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24.2.2009: <Kenia: Verdächtige werden erschossen>
aus: 20 minuten online; 24.2.2009;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/19861496
Kenianische Polizisten haben nach Angaben eines Beamten bei Festnahme-Einsätzen Dutzende Verdächtige absichtlich getötet. Das geht aus einem Video hervor, das von der Nationalen Kommission für Menschenrechte veröffentlicht wurde.
Der Polizist Bernard Kiriinya erklärt darin, er sei als Fahrer einer Sondereinheit binnen eines Jahres Zeuge von 58 solcher Erschiessungen geworden.
Seinen Vorgesetzten zufolge sei dieses Vorgehen in einigen Fällen vom nationalen Polizeichef persönlich angeordnet worden, erklärt der Polizist auf den im Juli entstandenen Aufnahmen. Er wurde nach Angaben der Menschenrechtskommission vier Monate später getötet. Die Kommission forderte Ermittlungen und den Rücktritt von Polizeichef Mohammed Hussein Ali.
Erste Untersuchungen deuteten darauf hin, dass für Kiriinyas Tod die Polizei verantwortlich sei, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Kommission, Hassan Omar Hassan. Polizei und organisiertes Verbrechen «sind möglicherweise ein und das selbe». Ein Polizeisprecher nannte die Vorwürfe unverantwortlich.
Quelle: AP >
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Südafrika 13.3.2009: <Kriminalität: Polizei "verlor" 2500 Pistolen in einem Jahr>
aus: 20 minuten online; 13.3.2009; http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/14016590
<In weniger als einem Jahr sind bei Südafrikas Polizei mehr als 2500 Feuerwaffen "verschwunden". Eine detaillierte Liste liegt dem Parlament vor.
Demnach seien viele der Waffen zwischen April 2008 und Februar 2009 als gestohlen oder verloren, einige auch ohne weitere Erklärung als «verschwunden» gemeldet worden. Die meisten der Revolver, Pistolen und Gewehre wurden in der Provinz KwaZulu-Natal entwendet.
Südafrika hat eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt. Nach der offiziellen Statistik werden jeden Tag mehr als 50 Menschen ermordet.
Quelle: SDA/ATS>
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12.8.2010: Diamanten und Metalle aus Afrika - zur Finanzierung der Kriege der Warlords
aus: 20 minuten online: «Bluthandys»: Nicht nur an Diamanten klebt Blut; 12.8.2010;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/16760756
<von Peter Svensson, AP - Afrikanische Warlords verkaufen Diamanten, um ihre Kriege zu finanzieren. Dies tun sie aber auch mit anderen Mineralien, die jeder von uns täglich gebraucht.
storybild
Klebt an elektronischen Artikeln das Blut afrikanischer Arbeiter?
Klebt an unseren Handys Blut? Haben wir mit dem Kauf unserer Mobiltelefone, Laptops und Digitalkameras Vergewaltigungen und Morde im heissen Herzen Afrikas unterstützt?
Denn nicht nur die sogenannten Blutdiamanten, wie sie der liberianische Expräsident Charles Taylor dem Topmodel Naomi Campbell verehrt haben soll, gehören zu den Konfliktmaterialien - auch Gold und Mineralien wie Tantal, Wolfram und Zinn.
Mineralien, die in fast allen elektronischen Geräte zu finden sind, die wir tagtäglich nutzen, und mit denen - wie mit Blutdiamanten - Kriege in Afrika finanziert wurden oder noch werden.
Der Osten Kongos ist reich an diesen seltenen Bodenschätzen. Ein neues Gesetz in den USA verlangt nun von Unternehmen einmal im Jahr einen Herkunftsnachweis. Sie müssen aufschlüsseln, ob sie eine der vier Konfliktmaterialien aus dem Kongo für ihre Produkte verwendet haben - und wenn ja, die Zuliefererkette «mit grösstmöglicher Genauigkeit» bis zur Ursprungsmine zurückverfolgen.
Neben dem Kongo sind neun benachbarte Staaten von dem Herkunftsnachweis betroffen. Schliesslich wird durch Schmuggel allzu oft versucht, das Ursprungsland der Rohstoffe zu verdunkeln. Wenn die Unternehmen belegen können, dass ihre Produkte keine Mineralien enthalten, deren Abbau direkt oder indirekt bewaffneten Gruppen in einem der zehn Länder zugute kommt, dürfen sie ihre Produkte mit dem Prädikat «konfliktfrei» versehen.
Arbeiter werden häufig ausgebeutet
Der Kongo ist zwar eine Schatzkammer voller Mineralien, aber die Produktion ist gemessen an anderen Ländern relativ gering. Meist werden die Rohstoffe noch per Hand abgebaut. Im Jahr 2008 stammten schätzungsweise nur fünf Prozent der weltweiten Zinnproduktion aus dem zentralafrikanischen Land. Der Anteil an der weltweiten Tantalerz-Produktion ist zwar höher, aber auch hier sind Brasilien und Australien die Marktführer. Dennoch ist der Mineralienabbau ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaftstätigkeit im rohstoffreichen Osten.
Hier kontrollieren Rebellen vielerorts die Minen und bauen die Bodenschätze durch Ausbeutung der örtlichen Bevölkerung ab. Von dem erwirtschafteten Geld kaufen sie neue Waffen für immer neue Konflikte. «Die Konflikte sind keine Kämpfe um Rohstoffe,» sagte Laura Seay, eine Assistenzprofessorin für Politikwissenschaften am Morehouse College in Atlanta. «Die Mineralien werden nur genutzt, um die Kämpfe zu finanzieren.»
Ursache der Konflikte seien Landrechte und der Zustrom von Flüchtlingen und Milizionären aus dem benachbarten Ruanda, die unter dem Eindruck des Völkermords 1994 den Ost-Kongo überschwemmten. Seither sind in den immer wieder aufflammenden Konflikten rund fünf Millionen Menschen umgekommen, grösstenteils Zivilpersonen. Immer wieder kommt es zu systematischen Massenvergewaltigungen durch bewaffnete Gruppen.
Skepsis über Gesetz
Mit dem neuen Gesetz sollen die Finanzquellen der Rebellen ausgetrocknet werden. Kritiker bezweifeln allerdings, dass es die gewünschte Wirkung zeigt. Denn einen vollständigen Boykott wollen weder die Vereinten Nationen noch die USA, weil er die Probleme in dem instabilen Land noch verschärfen könnte. Bestraft würden durch einen Boykott auch die schätzungsweise eine Million Minenarbeiter, denen die Lebensgrundlage entzogen würde.
«Wir wollen nicht, dass sich die Käufer zurückziehen,» betont Sasha Lezhnev, Berater der US-Organisation Enough Project, die gegen den Handel mit Konfliktmaterialien kämpft. «Sie sollen nur genau überprüfen, woher die Rohstoffe stammen und so zum positiven Wandel in der Region beitragen.» Vielerorts fehlt es allerdings an der nötigen Kontrolle durch die Regierung oder der Überwachungsprozess wird Mithilfe korrupter Beamter unterlaufen. Der kongolesische Informationsminister Lambert Mende sagte, die Regierung begrüsse das US-Gesetz. Dadurch werde das Land ermutigt, geeignete Überprüfungsmechanismen einzuführen.
Intel hat seine Tantalhütten bereits vor zwei Jahren von dem geplanten Gesetzentwurf in Kenntnis gesetzt. «Die Herkunftszertifikate werden nur geringfügige Kosten für die Zuliefererkette verursachen,» sagte ein Sprecher. Das International Tin Research Institute (ITRI) befürchtet allerdings, dass die Zeit für viele US-Unternehmen knapp wird, wenn sie bereits ab kommendem Jahr die Herkunft der Rohstoffe nachweisen müssten. Derzeit arbeitet das ITRI an einem Pilotprojekt, um herauszufinden, inwieweit man die Herkunft der Mineralien bestimmen kann. «Es ist ganz offenkundig ein schwieriges Arbeitsumfeld,» sagte Sprecherin Kay Nimmo. «Wir brauchen genügend Zeit, um ein System auszuklügeln. Andernfalls wird es auf eine Handelsblockade hinauslaufen.»>
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16.8.2010: Afrikas Unabhängigkeiten seit 1960 haben den meisten Afrikanern nur wenig gebracht
aus: n-tv online: 50 Jahre nach dem Kolonialismus: Afrika und der "Ressourcenfluch"; 16.8.2010;
http://www.n-tv.de/politik/Afrika-und-der-Ressourcenfluch-article1265746.html
<Die ersten 50 Jahre nach der Entlassung in die Unabhängigkeit haben die afrikanischen Staaten gebraucht, um überhaupt die Voraussetzungen für künftige Entwicklung zu schaffen, sagt der Afrikawissenschaftler Bierschenk. Vor allem die koloniale Wirtschaftsstruktur erwies sich dabei als Fluch.
n-tv.de: 50 Jahre sind seit der großen Unabhängigkeitswelle in Afrika vergangen. Werden wir Afrika überhaupt gerecht, wenn wir pauschal von Afrika und den Afrikanern sprechen?
Thomas Bierschenk: Nein, das werden wir nicht. Es gibt eine Tendenz, die großen Unterschiede innerhalb Afrikas nicht wahrzunehmen. Kein Mensch würde von asiatischen Entwicklungsproblemen in der Allgemeinheit sprechen, wie wir über Afrika reden. Jedem ist klar, dass China nicht der Irak ist und Kuwait nicht Afghanistan. In Afrika packen wir Simbabwe in die gleiche Schublade wie Sierra Leone oder Benin oder Algerien. Da gibt es eine Tendenz zur Generalisierung, die wir bei anderen Kontinenten so nicht haben.
Der Kolonialismus wird noch immer für viele Probleme Afrikas verantwortlich gemacht. Ist das nach 50 Jahren noch legitim?
Afrika ist reich an Ressourcen, doch nur wenige Menschen profitieren von den Einnahmen, beispielsweise aus dem Diamantenhandel.
Heute kann man natürlich den Kolonialismus nicht mehr ausschließlich für die Probleme Afrikas verantwortlich machen. Allerdings muss man ganz deutlich sagen, dass die afrikanischen Länder, als sie schließlich unabhängig wurden, ein schwieriges Erbe angetreten haben. Keine Kolonialmacht hat die zu ihr gehörenden Länder besonders gut auf die Unabhängigkeit vorbereitet. Das sieht man zum Beispiel an den Einschulungsraten. Der Kontinent hat heute erst Zahlen erreicht, die ein Land wie Korea in den 1950er Jahren bereits hatte. De facto wurden viele Länder auch bankrott in die Unabhängigkeit entlassen. Eine ganz wesentliche Überlegung der Kolonialherren war eben, dass die Kolonien einfach zu teuer geworden waren. Diese Probleme wurden durch den großen Optimismus der damaligen Zeit zunächst einfach nicht so wahrgenommen.Viele Länder blieben ihrer alten Kolonialmacht verbunden, nicht zuletzt durch die Beibehaltung der wirtschaftlichen Beziehungen. Welche Auswirkungen hatte das?
Mit wenigen Ausnahmen waren die Kolonien durch koloniale Wirtschaftsstrukturen geprägt. Sie sollten Primärprodukte aus der Landwirtschaft und dem Bergbau liefern und dafür Fertigwaren importieren. Da sind die Staaten auch nach der Unabhängigkeit nicht herausgekommen. Es gab zwar verschiedene Ansätze, die sind aber immer wieder zusammengebrochen, zum Beispiel wegen der Erdölkrise in den 1970er Jahren. Ein weiterer Faktor ist sicher eine verfehlte Wirtschaftspolitik, für die aber nicht nur die afrikanischen Länder verantwortlich sind, sondern auch die Unmengen an Beratern, die es auch nach 1960 noch in allen Staaten gab. Selbst die jetzt relativ positiven Wachstumsraten beruhen die noch immer auf der alten Kolonialwirtschaft und dem Handel mit Primärprodukten.
Mit dem Rohstoffhandel haben einige Länder dennoch gutes Geld verdient. Inwieweit ist Afrika wegen seiner korrupten Eliten inzwischen für seine Probleme auch selbst verantwortlich?Wir benutzen dafür den Begriff des "Ressourcenfluchs". Dahinter steht die These, dass Länder, die ausschließlich Primärprodukte exportieren, meist nicht in der Lage sind, daraus etwas Vernünftiges zu machen. Ob das den arabischen Ölproduzenten gelingt, das muss man abwarten, aber in Afrika war das in der Regel nicht der Fall. Bei Ländern wie Norwegen hingegen ist das Erdöl Teil einer Gesamtstruktur, mit den Einkommen werden Investitionen getätigt. Dass das in Afrika nicht passiert ist, daran haben die Eliten einen erheblichen Anteil, das ist ganz klar.
Warum werden in Afrika so wenig eigene Lösungsansätze für die doch erheblichen Probleme entwickelt?
In dem System, dass sich bereits seit den 1950er Jahren entwickelt hat, haben auch viele Berater leider ein Interesse daran, dass es für die institutionalisierte Hilfe ein dauerhaftes Abhängigkeitsverhältnis gibt. Die gesamte Entwicklungsdiskussion für Afrika wird von Autoren bestritten, die stark mit den Gebern verbunden sind, der Weltbank, der KfW, der GTZ oder auch der französischen Entwicklungsbank. Diese Institutionen haben natürlich kein Interesse, ihre Daseinsberechtigung in Frage zu stellen. Durch diese institutionalisierte Hilfe gibt es wenig Anreize für Afrika, eigene Lösungen zu suchen. Die negativen Zahlungsbilanzen werden immer wieder ausgeglichen, dafür bleibt das System der Unmündigkeit auf Dauer erhalten. Afrikas Problem ist zudem ja nicht nur, funktionierende Staaten und Verwaltungen aufzubauen. In Europa und Asien haben entwickelte Mittelklassen hinter Entwicklung und Demokratie gestanden. Die gibt es in Afrika oft erst in Ansätzen. 1960 haben in Afrika nur 13 Prozent der Menschen in Städten gelebt. Inzwischen gibt es einen rapiden Urbanisierungsprozess, damit wachsen auch die sozialen Kräfte, die auf Entwicklung und Berechenbarkeit drängen.
Thomas Bierschenk ist Professor am Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Vorsitzender der Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland.
Erwarten Sie, dass das zunehmende Leben in den Städten zu mehr eigener Kraft des Kontinents führt?
Das wird ohne jeden Zweifel so sein. Es gibt inzwischen eine städtische Kultur in Afrika, die es vor 50 Jahren so überhaupt noch nicht gab. Die Alphabetisierung ist weit vorangeschritten, in den Städten liegt sie bei Jungen schon bei 100 Prozent. Es gibt eine vitale lokale Kulturproduktion, es gibt neben den Staatssendern private Medien, Zeitungen und Radios. Da entwickelt sich eine dynamische Zivilgesellschaft, die sicher auf Dauer einen positiven Einfluss haben wird. Aber die afrikanischen Länder haben die letzten 50 Jahre gebraucht, um überhaupt bestimmte strukturelle Voraussetzungen für Entwicklung zu schaffen.
Ist Afrika inzwischen schon mehr so, wie wir es in Südafrika bei der Fußball-WM erlebt haben?
Südafrika ist der große Hoffnungsträger des Kontinents. Das Land ist die einzige Wirtschaftsmacht von einiger Bedeutung in ganz Afrika. Mit Blick auf die ostasiatische Entwicklung gibt es die These, dass die Entwicklung von China, Thailand, Singapur oder Vietnam ohne die Vorreiterrolle Japans nicht möglich gewesen wäre. Eine solche Rolle könnte Südafrika in Afrika zukommen. Aber es gibt natürlich auch noch Hunger, Krieg und Elend. Das Bild ist dennoch sehr viel facettenreicher.
Gibt es heute schon Dinge, die wir von Afrika lernen können?
Was mir in Afrika immer wieder auffällt, ist die Fähigkeit vieler Menschen, sich trotz widrigster Umstände ein lebenswertes Leben zu schaffen. Ein Mindestmaß an Demokratie aufrecht zu erhalten, das ist in diesem Umfeld schon eine gehörige Leistung. Was ich auch immer wieder bemerke, ist die große religiöse Toleranz vieler Afrikaner. Da gibt es in einer Familie Christen, Moslems und Anhänger der einheimischen Religion. Eine Kopftuchdiskussion ist da schwer vorstellbar. Auch da hören wir eher von religiösen Konflikten. Aber insgesamt gibt es in Afrika eine größere religiöse Toleranz als bei uns.
Mit Thomas Bierschenk sprach Solveig Bach>
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24.11.2010: Aufforstungsprojekt gegen die Ausweitung der Sahara wird durch die Beschlussländer und durch Bauern torpediert
Es wurde eine "grüne Mauer" quer durch Afrika beschlossen, um die Ausweitung der Sahara einzudämmen. Nun, nur in Senegal hat man sich an diesen Beschluss gehalten, und das auch nur auf einer Länge von 20 km. Und die Bauern brennen den Schutzwald zum Teil sogar wieder ab. Man sieht, dass der Menschenverstand in Afrika irgendwie nicht sehr entwickelt ist. Aber lesen Sie selbst:
aus: 20 minuten online: Sahelzone: Ein gründer Gürtel gegen die Wüste; 24.11.2010;
http://www.20min.ch/wissen/news/story/Ein-gruener-Guertel-gegen-die-Wueste-31617825
<Die Sahelzone ist vor allem für regelmässige Dürreperioden und daraus resultierende Hungersnöte bekannt. Ein Aufforstungsprojekt soll die Situation nun verbessern.-----Als Sahelzone bezeichnet man den relativ breiten Gürtel, der sich zwischen der Wüste Sahara im Norden und den Savannen im Süden erstreckt. Er reicht vom Senegal an der Atlantikküste bis Dschibuti am Roten Meer. Theoretisch müssten sich auf dieser geografischen Breite Trocken- und Regenzeiten abwechseln; in der Sahelzone überwiegen die Trockenperioden allerdings deutlich.
In den 1970er- und 1980er-Jahren sanken die Niederschläge sogar unter das Normalniveau, was zu einer Hungersnot führte, der schätzungsweise eine Million Menschen zum Opfer fiel. Seit 1985 ist es wieder feuchter; die Sahelzone präsentiert sich heute daher deutlich grüner als vor 30 Jahren.
Wüstenbildung
Dennoch geht weiterhin täglich fruchtbarer Boden durch Überweidung und Abholzung verloren, was die Wüstenbildung fördert. 2007 kam es daher zu schweren Überschwemmungen, weil die trockenen Böden das Regenwasser nicht mehr aufnehmen konnten.
Um diesen Tendenzen entgegenzuwirken, beschloss die Afrikanische Union im Juli 2005, eine «grüne Mauer» zu errichten. Konkret soll zwischen der senegalesischen Hauptstadt Dakar und Dschibuti ein 7000 Kilometer langer und 15 Kilometer breiter Waldstreifen entstehen, der in erster Linie aus einheimischen Bäumen und Sträuchern (etwa Akazien oder Tamarinden) sowie weiteren Pflanzen besteht. Dadurch soll die Ernährung der lokalen Bevölkerung sichergestellt, aber auch der Export angeregt werden. Erwünschte Nebenfolgen des Projekts wären häufigere Regenfälle, ein Anstieg des Grundwasserspiegels sowie ein besserer Schutz gegen Sandstürme.
Mangelnde Umsetzung
Bei der Verwirklichung dieser ehrgeizigen Pläne hapert es allerdings noch. Einzig im Senegal ist bisher ein 20 Kilometer langer Baumstreifen entstanden, der im Wesentlichen von der dort ansässigen Bevölkerung gepflanzt wurde. Wenn es nach dem senegalesischen Umweltminister geht, wird er in den nächsten Jahren auf 500 Kilometer anwachsen. Das Geld für die Setzlinge stammt vom Staat, aber auch von der Europäischen Union. Die restlichen Staaten der Sahelzone (beispielsweise Mali, Niger oder der Tschad) müssten nun nachziehen, doch dafür gibt es momentan wenig Anzeichen.
Auch das Projekt im Senegal ist nicht unumstritten. Der einheimische Umweltexperte Haïdar al Ali moniert, dass jedes Jahr deutlich mehr Fläche verloren gehe, als wieder aufgeforstet werde, da die Bauern grosse Teile des Waldes wieder abbrennen würden, um an landwirtschaftliche Nutzfläche zu kommen. Dennoch stimmt optimistisch, dass bisher mehr als 80 Prozent der Setzlinge überlebt haben.
(rm)>
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10.12.2010: Wikileaks enthüllt: Shell regiert faktisch Nigeria
aus: Financial Times Deutschland: Shells Einfluss in Nigeria; 10.12.2010;
http://www.ftd.de/politik/international/:wikileaks-splitter-was-shell-und-pfizer-in-nigeria-trieben/50203765.html
<Der Ölkonzern Shell soll alle für seine Geschäfte relevanten Ministerien in Nigeria unterwandert haben. Die US-Diplomaten berichten von einem Treffen mit der Shell-Topmanagerin Ann Pickard. Sie habe ihnen einen Brief gezeigt habe, aus dem hervorgehe, dass Nigeria China aufgefordert habe, sich um Ölkonzessionen zu bewerben. "Sie sagte, die Regierung habe vergessen, dass Shell Abgesandte in allen wichtigen Ministerien habe und dass Shell folglich Zugang zu allem habe, was in diesen Ministerien passiere."
Nigeria ist Afrikas größtes Erdölexportland. Jahrzehntelang beherrschten Ölkonzerne wie Exxon Mobil , Total und Shell den wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes. Von Mitte 2006 bis zu einer Amnestie im vergangenen Jahr waren die Ölanlagen Ziel zahlreicher Anschläge.
Laut einer Depesche vom September 2008 wollte Pickard ihre Geheiminformationen mit den US-Vertretern teilen. Doch ganz geheuer war ihr das offenbar nicht: "Pickard hat uns wiederholt gesagt, sie spreche nicht gerne mit Vertretern der US-Regierung, weil es dort undichte Stellen gebe", heißt es in dem Dokument.Der Ölkonzern bezeichnete die Berichte als unwahr. Shell werde sie nicht weiter kommentieren. (FTD.de)>-----
Mosambik 10.12.2010: 35 leere Luxushotels stehen seit 35 Jahren leer an den Stränden seit der Unabhängigkeit Mosambiks
aus: Welt online: Mosambik: Wenn aus Luxus-Hotels Geisterhäuser werden; 10.12.2010;
http://www.welt.de/reise/Fern/article11526639/Wenn-aus-Luxus-Hotels-Geisterhaeuser-werden.html
<Verblasster Glanz: Einstige Edelherbergen stehen heute in Mosambik zu Dutzenden leer. Es sind keine Touristen, die in den Ruinen der Hotels leben.
Als die Zeit den Tanzsaal des "Chongoene Hotel João Belo“ betrat, da drängte sie den Glamour hinaus. Bald nahmen Diebe Vorhänge mit und Gemälde von der Wand. Dann wurden Türen gestohlen, irgendwann stürzte die Decke links von der Bühne ein. Sonnenstrahlen bahnen sich seither ihren Weg durch das morsche Gebälk. Von rostigen Bauträgern gestützt, harrt er seit Jahrzehnten der Dinge, die da kommen werden, der Treffpunkt der einstigen Hautevolee Mosambiks.
In Mosambik stehen seit der Unabhängigkeit des Landes vor 35 Jahren Dutzende Luxushotels leer. Eines davon ist das "Chongoene Hotel João Belo".
Wer den verfallenen Raum sieht, der mag kaum glauben, dass hier einmal Marrabenta gespielt wurde – jene Musik, die ihn Anfang der 70er-Jahre gefüllt haben muss. Unfassbar auch, dass hier Lederschuhe auf dem Holzboden geklackert haben, der hier einmal den Beton bekleidet hat. Das "Chongoene Hotel João Belo“ ist heute nur noch ein Skelett, sein Leben hauchte es vor vielen Jahren an der Küste der mosambikanischen Kleinstadt Xai-Xai aus, getötet vom Lauf der Geschichte.
"Mehrmals pro Woche gab es Tanzveranstaltungen, bis tief in die Nacht“, sagt Ricardo, der Wachmann mit dem melancholischen Blick. Er hat bis 1975 hier gearbeitet, die Koffer von Urlaubern aus Südafrika und Rhodesien (heute Simbabwe) geschleppt. Der 56-Jährige ist immer noch da, als letzter Bewohner des 110-Zimmer-Hotels. An den meisten Tagen sind verarmte Fischer die einzigen Menschen, die er vor der einst prachtvollen Promenade sieht.
Seit 35 Jahren nun ruht das Relikt aus portugiesischen Kolonialzeiten. Wie so viele verlassene Hotels entlang der Küste, allesamt steinerne Zeugen der Geschichte Mosambiks, das einst zu den populärsten Reisezielen Afrikas gehörte. Bis zu jener sogenannten 20-24-Anweisung im Jahr 1975. Damals gaben die Befreiungskämpfer den gerade entmachteten Kolonialherren 24 Stunden Zeit, das Land zu verlassen – mit maximal 20 Kilogramm Gepäck pro Kopf. Es war der Tag, an dem die Pforten des "Chongoene Hotels“ endgültig schlossen, während der bald beginnende Bürgerkrieg die knapp 20 Millionen Mosambikaner endgültig zu einem der ärmsten Völker der Erde machte.
Der Bürgerkrieg ist zwar seit 18 Jahren beendet, der Wirtschaftsaufschwung kommt trotzdem nur sehr langsam in Xai-Xai an, das einige Autostunden nördlich der Hauptstadt Maputo liegt. Zuletzt betrug das Wirtschaftswachstum Mosambiks bis zu neun Prozent jährlich, der Tourismus wuchs sogar zweistellig. In den kommenden zehn Jahren sollen zwei Milliarden US-Dollar in diesen Sektor investiert werden, versprach die Regierung Anfang Oktober: "Ziel ist es, den Norden in ein führendes Touristenziel zu transformieren.“
Einige der weltweit schönsten Tauchreviere - [1000e verstümmelte Menschen durch den Bürgerkrieg - und 80 Dollar Visumgebühr]
Das Potenzial dazu hat das Land mit seinem wunderbaren Klima und seinen 2470 Küstenkilometern fraglos, es wirbt zu Recht mit einigen der weltweit schönsten Tauchreviere. Und auch die Landminen sind in den meisten Gebieten beseitigt – auch wenn ihr Schrecken durch Tausende verstümmelte Menschen lange allgegenwärtig bleiben wird.
Vor allem Südafrikaner haben das Land als Reiseziel wiederentdeckt, noch aber steckt die Wiederbelebung des Tourismus in den Kinderschuhen. Für eigenständig Reisende bleibt ein gewisses Maß an Unplanbarkeit – und das liegt nicht nur daran, dass gerade der Norden nur mit dem Geländewagen erreicht werden kann. Am Grenzübergang zu Südafrika hängt ein verknitterter DIN-A4-Zettel, auf dem steht, dass die Visumgebühr vor vier Tagen auf 80 US-Dollar festgelegt worden sei. Vorher waren es nur 30 Dollar. Eine den Tourismus fördernde Maßnahme ist das gewiss nicht.
[Willkür-Bussen wegen gar nichts - die Mosambik-Polizei kassiert von weissen Ausländern]
141.000 neue Jobs im Tourismus hat die Regierung versprochen, doch die Korruption könnte eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu diesem ehrgeizigen Ziel werden. Dreimal stoppt die Polizei unser Auto auf dem Weg von Südafrika nach Xai-Xai und verlangt Bußgeld. Einmal fehlen angeblich Papiere, ein anderes Mal haben wir verbotenerweise das Navigationssystem in der Nähe eines Parkverbotsschilds bedient, zuletzt wurden wir wegen "riskanten Überholens“ belangt – mit Tempo 80 auf einer leeren Landstraße.
Viele geben sich als Investoren aus
Ricardo hat Arbeit, doch er weiß selbst nicht genau, worauf er in der Hotelruine eigentlich aufpassen soll. "Ich soll verhindern, dass hier Unfälle passieren“, sagt er. Gestohlen werden kann kaum noch etwas. In einigen Zimmern stehen noch leere Bettkästen, alles andere von Wert ist längst verloren gegangen. Auch das Hotel ist verloren: Während einige Kilometer entfernt für acht Millionen Euro ein neuer Hotelkomplex entsteht, wird der alte Bau aller Voraussicht nach nicht renoviert werden.
"Das Gebäude gehört nach wie vor den d'Oliveiras, einer alten Unternehmerfamilie, die sehr zurückgezogen lebt“, sagt Daniel Cromhout. Der drahtige Südafrikaner bietet einige Kilometer weiter Touren mit Quad-Motorrädern an, ihn fasziniert die Geschichte des Hotels. Cromhout sagt, es habe vor einigen Jahren einen dubiosen Investor gegeben, der behauptete, Geld für eine Renovierung aufgetrieben und das Hotel erworben zu haben. Angeblich sollte es vor zwei Jahren neu eröffnen – doch da war von dem Projekt längst keine Rede mehr. "Es gibt viele Leute, die sich in Mosambik als Investoren ausgeben“, winkt Cromhout ab. Der 43-Jährige geht manchmal durch die malerisch verfallenen Ruinen. Sie würden eine Ruhe ausstrahlen, die er nur an wenigen anderen Orten finde.
Im Hotel leben 3000 mittellose Menschen
Auch das ehedem berühmteste Hotel Mosambiks wird wohl nie wieder seinen alten Glanz zurückgewinnen. 1000 Kilometer weiter nördlich steht das "Grande Hotel Beira“, es schloss 1963 nach nur zwölf Jahren Betrieb, als der Unabhängigkeitskampf an Brutalität zunahm. Karl Foufas Stimme klingt ein wenig melancholisch, wenn er über die 350 Räume spricht, die einst mit dem Slogan "Stolz von Afrika“ beworben worden waren. Mehrere Wochen verbrachte der Kameramann im Jahr 2006 in ihnen, als er eine preisgekrönte Dokumentation über das Hotel drehte.
"Heute leben im 'Hotel Beira' 3000 mittellose Menschen, ohne Wasser, ohne Strom“, sagt er. Der Keller des Hotels sei nach der Schließung lange als Gefängnis für politische Häftlinge genutzt worden, der dritte Stock diente Polizei und Armee als Unterkunft. 1981 wurde es von der Bevölkerung übernommen. "Da ist ein eigenes kleines Dorf in dem Gebäude entstanden“, sagt Foufas. Mit Bürgermeister, Richter und eigener Müllabfuhr.
Die Angst vor dem Einsturz ist groß
Das riesige Schwimmbad dient als Waschstätte, die Frauen nutzen das dreckige Regenwasser für die Reinigung der Kleidung. Foufas glaubt nicht, dass dieses Gebäude jemals wieder als Hotel verwendet werden kann. "Die Stadt will das Haus abreißen. Eine Tragödie für die Menschen, die hier leben.“ Aber: Die Mauern sind nicht mehr sicher. Vor fünf Jahren stürzten Teile des Hotels bei einem Erdbeben ein. Damals starb zwar lediglich ein Mensch, der in Panik aus dem Fenster gesprungen war. Doch die Angst vor einem Einsturz ist unter den Bewohnern seither groß.
So konkret wie in Beira sind die Pläne in Xai-Xai noch nicht. Wachmann Ricardo sitzt auf seinem Lieblingsplatz vor dem Hotel, dort, wo einst die Sonnenschirme standen. Unzählige Stunden hat er von hier aus schon auf das Meer gestarrt. "Ich weiß von keinen neuen Plänen“, sagt er. In den vergangenen Jahren war jeder Tag wie der andere, kaum vorstellbar, dass es jemals anders sein könnte. Seine Frau bringt ihm fünf Liter Wasser und ein Brot vorbei – wie immer um elf Uhr morgens.
Er wird sein Hotel noch lange für sich haben. Zum Abschied zeigt er noch die drei Küchen, die Bar und die Rezeption. Mit stolzem Lächeln. Fast, als wäre es sein eigenes Haus.>
<Die Tierwanderung von der Serengeti in die Massai Mara lockt alljährliche tausende Touristen nach Tansania und Kenia. Gegen das Straßenbauprojekt durch die Serengeti, die diese "Great Migration" empfindlich stören würde, laufen jetzt afrikanische Naturschützer Sturm.
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10.12.2010: <Afrikanische Naturschützer greifen an: Klage gegen Serengeti-Strasse>
aus: n-tv online; 10.12.2010; http://www.n-tv.de/reise/Klage-gegen-Serengeti-Strasse-article2118941.html
Das afrikanische Naturschutzbündnis ANAW hat vor dem Ostafrikanischen Gerichtshof in Arusha Anzeige gegen ein geplantes Straßenbauprojekt durch die Serengeti erstattet. Der Rechtsanwalt Saitabao Ole Kanchory kündigte an, das Bündnis wolle bei Gericht nicht nur einen vorläufigen Stopp des Projekts erreichen, sondern auch eine Entscheidung, dass der geplante Highway durch den Nationalpark nicht mit den Vorschriften der Ostafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft zu vereinbaren seien. Damit soll das Projekt dauerhaft gestoppt werden.
Nach den Plänen der tansanischen Regierung sollen im kommenden Jahr die Arbeiten an der Fernstraße beginnen, die die Städte am Viktoriasee mit der nordtansanischen Stadt Arusha und dem Hafen in der Wirtschaftsmetropole Daressalaam verbinden soll. Bisher kam die wirtschaftliche Entwicklung der Städte in Westtansania wegen der fehlenden Infrastruktur nur schleppend voran.
Proteste aus aller Welt
Allerdings soll ein mehr als 100 Kilometer langer Streckenabschnitt der Straße durch das Naturschutzgebiet Serengeti führen. Umweltschützer aus aller Welt haben in den vergangenen Monaten gegen diese Pläne protestiert. Sie fürchten die Zerstörung der traditionellen Wanderwege Hunderttausender Gnus und Zebras von der Serengeti in die angrenzende Massai Mara in Kenia und dramatische Folgen für das Ökosystem der Serengeti.
Die alljährliche Gnuwanderung lockt tausende Touristen nach Tansania und Kenia, die das Naturschauspiel beobachten wollen. Die Naturschützer argumentieren, dass eine Straßenführung südlich der Serengeti nur unwesentlich teurer und länger wäre, als die Straße mitten durch das Naturschutzgebiet zu bauen.
dpa>
29.3.2011: <Studium in Äthiopien: Wo die Armen in Blechkästen wohnen>
aus: Spiegel online; 29.3.2011;
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,753652,00.html
<Aus Addis Abeba berichtet Katrin Rössler
Ein Zimmer zu sechst und keine Bücher: Das ostafrikanische Äthiopien macht es seinen Studenten nicht leicht. Trotz knapper Ressourcen werden im ganzen Land neue Hochschulen gebaut. Der deutsche Student Till Trojer lebte ein halbes Jahr in einem der ärmsten Länder der Welt.
Auf dem Mittelstreifen einer zweispurigen Straße liegen Menschen. Einfach so. Sie schlafen. Vielleicht ist auch einer von ihnen tot. Manchmal kommt jemand und stößt sie mit dem Fuß an, um zu sehen, ob sie noch leben. Leprakranke betteln auf der Straße, am Rand stehen Blechcontainer auf kurzen Holzbeinen - typische Einzimmerappartements in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Sie sehen aus wie Särge.
Für Till Trojer gehören diese Bilder zum Alltag. Der 24-jährige Student der Angewandten Afrikawissenschaften verbrachte das Wintersemester an der Universität Addis Abeba. Der Deutsche ist einer der ersten Studenten der Uni in Bayreuth, die hier ein Austauschprogramm absolvieren.In kurzer, grüner Leinenhose sitzt Till vor dem "Lime Tree", dem Studentencafe auf dem Hauptcampus seiner Uni. Auf Amharisch, der äthiopischen Landessprache, bestellt er ein Wasser. Tills Amharisch ist so gut, dass er sogar noch einen kleinen Plausch hält. Er fühlt sich wohl in Äthiopien. "Die Menschen in Afrika haben mich in ihren Bann gezogen, mit ihrer Gelassenheit und ihrer offenen Art", sagt Till.
Der gebürtige Starnberger hat schon 14 afrikanische Staaten bereist. Und obwohl Äthiopien eines der ärmsten Länder war, hat es ihm das Heimatland des Kaffees besonders angetan. Gemeinsam mit seinem äthiopischen Freund Kume wohnt Till in einer Wohnung in der Nähe der Uni.
Sechs Studenten teilen sich ein Zimmer
In diesem Viertel leben nur Einheimische und auch sonst hat Till in Addis kaum Kontakt zu anderen Weißen. Im Monat kommt der junge Bayer mit 250 Euro aus, inklusive Miete. Davon kann er ins Kino gehen und an den Wochenenden Ausflüge ins Umland machen. Manchmal leistet er sich auch ein Jägerschnitzel im deutschen Biergarten von Addis Abeba.
Für äthiopische Verhältnisse führt er ein luxuriöses Leben. Viele seiner Kommilitonen verlassen den Campus kaum, weil sie sich das Leben außerhalb nicht leisten können. Auf dem Universitätsgelände sind sie mit dem Nötigsten versorgt, Unterkunft und Essen zahlt ihnen der Staat. Luxus ist da nicht drin: In den Wohnheimen teilen sich sechs Studenten ein Zimmer. Manchmal sind die Matratzen auf dem Boden die einzige Möblierung.
Zwar gibt es in Äthiopien keine Studiengebühren, aber oft übersteigen schon die Kosten für Bücher die finanziellen Möglichkeiten der Studenten. Üblich ist es, dass Eltern ihre Kinder mit umgerechnet zehn Euro im Monat unterstützen, aber manche können sich auch das nicht leisten.
Die finanziellen Nöte der Studenten sind auch für die Professoren nicht leicht zu handhaben, sagt der Deutsche Karsten Schlesier. Er ist Leiter des Lehrstuhls für Tragkonstruktionen an der Universität Addis Abeba und seit drei Jahren als Dozent in Äthiopien.
"Die einen fahren im neuen Toyota Jeep vor, die anderen können sich die Materialien für den Unterricht nicht leisten", sagt er. Da sei es in Klausuren schwierig festzustellen, welcher Student sich einen Taschenrechner aus Geldmangel mit einem Kommilitonen teilen muss und wer schlicht versucht zu täuschen.
"Jemand, der nichts hat, ist hier kein Außenseiter"
Das starke Gemeinschaftsgefühl unter den Studenten schätzt der deutsche Gastprofessor allerdings auch an den jungen Äthiopiern. "Jemand, der nichts hat, ist hier kein Außenseiter", sagt Schlesier. Manchmal wünscht er sich sogar mehr Widerspruch - besonders dann, wenn sich ihre Studiensituation verschlechtert.
Das war zum Beispiel 2008 der Fall, als sich die Zahl der Studenten auf dem Nordcampus plötzlich versiebenfachte und Chaos ausbrach. "An einer deutschen Uni wäre das so nicht hingenommen worden, aber die äthiopischen Studenten haben es einfach geschluckt", sagt Schlesier.
Der Versuch, Äthiopien durch mehr Hochschulabsolventen über Nacht in die Zukunft zu katapultieren, scheiterte. Der Grund: Die nötige Infrastruktur fehlte. Obwohl seitdem einiges verbessert wurde - zum Beispiel am Internetzugang, an der Ausrüstung mit Computern und Druckern oder auch am Zustand der Universitätsgebäude - besteht das Problem auch 2011 noch: "Das System hinkt nach", sagt Schlesier.
Auch außerhalb von Addis Abeba zeigt sich das: Im ganzen Land werden neue Universitäten gebaut, mit großer Unterstützung durch deutsche Entwicklungshelfer. An Ausstattung und qualifizierten Dozenten fehlt es aber.
Notizen aus dem Hörsaal sind das einzige Material zum Lernen
Für Austauschstudenten Till waren die äthiopischen Unterrichtsmethoden anfangs gewöhnungsbedürftig: Keine Seminare, nur Vorlesungen. Und es kam durchaus vor, dass der Professor den Stoff zwei Stunden lang einfach diktierte. "Es geht hier viel mehr darum, Wissen auswendig zu lernen, als eine eigene Meinung zu entwickeln und zu hinterfragen", sagt Till. An der Uni Addis Abeba hatte er Soziologie und Sozialanthropologie belegt.
Trotz des Frontalunterrichts seien die äthiopischen Studenten motivierter als in Deutschland: Wenn sich hier 90 Studenten in einen Raum quetschen, dann ist es für die Zeit der Vorlesung absolut ruhig, erzählt Till. Das sei in Deutschland anders. "Bei uns hat doch jeder Dritte während der Vorlesung einen Laptop auf dem Schoß und klickt bei Facebook herum."Allerdings sind die Vorlesungen in Äthiopien auch wichtiger als in Deutschland. Oft sind die Notizen aus dem Hörsaal das einzige Material, mit dem die Studenten lernen können. Denn wer es zu Semesterbeginn verpasst, sich die Ausleihkarten für die Bibliothek zu besorgen, kann keine Bücher mit nach Hause nehmen. Und in der Bibliothek zu lernen, ist auch nicht angenehm, hat Till festgestellt. Denn es gibt keine einzige Toilette im Gebäude. Da hilft es wenig, dass die Bibliothek 24 Stunden geöffnet ist.
Mit diesen Besonderheiten des Studiums in Äthiopien hat Till im vergangenen Semester gelernt umzugehen. Mittlerweile sind die Prüfungen geschrieben und alle Hausarbeiten abgegeben. Bis Ende April bleibt er noch als Reiseführer für deutsche Touristen im Land, dann geht es zurück nach Deutschland. "Aber es wird kein Abschied für immer sein.">
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7.4.2011: Alte Kenianer fordern Entschädigung für Folter im Unabhängigkeitskrieg gegen GB 1952-1963
aus: 20 minuten online: Grossbritannien: Kenianer wollen Geld für Kolonial-Gräuel; 7.4.2011;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/27750949
<Wegen der brutalen Kriegsführung der Briten im kenianischen «Mau-Mau»-Krieg klagen ältere Kenianer nun auf Entschädigung.Grossbritannien wird von den Grausamkeiten seiner einstigen Kolonialherrschaft eingeholt: Vier ältere Menschen aus Kenia sind am Donnerstag in London vor Gericht gezogen, weil sie zum Ende der Kolonialzeit in ihrem Heimatland von den Kolonialherren gefoltert worden seien.
Die Kenianer konnten erst nach blutigen Kämpfen ihre Freiheit feiern.(Bild: Keystone) Infografik Die Entkolonialisierung AfrikasDer High Court hat acht Verhandlungstage angesetzt. Das britische Aussenministerium erklärte sich für die Ansprüche der Kläger für nicht zuständig. Juristisch habe der kenianische Staat die Rechtsnachfolge der ehemaligen Kolonie angetreten. Anwälte der Kläger bezeichneten diese Rechtsauffassung als «zynisch».
In Kenia hatten Aufständische in den 1950er Jahren ihr Land von den Kolonialherren zurückgefordert und den «Mau-Mau»-Krieg begonnen.
Der Aufstand von 1952 bis zur Unabhängigkeit 1963 wurde zum blutigsten Kolonialkrieg der Briten. Nach Angaben der kenianischen Regierung und kenianischer Menschenrechtsorganisationen wurden damals
(sda)>90 000 Kenianer hingerichtet, gefoltert oder verstümmelt.160 000 Menschen wurden eingesperrt.
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19.8.2011: <Jahrhundertprojekt in Afrika: "Kaza" soll Tier-Paradies werden> - ein multinationaler Nationalpark
aus: n-tv online; 19.8.2011;
http://www.n-tv.de/reise/Kaza-soll-Tier-Paradies-werden-article4092786.html
<Ein Paradies für Tiere soll es werden: Zebras und Giraffen im Naturschutzgebiet Kaza in Afrika.
Im Süden Afrikas entsteht ein riesiges, länderübergreifendes Naturschutzgebiet. Mit deutscher Hilfe soll ein Traum verwirklicht werden, der Einheimischen hilft und Touristen anlockt. Angesichts der Probleme ist es ein "Jahrhundertprojekt". Doch es gibt Skepsis.
Der Friedhof der unerfüllten Träume ist in Afrika besonders groß. Manche kühne Visionen der Entwicklungshilfe liegen dort begraben. Das Projekt des größten Naturschutzgebiets in Afrika, das sich über fünf Staaten erstreckt, soll nicht dazu gehören. "Wir sind schon in Namibia, Botsuana oder Sambia ein großes Stück vorangekommen", versichert Philipp Göltenboth von der Naturschutzorganisation WWF. Aber auch er weiß, dass es angesichts der politischen Probleme vor allem in den beiden anderen beteiligten Ländern, in Simbabwe und Angola, "um ein Jahrhundertprojekt geht. Wir sind noch ganz am Anfang". Andere Experten sind noch skeptischer.
Ein Hinweis auf die Bedeutung des Projekts "Kaza"-Naturpark für die beteiligten Länder gibt schon die öffentliche Resonanz. Während in Deutschland die Unterzeichnung des "Kaza"-Abkommens am Rande des Gipfels der südafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft SADC in Luanda viel beachtet wurde, gab es in den Medien der betroffenen Staaten wenig Aufmerksamkeit.
Gut für Naturschutz, Tourismus und Bevölkerung
Dabei soll "Kaza", eine Wortschöpfung aus den Flussnamen Kavango und Sambesi, keineswegs nur dem Naturschutz und dem Tourismus dienen. Ganz besonders profitieren soll die lokale Bevölkerung in den Weiten Afrikas. Wohl deshalb tragen das deutsche Entwicklungsministerium und die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau mit 20 Millionen Euro den Löwenanteil der Fremdfinanzierung in den kommenden Jahren.
In Namibia profitieren nach den Worten von Göltenboth bereits Hunderttausende von der Schaffung von "Gemeindeschutzgebieten", die ein Kernstück des Projekts seien. Die Dorfbewohner und Stämme sollen durch neue Rechte auf ihr Gebiet sowie die Beteiligung an Tourismusprojekten ein gesteigertes Interesse an der Aufrechterhaltung des Wildbestands haben. Das helfe dem Tierschutz und den Menschen. Nun ist das große Namibia mit gerade mal 2,2 Millionen Einwohnern eines der am dünnsten besiedelten Staaten der Welt - in dem der Naturschutz schon heute einen großen Stellenwert besitzt. Nicht gerade typisch für das südliche Afrika.
Die Peace-Park-Stiftung in Stellenbosch bei Kapstadt, die die Arbeit der involvierten Naturschutzorganisationen koordiniert, glaubt, dass das "Kaza"-Projekt nun nach der Vertragsunterzeichnung seine eigene Dynamik entfalten werde. Die Schaffung von transnationalen Wild-Korridoren für die etwa 300.000 Elefanten im südlichen Afrika sei beispielsweise eines der wichtigen Ergebnisse. Nun sei eine gleichmäßigere Verteilung der Tiere möglich. Denn in Botsuana gebe es über 130.000 der Dickhäuter, in Angola nur 800.
"Die Kooperation zwischen den Staaten beim Schutz der Tiere wird nun einfacher", betonte Stiftungsmanager Paul Bewsher. Aber auch er weiß, dass viele Zielvorgaben des Projekts noch in weiter Ferne liegen: Dazu gehört der Plan, dass Touristen künftig mit einem einzigen Visum alle 36 "Kaza"-Schutzgebiete in den verschiedenen Staaten besuchen könnten.
Zunächst nur auf der Landkarte
Das zunächst auf der Landkarte geschaffene Naturschutzgebiet soll ein neues Paradies für Elefanten, Leoparden, Flusspferde, Antilopen oder Zebras werden. Aber die Region von der Größe Schwedens ist von enormen Unterschieden geprägt. Während manche Nationalparks im südlichen Afrikas schon heute hohen Ansprüchen sowohl des Tierschutzes als auch des Tourismus genügen, liegen viele Gebiete im Argen. Vor allem gilt das für Simbabwe: "Eine absolute Katastrophe" nannte Güldenboth die Situation der Nationalparks in dem Land, das der autokratische Präsident Robert Mugabe ruiniert hat.
Der deutsche Unternehmer Willy Pabst, Besitzer eines 600 Quadratkilometer großen Naturschutzparks in Simbabwe, beklagt viele Missstände im Natur- und Wildschutz. Regierungsbeamte machten keinen Hehl daraus, dass im vergangenen Jahrzehnt fast 80 Prozent des Wildbestands verloren gegangen seien. "Das Kaza-Projekt ist wunderschöne Zukunftsmusik, aber derzeit in Simbabwe mangels Infrastruktur und Geld wenig realistisch." Andere Experten in Harare berichten, dass die kargen Gelder für den Natur- und Wildschutz meist bei korrupten Spitzenbeamten landeten. Westliche Diplomaten haben auch im Öl-reichen Angola wenig Vertrauen in die Bürokratie.
Das "Kaza"-Projekt habe dennoch langfristig "das Potenzial, das wichtigste Naturschutzprojekt der Welt zu werden", schwärmte Göltenboht. Allerdings löst es kaum die brennenden Probleme des Wildschutzes im südlichen Afrika: Dazu gehört beispielsweise, dass die Zahl der gewilderten Nashörner dieses Jahr im südlichen Afrika auf eine neue Rekordmarke zusteuert.
Laszlo Trankovits, dpa>
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12.9.2011: Brandstifter in Südafrika: <Proteste: Junge Afrikaner rebellieren gegen Weisse und Ältere> unter der Führung von "Jugendführern"
aus: Welt online; 12.9.2011;
http://www.welt.de/politik/ausland/article13600673/Junge-Afrikaner-rebellieren-gegen-Weisse-und-Aeltere.htmlSüdafrikas Jugendführer Julius Malema steht für die Scharfmacher, die Afrikas Jugend in eine chaotische Protestwelle treiben. Überall auf dem Kontinent flammen Unruhen auf.
Anhänger von Juliua Malema im südafrikanischen Johannesburg. Viele singen das Anti-Apartheids-Kampflied "Kill the Boer" ("Tötet den Weißen"), das Malema wieder populär gemacht hatte. Ihm wurde das Singen des Liedes mittlerweile verboten.
Das weiße Zelt im Johannesburger Armenviertel Alexandra ist überfüllt, und ein paar ältere Frauen suchen verzweifelt nach freien Stühlen. Respekt vor Älteren hat in Südafrika oberstes Gebot, und so bittet der Sprecher auf der Bühne, Platz zu machen. Doch die Jugendlichen weigern sich lautstark. „Das hier ist unsere Veranstaltung“, rufen sie, so erzählen es später Presseberichte. So müssen die Seniorinnen bei der Kundgebung zum 67. Gründungsjubiläum der Jugendliga von Nelson Mandelas Afrikanischem Nationalkongresses ANC zu Füßen der Bühne Platz nehmen. Neben den Kindern.
Solche Demütigungen gehören noch zu den gewaltfreieren Auswüchsen, mit denen die Jugendliga das Land drangsaliert, seit an ihrer Spitze ein ebenso charismatischer wie bedrohlicher junger Mann steht – der Stargast an diesem Tag: Julius Malema, 30 Jahre alt, umstrittenster Politiker der afrikanischen Wirtschaftsmacht und bekennender Bewunderer von Simbabwes Diktator Robert Mugabe.
Sobald der Begrüßungsapplaus verhallt war, belohnte Malema seine Anhänger mit einem besonders wütenden Ausbruch am Podium: „Wir sind im Krieg, und wir sollten ihn vorantreiben“, sagte er und: „Es wird Verluste geben, aber ich weiß, dass wir gewinnen werden.“
Malema ruft zu Staatsstreich in Botswana auf
Malema hielt sein Plädoyer für die Neuverteilung der Böden in Südafrika bewusst in Alexandra. Die völlig übervölkerte Gegend gehört zu dem ärmsten des Landes, dabei liegt sie nur zehn Minuten Autofahrt von dem edlen Bankenviertel Sandton entfernt. Ein Spiegelbild der sozialen Unterschiede, die in Südafrika größer sind als in jedem anderen Land dieser Wirtschaftskraft.
In Alexandra, so der Sandton-Bewohner Malema, befänden sich „die verlässlichsten Kräfte der Revolution“. Und die heizt der Liebhaber deutscher Luxus-Karossen an wie nie zuvor. Seit zwei Wochen muss sich Malema mit seinen Führungskräften vor einem Parteigericht des ANC verantworten. Ungeachtet einer gerade einmal ein Jahr zurückliegenden Verwarnung hatte er seine Volksverhetzungen gegen die weiße Minderheit weiter verbreitet und zuletzt gar zum Staatsstreich im Nachbarland Botswana aufgerufen, dessen Regierung „in voller Kooperation mit Imperialisten“ handele.Das war in der Summe selbst für den ANC zu viel, der an medienwirksame Provokationen der Jugendliga gewöhnt ist. Malema habe dem Parteiansehen geschadet und versuche sie zu spalten, so der Vorwurf.
Der Angeklagte scheint inzwischen selbst seinen Rauswurf aus der Partei für möglich zu halten. Er gilt als Bedrohung für Präsident Jacob Zuma, den er vor vier Jahren noch auf dem Weg an die ANC-Spitze unterstützt hatte. „Wenn sie mich ausschließen, dann gehe ich mit reiner Seele“, bekannte er in seiner Geburtstagsrede heldenmütig. Sein Verbrechen bestehe lediglich darin, die Menschen an ihre Rechte zu erinnern: „Wir wollen unser Land zurück, und wir wollen es umsonst!“, donnerte er vom Podium herab. Dafür brauche er nicht die Erlaubnis des ANC.
Spätestens seit vor zwei Wochen rund 1000 Jugendliga-Anhänger vor der Parteizentrale für Malemas Freispruch demonstrierten und nebenbei in der Johannesburger Innenstadt randalierten, scheint der Chef davon überzeugt, überhaupt nicht mehr auf die Partei angewiesen zu sein.
Horrende Jugendarbeitslosigkeit
Sicher ist, dass Populisten wie er aus einem gewaltigen gesellschaftlichen Konfliktpotenzial schöpfen können: Ein Viertel der Bevölkerung ist zwischen 15 und 24 Jahren alt – und jeder Zweite davon ist arbeitslos. Auch für die etwas Älteren sind die Zukunftsperspektiven kaum rosiger: Das Institut für Rassenbeziehungen berechnete vor kurzem, dass die Hälfte der heute 25 bis 34 Jahre alten Südafrikaner niemals in ihrem Leben eine geregelte Arbeit haben wird.
Südafrikas Vize-Präsident Kgalema Motlanthe bezeichnete die horrende Jugendarbeitslosigkeit noch im August als „tickende Zeitbombe“. Malema, der seinen Schulabschluss erst mit 21 Jahren schaffte, fehlen die Visionen für das Land. Aber der Halbwaise aus der verarmten Provinz Limpopo weiß um den sozialen Sprengstoff und verhält sich wie einer, der den Zünder lieber heute als morgen ziehen würde.
Die weiße Minderheit kontrolliert noch immer weite Teile der südafrikanischen Wirtschaft, sie besetzt über 70 Prozent der Führungspositionen. Diese Menschen seien, so Malema in seiner Rede, „Kriminelle, und man muss sie wie Kriminelle behandeln!“
Bei solchen Tiraden scheint Malemas Anhänger nicht zu stören, dass sich der Boss mit einem Gehalt von angeblich nur 2400 Euro den Bau einer pompösen Villa und diverse Luxusautos leisten kann. In Südafrika sind die Weißen das Ventil der Volksverhetzer. So bezeichnete Malema die Oppositionsführerin Helen Zille (eine Nachfahrin des Berliner Zeichners) als „Äffin“.
Frustration ist auf dem gesamten Kontinent groß
Doch die Hetze ist keine Spezialität der Kap-Republik. Die Frustration der Jugend ist auf dem gesamten Kontinent groß. Zwar erleben besonders rohstoffreiche Länder wie Angola oder Nigeria ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum, doch auf die Lebensbedingungen der Massen wirkt sich das kaum aus. Viele Länder haben mit gewaltigem Bevölkerungswachstum zu kämpfen, bis 2050 wird sich die Zahl der Afrikaner verdoppeln.
Die Misere ist alt. Neu ist dagegen die Vehemenz der Proteste südlich der Sahara. In Angola ließ die Polizei Anfang September Hunde auf 300 junge Aktivisten los, die in der Hauptstadt Luanda gegen die Regierung demonstrierten. 42 wurden verhaftet.
Auch in Uganda, Swasiland und Malawi kämpfen die Menschen gegen korrupte und ineffiziente Regierungsstrukturen. Oft aber profitieren die Herrscher vom Bildungsmangel der Jugend, den sie selbst verursacht haben. Mangelnde Investitionen in Bildung nutzen die Machthaber mitunter aus, sagte der Analyst Moeletsi Mbeki kürzlich im Interview mit "Welt Online".
Ausländische Investitionen gering
In Simbabwe ist Mugabes Terrororganisation „Grüne Bomber“ seit Jahren berüchtigt. Einst war sie als vermeintliche Berufsbildungsinitiative gegründet worden. In Nigeria missbrauchen Politiker junge Arbeitslose direkt als Straßenkämpfer. So befeuert die Krise den ethnisch-religiösen Konflikt zwischen Muslimen und Christen, dem laut UN in den vergangenen zehn Jahren etwa 10.000 Menschen zum Opfer fielen. Und in Somalia rekrutiert die islamistische al-Schabab nicht etwa wegen der Faszination der Scharia mühelos Nachwuchs, sondern vor allem mit einem regelmäßigem Einkommen.
Südafrika, die größte Volkswirtschaft des Kontinents, investiert beachtliche sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Bildung, doch die Ergebnisse sind dürftig. Konstruktive Beiträge zu diesen Versäumnissen ihrer Mutterpartei ist die Jugendliga mangels Kompetenz und Willen bislang schuldig geblieben. Malema hat keinen Einfluss auf die Gesetzgebung, doch seine Äußerungen haben dazu beigetragen, dass die dringend benötigten ausländischen Direktinvestitionen geringer als in anderen Schwellenländern wie Brasilien oder Indien fließen, mit denen sich Südafrika gerne auf Augenhöhe sehen würde.
„Warum sollte ein Unternehmen in den Minensektor eines Landes investieren, in dem pausenlos von Verstaatlichung die Rede ist?“, fragt Moeletsi Mbeki rhetorisch. Solche Parolen gehörten zu den Gründen, warum der wichtigste südafrikanische Wirtschaftszweig seit Jahren schrumpfe.
Wirtschaftswachstum schrumpft deutlich
Und die jüngsten Daten lassen wenig Raum für Hoffnung. Das Land spürt die Wirtschaftsschwäche seiner Handelspartner in Europa und Nordamerika empfindlich. Das Wachstum schrumpfte von 4,5 Prozent zu Beginn des Jahres auf nur noch 1,3 Prozent im zweiten Quartal – nicht annähernd genug, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Im Gegenteil, die rigiden Arbeitsgesetze und streikfreudigen Gewerkschaften verschärfen die Krise. Die Arbeitslosenquote steht auf einem Rekordniveau von 25,7 Prozent – damit gibt es fast so viele Arbeitssuchende wie dauerhaft Beschäftigte, etwa 9 Millionen.
Immerhin einen Dämpfer musste Malema nun einstecken. Ein Gericht verbot ihm das Singen des Anti-Apartheids-Kampflieds „Kill the Boer“ („Tötet den Weißen“). Niemand habe das Recht, ein Lied anzustimmen, das Bürger weißer Hautfarbe als Beleidigung empfinden könnten, erklärte Richter Colin Lamont. Seien derartige Lieder während der Apartheid legitim gewesen, käme diese nun in einer um Neuausrichtung der ethnischen Beziehungen ringenden Gesellschaft politischer Hetze gleich.
Malema hatte auf mehreren Veranstaltung der ANC-Jugendliga das Lied gesungen und als Kulturgut verteidigt – ungeachtet der Tatsache, dass seit Ende der Apartheid über 3000 weiße Bauern ermordet wurden. Nach dem jüngsten Urteil droht nun jedem, der das Lied anstimmt oder zitiert, strafrechtliche Verfolgung. Malema, so viel scheint sicher, wird dieses Risiko eingehen.>
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12.9.2011: Afrika macht Wahlkampf in Frankreich: Geldkoffer für französische Politiker
aus: Der Standard online: Die Kofferträger des Elysée-Palastes; 12.9.2011;
http://derstandard.at/1315006156608/Die-Koffertraeger-des-Elysee-Palastes
=====<Geldflüsse? Chirac, der Staatschef von Burkina Faso, Blaise Compaoré (li.) und der verstorbene Präsident von Gabun, Omar Bongo.
Erhielten französische Spitzenpolitiker wie Chirac, Villepin und Sarkozy millionenschwere Wahlkampfspenden aus Afrika? Das behaupten Mittelsmänner, die die Koffer selbst überbracht haben wollen.Die Angaben sind klar, präzis und explosiv. Gemäß dem Anwalt und Afrikaberater Robert Bourgi haben alle Präsidenten der Fünften Republik seit Georges Pompidou Koffer voller Bargeld von afrikanischen Präsidenten erhalten. Sie finanzierten damit ihre Wahlkämpfe in Frankreich und gewährten den Potentaten in Exkolonien im Gegenzug den Schutz der französischen Armee, die in Staaten wie Senegal oder Elfenbeinküste Militärbasen unterhält.
Bourgi ist nicht irgendwer: Der 66-jährige Franko-Libanese arbeitet seit Jahrzehnten im Dunstkreis der "Françafrique", jener obskuren Kanäle und Netzwerke, die in Westafrika ab den Sechzigerjahren an die Stelle des französischen Kolonialreiches getreten waren. Wie Bourgi am Montag gegenüber der Radiostation Europe 1 erklärte, überbrachte er zwischen 1995 und 2005 eigenhändig Bargeld "im Gegenwert von 20 Millionen Dollar" an den damaligen Präsidenten Jacques Chirac und dessen rechte Hand Dominique de Villepin - Letzterem unter dem Codenamen "Mamadou". Spendabel sei vor allem der heute verstorbene Präsident Gabuns, Omar Bongo, gewesen. "Die französischen Wahlen rücken näher, mein Sohn", habe er zu Bourgi jeweils gesagt und ihm einen Koffer voll Geldnoten ausgehändigt. Sie seien für das Elysée bestimmt gewesen.
In Frankreich sind solche Vorwürfe nicht ganz neu: Es ist ein offenes Geheimnis, dass die französische Entwicklungshilfe öfters als "rétrocessions" nach Paris zurückfloss und dort Wahlkampagnen finanzierte. Noch nie machte aber eine so zentrale Figur wie Bourgi so genaue Angaben. Beweise hat er nicht: Von diesen Praktiken gebe es naturgemäß "keine Spuren", meinte der Anwalt. "Aber die ganze politische Klasse Frankreichs war im Bild."
Wahlfinanzierungsgesetz
Bourgi spricht in der Vergangenheitsform: Seit 2005 würden keine Geldköfferchen mehr aus afrikanischen Hauptstädten nach Paris gelangen. Villepin habe damit 2005 selbst aufgehört, nachdem das Wahlfinanzierungsgesetz geändert habe. An Nicolas Sarkozy will Bourgi selbst nie solche Koffer ausgehändigt haben.
Diese Darstellung wird allerdings bestritten. In einem neuen Buch des Enthüllungsjournalisten Pierre Péan erklärt der frühere Ex-Afrikaberater Chiracs, Michel de Bonnecorse, Bourgi habe nach 2005 auch dem damaligen Innenminister und Präsidentschaftskandidaten Sarkozy einen "dicken" Koffer überbracht.
Ein weiterer gewichtiger Chirac-Berater, Jean-François Probst, erklärte am Montag ebenfalls, unter Sarkozy habe "nichts aufgehört"; der aktuelle Präsident habe von Bongo nach seiner Wahl 2007 "eine Milliarde CFA" - umgerechnet 1,5 Millionen Euro - erhalten. Wenn Bourgi behaupte, diese Praktiken seien unter Sarkozy eingestellt worden, sei das "die größte Lüge seines Lebens", fügte Probst an.
Die Pariser Medien gingen bisher ohne Einschränkung davon aus, dass Bourgi der wichtigste "offiziöse" Afrikaberater Sarkozys sei. Er soll zum Beispiel 2008 bewirkt haben, dass das Elysée den Entwicklungshilfeminister Jean-Marie Bockel entließ, weil dieser mit dem ganzen Filz der Françafrique aufräumen wollte. Gestern Montag bestritt Bourgi rundweg, dass er "in welcher Form auch immer" für Sarkozy tätig sei.
Wie Chirac hat Villepin umgehend angekündigt, er werde Bourgi wegen Verleumdung gerichtlich vorgehen. Die Linksopposition in Paris verlangt eine offizielle Untersuchung.
Warum Bourgi gerade jetzt an die Öffentlichkeit geht, vermag er selbst nicht genau anzugeben; er bezeichnete sich nur als "reumütig". (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2011)>
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Südafrika 27.9.2011: Nashornjagd ohne Ende in Afrika - die Reservate mit Nashörnern sind ohne Schutz
aus: Der Standard online: Südafrikas Privatreservate verlieren den Kampf. Hinsichtlich der Museumsdiebstähle konnte die portugiesische Polizei einen Erfolg verbuchen; 27.9.2011; http://derstandard.at/1315005520939/Nashoerner-Suedafrikas-Privatreservate-verlieren-den-Kampf
<Touws River/Lissabon - Mit quälendem Schrei sinkt das riesige Rhinozeros zu Boden. Wo vorher sein Horn saß, ist nur noch blutiges Fleisch. Obwohl sich der Tierarzt intensiv um seinen schwerverletzten Patienten kümmert, stirbt dieser nach sechstägigem Todeskampf. Er ist ein weiteres Opfer in der blutigen Schlacht um die Nashörner in Südafrikas Privatreservaten.
Eigentümer und Ranger sind weitgehend machtlos, für die hochgerüsteten Wildererbanden sind die Tiere leichte Beute. Und die grausame Jagd lohnt sich: Nach UNO-Schätzungen erzielt das Horn auf Asiens Schwarzmarkt Spitzenpreise von 50.000 Euro pro Kilogramm. Je nach Größe werden laut Europol mittlerweile zwischen 25.000 und 200.000 Euro pro Horn bezahlt.
Erfolg in Portugal
Diese Spitzenpreise dürften auch für ein relativ neues Phänomen in Europa verantwortlich sein: Die Plünderung von Nashornhörnern aus Museen, aber auch Zoos, Auktionshäusern sowie von Antiquitätenhändlern und privaten Sammlern. Wie berichtet hatten belgische Museen innerhalb von wenigen Wochen drei derartige Diebstähle gemeldet. Die portugiesische Polizei konnte am Freitag einen Erfolg verbuchen, den sie am Montag bekannt gab: Am Flughafen von Lissabon wurden zwei Männer mit insgesamt acht gestohlenen Hörnern im Gepäck festgenommen. Der 63-jährige Australier und sein 31-jähriger Sohn seien auf dem Weg nach Irland gewesen, sagte ein Beamter der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa. Den Wert des Diebesguts schätzte er auf 400.000 Euro.
"Ich fühle mich wie im Krieg"
Zurück zu den Nashörnern in Südafrika: Schauplatz der eingangs beschriebenen brutalen Attacke war das Aquila Wildreservat zwei Stunden von Kapstadt entfernt. "Ich fühle mich wie im Krieg", sagt Eigentümer Searl Derman erschöpft. Um seine Nashörner zu schützen, hat Derman Helikopter, Tierärzte sowie Sicherheitsleute organisiert, die rund um die Uhr Wache schieben.
Doch gegen die finanzstarken Banden kommt er nicht an. "Wir haben alles getan, obwohl wir es uns eigentlich gar nicht leisten konnten - und nun müssten wir uns eigentlich doppelt anstrengen", sagt er.
Es war bereits das zweite Opfer illegaler Nashorn-Jäger in Dermans Park. Für Hinweise auf die Wilderer hat er umgerechnet 10.000 Euro Belohnung ausgesetzt. "Ich wünschte, es wäre mehr", seufzt er: "Die Belohnung müsste genauso hoch sein wie der Preis für ein Horn". Sie sind als Schmuckstücke oder in der sogenannten traditionellen chinesischen Medizin als vermeintliches Potenzmittel begehrt. Und das, obwohl sie aus Keratin bestehen, wie es auch in gewöhnlichem Haar zu finden ist.
Konzentration auf Privatreservate
279 Nashörner starben - wie berichtet - in diesem Jahr in Südafrika bereits durch Wilderer, vor vier Jahren waren es ganze 13. Die Banden konzentrieren sich inzwischen auf private Reservate, in denen etwa ein Viertel der Nashörner lebt. "Vor drei Jahren gab es keine gewilderten Tiere in privaten Parks, doch jetzt sieht man sie immer häufiger", sagt Pelham Jones vom Verband der privaten Nashorn-Besitzer. Insgesamt 450 bis 500 Rhinozerosse werden dieses Jahr nach seiner Schätzung durch die illegalen Jäger sterben. "Das ist absolut grausam", erzählt er. "Hartgesottene Buschmänner stehen um die Kadaver und weinen."
Das Blutbad hat solche Ausmaße angenommen, dass Südafrika im April bereits seine Armee mobilisiert hat. Im staatlichen Kruger National Park mit dem größten Nashorn-Bestand des Landes konnte die Todesrate der massigen Dickhäuter durch den Einsatz von Soldaten drastisch gesenkt werden. "Der private Sektor hat das nicht, und das wissen die Wilderer sehr gut", sagt Jones. "Es ist einfacher, ein privates Reservat anzugreifen".
Im 9.000 Hektar großen Wildgebiet Kariega in der Provinz Ostkap wurden die Nashörner enthornt, um die Tiere für die illegalen Banden wertlos zu machen. In dem schwer zu kontrollierenden Gelände schlugen Wilderer bereits dreimal zu. Ein Sicherheitsteam schützt nun die überlebenden Tiere.
Die Eigentümer fordern eine politische Lösung des Problems, beispielsweise durch die Behörden in Asien. Selbst eine Legalisierung des Horn-Handels wird diskutiert. Offiziell gehandeltes Horn könnte aus lizenzierter Jagd kommen oder von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Die Zeit drängt: "Wenn es so weitergeht, sind wir in 18 Monaten so weit, dass unser Bestand an Nashörnern zurückgeht", sagt Jones. (APA/red)
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28.10.2011: Studentinnen in Kenias Hauptstadt Nairobi: Shugar-Daddy bezahlt alles - und die Studentin macht alles
aus: Spiegel online: Studenten-Prostitution in Kenia: Esther und ihr Sugar Daddy; 28.10.2011;
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,787447,00.html
<von Kerstin Dembsky, NairobiSuche Sex, biete Luxus: In Kenia halten sich reiche alte Männer junge arme Studentinnen, die ihre Vergnügungssucht ausleben wollen. Die Edel-Prostituierte Esther berichtet, was geschieht, wenn nachts die Limousine vor ihrem Wohnheim vorfährt.
Es ist Freitagabend. Vor das Studentinnenwohnheim der Universität von Nairobi fährt ein dunkler Range Rover. Breite Reifen, Metallic-Lack. Aus einem Zimmer im zweiten Stock ist Gekicher zu hören. Dann fällt die Tür ins Schloss. Fünf Paar High Heels stöckeln über den Flur, die Treppe hinunter. Autotüren knallen. Und das dunkle Auto, das so wenig auf den Campus passt, verschwindet in der Dunkelheit - mit Studentin Esther* auf der Rückbank.
Am frühen Nachmittag hatte Esther, 23, eine SMS von Robert bekommen: Er erwarte sie in einem seiner Clubs. "Bring' vier hübsche Mädchen für meine Freunde mit", schrieb er. Robert und seine Freunde wollen Spaß haben. Esther und ihre Freundinnen wollen sich auch amüsieren. Aber sie erwarten zusätzlich Bares.An der Uni ist die Soziologie-Studentin bekannt. Nicht etwa wegen ihrer herausragenden Beiträge in den Seminaren oder ihrer guten Noten. Esther schläft lieber lange aus, ihr Examen liegt noch in weiter Ferne. Und doch wird sie, wenn sie über den Campus schlendert, von allen Seiten gegrüßt. In ihrem ersten Semester hatte Esther den dritten Platz beim Uni-internen Schönheitswettbewerb belegt. Seither ist sie Mitglied in der Jury und trainiert die Mädchen für den Laufsteg.
Der Berufspolitiker zahlt einfach besser
Sie fällt auf in ihrem extravaganten Outfit. Die meisten Studentinnen teilen sich zu dritt wenige Quadratmeter im Wohnheim für gut 15.000 kenianische Schilling im Jahr, das sind rund 100 Euro. Esther leistet sich ein vollständig möbliertes Einzelzimmer und über die Miete muss sie sich keine Gedanken machen. Nicht Club-Besitzer Robert ist der Grund, Esther hat einen noch freigiebigeren "Sugar Daddy", der ist Berufspolitiker.
Sie wollte ins Hochschulparlament und brauchte einen Sponsor für ihre Kampagne, erzählt sie. Der Parlamentarier wollte eine Studentin für einsame Nächte. Seither chauffieren sie die teuren Autos am Freitagabend seltener in die Clubs der Stadt und öfter in schicke Restaurants. Bei Rinderfilet, feinen Bohnen und Rotwein diskutiert sie dann mit ihrem Finanzier über Politik.
Die Zimmer für die Nacht sind in der Regel schon reserviert. Der Abgeordnete versprach ihr Geld und ein eigenes Zimmer. Dafür verlangte er alles von Esther - bis auf Verhütung. Einmal fragte sie ihn, ob er keine Angst vor Aids habe. Er nahm ihre Hand, erzählt Esther, blickte auf die frisch manikürten Fingernägel und sagte: "Die sehen sauber aus. Du bist eine gesunde Frau."
Eigentlich mag sie diese Nächte nicht, sagt Esther. Eigentlich würde sie ihr Geld lieber anders verdienen. Etwa mit ihren selbst genähten Kleidern oder mit Kuchenbacken für Studentenpartys. Aber ein Wochenende auf Sansibar oder ein paar Tage im Ferienhaus des Abgeordneten im Ferienort Naivasha nordwestlich der Hauptstadt lassen sie dann doch wieder schwach werden. Es sei eben so leicht verdientes Geld und mache den Alltag so viel einfacher, sagt Esther.
Das schnelle Großstadtleben ist teurer
Viele Studentinnen in Nairobi kommen wie Esther vom Land in die Hauptstadt und sind zum ersten Mal auf sich allein gestellt, weit weg von Eltern und Verwandten. Das Großstadtleben ist schneller, bunter, sündiger. Vor allem aber ist es teurer und es verändert Erwartungen und Perspektiven. Das bekommen auch die männlichen Studenten zu spüren.
"Während unseres ersten Semesters haben wir viele Freundinnen verloren", sagt Andrew Adwera. Er studierte bis 2004 Ingenieurswissenschaften an der Universität von Nairobi. Heute ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und weiß, wie sich viele Studenten über Wasser halten. Auch ihm habe damals der staatliche Studienkredit von gut 400 Euro im Jahr nicht ausgereicht, um den Ansprüchen seiner Freundin gerecht zu werden.
Sie habe sich dann einen reichen, älteren Mann gesucht. Andrew schätzt, dass sich in Nairobi rund ein Drittel der Studentinnen ähnlich finanzieren wie Esther. Esther glaubt, es sind noch mehr. Es gebe kaum eine Kommilitonin, die sich nicht einen großzügigen Finanzier wünscht. An Freitagen dächten die meisten ihrer Freundinnen nur an das eine: "Wo gehe ich heute angeln?"
Seit Esther mit den Topverdienern ins Bett steigt, sagt sie auch zu vielen Kommilitonen nicht mehr Nein, unerwünschte Nebenwirkungen inklusive. Im vergangenen Jahr ließ sie zwei Abtreibungen vornehmen. Dass Abtreibungen gefährlich sind, weiß sie selbst. Nicht aus gesundheitlichen oder emotionalen Gründen, sondern weil sie unkompliziert sind und sorglos machen. Zumindest für die wenigen Frauen, die sich wie Esther den schnellen, aber kostspieligen Gang in eine private Klinik leisten können. Eigentlich hat Kenia strenge Abtreibungsregeln, Schwangerschaftsabbrüche sind nur erlaubt, wenn das Wohl der Mutter gefährdet ist. Viele Frauen setzen ihr Leben aufs Spiel wenn Verwandte, Freunde oder sie selbst die Abtreibung vornehmen.
Esther war auch mal eines der "guten Mädchen", sagt sie. Es sind die Studentinnen, mit denen sie heute nicht mehr viel zu tun hat. In ihrem ersten Semester wollte auch Esther noch alles richtig machen. Sie stammt aus einer religiösen Familie in Kisumu am Victoriasee. Als sie 2008 in die Großstadt kam, schloss sie sich einer Bibelgruppe an. Das war vertraut und gab Halt. "Wenn ich heute die Leiterin meiner Bibelgruppe sehe, wechsle ich die Straßenseite", sagt sie: "Für uns sind die guten Mädchen nicht in dieser Welt angekommen."
Manchmal geht Esther auch nur mit ihren Freundinnen aus. In einer Edel-Disco vertrinken sie dann schon einmal den Gegenwert von 200 Euro an einem Abend, ungefähr so viel, wie die Uni im Jahr an Studiengebühren verlangt. Viel Geld brauchen sie trotzdem nicht. Sie wissen, dass sie Männer treffen werden, die für den Abend aufkommen.
Studentin Mercys letzte Party
Anstrengend sei das Doppelleben schon, findet Esther. Natürlich wissen ihre Familie und manche Freundinnen nichts von ihren nächtlichen Streifzügen. Darum müsse sie wissen, welche Maske sie wann zu tragen habe. "Wenn ich ein gutes Mädchen treffe, dann frage ich sie, wie die Kirche gestern war. Wenn ich ein schlechtes Mädchen treffe, frage ich, mit wie vielen Männern sie gestern geschlafen hat."
So spielt sie auch gegenüber ihren Eltern die gewünschte Rolle. Sie ist Papas Liebling und erhält jeden Tag einen Anruf. Wenn sich sonntags ihre Mutter meldet, sagt sie gerne, sie käme gerade von der Kirche. In Wahrheit kuriert sie häufig ihren Kater aus.
Dass das Leben eines Luxus-Girls in Nairobi nicht risikolos ist, weiß Esther. An einem Samstagmorgen im Juni wurde die Studentin Mercy Chepkosgei Keino tot an einer von Nairobis Ausfallstraßen gefunden. Die Zeitungen waren voll davon. Mercy, 25 Jahre alt, war gerade dabei, ihr Studium der Kommunikationswissenschaft zu beenden, sie wollte heiraten, hieß es.Am Vorabend war sie auf einer Party im Apartment eines Abgeordneten im gehobenen Stadtteil Westlands. Mercy soll, stark angetrunken, mit dem Gastgeber in Streit geraten sein. Bodyguards brachten sie weg, danach verlor sich ihre Spur. Am Morgen lag ihr lebloser Körper neben einem Highway. Wie so häufig in Kenia blieb der Todesfall unaufgeklärt.
Esther ist sicher, dass es Mord war. Politiker wüssten schon, wie sie einen solchen Fall unter den Teppich kehren, sagt sie. Kurz waren in ihrem Freundeskreis alle schockiert. Dann war das Leben zwischen den Welten und das schnell verdiente Geld doch wieder verlockender als die Angst vor unberechenbaren Freiern.
*Name von der Redaktion geändert>
26.11.2011: <Von Kongos Politik vergessen: Kindersoldaten sind verloren>
aus: n-tv online; 26.11.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Kindersoldaten-sind-verloren-article4858676.html
<Sie plündern, sie kämpfen, sie töten: Im Kongo sind etwa 30.000 Kinder in den Händen von Milizen. Während des Jahrzehnte langen Bürgerkrieges werden sie verschleppt oder rekrutiert und zu Soldaten ausgebildet. Doch die Politiker lässt das Schicksal der Kindersoldaten im Kongo kalt. Sie können noch nicht wählen und sind daher für die politische Elite uninteressant.
Sie sind zu jung zum Wählen. Und deshalb blenden die Politiker ihre Misere aus. Dabei sind es tausende traurige Schicksale, die ein ganzes Land betreffen: Kongos Kindersoldaten. Sie spielen aber in den Kampagnen vor der Wahl am 28. November keine Rolle. Dabei gibt es gerade im Kongo besonders viele Kindersoldaten. Weltweit werden nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef rund 250.000 Kinder gezwungen, in den Krieg zu ziehen. Im Kongo sind schätzungsweise knapp 30.000 in den Händen von Milizen.
In der Demokratischen Republik Kongo wütete jahrzehntelang ein Bürgerkrieg. Die Kindersoldaten sind ein Zeichen, wie sehr Konflikte das Land noch beherrschen. Der Kongo und das Nachbarland Zentralafrikanische Republik sind die Länder, in denen die meisten Kinder als Soldaten missbraucht werden. Über die Grenze der beiden Länder streifen viele Gangs. Es ist eine gesetzlose Region. Verschiedene Rebellengruppen kontrollieren das Gebiet, vor allem aber den Osten des Landes. Sie entführen Kinder, die jünger als 18 Jahre alt sind. Manche sind gerade mal 10. Aus Jungen werden Köche oder Krieger. Mädchen werden zu Sexsklavinnen.
Regierung kümmert sich nicht
"Die Lage in Kongo ist besorgniserregend", sagt die UN-Sonderbotschafterin für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy. Das Thema Kindersoldaten werde von den Politikern weitgehend ausgeklammert. "Es ist kein Wahlkampfthema."
Die kongolesische Regierung hat keinen Plan, wie Tausende von Kindern aus den Händen von Gangs oder Milizen geholt werden sollen. Deshalb suche die UN nach anderen Wegen, sagt Coomaraswamy. Kinder würden oft durch informelle Verhandlungen mit den bewaffneten Gruppen gerettet. Mit einer solchen Aktion konnte die UN-Sondergesandte erst kürzlich hunderte Kinder befreien.
Viele scheitern im Alltag – und kehren zurück
Doch es gibt auch Initiativen, die sich auf das Leben danach konzentrieren. Wenn die Kinder einmal frei seien, sollten sie wieder zu ihren Familien oder in ihre Heimatdörfer zurückkehren, sagt die Kinderschutzleiterin bei Unicef in Kongo, Alessandra Dentice. Viele Kinder hätten ihre Schulausbildung versäumt und würden wieder in Grundschulen gesteckt. Andere bekämen Ausbildungen, damit sie eines Tages auf eigenen Füßen stehen könnten.
Seit 2004 konnten laut Unicef mehr als 36.000 Kindersoldaten befreit werden. Vielen von ihnen fällt die Eingliederung in die Gesellschaft aber schwer: Traumatisiert von den Erlebnissen bewältigen viele nicht den Alltag. Sie werden zwar seelsorgerisch betreut, aber auf raschen Erfolg können die Helfer nicht hoffen: "Je länger die Kinder von den Gemeinden und Familien weg sind, desto schwieriger ist der Reintegrationsprozess", sagt Dentice.
Einige Kinder haben sich einfach zu sehr an das Leben im Busch gewöhnt – Seite an Seite mit ihren Kameraden, mit Geld in den Taschen. Und sie haben die Macht der Waffen kennengelernt. Den Alltag im zivilen Leben schaffen einige nicht. Stattdessen steigt die Sehnsucht nach dem alten Leben und einige kehren wieder zurück. Zudem ist die Armut im Land für viele ein unausweichliches Argument: Bei den Milizen gibt es wenigstens Essen und Kleidung.
Vor dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag stehen mindestens drei kongolesische Kriegsverbrecher, weil sie unter anderem Kinder als Soldaten in Kämpfe geschickt haben. Das Thema Kindersoldaten ist eines für die politische Agenda. Doch den kongolesischen Politikern fehlt noch der Wille, es zu einem Thema zu machen.
Shabtai Gold, dpa>
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