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9.3.2009: Aquädukte im Römischen Reich: Beispiel Naher Osten mit einem 100 km langen Wassertunnel und "Wasserspielen" ohne Betrieb

aus: Spiegel online: Archäologie: Der Kanal der Pharaonen;
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,611973,00.html
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,611973-2,00.html

<Von Matthias Schulz

Ein deutscher Forscher hat im Bergland von Jordanien den längsten Tunnel des Altertums entdeckt. Die Steinröhre, rund hundert Kilometer lang, förderte einst Millionen Tonnen Trinkwasser in die Prunkstädte des von Römern besetzten Vorderen Orients. Doch das Bauwerk gibt Rätsel auf.

Wenn die Römer nicht gerade damit beschäftigt waren, Feinde zu besiegen, dann verschwendeten sie Wasser. Überall gluckste und sprudelte es. Genormte Bleirohre ersannen die Ingenieure des Reichs, Aquädukte, hoch wie Festungen, und Leitungen mit 15 bar Druck.

Allein in der Hauptstadt gab es Tausende Brunnen, Tränken und Thermen. Reiche Senatoren erquickten sich in Privatbädern und verzierten ihre Gärten mit kühlenden Grotten. Ergebnis war ein Rekordverbrauch von mehr als 500 Liter Wasser pro Kopf und Tag (Deutschland heute: um 125 Liter).

Als das Imperium kurz vor Christi Geburt ins karge Palästina einrückte, war es mit dem Plantschen allerdings vorerst vorbei - zu trocken.

Aber auch dort schufen kluge Aquaplaner schließlich Abhilfe: In der früheren römischen Provinz Syria (im heutigen Jordanien) wird derzeit ein sensationelles Kanalsystem untersucht. Es verläuft 106 Kilometer weit unterirdisch.

Entdecker des Tunnels ist der Darmstädter Professor für Hydromechanik Mathias Döring. Über bemooste Stufen zwängte er sich in düstere Kavernen, verputzt mit wasserdichtem Mörtel. Griechische Buchstaben prangen an den Wänden, Fledermäuse huschen umher. "Manchmal mussten wir die Arbeit abbrechen - zu wenig Sauerstoff", so der Projektleiter.

Qanat Firaun, "Kanal der Pharaonen", nennen Einheimische die verwitterte Fernleitung. Unter den Anwohnern kursiert das Gerücht, in den bis zu 80 Meter tiefen Stollen sei Gold versteckt.

Döring weiß jetzt mehr. Das Aquädukt ist römischen Ursprungs. Es beginnt in einem - heute ausgetrockneten - Sumpf in Syrien, verläuft zuerst 64 Kilometer weit oberirdisch, ehe es in drei Tunnel von einem, 11 und 94 Kilometer Länge verschwindet. Die bislang längste bekannte Wasserröhre der Antike - in Bologna - ist nur 19 Kilometer lang.

"Erstaunlich" nennt der Forscher die Schlagleistung der Bautrupps, vermutlich waren es Legionäre. Mehr als 600.000 Kubikmeter Stein hämmerten die Soldaten aus dem Boden. Das entspricht einem Viertel der Cheopspyramide.

Drei große Städte der "Dekapolis", eines Wirtschaftsverbunds von anfangs zehn Kommunen, wurden so mit Quellwasser versorgt. Endpunkt war Gadara, eine Stadt mit rund 50.000 Einwohnern. Der Bibel zufolge trieb Jesus dort Dämonen aus und jagte sie in eine Schweineherde.

Im kommenden April wird Döring mit seinen Studenten wieder vor Ort sein, um die Unterwelt weiter zu erkunden. Jeden Morgen schwärmt die Gruppe dann mit Theodoliten und GPS-Geräten ins karge Gelände aus. Gesucht werden neue Einstiege, die in das verborgene Labyrinth führen. Als Grabungscamp dient ein armseliges Bauernhaus inmitten der Ruinen des antiken Gadara, hoch über dem See Genezareth.

Etwa um 90 nach Christus, so viel ist klar, wurde die gigantische Unternehmung gestartet. In Rom regierte Kaiser Domitian, das Reich stand in voller Blüte. Frontinus, Oberaufseher der Wasserversorgung in der Hauptstadt, gebot über neun hochbeinige Aquädukte. Selbst in den Keller des Kolosseums ließ er kostenlos Wasser pumpen.

Auch die Levante erlebte damals einen enormen Aufschwung - durch den Orienthandel. Die Plebs wollte Tiger sehen. Domitians Thron umstrich ein zahmer Löwe. Reiche Senatoren labten sich an Gewürzen aus Indien und trugen Seide aus China. Wer auf sich hielt, nebelte mit Weihrauch und beschaffte sich schöne Sklavinnen aus Arabien.

Entsprechend schwunghaft lief der Wüstenhandel. Karawanen drängten zur Rast durch die Tore Gadaras, Kamele standen an den Tränken. Die Römer bauten in der Stadt zwei Theater. Sogar ein Nymphen-Heiligtum wurde geplant, mit Fontäne und einem 22 Meter langen Becken.

Für solchen Luxus reichten die lokalen Quellen jedoch nicht. Bald klagte die Region über Wassermangel. So entschloss sich die Stadtverwaltung zu einem beispiellosen Kraftakt. Nach bisherigem Wissensstand wurde weit im Hinterland, bei Dille im heutigen Syrien, ein Fluss angezapft. Diesen leitete man in einen Trog aus römischem Beton, dem berühmten Opus Caementitium.

Oben war die Rinne mit Platten abgedeckt - ein Schutz gegen Tiere, Vogelkot und Staub. Zugleich fiel kein Licht hinein, das stoppte das Algenwachstum.

Mit geringer Neigung zog sich die Leitung über das syrische Hochplateau. Hunderte Zementmischer schwitzten in der Sonne. Schließlich war die erste Stadt, Adraa, erreicht.

Dann aber stellte sich das nordjordanische Bergland in den Weg, eine Abfolge von Tafelbergen, umgrenzt von steilen Schluchten. Gleich das erste Hindernis, das Wadi al-Schalal, schnitt 200 Meter tief in die Landschaft. Kein römischer Baumeister hätte den Abgrund überbrücken können. Was tun?

Die Ingenieure wichen zunächst nach links aus und führten das Aquädukt entlang der Bergflanke nach Süden. Weil in dem unwegsamen Gelände eine oberirdische Trassierung kaum möglich war, verlegten sie den Wasserlauf ins Innere des Steilhangs. So ging es elf Kilometer weit.

Dann endlich war das Wüstental so eng, dass es sich mit einem kühnen Brückenschlag überwinden ließ. Noch heute liegen die Steinquader des Bauwerks in der Schlucht.

Jenseits des Abgrunds aber folgte noch schlimmeres Terrain, ein Auf und Ab aus Hügeln und Hängen. Vor Karthago hatten die Römer in einer ähnlichen topografischen Situation das Wasser 19 Kilometer weit über gewaltige Mauern und Steinbögen geführt.

Diesmal verfolgte das Imperium ein noch ehrgeizigeres Ziel. Die Reststrecke sollte komplett unter der Erde verlaufen. Brücken waren so zwar nicht mehr nötig; unter Tage konnten die Hauer die Tunnelsohle in der gewünschten Höhe einfach aus dem Fels meißeln.

Doch dem standen gewaltige Nachteile gegenüber: Der Kompass war in der Antike unbekannt; wie sollte man sich im Berg orientieren? Und wie die Stollen bewettern? Schon nach wenigen Metern hätten die Handwerker in dem staubigen Schlauch mit Atemnot gekämpft.

Zudem: Bei einer durchschnittlichen Höhe von 2,5 Metern (Breite: 1,5 Meter) konnten unter Tage nur je vier Legionäre für den Vortrieb sorgen. Mehr als zehn Zentimeter pro Tag schafften sie nicht. Bei dem Tempo hätten sie Gadara bis heute noch nicht erreicht.>


<Teil 2: Katerstimmung in Gadara

Vermesser, Wasserbauer und Minenexperten reisten ins Morgenland, um das Problem zu lösen. Döring hat deren Arbeitsweise jetzt weitgehend entschlüsselt. "Vieles spricht dafür, dass die Ingenieure zunächst den oberirdischen Verlauf der Trasse festlegten und dann alle 20 bis 200 Meter schräge Schächte in den Fels abteuften", erklärt er.

Diese Kamine führten frische Luft heran. Zudem konnten nun Hunderte Männer gleichzeitig ans Werk gehen.

Als Kaiser Hadrian 129 nach Christus die Dekapolis besuchte, war das Unternehmen in vollem Gang. Zum Klang von Trompeten traten die Legionäre und örtlichen Hilfskräfte an und kletterten abwärts. Gearbeitet wurde mit Spitzmeißeln im Schein von Öllampen. Knechte schleppten den Aushub die Schächte empor.

Anhand der alten Service-Öffnungen ließ sich jetzt der Verlauf des Hydro-Labyrinths ermitteln. "Fast alle Einstiege wurden bereits im Altertum vermauert, damit keine Tiere hineinfielen", erzählt Döring, "andere fanden wir verschüttet oder meterdick mit Müll verstopft." In einem Schlund lagen tote Hühner.

Wie ein Bergsteiger, die Hand an der Strickleiter, stieg der Meister mit seinen behelmten Studenten im 50-Grad-Winkel die Treppen hinab. Mit jeder Stufe wurde es glitschiger.

Unten auf der Tunnelsohle umfing die Forscher feuchte Finsternis. Zuweilen war es so stickig, dass die Gas-Überwachungsgeräte zu piepsen begannen. Geröll versperrte den Weg, davor staute sich hüfthoch Schlamm und Regenwasser. Dann wieder pfiff und wehte es wie im Windkanal.

Mehr als 300 Abstiege hat die Gruppe bislang aufgespürt. Gleichwohl ist noch vieles unklar. "Auf den ersten 60 Kilometern weist der Tunnel eine Neigung von 0,3 Promille auf", erklärt der Projektchef. Das sind 30 Zentimeter pro Kilometer - ein phantastisch niedriger Wert.

Zwar kannten die Römer den Chorobat, eine aus Persien übernommene sechs Meter lange Wasserwaage; auch füllten sie Ziegendärme mit Wasser - so konnten sie um die Ecke nivellieren. Doch damit allein lässt sich die Präzision des Wunderbaus nicht erklären.

"Zuerst mussten die Vermesser kilometerweit eine einheitliche Höhenlinie mit Pfählen markieren", gibt Döring zu bedenken. Schon das war in dem holprigen Gelände extrem schwierig. Dann galt es, das Niveau in die Tiefe zu übertragen und zentimetergenau die Tunnelsohle zu bestimmen.

Nur, wie gelang das so genau? Lote konnte man nicht hinunterlassen, die Bauschächte waren ja schräg.

Angesichts solcher Schwierigkeiten wundert es nicht, dass Fehler passierten.

Zuweilen pickelten die Hammertrupps aneinander vorbei. Nur über Klopfzeichen und Zickzackkurse im Fels fanden sie wieder zueinander. Erst nach 120 Jahren war das Unterwelt-Unternehmen fertiggestellt.

Dann aber toste und sprudelte es aus der Tiefe. Sinterspuren in einem Abschnitt bei Abila zeigen, dass pro Sekunde 300 bis 700 Liter durch den Kanal rauschten. Roms zivilisatorisches Genie hatte es geschafft, diesen Teil der Levante in einen Garten Eden zu verwandeln.

Und doch herrschte zuletzt Katerstimmung in Gadara. Auch der Superkanal in Jordanien bezeugt die tragische Klage, dass allem menschlichen Tun stets die letzte Vollendung fehlt. Eigentlich nämlich sollte das Wasser einen hochliegenden Steinbehälter füllen, um in der Stadt Springbrunnen und das geplante Nymphen-Heiligtum zu speisen.

Dazu kam es nicht. Weil sich die Vermesser zuletzt mehrfach verhauten, kam das Nass - nach über 170 Kilometern - um ein weniges zu tief in Gadara an.

Das Reservoir ließ sich nicht füllen, die Wasserspiele gingen nie in Betrieb.>




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7.7.2011: <Einbrüche, Mord und Totschlag> - die hohe Kriminalität im Römischen Reich ist archäologisch bewiesen

aus: gmx Nachrichten; 7.7.2011;
http://www.gmx.net/themen/wissen/mensch/007ukas-einbrueche-mord-und-totschlag

<(rh/ak) - Überfälle, Diebstähle und Betrügereien aller Art waren in der Antike an der Tagesordnung. Vom 8. Juli an zeigt eine Ausstellung das Bild einer Epoche voller krimineller Umtriebe. 

Im alten Rom durfte man nicht zimperlich sein, denn auch die, die einen eigentlich beschützen sollten, - wie hier römische Legionäre - waren häufig selbst Täter. 

Wer ans Römerreich denkt, hat häufig ausschweifende Feste vor Augen, Wagenrennen, Diskussionen Gelehrter und beeindruckende Monumente. Aber es gibt auch die andere, die kriminelle Seite: Die Menschen im alten Rom konnten sich nicht wirklich sicher fühlen. Die Bevölkerung lebte in ständiger Angst vor verbrecherischen Übergriffen.

Doch wie ging sie damit um? Eine Polizei, so wie wir sie heute kennen, gab es nicht. So musste man stets wachsam sein und sich selbst schützen. Wie heute auch sicherte man mit Schlössern und Fenstergittern sein Haus und hielt sich einen Wachhund - falls man sich einen leisten konnte.

Aber gerade außerhalb der sicheren Unterkunft lauerten die Gefahren: Wegelagerer und Banditen waren überall. So findet Archäologen heute noch römische Grabsteine auf denen "Erschlagen von Räubern" zu lesen ist. Aber selbst wenn man davon kam und die Verbrecher gefasst wurden, wusste man nie, ob man sich im juristischen Ernstfall auf sein Recht verlassen konnte.

Die Frage nach Recht und Unrecht wurde damals sowieso anders beantwortet als heute. So galt die Vergewaltigung einer verheirateten Frau als Kapitalverbrechen und konnte sogar mit dem Tod bestraft werden. Wurde eine Sklavin von einem Fremden vergewaltigt, konnte ihr Herr den Täter nur auf Schadensersatz wegen Sachbeschädigung verklagen. Besitzer selber durften mit ihren Sklavinnen und Sklaven machen, was sie wollten.

Auch damals gab es schon einen hohen Anteil an Wirtschaftskriminalität. Unzählige Funde von Formen zum Gießen von Falschgeld verdeutlichen, wie verbreitet die Geldfälscherei gewesen sein muss - auf die übrigens die Todesstrafe stand.

Zudem gehörte Korruption zum politischen Tagesgeschäft. So waren es auch offizielle Amtsträger, ranghohe Militärs und Senatoren, die zu skrupellosen Tätern wurden.

Geriet ein Verbrecher in die Hände der Justiz, wurde ihm kurzer Prozess gemacht. Haftstrafen gab es nicht. Verurteilte erwartete eine Geldstrafe, Verbannung, Schinderei in den Bergwerken oder die Hinrichtung. Besonders grausam war das Zerfleischen durch wilde Tiere oder die Kreuzigung. Zur Abschreckung vollstreckte man Hinrichtungen gerne öffentlich in Amphitheatern.

Wer mehr über diese kriminelle Epoche erfahren will, sollte zur Ausstellung "Gefährliches Pflaster - Kriminalität im Römischen Reich" im LVR-Archäologischen Park Xanten gehen. Die Ausstellung läuft vom 8. Juli bis 12. Februar 2012.

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Juli 2011: <Gefährliches Pflaster: Kriminalität im Römischen Reich>

aus: Landschaftsverband Rheinland (LVR), Römer-Museum; Juli 2011;
http://www.apx.lvr.de/; http://www.apx.lvr.de/roemermuseum/veranstaltungenmuseum/aktuell.htm

<Überfälle und Einbrüche, Mord und Totschlag, Diebstähle und Betrügereien aller Art waren in der Antike keine Seltenheit. Vom 8. Juli 2011 bis 12. Februar 2012 zeichnet die kommende Sonderausstellung im LVR-RömerMuseum das Bild einer Epoche voller krimineller Umtriebe.

Informationen zum umfangreichen Begleitprogramm für Groß und Klein finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Die Menschen vor zweitausend Jahren mochten dem mächtigsten Reich angehören, das die Alte Welt bis dahin gekannt hatte – wirklich sicher konnten sie sich kaum fühlen. Zahlreiche archäologische Funde und antike Textquellen führen uns noch heute auf die Fährte von Verbrechen, die das Leben in Stadt und Land gefährdeten. Die Bevölkerung lebte mit einer allgegenwärtigen Bedrohung durch kriminelle Machenschaften aller Art. Wie ging sie damit um? Eine Polizei im heutigen Sinne gab es nicht. Man tat daher gut daran, stets wachsam zu sein und sich selber zu schützen. Mit Schlössern und Fenstergittern sicherte man sein Hab und Gut. Und wer es sich leisten konnte, hielt einen Wachhund.

Auch die Straßen waren ein gefährliches Pflaster. Wegelagerer und Banditen lauerten überall. „Erschlagen von Räubern" lesen wir häufig auf den Grabsteinen der Opfer. Vom kleinen Mädchen bis zum erfahrenen Veteranen, besonders auf Reisen konnte offenbar niemand seines Lebens sicher sein. Ebenso ungewiss war, ob man sich im juristischen Ernstfall auf sein Recht verlassen konnte. Doch was ist eigentlich Recht, und was Unrecht?

Die Antwort auf diese Frage sah in römischer Zeit oft anders aus als heute. So galt die Vergewaltigung einer verheirateten Frau als Kapitalverbrechen und konnte sogar mit dem Tod bestraft werden. Wurde eine Sklavin von einem Fremden vergewaltigt, konnte ihr Herr den Täter nur auf Schadensersatz wegen Sachbeschädigung verklagen. Der Besitzer selber durfte mit seinen Sklavinnen und Sklaven machen, was er wollte.  

Auch die alltägliche Kleinkriminalität trieb viele Blüten. Von Schmuck und Geld über Kleidung und Lebensmittel war nichts vor Langfingern sicher. Falschspieler nahmen ihre Zeitgenossen mit Taschenspielertricks und gezinkten Würfeln aus. Doch waren das nur kleine Fische verglichen mit Geldfälschern, die im großen Stil Wirtschaftskriminalität betrieben. Unzählige Funde von Falschmünzerförmchen verdeutlichen, wie verbreitet ihr „Handwerk" gewesen ist, obwohl darauf die Todesstrafe stand. Denn für den römischen Staat war dieses Delikt besonders gefährlich.

Oft war es bittere Armut, die viele Menschen in die Kriminalität trieb. Doch auch offizielle Amtsträger, ranghohe Militärs und Senatoren konnten zu skrupellosen Tätern werden. Korruption gehörte zum politischen Tagesgeschäft. Wie konnte man als Opfer eines Verbrechens Gerechtigkeit erlangen? Die zuständigen Offiziellen konnten häufig nicht helfen. Viele Geschädigte suchten Zuflucht in okkulten Praktiken. Sie verwünschten die Übeltäter mit Flüchen voller Unglück, Krankheit und Tod – der brennende Wunsch nach Vergeltung ist auch heute noch hautnah zu spüren.

Geriet ein Verbrecher in die Hände der Justiz, wurde ihm der (oftmals kurze) Prozess gemacht. Haftstrafen gab es nicht. Verurteilte Übeltäter erwartete eine Geldstrafe, Verbannung, Schinderei in den Bergwerken oder die Hinrichtung. Besonders grausam war das Zerfleischen durch wilde Tiere oder die Kreuzigung. Zur Abschreckung vollstreckte man Hinrichtungen gerne öffentlich in Amphitheatern. Damals wie heute übte das Verbrechen eine besondere Faszination auf die Menschen aus.

Ein umfangreicher Begleitband zur Ausstellung ist an der Museumskasse erhältlich (450 Seiten, 19,90 ¤).

Es gelten die normalen Öffnungszeiten und Eintrittspreise.>

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Welt online, Logo

8.7.2011: Hohe Kriminalität im "Alten Rom" - Polizei gab es nicht

aus: Welt online: Strafverfolgung im Alten Rom: "Auf dass er weder urinieren, kacken, reden kann"; 8.7.2011;
http://www.welt.de/kultur/history/article13471783/Auf-dass-er-weder-urinieren-kacken-reden-kann.html

<Es gab keine Polizei, Menschenhandel war erlaubt, Prostitution steuerpflichtig. Die Römermuseum Xanten beschäftigt sich mit der Kriminalität im antiken Rom.

Den Kopf sollte man dem Dieb abreißen, ihm das Augenlicht nehmen oder ihn am besten gleich in die Hölle schicken – wer im alten Rom Opfer eines Betrugs oder Raubes wurde, wusste sich oft nicht anders zu helfen als mit Flüchen und Verwünschungen. Zwar hatte das Römische Reich ein ausgefeiltes Justizwesen, das teilweise bis heute fortlebt, doch eine Polizei gab es nicht.

Kein Wunder, dass viele auf okkulte Praktiken setzten und die Götter zu beschwören versuchten. Die Flüche ritzten die Opfer in ihrer Hilflosigkeit auf Bleitäfelchen und vergruben sie. Rasend vor Wut muss ein Mann gewesen sein, dem der Umhang in einer Therme gestohlen wurde, der seinem Ärger auf einem Fluch-Täfelchen Luft machte. "Auf dass er weder urinieren, kacken, reden, schlafen oder wachen kann, weder Wohlergehen noch Gesundheit hat!"

Unmengen von Schlüsseln

Rom war ein gefährliches Pflaster. Das LVR-Römermuseum in Xanten am Niederrhein zeigt erstmals zahlreiche archäologische Funde und antike Textquellen zu Verbrechen, Strafverfolgung und Rechtsprechung im Römischen Reich. "Der Römer war sehr abergläubisch", sagt der Leiter des Museums und Archäologe Marcus Reuter. Außerdem waren die Bürger Roms in ihrem Sicherheitsbedürfnis wahre Schlüsselfetischisten. "Die Römer schlossen alles ab, vom großen Portal bis zum kleinen Schmuckkästchen", sagt Reuter. "Unmengen von Schlüsseln wurden bei Ausgrabungen gefunden."

Schutz bieten sollten auch Fabelwesen wie Seeleopardinnen oder Medusenköpfe, die in Bronze gegossen an prominenter Stelle an den Haustüren angebracht waren. Geldschätze wurden in der Fußbodenheizung vergraben oder in die Wand eingemauert. Mosaike mit Hunde-Darstellungen warnten vor dem bissigen Wachhund ("Cave Canem").

Schädel von Mordopfern werden in Xanten ebenso gezeigt wie eiserne Fußfesseln und eine ganze Armee von Terrakotta-Wachhunden, die nur in Gräbern gefunden wurden und offenbar Schutz vor Grabräubern bieten sollten. Damals wie heute kämpften Staaten auch gegen Seeräuberei. Einen Coup landete Caesars Gegenspieler Pompeius im Mittelmeer: Durch ein verlockendes Amnestieangebot soll er schlagartig Hunderte Ex-Piraten in Kleinasien neu angesiedelt haben.

Menschenhandel, Prostitution und Zuhälterei waren legal in der römischen Antike. Käufliche Liebe war steuerpflichtig. Ehebruch dagegen war ein anzeigepflichtiges Verbrechen. Die Vergewaltigung einer verheirateten Frau konnte mit dem Tod bestraft werden – eine Verjährungsfrist gab es nicht.

Im Vorprogramm der Spiele

Umfangreiche Protokolle von Gerichtsverhandlungen zeugen von einem entwickelten Rechtswesen. Die Justiz machte mit den Verbrechern dann aber größtenteils kurzen Prozess. Haftstrafen gab es nicht. Verurteilte erwartete eine Geldstrafe, Verbannung, Schinderei in Bergwerken oder ein grausamer Tod.

Für einen günstigen Preis konnten Finanzprokuratoren zum Tode verurteilte Verbrecher außerdem für Volksfeste zum Zerfleischen durch wilde Tiere weitergeben. Sträflinge wurden Löwen und Tigern immer nur im Morgenprogramm an den Amphitheatern vorgeworfen, der Nachmittag gehörte voll und ganz den Gladiatoren.

LVR-Römermuseum Xanten, bis 12. Februar 2012

dpa/bas>

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17.7.2011: Nachbau römischer Waffensysteme

aus: Welt online: Belagerungswaffen. Enthusiasten bauen antikes Kriegsgerät nach; 17.7.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/article13484752/Enthusiasten-bauen-antikes-Kriegsgeraet-nach.html

<Autor: Carola Harather

Römer haben die Kriegsmaschinen der Griechen modifiziert und perfektioniert. Es entstanden Waffen, die für Belagerungen unentbehrlich waren. Heute werden sie wieder gebaut.

Wir schreiben das Jahr 73 nach Christus. Masada fällt. Die Festung am Ostrand der judäischen Wüste hält der Belagerung der Römer nicht mehr stand. HIstoriker Flavius Joseph schildert in "Geschichte des jüdischen Krieges" sowohl die Eroberung, als auch den kollektiven Selbstmord der Unterlegenen. Zu groß war deren Angst vor römischer Gefangenschaft. Feldherr Flavius Silva hat gesiegt – und mit ihm seine 15.000 Mann.

Eine noch heute erhaltene Erdrampe (agger) zeugt von der Kunst des Krieges. Die Römer hatten sie bis zu der Mauer der Festung gebaut. Eine bei ihnen übliche Technik, denn nur der Bau eines Aggers sicherte den Einsatz schwerer Kriegsgeräte. Um bei der Arbeit Angriffen von Feinden nicht ausgeliefert zu sein, schirmten sich die Soldaten mit einem Schutzdach auf Rollen ab.

Nach der Fertigstellung der Rampe wurden darauf Wandeltürme herangeschoben. Vermutet werden Türme von 20 Meter Höhe. Da es jedoch keine zuverlässigen historischen Belege gibt, sind diese Angaben rein hypothetisch zu sehen.

In den oberen Bereichen mit Geschützen ausgerüstet, dienten unten eingebaute Widder zum Einreißen der Mauer. War ein Widder nicht eingebaut, sondern eine selbstständige Kampfwaffe, bestand er aus einem niedrigen Schutzhaus mit einem Baumstamm. Mit Stricken - befestigt am hinteren Ende - setzten Soldaten den Balken in Bewegung. Der vordere Teil war mit Eisen beschlagen, häufig in Form eines Widderkopfes, und damit namensgebend für die Ramme.

Aber die wichtigste, die Standardwaffe in der Antike, war das Torsionsgeschütz. Griechen und Römer bedienten sich gleichermaßen dieser Technik, bei der Sehnenbündel schraubenförmig mit dem Spannbolzen gespannt werden: Drehspannung entsteht. Während bei einfachen Handbögen die Elastizität von Holz genutzt wird, werden in diesem Fall Nacken- und Sprunggelenksehnen von Stieren eingesetzt.

Die Römer unterschieden zwei Arten: einarmige Torsionsgeschütze und zweiarmige Torsionsgeschütze. Erstere werden Onager (griechisch für Wildesel) genannt und sind ein Schleudergeschütz. Bei den Zweiarmigen wird eine Einteilung in Pfeilgeschütze (römisch Catapultae) und Wurfgeschütze (römisch Ballistae) vorgenommen. Unter Catapultae versteht man direkt richtende Pfeilgeschütze, während Ballistae im indirekten Beschuss Steine gegen ein sich in Deckung befindendes Ziel schießen. Obwohl die Konstruktionen Unterschiede aufweisen, funktionieren sie nach den gleichen Grundsätzen.

Marcus Vitruvius Pollio, in Schriften später meist nur "Vitruv" genannt, hat die Bauweise der Maschinen für die Nachwelt festgehalten. Der römische Militärtechniker und Ingenieur lebte in der Zeit Julius Caesars. Berühmt ist sein zehntes Buch des Hauptwerkes "Zehn Bücher über die Baukunst" (De architectura libri decem), in dem Vitruv Kriegsgeschütze und Werkzeuge beschreibt.

Folgt man seinen Anweisungen für den Bau einer Catapulta, so zeigt sich, dass ein Bestandteil entscheidend für die Konstruktion ist: die Länge des abzuschießenden Pfeiles. Die Größe der Spannlöcher beträgt den neunten Teil der Pfeillänge – und anhand dieser Spannlöcher wird der Großteil der verwendeten Teile gemessen.

Das Kernstück der Ballistakonstruktion ist ein senkrechter hölzerner Rahmen. Mittels zwei weiterer Balkenstücke wird er in drei Rahmen unterteilt. In den beiden Äußeren befinden sich Sehnenstränge, eingelassen in Spannbuchsen. Zwischen diesen werden starre hölzerne Arme eingeschoben – die äußeren Enden verbunden mit weiteren Sehnen.

Das Prinzip der Torsion kommt zum Einsatz: Die gedrehten Sehnenbündel rufen eine Spannung hervor. Die Bogensehne wird durch eine Windenkonstruktion bis zum Einrasten durch eine Sperrklinke zurückgezogen. Bei Entriegelung schnellen die Arme hervor und schleudern das Geschoss weg.

Die Beschreibung eines Onagers stammt hingegen von Ammianus Marcellinus. Geboren gegen 330 nach Christus handelt es sich bei ihm um einen Historiker der Spätantike. Der Arm des Torsionsgeschützes ist durch die Mitte eines Sehnenbündels gesteckt.

Am oberen Ende befindet sich eine Schleuder. Eine Winde hilft den Schleuderarm zurückzuziehen und ein Riegel sichert die Stellung. Es entsteht, wie bei den zweiarmigen Torsionsgeschützen, eine starke Spannung. Nach Entriegelung schleudert der Arm den Stein ab und prallt gegen ein Widerlager bestehend aus Heu oder Haaren.

Kampfgeräte waren damals wie heute ein wesentlicher Bestandteil der Kriegsführung. "60 bis 80 Stück der Maschinen wurden pro Legion verwendet", so Oliver Stoll, Professor für Alte Geschichte an der Universität Passau. Legionäre und Architekten trugen die Verantwortung für die Geräte. Die Anreise mit den Geschützen war zumeist nicht möglich. Bestandteile, insbesondere Metallteile, wurden vorgefertigt und mitgenommen – Holz oft vor Ort verwendet, führt Stoll an.

Die Faszination gegenüber der Technik ist ungebrochen. Heutige Versuche, das Leben in der Antike zu rekonstruieren und nachzuvollziehen, zeugen davon. Der Verein "I. Roemercohorte Opladen e.V“ hat einige der antiken Kriegsgeräte nachgebaut. Nach Vitruvs Anleitung stellten sie eine Ballista fertig – mit einem Gewicht von knapp einer Tonne, einer Höhe von 2,30 Meter und einer Munition von 2,8 Kilogramm.

In der Antike existierten unterschiedlich große Ballistae mit einer Höhe von bis zu 9 Meter. Die maximale Reichweite betrug 700 Meter, jedoch war im Kampf nur eine Distanz von 300 bis 350 Meter effektiv.

Der Verein verfügt ebenso über einen Nachbau eines Scorpios – eines kleinen Pfeilgeschützes. Funde und Beschreibungen aus Vitruvs Zeit ermöglichten die Rekonstruktion. "Das Geschütz hat Originalgröße und ist in etwa 1,20 bis 1,30 Meter hoch“, erklärt Klaus Schwab, Vorsitzender des Vereins.

Verwendet werden hölzerne Pfeile von 60 Zentimeter Länge, zwei Zentimeter Durchmesser und 200 Gramm Gewicht – eine Spitze, geschmiedet aus Eisen. Ein Geschütz dieser Größe verfügt über eine maximale Reichweite von 300 Meter. Im Gefecht erweist sich eine Distanz von 120 bis 150 Metern als wirkungsvoll.

Antike Geschichtsschreiber geben einen Einblick in die Waffen der damaligen Zeit. Aber nicht jede Frage kann durch die erhaltenen Schriften beantwortet werden. Vieles ist umstritten, vieles bleibt im Verborgenen. >

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Rom 22.7.2011: Im Mittelalter mutierte das Kolosseum zum Einkaufszentrum

aus: n-tv online: Nicht nur Gladiatorenkämpfe: Römer shoppten im Kolosseum; 22.7.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Roemer-shoppten-im-Kolosseum-article3877156.html

<Archäologen legen im Kolosseum Überreste einstiger Geschäfte und Wohnungen frei. Damit ist klar, dass in der meistbesuchten Attraktion Roms nicht nur gekämpft wurde.

Das weltbekannte Kolosseum in Rom war nicht nur eine Arena für dem Tod geweihte Gladiatoren: Wie italienische Archäologen jetzt feststellten, wurde im größten Amphitheater der Antike im Mittelalter auch gewohnt und eingekauft. Italienische Medien berichten, dass Forscher des Kulturministeriums in Zusammenarbeit mit der römischen Universität "Roma Tre" Überreste einstiger Geschäfte und Wohnungen freigelegt hätten.

"Die Funde zeigen genau das, was wir aus anderer Quelle schon wussten: Dass das Kolosseum im 12. und 13. Jahrhundert als Wohn-, Einkaufs- und Arbeitsraum genutzt wurde", sagte der Archäologieprofessor Riccardo Santangeli Valenzani, der die Ausgrabungen begleitet. Seine Studenten fanden unter anderem Überbleibsel einer Feuerstelle, Münzen und Keramikreste sowie ein mittelalterliches Becken zur Weinkonservierung.

Das größte Amphitheater der Antike für weit mehr als 50.000 Zuschauer wurde zwischen 72 und 80 nach Christus unter Kaiser Vespasian erbaut. Die Einweihung mit blutigen Spielen übernahm im Jahr 80 nach Christus dessen Sohn, Kaiser Titus. Über Jahrhunderte blieb das sogenannte "Amphiteatrum Flavium" der Schauplatz grausamster Gladiatorenkämpfe und auch inszenierter Seeschlachten. Heute gehört es mit über vier Millionen Besuchern jährlich zu den meistbesuchten Attraktionen Roms.

dpa>

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Arles (Frankreich) 29.7.2011: Römischer Lastkahn soll gehoben werden

aus: n-tv online: Vor 2000 Jahren gesunken: Römischer Kahn kommt ans Licht; 29.7.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Roemischer-Kahn-kommt-ans-Licht-article3921801.html

<Fast 2000 Jahre ist es her, dass er in der Nähe der südfranzösischen Stadt Arles gesunken ist. Nun soll der römische Lastkahn aus der Mitte des 1. Jahrhunderts geborgen werden. Es sei das "einzige komplett erhaltene römische Schiff aus dieser Epoche", betont Claude Sintes, Direktor des Museums für Altertümer "Arles Antique". Seinen guten Zustand verdankt das Wrack dem schlammigen Grund der Rhône, in dem es seit zwei Jahrtausenden in rund acht Meter Tiefe liegt.

Die Bewohner von Arles, das einst ein wichtiges römisches Handelszentrum war, haben zudem im Laufe der Jahrhunderte Tausende von Gegenständen in den Fluss geworfen. Das Wrack sei daher von einer gut drei Meter dicken Schicht aus antiken Gegenständen bedeckt gewesen, die es zusätzlich geschützt habe, erläutert Sintes. Diese Schicht ist dem Archäologen zufolge mittlerweile vollständig abgetragen: Bei mehreren Ausgrabungen seit 2008 wurden beispielsweise gut 2000 Amphoren, an die 10.000 Keramikteile, ein 20-armiger Leuchter und ein fast vollständiges Service aus Bronzegeschirr geborgen. Sogar einen gezinkten Würfel, der offenbar einem schummelnden Spieler gehörte, holten die Taucher aus dem Wasser.

Aus unbekannten Gründen gesunken

Die Ladung des rund 31 Meter langen, flachen Lastkahns bestand aus rund 27 Tonnen gemeißelten Steinen. Sie stammten aus Steinbrüchen rund um das 17 Kilometer nördlich von Arles gelegene Städtchen Beaucaire und waren für den Bau bestimmt. Außerdem fanden die Archäologen in dem Schiff, das aus bisher unbekannten Gründen gesunken ist, zahlreiche Seile, eine Küche mit Backofen, Geschirr, auf dem der Name der Matrosen eingraviert wurde, und diverse Werkzeuge.

"Dieses Schiff ist weltweit einmalig - es liefert uns zahlreiche Hinweise über den Handel und den Transport auf Flüssen im ersten Jahrhundert", sagt Sintes. Die in den Fluss geworfenen Haushaltsgegenstände wiederum gäben Aufschlüsse über den Warenverkehr zwischen Nordeuropa und dem Mittelmeerraum, bis hinein ins sechste Jahrhundert nach Christi.

27 Tonnen Steine sind zu bergen

In den vergangenen Wochen haben Taucher das Wrack freigeräumt und Tag für Tag hunderte von Gegenständen nach oben geholt. Nun müssen sie noch Stück für Stück die 27 Tonnen Steine bergen, von denen jeder zwischen drei und sieben Kilogramm wiegt. Anschließend wird das Wrack in rund ein Dutzend Teile zertrennt, bevor die Bergungsaktion beginnen kann. "Wir warten noch einige Tage, weil die Rhône nach heftigen Regenfällen sehr aufgewühlt ist, was die Sicht unter Wasser erschwert", erläutert eine Sprecherin des Museums, das die Bergungsarbeiten koordiniert. Sie rechne damit, dass die Schiffsteile ab Anfang August nach oben geholt werden können. Die Aktion werde vermutlich bis in den späten Herbst dauern.

Die Einzelteile des Lastkahns werden dann in ein Speziallabor in der Alpen-Stadt Grenoble gebracht, wo sie mit Harzen konserviert werden sollen. Wenn dies geschehen ist, wird der Kahn wie ein Puzzle wieder zusammengesetzt. Die Öffentlichkeit kann das seltene Stück ab 2013 bewundern. Es soll in einem eigens dafür gebauten neuen Flügel des Museums "Arles Antique" ausgestellt werden. Die Ausgrabungsarbeiten und die spektakuläre Bergung des Schiffes werden in einer Ausstellung dokumentiert, die bis Mai kommenden Jahres in dem Museum zu sehen ist. Die Kosten der gesamten Operation beziffert das Museum auf acht bis neun Millionen Euro.

Reiche Sammlung aus der Römer-Zeit

Das Schiff verschafft Arles ein neues Glanzstück in seiner bereits reichen Sammlung aus der Römer-Zeit. Unter anderem kann die Stadt mit ihren rund 54.000 Einwohnern ein Amphitheater, Arenen und die prachtvollen Konstantin-Thermen vorweisen, die von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft wurden. Bei Ausgrabungen im Bett der Rhône wurden 2008 zudem eine lebensgroße Statue des betagten Julius Cäsar und eine rund 1,80 Meter hohe Neptun-Statue geborgen. Auch sie sind im Museum "Arles Antique" zu sehen.

Tristan Malle, AFP>

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n-tv online, Logo

20.8.2011: Römische Amphoren im Meer vor Marseilles versenkt - als "Attraktion" für Taucher

aus: n-tv online: Neue Taucherattraktion: Antike Amphoren versenkt; 20.8.2011;
http://www.n-tv.de/reise/Antike-Amphoren-versenkt-article4096946.html

<Der legendäre Forscher und Abenteurer Jacques-Yves Cousteau hatte sie einst geborgen, nun wurden sie wieder im Meer versenkt: 250 antike römische Amphoren ruhen seit dieser Woche in 14 Metern Wassertiefe vor Marseille. Die Tongefäße sollen Hobbytauchern als Attraktion dienen. Die etwa 20 Kilogramm schweren Stücke - alle nicht mehr vollständig erhalten - wurden demnach einzeln auf den Meeresgrund gesetzt und mit Stahldraht befestigt.

Versuchsweise waren die ersten Stücke bereits im vergangenen Sommer am Meeresboden befestigt worden. Ausgegangen war die Initiative vom Vorsitzenden des örtlichen Tauchclubs. Die Amphoren, die angeblich keinen wissenschaftlichen Wert mehr haben, hatten Cousteau und seine Mannschaft in den 50er Jahre geborgen.

AFP>










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