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Die weiss-rassistisch-imperialistische Ideologieentwicklung in den "USA" 1873-1897 als Basis für "Mein Kampf"

6. "US"-Rassist Benjamin Kidd

Benjamin Kidd, Portrait

von Michael Palomino (2006)

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aus: Hans Ulrich Wehler: Der Aufstieg des amerikanischen Imperialismus. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1974/1987.


Kidd ist Finanzbeamter und Autodidakt (S.70).

1870 ca.
"USA": Darwinismus trifft auf orthodoxen Protestantismus
was die Lebensgrundlagen der "US"-Bevölkerung nachhaltig verunsichert (S.70).

1873
Depression
und weitere Verunsicherung der "US"-Bevölkerung in ihren Lebensgrundlagen neben der Konfrontation zwischen Darwinismus und orthodoxem Protestantismus (S.70).

1894
Kidd: Buch "Social Evolution" ["Soziale Entwicklung"]

Das Buch macht Kidd von einem Tag auf den andern bekannt (S.69-70). Kidd wird gemäss Wehler zu einem "Modeautor" (S.71). Das Buch wird 1894 und 1895 ein Bestseller mit insgesamt über 250'000 verkauften Exemplaren.

Übersetzung in alle Weltsprachen (S.70) wie Französisch, Russisch, Italienisch, Chinesisch, Schwedisch, Dänisch, Tschechisch, Arabisch (S.307). Kidd kann diesen Erfolg nie mehr wiederholen (S.70).

[Dafür hat sich sein Rassismus nun weltweit ausgebreitet...]

Darwinistischer Hauptinhalt von "Social Evolution"

-- "Social Evolution" ist ein populärwissenschaftlicher Beitrag zur neueren Entwicklung der Evolutionslehre nach den Veröffentlichungen von Weismann

-- "Social Evolution" besticht durch vereinfachende Formeln für komplexe Vorgänge und vermittelt neue ideelle Sicherheit, die auch in Zeitungen präsentiert werden, u.a. durch die Kritiker Theodore D. Roosevelt, dem Philosophen John Dewey und dem englischen Linksliberalen John A. Hobson (S.70)

Wehler:

"Kidd ging von wenigen fundamentalen Behauptungen aus, die er mit bemerkenswerter Ausdauer variierte und zu einem System zusammenzwang."

-- Kidd konstruiert ein Zusammenspiel von Auslese und Versagen
-- ohne Kampf ums Dasein wird gemäss Kidd die Lebenskraft sinken
-- Kampf, Auswahl und Fortschritt sei das "Gesetz des Lebens"

-- Individuum und Gesellschaft kämpfen gemäss Kidd gegeneinander ums Dasein, zum Teil gewinne die Gesellschaft, so dass das Individuum zum Rädchen werde

-- die Religion sei ein Hilfsmittel, die Individuen "überrational" zu sanktionieren (S.70), d.h. Religion wird bei Kidd zum "sozialen Beruhigungsmittel" (S.71).

Durch die Synthese von Biologie und Religion/Theologie hat Kidd durchschlagenden Erfolg, indem er Darwinismus und "christliche" Grundanschauung miteinander verbindet (S.71).

Darwinistische Politikleitlinien gemäss Kidd
-- Kidd lehnt jede soziale Reformbemühung ab
-- Kidd befürwortet den Laissez-Faire-Wettbewerb, der das Lebenselixier der modernen Gesellschaft sei

-- Kidd erlebt aber auch Widerstand gegen seine These, die Religion sei nur zur Einschränkung des Menschen da (S.71).


Darwinistische Imperialismustheorie von Kidd

-- These vom "Kampf der Völker", in dem die "Angelsachsen" emporgehoben seien

-- das "Auslöschen" der Indianer u.a. sei als "Schicksal" zu sehen: Wehler über Kidd:

"Weder 'ihr Wunsch, noch ihre Absicht übten bestimmende Gewalt auf ein unwiderstehliches Schicksal aus', das die Angelsachsen ihre Gegner 'auslöschen' hiess, wie z.B. die Indianerstämme Nordamerikas."

[Also so: Entschuldigung, das Schicksal hat mich stärker gemacht, also musst du sterben...]

-- alles "Minderwertige" wird gemäss Kidd vernichtet werden, v.a. "im Bereich der angelsächsischen Zivilisation", und dies ist gemäss Kidd ein "gerechter" Ausleseprozess

-- "Angelsachsen" sind die stärkste Rasse aller germanischen Völker, und sie halten sich am längsten auf ihren Positionen in der Welt

-- die Vorherrschaft der "Angelsachsen" über die Welt werde "fast unvermeidlich" (S.71) und die Bewohner auf den noch verbleibenden Kolonisationsgebieten würden ausgerottet werden (S.72)

-- die Kardinaltugend der "Angelsachsen" sei die "soziale Effizienz"

-- die "Angelsachsen" werden gemäss Kidd auch den Kampf um die tropischen Gebiete gewinnen

-- die Eingeborenen hätten eine "mindere soziale Effizienz" und könnten Naturschätze niemals ausnützen

-- somit werden auch die tropischen Gebiete unter die okzidentalen Staaten aufgeteilt werden müssen, denn sie werden dem "Weltsieger" zufallen, der besten "Rasse", die die beste soziale Effizienz habe

-- die Überlegenheit "angelsächsischer Staaten" sei Teil einer unverrückbaren "kosmischen Ordnung" (S.72)

Perspektive für die "USA" gemäss Kidd
-- Ausbreitung der englischsprechenden Völker auf Mittel- und Süd-"Amerika"
-- die "USA" werden überseeische Kolonialmacht werden (S.72).

1898
Kidd fordert "amerikanische" Überseekolonien
Der Widerstand in der "amerikanischen" Gesellschaft gegen Imperialismus in Übersee ist nicht mehr gross (S.72), weil auch das Exportargument zählt (72-73).

1918
"Völkerbund" als Rassismuskartell
-- der "Völkerbund" ist ein Kartell der "angelsächsischen" bzw. der "germanischen" Staaten mit Weltherrschaftsanspruch
-- der "Völkerbund" ist eine Hierarchie, keine Kooperation formell Gleichberechtigter
-- der "Völkerbund" ist ein selbstgerechter Suprematsanspruch der weissen Rasse [im Sinn des arischen Überlegenheitsgedankens] (S.73).

[und der 2.Weltkrieg ist absehbar, weil jede grosse Nation den Rassismus für sich verwirklichen will, allem voran diejenige Nation, die 1918 der Hauptverlierer unter den rassistischen Nationen ist...].


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Bildernachweis
-- Benjamin Kidd, Portrait: http://books.bankhacker.com/P.+Kidd/


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