 bis 80 Stück der Maschinen wurden pro Legion
verwendet", so Oliver Stoll, Professor für Alte Geschichte an der
Universität Passau. Legionäre und Architekten trugen die Verantwortung
für die Geräte. Die Anreise mit den Geschützen war zumeist nicht
möglich. Bestandteile, insbesondere Metallteile, wurden vorgefertigt und
mitgenommen – Holz oft vor Ort verwendet, führt Stoll an.
Die Faszination gegenüber der Technik ist ungebrochen. Heutige Versuche,
das Leben in der Antike zu rekonstruieren und nachzuvollziehen, zeugen
davon. Der Verein "I. Roemercohorte Opladen e.V“ hat einige der antiken
Kriegsgeräte nachgebaut. Nach Vitruvs Anleitung stellten sie eine
Ballista fertig – mit einem Gewicht von knapp einer Tonne, einer Höhe
von 2,30 Meter und einer Munition von 2,8 Kilogramm.
In der Antike existierten unterschiedlich große Ballistae mit einer Höhe
von bis zu 9 Meter. Die maximale Reichweite betrug 700 Meter, jedoch
war im Kampf nur eine Distanz von 300 bis 350 Meter effektiv.
Der Verein verfügt ebenso über einen Nachbau eines Scorpios – eines
kleinen Pfeilgeschützes. Funde und Beschreibungen aus Vitruvs Zeit
ermöglichten die Rekonstruktion. "Das Geschütz hat Originalgröße und ist
in etwa 1,20 bis 1,30 Meter hoch“, erklärt Klaus Schwab, Vorsitzender
des Vereins.
Verwendet werden hölzerne Pfeile von 60 Zentimeter Länge, zwei
Zentimeter Durchmesser und 200 Gramm Gewicht – eine Spitze, geschmiedet
aus Eisen. Ein Geschütz dieser Größe verfügt über eine maximale
Reichweite von 300 Meter. Im Gefecht erweist sich eine Distanz von 120
bis 150 Metern als wirkungsvoll.
Antike Geschichtsschreiber geben einen Einblick in die Waffen der
damaligen Zeit. Aber nicht jede Frage kann durch die erhaltenen
Schriften beantwortet werden. Vieles ist umstritten, vieles bleibt im
Verborgenen. >
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Rom 22.7.2011: Im Mittelalter mutierte das Kolosseum zum Einkaufszentrum
aus: n-tv online: Nicht nur Gladiatorenkämpfe: Römer shoppten im Kolosseum; 22.7.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Roemer-shoppten-im-Kolosseum-article3877156.html
<Archäologen legen im Kolosseum Überreste einstiger Geschäfte und
Wohnungen frei. Damit ist klar, dass in der meistbesuchten Attraktion
Roms nicht nur gekämpft wurde.
Das weltbekannte Kolosseum in Rom war nicht nur eine Arena für
dem Tod geweihte Gladiatoren: Wie italienische Archäologen jetzt feststellten, wurde
im größten Amphitheater der Antike im Mittelalter auch gewohnt und eingekauft. Italienische
Medien berichten, dass Forscher des Kulturministeriums in Zusammenarbeit mit der
römischen Universität "Roma Tre" Überreste einstiger Geschäfte und Wohnungen
freigelegt hätten.
"Die Funde zeigen genau das, was wir aus anderer Quelle
schon wussten: Dass das Kolosseum im 12. und 13. Jahrhundert als Wohn-, Einkaufs-
und Arbeitsraum genutzt wurde", sagte der Archäologieprofessor Riccardo Santangeli
Valenzani, der die Ausgrabungen begleitet. Seine Studenten fanden unter anderem
Überbleibsel einer Feuerstelle, Münzen und Keramikreste sowie ein mittelalterliches
Becken zur Weinkonservierung.
Das größte Amphitheater der Antike für weit mehr als 50.000 Zuschauer
wurde zwischen 72 und 80 nach Christus unter Kaiser Vespasian erbaut. Die Einweihung
mit blutigen Spielen übernahm im Jahr 80 nach Christus dessen Sohn, Kaiser Titus.
Über Jahrhunderte blieb das sogenannte "Amphiteatrum Flavium" der Schauplatz
grausamster Gladiatorenkämpfe und auch inszenierter Seeschlachten. Heute gehört
es mit über vier Millionen Besuchern jährlich zu den meistbesuchten Attraktionen
Roms.
dpa>
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Arles (Frankreich) 29.7.2011: Römischer Lastkahn soll gehoben werden
aus: n-tv online: Vor 2000 Jahren gesunken: Römischer Kahn kommt ans Licht; 29.7.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Roemischer-Kahn-kommt-ans-Licht-article3921801.html
<Fast 2000 Jahre ist es her, dass er in der Nähe der südfranzösischen
Stadt Arles gesunken ist. Nun soll der römische Lastkahn aus der Mitte
des 1. Jahrhunderts geborgen werden. Es sei das "einzige komplett
erhaltene römische Schiff aus dieser Epoche", betont Claude Sintes,
Direktor des Museums für Altertümer "Arles Antique". Seinen guten
Zustand verdankt das Wrack dem schlammigen Grund der Rhône, in dem es
seit zwei Jahrtausenden in rund acht Meter Tiefe liegt.
Die Bewohner von Arles, das einst ein wichtiges römisches
Handelszentrum war, haben zudem im Laufe der Jahrhunderte Tausende von
Gegenständen in den Fluss geworfen. Das Wrack sei daher von einer gut
drei Meter dicken Schicht aus antiken Gegenständen bedeckt gewesen, die
es zusätzlich geschützt habe, erläutert Sintes. Diese Schicht ist dem
Archäologen zufolge mittlerweile vollständig abgetragen: Bei mehreren
Ausgrabungen seit 2008 wurden beispielsweise gut 2000 Amphoren, an die
10.000 Keramikteile, ein 20-armiger Leuchter und ein fast vollständiges
Service aus Bronzegeschirr geborgen. Sogar einen gezinkten Würfel, der
offenbar einem schummelnden Spieler gehörte, holten die Taucher aus dem
Wasser.
Aus unbekannten Gründen gesunken
Die Ladung des rund 31 Meter langen, flachen Lastkahns bestand aus
rund 27 Tonnen gemeißelten Steinen. Sie stammten aus Steinbrüchen rund
um das 17 Kilometer nördlich von Arles gelegene Städtchen Beaucaire und
waren für den Bau bestimmt. Außerdem fanden die Archäologen in dem
Schiff, das aus bisher unbekannten Gründen gesunken ist, zahlreiche
Seile, eine Küche mit Backofen, Geschirr, auf dem der Name der Matrosen
eingraviert wurde, und diverse Werkzeuge.
"Dieses Schiff ist weltweit einmalig - es liefert uns zahlreiche
Hinweise über den Handel und den Transport auf Flüssen im ersten
Jahrhundert", sagt Sintes. Die in den Fluss geworfenen
Haushaltsgegenstände wiederum gäben Aufschlüsse über den Warenverkehr
zwischen Nordeuropa und dem Mittelmeerraum, bis hinein ins sechste
Jahrhundert nach Christi.
27 Tonnen Steine sind zu bergen
In den vergangenen Wochen haben Taucher das Wrack freigeräumt und
Tag für Tag hunderte von Gegenständen nach oben geholt. Nun müssen sie
noch Stück für Stück die 27 Tonnen Steine bergen, von denen jeder
zwischen drei und sieben Kilogramm wiegt. Anschließend wird das Wrack
in rund ein Dutzend Teile zertrennt, bevor die Bergungsaktion beginnen
kann. "Wir warten noch einige Tage, weil die Rhône nach heftigen
Regenfällen sehr aufgewühlt ist, was die Sicht unter Wasser erschwert",
erläutert eine Sprecherin des Museums, das die Bergungsarbeiten
koordiniert. Sie rechne damit, dass die Schiffsteile ab Anfang August
nach oben geholt werden können. Die Aktion werde vermutlich bis in den
späten Herbst dauern.
Die Einzelteile des Lastkahns werden dann in ein Speziallabor in der
Alpen-Stadt Grenoble gebracht, wo sie mit Harzen konserviert werden
sollen. Wenn dies geschehen ist, wird der Kahn wie ein Puzzle wieder
zusammengesetzt. Die Öffentlichkeit kann das seltene Stück ab 2013
bewundern. Es soll in einem eigens dafür gebauten neuen Flügel des
Museums "Arles Antique" ausgestellt werden. Die Ausgrabungsarbeiten und
die spektakuläre Bergung des Schiffes werden in einer Ausstellung
dokumentiert, die bis Mai kommenden Jahres in dem Museum zu sehen ist.
Die Kosten der gesamten Operation beziffert das Museum auf acht bis
neun Millionen Euro.
Reiche Sammlung aus der Römer-Zeit
Das Schiff verschafft Arles ein neues Glanzstück in seiner bereits
reichen Sammlung aus der Römer-Zeit. Unter anderem kann die Stadt mit
ihren rund 54.000 Einwohnern ein Amphitheater, Arenen und die
prachtvollen Konstantin-Thermen vorweisen, die von der UNESCO als
Weltkulturerbe eingestuft wurden. Bei Ausgrabungen im Bett der Rhône
wurden 2008 zudem eine lebensgroße Statue des betagten Julius Cäsar und
eine rund 1,80 Meter hohe Neptun-Statue geborgen. Auch sie sind im
Museum "Arles Antique" zu sehen.
Tristan Malle, AFP>
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20.8.2011: Römische Amphoren im Meer vor Marseilles versenkt - als "Attraktion" für Taucher
aus: n-tv online: Neue Taucherattraktion: Antike Amphoren versenkt; 20.8.2011;
http://www.n-tv.de/reise/Antike-Amphoren-versenkt-article4096946.html
<Der legendäre Forscher und
Abenteurer Jacques-Yves Cousteau hatte sie einst geborgen, nun wurden sie wieder
im Meer versenkt: 250 antike römische Amphoren ruhen seit dieser Woche in 14 Metern
Wassertiefe vor Marseille. Die Tongefäße sollen Hobbytauchern als Attraktion dienen. Die etwa 20 Kilogramm schweren
Stücke - alle nicht mehr vollständig erhalten - wurden demnach einzeln auf den Meeresgrund
gesetzt und mit Stahldraht befestigt.
Versuchsweise waren die
ersten Stücke bereits im vergangenen Sommer am Meeresboden befestigt worden. Ausgegangen
war die Initiative vom Vorsitzenden des örtlichen Tauchclubs. Die Amphoren, die
angeblich keinen wissenschaftlichen Wert mehr haben, hatten Cousteau und seine Mannschaft
in den 50er Jahre geborgen.
AFP>