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Teatro Comico, Schule und Museum in Verscio
 
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Dimitri, ein geistig erfülltes Manegen- und Bühnenleben als  Clown

Dimitri, Signet Dimitri auf einem Elefant
                          gibt Bananen

Artikel aus arte, swissinfo und riffraff.

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Dimitri, clown!

Lebensbericht mit Zitaten

aus: Maike van Schwamen für die Monatszeitschrift "ARTE Magazin": Dimitri, clown! in: arte-tv, 9.3.2005; http://www.arte-tv.com/fr/art-musique/special-cirque/723116,CmC=724062.html; Übersetzung von Michael Palomino

Die Clowns? Die findet man offensichtlich im Zirkus - und manchmal auch woanders, wenn man genau hinsieht. Nach drei Saisons mit dem Zirkus Knie war Dimitri wieder am Theater interessiert, für das er immer noch eine Leidenschaft besitzt. Wir konnten Dimitri in Basel kennenlernen.

Und da war er: Ein kleinerer gut gekleideter Mann kommt die Tür herein und berichtet der Serviererin, dass er ein Rendez-Vous mit einer Journalistin habe. Mit seiner Riemen-Aktentasche könnte man ihn auch für einen Professor halten. Er dreht sich um, sieht mich und kommt mit einem freundlichen, fast scheuen Lächeln auf mich zu. Sein Händedruck ist sanft, aber nicht ohne Kraft, angenehm.

Dimitri, damit verbunden ist auch eine Art Beatles-Frisur, vorher braun, jetzt eher schon etwas grau geworden. Aber dies ist der einzige Wechsel, der in seiner langen Karriere stattgefunden hat. Er kommt aus dem Tessin, aber seit langem ist er auch über die Grenzen des Bundesstaates weit bekannt; der grosse kleine Clown aus Ascona hat das Publikum schon in Paris, New York und in Tokio begeistert; und auch in Australien, in Südamerika und in China wollte man ihn sehen; unter dem Patronat des Zirkus Knie, des Big Apple Circus  New York und vielen anderen, aber vor allem auch als Alleinunterhalter.

Effekte, die jeder auf der Welt versteht:

Dimitri: Szene mit
                        Mini-Trompete
Dimitri: Szene mit
                        Mini-Akkordeon
Dimitri: Szene mit Mini-Trompete
Dimitri: Szene mit Mini-Akkordeon

Neben mir redet und redet er, manchmal innehaltend "um ein bisschen zu überlegen, um gute Antworten zu finden". Ist er ein Mensch, der die Zusammenhänge erkennt? "Ja, das ist wahr". Dimitri hat es ja gar nicht gern, mit dem immer wieder aufkommenden Klischee des traurigen Clowns verbunden zu werden - und seine Arbeit hindert ihn nicht daran, sich mit den grossen aktuellen Problemen zu beschäftigen: "Man kann sein Leben nicht nur damit verbringen, indem man lacht oder Witze macht". Sehr bald hatte er gemerkt, dass ihm eine weitere Aufgabe zukomme als nur "eine junge und charmante Frau zum Lachen zu bringen".

Dimitri ist mit Haut und Haar Clown, von ganzer Seele. Er war es immer und wird es immer sein. Übrigens gibt es keinen anderen Weg: "Ein Clown zu sein ist eine riesige Aufgabe, das kann man nicht als Halbtagsjob erledigen". Es erstaunt ihn nicht, dass sich immer weniger Leute mit Clownerie beschäftigen - jedoch ist es immer wieder eine Freude für ihn, wenn der eine oder andere Schüler seiner Schule in Verscio (Hochschule für Bewegungstheater, gegründet 1975 im Tessin) sich der Karriere widmen!


[Dimitris Drang zur Clownerie ab 7 Jahren - Pantomime bei Marcel Marceau - Zirkus Knie]

Dimitri hat mit 7 Jahren erkannt, dass die Clownerie ein Beruf werden könnte. Seine Begeisterung war grenzenlos. Es ergab sich ein Weg für ihn, und dem ist er gefolgt, zuerst etwas zufällig mit dem Töpferberuf; mit dem Geld, das er durch Töpferei verdiente, hat er Kurse besucht: Ballet, Akrobatik, Theater, Musik und Tanz. Im Jahr 1954 trifft er in Paris den Pantomimen Marcel Marceau und wird sein Schüler, dann 1958 Mitglied seiner Gruppe.

Marchel Marceau
                        eröffnende Geste
Marcel Marceau mit
                        Rose

Marcel Marceau, geb. 1923, eröffnende Geste
Marcel Marceau mit Rose: "Träumen ist stille Handlung."

Marcel Marceau war immer sein Idol, "und ich hatte mir gesagt, dasselbe wie er zu tun, aber eben als Clown: Ich wollte alle möglichen Clownerien in Szene setzen". Am Ende der 1950-er Jahre kam Dimitri dann ins Tessin zurück und spielte fortan allein auf der Bühne.

Bescheiden, aber nicht ohne einen gewissen Stolz, versichert Dimitri dass er der einzige Clown ist, der im Zirkus eine Theaterausbildung hat. Dies ist ab 1970 der Fall. Fredy Knie Senior, damaliger Direktor des schweizer Nationalzirkus mit demselben Namen, sieht den Clown in Aktion und beschliesst: Er will ihn unter seiner Kuppel haben.

Fredy Knie senior
Fredy Knie senior
Zirkus Knie:
                        Signet
Zirkus Knie: Signet / Logo


[Die Karriere der Kinder - Schriftstellerfreunde Grass und Frisch, Vorbild Miller]

Dimitri verbringt beim Zirkus Knie drei Spielzeiten, zweimal in Begleitung seiner Frau Gunda und mit vier seiner Kinder. "Der Zirkus ist eine Künstlerwelt mit etwas bürgerlichem Element: Ein Zirkus ist ein eigenes Dorf, ein wanderndes Dorf". Dimitri kann sich mit seinen



  
Charango:
                              10-saitige Gitarre aus Nord-Argentinien
                              und Bolivien
Charango: eine 10-saitige Gitarre aus Nord-Argentinien und Bolivien

Kindern ganz zu Hause fühlen; und sie bekommen denselben Virus mit auf den Weg. David und Masha absolvieren die Artistikschule in Budapest, sind unter verschiedenen Zirkuskuppeln präsent und machen ihre Tourneen um die ganze Welt. Danach folgen sie dem Vater mit einem Weg ins Innere, sie verlassen die Manegen und spielen hauptsächlich in Theatern. Nina, die Jüngste, singt Volkslieder und spielt virtuos Gitarre und Charango.

Aber Dimitri hat auch noch andere künstlerische Ideen, die ihm gefallen: Er malt, er liest, er besucht Museen und liest Bücher von Schriftstellerfreunden wie Günter Grass und Max Frisch. "Ich ernähre mich von Kunst, ich erfreue mich daran, wie wenn es Nektar wäre", sagt er. Dimitri, der in jungen Jahren den Salto rückwärts beherrschte und auf dem Seil tanzte, und der sich heute noch mit 70 Jahren auf Elefanten getraut, ist nicht nur ein Unterhaltungskünstler: Er ist ein Poet. Dabei zitiert er gerne Henry Miller: "Der Clown ist ein handelnder Dichter."

Auf der Bühne lässt Dimitri die Grenzen zwischen Zirkus und Theater verschwinden. Der Clown, der fröhlich und traurig ist, der stolpert und sich nacheinander einige Zähne ausschlägt, beherrscht gleichzeitig die subtile Sprache der Komik. Seine "Nonna", die nichts anderes als die ursprüngliche Grossmutter aller Komödianten ist, in Rüschen eingewickelt, bezaubert sein Publikum heute noch, wie wenn er 20 Jahre alt wäre.


[Der Film "Dimitri - Clown"]

Dimitri hat ein solch reiches Leben erlebt, dass er in einigen Stunden gar nicht alles erzählen kann, noch weniger in 80 Minuten. Aber



Schweizer Filmproduzent Friedrich
                          Kappeler, Portrait
Schweizer Dokumentarfilmer Friedrich Kappeler, Portrait

  
dies erfordert die Bandlänge. So lange ist der Dokumentarfilm mit der Unterschrift von Friedrich Kappeler, der in die schweizerischen Kinos kommt. Seit der Premiere von "Dimitri - Clown" in Zürich aber ist Dimitri etwas frustriert, versichert er, denn es hätte noch so vieles zu erzählen gegeben...

So aber kann er noch davon träumen, seinen eigenen Film zu drehen, ein tragikomisches Werk, poetisch, über einen Bahnhofsvorstand - einen Stummfilm, und womöglich schwarz-weiss.

[Die Szene handelt von einer stillgelegten Bahnlinie im Tessin und einem leeren Bahnhof mit einem verlorenen Bahnhofsvorsteher].

  "Also, ich habe meinem Produzenten gesagt: Du siehst, Kaurismäki kommt her, macht einen Stummfilm und hat einen Riesenerfolg damit, denk mal ein bisschen darüber nach."


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Der Film "Dimitri - Clown": Dimitri, Familie, Elefanten, und ein Filmtraum

Film von Friedrich Kappeler - mit Dimitri; Schweiz 2004, 80 Min., Dialekt, K/8, Dokumentarfilm, Kinostart: 11.11.2004; aus:  http://www.riffraff.ch/index.html?/Programm/Filme/Film0370.html

In seinem ersten Film nach dem Publikumsrenner MANI MATTER - WARUM SYT DIR SO TRUURIG? vermittelt uns der Schweizer Regisseur Friedrich Kappeler



  
Dimitri mit Frau Gunda und 5 Kindern
Dimitri mit Frau Gunda
und 5 Kindern

einen Einblick in das poetische Universum des Menschen Dimitri. DIMITRI - CLOWN erzählt uns Dimitris Geschichte und seine Geschichten, zeigt uns, wie Dimitri lebt, lässt uns teilhaben an seinem Werdegang und Schaffen, an seinen Vorbildern, an seinen Gedanken, an seiner Musikalität, an seiner Vorstellung von Poesie und vom Zirkus als Gesamtkunstwerk. Dabei erweist sich Dimitri immer wieder als wacher Zeitgenosse.

Ganz wichtig für Dimitri ist seine Familie, seine Frau Gunda und die fünf Kinder. Was die Kinder machen, wie sie ihre Jugend erlebt und welches Verhältnis sie heute zu ihren Eltern haben, ist ebenso eine Geschichte in diesem Film, wie Dimitris leidenschaftliche Beziehung zu den Elefanten.

Und dann bleibt da noch dieser eine grosse Traum von Dimitri: der Traum vom Kino, wie ihn sein Vorbild Chaplin gelebt hat. Deshalb begegnen wir in DIMITRI - CLOWN nicht nur einem Engel und einem Teufel, die Dimitris Antlitz tragen, sondern auch einem tragisch-komischen Bahnhofsvorstand, der auf verlorenem Posten zu einer Art Filmclown wird.



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Dimitri: Mit 70 Jahren weiter aktiv und ideenreich

aus: SwissInfo: Dimitri feiert seinen 70. Geburtstag und 35 Jahre für sein Theater; orig.: Dimitri fête ses 70 ans et les 35 ans de son théâtre, 17.9.2005; aus: http://www.swissinfo.org/sfr/swissinfo.html? siteSect=105&sid=6094619; Übersetzung von Michael Palomino

Am 18. September feiert Dimitri seinen 70. Geburtstag. Der berühmte "traurige Clown" wird dann zum Ehrenbürger der T

Dimitri mit der Gitarre als
                        "trauriger Clown" / "clown
                        triste"
Dimitri mit der Gitarre als "trauriger Clown" / "clown triste"

  
essiner Ortschaft Verscio, wo sein Theater, seine Schule und wo das Dimitri-Museum "Museo Comico" steht. Es sind drei Festtage vorgesehen.

Dimitri wurde unter dem eigentlichen Namen Dimitri Jakob Müller am 18. September 1935 in Ascona (TI) in eine Deutschschweizer Künstler-Familie hineingeboren. Sein Vater ist Bildhauer, seine Mutter macht Stoffplastiken. Dimitri weiss schon mit sieben Jahren, dass er eines Tages die Leute zum Lachen bringen will. Sein offizieller Name ist aber schon seit Jahren Jakob Dimitri.

Am Anfang der 70-er Jahre richtet er sich mit seiner Frau Gunda in der Ortschaft Verscio ein. Das Paar hat fünf Kinder. Drei davon, David, Masha und Nina, machen eine künstlerische Karriere. Mathias ist Designer und Ivan arbeitet für das Rote Kreuz.

Mit 70 Jahren kann der tessiner Clown gleichzeitig auch weitere Jubiläen feiern: 35 Jahre für sein Theater, 30 Jahre für seine Schule, und 5 Jahre für sein "Museo Comico" (Komik-Museum).

 
[Samuel Becket: "Das letzte Band"]

Vor 40 Jahren hat der schweizer Schriftsteller Max Frisch geschrieben, dass Dimitri ein "bedeutender Clown" sei.

Ein Zitat von Max Frisch:



  
Max Frisch Portrait
Max Frisch Portrait
"Schaut ihn an, sage ich, das ist ein wirklicher Clown. Was ist ein wirklicher Clown? Das weiss ich nicht, aber schaut ihn an: Er kann schon allerhand und immer noch etwas mehr, und dann ist er selig, wenn ihm noch mehr gelingt, sogar das Unglaubliche. Man freut sich wie mit einem Kind, das die Tücke aller Dinge entdeckt und wie durch ein Wunder nicht strauchelt. Ich bin in jedem Augenblick gespannt, aber dann hat immer jemand gelacht, als wäre er allein, nicht wie man über einen Witz lacht, sondern gelacht vor Freude wie ein Kind; das war ich und der Clown heisst Dimitri."
(aus: http://www.riffraff.ch/index.html?/Programm/Filme/Film0370.html)


Trotz seines Alters leidet der Ruf Dimitris nicht. Seine Fähigkeiten zeigt er unter anderem auf der Bühne im Stück von Samuel Beckett "Das letzte Band". Die Premiere war bereits am 6. Juli in Verscio.

"Ich bin glücklich, dass ich mit 70 Jahren noch spielen kann, dass ich mich noch auf der Bühne zeigen kann", erzählt Dimitri beim Essen. Als "Krapp" in "Das letzte Band" reizt ihn das Clowneske, das tragikomische dieser Rolle.

 
Zahlreiche Pläne

Derjenige, der Schüler von Marcel Marceau war, der grösste Mime der Welt, der ihn übrigens besucht hat, der wird im November vor allem in Zürich und Basel Auftritte haben, und auch in Deutschland wird man Plakate sehen.

Der Heimathafen von Dimitri bleibt aber immer Verscio, ein 982-Seelen-Dorf bei Locarno, dessen Name bei den Theater-Amateuren der Schweiz und Europas bekannt geworden ist. Dort haben der Clown und seine Frau 1970 ihr Theater gegründet, 1975 ihre Schule, 1978 ihre Compagnia, und im Jahr 2000 ihr Museo Comico.

Dimitri und
                  Gunda
Dimitri und Gunda

"Ich habe mein Werk fast vollendet", sagt Dimitri, "aber ich habe immer wieder neue Ideen!" Pläne sind im Kopf des Clowns reichlich vorhanden, wobei die Frisur des Clowns oft mit derjenigen von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey verglichen wird. Der 70-er möchte noch einen "komisch-poetischen" Film und einen Narrenpark realisieren. Mehr sagt er nicht.

Ähnlichkeiten?

Dimitri-Portrait
                          mit Lächeln

Bundesrätin
                          Micheline Calmy-Rey mit Lächeln Micheline Calmy-Rey,
                          Aussenministerin der Schweiz
Dimitri-Portrait mit Lächeln
Micheline Calmy-Rey, Bundesrätin und Aussenministerin der Schweiz


Von Natur aus menschlich

Während des Gesprächs denkt er an eine Nummer: Er würde so tun, als ob er eingeschlafen sei und die Welt verlassen hätte, um gute Werke zu tun. Einfach so. Die Zuschauer würden den Saal verlassen und denken, "er sei wirklich gestorben", und alle machen Witze.

Hinter seiner Maske als Clown steckt ein von Natur aus menschlicher Mensch, der sich oft mit der Idee des Todes beschäftigt, und der an die Reinkarnation glaubt. Im sozialen Engagement hat sich dieser Mann immer auf die Seite der weniger Betuchten gestellt, auf die Seite der Asylbewerber und der Obdachlosen.


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Dimitri im Interview: Kosmopolit, das Lächeln, Pazifist und Helfer

aus: SwissInfo: Dimitri: Das Lächeln als Talent, 2004 zum Film "Dimitri - Clown"; http://www.swissinfo.org/sfr/swissinfo.html?siteSect=105&sid=5419747; Zwischentitel zur Orientierung in [eckigen Klammern] von Michael Palomino




  
Dimitri mit Gitarre ein Lied
                          spielend unmaskiert
Dimitri mit Gitarre ein Lied spielend unmaskiert

Dimitri als Mime, Dimitri als Clown. Eine Begegnung, um das neue Jahr mit einem Lächeln zu begegnen. Swissinfo traf den Künstler in Verscio bei Locarno anlässlich der Vorstellung der italienischen Ausgabe seiner Autobiografie.

[Dimitri im Teatrino - sein Lebensgefühl als Kosmopolit und seine immer verständliche Kunst]

Mit seinem roten Schal und seiner Gitarre erscheint Dimitri und empfängt uns im Teatrino - kurz vor der Präsentation der italienischen Ausgabe seiner Autobiografie, vor dem Verkauf ans Publikum.
 
swissinfo: Man spricht häufig von Ihnen als einem Deutschschweizer Künstler, der ins Tessin übersiedelt ist. Wie fühlen Sie sich dabei?
 
Dimitri: Ich fühle mich als Kosmopolit und bin deshalb nicht an eine besondere Sprache gebunden. Geboren bin ich in Ascona, meine Vorfahren stammen aus Russland und der Schweiz, und ich spreche Deutsch und Italienisch. Ich fühle mich international.
 
swissinfo: Wie positionieren Sie sich, als Mensch und als Künstler, zwischen den nationalen Kulturen?
 

Dimitri: Szene mit dem Liegestuhl
Dimitri: Szene mit dem Liegestuhl.

  
D.: Meine Kunst beruht auf einer nichtverbalen Ausdrucksweise, auf einer Körpersprache, der Komik und Musik, also auf einer Art Universalsprache. Diese wird an allen Ecken und Enden der Welt verstanden. So fühle ich mich nicht mit einer bestimmten Kultur verbunden. Ich fühle mich als Weltbürger.

swissinfo: Der Zirkus Knie hat Sie berühmt gemacht. Fühlen Sie sich deshalb in seiner Schuld? Obwohl Sie in Ihrem Buch schreiben, dass das Zirkuspublikum nie ins Theater kommen würde?
 
D.: Was diesen Aspekt betrifft, sollen von Beginn weg keine Zweideutigkeiten aufkommen. Das Zirkuspublikum ist sehr wohl auch im Theater willkommen. Doch oft handelt es sich um ein Publikum, das weniger an intellektuellen Inhalten interessiert ist, sondern mehr Freude an volksnahem Spektakel hat. Dank meinen drei Saisons beim Zirkus Knie konnte ich mich bei einem grösseren Publikum bekannt machen, und damit die Leute in mein Theater locken.
 
[Das Lächeln und die Lebensfreude auf der Erde]




  
Dimitri-Portrait mit
                            Lächeln in seiner Autobiographie
Dimitri-Portrait mit Lächeln in seiner Autobiographie.

swissinfo: Ihr Lächeln ist Ihr Aushängeschild. Wie entstand es, und wie konnten Sie sich damit bekannt machen?
 
D.: Ich kann nicht sagen, wie mein Lächeln entstanden ist. Es mag ein Geschenk der Götter sein, der Natur oder meiner Mutter. Das Talent dazu hat mir wohl das Schicksal geschenkt. Doch das genügt nicht. Man muss es entwickeln und am Leben erhalten. Man muss es ausnützen, pflegen und auf eine positive Art auch nutzen.

swissinfo: Was glauben Sie, wird in der Schweiz genügend gelacht?
 
D.: Ja. Ich glaube wirklich, dass das Publikum immer zum Lachen aufgelegt ist, einfach weil es das liebt. Ich glaube auch, dass das auf der ganzen Welt ähnlich ist. Die Leute lachen einfach gern. Doch wenn wir beispielsweise die Schweiz mit einem Land in Südamerika vergleichen, sehen wir, dass die Südamerikaner trotz ihrer Armut und den ungleich schwierigeren Lebensbedingungen viel mehr lachen als die Schweizer. Sie haben eine Fröhlichkeit, die wir Schweizer, obschon es uns besser geht, nicht kennen.

swissinfo: Welchen Platz nehmen die Liebe und der Humor in Ihrem Leben ein?
 
D.: Laut meiner Einschätzung gehören Humor und Liebe zusammen. Wenn es nämlich in der Komik, im Gag, keine Zuneigung für den anderen gibt, funktioniert das ganze nicht. Oder es funktioniert zwar, aber der Effekt ist ein anderes Lachen, ein böses, sarkastisches, fast schon teuflisches... Ich übertreibe jetzt etwas, aber so was gibt es jedenfalls auch. Man muss, finde ich, immer mit dem Herzen lachen. Ich möchte das Herz und den Geist der Leute treffen. Aus ihrer Stimme soll ein reines Lächeln oder Lachen kommen. Wie jenes der Kinder, unschuldig und wohlwollend.
 
[Mime und Wort - Marcel Marceau]

swissinfo: Sie sind ja auch ein grosser Mime. Welche Beziehung hat ein Mime zu Worten?
 



Pantomime von Marcel Marceau,
                          erschrockene Geste
Pantomime von Marcel Marceau, erschrockene Geste.
  
D.: Man sagt ja, dass Mimen, wenn sie einmal zu sprechen begonnen haben, nicht mehr aufhören... Ungefähr so wie ich das im Moment mit Ihnen mache. Doch Spass beiseite. Mein grosser Meister Marcel Marceau hatte mir beigebracht, dass durch die Mimik gewisse Szenen und Ausdrucksweisen viel intensiver, stärker, eindrucksvoller und ergreifender wirken. Er hatte mir immer gesagt, dass die grossen Gefühle des menschlichen Wesens besser wortlos ausgedrückt werden. Das gilt für die Liebe, den Hass, den Schmerz und die Freude.

[Dimitri: Pazifist und Helfer für die Schwachen]
swissinfo: Was ärgert Sie? Auch im Bereich der Gefühle und des Verhaltens?

D.: Schlecht ertrage ich Hass, Aggressivität, Heuchelei, Krieg, die Absenz von Dialog und von Verständnis. Auch das Fehlen von Respekt und von Toleranz gegenüber Leuten, die anders sind als wir, ertrage ich nicht.
 
swissinfo: Sie waren immer ein aktiver Mensch, ein unersetzlicher Weggefährte von Kaplan Cornelius Koch, ein Fürsprecher von Flüchtlingen und Benachteiligten. Wie schätzen Sie heute die humanitäre Politik der Schweiz ein?
 
D.: Die unnützen Kriege, die unsere Welt überziehen, machen mich sehr traurig. Sie treffen mich persönlich, und zeigen sich am Schicksal der Frauen, Männer, Kinder und ganzer Völkerschaften. Deshalb möchte ich als Künstler einen kleinen Beitrag leisten, indem ich Petitionen, Proteste und Manifeste unterschreibe, und öffentlich für etwas einstehe. Deshalb habe ich auch Cornelius Koch, dem Kaplan der Flüchtlinge, geholfen, wie ich konnte.


Dimitri-Plakat gegen Ausgrenzung von Behinderten zur Abstimmung 2003.

Text:
"Volksabstimmung am 18. Mai 2003. Dimitri ist Clown und Künstler. Und [er] entdeckt immer wieder künstliche Hindernisse - auch für nicht Behinderte. JA zum freien Zugang zur Behinderten-Initiative."
Dimitri-Plakat gegen Ausgrenzung von
                          Behinderten zur Abstimmung 2003


[Friedensarbeit: "Das Meer besteht aus lauter Tropfen"]

swissinfo: Wie schätzen Sie die Rolle und den Einsatz der Intellektuellen für die Zivilgesellschaft in diesem Land ein?
 



Ein Tropfen Frieden
Ein Tropfen Frieden

  
D.: Ich finde, Künstler und Intellektuelle in der Schweiz sind genügend aktiv. Sicher wirkt ihre Stimme nur wie ein Tropfen, der ins Meer fällt. Doch das Meer besteht aus lauter Tropfen. Zum Beispiel denke ich an die Genfer Initiative. Sie setzt sich über die Zivilgesellschaft für die Wiederaufnahme des Friedensprozesses zwischen Israelis und Palästinensern ein. Ein Projekt, das von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey gefördert  wird.

swissinfo: Sie haben Calmy-Rey erwähnt. Viele Leute sehen im Lächeln von euch beiden etwas Gemeinsames...
 
D.: Ja, das stimmt. Es bestehen leichte Ähnlichkeiten. Nicht nur in der Art des Lächelns, auch in der Frisur. Als wir uns am Filmfestival in Locarno trafen, haben wir uns bestens unterhalten und darüber hinaus auch bestens verstanden.

swissinfo, Françoise Gehring
(Übertragung aus dem Italienischen: Alexander Künzle)

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Basler
                Zeitung online, Logo

19.9.2010: Dimitri wird 75

aus: Basler Zeitung online: "Ich bin einfach ein Glückspilz"; 19.9.2010;
http://bazonline.ch/kultur/theater/Ich-bin-einfach-ein-Glueckspilz-/story/26170111
<Von Gerhard Lob.

Dimitri, der bekannteste Schweizer Clown, denkt noch lange nicht ans Aufhören – auch nicht an seinem 75. Geburtstag.

Gut gelaunt: Dimitri bei seinem Auftritt an der Expo.02.

Das Lachen ist sein Beruf – oder besser gesagt, seine Berufung. Dimitri denkt auch mit 75 Jahren nicht ans Aufhören. Ruhestand oder Pension? Nein danke! «Solange ich Freude an meiner Arbeit habe und das Publikum mich sehen will, trete ich auf», sagt der bekannteste Schweizer Clown, der am 18. September 1935 unter dem Namen Dimitri Jakob Müller in Ascona geboren wurde.

[Sturz mit Wirbelbruch gut überstanden]

Natürlich muss auch die Gesundheit mitspielen. Im Frühjahr stürzte Dimitri auf der Bühne, brach sich einen Wirbel. Drei Monate lang musste er ein Korsett tragen und zur Genesung in die Reha-Klinik. «Aber ich musste nicht operiert werden, kam an einer Lähmung vorbei. Ich glaube einfach, ich bin ein Glückspilz», sagt er mit seinem typisch breiten und verschmitzten Lachen.

80-mal pro Jahr auf der Bühne

Seit 50 Jahren steht Dimitri auf der Bühne; etliche Preise hat er eingeheimst. Auch heute betritt er noch 80-mal im Jahr die Bühne, zuletzt häufig im Spektakel «Die Familie Dimitri», bei der drei seiner Kinder, die ebenfalls Künstler geworden sind, sowie ein Schwiegersohn mit von der Partie sind. Verheiratet ist Dimitri seit 1961 mit Gunda, die als treibende Kraft hinter seinem Erfolg gilt und stets im Hintergrund agiert. Fünf Kinder hat das Paar, das seit Ewigkeiten im Centovalli lebt, grossgezogen.

Dimitris berufliches Lebenswerk indes steht in Verscio. Das Theater, das 40 Jahre alt wird, die Theaterschule, die 35-jähriges Jubiläum feiert und jüngst als «Schule für Bewegungstheater» ein Teil der Fachhochschule der italienischen Schweiz wurde, und schliesslich das Clown-Museum, das der legendäre Ausstellungsmacher Harald Szeemann entworfen hat.

Kein Problem mit dem Älterwerden - [eine geschenkte Villa wird zum Skulpturen-Clownpark und zum Forschungszentrum für Humor und Komik - und ein Restaurant mit "gesunder Küche"]

Doch damit nicht genug. «Nun feiern wir auch das Null-Jahr-Jubiläum des neuen Skulpturen-Clownparks», freut sich Dimitri. Tatsächlich: Dank der Schenkung einer benachbarten Villa mit viel Umschwung konnte das Dimitri-Anwesen in Verscio enorm vergrössert werden. Bundesrat Ueli Maurer weihte den Park am Samstag offiziell ein.

Auch für die Nutzung der Villa gibt es Ideen: Ein Forschungszentrum zum Thema Humor und Komik soll hier entstehen, Aktivitäten für Kinder und ein Zentrum für Volksmusik aus aller Welt sind geplant. Last but not least: ein Restaurant, das eine gesunde Küche propagieren soll. Die Einladung von Starkoch Pietro Leemann für die Feierlichkeiten von diesem Wochenende gibt in dieser Hinsicht den Takt vor.

75 Jahre? Kein Problem. Mit dem Älterwerden kommt Dimitri gut klar. «Ich habe mich schon früh mit Themen wie Tod, Krankheit und Abschied nehmen auseinandergesetzt», meint er. Selbst für den Fall einer Lähmung hatte er schon Projekte gemacht – er hätte sich mehr auf Malerei und Musik konzentriert. Doch nun steht die Clownerie noch im Mittelpunkt. An ihrer Wichtigkeit lässt Dimitri keinen Zweifel: «Die Leute wollen immer lachen, auch wenn oder vielleicht gerade weil es in unserer Welt immer weniger zu lachen gibt.» (Basler Zeitung)>

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Bildernachweis
-- Dimitri auf einem Elefant gibt Bananen: aus: http://www.arte-tv.com/fr/art-musique/special-cirque/723116,CmC=724062.html
-- Dimitri: Szene mit Mini-Trompete und Mini-Akkordeon: http://www.teatrodimitri.ch/it/52.htm
-- Marcel Marceau, geb. 1923, eröffnende Geste: aus: http://www.spiritproject.de/home/personality/we/marcel_marceau.htm
-- Marcel Marceau mit Rose: "Träumen ist stille Handlung." aus: http://univerval.free.fr/rever.htm
-- Fredy Knie senior: aus: http://www.neudorfstrasse.ch/news/news_03/news_03_12.htm
-- Zirkus Knie: Signet: aus: http://www.houska.ch/knie/infos.html
-- Charango: 10-saitige Gitarre aus Nord-Argentinien und Bolivien: en
-- Schweizer Filmproduzent Friedrich Kappeler, Portrait: aus: http://www.gong.ch/Portait/
-- Dimitri mit Frau Gunda und 5 Kindern: aus: http://www.riffraff.ch/index.html?/Programm/Filme/Film0370.html
-- Dimitri mit der Gitarre als "trauriger Clown" / "clown triste": http://www.swissinfo.org/sfr/swissinfo.html? siteSect=105&sid=6094619
-- Max Frisch Portrait: http://www.elcolibri.de/colibri13.htm
-- Dimitri und Gunda: von Dimitri
-- Dimitri-Portrait mit Lächeln: aus: http://www.gsoa.ch/armee/ausland/kampagne/statements.html
-- Micheline Calmy-Rey, Bundesrätin und Aussenministerin der Schweiz: aus: http://www.sp-links.ch/BRWahl/MCR.htm (2005)
http://www.armee.vbs.admin.ch/internet/armee/de/home/gebinfbr12/0.html (2005)
-- Dimitri mit Gitarre ein Lied spielend unmaskiert und Dimitri-Portrait in seiner Autobiographie: aus: http://www.swissinfo.org/sfr/swissinfo.html?siteSect=105&sid=5419747
-- Dimitri: Szene mit dem Liegestuhl: aus: http://www.gala-dimitri.ch/dimitri.html
-- Pantomime von Marcel Marceau, erschrockene Geste: aus: http://www.muenchenticket.de/vorstellung.jsp;jsessionid=A9124492B34163F2DBDE08B8531DD9BF?id=102933
-- Dimitri gegen Ausgrenzung von Behinderten zur Abstimmung 2003: http://www.zslschweiz.ch/Archiv/Texte/VI%20-%20Information.htm
-- Ein Tropfen Frieden: aus: http://www.hgg-heidelberg.de/swh/wasser/wassersparen.html



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