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Bordelle im KZ
25.5.2009: Neues Buch über das <Überleben im KZ-Bordell>aus: Spiegel online; 25.5.2009; http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/4203/_erlaubt_war_nur_die_missionarsstellung.html
<In zehn Konzentrationslagern betrieb die SS Bordelle - die Nazis nötigten weibliche Gefangene zum Sex. Das System bedeutete für die Frauen oft die Rettung vor dem Tod. Bis heute hat keine einzige Entschädigung für den Zwangdienst bekommen.Herr Sommer, wie viele Häftlingsbordelle gab es in deutschen Konzentrationslagern?
Die Sonderbauten wurden allesamt in Männerlagern errichtet - woher kamen die Frauen für die Häftlingsbordelle?
Sommer:Die Nationalsozialisten errichteten zwischen 1942 und 1945 insgesamt zehn sogenannte Sonderbauten in Konzentrationslagern wie Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen und sogar in Auschwitz. Insgesamt wurden dort rund 200 Frauen zur Sex-Zwangsarbeit gezwungen.
Wie kam es dazu, dass diese sogenannten Sonderbauten errichtet wurden?
Sommer: Die Häftlingsbordelle wurden als "Arbeitsanreiz" auf Anweisung des damaligen Reichsführers SS Heinrich Himmler erbaut. Er führte, unterstützt von der Industrie, in den KZ ein Prämiensystem ein, demnach "besondere Leistungen" von KZ-Insassen mit Hafterleichterung, Verpflegungszulagen, Geldprämien, Tabak oder eben Bordellbesuchen belohnt werden sollten. Man muss als Hintergrund dazu wissen, dass das NS-Regime im "Dritten Reich2 keineswegs die Prostitution verboten oder entschieden bekämpft hat. Vielmehr hat man sich, vor allem nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, auf die totale Überwachung der Prostitution im "Altreich" aber auch in den besetzten Gebieten konzentriert. Damals überzog ein flächendeckendes System von staatlich kontrollierten Bordellen halb Europa. Es bestand aus zivilen, militärischen sowie Bordellen für Zwangsarbeiter - und erstreckte sich auch bis in das System der Konzentrationslager hinein.
Sommer: Sie waren alle ebenfalls Häftlinge. Die SS selektierte die Frauen in den Frauen-Konzentrationslagern Ravensbrück oder Auschwitz-Birkenau, dann päppelte man sie zehn Tage im Krankenrevier auf und transportierte sie in die Männerlager. Die meisten der späteren "Bordellfrauen" waren "Reichsdeutsche" zwischen 17 und 35 Jahre alt, es wurden aber auch Polinnen, Weißrussinnen und Ukrainerinnen ausgewählt. Viele von ihnen waren als sogenannte "Asoziale" verhaftet worden und trugen im Lager den schwarzen Winkel, zum Beispiel weil sie den Arbeitsdienst verweigert hatten. Die SS rekrutierte in den Lagern auch einige inhaftierte Prostituierte für die Häftlingsbordelle, die vor allem zu Beginn den "professionellen" Betrieb der Lagerbordelle garantieren sollten.
Wie muss man sich den Alltag in einem solchen Lagerbordell vorstellen?
Sommer: Wie das ganze Leben im Lager war auch der Bordellbetrieb komplett von der SS überwacht, Privatsphäre war auch hier ein Fremdwort. Der "Sonderbau" im KZ Buchenwald war etwa jeden Abend von 19 bis 22 Uhr geöffnet, in den Zimmertüren waren Spione eingefasst, auf dem Flur patrouillierte ein SS-Mann. Jeder Häftling musste zuvor einen Antrag auf den Besuch des Bordells stellen und konnte sich dann einen "Sprungkarte" im Wert von zwei Reichsmark kaufen. Zum Vergleich: 20 Zigaretten in der Kantine kosteten drei Reichsmark. Juden war der Bordellbesuch verboten. Ein Rapportführer rief die Nummer des Häftlings auf und das Zimmer, in das er gehen durfte. Dort durften sich die Häftlinge genau 15 Minuten aufhalten, erlaubt war nur die Missionarsstellung.
Wie verhüteten die Häftlingsfrauen?
Sommer: Die SS hatte große Angst vor der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten im Lager, weshalb die Frauen regelmäßig auf Tripper und Syphilis getestet wurden. Das Thema Verhütung überließ man aber allein den Häftlingsfrauen, Kondome gab es nicht. Dennoch kam es relativ selten zu Schwangerschaften. Ein Großteil der als "asozial" inhaftierten Frauen war bereits vor der Einweisung ins KZ zwangssterilisiert worden, andere wurden durch die schlechten Lebensbedingungen im Lager unfruchtbar. Bei den wenigen Schwangerschaften, die dennoch vorkamen, tauschte die SS die Frauen einfach aus, schickte sie zurück in die Frauenlager, wo dann eine Abtreibung durchgeführt wurde. Oft kam eine Schwangerschaft im Konzentrationslager einem Todesurteil gleich, doch es gibt keine Belege dafür, dass schwangere Bordellfrauen umgebracht wurden.
Sie haben über Jahre hinweg in Archiven und Gedenkstätten über die Zwangsprostituierten und die Häftlingsfreier recherchiert und sind auf eine große Fülle an Material gestoßen, dass die Geschichte der Sonderbauten in vielen Einzelheiten dokumentiert. Trotzdem ist das Thema bislang kaum bekannt gewesen.
Sommer: Ja, das ist in der Tat erstaunlich, denn zum Beispiel selbst die Abrechnung der Bordelleinnahmen durch die SS sind überliefert. Doch das Thema Zwangsprostitution ist ja generell ein Tabu, da muss es nicht einmal um Sex-Zwangsarbeit in Konzentrationslagern gehen. Dies war eine ganz besonders perfide Form nationalsozialistischer Gewalt, die SS hat in den Lagerbordellen versucht, Häftlinge zu Mittätern zu machen. Daher ist das Thema Lagerbordelle auch innerhalb von Überlebenden-Verbänden nach wie vor ein strittiges. Viele der missbrauchten Frauen schwiegen aus Scham lange über ihr Schicksal. Besonders tragisch ist zudem, dass keine Frau für das Unrecht der Sex-Zwangsarbeit entschädigt wurde.
Das Interview führten Mareike Fallet und Simone Kaiser
Das Buch von Robert Sommer erscheint im Juni 2009 im Ferdinand-Schöningh-Verlag: "Das KZ-Bordell. Sexuelle Zwangsarbeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern" >
Die KZ-Bordelle waren auch in der Schweiz ein Thema:
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25.5.2009: <KZ-Bordelle: «Weiber für den fleissig arbeitenden Gefangenen»>Zwangsprostituierte für den «fleissig arbeitetenden Gefangenen»: Das Lagerbordell im KZ Mauthausen [war ein ganz normaler Schuppen mit ein paar Fenstern].
Bis heute ist die Zwangsprostitution im Nationalsozialismus in der Geschichtsschreibung weitgehend ein weisser Fleck geblieben. Die Legende, die Nazis hätten die Prostitution verboten oder zumindest bekämpft, hielt sich hartnäckig. Doch nun räumt eine umfassende wissenschaftliche Arbeit des deutschen Kulturwissenschaftlers Robert Sommer mit dieser Vorstellung auf und bringt Licht in das lange tabuisierte Schicksal der Zwangsprostituierten im Nazi-Regime.
In seiner Dissertation erzählt Sommer, wie die Nazis in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Dachau und Ausschwitz Bordelle für KZ-Gefangene errichteten. Rekrutiert wurden dabei vor allem gesund und gut aussehende Häftlingsfrauen im Alter zwischen 17 und 35 Jahren. «Die Weiber» sollten den «fleissig arbeitenden Gefangenen zugeführt werden», um die Arbeitsproduktivität der Lagerinsassen zu heben, so die Vorstellung von Reichsführer Heinrich Himmler.
Eine Prostituierte auf 300 bis 500 Gefangene
Nicht weniger als 200 Frauen wurden in den Lager-Bordellen gehalten, vor allem als «asozial» inhaftierte deutsche Frauen, aber auch Polinnen und Russinnen wurden den Sonderkommandos überstellt. Für die Prostitution nicht zugelassen waren Jüdinnen – aus Gründen der «Rassenhygiene». Gemäss den Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes kam auf 300 bis 500 Mann je eine Prostituierte.
Der Ablauf des Bordellbesuch wurde durch die Nazis streng reglementiert. Den Häftlingen wurde genau 15 Minuten eingeräumt, eine Privatsphäre gab es nicht: Die Türen hatten Spione auf dem Flur patrouillierten SS-Wachmännern. Sprechen durften die Freier mit den Prostituierten nur das Allernötigste, und erlaubt war nur die Missionarsstellung. Juden war der Besuch verboten.
Letzte Chance, dem Tod im Lager zu entkommen
Die Bordellfrauen hatten laut der Studie bessere Aussichten, das Terror-Regime zu überleben, als die anderen Lagerinsassen. Für viele totgeweihte Frauen war die Abberufung ins Bordell denn auch die letzte Chance, dem Tod im Lager zu entkommen. Doch nicht immer meldeten sich die Frauen freiwillig für die Prostitution. So hätten die Nazis Lagerinsassinen gedroht, sie mit Gewalt zu holen, wenn es keine Freiwillige gebe.
Eben diese angebliche Freiwilligkeit hat indessen dazu beigetragen, dass über das Schicksal der Bordellfrauen in den KZ bislang nur wenig bekannt ist: Die ehemaligen Prostituierten wurden lange Zeit stigmatisiert. Was aus ihnen wurde, bleibt im Dunkeln. Die meisten schwiegen sich nach dem Ende der Nazi-Schreckensherrschaft über ihre Arbeit als Prostituierte aus. (dvp)>
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Bordelle im deutschen NS-Konzentrationslager - gearbeitet und dann gefickt - Dokumente
aus: Welt online: Zeitgeschichte: Was es hiess, "Ehrenhäftling" Hitlers zu sein; 20.12.2010;
http://www.welt.de/kultur/history/article11193010/Was-es-hiess-Ehrenhaeftling-Hitlers-zu-sein.html
Bordelle im deutschen NS-Konzentrationslager - gearbeitet und dann gefickt
KZ-Bordell, Antragsformular für einen Bordellbesuch
Am 23. März 1942 befahl Heinrich Himmler: "Für notwendig halte ich allerdings, dass in der freiesten Form den fleißig arbeitenden Gefangenen Weiber in Bordellen zugeführt werden." – Antragsformular für den Bordellbesuch aus dem KZ Dachau.
KZ-Bordell, ein Zimmer im "Sonderbau"
Die Bordelle wurden im Amtsdeutsch der SS "Sonderbau" genannt (hier ein Propagandafoto aus dem SS-Album Buchenwald).
KZ-Zwangsprostituierte, Registerkarte ("Häftlingskarte")
Die Frauen waren Zwangsprostituierte, die aus KZs stammten und, wenn sie gesund blieben, nach etwa einem halben Jahr wieder zurückkehrten – Karteikarte des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes für einen weiblichen Häftling des KZ Ravensbrück.
[Die Situation sieht heute auf der "globalisierten" Welt nicht unbedingt anders aus: Die gesamte Welt ist globalisiert ein einziges Konzentrationslager, wo immer mehr Menschen arm werden und sich prostituieren müssen, und die Menschen, die noch Arbeit haben, gehen ins Bordell und poppen die Zwangsprostituierten, die im Frauenhandel zum Teil verschachert werden. Es tut mir Leid, aber das ist die Realität im Jahre 2010].
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Fund von "Besteck"
26.8.2010: <SS-Arzt Carl Clauberg: Instrumente in Auschwitz entdeckt>
Es ist bewisen, dass in den NS-Konzentrationslagern zahlreiche Menschen zu medizinischen Zwecken missbraucht wurden, und daran auch starben. Aber ob die hier gefundenen "Instrumente" echt sind, das scheint nicht gesichert, den eine alte Oxidation ist jederzeit fälschbar. Aber lesen Sie selbst:
aus: n-tv online; 26.8.2010; http://www.n-tv.de/politik/Instrumente-in-Auschwitz-entdeckt-article1358566.html
<Mehr als 65 Jahre nach der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz sind in einem Haus der südpolnischen Stadt mehr als 150 Instrumente für chirurgische und gynäkologische Eingriffe entdeckt worden.Wie das Museum Auschwitz-Birkenau mitteilte, handelt es sich um "einen der größten Funde der vergangenen Jahre". Die Instrumente wurden demnach in einem Haus gefunden, das zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs in einer "abgesperrten Zone" von Auschwitz (Oswiecim) lag. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden sie von dem SS-Arzt und Gynäkologen Carl Clauberg benutzt.
Clauberg misshandelte in Auschwitz zahlreiche Frauen für medizinische Experimente, vor allem für Sterilisationsmethoden. Hunderte von ihnen starben an den Folgen der Versuche. Clauberg wurde in sowjetischer Kriegsgefangenschaft zu 25 Jahren Haft verurteilt, konnte aber 1955 nach Westdeutschland zurückkehren. Er starb 1957, bevor ihm dort der Prozess gemacht wurde.
AFP>
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20.12.2010: "Ehrenhäftlinge" in Einfamilienhäusern im KZ oder im Hotel
aus: Welt online: Zeitgeschichte: Was es hiess, "Ehrenhäftling" Hitlers zu sein; 20.12.2010;
http://www.welt.de/kultur/history/article11193010/Was-es-hiess-Ehrenhaeftling-Hitlers-zu-sein.html
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Mehrere hundert Menschen hielt das Dritte Reich als „persönliche Gefangene des Führers". Ein Buch beleuchtet ihr Schicksal.
1941 wurden diese Baracken auf dem Gelände des Konzentrationslagers Sachsenhausen in Oranienburg bei Berlin errichtet. Hier waren prominente Gefangene inhaftiert.
Puppi fand es schön in Sachsenhausen, und sie wollte gern dorthin zurück. Natürlich hatte die kleine Tochter des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Kurt von Schuschnigg keine Sehnsucht nach dem Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg bei Berlin. Aber doch nach der Idylle, in der das 1941 geborene kleine Mädchen – mit vollem Namen Maria Dolores von Schuschnigg – seine ersten Lebensjahre verbracht hatte: einer Art Siedlungshaus mit hohem Giebel auf einem 300 Quadratmeter großen Grundstück. Das Kind störte sich nicht an der hohen Ziegelmauer um des Haus und nicht am Stacheldraht zu den beiden Nachbarhäusern. Und sie konnte auch nicht wie ihre Eltern hinüberschauen ins direkt angrenzende Barackenlager des KZs. Kurt von Schuschnigg schrieb über seinen Ausblick im Dezember 1941: „Hinter der Trostlosigkeit der berüchtigten Mauern haust das Heer des grauen, namenlosen Elends. Zwischen den Baracken schleppen sich abgehärmte Gestalten, aschfahl im Gesicht – und fast alle mit flackernden Augen.“
Mehrere hundert "Sonderhäftlinge"
Die Familie Schuschnigg gehörte zu den privilegierten Häftlingen in Hitler-Deutschland. Neben den Millionen KZ-Insassen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern gab es im Dritten Reich, besonders seit Beginn des Zweiten Weltkrieges, auch eine stark zunehmende Zahl von „Sonder-" oder „Ehrenhäftlingen“, insgesamt mehrere hundert. Sie wurden auf abgelegenen Schlössern oder Villen untergebracht, in requirierten Hotels oder in Sonderbereichen nahe der mörderischen KZ-Lager. Der Journalist und Historiker Volker Koop hat dieses bisher kaum beachtete Thema jetzt in einem sehr lesenswerten Buch aufgearbeitet.
In Sachsenhausen dienten vier Standard-Siedlungshäuser als „Sonderlager“. Eingesperrt war hier nur Kurt von Schuschnigg selbst, seine Frau lebte mit der kleinen Tochter freiwillig neben der Todeszone des KZ, konnte aber jederzeit den Lagerkomplex verlassen. Schuschniggs Sohn aus erster Ehe ging zeitweise sogar von hier aus täglich ins Gymnasium. Doch so viel Freiheit war für die Familienangehörigen anderer Sondergefangener nicht üblich. Die bayerischen Wittelsbacher etwa, die als potenzielle Identifikationsfiguren einer antinationalsozialistischen Bewegung inhaftiert wurden, waren teilweise monatelang in Tirol inhaftiert. Der ehemalige Kronprinz Rupprecht, das eigentliche Ziel der Verfolgung, konnte sich dem Zugriff der Nazis jedoch trickreich entziehen.
1945 wurde Elser nach Dachau verlegt und erschossen
Zu den bekanntesten „persönlichen Gefangenen“ Hitlers gehörten der gescheiterte Attentäter Georg Elser, der im Lagergefängnis des KZ Sachsenhausen unter vergleichsweise guten Bedingungen auf seinen Schauprozess nach dem erhofften „Endsieg“ wartete. Der Einzeltäter war noch am Abend seines perfekt abgelaufenen Bombenanschlags auf den Münchner Bürgerbräukeller am 8. November 1939 festgenommen und danach scharf gefoltert worden. Er dürfte gewusst haben, dass seine Hinrichtung lediglich aufgeschoben, nicht aber aufgehoben war. Dennoch verbrachte er die Jahre im Zellenbau in bemerkenswert guter Stimmung. Erst im Frühjahr 1945, als das Ende des Dritten Reichs wirklich unübersehbar war, ließ Hitler Elser nach Dachau verlegen und hier erschießen.
Ein weiterer prominenter Sonderhäftling war Martin Niemöller, einer der Köpfe der Bekennenden Kirche. Der ehemalige Nationalist und U-Boot-Kommandant hatte in den Dreißigerjahren Hitler wiederholt zur Weißglut gebracht. Als seine Inhaftierung international Protest hervorrief, sah sich SS-Chef Heinrich Himmler genötigt zu erklären, dass „Leute, die für ihre regierungs- wie staatsfeindliche Betätigung gelobt werden, automatisch wie Landesverräter in Schutzhaft genommen werden“.
Insgesamt fast acht Jahre saß Niemöller in den KZs Sachsenhausen und Dachau; erst ab 1943 war ihm täglich ein zweistündiger Spaziergang im Hof des Arrestbaus auf dem Lagergelände erlaubt. Im Gegensatz zu den normalen Insassen des Lagers war sein Leben zwar nicht akut in Gefahr. Doch zugleich war ihm klar, dass er im Falle eines Sieges Hitler-Deutschlands angeklagt und bei einer Niederlage wahrscheinlich erschossen würde. Dass es dazu nicht kam, sondern Niemöller 1945 befreit wurde, hatte viel mit Glück zu tun.
Im Krieg wurden ausländische Politiker und Staatsrepräsentanten festgesetzt. Der belgische König Leopold III., der anders als die Monarchen der ebenfalls von der Wehrmacht besetzten Niederlande oder Norwegens nicht ins Exil gegangen war, stand erst in seiner Residenz unter Hausarrest und wurde dann ins Schloss Hirschstein gebracht, wo er unter Bewachung der SS stand. Französische Spitzenpolitiker wie die früheren Ministerpräsidenten Leon Blum und Edouard Daladier oder der frühere Oberbefehlshaber Marschall Maxime Weygand. Im idyllischen Ifen-Hotel im Kleinwalsertal waren viele prominente Franzosen interniert, auch der ehemalige Botschafter in Berlin, Andre Francois-Poncet.
Die Vielzahl von verschiedenen Orten, an denen die Sondergefangenen untergebracht waren, erhöhten den Aufwand für das Regime. Deshalb suchte das Reichssicherheitshauptamt nach einem zentralen Ort, idealerweise eine Insel im deutschen Machtbereich. 1942 glaubte man die ideale Lösung gefunden zu haben. die Inseln Suur-Pakri und Vaike-Paakri in der Ostsee, vier Kilometer vor Baltischport (heute Paldiski) gelegen, der Hafenstadt am Beginn des Finnischen Meerbusens. Volker Koop hat im Archiv der Stasi einen Bericht des SS-Befehlshabers „Ostland“ gefunden, in dem die Vorzüge dieser Inseln für die Internierung von prominenten Gefangenen beschrieben wird: „Sie sind eisfrei, nur wenig bewohnt und vom Festland weit genug entfernt.“
Für die meisten Sonderhäftlinge endete der Krieg mit einem Happy-End. Heinrich Himmler wollte sie als Faustpfand benutzen, um den Westmächten Zugeständnisse abzuringen. Doch der einst allmächtige SS-Chef hatte sich verrechnet: Niemand ließ sich mehr auf ein Geschäft mit ihm ein. Die Geiseln, die überwiegend nach Tirol gebracht worden waren, den letzten Teil Großdeutschlands unter Nazi-Kontrolle, wurden im Frühjahr 1945 befreit – auch Puppi Schuschnigg.
Volker Koop: „In Hitlers Hand. Sonder- und Ehrenhäftlinge der SS“. (Böhlau, Köln. 295 S., 24,90 Euro).>
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