
Die Hungersnot
in der
Ukraine 1932-1933
Planmässiger
Massenmord an 6 Millionen Bauern
zur Durchsetzung der "Kollektivierung"
unter Stalin
von Michael
Palomino (2000 / 2005)
aus:
Stephane
Courtois / Nicolas Werth / Jean-Louis Panné / Andrzej
Paczkowski / Karel
Bartosek / Jean-Louis Margolin: Das
Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror.
Mitarbeit:
Rémi Kauffer / Pierre Rigoulot / Pascal Fontaine / Yves
Santamaria / Sylvain Boulouque. Piper-Verlag,
München, Zürich, 1998
Zusammenfassung
Die
Grausamkeit des Stalin-Regimes, Hungersnöte als politisches Mittel
einzusetzen, kann an diesem Beispiel exemplarisch nachvollzogen werden.
Bis zur
Perestroika wurde die Hungersnot verleugnet. Die Daten sprechen für
sich
selbst. Um so mehr muss denjenigen Menschen entgegengetreten werden,
die bis
heute behaupten, das Stalin-Regime hätte auch "gute Seiten" gehabt. Das
Stalin-Regime war Vorbild für das Hitler-Regime. Hitler und Teile
Europas wie die
"USA" bezogen aus den Stalinschen Grausamkeiten 1940 ihre moralische
"Berechtigung",
ebenso grausam zu sein.
Bis
heute wollen gewisse Regierungen meinen, eine Berechtigung zu
Grausamkeiten
zu haben...
Michael
Palomino
Dezember
2000 / März 2005
Chronologie
1918/1921
Sowjetunion: Erbitterter Widerstand der
Bauern gegen Beschlagnahmungen
v.a.
in der Ukraine und Nord-Kaukasus, den fruchtbarsten Gebieten
(S.188).
1920
Nord-Kaukasus: Deportation der
Stanitsy-Kosaken
(S.182)
ab 1921
Sowjetunion: Lenins Wirtschaftpolitik "NEP"
(Nowaja Ekonomitscheskaja Politika)
Bauern können ihre Ernte verteilen und eine eigene
Viehzucht
aufbauen:
--
12-15% wird als Saatgut zurückgelegt
--
25-30% kann dem Vieh verfüttert werden
--
15-20% wird frei verkauft
-- der
Rest, mindestens 30%, bleibt für den Eigenbedarf (S.179).
1921/1922
Sowjetunion: Hungersnot - Appelle an
Hilfsorganisationen
Mit
den Appellen an internationale Hilfsorganisationen gibt das
kommunistische
Regime die Hungersnot in der Sowjetunion zu (S.178).
Ende
1928
Sowjetunion: Straflagerkapatzität:
30.000
(S.170)
ab
Anfang 1929
Sowjetunion: Steuererhöhungen gegen
Kulaken - Verarmung
Eintreten
starker Verarmung bei den Kulakenbetrieben durch
Steuererhöhungen
(S.166).
Plan
zur
Entkulakisierung und zur Einrichtung von Kolchosen/Kollektivierung -
3 Kategorien
von Kulaken: Vernichtung des politischen Gegners -
Nomadenvernichtung in Kasachstan - Bereicherung bei
Beschlagnahmungen - hohe Sterblichkeit und Chaos bei Deportationen bis
zur "Deportationsaussetzung"
und Massentod
ab Nov
1929
Sowjetunion: Molotows
Kollektivierungsplan zur Entmachtung der Kulaken - Zustimmung des ZK
Molotow
wirbt vor dem Zentralkomitee ZK für einen neuen
Kollektivierungsplan,
um einen Durchbruch in der Wirtschaft und Kollektivierung schaffen zu
können.
Als Begründung führt er an, dass Russland einen direkten Angriff durch
"die
Imperialisten" fürchten müsse. Das ZK stimmt zu (S.165).
27.12.1929
Sowjetunion:
Stalin: Ankündigung der Liquidierung der Kulaken als Klassen
Gründung einer Liquidierungskommission unter Molotow: 3
Kategorien von
Kulaken
Stalin
kündigt an, gegenüber den Kulaken von "ausbeuterischen Tendenzen
[...] zur Liquidierung der Kulaken als Klasse" überzugehen. Stalin
lässt eine
Kommission zur Liquidierung der Kulaken unter Molotow gründen.
Einteilung der
Kulaken in drei Kategorien:
- Kulaken der 1.Kategorie: 60.000
Familien, die in "konterrevolutionäre Aktivitäten verwickelt" sind,
sollen
verhaftet und mitsamt Familie in die Arbeitslager der GPU gebracht
werden, bei
Widerstand hingerichtet werden (S.165), der Besitz beschlagnahmt werden
- Kulaken der 2.Kategorie: sind
Bauern mit "weniger starker Opposition", sind aber dennoch
"fürchterliche
Ausbeuter". Durch "Hinweise" von "Aktivisten" der jeweiligen
Regionen, d.h. durch Denunziation durch drei bis vier arme Bauern an
einen
KP-Funktionär, sollen die mittelreichen Bauern als Kulaken
abgestempelt,
beraubt und deportiert werden
- Kulaken der 3.Kategorie: sind die
Bauern, die zur Stalin-Regierung "loyal" sind, sollen am Rand der
Distrikte angesiedelt werden, um Steppe zu kollektivieren: "ausserhalb
der
kollektivierten Zonen, auf Feldern, die die Bodenverbesserung
benötigen.
Vorgehen ebenfalls mittels Denunziation durch drei bis vier arme Bauern
an
einen KP-Funktionär.
Die
realen Bedingungen:
Die
KP-Funktionäre müssen auf alte Steuerlisten zurückgreifen, weil die
Kulakenbetrieben zum Teil schon am Verarmen sind
--
insgesamt sollen 3-5% aller Kulakenbetriebe liquidiert werden
-- die
Aktion soll durch den Geheimdienst GPU, die Partei und die
lokalen
Exekutivkomitees ausgeführt werden
-- die
Verhaftungen und Enteignungen sind von "Spezialbrigaden"
durchzuführen, bei den Kulaken der 1. Kategorie durch die politische
Polizei
(S.166).
Die
Anzahl Enteignungen ist als Richtwert vorgeschrieben, womit
ungerechte
Verhaftungen in Massen vorprogrammiert sind (S.167).
1930
Kasachstan: Kollektivierung, Enteignung:
Nomaden verlieren 80% des Viehbestandes
(S.188).
Die Kollektivierung zu Kolchosen zerstört die dortige
Nomadenwirtschaft (S.182).
ab
Anfang 1930
Sowjetunion: Kollektivierung und
Kolchosenwirtschaft - hohe Landwirtschaftsabgaben für 4-Jahres-Plan
Der
Staat verlangt einen viel zu grossen Teil für sich, so dass für die
Bauern
und die Regionen relativ wenig übrigbleibt. Die Steuersätze für die
Kolchosen:
-- in
der Ukraine: 30%
-- im
reichen Kubangebiet und im nördlichen Kaukasus: 38%
-- in
Kasachstan: 33% (S.179).
5.1.1930
Sowjetunion: Präsentation des
Kollektivierungsplans - "Richtwert" 60.000 - 45.000 nach
Nordrussland, 15.000 ins Uralgebiet
--
Beginn der Kollektivierung im nördlichen Kaukasus und am unteren und
mittleren Abschnitt der Wolga, geplanter Abschluss bis Herbst 1930
--
Abschluss der Kollektivierung in den rechtlichen
Getreideanbaugebieten im
Herbst 1931 (S.165). Richtwert von Jagoda: 60.000 für die Kulaken der
1.Kategorie, die zu verhaften sind, was von der GPU ausgeführt werden
soll
(S.169).
Deportationsplan
des Politbüros: 60.000 Familien bis Ende April, davon
45.000
nach Nordrussland [ans Weisse Meer] und 15.000 ins Uralgebiet (S.171).
Anfang
1930-1931
Sowjetunion: Deportation von 1,8 Mio. Bauern zur
Zwangskollektivierung
von
Agrarland
100.000e
sterben auf den Deportationen (S.165).
Deportiertensterblichkeit liegt
um die 10% jährlich (S.175).
ab
Anfang Jan 1930
Sowjetunion: Entkulakisierung: Die
Praxis ist Bereicherung - Beginn der Revolten
Statt
den Besitz der Kulaken zu beschlagnahmen und den Fonds der
Kolchosen
weiterzuleiten, kommt es zu hemmungsloser Bereicherung durch arme
Bauern und
Spezialbrigaden (S.166), z.T. zu "Abrechnungen" unter den Bauern in
alten
Fehden. Es wird alles beschlagnahmt, inklusive Kleider und Geschirr.
Die Güter
werden für lächerliche Preise versteigert. Der Raub geht ins
Unermessliche,
weil die "Richtwerte" erfüllt werden müssen oder sogar zu übertreffen.
Um
Beschlagnahmungen zu rechtfertigen, werden unmögliche Gründe
erfunden. Der
Verdacht einer nicht dem Sozialismus entsprechenden Handlung reicht zur
Plünderung und Deportation aus. Solche Verdachtsmomente sind:
--
Vorwurf der Privatschlachtung
--
Vorwurf, einen Bauern eine gewisse Zeit beschäftigt zu haben,
--
Vorwurf, illegale Geschäfte betrieben zu haben
--
Vorwurf, unter dem Zar als Offizier gedient zu haben
--
Vorwurf, religiös zu sein
--
Vorwurf, gegen die Entkulakisierung Widerstand zu leisten (S.167).
In der
Folge kommt es zu 402 registrierten Revolten und
Massenkundgebungen von
Bauern gegen Kollektivierung und Entkulakisierung (S.167).
Feb
1930
Sowjetunion: 1048 Revolten gegen die
Entkulakisierung
(S.167),
v.a. in der West-Ukraine [wegen Kontakten mit Polen und
Westeuropa],
dem nördlichen Kaukasus- und Schwarzerdegebiet.
Die
Männer schicken ihre Frauen vor, die Frauendemonstrationen
organisieren, in
der Meinung, dass die Polizei den Frauen weniger antun werden als wenn
Männer
demonstrieren (S.168).
Anfang
Feb 1930
Sowjetunion: Beginn der Deportation der
Kulaken der 2. Kategorie
Plan:
bis Ende April 60.000 Familien deportieren, 45.000 in den Norden,
15.000
in den Ural (S.171).
Feb
1930-Dez.1931
Sowjetunion: Deportation von rund
1.800.000 Entkulakisierten
(S.174)
15.2.1930
Sowjetunion: Geheimbericht der GPU:
64.589 "Liquidierungen"
das Plansoll ist um 4589 übertroffen worden.
Darunter
sind aber nicht nur Kulaken, sondern auch "fremde Elemente",
um
die Distrikte zu "reinigen":
--
Polizisten des alten Regimes des Zaren
--
alte "weisse Offiziere"
--
Geistliche und Nonnen
--
Bauern mit Handwerksbetrieben
--
ehemalige Händler
--
Mitglieder der dörflichen Intelligenz (S.169).
Die
Deportationen in Arbeitslager haben begonnen. Über
Hinrichtungen schweigt sich der Bericht aus (S.170).
16.2.1930
Sowjetunion: Stalin-Befehl zu
Deportationen von 15.000 Familien nach Sibirien
an den
regionalen Parteisekretär Westsibiriens, Eiche: 15.000 Familien
nach
Sibirien bis Ende April.
Stalin:
"Es
kann nicht akzeptiert werden, dass Sibirien und Kasachstan
angeblich
keine Deportierten aufnehmen können. Sibirien muss bis Ende April
unbedingt
15.000 Familien aufnehmen."
Eiche
antwortet, dass die Ansiedlung von 15.000 Familien in Sibirien 40
Mio.
Rubel kosten werde. In der Folge erhält Eiche das Geld aber nie (S.171).
ab
16.2.1930
Sowjetunion: Deportationen von 15.000
Kulakenfamilien der 2. Kategorie nach Sibirien
40
Leute pro Güterwagen, 480 kg Gepäck pro Familie.
-- es
fehlt jede Kooperation
-- es
fehlen Hausbauten, wochenlanges Unterbringen der Bauern in
Bahnhöfen,
Kasernen
--
viele Bauern können flüchten
-- die
Deportationszüge bleiben fast alle in grossen Rangierbahnhöfen
stecken,
so dass es zu regelrechten Bahnhofslagern kommt: in Wologda, Kotlas,
Rostow,
Swerdlowsk, Omsk
-- die
Bevölkerung oder auch Bahnarbeiter schreiben Protestbriefe über
die
Zustände auf den Bahnhöfen, was aber nichts nützt (S.171).
Feb/März
1930
Sowjetunion: Keine Koordination des
Bauernwiderstands - Stalin beginnt mit Säuberungen
Die
Bauern schaffen es nicht, eine zentrale Organisation zu gründen,
die den
Widerstand gegen das Stalin-Regime koordiniert.
In der
Folge reagiert das Stalin-Regime mit Säuberungen und dem Vorwurf
der
Rebellion gegen das Regime, vor allem in der West-Uktraine:
--
über 15.000 Festnahmen in der Westukraine
--
26.000 Festnahmen in anderen Teilen der Ukraine
-- 650
Hinrichtungen
--
20.200 Todesurteile (S.169).
ab
1.3.1930 ca.
Gulag: "Unterbringung" der
Deportierten: Aussortieren und Siedlungsbau
Aussortieren
der arbeitsfähigen Männer, provisorische Unterbringung der
Familien
(S.171) in Barackenlagern, die Männer müssen unter Überwachung die
Siedlungen
bauen, die "abseits von den Verkehrswegen" liegen müssen, sind Strecken
von 100en von Kilometern, die jeweils mit Wagen oder Schlitten
zurückgelegt
werden (S.172).
2.3.1930
Sowjetunion: Pressekampagne Stalins
gegen die Bereicherung der Entkulakisierer. Artikel: "Der Rausch des
Erfolgs"
in allen grossen Zeitungen mit Anprangerung der
Erfolgssucht
der
lokalen
Funktionäre, die massenweise Kulaken nur wegen dem Richtwert in die
Kolchosen
gezwungen haben (S.167-168).
ab
3.3.1930
Sowjetunion: Bauernflucht von den
Kolchosen und Rückeroberung der geraubten Güter
Reaktion auf den Artikel "Der Rausch des Erfolgs":
-- 5
Millionen Bauern verlassen die Kolchosen
-- die
Beraubten holen sich zum Teil mit Gewalt und in aufständischen
Gruppen
das Gerät und Vieh zurück, das ihnen von armen Bauern geraubt worden war
-- es
kommt zu 6500 Massenkundgebungen, davon werden 800 mit Gewalt
niedergeschlagen, Tod mehrerer 100 Beamten, Anschläge, Tod mehrerer
1000 Bauern
(S.168).
ab
Anfang März 1930
Sowjetunion: Beginn der Deportation der
Kulaken der 3. Kategorie - Hungermärsche
müssen
zum Teil 100e von Kilometern zu Fuss gehen wegen Pferdemangel,
zum Teil
Strecken von über 300 km
--
können ohne Pferde kein Gepäck mitführen
--
haben kaum Werkzeug für den Siedlungsbau
--
müssen in der Steppe Erdlöcher graben, die dann mit Ästen und Laub
überdeckt
werden
--
werden bei Baustellen in Baracken
mit Dreierpritschen gehalten (S.172).
Ende
März 1930
Sowjetunion: Bilanz: 6528 Revolten gegen
die Entkulakisierung - Eskalation gegen Staatseinrichtungen
Da die
Bauern, die geplündert haben, nichts des geraubten Gutes abgeben
wollen,
schweissen sich die Dorfgemeinschaften wieder zusammen (S.167).
Es
kommt zur Plünderung von Verwaltungsgebäuden, Bauernkomitees
übernehmen
tagelang die Verwaltung ganzer Städte.
Forderungen:
--
Rückgabe der geraubten Güter und des Besitzes
--
Auflösung der Kolchosen
--
Wiedereinführung der Handelsfreiheit
--
Wiedereinführung der Kirche (S.168).
Rückkehr
der bereits Deportierten (S.168-169), Abschaffung der
bolschewistischen Macht in der Ukraine und Wiederherstellung der
Unabhängigkeit
(S.169).
In der
Folge muss die Stalin-Regierung ihre Pläne zur Kollektivierung
ändern.
Er plant eine landesweite Kampagne gegen die, die sich an den Kulaken
bereichert haben (S.167).
Anfang
April 1930
Sowjetunion: Stalin nimmt den Terror der
Entkulakisierung zurück
aber immer noch 1992 Aufstände und Kundgebungen. Stalin
lässt
aber
seinen
Wirtschaftsplan weiterlaufen (S.168).
Sommer
1930
Sowjetunion: Aufbau eines Netzes von
Arbeitslagern unter der GPU - Strassen-, Eisenbahn- und Fabrikbau
vom
Gefängniskomplex auf den Solowki-Inseln ausgehend bis zur
Weissmeerküste
von Karelien bis Archangelsk. Über 40.000 Häftlinge bauen die Strasse
von Kem
nach Uchta, fällen Holz für den Export über Archangelsk.
--
nördlicher Lagerverband: 40.000: Bau der Eisenbahnlinie von Ust nach
Sysolsk
und Uchta
--
fernöstlicher Lagerverband: 15.000: Bau der Eisenbahnlinie nach
Bogutschatschinsk
--
Lagerverband von Witschera: 25.000: Bau des Chemiekombinats von
Beresniki im
Ural
--
sibirischer Lagerverband: 24.000: Bau der Eisenbahnlinie
Tomsk-Jenisseisk,
und Bau des Hüttenkombinats von Kusnetsk (S.170).
Weissmeerkanal-Beschluss
Erweiterung von 30.000 Insassen Ende 1928 auf 140.000
Insassen, die
gut
arbeiten, was Stalin zu neuen Grossprojekten verleitet: Beschluss zum
Bau des
240 km langen Kanals zwischen Ostsee und Weissem Meer, zum grossen Teil
durch
Granitboden. In der Folge werden 120.000 Zwangsarbeiter mit Spitzhacke
und
Schubkarre, ohne Sprengwerkzeuge oder Maschinen am Weissen Meer
eingesetzt.
Zwangsarbeiter
werden Mangelware [!] (S.170).
Ende
1930
Sowjetunion: Ansteigen der verhafteten
und enteigneten Kulaken auf 700.000 - Deportationsaussetzungen und Chaos
In der
Folge fehlt es an Verwaltungspersonal für die Gefangenen. Die
Deportationen laufen völlig improvisiert und chaotisch ab. Es kommt zur
"Deportationsaussetzung"
auf freiem Feld (S.170) auf unfruchtbarem Boden mit der "Anweisung" zur
Fruchtbarmachung oder zur Nutzung der natürlichen Ressourcen (S.171),
ist ein "Notbehelf"
der zentralen Behörden (S.175). Folgen sind Verhungern, Erfrieren,
Kannibalismus, völlige Unterversorgung, Sterberate zum Teil über zwei
Drittel
(S.173-174).
Pusitski,
einer der GPU-Chefs, der für die Arbeitskolonisten zuständig
sind,
macht die "Kurzsichtigkeit der lokalen Entscheidungsträger" dafür
verantwortlich, "welche die Idee der Kolonisierung durch die ehemaligen
Kulaken
nicht begriffen haben", es sei eine "unerträgliche Verschwendung der
Arbeitskraft der Deportierten" (S.175).
Winter
1930/1931
Sowjetunion: Steckengebliebene
Deportiertenzüge: Katastrophe und Sterblichkeit
Die
Züge bleiben ohne Hygiene, mit Seuchen, bei Kälte. Angaben zur
Sterblichkeit gibt es nicht (S.171).
ab
Anfang 1931
Sowjetunion: Aufbau eines
"militärisch-feudalistischen"
Wirtschaftssystems der Bauernschaft
(S.178)
März
1931
Moskau: Einrichtung einer
Sonderkommission zur Verwaltung der "Arbeitskolonisten"
der deportierten Kulaken, unter Leitung von Andrejew,
mit
Ziel der
"rationellen
und effektiven Verwaltung der Arbeitskolonisten" (S.175).
April
1931
Sowjetunion: Untersuchungsergebnis,
Bestandsaufnahme der Sonderkommission zur Verwaltung der
"Arbeitskolonisten"
-- nur 8% der Deportierten arbeiten produktiv
-- die
anderen arbeitsfähigen Männer "bauten sich Wohnungen [...] und
sorgten für ihr Überleben" (S.175).
Mai
1931 ca.
Sowjetunion: Zweite Dokumentation der
Sonderkommission: Deportationen sind defizitär [!]
Die
Deportationen der Kulaken sind für den Staat defizitär. Die
Deportationskosten belaufen sich auf mehr als 1000 Rubel pro Familie,
das
Doppelte wie der Wert der eingezogenen Güter von je 564 Rubel pro Hof.
Als
Mittel wird Restrukturierung der zuständigen Dienststellen
vorgeschlagen
(S.175).
ab Mai
1931 ca.
Sowjetunion: schlechte Ernte, trotzdem
steigende Landwirtschaftsabgaben für 4-Jahres-Plan
denn
der Vierjahresplan soll eingehalten werden. Statt den Plan zu
korrigieren,
werden die Steuern weiter erhöht. Die erhöhten Steuersätze für die
Kolchosen:
-- in
der Ukraine: 41,5% (1930: 30%)
--
Kubangebiet und nördlicher Kaukasus: 47% (1930: 38%)
--
Kasachstan: 39,5% (1930: 33%) (S.179).
ab
Sommer 1931
Sowjetunion: GPU bekommt das Monopol für
die Kulakendeportationen - "Sonderkolonisten"
In der
Folge werden die deportierten Kulaken als "Sonderkolonisten"
bezeichnet (S.174).
Die
GPU wird zur OGPU, sie bekommt das Verwaltungsmonopol für die
"Sondersiedlungen"
und den lokalen Behörden wird die Kompetenz entzogen. Errichtung eines
Netzes
von OGPU-Kommandaturen. Die OGPU bekommt dadurch die Kontrolle über die
ganzen
Gulag-Gebiete und bildet einen Staat im Staat (S.175).
Die
Regelung der Lebensumstände in den Lagern der OGPU umfasst:
--
vorgeschriebener Wohnort
--
vorgeschriebener Arbeitsplatz in einem Staatsbetrieb, Landwirtschaft
oder
Handwerk, Strassenbau oder Rodung
--
Gehaltsauszahlung, wobei die OGPU 15-25% einbehält, so dass der Lohn
noch
etwa 10% über dem Lohn eines freien Arbeiters liegt, manchmal aber gar
keine Lohnauszahlung,
voller Einzug durch die OGPU
-- die
OGPU stellt "ihre" Arbeitskolonisten den Grosskombinaten zur
Verfügung wie z.B.
--
Urallesprom: Waldwirtschaft
--
Uralugol und Wostugol: Kohle
--
Wostokstal: Stahlhütte
--
Tswetmetzoloto: Erze
--
Kusnetzstroi: Metallindustrie
u.a.
wo die
Siedler als "Halbfreie" arbeiten. Arbeitsbedingungen:
--
kaum Verpflegung
--
z.T. Diskriminierung
--
Überstunden
--
unmögliche Arbeitsnormen
--
Einsperren im Winter in Zellen ohne Heizung
--
deportierte Frauen werden von der OGPU vermietet, verkauft oder als
"Mädchen
für alles" missbraucht
--
Einstellung, wer stirbt, wird ersetzt werden, denn es wird immer
neue
Häftlinge geben (S.176).
Ende
1931
Sowjetunion: Ansteigen der verhafteten
und enteigneten Kulaken auf 1.800.000
(S.170)
1.1.1932
Sowjetunion: Deportiertenzählung: von
1,8 Mio. sind noch 1,3 Mio. da
genau: 1.317.022. Fast 500.000 sind weg, gestorben oder
geflüchtet
(S.174).
1932
Sowjetunion: Studie der GPU über die
Effizienz der Deportationen - Städtebau der Deportierten
Über
210.000 ist die Flucht gelungen. Ungefähr 90.000 sind tot
registriert
(S.174). Demgemäss ist die Todesrate ca.
6,8% (S.175).
Die
allgemeine Arbeitsproduktivität steigt durch Übersendung der
Deportierten
in den Industriebetrieben. Die unwirtschaftlichsten "Siedlungszonen"
oder "Kolonisationsgebiete"
werden aufgegeben. Der Anteil der Deportierten in Industriebetrieben
steigt
z.T. auf über 50%, manchmal sogar vorherrschend.
Die
Deportierten bauen ihre eigenen Städte oder Stadtviertel
("Siedlungszonen"),
z.B. in Magnitogorsk, wo der Anteil der Deportierten zwei Drittel
ausmacht
(S.177).
ab
Mitte 1932
Sowjetunion: Konflikt der Bauern mit
Stalins 4-Jahres-Plan - Stalins Krieg um Ernten dem Land gegen Bauern
Der
Konflikt zwischen den Kolchosebauern und Stalins 4-Jahres-Plan ist
unausweichlich, da die Steuern noch einmal erhöht werden sollen.
Folgen:
-- die
Bauern versuchen, Teile der Ernte zu verstecken oder Diebstähle
in der
Nacht
--
Bildung einer Front des passiven Widerstandes mit stillschweigendem
Einverständnis
zwischen
Kolchosebauer und Brigadeführer
zwischen
Brigadeführer und Steuerbeamten
zwischen den Steuerbeamten und den
Kolchoseleitern
zwischen
dem Kolchoseleiter und dem lokalen Parteisekretär der KP
(S.179).
Sommer
1932
Sowjetunion: Molotow meldet Gefahr der
Hungersnot auf für Gebiete mit guter Ernte - Empfehlung am Festhalten
am
4-Jahres-Plan
Molotow meldet Stalin, dass auch in Distrikten mit
ausgezeichneter
Ernte
eine Hungersnot drohe, schlägt aber trotzdem vor, am Steuereinzugsplan
festzuhalten.
Kasachstan:
Hungersnot.
Issajew,
Vorsitzender des Rates der Volkskommissare von Kasachstan,
meldet
Stalin die Ausmasse der Hungersnot durch die erzwungene Sesshaftigkeit,
die die
traditionelle Nomadenwirtschaft zerstört habe (S.182).
ab
Mitte 1932 ca.
Kasachstan: Auswanderung von 2 Mio.
Kasachen nach Zentralasien und 1,5 Mio. Kasachen nach China
um der
drohenden Hungersnot zu entgehen (S.188).
ab
Anfang Aug 1932 ca.
Sowjetunion: Kolchosebauern verstecken
Ernte - "Stossbrigaden" Stalins - konfisziertes Saatgut
Die Kolchosebauern verstecken ihre Ernte zum Überleben.
In
der
Folge lässt
Stalin zur Steuereintreibung an den Kolchosen neue "Stossbrigaden"
schicken, gebildet aus städtischen Komsomolmitgliedern und Kommunisten.
Es
kommt zum Krieg auf dem Land, zu Prozessen gegen Kolchosebauern,
Dorfsowjets
und Repressionen, auch gegen Kinder. Ausschluss von 100en von Bauern
aus
Kolchosen.
In der
Folge sind die Gefängnisse zum Teil fünffach überfüllt. Es kommt
zum
Terror gegen Einzelbauern, man hält sie vom Aussähen und Anpflanzen ab.
Die
Stossbrigaden konfiszieren Saatgut und Viehfutter und werden im Namen
von
Stalins 4-Jahres-Plan dem Verhungern ausgesetzt.
Die
Situation eskaliert so weit, dass viele Bauern zum Teil in Gruppen
darum
bitten, deportiert zu werden, weil man unter den gegebenen Bedingungen
nicht
überleben könne (S.180).
7.8.1932
Sowjetunion: Strafgesetzverschärfung / "Ährengesetz":
Lagerstrafen und Todesstrafen gegen Diebstahl oder Verschwendung -
Verhaftungswelle
vor
allem gegen Bauern gerichtet:
"Jeder
Diebstahl oder jede Verschwendung sozialistischen Eigentums"
wird
bestraft mit 10 Jahre Lagerhaft oder Todesstrafe. Der Volksmund
bezeichnet die
Novelle als "Ährengesetz", weil die meisten Verurteilten wegen Weizen-
oder Roggenähren verurteilt werden, die sie gestohlen haben sollen.
Im
Restjahr 1932 und 1933: 125.000
Verurteilungen durch das "Ährengesetz", davon 5400 Todesurteile.
Trotzdem
bleibt die Ernte "ungenügend" (S.181).
Okt/Nov
1932
Moskau: vergebliche Appelle von "treuen
Kommunisten" an Stalin, den 4-Jahres-Plan zu reduzieren
Aufforderung
von "treuen Stalinisten" wie
--
Stanislas Kossior, 1.Parteisekretär der Ukraine (S.182)
--
Michail Chatajewitsch, 1.Parteisekretär der Region Dnjepropetrowsk
(S.182-183),
den
Steuereinzugsplan zu reduzieren, um Wachstum für die folgenden
Jahre nicht
zu verunmöglichen.
Molotow
antwortet trotzig:
-- die
Appelle und Meinungen von Kossior und Chatajewitsch seien
"unkorrekt
und unbolschewistisch"
-- die
Bedürfnisse des Staates gingen vor (S.183).
Mitte
Okt 1932
Sowjetunion: Steuereinzugsplan der
Landwirtschaft: erst zu 15-20% erfüllt
(S.181)
22.10.1932
Sowjetunion: Kommission zur
Beschleunigung des Steuereinzugs: Molotow und Kaganowitsch
Das
Politbüro Moskau beschliesst die Einberufung zweier
ausserordentlicher
Kommissionen zur "Beschleunigung des Steuereinzugs":
--
eine Kommission für die Ukraine unter Molotow
--
eine Kommission für den Nord-Kaukasus unter Lasar Kaganowitsch,
darunter
auch Genrich Jagoda u.a. (S.181).
2.11.1932
Ukraine: Eintreffen der
Kaganowitsch-Steuerkommission
am Don
in Rostow, Beschluss, den "Widerstand" der anführenden
Dorfkommunisten und Kolchoseleiter zu brechen. Massnahmen sollen sein:
--
Einzug aller Ladenartikel
--
Verbot jeglichen Handels
--
Zahlungszwang für alle laufenden Kredite
--
zusätzliche Besteuerungen
--
Festnahme aller "Saboteure"
--
Festnahme aller "fremder Elemente"
--
Festnahme aller "Konterrevolutionäre"
--
Schnellverfahren unter Leitung der GPU
--
wenn die Sabotage fortgesetzt wird, so soll die gesamte Bevölkerung
deportiert werden (S.181).
Nov.
1932
Nord-Kaukasus-Ukraine: Verhaftungswelle
zur Existenzvernichtung der Bauern im Namen des 4-Jahres-Plans -
Moralzerfall
in Bevölkerung und Partei
Kaganowitsch-Kommission:
Festnahme von 5000 Dorfkommunisten und 15.000
Kolchosebauern,
ebensolche
Festnahmen durch die Molotow-Kommission in der Ukraine
(S.181). Das
Repressionssystem mit Foltermethoden:
-- die
"Kältemethode": Bauern werden nackt bei Kälte in die Scheune
gestellt
-- die
"Hitzemethode": Füsse werden mit Kerosin übergossen, schnell
angezündet und wieder gelöscht, und das wiederholt (S.186).
Die
Folge des ganzen Verfahrens sind Verfall der Moral,
zivilisatorischer
Rückschritt, Terror wird zur Gewohnheit (S.187).
Die
Stalin-Führung und die Führungseliten der ganzen Sowjetunion
durchlaufen
einen Weg der "seelischen Abhärtung", der für spätere Verbrechen
wegweisend ist (S.188).
Dez
1932
Ukraine-Nord-Kaukasus: Hungersnot als
politisches Mittel Stalins
Die
riesige Hungersnot ist im Interesse des Stalin-Regimes, um die
"widerspenstigen"
Bauern und Dorfgemeinschaften endgültig "loszuwerden":
"Deshalb
gab es für den Sieg über den Feind [die Bauern] nur eine
Lösung: ihn auszuhungern." (S.182)
Ukraine-Nord-Kaukasus: Landflucht in die
Städte vor der Hungersnot
(S.183)
Nord-Kaukasus: Beginn von
Massendeportationen
(S.181).
Ganze Dorfbevölkerungen, v.a. der Stanitsy-Kosaken, werden
deportiert.
Die Zahl der "Sondersiedler" steigt auf 71.236 Registrierte an (S.182).
27.12.1932
Moskau-Ukraine-Nord-Kaukasus: Einführen
des Inlandspasses als Massnahme gegen Landflucht - Zwangsregistrierung
für alle
Stadtbewohner
-- zur
Eingrenzung der Landflucht
--
gegen "das soziale Schmarotzertum"
--
gegen "die kulakische Unterwanderung der Städte" (S.183).
1932/1933
Ukraine/Charkow: Hungersnot: Graziosi:
ausgesetzte Kinder, Barackenlager, Aussetzungen und Tod unter freiem
Himmel
Der
italienische Konsul Graziosi in Charkow berichtet:
--
Bauern strömen in die Städte
--
Kinder von Familien, die aufs Land zurück müssen, werden in den
Städten
ausgesetzt in der Hoffnung, dass wenigstens die Kinder überleben werden
-- die
ausgesetzten Kinder werden in den Polizeiposten eingesammelt
--
Sammelpunkt für elternlose Kinder und Bauern zur Rückkehr aufs Land
ist der
Bahnhof von Severo Donetz
-- das
Sanitätspersonal nimmt eine Selektion vor: die noch nicht
Aufgedunsenen
kommen ins Barackenlager von Holodnaja Gora, wo 8000 meistens Kinder
auf
Strohsäcken ums Überleben kämpfen, die Aufgedunsenen werden 50-60km vor
der
Stadt ausgesetzt, um sind dort unter freiem Himmel verhungern zu
lassen,
Beerdigung in grossen Gruben
-- in
Charkow werden jede Nacht ca. 250
Leichen eingesammelt, Hunger- oder Typhustote, vielen wurde die Leber
bereits
herausgerissen
-- die
Polizei nimmt "Amputierer" fest, die zugeben, dass sie mit
Menschenleber Leberpastete fabrizierten und diese auf dem Markt
verkauften
(S.184).
1932/1933
Ukraine-Kaukasus: Hungersnot und
Massensterben
in der
gesamten Ukraine
in
einem Teil des Schwarzerdegebiets
-- in
den fruchtbaren Ebenen des Don und des Kubans
-- im
Nord-Kaukasus
-- in
einem Grossteil Kasachstans
--
insgesamt 40 Mio. Leidende (S.185)
--
über 6 Millionen Tote und totaler sozialer Rückschritt des Landes
durch die
Entkulakisierung (S.178).
Die
Hungersnot ist von den Behörden absichtlich verursacht, um den
Willen zu
brechen. Die Hungersnot ist für die Stalin-Regierung darüberhinaus ein
Experimentierfeld, wie mit Gewalt ganze Völker beherrscht werden können
(S.165).
1.1.1933
Sowjetunion: Die Sowjetbehörden melden
1.142.022 Sonderkolonisten
(S.174)
ab
Anfang 1933
Gulag: Zustrom von "Sondersiedlern"
aus der Ukraine und dem Nord-Kaukasus: 268.091 Registrierte
(S.182)
Ukraine-Kaukasus: Hungersnot: Folgen das
ganze Jahr hindurch: Beispiel Region Charkow - Hungersnot bis nach
Moskau
u.a.
in Charkows Agrargebieten. Die Sterblichkeit steigt im Juni 1933
auf
100.000 Registrierte im Vergleich zu 9000 im Juni 1932. Die
Nicht-Registrierten
müssen dazugerechnet werden.
Die
Hungersnot breitet sich auch in andere Gebiete aus: In Moskau
steigt die
Sterblichkeit um 50%, in Iwanowo um 35% (S.185).
ab
Anfang 1933
Sowjetunion: 4-Jahres-Plan:
Exportpolitik trotz Hungersnot
Trotz
Hungersnot fährt Stalin mit der Exportpolitik fort: 1933 werden
18 Mio.
Doppelzentner Weizen "für den Bedarf der Industrie" an das Ausland
geliefert (S.185).
22.1.1933
Moskau: Befehl Stalins zum Rücktransport
der flüchtenden ukrainischen und kaukasischen Bauern in den Hunger
Rundschreiben
von Stalin und Molotow an die Landesbehörden und die GPU
mit
--
Befehl des Verbots der "Massenabwanderung der ukrainischen und
nordkaukasischen Bauern in die Städte"
--
Befehl der Verhaftung "konterrevolutionärer Elemente"
--
Befehl des Rücktransports der übrigen Flüchtlinge in ihre Wohnorte
Begründung:
-- es
seien Beweise vorhanden, dass die Massenflucht von den Gegnern
der
Sowjetmacht, den Konterrevolutionären und von polnischen Agenten,
organisiert
sei
-- die
Gegner der Sowjetmacht betrieben eine Propaganda gegen das
Kolchosesystem und gegen die Sowjetmacht im Allgemeinen
Befehl
von Massnahmen:
--
kein Bahnkartenverkauf mehr in den betroffenen Gebieten
--
Kontrollsperren der GPU
In der
Folge werden bis März 1933 219.460 Personen aufgegriffen und
186.588 in
ihre "Heimatregion" zurückgebracht, andere verurteilt (S.183).
Frühling
1933
Ukraine-Westeuropa: Publikationen über
die Hungersnot bleiben ohne Reaktion
Ukrainische Organisationen im Ausland publizieren über
die
Hungersnot "in
auflageschwachen Publikationen". Die internationale europäische Politik
zeigt
keine Reaktion, die Nachricht kann sich in der öffentlichen Meinung
nicht
durchsetzen (S.179).
ab
Frühling 1933
Sowjetunion: Die Hungersnot wird vom
Stalin-Regime vor dem Ausland verschwiegen
Ausländischen Besuchern wird ein paradiesisches Bild
der
Ukraine
vorgegaukelt, mit Musterkolchosen und Musterkindergärten. Die
europäischen
Regierungen lassen sich dadurch blenden und Russland wird
propagandistisch
geschont, auch wegen der Machtübernahme Hitlers.
In
Italien und Deutschland haben einige Politiker genaue Kenntnisse der
Hungersnot, vermittelt durch italienische Diplomaten in Charkow
(S.178), Odessa
und Novorossisk. Mussolini nützt die Hungersnot nicht zur Propaganda
aus
(S.179).
April
1933
Nord-Kaukasus/Kubangebiet: vergeblicher
Appell von Schriftsteller Michail Scholochow an Stalin -
Getreideexporte des
4-Jahres-Plans halten an
Auf
einen Appell von Schriftsteller Michail Scholochow aus dem
Kubangebiet für
Hilfssendungen reagiert Stalin, die dortigen Bauern hätten "gestreikt
und sabotiert"
und die Strafe sei gerecht (S.184), denn die Bauern hätten einen
"Zermürbungskrieg"
gegen die Sowjetmacht geführt. Stalin führt die Exportpolitik weiter
(S.185).
Sommer
1933
Sowjetunion-Italien: Handelsvertrag,
Freundschaftspakt und Nichtangriffspakt
(S.179)
Ende
1933
Ukraine: Hungersnot: 6 Mio. Tote -
politische Vernichtung der Bauern
Die
Region Charkow verliert im Vergleich zu 1932 120.000 Einwohner,
Krasnodar
40.000, Stawropol 20.000 Einwohner.
Insgesamt
fordert die Hungersnot in der ganzen Sowjetunion 6 Mio. Tote:
-- 4
Millionen ukrainische Bauern mit ihren Angehörigen
-- 1
Mio. kasachische Bauern und kasachische Nomaden mit ihren
Angehörigen
-- 1
Mio. nord-kaukasische Bauern mit ihren Angehörigen (S.185).
Die
Bauern sind als politische Kraft vernichtet. Die Auseinandersetzung
zwischen kommunistischem Staat und den Bauern, die seit 1918/1922
anhält, ist
endgültig beendet (S.188).
Hungertote
unter den deportierten Kulaken/"Sonderkolonisten": 151.601
(S.174),
womit die Todesrate unter den Deportierten auf 13,3% steigt (S.175).
Ende, aber der
Kommunismus war noch lange nicht zu Ende,
und die schweizer Politik mit ihrem Bankgeheimnis half ab den 1960-er
Jahren kräftig mit...