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Baumgestalten und Grasberge
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Baumgruppe und Andenketten
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Kartoffelfeld
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Strassenverlauf am Grasberg
und Wolkenbild

Weites Tal, Baumgestalten und
Panorama

Grasberge
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Die wertvolle Kartoffel
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Kartoffelpflanze, Schema
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Kartoffeln werden in Reihen
in
den Acker gesteckt. Dann wächst pro
Knolle eine Blütenpflanze heran, mit breitem Blattwerk und mit den
Blüten, die dann zu giftigen kleinen Früchten werden. Gleichzeitig
vermehrt
sich die Knolle unterirdisch, die neuen Kartoffeln, ungefähr 8 bis 12
Stück. Die Reifezeit beträgt 4 bis 5 Monate [10] bzw. je nach Sorte 3
Monate ("Frühkartoffeln") bis 5 Monate ("Spätkartoffeln") [80,98]. Die
Mutterknolle
verbraucht sich dabei und kann wird bei der Ernte aussortiert [10].
Frühkartoffeln sind nicht zur Lagerung geeignet, Spätkartoffeln dagegen
sehr [98].
Die geschälte Kartoffelknolle
ist ein wertvolles Gemüse [7], mit 75% Wasser, durchschnittlich 17,5%
Stärke [42], 15% Kohlehydrate, 2% hochwertigem Eiweiss, nur 0,1% Fett,
dafür
ca. 1% Mineralstoffe und Spurenelemente (Natrium, Kalium, Calcium,
Phosphor und Eisen) [7], Selen und Chrom, und die Spurenelemente Jod,
Kupfer, Mangan, Zink, Fluor und Nickel [42]. Das Kalium z.B. bewirkt
schnelle Weiterleitung der Nervenimpulse, reguliert Herz und
Herzmuskel, den osmotischen Druck, die Enzymaktivierung, Muskel- und
Nervenerregung, Herztätigkeit und Säure-Basen-Haushalt [59].
Ausserdem enthalten Kartoffelknollen die Vitamine A, B (v.a. B1 und
B2) [7], B6, Vitamin E [53] und viel Vitamin C [7], das auch nach dem
Erhitzen erhalten bleibt,
viel Vitamin K (für die Blutgerinnung) und biologisch wichtige
Aminosäuren, Ascorbinsäure und Niacin. Neueste Forschungen belegen,
dass
Kartoffeln - wie Auberginen, Blumenkohl und Tomaten - winzige Mengen
Nikotin enthalten [42]. Kartoffeln <enthalten kaum
Fett, halten lange satt und sind schnelle Energiespender. Wer
regelmässig Kartoffeln isst, stärkt auch seine Abwehrkräfte.> Wegen
des hohen Vitamin C-Gehalts wird die Kartoffel in Europa auch als
"Zitrone des
Nordens" bezeichnet. [23] Die Kartoffel hat den doppelten Nährwert
wie Getreide, und die Kartoffel braucht keinen Dreschvorgang und auch
keine Kornmühle, um serviert zu werden [26]. Kartoffeln sind basisch
und eine ideale Ergänzung zu saurer Nahrung [42]. <Mehlige
Kartoffeln
sind ideal für Püree, Puffer und Knödel, festkochende
für Kartoffelsalat oder Bratkartoffel. Vorwiegend festkochend eignen
sich bestens als Salz- und Pellkartoffeln> [35].
Lange Lagerung und falsche Zubereitung
können aber den gesamten Vitamingehalt vernichten. Kartoffeln müssen
frisch sein [20].
Bei der Zubereitung muss man vorsichtig sein: Alle grünen
Pflanzenteile enthalten das
giftige Solanin [14], bzw. Kartoffelschalen und grüne Stellen der
Kartoffeln enthalten eine relativ hohe Konzentration an Alkaloiden
(v.a. Solanin) [7], denn die Kartoffel schützt sich mit dem Solanin in
ihren Schalen gegen Schädlinge [58]. Grüne
Stellen der Kartoffelknollen enthalten ebenfalls das giftige Solanin
und müssen
weggeschnitten werden [9], und zwar immer grosszügig wegschneiden [14].
Die geschälte Knolle selbst enthält nur wenig Solanin, und auch der
rohe Kartoffelsaft enthält nur wenig Solanin [64]. Eine
Kartoffelvergiftungen kann bis zur Nervenlähmung mit Atemstillstand
führen [14]. Das Solanin ist wasserlöslich und ist nach dem Kochen der
Kartoffeln im Kochwasser [52] oder ist verdampft [5]. Geschälte
Kartoffeln in Wasser gekocht sollte man nur mit etwas Kümmel kochen,
aber ohne Salz, denn das Salz schwemmt sonst das Kalium aus [52]. Die
Zubereitung von "Salzkartoffeln" ist also widersinnig [5], bzw. das
Verfahren, durch das Salz eine höhere Wassertemperatur und einen
schnelleren Garvorgang zu erreichen [82] hat seinen gesundheitlichen
Preis [5]. Bei zu
langem Kochen beträgt "der Verlust an Vitaminen und Mineralstoffen bei
Salzkartoffeln um [die] 25%" [53]. Deswegen ist das Dünsten der
geschälten Kartoffeln besser, denn dann wird dann bleibt fast alles
drin in der Kartoffel [55]. Ungeschälte Kartoffeln verlieren nichts,
weder beim Kochen noch beim Dünsten. Gebackene Kartoffeln in Alufolie
erleiden hohe Temperaturen und dadurch einen teilweise Verlust des
Nährgehalts [59].
Die ganz armen Leute bekamen in
Europa früher nur die Kartoffelschalen zu essen, die die Küche der
Reichen übrigliess. Die Kartoffelknollen mit Schale zu essen bringt
keinen Vorteil [9], denn der Vitamingehalt der Kartoffelknolle ist im
Zentrum am höchsten und nimmt nach aussen hin ab [43]. Die
Frühkartoffeln - so empfehlen viele Köche - schmecken aber besser mit
der Schale [42]. Dass die Schale
7 mal so viele Vitamine enthält wie das Fruchtfleisch, das ist nur bei
Äpfeln und Birnen so [43]. Die ganz armen Leute bekamen also absolut
vitaminlose Kartoffelschalen. Einen basischen und ausgleichenden Effekt
haben die Kartoffelschalen, an denen noch etwas Substanz dranhängt,
aber wohl trotzdem noch...
Kartoffeln in Peru
Die Kartoffel in den Anden des heutigen Süd-"Amerika" wuchs zuerst wild
und wurde dann gezüchtet, z.T. mit entgiftendem Effekt. Der
Kartoffelanbau geht gemäss Funden bis auf 7000 v.Chr. zurück
(Chilca-Tal). Die Eingeborenen verfügten über Kartoffeln in allen
Variationen, "von rot bis rosa, von orangefarben bis gelb, süss oder
bitter schmeckend, stark mehlig oder fast butterzart". Für jedes Milieu
oder je nach Bedarf wurden neue Kartoffeln gezüchtet mit
Querbestäubungen etc. Kartoffeln werden v.a. in den Höhenlagen
angebaut, wo der bewässerungsintensive Maisanbau und der Maniok-Anbau
nicht mehr möglich ist. Vor den Inkas waren es u.a. die Kulturen der
Wari und der Tiwanaku [76].
Die Kartoffeln der Inkas haben oft eine
längliche, oft gekrümmte Form mit Wülsten (unangenehm zum Schälen [5]).
Die
Anden verfügen über frostharte Kartoffeln, die man noch bis über 5000 m
Höhe anpflanzen kann, die aber wegen ihrer Bitterstoffe behandelt
werden müssen [76]. Die Kartoffeln der peruanischen Anden waren zudem
[und sind bis heute zum Teil, das habe ich selbst gesehen] eher kleine
Knöllchen, viel kleiner als
die heutigen Kultur-Kartoffeln in Europa, nur nussgross,
männlichen Hoden ähnlich [80]. Die
grossen, runden, ovalen und glatten Kartoffeln sind
europäisch-nord-"amerikanische" Zuchtformen [76].
![Kartoffeln in allen Formen in Gelb, Rot, oder auch Blau oder Schwarz [4] Kartoffeln in allen Formen in Gelb, Rot, oder auch Blau oder Schwarz [4]](04-soraccocha-Tal-And-d/z004-kartoffeln-gelb-rot-blau01.jpg)
Kartoffeln in allen Formen in Gelb, Rot, oder auch Blau oder Schwarz [4]
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![Kartoffeln in allen Formen in Gelb, Rot, oder auch Blau [5] Kartoffeln in allen Formen in Gelb, Rot, oder auch Blau [5]](04-soraccocha-Tal-And-d/z005-kartoffeln-gelb-rot-blau02.jpg)
Kartoffeln in allen Formen in Gelb, Rot, oder auch Blau oder Schwarz [5]
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Bezüglich Kartoffelanbau wurde in Lima (im reichen Regierungsstadtteil
"La
Molina" [11]) das ein Internationales Kartoffelinstitut gegründet, das
"Internationale Kartoffelzentrum" (span.: "Centro
Internacional de la Papa" (CIP), www.cipotato.org [11]) [7] mit dem
Ziel, eine "Wunderkartoffel" zu züchten [76]. Dort werden
100 wilde und 3800 in den Anden traditionell kultivierten
Kartoffelsorten verwaltet [7] bzw. in vitro werden 4500 Kartoffelsorten
und Samen von 1100 Kartoffel-Wildart-Sorten gespeichert, sowie 5000
Sorten Süsskartoffeln in vitro und "etliche Samen". Die Wissenschaftler
des Kartoffelzentrums beschäftigen sich mehr mit sich selbst als mit
Kartoffelbauern, und die "Wunderkartoffel" wurde bisher noch nicht
gefunden... [76]
Die Kartoffelsorten (die Knollen)
unterscheiden sich in Sachen Reifezeit (frühreif, mittelfrühreif,
mittelfrüh-späte Kartoffelsorten), bezüglich festkochend oder mehlig
kochend, oder sonstig (Veredelungskartoffeln, Wirtschaftskartoffeln mit
hohem Stärkegehalt, Futterkartoffeln oder Pflanzenkartoffeln).
Kartoffelfarben sind gelb, rot oder blau [bis schwarz], Fleischfarben
können weiss,
hellgelb oder gelb sein, die Knollen können länglich, oval, kugelrund
oder nierenförmig sein, und auch die Schalen können verscheiden rau
sein [7]. Man sieht auf den Fotos runde, ovale, möndchenförmige,
wurmförmige oder traubenartige Kartoffeln, in Hellgelb, Dunkelgelb,
Orange-Rot, Bordeaux-Rot, Tintenblau, Violett und Schwarz. Es fehlen
die
Angaben über Konsistenz und Geschmack. Vielleicht fehlt da ein
Online-Kartoffellexikon...

Bäume, Felder und
Grasberge

Kartoffelfeld,
Baumgestalt,
Strassenverlauf und Grasberge
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Kartoffelgeschichte
Peru-Europa - Zierpflanze, dann erst Nutzpflanze
Mit der Kartoffel beschäftigen sich spezielle "Kartoffelhistoriker"
[90].
Die Kartoffel stammt aus dem heutigen Peru und aus dem
heutigen Bolivien [80], das früher zu Peru gehörte [94], dem Gebiet des
Titicaca-Sees, das "Genzentrum" der Kartoffel. Die verschiedenen
Kulturen Süd-"Amerikas" entwickelten jeweils eigene Bezeichnungen für
die Kartoffel - ein Zeichen für eine lange Anbautradition [76]. Die
These, wonach die Kartoffel aus Chile stammt,
wurde in den 1920er Jahren vom russischen Botaniker Vavilov in Umlauf
gebracht, um den Nationalstolz der Chilenen zu stärken [80]. Aus Chile
stammen aber nur einige Züchtungen von der Insel Chiloé, wo der
südlichste
Hafen der spanischen Besetzer war. Charles Darwin konnte auf seiner
Chile-Reise auf der Insel Chiloé 1832 / 1837 keinen Kartoffelanbau
finden.
Generell betreiben die Ureinwohner Chiles an der Küste kaum Ackerbau,
sondern Fischfang [80]. Nun, zwischen Peru und Chile herrscht seit dem
Salpeterkrieg (1879-1884) und seit der chilenischen Ausdehnung nach
Norden
ein dauernd gespaltenes Verhältnis. Peru fordert Provinzen zurück, und
Chile beneidet Peru weiterhin
wegen seiner Artenvielfalt - da Chile keinen Urwald hat. Irgendjemand
hat Vavilov dann auf einer seiner Reisen scheinbar dazu manipuliert, in
den 1920er Jahren die Behauptung aufzustellen, die Kartoffel stamme aus
Chile... [5]
Kartoffelgeschichte: Indigenas
- Inkas
Aus der Knollen-Wildpflanze züchteten die Anden-Kulturen des heutigen
Peru 2000 bis 3000
verschiedene Kartoffelsorten. Die Ausbreitung beschränkte sich auf
Süd-"Amerika", denn der Urwald am Isthmus des heutigen Panama war
undurchdringlich. Deswegen gab es in Mittel-"Amerika", in der Karibik
und in Mexiko vor Kolumbus keinen Anbau der Anden-Kartoffel [76]. In
Mittel-"Amerika" gab es dafür die Süsskartoffel [75], die in ganz
"Amerika" vorkam, zumindest bis Nord-Peru [76]. Wilde
Kartoffeln kamen wiederum in Nord-"Amerika" vor, z.B. bei den Navajos
[76].
Die Jäger und Sammler entwickelten Gemüsezüchtungen ("Kulturpflanzen"
Kürbis, Bohne, Mais) und die Bewässerung, und so wurden sie auch in
trockeneren Regionen sesshaft [76]. Kulturen mit Kartoffelanbau vor den
Inkas waren:
-- die Region rund um den Titicaca-See (heute Peru und Bolivien), wo
sich
Hochkulturen bildeten, weil der See
die die Umgebungstemperatur positiv beeinflusst ("titi"=Aymara: Puma;
"caca"=Ketschua: Felsen), und so liessen sich dort auf bewässerten
Feldern noch auf über 4000 m Kartoffeln, Mais, Bohnen und Quinoa
anbauen [76]
-- die Tiwanaku am Titicaca-See (bis ca. 1000) mit einem Anbauverfahren
mit
Kanälen und Hügeln, das eine frostschützende Nebeldecke bildete [76]
-- die Aymara am Titicaca-See (bis ca. 1000) entwickelten über 200
Kartoffelsorten [76]
-- die Mochica-Kultur Nord-Perus (ca. 850-1500) baute viele Gemüse an,
auch Kartoffeln und Süsskartoffeln, und sie kannten einen Dünger aus
Vogel-Guano mit Lamamist und Wasser [76].

Kartoffelfeld und Grasberge

Kräuterfeld, Kreuze und Wolke
Diese
auffälligen Kreuze sind
sehr merkwürdig. Irgendein Landbesitzer hat sich hier einen Scherz
erlaubt. Die Kreuze kommen auch auf anderen Webseiten vor.
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Die Anden-Kulturen assen nicht nur traditionell den Körper des
erschlagenen Feindes, um die Energie des Feindes in sich aufzunehmen
(sie waren "Menschenfresser", in: Friedrich Wollner 1970 [79]), sondern
kannten auch traditionelle Verfahren
zur Gefriertrocknung bestimmter Kartoffelsorten, um eine ganzjährige
Versorgung zu garantieren: Die zuerst gekochten, dann gepellten und
dann gefriergetrockneten Kartoffeln (mit mehrfachem Frieren in der
Nacht und Auftauen an der Sonne am Tag) sind die "chuños" und die
"moroya" und sind bis zu 4 Jahre haltbar und werden durch Einweichen
wieder essbar. Die Chuño-Knolle galt auch als Tauschmittel und
Handelsobjekt an der Küste. Chuños waren der Proviant der Anden-Heere
[76]. Inhaltsstoffe der Chuños: <Chuños bestehen aus nur noch rund
fünfzehn Prozent Wasser, sechs
Prozent Rohprotein, ein halbes Prozent Rohfett, eineinhalb Prozent
Rohfaser und fast fünfundsiebzig Prozent stickstofffreie
Extraktstoffe.> [76]
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Weisse und schwarze Chuños [12]
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Inkas: Die Inkas pflanzten
traditionell neben Feldern immer auch Bäume an, um durch die
Nährstoffversorgung des Bodens zu harmonisieren und zu fördern [76]. So
ergibt sich das Zusammenspiel, eine "Einheit" von Bäumen, Feldern und
Weiden: Baumreihen begrenzen die Felder und Weiden, oder Baumgruppen
stehen mitten in Feldern und Weiden [5]. Und die Blätter der Bäume sind
ausserdem ein guter Dünger [102].
Die Kartoffel und der Mais brauchten nicht viel Pflege und gaben den
theokratischen Diktatoren die Möglichkeit, monumentale Bauten und
Pyramiden bauen zu lassen. Die Kartoffel mit all ihren
gesundheitsfördernden und geistig stimulierenden Inhaltsstoffen war die
Voraussetzung für die Inka-Hochkultur, die ein durchorganisiertes
Schulsystem und ein hochstehendes medizinisches System unterhielt. Bei
den Inkas wurden Tribute auch in Form von gefriergetrockneten
Kartoffeln (chuños) bezahlt, und Chuños wurden auch den Toten
beigegeben. Es wurden schwarze, schwarz-braune und weisse Chuños
gefunden. In
Süd-"Amerika" waren über 250 Kartoffelsorten bekannt, als die
spanischen Besetzer das Inka-Reich zerstörten [76].
Kartoffelgeschichte: Christoph
Kolumbus
in der Karibik mit der Süsskartoffel
Kolumbus in der Karibik [ab 1492] fand
die Süsskartoffel. Die normale Kartoffel in Peru wurde erst später
gefunden und nach Europa gebracht. Kolumbus brachte dann einige
Süsskartoffeln nach
Europa mit, nicht zum Essen, sondern nur zum Untersuchen, denn die
"christlichen" Rassisten beharrten auf ihren europäischen Lebensmitteln
und Viehzucht, mit denen sie auch die Landwirtschaft der Karibik
zerstörten (Weizen, Monokulturen, Viehhaltung mit Trampeltieren, die
den Boden verdichteten etc.) [75]. Die Seeleute aber ernährten sich auf
den langen Schiffsreisen gerne mit den Süsskartoffeln (Bataten), und in
Italien wurde die Süsskartoffel wegen der dichten Bevölkerung bald auch
auf breiter Basis angebaut. Kolumbus soll in Spanien den Feldanbau
veranlasst haben, an Spaniens Südwestküste in Huelva, Palos, und in
Bayona
[80]. Die Süsskartoffel entwickelte sich in Europa dann zur eher
geschmackschwachen Bintje [82].
Kartoffelgeschichte: Die
Anden-Kartoffel aus Peru (Biru) in Spanien und Italien
Dann folgte die peruanische Kartoffel: Die Anden-Kartoffeln werden von
europäischen
Historikern auch als das "Gold
der
Inkas" bezeichnet [24]. In Peru selbst werden über 3000 Kartoffelsorten
angebaut, die
grösstenteils wegen der speziellen klimatischen Bedingungen nur in Peru
selbst wachsen [7]. Chile hat kaum Kartoffelanbau (Insel Chiloé) [76].
Lange meinten die europäischen Historiker, der
englische Pirat Sir Francis Drake habe die Kartoffel nach Europa
gebracht, und es wurden entsprechende Denkmäler aufgestellt [26]. Aber
die historische Forschung der Kolonialakten im 20. Jh. änderte dieses
auf England zentrierte Geschichtsbild, denn die spanischen
Kolonialisten brachten die Kartoffeln zuerst und verbreiteten sie über
die
Häfen und über den Vatikan. Insgesamt gab es drei Verbreitungswege:
über Spanien und Italien, über Holland, und über Irland und England
[35].
Tierherde mit Panorama zwischen Uripa und Talavera (01)
Tierherde mit Panorama zwischen Uripa und Talavera (02)
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![Francisco Pizarro [14] entdeckte für Europa von Norden her die Anden-Kartoffel Francisco Pizarro [14] entdeckte für Europa von Norden her die Anden-Kartoffel](04-soraccocha-Tal-And-d/z014-Francisco-Pizarro-portrait.jpg)
Francisco Pizarro [14] entdeckte für Europa von
Norden her die Anden- Kartoffel |
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![Diego de Almagro [15] entdeckte für Europa von Süden her die Anden-Kartoffel Diego de Almagro [15] entdeckte für Europa von Süden her die Anden-Kartoffel](04-soraccocha-Tal-And-d/z015-Diego-de-Almagro-profil.JPG)
Diego de Almagro [15] entdeckte für Europa von Süden her die
Anden-Kartoffel |
Genauer:
Pizarro 1528 (von Tumbes her) und Almagro (von Chile her) entdeckten in
den Anden jeweils die Kartoffelkulturen [82]. Die Kartoffel erreichte
dann zuerst Mexiko - aber nur als Verpflegung der Eingeborenen
(Indigenas) [76]. Die spanisch-rassistischen Kolonialisten
brachten Kartoffeln zuerst nach Gran Canaria, um dort den Anbau zu
kultivieren und schliesslich die Kartoffel in Spanien und in
Mitteleuropa (Antwerpen und Rouen) einzuführen [7,82]. Über
Spanien kam eine
rote
Kartoffel nach Europa, über England später
eine gelbe. Es waren bereits von den Inkas gezüchtete Kartoffeln, also
keine "Urkartoffeln" mehr [43]. Die Kartoffel
kam
nicht allein: Aus den neuen Kolonien kamen u.a. auch Bohnen, Mais,
Tabak, Ananas, Tomate, Kautschuk, und Topinambur, wobei für Kartoffeln
und Topinambur oft dieselbe Bezeichnung benutzt wurde. Zuverlässige
Quellen sind also nur diejenigen, wo Kartoffel und Topinambur genau
unterschieden wurden, also bei Steuer- oder Zehnten-Dokumenten [80].
Topinambur verwurzelt sich z.B. sehr viel mehr im Feld und ist kaum
mehr wegzukriegen, und deswegen wurde der Topinambur dann auch nicht
mehr gross angebaut [82], bzw. anfangs war der Topinambur aus Brasilien
noch
Konkurrenz für die Kartoffel, aber der süsslich-fade Geschmack und der
unkrautartige Wuchs (wie Brombeeren), der die 3-Felder-Wirtschaft
verunmöglichte, bewirkten, dass Topinambur kaum mehr angebaut wurde
[29].
Topinambur
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![Topinambur, die Blattanordnung [16] Topinambur, die Blattanordnung [16]](04-soraccocha-Tal-And-d/z016-topinambur-blattanordnung.jpg)
Topinambur, die Blattanordnung [16] |

Topinambur, Blüte mit Blattanordnung [17]
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Topinambur, Knollen [18]
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In
den Aufzeichnungen hatten die Kartoffel und der Topinambur oft dieselbe
Bezeichnung. Die Pflanzen haben aber teilweise entscheidend
verschiedene Eigenschaften, so dass sich die Kartoffel durchsetzte...
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Um 1530 brachte Pedro de Cieza, ein spanischer Kolonialist unter
Pizarro, erste Anden-Kartoffeln nach Europa mit der Angabe, sie sei mit
Kastanien vergleichbar [15].
Verschiedene Erzählungen berichten, wie die Kartoffel nach Italien kam:
Der erste Anbau war Anfang 16.Jh. in der Toskana, oder die "Barfüsser"
brachten die Kartoffel nach Nord-Italien (Peter Magazini 1623), oder
Clusius oder Theresia von Avila oder
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Karte Frankreichs mit der Markierung der Ardèche [20] |
![Jacques Dubois (Jacobus Sylvius), Profil [19]; Jacques Dubois (Jacobus Sylvius), Profil [19];](04-soraccocha-Tal-And-d/z019-Jacques-Dubois-Jacobus-Sylvius-profil.jpg)
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Jacques Dubois
(Jacobus Sylvius), Profil [19]; als Arzt behauptete er, die
Kartoffel sei
allgemein unverdaulich... |
Cardano wars gewesen. Auch in
Italien war die Kartoffel aber nur für die Armenschicht. Die reichen
Bürger zierten sich [82]. In Italien wurde die Kartoffel Papst
Clemens VII. (1478-1543 [16])
präsentiert [15].
In Frankreich soll der Franziskaner Pierre Sornas im
Jahre 1540 im Weiler Becuze [bei google maps nicht auffindbar] die
ersten Kartoffeln angebaut haben, als
er von Spanien von Toledo nach Frankreich in die Ardèche zurückkehrte.
Aber schon die ersten Kartoffelpflanzungen wurden in Frankreich
intellektuell bekämpft: Arzt Jacques Dubois (genannt Sylvius)
(1478-1555 [32]) aus Montpellier schrieb in seinen Ernährungshinweisen
zwischen 1542 und 1546, die "besondere Kost" der "Armen" [die
Kartoffel] sei allgemein unverdaulich, aber der "Konstitution" der
Armen "perfekt angepasst" [29]. Die Armen und Unterernährten Europas
profitierten vom hohen Vitamin C-Gehalt der Kartoffel [26].
So konnten die Armen auf Brot und Butter verzichten (Johann Georg
Leopoldt [Mozart?] 1759) [82].
Anden-Kartoffeln aus Cusco erreichten vom kolumbianischen Hafen
Cartagena aus
um 1550 erstmals den spanischen Hof [17]. Der kranke Papst Pius IV.
erhielt im Jahre 1566 einige Kartoffelknollen von Phillip II. aus
Spanien zugeschickt, offenbar als kräftigendes Heilmittel (Tonikum)
gedacht [17]. Danach provozierten die neuen Anbaumethoden von
Kartoffeln und Mais den Vollzug der Kalenderreform, der "Gregorianische
Kalender", der sich nicht mehr verschob [82].
Kartoffeln auf Schiffen -
Piraten mit Kartoffel besser ernährt als die Adligen ohne Kartoffel
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Piratenschiff
(hier ein Nachbau in Guayaquil) [21]; Piraten stammten
aus den unteren Schichten und waren sich Kartoffeln gewöhnt, und lebten
deswegen gesünder als die Adligen auf den Adelsschiffen, die die
Kartoffel verweigerten |
Die Kartoffel war unter Seemännern
beliebt wegen ihres hohen Vitamin C-Gehalts und der vorbeugenden
Wirkung gegen Skorbut [26] und wurde entsprechend um die Hafenstädte
schon früh angebaut [38], z.B. rund um den spanischen Haupthafen
Sevilla ab ca. 1570 [17]. Die Schiffsbesatzungen führten als Proviant
u.a. getrocknete Kartoffeln
mit und fortan verschwanden bei mit Kartoffeln ernährten
Schiffsbesatzungen die Krankheiten Skorbut (Vitamin C-Mangel), Beri
Beri (durch Reis-Mono-Ernährung) und Pellagra (durch
Mais-Mono-Ernährung). Dabei
war bei den Normannen eigentlich schon Zwiebelkonsum präventiv gegen
Skorbut eingeführt worden, was aber von den italienischen und
spanischen Seeleuten nicht kopiert worden war. Auf Piratenschiffen
wurden generell mehr
Kartoffeln gegessen als auf Schiffen der Adligen - und die Piraten
waren besser ernährt, denn sie kamen aus der Unterschicht und waren
sich Kartoffeln bereits gewohnt... [82].
Die Anden-Kartoffel in Spanien
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![Das "Hospital de la Sangre" in Sevilla, Fassade [22]; hier wurde den Patienten Kartoffeln gegeben, um schneller gesünder zu werden Das "Hospital de la Sangre" in Sevilla, Fassade [22]; hier wurde den Patienten Kartoffeln gegeben, um schneller gesünder zu werden](04-soraccocha-Tal-And-d/z022-Sevilla-hospital-de-la-sangre-fassade.JPG)
Das "Hospital de
la Sangre" in Sevilla, Fassade [22]; hier wurde den
Patienten Kartoffeln gegeben, um schneller gesünder zu werden
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![José de Acosta, Profil [23]. Acosta berichtete, die Eingeborenen in Peru ässen die Kartoffel wie Europäer das Brot José de Acosta, Profil [23]. Acosta berichtete, die Eingeborenen in Peru ässen die Kartoffel wie Europäer das Brot](04-soraccocha-Tal-And-d/z023-Jose-de-Acosta-profil.gif)
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José de Acosta,
Profil [23]. Acosta berichtete, die Eingeborenen in Peru ässen die
Kartoffel wie Europäer das Brot
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Innerhalb Spaniens baute man bald auch in Galizien, Andalusien, an der
Sierra Nevada und in Alt-Kastilien Kartoffeln an, von wo die Kartoffeln
dann nach Genua gelangte [82]. Dokumente belegen, dass z.B. das
Spital "Hospital de la Sangre" in Sevilla für die Kranken Kartoffeln
einkaufen
liess (ab 1573) [17]. Ab 1576 war der Kartoffelkonsum in spanischen
Klöstern normal [82]. Bis Ende des 16.Jh. waren die Kartoffeln aber
noch ein
Nischenprodukt, das zuerst nur pfundweise, dann in Einheiten von 5-6 kg
gehandelt wurde ("Arroba") [17]. Acosta berichtete 1590, die Indigenas
(Ureinwohner) der Anden würden die Kartoffel essen wie die Europäer in
Europa das Brot [82] (Jesuitenpater José de Acosta, Bericht 1590 [84]).
Die
gefriergetrockneten Kartoffelchips, die "Chuños", wurden
von den spanischen Kolonialisten übernommen: Weisse Chuños wurden in
Spanien zur
Mehlherstellung eingeführt [76].
Die Kartoffel als "schöne
Blume" und Heilpflanze im restlichen Europa
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![Kartoffeln kamen zuerst als "schöne Blume" in Ziergärten, botanische Gärten, Universitätsgärten und Lustgärten, hier ein Lustgarten in Stuttgart von 1616 [24] Kartoffeln kamen zuerst als "schöne Blume" in Ziergärten, botanische Gärten, Universitätsgärten und Lustgärten, hier ein Lustgarten in Stuttgart von 1616 [24]](04-soraccocha-Tal-And-d/z024-Lustgarten-Stuttgart-1616-55pr.jpg)
Kartoffeln
kamen zuerst als "schöne Blume" in Ziergärten, botanische Gärten,
Universitätsgärten und Lustgärten, hier ein Lustgarten in Stuttgart von
1616 [24]
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![Plan eines Arznei- und Klostergartens, z.B. St.Gallen 820 [25]; Kartoffeln wurden als Heilpflanze in Klostergärten integriert. Und die Naturmediziner fanden die Kartoffel wegen der giftigen Blätter und Beeren "interessant"... Plan eines Arznei- und Klostergartens, z.B. St.Gallen 820 [25]; Kartoffeln wurden als Heilpflanze in Klostergärten integriert. Und die Naturmediziner fanden die Kartoffel wegen der giftigen Blätter und Beeren "interessant"...](04-soraccocha-Tal-And-d/z025-klostergarten-plan-St-Gallen-820-44pr.gif)
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Plan
eines Arznei- und Klostergartens, z.B. St.Gallen 820 [25];
Kartoffeln wurden als Heilpflanze in Klostergärten integriert. Und die
Naturmediziner fanden die Kartoffel wegen der giftigen Blätter und
Beeren "interessant"... |
Die Kartoffel im botanischen Garten: Im restlichen Europa ausserhalb
der grossen Kolonialmacht Spanien [5] wurde die Kartoffel vom Adel
zuerst nur wegen ihrer schönen Blüte oder wegen ihrem reichen Laub
angepflanzt [7], in Ziergärten und in botanischen
Gärten
gehalten, zusammen mit Tomaten-, Mais- und Kaffeepflanzen [8].
Kartoffeln bekamen wegen ihrer schönen Blüten ihren Stammplatz in
Universitäts- und Lustgärten der Fürsten und galten als "wertvolle
botanische Rarität". Den Wert als Nutzpflanze wurde zuerst kaum erkannt
[17]. Ausserdem bekam die Kartoffel - wie jede andere neue Pflanze aus
"Amerika" - in den Klostergärten ihren Stammplatz, um neue pflanzliche
Heilmethoden zu erforschen. Und da waren noch die Beschreibungen, dass
indianische
Zauberkräfte Menschen in Tiere verwandeln könnten. Das machte die Sache
mit den "amerikanischen" Pflanzen nur noch interessanter (Gonzalo
Francisco de Oviedo y Valdés 1553) [80]. Und generell finden
Naturmediziner giftige Pflanzen immer "interessant". Gewisse
Parallelitäten zur
giftigen Tollkirsche (die durch Alkaloide stimulierend wirkte [85])
waren zu erwarten. Der Verdacht, dass die Kartoffel ein sexuell
anregendes Mittel sei, liess die Kartoffel erst recht in den adligen
Gärten erscheinen - neben der z.T. giftigen Tomate. Die Aussicht auf
ein natürliches Potenzmittel für "eheliche wercke" gab der Kartoffel in
den
fürstlichen Gärten ihren Stammplatz [82]. Erst am Schluss wurde die
Kartoffelknolle auch
von der breiten Masse gegessen [43] - und für
eine starke Armee und einen "Sieg" [5]. Dabei war die Kartoffel lange
von
der Steuer oder vom Zehnten befreit, war aber dadurch immer wieder
Objekt der Auseinandersetzung, ob man nun den Zehnten auf die Kartoffel
erheben solle oder nicht. Gleichzeitig gab es viele
Pflanzenbücher, die die
Kartoffel komplett verschwiegen [80]. Die Kartoffel kam nicht allein:
Auch die
Laus im Weinberg stammt aus "Amerika"... [82]
Viehfutter: Die Knollen wurden auch als Viehfutter verwendet [8,24],
speziell für Schweine [34]. Die
Kartoffelknolle wurde also relativ schnell zum Schweinefutter,
und die Schweine wurden nicht mehr in die Wälder getrieben, um Eicheln
zu fressen, sondern immer mehr in Ställen "gehalten" [7], die erste
Massentierhaltung. Nun wurde die Kartoffel aber immer wieder als
"Schweinefutter" bezeichnet, das die Menschen nicht essen sollten...
[5]
Der Botaniker De
l'Ecluse mit der Kartoffel
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Charles de l'Écluse (lat.: Carolus Clusius),
Portrait [6], nannte die Kartoffel "Trüffel"
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![Karte von Holland mit der Position von Leiden zwischen Den Haag und Amsterdam [26], die Wirkungsstätte von Botaniker De l'Ecluse als Professor Karte von Holland mit der Position von Leiden zwischen Den Haag und Amsterdam [26], die Wirkungsstätte von Botaniker De l'Ecluse als Professor](04-soraccocha-Tal-And-d/z026-karte-NL-m-Leiden.gif)
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Karte von Holland
mit der Position von Leiden zwischen Den Haag und Amsterdam [26], die
Wirkungsstätte von Botaniker De l'Ecluse als Professor
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![Das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" im Jahre 1560, Karte [27], es reichte von Cambray bis Pressburg (heute Bratislava) und von Hamburg bis Florenz. Botaniker De l'Ecluse liess in diesem Gebiet die Kartoffel verbreiten. Das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" im Jahre 1560, Karte [27], es reichte von Cambray bis Pressburg (heute Bratislava) und von Hamburg bis Florenz. Botaniker De l'Ecluse liess in diesem Gebiet die Kartoffel verbreiten.](04-soraccocha-Tal-And-d/z027-hl-roem-reich-dt-nation-1560-33pr.jpg)
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Das
"Heilige Römische Reich Deutscher Nation" im Jahre 1560, Karte [27], es
reichte von Cambray bis Pressburg (heute Bratislava) und von Hamburg
bis Florenz. Botaniker De l'Ecluse liess ab 1593 in
diesem Gebiet die Kartoffel verbreiten.
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Der päpstliche Gesandte brachte die Kartoffel auch nach Mons in die
spanischen Niederlanden (heute Belgien [5]). Der Präfekt von Mons,
Philippe des Sivry,
sandte 1588 dem flandrischen Botaniker Charles de l'Ecluse (lat.:
Carolus Clusius (1526-1609 [18]) zwei Kartoffelknollen und eine
Kartoffelfrucht, und De l'Ecluse liess die Kartoffeln noch im gleichen
Jahr am Wiener Hof unter Kaiser Maximilian II. im Botanischen Garten
anbauen [17]. De l'Ecluse nannte die
zu dieser Zeit noch kleine, ihm vorgezeigte Kartoffel "kleine Trüffel"
[15]. De l'Ecluse, der ab 1589 im
protestantischen Frankfurt am Main und in Kassel am Hof von Wilhelm IV.
wirkte, bekam vom Präfekt von Mons, Sivry, ein Kartoffelaquarell
zugeschickt - das erste Kartoffelbild Europas. Ab 1593 konnte De
l'Ecluse als Professor der Universität Leiden in Holland die Kartoffel
bekanntmachen und liess sie durch seine Korrespondenten im gesamten
Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verbreiten [17].
In England
war die Kartoffel erst ab 1586, und die erste sichere Quelle über
Kartoffelanbau in Irland stammt von 1606 [17]. In Frankreich war die
Kartoffel ab 1665 im Kräutergarten des Hofs vertreten, aber der
Kartoffelanbau blieb bis ins 18.Jh. auf einige
einzelne Regionen beschränkt (Dauphiné bzw. mittleres Rhonetal bis zur
Durance in den Alpen, Vogesen, Elsass, Zentralmassiv, Lothringen und
Bretagne mit den Amerika-Häfen). Dort, wo die Kartoffel angebaut wurde,
wuchs die Bevölkerung jeweils stärker an [29].
Etwas Ethymologie
(Wortherkunft) in Sachen "papa", "Kartoffel", "pomme de terre" etc.
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Die Eingeborenen
der Karibik (z.B. hier Tahino / Taino aus Puerto Rico
[28]), nannten die Kartoffel "papay", "papaw" oder "paupau", und die
Spanier nannten die Kartoffel dann einfach "papa"
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Der Trüffelpilz
[29] stand Pate bei der Namengebung für die Kartoffel,
zuerst zu Deutsch "Tartuffel", dann durch einen Schreibfehler
"Kartuffel"
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Göttin "Pomona",
die römische
Göttin für Früchte und Gemüse [30] stand Pate bei der
Bezeichnung für den Apfel (lat. "pomum"), und dann auch für die
Kartoffel in Frankreich ("pomme de terre")
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Die spanische Bezeichnung "papa" kam von den
karibischen Bezeichnungen "papay", "papaw" oder "paupau" her. Die
Kartoffelknollen wurden schon in der ersten Anbauzeit in Andalusien
"papa" genannt. Mit der Bezeichnung für den Papst "el papa" hat die
Kartoffel also nichts zu tun [76]. Die Bevölkerungen Europas erfanden
alle eine eigene Bezeichnung für die
Kartoffel und übernahmen die "amerikanische" Bezeichnung "papa" der
Karibik nicht [82]. Die Kartoffel wurde in Italien als
Trüffel, also als "truffole" oder "trifola"
bezeichnet, die Kartoffelbauern in Frankreich als "truffoliers". In den
deutschsprachigen Regionen wurde die Knolle "Tartuffel" genannt. Durch
irgendeinen Schreibfehler in Frankreich
oder in der Schweiz wurde dann das "T" zum "C" und so die "tartufle"
bzw. "Tartuffel" zur "cartufle" bzw. "Kartoffel" [29]. Eine
Lautverschiebung war es nicht, denn von t nach k verschoben sich keine
Laute [92].
Der
lateinische Name "solanum" wurde der Kartoffel von Bauhin gegeben
(Caspar Bauhin, Professor der
Anatomie und der Botanik in Basel [86], 1560-1624 [87], auch Gaspard
geschrieben), der
die Blätter mit Tomatenblättern und die Blüte und den Blütenduft mit
Auberginenblüten verglich (Latein: solanem, zu Deutsch: ruhig,
geruhsam), siehe Bauhin: »Phytopinax«. Die deutschen Bezeichnung
"Grüblingsbaum" oder "Grübling Baum" waren
falsch, denn die Kartoffel ist kein Baum. Andere Bezeichnungen waren
"Erdbirne" oder "Erd-Nuss"
bzw.
"Erdtnuss" (Wilhelm IV. von Hessen-Kassel 1591) [82]. Die
Bezeichnungen als "Erdapfel", "pommes de terre" etc. geht auf die Sitte
der alten griechischen Kultur zurück, alle Früchte als variierte
"Äpfel" zu bezeichnen [29]. Das französische Wort "pomme" für Apfel ist
von der römischen Früchte- und Gemüsegöttin "Pomona" abgeleitet, bzw.
Lateinisch ist "pomum" der Apfel [29,93]. Die Überlieferung über die
wohlgestaltete Pomona besagt, sie sei vom Gott der Jahreszeiten,
Vertumnus, umworben worden (Ovid: Metamorphosen) [29]. Die
Pomona-Geschichte wurde verschieden vertont, gemalt [93] oder auch
gebildhauert [29], bei Rubens mit einer Ausstrahlung mit einem "Appetit
auf mehr" [29,93]. Und so kamen die Apfel-Geschichten auch dem
"Erdapfel" zugute: Liebeszauber [5].
Interessant ist auch generell die sprachliche Seite: Normalerweise
übernahm man mit der fremden
Sache auch das fremde Wort, z.B. aus dem Arabischen etc. Nur bei
der Kartoffel bildeten sich sehr rasch und überall eigene
Bezeichnungen (Neuschöpfungen), ausser in Spanien mit dem Wort "papa"
[88].
Gerüchte und Agitation gegen
die Kartoffel - und klimatische Schwierigkeiten der Anden-Kartoffel
Das Essen der Pflanzenteile: Durch
unsachgemässe Verwendung der Kartoffelpflanze kam es in Europa dazu,
dass anfangs auch die
oberirdischen, giftigen Pflanzenteile gegessen wurden, mit heftigen
Vergiftungen als Folge. So entstand in Europa das pauschale Gerücht,
dass Kartoffeln giftig seien, und die Bauern verweigerten lange den
Anbau dieser giftigen Pflanze [20]. Die Kartoffel wurde auch
beschuldigt, zu erdig zu sein und durch die erdigen Substanzen Übelkeit
zu verursachen (Künitz) [82], oder die Bauern behaupteten, die
Kartoffel würde dem Boden Kraft entziehen [89].
Klimatische Bedingungen: Die Kartoffel hatte in
Europa auch
klimatische Schwierigkeiten. Das heisst: Die Tage in Peru sind wegen
der Nähe zum Äquator viel kürzer ("Kurztag" von ca. 12 Stunden) als in
Europa ("Langtag" im Sommer von ca. 15 Stunden),
Globus
mit Süd-"Amerika" und Europa [32] mit der Darstellung der
Sonneneinstrahlung über Peru und über Europa
und entsprechend wuchs die Kartoffel in Europa anders: Der
Knollenansatz erfolgte wegen der längeren Tage in Europa zu spät, und
die Kartoffeln blieben klein, aber die unterirdischen Ausläufer
(Stolonen) wurden mehr [96] ("wilde Stolonen"). Die Blüte entwickelt
sich in Europa mit einem "Langtag" schneller. In den Anden haben die
wilden Kartoffeln mehr Blüten, was der höheren Lichtintensität in den
hohen Anden zugeschrieben wird (steilere Sonneneinstrahlung, kürzere
Distanz zur Sonne). Die Kartoffelstauden wachsen im "Kurztag"
gedrungen, im "Langtag" hoch und sperrig. Das Wesentliche folgt hier:
Die Kartoffelknollen wachsen im "Kurztag" schneller und regelmässiger
als im "Langtag", und im kälteren Klima wachsen die Knollen besser als
im warmen Klima. Das heisst, im "Kurztag" im kühlen Klima wachsen die
Anden-Kartoffeln am besten (z.B. in Peru in den hohen Anden), im
"Langtag" im wärmeren Mitteleuropa am schlechtesten. Düngung
("Stickstoffgabe") bewirkt im "Kurztag"-Gebiet grössere Kartoffeln, im
"Langtag"-Gebiet mehr giftiges Kraut [97]. Der Anbau im warmen und
sonnigen Süd-Spanien (mit merklich kürzeren
Tagen als in Mitteleuropa!) war scheinbar kein grosses Problem.
Die späte Reifung in Mitteleuropa aber hatte zur Folge, dass die
Kartoffeln vielleicht zu früh aus dem Boden geholt wurden und noch grün
gegessen wurden, mit dem Nervengift Solanin drin, mit entsprechender
Wirkung. Je kälter es aber in Mitteleuropa durch die "Kleine Eiszeit"
wurde, desto
besser wuchs die Kartoffel. Die Kloster-Wissenschaftler machten sich
nun daran, europäische Kartoffelsorten zu entwickeln... [5] Die
Kartoffel in Mitteleuropa musste also zuerst an die Langtagbedingungen
angepasst werden. Wenn man sie zu früh erntete, wiesen sie noch viel
Solanin auf, mit entsprechenden "Nebenwirkungen" wie <Kopf-, Hals-
und
Bauchschmerzen verbunden mit Schweissausbrüchen und Übelkeit> [38].
Die Kartoffel war nicht die einzige Pflanze, die eine
Kurztag-Langtag-Empfindlichkeit aufwies [99].
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![Die Kirche behauptete, die Kartoffel sei vom Teufel [31], weil die Kartoffel unterirdisch wuchs Die Kirche behauptete, die Kartoffel sei vom Teufel [31], weil die Kartoffel unterirdisch wuchs](04-soraccocha-Tal-And-d/z031-teufel.jpg)
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Die Kirche
behauptete, die Kartoffel sei vom Teufel [31], weil die Kartoffel
unterirdisch wuchs
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Die rassistische Kirche: Die
Kirche verhinderte die Verbreitung der Kartoffel gleichzeitig mit ihrer
Teufels-Propaganda: <Im damaligen Europa
waren die Menschen nicht gewohnt Früchte aus dem Boden zu essen. Was
aus dem Boden kam hätte vom Teufel sein können> [73]. Die Kirche
meinte also, die Kartoffel käme (wie auch alles andere "Erdobst" [89])
quasi aus der "Unterwelt", und mit der
"Unterwelt" wollte niemand etwas zu tun haben [5]. Schon vom Aussehen
her hatte die Kartoffel einen schweren Stand, denn
die braungelbe, unförmige Knolle [90] - das Symbol für die Unterwelt
[5] - wurde immer dem prall-runden, roten
Apfel gegenübergestellt [90] - das Symbol für die himmlische Welt [5].
Konservative
Kirchenströmungen blieben ausserdem noch lange bei der Vorstellung, die
Erde sei
eine Scheibe, und die Kartografen zeichneten oft Ungeheuer dort, wo
"Amerika" war [75]. Ausserdem waren die Kartoffeln aus Peru noch viel
kleiner als die heutigen Züchtungen und waren nussförmig bzw. ähnelten
männlichen Hoden [80]. So war die Kartoffel also ein "teuflisches"
Produkt, und da der oberirdische Teil [26] - der "himmlische"
Teil - eine Giftpflanze war, war auch der oberirdische Teil vom
"Teufel" [5]. In Schottland
wurde
der Konsum der
Kartoffel verweigert, weil sie in der Bibel nicht erwähnt war [26]. Die
Kirche behauptete oft, die Kartoffel sei die "Inkarnation des Bösen"
[38], weil die Knolle eben aus der "Unterwelt" kam, und die "himmlische
Welt" der Pflanze giftig war. Dies kombinierte sich mit den Berichte
über "Amerika", wo die
Bewohner auch regelmässig als die "Bösen" dargestellt wurden
("Menschenfresser") [5]. In
Russland wurde die Kartoffelknolle lange als "verbotene Frucht"
betrachtet, die gegen die "heilige Schrift" verstosse [34]. Nun, man
sieht klar: Die Kirche mit ihren Manipulationen ist der Teufel selber,
und es würde aufgrund dieser Manipulationen viele Tote geben... [5]
Die Müller: In Sachen Widerstand gegen Früchte, die unter der Erde
wachsen, war die
Kirche aber in "feiner Gesellschaft": Diejenigen
Menschen, die vom Getreideanbau lebten - die Getreidebauer, die
Mühlenbesitzer [29], die Müller [82], und auch die Viehzüchter -
agierten systematisch gegen
die Kartoffel als Speiseknolle für die Menschen, schlussendlich
erfolglos [29]. Eine Zeit lang wurde z.B. verboten, Kartoffelmehl
zu verbacken, um die Müller zu schützen (Braunschweig 1759). Schritt
für Schritt wurden aber die kleinen Mühlen überflüssig, und die
Kartoffeln war sogar eine Zeit lang steuerfrei (Zehnten-frei)... [82].
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![Die Brahmanen (hier ein alter Brahmane aus Mamallapuram, Südindien [33]) verweigern die Kartoffeln, weil sie unter der Erde wächst Die Brahmanen (hier ein alter Brahmane aus Mamallapuram, Südindien [33]) verweigern die Kartoffeln, weil sie unter der Erde wächst](04-soraccocha-Tal-And-d/z033-brahmane-alt.jpg)
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Die Brahmanen
(hier ein alter Brahmane aus Mamallapuram, Südindien
[33]) verweigern die Kartoffeln, weil sie unter der Erde wächst. |
![Der Islam (hier betende Muslime in Beugehaltung [34]) verweigerte die Kartoffel ebenfalls... Der Islam (hier betende Muslime in Beugehaltung [34]) verweigerte die Kartoffel ebenfalls...](04-soraccocha-Tal-And-d/z034-betende-muslime.jpg) |
Der Islam (hier
betende Muslime in Beugehaltung [34]) verweigerte die Kartoffel
ebenfalls... |
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![Ulrich von Hutten [35] wetterte als Reformator gegen "alles Neue", auch gegen Kartoffeln Ulrich von Hutten [35] wetterte als Reformator gegen "alles Neue", auch gegen Kartoffeln](04-soraccocha-Tal-And-d/z035-Ulrich-von-Hutten-holzschnitt.jpg)
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Ulrich von Hutten
[35] wetterte als Reformator gegen "alles Neue", auch gegen Kartoffeln
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![Waldenser (hier z.B. der Waldenser Heinrich (Enrico) Arnaud aus Schönenberg [36]) verbreiteten in Europa ebenfalls die Kartoffel Waldenser (hier z.B. der Waldenser Heinrich (Enrico) Arnaud aus Schönenberg [36]) verbreiteten in Europa ebenfalls die Kartoffel](04-soraccocha-Tal-And-d/z036-waldenser-Heinrich-Arnaud-55pr.jpg)
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Waldenser
(hier z.B. der Waldenser Heinrich (Enrico) Arnaud aus Schönenberg [36])
verbreiteten in Europa ebenfalls die Kartoffel
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Andere
Glaubensgruppen: Die Brahmanen verweigern [bis
heute 2010] neben Fleisch und Alkohol auch den Genuss von Gemüsen, die
unter
der Erde wachsen, seien es Zwiebeln, Rüben, oder Kartoffeln -
um den Geist "rein" zu halten [76]. Und
die gesamte islamische Welt akzeptierte die Kartoffel nicht, weil sie
nicht im "Alten Testament" erwähnt sei, und so würde mit einem
Kartoffelverbot der Körper "rein" gehalten [80]. Konkret: Die Türkei
und ihr "Osmanisches Reich" baute wohl den Mais schon 1574 an (am
Euphrat), verhinderten bis zu ihrem Abzug aber die Kartoffel auf dem
Balkan und in Griechenland (bis 1829), und in der Türkei selbst wurden
Kartoffeln erst ab 1869 angebaut [82]. Auch in Asien wurden
Kartoffelanbau und Maisanbau lange verweigert. Und die "Reformatoren"
der "Reformation" wetterten zum Teil gegen alles Neue, nicht nur gegen
Pfeffer, Safran und Seide, sondern auch - gegen die Kartoffel, z.B.
Ulrich von Hutten [80]. Die Waldenser dagegen - mit strenger Auslegung
der Bibel - bauten die Kartoffel an und erreichten ein bis zu ihrer
Vertreibung und Flucht aus Lyon ins Piemont, ins Elsass, in die Schweiz
und nach Süddeutschland Ende des 17.Jh. ein hohes Bildungsniveau
(Drucker, Apotheker etc.) [81].
Auch die Tomate war lange Zeit von der Kirche geächtet und konnte sich
in Europa erst im 20.Jh. durchsetzen, weil sie wohl der "Liebesapfel"
der Eva mit ihrem Adam gewesen sei... [80]. Alles, was neu und rot war,
wurde "Liebesapfel" genannt, vom Granatapfel über die rote Kartoffel
bis hin zur roten Tomate [82]. Die "wissenschaftlichen" "Christen"
aber spielten ihre Adam- und Eva-Spielchen im botanischen Garten bzw.
im Klostergarten... [5]
Klima-Abkühlung
("Kleine Eiszeit"), Hungersnöte und Kartoffeln in Europa
Allgemein war die Ernährung in Europa immer nur knapp
bemessen [29], denn generell schon war die Getreideernte recht
unregelmässig mit Schwankungen von bis zu 50% und einer recht
unsicheren Lagerung, so dass die Bevölkerung in Europa, die
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![Das Wappen von Ahrensfelde [37] (erste Erwähnung 1375) mit den Ähren, die damals nur etwa halb so gross waren wie heute Das Wappen von Ahrensfelde [37] (erste Erwähnung 1375) mit den Ähren, die damals nur etwa halb so gross waren wie heute](04-soraccocha-Tal-And-d/z037-wappen-Ahrensfelde.gif)
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Das Wappen von
Ahrensfelde [37] (erste Erwähnung 1375) mit den Ähren, die damals nur
etwa halb so gross waren wie heute |
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Kleine Eiszeit,
z.B. war die Themse in London zugefroren, hier 1677 [38]
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auf
Getreide setzte, immer mit der Gefahr von Hunger leben musste [80].
Ausserdem war eine Ähre um 1300 nur etwa halb so gross wie die heutigen
Ähren (2009). Man kann es am Wappen von Ahrensfelde ablesen (erste
Erwähnung
1375), wie klein damals die Ähren waren [5,99]. Das
Klima in Europa kühlte nun vom 13. bis 20. Jh. um durchschnittlich 10
Grad ab bzw. ab dem 13.Jh. waren die Winter um ca. 10 Grad kälter als
vorher
("Kleine Eiszeit"), vor allem 1580 bis 1730 mit klirrend kalten Wintern
(Alpenseen und auch der Bodensee zugefroren (1544), Themse zugefroren,
Eskimos kamen nach Schottland, Eisbären erreichen auf ihren Schollen
Island (18.Jh.), und die Sommer waren jeweils verregnet [80].
Die schlechten Sommer
wurden nun wegen klimatischer Veränderungen immer
häufiger [38].
Das kalte Klima mit unreifem
oder faulendem Getreide oder mit Mutterkorn provozierte
Völkerwanderungen von Asien nach Europa, mit Wölfen in den Dörfern oder
in England mit einer konstanten Wolkendecke. Das Getreide passte
einfach nicht mehr zum Klima und die Kornpreise explodierten wegen des
knappen Angebots, zusätzlich provoziert durch Nagetiere wie Hamster,
Ratten und Mäuse, die das Korn heimlich zu über 50% von den Feldern
oder aus den ungesicherten Vorratskammern wegfrassen [80]. Ausserdem
kühlte sich der Golfstrom ab und gewisse Fische (z.B. Heringe)
schwammen nicht mehr bis Skandinavien, um zu laichen [89]. Diese
Hungerjahre, verursacht durch die "Kleine Eiszeit", galten für ganz
Europa, in Spanien für das 15.Jh., in
England (1418-1759), Italien (z.B. Florenz 1371-1791), in Russland von
971-1925 [80].
Auch die Rebkulturen Mittel- und Nordeuropas wurden z.T. durch das
kältere Klima vernichtet bzw. die Trauben wurden einfach nicht mehr
süss und
der Wein schmeckte scheusslich. Und die Hexenverfolgung erreichte in
dieser kalten Zeit Europas ihren Höhepunkt [80], wohl als kompensative
Reaktion [5]. Die kalten Jahre führten immer wieder zu Hungersnöten in
Europa, wo die Menschen dann
gezwungen waren, Gras zu essen wie das Vieh, z.B. 1662 in Blois, oder
1693 im Burgund [29]. Auch unreifes, grünes Korn wurde gegessen [80],
denn besser unreif als faul [5], oder Laub, Gras und Leder oder auch
Ratten wurden gegessen (Hessen 1635), oder Rüben, Nesseln, Kraut und
Gras (Augsburg 1570/71) [80], oder auch Katzen oder Hunde [82]. Oft
reifte das Getreide gar nicht und blieb
grün ("Grüne Jahre"). Die Landbevölkerung organisierte Bettelorgien in
den Städten. Die Lebenserwartung sank in der kalten Periode ohne
Kartoffeln von 30 auf 20 Jahre. Maximales Alter, z.B. bei Königen, war
zwischen 50 und 60 Jahren.
Gleichzeitig nahmen aber die Seuchen
aufgrund der chronisch ausgehungerten europäischen Bevölkerung zu [80]
(aufgrund der schwaches Immunsysteme [5]), mit Pest, Typhus, Pocken,
Keuchhusten etc.
[80]. Die Könige waren aber gut ernährt, und deren Immunsysteme
versagten als letztes, wenn man die adligen Tafelregeln anschaut (z.B.
von König Peter IV. von Aragon (1319-1387)): Auf einem Teller muss
Platz für
Speisen für acht Personen sein, bei den Prinzen für sechs Personen, bei
Erzbischöfen, Bischöfen, Prälaten und Rittern für vier Personen. Die
französische Küche servierte klein, aber fein, also pro Gang sieben
Gerichte, bei dreigängigem Menü also 21 Gerichte. Der Adel hungerte
nie, sondern amüsierte sich auch mit Gesellschaftsspielen (Masken,
Tanzen, Blinde Kuh etc.), während die europäischen Bauern die Felder
bestellen mussten. So war das später auch beim Bürgertum ("vornehme
Familien", "vornehmen Häuser")... [82].
Aber Kartoffelspeisen galten in Europa also lange
nur als Armenspeise [8] und in den Listen der gehandelten Güter fehlt
die Kartoffel konsequent [80]. Ausserdem war es eine damals ärztliche
(!) Tradition, die Speisen in
Speisen für Reiche und für Arme zu unterteilen und zu behaupten, dass
"noble" Mägen der Reichen Speisen der Armen und die "derben Mägen" der
Armen
die "erlesenen Gerichte" der Reichen nicht vertragen würden, so
beschrieben z.B. von Giacomo Albini im 14.Jh. Diese
rassistisch-kapitalistische Ernährungslehre wurde auch noch im 19.Jh.
und sogar noch in den 1950er Jahren vertreten mit der Behauptung, dass
"rohe Seelen [...] einen Appetit nach rohen Nahrungsstoffen" hätten und
"einen plumpen, mit tierischen Eigenschaften ausgestatteten Körper"
hätten (in: H. Klencke: "Chemisches Koch- und Wirtschaftsbuch oder die
Naturwissenschaft im weiblichen Berufe. Ein Lehrbuch"; 1867; In:
"Chemisches Koch- und Wirtschaftsbuch", 1950er Jahre). Erst McDonalds
und Pizza Hut machten die Reichen gleicher... [29] und die alternativen
Menschen mit Rohkost und Blutgruppenernährung bewahrten sich ihre
Körperform... [5]
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![Beispiel für den 30-jährigen Krieg, Stadtbrand von Magdeburg 1631 [40] Beispiel für den 30-jährigen Krieg, Stadtbrand von Magdeburg 1631 [40]](04-soraccocha-Tal-And-d/z040-30jaehr-krieg-Magdeburg-stadtbrand-1631.jpg)
Beispiel für den 30-jährigen Krieg, Stadtbrand von Magdeburg 1631 [40]
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![Jonas Alstroemer [39], führte ab 1720 die Kartoffel in Schweden ein Jonas Alstroemer [39], führte ab 1720 die Kartoffel in Schweden ein](04-soraccocha-Tal-And-d/z039-Jonas-Alstroemer-portrait.jpg)
Jonas Alstroemer [39], führte ab 1720 die
Kartoffel in Schweden ein
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Die kleinen Gehöfte in den
Mittelgebirgen machten in klimatisch ungünstigen Lagen beste
Erfahrungen mit
der Kartoffel [82]. In
Frankreich machte Anfang des 17.Jh.s das Gerücht die Runde, dass die
Kartoffel Lepra ("Aussatz") verursachen würde, und im Burgund war die
Kartoffel entsprechend 1610-1620 verboten [29]. Dann kam aber der
30-jährigen Krieg (1618-1648 [19], eine Reihe von Religionskriegen und
Hegemonialkriegen [100]), und die Kartoffelknolle wurde zur
Notspeise der Verarmten, bzw. viele Leute in Europa kochten heimlich
Kartoffelsuppe [8]. Die Heere im 30-jährigen Krieg raubten die Felder
und fanden - Rüben und Kartoffeln [89]. Englische Truppen in den
Niederlanden verbreiteten
1620 englische oder irische Kartoffeln. Englische Kartoffeln wurden
zwischen 1620 und 1640 - [im Zuge des 30-jährigen Krieges] - auch in
Hessen, Mecklenburg, Westfalen und Franken eingeführt [17]. Die
schwedischen Truppen zogen sich zurück und brachten die Kartoffel nach
Schweden mit [89]. Von 1648
bis 1807 machte allein Deutschland 16 Hungerperioden durch.
Durchschnittlich war jedes
vierte Jahr ein Hungerjahr [80]. Und jeder Krieg in Europa förderte
den Anbau der Kartoffel [89]. Dann entdeckten ab 1650 viele europäische
Landwirte den
Wert der Kartoffel, die vom Weizen-Schädling Mutterkorn nicht betroffen
werden konnte,
und schalteten vom Getreide auf die Kartoffel um [8]. Ab 1673 wurde die
Kartoffel auch in
Kurland (Baltenstaaten) angebaut, aber der Adel baute sie nur für
Schweine an [89]. Nach 1683 soll die Kartoffel nach dem
Russisch-Türkischen Krieg
auch nach Süd-Finnland gebracht worden sein [89]. Jonas Alströmer
(1685–1761), der in Irland in englischen Diensten gestanden hatte,
brachte die Kartoffel nach Schweden und verbreitete sie ab 1720
planmässig über seinen Chefposten als Weberei-Fabrikbesitzer. Viele
schwedische Bauern verweigerten jedoch den Kartoffel-Anbau. Im Kurland
setzte sich die Kartoffel ab 1750 durch Beziehungen zu Deutschland auch
auf Adelstischen durch [89].
Im 18. Jh. wurden in Europa auch bereits getrocknete Kartoffeln
als Vorratshaltung hergestellt, zuerst gekocht, dann gepellt, dann auf
dem Ofen getrocknet [76].

Weide und Steinwiese
über der Baumgrenze

Bauer auf einer Steinwiese und
Sicht auf den
Hauptfeldweg, 16:00 Uhr

Kartoffelfeld,
Nahaufnahme

Kartoffelfeld mit Baum
und
Wolkenbildern
Die Serpentinen
waren
derart weitläufig angelegt, dass wir kilometerweise an Feldern
vorbeifuhren...
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In Frankreich behauptete ein Haushaltsbuch nach dem 30-jährigen Krieg
ab
1650 immer noch, dass die Kartoffel Lepra verursachen würde, und die
Kartoffel sei würde die sexuelle Lust der Frauen stimulieren und bei
Neugeborenen zu grosse Köpfe verursachen. Gemäss Friedrich Wollner
(1970) war hier die Kartoffel mit Topinambur verwechselt worden.
Vielleicht waren auch Getreidehändler an den Diffamierungen der
Kartoffel verantwortlich. Nach dem Gerücht, die Kartoffel würde Lepra
verursachen, kam das Gerücht auf, die Kartoffel sei für die
Halsdrüsenschwellung Skrofulose (Skrofeln) verantwortlich. Ab dem
18.Jh. waren Kartoffeln regelmässig auf französischen Märkten zu
finden. Der Aberglaube der Skrofulose aber hielt sich bis ins späte
18.Jh. Bauern in Frankreich weigerten sich weiterhin, das
"Schweinefutter" anzupflanzen, und Schriftsteller der "höheren
Gesellschaft" wetterten gegen die Kartoffel als "abscheuliches Gemüse"
(Raoul de Combles) [29].
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![Der englische Hofbotaniker John Gerard mit Kartoffelzweig 1697 [41] Der englische Hofbotaniker John Gerard mit Kartoffelzweig 1697 [41]](04-soraccocha-Tal-And-d/z041-John-Gerard-m-kartoffelzweig1697-66pr.jpg)
Der englische Hofbotaniker John Gerard mit
Kartoffelzweig 1697 [41]
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1697 liess
sich
der englische Hofbotaniker John Gerard mit einem blühenden
Kartoffelzweig abbilden - auf dem Titelblatt seines eigenen
Kräuterbuchs "Kräuterbuch - oder Allgemeine Pflanzengeschichte" (orig.
Englisch: "The Herball, or General History of Plants") [17].
In Sachsen galt die Kartoffel ab 1697 unter dem Adelshaus Friedrich
August II. und III. als Delikatesse - und wurde nicht den Schweinen
verfüttert [90].
In Russland versuchte Zar Peter I. im Jahr 1698, die
Kartoffeln einzuführen, was sich wegen einer Pestepidemie um mehrere
Jahrzehnte verzögerte, denn die [dumme] orthodoxe Kirche behauptete,
die
Kartoffel habe die Pest verursacht. Die [dumme] russische Orthodoxie
behauptete
fortan, wer von der teuflischen Kartoffel esse, komme nicht ins
Himmelreich... [90], bezeichnete die Kartoffel sogar als
"Teufelsapfel" [89]. Der Kartoffelanbau konzentrierte sich somit nur
auf St.
Petersburg. Einzelne Anpflanzungsversuche gingen bis Sibirien [90].
Russlands Zarin
Katharina II. liess z.B. 1762 mit grossen Versprechen deutsche Bauern
an der Wolga und an der Krim ansiedeln, und die Bauern brachten
Kartoffeln mit - obwohl Getreideanbau vorgesehen war [90].
Es galt der "christliche" Aberglaube, dass die Kartoffel vom Körper der
Sünderin
und von der Spucke des Teufels stamme [34]. Das heisst: Die Erde, auf
der der Regen niedergeht, ist das Symbol für die "sündige"
Weiblichkeit, die analog mit Sperma befruchtet wird (auf der das Sperma
"niedergeht"). Und der Teufel ist Symbol für einen "Unhold". Die Kirche
meinte also, die Kartoffel sei das Kind einer geilen Frau (Hure) und
eines "Unholds" bzw. Freiers. So bezeichnete die Kirche die Kartoffel
als "teuflisch", verbot den Konsum der Kartoffel, und so entstanden
weiter Hungersnöte mit Seuchen und 100.000en von Toten. Das ist nur
eine der grossen Sünden der dummen, kriminellen Kirche - ein gezielter
Massenmord mehr. Man
fragt sich, wieso die Kirche überhaupt noch Glocken läuten lassen
darf... [5]
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![Die Karikatur von Kurt Halbritter zeigt König Friedrich den II. ("der Grosse") als Werber für Kartoffeln (1744) - mit Kartoffelnase [42] Die Karikatur von Kurt Halbritter zeigt König Friedrich den II. ("der Grosse") als Werber für Kartoffeln (1744) - mit Kartoffelnase [42]](04-soraccocha-Tal-And-d/z042-Halbritter_Friedrich-d-gr-m-kartoffel-1744.jpg)
Die Karikatur
von Kurt Halbritter zeigt König Friedrich den II. ("der Grosse") als
Werber für Kartoffeln (1744) - mit Kartoffelnase [42]
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Englische Truppen führten
englische Kartoffeln 1708/9 auch in Dänemark ein [17]. In Preussen
setzte der "Soldatenkönig" Friedrich
Wilhelm I. (1688-1740 [21]) unter Androhung von Gewalt den
Kartoffelanbau durch [20]. Friedrich der Grosse (Friedrich Wilhelm II.,
1712-1786 [27]) war
ebenso gezwungen, in einer "Circular-Ordre" die Bauern zum
Kartoffelanbau anzuhalten, und wies obendrein noch an, Bauern zu
denunzieren, die den Kartoffelanbau verweigerten. Gleichzeitig liess er
Kartoffelfelder bewachen, liess aber den Diebstahl von Kartoffeln zu,
um die Verbreitung der Kartoffel zu fördern [26]. Finnland wurde von
der Kartoffel ca. 1730 endgültig erreicht, wo später deutsche Schmiede
zusätzlich
ihre Kartoffeln mitbrachten. In Norwegen kam die Kartoffel erst ab ca.
1750, durch Rückwanderer von Schottland her, die im 17.Jh. wegen
Hungersnöten ausgewandert waren [89].
In Frankreich unter
dem König Louis XV. (1710-1774 [31]) wurde das erste grosse Lexikon
herausgegeben, die königliche "Grande Encyclopédie" (1751-1780). Der
zensierte Artikel über die Kartoffel erfand eine neue Herkunft: Die
Kartoffel stamme aus Ägypten, und man könne sie vielleicht in einigen
Kolonien anbauen, schmecke gekocht in Wasser, gebraten oder im Eintopf
"fad und mehlig", sättigt aber gut, provoziert aber gleichzeitig
"Winde" [unfreiwillige Abluft aus dem Darmkanal]. Dies schrieb
Gabriel-François Venel [29], Arzt, Pharmazeut und Chemiker (1723-1775)
[32]. Finnland wurde von
der Kartoffel ca. 1730 endgültig erreicht, wo später deutsche Schmiede
zusätzlich
ihre Kartoffeln mitbrachten. In Norwegen kam die Kartoffel erst ab ca.
1750, durch Rückwanderer von Schottland her, die im 17.Jh. wegen
Hungersnöten ausgewandert waren. Der Kümmel-Kartoffelschnaps "akevitt"
wurde ein
Nationalgetränk Norwegens [89].
Schwedische Soldaten nahmen nach dem
7-jährigen Krieg (1756-1763) aus Deutschland Kartoffeln mit [89]. In
Island wurde die Kartoffel 1758
durch den schwedischen Baron F.W. Hastfer eingeführt, aber alles nur im
eigenen Hofgarten [89]. Eine
Hungersnot in Schweden 1764 zwang dann die schwedischen Bauern
endgültig zur Akzeptanz der Kartoffel [89]. Auch für Kiews
Gemüsegärtenist die Kartoffel 1764 bezeugt [90].
Grosse Hungersnot 1770-1772
Die grossen Regenfälle im August
1769 verunmöglichten in grossen Teilen
Europas eine Getreideaussaat [29]. Die darauf folgenden grossen
Hungersnöte in Europa von
1770-1772 mit Ernteausfällen beim Getreide
von bis zu 90% verhalfen der Kartoffel und dem Mais in weiten Teilen
Europas endgültig zum Durchbruch [8]. Vom Februar bis Juli 1770 wurden
z.B. in
Wesel am Niederrhein <Dauerregen, dann Kälteeinbrüche, plötzliche
Trockenheit und dann wieder Überschwemmungen> reportiert [80].
Hungernde Banden durchstreifen die Städte und erpressten die Bewohner
mit Gewaltandrohung zur Abgabe von Nahrung (Edikt in Westfalen 1769)
[80]. Aber
erst ab 1787
steigerten die Bauern in Schweden wesentlich den Kartoffelanbau, denn
es war die Erlaubnis zur Verarbeitung für Kartoffelschnaps gegeben
worden... [89]. Und ab 1790 brachten deutsche
Minenarbeiter in Schweden weitere Kartoffeln mit. Als schwedische
"Hausmannskost" etablierte sich Fisch mit Kartoffel, wobei die
Kartoffeln in Schweden nicht so
gross werden wie in Mitteleuropa. Mit dem Kartoffelkonsum war jeweils
mehr Gesundheit, Fruchtbarkeit und Bevölkerungswachstum verbunden. Das
Bevölkerungswachstum in Schweden
bewirkte
eine Auswanderungswelle nach Dänemark und Deutschland [89]. Auf den
Färöer-Inseln wurden die Kartoffeln von Poul Poulsen (1766-1808)
eingeführt (also etwa in den 1790er Jahren [5]), aber alles nur im
eigenen
Hofgarten [89].
Alkoholismus durch
Kartoffelschnaps in Europa
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![Das Festkomitee der schwedischen Nüchtigkeitsvereinigung ("nykterhetsfoereningen") 1910 [43] Das Festkomitee der schwedischen Nüchtigkeitsvereinigung ("nykterhetsfoereningen") 1910 [43]](04-soraccocha-Tal-And-d/z043-nykterhetsfoereningen-festkomitee1910-44pr.jpg)
Das Festkomitee
der schwedischen Nüchtigkeitsvereinigung ("nykterhets- foereningen")
1910, z.B. gegen Kartoffelschnaps [43] |
Gleichzeitig
entwickelte sich in Skandinavien und später auch in Russland eine
Gewohnheit zum Alkoholmissbrauch durch Kartoffelschnaps. Eine
Bewegung für Nüchternheit (»nykterhetsrörelse«) ging dann in Schweden
gegen den
Alkoholmissbrauch durch Kartoffeln und Gerste vor. Der
Kümmel-Kartoffelschnaps "akevitt"
wurde ein
Nationalgetränk Norwegens [89]. Diese Alkoholismuswelle entwickelte
sich mit dem generellen Aberglauben, dass Alkohol neue "Kraft"
verleihen würde, ohne die körperlichen und psychischen Dauerschäden zu
berücksichtigen. Auch die Raten bei Gewalt und Mord stiegen sprunghaft
an etc. Somit wurde das eine grosse Übel - der Hunger - zwar
überwunden, aber es folgte ein anderes grosses Übel - der Alkoholismus
- und zwar mit staatlicher Erlaubnis. Durch den billigen
Kartoffelschnaps entwickelten sich neue Alkoholismus-Traditionen, die
rote Alkoholiker-Nase etc. Insgesamt ist dieses Thema des europäischen
Alkoholismus und des Missbrauchs der peruanischen Kartoffel nicht
aufgearbeitet [5]. Eine
Bewegung für Nüchternheit (»nykterhetsrörelse«) ging dann in Schweden
gegen den
Alkoholmissbrauch durch Kartoffeln und Gerste vor [89].
Kartoffel-Zwangsanbau in
Deutschland und Österreich - der Kampf für die Kartoffel gegen die
dumme Bourgeoisie in Frankreich
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Antoine Augustin
Parmentier [7], Apotheker und Protagonist für die Kartoffel am
französischen Hof |
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![Kartoffeln à la duchesse, überbackene Herzoginkartoffeln [44] Kartoffeln à la duchesse, überbackene Herzoginkartoffeln [44]](04-soraccocha-Tal-And-d/z044-duchesse-herzoginkartoffeln-44pr.jpg)
Kartoffeln à la
duchesse, überbackene Herzoginkartoffeln [44]
"Pommes de
terres allumettes", Pommes Frites [45],
erfunden am französischen Königshof
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Nach
der grossen Hungersnot von 1770-1772 setzten in Deutschland Friedrich
II.
[8] mittels so genannter "Kartoffelbefehle" [37] und das Haus Habsburg
unter Maria
Theresia
und Josef II. zum Teil den Zwangsanbau der Kartoffel durch [8]:
in österreichischen Gebieten im Ostseeraum, Polen, Russland, und auf
dem österreichischen Balkan [17].
In Frankreich hatte das
Gerücht, die Kartoffel sei Träger des Lepra-Erregers, eine
flächendeckende Verbreitung bisher verhindert. Aber die Hungersnöte
änderten das jetzt, u.a. durch die Tätigkeit des Apothekers Augustin
Parmentier (1737-1813 [30]), der u.a. den königlichen Ernährungspreis
für Ersatznahrungsmittel im Falle einer Hungersnot gewann (Kartoffel).
Er servierte auch hohen Staatsmännern
seine neuen Kartoffelgerichte - z.B. eine Woche lang nur
Kartoffelgerichte
[15]. Parmentier soll am Hof in Paris auch einen regelrechten
Kartoffelkult in Gang gebracht haben, mit Porzellanservices mit
Kartoffelblüten drauf, mit Kartoffelblütenmuster als Kleidermode, mit
Kartoffelblüten im Haar oder im Dekolleté als "letzter Schrei", oder
mit Kartoffelblüten als Frackmode im Knopfloch, die die Nelke ablöste.
Am französischen Hof wurden sodann neue Kartoffelgerichte erfunden wie
die überbackenen Kartoffeln (Duchesse) und die Pommes Frites
("Streichholzkartoffeln", frz. "pommes
de terres allumettes") [29].

Gelbes Feld

Feld am Hang

Weiden am Hang
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Die
Heimlichtuerei am europäischen Kochherd fiel nun ab den
Hungerkatastrophen von 1770/71 weg, was die Kartoffel betraf [8]. Ab
sofort wurde es in Europa Brauch, bei Hungersnöten den Schweinen die
Kartoffeln wegzunehmen und die Kartoffeln selber zu verspeisen. In
Sachen Rezepturen waren die Franzosen am experimentierfreudigsten.
Während in Europa die Kartoffeln hauptsächlich gebraten oder in Wasser
gekocht wurden, appellierte Parmentier, die Kartoffeln zu dünsten, so
dass der ganze Geschmack erhalten bleibe [29].
Kartoffeln wurden nun auch öffentlich als Schnaps gebrannt oder als
Ersatzkaffee
zubereitet [8]. Der Krieg von Böhmen gegen Österreich von 1778 war nur
ein "Geplänkel", aber im Winter stritten sich beide Seiten um die dort
bereits verbreiteten Kartoffeln - der "Kartoffelkrieg" [29]. Kartoffel aus den Anden und
die Süsskartoffel (aus der Karibik [75]) setzten sich ab
ca. 1780 in der
europäischen
Landwirtschaft durch, ebenso Mais aus Mexiko und Peru [8].
Kartoffeln waren in Frankreich aber noch lange die "Nahrung der Armen
und der Armeen" [29]. François
de Neufchâteau, französischer Staatsmann und Dichter
(1737-1813) [31], schlug vor, die Kartoffel neu ihrem Protagonisten
"Parmentier" zu
benennen, aber ohne Erfolg. Es blieb beim Erdapfel ("pomme de terre"),
aber Parmentier bekam immerhin ein Denkmal in Montdidier in
Südfrankreich [29]. Der Bürgermeister von Paris setzte sich vehement
für die Kartoffel ein, und als Finanzminister von Louis XV. liess
er an königlichen Banketten Kartoffeln servieren - auch mit
stimulierendem Effekt für die Erotik am Hof als Aphrodisiakum [29]. Das
alles nützte
beim französischen Bürgertum aber nichts: Vor
der
Französischen Revolution hungerte Paris, weil in der französischen
Mittel- und Oberschicht zu wenig Kartoffeln gegessen wurden. Ein
strenger Winter 1788/1789 und einige Missernten hintereinander
provozierten horrende Getreidepreise und Brotpreise - und so den
Ausbruch der Französischen Revolution, weil die eitle Bevölkerung von
Paris bisher Kartoffeln und Bohnen verweigerte [29]. Die Kartoffelernte
gelang dagegen vortrefflich (hessische Müller an Wilhelm IX. 1789)
[82], aber das dumme, französische Bürgertum wollte (noch) keine
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![Napoleon [46], seine Armeen wurden hauptsächlich mit Kartoffeln verpflegt Napoleon [46], seine Armeen wurden hauptsächlich mit Kartoffeln verpflegt](04-soraccocha-Tal-And-d/z046-Napoleon-portrait.jpg)
Napoleon [46], seine Armeen wurden hauptsächlich
mit Kartoffeln verpflegt
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Die Frau von
Napoleon, Josephine de Beauharnais [47], verwandelte die königliche
Küche in eine Hochburg der Kartoffelgerichte
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Napoleonische Gardesoldaten [52] in den
französischen Nationalfarben blau-weiss-rot
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Kirchen wurden unter Napoleon zu Pferdeställen und
Heerlagern, hier St. Petri in Hamburg [51] |
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Kartoffeln
essen. Der elfte
Tag des
Jahres im französischen Revolutionskalender (eingeführt am 22.9.1792)
war ein Kartoffeltag ("pomme de terre"). Aber die
"wohlhabenden Bürger" von Paris blieben beim Brot und wollten auch 1793
noch keineswegs Kartoffelmahlzeiten akzeptieren, und der Hunger in
Paris nahm seinen Lauf, wie der Kommandant von Paris, Louis Santerre,
am 5.2.1793 beklagte. Er forderte sogar, den königlichen Pflanzengarten
("Jardin des plantes") umzugraben und dort Kartoffeln anzupflanzen -
ohne Erfolg. In den Pariser Preislisten vom 29.9.1793 kommt die
Kartoffel dann aber erst gar nicht vor... [29]. Das
Hauptnahrungsmittel von Napoleons Armeen waren - Kartoffeln [15].
Überall dort, wo die französischen Armeen Gebiete besetzten, wurde
danach der Kartoffelanbau forciert [29]. In Frankreich selbst wurden
Anordnungen zum Kartoffelanbau z.T. über die Kirchenkanzel verbreitet,
z.B. im Jahr 1800 im Département du Nord [29]. Napoleons Königshof
wurde ab 1804 nach der Heirat Napoleons mit Josephine
de
Beauharnais zu einem Hort der Kartoffelgerichte, denn Josephine war
mit Kartoffeln aufgewachsen und wurde nun zum Vorbild der bürgerlichen
Hausfrauen. Das Gerücht, dass die Kartoffel eine potenzsteigernde
Wirkung habe, verhinderte vielleicht die grosszügige Ausbreitung, denn
niemand wollte wohl zugeben, dass er dies nötig hätte. Die Kartoffel
wurde in den bürgerlichen Restaurants somit nur zur Garnierung
verwendet [29]. Erst unter
dem "Bürgerkönig" Louis Philippe (Regierungszeit 1830-1848) wurde die
Kartoffel auch
im französischen Bürgertum zur Alltagsnahrung [15], als die letzte
grosse Hungersnot in den 1840er Jahren überwunden wurde [29].
Die sturen Ärzte, die gegen die Kartoffeln allerlei Krankheiten,
Durchfall oder Pupsen oder Erbrechen erfanden und immer wieder eine
"Unverdaulichkeit" behaupteten, fanden nun mit immer mehr Befürwortern
ihre Kontrahenten, z.B. Alfred Thaer [29] (1752-1828), der Leibarzt von
Georg III., Kurfürst von Hannover [33]. Thaer stellte klar fest, dass
die Krankheiten, die der Kartoffel zugeschrieben wurden, von der
falschen Zubereitung stammten, z.B. mit verunreinigtem Wasser.
Allgemein bewirke die Kartoffel "weniger Gärung, Aufblähung und
Säure", und kranke Kinder werden mit Kartoffelspeisen schnell gesund.
Eine neue
"Wissenschaftlichkeit" bei der Landwirtschaft liess zudem alle
"Grenzböden" zu neuen Ackerflächen werden - für die Kartoffel [29].
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