Österreichs
Deutsche - "Slawen" - Börse -
Juden -
und der Kaiser 1850-1920
Der Vierkampf in der
k.u.k.-Monarchie Österreich-Ungarn -- weltweite Spekulation und Börsencrash an der neuen Börse 1873 -- jüdische Einwanderung, Spekulationsgewinne und
Landkäufe -- Verarmung ohne
Hilfemassnahmen -- der Propagandakampf des Deutschtums in
Deutschösterreich gegen Slawisierungen
mit
dem Populisten Georg Ritter von Schönerer
-- die Presse-Propaganda gegen
ihn -- der Kaiser will die
Deutschösterreicher nicht mehr, denn er will den Anschluss um jeden
Preis verhindern, um seinen Sessel zu retten -- Berlin will einen grossen
Bündnispartner -- Unregierbarkeit der k.u.k.-Monarchie durch gleiches Stimmrecht für Analphabeten -- Hitler steckt mitten drin -- 1918 müssen
beide Kaiserhäuser verschwinden -- die NSDAP
schreibt aus Österreich ab
von Michael
Palomino (1999)
Quellen waren:
Dr.
Heinrich Schnee: Georg
Ritter von
Schönerer: Ein
Kämpfer für
Alldeutschland. Sudetendeutscher Verlag Franz Kraus, Reichenberg,
Sudetenland, 1941; zugeeignet den volksdeutschen
Kämpfern Rudolf Jung und Hans Krebs.
Elmar Vinibert von
Rudolf
(eigentlich: Rudolf von Emayer-Vertenbrugg): Georg Ritter von
Schönerer. Der
Vater des politischen Antisemitismus. Von einem, der ihn selbst erlebt
hat;
Verlag Franz Eher Nachfolger, München 1942.
Kommentar
Diese Chronologie gibt Einsicht in die
Welt der
Österreichisch-ungarischen Monarchie im Zusammenhang mit Deutschland
1933-1945.
Der alldeutsche "Kämpfer"
Georg
Ritter von Schönerer führt den
Kampf gegen den Kaiser in Wien, für den die Deutschösterreicher
überflüssig
sind, weil diese bei einem Anschluss an Deutschland seinen Thron
gefährden. In
diesem Sinn lässt der Kaiser in Wien eine schleichende Slawisierung zu
und missbraucht
die Kirche und die Demokratie für seine Zwecke. Die Börse mit einigen
erfolgreich international operierenden Juden - und der Börsencrash 1873
-
werden zu einem weiteren propagandistichen Dauerthema.
Schönerer ist zusammen mit dem
gemässigteren Lueger das grosse Vorbild
für den
jungen Adolf Hitler, dessen Vater bei der Schönerer-Bewegung in
Deutschösterreich Mitglied ist.
Mit all diesen Feindbildern wird
mit
Gefühlen "Politik" gemacht, aber
kein einziges Problem gelöst. Im Gegenteil: Die Hetze endet in der
grossen
Niederlage 1918. Gleich beide Kaiser in Berlin und Wien müssen
abdanken, und
die Slawisierung wird nun auch militärisch sanktioniert. In Deutschland
erfolgt
ab 1919 eine österreichisch-deutsche Propaganda, die man nur noch
abzuschreiben
braucht. Die Details sind ein Lehrstück der Geschichte und sollten sich
1945
noch schlimmer wiederholen...
Michael Palomino
1998 / 2005
Chronologie
1348
Gründung
der Universität Prag
Schnee:
die
"älteste Hochschule auf volksdeutschem Boden" (Schnee, S.13).
[und Tschechen sollen
zweitklassige
Menschen sein...]
1807
Der Vater
Matthias
Schönerer:
Eisenbahningenieur
Geburt
von Matthias
Schönerer (1807-1881), Vater von Georg Schönerer. Matthias
Schönerer wird neben Franz Xaver Riepl
(Steir) und Franz Anton Ritter von Gerstner
(Sudetenland) einer der grossen
Eisenbahningenieure. Als Gerstner nach Russland
geht, leitet Matthias Schönerer selber den Bau der Eisenbahnlinien
--
Budweis -
Linz
-- Linz -
Gmunden.
Vater
Matthias Schönerer erstellt Gutachten für die zu bauende Strecke Pressburg-Tyrnau. Er Schönerer steht
auch an der Spitze der technischen Abteilung für den Bau der Linie Wien-Raab (ung. Györ).
Der
Triumph
von Matthias Schönerer ist der Import der "amerikanischen"
Lokomotive "Philadelphia" aus den "USA" nach Wien.
Auslandreisen
bringen ihm zusätzlich neue Erfahrungen für die Strecke Wien-Gloggnitz,
mit neu angewandten
langen Steigungsstrecken von 1 zu 130. Bei Gumpoldskirchen
lässt er den ersten Eisenbahntunnel Österreichs bauen (Schnee,
S.4-5).
ab 1815
Antisemitismus
nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon: Studentenschaften
Wiener Studentenschaften sind schon seit
den
Befreiungskriegen zu
einem grossen Teil bewusst antisemitisch ausgerichtet, später mit engem
Bezug
zu Schönerer (Schnee, S.23).
4.3. 1836
Bau
der Nordbahn
Das jüdische
Haus Rothschild erhält mit Hilfe von Metternich
die Konzession zum Bau und
Vertrieb der "Nordbahn" / "Kaiser-Ferdinand-Bahn", die Wien
mit den "Ostprovinzen" verbindet. Matthias Schönerer ist mitbeteiligt.
Ab der
Eröffnung der Bahn 1836 kassiert Rothschild
ungeheure Gewinne. Das Privileg wird ihm für 50 Jahre gewährt (Schnee,
S.20-21)
[und entsprechend wächst der Neid
in
der durchschnittlichen deutschen
Bevölkerung: Rothschild dient als Zielscheibe für pauschale
antisemitische
Reden].
1840
Antisemitismus
bei Komponist Dingelstedt
Dingelstedt
komponiert die "Lieder eines kosmopolitischen
Nachtwächters", die von allen
alldeutschen Parteien später gern zitiert werden, und die konsequent
pauschal gegen das Judentum hetzen, indem Judenviertel und
"Chritenviertel" unterschieden werden und Juden als das "Lieblingsvolk"
des "Herrn" dargestellt werden (Schnee, S.23).
1842
Geburt
von Georg Schönerer
(Tod 1921)
(Schnee,
S.3).
1848
Gründung des
"Deutschland von
Frankfurt"
(Rudolf, S.26)
-- mit Einführung des
Liberalismus
-- der
Liberalismus ist vor allem in Österreich mit dem Judentum
verbunden und
deren Emanzipation
-- dieser
"Liberalismus" heisst auch Börsenspekulation in Verbindung
mit Korruption, vor allem in Wien (Schnee, S.9).
Die
antisemitischen
Bewegungen nach der
Judenemanzipation werden in Österreich und später im Zweiten Reich sehr
stark
(Schnee, S.9?).
[Aber:
-- die
beiden
Kaiserhöfe sind nicht bereit, sich mit dem Antisemitismus
und seinen Ursachen auseinanderzusetzen
-- die
Kaiserhöfe sind auch nicht bereit, den Antisemitismus der
Kirchen und in der Bibel zu verbieten].
ab 1848
Liberalismus
in Wien: Neue jüdische Zeitungen
Ab 1848 erfolgen
in Wien zahlreiche
neue Zeitungsgründungen von eingewanderten Juden. Sofort entsteht das
Wort
"Judenpresse". Schnee beklagt, dass an "nahezu allen Zeitungen seit
1848" Juden "in ganz hervorragender Weise beteiligt" waren (Schnee,
S.31).
[Der Kaiser spielt eine
wesentliche
Rolle bei seinen Manövern gegen die
Deutschösterreicher, wie später noch ersichtlich wird].
1848/49
Das
Revolutionsjahr
Matthias
Schönerer leitet
im Revolutionsjahr
1848/49 die grossen Militärtransporte nach Ungarn und Italien und ist
dem Staat
somit für sein Überleben behilflich. Sein Sohn Georg sollte später aber
gegen
den Staat agieren (Schnee, S.5).
1849
Die
Kindheit von Georg Schönerer (ab 1860 trägt die Familie einen
"Ritter"-Titel)
-- Schule in
Wien 1849-56
-- dann
Handelsausbildung im "Zweiten Reich"
oo auf
der Lehranstalt von Dr.
Kraus in Dresden
oo auf
der Handelslehranstalt in
Dresden
--
Ausbildung
zum Landwirt:
oo Praxis
in Tübingen
oo Studium
1861-63 auf der
landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim bei
Stuttgart.
Diese
Zeit
ist die Zeit der Grundsteinlegung von Georg Schönerers
alldeutscher
Gesinnung (Schnee, S.6).
[Die genauen Vorkommnisse bleiben
im
Dunkeln].
1850
Richard
Wagner: Schrift "Über das Judentum in der Musik"
Wagner weist
pauschalisierend auf
eine angeblich rassisch
bedingte Andersartigkeit des jüdischen musikalischen Empfindens und
Gestaltens
hin (Schnee, S.23).
[Es ist nicht verständlich, wieso
Richard Wagner bis heute nicht
verboten ist, wenn man auch die späteren Geschehnisse betrachtet...]
1850 ca.
Orden
für Vater Matthias Schönerer
-- Matthias
Schönerer beteiligt
sich weiter am Bau von Eisenbahnstrecken: Wien-Gmünd-Prag
--
Matthias
Schönerer erhält den "hohen Orden der Eisernen Krone."
(Schnee, S.5)
1859
Weitere
Judenemanzipation
Die Juden
erreichen in der k.u.k.-Monarchie die Aufhebung des Verbots,
christliche Dienstboten
halten
zu dürfen (Schnee, S.24).
Österreichisch-preussischer Krieg
Erste Schlacht um die
Vorherrschaft
zwischen Österreich und Preussen.
(Rudolf, S.26)
1860
Ritterstand
für Matthias Schönerer
Am 21. November
1860 wird Matthias
Schönerer mit seiner Familie in den erblichen Ritterstand erhoben und
arbeitet
im Verwaltungsrat der kaiserlichen Elisabethen-Bahn.
Matthias
Schönerer wird vermögend und kann Schloss und Gut Rosenau
im niederösterreichischen Waldviertel erwerben, kann
sich auch das Leben eines adeligen
Gutsherrn leisten (Schnee, S.5).
1861
Heinrich
Nordmann:
Schrift "Die
Juden und der deutsche Staat"
Nordmann
schildert eine
"politische
Gefahr" der Judenemanzipation (Schnee, S.23).
[Dabei erwähnt Nordmann nicht,
dass
es der Kaiser in Wien ist, der die
Manöver gegen die Deutschösterreicher steuert].
1862
Juden in der österreichischen Armee
In der
Armee
dienen bereits
600 jüdische
Offiziere und Ärzte (Schnee, S.24).
1863-65
Schönerer
in Ungarn
Georg
Schönerer führt
seine
Ausbildung in Ungarisch-Altenburg
weiter. Er entwickelt eine Abneigung gegen die ungarische Mentalität,
macht
Erfahrung mit "rücksichtslos unterdrückendem Magyarentum" (Schnee, S.6).
[Nähere Umstände bleiben im
Dunkeln].
1865-67
Schönerer
in Böhmen und Mähren
Schönerer
arbeitet als
praktischer Landwirt auf Grossgütern in Böhmen und Mähren. Dabei erlebt
er die
entscheidende kriegerische Auseinandersetzung in Königgrätz
zwischen der preussischen und der österreichischen
Armee:
-- er
erlebt
direkt das preussische Offizierskorps
-- er
sieht
im preussischen Offizierskorps die Verkörperung des
Preussentums
und Deutschtums zugleich
-- das
Erlebte hinterlässt eine
nachhaltige Wirkung, Schönerer entwickelt eine Vorliebe für das
Preussentum,
was ihm später als "Preussenseuchelei" vorgehalten und gebrandmarkt
wird (Schnee, S.7).
1866
Krieg zwischen Preussen und
Österreich
und Schlacht bei Königgrätz
Es
ist die zweite Schlacht um die Vorherrschaft zwischen
Österreich und
Preussen im Deutschland von Frankfurt 1848. Die habsburgischen
Bestrebungen,
die Vorherrschaft in Deutschland zu behaupten, finden ein jähes Ende.
Auch das bisher allmächtige
feudal-klerikale Staatssystem dankt ab
(Rudolf,
S.26).
ab 1866
Liberalismus in Österreich-Ungarn
In
der Monarchie wird der "Liberalismus" mit seinen
"jüdisch-freisinnig-manchesterlich eingestellten Grundsätzen"
erlaubt.
Die Deutschnationalen in
Österreich
fühlen sich bedroht und hetzen
fortan pauschal gegen das Judentum und dessen "ungezügelte Freiheit",
ohne zu bedenken, dass die Kirche die Juden seit ca. 350 n.Chr.
konsequent verfolgt und vertrieben hat. Statt eines Mittelwegs baut
sich eine gegenseitige Hetze auf.
Auch die "jüdische Presse" in
Wien
baut ihre Propaganda gegen die
Deutschösterreicher auf:
-- Bismarckhass gehört zum guten
Ton
-- "volksdeutsche Gesinnung" gilt
als
"Preussenheuchelei"
und als "Hochverrat"
-- nationale Bewegungen werden
von
der Krone, der Regierung
und von den neuen jüdischen Institutionen (Banken, Börse und
Pressewesen)
mit allen Mitteln bekämpft und so gut es geht verboten (Rudolf,
S.26,35).
[Der Kaiser findet keinen
Mittelweg,
geschweige denn eine Lösung in
dieser
Situation. Er hat jetzt schon Angst vor den Deutschösterreichern, die
sich mit Deutschland immer mehr und mehr verbunden fühlen].
Starke
jüdische
Zuwanderung aus
Osteuropa
Aus Galizien,
der Bukowina und aus Ungarn
strömen Juden und jüdische Familien in
die deutschen Bundesländer Österreichs,
v.a. nach Wien, weil hier ja "Liberalismus" herrscht, der in Galizien,
in der Bukowina und in Ungarn scheinbar nicht vorhanden ist.
Statt
diesen
Mangel zu monieren, meint Schnee pauschal, "die Juden"
würden in Wien einwandern,
"... um sich zur Herrschaft über die
arische Bevölkerung
aufzuschwingen." (Schnee, S.22,24).
[Scheinbar ist es dem Kaiser aber
egal, dass in Galizien, in der
Bukowina und in Ungarn die Juden nicht dieselben Rechte wie in Wien
haben...].
ab 1866
Österreich-Ungarn:
Antisemitismus und Parteienstreit gegen die Börsenspekulation
Die
Deutschösterreicher bekämpfen mit Propaganda die Börse und das
emanzipierte Judentum in Deutschösterreich (Schnee,
S.25).
Dabei polarisiert die Situation
bereits jetzt in Schlagworte, die
völlig absurd
sind, und die Situation wird keineswegs besser, sondern wird immer
aufgereizter. Von "jüdischem
Betrug", "Judenherrschaft" und "Volkssaussaugung" durchc Profite ist da
die Rede (Schnee, S.25).
[Dass der Kaiser das
eigentliche Problem ist, der den Nationalismus
bekämpft, wird vor allem ab 1871 klar...]
1867-69
Schönerer
unternimmt Reisen, um Welt und
Menschen kennenzulernen
(Schnee,
S.7).
1870
"Gründerzeit" mit Börse -- und
Verarmung
Das
Volk beginnt zu verarmen. Unter der Regierung des
"liberalen
Doktoren-Ministeriums"
Giskra -
Herbst - Verstl - Hasner - Berger
beginnt die "Gründerzeit". Die
Regierungsmitglieder sind selbst Börsenbeteiligte, die "für
Schwindeldienste Trinkgelder kassieren". Die Nationalen behaupten
"Juden und
Judensprossen" würden mit Orden ausgezeichnet (Rudolf, S.26).
[Und dem Kaiser ist die Situation
scheinbar egal...]
Schönerer und Lueger
(Lueger wird später Bürgermeister von Wien)
beginnen gleichzeitig um 1870 ihre politische Laufbahn und scheiden
ungefähr
zur selben Zeit aus dem öffentlichen Leben:
--
Schönerer
bei der Wahlrechtsreform Ende 1906, durchgeführt 1907
-- Lueger
stirbt als Amtsträger 1910 (Schnee, S.3).
[Die Hetze gegen Juden ist der
falsche Ansatzpunkt. Die
Vetternwirtschaft ist
die Ursache der Misere. Und der Kaiser, der nur auf seinem Sessel
sitzt, ist
der weitere wichtige versagende Faktor. Aber diese Misere verschärft
sich
noch, und die wenigen Juden, die wirklich reich sind, unterschätzen die
Lage.
Es kann auch sein, dass die
wenigen
reichen Juden in Europa meinen,
solange kein Israel existiere, werden sie in Not geratenen Christen
keine Hilfe leisten. Die Sachlage liegt im Dunkeln].
ab
1870
Antisemitismus
von Pfarrer Josef Deckert in Wien
Deckert vertritt ein typisch "christliche"
Haltung in
einer polarisierten Situation. Für ihn bleibt auch ein getaufter "Jude"
ein
"Jude". Er fordert die Rücknahme der Judenemanzipation und die
Stellung der Juden unter Fremdenrecht. Er verbreitet die Parole:
"Kauft nur bei Christen!" Er behauptet, Juden
seien "schädlich" (Schnee,
S.26).
[Diese "christliche" Einstellung
ist
z.T. heute noch bei den
Kirchenvertretern vorhanden...].
Zeitschrift "Vaterland" von Freiherr von
Vogelsang aus
Mecklenburg
Ab den
1870-er Jahren lehrt
Vogelsang mit
seiner Zeitung einen antisemitisch angehauchten christlichen
Sozialismus
(Schnee, S.25).
Historiker
Heinrich von Treitschke redet von "Überfremdung"
Er führt einen
leidenschaftlichen
Kampf gegen die "Überfremdung". Weitere Personen, die gegen
"Überfremdung" kämpfen, sind:
-- Paul
de Lagarde
--
Eduard
von
Hartmann
-- Wilhelm Marr.
Marr gibt
gleich eine Schrift heraus "Der
Sieg des Judentums über das Germanentum" (1879). Solcher Schwachsinn
kann sich scheinbar zu dieser Zeit sehr gut verbreiten. Die bisherigen
Ausrottungsversuche an den Juden werden nicht erwähnt... (Schnee, S.23-24)
Es kommt
zu
Petitionen zum
Ausschluss der
"Juden" aus staatlichen Ämtern (Schnee, S.24).
[Mit Entlassungen wäre aber die
Vetternwirtschaft an der Börse nicht
beseitigt.
Es ist der falsche Ansatz...].
D:
Antisemitismus in Berlin
Hofprediger Adolf Stoecker
in Berlin
und die Berliner antisemitische Bewegung behaupten, die Juden
seien pauschal "Feinde des
deutschen Volkes" (Schnee, S.24).
[Dabei wird jeweils verkannt,
dass
viele Juden gar nicht reich sind,
gar nicht an der Börse sind, und auch
kaum internationale Verbindungen haben].
1870-1880 ca.
Schönerer
als Landwirt auf der Rosenau
Schönerer
ist
sehr aktiv:
-- er
macht
aus der Rosenau eine Musterwirtschaft
-- er
organisiert Weiterbildung für Bauern
-- er
gründet
die "Land- und forstwirtschaftliche Gesellschaft in Zwettl"
und ist 15 Jahre deren
Vorsitzender
-- er
hält
zahlreiche Vorträge, ist Gründer vieler Volksbüchereien und
ruft im
Waldviertel zahlreiche freiwillige Feuerwehren ins Leben.
Schönerer
verehrt - als "Wesensverwandten" - Kaiser Joseph
II. (1765-1790), denn Joseph II. war ein
"deutschgesinnter" und bauernfreundlicher Herrscher. Schönerer
bezeichnet
ihn als
"Volkskaiser" und errichtet für ihn Gedenktafeln mit dem
"Volkskaiser" am Pfluge (Schnee, S.7).
Schönerer
wird im
Waldviertel zur sehr
beliebten Persönlichkeit und wird Ehrenbürger von Zwettl. Seine Gegner
nennen
ihn spöttisch den "Herrgott von Zwettl"
(Schnee, S.8).
1871
Antisemitismus
von "Professor" August Rohling: Schrift: "Der Talmudjude"
Rohling ist ein
aus Westfalen stammender Prager
Universitäts-"Professor" und schildert:
-- der
Geist
des Judentums sei erfüllt vom tödlichen Hass gegen das
Christentum
-- man
solle
die Juden aus dem politischen und bürgerlichen Leben
verbannen
-- wenn
das
nicht gelinge, so soll man sie aus dem Land verbannen, denn
das
Land solle den Nachkommen überlassen werden und nicht den "Juden" in
die Hände fallen, den "Piraten des Menschengeschlechts".
Die
propagandamässige Situation steigert sich also auf beiden Seiten
hoch. Rohlings "Talmudjude" wird die erfolgreichste antisemitische
Kampfschrift mit einer Auflage von 200'000 Stück mit Übersetzung in
viele
andere Sprachen (Schnee, S.25-26).
Handelsminister
Dr. Schäffle beklagt
sich über Vorfälle im Wirtschaftsleben in Österreich: Es gäbe "Diebe,
die
auch noch belohnt werden" (Rudolf, S.26).
[Der Kaiser scheint im
Hintergrund
gewisse "Fäden" zu ziehen, ohne dass
gegen den Kaiser direkt vorgegangen wird...]
Und nun kommt ein entscheidendes
Ereignis für die seelische
Konstitution der Deutschösterreicher:
1871
[Deutscher Sieg gegen Frankreich -
Anschlusswille und Blockade des Kaisers in Wien
Ab
diesem Sieg und ab der Gründung des Zweiten Deutschen
Kaiserreiches
werden die Anschlussbemühungen in Deutschösterreich immer stärker. Der
Kaiser
in Wien ist aber gegen jeden Anschluss, weil er sich dem Kaiser von
Berlin
unterwerfen müsste. Die Situation eskaliert derart, dass 1918 gleich
beide
Kaiser verschwinden müssen und jeweils auch keine konstitutionelle
Monarchie
mehr geduldet wird...
Solche tragisch-tollpatschigen
Konstellationen kommen in der
Geschichte leider
immer wieder vor...].
Zwei Jahre später kommrt die
Konsequenz aus der Vetternwirtschaft:
9.5.1873
Börsencrash: Schwarzer Freitag in
Wien
9.Mai 1873
Nach überrissener weltweiter
Spekulation kommt es zum
Börsenzusammenbruch in Wien, dann auf der ganzen Welt.
Hunderte "der Betrogenen" in der k.u.k.-Monarchie begehen Selbstmord,
10'000e Existenzen
werden vernichtet. Gewinner des Börsencrashs sind nach Rudolf:
"die Börsianer, die korrupten
jüdischen Börsianer, die Abgeordneten,
die
Herrenhausmitglieder, die Aristokraten, die Erzherzoge, die sich alle
am Volk
bereicherten." (Rudolf, S.27)
[Die Vetternwirtschaft hat
gewonnen.
Unter den Verlierern dürften aber
auch viele
Juden gewesen sein. Die
Propaganda kümmert das aber nicht].
Die Propaganda behauptet, das
Ministerium der Wiener Regierung sei mit
drei "Vollblutjuden" besetzt. Der jüdische Justizminister
Glaser
untersagt den Staatsanwaltschaften ausdrücklich, gegen
"die Betrüger" der Vetternwirtschaft vorzugehen oder zu klagen (Rudolf,
S.27).
[Hier bleibt nun die
Vetternwirtschaft absolut unter sich].
In Wien entwickelt sich nach dem
Börsencrash ein pauschaler Hass gegen
das "Judentum", in der Stadt wie auf dem Land. Die Propaganda
unterscheidet ein "jüdisches Wesen" gegenüber einem deutschen
"gesunden, bodenständigen Volk".
[Dass die Kirche die
Hauptträgerin
von Antisemitismus ist, wird dabei
übersehen...].
Auch ein
liberaler Kommentar hat antisemitische Tendenzen, wenn der
erzliberale
Feuilletonist Ferdinand Kürnberger
schreibt:
"Nie hat ein schöneres Gewitter eine
verpestete Luft
gereinigt." (Schnee, S.25)
[Nur: Eine Lösung der Situation
gibt
auch dieser Ausspruch nicht...]
ab 9.5.1873
Banksanierungen nach dem Crash -
keine
Hilfe für das Volk
Für
Banken, die Opfer ihrer eigenen Spekulation und der
Vetternwirtschaft
geworden sind, werden aus Staatsmitteln 80 Millionen Gulden zur
Verfügung
gestellt, um so rasch wie möglich den "Korruptionssumpf" zu
kaschieren. Das Volk aber geht leer aus und bekommt für seine
erlittenen
Verluste keine Hilfe (Rudolf, S.27).
[Hier wäre schon die Gelegenheit,
das
"christliche" Kaiserhaus zu
stürzen. Dieser Sturz bleibt aber aus!]
14.10.1873
Auftreten und Wahl Schönerers als
Reaktion auf den Börsencrash
Als Folge
des
Börsenkrachs
wird Schönerer aus dem Waldviertel in
Niederösterreich als freiheitlich gesinnter Abgeordneter des
Landgemeindebezirks Zwettl ohne
Partei nach Wien ins Parlament
(Reichsrat) gewählt, als
"einziger nationaler Führer
Österreichs."
Motto Schönerers: Die ehrliche
Arbeit
soll dem mobilen Kapital und der
Herrschaft der "semitischen Phrase" entgegengestellt werden. 100'000e
von Deutschösterreichern preisen und ehren ihn "wie einen Erlöser aus
tiefster Not, wie einen Erwecker zum besseren Leben".
[und der Kaiser in Wien tut immer
noch nichts; gleichzeitig muss
festgestellt
werden, dass Schönerer eigentlich kaum etwas erreicht. Die Börse
spekuliert
einfach weiter, und die jüdisch geleitete Presse -- und wahrscheinlich
auch die nicht-jüdisch geleitete Presse -- schiessen sich auf ihn ein].
Schönerer
im Wiener Parlament
Er
schliesst
sich zuerst
den Liberalen an,
die bis 1879 beherrschenden Einfluss in der österreichischen
Reichshälfte
ausüben (Schnee, S.8).
Untergruppen
der Liberalen:
-- die "Verfassungstreuen"
mit dem liberalen Prinzip im Vordergrund
-- der "Fortschrittsklub":
57 jüngere, aktivere Abgeordnete (Schnee, S.8).
Schönerer im
"Fortschrittsklub"
- die Nationalitätenfrage
-- er
behandelt v.a. landwirtschaftliche Fragen
--
Schönerer
fühlt bald, dass er woanders hingehört
-- das
liberale Programm geht auf Vereinigung verschiedener
Nationalitäten aus,
was dem Nationalismus der anderen Staaten innerhalb der Monarchie
widerspricht
und so dauernden Nationalitätenkonflikt im Parlament verursacht:. Die
Politik in
Österreich widerspricht sich selbst (Schnee, S.9).
[Mit dieser Verweigerung der
nationalen Identitätsfindung haben auch
alle anderen Bevölkerungen zu kämpfen: Tschechen, Ungarn, Slowaken,
Polen etc., die alle gegen den Kaiser politisieren].
Schlagworte
Schönerers
-- alles "Deutschfeindliche"
werde
"begönnert"
-- die "Schwarze Internationale"
sei
eine geschichtliche Stütze des
Staates
-- die "Rote Internationale" sei
ein
vom Staat gelegentlich
gefördertes Element
-- und die "jüdischen Banken"
seien
die "goldene
Juden-Internationale" (Rudolf, S.29).
[und die Monarchie von
Österreich-Ungarn lässt solche destruktiven
Formulierungen
in der Öffentlichkeit zu. Vielleicht, weil die Vetternwirtschaft
dadurch nicht
gefährdet wird?].
Schmähungen
gegen
Schönerer
Die Gegner Schönerers verlachen
und
verschmähen ihn, verleumden und
verfolgen
ihn. Gleichzeitig wird er mit Schmeicheleien und Versprechungen
geködert.
Schönerer jedoch bleibt sich selbst treu und geht seinen geraden Weg,
denn
er
sieht den Staat Österreich seinem selbst geschaufelten Grab
entgegenwanken
(Rudolf, S.27-28).
[Nur sind Schlagwörter kein
Mittel
zur Behebung des Problems].
Ziele von Schönerer
-- das Deutschbewusstsein im
deutschen Ostmarkvolk soll gestärkt
werden,
"das unter den Auswirkungen von 1866 so gut wie erstorben war"
-- das Deutschbewusstsein soll
zur
"heiligen Flamme" angefacht werden
-- dem deutschfeindlichen
schwarz-gelben "Österreichertum" soll
entgegengetreten werden
-- Österreich soll mit dem
Deutschen
Reich vereint werden:
"Das uns Deutschösterreichern
vorgesteckte Ziel ist die endliche
Vereinigung mit Deutschland." (Rudolf, S.30)
1873-1876
Schönerer als Volkstribun nach der
Wahl
von 1873
-- Schönerer hält Versammlungen
in
Städten und auf dem Land ab: "Kein
Dorf
war ihm zu klein oder zu abgelegen"
-- Schönerer ist gemäss Rudolf
ein
"Volksredner von Gottes Gnaden"
-- Schönerer bezeichnet die
liberale
Partei als "parlamentarische
Verderbnis"
-- Schönerer regt sich über die
Vetternwirtschaft der Wiener
Staatsregierung
auf: Dies sei politisches Zuhältertum im "Hohen Hause"
-- Schönerer bezeichnet das
Parlament
als "Diätenvertilgungsmaschine"
(Rudolf, S.30).
[Es ist offensichtlich, dass der
Sturz des Kaisers in Wien von allen
Volksgruppen gewünscht wird. Aber der aktive Sturz zur Lösung deer
Situation wird nie in Angriff genommen...].
1877
Januar 1877 / "Anfang des Jahres"
Schönerers
Mandatsniederlegung
Schönerer legt
sein Mandat in
Wien nieder, weil er die Korruption in Wien nicht mehr mit ansehen
kann. Er
wird aber bald als unabhängiger Abgeordneter wiedergewählt (Schnee, S.9).
Schönerer
appelliert immer
wieder, in das
stammesverwandte Deutsche Reich hinauszublicken (Schnee, S.10).
[Scheinbar herrscht dort weniger
Korruption und Vetternwirtschaft?
Dafür
herrscht dort der Preussendrill].
Wiederwahl
Schönerers in Zwettl für das Parlament in Wien
Schönerer wird
von seinen
Waldviertler Wählern mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt, was
vom
einstigen Innenminister und Ministerpräsidenten Taaffe
als "ein höchst bedauerlicher Skandal" bezeichnet
wird. Schönerer nimmt den Kampf gegen "Verwahrlosung und Verderbnis"
erneut auf mit dem Schlachtruf:
"National sein heisst, sein Stammesvolk lieben über alles
in der
Welt!" (Rudolf, S.32)
[Hier ist ein Grundübel der
k.u.k.-Monarchie zu sehen: Die
Bevölkerungen fühlen
sich vom Kaiser nicht geliebt,
weil er nur noch versucht, mit Manövern sich auf dem Sessel zu
halten...].
Schönerer
kämpft gegen
"alle
Schädlinge" des deutschösterreichischen Volkes zugleich:
-- gegen
die
Krone
-- gegen
die
Regierung
-- gegen
das
korrupte Parlament
-- gegen
"Gesetzesbruch und Vergewaltigung"
-- gegen
"die
Klerikalen"
-- gegen
"das
Geldjudentum als Träger der Spekulation und Korruption"
-- und
gegen
"die jüdische Presse" in Wien, die er als so genannte
"Siebte Grossmacht" bezeichnet (Rudolf,
S.32)
[Schönerer übernimmt sich dabei
völlig, denn er kommt nur noch mehr
unter
Beschuss, aber die Bevölkerung in Deutschösterreich hält in grossen
Teilen zu
ihm als "Hoffnungsträger"].
Die geistige
Verirrung in
Deutschösterreich
Schönerer meint, mit "Nationalem
Antisemitismus" sei die
"Bewahrung des Volkstums" möglich. Dabei gebraucht er alle möglichen
Schimpfworte wie "Presse", "Unterwühler", "Rasseneigentümlichkeit".
Antisemitismus
ist bei
Schönerer der
Ausdruck des "Nationalgefühls":
"Unser nationaler Antisemitismus ist nicht
das Erzeugnis
konfessioneller Unduldsamkeit, vielmehr ein unzweideutiger Ausdruck
eines im
Selbstgefühl erstarkenden Volkes, eines sich kräftig äussernden
Nationalgefühls."
[Schönerer meint also irrtümlich,
Antisemitismus sei ein Ausdruck von
Nationalismus...].
Schönerers
behauptet
eine "Verjudung" und prophezeit eine Rache an den Juden voraus und ist
nicht imstande, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Reden
von ihm enden z.B. so:
"Unser Wahlspruch lautet daher:
Nicht liberal, nicht klerikal,
sondern national!" (Rudolf, S.32-33)
Schönerer:
"Wir Nationalen betrachten den
Antisemitismus als einen
Grundpfeiler des nationalen Gedankens..." (Rudolf, S.34)
[und solche Worte waren in der
Monarchie Österreich-Ungarn erlaubt. Wie
ist da
die Lebenseinstellung des Kaisers zu beurteilen?]
1878
Gründung
der
Zeitung "Bote
aus dem Waldviertel"
ist Schönerers
Zeitung, erscheint
2 mal monatlich, bis zu seinem Tod 1922 (Schnee, S.45).
18.12.1878
Appell
Schönerers
im Parlament
in Wien für den "Anschluss"
"Immer mehr und mehr, immer
lauter
und lauter hört man in den deutschen
Kronländern Österreichs den Ruf: Wenn wir nur schon zum Deutschen Reich
gehören
würden! Denn im Staate Österreichs ist nun mehr schon beinahe alles
faul!"
(Schnee,
S.10, Rudolf,
S.40)
1879
Zweikaiserbündnis
Deutsches Reich - Österreich
Es kommt zu Bündnisverhandlungen zwischen Bismarck und
dem
österreichischen Aussenminister Graf
Julius
Andrassy. Bismarck schlägt ein
öffentliches, verfassungsmässiges Bündnis vor, das durch Mitwirkung
aller
konstitutionellen Faktoren zustandekommen soll: durch Zustimmung aller
Kammern
im Reich und in Österreich.
Die
ungarischen
(Aussenminister Andrassy) und die tschechischen
Vertreter lassen die Pläne von Schönerer und Bismarck jedoch nicht zu.
Die von
ungarischen Juden angeblich gesteuerte Wiener Presse fürchtet
beim
Bündnis mit dem Reich zudem um Einflussrückgang [gegenüber Berlin].
Schnee
über
das Verhältnis
der Nationen in
Wien: Lueger und Schönerer bekämpften
die
"Judäo-Magyaren, wo sie nur konnten" (Schnee, S.15)
[und umgekehrt bekämpfte die
Presse
die Deutschösterreicher
wahrscheinlich ebenfalls, und dem Kaiser scheint es recht zu sein].
ab 1879
Schönerers
eigenes Programm
Schönerer
entwickelt sein eigenes nationalistisches Programm:
-- gegen
das
bewegliche Kapital
-- gegen
die
reichen Juden [das sind einige wenige]
-- für
die
ehrliche Arbeit.
Schönerer
ist
überzeugt, dass "die Deutschen in Österreich" vom
Kaiserhaus der Habsburger keine Hilfe mehr zu erwarten haben (Schnee, S.10-11,
39).
1879-1885
Die
"Zweimännerpartei" Schönerer - Fürnkranz
Schönerer bildet
mit seinem
Parteigenossen Fürnkranz
(Abgeordneter des Bezirks Krems-Horn)
die "Zweimännerpartei" im Parlament in Wien. Schönerer
gilt als "bewusst deutscher Politiker".
Schönerer
unterscheidet sich von anderen Politikern: Er denkt nicht in
Wahlperioden, sondern in Generationen. Im Charakter ist er unerbittlich
gegen
Untreue. Er verlangt dabei von seinen Parteimitgliedern
--
Reinhaltung der Grundsätze
--
persönlich
reine Hände (Schnee, S.11;
Rudolf, S.107, 110).
1879-1893
Ministerpräsident
Graf Taaffe: "Slawisierung" und die Repressionen gegen die
"Nationalen"
Eduard Graf von
Taaffe wird für 14
Jahre Ministerpräsident in Wien. Er stammt aus irischem Geschlecht und
ist ein
Jugendfreund von Kaiser Franz-Joseph.
14 Jahre lang sollte er "zum Schaden Deutsch Österreichs regieren und
die
Völkerschaften gegeneinander ausspielen" (Rudolf).
[Eine
solch
unverantwortliche Politik wird mit Frustreaktionen ihre
Folgen haben, nicht nur gegen Juden, sondern auch Tschechen gegen
Deutschösterreicher, Deutschösterreicher gegen Jugoslawen etc. Es
bleiben alle nationalen Anliegen weitere 40 Jahre lang ungelöst...].
Diese
Zeit
mit Taaffe als
Ministerpräsident wird auch Periode des
"Eisernen Rings" genannt:
Mit Slawen und Deutsch-Klerikalen macht die Regierung Taaffe
in Wien Politik gegen "die Deutschen", gemäss Rudolf die "Schöpfer
und Träger des Habsburgerstaates".
-- Taaffe
betreibt die Annäherung an Frankreich
und Russland
-- Taaffe
betreibt die Abwendung vom Bündnis mit Deutschland
-- und er
betreibt den radikalen Abbau des deutschen Einflusses in
Österreich.
Es
ist der Beginn
der "Slawisierung". Die Liberalen gehen am Ende
zusammen
mit den "nationalbewussten deutschen Abgeordneten" in die Opposition.
Taaffe
schöpft alle Möglichkeiten des Staates gegen die "Nationalen"
in Österreich aus:
--
jegliche
Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit wird
eingeschränkt
-- Taaffe
führt eine "Knebelungspolitik", um den nationalen Gedanken
[und den Gedanken an einen "Anschluss] "niederzustampfen" (Rudolf).
Die
Positionen sind völlig polarisiert. Taaffe meint, den Nationalismus
durch
Zwangsbündnisse unterdrücken zu können.
Die
Gegenwehr
der Nationalen und die "Aktionen" des Staatsapparates
unter Taaffe werden geschildert im Buch von Eduard Pichl:
"Georg Schönerer und die Entwicklung des
Alldeutschtums in der Ostmark":
-- schon
beim
blossen Verdacht von Äusserungen gegen die Regierung
werden Verhaftungen und Anklagen vorgenommen
--
Schriften
und Telegramme werden beschlagnahmt und zensiert
-- Feste
von
Vereinen, die Juden ausschliessen, werden verboten
-- Fahnen (preussisch: schwarz-weiss-rot,
deutsch:
schwarz-rot-gold) und
Lieder ("Heil dir im Siegeskranz", "Wacht am Rhein") und
Statuen (der Germania, Bismarcks,
des
Niederwald-Denkmals) werden verboten
--
Nationale
und Antisemiten werden als Kriminelle verfolgt
--
nationale
Zeitungen werden zensiert
--
nationale
Symbole wie Kornblume, das Heben der Hände,
Schönerer-Bilder oder
Gedichtbesitz werden verfolgt und mit Geld- bis Kerkerstrafe gebüsst
-- bei
Wachebeleidigung wird exemplarisch bestraft
--
Verfolgungen an Schülern bis zu Schulausschlüssen [da ist Adolf
Hitler
darunter]
-- die
Kirche
schildert die Ziele von Schönerer als "verderblich"
--
Gemeindevorstehern wird vom Bezirkshauptmann mit Nachteilen gedroht,
falls
sie noch einmal Schönerer wählen würden
--
Gewerbetreibenden, die im Verdacht stehen, Schönerer zu wählen,
werden
öffentliche Lieferungen entzogen und sonstige Kunden abwegig gemacht
[auch wenn
keine Beweise vorliegen...]
--
Angehörige
von freien Berufen werden eingeschüchtert
-- die
Briefzensur blüht und Detektive werden eingesetzt wie zur
"absolutistischen Zeit Metternichs
und Sedlnitzkys" (Schnee, S.10,
Rudolf, S.35-36, 38-39 64-65).
[Es wird alles verboten, was in
Richtung eines nationalen Anschlusses
an Deutschland hinzeigen würde. Das
Protestpotential wird gleichzeitig unerbittlich und richtet sich dabei
auch
sündenbockmässig
gegen "die Juden". Die Psychologie weiss von diesen Zusammenhängen,
v.a. Machiavelli hat genau geschrieben, wie man eine Macht behält. Ob
der Kaiser nach Machiavelli gehandelt hat, liegt im Dunkeln].
ab 1879
Deutschösterreich:
Antisemitismus wird zur "nationalen Aufgabe"
Beispiele:
-- die
Gauleitung der Turnvereine empfiehlt, bei der Aufnahme von
Mitgliedern,
auf echte deutsche Stammeszugehörigkeit streng Rücksicht zu nehmen
-- es
werden
antisemitische Schriften gedruckt
--
Schönerer
erfindet immer neue Losungen gegen das "Judentum" und
beklagt eine "Judentyrannei", ohne seinen eigenen Terror zu bemerken... (Rudolf, S.36).
Schönerer wird
von seinen
Anhängern zum "St. Georg"
auf dem Pferd hochstilisiert. Die Jüdische Presse spottet über
Schönerer als
ein "St. Georg von Zwettl" (Rudolf,
S.40).
[Es erscheint fragwürdig, wieso
der
Kaiser nicht gestürzt wird, wenn so
viele Völkergruppen - nicht nur die Deutschösterreicher - gegen ihn
eingestellt sind].
Werbung
für Schönerer und Antisemitismus in der Jugend
Auch in Schulen
wird nationale
Propaganda gemacht. Der Jugend wird Mut zugesprochen, sich zur eigenen
Nation
zu bekennen und Schulausschlüsse in Kauf zu nehmen.
Rudolf:
"Man suchte also vor allem der für
Schönerers ideale Ziele
begeisterten Jugend nachdrücklich klarzumachen, dass das Bekenntnis für
ihn mit
dem Wunsche nach einer gesicherten Lebensstellung unvereinbar sei."
(Rudolf, S.39)
[In einer
solchen Schule,
wo die nationale
Propaganda verbreitet wurde, war Adolf Hitler. Hier findet Hitlers
Prägung statt...].
1880
Eugen Dühring:
Schrift: "Die
Judenfrage als Rassen-, Sitten- und
Kulturfrage"
(Schnee,
S.23)
Gesellschaftsgründung
der "Gesellschaft zum Schutze des Handwerks"
-- Gründung von Karl von
Zerboni
--
antisemitisch argumentierend
-- nach
wenigen Jahren erfolgt die Umwandlung in den "Österreichischen
Reformverein".
Schönerer
ist
Mitglied. Später geht der Verein in das Lager von Lueger
(Schnee, S.27).
ab
1880
Karl
von Zerboni, ein
Ex-Offizier", gründet das antisemitische
Kampfblatt des antisemitischen Reformvereins "Österreichischer
Volksfreund" (Schnee, S.26). Schönerer wird
Leiter der
deutschen und antisemitischen "Einheitsbewegung" in
Deutschösterreich. u.a. mit dem Argument "Reinheit" (Schnee,
S.VIII).
Innerhalb der Parteien entwickeln
sich Lueger und Schönerer
unterschiedlich. Lueger
trennt sich von den Liberalen, weil diese ihm nicht sozial genug
handeln und
gründet später die Christlichsoziale Partei. Schönerer
trennt sich ebenfalls
von den Liberalen, weil die Liberalen ihm nicht national genug
erscheinen.
Er wird
zum deutschnationalen, später zum alldeutschen Parteiführer (Schnee, S.9).
Schönerer
sieht in seinen Reden Ende 70-er/Anfangs 80-er Jahre das
deutsche Volk als "Einheit" und appelliert daran, "sich als Deutsche
und nicht als Österreicher
zu
fühlen". Mit seinen Appellen erntet er den Hass der liberal-jüdischen
Presse in
Wien,
jedoch das Lob von Studenten (Schnee,
S.12).
Die
Industrie für nationale Symbole
Auf die
Produktion von nationalen
Symbolen und antisemitischen Agitationsgegenständen baut sich in
Österreich für
die nationalen Parteien nach und nach eine ganze Industrie auf. Es
werden
hergestellt:
--
Siegelmarken mit entsprechenden Aufschriften
--
Klebstreifen
--
Handzettel
--
Zigarrenspitzen (Rudolf, S.61).
Antisemitismus
auch in Bismarcks Deutschland
Zur gleichen
Zeit der
Volksbewegung in Österreich beginnt Liebermann
von Sonnenberg in Deutschland mit der Gründung "Deutsch-sozialer
Vereine" als Kampforganisation gegen "das Judentum" (Schnee, S.24).
[Dabei gibt es viele Juden, denen
es
nicht viel besser geht als den
Deutschösterreichern oder den Deutschen. Jegliche Hetze geht an den
Problemen vorbei...].
"Slawisierung"
im Klerus - "Los-von-Rom-Bewegung"
(Schnee, S.60-62)
Die
Formel
"Los von Rom" ist ein alter Ruf der
Revolutionstage
von 1848. Mit demselben Ruf beginnen sich Leute in Deutschösterreich
zusammenzufinden, um gegen slawische Seelsorger in
deutsch-österreichischen
Gemeinden zu protestieren:
Die
Zustände
kommen aber nicht von Ungefähr. Die "Slawisierung" im
Klerus findet statt, weil
-- die
deutsche Bevölkerung der k.u.k.-Monarchie nicht mehr genügend
Nachwuchs für den geistlichen
Stand
stellt
-- bei
den
Deutschösterreichern der Geburtenüberschuss geringer ist als
bei den
anderen Völkern der Monarchie
--
die
höchsten
kirchlichen
Stellen werden in Deutschösterreich noch vielfach vom Adel besetzt,
womit noch
weniger deutsche Besetzungen möglich werden.
[Es wären
also auch Umstrukturierungen beim gesamten Klerus in
Deutschösterreich
nötig].
Die
Umstände
begünstigen den slawischen Nachwuchs in jeder Weise, denn
viele
Slawen drängen in den geistlichen Stand, weil sie dadurch auf einen
gesellschaftlichen Aufstieg hoffen. Somit kommen slawische Seelsorger
wie auch
polnische und windische (=slowenische) Priester in rein
deutschsprachige
Gebiete und betätigen sich dort ihrerseits als Nationalisten.
Die Geistlichen ziehen Familien
und
Angestellte nach, und so kommt es
zur
"Slawisierung" deutschsprachiger Ortschaften, ohne dass die Regierungen
bzw. der Kaiser etwas an
diesen Zuständen ändern würden.
[Die "slawischen" Staaten der
Tschechen, Slowaken und Slowenen
beginnen gleichzeitig von einer Vernichtung der Deutschösterreicher zu
träumen,
von einer Landbrücke zwischen den "slawischen" Staaten].
19.4.1880
Sprachenverordnung
von Ministerpräsident Taaffe - der Unterrichtsminister Dr. von Stremayr
für
Böhmen
Deutsch
wird
als "Verbindungssprache" der Behörden aufgehoben. Es
ergeht die Verpflichtung an die staatlichen Behörden, "alle
Erledigungen
in jener Landessprache auszufertigen, in der das mündliche oder
schriftliche
Ersuchen der Partei eingebracht war".
Folgen:
Mit der
"Sprachenpflicht können sich auch die slawischen Sprachen
behaupten. Es kommt aber noch schlimmer für die Deutschösterreicher:
Viele
zweisprachige tschechische Beamte kommen in deutsche Städte und
"erschüttern die bisher ausschliessliche Geltung des Deutschen als
innere
Amtssprache".
Die
Gegenreaktion in deutschnationalen Bewegungen lässt nicht auf sich
warten
(Schnee, S.13).
[Und trotz aller Konflikte hällt
der
Kaiser an seiner unmöglichen
"Monarchie" fest...]
2.7.1880
1880
gründen
besorgte Deutschösterreicher in Wien gegen die
Slawisierung den "Deutschen Schulverein" mit einem Anfangsbestand von
3000 Mitgliedern. 1884 sind es bereits 90'000 Mitglieder. Schönerer
arbeitet im
Aufsichtsrat des Schulvereins entscheidend mit, gibt auch finanzielle
Unterstützung (Schnee, S.11).
Schönerer
leistet auch
immer
wieder Hilfen an
andere nationale Organisationen
(Schnee,
S.12).
[In der heutigen einseitigen
Geschichtsschreibung wird die Slawisierung
meistens
unterschlagen und die Gründung nationaler Schulvereine meist als Akt
gegen das Judentum dargestellt.
Und: Scheinbar haben aber die
nationalen Organisationen der
verschiedenen
Länder
miteinander keinen Kontakt aufgenommen, um zusammen den
Kaiser
in Wien
zu stürzen, um eigene Staatengründungen zuzulassen.
Insgesamt
hat nur
eine Eskalation, und keine Lösung der Probleme stattgefunden...].
1880-1890
Die
"jüdische Studentenschaft" (auch mit getauften Juden)
-- Durchschnitt
an jüdischen
Studenten in Jura 1880-1890: ca. 25 %
--
Durchschnitt an jüdischen StudentInnen in Medizin 1880-1890: ca. 50 % (Schnee,
S.28-30).
1880 ca.
Südtirol:
Nationale
behaupten, Tirol sei von der
"Verwelschung" [Italienisierung] bedroht
Der
Tiroler
Pfarrer Franz Xaver Mitterer begründet die
"deutsche Schutzarbeit". Mitterer ist der "Vater der deutschen
Volkstumsarbeit" und lenkt in Wien die Aufmerksamkeit auf das ringende
Deutschtum an den Grenzen (Schnee, S.11).
[Das Thema Südtirol ist bis heute
offiziell Tabu. Die Situation für
Südtirol wird 1919 absolut tragisch werden...]
1881
Tod
von Vater Matthias Schönerer: Testament
Das Testament
des Vaters Matthias
Schönerer nach seinem Tod 31.10.1881: Er spendet für wohltätige Zwecke:
--
100'000
Gulden an die Stiftung für Eisenbahnbedienstete
-- 12'000
Gulden für einen Krankenhausbau in Rosenau
-- 1000
Gulden für den "Deutschen Schulverein" (Schnee,
S.5).
Berlin: Antrag
gegen jüdische
Einwanderung im Berliner Reichstag
Der
Schwager
von Nietzsche, Bernhard Förster, macht 1881 den Antrag
im deutschen Reichstag gegen Einwanderung von ausländischen Juden aus
dem
Osten. (Schnee, S.24).
Schönerer
folgt dem
Beispiel Försters und
macht denselben Antrag gegen Einwanderung von ausländischen Juden aus
dem Osten
in Wien (Schnee, S.24,31).
[Wieso in Russland Juden
vertrieben
werden, nach dem wird scheinbar nie
gefragt...]
Österreich:
Gründung der Zeitschrift "Deutsche Worte"
zur
Unterstützung der
deutsch-nationalen Bewegung in Österreich im Sprachenstreit (Schnee, S.13).
Schönerers
Hilfe für verarmte Familien
Schönerer lässt
auf seine Kosten
Millionen von Flugschriften verteilen, um zur Hilfe und zur
Unterstützung von
nationalen Gesinnungsgenossen und für verarmte Familien aufzurufen. Auf
diese
Weise kann durch Schönerers Initiative hunderten von bedrängten
Familien
geholfen werden, so dass ihm bei Auftritten immer unzählige dankbare
Arbeiterherzen zujubeln [weil sie keine andere Perspektive sehen...] (Rudolf,
S.49).
1882
Breslau:
Österreichisch-deutsche Antisemitenfeier mit Besuch aus Berlin
mit Schönerer,
mit dem Berliner Führer der antisemitischen Bewegung,
Hofprediger Stoecker, im Breslauer
Schützensaal. Beide betreiben antisemitische Propaganda (Schnee, S.30).
[und alles ist scheinbar erlaubt,
auch im Reich von Bismarck. Das
eigentliche
Problem der jüdischen Wanderungen und Vertreibungen aus Russland wird
aber
scheinbar nie angegangen. Die orthodoxe russische Kirche ist dabei
Haupttäterin].
Österreich:
Slawisierung im Klerus und nationalistische Umtriebe der tschechischen
Geistlichen
(Schnee,
S.62-63)
Dechant
W. Weber von Hohenelbe,
Mitglied des Deutschen Schulvereins, schildert 1882:
--
deutsche
Geistliche
seien z.T.
eingeschüchtert und würden ihre eigenen Gemeinden nicht mehr besuchen
--
deutsche
Pfarrgemeinden werden in Böhmen
und Mähren, in Kärnten und Krain mit
slawischen Priestern besetzt.
"Slawisierung": Das
Vorgehen eines tschechischen Priesters
in
einer deutschen Gemeinde
-- er
bestellt einen
tschechischen Messner
und einen tschechischen Postbeamten
-- viele
tschechische Handwerker ziehen nach
-- so
kann
der tschechische Priester tschechische Schulen fordern und
ruft
tschechische Vereine ins Leben
-- er
wirkt
selbst im nationalen Sinn als Vorstand der slawischen
Organisationen.
Auf diese
Weise wird Budweis [später: Ceské
Budejovice] durch
Bischof Jan Valerian Jirsik bis hin
zu einem tschechischen Gymnasium tschechisiert, später auch Brünn
[später: Brno] und Olmütz [später: Olomouc].
Folge der
Sprachenverordnung:
-- die
Universität Prag wird in eine deutsche und eine tschechische
Hochschule
geteilt
-- Gründung zahlreicher höherer nur für
Tschechen (Schnee,
S.13).
[Da fragt es sich, wieso es
höhere
tschechische Schulen nicht schon
vorher gab...]
Österreich:
Linzer
Programm der
Deutschnationalen Partei um Schönerer für den "Anschluss"
Hauptpunkte
sind die
Loslösung von Gebieten, damit diese eine eigene
nationale
Entwicklung vollziehen dürfen:
--
Forderung
nach einer Sonderstellung von Galizien
--
Lostrennung der Bukowina
--
Lostrennung von Dalmatien
--
Lostrennung von Bosnien und der Herzegowina
--
Schaffung
eines überwiegend deutschen Österreich mit Deutsch als
Staatssprache im engsten Anschluss an das Reich Bismarcks
--
Ersetzen
des Dualismus Österreich-Ungarn durch eine Personalunion
--
wirtschaftliche Reformen, um Arbeiter vom Kommunismus abzuhalten in
Anlehnung an das Reformwerk Bismarcks
--
Projekt
eines Staatsvertrages der Länder des ehemaligen Deutschen
Bundes mit
dem Deutschen Reich, so wie Bismarcks Ziel es bei den
Bündnisverhandlungen von
1879 war (Schnee, S.14/15).
(Deutschnationale
Versammlungen werden sofort
verboten, so dass die Verbreitung des Linzer Programms unter der Hand
erfolgen
muss, dabei jedoch begeisterte Aufnahme in den Alpen- und
Sudetenländern
findet. Anfangs sind auch Juden in der nationalen Bewegung dabei, z.B.
der
jüdische
Historiker Heinrich Friedjung, der
innerhalb der Bewegung
aber immer mehr herabgestuft wirdSchnee,
S.17).
Österreich: "Volksdeutsche
Feste"
Schönerer gibt
in Wien Feste
("Kommerse") für den Ausdruck des "volksdeutschen
Bewusstseins". Dies macht Eindruck bei den Studenten. Die Staatsmacht
steht diesen Veranstaltungen feindlich
gegenüber. Es gründen sich durch diese Frontstellung antisemitische
Burschenschaften, z.B. "Albia", mit Mitglied Hermann Bahr.
(Schnee,
S.18).
Schönerer
als Verehrer von R. Wagner und Bismarck
Schönerer tritt
ab 1882 für die
"grossen Männer" des Reiches ein, v.a. für Richard Wagner und
Bismarck. Bismarck habe sich "geschichtliche Verdienste durch die
Reichsgründung" erworben. Schönerer sieht Richard Wagner für dessen
"nationale Art" als Genie und misst seiner Dichtung und seiner Musik
hohe Bedeutung zu.
Schnee
verehrt Wagner als "antisemitischen Kämpfer [als einer
derjenigen Männer] welche die
Judenfrage als Rassenfrage
erkannten." (Schnee, S.17;
Rudolf, S.54)
[Anders gesagt: Schönerer und
Wagner
sind beide total verirrt und
meinen, dass Rassismus Probleme lösen würde. Diese Ansicht wurde bis in
die 1950-er Jahre z.T. sogar an Universitäten gelehrt].
11.5.1882
Rede
von Schönerer gegen Einwanderung der Ostjuden
Schönerer gibt
an, bereits seien
12'000 Juden aus dem Osten in Deutschösterreich eingewandert. Schönerer
überreicht eine Bittschrift gegen die Niederlassung dieser Ostjuden. In
seiner Rede argumentiert er:
-- Ungarn
habe auch bereits ein Siedlungsverbot für die vor Pogromen in
Russland flüchtenden russischen Juden erlassen
-- es
gäbe
bereits genug Arbeitslose in der Monarchie
-- die
Zahl
der Juden habe sich in Österreich in den letzten 20 Jahren
verdoppelt, in Wien verdreifacht
--
erneuter
Zuzug werde zur "Gefahr für den Charakter des Staatswesens
selbst"
-- der
Kaiser
und der Staat seien eine christliche, und keine jüdische
Institution
-- zu
viele
Juden brächten "unheilvolle Folgen"
--
jüdische
Einwanderung sei ein "drohendes Übel".
Die
"jüdische
Presse" verleumdet Schönerer in der Gegenreaktion
scharf (Schnee, S.199-201).
[und wieder wurde nur auf beiden
Seiten gehetzt, und das Problem in
Russland nicht
gelöst].
2.6.1882
Gründung
des "Deutschnationalen Vereins"
unter Schönerer
(Schnee, S.13).
7.6.1882
Schönerer
fordert eine Zollunion mit dem Deutschen Reich
um eine
grossdeutsche
Wirtschaftseinheit im Sinne Friedrich
Lists zu schaffen (Schnee,
S.13-14).
1883
Schönerer "erkennt" immer
mehr,
dass die Juden den "Ariern" nach Abstammung und Charakter völlig fern
ständen. Somit darf Historiker Heinrich
Friedjung 1883 im "Volkstumskampf" der Schönerer-Vereine nur
noch als Soldat und nicht mehr in leitender Stellung mitwirken (Schnee, S.30-31).
Schönerers
Antrag an den Kaiser von 1 Million Gulden pro Jahr für soziale Zwecke -
Schönerers soziale Vorstösse
Schönerer stellt den Antrag,
der
Kaiser solle 1 Million Gulden pro Jahr
für
eine Arbeiter-, Invaliden- und Alters-Versorgungskasse spenden, was ein
verhältnismässig kleines Opfer sei, denn Kaiser Franz
Joseph gehöre mit dem russischen Zaren zu den reichsten
Männern Europas.
Das Parlament reagiert mit
"Pfui!
Unerhört! Wort entziehen!" und
bewahrt Stillschweigen über den Antrag gegenüber der Öffentlichkeit.
Schönerer verlangt im
Parlament
weiter soziale Gesetze über
-- Arbeitszeit
(12-13-Stunden-Tag)
-- Sonntagsruhe
-- Mindestlohn
-- sanitäre Ordnung in
Fabriken
-- Altersversorgung und
Krankenunterstützung
-- ländliche Wohlfahrtspflege
-- Genossenschaften.
Aus Unverstand oder
Opposition
werden die Anträge abgelehnt, nach
Jahren jedoch
von der Regierung als eigene Vorhaben verabschiedet... (Rudolf,
S.47-48).
5.3.1883
Wien:
Todesfeier für Richard Wagner
Die Todesfeier gerät zur
nationalen Demonstration für Deutschland. Man
singt
das Lied "Wacht am Rhein". Die Wachen wollen gewaltsam den Saal
räumen, was ihnen aber nicht gelingt (Schnee, S.18).
Richard
Wagner prägte das
pauschale Wort über Juden: "Der Jude ist der plastische Dämon
des Verfalles der
Menschheit." (Rudolf, S.63)
[und die Musik eines solchen Antisemiten wird nicht verboten...]
1.7.1883
Zeitschrift:
"Deutsche Worte" - "Unverfälschte Deutsche Worte"
Schönerer
trennt
sich von der
Zeitschrift "Deutsche Worte" wegen der ungenauen Position in der
"Judenfrage" und gründet am 1.Juli 1883 sein Sprachrohr
"Unverfälschte Deutsche Worte", das bis 1887 von Anton
Langgassner geleitet wird (Schnee, S.13).
[Schönerer scheint es für nötig zu finden, sich in seinem Feindbild
festzubeissen und dies auch noch schriftlich auszudrücken. Der Kaiser
hockt
weiter still auf seinem Sessel...]
1884
Schönerer bekennt sich zur
Auffassung von Dühring: Die
"Judenfrage" sei
eine Rassen-, Sitten- und Kulturfrage, keine konfessionelle Frage
(Schnee, S.31).
Kampf
gegen das jüdische Bankhaus Rothschild und die Nordbahnprivilegien
(Schnee, S.20/21;
Rudolf,
S.43,46)
Rothschild (mit seiner Bank
mit
grossem Einfluss in Wien
und Paris) möchte
sein Konzessionsprivileg der Nordbahn verlängern lassen und reicht
schon 1884
beim Parlament die Vorlage auf Verlängerung der Konzession für weitere
80 Jahre ein, mit Recht auf Einlösung ab 1905.
Inzwischen hat Bismarck
in Preussen
die Bahnen verstaatlichen lassen. Schönerer
und Lueger streben auch in
Österreich die Verstaatlichung an, z.B. für die Nordbahn. Schönerer
gibt am
2.April 1884 40'000 Unterschriften für die Verstaatlichung der Nordbahn
ab.
Am 21.April 1884 verlangen
Lueger
und Schönerer im Wiener Rathaus vor
versammelter Menge die Verstaatlichung der Nordbahn. Schönerer wettert
zugleich
pauschal und dumm gegen "die Juden". Die Nationalen bezeichnen die
"Nordbahnjuden" als "fetteste Geldjuden", an deren
Gesellschaft auch der Kaiser und Erzherzog Albrecht
mit grossen Aktienpaketen beteiligt seien.
Am 2. Mai 1884 hält Schönerer
seine erste grosse "Nordbahnrede" gegen
das Haus Rothschild. Er bezeichnet
es als eine Ehre, von der "jüdischen Presse" angegriffen zu werden.
Kein Berg der deutsch-österreichischen Alpenländer sei gross genug, um
die
Grösse der Verachtung zu erreichen, die er gegen die "volksfeindlichen,
korrupten Zeitungsschreiber" empfinde. 2675 Gemeinden hätten gegen die
Wiedererteilung der Konzession an Rothschild unterschrieben. Rufe im
Volk lauten: "Nieder mit den Nordbahnjuden! Hoch
Schönerer!"
Die "jüdische Presse" lässt
an Schönerers
Rede kein gutes Haar. Schönerer und Lueger gelingt jedoch eine kleine,
wenn
auch für sie unbefriedigende Abänderung der Vorlage: Der Staat erhebt
fortan
eine Abgabe auf Rothschilds Eisenbahngewinn. Verstaatlicht wird aber
nicht.
[Wie die gesamte Situation für Rothschild selbst aussieht, bleibt im
Dunkeln, wäre aber eine Untersuchung wert].
1885
Lueger und seine
Christlichsoziale Partei betreiben einen konfessionell-wirtschaftlichen
Antisemitismus, Schönerer dagegen
eine alldeutsche und rassenantisemitische Bewegung
(Schnee, S.3). Schönerer ist
überzeugter rassischer Antisemit
geworden und ergänzt das
Linzer
Programm mit der Forderung, dass jeder jüdische Einfluss im deutschen
Volk
Österreichs beseitigt werden müsse:
"Zur Durchführung der
angestrebten Reformen ist die
Beseitigung des
jüdischen Einflusses auf allen Gebieten unerlässlich." (Schnee,
S.16,31; Rudolf, S.56)
[Der kleine Hitler, der als Schulbub diese Parolen in sich aufnimmt,
wird
später genau nach diesen Parolen handeln. Und der für die grosse
Mehrheit überflüssige Kaiser in Wien bleibt weiter auf seinem
Sessel...].
Schönerer schliesst
ab 1885 auch Parteigenossen aus, die
aus Loyalität an Kundgebungen für den Kaiser in Wien teilnehmen. Dafür
verehrt Schönerer den deutschen Kaiser Wilhelm I.
mit Kommersen und Veranstaltungen (Schnee, S.20).
Am 13.2.1885 redet Schönerer
im Sophiensaal
in Wien gegen die Presse mit Bemerkungen wie "Pestbeule", "Fremdlingen"
etc. Schönerer fordert die
Zuhörer auf, die
"volksfeindlichen Nattern" zu zertreten, der journalistischen
"Giftmischerei"
und der "jüdischen Journaille" ein Ende zu bereiten (Schnee, S.31, 205-206, 262).
[Solche Formulierungen sind zum Teil bis heute in der Bibel gegen
Andersgläubige gerichtet... und Hitler wird sich diese Aussagen wohl
gemerkt
haben, und die Bibel ist bis heute von den rassistischen Formulierungen
nicht gereinigt...].
1.4.1885
Bismarckfeier
zu Bismarcks 70. Geburtstag - Bismarcktürme - Festnummern - Wallfahrt
In Wien wird im Sophiensaal
der
70. Geburtstag von Bismarck gefeiert.
Die
Veranstaltung wird zur Kundgebung für "Alldeutschland". Ab diesem
Zeitpunkt wird jedes Jahr eine Bismarckfeier veranstaltet. Schönerer
lässt in Rosenau, Asch und Eger
Bismarcktürme bauen (Schnee, S.19). In
Schönerers "Alldeutschem
Tagblatt" wird jeden 1. April eine Festnummer zu Ehren Bismarcks
herausgegeben und der 1. April zum Festtag erklärt. Bismarck wird jedes
Jahr
durch eine Wallfahrt geehrt (Schnee, S.93).
Mai 1885
Sudetenland:
Deutsche
Arbeiterbewegung:
Gründung des
"Deutschen Gesellenverein"
Wegen
Einwanderung von
"tschechischen Lohndrückern" in die sudetendeutschen Industriegebiete
und der darauf folgenden nationalpolitischen Erhebung kommt es im Mai
1885 in
Budweis zur Gründung des "Deutschen Gesellenvereins". Am
15.12.1885 wird in Reichenberg der "Deutsche Gehilfenverein" gegründet (Schnee, S.85).
1885-1891
Schönerer-Lueger-Vorstösse
Bis 1891 bringen Schönerer
und Lueger im
Wiener Parlament gemeinsame Vorstösse ein, z.B. 1888 innerhalb der
"antiliberalen Liga" (Schnee, S.30).
1886
Schönerer tritt aus dem "Deutschen
Schulverein" aus, da der
Verein
dafür eintritt,
dass der Schulverein auch Schulen für jüdische Kinder unterhält
(Schnee, S.34).
[Schönerers Feindbild beginnt, ihn selbst von einigen Bühnen
auszuschliessen].
Am 9.2.1886 gibt Schönerer eine Massenpetition
für Zollunion mit dem
Bismarck-Reich ab (Schnee, S.35).
[Das ist dem Wiener Kaiser doch egal...]
20.3.1886
"Erster
deutscher Bauerntag": Forderung nach neuem Bodenrecht gegen Kapitalisten
Am "Ersten deutschen
Bauerntag"
fordert Schönerer im Sophiensaal in Wien ein neues
Bodenrecht und die
Wiederherstellung des alldeutschen Familienrechts, die
"Wiederherstellung
geschlossener bäuerlicher Familiengüter" sowie die
"Unverschuldbarkeit".
Der Hauptvorwurf: "Jüdische Kaufleute" kaufen verschuldete Höfe auf
und stossen so die Bauern ins Proletariat. Das
Feindbild gegen Juden formuliert
Schönerer
mit dem Satz:
"Und unser Grund und
Boden
soll auch weiter im Besitz der
Deutschen
bleiben und nicht in das Eigentum nomadisierender Völkerschaften
übergehen!"
Schönerer wettert gegen die
"jüdischen
Kaufleute" und Grundbesitzer und spricht am Ende von einem neuen
"Zehrstand":
"Europa gehört dem
arischen Volke, und dieses
Eigentumsrecht darf
nicht verletzt und unser vaterländischer Grund und Boden nicht zum
Tummelplatz
für herrschsüchtige, feindliche, volksvergiftende, nomadische und
semitische
Elemente werden [�]
In früheren Zeiten sprach man, und zwar damals mit Recht, von drei
Hauptständen, vom Lehrstand, vom Nährstand und vom Wehrstand. Heute ist
noch
ein vierter Stand hinzugekommen: der Zehrstand; nämlich jener, der
nicht säet,
aber doch reichlich erntet, - und dessen Hauptvertreter ist immer
und
überall der Jude!" (Schnee, S.35,
Rudolf, S.49-52)
[Mit solchen Sätzen ist Adolf Hitler
aufgewachsen� und der Kaiser und
die
Regierung taten scheinbar nichts dagegen...].
1886 ca.
Gedicht über
Juden, die verschuldeten Bauern
den Hof abkaufen (Rudolf)
Das
Gedicht beklagt pauschal, dass Juden an der Armut
von Deutschösterreichern schuld seien, und endet mit der Zeile: "O
schütze deine Söhne, Vaterland!" (Rudolf,
S.53)
1886 ca.
Einführung
des "Deutschen Brauchtums"
(Rudolf,
S.54-55)
Die Schönerer-Bewegung führt
alte
"germanische" Feste und
"Sitten" wieder ein, um sich selbst vor Slawisierung und dem Judentum
abzugrenzen:
-- Ostara-Fest
-- Sonnenwendfeier
-- Julzeit
-- Förderung des
Naturglaubens
-- deutsch denken,
deutsch schreiben,
deutsch reden
-- die Wendungen
"Prosit"
und "Servus" werden durch "Heil" ersetzt.
[Diese Praktiken sollten im
Dritten Reich staatliche Wirklichkeit
werden...].
Schönerer lässt auch
schwarz-weiss-rot geränderte Karten drucken mit
deutschen Sprüchen drucken, in dem alles "Deutsche" betont wird, mit
jüdischem Feindbild.
Schönerer formuliert auch
eine
Aufopferungspflicht:
"Wer für sein Volk
nicht
lebt und stirbt,
ist wert, dass er in Schmach verdirbt!"
[Hitler hat solche Sprüche als Bub in seinem Kopf verankert und hat das
Feindbild
einfach
übernommen...].
Schönerer legt mit seiner
Propaganda den
Grund zu einer "wahrhaft deutschen Lebensauffassung".
Schönerer wirbt nicht nur vor "Schnickschnack"
und
"Zivilisationsquark", sondern behauptet auch: "Deutschland
ist mein
Vaterland -
Österreich
mein Mutterland!"
[Und der Kaiser lebt weiter in Wien und lässt Walzer tanzen...].
5.7.1886
"Schulverein
für Deutsche"
Schönerer
gründet den
"Schulverein für Deutsche", dem er wiederum als Aufsichtsrat
angehört, und
-- der 1889 bereits 20'000
Mitglieder zählt
-- der aber 1889 nach
Schönerers
Verurteilung von der Regierung
aufgelöst wird
(Schnee, S.35).
1887
Die
"Illustrierte Wiener Volkszeitung" der Christlichsozialen
Lueger-Gruppe
Sie ist vor allem gegen die
wirtschaftliche Tätigkeit von Juden in
Deutschösterreich gerichtet. Im Untertitel bezeichnet sie sich selbst
als "Organ der Antisemiten". Träger ist Lueger mit seinem
antisemitischen Flügel der
christlichsozialen
Partei (Schnee, S.27).
[Das verdummende Feindbild gegen Juden verankert sich nun sogar in
einer
Volkszeitung...].
Die Abgeordneten um
Schönerer in Wien sind Türk, Fiegl, Fürnkranz, Ursin,
Kaiser
(Schnee, S.11). Auch Dr.
Otto Boeckel aus Marburg wird als Vertreter des
Rassenantisemitismus in den
Reichstag in Wien gewählt (Schnee, S.24).
Am 21.3.1887 feiert Deutschland den 90. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. Schönerer gibt
einen Kommers für
Kaiser Wilhelm I. in Wien. Er verehrt dann auch Wilhelm II. (Schnee, S.20).
Am 3.4.1887 schliesst der
"Erste Wiener Turnverein" (gegr. 1861) ca. 500 Juden aus. Am
Kreisturnfest
1887 kommt es zu judenfeindlichen Äusserungen (Schnee, S.33).
Schönerer
protestiert am 28.
April 1887 gegen den jüdischen Einfluss in Arbeiterkreisen. Er
präsentiert
gleichzeitig ein alternatives Reformprogramm für die Arbeiter in
Österreich
(Schnee, S.32).
Am 27.5.1887 hält
Schönerer eine Rede gegen die Einwanderung und die Niederlassung
ausländischer
Juden und beantragt ein "Antisemitengesetz" mit der Begründung, die
"USA" hätten auch eine "Anti-Chinesen-Bill" gegen chinesische
Einwanderung. Die
"Presse" in Wien schildert
Schönerers Antrag als "verwerfliche
Kundgebung".
Schönerer wird als "Judenfresser" dargestellt (Schnee, S.32,36213-214,).
[Wer
frisst hier wen? Es scheinen mehrere Verantwortliche sich an den
Machiavellismus zu halten: Zum Machterhalt muss man über Leichen
gehen...].
Schönerer schlägt gegen die
Darstellung als "Judenfresser" zurück und
bezeichnet die "Presse"in Wien im Gegenzug als
"entartet", und
-- fordert die Einschränkung
des
Hausier-, Noten- und Ratenhandels
-- fordert deutsche Lehrer
für
deutsche Kinder
-- fordert eine hohe
Besteuerung
der Börsengeschäfte, die Beschränkung
der
"Güterschlächterei" und eine Reform im Pressewesen.
Trotz heftiger Gegenwehr
beginnt
der Börsen-Liberalismus durch die
nationalen
Bewegungen langsam aber sicher zu bröckeln.
Schönerer wird nun noch
extremer.
Er prägt
rassistische
Sprüche, um sich gegenüber getauften Juden und den gemässigt
antisemitischen
Politikern um Lueger abzugrenzen. Die Flut
antisemitischer
Zeitungen, Lieder
und Gedichte ist dabei nicht mehr aufzuhalten. Schönerer agitiert
weiter in Reden, übersteigert sich in seinem
Feindbild und
meint, dies sei "nationale Politik": (Rudolf, S.58-61,63)..
[Diese Sprüche
schreiben wir lieber nicht, das muss jeder selbst nachlesen].
Schönerer argumentiert
u.a., schon Goethe
habe gesagt:
"Und dieses schlaue
Volk
sieht einen Weg nur offen:
solang die Ordnung steht, solang
hat's
nichts zu hoffen!" (Rudolf,
S.63)
[Ist Goethe auch unter die verdummten
Antisemiten zu zählen? Scheinbar
ja!]
Dr. Theodor
Billroth
unterstützt
Schönerers Gedanken, dass alle Juden eine eigene Nation darstellen und
diese sicher nicht Österreicher werden könnten, wie es die Regierung
anstrebt (Rudolf,
S.63).
[Sogar Leute mit "Doktor"-Titel glauben solchen Schwachsinn...]
Weitere pauschale Verurteilungen kommen z.B. von Andreas
Sutor, der Juden
pauschal mit Mäusen auf dem
Getreideboden oder mit Motten in Kleidern vergeicht. Der "Dichter" Viktor
von Scheffel definiert eine angeborene Abneigung
germanischer Völker gegen die Semiten aufgrund der Abstammung (Rudolf,
S.63). Der Jude Karl
Marx (eigentlich: Mardochai)
gibt selbst über seine "Rasse" an, dass das Judentum nur "Eigennutz" im
Sinn habe und dass das "Geld" der Gott der Juden sei (Rudolf,
S.63).
[Hitler wird als Bub diese Aussprüche nicht überhört haben, und der
Kaiser in Wien bleibt weiter auf seinem Sessel...].
1887
"Germanenfeier"
von Schönerer
zum
2000-jährigen Auftreten der
"Germanen" in der Weltgeschichte (Schnee, S.45-46).
Am 27.11.1887 - nach der "Germanenfeier" - gründet sich unter Langassner in Salzburg der "Germanenbund".
Langassner ist ein getreuer
Gefolgsmann Schönerers (Schnee, S.46).
1888
Turnvereine: Der
niederösterreichische Turngau
beschliesst, nur noch Vereine aufzunehmen, die keine Juden als
Mitglieder haben
(Schnee, S.33).
Gründung des "Deutschen
Volksblatts" von Ernst Vergani
Ernst
Vergani,
"deutschblütig" aus Galizien,
wird 1888 zum Obmann des Ausschusses der Bewegung Schönerers gewählt,
der die
Gründung einer Tageszeitung veranlassen soll. Vergani gründet ohne
Abmachung mit
Schönerer das "Deutsche Volksblatt"
als Organ der Antisemiten in Österreich und hat damit Erfolg. Das Blatt
wird
die bekannteste antisemitische Zeitung. Mitarbeiter sind u.a. der
Prager
Burschenschaftler Julius Patzelt und
der Schönerianer Karl Hermann Wolf
(Schnee, S.41-42).
[Jetzt sind es also schon zwei Volkszeitungen, die mit der
antisemitischen Krankheit argumentieren...]
8.3.1888
Der
Skandal: Der zu früh gemeldete Tod des Kaisers Wilhelm I. - Schönerer
dringt beim "Neuen Wiener Tageblatt" ein - die Hetze gegen Schönerer
Das jüdische
"Neue Wiener
Tagblatt" meldet in einer Sonderausgabe voreilig den Tod von
Kaiser Wilhelm I. Am selben Tag meldet ein neues Extrablatt
desselben "Neuen
Wiener
Tagblatt", dass der Kaiser Wilhelm I.
noch lebe. Die Volksmenge wittert Geschäftemacherei. Schönerer dringt
am Abend empört in die Redaktionsräume des "Neuen
Wiener
Tagblattes" ein und greift die Redakteure verbal und tätlich an
(Schnee,
S.36).
Die gesamte jüdische Presse
in
Wien beginnt am 9.3.1888 eine Kampagne
gegen
Schönerer wegen
dessen Tätlichkeiten, um ihn politisch zu vernichten. Das Vorkommnis
wird zu
einem "Skandal" hochstilisiert. Falschmeldungen
berichten von "Mordbrennerbanden",
"Judenverfolgungen", einem "brutalen Überfall",
"fluchwürdiges Verbrechen", und es kommt die Forderung nach
"Pazifizierung von Wien" auf. Die Regierung hat nur darauf gewartet,
Schönerer kaltstellen zu können. Schönerer wird "öffentliche
Gewalttätigkeit" vorgehalten.
Schönerer wirft der Regierung vor, "die Juden" würden das
einheimische christliche Volk in Österreich betrügen, die
"Judengefahr" sei da, und wenn die christlich-germanische Bevölkerung
Österreichs es erkennt, dann würden drei Viertel von ihnen "zu seinen
Fahnen stossen". Die Juden seien "schandbare Pressebestien".
Im Parlament stellen die
Regierungsparteien
Antrag auf Auslieferung Schönerers an das Gericht. Schönerers
Verbündete,
darunter Lueger, können
sich nicht durchsetzen. Das
Parlament beschliesst, die Immunität über Schönerer aufzuheben und ihn
ans
Landesgericht auszuliefern (Schnee,
S.36-37;
Rudolf, S.9-11).
April / Mai 1888
Das gelenkte Verfahren gegen Schönerer
Von der Regierung wird ein "Erkenntnissenat" gestellt. Die Anklage
lautet auf "schweren Hausfriedensbruch". Entlastungszeugen werden
gegen jede Regel nicht zugelassen. Die Zeitung des "Neuen
Wiener Tageblatt" und die Redakteure
behaupten, Schönerer habe von "unserem Kaiser Wilhelm" gesprochen.
Nach Gesetz ist diese Äusserung Hochverrat und Schönerer müsste vor ein
Geschworenengericht. Für das Verbrechen fehlen den Belastungszeugen
jedoch die
Beweise.
Vor einem allfälligen Geschworenengericht jedoch hätte Schönerer nach
Meinung
von Rudolf alle Chancen zu einem Freispruch gehabt, denn:
"... ein solches (Geschworenengericht) hätte ihn bei der fast durchweg
nationalen und antisemitischen Stimmung in der Wiener Bevölkerung mit
grosser
Wahrscheinlichkeit freigesprochen." (Rudolf, S.12)
4.-5.5.1888
Das Verfahren ist ein "politischer Tendenzprozess", der Vorbild für
weitere politische Prozesse ist:
-- alle Entlastungszeugen
werden
zum Eid nicht zugelassen
-- Schönerer dagegen wird
u.a.
von 9 "Juden" belastet
-- Schönerer wird zu vier
Monaten
Kerkerstrafe / Zuchthaus verurteilt
-- er verliert den Adelstitel
und
seine bürgerlichen Ehrenrechte für
fünf Jahre
(Schnee, S.37-38).
Schönerers
Verteidigungsrede bringt vor allem die
Botschaft, er sei
nicht so ein Lügner wie die andern, der das Volk in die Armut stürze.
Schönerer wirft der Regierung vor, dass sich diese Regierung in die
Lehren des
Talmud "drängen lasse" und bezeichnet die Presse in Wien als
"jüdische Korruptionspresse".
Gleichzeitig beklagt er, die Presse hätte ihn als "Landesverräter"
und "Preussenheuchler" verleumdet. Er fordert: "Majestät, macht frei
das Volk vom Joch der Judenpresse!" (Rudolf,
S.15-16)
[Der Kaiser sieht nur schmunzelnd zu und sitzt auf seinem Stuhl,
solange er
nicht runterfällt...]
Der Gerichtsvorsitzende von Holzinger
muss sich nach dem Prozess
vor der erregten Volksmenge schützen und das Gerichtsgebäude durch ein
Seitentor verlassen. Die Menge lässt Schönerer beim Verlassen des
Gerichtsgebäudes
hochleben, spannt seinem Wagen das Pferd aus und zieht den Wagen von
Hand.
Schönerer steigt aus dem Wagen und läuft mit der Menge zu Fuss, bis zu
seiner
Wohnung. Die Menge versichert Schönerer "deutsche Treue"
und wünscht seinen Kindern alles Gute (Schnee,
S.37-38).
[Dieses Vorkommnis wird sich nicht nur bei Hitler wohl zu einem
Schlüsselerlebnis hochstilisiert haben, sondern dürfte auch in
Deutschland
bekannt geworden sein...]
Schönerer verliert für für fünf Jahre seine bürgerlichen Rechte
(Rudolf, S.17).
Deutschösterreicher
sammeln
Unterschriften für Schönerer
Deutschnationale und
Antisemitengruppen treffen sich am
12.5.1888 vor Schönerers
Wiener
Wohnung und erweisen ihm grosse Huldigung. Für Schönerer werden
Bittschriften
mit insgesamt 45'000 Unterschriften eingereicht. Schönerer legt
Berufung gegen
das Urteil ein (Schnee, S.38).
oder:
In Deutschösterreich werden über 50'000 Unterschriften für eine
Strafmilderung
des Urteils gegen Schönerer gesammelt. Der tschechische Justizminister
mit
einem besonderen Hass auf Schönerer würdigt die Eingaben nicht (Rudolf,
S.18).
Volkswiderstand und kaiserliche
Terrormassnahmen
Widerstand im Volk äussert sich durch Plakate mit Aufschriften für
Schönerer und gegen Juden, wild angebracht in ganz Deutschösterreich.
Der Kaiser erlässt Massnahmen:
-- das Grüssen Schönerers ist verboten
-- Zettelkleben wird verboten
-- Winken ist verboten
-- deutschnationale Lieder wie "Wacht am Rhein" werden verboten
-- Polizisten sollen für die Überführung von Tätern gegen die
Vorschriften mit
10 Gulden Prämie extra belohnt werden.
Es kommt also zu einer Kopfgeldjagd gegen Deutschösterreicher.
In Österreich herrschen somit Zustände "wie zur Zeit des
Absolutismus." (Rudolf, S.19)
[Konkret: Der Kaiser will einfach auf seinem Thron sitzen bleiben, um
mehr geht es ihm nicht...].
Lob und neue Forderungen der jüdischen
Wiener Presse an den Kaiser nach dem Prozess
-- die "jüdische Presse" lobt Österreich als "ersten Rechtsstaat
der Erde"
-- die Presse behauptet, mit der Haft von Schönerer sei auch der "Sturz
des Antisemitismus"
verbunden
[das stimmt eben nicht: Die Hetze geht nur in eine "nächste Runde"]
-- die "jüdische Presse" stellt die Forderung an die Direktoren aller
grossen Gesellschaften, alle angestellten Antisemiten ausnahmslos und
sofort zu
entlassen (Rudolf, S.20).
Schönerer hat Einspruch
erhoben. Am 23.5.1888 fordert er erneut
eine Zollunion mit
dem Zweiten Reich mit einer Massenpetition von 47'648 Unterschriften
(Schnee, S.36).
[Das ist dem Kaiser doch egal...]
27.6.1888
Ablehnung von Schönerers
Nichtigkeitsbeschwerde
Der Kassationssenat des Obersten Gerichtshofs mit dem 83-jährigen
Präsidenten Dr. von Schmerling, Mitglied des
"Vereins zur Abwehr des Antisemitismus", lehnt Schönerers Beschwerde
ab. Seine Beisitzer werden nach dem Entscheid befördert. Gnade vor dem
Kaiser
lehnt Schönerer seinerseits ab (Schnee, S.38; Rudolf, S.21).
Deutsche Treue: 100e Leute
wollen für Scnönerer ins Gefängnis
Schönerer hat viele Freunde aus allen Berufständen (Rudolf: "viele
hundert
deutsche Männer"), die sich bereit erklären, die Haft für Schönerer
anzutreten (Rudolf, S.24). Vor dem Haftantritt wird "Deutsche Treue"
beschworen (Rudolf, S.22).
Schönerer sitzt vom 20.8.1888 bis zum 20. Dezember im Wiener
Landgericht seine Strafe in Zelle 17 ab (Schnee, S.38; Rudolf, S.24).
Die Schönerer-Partei verliert aber trotzdem Anhänger, die ab 20.8.1888
in die Christlichsoziale Partei
unter Lueger wechseln. Lueger betreibt seinen Antisemitismus
klerikal-konfessionell und spricht sich gegen die Bekämpfung des
Kaiserhofes aus. Er hat damit grossen Erfolg (Schnee, S.40;
Rudolf, S.22).
Sudetenland: "Gehilfentag"
Die Sudetenländer sind nun immer mehr durch Tschechisierung bedroht. Am
4.11.1888 hält die dortige Arbeiterbewegung einen ersten "Deutschen
Gehilfentag" in Reichenberg für Böhmen und Mähren ab (Schnee, S.85).
1889
Schönerer hält
nun massenweise Vorträge über das Deutschtum. Er glaubt
an den
"gesunden Sinn" des Volkes und hält dessen sittliche Wiedergeburt für
möglich. Sein Kampf gegen Ministerpräsident Taaffe ist
nur um so schärfer (Rudolf,
S.64). [Es findet also wieder eine
Eskalation statt eine Problemlösung
statt...]
Im selben Jahr wird der
antisemitische "Turnerbund" gegründet mit dem
Wahlspruch:
"Durch
Reinheit zur Einheit!" (Schnee,
S.33)
Auch in der
Deutschsozialen
Partei sollen im neuen Programm von 1889 die Juden unter Fremdenrecht
gestellt werden (Schnee, S.32).
Die Regierung selbst löst den
"Schulverein für Deutsche" auf
(Schnee, S.35).
Bruch
zwischen Vergani und Schönerer wegen dem "Deutschen Volksblatt"
Schönerer hält Vergani
nicht für den
richtigen Mann zur Leitung des alldeutschen "Deutschen Volksblattes".
Vergani vertritt die Linie von Lueger und bekämpft den Kaiserhof nicht.
Vergani kann das "Deutsche Volksblatt" aber
bis zu seinem Tod Anfang des 20. Jh. weiterführen (Schnee, S.41-42).
Südtirol: Ab 1889
profiliert sich ein "völkischer Dichter" Arthur von Wallpach für
die
rassische Idee,
für die
Einheit des Blutes, für das "nordrassische Empfinden".
Wallpach schreibt
Kampflieder und Gedichte, die
von den
Behörden beschlagnahmt werden. Dafür werden sie dann im Parlament
vorgelesen...
[durch Immunität möglich].
Wallpach
( führt auch
eine
"völkische" Zeitung, den "Scherer"Schnee, S.48-49).
16.9.1889
Auflösung
des "Deutschnationalen Vereins"
durch die
Behörden. Schönerer hält seine politische Tätigkeit für
abgeschlossen. Er hätte sich mit den "Werten" "Volk und
Rasse" zum "Volksführer" aufschwingen können, aber er ist nicht
der Mensch, der die Massen manipulieren kann. Er erkennt die Bedeutung
der
Massenpropaganda nicht (Schnee, S.40,42).
1890
Schönerer
veranstaltet 1890
in Wien zu Ehren
des "grossen" Strategen Moltke,
dem Sieger von Königgrätz, eine
Feier mit der Betonung, dass Leute wie Moltke
und Bismarck von
"volksdeutscher Bedeutung" seien (Schnee, S.42).
Jüngere
Unterführer drängen
Schönerer weiter zur Zusammenarbeit mit Lueger, so dass Lueger und
Schönerer
1890 in den Gemeinderatswahlen zusammengehen, mit der Wahlparole: "Hoch
Lueger! Hoch Schönerer!" (Schnee,
S.44)
Der "Deutsche Volksverein" wird
am
18.1.1890 die Nachfolgevereinigung
vom "Deutschnationalen Verein" mit Schönerer im Vorsitz
(Schnee, S.42).
[Der k.u.k.-Staat dreht sich in
der
Politik in Deutschösterreich
offensichtlich
im Kreis...].
Ab 6. April 1890
erscheint als
neue Zeitung der deutsch-nationalen Bewegung die "Ostdeutsche
Rundschau", zuerst wöchentlich, dann täglich. Herausgeber ist Karl Hermann Wolf, mit einer
freundlichen Haltung gegenüber Lueger (Schnee, S.45).
1891
Endgültige
Spaltung der Antisemiten in Deutschösterreich
(Schnee,
S.27-28,
30)
1891
spalten
sich die Antisemiten in Deutschösterreich endgültig in
konfessionell-dynastietreu-wirtschaftlich denkende Antisemiten der
Christlichsozialen unter Lueger und in deutschnationale antidynastische
Antisemiten der Deutschnationalen unter Schönerer mit starker
Anhängerschaft in der
Studentenschaft.
Auch der
Gelehrte und Mediziner Theodor
Billroth postuliert, die Juden seien eine eigene Nation. Die
Burschenschaft
"Libertas" anerkennt schon im WS 1878/79 getaufte Juden nicht mehr
an. Schönerer hält an der Reinheit der Ideen fest und arrangiert sich
nicht mit
andersdenkenden Partnern.
1892
"Slawisierung": 1892
wird
Bischof Dr. Kohn zum
Erzbischof von Olmütz gewählt. Er begünstigt die Slawisierungspolitik
durch mangelndes soziales Verständnis.
Schönerer und die Deutsch-Nationalen stellen sich fortan gegen ihn
(Schnee, S.47-48).
Schönerer
hält nach zweijähriger Pause am 5.7.1892 wieder einen
Parteitag ab und
übernimmt
die Losung des Turnerbundes von 1889: "Durch Reinheit zur
Einheit." (Schnee, S.42)
[Hitler ist 3 Jahre alt, und die
Welt
seiner Familie ist eine pauschal
wertende, antisemitische Welt in Österreich. Der Vater ist Zollbeamter,
schliesslich ein Alkoholiker, eine denkbar schlechte Voraussetzung für
Adolf,
ein "guter Demokrat" zu werden...].
Gründung
des "Zeitweiser" (bis 1914),
eine Zeitschrift von Karl Iro. Die Zeitschrift
vertritt v.a.
Schönerers Ideen und den Antisemitismus. Sie besteht bis 1914 (Schnee,
S.46-47) [und Hitler wird alle
diese Gedanken in sich
aufnehmen...]
Schönerers
Forderungen gegen die Juden
[Dies
sind
Forderungen, die von Hitlers NS-Regime im Dritten Reich
später umgesetzt werden]:
1. ein Gesetz gegen die weitere Einwanderung
fremder Juden
2. das Verbot der Judentaufe und der
Abänderung jüdischer Namen
3. Gemeinden sollen das Recht haben, die
Niederlassung von
Angehörigen
jüdischer Rasse zu untersagen
4. Heimats- und Bürgerrechte an Juden sollen
verboten werden
5. Juden sollen keinen Grundbesitz mehr
erwerben dürfen
6. höhere Besteuerung aller Objekte, die sich
in den Händen von
Juden befinden
7. ausgiebige Besteuerung der Börsen als der
Sammelpunkte des
jüdischen
Spekulantentums
8.
Schönerer
fordert eine Mediatisierung
(dem Landesrecht
unterwerfen)
der jüdischen Finanzfürsten und der jüdischen Finanzinstitute zugunsten
des
Staates. Da man einst die Kirchen- und Klostergüter im Interesse des
Staates
eingezogen hat, brauche man jetzt vor den riesigen jüdischen Vermögen
nicht
ängstlich Halt zu machen. Diese Forderung müsste von allen Völkern
gleichzeitig
durchgeführt werden
9.
Schönerer
fordert ein Gesetz, das
bestimmt, dass nur
Deutsche über
Deutsche (beziehungsweise Arier über Arier) zu Gericht sitzen dürfen.
Juden
können weder Richter noch Staatsanwalt werden, auch nicht die Stelle
von
Geschworenen einnehmen, es sei denn, dass sie ihre nichtjüdische
Abstammung für
drei Generationen nachweisen können
10. Juden sollen keine öffentlichen Ämter
bekleiden dürfen; das
passive
und aktive Wahlrecht ist ihnen abzusprechen
11. Juden sollen nur nach ihrem Prozentanteil
in der
Bevölkerung am Unterricht
in höheren Schulen teilnehmen können, an deutschen Schulen dürfen nur
deutsche
Lehrer unterrichten
12. Ausschaltung der Rassejuden aus der
Presse. Kein Jude darf
Eigentümer einer Zeitung sein oder ihrem Redaktionspersonal angehören
13. Verbot der Mischehen zwischen
Deutschen und Juden
14. Ausschaltung der Juden aus
sämtlichen Vereinen
15. Deutsche sollen bei ihren
Volksgenossen kaufen
Gleichzeitig
hofft Schönerer, dass in anderen Ländern in gleicher Weise
Forderungen gegen die Juden gestellt werden (Schnee, S.46-47).
[Hitler
muss sie
später nur noch abschreiben...]
1893
"Arierparagraphen"
in Burschenschaften der Studenten
-- in Wien: "Albia",
"Allemannia", "Bruna-Sudetia",
"Libertas", "Moldavia", "Olympia",
"Silesia"
-- in Czernowitz: "Arminia"
-- in Graz: "Allemannia",
"Arminia"
-- in Innsbruck: "Pappenheimer",
"Suevia"
-- in Prag: "Albia",
"Carolina", "Ghibellinia",
"Teutonia" (Schnee,
S.32-33).
1893-1895
Kabinett von
Fürst
Windischgrätz
Windischgrätz
regiert mit
einem völlig
aristokratisch-adligen Kabinett, das in Deutschösterreich verhasst ist
(Rudolf,
S.65).
1893
arbeiten Schönerer und Lueger im Wahlkampf zusammen, vor allem auf
Betreiben von Karl Hermann Wolf.
Schönerer hält sich jedoch immer mehr von Luegers Anhängerschaft fern
und
bleibt ausserhalb des antisemitischen "Bürgerklubs" (gemischt
zwischen christlichsozial und deutschnational) (Schnee,
S.44).
29.6.1893
Gründung
der Arbeiterbewegung in den Sudetenländern: "Deutschnationaler
Arbeiterbund"
zur Verbreitung
des
"völkischen Gedankens" in der Arbeiterschaft von Schönerer gegründet.
Obmann ist Aichinger,
dann der Mechanikergehilfe Franz Stein aus Wien. Die
deutschnationale Arbeiterbewegung führt ihre eigene Zeitung: "Der
Hammer" (Schnee, S.45,85).
1894
Zweiter
"Deutscher Bauerntag"
unter
Langassner, der
Germanenbund-Mitbegründer
aus Salzburg (Schnee, S.46).
8.12.1894
Schönerer
gründet den "Bund
deutscher
Landwirte in der Ostmark"
(Schnee, S.44)
1895
Schönerer
beschwört einen zweiten Bismarck
Schönerer ruft
in
"Unverfälschte Deutsche Worte" zu Alldeutschland und einem Bismarck
der Zukunft auf, der ein Alldeutsches Reich gründen werde: "Heil
Alldeutschland! Heil dem Bismarck der Zukunft!" (Schnee, S.50)
Ab Mitte 1895
bezeichnet sich die
Bewegung von Schönerer als "Alldeutsche"
(vorher: von
"Zweimännerpartei" zu "deutschnational",
"deutschvölkisch" oder auch "deutschradikal") (Schnee, S.75-76).
Wien:
Das Kabinett Badeni
Graf Badeni,
ein Tscheche, wird österreichischer Ministerpräsident. Im
Kabinett sind
-- ein polnischer
Finanzminister
-- ein polnischer
Innenminister
-- ein galizischer
Landsmannminister
sowie
-- der polnische
Aussenminister Graf
Goluchowski (Schnee, S.50).
[Wo sind denn da noch Deutsche?]
15.4.1895
Slawisierung:
Schönerer wird Gegner des Staates und sogar Gegner Bismarcks
Schönerer
wird während der "Slawisierungsversuche" von
Ministerpräsident Badeni zum Gegner des Habsburgerstaates überhaupt.
Seiner
Meinung nach hat der Kaiserhof in Wien nichts mehr zu suchen.
Schönerer
schreitet dabei weit über Bismarck hinaus. Bismarck lehnt gleichzeitig
die revolutionären
Pläne
Schönerers ab. Am Treffen mit Bismarck am 15.April 1895 verpflichtet
dieser die
Huldigungsabordnung Deutschösterreichs, zur Dynastie gute Beziehungen
zu
pflegen. Bismarck kann auch später den Kampf gegen Badeni nicht mehr
verstehen
und
verurteilt den Widerstand der Deutschnationalen.
Für
Schönerer
stösst Bismarck an die Grenze seines Staatsdenkens.
Bismarck schützt
immer die Dynastie und mahnt immer zur Treue zum Staat: Man solle sich
unentbehrlich machen. Schönerer gerät mit seiner starren politischen
Haltung selbst mehr und
mehr in
die Minderheit (Schnee, S.49-50).
16.6.1895
Rücktritte
Schönerers
Schönerer
legt die Führung der Deutschnationalen nieder und tritt aus
dem
"Deutschen Volksverein" aus (Schnee, S.44).
1896
Arbeiterbewegung
in den Sudetenländern
Der deutsche
Gehilfentag strebt
nach der Gründung eines grossen Verbandes gegen die schleichende
"Slawisierung" (Schnee, S.85).
1897
Das
Sturmjahr / das "Badenijahr" der versuchten beschleunigten
Tschechisierung
1897 ist der
"Höhepunkt des
Kampfes zwischen Deutschen und Tschechen" (Schnee, S.50). Das Badenijahr
gibt der
Arbeiterbewegung in den
Sudetenländern neuen Auftrieb (Schnee, S.85).
[und der
Kaiser amüsiert sich dabei und sitzt weiter untätig auf seinem
Stuhl].
Die Geschehnisse des "Badenijahrs"
Der
ehemals
deutsche, nun
tschechische Fürst Schwarzenberg entreisst den
Deutschen den Wahlkreis Budweis.
Schönerer brandmarkt Schwarzenberg als "Renegaten" / Abtrünningen.
Schönerer fordert im Parlament deutsche Seelsorger für deutsche
Gemeinden
(Schnee, S.64).
Badenis
Sprachenverordnung und
die Gegenwehr
Am 5. und 22.4.1897 stellt
Ministerpräsident Badeni im Parlament eine
neue "Sprachverordnung"
vor.
Neu
sollen in Böhmen und Mähren im äusseren und inneren Dienstverkehr der
Behörden die deutsche
und die
tschechische Sprache gleichgestellt sein. So können die tschechischen
Behörden
tschechische Beamte in deutsche Gebiete entsenden und die dortigen
Deutschen
zum Tschechisch zwingen. Ab 1.Juli 1901 sollen nur noch zweisprachige
Beamte in
diesen Gebieten angestellt werden dürfen, und dies werden alles
Tschechen sein, weil die Deutschösterreicher kein Tschechisch können.
Es ist
dies
für die deutschnationalen Abgeordneten eine
"Tschechisierung"
durch Ministerialerlass, ohne Mehrheit in der Volksvertretung und ohne
Gesetz:
-- Böhmen und
Mähren verfügen über
rein deutsche Gegenden
-- es seien
Deutsche, "die den
Staat gegründet, die ihn aufgebaut hatten"
-- es seien
Deutsche Österreichs,
"welche die grössten Opfer an Gut und Blut brachten"
-- diesen Deutschen
drohe nun eine
Zurückversetzung.
Tschechisch
lernen soll Pflicht werden, was als "Vergewaltigung"
(Schnee) empfunden wird. Durch das deutsche Volk Österreichs geht ein
einziger
Aufschrei.
Als
Reaktion
hat die Volkstümlichkeit in Deutschösterreich und den
Sudetenländern erneut einen Gegenaufschwung. Die Sprachenverordnung sei
ein
"Attentat auf das deutsche Volk" (Schnee, S.50-51; Rudolf,
S.66).
In Salzburg hält
Iro eine Versammlung des "Deutschen Volksvereins" ab. Iro
verlangt eine Erweiterung des
Linzer Programms mit der Relegation des Wiener Kaisers unter den
Kaiserhof von Berlin: Der österreichische Kaiser soll als deutscher Bundesfürst mit seinen
einstmals
deutschen Bundesländern dem Staatenbund "Deutsches Reich" beitreten.
Die Versammlung skandiert den neuen Ruf: "Nieder mit Badeni!" und auch: "Los von Rom!" (Schnee,
S.60).
Schönerer
nimmt den Gedanken der Relegation des Wiener Kaisers als
Bundesfürst von
Deutschösterreich
1901 in sein "Alldeutsches Grundprogramm" auf.
[Genau
das
will der Kaiser in Wien nicht: zum deutschen Bundesfürsten
degradiert werden...].
Rom
wird ab jetzt zu einem weiteren Feind der
Schönerer-Bewegung, weil die Slawisierungen mit dem Segen Roms vor sich
gehen
(Schnee, S.60).
Der
Sprachenstreit wird in Berlin
mitverfolgt. Die Zentrumspartei nimmt für die Klerikalen und
Christlichsozialen
Stellung, alle anderen für die Deutschnationalen (Rudolf, S.86).
[Der Kaiser in Wien aber spielt
weiter mit seinen Bevölkerungen...].
Dresden: Am 9.5.1897 wird ein
"Deutscher Volkstag" gegen die Sprachverordnung
von Badeni
abgehalten (Schnee, S.52).
Am 2.7.1897 redet Schönerer in
Hamburg gegen Badenis
Sprachverordnung (Schnee, S.52).
Am 11.7.1897 erfolgt am
verbotenen
Volkstag in Eger der "Schwur
von Eger", im Kampf gegen das Sprachengesetz von Badeni nicht zu
wanken. 54 deutsche Volksgenossen werden von der tschechischen
Polizeisoldateska
verletzt. Die Verletzten werden im "Alldeutschen Tagblatt" als
"Blutopfer für
den deutschen Charakter von Eger" gefeiert.
In den
Alpenländern Österreichs finden für Deutsch-Böhmen
Sympathie-Kundgebungen statt, ebenso im Zweiten Reich. Es kommt nun
auch im
Reich zu einer "völkischen Begeisterung" (Schnee, S.53).
[Das heisst: Die Eskalation wird
nun
staatspolitisch eine
gesamtdeutsche
Angelegenheit, und die Kaiserhäuser lassen diese Eskalation zu...].
Am 25.9.1897 wird Badeni in einem
Duell mit Karl
Hermann Wolf verwundet.
Karl Hermann Wolf
wird dabei zum
"Held des Tages" und
zum "Abgott der
Sudetendeutschen". In diplomatischen Berichten der Deutschen Botschaft
in
Wien wird Wolf mehrfach als "Führer der Alldeutschen" hervorgehoben
(Schnee, S.77-78).
Am 21.10.1897 setzt sich auch Historiker Theodor
Mommsen in einem Brief in der "Neuen Freien
Presse" für die "Völkischen" ein: "Seid hart! Vernunft nimmt
der Schädel der Tschechen nicht
an, aber
für Schläge ist auch er zugänglich." (Schnee,
S.53)
[Eine schlimmere Eskalation ist
kaum
vorstellbar...]
In der Folge kommt es zur
einheitlichen Front gegen das
Sprachengesetz
(Rudolf, S.68-71). Die
Schönerianer aus den
Sudetenländern
blasen am 28.-29.10.1897 zum Kampf und
wenden alle Regeln des
Widerstandes an, um das
Gesetz im
Parlament zu bekämpfen. Dazu wird die Demokratie in eklatanter Weise
missbraucht, so wie der Kaiser die Staatsform für seine Zwecke stets
benutzte.
Beteiligte
sind Schönerer (Landsgemeindebezirk Eger), Karl Iro
(Landsgemeindebezirk Plan), Franz Kittel (Landsgemeindebezirk Saaz),
Karl Türk (Troppau) und Karl Hermann Wolf (Städtebezirk Hohenelbe).
Die
überlange Sitzung über das
Sprachengesetz von Badeni - der erzwungene Abbruch der Sitzung ohne
Beschluss
Die
Nationalen wenden nun einen Trick an, um die Verabschiedung des
Gesetzes zu
verunmöglichen. Die Sitzung wird zur längsten Plenarsitzung Europas.
Die bis
dahin längste 32-stündige europäische Rekordsitzung in England, wo Gladstone die Durchführung der irischen
Zwangs-Bill durchdrückte, wird übertroffen. Dr. Lecher
hält eine 12-stündige "Dauerrede", von 9 Uhr
abends bis 9 Uhr morgens, währenddessen die
slawisch-klerikale-polnischen
Abgeordneten sich am Buffet verpflegen und in Vorräumen ihr Nachtlager
aufschlagen. Der Konsum der Nacht beträgt 14 hl Bier und 1 hl Wein
(Rudolf).
Lechers Rede wird später in Buchform publiziert.
Die durch
weitere oppositionelle Redner auf 33 Stunden ausgedehnte
Sitzung muss
schliesslich vor Erreichen einer
Abstimmung abgebrochen werden. Das Gesetz ist vorerst verhindert
und die
Kampfentschlossenheit der Deutschnationalen bewiesen.
Während
der
Auseinandersetzung um das neue Gesetz und danach blicken
die
Sudetendeutschen sehnsüchtiger denn je ins Deutsche Kaiserreich. Das
Zweite
Reich wird für sie nun erst recht zum deutschen Vaterland. Neues
Schlagwort von
Wolf: "Germania irredenta".
Im
Sprachenkampf der Sudeten gegen die Tschechen verschwinden nun die
Klassenunterschiede und die politischen Unterschiede zwischen den
Leuten. Es
wird der planmässige Kampf gegen die Sprachverordnung organisiert, auch
in
Deutschland.
[Hier ist der Ursprung der
Begeisterung im Sudeten-Anschluss zu suchen.
Dieser
Anschluss wird später noch mehr Energie erhalten, als der
"Friedensvertrag" mit Österreich von 1919 die Sudetenländer der
"CSSR" einverleibt].
24.11.1897
Badenis
Gegenwehr mit ungesetzlichem Abbruch der Sitzung
Ministerpräsident
Badenis Ziel in der jetzigen Situation ist es, dem
Parlament
eine ihm genehme, aber gesetzeswidrige Geschäftsordnung aufzuzwingen.
Es sind
84 Petitionen gegen das Sprachengesetz eingegangen, über die je zweimal
namentlich abgestimmt werden muss. Dies verpflichtet das Parlament zu
je 168
Abstimmungen zu je einer halben Stunde, was der Präsident und seine
Regierung
verhindern wollen.
Schönerer
ist
der erste, der unter Beifall der deutsch-nationalen
Abgeordneten
auf die Bühne springt und die Regierung mit Pfuirufen überschüttet.
Badeni kann
auch mit einem kalten Lächeln und taktischen Manövern wie dem Verlassen
des
Saales die aufgebrachte Opposition nicht vom Recht auf Abstimmung
abbringen. Es
entwickelt sich ein Streit um das Präsidentenglöckchen, der zu einer
Keilerei
ausartet. Badeni schliesst die Sitzung (Rudolf, S.72-75).
25.11.1897
Das
Gesetz zum Ausschluss gewisser Parlamentarier: "Lex Falkenhayn"
Auf
Antrag
des klerikalen Abgeordneten Graf
Falkenhayn hin beschliesst die Mehrheit des Parlaments die "Lex
Falkenhayn":
Missliebigen
Abgeordneten
-- soll das Wort
entzogen werden
können
-- soll ein Verweis
vom Parlament bis
zu 30 Tagen erteilt werden können
-- soll bei
Verweigerung des Befehls
die Polizeigewalt zum Vollzug aufgezwungen werden können.
Das
Parlament
beschliesst mit Mehrheit, das neue Gesetz ohne Debatte
anzunehmen. Die deutsch-nationale Minderheit fühlt sich dabei wieder
"vergewaltigt" (Rudolf) und belagert die Ministerbank. Schönerer
weist Badeni die Tür, worauf die ganze Regierung unter
deutsch-nationalen
Flüchen den Saal verlässt. Hauptsache, sie hat die "Lex Falkenhayn"
durchgebracht (Rudolf,
S.75-76).
26.11.1897
Entscheidung
über Badeni und seine Regierung: Die Schlacht mit der Polizei im "Hohen
Haus" (Schnee, S.55;
Rudolf, S.77-81)
Gleich am
Anfang der Sitzung um 11 Uhr ruft die deutsch-nationale
Abordnung zur
Regierung "Hinaus!"
Der
Lärmpegel
steigert sich, und zusammen ersteigen die
deutsch-nationalen
Abgeordneten die Präsidententribüne und werfen alle Unterlagen des
Präsidenten
inklusive Tintenzeug und Glocke zu Boden. Die Parlamentsdiener können
nicht
eingreifen, Badeni wird bedrängt. Dieser will flüchten, wird jedoch
geschnappt
und verprügelt wie auch die beiden Vizepräsidenten.
Wachleute
erscheinen mit gezücktem Säbel, von Polizeiräten und
Detektiven
begleitet, besetzen die Tribüne und räumen die Galerie. Badeni
erscheint
wieder, verschanzt sich hinter 100 Wachleuten, worauf ihm von den
Deutsch-Nationalen mit Vergeltung gedroht wird. Karl
Hermann Wolf wird auf seinen Ruf gegen Badeni "Sie
gehören ins Kriminal, Sie Hochverräter!" als erster von der Polizei
hinausgetragen und für drei Sitzungen gesperrt.
Der
Tumult
sprengt nun alle Grenzen. Die Deutschnationalen fordern,
dass gleich
alle von ihnen ausgeschlossen werden. Badeni wird als "Moskowiter",
als "russischer Polizeiminister" beschimpft. Papierballen und
Tintenfässer fliegen, der Lärm wird mit Kindermusikinstrumenten auch
von der
Galerie her verstärkt. Schönerer fordert die ganze Regierung "an den
Laternenpfahl".
Die
Polizei
formiert sich unter dem Beifall der Klerikalen und
Christlichsozialen. Der Tumult eskaliert. Schönerer wirft Badeni seine
Glocke
an den Kopf. Massenweise fliegen Bücher, Pultdeckel, Tintenfässer und
Akten
gegen die Polizei. Jeder der Deutschnationalen wird im Verhältnis 8:1
mit
Gewalt hinausgeschleppt, währenddessen die Galerie für die
Deutschnationalen
Stimmung macht. Die Feuerwehr greift ein und räumt die Galerie,
darunter auch
der "amerikanische" Journalist und Humorist Mark Twain.
Badeni schliesst die Sitzung.
26.-27.11. 1897
Demonstrationen
für Schönerer - Gewalt von Polizei und Militär
(Rudolf, S.82-84;
Schnee,
S.55)
Die
Erregung
in der Bevölkerung steigert sich. Am Abend des
26. November
demonstriert die nationale Studentenschaft für Schönerer vor dem
Parlament, vor
dem Rathaus und vor dem Innenministerium. Auch die nicht von der
Sprachverordnung betroffenen Länder Deutsch-Österreichs geraten in
Aufruhr.
Bei
Demonstrationen wird der Ausnahmezustand verhängt, der meist durch
nichtdeutsches Militär [aus den "slawischen Ländern"] durchgesetzt
wird. Die Deutsch-Österreicher werden zu Fremden im eigenen Land. Die
Arbeiterschaft in Wien schliesst sich den Demonstrationen an.
Man ruft: "Nieder mit Badeni!"
Die
Polizei
und das nichtdeutsche ["slawische"] Militär gehen
rücksichtslos und brutal auch gegen Frauen und Kinder vor. Es kommt zur
höchsten Erbitterung in der deutschösterreichischen Bevölkerung. Die
Wache
dringt in die Universität ein, was nicht einmal bei der Revolution von
1848 der
Fall gewesen war. In Wien zählt man am Abend 61 Verhaftungen.
In Graz,
einer fest Schönerer-treuen Stadt, der zweitgrössten Stadt
Deutsch-Österreichs, geht das Volk in Massen auf die Strasse mit
nationalen
Liedern, Reden und Huldigungen. Nach Veröffentlichungen der
Geschehnisse im
"Tagblatt" kommt es zu Demonstrationen mit dem
"Bismarcklied", der "Wacht am Rhein", Pfuirufen auf Badeni
und seine "moskowitische Herrschaft".
Nach der
Zerstörung des Lokals des klerikalen "Volksblatt" durch die
Masse greift slowenisches Militär und bosnische Infanterie ein mit dem
Ruf:
"Haut's die Hunde nieder! Haut's die
deutschen Hunde
nieder!"
Eine
Salve
hinterlässt zwei
Tote und
"eine Menge Schwer- und Leichtverletzte" (Rudolf). Die Masse kann
durch nationale Führer nur mit Mühe vor der Rache am fremdsprachigen
Militär
zurückgehalten werden, das sich zurückzieht.
(Rudolf,
S.82-84;
Schnee, S.55)
[Der Kaiser in Wien hat damit den
völkerrechtswidrigen Grenzen der "CSSR" von 1918 Tür und Tor
geöffnet...].
Der Empfang der
chcristlichsozialen
Abgeordneten am 27.11.1897 in
Salzburg nach der Badeni-Sitzung wird
zur nationalen
Demonstration vor der
Landesregierung
mit Gesängen
"Wacht am Rhein" und anderen nationalen Liedern und Rufen wie: "Nieder
Badeni!" - "Nieder mit der Regierung!" - "Nieder mit den Pfaffen!" -
"Tod den Juden!" - "Heil Schönerer!" Schliesslich wird die
Landesregierung in demonstrativer Weise
ausgepfiffen. Die
deutsch-nationalen Abgeordneten, die einen Zug später gefahren sind,
werden
jubelnd empfangen (Schnee, S.85).
28.11.1897
Die
Entlassung von Badeni am 28.November 1897
Schnee:
"Am 28.November, einem Sonntag, glich Wien
einem
Heerlager. Die Ringstrasse
ist mit Menschen übersät; die Massen schrien immer wieder: 'Nieder mit
Badeni!'
"
Dr.
Lueger in
Wien muss dem
Kaiser erklären,
dass er für die Ruhe in der Hauptstadt nicht mehr bürgen könne. Erst
jetzt wird
Badeni entlassen. In ganz Deutschösterreich werden Freudenfeste und
Demonstrationen für Schönerer und seine Getreuen veranstaltet (Schnee,
S.55;
Rudolf, S.86).
29.11.1897
Beerdigung
der Opfer von Graz - Bestrafungen für Beteiligte - der Konflikt schwelt
im Untergrund
Die
Bestattung der Todesopfer der Demonstrationen in Graz findet unter
grosser
Beteiligung statt. Die Beteiligung für Mittelschüler und Studenten an
den
Trauerfeierlichkeiten wird verboten. Zur Strafe für die Beteiligung
wollen die
Behörden die betroffenen Schüler und Studenten relegieren. Da sich
plötzlich
alle Schüler und Studenten als Beteiligte melden, werden jedoch nur
Rügen oder
Körperstrafen ausgesprochen.
Dafür
werden
beteiligte Reserveoffiziere degradiert. Diese verlieren
ihren
Offiziersgrad. Auch 1914 bei Ausbruch des Weltkrieges wird die
Degradierung nicht
rückgängig gemacht (Rudolf,
S.85).
[Die Diktatur des Kaisers, der
nur
noch an seinem Sessel klebt und
eigentlich
völlig überflüssig ist, schreitet fort, und die Eskalation auch...].
Am 7.12.1897 wird zu Ehren
Schönerers in
Eger ein
Fackelzug veranstaltet
(Schnee, S.59). Am 10.12.1897
demonstrieren Studenten in Wien gegen Rom und für eine protestantische
Kirche und eine nationale Erziehung (Schnee, S.65). Bei einer erneuten
Studentendemonstration in Wien erklärt am 12.12.1897 Theodor
Rakus: "Gott
verlässt keinen Deutschen. Daran wollen wir
festhalten."
(Schnee,
S.65)
Am selben 12.12.1897 kommen an
einem
"Deutschen Volkstag" in Wien unter Vorsitz
von Karl
Hermann Wolf über 6000
Leute aller Parteien zusammen, um die deutsche Staatssprache zu
verteidigen. Schönerer
wird als "der
Retter und
Schützer, als der aufrechte Mann" gefeiert (Schnee, S.59;
Rudolf,
S.86).
Am 14.- 16.12.1897 sind der Sturz
Badenis und sein Sprachengesetz Thema
im Reichstag in Berlin durch die
Abgeordneten Hasse,
Zimmermann, Förster und Liebermann
von Sonnenberg. Liebermann zweifelt an der Stärke des
Bundesgenossen Österreich, wenn es slawisch geführt wird.
Im
Zweiten
Reich finden
auch wieder
Solidaritätskundgebungen für das Deutschtum in Österreich-Ungarn statt.
Dabei
verbieten die Berliner Behörden allerdings die Einreise von
österreichischen
Rednern.
Der
"Allgemeine Deutsche Schulverein" des Zweiten Reichs organisiert
Solidaritätskundgebungen. Historiker Wattenbach
"rechtfertigt" die Einmischung mit einer "tiefen Schädigung" des
deutschen Volkstums in Österreich durch "fanatische Führer eines
fremden Stammes".
Ab dem
Sturz
Badenis gehen
Aussen- und
Innenpolitik in Deutschösterreich extrem entgegengesetzte Wege. Viele
Reichsdeutsche erkennen das Problem aber kaum, dafür jedoch Engländer
und
Franzosen (Schnee, S.56-58).
Ab 1897 weitet sich der Kampf um
Badenis Sprachprogramm weitet
unterschwellig aus, so
dass am
Ende alle nichtdeutschen Völker der Monarchie in Stimmung gegen alles
Deutsche
gebracht werden (Rudolf,
S.87).
Die
deutsch-slawischen
Konflikte
übertragen sich auf andere Gebiete. Die Regierung in Wien muss immer
mehr mit dem
Notstandsparagraph 14 regieren, denn die Staatsgrundgesetze können
schon von
den Bedingungen her nicht mehr eingehalten werden. Das Parlament ist
"feige, servil, gekauft und bestochen". Schönerer kämpft vergeblich
für seine Ansicht und seine Visionen der Lösung der Lage (Rudolf,
S.90).
[aber der Kaiser in Wien will
doch
kein Bundesfürst werden...]
Ab 1897
entfaltet Karl Hermann Wolf rege Werbetätigkeit
in Böhmen für die Alldeutsche Bewegung. In der von Wolf selbst
geleiteten
"Ostdeutschen Rundschau" wagt es Wolf gegenüber Schönerer oft, eigene
Meinungen zu vertreten. Schönerer sieht Wolf nicht ohne Eifersucht zu
(Schnee,
S.78).
Schönerer selbst
hofft
fortan, dass
Deutschösterreich protestantisch werde und dass Deutschland ein
protestantisches Deutschösterreich eher annektieren werde oder
wenigstens eher
eingreifen werde, als wenn Österreich katholisch ist (Schnee, S.66).
[Ein protestantisches Berlin hat
kein
grosses Interesse an einem
katholischen
Österreich. Auch dies scheint ein grosser Faktor im Spiel der Mächte zu
sein].
Innerhalb der Los-von-Rom-Bewegung
gegen den Katholizismus kommt es in Deutschösterreich 1897-1907 zu ca.
50'000 Kirchenaustritten, v.a. mit Anschluss an die evangelische
Kirche. Bis 1914 sind es
ca. 100'000 Austritte,
davon 75'222 Austritte zur evangelischen Kirche, die anderen werden
altkatholisch oder konfessionslos (Schnee,
S.68).
1897-1910 läuft die
"Tschechisierung" aber weiter. Bis
1910 steigt durch Zuzüge der
Anteil der tschechischen Landesbeamten
in
Böhmen auf 95 %.
Zudem sind
Bestrebungen der Tschechen im Gang, das Kronland Niederösterreich
zweisprachig
zu machen. Dagegen profilieren sich die Schönerianer immer mehr, vor
allem durch Wolf,
Türk und Iro. Türk meint gar,
die Deutschen müssten ihr Recht ausserhalb Österreichs suchen und ihre
letzte
Hoffnung auf auswärtige Ereignisse setzen, wenn ihnen in Österreich
keine
Gerechtigkeit zuteil würde (Schnee, S.59).
1898
Der
Buchdruckergehilfe Ferdinand
Burschoffsky gründet im April 1898 den Mährisch-Trübauer "Verband
deutscher
Gehilfen- und Arbeitervereinigungen Österreichs" (Schnee,
S.85).
Am 7.6.1898 wird die Sprachenverordnung
Badenis aufgehoben,
unterstützt mit einer Schönerer-Petition mit 51'674
Unterschriften (Schnee, S.59;
Rudolf, S.87).
Am 10.7.1898 spricht Schönerer
in Eger vor 3000 Männern an einer deutschen Volksversammlung (Schnee,
S.59)
Am 30. Juli 1898 stirbt Bismarck.
Schönerer führt die Pilgerfahrten an
sein Grab im Sachsenwald bei Hamburg ein
(Schnee, S.19).
[Bismarck hat einen grossen
Fehler
gemacht: Er hat keinen Nachfolger
aufgebaut...].
1899
Schönerer will
die Los-von-Rom-Bewegung im Parteiprogramm der
"Alldeutschen" sehen
(Schnee, S.78). Damit schafft
sich Schönerer aber viele Gegner, z.B.
Alban
Schachleiter in Prag. Der
am
20. Januar 1861 in Mainz
geborene Abt von St. Emaus in
Prag, Alban Schachleiter, hat das Hauptverdienst,
die Massen der Bevölkerung Deutschösterreichs der katholischen Kirche
erhalten
zu haben. Ab 1892 ist er im Stift Emaus
in Prag tätig, das von Kaiser Karl
IV. als ein "Bollwerk" des Deutschtums in Böhmen gegründet wurde.
Schachleiter gilt bald als Repräsentant der Deutschen inmitten der
Tschechen.
Gleichzeitig verfolgen die Tschechen Schachleiter in Prag mit
"tödlichem
Hass". Er macht trotzdem weiter seine Laufbahn (Schnee, S.71).
[Die Situation eskaliert, statt
dass
sie reguliert wird...].
Der "Bund
deutscher
Landwirte in der
Ostmark" wird behördlich aufgelöst (Schnee,
S.44).
Franz
Stein
gründet den
"Bund deutscher Arbeiter Germania" (Schnee,
S.85).
15.1.1899
Schönerer
tritt der Los-von-Rom-Bewegung bei - Solidarität in Berlin verboten
Die
Führung
der Los-von-Rom-Bewegung haben Dr.
Eisenkolb (Rechtsanwalt in Karbiss)
und Dr. Rakus (Arzt in Salzburg)
inne. An einer grossen
Los-von-Rom-Versammlung vor 800 Delegierten der Kronländer tritt
Schönerer der
Bewegung bei und fordert die Hörer zum Kirchenaustritt und
Kirchenübertritt zur
evangelischen oder altkatholischen Kirche auf. Er selber werde in die
evangelische Kirche wechseln, wenn 10'000 Leute mit ihm wechseln
würden. Schönerer klopft dabei Sprüche, wo "Germaniens Dom" beschworen
wird.
Die
Kirchen
in Berlin
wollen es mit der
Kirche in Wien nicht verderben und verbieten der Bevölkerung, für die
"Los-von-Rom-Bewegung" Kirchengelder zu spenden. Die Bewegung wird
aber durch verschiedene Verlage im Zweiten Reich unterstützt, z.B.
durch den
Münchner Verleger J.Fr. Lehmann. und
seiner Zeitschrift "Wartburg"
(Schnee, S.66-67, 70; Rudolf,
S.87).
[Es stellt sich die Frage, wieso
sich
die katholische Kirche die
Slawisierung gewähren liess. Auch dem Papst geht es scheinbar nur um
seinen Sessel...].
1899 ca.
Christlichsoziale
Partei gegen deutschen Klerus
Die
christlichsozialen Politiker
unter Lueger sprechen von einer "Gefahr eines deutschgesinnten
Klerus". Die Forderung Schönerers nach deutschen Priestern für deutsche
Gemeinden" wird als "mut- und böswilliger Eingriff in die kirchliche
Sphäre" abgewiesen (Rudolf, S.88).
20.5.1899
Die
"Gemeinbürgschaft" stellt ihr "Pfingstprogramm" vor
Beteiligt sind
-- die
"Deutschfortschrittlichen"
-- die
"Freie
Deutsche Vereinigung"
-- der
"Verfassungstreue Grossgrundbesitz"
-- die
"Deutsche Volkspartei"
--
"Christlichsozialen".
Gefordert
wird, Deutsch als Vermittlungssprache festzulegen. Dies ist
Schönerer aber
zu wenig (Schnee, S.59-60).
1900
Dieses
Jahr
ist der Höhepunkt von Luegers
und Schönerers Politik und Einfluss (Schnee,
S.3). Schönerer gründet
neu den "Deutschen
Landwirte-Bund" (Schnee,
S.45). Die "Alldeutschen"
organisieren sich im
"Deutschnationalen Verein für
Österreich", geführt
von Karl
Hermann Wolf.
Schönerer ist Ehrenmitglied.
Abgeordnete
der Alldeutschen in Wien sind Hauck
(für den 4. und 10.Bezirk in Wien) und Dötz
(für Zwettl und Niederösterreich) (Schnee, S.45).
Am 15.1.1900
wechselt
Schönerer in die
evangelische Kirche, auch ohne dass schon
10'000
Übertritte zustandegekommen sind. Schönerer verfasst auch
Werbeschriften gegen
Rom.
Andere
führende Mitglieder der Alldeutschen Bewegung wie Karl
Türk machen beim Kirchenaustritt jedoch nicht mit. Somit wird
die Sache für die Masse unglaubwürdig und die Bewegung "Los-von-Rom"
kommt nicht zum Durchbruch: Das Vorhaben, die Bevölkerung
Deutschösterreichs in der protestantischen Kirche zu einigen, gelingt
nicht. Trotzdem verhilft die Bewegung der evangelischen
Kirche
und dem Protestantismus in Österreich zu einer gesicherten Macht. Die
Klerikalen wagen es fortan nicht mehr, die protestantische Kirche des
"Volksverrats" zu bezichtigen (Schnee, S.66,71; Rudolf, S.90).
Am 16.7.1900 postuliert Karl
Hermann
Wolf an der "Alldeutschen Tagung"
in Eger, dass die religiösen Angelegenheiten im Parteigrpgramm nichts
zu suchen hätten mit der Begründung: "Politik
ist vergänglich,
das
Evangelium ist ewig." (Schnee,
S.78)
1901
An einer
Versammlung lehnen 8 Deutschradikale, darunter die
Protestanten Rudolf
Berger, Dr. Eisenkolb und Karl Hermann Wolf,
die Verbindung der Alldeutschen Bewegung
mit der Los-von-Rom-Bewegung ab. Schönerer ist weiter entschieden
dafür, dass
der Ruf "Los-von-Rom" mit ins Programm aufgenommen wird (Schnee, S.78).
Prag mit
dem
Stift Emaus
erreicht deutschen
Priesternachwuchs: 1901 erhält Prag den deutschen Weihbischof Dr. Frind (Schnee, S.72).
1901
verlegt Franz Stein den Sitz
seines sudetendeutschen Arbeiterbundes "Germania" nach Wien (Schnee, S.85).
Wahlen
1901: 21 Alldeutsche Abgeordnete
Im Jahr 1901
werden 21
alldeutsche Abgeordnete ins Parlament gewählt, von denen ausser einem
alle aus
dem Sudetenraum bestimmt sind. Schönerer nennt seine Partei nach den
Wahlen
öffentlich "Alldeutsche Vereinigung". "Deutschradikal" wird
Sammelbegriff für diejenigen, die nicht liberal oder klerikal sind,
oder der
Deutschen Volkspartei angehören (Schnee, S.73-74, 76).
Arierparagraph
Der gesamte
österreichische
Turnkreis nimmt 1901 mit 120:15 Stimmen den Arierparagraphen an:
"Verbandsvereine können nur solche sein,
welche Deutsche
arischer Abstammung
als Mitglieder aufnehmen."
Schönerer
wird Schirmherr der antisemitischen Turnvereine, später
Ehrenmitglied
von über 60 antisemitischen Turnvereinen (Schnee, S.34).
[Dem Kaiser ist das alles egal,
er
will nur seinen Sessel retten...]
Das
neue Programm des "Alldeutschen Verbandes"
Es
basiert
auf dem Linzer Programm von 1882, zusätzlich mit der
Forderung des
Anschlusses an das Zweite Reich als Bundesland:
-- Vereinigung in
einem gemeinsamen
Reich
-- Kampf gegen
spaltende Mächte
-- unerbittlicher
Kampf gegen
Judentum, Klassen- und Priesterherrschaft
-- alle
Lebensfragen sollen nach
deutsch-völkischen Gesichtspunkten geregelt werden
-- Forderung nach
der Sicherstellung
der deutschen Sprache als Amtssprache
-- Forderung nach
Deutsch als
Parlamentssprache
-- Forderung nach
einem Verbot des
Terminhandels: hat Erfolg im Parlament
-- Forderung nach
Einschränkung des
Getreidewuchers: hat Erfolg im Parlament (Schnee,
S.16,74-76,83).
Im
"Alldeutschen Verband" regt sich aber Widerstand gegen das neue
Programm, denn dem "Alldeutschen Verband" gehören Mitglieder von
verschiedenen Parteien an. Vorsitzender Prof.
Dr. Hasse setzt sich in Leipzig
im Gesamtvorstand für eine öffentliche Kundgebung gegen Schönerer ein.
Auf
Antrag der österreichischen Mitglieder wird eine öffentliche Erklärung
im
Interesse des "ringenden Deutschtums" unterlassen. Es kommt zur Spaltung zwischen Schönerer und Karl
Hermann Wolf, denn Wolf akzeptiert den Staat (Schnee, S.76-77).
Ab 1901 hofft Schönerer, dass
die Tschechen sich zu Deutschen wandeln...
(Schnee, S.75)
[Dem Kaiser in Wien ist dies
egal...].
Rothschild
wird "hoffähig"
Der
jüdische
Milliardär Baron Rothschild
wird im Januar / Februar 1901 in den Kreis der "hoffähigen Familien"
aufgenommen. So
protestiert Schönerer am 12.2.1901 in einer Rede für das einfache Volk,
dessen Meinung nie gehört
werde. Er beklagt eine "Verjudung" im Staatsapparat.
Man
solle dem
Beispiel des
preussischen Justizministers Schönstedt
folgen, der klar gemacht habe, dass nicht jeder "Jude" eine Stelle
erhalten könne, auch wenn er eine Prüfung abgelegt und diese bestanden
habe,
sondern "dass für ihn in erster Stelle das Interesse der Bevölkerung
massgebend sei". (Schnee,
S.218-219)
[Der Kaiser spielt weiter eine
Volksgruppe gegen die andere aus...]
Schönerer
äussert am
18.4.1901 im
Abgeordnetenhaus in
Wien seine Hoffnung auf Auflösung des Staates: "... dass mit
der Auflösung eines Staates die Erlösung
eines
Volkes" verbunden sein könnte". (Schnee,
S.74)
Und am 16.12.1901 redet Schönerer
gegen den Milliardär Baron Rothschild und die "Nordbahnjuden" und für ein neues
Einkommensgesetz:
-- die
Junibilanz des Wiener
Hauses Rothschild im "Deutschen Volksblatt" besage, dass sich der
Aktivsaldo des Hauses Rothschild auf 11'116'594'672 Kronen und 12
Heller
belaufe
-- bei einem
angenommenen Zinssatz
von 4 % verdiene der Baron 52'000 Kronen pro Stunde
-- gegenüber der
Not und dem Elend in
weiten Bevölkerungskreisen sei dieser Zustand nicht mehr hinnehmbar
-- der Staat werde
so unaufhaltsam
seinem Untergange entgegengebracht, denn gegen solch grosse Kapitalien
könne
der Staat keinen Widerstand mehr leisten
-- der Baron
betrüge den Staat auch
um die bis jetzt geltende Einkommensteuer von 5 % für höchste
Vermögen,
denn er gäbe sein Vermögen nicht voll an
Schönerer
-- fordert eine
Entlastung der
Einkommen der Arbeiter
-- fordert, dass
die Bedürfnisse des
Staates v.a. von den Besitzern der grossen Einkommen gedeckt werden
(Schnee,
S.220-222).
1902
Sudetenland:
Der 1898 gegründete "Verband deutscher Gehilfen- und
Arbeitervereinigungen
Österreichs" unter Leitung von Ferdinand
Burschoffsky zählt 1902 bereits 136 Vereine mit 17'000
Mitgliedern
(Schnee, S.85).
Nach dem
Tod
von Ernst
Vergani kann das "Deutsche Volksblatt" nach
zwischenzeitlichem Nichterscheinen erst wieder während des Weltkriegs
von Prof. Dr. Hugelmann weitergeführt
werden (Schnee, S.41-42).
Professor Dr.
Hilgenreiner wagt in Prag
in Broschürenform das öffentliche Auftreten für deutsche Bistümer in
Böhmen
gegen die Tschechen (Schnee, S.72).
Bei einem
Prozess
zwischen Karl Hermann Wolf und Schönerer spaltet sich die Alldeutsche
Vereinigung in der Auseinandersetzung um "Tugenden". Die Wolf-Gruppe
heisst zuerst
"Freialldeutsch",
dann "Deutschradikal" (Schnee, S.78-82). Das Blatt
"Ostdeutsche Rundschau" wird das Parteiblatt der Anhänger Wolfs. Auch
der "Deutschnationale Arbeiterbund" mit der Zeitung "Der
Hammer" geht nach der Spaltung eigene Wege
(Schnee, S.45). Schönerer
bleiben die
Zeitungen "Bote aus dem
Waldviertel" (2mal monatlich, 1878 - 1922), und "Bezirksbote für
Favoriten
und Wieden", herausgegeben von W.
Philipp Hauck (Schnee,
S.45).
Wolf ist für die Teilung Böhmens (im Gegensatz dazu
will Schönerer
eine
Auflösung der tschechischen Identität anstreben). Wolf stellt sich
gegen die
Forderung, Deutsch als Amtssprache abzusichern, und er ist für
eine Annäherung an
die "Deutsche Volkspartei". Wolf und seine Anhänger
lassen das Recht auf Tschechisch als Amtssprache zu, oder sie
unterlassen
wenigstens die Unterstützung für Schönerer. Die Arbeit im Parlament
verliert
sich bei beiden Gruppen in Nebensächlichkeiten (Schnee, S.75,83).
Schönerer
teilt am 16.1.1902 in Eger das Zerwürfnis zwischen ihm und
Karl Hermann
Wolf mit. Im selben Jahr legt er die Ehrenmitgliedschaft des
"Vereines der
Deutschnationalen in Österreich" nieder. Er erhält in seiner Anschauung
Unterstützung durch den neu
gegründeten
"Alldeutschen Verein für die Ostmark". (Schnee, S.78-79)
Die
deutsch-nationale
Arbeiterschaft in Böhmen neigt mehr zu Wolf, findet dann aber eine
eigene
Richtung (Zeitung: "Der
Hammer"). Am 20. April
1902 beschliessen 158 Vertrauensmänner eine unabhängige
Reichsorganisation der
deutsch-nationalen Arbeiterschaft (Schnee, S.86).
8.12.1902
Arbeiterbewegung
in den Sudetenländern: Beschluss zur "Deutschen Arbeiterpartei" DAP
An der
Tagung
der deutsch-nationalen Arbeiterschaft in Reichenberg mit
30'000
organisierten Arbeitern wird der
Beschluss gefasst, die selbständige "Deutsche
Arbeiterpartei" zu gründen (Schnee, S.86).
[Da ist es also passiert: Die
Politik
beginnt der Oberschicht nun
völlig aus
den Händen zu gleiten...].
1903
Iro
übernimmt
die Zeitschrift "Unverfälschte
Deutsche Worte" in seinen Besitz. Er setzt sich Schönerer-treu für
ein
"unverfälschtes Deutschtum" und gegen alle überstaatlichen Mächte ein
(Schnee, S.93).
Schönerer
begreift den
Sozialismus der DAP
nicht, ist gegen hohe
Wehrvorlagen, die
steuerliche Belastungen mit sich bringen, befürwortet gleichzeitigt den
in
Südafrika, denn die Buren seien stammesverwandt und Burenland müsse
deutsch
werden.
Schönerer
bleibt stur am Rassismus hängen und prophezeit den Zerfall
der Monarchie. Er hämmert der
Bevölkerung immer
ein, deutsch zu fühlen und deutsch zu bekennen, denn Polen und
Tschechen
bezeichneten sich nie als Österreicher [!]. Schönerer wirkt
auch im Zweiten Reich und
stellt dort den Staatsgedanken dem Volksbegriff gegenüber, hat dort
aber kaum Erfolg.
Schönerer ist
Vorkämpfer der
Bodenpolitik in Österreich in Anlehnung an das Deutsche Reich. Er erkennt
mit
Bismarck, dass
wirtschaftliche Unsicherheit die Arbeiter in den Kommunismus treibt.
Somit
kämpft Schönerer für die Sozialziele nach Vorbild von Bismarck und ist
für eine
nationale Arbeiterbewegung in Österreich (Schnee,
S.105-107).
Erste
"deutsche Weltanschauung"
(Schnee,
S.93-95)
Ab Anfang
des
20. Jh.
wird von den
Alldeutschen der Versuch der Vermittlung einer "deutschen
Weltanschauung" gemacht
-- mit
Aufsätzen in der Zeitung "Alldeutsches Tagblatt"
-- und
mit
Aufsätzen in der Zeitung "Unverfälschte Deutsche Worte"
-- mit
Angaben gegen jüdische Dichter und Komponisten wie Gustav Maler
-- mit
"deutschbewussten" Dichtern wie Robert Hamerling, Joseph Viktor,
Adolf Pichler, Felix Dahn, Ottokar Kernstock, Moeller van den
Bruck Ernst von Wildenbruch und den Komponisten Josef Reiter.
Die
Grundlagen des "Deutschtums" sind gemäss Schönerer:
-- das Germanentum
[eine Erfindung
der Renaissance]
-- Edda als
heiligstes Buch der
Germanen
-- die Forderung
nach deutschen
Monatsnamen
-- die Forderung
nach deutsch-germanischen Kindernamen
-- der Ausdruck
"Sonnabend"
statt "Samstag"
-- "alle Kultur
sei
rassisch bedingt,
denn Kultur liege im Blut und wandere nicht wie eine Fackel von einem
Volk zum
andern"
-- Schönerer hat erste
Gedanken an
eine "Rassenveredelung"
-- die Wirtschaft
müsse dem Volke
dienen und nicht umgekehrt
-- die Kalenderzählung
soll ab 113
v.Chr. von der Schlacht der Germanen von Noreja
an beginnen, mit neuen Abkürzungen v.N. / n.N.
So könne
eine
neue "geistige und seelische Erneuerung" stattfinden
[Es ist erstaunlich: Hitler und
seine
NS-Schergen müssen ab 1933 dieses
"germanische" Programm nur abschreiben...]
15.11.1903
Gründung
der "Deutschen Arbeiterpartei DAP" in Aussig (heute Ustí n.L.) durch
die Arbeiterbewegung in den Sudetenländern
-- für Volkstum
-- für Freiheit
-- für soziale
Gerechtigkeit.
Führer
der
DAP ist Hans Knirsch. Die
Führer sind Wilhelm Prediger, Hans Krebs, Ferdinand Burschoffsky,
Walter Gattermayer, Hans Knirsch, Dr. Walter Riehl, Rudolf Jung
(treibende Kraft). Die DAP wird unmittelbare Vorläuferin der
"Nationalsozialistischen
Arbeiterpartei NSAP" in Österreich, Vorläufer der späteren
"Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei NSDAP" (Schnee, S.86).
1904
Abdankung
des slawenfreundlichen Erzbischofs Dr. Kohn von Olmütz
(Schnee, S.48).
Wien: Das
"Alldeutsche
Tageblatt"
wendet
sich 1904 gegen die Wahl des getauften Juden Dr. Porzer
zum zweiten Vizebürgermeister von Wien (Schnee, S.48).
Ab 1904
wirken in Brünn
und Olmütz
tschechische Bischöfe, die aus ursprünglich deutschen Familien stammen:
in
Brünn Bischof Graf Huyn, in Olmütz Dr.
Bauer. Auch diese
"Überläufer" brandmarkt Schönerer im "Alldeutschen
Tageblatt" als "Renegaten" / Abtrünnige (Schnee, S.63-64).
Am 17.1.1904 wird die "Deutsche
Arbeiterzeitung" mit Sitz in Aussig
gegründet (Schnee,
S.86).
Am 3.4.1904 weiht Schönerer in
Zwettl eine
von ihm gestiftete evangelische
Kapelle ein (Schnee, S.66).
1905
Schönerer stellt
wiederholt erfolglose Anträge für eine Personalunion zwischen
Österreich
und Ungarn. Der Lehrer Joseph Patry, begeistert
von der Idee, gibt einen Mahnruf heraus: Man solle ja nicht die
Deutschen im
westlichen Ungarn vergessen (Schnee, S.90).
1906
Ungarn: Das
"Alldeutsche Tagblatt" startet einen "Weckruf" wegen
den Deutschen in Ungarn mit der Forderung: "Westungarn
zu Deutschösterreich!" Die
Zeitung fordert, dass Pressburg (Bratislava), Raab (Györ),
Komorn, Ödenburg (Sopron) und St.
Gotthard an Deutschösterreich fallen sollen. Im
selben Jahr gründet der Lehrer Josef Patry einen "Verein
zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn" (Schnee, S.90).
Wien:
Die
Wahlrechtsreform
der Regierung Beck
gegen
Deutschösterreich
Ministerpräsident Beck
und seine
Regierung legen dem Parlament in Wien das Gesetz für eine
"Wahlrechtsreform" vor. Jeder Einwohner der Monarchie soll das volle
Stimmrecht erhalten. Damit sind Deutsche und Nicht-Deutsche auf
eine Stufe gestellt, was den Anhängern der Rassisten gar nicht passt
(Schnee,
S.87-88).
[Gleichberechtigung bedeutet aber
in
dem speziellen Fall der
k.u.k.-Monarchie effektiv die Entrechtung der Deutschösterreicher gegen
eine massive slawische Mehrheit...]
Schönerers
Argumente gegen die Wahlrechtsreform ist der Analphabetismus (Schnee,
S.88-89;
Rudolf,
S.95-100). Schönerer [und mit
ihm andere] bekämpfen die Wahlrechtsreform, die auch
den
Analphabeten der Ostprovinzen gleiche Stimmrechte einräumt. Er zeigt
die
Statistik von 1895/96 vor. Demnach beträgt die Analphabetenquote
-- in den deutschen
Bundesländern
Deutschösterreich und Sudetenländer 3-4%
-- in Dalmatien 58 %
-- in Galizien 60 %
-- in der Bukowina
70 %.
Weitere
Argumente Schönerers gegen Gleichberechtigung:
-- die deutschen
Bundesländer erbrächten
3/4 des Steuereinkommen pro Kopf für die ganze Monarchie
-- "gleiches Recht"
für
Analphabeten und Grundbesitzer sei "ungleich"
-- schon Schiller
habe sich gegen ein Mehrheitssystem gewandt: "Was
ist Mehrheit? Mehrheit ist Unsinn! Verstand ist stets
bei
wenigen gewesen!"
und noch viele andere Sprüche
gegen
die "Masse".
Nach
einer
Diskussion mit Karl Hermann Wolf ist Schönerer bereit,
der Wahlreform zuzustimmen, wenn Galizien einen Sonderstatus erhält.
[Adolf Hitler kann die
Parlamentsvorgänge in Wien dieser Zeit direkt
mit
eigenen Augen mitverfolgen und verurteilt die Demokratie ebenfalls,
statt sich
andere Demokratien anzusehen...].
Schönerer
sagt eine
slawische Unterdrückung
voraus und schlägt sarkastisch einen "Orden für Volksverräter" vor:
"So möchte ich ihnen den Rat geben, sie
möchten
alleruntertänigst
in alleruntertänigster Form bei Seiner Majestät dem Kaiser in einer
alleruntertänigsten Eingabe alleruntertänigst beantragen, dass aus
Anlass des
Beschliessens der Wahlreform alleruntertänigst ein Orden geschaffen
werde,
welcher nur an deutsche Volksverräter verliehen wird!"
Deutschösterreich
wird nach
Schönerer nur im
Deutschen Reich Gleichberechtigung finden:
"Unser armer, schnöde verlassener
deutscher Volksstamm in
der
Ostmark kann nur mehr im Deutschen Reiche Schutz und Schirm seines
Volkstums
finden. Vollberechtigt ist also der Ruf, mit dem ich schliesse: Heil
dem Hort
unserer Zukunft, Heil deutschem Hohenzollernreich!"
[und Schönerer sollte Recht
behalten.
Der Kaiser hat damit die
Deutschösterreicher faktisch entrechtet, um sich selber weiter im
Kaisersessel
zu halten, um nicht vor dem deutschen Kaiser degradiert zu werden...].
Schönerer wird im
Zweiten Reich
weiterhin nicht von allen akzeptiert, denn die
Bündnistreuen wollen von der Abspaltung Deutschösterreichs nichts
wissen.
Militärisch-strategisch gesehen ist die Monarchie in ihrem jetzigen
Bestand
günstiger für die Planung taktischer deutscher Spielereien (Rudolf,
S.100).
Die
Regierung Beck in Wien bewilligt mit
Unterstützung der Tschechen, Polen, aber auch der deutschen
Sozialisten,
Christlichsozialen und den Klerikalen, das "allgemeine, gleiche und direkte
Wahlrecht". Die
Christlichsozialen bezeichnen die Schönerer-Sympathisanten als
"Barbaren". In den Augen der Alldeutschen sind die Sozialdemokraten
die willkommene Stütze für jüdische Interessen: Das Kabinett sei
bestochen.
Der
Kaiser
schafft mit der Billigung der Wahlrechtsreform die Unmöglichkeit
der deutschen Mitbestimmung
im Land: Fortan sind Polen, Tschechen, Slowenen und Kroaten im
Parlament in der Mehrheit gegenüber den deutschen
Abgeordneten. Im selben Jahr zieht sich Schönerer aus der Politik zurück
(Schnee,
S.3; Rudolf,
S.90,92,
94-95). Zwei Abgeordnete
der DAP
sind inzwischen im
mährischen Landtag (Schnee, S.87).
Die letzte Zeit
erlebt Schönerer in seiner parlamentarischen
Arbeit nur noch in Verbitterung. Die letzten Monate, die er im
Reichsrat erlebt, zeigen
die
"Korruption in vollster Blüte" und einen "ekelerregenden
Eigennutz". Schönerer muss dem "Niedergang" des Volkes
Deutsch-Österreich zusehen [und Hitler sitzt auf der Tribüne]. An der
letzten Rede Schönerers ist der Saal bis auf
den
letzten Platz gefüllt.
Schönerer
prophezeit:
"Gestatten Sie mir, meine Herren Kollegen
von rechts und
links,
Ihnen zum Schluss noch folgendes zu sagen:
Nicht um alle Würden, die
Habsburgs
Krone zu vergeben hat, möchte ich
vor euch
so dastehen, wie ihr jetzt in dieser
Stunde vor mir!" (Rudolf, S.104, 107)
1906 erfolgt die Verstaatlichung
der
Nordbahn.
Am 17.Juli 1906
stellt der Abgeordnete Steinwender fest, dass
der Staat
von Rothschild 200 Millionen (Kronen?) an Abgaben eingenommen habe
(Schnee, S.22).
[Das Gesamtvermögen von
Rothschild
fehlt in den Angaben...].
Am 23.9.1906 wird das neue
Wahlrecht
parlamentarisch verabschiedet.
Schönerer
präsentiert daraufhin das
neue
"Zukunftsprogramm der Alldeutschen":
-- totale
Feindschaft gegen den
Habsburger-Staat
-- Kampf
gegen das jetzt bestehende Zweikaiserbündnis zwischen Wien und
Berlin
-- Arbeits- und
Erziehungsprogramm
für den Anschluss (Schnee,
S.89-90).
1907
Die
Wahlrechtsreform wird
schon bei diesen
Wahlen Realität (Schnee, S.3). Die
Gruppe und Karl
Hermann
Wolf siegt in den Sudetenländern endgültig gegen Schönerers
verbliebene
Anhänger. Schönerer in seinem Wahlbezirk Eger noch
909 Stimmen, der Sozialdemokrat Albin Dötz
dagegen 4830
Stimmen. Die Gruppe um Wolf, die treu zur Monarchie steht, erreicht
dagegen 14
Mandate. Alldeutsche
Abgeordnete im Parlament in Wien sind Karl Iro, Vinzenz
Malik und Dr. Jäger
(Schnee,
S.91).
Bis 1907 sind
50'000
Kirchenaustritte
in Österreich zu verzeichnen, v.a. mit Anschluss an die evangelische
Kirche
(Schnee, S.68).
Schönerer zieht sich
aus der Politik zurück, tritt nur noch bei nationalen Feiertagen als
Redner auf, wobei die Reden meist im Voraus handschriftlich
veröffentlicht werden (Schnee, S.92).
[Insgesamt hat er die politische
Linie des Hauses Habsburg und der
Börse
überhaupt nicht verändern können, und alle Hetzerei hat nichts
gebracht, ausser
für die Zukunft ein riesiges, destruktives Potential. Die Machtpolitik
des Kaisers nach Machiavelli hat funktioniert...].
21.6.1907
Konstituierung
des "Verbands der deutschen antisemitischen
Reichsratsberichterstatter"
dabei:
-- der
Schriftleiter des
"Alldeutschen Tagblatts" Lischka
-- Berichterstatter
Blaschek für das
"Vaterland"
-- Berichterstatter
Prummler für die
"Reichspost" (Schnee, S.92).
1908
Keine
Hilfe mehr aus München für Los-von-Rom-Bewegung
Der Verleger Lehmann
in
München verlegt bis 1908 die Zeitung "Wartburg", gibt dann die
evangelische Abteilung seines Verlages wieder auf, denn die religiöse
Rechthaberei findet bald keinen Absatz mehr.
Schönerer
macht auch nach seinem Rückzug aus der Politik in
"Unverfälschte
Deutsche Worte" und seinem "Tagblatt" Werbung für die
Los-von-Rom-Bewegung
(Schnee, S.69-70).
Schachleiter im Stift St.
Emaus in Prag
wird Abt
des Stifts. Schachleiter ist ein scharfer Antisemit wie Schönerer und
glühender
Nationalist, steht jedoch zum Vatikan gegen die Los-von-Rom-Bewegung.
Er
bekämpft Schönerer wegen religiöser Fragen weiter aufs Schärfste und
gewinnt
dabei Millionenauflagen.
Im selben
Jahr 1908 kehren 1100 Übergetretene zur katholischen Kirche
zurück
[wahrscheinich wegen Schönerers Rückzug aus der Politik] (Schnee, S.71).
18.10.1908
Neue
"alldeutsche" Parole: "Ein Volk, ein Reich,..."
Der alldeutsche
Abgeordnete Dr.
Jäger gibt bei der Bismarckfeier in Eger
die Parole heraus:
"Ein Volk, ein Reich, ein Alldeutschland
unter dem Panier
Bismarcks!"
[Auch diesen Ausspruch muss
Goebbels
später nur noch variieren. Es ist nicht seine Erfindung...}
1909
Feiern zum
30-jährigen Bestehen des Zweibunds zwischen Berlin und Wien. Das
"Alldeutsche
Tagblatt" lehnt das Bündnis zwischen Berlin und Wien in der jetzigen
Form
scharf ab, denn es habe sich nur zum Schaden des Deutschtums ausgewirkt
(Schnee, S.90).
1910
Tod
Luegers
Führer der
Christlichsozialen Partei,
15 Jahre Bürgermeister Wiens (Schnee, S.3).
[Lueger hat in Wien z.T.
hervorragende Arbeit geleistet, um die
Wohnungsnot und
die hygienischen Verhältnisse in den Griff zu bekommen].
In Iglau
wird beschlossen,
die "Nationale Arbeiterjugend" in einem "Reichsverband deutscher
Arbeiterjugend" zusammenzufassen. Betreuer des Reichsverbandes
werden Rudolf
Jung und Hans Krebs (Schnee, S.86).
1911
ca.
Einweihung
des Jahn-Denkmals in Eger - das Bild vom Hengst ohne Reiter
Dem
Schöpfer
der Turnbewegung in Deutschland und Österreich, Friedrich
Ludwig Jahn, wird in Eger ein Denkmal errichtet, zu dessen
Eröffnung
Schönerer die Worte prägt:
"
Luther
sagt: 'Deutschland ist ein schöner
weidlicher Hengst,
der
Futter und alles genug hat, was er bedarf, - es fehlt ihm aber an einem
Reiter'.
So wie nun Jahn in stetem
völkischen
Pflichtbewusstsein ein deutsches
Charaktervorbild
war und ist, und später Bismarck sich als musterhafter germanischer
Reiter
erwiesen hat, so wollen wir hoffen, dass nunmehr Alldeutschlands Reiter
sich
finden möge, der dann, mit seinem Rosse verwachsen wie ein Fels, alles
Anstürmende zum Scheitern bringen wird." (Rudolf, S.114-115)
1911
Wahlen
zum Parlament in Wien
Aus den
Sudetenländern werden
gewählt:
-- 4 Alldeutsche:
Iro, Malik, Dr.
Jäger und Wüst
-- 22
Deutschradikale der Gruppe um
Karl Hermann Wolf
-- 3
DAP-Mitglieder: Fahrner,
Ferdinand Seidl, Hans Knirsch (Schnee,
S.87,91).
Gründung
des "Deutscher Nationalverbands"
Die
Deutschfreiheitlichen, die
Deutschradikalen und die DAP-Abgeordneten bilden den "Deutschen
Nationalverband". Die 3 alldeutschen Abgeordneten bleiben auf Befehl
von
Schönerer dem "Nationalverband" fern und auf Schönerers Linie
(Schnee, S.91).
1912
70. Geburtstag
von Schönerer
Rede von Karl
Iro:
-- Forderung nach
deutscher
Volkspolitik statt "Slawisierungspolitik"
-- Forderung zur
Verweigerung der Gefolgschaft
von Parteien, die die "Slawisierung" zulassen
-- Forderung nach
Befreiung des
Staates vor der "slawischen Hochflut"
-- man warte auf
den nächsten Krieg,
dann werde das Nationalitätenprinzip nach Bismarck vollendet werden
[die
Kaiserhäuser Berlin und Wien meinen, im nächsten Krieg würden sie
gewinnen...]
-- die deutschen
Gaue seien zur Zeit
Zahlstelle für die "Slawisierungspolitik" geworden
-- Ziel sei, dass
an Schönerers
100stem Geburtstag das ganze deutsche Volk jubeln könne:
"Heil dem Erwecker der alldeutschen Idee
in Österreich!
Heil dem Pionier unserer
alldeutschen
Zukunft!
Heil Schönerer!" (Schnee, S.95-98)
[Im selben Jahr kommt es zu
ersten
Kriegen auf dem Balkan mit
Zurückdrängen der
Türkei aus Bulgarien. Es "donnert" bereits. Da der Krieg auf dem
Balkan relativ kurz ist, nehmen die Propagandisten vielleicht an, dass
auch ein
"Gewitter" in Mitteleuropa nur von kurzer Dauer wird. Da haben sie
sich aber getäuscht...].
1913
1913 sind
3
Abgeordnete der DAP im mährischen Landtag, darunter der
Eisenbahningenieur Rudolf Jung (Schnee, S.87).
Parteitag
der
DAP in Iglau:
Die Partei nimmt
die nationale Zweiteilung Böhmens ins Parteiprogramm auf und schliesst
Koalitionen und Bündnisse ab (Schnee, S.87).
Iro stellt das
Ziel, die
deutsch-österreichische Einheit im Rahmen der Gesamt-Monarchie zu
vollziehen.
Schönerer kann die Dynastie nicht akzeptieren. So trennen sich Iro und
Schönerer
(Schnee, S.99).
Auf der
Rückfahrt von der
Pilgerreise zum Bismarck-Grab nach Aumühle bei Hamburg
im April 1903 verstirbt
Schönerers Frau nach kurzer Krankheit in Dresden, wo sie
begraben wird
(Schnee, S.104; Rudolf, S.118).
18.10.1913
Letzte
öffentliche Rede Schönerers: These eines Bismarcks II.
anlässlich der
Festveranstaltung
eingedenk der "Völkerschlacht bei Leipzig vor 100 Jahren":
Schönerer
ruft auf zum Gesamtwiderstand gegen das slawisierende
System auf. Er meint, dass die "österreichische Frage" bald auf
der europäischen Tagesordnung stehen werde. [Das stimmt dann auch]. Er
prophezeit die Wiedervereinigung des deutschen Volkes und mahnt wieder:
"Durch Reinheit zur Einheit!", und er
beschwört wieder
"Germaniens Dom", ohne Juden und ohne Rom...
[Die
Nazis
müssen später nur abschreiben...].
Zuletzt
prophezeit Schönerer einen zweiten Bismarck mit vielen
Heil-Rufen einen zweiten Bismarck (Schnee, S.98; Rudolf, S.115).
1914
Los-von-Rom:
Kirchenaustritte
Bis 1914 sind in
Deutschösterreich 100'000 Kirchenaustritte zu verzeichnen, 75'222 zur
evangelischen Kirche, die anderen zur altkatholischen Kirche, oder sie
werden
konfessionslos. Austritte finden v.a. in Böhmen statt, im Alpenraum nur
wenige.
Schönerer
erreicht somit sein Ziel nicht, den Habsburgern die
wichtigste
Stütze, die katholische Kirche, zu entziehen (Schnee, S.68-69).
Die Zeitung
"Zeitweiser" geht
1914 ein
(Schnee,
S.46).
[Ausbruch des Ersten Weltkrieges
Die
Beteiligten meinen, sie seien an Weihnachten wieder zu
Hause, und es
werde ein schneller Krieg wie 1871. Es bleibt aber nicht bei einem
"Gewitter", sondern es wird ein "Dauerregen".
Woher die Kriegsfinanzierung
kommt,
bleibt eine andere Frage. Meistens
sind die
reichsten Financiers aus "Amerika" beteiligt, mit dem Bestreben, den
europäischen Adel auszurotten. Und das gelingt ihnen auch teilweise.
Man
finanziert einfach gleich beide Kriegsparteien gleichzeitig. So wird
"Konkurrenz" ausgeschaltet, und "Amerikas" Logenbrüder
(gegen die Kirche gerichtete Illuminaten, Freimaurer) gelangen Schritt
für
Schritt an die Weltherrschaft...].
1914-1918
Wiederaufnahme des
"Deutschen Volksblattes", geleitet vom grossdeutschen Professor Dr.
Hugelmann (Schnee, S.42).
1914-1918
Schönerers
Haltung während des Weltkriegs
->>
Einigkeitspropaganda das "Alldeutschen Tagblatts"
->>
Vergötterung der deutschen Militärführung und des "deutschen
Soldaten" (Schnee, S.98-99).
Das "Alldeutsche
Tageblatt" macht zwischen 1914 und 1919 mit Aufsätzen intensiv
Propaganda
für eine Angliederung Deutsch-Westungarn an Deutsch-Österreich (Schnee,
S.91).
1915
Denkschrift
von Iro: "Österreich nach dem Kriege"
Plan:
-- das Linzer
Programm verwirklichen
-- Österreich mit
Istrien und Triest
zusammenschliessen
-- aus den
restlichen Ländern drei
weitere Bundesstaaten bilden:
oo Kroatien, Slawonien, Bosnien,
Herzegowina, Dalmatien und Serbien
oo Ostgalizien und die Bukowina
oo Ungarn
oo Westgalizien mit Russisch- und
Preussisch-Polen vereinigen (Schnee,
S.99).
Schönerer
bleibt starr und allein - Diskussion um "Lebensfähigkeit"
Auch Jäger,
Malik und Hauck
schliessen sich gegen den Willen von Schönerer dem "Deutschen
Nationalverband" an, denn nach den ersten Kriegserfolgen glauben sie
wieder an den Bestand der Monarchie.
Schönerer
selbst aber behauptet im "Alldeutschen Tagblatt" weiter,
dass der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn "nicht lebensfähig" sei
(Schnee, S.100).
[Das Schlagwort "lebensfähig" und
"Lebensfähigkeit" ist nicht erst 1918
nach dem Kriegsende in aller Munde...]
Juli 1915
Schluss
mit "Unverfälschte Deutsche Worte"
Iro muss die
Zeitschrift im Juli
1915 aufgeben, weil er zu tolerant geworden ist: Er hat zuletzt
wohlwollend
Werke der Juden Stefan Zweig und Ludwig Fulda
besprochen (Schnee,
S.99-100).
1917
Schönerers
bekommt
seinen Adelstitel wieder
Am 75.Geburtstag erhält
Schönerer
seinen Adelstitel vom letzten
Habsburger Kaiser
Karl wieder zurück (Schnee 104; Rudolf, S.118). Schönerer in einem Brief an
die Freundin des
Hauses, Frau Marie Wall, über die Kriegslage und sein Befinden:
"Meine Menschenscheu
nimmt
stetig zu. Der Ehrliche hat das
Lachen
verlernt - die Kriegsgewinnler aber lachen Tag und Nacht!" (Rudolf,
S.118)
[Schönerer hat scheinbar keine Ahnung, welchen Einfluss die Financiers
aus
"Amerika" auf die Finanzierung der Kriege in Europa haben].
1918
Tod von
Schönerers
Sohn und der Schwiegertochter
Beide werden
durch eine
tückische Krankheit dahingerafft. Schönerer verbleibt mit der Enkelin
allein
auf Schloss Rosenau (Schnee, S.104; Rudolf, S.124).
Zusammenbruch
der Monarchie - Aktivität von Schönerer: neues Programm
Schönerer wird nach dem
Zusammenbruch der Monarchie wieder aktiv. Mit Dr.
Ursin, dem Obmann des "Alldeutschen Vereins für die Ostmark",
verfasst
er einen Vorschlag für ein gemeinsames deutschen Programm, vorerst mit
Beschränkung auf das Territorium Deutsch-Österreich (Schnee, S.101).
[und dann mit Germanisierung Europas...]
Rudolf Jung gestaltet das Programm der DAP/DNSAP (S.87).
Mai 1918
DAP-Reichsparteitag
in Wien: Wandlung zur DNSAP
Das Trautenauer Programm
von 1904 wird umgestaltet und eine
neue
Namengebung auf
Antrag von Gattermayer, Jung und Krebs beschlossen:
"Deutsche
nationalsozialistische Arbeiterpartei DNSAP" (Schnee, S.87).
4.11.1918
Schönerer
veröffentlicht sein
"Letztes Wort in letzter Stunde"
-- Angliederung
der
deutschen
Randgebiete an das Reich
-- Hoffnung, dass
"die Deutschen
Österreichs" ihre "Pflicht" erfüllen werden (Schnee, S.102).
Ende 1918 ca.
Christlichsoziale
Niederlagen
Die Sozialisten
übernehmen gegen
die Christlichsozialen die Mehrheit, sogar im Wiener Gemeinderat, von
wo die
Christlichsozialen ihren Ausgang genommen hatten (Rudolf, S.94).
Der
Rassenantisemitismus bleibt
im Volk Deutschösterreichs als das Werk Schönerers verhaftet. Die
"Juden", als "Kriegsgewinnler" tituliert, werden in grossen
Teilen des Volkes nie akzeptiert (Rudolf, S.94).
Die Slawen
besetzen
Teile von Deutschösterreich
- Schönerer behält recht
Die Voraussage
Schönerers, dass Tschechen, Slowenen und
Kroaten die
Deutschen mit "Slawisierungspolitik" in Österreich schlussendlich
vernichten wollten, findet seine Berechtigung in den gewaltsamen
slawischen
Besetzungen in deutschsprachigen Gebieten von Deutschösterreich. Erst
jetzt
wird der grossen Mehrheit der Parteien in Österreich der Weitblick von
Schönerer bewusst (Rudolf, S.100).
8.12.1918
Aufruf
Schönerers im "Alldeutschen Tagblatt"
für "Grossdeutschland!" (Schnee,
S.102)
1918-1920
Abt Schachleiter vom Stift
Emaus in Prag
wird mehrmals von der tschechischen Polizei verhaftet (Schnee, S.71).
1919
Der Adelstitel
Schönerer geht wieder verloren - "nationaler
Sozialismus" - "Erniedrigung
für Deutschland" - deutscher Antisemitismus
Schönerer verliert in
der
neuen Republik seinen Adelstitel
endgültig:
Alle Adelstitel werden in der neuen Republik Deutschösterreich, später
Republik
Österreich, ungültig (Schnee, S.104).
Rudolf Jung veröffentlicht sein Werk "Der
nationale
Sozialismus" (Schnee, S.87).
Es herrscht die Zeit
"tiefster
deutscher Erniedrigung" und völliger Hoffnungslosigkeit für die
Alldeutschen und Schönerer. Viele seiner
Voraussagen sollten sich bewahrheiten (Schnee, S.3).
Österreichs Antisemitismus wird nun
breites Vorbild in Deutschland. Der österreichische Antisemitismus
wirkt auf die nationalen Bewegungen
in
Deutschland als Vorbild. Der antisemitische Deutsche Turnerbund wird
neu gegründet (Schnee, S.34).
März 1919
Schönerer
bekommt Augenprobleme
In seinem
letzten Lebensabschnitt
erblindet Schönerer ab März 1919 mehr und mehr und kann weder lesen
noch
selbständig schreiben. Alle Korrespondenz muss er sich vorlesen lassen.
Die
eigenen Briefe kann er nur diktieren (Rudolf, S.124).
1.4.1919
Bismarckfeier
1919
Schönerer ruft einmal mehr
auf
zur Gestaltung Grossdeutschlands
(Schnee, S.103).
2.9.1919
Die
Verträge von Versailles und St-Germain
Schönerer ist
nach der Unterzeichnung
der Verträge im Innersten getroffen (Schnee, S.103).
1920
18.4.1920
Schönerers Hoffen auf
Auferstehung der "völkischen Parteien"
Schönerers Kommentar zur
Bismarckfeier im
"Alldeutschen Tagblatt":
-- Bismarck würde auswandern,
wenn er die
jetzigen Zustände in Deutschland sähe
-- dem deutschen Volke stehen
schwarze
innere und äussere Feinde gegenüber und täten ihm Schmach an
-- entgegen dem von
Bismarck stark
betonten Grundsatz seien jetzt tatsächlich zahlreiche "Juden" mit
hohen obrigkeitlichen Stellen betraut
[weil der Adel im Krieg z.T.
gestorben ist, wie dies die Financiers der
Kriege
vorauskalkuliert haben]
-- Schönerer gibt
die Hoffnung auf
eine bessere deutsche Zukunft nicht auf: "Heil also völkischer
Auferstehung!" (Schnee, S.222-223)
[Die neuen
"Grenzen" von
Jugoslawien und der "CSSR"
Der slawische Staat Jugoslawien vertreibt in
Slowenien
viele
Deutschösterreicher, und die "CSSR" hat mit Hilfe neuer - aus
Frankreich finanzierten - Truppen ganz Böhmen, Mähren und Sudetenland
besetzt.
Diese "Grenze" der "CSSR" wird in einem
"Friedensvertrag" in St-Germain auch noch diktiert.
Das heisst: Die Tschechisierung dieser Gebiete, wo vorher noch
nie
Tschechen gelebt haben, ist nun auch militärisch vollzogen, und
die
Alliierten merken es selbst nicht einmal, denn sie werfen Österreich
sogar die
Germanisierung der Tschechen vor...]
[Süd-Tirol wird als Kriegsbeute für Italien italienisch
besetzt, weil
sonst Italien ohne Kriegsbeute dastehen würde. Diese Beute ist in einem
Geheimvertrag zwischen Italien und London so ausgemacht, sonst wäre
Italien gar
nicht in den Krieg eingetreten. Die Stadt Fiume / Rijeka geht
an die
Jugos. Weil Fiume nicht an Italien geht, tritt die italienische
Regierung
zurück].
[Hitler will
jetzt schon ganz
Deutschland "retten"
Hitler macht inzwischen in der deutschen
Rest-Armee
deutsche Propaganda,
die aus Österreich stammt. Bei den Vertragsbedingungen für Deutschland
kommt es
vielen Deutschen so vor, als hätten sie die letzten 50 Jahre doch auch
etwas
"deutscher" leben sollen, und so wird die Propaganda der NSDAP - die
auf österreichischem Boden gewachsen ist - auf fruchtbaren Boden
fallen. Man
braucht ja nur noch aus Österreich abzuschreiben].
[Provokationen
von aussen, die das
Deutschtum in Deutschland selbst fördern
-- sind nicht nur der Verlust von Gebieten an
Frankreich
und Polen mit
z.T. schwerstens manipulierten Volksabstimmungen, sondern auch
schwarze,
französische Soldaten im Rheinland, so dass "braune" deutsche Kinder
entstehen, was der Philosophie des Rassismus-Darwinismus diametral
widerspricht
-- eine weitere Provokation für das Deutschtum in Deutschland ist 1923
die französische
Ruhrgebietsbesetzung und die von den deutschen Industriellen speziell
geförderte Inflation
-- und ab dem nächsten Börsencrash 1929 mit der nachfolgenden
Massenarbeitslosigkeit sind dann Millionen in Deutschland "deutsch
gesinnt". Das Feindbild gegen die Börse mit ihren weltweiten mafiösen
Verbindungen breitet sich auf ganz Europa aus, und den mafiösen
Financiers,
Finanzbossen und Regierungen ist es egal, wie arm die Menschen werden,
oder ob
sie sogar verhungern].
[Die Abschrift aus Österreich
Insgesamt sind die Gründe für das Kippen in den
Nationalsozialismus bis
heute gut ergründet, aber dass man nur aus Österreich abzuschreiben
brauchte,
dies ist bis heute noch nicht sehr bekannt. Die Situation wiederholt
sich:
-- der Kaiser in Wien findet seine deutschen "Untertanen"
überflüssig, um sich auf dem Sessel zu halten
-- Frankreich und England finden alle Deutschen in Europa überflüssig,
weil die
deutsche Militärführung die Germanisierung halb Europas im Sinn hat,
ja, später
die Germanisierung der ganzen Welt.
Es ergeben sich zwei Situationen der Bedrängung, die beide mit
"Deutschtum" bekämpft werden, und beide Male ist das Resultat eine
Niederlage...].
Chronologie Fortsetzung
Am 6.6.1920 stellt das "Alldeutsche
Tagblatt"
stellt das Erscheinen ein (Schnee,
S.103).
Am 25.6.1920 wird Abt
Schachleiter vom Stift Emaus aus Prag ausgewiesen. Die "Ostdeutsche Rundschau" von Karl
Hermann Wolf wird am selben Tag eingestellt und durch die "Deutsch-Österreichische Tageszeitung"
ersetzt (Schnee, S.71-72, 103).
Schachleiter
schliesst sich in Prag
Hitlers nationalsozialistischer Bewegung an (Schnee, S.72).
1921
Schönerer
stiftet als sein letztes Werk vor seinem Tod einen Bismarck-Gedenkstein
für
Bismarcks Grab in Aumühle bei
Hamburg
Sein
Gesundheitszustand lässt seine Anwesenheit bei der Enthüllung nicht
mehr zu (Rudolf,
S.126). Schönerers letzter Wille
ist es, bei Bismarck im selben Sachsenwald bei Hamburg begraben zu
werden (Schnee,
S.19;
Rudolf, S.108).
Am 14.8.1921 stirbt Schönerer auf
Schloss Rosenau
Beisetzung am 20. August 1921
(Schnee, S.104)
1922
Am
1.4.1922 wird Schönerer in Aumühle bei Hamburg im
Sachsenwald in der Nàhe von Bismarcks Grab beigesetzt, mit dem Spruch
auf seinem Stein: "Ein Kämpfer für
Alldeutschland."
Pfarrer Giesecke, der die
Rede hält,
bezeichnet ihn als "der mutigste Kämpfer für Alldeutschland." (Schnee, S.VII, 104; Rudolf,
S.132)
[Nur gebracht hat der Kampf nicht viel...]
Der "Bote" wird
nach
Schönerers Beisetzung in Aumühle bei Hamburg 1922 eingestellt (Schnee,
S.45).
[1923
Frankreich
besetzt das Ruhrgebiet -
Streik und hohe Inflation]
[1929
Weltweiter
Börsencrash
mit neuer Massenverarmung und
Massenarbeitslosigkeit. Die
Politik hat
keine Rezepte, die Spekulation an der Börse einzudämmen. Die nationalen
Parteien werden in den Verliererstaaten des Zweiten Weltkriegs für
erhebliche
Teile der Bevölkerung zu einem Fluchtpunkt und Stalin lacht den
Kapitalismus aus, der immer wieder in Krisen falle].
1930 ca. wird Hans Knirsch Führer der NSDAP in der CSSR (SChnee, S.91).
1932 hat der antisemitische Deutsche
Turnerbund 120'000 Mitglieder, davon in Österreich 100'000, im Reich
20'000.
Später wird
er umbenannt in "Reichsbund für Leibesübungen" (Schnee, S.34).
1933
Hans
Knirsch verstirbt in Dux (heute: Duchcov)
(Schnee, S.86)
[Hitler übernimmt von Hindenburg die Regierung in Deutschland
Die gesamte Ideologie des NS-Staates ist von Schönerer schon
geschrieben.
Börse wird verboten, Juden werden eingeschränkt, die Rüstung wird
hochgefahren,
und Hitler merkt nicht, dass ihn "Amerikas" Finanzhaie finanzieren,
oder er will es nicht merken...]
1936
[Hitler kann "germanische Olympische Spiele" abhalten, und das
weiss-rassistische "Amerika" ist begeistert...]
[1941
Russlandfeldzug
Die gesamte westliche Welt erwartet einen Sieg der NS-Armeen
in 8 bis 12
Wochen, denn die Rote Armee hat ja sogar gegen Finnland
nur ein
Patt erreicht. Die NS-Soldaten und halb Europa denkt, sie seien an
Weihnachten
wieder zu Hause.
Auch hier ist die Parallele offensichtlich: Schon 1914 wurde gedacht,
man sei
"an Weihnachten" wieder "zu Hause".
Viele Beteiligte denken aber auch von Anfang an - nicht erst nach
Stalingrad! -
dass Napoleon in Russland auch schon verloren habe...]
1941
Das Buch von Dr.
Heinrich Schnee über Georg Ritter von Schönerer kommt
heraus
im grössten Jubel nach 10
Siegen
der NS-Armeen in Europa.
Das Buch ist von der ältesten
Tochter von Schönerer, Frau Oberst Marianne
Zborowski, geb. von Schönerer, durchgesehen und bewilligt:
"Schönerers älteste
Tochter, Frau Oberst Marianne
Zborowski, geb.
von Schönerer, auf Schloss Rosenau N/D, hatte die Liebenswürdigkeit,
den
biographischen Teil des Manuskripts einer Durchsicht zu unterziehen;
sie
bestätigte dem Verfasser die Richtigkeit des von ihm gezeichneten
Gesamtbildes." (Schnee, S.VIII)
Dr. Heinrich Schnee schreibt im Siegeswahn über Schönerer:
"Mit Richard Wagner und Otto Boeckel gehört er zu den
wenigen deutschen Männern, die vor dem Weltkriege den Antisemitismus
als
Rassenfrage erkannten und Massnahmen beantragten, die das Grossdeutsche
Reich
durchgeführt hat."
und:
"Der leidenschaftliche und stets kämpferische Nationalist und Antisemit
Schönerer gehört zu den grossen Erziehern der deutschen Nation."
und:
"Nationalismus und Rassenantisemitismus machen Schönerer zu einem
Vorkämpfer deutscher Einheit und deutscher Reinheit."
und:
"Schönerers immer gültiges Vermächtnis an uns Deutsche ist die
Forderung,
stets Kämpfer für deutsche Einheit und deutsche Reinheit zu sein." (Schnee, S.107-109)
Dr. phil.
Heinrich
Schnee über die
Weltlage
1941 befinde man
sich "im Jahr der Vollendung des
Grossdeutschen Reiches", es
entstehe
das "Reich der Deutschen" (IX)...
[und gemäss "Mein Kampf" soll alles "Minderwertige" keine
Kinder mehr bekommen, und dann würde eine Menschheit ohne Krankheiten
entstehen. Die Krankheit des Rassismus selbst wird nicht erkannt...]
Die
Enkel von Schönerer kämpfen für das "Reich der Deutschen"
Schnee:
"All ihre Söhne und
Schwiegersöhne kämpfen heute in der
Wehrmacht
für das von ihrem Grossvater so heiss ersehnte Volk und Reich der
Deutschen." (Schnee, S.IX)
[und der Absturz folgt sogleich...]