China-Chronologie 5:
Der "Grosse Sprung nach vorn"
produziert die weltweit grösste Hungersnot in Friedenszeiten - Rückzug
Maos nach Shanghai nach Kritik unter Liu Shaoqi - Mao-Kult - Atombombe
1964 und diplomatischer Sieg Maos gegen Taiwan - Vorbereitung der
"Kulturrevolution" als Maos Rache an seinen Kritikern

Das Mao-Reich beim "Sprung nach vorn": Hungersnot in Friedenszeiten,
Chinesenkind mit Hungerbauch, 1958 ca.
von Michael Palomino (2006 / 2010)
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Kommentar
Mit dem Scheinargument eines
"Grossen Sprung nach vorn" propagiert Mao
seine völlige Unfähigkeit im psychologischen und ökonomischen Denken.
Das Desaster der grössten Hungersnot aller Zeiten 1958-1961 ist bis
heute ungesühnt. China beklagt 30-60 Mio. Tote. Drei Jahre später aber
im Jahr 1964 imponiert China mit der Atombombe, und Rache gegen seine
Kritiker will Mao auch noch, und die Medien und die Bevölkerung machen
weiter mit...
Michael Palomino
Januar 2006
Quellen
-- Robert C. North: Der
chinesische
Kommunismus. Kindler Uni-Bibliothek 1966
-- John F.
Fairbank:
Geschichte des modernen China 1800-1985; dtv 1986
-- Haydt, Mathias
et alia: Ostasien-PLOETZ. Geschichte Chinas, Japans und Koreas zum
Nachschlagen; Verlag Ploetz, Freiburg / Würzburg 1986
-- verschiedene Internetbeiträge
für Rahmendaten:
-- Hermann Kinder/Werner Hilgemann:
DTV Atlas zur Weltgeschichte Bd. I. und II. 21.Auflage, München 1986
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Strom durch
Kooperative...
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1958
Strom durch Kooperative
Plakat: Strom durch Kooperative, China 1958:
"Installierung von elektrischem Licht in der Kooperative." 1958
(http://www.iisg.nl/~landsberger/tg.html)
1958
Ende der Säuberung nach den "100
Blumen"
Mao hat die Macht in der Partei mit seinem dogmatischsten Gefolge fest
im Griff. Jetzt kann Mao den "Grossen Sprung nach vorn" befehlen...
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
Chruschtschow-Besuch in
Peking
(Fairbank, S.311)
als neuer Regierungschef der SU (Fairbank, S.314). Mao wittert in der
SU Korruption und will sie in China auf jeden Fall bekämpfen (Fairbank,
S.318).
Nikita S. Chruschtschow, Portrait
Maos Führungsclique versucht in der Folge vergeblich einen
kommunistischen Gegenkurs gegen Chruschtschows Mittelweg dem
Kapitalismus gegenüber. China unternimmt vergeblich Anstrengungen, in
der Dritten Welt in Afrika und Asien neue Verbündete gegen die
Sowjetunion zu finden. Eine Afrikareise von Chou Enlai bleibt ohne
Erfolg (Fairbank, S.314).
Maos Enttäuschung über Russlands
Nichteinsatz von Atomwaffen
China ist mehr und mehr über Russland
enttäuscht, das von
Atomwaffen gegen
den Kapitalismus keinen Gebrauch macht:
-- das russische Atomwaffenarsenal wird nicht aggressiv genutzt
-- es kommt ab 1958 sogar eine "Entspannung" zwischen Moskau und den
"USA" zustande, ohne dass mit China Rücksprache genommen wird
-- Verhandlungen zwischen
Chruschtschow
und
Eisenhower enden im "Geist
von
Camp David" mit Fotos von
Chruschtschow am "amerikanischen" Bankett etc.
->> die Stimmung zwischen
Moskau
und
Peking ist immer mehr getrübt (North, S.212).
Kontroverse zwischen Peking und Moskau
Gegenseitig werfen sich Moskau und Peking vor,
die "Einheit
des
sozialistischen Lagers" zu untergraben.
->> Die kapitalistischen Staaten reiben sich die Hände und
meinen, die
nationalen Interessen von Russland, China und den anderen
kommunistischen
Staaten würden die kommunistischen Interessen überlagern (North, S.213).
ab 1958
Grenzstreit China-Indien jahrelang
(North, S.209).
Mai 1958
Voraussage der Atombombe auch in China
General
Liu Ya-Lou, Kommandeur
der Luftwaffe der chinesischen Kommunisten, sagt voraus, China werde
"in
näherer Zukunft" Atomwaffen und Raketen produzieren (North, S.232).
Mitte 1958
Chinesisches Wirtschaftsprogramm und
Mao-Parole vom "Grossen Sprung nach vorn" (englisch: "Great Leap
forward" GLF)
Die Konkurrenzsituation Maos zur
Sowjetunion
Um eine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von der
Sowjetunion zu erreichen, propagiert Mao ein "Wirtschaftsprogramm" des
"Grossen Sprung nach vorn".
(http://www.chinatour.com/countryinfo/history.htm#prc)
Mao hat dabei die Vorstellung, Stalins Industrialisierungsprogramm zu
kopieren, bei gleichzeitiger Einführung des "wahren Kommunismus", mit
der Eliminierung aller Spuren von Individualismus, die Stalin noch
toleriert hatte.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
Maos Helfer für den "Grossen
Sprung nach vorn"
Gemäss Jasper Becker im Buch "Hungry Ghosts" sind dies z.B. Hua Guofeng, Zhao Ziyang, Hu Yaobang
und Kang Sheng.
Maos Helfer beim "Grossen
Sprung nach vorn":
Hua Guofeng, Hu Yaobang,
Zhao Ziyang und Kang Sheng
Ausserdem tun die neuen bäuerlichen Kader alles für ihren "Führer Mao".
Sie meinen, mit Revolutionen weiter "befreien" zu müssen und wissen
nicht, was sie tun (Fairbank, S.313).
17.-30.8.1958
Peitaiho: Sitzung des
erweiterten
Politbüros: Mao kann seine Politik der "Drei Roten Banner"
behaupten
(Haydt u.a., S.62)
Die "Drei Roten Banner" verkörpern
-- die "Generallinie des sozialistischen Aufbaus"
-- den "Grossen Sprung nach vorn"
-- die Volkskommunen (Haydt u.a., S.63).
Damit distanziert sich Mao vom sowjetischen Modell und bricht einen
graduellen quantitativen Wandel für China ab. Er plädiert für eine
"ununterbrochene Revolution" und eine gleichgewichtige Entwicklung von
Industrie und Landwirtschaft. Die Landwirtschaft soll sich über die
Schaffung grösserer Produktionseinheiten und eine intensivere
Mobilisierung der Arbeitskraft der Bevölkerung durch Massenbewegungen
zum Motor der Entwicklung werden (Haydt u.a., S.63).
Mao erwartet vom neuen Kurs nicht nur "schnellere, bessere und mehr
Ergebnisse", sondern auch eine verstärkte Weiterentwicklung des
politischen Bewusstseins der Bevölkerung. Im Mittelpunkt steht die
Volkskommune, die neue "Grundeinheit der sozialistischen
Gesellschaftsordnung", mit ihren Produktionsbrigaden und
Produktionsgruppen, aufgeteilt in die Fachbereiche Industrie,
Landwirtschaft, Handel, Erziehung und Verteidigung (Haydt u.a., S.63).
Die Volkskommunen sollen das Wirtschaftswachstum fördern, die
Unterschiede zwischen Stadt und Land, Kopf- und Handarbeit, Arbeiter
und Bauern verringern, den Einsatz der Arbeitskräfte verbessern und
den "konkreten Weg für den Übergang zum Kommunismus" erkunden. Maos
Clique führt Masseneinsätze für Infrastrukturmassnahmen durch, z.B.
Strassenbau, Bewässerungsanlagen etc. (Haydt u.a., S.63).
Die
neuen Kulte: Rote Fahnen bei
der Dorfankunft - Trommeln
und Gongs
Die Propagandamittel sind dabei sehr verschieden und werden vor Ort von
den örtlichen Führer improvisiert.
(http://www.mindground.net/glp.html;
Meisner,
Maurice: Mao’s China: A History of the People’s Republic.
New York: Macmillan, 1979)
Maos Funke stürzt das Land ins Chaos mit nur halb durchdachten
Massnahmen. Typisch ist, in Dörfer mit roten Fahnen einzumarschieren,
Trommeln und Gong zu spielen, und Feuerwerk abzulassen, um einen neuen
Lebensstil einzuweihen.
(http://www.mindground.net/glp.html; Leung,
Laifong: Morning Sun: Interviews
with Chinese Writers of the Lost Generation. New York: M.
E.Sharpe, 1994, S.200-201)
In Hebei z.B. kündigt das Provinzkomitee ehrgeizig an: "Die grossen
Fortschritte des überall vorhandenen Sprungs nach vorn haben die Massen
und die Kader geschult. Die Bevölkerung hat nun uneingeschränktes
Vertrauen in die Richtigkeit der Parteiführung und anerkennt vollkommen
die Überlegenheit des sozialistischen Systems und die grosse Tapferkeit
der arbeitenden Bevölkerung im Kampf mit der Natur."
(http://www.mindground.net/glp.html; Qiyu, Shi.
“The Decline of a Moral
Regime.” Comparative Political Studies 27.2 (1994):
S.272-297, S.278).
Die Zwangskollektivierung aller
Bauern: Befehl zur Einrichtung von "Volkskommunen"
Zur Erhöhung der Getreideproduktion sollen
alle Bauern auf kollektivierten Höfen arbeiten. Ausserdem soll jede
Arbeitskraft zur Stahlproduktion genutzt werden.
(http://www.chinatour.com/countryinfo/history.htm#prc)
Konkret:
oo Zusammenschluss der Bauern in
Kommunen
oo Anlage von "Volkshochöfen"
zur Herstellung von Roheisen auch auf dem Lande (North, S.191)
oo Bau von Haushalts-Fabrikationsstätten, und neben Volkshochöfen
auch Anlage von Minengruben.
(http://www.msnbc.com/modules/china_taiwan/1950.asp)
Die ohnehin schon unterdrückerischen "Kollektiven" werden nun zu völlig
totalitären "Volkskommunen" umorganisiert. Private Gemeinschaften
werden völlig abgeschafft und kommunale Küchen eingerichtet, die für
die gesamte Dorfbevölkerung kochen sollen, in Chayashan in der Provinz Henan als erste, für
40.000 Mitglieder.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm;
Jasper Becker: "Hungry Ghosts", 1996, S.83)
Die Volkskommunen rauben den Bauern jegliche Privatsphäre. Die Bauern
müssen allen Besitz abgeben und werden als Fabrikarbeiter behandelt,
organisiert in Teams und Brigaden. Sie müssen die Arbeit machen, zu der
sie befohlen werden. Sie müssen in Kantinen essen, und oft müssen sie
zusammen in Baracken schlafen. Familienleben und Traditionen,
persönlicher Besitz und Privatsphäre, persönliche Initiative und
indiviuelle Freiheiten werden für 1/7 der Bevölkerung zerstört.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/comfaq.htm#part7;
R.J. Rummel: China's Bloody Century)
Konkret: Alle werden gleich arm. Die Mehrheit der Chinesen ist nun
immer mehr desillusioniert
und wendet sich dem alten Familienkult zu. Die Bauern gelten weiter als
minderwertig und unzivilisiert (Fairbank, S.340).
Maos Prinzipienfehler: Er sperrt
Ingenieure und Wissenschaftler ein - Parteitreue statt Fachkompetenz
Das
Herz der Kampagne des "Grossen Sprungs nach vorn" ist Maos Behauptung,
dass
wissenschaftliche und ökonomisch gesetzte Rahmenbedingungen ein Unsinn
der bürgerlichen Propaganda seien. Die Kommunistische Partei Chinas
behauptet dafür eine neue wissenschaftliche Doktrin: Das von der
revolutionären Führung geführte Volk kann alles erreichen. Mao begreift
nicht, dass die Natur so funktioniert, wie sie es will, und nicht so,
wie eine Ideologie es will...
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
[Maos intellektuelle Unterentwicklung und
Verbortheit harrt noch der psychologischen Untersuchung].
Das Ziel des "Grossen Sprungs nach vorn" ist also die Vernichtung der
Intelligenz auf das Niveau der Bauern. Mao lässt verkünden, Bücher und
Fachkräfte seien überflüssig (Fairbank, S.299).
Mao setzt also auf Ideologie
statt auf Fachwissen. Er verzichtet auf kompetente Leute, wenn sie
nicht auf der Parteilinie sind, nach dem Motto:
"Besser einen Roten als einen Experten."
So setzt Mao immer total unqualifizierte Ideologen an Schaltstellen von
Projekten, wo wirklich technische Erfahrung nötig wäre.
(http://www.chinatour.com/countryinfo/history.htm#prc)
Mao meint, dass allein ein "rotes"
Bewusstsein den Fortschritt bringen würde.
(http://www.knerger.de/Erlaeuterungen/hauptteil_erlaeuterungen.html#grossersprung)
Beim "Sprung nach vorn" werden hochqualifizierte Ingenieure und
Wissenschaftler als "bürgerliche Experten" eingestuft und inhaftiert
oder zu Handarbeit verurteilt.
(http://www.mindground.net/glp.html; Becker,
Jasper. Hungry Ghosts: Mao’s
Secret Famine. Rev. ed. New York: Henry Holt, 1998, S.63)
Als die Partei dann Tausende neuer Schulen, Universitäten und
Forschungsinstitute gründet, ist bei der Besetzung der Lehrstühle auf
dem Land die Loyalität zur Partei eher gefragt als die Fachkompetenz.
(http://www.mindground.net/glp.html; Zhou,
Xueguang. “Unorganized Interests
and Collective Action in Communist China.” American Sociological
Review
58.1 (1993): 54-73, S.61).
Die Bauern schlachten alles,
bevor
es eingezogen wird - oder die Bauern ziehen sogar weg
Die Reaktion auf die neuen Bräuche des "Sprungs nach vorn" sind
unterschiedlich. Bauern schlachten in einem Anfall von Wahn alle zum
Einzug vorgesehenen Tiere, so dass sie nicht mehr von den neuen
Kommunen konfisziert werden können.
(http://www.mindground.net/glp.html; MacFarquhar,
Roderick, Timothy Cheek, and Eugene Wu, Hrsg.: The Secret
Speeches of Chairman Mao: From the Hundred
Flowers to the Great Leap Forward. Cambridge: Harvard
UP, 1989, S.328)
Interne Berichte sprechen sogar von gewalttätigem Widerstand. Bauern
schlagen die Parteikader und verlassen die Kommune und nehmen dabei
Korn
und Tiere mit.
(http://www.mindground.net/glp.html; Becker,
Jasper. Hungry Ghosts: Mao’s
Secret Famine. Rev. ed. New York: Henry Holt, 1998, S. 54).
Die Integration in die Kommune
wird
mit Raub assoziiert
In vielen Kommunen kommt statt des Geistes der "Kommunisierung"
(gongchan feng) die Befürchtung auf, die Partei wolle den Leuten alles
rauben. Örtliche Parteiführer beschlagnahmen Besitz und sogar ganze
Handwerkereinrichtungen, um sie in die neuen Kommunen zu integrieren.
So werden die Menschen durch hastige und ehrgeizige Beschlagnahmungen
privater Güter von der Kommunisierung abgeschreckt.
(http://www.mindground.net/glp.html; Zhang,
Zhihong. “Rural
Industrialization
in China: From Backyard Furnaces to Township and Village
Enterprises.” East Asia: An
International Quarterly 17.3 (1999): 61-88, S.64)
Propaganda des Überflusses für
die
Zeit nach dem "Sprung nach vorn" - kurzer Überfluss - und dann nichts
mehr
Die Loyalität der Bevölkerung für die Anstrengungen beim "Sprung nach
vorn" kommt von Versprechungen, dass nach den grossen Dimensionen, die
an ein 1000-jähriges Werk erinnern, zwangsweise ein hoher Wohlstand
eintreten müsse. In einigen Provinzen lassen die Parteiführer die
Menschen denn auch so viel essen wie sie wollen. Sie essen in zwei
Wochen so viel, wie für drei Monate vorgesehen ist...
(http://www.mindground.net/glp.html; Yang, Dali
L. Calamity and Reform in
China: State, Rural Society, and Institutional Change Since the Great
Leap Famine. Stanford:
Stanford
UP, 1996, S.55)
Dieser Vorgang wird auch andernorts bestätigt:
"Die Kommunalisierung sorgt für einen weiteren Rückgang der
Nahrungsmittelversorgung, aber dieses Mal durch die Konsumation von
Lebensmitteln: Die Gemeindeküchen feiern eine neu gefundene "Blüte" und
versorgen die Leute grosszügig mit Gratis-Essen, bis eine
Lebensmittelknappheit auftritt."
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
Maos erste eigene
"Wirtschaftspolitik" endet im Desaster - der falsche Gehorsam
Mao trifft die alleinige Schuld am Desaster, und die Führung der
KPCh ahnt die Katastrophe nicht. Die Tüchtigkeit und Ordnung in China
in der Zeit von 1950 bis 1958 geht damit für lange Zeit verloren
(Fairbank, S.295). Mit dem "Grossen Sprung nach vorn" (GSV) löst sich
Mao erstmals vom Vorbild der Sowjetunion. Der GSV ist die erste eigene
Wirtschaftspolitik Maos. Es ist der Versuch der Industrialisierung mit
Hilfe der traditionellen Herrschaft über die Landbevölkerung. Mao lässt
quasi die Zwangsarbeit der Kaiserzeit wieder einführen: Statt der
kaiserlichen Befehlswirtschaft herrscht nun die kommunistische
Befehlswirtschaft (Fairbank, S.296). Die KPCh nimmt dabei die Stellung
des Kaisers und des kaiserlichen Personals ein (Fairbank, S.297).
Dem Personal ist der traditionelle Gehorsam wichtiger als das Wohl der
Bevölkerung:
-- die Verhaltensvorschriften befehlen Unterwürfigkeit
-- die Kommunikation ist egalitär vereinheitlicht
-- und die Bauern sind weiterhin sehr gefügig (Fairbank, S.297).
[Weil in Maos System niemand warnen darf, passiert die geplante
Katastrophe...]
Gleichzeitig erfolgt auch noch
Schuldendienst für das Ausland
Der Schuldendienst für das Ausland in Form von Agrarprodukten wird
ausgebaut, und die Investitionsfonds für China werden erhöht (Fairbank,
S.303).
Die Organisation von Brigaden
zur Massensklaverei
-- die Bevölkerungsmassen werden in Brigaden organisiert (Fairbank,
S.300)
-- die Massen werden zum Masseneinsatz einberufen, beim Bau von
Deichen, Bewässerungskanälen, Stauwerken zur Landgewinnung, Stauwerken
zum Anlegen neuer Seen etc. (Fairbank, S.299)
-- ganze Regimenter von Bauern marschieren mit Hacken und Körben in
militärischen Formationen auf die Felder, mit Fahnen und unter
Trommeln, in Andeutung eines Krieges gegen die widerspenstige Natur
(Fairbank, S.301)
-- es werden wirtschaftliche Verbesserungen versprochen (Fairbank,
S.298), aber die Produktivität bleibt zweitrangig (Fairbank, S.299).
14 Millionen Jugendliche werden 1958 aufs Land geschickt (Fairbank,
S.340).
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Sprung
nach vorn: Bauern mit Schubkarren, Provinz Guangdong 1958-1961
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Sprung
nach vorn: Bauern graben Kanal von Hand, Zhengzhou, Provinz Henan
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Bautätigkeit
beim "Sprung nach
vorn"
-- Trockenlegung
von
Seen, Bau von Strassen und
Dämmen von Hand
-- intensivierte Arbeit in Minen
(http://www.mindground.net/glp.html; Bardeen,
William T.: “The Great Leap
Forward: Environment and Development in China.” Harvard
International Review 17.3
(1995),
S.64-69, S.64).
Maos
landwirtschaftliche Massnahmen beim "Sprung nach vorn"
Diktator
Mao befielt den chinesischen Bauern, neue, vom
stalinistischen Medizin-Biologen Lsyenko
abgeleitete, pseudo-wissenschaftliche
Landwirt- schaftsmethoden [u.a.] auszuprobieren.
Erfahrenen Bauern wird unter Waffengewalt befohlen, ihre "altmodischen"
Landbaumethoden durch die "wissenschaftlichen" Methoden des Marxismus
zu ersetzen. In Wahrheit wird das bäuerliche, wissenschaftliche
Erfahrungs- wissen zugunsten eines Nonsens abgeschafft.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
Die
Befehle für
die Bauern:
--
Verbreitung neuer
Tierzuchtmethoden und Verbreitung von neuartigem Saatgut
--
Hauspflanzungen, tiefes
Pflügen, verbesserte Fruchtbarkeit, neue Landwirtschaftsgeräte
--
verbesserte Feldwirtschaft,
verbesserte Kontrolle über Feldplagen, und verbesserte Bewässerung.
(http://www.mindground.net/glp.html; Becker,
Jasper. Hungry
Ghosts: Mao’s
Secret Famine. Rev. ed. New York: Henry Holt, 1998, S.70).
Der "Grosse Sprung nach vorn"
ist de facto eine Realisierung grosser Bauvorhaben im Stil der
Kaiserzeit mit Massensklaverei der Bauern analog der Sklaverei beim Bau
des Grossen Kanals in der Ming-Zeit. Den Dorfvorstehern wird beim
"Grossen Sprung nach vorn" befohlen, für so und so viele Tage eine
bestimmte Anzahl Leute zu stellen. Meist werden in Körben mit Stangen
über den Schultern gewaltige Erdmassen bewegt oder in Steinbrüchen
gearbeitet. Mao lässt - wie die Kaiser dei Wei der Sung oder der Ming -
durch Massenzwangsarbeit Grossprojekte ausführen (Fairbank, S.313).
Propaganda für die Studenten
"hinauf in die Berge und hinunter in die Dörfer"

Plakat 1958:
Studenten auf die Berge und hinunter in die Dörfer:
Willkommensgruss. Von der "Umerziehung" steht nichts
geschrieben...
Die Kader und Intellektuellen werden 1958 im Rahmen des "Grossen Sprung
nach vorn" aus den Städten aufs Land geschickt, um auf
Landwirtschaftsniveau aus erster Hand mit praktischer Arbeit Erfahrung
zu sammeln.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/m7.html)
Mit dem Vorwand, Leute bei den Bauern "praktische Erfahrung" sammeln zu
lassen, können alle Oppositionellen isoliert werden...
Maos These vom "Papiertieger":
"Imperialists and All Reactionaries are Paper Tigers"
["Imperialisten und alle Reaktionäre sind Papiertiger"]
-- die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Kräfte
der
Geschichte
stehen auf der Seite des revolutionären Sozialismus
-- der Kapitalismus habe keine Zukunft (North, S.212).
Der "Sprung nach vorn" gegen die
Sowjetunion und gegen England
Frühere Produktionsziele werden
korrigiert und neue, ehrgeizige Ziele definiert (North, S.191). In der
Folge
sollen über 700.000 landwirtschaftliche Genossenschaften in
ein paar
Monaten in 26.000 Volkskommunen umgewandelt werden (North, S.192)
für eine radikale Modernisierung der Wirtschaft.
(http://www.msnbc.com/modules/china_taiwan/1950.asp)
Dabei sind der Mao-Führung die ökonomischen Ziele gar nicht so wichtig,
sondern es soll v.a. der in Maos Augen abtrünnigen Sowjetunion gezeigt
werden, dass China auf einem eigenen Weg zu einem besseren
Wirtschaftsentwicklung fähig ist als die SU, und dadurch auch
erfolgreicher als das sowjetische Modell, dem China bisher eifrig
gefolgt war. Und in höchstens 15 Jahren soll die Wirtschaft Englands überholt werden, so der
Plan der Mao-Führung.

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Plakat für den "Sprung nach vorn" 1958: Drei Jahre arbeiten und Chinas
Gesicht
verändern:
"Arbeite drei Jahre lang hart. Verändere das Gesicht von China. Brich
mit England, und brich mit Amerika." |
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China Sprung nach
vorn 1958: Drachenschiff mit Parole "Grösser,
schneller, besser, billiger", und armes Taiwan rechts unten.
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Die 5-Jahres-Pläne sind der
Führung zu langsam. Die Radikalen in der
Mao-Führung versuchen, sich gegenseitig mit unrealistischen Parolen zu
übertreffen wie "grössere, schnellere, bessere, und billigere"
Produktion. Propagandaplakate spielen der Bevölkerung - oft auf einem
Drachen dargestellt - einen Reichtum durch die Befolgung dieser Parolen
vor, und oft wird Taiwans Bevölkerung als arm dargestellt, die unter
der Kuomintang und den "USA" zu leiden habe.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Die Mao-Führung glaubt in übertriebenem Mass an die Macht der
Propaganda. Es komme nur auf den Willen drauf an, und wenn man den
subjektiven menschlichen Dimensionen der Geschichte Vorrang einräumen
würde, so würde die Bevölkerung schon fähig sein, eine Umwandlung der
konkreten Hindernisse zustande zu bringen. Folglich wird ein noch nie
da gewesener Propagandafeldzug geführt, der an Herz und Nieren geht.
Dabei ist die Propaganda zweigeteilt: für eine Produktion von
Massenstahl, und für die Bildung von Volkskommunen.
Überrissene
Produktionszahlen
aus Konkurrenzdenken - Folter - die Unfähigkeit zur Korrektur -
Getreideexporte (!)
Gleichzeitig
wird den örtlichen Parteisektionen ein enormer Druck aufgesetzt, so
dass Produktionszahlen nach aufwärts gefälscht werden. Die gefälschten
Zahlen werden von höheren Rängen ernst genommen und danach die neuen
Dorfquoten eingeschätzt. Wenn die Quoten dann nicht eingehalten werden
können, so werden die unseligen Bauern gesucht und gefoltert, um
verstecktes Getreide herauszugeben. Wie in der ukrainischen Hungersnot
unter Stalin müssen die fruchtbarsten Gebiete die höchsten Quoten
erfüllen und leiden deswegen am meisten.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)

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Bonbonwerbung 1958
für Sprung nach vorn 1958-1961: "Heil dem Sieg des
Maoismus! Heil dem grossen Sprung nach vorn!"
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Erst nach einer Klagewelle wird
Mao bewusst, was da für ein Unsinn
veranstaltet wird, denn ohne Werkzeuge können keine hohen
Produktionsraten erzeugt werden.
(http://www.mindground.net/glp.html; Schram, Stuart,
Hrsg.: Chairman Mao Talks
to the People: Talks and Letters 1956-1971. Trans. John
Chinnery and Tieyun. New York:
Random, 1974,
S.106).
Die Führung um Mao aber reagiert auf Maos Alarm nicht, sondern meint,
ihre Karriere sei nur dann sicher, wenn die hohen Produktionsvorgaben
der Unterführer erreicht würde. Dies führt zu einer wahnsinnigen
Produktion von Produkten ohne Qualität, nicht brauchbaren Produkten und
Lügnerei über die landwirtschaftlichen Erträge.
(http://www.mindground.net/glp.html; MacFarquhar,
Roderick, Timothy
Cheek, und Eugene
Wu, Hrsg.: The Secret Speeches of Chairman Mao: From the Hundred
Flowers to the
Great Leap Forward. Cambridge: Harvard UP, 1989, S.248)
Dabei besteht je nach Dichte an Parteimitgliedern ein Unterschied.
Gebiete mit niedrigem Anteil an Parteimitgliedern folgen eher den
überrissenen Produktionsvorgaben, um ihre Treue zur Partei zu beweisen.
(http://www.mindground.net/glp.html; Yang, Dali
L.
Calamity and Reform in
China: State, Rural Society, and Institutional Change Since the Great
Leap Famine. Stanford:
Stanford UP, 1996, S.245).
Und wie in Russland während der Hungersnot in der Ukraine wird während
der Hungersnot in China aus China noch Getreide exportiert...
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
Der "Sprung nach vorn" in der
Stahlproduktion - der "Volksstahl" ist aber unbrauchbar...
Als
letzte Massnahme des "Sprung nach vorn" befielt Mao die Stahlproduktion
und die Produktion von Industrieprodukten in jedem Dorf.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
Mao meint, damit nun auch die Schwerindustrie zu dezentralisieren
(Fairbank, S. 300).
Es soll so viel Stahl produziert werden, dass am Ende die
Industrieproduktion Englands überholt werden kann. Das
Leben wird für diese Stahlschlacht militarisiert. Überall werden in
Hinterhöfen kleine Stahlöfen aufgebaut, die rund um die Uhr in
24-Stunden-Schichten bewacht werden müssen. Um die geforderten Quoten
der
Metallsammlungen zu erreichen, werden Kochtöpfe und Türklinken
eingeschmolzen.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Die Menschen müssen ihren Bestand an Töpfen und Pfannen einschmelzen,
um die geforderten Quoten zu erreichen.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
Die stärksten Männer und Frauen bewachen die ineffizienten Öfen Tag und
Nacht. Dabei werden grosse Holz- und Waldreserven aufgebraucht und
jeder letzte Rest an Metall oder Eisen eingeschmolzen.
(http://www.mindground.net/glp.html MacFarquhar,
Roderick, Timothy Cheek, and
Eugene Wu, eds. The Secret Speeches of Chairman Mao: From the
Hundred Flowers to the
Great Leap Forward. Cambridge: Harvard UP, 1989, S.327).
Erst später wird offensichtlich, dass dieser in Massen
produzierte Volksstahl von so geringer Qualität ist, dass man ihn
nirgendwo verwenden kann. Die Auswirkungen für die Umwelt sind
katastrophal.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Der
"Sprung nach vorn":
Enteignung der Bauern - die
Gründung von "Volkskommunen" auf dem Land
Die Bauern werden nun komplett enteignet, so dass der Zustand wieder
hergestellt ist, der vor der Landreform herrschte, nur dass die
Landlords durch die Staatsdiktatur ersetzt sind.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/tg.html)
Auf dem Land werden die verschiedenen ländlichen Kooperativen zu
grossen Volkskommunen zusammengeführt. Das ländliche Leben wird
komplett kollektiviert, z.B. mit Kantinen, wo gratis Lebensmittel
abgeliefert werden. Die örtlichen Vertreter setzen aber die
Produktionszahlen im übermässigen Eifer und im "abgehobenen"
Enthusiasmus sowie aus Angst, als rote Laterne gebrandmarkt zu werden,
unrealistisch immer höher und höher an.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Der "Sprung nach vorn": Keine
Arbeitskräfte für die Ernte verfügbar
Da jeder bei der Stahlproduktion beschäftigt ist, fehlen Arbeitskräfte
für die Ernte. Wenn die Ernte eingebracht würde, wie die
enthusiastischen Berichte es versprechen, dann "wäre Kommunismus gerade
um die Ecke", wie es im Herbst 1958 der allgemeine Glaube zu sein
scheint.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Kein "Sprung nach vorn" in
China - Peking-China erlebt 3 Jahre Hungersnöte, Umstürze und
Flüchtlingsströme
(http://www.msnbc.com/modules/china_taiwan/1960.asp)
und Millionen Hungertote: 20 bis
60 Millionen
Am verfehlten "Sprung nach vorn" sterben ca. 20 Millionen Chinesen an
Hunger.
(http://www.newseum.org/century/j_timeline/87_1958_great_leap/index.htm)
Zwischen 1958 und 1960 sterben beim "Sprung nach vorn" um die 30
Millionen Menschen an Hunger.
(http://www.sinophilia.org/china/storia3.htm)
Von 1958 bis 1960 produzieren Fehlplanung und schlechte Führung 30
Millionen Hungertote. Offiziell gibt die Regierung dem "schlechten
Wetter" die Schuld.
(http://www.chinatour.com/countryinfo/history.htm#prc)
Es ist vielleicht die grösste Hungersnot, die die Welt je erlebt hat.
(http://www.mindground.net/glp.html)
Fairbank gibt 20-30 Mio. Todesopfer an, durch die destruktive Politik
der KPCh, eine der grössten Katastrophen der Menschheitsgeschichte
(Fairbank, S.295).
Die Untersuchungen von Jasper Becker in seinem Buch "Hungrige Geister"
/ "Hungry Ghosts" (1996) kommen für die Jahre 1958-1961 gar auf
Schätzungen von 30 bis 60 Millionen unnatürlichen Todesfällen.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
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Chinas "Grosser
Sprung nach vorn": Chinesenkind mit Hungerbauch vor dem Hungertod, 1958
ca.
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Die
landesweite Hungersnot - zu
Friedenszeiten ohne Not
Becker zeigt in seinem Buch "Hungrige Geister" / "Hungry Ghosts" auf,
dass die gesamte Hungersnot beim "Grossen Sprung nach
vorn" von Menschenhand gemacht ist und nicht mit "Mismanagement"
entschuldigt werden kann. Es handelt sich um böswillige
Gleichgültigkeit gegenüber
dem menschlichen Leben. Die landesweite Hungersnot kann nicht mit
natürlichen Bedingungen erklärt werden, weil die Klimaten in China zu
unterschiedlich sind, dass eine solche Hungersnot überall gleichzeitig
auftreten würde. Die Hungersnot ist zudem weder von Bürgerkrieg noch
durch eine barbarische Invasion von aussen her verursacht, sondern
durch einen
einseitigen Krieg der chinesischen Regierung gegen das chinesische Volk.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
1958-1961 / während des
"Grossen Sprungs nach vorn"
Hygienekampagnen z.B. zur
Ausrottung der "vier Pestarten": Ratten, Spatzen, Fliegen und Moskitos
(chu si hai yundong)
(http://www.iisg.nl/~landsberger/ws.html;
http://www.marxists.org/reference/archive/mao/selected-works/volume-5/mswv5_67.htm)
23.8.1958
Quemoy: Zweiter chinesisch-kommunistischer
Angriff auf Inseln Quemoy
Heftige Bombardements auf Quemoy. Die "USA" verwerfen Chiang Kai-Sheks
Vorschlag, im Gegenzug das Festland zu bombardieren, liefern an Taiwan
aber bald Kampfjets und Luftabwehrraketen, sowie Amphibienfahrzeuge für
Angriffe und Versorgung vom Meer aus, als ein gesunkenes Taiwan-Schiff
den Hafen blockiert.
(http://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_Civil_War)
23.8.-5.10.1958
Peking-China beschiesst die
Taiwan-Inseln Quemoy und Matsu
Moskau verweigert China für diese Aktionen die Rückendeckung. Moskau
unterstützt chinesische Massnahmen zur Besetzung Taiwans nicht. Der
Konflikt zwischen Peking und Moskau über die Weltpolitik bricht offen
aus (Haydt u.a., S.64).
7.9.1958
Quemoy: Versorgungskonvoi für
Quemoy bleibt unbeschadet
Ein taiwanesischer Konvoi für die Insel Quemoy wird von den "USA"
eskortiert. Peking-China unterlässt jeden Beschuss.
(http://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_Civil_War)
September bis Dezember 1958
Peking-China: Schaffung von
25.000
"Volkskommunen"
Mao rät im September 1958 dringend zur
Schaffung von
Volkskommunen (North, S.233). Gegen Ende des Jahres ist fast die
gesamte Landbevölkerung in über 25.000 Volkskommunen zusammengefasst
(Haydt u.a., S.63).
"Barfuss-Ärzte"
Damit verbunden ist der Aufbau von Gesundheitszentren mit Angestellten
als Teilzeit-Bauern und Teilzeit-Ärzten. Da diese meist barfuss
unterwegs sind, werden sie als "Barfuss-Ärzte" bekannt.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/bfd.html)
ab Mitte September 1958 ca.
GSV: Die Fehlplanungen fliegen
auf - lokale Fälle von aktivem Widerstand
(Haydt u.a., S.63)
Oktober 1958
Konferenz in Chengchow:
Korrekturen am "Grossen Sprung nach vorn"
aufgrund von Widerstand in der Bevölkerung (Haydt u.a., S.63).
18.10.1958
Offizieller Protest Indiens
gegen eine chinesische Strasse in Kaschmir
Indien protestiert formell gegen den Bau einer von China angelegten
Strasse durch das umstrittene Aksai-Chin-Gebiet im nördlichen Kaschmir
(Haydt u.a., S.64).
25.10.1958
Peking verkündet die
Bombardierung der Insel Quemoy nur an ungeraden Tagen
(http://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_Civil_War)
Auch eine zweite grosse Beschiessung der benachbarten Inseln
Quemoy
und
Matsu durch die chinesischen
Kommunisten schlägt fehl wegen
erbittertem Widerstand der Nationalchinesen (North, S.232).
Bis zum Ende dieser zweiten Taiwan-Strassen-Krise wird Quemoy mit
500.000 Artilleriegeschossen bombardiert. 3000 Zivilisten und 1000
Soldaten werden getötet oder verletzt.
(http://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_Civil_War)
In der Folge werden die Inseln Quemoy und Matsu Hauptthemen im
folgenden "amerikanischen" Wahlkampf...
(http://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_Civil_War)
November 1958
Konferenz in Wuchang:
Korrekturen am "Grossen Sprung nach vorn"
aufgrund von Widerstand in der Bevölkerung (Haydt u.a., S.63).
Dezember 1958
Konferenz in Wuhan: Korrekturen
am "Grossen Sprung nach vorn"
aufgrund von Widerstand in der Bevölkerung (Haydt u.a., S.63).
1958
Verharmlosung der Überbevölkerung in
China
Mao muss die These der Überbevölkerung am
8.Parteitag
erstmals
durchtesten.
Mao wiegelt ab:
-- die Riesenbevölkerung wird als Aktivposten gesehen
-- das Bevölkerungswachstum muss nicht eingeschränkt werden (North,
S.193).
Ende 1958
Peking-China hat insgesamt eine
gute Ernte eingefahren
(Fairbank, S.301)
1959
Mao lässt das Justizministerium
auflösen
(Fairbank, S.355)
Februar bis März 1959
Konferenz in Chengchow:
Korrekturen am "Grossen Sprung nach vorn"
aufgrund von Widerstand in der Bevölkerung (Haydt u.a., S.63).
März 1959
Pulverfass Tibet wegen
chinesischen Siedlern und chinesischen Behörden
In Tibet führen soziale Spannungen mit chinesischen Siedlern und
Konflikte der chinesischen Behörden mit den religiösen Führern zu einem
Aufstand (Haydt u.a., S.62).
April 1959
Konferenz in Shanghai:
Korrekturen am "Grossen Sprung nach vorn"
aufgrund von Widerstand in der Bevölkerung (Haydt u.a., S.63).
Insgesamt müssen das Tempo gedrosselt, die Planziele herabgesetzt, die
Kommunalisierung abgebaut und den Produktionsgruppen wieder grössere
Rechte zugestanden werden (Haydt u.a., S.63).
27.4.1959
1. Plenarsitzung des II.
Nationalen Volkskongresses
--
Liu Shaoqi wird zum
Staatspräsidenten gewählt
--
Mao tritt freiwillig in die
"zweite Führungslinie" zurück und widmet sich verstärkt der
"Parteiarbeit" (Haydt u.a., S.64).
Frühling 1959
"Sprung nach vorn": Erste
Anzeichen des Scheiterns - weiterhin Verkündung inexistenter "Siege"
Schon im Frühjahr 1959 wird klar, dass die Dinge beim "Grossen Sprung
nach vorn" aus den Händen
gleiten. Durch die massive Konzentration auf Stahlproduktion und
Landwirtschaft, werden die Bereiche Produktion und Transport schwer
beeinträchtigt. Die Realität stimmt immer weniger mit den Abbildungen
auf den geschönten Berichten an die Regierung überein. Einige Führer,
darunter
Chen Yun, warnen vor
dem Resultat dieses "Gehirnfiebers", das
ganz China betrifft. Die radikaleren Vertreter verkünden aber weiterhin
inexistente Siege in der Produktion.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Die Medien reagieren nicht
Die Medien schützen die Wirtschaftspolitik der Partei weiterhin.
(http://www.sinophilia.org/china/storia3.htm)
Die Kommunikationslücke beim
"Grossen Sprung nach vorn"
Gemäss Schriftsteller
Jong Chang
("Wilde Schwäne") entstehen die
Hungersnöte und der Massenhungertod wegen der fehlenden Kommunikation
zwischen den verschiedenen Regionen im Land. Millionen Leute sind
überzeugt, dass in anderen Provinzen Naturkatastrophen die Ursache für
ihre eigene Hungersituation ist.
(http://www.sinophilia.org/china/storia3.htm)
Mao erreicht seine Ziele nicht:
Überbevölkerungsproblem
Maos Prognosen der Lebensqualitätsverbesserung kommen nicht auf das
prophezeite
Niveau, denn das Bevölkerungswachstum frisst alle Fortschritte wieder
auf (North, S.193).
Überbevölkerung in China: Die Theorie
von Marx und Lenin auf der Probe
Die Theorie:
Ein Land ist überbevölkert, weil zwischen technologischem Niveau der
Gesellschaft und der Angemessenheit und Wirksamkeit des politischen und
wirtschaftlichen Systems eine Lücke klafft.
->> These: Jedes Bevölkerungsproblem ist eine Folge der Differenz
zwischen Wirtschaftssystem und produzierenden Kräften, der
Arbeiterschaft.
Somit kommt es automatisch zum Zusammenstoss zwischen Kapital und
Arbeitskraft,
und zu einer relativen Überbevölkerung und Unterbeschäftigung
->> Lösungsthese: Das Proletariat soll die Macht ergreifen und
sich so
ein produktiveres und gerechter organisiertes wirtschaftliches
politisches
System etablieren (North, S.193).
Im Falle Russlands stand eine Überbevölkerung aufgrund des weiten
Landes der
Sowjetunion nie zur Diskussion. Die These wird in China zum ersten Mal
getestet: Die Neuorganisation der Gesellschaft soll die
Unterbeschäftigung
bewältigen (North, S.193).
ab Februar 1959 ca.
Peking-China:
Zerfallserscheinungen in der Kommunistischen Partei
Als Resultat der dauernden Klagen über die Fantasievorgaben der
Parteiführer beginnt die Partei selbst an Legitimität zu verlieren.
(http://www.mindground.net/glp.html; Qiyu, Shi:
“The Decline of a Moral
Regime.” Comparative Political Studies 27.2. (1994):
272-297, S.273)
Diejenigen, die über die Wahrheit mit ihren katastrophalen Zuständen in
den Kommunen Bescheid wissen, machen ihren Laden zu. Parteikader
verweigern die Arbeit, und andere schwerwiegende Abgänge des sich
auflösenden Systems werden verschwiegen.
(http://www.mindground.net/glp.html; Becker,
Jasper. Hungry Ghosts: Mao’s
Secret Famine. Rev. ed. New York: Henry Holt, 1998, S.80).
Wer die gefälschten Forderungen ernst nimmt und sie direkt bekannt
gibt,
der macht nur noch politischen Selbstmord. Inzwischen erreicht die
Wahrheit auch die gesamte Partei.
(http://www.mindground.net/glp.html; Clark,
Colin: “Economic Development in
Communist China.” The Journal of Political Economy 84.2
(1976): S.239-264,
S.239)
Frühling 1959
Peking-China: Auflösen der
Statistikbehörde - Einrichtung von "Stationen zur Verbreitung guter
Nachrichten"
(englisch: "good news reporting stations").
(http://www.mindground.net/glp.html; Clark,
Colin: “Economic Development in
Communist China.” The Journal of Political Economy 84.2
(1976): S.239-264,
S.239)
Mao meint, er müsse die Wirtschaft dezentralisieren und schafft das
zentrale Amt für Statistik ab, so dass die Parteiführung im Blindflug
arbeitet und bald über die Vorgänge im Land jeglichen Überblick
verliert. Die Kommunen selbst sollen die örtlichen Finanzen,
Investitionen, Gesundheitsprogramme, kulturelle Aufgaben und weitere
Aspekte der bäuerlichen Gesellschaft übernehmen. Die Dezentralisierung
soll bis zum Niveau der Selbstversorgung der Regionen betrieben werden,
wie z.B. die Stahlproduktion in Hinterhöfen (Fairbank, S.300).
Mao meint, mit der Dezentralisierung und der Abschaffung des Amts für
Statistik hätten die Bauern nun alle Freiheiten. Dabei ist genau das
Gegenteil der Fall: Ohne statistische Kontrolle wartet der Massentod
(Fairbank, S.306).
Die Folgen der Dezentralisierung ohne Statistik sind katastrophal:
-- die örtlichen Kader bekommen mehr Macht, werden den Anweisungen der
Zentrale gegenüber kritischer und missbrauchen gleichzeitig ihre Macht
an der Bevölkerung
-- die Rolle der Ministerien und der Experten geht zurück, die
Agitatoren haben alle Macht (Fairbank, S.300).
So geht jegliche Ordnung im Land verloren (Fairbank, S.300).
10.3.1959:
Die Niederschlagung
des Aufstands in Tibet
Pekings Anschuldigungen an Indien wegen
Tibet - Gebietsansprüche
Peking beschuldigt Indien, es unterstütze den
Aufstand in
Tibet.
China
beansprucht ein Territorium von etwa 100.000 km2
Land
innerhalb der indischen Grenzen (North,
S.233).
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Tibet-Aufstand 10.3.1959 endet mit
dem Einzug chinesischer Panzer in
Lhasa.
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Tibetaufstand 1959:
Statuenreste der Sommerresidenz des Dalai Lama in
Norbulingka
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10.3.1959
Tibet: Aufstand und
Niederschlagung mit Pekings Militärgewalt
Am 10. März 1959 kommt es zu einem tibetischen Volksaufstand, der von
der kommunistisch-chinesischen Armee brutal niedergeschlagen wird und
87.000 Tibetern das Leben kostet. Unmittelbar darauf flüchtet der Dalai
Lama ins Exil nach Indien.
(http://tibet.logic.at/TibetohneMythos/content/page03.html)
Vom Ausland aus verkündet der Dalai Lama die tibetische Unabhängigkeit.
(http://uk.encarta.msn.com/media_461544800_761567065_-1
_1/Tibetan_Leaders_with_Mao_Zedong.html)
Tibetische Opferzahlen
1959-1965
- Beginn der Chinesisierung / "Sinisierung" Tibets
Ab der Niederschlagung des Tibet-Aufstandes herrschen in Tibet
systematische politische, wirtschaftliche, religiöse und kulturelle
Unterdrückung.
Über 1,2 Millionen Tibeter (das entspricht jedem 5ten Tibeter) sind in
direkter Folge der chinesischen Besetzung durch Hungertod, Folter,
Massaker, Hinrichtung, Selbstmord und im Kampf umgekommen.
(http://tibet.logic.at/TibetohneMythos/content/page03.html)
Die Peking-chinesische
Propaganda behauptet, man habe Tibet vom alten
feudalistischen System befreit. Dabei verursachen die
Peking-chinesischen Truppen 1,2 Millionen tote Tibeter und zerstören
fast das gesamte kulturelle Erbe.
(http://www.sinophilia.org/china/storia1.htm)
Unmittelbar nach dem Aufstand
beginnen die grossen Zerstörungen in
Tibet. Anlässlich des Besuchs von Bundeskanzler Helmut Kohl in Lhasa im
Juli 1987 legt der Vize-Gouverneur von Tibet, Pu Qiong, Zahlen
vor, wonach 1959 bis 1965 79,6
Prozent der Kultstätten sowie 93,3
Prozent der
Mönche und Nonnen der religiösen
Intoleranz zum Opfer fallen. Es handelt sich um gezielte
anti-tibetische Massnahmen zur Vernichtung der tibetischen Kultur unter
den Funktionären der KPChina.
Die offizielle chinesische Geschichtsschreibung schiebt die
Zerstörungswut in Tibet wahrheitswidrig den Roten Garden der
Kulturrevolution 1966-1968 in die Schuhe, um von der Destruktivität der
KPChina in den 1950er und 1960er Jahren abzulenken. Bei Beginn der
Kulturrevolution gibt es aber nicht mehr viel, was
noch zerstört werden kann...
Es beginnt die Invasion und
Versetzung chinesischer Bevölkerung nach
Tibet, die "Sinisierung". Peking gibt dazu immer besonders niedrige
Zahlen an, und objektive Zählungen sind verboten.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Tibet)
Chinesen werden bei der Vergabe von Arbeitsplätzen vorgezogen und die
Arbeitslosigkeit der Tibeter steigt. Pekings Priorität ist die
Ausbeutung der Bodenschätze in Tibet und die Verstärkung der
chinesischen Kontrolle.
Die chinesische kommunistische Diktatur von Peking
-- lässt über 6000 tibetische Klöster zerstören (99,9 % aller Klöster)
-- lässt tibetische Medizinschulen zerstören
-- lässt historische Bauten zerstören
-- lässt Kult- und Wertgegenstände rauben und einschmelzen
-- lässt literarisches Erbe verbrennen
-- lässt Tibeterinnen zwangssterilisieren und lässt bei Tibeterinnen
zwangsweise Abtreibungen durchführen
-- lässt in Tibet eine rücksichtslose Zwangskollektivierung
durchführen, so dass
die Lebensgrundlage von Bauern und Nomaden vernichtet wird
-- lässt 8 Mio. Chinesen in Tibet ansiedeln, so dass die 6 Mio. Tibeter
im eigenen Land zur Minderheit werden
-- definiert Chinesisch an tibetischen Schulen zur offiziellen Sprache.
Die Ausrottung des tibetischen Volkes ist somit offensichtlich.
(http://tibet.logic.at/TibetohneMythos/content/page03.html)
Zerstörungen in Tibet: Beispiel Tschagpori
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Der Berg Tschagpori
in Tibet mit einer medizinischen Schule 1958 ca.
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Der Berg Tschagpori
in Tibet mit einem Sendeturm, die medizinische
Schule ist abgerissen, ab 1959 ca.
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"La Chine": Peking-Chinas
Propaganda behauptet, Tibet sei "befreit"
Zitate aus der chinesischen französisch-sprachigen Zeitung für das
Ausland "
La Chine",
No. 12, 1959:
Keiner steht für Tibets Rechte
ein - vermehrte Spannungen zwischen Peking-China und Indien
1959, 1961 und 1965 verabschiedet die UNO Resolutionen, in denen die
Besetzung Tibets verurteilt und an die VR China appelliert wird, die
Menschenrechte zu achten und das Selbstbestimmungsrecht Tibets
wiederherzustellen. Es findet sich aber kein Staat bereit, auf die
Einhaltung dieser Resolutionen zu dringen, und die kommunistische
Regierung in Peking beachtet die UNO-Resolutionen nicht.
(http://tibet.logic.at/TibetohneMythos/content/page03.html)
Als Folge der chinesischen Niederschlagung des Tibet-Aufstandes
verstärken sich die Spannungen im Verhältnis zwischen Peking-China und
Indien.
(http://www.msnbc.com/modules/china_taiwan/1950.asp)
Peking-China: Die Hungersnot
schreitet fort
27.4.1959
Liu Shao-Ch'i wird nach Mao neuer
Vorsitzender der VR China
(North, S.202)
ab Mai 1959 ca.
Weniger Ernte - falsche
Meldungen - zu hohe Besteuerungen - erster Hunger - Schuldendienst (!)
- kein Hunger in den Städten - auch die Frauen in den Brigaden
Das Wetter ist weniger günstig und die Ernte niedriger. Die Meldungen
der unteren Kader sprechen aber von einer enormen Produktionssteigerung
mit mehr als einer Verdoppelung. Folglich handelt die KPCh-Regierung
nach den hereinkommenden Meldungen: Die Requisitionen der Regierung
bleiben hoch. Die Bauern müssen aufgrund der falschen Meldungen der
unteren Kader alles hergeben und geraten systematisch in die Hungersnot
[in Friedenszeiten] (Fairbank, S.302).
Mao lässt den Schuldendienst weiter in Form von
Landwirtschaftsprodukten abwickeln. In der Folge werden die Bauern mit
Requisitionen völlig ausgeraubt. Es
bleiben ihnen 20 bis 50 % der minimal notwendigen Kornmenge (Fairbank,
S.303).
Die Städte bleiben ausreichend versorgt, so dass das Ausland von der
Hungersnot nichts bemerkt. Die Industrie in den Städten wird weiter
ausgebaut (Fairbank, S.303-304).
Am Ende werden auch die Bauersfrauen in die Arbeitsbrigaden eingezogen,
um die überrissenen Produktionsziele zu erreichen, aber alles Trommeln
und Agitieren nützt nichts (Fairbank, S.304).
Peng Te-Huai warnt wiederholt vor den Folgen dieser Politik (Fairbank,
S.302).
[Die Bauern, die in Massenbrigaden eingezogen sind, können nicht nur
nicht ernten, sondern sie können auch nicht neu ansäen].
20.6.1959
Die "SU" kündigt den
chinesisch-sowjetischen Atomwaffenhilfsvertrag
(Haydt u.a., S.64)
Juli 1959
Grenzkrieg China-Indien - Moskau
unterstützt China nicht
(Haydt u.a., S.64)
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Peng Dehuai, Marschall 1955. Er kritisiert 1959 den
Sprung nach vorn und
wird gleich entlassen...
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2.7.-16.8. 1959
Peking-China: Plenum in Lushan
(Provinz Kiangsi):
Entlassung des
kritischen Verteidigungsminister Peng Dehuai
Die Unzufriedenheit über den "Sprung nach vorn" kommt am Lushan-Plenum
offen zum Ausbruch. Eigentlich ist am Treffen beabsichtigt, dass die
"Linken"
der kommunistischen Bewegung den Ton angeben würden. Am Ende wird die
Veranstaltung ein
Schlagabtausch zwischen den Befürwortern der Bewegung (angeführt von
Mao) und den Gegnern (ungewollt angeführt von Verteidigungsminister
Peng Dehuai). Dabei ist
ein privater Brief Pengs an Mao die Grundlage, der aber von Mao an alle
Anwesenden verteilt wird.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Peng Dehuai nennt in
seinem Brief die
Ursache für den misslungenen "Grossen Sprung nach vorn": der
Vorsitzende.
(http://www.mindground.net/glp.html; MacFarquhar,
Roderick: The
Origins of the Cultural Revolution. Bd.2. New York:
Columbia UP, 1983, S.216).
Dabei sind Mao und Peng auch in militärischen Fragen gespalten: Mao
will unbedingt die Atombombe, kombiniert mit einer Guerilla-Armee. Peng
Te Huai aber möchte auf die Atombombe verzichten, dafür die Armee nach
russischem Standard modernisieren (Fairbank, S.303).
Mao
reagiert somit auf Peng Dehuai mit
Angriff
und Entschuldigung
gleichzeitig: "Das verursachte Chaos ist ein grosses, und dafür trage
ich die Verantwortung."
(http://www.mindground.net/glp.html;
Schram, Stuart,
Hrsg.: Chairman Mao Talks
to the People: Talks and Letters 1956-1971. Trans. John
Chinnery and Tieyun. New York:
Random, 1974, S.146).
Als
Resultat wird Verteidigungsminister Peng Dehuai von seinen Ämtern
entlassen und durch
Lin Biao
ersetzt.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Peng und seine Anhänger werden ihrer Ämter enthoben (Haydt u.a., S.64).
Statt Antworten auf die Probleme beim "Grossen Sprung nach
vorn" zu finden, wird ein Flügelkampf gestartet, und
der "Grosse Sprung nach vorn" läuft weiter in die Katastrophe.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Mao muss weitere Korrekturen am GSV vornehmen (Haydt u.a., S.64).
Ab diesem Rauswurf tendiert die KPCh zur Spaltung:
-- es bilden sich verstärkt Fraktionen und Seilschaften
-- es bilden sich Gruppen, nur um andere von der Macht fernzuhalten
-- dabei werden ideologische Differenzen meist nur vorgegeben, um
überhaupt eine Gruppe bilden zu können (Fairbank, S.337).
Mao verrät ab diesem Zeitpunkt mit dem fortgesetzten "Grossen Sprung
nach vorn" seine eigenen politischen
Ziele: die "Befreiung", und die "Neue Demokratie". Nachdem das Desaster
offensichtlich wird, schaut er nur noch auf den Machterhalt. Maos Ideal
bleibt dabei verschwommen (Fairbank, S.339).
Neue Anti-Rechts-Kampagne -
Spaltung der Partei - die Unterernährung - die Kombination von Unwissen
und blindem Gehorsam
Mao lässt aus Rache gegen Peng Dehuais Kritik gleich extra den den
"Grossen Sprung nach vorn" fortsetzen und intensivieren. Mao kombiniert
dazu eine neue Anti-Rechts-Kampagne. Die KPCh spaltet sich (Fairbank,
S.302).
-- die Hungersnot vervielfacht sich
-- alle Einwände der Ministerien gegen die eifernden Agitatoren nützen
nichts
-- die lokalen Führer (untere Kader) melden weiterhin Erfolge
(Fairbank, S.302)
-- Ministerpräsident Chou Enlai und Wirtschaftsminister Chen Yun
versuchen vergeblich, die Führung zur Vernunft zu bringen (Fairbank,
S.303)
-- die Produktion in der Schwerindustrie und in der Leichtindustrie
gehen weiterhin zurück
-- durch Unterernährung (Fairbank, S.302) und Überarbeitung (Fairbank,
S.303) werden die Massen krankheitsanfällig, die Sterblichkeit schnellt
in die Höhe, und die KPCh weiss nichts davon (Fairbank, S.302).
Die gesamte KPCh-Führung, die noch aus der Zeit von Yenan stammt, hat
keine Kenntnisse in Ökonomie. Im Zusammenspiel mit "revolutionärem
Fieber" und mit der chinesischen Sitte des blinden Gehorsams ergibt
sich die Hungerkatastrophe (Fairbank, S.304).
| 1959, Mitte ca.: Propaganda für den "Sprung
nach
vorn" |
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CD-Cover: Plakat vom Sprung
nach vorn 1958-1963: Schmiedehammer und
Kommunistenbinde.
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| Plakat: Sprung nach
vorn 1959: Die Schlachttrommel immer lauter
schlagen! |
Plakat: Sprung nach
vorn 1959: Das Wachstum wird vom Drachen und vom
Phoenix gebracht.
|
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ab Mitte 1959
Peking-China:
Der Zusammenbruch der sozialen Strukturen - eine Getreidelieferung an
die SU - weiterhin "Produktionsziele"
Fernab der Parteielite fällt als Folge des "Grossen Sprungs nach vorn"
die Kernstruktur der Gesellschaft immer mehr auseinander. Die
Hungersnöte weiten sich bereits durch die Provinzen aus. Getreide der
Kommunen wird beschlagnahmt. Ironischerweise ist es genug, um noch
einmal eine Exportquote an die Sowjetunion zu erfüllen.
(http://www.mindground.net/glp.html; Spence, Jonathan
D.: The Search for Modern
China.
New York: Norton, 1990, S.583)
Die Krankheit der Beschränktheit bei den Produktionszielen bleibt
bestehen. Die Ziele für die Kohleproduktion werden von 30 Mio. auf 270
Mio. Tonnen gesteigert, bei Getreide von 185 Mio. auf 525 Mio. Tonnen,
und in diesem Stil werden auf allen ökonomischen Gebieten Daten
produziert.
(http://www.mindground.net/glp.html; Mosher, Steven
W: Broken Earth: The Rural
Chinese. New York: Macmillan, 1984, S.264)
Zeugenaussagen von Geflüchteten:
Zusammenbrechende Bauern -
Hungerzüge von Städten in die Dörfer und umgekehrt
Die hilflose Bevölkerung sucht verzweifelt nach Nahrung und gerät am
Ende sogar in den Kannibalismus. Jasper Becker beschreibt in seinem
Buch "Hungry Ghosts" / "Hungrige Geister" den Verfall in den Provinzen
Henan, Anhui, Tibet und anderen.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
Zeugenaussagen im Buch "The Communist Party of China and Marxism:
1921-1985" von
Laszlo Ladany:
"Bauern fehlte die Kraft zum Arbeiten, und einige brachen in den
Feldern zusammen und starben. Die Verwaltungen der Stadtregierungen und
Schulen entsandten in der Nacht Leute in die Dörfer, um Lebensmittel zu
kaufen, im Tausch gegen Kleider und Möbel. In Shenyang [ehem. Mukden]
berichteten die Zeitungen von Kannibalismus. Hoffnungslose Mütter
erdrosselten ihre Kinder, die nach Nahrung schrien. Viele Berichte
handelten von Dorfbevölkerungen, die in die Städte strömten, um nach
Nahrung zu suchen. So blieben viele Dörfer leer und nur die Alten, die
aus Schwäche nicht mehr laufen konnten, blieben zurück. Es ging das
Gerücht um, dass die Bauern ihre Lebensmittelvorräte auch in Erdgruben
versteckten.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/comfaq.htm#part7;
Laszlo Ladany, The Communist Party of China and Marxism: 1921-1985)
Der Mechanismus, Leichen zu
verheimlichen, um mehr Essensrationen zu erhalten
Die Familien erhalten das Essen aus der Gemeindeküche. Ein
Familienmitglied holt jeweils für die Familie die Essensrationen ab.
Tote werden so lange wie möglich in den Häusern verborgen gehalten, um
auch noch für das tote Familienmitglied eine Essensration zu erhalten.
Im Bezirk
Guangshan wird eine
Frau mit drei Kindern verhaftet, nachdem
sie den Körper eines der Kinder hinter der Tür versteckt gehalten hatte
und in der Verzweiflung begonnen hatte, den Körper aufzuessen.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm;
Jasper Becker: "Hungrige Geister" 1996)
Autonome Überlebenspolitik in
den Provinzen
Die von Hungersnöten betroffenen Provinzen führen eine
Überlebenspolitik ein, indem sie alle Arbeiten auf die Landwirtschaft
und auf die Versorgung von Arbeitskräften konzentrieren.
(http://www.mindground.net/glp.html; Yang, Dali L.:
Calamity and
Reform in China:
State, Rural Society, and Institutional Change Since the Great Leap
Famine. Stanford:
Stanford UP, 1996, S.75)
26.8.1959
Chinesisch-kommunistische
Produktionsziele nicht erreicht
Die ehrgeizigen 1958 gesetzten Ziele werden
nicht erreicht (North, S.192).
Die
Pekinger Führung gibt zu, dass die Produktionsziffern für 1958 weit
übertrieben
waren. Die Produktionsziele für 1959 werden von den Planungsbeamten
drastisch
herabgesetzt (North, S.192,233).
4.9.1959
Spaltung zwischen der
Sowjetunion und Peking-China
Propagandistische Wende Moskaus gegen
Pekings Aggression wegen Indien
Die Nachrichtenagentur Tass in Moskau
veröffentlicht den
ersten
offenen
Angriff in der chinesisch-sowjetischen Kontroverse. Die Position
Pekings im
Grenzstreit zwischen China und Indien wird von Moskau hart
kritisiert (North,
S.233).
Ab dieser Spaltung ist Peking-China aussenpolitisch noch mehr um
"befreundete Staaten" bemüht.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/ff.html)
September 1959
Mao-Bericht nach China-Reise:
Wirtschaftsprogramm zum Teil ohne Rückhalt
Nach einer Rundreise durch sein eigenes Land
berichtet Mao:
-- Fortschritte in der industriellen Entwicklung in China sind vorhanden
-- es fehlt aber eine industrielle Massenbewegung, die zum Teil von
einigen
entscheidenden Leuten als "ländlicher Arbeitsstil" und
"Guerilla-Angewohnheit" abgetan und verhindert werde (North, S.192).
->> Mao fordert die Verdoppelung der Anstrengung bei der Eisen-
und
Stahlproduktion
->> Mao warnt, die Landwirtschaft nicht zu vernachlässigen und
fordert
die Erweiterung der Volkskommunen (North, S.192).
Dagegen:
Mao nimmt keine Rücksicht auf lokale Gegebenheiten
->> in vielen Gegenden haben die landwirtschaftlichen Kommunen
wenig
Ähnlichkeit mit den disziplinierten "Musterkommunen" Chinas
->> Überschwemmungen und Dürre schränken die Programme von Mao
zusätzlich
ein (North, S.192)
30.9.1959
Chruschtschow-Besuch in Peking
zum 10-Jahre-Jubiläum - Chruschtschow
Kritik am "Grossen Sprung nach vorn"
Chruschtschow hält Mao für einen romantischen "Abweichler" mit
ungenügendem Urteilsvermögen. Mao schürt die Konkurrenz zusätzlich mit
der Behauptung, China würde durch das System der Volkskommunen eher zum
Kommunismus gelangen als Russland. Chruschtschow ist auch vehement
gegen Maos Pläne der Bombardierung der Inselgruppe Quemoy, denn so
könne das Bündnis zwischen der SU und China in Konfrontation mit dem
anderen Bündnis zwischen Taiwan und den "USA" geraten. Chruschtschow
sucht daher den Modus Vivendi mit den "USA", verweigert Mao jede Hilfe
im Quemoy-Konflikt und nimmt die Zusage zurück, China Atombomben zu
liefern (Fairbank, S.311).
Die Differenzen zwischen Moskau und Peking sind unüberbrückbar und
verschärfen sich (Haydt u.a., S.64).
Oktober 1959
Peking-China hält an der
Nationalfeier am "Grossen Sprung nach vorn" fest
-- an der generellen Linie des "Grossen Sprung nach vorn" mit
Volkskommunen und Staalkampagne wird festgehalten
-- die Bewegung entwickelt sich 1959-1961 in eine Katastrophe,
verbunden mit Naturkatastrophen
-- es entwickeln sich Hungersnöte mit Millionen Hungertoten.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Herbst 1959
Mao umgibt sich mit Kritikern
und kann nur noch reagieren - die Überlebensstrategie
Zu Beginn des Herbst ergänzt Mao sein Personal mit Kritikern. Er gibt
einen Befehl an alle Provinz-Parteikomitees heraus:
"Unternehmen Sie auf der Basis ihrer aktuellen Lage alle effektiven
Massnahmen, holen Sie alle verfügbare Arbeitskraft heraus, die
herausgeholt werden kann, stärken Sie die erste Front der
landwirtschaftlichen Produktion, und ändern Sie schnellstens die
schlimme Situation der gegenwärtigen fehlenden Arbeitskraft."
(http://www.mindground.net/glp.html; MacFarquhar,
Roderick: The
Origins of the
Cultural Revolution. Bd. 2. New York: Columbia UP, 1983,
S.324)
Damit reagiert Mao nur auf Initiativen, die in der Provinz bereits
unternommen worden sind, darin eingeschlossen eine gewisse
Überlebenspolitik, die seit über drei Monaten eingeführt worden ist.
(http://www.mindground.net/glp.html; Yang, Dali L.:
Calamity and
Reform in China:
State, Rural Society, and Institutional Change Since the Great Leap
Famine. Stanford:
Stanford UP, 1996, S.75)
26.10.1959
Erneut chinesisch-kommunistische
Gebietsansprüche gegen Indien
Das Aussenministerium in Peking behauptet
erneut,
beträchtliche
nördliche
indische Gebiete seien "immer chinesisches Territorium gewesen" (North,
S.233).
4.12.1959
Taiwan: Erste Amnestie:
Freilassung des
nationalistischen Kuomintang-Generals Du Yuming
Du Yuming, der Kriegsheld auf dem Kriegsschauplatz von Burma, wird
anlässlich der ersten Amnestie vom 17.9.1959 nach über 10 Jahren
Gefängnis freigelassen.
Die Amnestie gilt auch einer besseren Beziehung zu Grossbritannien für
ein geplantes diplomatisches Treffen mit General
Montgomery im April
1960, und die Freilassung von
Du
Yuming speziell gilt auch als Zeichen,
dass dessen Neffe, Nobelpreisgewinner
Yang
Zhenning, zurückkehren
könne.
(http://www.uglychinese.org/war.htm)
ab 1959
Personenkult: Popularisierung
der Mao-Literatur in vereinfachten Ausgaben
unter Leitung von Lin Biao (Verteidigungsminister 1959-1971). Dazu
gehören
-- das "Kleine Rote Buch"
-- die "Drei immer gelesenen Artikel"
-- die
"Ausgewählten Werke von Mao Zedongs Werken" (1964)
-- die "Ausgewählten
militärischen Schriften von Mao Zedong" (1963) u.a.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/mzdt1.html)
Die politische
Auseinanderesetzung wird dadurch nicht nur vereinfacht, sondern
degeneriert dadurch auch in Klischees, fixe Formulierungen und leere
Slogandrescherei.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/mzdt1.html)
Der Mao-Kult kann so die Götter der Bauernreligionen immer mehr
verdrängen (Fairbank, S.340).
Die Politisierung der Armee und
die Militarisierung Chinas unter Lin Biao
Lin Biao politisiert und
ideologisiert mit dem "Kleinen Roten Buch" die
gesamte chinesische Armee (Fairbank, S.305):
-- er beseitigt in der Armee die Rangabzeichen der Offiziere
-- er erneuert das System der politischen Kommissare
-- Gesinnung gilt mehr als Leistung, der Ex-Verteidigungsminister Peng
wird herabgestuft
-- die Volksbefreiungsarmee wird als Vorbild für die Bevölkerung
dargestellt, und damit wird ganz China militarisiert (Fairbank, S.305).
Zur Politisierung der Armee stellt Lin Biao Maos Frau
Chiang Ching als Leiterin der
"Kulturabteilung" der Armee ein. Chiang Ching ist weiterhin eine Frau
ohne diplomatisches Talent, die sich nur mit Intrigen durchsetzen kann.
Lin Biao verhilft ihr wesentlich zum Aufstieg. Chiang Ching selbst
schart als eigene Machtbasis eine Gruppe sonst unbedeutender
Intellektueller aus Shanghai um sich [woraus später die "Viererbande"
hervorgeht] (Fairbank, S.323).
1960
Erst jetzt begreift die
KPCh-Führung, dass die Bauern verhungern
und dass die gesamte Wirtschaft am Boden liegt. Mao muss zugeben, dass
er von Ökonomie keine Ahnung hat, und dass er der Hauptschuldige ist
(Fairbank, S.302).
1960 ca.
Peking-China: Nachlassen des Schwungs im "Sprung
nach vorn"
->> die KPCh muss erkennen, dass die
Intelligenz weiter
unentbehrlich
ist
->> die KPCh sucht den beschränkten Dialog mit den
Intellektuellen,
erlaubt die akademische Diskussion, verbietet aber den ideologischen
Streit (North, S.201)
->> von beiden Seiten erfolgt nun eine viel vorsichtigere
Reaktion, auch
von der Seite der Intellektuellen (North, S.201).
1960
Taiwan: Verfassungsänderung für
eine endlose Präsidentschaft
Im Jahr 1960 braucht der Präsident Chiang Kai-Shek eine neue
Rechtfertigung, noch eine weitere Regierungsperiode regieren zu können.
Sein Verfahren schwächt die konstitutionelle Regierung. Basierend auf
einer Interpretation der Judicial Yuan Grand Justices, wird die Anzahl
der gesetzlich vorgeschriebenen Mitglieder der Nationalversammlung
massiv reduziert, um eine Änderung am Übergangsgesetz vorzunehmen und
dem Präsidenten die Macht zu erteilen, bis zu seinem Tod
Regierungszeiten aneinanderzureihen. Damit wird die verfassungsmässige
Beschränkung der Anzahl Regierungszeiten für den Präsidenten umgangen.
ab 1960
Pulverfass Tibet: Bodenreform
gegen die Klöster
Eine umfassende Landreform in Tibet bricht die traditionelle
Klosterherrschaft. Die sozialistische Gesellschaftsordnung Chinas wird
durchgesetzt (Haydt u.a., S.64).
1960 ca. bis 1980
Taiwan: Entstehung des
taiwanesischen Wirtschaftswunders
(http://www.taiwan-info.de/html/deutsch/TWPAPERg.htm)
Anfang 1960er Jahre
Peking-China beansprucht weiter Gebiete von
Russland, v.a. in der Mandschurei
S.206)
auch von der Sun-Propaganda her, die über
"verlorene Gebiete"
klagte und immer wieder zitiert wird. Als "chinesisches Territorium"
gelten nach Sun
-- alle grösseren Vertragshäfen
-- die kleinen Länder, die früher China tributpflichtig waren:
- die
Loochoo-(Ryukyu-)Inseln
- Siam
- Borneo
- der Sulu-Archipel |
- Java
- Ceylon
- Nepal
- Bhutan |
- Korea
- Taiwan/Formosa
- die Pescadores-Inseln
- Burma und Annam (North, S.208). |
|
Suns Geschichtsschreibung lautet:
"Noch früher in diesem Jahrhundert haben wir
Burma und
Annam
verloren
[…]; sobald Annam Frankreich überlassen wurde, besetzte England Burma,
und
China wagte nicht zu protestieren." (North, S.208)
[Gemäss dieser Geschichtsschreibung soll China das Recht auf weitere
Expansionen haben...]
Und auch gegenüber Russland werden Gebietsansprüche angemeldet:
-- das Flussbecken des
Amur und des
Ussuri
(North, S.208)
-- das Gebiet nördlich der Flüsse
Ili,
Khokand
und
Amur (North, S.209)
sowie Gebiete südlich des Himalaja in
Indien,
alles Gebiete, die nach
Suns Zitat
einmal an die Nachbarn "verloren gegangen" waren (North, S.209).
->> komischerweise bezeichnen Mao und Chiang Kai-Shek gleichsam
alle die
riesigen Gebiete als "historischen Boden der Chinesen" (North, S.209)
->> START ZU EINEM NEUEN CHINESISCHEN IMPERIALISMUS
1960, März-Mai?
Ideologischer Bruch zwischen der
Sowjetunion und Peking-China
(http://www.msnbc.com/modules/china_taiwan/1960.asp)
Februar bis Mai 1960 ca.
Naturkatastrophen
zusätzlich zum "Grossen Sprung nach vorn"
-- langer Winter
-- massive Trockenheit in ganz
China, Plagen und Krankheiten
-- schlimmste Taifune der
letzten 50 Jahre überfluten 12 Provinzen.
(http://www.mindground.net/glp.html; MacFarquhar,
Roderick, Timothy Cheek und Eugene
Wu, Hrsg.: The Secret Speeches of Chairman Mao: From the Hundred
Flowers to the
Great Leap Forward. Cambridge: Harvard UP, 1989 S.322).
Peking-China:
Anarchie im Kampf
ums überleben
[Ganz
Peking-China wird nun zu einem einzigen
Konzentrationslager...]
Das Ministerium für öffentliche
Sicherheit und das Justizministerium realisieren in der ersten Hälfte
des Jahres 1960 beide durch interne Dokumente die Härte der Hungersnot.
Es kommt zu 96.200 antikommunistischen Vorfällen und 5,7 Mio. Fällen
von Sabotage, Mord und Diebstahl. Plünderungen sind schon seit Mitte
1959 im Gang.
(http://www.mindground.net/glp.html; Qiyu,
Shi: “The Decline
of a Moral Regime.” Comparative Political Studies
27.2
(1994): S.272-297, S.280-281)
In der Zwischenzeit sind
ungefähr 30 % der landwirtschaftlichen Einheiten Chinas wieder zur Form
des Privathaushalts und zur Produktion ohne zentrale Leitung
zurückgekehrt.
(http://www.mindground.net/glp.html; Yang, Dali
L.: Calamity and Reform in
China: State, Rural Society, and Institutional Change Since the
Great Leap Famine. Stanford: Stanford UP, 1996, S.241).
16.4.1960
Pekings Propaganda "Rote Fahne"
greift Moskau an
In einem Artikel des Parteiorgans "Rote Fahne" anlässlich des 90.
Geburtstags von Lenin werden die "revisionistischen Tendenzen" der
sowjetischen Politik angegriffen (Haydt u.a., S.64).
Mai
1960
Peking-China:
Leere Getreidespeicher in Peking, Tianjin und Shanghai - Depression bei
Mao
Damit
wird die Katastrophe
landesweit
(http://www.mindground.net/glp.html,
Becker, Jasper: Hungry Ghosts: Mao’s
Secret Famine. Rev. ed. New York: Henry Holt, 1998, S.80)
Mao
reagiert schockiert und versinkt in eine
tiefe Depression. Gemäss
seinem Bibliothekar sitzt er manchmal lange Zeit ins Leere starrend und
nichts tuend in totaler Stille.
(http://www.mindground.net/glp.html; Yang, Dali
L.: Calamity and Reform in
China: State, Rural Society, and Institutional Change Since the Great
Leap Famine. Stanford:
Stanford
UP, 1996, S.72).
[Der starre Hitzkopf Mao ist nicht fähig, den Mittelweg zwischen
Kapitalismus und Kommunismus zu sehen...]
Mai-September
1960
Russland gibt seine Stütze für China auf
- der "Arbeitererfinder", der "Arbeiterwissenschaftler"
Russland ruft Tausende seiner Techniker aus
China zurück (North, S.201,233).
->> in China wird das Problem, wer wissenschaftliche und wer
technische
Funktion ausübt, noch schwieriger (North, S.201).
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Plakat immer noch mit dem Sprung nach vorn 1961: Lang lebe die Generalslinie, Werkmeisterjubel
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Die KPCh versucht, aus den eigenen Reihen Fachleute zu
rekrutieren
und erfindet den "Arbeitererfinder" und den
"Arbeiterwissenschaftler". Wichtiger ist dabei die "rote" Gesinnung als
"fachkundig" zu sein. Die KPCh verfolgt das Ziel, Fachleute
auswechselbar machen. Es wird behauptet, dass "ein guter Kommunist"
alles könne (North, S.201).
Die mangelnden Fachleute verschlimmern weiter den "Grossen Sprung nach
vorn" (Haydt u.a., S.64).
Mitte 1960-1963
Die drei Jahre werden auch die
"Drei bitteren Jahre" genannt
(Haydt u.a., S.64)
1961
Peking-China: Abermals Milderung des
Umerziehungsprogramms
(North, S.198)
Die Plakate werben aber noch 1961 für den "Sprung nach vorn":
"Lang lebe die Generalslinie!"
Werkmeisterjubel.
[Es ist nur noch das Plakat, das jubelt...]
Juli bis August 1960
Zweite Peitaiho-Konferenz: Neue
Investitionen in die Landwirtschaft
Die Parteipolitik wird nun zunehmend von Mitgliedern der
ersten Führungslinie um Liu und Deng Xiaoping beherrscht und
beschliesst eine weitere Revidierung der Politik des "Grossen Sprungs
nach vorn". Liu und Deng Xiaoping proklamieren die Linie
"Landwirtschaft als Grundlage und Industrie als führender Faktor". In
der Folge wird in den Agrarsektor verstärkt investiert (Haydt u.a.,
S.65).
ab August 1960 ca.
Verteidigungsminister Lin Piao
beginnt, die Volksbefreiungsarmee zu ideologisieren
Der neue Verteidigungsminister Lin Piao beginnt, die
Volksbefreiungsarmee in eine "grosse Schule des Denkens Mao Tse-Tungs"
zu verwandeln. In einer Reihe von Kampagnen wird die Armee von nun an
zur "Verbesserung des Arbeitsstils" angehalten und auf die Linie Maos
eingeschworen (Haydt u.a., S.65).
1961
KPCh verliert an Ansehen -
Zunahme der Korruption
Mao sieht, dass er mit der KPCh in diesem Zustand nicht mehr viel zu
tun haben will (Fairbank, S.307).
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Liu Shaoqi,
Portrait der 1960er Jahre
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Mai 1961
KPChina: Innerparteilicher Kampf
unter Liu Shaoqi gegen Mao
Die Hungersnot in China endet mit einem hoffnungslosen
innerparteilichen Kampf gegen Mao, angeführt von Liu Shaoqi.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
ab 1961
Publikationen von "Mao Zedongs
Gedanken" für Ideologisierung der Armee
Die Zitate werden 1961 erstmals für den Gebrauch in der
Volksbefreiungsarmee unter Lin Biao
publiziert. In der Folge existieren
verschiedene Versionen und Zusammenstellungen, je nach politischem
Schwerpunkt und spezifischem Zeitpunkt der Publikation. Mao setzt sich
darin z.B. an das Ende der Kette von Marxismus und Leninismus.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/mzdt.html)
Oktober 1961
"Sprung nach vorn": Die Zeitung
"China Wiederaufbau" meldet Erfolge
Die Zeitung "China Wiederaufbau" (englisch: "China Reconstructs"):
"Das bisher unter dem 8-Punkte-Programm [zur Agrarproduktion 1958]
Erreichte half uns, die Verluste der Naturkatastrophen, die unser Land
in den letzten drei Jahren getroffen haben, zu reduzieren."
(http://www.sinophilia.org/china/storia3.htm)
Ende 1961
Der Massenmord durch den
"Sprung nach vorn" - der Stillstand in Peking-China
Schätzungsweise 23 Millionen Menschen kommen in den Hungersnöten ums
Leben, die durch die Fehlplanungen beim Programm des "Sprung nach vorn"
ausgelöst werden.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Das Erbe
dieser riesigen Hungersnot mit bis
zu 30 Mio.
chinesischen Todesopfern vernichtet das landwirtschaftliche Wachstum
für die nächsten sechs Jahre. Erst im Jahr 1965 wird der Gleichstand
mit 1957 erreicht.
(http://www.mindground.net/glp.html; Clark,
Colin: “Economic Development in
Communist China.” The Journal of Political Economy
84.2 (1976): S.239-264, S.244)
Die westlichen Intellektuellen
schweigen zur
Hungersnot - die Medien berichten - die Politik versagt
Die "amerikanische" Presse berichtet, die Weltpresse zieht die
Möglichkeit einer Hungersnot in Erwägung.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm)
Ein BBC-Kommentator erklärt, dass er sich nicht vorstellen könne, dass
es in einem so gut organisierten Land wie China zu einer weit
verbreiteten Hungersnot kommen könne.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/comfaq.htm#part7;
Laszlo Ladany, The Communist Party of China and Marxism: 1921-1985)
Die westlichen Intellektuellen und die westlichen China-"Experten"
verhalten sich den Geschehnissen während des "Grossen Schritts nach
vorn" gegenüber gleichgültig. Die meisten westlichen Gelehrten
akzeptieren Pekings Propaganda als Tatsachen. Viele ausländische
Besucher - von Feldmarschall Montgomery bis zu Edgar Snow, François
Mitterand und Gunnar Myrdal
- halten sich an die offizielle maoistische
Linie. Peking gelingt es, die westliche Politik absolut über die
Vorgänge in China zu täuschen.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/chinhung.htm;
Jasper Becker: Hungry Ghosts, 1996, S.301)
Schliessung von Unternehmen - 20
Mio. Städter müssen aufs Land
Die Auswirkungen des "Grossen Sprungs nach vorn" auf Industriegebiete
sind vergleichsweise gleich hoch. 100.000 Unternehmungen werden
zwischen 1960 und 1965 geschlossen, und 20 Millionen Menschen werden
aus den städtischen Gebieten abgezogen, um das landwirtschaftliche
Desaster und die nachfolgende Stagnation etwas abzumildern.
(http://www.mindground.net/glp.html; MacFarquhar,
Roderick, Timothy
Cheek, und Eugene Wu, Hrsg.: The Secret Speeches of Chairman
Mao: From the Hundred Flowers to the Great Leap Forward.
Cambridge: Harvard UP, 1989,
S.330).
Die
hochqualifizierten Ingenieure und
Wissenschaftler, die
Mao hat einsperren oder zu Handarbeit verurteilen lassen, hätten diesen
Massenmord und den Verlust an natürlichen Ressourcen verhindern können.
(http://www.mindground.net/glp.html; Becker,
Jasper. Hungry Ghosts: Mao’s
Secret Famine. Rev. ed. New York: Henry Holt, 1998,
S.63)
Der kleine Anteil der
Naturkatastrophen an der Hungersnot beim "Grossen Sprung nach vorn"
Auf das Konto von Naturkatastrophen gehen vielleicht 1 Million von 30
Million Toten. Die Schuldzuschiebung der Führung der KPChina an die
Natur erfolgt aber in Parallelität zu Lenin und Stalins Methode der
Kollektivierung, deren Hungersnot auch von der Natur verursacht gewesen
sein soll.
Maos Verbrechen ist aber schlimmer zu werden, denn er konnte auf die
Erfahrung von Lenin und Stalin zurückgreifen. Er wusste, dass
Kollektivierung oft zu Massentod führt. Mit Waffengewalt und mit vollem
Wissen befahl er die Hungersnot.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/comfaq.htm#part7)
Die neue Führung - Mao zieht
sich nach Shanghai zurück - der dauernde Fraktionskampf
China ist mit einem totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch
konfrontiert. Erst im Jahr 1961 beginnt die Neuausrichtung der
Wirtschaft unter der Führung von Liu
Shaoqi, Deng Xiaoping, Chen Yun und anderen. Mao übernimmt die
Verantwortung für die Katastrophe und zieht sich nach Shanghai zurück.
Von dort intrigiert er für seine Rückkehr an die Macht. Hierzu wird er
gegen diejenigen, die den Karren aus dem Dreck gezogen haben, eine
"Grosse proletarische Kulturrevolution" anzetteln...
(http://www.iisg.nl/~landsberger/glf.html)
Mao meint, mit einer neuen Bewegung die korrupte KPCh ablösen zu
können. Liu Shaoqi und Deng Xiaoping glauben, die Korrektur innerhalb
der Partei vollziehen zu können (Fairbank, S.307).
Mao zieht sich in das zweite Glied zurück. Liu Shaoqi wird neuer Staatschef
(Fairbank, S.305). Peng Chen
wird Führer des Parteikomitees und Hauptsitz der Kritik. Mao meint in
der Folge, die Volksrevolution könnte in falsche Bahnen geraten, wie es
seiner Meinung nach in der Sowjetunion mit Chruschtschow der Fall ist
(Fairbank, S.306):
-- die russische Führung würde den Gleichheitsgedanken verlassen
-- Russland lasse die Bildung einer neuen herrschenden Klasse
privilegierter Städter und Techniker zu, überwacht von der
Geheimpolizei (Fairbank, S.307).
Deswegen will Mao an die Macht zurück, indem er seine Anhänger an die
Macht zurückbringt. Er sammelt 1962-1965 eine Fraktion gegen den
"Revisionismus" der Sowjetunion, der unter Deng auch in China Fuss
fassen könnte (Fairbank, S.307).
Dem Wiederaufbau Chinas unter Liu
Shaoqi und Deng Xiaoping
liegen reale Berichte zugrunde. Die Grundzüge des Wirtschaftsprogramms
stammen von den langfristigen Empfehlungen des "fünften Mannes" der
Hierarchie, Chen Yun,
Spezialist für Volkswirtschaft. Zur Steigerung der landwirtschaftlichen
Produktion wollen Liu und Deng die "indiviuelle Verantwortung" stärken.
Mao dagegen meint, der Klassenkampf sei ein besserer Anreiz. Mao bleibt
somit in seinen Vorstellungen einer romantischen Bauernmobilisierung
stecken. Fortan bekämpfen sich diese beiden "Linien" - die
Deng-Fraktion und die Mao-Fraktion - die ökonomische Vernunft und die
Anhänger des Klassenkampfs. Lin Biao,
der neue Verteidigungsminister nach Peng, schliesst sich Maos Meinung
des Klassenkampfs an (Fairbank, S.305).
Mao sinnt nach Rache gegen die Deng-Fraktion, [die aus Maos Sicht mit
marktwirtschaftlichen Anreizen Verrat begeht]. Mit seiner Hetzpolitik
gegen die staatlichen Institutionen strebt er mittels Klassenkampf die
Zerstörung des von der Deng-Fraktion geführten China an (Fairbank,
S.305).
Offiziell dürfen sich die Fraktionsführer Mao und Deng aber nicht
angreifen, da offiziell eine "Einheit" der Partei immer noch besteht.
In der Folge wird die alte Methode angewandt, Intellektuelle als
Sprachrohr der Fraktionen einzuspannen: Die Journalisten und
Schriftsteller schreiben Artikel, Kommentare und Bücher im Sinn der
jeweiligen Fraktion:
-- mit Kritik am "Grossen Sprung nach vorn"
-- mit Kritik an Maos Methoden der Massenmobilisierung
-- z.T. mit Infragestellung der Mao-Erklärung von 1942, dass alle
Literatur der Revolution zu dienen habe (Fairbank, S.306).
Gemäss der Angabe des Ex-Häftlings Harry
Wu
in seinem Buch "Laogai: The Chinese
Gulag" / "Der chinesische Gulag" (1992) nimmt
die totalitäre "Umerziehung" von Insassen in Sklaven-Arbeitslagern
ab. Dafür nimmt das Bestreben zu, die Arbeitskraft auszunützen.
(http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/museum/comfaq.htm#part7)
Der Graben zwischen Parteiführung und der chinesischen Bevölkerung wird
beträchtlich und kann nie mehr repariert werden. Die wirtschaftlichen
Verbesserungen sind ultimativ, wenn ein Umsturz vermieden werden soll.
(http://www.mindground.net/glp.html)
Offiziell bleiben die Volkskommunen bis 1984 intakt, obwohl sie 1961
faktisch auseinander gefallen sind.
(http://www.mindground.net/glp.html; Zhang,
Zhihong. “Rural Industrialization in China: From Backyard
Furnaces to Township and Village
Enterprises.” East Asia: An International Quarterly
17.3 (1999): S.61-88, S.66)
Die Ereignisse um den
Massenmord beim "Grossen Sprung nach vorn" werden bis 1981 vertuscht.
(http://www.mindground.net/glp.html; Womack,
Brantly: “Where Mao Went Wrong: Epistemology and Ideology in
Mao’s Leftist Politics.” The Australian
Journal of Chinese Affairs 10.16 (1986): S.23-40,
S.26)
Die Entwicklung der
Dorf-Autonomie
Die Ereignisse haben ihre gesellschaftlichen Auswirkungen, die sich
unter der Oberfläche entwickeln. Die chinesische Bevölkerung entwickelt
einen Spürsinn für ökonomische Initiative und erreicht eine
inoffizielle Dorf-Autonomie, lange vor dem Abgang von Mao 1976. Die
Geduld des chinesischen Landvolks ist dabei bewundernswert.
(http://www.mindground.net/glp.html)
Die
heimliche Liberalisierung
Die Partei entschliesst sich erst nach 1960 zum Stop der Katastrophe,
als moderate Leute wie Zhou Enlai eine heimliche
Liberalisierungspolitik einleiten und die landwirtschaftliche
Produktion auf eine vernünftigere Basis stellen.
(http://www.sinophilia.org/china/storia3.htm)
1960er Jahre
Chinas Armeestruktur unter Lin
Biao und die Militarisierung der Landschaft
Die Armee wird in den 1960er Jahren zu einem wichtigen Terrorfaktor
zur Stützung des Mao-Regimes:
-- ca. 38 reguläre Armeen sind über die 11 Militärbezirke verteilt
-- dazu kommen regionale Streitkräfte in 28 Provinzmilitärbezirken,
schlechter ausgerüstet, aber mit angegliederter "Volksmiliz" und mit
Arbeitsbrigaden mit Millionen Teilzeitsoldaten ohne einheitliche
Kriegsausbildung (Fairbank, S.319).
Die Armeen werden gegen Aufstände eingesetzt. Manche Armeen betreiben
zur Wahrung der Autarkie in Anlehnung an die Kaiserzeit eine eigene
Landwirtschaft und kleine örtliche Gewerbebetriebe in Nachahmung des
halb-autarken Grenzvorposten-Systems (tun-tien) der Kaiserzeit
(Fairbank, S.319).
Die politische Kontrolle ist vollständig. Manche Marschälle wurden noch
von Chou Enlai in Whampoa während der Zeit unter Chiang Kai-Shek
ausgebildet (Fairbank, S.320). Viele Armeeangehörige sind
Parteimitglieder. Der erste Parteisekretär einer Provinz ist meist auch
der erste politische Kommissar des Militärbezirks (Fairbank, S.321).
Zudem ist die Armee für Landbewohner eine der wenigen
Karrieremöglichkeiten. Dabei gilt ein Quotensystem. Nur 10 % der
Wehrpflichtigen werden überhaupt eingezogen. Nach 3-4 Jahren
Militärdienst kann der Militärdienstleistende im Heimatort führende
Stellungen einnehmen. Die Armee ist somit eine Schule zur Heranbildung
kommunistischer Funktionäre, die dann als politisch "verlässlich"
gelten. Die Provinzialregierungen und die Sicherheitsdienste sind von
Militärs nur so gespickt. Die Miliz umfasst 7-9 Millionen, die jährlich
3-6 Wochen Waffenübung absolvieren. Die Grundmiliz besteht aus 15-20
Millionen mit jährlich wenigen Tagen Waffenübung, meist ohne
Feuerwaffen (Fairbank, S.321).
1962 ca.
Immense Fehlschläge im "Sprung nach
Vorn" durch unsachgemässe Planung
Bei der Analyse des GSV stellt sich heraus,
dass das
Programm eher
von
Parteiführern als von Wissenschaftlern und Technikern entworfen wurde,
von
Leuten also, die mehr "rot" als "fachkundig" waren (North, S.194).
Moralzerfall bei der Armee - die
Treue bleibt...
Nach dem misslungenen "Grossen Sprung nach vorn" ist die Moral bei der
Armee wie bei der Bevölkerung geschwächt. Die regionale Armee unter Lin
Piao bleibt treu kommunistisch, ist Mao weiterhin ergeben und
dient
ihm als Machtbasis (Fairbank, S.321).
Januar bis Februar 1962
Erweiterte Arbeitskonferenz des
ZK in Peking - Spaltung der Partei
Nun schliesst sich auch Liu Shaoqi der Kritik des "Grossen Sprungs nach
vorn" an und tritt für eine weitere Liberalisierung der
Wirtschaftspolitik und für die Rehabilitierung einiger
"Rechtsabweichler" ein. Die verschiedenen Meinungsgruppen beginnen sich
zu "Fraktionen" mit eigenen Programmen bis zur Polarisierung zu
verhärten, vor allem in den Bereichen Kultur, Ideologie und Propaganda
(Haydt u.a., S.65).
August 1962
Maos Offensive gegen Liu Shaoqi
und Deng Xiaoping
Auf der vorbereitenden Arbeitskonferenz für das 10. Plenum des VIII. ZK
in Peitaiho startet Mao eine Offensive gegen die Konsolidierungspolitik
von Liu und Deng Xiaoping (Haydt u.a., S.65).
24.-27.9. 1962
Peitaiho: 10. Plenum des VIII.
ZK
Mao setzt seine polarisierende Linie fort. Er warnt vor
kapitalistischen Tendenzen, betont die Fortsetzung des Klassenkampfes
auch in der Phase des Sozialismus und verweist auf die Bedeutung der
Erziehung "revolutionärer Nachfolger". Er setzt eine Bestätigung der
Lushan-Resolution vom August 1959 durch, er verhindert die
Rehabilitierung von "Rechtsabweichlern". In der Praxis wird aber die
Politik Lius und Deng Xiaopings fortgeführt (Haydt u.a., S.65).
Liu und Deng Xiaoping betreiben die Konsolidierung Chinas mit der
Grundlage der "Drei Freiheiten - eine Festlegung" mit folgenden
Massnahmen:
-- Ausdehnung der privat genutzten Landparzellen
-- freier Handel mit den dabei gewonnenen Produkten
-- privates Kleingewerbe
-- Festsetzung der Produktionsquoten auf der Ebene der bäuerlichen
Haushalte
-- Vertrauen auf die Privatinitiative und auf materielle Anreize
-- Aufwertung von Fachwissen, Planung und stärkere Dezentralisierung
der Wirtschaft (Haydt u.a., S.65).
20.10. bis 22.11. 1962
Chinesische Invasion in Indien und
Rückzug - Moskau auf Seite Indiens - Peking unterstützt Pakistan
China und Indien führen einen kurzen Krieg um
die
nordindische Provinz Assam.
(http://www.msnbc.com/modules/china_taiwan/1960.asp)
Truppen der chinesischen Kommunisten fallen entlang der
Himalajagrenze in
Indien ein (North, S.233) und dringen tief auf indisches Gebiet vor
(Haydt u.a., S.65-66). Dann erklärt China einseitig den
Waffenstillstand und zieht seine Truppen zurück (Haydt u.a., S.66).
Russland
verschleiert seine Sympathien für Indien kaum (North, S.211).
Ab diesem Zeitpunkt umschmeichelt China Indiens Rivalen: Pakistan.
(http://www.msnbc.com/modules/china_taiwan/1960.asp)
ab 1962
Peking-China agiert politisch
völlig unabhängig
Mit dem Jahr 1962 ist der Bruch zwischen Peking-China und der
Sowjetunion komplett, und China beginnt, sich selbst als die "andere"
Supermacht zu positionieren, während es sich noch vom "Grossen Sprung
nach vorn" erholt.
(http://www.chinatour.com/countryinfo/history.htm#prc)
Kampagne zur
Einschränkung des Nachwuchses - Verhütungsmittel
Das Mao-Regime beginnt eine Kampagne gegen die Frühehe
(North, S.193). Offiziell wird abgeraten, in den ersten Jahren der Ehe
zu
viele
Kinder zu haben.
plus: Anraten von späteren Heiraten
plus: Warnen der "jungen Leute" vor verfrühten Bindungen
plus: Appell an die Forderungen der Gesellschaft (North, S.194).
Aussenstehende warnen auch mehr und mehr (North, S.194).
Verhütungsmittel sind allgemein
erhältlich. Eine Familienplanung bleibt aber bis 1970 freiwillig.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/pop1.html)
ab 1962 ca.
Die neuen unwissenden
Bauernkader stören die Landwirtschaft noch zusätzlich
(Fairbank, S.340). Die Bauernkader agieren auch mit
Fremdenfeindlichkeit gegen die Eliten (Fairbank, S.365).
1963: Neue
Bildungsoffensive auf dem Land mit Maos Programm - definitive
Trennung der kommunistischen Bewegung zwischen Moskau und Peking -
Beschluss der Nicht-Verbreitung von Atomwaffen zwischen der "USA", "SU"
und England
1963
Mao mit neuer Bildungsoffensive
Mao lanciert eine
Bildungskampagne und schafft sich so ein Netzwerk auf
dem Lande gegen die Deng-Fraktion (Liu
Shaoqi und Deng Xiaoping)
(Fairbank,
S.307).
20.5.1963
Mao bringt die Verabschiedung
der "Sozialistischen Erziehungsbewegung" durch
Das ZK der KPCh stimmt der Durchführung einer von Mao konzipierten
"Sozialistischen Erziehungsbewegung" zu, die schon auf dem 10. Plenum
des VIII. ZK vom September 1962 in Aussicht genommen worden ist. Mao
will mit dieser Kampagne den Klassenkampf verschärfen und das
politische Bewusstsein "heben". Die Parteipragmatiker um Liu [und Deng Xiaoping] versuchen mit dieser
Kampagne die Disziplinierung des Parteiapparates und die Stabilisierung
des Parteieinflusses auf dem Lande zu verstärken (Haydt u.a., S.66).
30.5.1963
Vermittlungsversuch aus der "SU"
für die KPCh
Das ZK der KPdSU schlägt in einem Brief an das ZK der KPCh die Aufnahme
bilateraler Gespräche auf Parteiebene zur Bereinigung der bestehenden
Differenzen vor (Haydt u.a., S.66).
In der Folge wird unter Maos Leitung eine "Generallinie"
herausgearbeitet (Haydt u.a., S.66).
14.6.1963
Maos Vorschlag an die "SU" für
eine "Generallinie": Mao will der Kommunistenführer sein
Die chinesische Parteiführung nimmt die Einladung des ZK der KPdSU für
bilaterale Parteigespräche an und legt den unter Maos Leitung
erarbeiteten "Vorschlag zur Generallinie der internationalen
kommunistischen Bewegung" vor. Mao fordert darin:
-- die Beendigung der Politik der Koexistenz zwischen Kapitalismus und
Kommunismus
-- die Ablehnung des parlamentarischen Wegs zum Sozialismus
-- die Ablehnung der These vom Absterben des Klassenkampfes im
Sozialismus
-- und die "Generallinie" warnt vor dem "Revisionismus" (Haydt u.a.,
S.66).
5.7.1963
Die chinesische Delegation in
Moskau verändert nichts
Eine chinesische Delegation unter der Leitung von Deng Xiaoping und
Peng Chen vertritt erfolglos die maoistischen Punkte für die
kommunistische Bewegung. Die Gespräche werden schliesslich ergebnislos
beendet (Haydt u.a., S.66).
5.8.1963
Die "USA", Grossbritannien und
die "SU" beschliessen die Nichtverbreitung von Kernwaffen
(Haydt u.a., S.66)
1964: Chruschtschows
Philosophie der "Koexistenz" wird beendet - erste
chinesische Atombombe
1964
Chou Enlai präsentiert erstmals
sein Programm der "Vier Modernisierungen"
betreffend Industrie, Landwirtschaft, Wissenschaft und Technik
(Fairbank, S.340).
10.7.1964
Maos neue Zwischenzonen-Theorie
gegenüber Japan
Mao benutzt den Besuch einer Delegation der Sozialistischen Partei
Japans dazu, eine neue Version seiner Zwischenzonen-Theorie
vorzustellen. Ihr zufolge bestehen zwischen den "USA" und den
sozialistischen Ländern zwei grosse Zwischenzonen, die zum einen von
den unterentwickelten Staaten und zum anderen von den entwickelten
Mächten Westeuropas sowie von Japan gebildet werden. Den Staaten der
beiden Zwischenzonen empfiehlt Mao, mit den sozialistischen Ländern
zusammenzuarbeiten, um imperialistische Aggression abzuwehren (Haydt
u.a., S.66).
14.7.1964
Mao nennt Chruschtschow
Staatsführung "Pseudokommunismus"
Mit der Veröffentlichung des Grundsatzartikels "Über den
Pseudokommunismus Chruschtschows und die historischen Lehren für die
Welt" erreicht die Kritik am innen- und aussenpolitischen Kurs der
Sowjetunion ihren bisherigen Höhepunkt (Haydt u.a., S.66-67).
September 1964 ca.
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Nikita
S. Chruschtschow
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Chruschtschow lässt alle
russischen Techniker in China abziehen
samt den Konstruktionsplänen. Die Sowjetunion und Mao bezichtigen sich
gegenseitig des Verrats am Kommunismus. Maos Propagandamaschine
bezeichnet in der Folge die Sowjetunion pauschal als "revisionistisch"
(Fairbank, S.311).
14.10.1964
Chruschtschow wird aus der russischen
Führung entfernt
(http://www.weltchronik.de/dcx/dcx_1965.htm)
aufgrund seiner gescheiterten
Wirtschaftspolitik und der gebrochenen Beziehungen zu China.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Chruschtschow)
Alexej Kossigin wird Ministerpräsident, Leonid Iljitsch Breschnew übernimmt
den Parteivorsitz der KPdSU.
(http://www.weltchronik.de/dcx/dcx_1965.htm)
China erwartet nach der Entlassung Chruschtschows in Russland einen
Wendepunkt
gegen den
liberalisierten Kurs
gegenüber dem "Westen" (North, S.215).
Taiwan verliert bei einem
Luftangriff auf Peking-China 150 Mann
(http://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_Civil_War)

Chang Kai-Shek mit seiner Frau 1964
1964: Immer noch Propaganda für den
"Sprung nach vorn" und Personenkult
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Plakat Sprung nach
vorn 1964: "Lang lebe die Generallinie, der Sprung
nach vorn, und die Volkskommune, Fahne!" 1964
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Plakat des
Personenkults 1964: "Maos Werke sind wie die Sonne"
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[Dabei geht die Sonne für alle Todesopfer des "Sprungs nach vorne"
schon lange unter...]
1964
Die KPCh beginnt "vier
Säuberungen" gegen die neuen Ausbeuter - dörfliche Kader
Dörfliche Kader aus typischen Angestelltenberufen, die Herrenallüren
über die Bauern zeigen, sollen durch bäuerlich-stämmige Dorfaktivisten
ersetzt werden. Die Kader zeigten dabei folgendes Fehlverhalten:
-- eine kleine Korruption
-- Betreiben von Günstlingswirtschaft
-- sie betreiben kaum körperliche Arbeit
-- sie erteilen willkürliche Befehle
-- Bereicherung (Fairbank, S.307).
Mao lässt gegen die Kleindespoten auswärtige Kader in die Dörfer
schicken (Fairbank, S.307-308). Die Arbeitsausschüsse bleiben einige
Wochen im Dorf und nehmen Beschwerden auf. Die Beschuldigten werden
dann auf Kampfversammlungen vorgeführt und ihnen Geständnisse
abgepresst, nach demselben Verfahren von 1950 gegen die
Grossgrundbesitzer (Fairbank, S.308).
Die höheren Parteifunktionäre sind gegen Massenversammlungen und
bremsen Maos Aktionen. Mao sucht sich in der Folge immer mehr die Macht
ausserhalb der KPCh, denn sein Ideal, die Bauern zu "befreien" und zu
alphabetisieren, erfüllte sich bisher nicht (Fairbank, S.308).
Neue Schulen für die Bauern -
schwache Schulen ohne Lehrer - Schlüsselpunktschulen
Mao fordert Werkstudiums-Schulen, ähnlich den "Schulen des Volkes". Es
werden 1000 Mittelschulen auf Werkstudentenbasis eingerichtet. Die
Schulzeit wird auf 10 Jahre begrenzt, der Lehrplan vereinfacht, alle
Lehrbücher umgeschrieben. Da aber gleichzeitig Lehrermangel besteht,
weil die Intellektuellen alle entlassen wurden, kommt auch dieses
Bildungsprogramm nicht in Schwung (Fairbank, S.308).
Mao lässt in der Folge Bauern zu "Wissenschaftlern" erklären und
verteilt ihnen Lehrstühle. Das Niveau der Werkschulen sinkt in der
Folge
unter das übliche Schulniveau. Die Werkschulen mit ihrer Halbbildung
bekommen einen schlechten Ruf, und die Bauern sehen bald, dass die
Kinder nur über das reguläre Schulsystem die Oberklasse erreichen. Sie
behalten die Kinder folglich lieber zu Hause (Fairbank, S.308).
Die Lehrer der regulären Schulen schlagen eine eigene Taktik ein, um
das Niveau ihrer Schulen zu bewahren (Fairbank, S.308-309). Sie gründen
so genannte Schlüsselpunktschulen, um die besten Lehrer und Schüler zu
konzentrieren, mit staatlichem Prüfungssystem als Abitur. So bleiben
Bauern- und Arbeiterkinder in den Werkschulen hängen, und die
Intellektuellenfamilien füllen die Schlüsselpuntkschulen (Fairbank,
S.309).
Gleichzeitig hetzt Maos Losung "Vergesst nie den Klassenkampf" gegen
die Intellektuellenfamilien bis zum Ausschluss von Studenten aus
unerwünschten Häusern (Fairbank, S.309).
Insgesamt bleibt das chinesische Schulsystem damit zweigleisig. Chinas
Klassenstruktur lässt sich [wegen Lehrermangels] nicht über das
Schulsystem ändern. Gleichzeitig fürchtet die KPCh eine
Akademikerschwemme und schränkt den Zugang zum Studium ein. Damit
verstärkt sich die Jugendarbeitslosigkeit (Fairbank, S.309).
Lohnunterschiede zwischen
Arbeitern
In der Arbeiterschaft erreichen qualifizierte Arbeiter einen höheren
Lohn und sichere Stellung gegenüber Ungelernten. Der
Gleichheitsgrundsatz stimmt auch da nicht, und das revolutionäre
Potential nimmt zu (Fairbank, S.309).
Publikation des "Kleinen Roten
Buches": "Zitate des Vorsitzenden Mao" (Mao zhuxi yulu)
(http://www.iisg.nl/~landsberger/cult.html)
Das "Kleine Rote Buch" wird bis 1968 740 Millionen Mal verkauft. Es
wird auch im Westen bekannt, ist aber nicht das einzige Mao-Buch im
Westen. Die Volkstageszeitung ("People's Daily"), das Sprachrohr der
Partei, verbreitet täglich wechselnde Mao-Zitate, die in Rot auf dem
Titelblatt gedruckt sind. Einige Zitate werden auch auf Postern
abgedruckt.
(http://www.iisg.nl/~landsberger/myl.html)
Das "Kleine Rote Buch" mit den "Aussprüchen des Vorsitzenden Mao" wird
von General Lin Biao zur
Armee-Ideologisierung herausgegeben und später in der Kulturrevolution
an Demonstrationen verwendet (Fairbank, S.326).
1964: Personenkult: Mao-Zitate auf Plakaten
mit der roten Strahlensonne
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Plakat des
Mao-Personenkult 1964 ca.: Mao-Zitate:
"Beachte die Lektionen der Geschichte. Die persönliche politische
Einstellung muss immer von Neuem bestätigt werden. Du sollst dies nicht
nur ein paar Leuten, sondern der ganzen Bevölkerung erzählen. Mao
Zedong"
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Plakat des
Mao-Personenkult 1964 ca.: Mao-Zitate:
"Dies ist eine Volksbewegung. Sie darf kein Rückschritt sein. Sie soll
nicht an der Oberfläche und örtlich begrenzt bleiben. Diese Bewegung
soll 5 Ziele erreichen: Einfachheit, Einheit, Effizienz, Sicherheit und
die Abschaffung der Bürokratie. Mao Zedong"
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Kriegsflagge Japans
1889-1945: eine rote Sonne...
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[Mao wird dabei immer als "rote Sonne" dargestellt, was sehr an die
militärische Nazi-Fahne von Japan im Zweiten Weltkrieg erinnert. Die
zerstörerische Kraft der "roten Sonne" scheint in der Mao-Führung
niemand bemerken zu wollen...]
16.10.1964
Chinas Atombombenzündung
(North, S.233)
in Lop Nur im Westen der
Provinz Xinjiang.
(http://www.msnbc.com/modules/china_taiwan/1960.asp)
->> China erwartet, dass ihm ein neuer
Status in der
Welt
zuerkannt
werde
->> es kommt Bewunderung für China in der Welt auf, v.a. unter
den jungen
Nationen in Afrika und Asien
->> chinesische Misserfolge von vorher werden vertuscht (North,
S.215).

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Chinas Atombombe im
Oktober 1964
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Mit der Atombombe meinen die chinesischen Militaristen, es sei nun ein
neuer Grad der Modernisierung in der nationalen Verteidigung erreicht.
(http://www.cbw.com/asm/xpdeng/soldier.html)
1964:
Erste diplomatische
Anerkennung für Peking-China durch Frankreich
Peking-China
versucht in der Folge immer wieder, die Frage
nach der Aberkennung von Taiwan (das "Freie China") in der
UNO-Generalversammlung zur Sprache zu bringen.
(http://www.taipeitimes.com/News/local/archives/1999/12/31/17830)
Mit der Abtrennung von Russland und der eigenen ersten Atombombe
gewinnt Peking-China in der ganzen Welt mehr und mehr diplomatische
Anerkennung. Taiwan wird in der Politik des Kalten Krieges immer
unwichtiger und scheint, die Unterstützung des Hauptverbündeten "USA"
allmählich zu verlieren. Washington und Peking entwickeln immer engere
Bindungen, um die sowjetische Expansion einzudämmen.
(http://news.bbc.co.uk/hi/english/static/in_depth/asia_pacific/2000/
taiwan_elections2000/1955_1972.stm)
Mit dieser Anerkennung - und es stehen noch viel mehr "diplomatische
Anerkennungen" an - kann Mao nun gegen seine inneren Gegner vorgehen,
gegen die er nach dem "Grossen Sprung nach vorn" im Mai 1961 verloren
hat. Mao inszeniert das Hetzwerk der "Kulturrevolution"...
Tibet wird geistig enthauptet
Peking setzt die religiösen und weltlichen Oberhäupter in Tibet, den Dalai Lama und den Pantschen Lama, offiziell ab (Haydt
u.a., S.67).
21.12.1964 bis 4.1.1965
Peking: III. Nationaler
Volkskongress: Maos Kritik an der Kultur- und Erziehungsarbeit nimmt zu
(Haydt u.a., S.67)