Schweiz: Schweizer Miseren
An den folgenden Berichten kann abgelesen werden, welche Defizite die
schweizer Politik aufweist: Der entscheidende Mut zum Handeln in der
Notsituation fehlt, im rechten wie im linken Lager.
Michael Palomino (2005)
Inhalt
1. Schweiz 1. Weltkrieg: Lohnmisere und Kündigungen
2. Schweiz 2. Weltkrieg: Kündigungsverbot und
Mietzinsstop - die Misere mit dem Mietzinsstop, der bis 1974 bestehen
bleibt - alte Häuser werden reihenweise abgerissen
3. Das Antirassismusgesetz und kein Ende des Rassismus gegen Schweizer
Schweiz 1. Weltkrieg: Lohnmisere und Kündigungen
(Bericht von Historiker Weilenmann, Zürich 2006)
-- die Männer wurden zur Armee einberufen und bekamen keinen
Wehrersatz, und wurden zudem noch vom Arbeitgeber gekündigt!
-- die Familien mussten zu Hause bleiben, und ohne Lohn konnte man
keine Miete mehr bezahlen, also wurde nach zu vielen Mietrückständen
die Wohnung gekündigt
-- die Mütter müssen beim Lebensmittelladen "anschreiben" lassen, wenn
aber zu viel "angeschrieben" ist, bekommt die Mutter keine Lebensmittel
mehr, es breitete sich Hunger aus in der Schweiz, weil zu viel
"angeschrieben" war.
Die schweizer Männer im Kriegsdienst hatten also nicht nur die Probleme
in der Armee zu lösen, sondern an der "Heimatfront" warteten noch viel
grössere Probleme auf sie, während die Bonzen der Banken und
Versicherungen über die Schwierigkeiten der Soldaten lächelten.
Schweiz ab 2. Weltkrieg: Kündigungsverbot und Mietzinsstop -
die Misere mit dem Mietzinsstop, der bis 1974 bestehen bleibt - alte
Häuser werden reihenweise abgerissen
(Bericht von Historiker Weilenmann, Zürich 2006)
Um die soziologischen Fehler des 1. Weltkriegs nicht zu wiederholen,
verfügte der Bundesrat am Anfang des europäischen Zweiten Weltkrieges
1939:
-- einen Wehrersatz, so dass die Familien weiterhin Geld zur Verfügung
hatten
-- ein Kündigungsverbot, so dass die Soldaten ihre Stellen behalten
durften, auch wenn sie in der Armee eingezogen waren
-- einen Mietzinsstop, um auch wohnpolitische Stabilität zu
garantieren.
Für die Zeit von 1939 bis 1945 taten diese Gesetze ihre positive
Wirkung.
Nach 1945 geriet die schweizer Politik durch diese Vorschriften aber
wieder in eine Misere, denn bis 1974 getraute sich keine der
politischen Parteien, den Mietzinsstop für Häuser bis Baujahr 1940
aufzulösen. Für alle Häuser bis Baujahr 1940 galt bis 1974 der
Mietzinsstop. Die Folgen waren dem rechten wie dem linken politischen
Lager egal:
-- die Inflation der Zeit von 1945 bis 1974 konnte nicht ausgeglichen
werden
-- die älteren Häuser bis Baujahr 1940 wurden nicht mehr erneuert, weil
kaum Mieteinnahmen zur Verfügung standen
-- viele ältere Häuser wurden einfach abgerissen, um mit neuen
Betonhäusern grosse Profite zu erzielen
-- die Bonzen der Banken und Versicherungen lächelten nur über die
Schwierigkeiten der kleinen Hausbesitzer.
So kam es, dass in der Schweiz die alte Bausubstanz oft nicht mehr
geschätzt wurde, und dass viele alte Häuser verrotteten und abgerissen
wurden. Manche schweizer Stadt sieht heute so aus, wie wenn sie im
Krieg bombardiert worden wäre: Alte Häuser werden reihenweise
abgerissen, ganze Quartiere werden abgerissen, Glaspaläste stehen
zwischen alten Häusern etc.