aus: Ulrich
Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt" ; C.H.Beck-Verlag,
München 1987
Unter Mitwirkung von
Ulrich Haarmann: Einleitung (S.9f.)
Albrecht Noth: Früher
Islam (S.11-100)
Tilman Nagel: Das
Kalifat der Abbasiden (S.101-165)
Heinz Halm: Die
Fatimiden (S.166-199)
Heinz Halm: Die
Ayyubiden (S.200-216)
Ulrich Haarmann: Der
arabische Osten im späten Mittelalter 1250-1517
(S.217-263)
Hans-Rudolf Singer:
Der Maghreb und die Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang
des Mittelalters (S.264-322)
Barbara
Kellner-Heinkele: Der arabische Osten unter
osmanischer Herrschaft 1517-1800 (S.323-364)
Alexander Schölch: Der
arabische Osten im neunzehnten Jahrhundert 1800-1914
(S.365-431)
Helmut Mejcher: Der
arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985
(S.432-501)
Peter von Sivers:
Nordafrika in der Neuzeit (S.502-592)
Chronologie
Bruderkampf
um die Vorherrschaft zwischen Umayyaden, Hasimiten,
Abbasiten und Aliden - erste Berberreiche -
Widerstand gegen Muslime auf Spanien - Ifriqiya
erlangt kurze Unabhängigkeit von Ägypten - Sturz der
Umayyaden in Damaskus - Kalifat Kufa 750
718
Abbruch der 2.islamischen
Belagerung von Konstantinopel/Byzanz
(S.60)
ab 718 (722?)
Spanien: gotischer
Widerstand unter Pelayo (Pelagius)
(S.267)
720
Damaskus: Tod von Kalif
‘Umar II.
(S.83)
Damaskus-Spanien:
Muslimische Besetzung des Nordostens der iberischen
Halbinsel mit Barcelona und Narbonne
(S.266)
722
100-jähriges Jubiläum des
Islam mit Festfeiern
(S.108)
Angebliche Geburt von Abu
l-’Abbas as Saffah
der zukünftige Führer der Kaysaniyya-Untergrundbewegung
wird. Die Schilderung dieser Geburt ist eine
nachträgliche zurechtgebogene Geschichtsschreibung, um
Abu l-’Abbas als Saffah zu legitimieren (S.108).
726 ca.
Damaskus: Erste
abbasidische Propaganda in Marw - Abu Muslim tritt zu
den Abbasiden über
Erste abbassidische Agenten werben in Marw unter den
hasimitisch gesinnten Bewohnern für die Abbasiden. Abu
Muslim tritt darauf über und tritt in die Dienste der
Abbasidenfamilie ein (S.109).
730 ca.
Süd-Persien: Alidisches
Gegenkalifat im Iran unter Abdallah b. Mu ‘awiya
(S.109)
ab 730 ca.
Syrien/Mesopotamien:
Wiederbelebung der Rivalität zwischen "Nord"- und
"Südarabern"
Das Umayyadenreich stützt sich immer noch vor allem auf
arabische Stammesführer. Die Rivalitäten zwischen
"Nord-" und "Südarabern" werden wiederbelebt und
angefacht. Der Kalif ist immer noch nicht für das ganze
Imperium gesetzberechtigt (S.102).
Mörderischer Stammeszwist zwischen "Nord-" und
"Südarabern". In Mesopotamien verlieren die
Umayya-Statthalter dadurch jedes Ansehen (S.101).
ab 730 ca.
Damaskus: Rechtsgelehrte
verlangen Beseitigung der Rechtsunsicherheit
Rechtsgelehrte der Umayya mit Schwerpunkt in
Damaskus verlangen nachdrücklich die Islamisierung des
Rechts und die Verknüpfung mit der prophetischen Sunna
(S.117-118).
730 ca.?
Ab dem Hasimiyya-Aufstand
von Muhtar b. Abi ‘Ubayd: Volksteile verehren fromme
Hasimiten - Entstehen der "Hasimiyya"
Die Verehrung für ‘Ali und seine Nachkommen gerät in
Misskredit, wird etwas sektiererisch wegen kultischen
Eigenheiten.
Die Untergrundszene gegen die Umayya beginnt, fromme
Hasimiten zu verehren. Damit beginnt die "Hasimiyya",
die zur Konkurrenz für die Aliden, die Nachkommen der
Linie Kalif Alis, wird (S.108).
ab 730ca.
Syrien/Mesopotamien:
"Südaraber" schliessen sich der
Hasimiyya-Aufstandsbewegung an
(S.103)
Okt. 732
Spanien/Frankreich: Sieg
der christlichen Seite unter Karl Martell gegen einen
muslimischen Raubzug zwischen Tours und Poitiers.
(S.267)
Ende 732
Spanien: Christliche
Rückeroberung von Aquitanien
(S.267)
735 ca.
Ifriqiya: Gouverneur von
Ifriqiya wird ‘Ubaydallah b. al-Habhab - berberische
Glaubensgruppe der Harigiten - Stämme Miknasa,
Bargawata und Matgara
(S.268)
739-757
Spanien: Regierung Alfons
I. von Kantabrien
(S.267)
740
Ifriqiya: Revolte der
Berber
unter Führung des Maysara, Besetzung von Tanger und
weiterer Gebiete, zum Teil Zerstörung der arabischen
Verwaltung auf immer (268), vor allem im Gebiet des
heutigen Marokko (S.267).
740 ca.
Damaskus: Versuch der Heranbildung einer ersten
zuverlässige Beamtenschaft
(S.102)
Zahlreiche
Untergrundorganisationen im islamischen Imperium
Das islamische Imperium ist unterwandert von
Untergrundorganisationen ehemaliger arabischer Clans,
die um das Kalifat buhlen:
Aliden: Nachkommen von Kalif Ali
Hasimiten: Nachkommen des Clans Hasim, des Clans von
Muhammad
Abbasiten: Nachkommen von ‘Abbas (S.108)
Mesopotamien/Kufa-Marw: der
hasimitische "Wesir der Familie Muhammads" - Marw
In Kufa residiert der sogenannte "Wesir der Familie
Muhammads", der viele hasimitische Organisationen unter
sich hat, aber nicht alle. Marw bei Damaskus ist neben
Kufa das zweite Zentrum hasimitischer Aktivitäten (109).
Der "Wesir", ein "Helfer", agiert als Anführer der
Hasimiyya-Aufstandsbewegung in Kufa, stellvertretend für
einen noch zu bestimmenden Hasim-Kalif (S.116).
740
Spanien: Erfolgreiche
Berber-Revolte auf der iberischen Halbinsel
Revolte der Berber auf der iberischen Halbinsel,
Beginn der Vertreibung der muslimischen Araber in die
südlichen Provinzen der Halbinsel (S.267)
ab 740
Damaskus: Zeit der letzten
Umayya-Kalifen: die Polarität zwischen "Nordarabern"
und "Südarabern" - die machtlosen Kalifen
In der letzten Zeit der Umayya-Kalifen entsteht eine
Polarität zwischen "Nordarabern" und "Südarabern", war
aber über die Herkunft der jeweils Bezeichneten wenig
aussagt.
Die Kalifen sind dieser Stämme-Polarisierung völlig
ausgeliefert und sind eher Spielball als Akteure der
muslimischen "Politik". Mehr als die Leitung der
finanziellen Verwaltung kann der Kalif kaum mehr tun.
Handlungsfreiheit hat er aber auch bei der Vergabe der
Gelder nicht, denn die wird von der "umma" mitbestimmt
(S.90).
Ifriqiya: Berbersiege gegen
Araber
Mehrere Kalifenheere aus Damaskus können die
Berberaufstände in Nordafrika nicht stoppen. Die
arabischen Kampftruppen werden regelmässig von den
Berbern besiegt (S.268-269).
740 ca.
Spanien: Allianz zum
Widerstand gegen die arabische Invasion
Alfons I. von Kantabrien heiratet die Tochter von
Gotenführer Pelayo (Pelagius). Beginn der gemeinsamen
Rückeroberung ("Reconquista") der iberischen Halbinsel
gegen die arabisch-islamischen Besetzer (S.267).
741
Nordwestafrika: Gründung
des Berberreichs der Bargawata
zwischen den Küstenstädten der Atlantikküste Sala
und Safi, existiert bis ins 11. Jahrhundert
(S.269).
Ende 741
Spanien: Berbersieg gegen
Araber
Die syrische Ersatzarmee, die den Arabern "zu Hilfe"
eilen sollte, wird am Wad Subu von berberischen
Kampfeinheiten schwer geschlagen. Die Vorhut der
arabischen Armee, ca. 7000 Reiter, flüchtet nach Ceuta,
wo sie belagert wird (S.267).
Anfang 742 ca.
Nordafrika: Ceuta:
Arabischer Trick zur Machtergreifung in Spanien
Der Kommandeur der übriggebliebenen Vorhut der
syrischen Armee, Qaysit Balg b. Bisr, bittet den
Gouverneur von Córdoba um Hilfe gegen die berberische
Belagerung.
Unter der Bedingung, dass die 7000 arabischen Reiter bei
der Bekämpfung der Berber auf der iberischen Halbinsel
behilflich seien und dann wieder nach Syrien abziehen
werden, stimmt der Gouverneur von Córdoba zu (S.267).
Mitte 742 ca.
Spanien: Arabisch-syrisches
Bündnis besiegt die Berber in Spanien
Ceuta: Die arabischen Truppen aus Córdoba befreien
die 7000 Reiter der syrischen Armee. Diese setzen auf
die iberische Halbinsel über und vernichten die "drei
berberischen Heersäulen", setzen sich dann im Land fest
und verjagen den Gouverneur von Sevilla (S.267).
Der arabisch-syrische Führer Balg lässt sich zum neuen
Gouverneur von Sevilla ausrufen und die sechs
Abteilungen der syrischen Reiter/samiyyun werden auf die
Provinzen verteilt, vorzugsweise auf dem Land, im
Gegensatz zu den städtischen Arabern/baldiyyun (S.267).
ab 743
Spanien: Syrische
Islamisierung
Die arabischen Gruppen verteilen sich auf die
südlichen Provinzen der iberischen Halbinsel und leben
dort als "Nutzniesser" auf den Krondomänen. Es kommt zu
einer tiefgehenden Islamisierung und Orientalisierung
(S.266).
744
Ifriqiya:
Unabhängigkeitserklärung
Ifriqiya erklärt die Unabhängigkeit von Ägypten
unter einem Urenkel Sidi ‘Uqbas’: ‘Abd ar-Rahman b.
Habib. Die Unabhängigkeit hab bis 755 Bestand (S.271).
744-750
Damaskus: Kalif Marwan (II)
b. Muhammad
(S.79)
ab 745 ca.
Damaskus: Die Forderungen
der Hasimiyya-Aufstandsbewegung:
Jeder Kalif soll wieder von einem Ratskollegium
gewählt sein.
Abschaffung der Dynastie-Praxis nach Sure 42,38:
"Ihre Angelegenheit ist Gegenstand gemeinsamer
Beratung."
Durch Verwirklichung dieser Forderung werde die
Herrschaft der umayyadischen "Tyrannen" zerschmettert
werden, behaupten die Hasimiten (S.106).
ab 745 ca.
Syrien/Mesopotamien:
Weitere Forderung der Hasimiyya-Aufstandsbewegung
Hauptforderung ist unter anderem, dass nur
Mitglieder der Familie der Hasim über Muslime herrschen
sollen (S.103).
747-756
Ifriqiya-Spanien: Diktatur
von Yusuf al-Fihri in Ifriqiya in Córdoba
(S.268)
6.6.747 ca.
Damaskus/Mesopotamien:
Schwarze Fahnen als Vorbereitung für den Umsturz
(S.101)
7.6.747
Damaskus: Warnung vor einem
Aufstand
Kalif Marwan II. in Damaskus erhält eine Warnung des
Umayya-Statthalters, dass in Marw ein Aufstand
vorbereitet werde. Die "Ostprovinz" sei in Gefahr.
Kalif Marwan II. lässt Ibrahim aus Amman, den
Fahnenlieferanten, festsetzen (S.101).
9.6.747
Damaskus: Zwei schwarze
Fahnen als Zeichen zum Beginn des Umsturzes
Abu Muslim hiesst in Marw bei Damaskus zwei schwarze
Fahnen und eröffnet damit den Umsturz der
Umayyaden-Kalifenlinie (S.101). Abu Muslim eröffnet den
Kampf für ein hasimitisches Kalifat in einem Dorf von
Halid b. Ibrahim (S.111).
ab 9.6.747
Damaskus: Bürgerkrieg um
das Kalifat
(S.101)
Anfang 750
Mesopotamien:
Heeresinvasion unter Abu Muslim vom Euphrat aus in
Richtung Damaskus
(S.109); Kalif Marwan II. verschanzt sich mit seinem
Heer in Mesopotamien am Fluss Zab bei Mosul (S.102).
Jan 750
Vernichtender militärischer
Sieg von Rebellenführer Abu Muslim gegen die
verschanzten Truppen von Marwan II.
Kalif Marwan II. zieht mit einem kleinen Restheer
durch die Ebene Mesopotamiens in Richtung Damaskus
(S.102).
Juni 750 ca.
Damaskus: Abu Muslims
Truppen besetzen Damaskus. Kalif Marwan II. flüchtet
durch das Jordantal nach Ägypten, wo er von Spitzeln
von Abu Muslim umgebracht wird.
Abu Muslims Anhänger meinen, es sei eine Wendung "zum
Besseren" erreicht im Sinn der Sure 22,39:
"Denjenigen, die kämpfen, weil ihnen ein Unrecht angetan
wurde, ist der Kampf erlaubt, und Gott hat die Macht,
sie zum Sieg zu führen." (S.102)
750
Damaskus: Sturz der
Umayya-Kalifenherrschaft - Ermordung fast der ganzen
Umayya-Sippe
Die Untergrundbewegung "HaÜ imiyya" stürzen den
letzten Umayya-Kalifen und etablieren Banu l-’Abbas
("Abbaside") als Kalif. Es folgt die Vertreibung und
Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe (S.79).
Mitte 8.Jh., um 750
Syrien/Ägypten/Mesopotamien:
Weiterhin keine Kodifizierung von Recht
Eine Kodifizierung von Recht durch den Kalifen ist
weiter nicht möglich (S.85).
ab 750
Beginn der Befestigung des
islamisch kontrollierten Territoriums und Beginn von
Verteidigungskämpfen
(S.60)
Damaskus: Noch mehr
Verehrung für den Clan Muhammads der HaÜim
Die Sippe des Clans von Muhammad der HaÜim spielt in
der Herrschaftsideologie der zweiten islamischen
Kalifendynastie der Abbasiden (750-1258) eine zentrale
Rolle.
In der Folge wird der Clan der Haschim in der
Geschichtsschreibung noch mehr verklärt und das
Geschichtsbild noch mehr verfälscht (S.17).
8.Jh./ ab 750 ca.
Ifriqiya: Die Orthodoxie
malikitischer Observanz gewinnt gegen die
Religionspraxis der harigitischen Berber die Dominanz
(S.272)
750-755Spanien: Hungersnot in Nordspanien - Abzug von
Berbergruppen
(S.268)
um 754
Spanien: Landung von ‘Abd
ar-Rahman
Landung eines Umayyadensohnes, Sohn einer
Nafza-Berberin, ‘Abd ar-Rahman, nach fünf Jahren Flucht
durch Nordafrika in Almuñécar.
Abd ar-Rahman beginnt sofort, ein Heer gegen Diktator
Yusuf von Córdoba zu organisieren (S.268).
755
Ifriqiya: Besetzung durch
harigitische Berberstämme
(S.271)
Emirat
Córdoba - Ägypten besetzt Ifriqiya 761,
Berbervertreibungen - orthodoxes Reich Tahert und
Arabisierung Nordafrikas - Gründung von Bagdad 762 -
Gründung von Fes 789 und erste Berberreiche - erste
Turkmenensöldner in Bagdad - Ankündigung eines
Propheten Mahdi, Ismailiten/ Fatimidisches Kalifat
Ifriqiya 910 und Unterdrückung der Berber -
Ausrufung des Kalifats von Córdoba 929 - Krise in
Damaskus und Fustat - Fatimideneinzug und Kalifat
von Kairo 969
Zusammenfassung
Während in Ifriqiya fast alle zehn Jahre die
Herrscherklasse wechselt, wird auf Spanien ein erstes
Emirat Córdoba aus der Taufe gehoben. Aber Ifriqiya wie
Córdoba haben mit dauernden Revolten zu kämpfen. Um die
Reiche zusammenzuhalten, wird neben Vertreibungen das
"gemeinsame Kriegserlebnis" als Mittel angewandt, die
Besetzung Siziliens durch Ifriqiya und die Besetzung
Kretas durch Córdoba. In Bagdad etabliert sich ein
erstes turkmenisches Söldnersystem. Eine Prophetie für
einen Propheten Mahdi um Ismail hat in Syrien keine
Chance, im Maghreb dagegen schon. In Ifriqiya gründen
die Ismailiten/Fatimiden 910 ein Gegenkalifat zu Bagdad.
Die Ausweitung nach Westen gelingt, die Besetzung
Ägyptens jedoch nicht. In Spanien wird 929 das "Kalifat
des Westens" in Córdoba ausgerufen. Somit existieren
drei Kalifate, die sich die islamische Welt
untereinander streitig machen. Als Syrien von Byzanz in
Gefahr gebracht wird und in Ägypten gleichzeitig eine
Regierungskrise ausbricht, ist die Stunde für die
Fatimiden gekommen. Sie werden eingeladen, die
Herrschaft zu übernehmen, um Ägypten gegen Byzanz zu
schützen. Bau der neuen Kalifenstadt Kairo/al-Qahira ab
969.
Chronologie (Fortsetzung)
756
Spanien: Gründung des
Emirat Córdoba durch einen Umayya-Überlebenden
(S.268)
um 757
Nordafrika: Neue
Glaubensgruppe der Miknasa-Berber
gründet in der Region Tafilalt (heute inneres
Marokko) das Emirat Sigilmasa mit gleichnamiger
Hauptstadt.
Sigilmasa ist der nördliche Ausgangspunkt der Sahara
entwickelt in der Folge grosse wirtschaftliche Bedeutung
(S.269).
761
Ägyptische Besetzung
Ifriqiyas - Vertreibung der harigitischen Berber
Ägyptische Truppen unter dem "wali" besetzen
Ifriqiya und vertreiben die harigitischen Berberstämme.
Aber weite Gebiete in Ifriqiya bleiben berberisch
(S.271)
8. / 9. Jh./ 761-900 ca.
Ifriqiya: Arabisierung
langsam aber sicher
Von Kairuan aus vollzieht sich die arabische
Durchdringung weiterer Städte in Ifriqiya, dann des
flachen Landes, dann weit entfernter Zentren wie
Constantine, Tlemcen und Fes.
In diesem Zusammenhang verbreitet sich die
arabisch-islamisch-orientalische Lebensweise und Kultur
(S.271).
Planmässige Arabisierung
Nordafrikas von Tahert ausTahert
wird
zu einem Araberzentrum mit Einwanderern der Harigiten
und derMu ‘tazila (S.271).
um 761
Tahert: Gründung des
muslimisch-orthodoxen Reichs Tahert-Tiaret -
"Rustamiden"
Ein Perser/Iraner der ibaditischen Harigiten, ‘Abd
ar-Rahman b. Rustam, gründet südlich von al-Asnam ein
theokratisches Reich namens Tahert-Tiaret (heute
zentrales Algerien) (269) und begründet die
Herrscherlinie der "Rustamiden". Christen bleiben zum
Teil in ihren hohen Positionen und müssen sich der
Staatsraison anpassen.
Tahert unterwirft unter Führung Tripolitanien des
Ibaditen Gabal Nafusa und die sesshaften Berber des
Awras. Beide Gebiete werden der Zinsknechtschaft
unterworfen (S.271).
762
Gründung von Bagdad als
neuen Kalifensitz
(S.112)
763 ca.
Tahert: Bündnis des
Rustamidenstaates Tahert mit Sigilmasa im
Wüstengrenzgebiet Tafilalt der Miknasa-Berber
(S.271)
771-793
Ifriqiya: Muhallabitische
Gouverneure in Ifriqiya. Die Zeit gilt als "goldenes
Zeitalter"
-- Schaffung der Grundlagen des Geisteslebens und
der materiellen Kultur des frühmittelalterlichen
Ifriqiya
-- Schaffung der Grundlage für eine Wasserwirtschaft
durch Wasserwirtschaftsbauten (S.271).
ab 771 ca.
Ifriqiya: Mischbevölkerung
und Recht
Ifriqiya bleibt ein Mischstaat von Berbern,
lateinischer Bevölkerung ("afariq") und Byzantinern
("rum"). Die christlichen und jüdischen Minderheiten
bleiben stark (S.271).
775 ca.
Ifriqiya: Kopten werden für
arabische Heere in Tunis zwangsverpflichtet
(S.271)
789
Nordwestafrika/Volubilis:
Gründung von Fes
(S.269)
792 ca.
Ifriqiya: Bau der
befestigen Kaserne (Ribat) von Susa
(S.271)
795
Ifriqiya: Bau der
befestigten Kaserne (Ribat) von Monastir
(S.271)
Ende 8.Jh./ ab 795 ca.
Ifriqiya: anwachsende
Anarchie - Invasionspläne der Nachbarn
Für Nachbarstaaten wächst die Attraktivität einer
Besetzung, die ohne viel Aufwand zu vollziehen wäre, um
dann Ifriqiya kommerziell auszubeuten (S.272).
800-812
Ifriqiya: Emir Ibrahim b.
al-Aglab - "Aglabiden" - Bevölkerungsstruktur
Der arabische Offizier und Gouverneur des Zab,
Ibrahim b. al-Aglab, schafft es, sich von Bagdad als
erblichen Emir Ifriqiyas einsetzen zu lassen. De facto
ist er von Bagdad unabhängig, erhält aber immer die
Bindung zum Bagdader Kalifat (S.272).
Das Staatsgebiet der Aglabiden umfasst das heutige
Ostalgerien, das heutige Tunesien und die
tripolitanische Küstenebene bis Labda. Unabhängige
Berbergebiete um Ifriqiya sind die Gebirgsregion der
Kleinen Kabylei als Hort der Kutama-Berber und die
Gebiete Awras und Gabal Nafusa der harigitischen Berber
(S.272).
ab 800
Aglabiden in Ifriqiya
Die Aglabiden setzen das Wasserwirtschaftssystem der
Muhallabitischen Gouverneure fort. Tunis wird Sitz des
syrischen Heeres (S.271). Die öffentliche Meinung stellt
sich fortan gegen die neue Aglabidendynastie (S.273).
805 ca.
Ifriqiya: Neuer
Regierungssitz al-’Abbasiyya - "Schwarze Garde"
Ibrahim I. lässt sich ein paar Kilometer südlich von
Kairuan einen Regierungssitz bauen mit dem Namen
al-’Abbasiyya, mit einer eigenen Garde von 5000
Schwarzen (S.272).
805
Nordwestafrika/Fes:
Einwanderung aus Kairuan (Ifriqiya).
(S.269)
809
Fes: Nachbarstadt al-’Aliya
bei Fes für Kairuaner
Idris I. lässt gegenüber von Fes am anderen
Flussufer eine Nachbarstadt namens al-’Aliya bauen, wo
die im Jahr 805 eingewanderten Kairuaner städtisch
siedeln können. Fes und al-’Aliya beginnen, einen
Marktort orientalischer Prägung zu bilden (S.269).
812
Spanien: Gründung der
christlichen Grafschaft Aragón, Vertreibung der
arabischen Verwaltung
(S.276)
812-817
Ifriqiya: Tod von Ibrahim
I., Nachfolger: Sohn ‘Abdallah
mit relativ ruhiger Regierungszeit (S.272).
ab 817
Ifriqiya: Kriegspläne gegen
Byzanz auf Sizilien
(S.273)
817-838
Ifriqiya: Tod von ‘Abdallah
- Nachfolger: Bruder Ziyadat Allah
(S.272)
818
Córdoba: Revolte der ganzen
"Vorstadt" - Massenvertreibung der Revoltierenden
auf der anderen Seite des Guadalquivir gegen Emir
al-Hakim I. , wird niedergeschlagen und die
Verantwortlichen der Revolte erbarmungslos liquidiert
sowie die "Vorstadt" total zerstört. Die Einwohner des
Viertels werden alle ausgewiesen, angeblich 20’000
Familien (S.277).
Ende 818
Córdoba: Auswanderung der
"Vorstädter" von Córdoba
Die "Vorstädter" von Córdoba werden pauschal alle
des Landes verwiesen:
-- nach Fes, wo sie ein "Ufer der Andalusier"
gründennach Asien in die Piraterie
-- in die spanisch-arabischen Heerlager zur Vorbereitung
der Besetzung von Kreta (S.277)
9. Jh. / ab 820 ca.
Oberflächliche
Islamisierung ganz Nordafrikas
(S.295)
822-852
Córdoba: Tod von Emir
al-Hakam I. - Nachfolger: ‘Abd ar-Rahman II.
(S.277)
ab 822
Córdoba: Arabisierung
durch planmässige arabische Zuwanderung von Umayyaden
und Kulturschaffenden zur Etablierung der arabischen
Kultur in Spanien - christliche Gegenwehr in Córdoba
(S.278).
824-836
Ifriqiya: Aufstand durch
das syrische Heer (gund) aus Tunis gegen Kairuan
(S.272)
15.7.827
Sizilien: Invasion
Ifriqiyas auf Sizilien als Hilfeleistung für das
ungeliebte Byzanz
(S.273)
18.7.827
Landung der Flotte und der
Truppen Ifriqiyas auf Sizilien bei Mazzara
(S.273)
827
Kreta: Muslimisch-spanische
Besetzung
mit Leuten aus der "Vorstadt" Córdobas, die 818
wegen Revolte gegen Emir al-Hakam I. aus Córdoba
verbannt wurden. Kreta bleibt bis 961
spanisch-muslimisch besetzt (S.277).
828
Fes: Tod von Idris II. -
mehrere Söhne und Reichsteilung
Fes bleibt aber kultureller Mittelpunkt des
Maghreb/Nordwestafrikas (S.269).
830 ca.
Ifriqiya: Zerstörung von
Tunis
durch den Bürgerkrieg zwischen Kairuan und dem syrischen
Heer. Das syrische Heer (gund) verliert an politischem
Gewicht (S.272).
831
Sizilien:
Muslimisch-ifriqinische Besetzung von Palermo,
Einrichtung einer muslimischen Verwaltung
(S.273)
833-842
Bagdad: Kalif al-Mu ‘tasim:
erste turkmenische Söldner
Kalif al-Mu ‘tasim beginnt, turkmenische Söldner als
Prätorianergardisten/Leibwachegardisten in Bagdad und
Samarra einzusetzen (S.218).
835
Italien: Beistandspakt
zwischen Ifriqiya und den Herrschern in Neapel
(S.273)
ab 850 ca.
Kalifenheer Bagdad: Die
turkmenischen Söldner steigen bald zu Kommandanten auf
(S.580)
Mitte 9. Jh./ 850 ca.
Mesopotamien: Schiitische
Glaubensgruppe in Südirak unter ‘Abdallah: Erwartung
eines "Mahdi" als Nachkomme des 4. Kalifen ‘Ali
‘Abdallah "der Ältere", der Urgrossvater des
späteren Gründers des fatimidischen Reiches in
Nordafrika, tritt bei al-Ahwaz und in Basra als
schiitischer Propagandist und Sektenführer auf:
-- mit Heilslehre der "Erkenntnis"
-- mit der Erwartung eines endgültigen Propheten, eines
Gottesboten "Mahdi" oder "Qa ‘im"
-- die Erwartung sei berechtigt, da die bisherigen
Propheten Noah, Abraham, Moses, Jesus und Muhammad
vergeblich versucht hätten, die Menschheit mit
Gesetzesreligionen zu züchtigen (S.166)
-- der zu erwartende Prophet werde den Titel tragen:
"al-qa ‘imbi-amr Allah" ("der sich der Sache Gottes
annimmt")
-- der neue zu erwartende Prophet werde der endgültige
Gottesbote sein und alle Gesetzesreligionen aufheben und
die kultlose Urreligion wieder herstellen, in der Adam
und Eva noch "unschuldig" lebten, mit dem blossen
Bekenntnis zu Gottes Einzigkeit/ tawhid ohne Gebet, ohne
Fasten, ohne Wallfahrt etc. (S.167).
‘Abdallahs Vorfahren gelten in Südirak als Nachkommen
des Bruders des 4.Kalifen ‘Ali: ‘Aqil b. Abi Talib
(S.166).
ab 850 ca.
Iran, Irak, Arabien, Jemen,
Indien: Glaube an einen Propheten "Mahdi"
Der Glaube an einen zu kommenden Propheten "Mahdi"
oder "Qa ‘im" breitet sich aus in Iran, Irak, Ostküste
Arabiens, Jemen und im nordwestlichen Indien. Für eine
Massenbewegung reicht es aber bei weitem nicht (S.167).
870 ca.
Mesopotamien: Flucht
‘Abdallahs nach Syrien - erste
"Ismailitentum"-Gemeinden
‘Abdallah wird von der Regierung in Bagdad
vertrieben und muss nach Syrien fliehen, lässt sich
südöstlich von Hamah in Salamiyya als Kaufmann nieder.
Er verbreitet weiter seine Geheimlehre und kann
Gemeinden gründen. Der neue Glauben soll "Verkündigung
der Wahrheit" heissen ("da ‘wat al-haqq"), historisch
als "Ismailitentum" bezeichnet.(S.167).
880 ca.
Propaganda der
ismailitischen Glaubensgruppe für einen Umsturz in
Damaskus
ohne dass ein Kandidat dafür bekannt ist: Es ist
eine Propaganda für eine Fantasiefigur. Es wird
einheitliches islamisches Weltreich prophezeit, mit der
Eroberung Konstantinopels (S.166).
893
Maghreb: Gründung einer
Ismailitengemeinde bei den Kutama: Abu ‘Abdallah
Der ismailitische Propagandist Abu ‘Abdallah as-Si
‘i kann im bäuerliche-sesshaften Berbervolk Kutama im
Maghreb eine "erfolgreiche" Gemeinde gründen, eine "dar
al-higra" (Stätte des Exils"), auf dem Berg Ikgan bei
Mila nordwestlich von Constantine.
Die Gemeinde wird zur Keimzelle des fatimidischen
Staates.
Abu ‘Abdallah as-Si ‘i kann die Bergstämme der Kutama
und die Clans nach und nach unter der Hoffnung des bald
erscheinenden Mahdi "einigen" (S.167).
ab 895 ca.
Maghreb/Kutama: Erste
Expansion der neuen Kutama-Religion
Die Kutama-Kämpfer besetzen die Städte des östlichen
Maghreb (S.167).
Sommer 905
Syrien: Ismailitengewalt
und Vertreibung des "geheimen Führers" ‘Abdallah
Übereifrige beduinische Ismailiten aus der Palmyrene
beginnen eine militärische Invasion in Syrien, um einen
"verheissungsvollen Mahdi-Staat" zu errichten mit
‘Abdallah als Oberhaupt.
In der Folge muss ‘Abdallah "al-Mahdi", das vierte
"Oberhaupt der Ismailiten", seine Heimatstadt Salamiyya
in Syrien verlassen und nach Ägypten flüchten, dann in
den Maghreb (S.167).
ab 906 ca.
Die Prophetenhoffnung ist
ein Kaufmann
Maghreb/Sigilmasa: ‘Abdallah "al-Mahdi" lebt als
Kaufmann mit seiner Familie in der Oasenstadt Sigilmasa
am Fuss des Hohen Atlasgebirges (S.167).
909
Die Kutama-Religion in
Ifriqiya - der "geheime Führer" ‘Abdallah tritt ans
Licht
Die Kutama-Kämpfer besetzen das Aglabiden-Emirat
Ifriqiya (heute Tunesien) (S.167).
Aug 909
Der neue Imam und Mahdi:
'Abdallah "al-Mahdi"
Propagandist Abu ‘Abdallah as-Si ‘i begrüsst nach
der Unterwerfung der Ifriqiya (heute Tunesien) ‘Abdallah
"al-Mahdi" als neuen Imam und Mahdi (S.167, 169).
um 910
Ifriqiya: Huldigung des
kommenden Mahdi im Freitagsgebet - Münzprägungen
In Kairuan leitet die Ismailitengemeinde unter
Leitung des Propagandisten Abu ‘Abd alla as-Si ‘i die
Freitagsgebete und Münzprägungen im Namen des bald
auftretenden Mahdi (S.167).
6.1.910
Ifriqiya:
Fatimidische Revolution
Afrikanische Kalifenkür von 'Abdallah "al-Mahdi" in
Raqqada - fatimidisch-afrikanische Reichsgründung -
fatimidische Revolution
Einzug von ‘Abdallah "al-Mahdi" in die Palaststadt
Raqqada bei Kairuan (heute Tunesien). Er wird dort zum
Kalifen proklamiert mit dem Titel "Abdallah Abu
Muhammad" ("der von Gott Rechtgeleitete"), und "amir
al-mu ‘minin" ("der Befehlshaber der Gläubigen").
-- ‘Abdallah "al-Mahdi" reklamiert die Kalifenwürde für
die ganze Welt für sich, gegen das Kalifat Bagdads
-- ‘Abdallah "al-Mahdi" erklärt den Anspruch auf
alleinige Lenkung der universalen islamischen
Gemeinde/umma, weil er der direkte Nachkomme Fatimas und
des Sohnes ‘Alis, al-Husayn, sei (S.169).
In der Folge wird diese Geneaologie von den Arabern und
von Bagdad immer wieder bestritten (S.169). Die
fatimidische Revolution in Afrika ist nach der
abbasidischen Revolution 752 der zweite Versuch, das
gesamtislamische islamische Weltimperium von Grund auf
zu "erneuern" (S.166).
ab 910
Kalifat Ifriqiya: Das
arabische Heer in Kairuan (heute Tunesien):
Unruhefaktor
Das arabische Heer in Kairuan tritt in den
Hintergrund, bleibt aber ein unberechenbarer
Unsicherheitsfaktor, weil es traditionell sunnitisch ist
und den Imam-Kalifen ablehnt (S.169).
Kalifat Ifriqiya:
Ausweitung der fatimidischen Herrschaft mit
osteuropäischen Söldnern
-- in Richtung Westafrika
-- gegen die spanischen Umayyaden
-- in Richtung Sizilien und Unteritalien gegen Byzanz
-- gegen Ägypten (S.169).
ab 911
Kalifat Ifriqiya: Kutama
sind "Gotteskrieger"
‘Abdallah al-Mahdi begründet die Hegemonie des
Kutama-Volkes über Nordafrika:
-- die Stämme der Kutama werden als die "Heiligen
Gottes" ("awliya Allah") bezeichnet und sind die
"Vorkämpfer" des Mahdi
-- die Stammeshäuptlinge werden Gouverneure der
wichtigsten Städte und bilden das Rückgrat der
fatimidischen Herrschaft
-- die Kutama-Krieger stellen den Grossteil des
fatimidischen Heeres, wobei das Heer mit Söldnern aus
Osteuropa ("Slawen") ergänzt wird (S.169).
914-915
Ifriqiya-Ägypten:
Ismailitisch-fatimidische Eroberung Ägyptens scheitert
Vergeblicher Versuch der Eroberung Ägyptens unter
dem Mahdi-Sohn Abu l-Qasim Muhammad mit kombinierter
Land- und Seeoperation, das nur noch nominell von Bagdad
abhängt und von Ihsididen-Emiren regiert wird (S.169).
919-920
Ifriqiya-Ägypten: Erneutes
Scheitern der ismailitisch-fatimidischen Eroberung
Ägyptens
Erneuter Versuch der Eroberung Ägyptens unter dem
Mahdi-Sohn Abu l-Qasim Muhammad mit einer kombinierten
Land- und Seeoperation.
Ein aus dem Irak entsandtes Heer wendet die fatimidische
Besetzung ab (S.169).
ab 921
Kalifat Ifriqiya: Neue Burg
des afrikanischen Kalifen: al-Mahdiyya
‘Abdallah al-Mahdi bezieht seinen Sitz in der
"Fluchtburg" ("dar al-higra") al-Mahdiyya auf einer
schmalen Halbinsel südlich von Susa (frz. Sousse, heute
Tunesien) (S.169).
927-928
Kalifat Ifriqiya:
Westfeldzug gegen Maghreb-Stämme
Der Mahdi-Sohn und Tronfolger Abu l-Qasim Muhammad
besiegt auf einem Westfeldzug die Berberstämme des
mittleren Maghrebs (S.169).
929
Ausrufung eines Kalifat
Córdoba als "Kalifat des Westens"
(S.280)
934-946
Kalifat Ifriqiya: al-Qa ‘im
(S.169)
935
Schwere Unruhen auf dem
islamisch besetzten Sizilien
(S.169)
ab 944
Kalifat Ifriqiya: Grosser
Aufstand der nichtschiitischen Berberstämme gegen das
Kutama- Kalifat
vor allem der Hawwara unter Gabal Awras. Der
Wanderprediger Abu Yazid hat grossen Einfluss:
-- die Kutama-Dynastie sei ketzerisch
-- die "Besten und Frömmsten" seien zu Gott berufen
(harigitische Doktrin) und nur die seien zum Oberhaupt
über die islamische Gemeinde legitimiert
-- das arabisch-sunnitische Heer aus Kairuan will den
Umsturz ebenfalls und unterstützt den Aufstand (S.170).
In der Folge überrollt der Aufstand ganz Ifriqiya. Der
afrikanische Kalifensitz, die Schutzburg al-Mahdiyya auf
der Halbinsel wird monatelang blockiert. Der Kalif kann
seine Küstenfestungen nur mittels seiner Flotte halten.
Gleichzeitig sind die Berberstämme auf einen
Belagerungskrieg nicht vorbereitet. Teile des arabischen
Heeres fallen vom Aufstand ab, so dass schliesslich der
Aufstand in sich zusammenfällt (S.170).
Mai 946
Kalifat Ifriqiya: Tod von
al-Qa ‘im - Nachfolger: Isma ‘il - "Ismailiten"
(S.170)
946-947
Kalifat Ifriqiya:
Vertreibung der aufständischen Berber
Kalif Isma ‘il kann die Hawwara-Rebellen vertreiben
und lässt sie in einem strapazenreichen Winterfeldzug
bis in die Wüstengebiete jenseits des Satt al-Hudna
verfolgen (S.170).
947 ca.
Kalifat Ifriqiya: Tod des
Hawwara-Predigers des Widerstands, Abu Yazid
(S.170)
948
Kalifat Ifriqiya: Isma ‘il:
neuer Herrschername "al-Mansur"
Der afrikanische Kalif Isma ‘il legt sich nach der
"erfolgreichen" Niederschlagung des Berberaufstands den
Herrschernamen "al-Mansur" zu ("der Siegreiche") und
lässt eine neue Lagerstadt bei Kairuan bauen: "dar
al-higra al-Mansuriyya" ("Fluchtburg des Siegreichen")
(S.170).
953
Kalifat Ifriqiya: Neuer
Aufstand der Berberstämme - Tod von Isma 'il al-Mansur
bei Kairuan
(S.170)
953-975
Kalifat Ifriqiya:
Nachfolger: Kalif al-Mu ‘izz
in seiner neuen Lagerstadt "dar al-Higra
al-Mansuriyya" (S.170).
953-954
Kalifat Ifriqiya: Kalif
al-Mu ‘izz lässt die rebellischen Berberstämme des
Awars-Massivs endgültig unterwerfen
(S.170)
958
Ägypten: Tod des Eunuchen
Kafur - Anarchie in Ägypten
Nach dem Tod des Eunuchen Kafur verfällt in Ägypten
in Anarchie. Es entstehen Missernten, Teuerung, Seuchen
und Rattenplagen. Eine Heuschreckenplage kommt noch
hinzu.
Bagdad selbst kann keine Hilfeleistung erbringen.
In der Folge überlegen die Repräsentanten der
Oberschicht Ägyptens, ob sie nicht das Fatimiden-Kalifat
der Ifriqiya in Kairuan als Autorität anerkennen
sollten, trotz des dortigen ismailitischen Glaubens.
Dadurch könnte eine übergeordnete Autorität wieder für
"Ordnung" sorgen (S.170).
958/959
Kalifat Ifriqiya:
Westfeldzug des Kalifenheeres unter dem
osteuropäischen General Gawhar in den westlichen
Maghreb
Unterwerfung der nomadischen Zanata-Stämme um Tahert
(Tiaret), Besetzung von Fes und Besetzung des Landes bis
zur Atlantikküste (S.170).
965
Byzantinische Invasion über
das Taurus-Gebirge
unter Kaiser Nikephoros Phokas:
-- Besetzung von Kilikien
-- Besetzung Zyperns
-- Besetzung Nordsyriens bis Tortosa (Tarsus, heute
Südost-Türkei) (S.175).
968
Kalifat Ifriqiya: Erneuter
Westfeldzug des afrikanischen Kalifenheeres im Maghreb
unter dem osteuropäischen General Gawhar zur
"Festigung" der Herrschaft (S.170).
April 969 ca.
Kalifat Ifriqiya:
Ostfeldzug des afrikanischen Kalifenheeres unter dem
osteuropäischen General Gawhar ins Nildelta -
"aman"-Urkunde zwischen Ifriqiya und Ägypten
(S.170)
Verhandlungen zwischen Gawhar und den Ältesten des
lokalen hasimidischen und husainidischen Zweiges des
Prophetenhauses. Es kommt zum Vertragsabschluss: Ägypten
wird sich dem Kalifen der Ifriqiya unterwerfen gegen die
Sicherheitsgarantien/ aman des fatimidischen Kalifats.
Die "aman"-Urkunde ist wie ein Grundgesetz für Ägypten:
-- die Ifriqiya verspricht die Sicherung der
Pilgerstrasse nach Mekka und die Bekämpfung der
Beduinen, die die Pilgerstrasse bedrohen
-- die Ifriqiya verspricht die Wiederaufnahme des
"heiligen Krieges" gegen die Feinde des Islam, das
heisst: zur Zeit vor allem Byzanz
-- die Ifriqiya verspricht die Wiederherstellung einer
festen Währung
-- die Ifriqiya verspricht die Aufhebung von steuern und
Zöllen im Land, die gegen den Koran verstossen
-- die Ifriqiya verspricht, in Ägypten ungehinderte
religiöse Toleranz und die ungehinderte Ausübung des
sunnitischen Kultus walten zu lassen (S.171).
Mai-Juni 969
Ägypten:
Ifriqiya-Heerführer Gawhar als Vizekönig -
Niederschlagen von Aufständen
Heerführer Gawhar wird von ifriqischer und
ägyptischer Seite zum Vizekönig von Ägypten ausgerufen.
Aufstände von ägyptisch-sunnitischen Offizieren werden
von Gawhars Truppen schnell niedergeschlagen (S.171).
6.7.969
Ägypten-Ifriqiya: Gawhars
Truppen können auf das rechte Nilufer übersetzen
(S.171)
9.7.969
Ägypten: Erste Huldigung an
den afrikanischen Kalifen al-Mu ‘izz im Freitagsgebet
(S.171)
969Ägypten: Versuch der Einführung der
Diskriminierung von Christen und Juden
Vizekönig Gawhar von Ägypten versucht, die
Diskriminierung von Juden und Christen nach dem
‘Umar-Vertrag in Nordafrika einzuführen. Das wird
heissen:
-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in
der Öffentlichkeit untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist
verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen
-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie
Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus sollen Christen Kreuze und Juden
Glöckchen tragen
-- Kampf gegen die christlichen Regierungssekretäre, so
dass viele zum Islam übertreten müssten (S.178).
um 969
Bagdads Argument gegen das
afrikanische Kalifat: Genealogie
Bagdads Reaktion gegen das afrikanische Kalifat
beschränkt sich auf ein genealogisches Gutachten, das
die Legitimität der Fatimiden als Ganzes in Frage
stellt.
Kalif al-Aziz muss seine Genealogie offenlegen, was aber
keine Machteinbüssung bedeutet (S.174).
969
Südpalästina: Nomaden der
Tayyi’
Syrien und Palästina sind in einem Gemisch
verschiedenerProvinzgewalten in ganz unterschiedliche
politische Richtungen aufgeteilt. Im südlichen Palästina
herrscht die Nomadenkonföderation der Tayyi’ (S.174).
Ägypten:
Versuch der Einführung der Diskriminierung von
Christen und Juden
Vizekönig Gawhar von Ägypten versucht, die
Diskriminierung von Juden und Christen nach dem
‘Umar-Vertrag in Nordafrika einzuführen. Das wird
heissen:
-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in
der Öffentlichkeit untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist
verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen
-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie
Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus sollen Christen Kreuze und Juden
Glöckchen tragen
-- Kampf gegen die christlichen Regierungssekretäre, so
dass viele zum Islam übertreten müssten (S.178).
ab Mitte Aug 969
Die Staatsorganisation in
Ägypten
Die sunnitischen Beamten bleiben im Amt wegen ihrer
lokalen Kenntnisse der komplizierten verwaltungs- und
Besteuerungspraktiken.
Die Spitzen der wichtigsten Ämter aber lässt Gawhar
doppelt besetzen mit je einem Kutama-Berber als
Kontrolleur in Finanzbehörden und Ordnungstruppen
(S.171).
ab Mitte Aug 969 ca.
Ägypten: Beginn des Baus
einer neuen Kalifenburg neben Fustat Misr - "neue"
Hauptstadt Kairo/al-Qahira - sunnitische und
ismailitische Staatsreligion
Vizekönig Gawhar beginnt mit dem Bau einer neuen
ägyptischen Fluchtburg nördlich der ägyptischen
Hauptstadt Fustat Misr: al-Qahira ("die Siegreiche",
Kairo) (S.171).
Die neue Palaststadt al-Qahira ist nach dem Vorbild von
al-Mansuriyya bei Kairun angelegt mit Palast,
Verwaltungssitz und Heerlager. Al-Qahira soll gegenüber
der "alten" Hauptstadt Fustat Misr eine "neue"
Hauptstadt sein. In der "alten" Hauptstadt herrschen
weiter der alte, sunnitische Kultus in der "alten"
Moschee. In al-Qahira sollen der neue ismailitische
Kultus/azhar in einer neuen Palastmoschee unter einem
ismailitischen Oberqadi herrschen (S.171).
Die Unterschiede sind im Gebetsruf der neue Zusatz "Auf
zum besten Tun!" und die Errechnung des Endes des
Fastenmonats Ramadan (S.171).
Kriege gegen
Byzanz - Ägypten wird Schutzmacht von Mekka und
Medina - Euphrat als Ostgrenze - Beherrschung des
Indienhandels - Besetzung Palästinas und Syriens -
sunnitisches Kalifat von al-Hakim in Kairo gegen
Schiiten, Juden und Christen - Kirchen- und
Klosterzerstörungen, Frauendiskriminierungen -
Drusenverfolgung - teilweiser Wiederaufbau der
Kirchen
Zusammenfassung
Die Fatimiden in Kairo können die byzantinischen
Heere vor Damaskus abwehren. Strategisches Ziel des
Imperiums ist die Euphratgrenze. Kairo wird auch
Schutzmacht der heiligen Stätten Mekka und Medina,
wodurch der ganze Indienhandel über das Rote Meer in
ägyptische Hand fällt. Jerusalem wird ägyptisch besetz,
während Aleppo sich Byzanz unterwirft. Türkische
Söldnerheere werden auch in Kairo üblich. Italiens
Seerepubliken liefern Ägypten Holz und Pech für
Kriegsschiffbau, gegen die Drohungen von Byzanz und Rom.
Als Kairos Truppen unter Feldherr Barguwan Syrien und
Palästina besetzen und die byzantinische Rache bei der
Belagerung von Tripolis gestoppt wird, kommt es zum
Friedensschluss auf Zeit. Kalifensohn al-Hakim errichtet
ein sunnitisches "frommes" Kalifat gegen Schiiten, Juden
und Christen, lässt christliche Kirchen und Klöster
zerstören, darunter auch die Grabeskirche in Jerusalem.
Zunehmende Frauendiskriminierung sowie Verfolgung und
Vertreibung der Drusen folgen. Teilweiser Wiederaufbau
der Kirchen und das plötzliche "Verschwinden" al-Hakims
lässt Hoffnungen auf eine neue Toleranz zwischen den
Religionen in Ägypten aufkommen.
Chronologie (Fortsetzung)
28.10.969
Byzantinische Besetzung von
Antiochia
(S.175)
Ende 969 ca.
Ägypten: Ostfeldzug unter
Ga ‘far b. Falah nach Palästina
Vizekönig Gawhar entsendet eine Söldnertruppe unter
dem Berbergeneral Ga ‘far b. Falah nach Palästina, die
die dortige Nomadenkonföderation der Tayyi’ unterwirft
(S.174).
ab 969
Ägypten: Euphratgrenze als
Ziel des ägyptischen Imperialismus
Die Aussenpolitik von Vizekönig Gawhar hat zum Ziel,
das Territorium von Syrien und Palästina bis zum Euphrat
zu unterwerfen. Diese Euphratgrenze war das
immerwährende Ziel Ägyptens und schon unter Pharao
Thutmosis III. Element des ägyptischen Imperialismus
(S.174).
970
Medina- und Mekka-Spenden
von Kairo/al-Qahira - al-Qahira wird Schutzmacht von
Medina
Der afrikanische Kalif al-Mu ‘izz übersendet den
"heiligen Stätten" von Mekka und Medina 20 Traglasten
Geld.
In Medina wird im Freitagsgebet noch im selben Jahr der
Name des afrikanischen Kalifen eingeführt. Damit ist
Kalif al-Mu ‘izz faktisch als Protektor von Medina
anerkannt (S.173).
Medina- und Mekka-Spenden
von Kairo/al-Qahira - al-Qahira wird Schutzmacht von
Medina
Der afrikanische Kalif al-Mu ‘izz übersendet den
"heiligen Stätten" von Mekka und Medina 20 Traglasten
Geld.
In Medina wird im Freitagsgebet noch im selben Jahr der
Name des afrikanischen Kalifen eingeführt. Damit ist
Kalif al-Mu ‘izz faktisch als Protektor von Medina
anerkannt (S.173).
970 ca.
Palästina: Tayyi’-Nomaden
werden Statthalter der ismailitischen Kalifen in
Ägypten
Palästina: Tiberias/Tabariyya, Hauptort Palästinas,
unterwirft sich dem ismailitischen Heer unter
Ga ‘far b. Falah kampflos (S.174)
Die Nomadenrepräsentanten der Tayyi’ werden von Ga ‘far
b. Falah als fatimidische Gouverneure von Ramla
eingesetzt und sind eine wichtige, aber schwankende
Stütze der Fatimiden/Ismailiten in Palästina (S.174).
Aug 972
Kalifat Ifriqiya: Beginn
der Übersiedlung des Staatsapparates aus Kairuan nach
al-Qahira auf Wagen und Schiffen
Unter anderem werden der ganze Familientross des
Kalifen, die Särge der Väter, die Reichsinsignien wie
‘Alis Schwert und Sonnenschirm, in Barren
eingeschmolzenes Silbergeld, "heilige Bücher" der
ismailitischen Lehre und ein Tross der osteuropäischen
Pagen, Gardisten und Kutama-Berber umgesiedelt (S.172).
972
Ägypten: Truppen aus dem
Maghreb
Die Fatimiden bringen ihre Truppen aus dem Maghreb
nach Kairo und stellen dort nubische und armenische
Regimenter auf (S.200).
ab 972
Ägypten: Fatimiden:
Einmannherrschaft
Die Söhne des Kalifen bekommen nie eine
Staatsfunktion, solange der Kalif lebt, um Streit und
Staatsteilungen zu verhindern, aus "Sorge um die
Unteilbarkeit der charismatischen Imamswürde". Die
Prinzen werden ein Leben lang im Palast interniert und
viele werden nicht einmal dem Namen nach bekannt
(S.205).
Ägypten: Steuerstruktur
-- harag-Landsteuer auf die Nildörfer, die je nach
Nilstand und Ernte verschieden ausfällt (188-189)
-- Zolleinnahmen, die gegen den Koran verstossen, aber
von den Finanzbeamten trotzdem eingefordert werden, dann
von "frommen" Kalifen zeitweise abgeschafft werden
(190).
ab 972
Ägyptens Reichtum und Ausbeutungspolitik
Ägypten ist unermesslich reich an
Ressourcen. Gleichzeitig etabliert das afrikanische
Kalifat einen zentralistischen Staat, so dass alle
Steuern zentral verwaltet werden. Die überwiegend
christlichen Bauern/Fellachen (arab. fallah = Bauern)
werden unnachsichtig ausgebeutet (S.191).
Der Fiskus hortet Reichtümer in Form von Bargeld,
Edelmetallbarren, Juwelen, Textilien, Gewürzen und
Getreide in staatlichen Kornspeichern. Gelegentlich
werden die zusammengerafften Vermögen der Wesire nach
deren Tod konfisziert, wobei es sich zum Teil um
unvorstellbare Summen handelt (S.191).
Nubien: Ausbeutung von
Goldminen
(S.183)
Exportprodukte Ägyptens
-- Textilproduktion in Mittel- und Oberägypten:
Verarbeitung der von Beduinenherden produzierten Wolle
zu Wollstoffen und Produktion wollener Turbane in Asyut
in Nubien u.a.
-- Webereien im Nildelta stellen Leinen- und
Brokatstoffe her, v.a. in Dabig, Damiette und der
Inselstadt Tinnis mit Produktion von monopolisierten
Robenstoffen ("tiraz") mit der eingewebten Titulatur des
Kalifen, für Beamtenroben, als Geschenk in der
internationalen Diplomatie oder für den internationalen
Verkauf an europäische Höfe wie z.B. in Italien und
Frankreich
-- Alaun aus der Libyschen Wüste nach Europa als Beize
oder Gerbstoffe (S.190).
Wertvolle Papierproduktion
in Libanon
(S.190)
Handel zwischen dem nahen
Osten und Südeuropa
Verschiffung der Waren aus Indien nach Byzanz,
Italien, Spanien, Nordafrika (190). Waren sind vor
allem: Gewürze, Perlen, Parfums, Korallen und Edelsteine
(189).
ab 972
Jerusalem ist für die
ägyptischen Fatimidenkalifen eine zweitrangige Stadt.
(S.192)
973
Kairo: Vollendung des neuen
Kalifenpalastes in al-Qahira/Kairo
Vollendung des Kairoer Kalifenpalastes, Ankunft des
afrikanischen Kalifen al-Mu ‘izz. Al Qahira wird zur
neuen Hauptstadt des islamischen Reiches Afrikas
(S.171).
11.6.973
Kairo: Einzug des
afrikanischen Kalifen al-Mu ‘izz
(S.172)
973
Kairo: Osteuropäische
Pagen, Gardisten und Kutama-Berber: Absonderung in
al-Qahira - neuer Gouverneur für Ifriqiya: Buluggin b.
Ziri, "Ziriden"
in abgetrennten Quartieren und in mehreren Dörfern
des Nildeltas, die heute noch existieren.
Gleichzeitig ernennt der afrikanische Kalif einen neuen
Gouverneur für "Nordafrika", den berberischen
Sanhaga-Fürst Buluggin b. Ziri, Sohn eines treuen
Berberkämpfers gegen den rebellischen Wanderprediger Abu
Yazid. Buluggin b. Ziri und seine Nachkommen, die
"Ziriden", regieren das fatimidische Vizekönigreich
Maghreb bis 1048 (S.172).
ab 973
Ägypten: Lehrsitzungen für die ismailitische Lehre und
Konvertierungen
In Fustat Misr/Alt-Kairo finden öffentliche, nach
Männern und Frauen getrennte, Lehrsitzungen statt, die
für den ismailitischen Glauben werben. Auch Übertritte
("Neophyten") werden in den Sitzungen vollzogen (S.173).
Ägypten: Religiöse
Isolation von Fustat Misr und al-Qahira
Noch lange bleibt die Doppelstadt Misr und al-Qahira
religiös isoliert, denn auf dem Land bleiben andere
Religionen vorherrschend, auch mit anderen Sprachen.
Die ägyptischen Christen und Juden geniessen unter al-Mu
‘izz weitreichende Freiheiten und Privilegien wie sonst
nirgendwo in der islamischen Welt. Christliche und
jüdische Beamte dienen in Behörden, Verwaltungen, vor
allem in Steuer- und Finanzministerien (172). Fustat
Misr wird zu "Alt-Kairo" (173).
Ägypten: Keine
Zwangsmassnahmen der Berberiner/Ismailiten gegen die
Sunniten in Fustat Misr
(S.173)
974 ca.
Mekka: Huldigung des
afrikanischen Kalifen
Der Scherif von Mekka anerkennt den
schiitisch/ismailitischen Kalifen von al-Qahira mit der
Erwähnung im Freitagsgebet. Kalif al-Mu ‘izz wird zum
Protektor von Mekka und löst damit Bagdad ab (S.173).
974
Ägypten: Tod des ägyptischen Qadi an-Nu ‘man, der ein
Rechtskompendium "Stützen des Islam verfasst hat ("Da ‘a
‘imal-islam") (S.177).
ab 974 ca.
Ägypten:
Stiftungsgründungen in Ägypten zugunsten von Mekka und
Medina
In Ägypten werden Stiftungsländereien zur
Finanzierung der religiösen und sozialen Institutionen
in Mekka angelegt:
-- Mekka wird regelmässig mit ägyptischem Getreide
beliefert
-- die Kiswa, das alljährlich zu erneuernde Tuch, das
die Ka ‘ba einhüllt, wird ab jetzt in Ägypten -gewebt.
Der Prestigegewinn der Fatimiden/Ismailiten in der
islamischen Welt ist damit grundlegend (S.173).
ab 974
Ägypten: Die Gewinne für
das afrikanische Kalifenreich: Kontrolle des
Indienhandels
Durch die Gewinnung der Städte Medina und Mekka sind
nun beide Ufer des Roten Meeres von Kairo/al-Qahira
kontrolliert. Damit kontrolliert Ägypten eine der
wichtigsten Welthandelsrouten zwischen Afrika/Europa und
Indien (S.174).
975-996
Kairo: Tod des Kalifen
al-Mu ‘izz - Nachfolger: Sohn al-’Aziz
Organisation des Finanzwesens in Ägypten unter dem
Christen Isa b. Nasturus (Nestorios)
Organisation des Finanzwesens in Syrien unter dem Juden
Isaak ben Menasse (S.172).
975
Ägypten: Erstmals
friedliche Pilgerreise nach Mekka
Zum ersten Mal in der Geschichte kann der
afrikanische Kalif zu einer Pilgerfahrt nach Mekka
aufrufen, die nicht durch gegnerische Überfälle
gefährdet ist (S.173).
Palästina: Byzantinischer
Vormarsch gegen Jerusalem
Byzantinische Besetzungen unter Kaiser Johannes
Tzimiskes: Besetzung von Hims (Emesa), Baalbek,
Damaskus, Tiberias, Nazareth, Akkon (‘Akka), Caesarea,
Sidon (Sayda), und Beirut. Jerusalem rückt in greifbare
Nähe (S.175).
977-978
Ägypten:
Ägyptisch-ismailitische Besetzung von Damaskus
Die ismailitischen Truppen unter Ga ‘far b. Falah
können die byzantinischen Truppen in Damaskus vertreiben
und reissen die Herrschaft mit Gewalt an sich. Es kommt
zu monatelangen Strassenkämpfen gegen die verhassten
Maghrebiner. Führend sind die bewaffneten Clubs der
damaskinischen "Jünglinge" aus dem lokalen Handwerkertum
(S.174).
Diese Strassenkämpfe wiederholen sich "stets aufs Neue".
Damaskus bleibt ein Unruheherd und der nördlichste
Stützpunkt der fatamidisch-ismailitischen Macht in
Syrien. Die Emire von Aleppo, Hamdaniden, überleben mit
einer Schaukelpolitik zwischen Kairo, Bagdad und Byzanz
(S.174).
Die byzantinische Herrschaft nördlich von Damaskus ist
trotz der ismailitischen Besetzung von Damaskus nicht
erschüttert (S.175).
979-991
Kairo: Christen und Juden
am ägyptischen Kalifenhof - muslimische Proteste
Staatsminister des islamischen Afrika in al-Qahira
ist der jüdische Wesir Ya ‘qub b. Killis.
Militärführer ist der zum Islam konvertierte Jude
al-Fadl b. Salih (172). Wesir Ya ‘qub b. Killis und der
Militärführer al-Fadl b. Salih umgeben sich fast nur mit
christlichen Sekretären (172f.). Es kommt zu
muslimischen Protesten und Demonstrationen gegen die
vielen christlichen Sekretäre. Spottgedichte des Kairoer
Volksmunds verhöhnen die "unheilige Dreifaltigkeit"
zwischen ‘Aziz, Wesir Ya ‘qub und Militärführer Fadl
(173).
982 ca.
Hamdaniden von Aleppo
unterwerfen sich Byzanz
Der Emir von Aleppo wird formell Vasall des
byzantinischen Kaisers Phokas (S.175).
Kairo: Wesir Ya ‘qub b.
Killis tritt zum Islam über
(S.173)
ab 985 ca.
Ägypten: Söldnerheere
werden Hauptstütze
Der afrikanische Kalif al-Aziz stützt sich mehr und
mehr auf turkmenische Söldnerheere, die "Mamluken"
(S.176).
Kairo: Ismailitischer Zwang
gegen Sunniten
Der Gebetsausruf "Auf zum besten Tun" wird auch für
die Sunniten in Fustat Misr/Alt-Kairo obligatorisch. Die
Sunniten argumentieren, dass dies gegen den Koran
verstosse (S.173).
988
Kairo: Gründung einer neuen
islamischen Hochschule
Wesir Ya ‘qub b. Killis gründet für die
Palastmoschee in al-Qahira eine grosszügige Stiftung mit
35 juristischen Lehrstühlen, die bis heute die
bedeutendste islamische Hochschule ist (S.173).
ab 988 ca.
Ägypten: Türkische
Söldnerheere werden zum innenpolitischen Machtfaktor
Die türkischen Söldnerheere beginnen, im politischen
Leben von Ägypten eine mitentscheidende Rolle zu
spielen. Zu Offizieren aufgestiegene türkische Offiziere
bekommen immer häufiger militärische Kommandos oder
Stadthalterposten und brechen so in berberische Domänen
ein (S.176).
994 ca.
Nordsyrien/Aleppo: Byzanz
wehrt ägyptischen Angriff ab
Angriff des ismailitischen Heeres des afrikanischen
Kalifen al-’Aziz gegen Aleppo und Antiochien scheitert
an byzantinischen Heeren (S.175).
995
Nordsyrien/Aleppo: Der
byzantinische Kaiser Basileios II. in Aleppo, Apameia
(Famiya) und Hims
(S.175)
996-1021
Kairo: Tod des Kalifen
al-’Aziz - Nachfolger: 11-jähriger Sohn al-Hakim
Während der Vorbereitung eines neuen Syrienfeldzugs
gegen Byzanz stirb Kalif al-’Aziz. Nachfolger wird der
fünfjährige Sohn al-Hakim.
In der abbasidischen Propaganda wird al-Hakim als ein
"Wüstling" und "Rohling" geschildert, der er aber gemäss
den Quellen nie war (S.175).
996-1000
Kairo: Missbrauch eines
minderjährigen ägyptischen Kalifen
Der minderjährige ägyptische Kalif al-Hakim ist den
Eigenmächtigkeiten und Demütigungen der Militärs und
Höflinge ausgesetzt (S.176).
ab 996Kairo: Auftretende Rivalität zwischen
Kutama-Berbern und türkischen Söldner-Garden im
ägyptischen Imperium
(S.176)
Itailen-Ägypten:
Italienischer Seehandel nach Ägypten - Import von Holz
und Pech für Kriegsschiffe - Drohungen aus Byzanz und
Rom
Die italienischen Seerepubliken besitzen zum ersten
Mal nachgewiesenermassen ein Kontor im Hafen von
Kairo/al-Qahira. Importe Ägyptens sind vor allem Holz
und Pech aus Italien und Dalmatien für den Schiffsbau.
Die Lieferungen erfolgen über die Schiffe der
italienischen Seerepubliken (S.190).
Da Holz und Pech kriegswichtige Güter sind, vor allem
gegen Byzanz gerichtet, sprechen Byzanz und der Papst
von Zeit zu Zeit Warnungen aus, dass die italienischen
Schiffe gekapert würden und hohe Strafen drohen würden.
Die italienischen Transportreeder lassen sich aber kaum
je beeindrucken und machen weiter ihre Kriegsprofite
(S.190).
998 ca.
Kairo: Machtkampf zwischen
Berbern und Mamluken-Söldner-Offizieren - Osteuropäer
Barguwan
Der lachende Dritte im Intrigenspiel um die
militärische Macht am Kairoer Kalifenhof zwischen
Berbern und Mamluken ist der osteuropäische Eunuch
Barguwan, dem es gelingt, mit Hilfe der Mamluken-Söldner
die Berber zu entmachten. Er übernimmt den Wesirposten
des Kalifen mit Leitung der der Staatsgeschäfte. Der
13-jährige Kalif al-Hakim kann dem ganzen Treiben nur
zusehen (S.176).
998 ca.
Syrien-Palästina:
Ägyptische Besetzung unter Barguwan
Ägyptischer Ostfeldzug unter dem ägyptischen
Regenten Barguwan nach Palästina und Damaskus. Barguwan
kann eine harte Fatimidenherrschaft in Syrien und
Palästina etablieren (180) mit Besetzung des Landes bis
vor Antiochien (S.180-181)
999-1000
Byzantinischer Feldzug
unter Kaiser Basileios II. gegen die ägyptische
Besetzung Syriens bis Tripolis: Plünderungen im
Winter, Belagerung von Tripolis
Das Heer von Kaiser Basileios II. zieht den Fluss
Orontes (heute "Asi") aufwärts und plündert im Winter
Sayzar, Hims und Baalbek. Der Feldzug endet mit einer
Belagerung von Tripolis (Tarabulus) (S.181).
Anfang 1000
Tripolis: Belagerung durch
Byzanz bleibt erfolglos
Das ägyptische Tripolis kann sich gegen die
byzantinische Belagerung durchsetzen. Byzanz muss die
Belagerung abbrechen (S.181).
1000
Waffenstillstand zwischen
Ägypten und Byzanz auf 10 Jahre
Der ägyptische Regent Barguwan kann unter
Vermittlung von Patriarch Orestes von Jerusalem -
mütterlicherseits ein Onkel al-Hakims - einen
zehnjährigen Waffenstillstand mit Byzanz abschliessen.
An der Nordgrenze des ägyptischen Imperiums bleibt es in
der Folge "ruhig" (S.181).
um 1000
Kairo: Wechselnde
Heeresstruktur: gemischte Söldnertruppen
Das arabische Heer "gund" verliert seine Bedeutung,
ebenso die damit verbundenen Standorte Kufa, Basra,
Fustat und Kairuan. Die Söldner werden auch aus
nichtarabischen Völkern rekrutiert (S.200).
ab 1000 ca.Damaskus/Aleppo: Emir Zengi und weitere
"Zengiden" werben unter den Kurden und Seldschuken für
Söldnerdienste
(S.200)
ab 11. Jh.
Bagdad: Machtteilung Kalif
- Staatsmacht
Es kommt zur Machtteilung zwischen der
arabisch-quraysitischen Kalifenlinie und der fremden,
meist turkmenischen Staatsmacht (S.219).
März 1000
Kairo: Ermordung von Wesir
Barguwan - Machtergreifung von Kalif al-Hakim
Der 15-jährige ägyptische Kalif al-Hakim lässt den
osteuropäischen Wesir Barguwan meuchlings ermorden und
nimmt die Regierungsgeschäfte selbst in die Hand. Fortan
bleibt Kalif al-Hakim ein misstrauischer Mensch, der
seine Wesire lieber beseitigen als zu mächtig werden
lässt (S.176).
1004
Gegenkalifat Cyrenaika:
Gegenkalif Abu Rakwa
Aufstand des arabischen Banu Qurra-Stammes am
westlichen Rand des Nildeltas mit Berberstämmen
Nordafrikas im Gebiet des heutigen Libyen, Luwata,
Mazata, Zanata unter Führung eines ausgerufenen
Gegenkalifen Abu Rakwa, der behauptet, ein
Umayyadenprinz zu sein. Die Aufständischen besetzen
Barqa in der Cyrenaika und besiegen mehrmals ägyptische
Kalifentruppen (S.181).
Kairo: Dekret von Kalif
al-Hakim zur Rechtfertigung der Machtübernahme von
1000 - "Volkspolitik" al-Hakims: Diskriminierung und
sunnitische Intoleranz
-- Rechtfertigung des Mordes an Wesir Barguwan
-- Versprechen einer "gerechten Regierung"
-- alle Untertanen sollen sich mit Anliegen direkt an
ihn wenden
oo Al-Hakim entscheidet über alle Eingaben, die beim
Wesir eingehen, mit Reskript/ tawqi’ am Rand oder auf
der Rückseite
oo al-Hakim pflegt Austritte und Entgegennahme von
Petitionen während seiner Ausritte in die Umgebung
Kairos
oo al-Hakim pflegt die Bekanntmachung von Dekreten vor
der Volksversammlung von der Loge des Schlosshofs herab
als "Hofprediger". Die Edikte werden dann in allen
Freitagsgottesdiensten von den Kanzeln al-Qahiras
verkündet (S.176).
ab 1004
Der afrikanische Kalif
al-Hakim als "Saubermacher" für das Sunnitentum
Al-Hakim will sein Ziel einer "idealen islamischen
Gemeinde" mit einer "Lawine" von Dekreten erreichen und
so ein "vorbildlicher" Lenker/imam sein.
Als Basis nimmt al-Hakim die Rechtsgrundsätze des
grossen ismailitischen Rechtskompendiums "Stützen des
Islam" ("Da ‘a ‘imal-islam") des Qadi an-Nu ‘man.
Zudem versucht al-Hakim, die Religionsfreiheit für die
Sunniten gegenüber den Schiiten zu sichern. Damit nimmt
al-Hakim seine Rolle als "Treuhänder Gottes" ("amin
Allah") sehr ernst (S.177).
Er erlässt Dekrete wie z.B.
-- Überwachung von Massen und Gewichten
-- Beleuchtung und Feuerschutz der Altstadt
-- Tötung der zur Plage werdenden Hunde
-- Schutz des Rinderbestandes Ägyptens mit einem
Schlachtverbot an den grossen muslimischen und
christlichen Festen
-- Abschaffung einer Reihe unkanonischer Binnenzölle in
den Nilhäfen und so Senkung des Brot- und Dattelpreises
(S.177).
Der afrikanische Kalif
al-Hakim als Vernichter der schiitischen ToleranzKalif
al-Hakim verfügt Zwangserlasse, damit die Menschen
seines Imperiums "gute Muslime" werden. Zuwiderhandlung
wird mit Prügelstrafe geahndet:
-- Verbot des Genusses von Wein, Honigbier und Hirsebier
und Bestrafung bei Zuwiderhandlung bis zur Vernichtung
von Trauben, Rosinen und Honig
-- Verbot des Verzehrs von schuppenlosen Meerestieren,
darunter die in Ägypten sehr beliebte Tellmuschel
-- Verbot einiger von Schiiten traditionell verpönten
Gemüsesorten, so, wie es in den "Stützen des Islam" von
an-Nu ‘man geschrieben steht (S.177).
Frauenfeindliche Erlasse
des afrikanischen Kalifen al-Hakim
Zuwiderhandlungen werden mit Prügelstrafe geahndet:
-- obligatorisches Schleiertragen für Frauen
-- Verbot nächtlichen Ausgangs für Frauen
-- Verbot an Teilnahme bei Begräbnissen für Frauen
-- Verbot des Besuchs öffentlicher Bäder und beliebter
Ausflusgsziele für Frauen (S.177).
Kairo: Dekrete von Kalif
al-Hakim gegen Christen und Juden: Diskriminierungen -
Auswanderung von Christen nach Nubien oder Syrien
Al-Hakim lässt durch Erlasse die Existenzen von
Christen und Juden planmässig einengen und realisiert
somit eine Diskriminierung, wie sie im sogenannten
‘Umar-Vertrag festgelegt ist:
-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in
der Öffentlichkeit untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist
verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen
-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie
Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus müssen Christen Kreuze und Juden
Glöckchen tragen
-- al-Hakim beginnt den Kampf gegen die christlichen
Regierungssekretäre, so dass viel zum Islam übertreten
(S.178).
Der starken Diskriminierung können Christen ausweichen,
indem sie in das christliche Nubien oder in die
syrischen Küstenstädte Latakia (Laodikeia) und
Antiochien auswandern (S.178).
1005
Kairo-Gegenkalifat
Cyrenaika: Zerschlagung und Hinrichtung
Niederschlagung des Aufstandes der Banu Qurra und
Berber in Nordafrika. Sieg der Truppen der ägyptischen
Generäle al-Hakims gegen die aufständischen Banu Qurra
und Berber in Nordafrika. Festnahme von Berberführer Abu
Rakwa, Auslieferung nach Ägypten und Hinrichtung in
Kairo/al-Qahira (S.181).
"Haus der Wissenschaft" in
Kairo nach Vorbild Bagdads (v.830n.Chr.)
Kalif al-Hakim kann das neue "Haus der Wissenschaft"
in Kairo einweihen. Er folgt damit dem Vorbild Bagdads,
wo 830 bereits ein "Haus der Weisheit" eröffnet wurde,
das inzwischen wieder geschlossen ist. Kalif al-Hakim
realisiert mit dem "Haus der Wissenschaft" die Öffnung
von Wissen für die Öffentlichkeit:
-- die Kalifenbibliothek wird öffentlich zugänglich mit
allgemeiner Erlaubnis zum Abschreiben von Werken
-- Verpflichtung wissenschaftlicher Lehrer in Recht,
Tradition, Koran, aber auch Grammatik, Philologie,
Logik, Mathematik, Astronomie und Medizin
-- mit Work-Shops unter den Gelehrten im Beisein des
Kalifen
-- mit besonderer Förderung der Astronomie unter dem
Astronom Ibn Yunus as-Sadafi, der eine "Hakimsche Tafel"
zur Astronomie veröffentlicht (S.180).
1006
Kairo: Al-Hakims Beschlüsse
zur Begünstigung der Sunniten: "Toleranzedikt"
-- die Duldungsgarantien lässt er militärisch
durchsetzen
-- den schiitischen Gebetszusatz lässt er wieder
zurücknehmen
Zusatzgebete am Vormittag und in Ramadan-Nächten lässt
er zu-- die Schmähungen der Prophetengefährten Abu Bakr,
‘Umar und ‘Utman u.a. an schiitischen Festen und
Prozessionen lässt er verbieten
-- zeitweilig lässt al-Hakim sogar die
schiitisch-ismailitischen Lehrsitzungen verbieten
(S.178).
ab 1008 ca.
Ägypten/Palästina:
Plünderung und Zerstörung von Kirchengütern im
ägyptischen Imperium auf Befehl des Kalifen al-Hakim
Kalif al-Hakim beginnt mit Plünderungen in Klöstern
und Kirchen. Es folgt die Zerstörung und Konfiszierung
des Bodens. Es ist dies die nach ägyptischem Brauch
legale Beschaffung von Geld bei Ebbe in der Staatskasse
-- um die turkmenischen/seldschukischen Söldner zu
bezahlen
-- um Geld zur Reparatur der verfallenen Moscheen
aufzutreiben
wie dies vor ihm bereits andere ägyptische Regenten
getan haben (S.179).
1009
Kairo: Al-Hakim erneuert
das "Toleranzedikt" für die Sunniten
(S.178)
Sep 1009
Ägypten/Palästina: Dekret
von al-Hakim zur Zerstörung der Grabeskirche in
Jerusalem
Die Kirche Konstantins, die Grabrotunde und die
Schädelstätte ("kranion") werden abgerissen (S.179).
ab 1009
Kairo: Aufkommender
Widerstand gegen Sunnitenbevorteilung am Kalifenhof
Der Wesir des Afrikakalifen und dessen Hofgenossen
beginnen, gegen die Sunnitenbevorteilung im ägyptischen
Imperium Widerstand zu leisten. Al-Hakim muss seine
Toleranz- und Schutzerlasse zum Teil zurücknehmen
(S.178).
Palästina: Zerstörung der
Grabeskirche - Trauma für das Christentum
Die christliche Glaubensgemeinschaft verliert mit
der Zerstörung der Grabskirche den Ausgangspunkt des
Lichtermeeres an Ostern und rächt sich mit einer
entstellenden Geschichtsschreibung, z.B. der christliche
Historiker Johannes von Antiochien (Yahya al-Antaki)
u.a., was auch dem Abbasiden-Kalif in Bagdad nur
dienlich ist (S.179).
um 1010
Kairo-Bagdad:
Untergrundarbeit Ägyptens in Bagdad mittels Agenten
Ägyptische Missionare der Fatimiden, die
gleichzeitig Geheimagenten sind, werben im Untergrund
Bagdads für den ägyptischen Kalifen (S.186).
ab 1010 ca.
Maghreb: In Nordafrika
existieren noch 47 christliche Bistümer.
(S.186)
Ägypten/Palästina: Weitere
Kirchenzerstörungen im ägyptischen Imperium auf Befehl
von Afrikakalif al-Hakim
-- Zerstörung der Georgskirche in Ramla
-- Zerstörung der Marienkirche in Damiette-- Zerstörung
des Klosters Dayr al-Qasir über dem Grab des Heiligen
Arsenios auf dem Muqattam bei Kairo (S.179).
Kirchenbauten, die unter
der Herrschaft von Kalif al-Hakim erhalten bleiben
-- das Skete-Kloster bei Alexandrien
-- das Katharinenkloster im Sinai
-- die Kirche Mar Schenute
-- die Marienkirche und weiter Kirchen in Alt-Kairo
(S.179).
1011
Palästina/Mekka: Aufstand
der Tayyi’-Stämme in Ramla: Gegenkalif al-Hasan -
Ersticken des Aufstands durch Bestechung Ägyptens
Die Tayyi’-Stämme stehen unter Führung von Mufarrig
b. Dagfal b. al-Garrah, der den Scherif von Mekka,
al-Hasan b. Ga ‘far, zum Kalifen ausrufen lässt.
Gegenkalif al-Hasan lässt sich in Ramla als Kalif
huldigen. Kalif al-Hakim versorgt die Tayyi’-Beduinen
mit Geldlieferungen, so dass diese den von ihnen
ausgerufenen Gegenkalif al-Hasan wieder vertreiben
(S.181).
Ägypten / Mesopotamien:
Untergrundaktivität Ägyptens in Mosul und Kufa - kurze
Erwähnung im Freitagsgebet
In Mosul und Kufa wird der afrikanische Kalif
al-Hakim vorübergehend im Freitagsgebet als Schutzherr erwähnt und somit anerkannt.
Mit der Erwähnung wollen sich die beiden Gebiete
nördlich und südlich von Bagdad aber eher von der
abbasidischen Zentralmacht abgrenzen. Eine Unterstellung
unter Ägypten wird nicht angestrebt (S.181).
1012
Kairo: Baubeginn eines
Observatoriums
unter Oberqadi Malik b. Sa ‘id. Das Observatorium bleibt
aber unvollendet (S.180).
1015 ca.
Kairo: Zwangserlass von
Kalif al-Hakim gegen Frauen: Ausgangsverbot ohne
männliche Begleitung
Kalif al-Hakim verfügt das Ausgangsverbot für
Frauen, wenn diese ohne männliche Begleitung sind.
Ausnahmen sind Frauen mit bestimmten Berufen wie
Hebamme, Leichenwäscherinnen, Wasserträgerinnen,
Friseusen etc.
Al-Hakims Regierung schneidet die menschlichen
Freiheiten in seinem Imperium immer mehr ein (S.177).
1015
Ägypten wird Schutzmacht
von Aleppo
Der Emir von Aleppo anerkennt den afrikanischen
Kalifen in Ägypten, al-Hakim und wendet sich damit von
Byzanz ab. Ägypten wird somit neue Schutzmacht und das
nordsyrische Aleppo ist dem Zugriff des
Byzantinerkaisers entrissen (S.181).
ab 1017
Ägypten: Entstehung des
Drusen-Glaubens: Führer Hamza al-Labbad
Bildung einer Glaubensgruppe in Kairo/al-Qahira, die
im fatamidischen Imam-Kalifen al-Hakim eine Inkarnation
Gottes sieht und die Botschaft vom Ende des islamischen
Gesetzes verbreitet, weil das Paradies angebrochen sei
(S.181).
Die Glaubensgruppe unter dem Ostiraner Hamza al-Labbad,
der mit Traktaten den Inahlt des neuen Glaubens
bestimmt, führt die ismailitische Ideologie und die
Erlösungserwartung konsequent zu Ende: Die paradiesische
Urreligion sei nun mit dem religiös-züchtigen Leben im
Kommen. Gott müsse sich vor den Menschen und ihren
Sünden nicht mehr verhüllen, weil die Sünden nicht mehr
vorkommen würden (S.182).
Das Ziel der Menschheit sei erreicht, und der "Mahdi"
werde die direkte Gottesregierung von vor der Sünde von
Adam und Eva wieder herstellen. Das religiöse Gesetz
wird somit nicht mehr nötig sein, denn die Menschen
können nun auch ohne dieses Gesetz "sündlos" leben. Der
Kalif al-Hakim sei Gott, und das Paradies sei
angebrochen (S.182).
Diese Lehre wird vom Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad,
gelehrt, unterstützt von seinem Helfer Anustekin
ad-Darzi, in einer kleinen Moschee nördlich von Kairo
nahe der Stadtmauer. Mehrmals trifft sich Kalif al-Hakim
mit Hamza. Dieser legt sich den Titel al-Hadi ("der
Führer") zu (S.182).
Kalif al-Hakim gibt in der Folge nie eine eindeutige
Stellungnahme zur Glaubensgruppe um Hamza al-Labbad ab.
Seine Rechtsgelehrten, der oberste Qadi und der oberste
religiöse Propagandist ("Da ‘i") äussern sich jedoch
scharf gegen Hamzas’ Lehre (S.182).
ab 1018 ca.
Ägypten/Palästina: al-Hakim
stellt die Kirchenzerstörungen ein
(S.179)
Juni 1019
Kairo: Demonstration der
Hamza-Glaubensgruppe in einer Moschee - Verfolgung der
Hamza-Glaubensgruppe als "Drusen"
An einer Demonstration einiger Hamza-Anhänger in der
‘Amr-Mosche in Alt-Kairo geben die Mitglieder ein
lautstarkes Bekenntnis ab, dass Afrikakalif al-Hakim
Gott selber sei. Im losbrechenden Tumult kommen drei
Hamza-Anhänger zu Tode und in Alt-Kairo kommt es zu
Pogromen gegen die Hamza-Gruppe (182). Der Helfer
Anustekin ad-Darzi wird als Hauptschuldiger verfolgt und
flüchtet in den Kalifenpalast (182-183).
Dem Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad, gelingt die
Flucht in den Untergrund. Kalif al-Hakim gibt an, der
Helfer Anustekin ad-Darzi sei hingerichtet. Man hört nie
mehr etwas von ihm. Sein Name gibt der Gruppe die
Bezeichnung, denn "Duruz" ("Drusen") ist der Plural von
"Darzi" (S.183).
Fortan entwickelt der Anführer, Hamza al-Labbad, weitere
Traktate und vollenden den "Drusenkanon". In den
drusischen Schriften gilt der Helfer Anustekin ak-Darzi
fortan als Verräter, weil er in den Kalifenhof flüchtete
(S.183).
um 1020
Ägypten/Palästina:
Beginnende Wiedergutmachung von Kalif al-Hakim
gegenüber der Kirche
Kloster Dayr al-Qasir - Rückgabe der Ruine der
Grabeskirche in Jerusalem. Die Gemeinde des zerstörten
Klosters Dayr al-Qasir erhält seinen geraubten Besitz
vom Kalifen al-Hakim zurück. Das Kloster wird unter
al-Hakims Anteilnahme wieder aufgebaut.
In Jerusalem setzt Kalif al-Hakim einen neuen
Patriarchen ein und die Ruine der Grabeskirche wird samt
allem Grundbesitz der christlichen Gemeinde
zurückgegeben (S.179).
ab 1020 ca.
Kairo: Vertreibung der
Drusen-Gruppen aus Ägypten
Unter Afrikakalif al-Hakim kommt es zu einer
planmässigen Verfolgung der Drusen, die sich in die
Gebirgstäler zwischen Libanon und Hermon fürchten müssen
(S.183).
13.2.1021
Kairo: Verschwinden von
Kalif al-Hakim - Übernahme des Regimes durch Schwester
Sitt al-Mulk und Kalif az-Zahir
Kalif al-Hakim kommt von einem seiner Ausritte in
die östliche Wüste nicht mehr zurück. Sein Esel und
seine zerfetzten Gewänder werden gefunden.
Die Schwester des Kalifen, Sitt al-Mulk, übernimmt
tatkräftig die Regierung des ägyptischen Imperiums und
lässt den Häuptling der Kutama-Berber, Ibn Dawwas, und
zwei seiner Sklaven als Kalifenmörder hinrichten.
Seither streiten sich Historiker, ob die Schwester
selber den Auftrag zum Mord gegeben habe und Ibn Dawwas
vielleicht nur Mitwisser war.
Die Drusen interpretieren den Tod von al-Hakim als
Strafe für die Menschheit, denn der personifizierte Gott
ha sich erneut verhüllt, weil die Menschen ihre Erlösung
nicht angenommen haben (S.183).
1021-1036
Kairo: Nachfolge von Kalif
al-Hakim: az-Zahir
(S.183)
Drusenrückzug
nach Libanon- Turkmeneninvasion in Persien -
Ringmauer um Jerusalem - anhaltender Friede zwischen
Ägypten und Byzanz - Arabisierung Ifriqiyas und
Destabilisierung mit Bistumszerstörungen - Togrilbeg
als Feind Kairos - syrische Besetzung Kairos und
Zusammenbruch - führendes Kalifat Bagdad
Zusammenfassung
Die Verfolgung der Drusen bis in den Libanon
kontrastiert mit der Erlaubnis Kairos zum Wiederaufbau
der Grabeskirche in Jerusalem, währenddessen die
Turkmenen in Persien die Macht an sich reissen und das
Kalifat Córdoba in Spanien zusammenbricht. Ein
30-jähriger Friedensvertrag zwischen Kairo und Byzanz
und neue christliche Rechte in Syrien sorgen für
Stabilität im ägyptischen Imperium, während sich
Turkmenenführer Togrilbeg als neuer Sultan in Bagdad
etablieren kann. Jerusalem erhält aus Kirchen- und
Klostersteinen eine Ringmauer um die Stadt. Ifriqiya
anerkennt das Bagdad-Kalifat, so dass Kairo als Rache
"lästige" Beduinen gegen Ifriqiya treibt, die das Land
arabisieren, destabilisieren sowie fast alle Bistümer
zerstören. Als Kairo eine militärische Kooperation mit
Byzanz verweigert, bricht auch dieser Friede. Die letzte
ägyptisch-imperiale Ausdehnung mit der Besetzung Bagdads
nützt nichts mehr. Dem Zusammenbruch gegen die Turkmenen
folgt der Zusammenbruch des Reichs, der durch
unglückliche Hungersnöte wegen fehlendem Nilhochwasser
noch verschärft wird. Da Ägypten unmöglich weiter
Getreide nach Mekka und Medina liefern kann, entziehen
auch diese heiligen Städte Ägypten die Anerkennung als
Kalifat und der Indienhandel scheint gefährdet.
Chronologie (Fortsetzung)
1021
Kairo: Sitt al-Mulks
Hauptsorge ist die Sicherung Syriens gegen Byzanz.
(S.184)
ab 1021
Kairo: Erbarmungslose
Verfolgung der Drusen
Die Drusen werden auch in Syrien und Palästina
verfolgt. Sie können dank der einsetzenden Kreuzzüge in
den Tälern des Libanon überleben, da die ägyptische
Macht zurückgeht (S.183).
Kairo: Ägypten schliesst
rangmässig zu Byzanz auf
Kalif az-Zahir kann die Rolle Ägyptens als
Handelsdrehscheibe der Welt ausbauen. Ägypten wird zu
Byzanz ebenbürtig (S.183) und rivalisiert von Süditalien
bis Syrien um die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer.
Ein Bündnis mit der jemenitischen Vasallendynastie gibt
der ägyptischen Politik Raum bis zur Südküste der
arabischen Halbinsel.
Der Kalif versucht die Ausdehnung der Macht auf den Irak
und den persischen Golf (S.184).
1023
Kairo-Byzanz: Verhandlungen
über Friedensverlängerung
Im Auftrag der Kalifenschwester Sitt al-Mulk
verhandelt der ägyptisch-gebürtige jerusalemer Patriarch
Nikephoros in Konstantinopel mit dem byzantinischen
Kaiser Basileios II. über einen neuen Friedensvertrag
(S.184).
1025
Syrien: Vereinter Aufstand
der drei Beduinenstämme in Syrien gegen Ägypten -
Byzanz bleibt neutral und hilft den Beduinen nicht
Die Beduinenstämme der Kilab unter Fürst Ibn Midras
in Aleppo, der Kalb der Palmyrene in Damaskus und der
Tayyi’ aus Palästina versuchen den vereinten Aufstand
gegen Ägypten, indem sie die Hauptstädte besetzen. Die
Tayyi’ können al-’Aris niederbrennen und bedrohen
Ägypten mit einem Zug nach Westen. Gleichzeitig rufen
sie den byzantinischen Kaiser um Hilfe, aber Basileios
II. folgt dem Friedensvertrag mit Kairo/al-Qahira, so
dass ägyptische Truppen die Gegenangriffe gegen die
betroffenen Gebiete aufbauen können (S.184).
1025 ca.
Libanon: Tod des
Drusenchefideologen Hamza al-Labbad - Nachfolger Baha’
ad-din al Muqtana
Er führt von Alexandrien die Werbung für die
Drusen-Lehre weiter, währenddem die Verfolgungen gegen
die Drusen weitergehen (S.183).
1027
Jerusalem: Kalif az-Zahir
erlaubt den Wiederaufbau der Grabeskirche
Afrikakalif az-Zahir gibt die Erlaubnis zum
Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem.
Zudem gestattet er den ehemals christlichen Hofbeamten,
die unter Zwang zum muslimischen Glauben konvertieren
mussten, die Rückkehr zum christlichen Glauben mit
Berufung auf Koranvers 2,256: "Es gibt keinen Zwang
in der Religion", obwohl das islamische Recht den
Abfall vom Islam mit dem Tod bedroht (S.179).
1029
Palästina-Syrien:
Ägyptische Niederschlagung des Beduinenaufstandes
Ägyptische Truppen unter dem türkischen Gouverneur
von Damaskus, Anustekin, können die Koalition der
aufständischen Beduinenstämme Kilab, Kalb und Tayyi’
zerschlagen (S.184).
1030
Jerusalem: Ein erneuter
Versuch von Byzanz, Jerusalem zu erobern, scheitert.
(S.192)
ab 1030
Persien: Turkmeneninvasion
in Iran mit Häuptlingsfamilie der Seldschuken mit
Stammvater Selcuk
Die Seldschuken/Turkmenen besetzen in wenigen Jahren
ganz Zentralasien und Ostiran (S.186).
ab 1030 ca.
Sizilien, Ifriqiya:
Abnehmender Einfluss Kairos/al-Qahiras auf Sizilien
und Nordafrika
Der Einfluss des Kairoer Kalifen wird schwächer, was
sowohl den Emir von Palermo wie auch den Kontakt zu den
Emiren im Maghreb betrifft, die jeweils ihre
Einsetzungsurkunden gegen Geschenke und Geld erhalten.
Der Vizekönig des Maghreb, der Ziride al-Mu ‘izz b.
Badis mit Residenz in Kairuan (heute Tunesien) kann u.a.
in Sizilien einen Emir eigener Wahl gegen den Willen des
ägyptischen Kalifen durchsetzen (S.185).
1031
Spanien: Ende des Kalifats
in Córdoba
(S.185)
1033-1034
Jerusalem bekommt eine neue
Ringmauer aus Kirchen- und Klostersteinen
Afrikakalif al-Zahir lässt um das byzantinische
Hauptziel Jerusalem eine Ringmauer bauen. Dazu lässt er
Kirchen und Klöster abreissen.
Parallel dazu erfolgen neue Verhandlungen mit Byzanz mit
Kaiser Romanos III. Argyros und Michael IV., die sich
1038 hinziehen. Byzantinische Forderungen sind:
-- Beibehalten der Lehenshoheit über Aleppo
-- direkte Einflussmöglichkeit auf Jerusalem und die
Hoheit, den dortigen Patriarchen zu ernennen
-- Erlaubnis zum Aufbau der Grabeskirche, die mit Hilfe
von Byzanz wieder aufgebaut werden könnte
-- Wiederaufbau der anderen von Kalif az-Zahir
zerstörten Kirchen
-- Einstellen der Plünderungszüge des Emirs von Palermo
im byzantinischen Kaliabrien und Apulien (S.184).
1036-1094Kairo: Afrikanisches Kalifat al-Mustansir
(S.183)
1038
Ägypten-Byzanz: Friedensvertrag auf 30 Jahre
(S.184)
Persien: Turkmenischer
Eroberungsplan von Togrilbeg
Togrilbeg, der Seldschukenführer, lässt sich jetzt
bereits als "Sultan" anreden und kündigt die Vernichtung
des fatimidisch-ägyptischen Kalifats an (186). Ausserdem
verkündigt er die Eroberung Mekkas und Medinas (S.187).
Ägyptisches Bündnis mit
Jemen
Ein ismailitischer Missionar reisst in Jemen die
Herrschaft an sich und begründet die Dynastie der
"Sulayhiden" von Sanaa (San ‘a’). Jemen bewährt sich in
der Folge als Bündnispartner des ägyptischen Kalifen
(S.187).
ab 1038
Ägypten/Palästina:
Rücknahme des Terrors gegen Christen im ägyptischen
Imperium: Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem -
Rücknahme diskriminierender Gesetze
Die Grabeskirche in Jerusalem wird mittels Planung
von byzantinisch- griechischen Architekten wieder
aufgebaut. Die Christen in Syrien und Ägypten erhalten
die Toleranz zurück, die von Kalif al-Hakim
eingeschränkt worden war (S.184).
1043
Libanon: Drusische Lehre
wird Geheimlehre
Drusenführer Baha’ ad-din al-Muqtana stellt unter
dem Druck der Verfolgung die Drusenmission ein. Die
Lehre wird zu einer Geheimreligion für "Eingeweihte",
die nur in den Gebirgsklausen gelehrt wird. Die grosse
Masse der "Unwissenden" bleibt von der Lehre bis in die
1980er Jahre ausgeschlossen (S.183).
1048
Ägypten-Byzanz: Erneuerung
des 30-jährigen Friedens
auch wenn noch gar nicht 30 Jahre vergangen sind
(S.184).
Ende der Regierung der
"Ziriden" in Maghreb
(S.172)
ab 1048 ca.
Ifriqiya:
Unabhängigkeitsbestrebungen in Kairuan
Der Vizekönig des Maghreb strebt die Unabhängigkeit
von Kairo an (S.185).
1051
Ifriqiya:
Unabhängigkeitserklärung des Maghreb von Ägypten -
Huldigung Bagdads
Der Vizekönig, der Ziride al-Mu ‘izz b. Badis, lässt
den Bagdader Kalifen al-Qa ‘im im Freitagsgebet huldigen
und erhält zusätzlich noch ein Bestallungsdiplom aus
Bagdad (S.185).
ab 1051
Ägyptens Reaktion auf die
Unabhängigkeit des Ifriqiyas: Beduinenvertreibungen
Das Kalifat Ägypten reagiert auf die Unabhängigkeit
des Maghreb mit Anstiftung "lästiger" Beduinenstämme aus
Nubien zu Raubzügen im Maghreb: die Banu Hilal und Banu
Sulaym. Sie ziehen plündernd durch den Maghreb und
sollen so Nordafrika destabilisieren. Plünderung von
Barka (S.185).
Ifriqiya: Arabisierung der
Berber-Kultur Nordafrikas durch die Beduinenstämme
Nordafrika wird mit den Beduinenplünderungen mehr
und mehr arabisiert und die Siedlungs- und Wandergebiete
der Maghreb immer mehr eingeschränkt. Die Kirchen und
Bistümer in den Berberstädten weichen rasch dem Islam.
Ab diesem Zeitpunkt hören die lateinischen Inschriften
in Grabsteinen auf Friedhöfen in Nordafrika auf (S.186).
1053
Ifriqiya: Bistumssterben in
Nordafrika
Von den 47 Bistümern in Nordafrika existieren noch
fünf. Der vulgärlateinische Dialekt Afrika schwindet
rapid und hält sich nur noch in abgelegenen Oasen, z.B.
Gafsa (Qafsa) (S.186).
um 1053
Ägypten: Weitere
Beduinenvertreibungen Ägyptens gegen die Cyrenaika
Ägyptens Kalifat treibt die Beduinen der Banu Qurra
westlich des Nildeltas in die Cyrenaika, um dort zu
plündern. Das Kalifat selbst siedelt die Tayyi’-Clans
aus Palästina und dem Sinai anstelle der entfernten
Banu-Quarra-Beduinen westlich des Nildeltas an (S.185).
1054
Ägypten: Hungersnot -
Byzanz unter Kaiser Konstantin IX. Monomachos hilft
Ägypten mit Getreidelieferungen
(S.185)
Ifriqiya: Die beduinischen
Stämme aus Nubien und Ägypten belagern die
Maghreb-Hauptstadt Kairuan
(S.185)
1055
Byzanz:
Kaiserin-Nachfolgerin von Byzanz, Theodora, verlangt
von Ägypten die Beteiligung an einem Militärbündnis
quasi als Gegenleistung für die Hungerhilfe von
1054. Ägypten verweigert jedoch das Militärbündnis und
der Friede zwischen Byzanz und Ägypten geht in die
Brüche (S.185).
18.12.1055
Bagdad: Togrilbeg wird
offiziell als Bagdader Sultan anerkannt - umworbener
al-Basasiri
Nach der Anerkennung Togrilbegs als Sultan scharen
sich schiitische und anti-seldschukische Kräfte um den
türkischen Offizier Arslan al-Basasiri, der mittels
ägyptischer Waffen und Gelder Unruhen um den Bagdader
Kalifenhof schürt.
In der Folge muss Togrilbeg vorübergehend Bagdad
verlassen (S.187).
ab 1055
Ägypten-Byzanz: Neue Kriege
- wieder Kirchenraub in Jerusalem
Die Kämpfe in Nordsyrien zwischen Byzanz und Ägypten
flammen erneut auf. Afrikakalif al-Mustansir lässt u.a.
die neue Grabeskirche in Jerusalem ausrauben (S.185).
1057
Ifriqiya: Der Vizekönig des
Maghreb gibt Kairuan auf und zieht in die Seefestung
Mahdiyya.
(S.185)
Dez 1058
Ägyptische Besetzung von
Bagdad
Al-Basasiri zieht in Bagdad ein, lässt die
abbasidischen schwarzen Fahnen einziehen und lässt
ägyptisch-fatimidische weisse Fahnen hiessen. Dem
Kalifen al-Mustansir in Kairo wird im Bagdader
Freitagsgebet gehuldigt. Die Amtskleidung des
abbasidischen Kalifen, ein schwarzer Mantel mit
schwarzem Turban, wird als Beweis der Besetzung Bagdads
nach Kairo gesandt (S.187).
ab 1058 ca.
Ägyptische Agententätigkeit
im Iran und Indien
Überall im seldschukischen Iran wirken die
Missionar-Agenten von Kalif al-Mustansir, bis in die
Hochtäler des Hindukusch, Pamir, und Nordwest-Indiens
(S.187).
1059
Ägypten: Höhepunkt der
Macht: von Bagdad bis zur Cyrenaika
Ägypten befindet sich auf dem Höhepunkt seiner
imperialen Ausdehnung.
Ägyptens Heerführer Al-Basasiri erhält von Ägypten aber
keine Unterstützung, obwohl er ganz Mesopotamien
regiert. Kalif al-Mustansir scheint ihm zu misstrauen,
oder der Nachschub wird auf der Transportlinie
unterbrochen (S.187).
1060
Bagdad: Seldschukenführer
Togrilbeg zieht wieder in Bagdad ein
Al-Basasiri muss aus Bagdad abziehen. Es folgt eine
grosse Seldschukeninvasion in Syrien und in Hedschas
(S.187).
ab 1061 ca.
Unruhen in Ägypten nach der
Niederlage in Bagdad
Türkische und berbische Truppen verbünden sich gegen
die "schwarzen Garden" des ägyptischen Hofs. Es kommt zu
Schlachten vor den Toren Kairos (S.188).
Italienische
Seerepubliken in Palästina
Die italienischen Seerepubliken besitzen
ein Kloster mit Hospital und Kirche in Jerusalem, das
"Santa Maria de Latina" (S.190).
1062
Maghreb kommt wieder unter
ägyptische Kontrolle
Der Maghreb-Herrscher Tamim b. al-Mu ‘izz kommt
vorübergehend wieder unter ägyptische Hoheit (S.187).
ab 1065 ca.
Waffenstillstand zwischen
Ägypten und Byzanz
(S.185)
ab 1065
Wiederholte niedrige
Nilhöhen - Hungersnot in Ägypten
Wiederholte unzureichende Nilhöhen haben Hunger und
Teuerung in Ägypten zur Folge. Zusätzlich brechen
Seuchen aus. Dazu kommen die laufend sich erhöhenden
Kosten der Armee. Die alljährlichen Getreidelieferungen
an die heiligen Stätten Mekka und Medina müssen
unterbleiben (S.188).
1068
Finanzkrise in Ägypten -
Eingriff in die Reserven
Weil das ägyptische Heer jährlich 400’000 Dinar
verschlingt, muss das Kalifat die Staatsschätze
angreifen und u.a. 7 mudd (= 126 Liter) Smaragde
verkaufen, was ca. 300’000 Dinar entspricht (S.191).
Zahlungsunfähigkeit
Ägyptens
Der Afrikakalif al-Mustansir gibt öffentlich die
Zahlungsunfähigkeit des ägyptischen Imperiums bekannt.
Der Scherif von Mekka sucht in der Folge einen neuen
Schutzherrn und bekommt sofort Kontakt zum
Seldschukensultan Togrilbeg (S.188).
1069
Eröffnung einer ägyptischen
Gesandtschaft in Byzanz
(S.185)
1070
Das Kalifat Kairo verliert
seine Anerkennung in Mekka und im Nildelta
Der Scherif von Mekka anerkennt den Kalif in Bagdad
wieder als "rechtmässigen Kalifen" an.
Auch in Alexandrien, Damiette und anderen Städten des
Nildeltas lässt die Generalität Ägyptens den
Abbasidenkalifen von Bagdad im Freitagsgebet huldigen.
Der palästinensische Küstenstreifen mit Akkon und Skalon
kann sich unter dem Mamlukken-Offizier Badr al-Gamali
weiter ägyptisch behaupten (S.188).
Berberrückzug
vor arabischen Beduinen in Nordafrika -
Turkmenenexpansion in Anatolien und Syrien bis
Jerusalem - eingekesseltes Kairo rettet sich durch
Diktatur unter Badr - dauernde Instabilität in
Ägypten nach Badrs Tod - Gelegenheit für Kreuzzüge
mit Hilfe italienischer Seerepubliken - ägyptischer
und syrischer Festungsbau - Expansion Aleppos gegen
Bagdad und Beginn des "heiligen Krieges" gegen die
Christen
Zusammenfassung
Die Berber ziehen sich gegen die arabischen Beduinen
völlig zurück. Das Vulgärlatein stirbt aus, während von
Bagdad aus die Turkmenen Anatolien und Syrien mitsamt
Jerusalem besetzen und Kairo einkesseln, das nur durch
eine Militärdiktatur unter Badr dem Untergang entgeht.
Da die muslimische Welt nach dem Tod des Diktators nicht
an Stabilität gewinnt, ist die Gelegenheit für
christliche Einfälle günstig. Die italienischen
Republiken helfen mit ihren Schiffen willig der Kirche
und bekommen dafür jedwelche Handels- und
Rechtsprivilegien zugestanden, während das muslimische
Lager weiter uneinheitlich bleibt und Ägyptens Handel
wieder einen gewissen Luxus erarbeitet. Christliche
Besetzungen durch "Kreuzzüge" reichen bis Beirut und
Sidon, während in Kairo der Hof um Kinderkalifen
streitet. Aleppo erstarkt, kann Bagdad besetzen und ruft
den "heiligen Krieg" gegen die Christen aus. Die
muslimische Besetzung Edessas wollen die christlichen
Heere mit der Besetzung von Damaskus rächen, was jedoch
kläglich scheitert. Gleichzeitig drängen die
italienischen Republiken den Papst immer mehr, Ägypten
zu besetzen, da dort die "entscheidende" finanzielle
Quelle der muslimischen Welt zerstört werden könne.
Dabei geht es den Italienern nur um noch mehr
Handelsprofit. Ägypten selbst ist so schwach, dass
christliche und byzantinische Einflüsse die Emir-Wahlen
bestimmen, die die Kinderkalifate vertreten müssen.
Chronologie (Fortsetzung)
ab 1070 ca.
Rückzug der Berber vor der
Arabisierung
Die Berber ziehen sich vor den plündernden Beduinen
nach und nach ins Gebirge zurück, um den Gabal Nafusa in
Tripolitanien, den Awras, den Hutna, die Kabyleien im
heutigen Algerien und die Atlasketten des heutigen
Marokko (S.186).
1071
Syrien: Aleppo wird
seldschukisch
Aleppo unterwirft sich dem Seldschukensultan Alp
Arslan als dem neuen "Beschützer des rechtmässigen
Kalifen" (S.187).
19.8.1071
Anatonlien: Seldschukischer
Sieg gegen Byzanz - beginnende "Islamisierung"
Anatoliens
Sieg des Seldschukenheeres gegen das byzantinische
Heer unter Kaiser Romanos IV. Diogenes beim armenischen
Ort Mantzikert nördlich des Van-Sees.
Damit ist das griechisch-kleinasiatische Gebiet der
folgenden islamischen Besetzung und der "Islamisierung"
ausgeliefert (S.187).
ab 1071
Jerusalem kommt ab dem
Feldzug des türkischen Offiziers Atsiz unter die
Gewalt des Emirs von Damaskus
(S.194)
1072 ca.
Jerusalem:
Abbasidisch-seldschukischer Vorstoss und Besetzung
Jerusalems
Von Aleppo aus stösst Heerführer Alp Arslans mit
seldschukischen bagdadtreuen Truppen weit nach Süden vor
und kann Ramla und Jerusalem besetzen. Damaskus wird
belagert (S.187).
1072
Kairo: Abbasidische
Besetzung Der Fatimidenkalif al-Mustansir wird in
seinem Palast eingekesselt (S.188).
ab 1072 ca.
Grosse Aufstandsbewegung
gegen das Fatimidenkalifat in Alexandrien
-- arabische Stämme plündern Nubien aus
-- Aufstand des Luweta-Stammes im Nildelta (S.188).
1073
Kairo: Kalif Al-Mustansir
holt Offizier Badr al-Gamali aus Palästina
Afrikakalif al-Mustansir lässt den Mamlukkenoffizier
Badr al-Gamali mit einer Truppe meist armenischer
Söldner aus Palästina nach Damiette befehlen (S.188).
Jan 1074
Kairo: Rettung durch
Offizier Badr aus Palästina
Nach der Ankunft der Söldnertruppe von Offizier Badr
aus Palästina in Kairo lässt der Kalif die berberischen
und türkischen Truppen in Ägypten auflösen und durch die
zumeist armenischen Söldner ersetzen. Badr al-Gamali
wird neuer Wesir und erhält den Auftrag, Ägypten aus der
Krise zu führen (S.188). Badr al-Gamali etabliert in
Ägypten eine Militärdiktatur (S.191).
1074-1077
Ägypten: Die Feldzüge von
Wesir Badr zur "Befriedung" Ägyptens
Wesir Badr al-Gamali und seine vorwiegend
armenischen Söldnertruppen unternehmen Feldzüge zur
"Befriedung" Ägyptens:
-- Erstürmung des rebellischen Alexandrien
-- Besiegung des aufständischen Berberstamms der Luweta
im Nildelta
-- Besiegung der arabischen Stämme, die
Oberägypten/Nubien ausplündern (S.188).
1076
Damaskus fällt unter die
Regierung Bagdads - Askalon und Akkon bleiben
ägyptisch
Damaskus ergibt sich den abbasidisch-seldschukischen
Belagerungstruppen. Syrien fällt in die Souveränität
Bagdads, ebenso Tyros (Sur). Einzig Askalon (‘Asqalan)
und Akkon bleiben noch in ägyptischer Hand, unter dem
turkmenischen Offizier Badr al-Gamali (S.187-188).
Feb 1077
Ägypten besiegt
abbasidisches-türkisches Seldschukenheer
Sieg der Söldnertruppen von Wesir Badr al-Gamali im
Nildelta gegen das abbasidische Seldschukenheer unter
dem türkischen Heerführer Atsiz, des abbasitischen
Statthalters von Damaskus (S.188).
ab 1077
Wirtschaftliche Erholung
Ägyptens mit Erlassung der harag-Steuer für drei Jahre
(S.188)
1087
Kairo: Bau einer neuen
Stadtmauer um Kairo/al-Qahira
mit den Stadttoren Bab Zuwayla im Süden und Bab an-Nasr
sowie Bab al-Futuh im Norden (S.188).
1092
Bagdad: Ermordung des
seldschukischen Wesirs Nizam al-Mulk
durch ismailitische Agenten des ägyptischen
Kalifenhofs (S.192).
1094
Kairo: Tod des
Militärdikatators und Wesirs Badr al-Gamali -
Nachfolger Sohn al-Afdal
(S.191)
Dez. 1094
Kairo: Tod des Kalifen
al-Mustansir - Nachfolger Sohn Nizar - Krieg des
Wesirs gegen den Tronfolger
Nizar lässt sich in Alexandrien zum Kalifen
ausrufen, gestützt auf die arabischen Stämme im
Nildelta. Seine Stammestruppen werden von Truppen des
Wesirsohnes al-Afdat besiegt. Tronfolger Nizar wird
eingekerkert (S.191).
Anfang 1095 ca.
Kairo: Wesir al-Afdal lässt
Tronfolger Nizar heimlich umbringen und setzt die
Erhebung des jüngeren Prinzen Ahmad al-Musta ‘li durch
- "Nizaristen"-Abspaltung
Mit diesem Schritt hat Wesir al-Afdat gegen die
heiligen Nachfolgegesetze der ismailitischen
Imamatslehre verstossen. Die Spaltung der ismailitischen
Anhänger in Ägypten ist unausweichlich. Ein Teil hält an
einem Kalifat und Imamat Nizars fest und behauptet unter
dem Propagandisten und Missionar Hasan-i Sabbah, Nizar
sei nur entrückt und werde bald wieder erscheinen. Diese
Behauptung ist möglich, weil niemand den Tod Nizars
beobachten konnte.
Die "Nizaristen" wandern aus, nehmen die persische Burg
Alamut südlich des kaspischen Meeres als Sitz (S.191)
und verüben von dort aus politische Anschläge und
Attentate auf sunnitische, fatimidische und christliche
Herrscher und Institutionen. Die Attentäter, die in
Iran, Syrien und Ägypten operieren, nennen sich die
"sich Opfernden" ("fida ‘iyyun") und werden von den
Kreuzfahrern "assassini" genannt (S.192).
ab 1095 ca.
Ägypten: Reformen zur
Wiedererstarkung
Reform im Münzwesen und Steuerwesen sowie der
Finanzverwaltung (S.194). Wesir al-Afdal setzt das
"Werk" seines Vaters fort. Die Reformen geben Ägypten
wieder ökonomischen Wohlstand (S.195).
ab 1096 ca.
Jerusalem: Belagerung durch
fatimidisch-ägyptische Truppen
(S.194)
Persien: Nizaristen
zerstören die ägyptisch-fatimidische Mission in Iran
Die nizaritische Terrorgruppe der persischen Burg
Alamut zerstört die Mission der ägyptischen Fatimiden in
Iran. Das ägyptische Kalifat kann keine innere
Manipulation mehr gegen die Seldschuken und Abbasiden in
Bagdad mehr betreiben (S.192).
1096
Italien:
Geldgier von Genua, Pisa und Venedig als
Mitverursacher der Kreuzzüge
Die italienischen Handelsstädte Genua, Pisa
und Venedig mit ihren mächtigen Patriziern sind
Mitinitianten der Kreuzzüge. Sie hoffen auf vermehrte
Handelsstationen auf den Ost-West-Handelsrouten und
Profite (S.211).
Ohne die Flotten dieser Städte wären die Kreuzzüge gar
nicht durchführbar. Die Benutzung der Flotten lassen
sich die Städte mit königlichen Privilegien in
Palästina, Syrien oder Ägypten bezahlen, so dass ihnen
Handelsprofite so gut wie sicher sind (S.211).
ab Juni 1098
Europäisch-"christliche"
Invasion in Palästina
Weder der byzantinische Kaiser noch die
seldschukischen Truppen noch die syrischen Emire können
oder wollen die Kreuzfahrer an der Besetzung
palästinensischen Gebietes hindern (S.194).
Juni 1098
Christliche Besetzung
Antiochiens
(S.194)
Ende Juni 1098 ca.
Christliche Besetzung
Ramlas
(S.194)
Sep 1098
Jerusalem wird nach der
erfolgreichen jahrelangen Belagerung durch
fatimidisch- ägyptische Truppen besetzt
(S.194)
1098-1099
Erste
christliche Invasion in Palästina (erster Kreuzzug)
Christliche Besetzung der syrischen Küste
und Palästinas. Christliche Invasion in Syrien stösst
auf keinen koordinierten Widerstand (S.192).
ab 1098
Italien-Ägypten: Erhöhter
Handel der italienischen Seestaaten mit Holz und Pech
Während der Kreuzzüge nehmen die Pech- und
Holzlieferungen der Reeder der italienischen
Seerepubliken zu. Neben Amalfi und Genua sind nun auch
Pisa und Venedig in den Büchern Ägyptens verzeichnet.
Die Kriegsprofite bleiben lukrativ und das Risiko einer
Kaperung oder Bestrafung durch Byzanz oder Rom scheint
minimal (S.190).
15.7.1099
Jerusalem: Besetzung durch
christliche Kreuzfahrerheere
durch Erstürmung gegen eine schwache fatimidische
Garnison (S.194). Die europäisch-christlichen Besetzer
vertreiben die muslimische Herrschaft.
Erst jetzt, wo die Stadt christlich regiert wird, rückt
die "Heiligkeit" der Stadt für den Islam wieder ins
allgemeine muslimische Bewusstsein. (S.192).
Ende 1099 ca.
Palästina: Ägyptische
Reaktion auf die christliche Invasion kommt zu spät -
ägyptische Truppen werden zerschlagen
Erst jetzt reagiert Ägyptens Wesir al-Afdal und
lässt bei Askalon Truppen zusammenziehen, die von den
christlichen Truppen aus Europa aber sofort angegriffen
und auseinandergetrieben werden, bevor sie zum Angriff
gegen die Europäer starten können (S.194).
ab 1099
Kreuzzugszeit: keine
Annäherung zwischen Christentum und Islam in Palästina
Zwischen den beiden Religionen kommt es zu keiner
Annäherung. Kirche und Ritterorden verhindern die
geistige Auseinandersetzung mit dem Islam mittels
Feindbildern und Propaganda. Übersetzungen und
Wissensvermittlung findet in den Kreuzfahrerstaaten kaum
statt (S.214).
1100
Venedigs Profit in
Palästina: zu erobernde Städte bestimmten - bei
Steuerfreiheiten
Venedig entsendet eine Flotte von 200 Schiffen nach
Jaffa und handelt mit Gottfried von Bouillon dafür einen
Drittel aller noch zu erobernden Städte und völlige
Abgabenfreiheit aus (S.211).
ab 1100
Kreuzfahrerstaaten:
Privilegien und Handel mit dem "Feind"
Die eigenen Quartiere der italienischen Städte
-- haben ein eigenes Oberhaupt, it.
vicecomes/bailus/consul-- haben eigene Justiz, Richter
und Gerichte
-- haben eigene Masse und Gewichte
-- haben eigene Faktoreien
-- haben eigene Kirchen, Bad und Bäckereien.
In der Folge quellen die italienischen Quartiere über
vor Reichtum und wecken Gelüste von Feudalherren.
Gleichzeitig können die italienischen Städtestaaten ihre
Unabhängigkeit in Europa festigen und mit Neubauten
Macht präsentieren wie zum Beispiel in Pisa der Dom, das
Baptisterium und der Campanile im 12.Jh. Gleiches gilt
für die französischen Städte oder Barcelona. Die
Kirchenfassade von St-Gilles (1140) wird mit
Profitgeldern aus dem Ost-West-Handel bezahlt (S.211).
Italienische
Seefahrerstaaten: Handel mit dem Feind - Unterhöhlung
der eigenen Existenz
Der Handel mit dem Feind ist nur während
entscheidender Kreuzzüge verboten.
Das allgemeine gegen Ägypten ausgesprochene Eisen-,
Holz- und Pech-Embargo (Kriegsmaterial für Schiffbau)
der Kirchenkonzile wird nie befolgt und der Profit
munter weiter eingestrichen. Brandmarkungen vom
byzantinischen Kaiser, vom König von Jerusalem und vom
König von Aragón und Vorwürfe des "Verrats an der
Christenheit" und Drohungen mit Strafen,
Exkommunikationen, Interdikten, Kaperungen und
Folterhaft nützen nichts (S.212).
Muslimischer Profit am
Handel mit dem christlichen "Feind"
Der Handel ist derart verdächtig, dass Salah ad-din
Yusuf/Saladin sich gegenüber dem Kalifen in Bagdad
rechtfertigen muss. Der Hinweis auf Lieferungen von
Eisen, Holz und Pech genügt (S.212).
Ägypten feiert seinen Luxus
Ägypten ist in starkem ökonomischen Wachstum und
feiert den Luxus mit rauschenden Festen und Raffgier am
Kalifenhof. Da keine imperialistische Kriegspolitik
betrieben werden kann, konzentriert sich der Reichtum in
Ägypten. Wesir al-Afdal kann unglaublich viele Schätze
horten (S.195).
Ägypten-Pisa, Genua,
Venedig: dauernde Blockaden und Schikanen
Für die italienischen Seefahrerstädte kommt es immer
wieder zu lästigen und kostspieligen Schickanen in
Damiette. Nach dem Einlaufen müssen die Kapitäne die
Steuerruder und Lateinerrah der Galeeren den
Hafenmeistern abgeben, bis sie die Erlaubnis zum
Auslaufen erhalten (S.213). In der Liegezeit kann es bei
neuen Kriegen zwischen Ägypten und Europa zu Blockaden
des Auslaufens kommen (S.213-214). Die Kaufleute werden
als Geisel interniert, eventuell die eingekauften Waren
beschlagnahmt (S.214).
Ägypten/Syrien: Ausbau der
muslimischen Befestigungsanlagen
Ab dem ersten Kreuzzug werden die arabischen
Befestigungsanlagen unter grossem technischen Aufwand
ausgebaut und erneuert, in Syrien mit hochentwickeltem
Steinquaderbau: Stadtmauern, Tore, Zitadellen (S.201).
Syrien-Europa: Handel über
fränkische Häfen
-- Verbindungen von Hamah und Hims mit Tortosa und
Tripolis
-- Verbindung von Damaskus mit Beirut, Tyros und Akkon
(S.213).
In Damaskus wird vor allem Seide, Brokatstoff und Stahl
gehandelt. Akkon entwickelt sich zum Hauptumschlagplatz
und Bankenzentrum zwischen Palästina und ganz Europa,
neben den italienischen Seefahrerstädten Genua, Pisa,
Venedig und Ancona auch für französische Städte wie
Marseille, St-Gilles, Aigues Mortes, Montpellier und
Narbonne sowie für das aufsteigende Barcelona (S.213).
ab 1100-1497
Ägypten-Europa: Die
Herrschaft über die Asien-Handelsroute
Die Umladestationen:
in Aden von grosse auf kleine Schiffe, bis
al-Farama/Pelusium in einem kleinen Suez-Kanal,
oder
bis ‘Aydab, dann Umladen auf Kamele, durch die Wüste an
den Nil nach Qus/Kus/ Apollinopolis Parva, von dort auf
Nilschiffen bis Alexandrien.
Haupthafen des Indienhandels bleibt Alexandrien, das vom
Bischof und Chronisten Wilhelm von Tyrus als "forum
publicum utrique orbi"/"Markt beider Welten" bezeichnet
wird (S.213).
ab 12. Jh.
Ägypten: Karimi-Kaufleute
kontrollieren den Transithandel
Die sogenannten Karimi-Kaufleute kontrollieren den
ägyptischen Transithandel und sind durch einen besonders
niedrigen Steuersatz von 2,5 % privilegiert (S.249).
1101
Ägypten: Kinderkalif:
Intronisierung des 5-jährigen Kalifen al-Amir unter
Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali
(S.194)
Beginnende Expansion der
Europäer in Palästina - keine muslimische Abwehr
Europäisch-christliche Besetzung von Haifa und
Caesarea. Es folgen Belagerungen weiterer Städte.
Die muslimische Welt bringt keine gemeinsame Abwehr der
europäisch-christlichen Invasion zustande. Ägyptische
Fatimiden und sunnitische Emir der Abbasiden in Bagdad
können sich nicht einigen.
Die muslimische Geschichtsschreibung, darunter vor allem
die sunnitischen Propagandisten aus Bagdad, beschuldigt
die ägyptischen Fatimiden der Untätigkeit und des
Verrats, obwohl auch die sunnitischen Emire kaum etwas
gegen die "Kreuzfahrer" unternommen haben (S.194).
ab 1102
Tripolis:
Europäisch-christliche Belagerung von Tripolis
(S.194)
1104
Palästina:
Europäisch-christliche Besetzung von Akkon
In ägyptischer Hand aber bleiben Gaza, Askalon, Tyros,
Sidon und Beirut (S.194).
Königreich Jerusalem-Genua:
Genuas Profit
König Balduin von Jerusalem verleiht Genua je ein
Drittel der palästinensischen Häfen Arsuf, Caesarea und
Akkon und einen Drittel der Zolleinnahmen von Akkon
sowie ein eigenes Stadtviertel in Jerusalem und Jaffa
(S.211).
1108
Palästina-Pisa: Vergabe von
Stadtvierteln und Steuerfreiheit
Der Normanne Tankred verleiht an Pisa diverse
Stadtviertel in Antiochien und Latakia und garantiert
ihnen "freie Hand" im ganzen Fürstentum (S.211).
Juli 1109
Tripolis:
Europäisch-christliche Besetzung
(S.194)
Juli 1110
Europäisch-christliche
Erstürmung Beiruts. Gleichzeitig will eine ägyptische
Flotte der Stadt Sidon zu Hilfe eilen
(S.194)
Ende 1110 ca.
Europäisch-christliche
Besetzung Sidons, die ägyptische Flotte kann nicht
mehr eingreifen
(S.194)
1112 ca.Förderung der Astronomie in Ägypten
Wesir al-Afdal installiert auf einem Ausläufer des
Muqattam südöstlich von Kairo "eine Kugel" zur
Beobachtung der Gestirne und kann damit das erste
Observatorium Ägyptens verwirklichen (S.180).
ab 1112 ca.
"modus vivendi" zwischen
Muslimen und Christen in Palästina
Die syrischen Emire des Binnenlandes in Damaskus und
Hims schliessen mit den europäischen Christenfürsten
Verträge im Sinne eines "modus vivendi" ab. Ein solcher
"modus vivendi" ist notwendig, weil die europäischen
Franken die Hafenstädte unter Kontrolle haben (S.194).
1121
Kairo: Mord an Wesir
al-Afdal b. Badr al-Gamali
Kalif al-Amir lässt seinen Wesir al-Afdal b. Badr
al-Gamali meuchlings ermorden. Sein Besitz wird
beschlagnahmt, wobei allein an Bargeld 12 Millionen
Dinar und 50 Artaben (=9900 Liter) Silberdirhams zum
Vorschein kommen (S.191).
1123
Schliessung des "Hauses der
Wissenschaft" in Kairo/al-Qahira
Das "Haus der Wissenschaft" in Kairo/al-Qahira wird
von Wesir al-Afdal wegen angeblicher Ketzereien
geschlossen (S.180).
1124
Europäisch-christliche
Besetzung von Tyros - erste christliche Fürstentümer
in Palästina
Es etablieren sich verschiedene
europäisch-christliche Fürstentümer:
-- Grafschaft Edessa am oberen Euphrat
-- normannisches Fürstentum Antiochien
-- Grafschaft Tripolis unter den Grafen von Toulouse
-- Königreich Jerusalem unter dem lothringischen Haus
Bouillon (S.194).
1130
Kairo: Tod von Kalif
al-Amir durch einen Nizariden/Assassinen-Anschlag -
kein Sohn als Nachfolger - Vetter al-Hafiz übernimmt
die Regentschaft
Mit dem Vetter al-Hafiz als ägyptischen Kalif
spaltet sich die ismailitische Glaubensgemeinde erneut.
Obwohl der Vetter den Imam- und Kalifentitel übernimmt,
brechen dauernd Unruhen aus. Minister, Statthalter und
Generäle bekämpfen sich jahrelang in Strassenschlachten
(S.192, 195).
ab 1130
Kairo: Spaltung der
Ismailiten - Verehrung eines angeblich entrückten
Sohnes al-Tayyib
Die abgespaltene Glaubensgruppe der Ismailiten in
Ägypten, die Vetter al-Hafiz nicht als neuen Imam
anerkennen will, huldigt einem angeblich entrückten Sohn
des verstorbenen Kalifen al-Amir: dem Sohn at-Tayyib.
In der Folge schliesst sich die Sulayhiden-Dynastie in
Jemen dieser kleinen Gruppe um den angeblich entrückten
Sohn at-Tayyib an und kündigt damit dem Kalifenvetter
al-Hafiz die Gefolgschaft. Ägypten scheint durch
Spaltungen sehr bedroht (S.195).
Armenisch-christliche
Zuwanderung in Ägypten
Ein Wesir von al-Hafiz, Bahram, ein armenischer
Christ, holt Tausende seiner Landsleute nach
Kairo/al-Qahira. Die Kirchen und Klöster der Armenier
wachsen derart an, dass sie die dominierende christliche
Position der Kopten Ägyptens in Frage stellen (S.196).
1136 ca.
Richterdiskussion in
Ägypten: sunnitische gegen ismailitische Richter
Ein Wesir des afrikanischen Kalifen al-Hafiz setzt
neben dem ismailitischen Oberqadi einen
zwölferschiitischen/imamitischen und zwei sunnitische
Richter ein. Die Folge sind sich bekämpfende
ismailitische und sunnitische Gruppen und ein
Dauerstreit um das Recht (S.196).
1138 (?)
Mesopotamien: Geburt von
Salah ad-din Yusuf b. Ayyub/Saladin
in Takrit am Tigris, Kurde. Der Vater aus Dvin bei
Eriwan ist Söldner in den muslimischen Heeren von
Bagdad. Der Vater Ayyubb bringt es im Kalifenheer bis
zum Festungskommandanten der Stadt Takrit am Tigris
(S.200).
1140 ca.
Vollendung der Arabisierung
Nordafrikas: Vulgärlatein-Dialekt stirbt aus
Aussterben des afrikanisch-vulgärlateinischen
Dialekts in den abgelegenen Oasen Nordafrikas. Auch die
letzten Flecken Nordafrikas sind "arabisiert" worden
(S.186).
"modus vivendi" in
Palästina
Der arabische Burgherr Usama b.Mungid von der Burg
Sayzar am Orontes-Fluss pflegt den "modus vivendi" mit
den europäisch-christlichen Invasoren und erwähnt diesen
auch in seiner Autobiographie (S.194).
Aleppo: Emir Zengi
propagiert den "Heiligen Krieg" und die Führerschaft
gegen die Christen
Emir Zengi von Aleppo propagiert den "heiligen
Krieg" ("gihad") gegen die europäisch-christlichen
Invasoren in Palästina. Zengi beansprucht gleichzeitig
die Herrschaft über ganz Syrien mit dem Argument, nur
nach einer Einigung der Muslime werde man den
"christlichen" Feind erfolgreich bekämpfen können
(S.196).
ab 1140 ca.
Aleppos Bezahlungssystem für Söldner: Lehensvergaben
Die Soldbezahlung erfolgt durch Lehensvergabe
(iqta’, "Zuteilung"). Die Soldaten dürfen auf dem Lehen
selber Steuern erheben und müssen sich davon das Geld
für Lebensunterhalt, Ausrüstung und den Kauf von
Militärsklaven aufbringen.
In der Folge ist Aleppo viele Sorgen um den Einzug von
Steuern los, muss aber auch die Schmälerung der
Einnahmen hinnehmen.
Zudem entwickelt sich eine Tendenz zur Erblichkeit der
Lehen, die staatspolitisch sehr bedenklich ist (S.196).
Aleppos Expansion gegen
Bagdad
Aleppo kann das ganze nördliche Mesopotamien
besetzen. Emir Zengi setzt in Mossul einen seiner Brüder
ein. Damit hat Aleppo Zugang zu den typischen
Söldnervölkern des Ostens und kann seine Armeen wieder
verstärken:
-- mit arabischen Beduinen der Giazira
-- mit iranisch sprechenden Kurden der Bergländer am
oberen Tigris
-- mit Turkmenen/Seldschuken von den Hochtälern
Aserbeidschans und Armeniens (S.196).
Aleppos Bezahlungssystem
für Söldner: Lehensvergaben
Die Soldbezahlung erfolgt durch Lehensvergabe
(iqta’, "Zuteilung"). Die Soldaten dürfen auf dem Lehen
selber Steuern erheben und müssen sich davon das Geld
für Lebensunterhalt, Ausrüstung und den Kauf von
Militärsklaven aufbringen.
In der Folge ist Aleppo viele Sorgen um den Einzug von
Steuern los, muss aber auch die Schmälerung der
Einnahmen hinnehmen.
Zudem entwickelt sich eine Tendenz zur Erblichkeit der
Lehen, die staatspolitisch sehr bedenklich ist (S.196).
1144
Edessa syrisch besetzt -
Alarm bei den europäisch-christlichen Invasoren: 2.
Kreuzzug
Truppen des Emir Zengi von Aleppo können die Stadt
Edessa besetzen und die "Kreuzfahrer" vertreiben. So ist
der nördlichste der europäischen Christenstaaten bereits
wieder zerschlagen (S.196).
Die "christlichen" Kreuzfahrerfürsten sind alarmiert und
organisieren in Europa einen zweiten Kreuzzug unter dem
deutschen König Konrad III. und Ludwig VII. von
Frankreich (S.196).
1145 ca.
Jerusalems "christliche"
Führung beschliesst die Besetzung von Damaskus
Der Jerusalemer "Kronrat" beschliesst mit Konrad
III. und Ludwig VII. die Invasion in Damaskus
(S.196-197).
1146
Aleppo: Tod von Emir Zengi
- Nachfolger: Sohn Nur ad-din Mahmud
(S.196)
Syrien: weiterhin Lehen als
Sold - weiter "heiliger Krieg" gegen
"Christenfürstentümer"
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo übernimmt das
feudale Besoldungssystem von Vorgänger Zengi.
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo propagiert weiter den
"heiligen Krieg" gegen die europäisch-christlichen
Invasoren (S.196).
Sommer 1148
Jerusalem: Der
europäisch-christliche Angriff auf Damaskus scheitert
kläglich.
(S.197)
1149
Aleppo: Erster grosser
syrischer Sieg gegen christliche Frankenheere
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo kann bei Inab nahe
Antiochien seinen ersten grossen Sieg über die
christlichen Frankenheere feiern.
In der Folge sucht Damaskus die Zusammenarbeit mit
Aleppo (S.197).
1149-1154
Kairo: Kalifat az-Zafir mit
neuem Wesir Ibn Sallar
(S.196)
1150
Ägypten-Pisa: Handel und
Profit
Pisa hat ein Kontor in Alexandria und wird von Emir
Tala ‘i’ ibn Ruzzig begünstigt. Handel mit Pfeffer,
Muskat, Zimt, Gewürznelken, indischem Rotholz und
ägyptischem Alaun (S.213).
1150 ca.?
Syrien: Ayyub, Vater von Saladin, und Bruder Sirkuh,
wechseln nach Syrien in die Dienste des Emirs Zengi von
Aleppo
(S.200)
ab 1150 ca.
Ägypten-Pisa, Genua, Venedig: Drang zur Besetzung von
Damiette
Aus den Erfahrungen von Blockaden und dem Verlust
ganzer Ladungen in Damiette entwickeln die Patrizier in
Pisa, Genua und Venedig die Bestrebung, die ägyptischen
Häfen selbst zu besetzen, damit Ägypten die Schiffe im
Zweifelsfall nicht mehr blockieren kann. Fortan stellen
sie Schiffe für Feldzüge nach Ägypten zur Verfügung und
lenken zum Teil die Wege der Kreuzzüge (S.214).
Kairo-Damaskus:
Einkreisungstaktik gegen die "Kreuzfahrer"
Der neue Kalif az-Zafir beginnt mit militärischer
Kooperation mit Syrien und dessen Zentrum Aleppo, um die
europäisch-christlichen Invasoren einzukreisen (S.196).
Kairo: Beginnende
Unterwanderung Ägyptens durch das "christliche"
Jerusalem
Das Königreich Jerusalem beginnt mit der
Unterwanderung des Kalifats in Ägypten. Gezielt werden
einzelne Tronfolgerkandidaten/Prätendenten unterstützt
(S.197).
1153
Palästina: Christliche
Erstürmung von Askalon - Befestigung der ägyptischen
Stadt Bibays
Mit Askalon fällt die letzte ägyptisch gehaltene
Küstenstadt Palästinas.
In der Folge lässt der ägyptische Wesir Tala ‘i’ b.
Ruzziq vorsorglich die Stadt Bibays im östlichen
Nildelta befestigen, um gegen eine allfällige fränkische
Invasion gewappnet zu sein (S.198).
1154
Einigung Syriens und
Aleppos - sunnitische Politik
Damaskus lässt die Vereinigung mit Aleppo zu. Emir
Nur ad-din Mahmud von Aleppo wird in Damaskus empfangen
und die Vereinigung besiegelt. Nur ad-din Mahmud bekommt
die Rolle des Vorkämpfers des Islam gegen die
"Ungläubigen". Gleichzeitig schlägt Nur ad-din Mahmud
als Vorkämpfer eine sunnitische Richtung ein und
eröffnet in Aleppo und Damaskus nach
seldschukisch-bagdadischem Vorbild
juristisch-theologische Hochschulen ("madrasa") zur
Verbreitung des islamischen Rechts nach "sunnitischer
Tradition" (S.197).
Die Sunnitisierung Syriens strahlt auch auf Bagdad aus,
wo der Kalifenhof unter al-Muqtafi die Seldschuken
entmachtet und das neu-sunnitische Syrien für sich
beansprucht (!), indem Kalif al-Muqtafi versucht, sich
propagandistische an die Spitze der gihad-Bewegung gegen
die europäisch-christlichen Invasoren zu stellen
(S.197).
1154-1160
Ägyptisches Kalifat al-Fa
‘iz mit Regent und Wesir Tala ‘i’ b. Ruzziq
(S.197)
ab 1154
Ägypten sucht den Anschluss
an die gihad-Bewegung in Syrien - Aleppo plant die
Besetzung Ägyptens
Der ägyptische Regent Tala ‘i’ b. Ruzzig will mit
Angeboten, Geld- und Pferdelieferungen den Emir Nur
ad-din Mahmud zur Allianz gegen die
europäisch-christlichen Kreuzfahrer zwingen. Dieser aber
plant selber die Besetzung Ägyptens, denn die dortigen
bürgerkriegsähnlichen Zustände scheinen eine gute
Gelegenheit zu sein (S.197).
1155 ca.?
Syrien: Ayyub, Vater von Saladin, wird Kommandant über
die Zitadelle von Baalbek, ein ehemaliger Tempelbezirk.
(S.200)
1160
Kairo: Tod des 11-jährigen
ägyptischen Kalifen al-Fa ‘iz - Nachfolger: der
9-jährige al-’Adid
Wesir Tala ‘i’ b. Ruzziq bleibt als staatsleitende
Figur im Amt (S.197).
1161
Kairo: Ermordung des
ägyptischen Wesirs Tala ‘i’ b. Ruzziq
durch einen Anschlag. Ägyptens Politik wird
uneinheitlich, weil ohne Führungsfigur. Alle umliegenden
Staaten versuchen, Ägypten für sich zu gewinnen oder zu
besetzen. Syrien, Königreich Jerusalem und auch Byzanz
mit König Manuel spannen Intrigen oder planen Invasionen
(S.197).
um 1161
Ägypten: Kampf im
Kalifenhof um den Wesirsposten
Die einzelnen Kandidaten und Möchtegerne werden zum Teil
von syrischer oder christlicher Seite unterstützt
(S.198).
Syrische
Militärdiktatur und Herrschaft Saladins in Ägypten -
ägyptische Besetzung Syriens und Handelsbeziehungen
zu italienischen Republiken - Lehenssystem für
Kairos Soldaten - christliche Angriffe gegen Ägypten
scheitern, "heiliger Krieg" und ägyptische Besetzung
Jerusalems - Akkon neue Christenhauptstadt - die
drei Neffen Saladins - Mongolensturm und ägyptische
Tronkriege - Mamluken-Militärherrschaft
Zusammenfassung
Die Kreisläufe der militärischen Gewalt wiederholen
sich. Abwechselnd wird Ägypten christlich und syrisch
besetzt. Erst Saladin kann mit einer Vetternwirtschaft
die Ruhe herstellen, um mit italienischer Hilfe Armee
und Flotte neu aufzubauen und Nubien zu besetzen.
Während eines Nachfolgestreits in Damaskus kann Kairo
seine Macht in Syrien bis Aleppo ausdehnen und erstmals
auch vom Handel der "Seidenstrasse" profitieren.
Friedensverträge mit den Christen sichern ihm die Zeit
zum Heeresaufbau mit einem neuen Lehenssystem. Eine
christliche Invasion ans Rote Meer gelingt, aber nicht
bis zum Umschlagplatz Ägyptens, so dass der Indienhandel
für Kairo intakt bleibt. Als eine ägyptisch-syrische
Karawane bei al-Karak überfallen wird, ruft Saladin den
"heiligen Krieg" gegen die Christen aus und zerschlägt
in kurzer Zeit das Königreich Jerusalem. Neue
christliche Kreuzzüge bringen nur die Eroberung von
Akkon, der Durchbruch nach Jerusalem gelingt nicht. Nach
einem Friedensvertrag lässt Saladin die Stadtmauer
Jerusalems schleifen. Die Geschehnisse unter den drei
Neffen Saladins sind ähnlich. Ägypten und die
italienischen Seefahrerstaaten profitieren voneinander
in ungeahnten Ausmassen. Jerusalem wird als
Prestigeobjekt an die christliche Seite zurückgegeben.
Päpstliche Halsstarrigkeit verhindert die Restitution
des ganzen Königreichs. Nach dem Tod des letzten Neffen
fällt Kairo in Tronkriege und Anarchie. Palästina und
Jerusalem werden abwechselnd muslimisch und christlich
besetzt, während Kairo erste Mamlukengarden zur
Stabilisierung der Macht aufstellt. Eine
Mongoleninvasion bedroht gleichzeitig ganz Asien. Nach
einem Sieg gegen Christen in Damiette und gegen die
Mongolen in Syrien ergreifen die Mamluken mit einer
Revolte gegen den schwachen Kairoer Kalifen die Macht.
Die Profiteure des Feindbildes zwischen Christen und
Muslimen aber scheinen die italienischen Seerepubliken
zu sein, die weiter beide Seiten unterstützen. Damit
untergraben sie nicht nur die Bestrebungen Roms, sondern
verhelfen dem Islam insgesamt auch gegenüber Dritten zum
Überleben.
Chronologie (Fortsetzung)
Mitte 1161 ca.
Jerusalem-Byzanz:
Christlich-byzantinischer Besetzungsplan gegen Ägypten
Bischof Wilhelm von Tyros verhandelt in Byzanz mit
dem dortigen Kaiser Manuel über eine gemeinsame
Besetzung Ägyptens (S.197).
Ende 1161
Kairo: Tribut an das
"christliche" Jerusalem
Kreuzfahrerkönig Amalrich bedroht Ägypten mit einem
grossen Heer. Der ägyptische Wesir kann sich der
Bedrohung nur durch einen Tributvertrag entziehen, worin
die jährliche Zahlung von 160’000 Dinar festgeschrieben
wird (S.198).
1162
Ausbleibender ägyptischer
Tribut - europäisch-christliche Invasion bis an den
Nil
Die ausbleibende Tributzahlung Ägyptens gibt dem
Kreuzfahrerkönig Amalrich den Vorwand, eine
Ägypten-Invasion zu starten. Der Einmarsch kommt bis
Bibays, weiter jedoch nicht, weil die Nilüberschwemmung
dies verhindert.
Die europäisch-christliche Invasion provoziert eine
verstärkte militärische Zusammenarbeit zwischen Ägypten
und Syrien mit Ziel der Besiegung der "christlichen
Kreuzfahrerstaaten" in Palästina (S.198).
1163
Kairo: Vertreibung eines
Kairoer Wesirs Wawar - Flucht nach Aleppo und
Armeeaufbau gegen Ägypten
Der ägyptische Wesir Wawar wird aus Kairo
vertrieben. Er findet in Aleppo Zuflucht und bekommt von
Emir Nur ad-din Mahmud Hilfe für eine neue Armee gegen
Ägypten unter Führung des kurdischen Offiziers Sirkuh
(S.198).
1164
Syrische Invasion gegen
Ägypten gelingt
Das Heer des einstigen ägyptischen Wesirs Sawar
unter Befehl des kurdischen Offiziers Sirkuh kann Kairo
besetzen. Wesir Sawar kann sich am Kalifenhof wieder als
Wesir einsetzen. Gleichzeitig möchte er aber den
"lästigen" kurdischen Offizier nun loswerden und ruft
hierfür König Amalrich von Jerusalem nach Ägypten
(S.198).
Ende 1164
Besetzung Ägyptens durch
die Truppen von König Amalrich von Jerusalem
Die syrischen Truppen in Bilbays werden zum Abzug
gezwungen (S.198).
1167
Ägypten: Erneute syrische
Invasion gegen Ägypten unter dem kurdischen Offizier
Sirkuh - Ägypten wird Protektorat von Jerusalem
Syrische Invasion mit türkischen und kurdischen
Reitern. Wieder ruft der Wesir Sawar König Amalrich zu
Hilfe. Die Truppen Jerusalems besetzten ganz Ägypten und
vertreiben die syrischen Truppen auch aus
Oberägypten/Nubien in den Sudan.
Ägypten ist faktisch ein Protektorat des
europäisch-christlichen Königreichs Jerusalem. Wesir
Sawar muss die Heerzüge von König Amalrich bezahlen,
jährlichen Tribut an Jerusalem entrichten und fränkische
Truppen und "eine Art Kommissar" des Königs in Kairo
zulassen (S.198).
1168
Ägypten: Eigenwillige
Invasion von König Amalrich gegen Ägypten -
ägyptischer Hilferuf an Syrien
König Amalrich entschliesst sich in Abstimmung mit
Byzanz zur nochmaligen "endgültigen" Besetzung Ägyptens,
die gegen den Vertrag mit dem Wesir Sawar verstösst. Die
Herrschaftsansprüche werden unverhohlen gezeigt und die
Stadt Bilbays erstürmt.
Wesir Sawar in Ägypten ruft nun das syrische Heer zu
Hilfe, worauf Emir Nur ad-din Mahmud das syrische Heer
unter Offizier Sirkuh neu ausrüstet und gegen den
Jerusalemkönig Amalrich ausschickt. Endlich ist die
gemeinsame Koalition gegen die europäischen Christen
geglückt (S.198).
Ende 1168
Syrische Besetzung Ägyptens
unter Offizier Sirkuh
(S.198)
Jan 1169
Abzug des "christlichen"
Heeres von Jerusalem aus Ägypten
(S.198)
Feb 1169 ca.
Kairo: Ermordung von Wesir
Sawar - neuer Wesir Offizier Sirkuh
Ermordung von Wesir Sawar von Ägypten unter
"ungeklärten Umständen"
Der Kalif ernennt den kurdischen Offizier Sirkuh zum
Wesir, weil dieser die militärisch grösste Macht im Land
darstellt (S.198-199).
23.3.1169Kairo: Tod des Offiziers und Wesirs Sirkuh -
Nachfolger wird dessen Neffe Salah ad-din (Saladin)
Yusuf b. Ayyub
in Übereinstimmung mit der grossen Mehrheit der
syrischen Offiziere, denn Salah ad-din Yusuf hatte sich
1168 beim Ägyptenfeldzug militärisch ausgezeichnet.
Salah ad-din Yusuf führt ein "syrisches Regime" in
Kairo, und der Emir in Aleppo, Nur ad-din Mahmud,
erwartet nun ein Zusammengehen gegen die
europäisch-christlichen Invasoren (S.199).
Aug 1169
Kairo: Aufstandbekämpfung
von Wesir Saladin
Salah ad-din Yusuf muss mit seinen Truppen
aufständische ismailisch-kalifische Schwarzen-Regimenter
und armenische Bogenschützen-Regimenter niederwerfen, um
am Kalifenhof die Entscheidungsgewalt zu behalten
(S.199).
Währenddessen wird Salah ad-din Yusuf dauernd vom
Kalifen in Bagdad und vom Emir in Aleppo bedrängt,
endlich die europäisch-christlichen Fürstentümer zu
zerschlagen, aber Salah ad-din Yusuf will sich noch
nicht auf ausserägyptische Operationen wagen, wei l er
einen sofortigen Umsturz gegen seine Person befürchtet
(S.199).
ab 1169
Ägypten-Syrien: Saladins
Vetternwirtschaft
Saladin kann sich auf die Loyalität eines grossen
Verwandtenkreises stützen, verteilt Posten in Militär
und Administration. Dies ist eine Neuerung gegenüber der
fatimidischen Praxis, wo die Söhne des Kalifen nie eine
Staatsfunktion übernehmen durften, aus Angst vor Streit
und Staatsteilungen, aus "Sorge um die Unteilbarkeit der
charismatischen Imamswürde". Saladin verteilt Posten an
zwei ältere und drei jüngere Brüder und deren Familien,
an vier eigene Söhne und deren Familien, sowie an den
Onkel Sirkuh und dessen Familie (S.205).
Unter Saladin wächst zum ersten Mal eine Clan-Regierung
heran. Die Streitereien um eine etwaige Nachfolge sind
vorprogrammiert (S.205). Saladin hält sich solange
dauernd in Syrien auf (S.203).
ab 1169
Salah ad-din Yusuf formiert die Armee neu nach syrischem
Vorbild (201) und lässt eine ägyptische Flotte aufbauen
(202).
1171
Kairo: Sturz des Kalifen
durch Wesir Saladin - neue sunnitische Richter
Salah ad-din Yusuf lässt das in den Augen des Emirs
von Aleppo und Bagdads ketzerische ismailitische
Kalifensystem in Kairo stürzen. Er lässt alle
ismailitischen Richter durch sunnitische Richter
ersetzen (S.199).
10.9.1171
Kairo: Huldigung an Bagdad
Im Freitagsgebet in Alt-Kairo wird dem abbasidischen
Kalifen in Bagdad al-Mustadi’ gehuldigt. Der
ismailitische Zusatzruf "Auf zum besten Tun" wird
unterlassen (S.199).
13.9.1171
Tod des 19-jährigen
Fatimidenkalifen al-’Adid ohne Kinder - Ende der
Ismailiten/ Fatimiden
Im Freitagsgebet wird nun auch in Neu-Kairo dem
abbasidischen Kalifen gehuldigt und die Lehrsitzungen
eingestellt.
Salah ad-din Yusuf ordnet die Prägung neuer Münzen an
mit dem Namen des Abbasidenkalifen und des Emirs von
Aleppo. Das Kairoer ismailitische Kalifat ist damit
gestorben und Bagdad wird wieder unbestrittene
muslimische Hauptstadt (S.199).
1173
Nubien: Turansah, der Bruder von Salah ad-din Yusuf b.
Ayyub, besetzt Nubien.
(S.201-202)
Syrien: Steuerstreit mit
Kairo
Emir Nur ad-din verlangt Einsicht in Kairos
Steuerbücher, bekommt sie aber nicht. Der Streit um
nicht bezahlte Abgaben droht zu eskalieren (S.202).
Ägypten-Pisa: Pisa
verpflichtet sich zu Eisen-, Holz- und Pechlieferungen
an Ägypten
[Pisa macht doppelten Profit: mit den "christlichen"
Kreuzfahrern und mit der muslimischen Seite
gleichzeitig] (S.212).
1174
Ägypten: Jemenexpedition
zur Machtdemonstration
Turansah marschiert von Kairo über Medina und Mekka
nach Jemen zur "Absicherung" des Indienhandels (S.202).
Syrien: Tod von Nur ad-din
- Streit um die Nachfolge des 11-jährigen Sohnes
as-Salih
Salah ad-din Yusuf will die Wirren um die Nachfolge
in Damaskus nützen, um in Syrien an Einfluss zu
gewinnen, und bereitet einen Feldzug vor (S.202).
Sept 1174 ca.
Kairo: Salah ad-din Yusuf
rechtfertigt seinen Besetzungsplan gegen Damaskus
gegenüber Bagdad
dass er die zerstrittenen Muslime in Syrien "einigen"
wolle und dies für einen "heiligen Krieg" gegen die
"Ungläubigen" (Christen) notwendig sei (S.202).
Okt 1174
Damaskus: Ägyptische
Invasion
Salah ad-din zieht mit 700 Reitern über Bosra nach
Damaskus und besetzt Damaskus fast kampflos. Hims und
Hamah ergeben sich (S.202).
ab Ende 1174
Aleppo: Belagerung durch
Salah ad-din Yusuf.
(S.202)
Mai 1175
Aleppo/Damaskus-Kairo:
Abkommen
zwischen Salah ad-din und Syrien: Saladin regiert
Damaskus und Nordsyrien bis Hamah und Ma ‘arrat
an-Nu’man, muss aber as-Salih als nominellen Oberherrn
anerkennen (S.202).
Bagdad-Kairo: Der Kalif von
Bagdad sendet Saladin ein "Diplom", das ihm die
Usurpation der Herrschaft über Syrien und Ägypten
legitimiert
(S.202)
ab Mai 1175
Aleppo: ägyptischer Profit
von der "Seidenstrasse"
Damit ist für Ägypten der Anschluss an die
"Seidenstrasse" nach Bagda-Samarkand- China geschafft.
Gleichzeitig kann der Handel über die Burg Sahyun und
die Häfen Latakia und Gabala/Gibel/Zibel nach Europa
abgewickelt werden. Ägypten erhebt hier alleine alle
Zölle und Hafengebühren, vor allem für den Handel mit
Seide und Baumwolle. Venedig beginnt sich an diesem
Handel zu engagieren (S.212).
ab 1175
Kairo-Jerusalem:
Waffenstillstand für Zeitgewinn gegen die Christen in
Palästina
Salah ad-din Yusuf schliesst einen
Waffenstillstandsvertrag mit den Franken, um seine Macht
auch nach Nordsyrien und dem oberen Mesopotamien,
Gazira, auszubauen. Saladin wiederholt damit die Politik
von Nur ad-din (202). Nur mit dem mesopotamischen
Hinterland ist der "heilige Krieg" gegen die Christen
möglich. Die Kette der syrischen Städte reicht dafür
nicht aus (202f.). Saladin hält sich solange dauernd in
Syrien auf (S.203).
1176-1181
Kairo: Einführung des
Lehenssystems für Kairoer Soldaten - Verarmung des
Landes, Reichtum in Kairo
Salah ad-din lässt das iqta-System einführen, die
Zuteilung von Lehen an Soldaten als Soldatensold. Ein
grosser Teil des Landes muss zu diesem Zweck neu
bewertet und verteilt werden. Der Soldat erhält
Steuereinzugsrecht auf der Länderei, muss aber alle
Ausgaben, die er in einem Feldzug hat, selbst
bestreiten. Gleichzeitig entgehen dem Staat Einnahmen,
und grossflächige private Schutzherrschaften entstehen.
Einige Ländereien lässt Saladin als "Kronland"
definieren (hass), so dass sie nicht vergeben werden
können (S.201).
Ab der Lehensvergabe fliessen konzentriert grosse Teile
der Steuern an die Lehensherren, die alle ihren Sitz in
Kairo haben. Das Land verarmt, Kairo wird übermässig
reich (S.201).
1177
Ägypten-Genua:
Handelsvertrag
[Auch Genua macht nun doppelten Profit: mit der
"christlichen" und der muslimischen Seite gleichzeitig]
(S.213).
ab 1177
Kairo: Salah ad-din Yusuf
führt den Titel "Wiederbeleber der Herrschaft des
Befehlshabers der Gläubigen" / "muhyi dawlat amir
al-mu ‘minin"
Gegen "Kreuzfahrer" unternimmt er jedoch kaum etwas
ausser ein paar "Scharmützeln" wie Flottenangriffe auf
palästinensische Häfen und zwei erfolglosen
Landangriffen gegen al-Karak (heute Jordanien), das die
Karawanenroute zwischen Ägypten und Syrien bedroht
(S.202).
Durch die Duldung eines modus vivendi mit den
Kreuzfahrern erhalten Saladin und seine Nachfolger
keinen guten innerislamischen Ruf (S.239).
1180
Kairo-Jerusalem: erneuter
Waffenstillstandsvertrag
(S.202)
ab 1180ca.
Europäisch-christliche
Invasoren versuchen, Ägypten zu blockieren
Von den südlichsten Kreuzfahrerburgen aus - Karak
und Sawbak, südöstlich des toten Meeres - versuchen die
europäisch-christlichen Invasoren, in Richtung Rotes
Meer mit Ziel den Indienhandel Ägyptens zu unterbrechen
und eventuell an sich zu reissen (S.195).
1181
Ägypten: Stand des
ägyptischen Heeres: "Heeresrolle"Nach
der
"Heeresrolle" besteht das ägyptische Heer aus 111
Offizieren, 6976 Reiter (tawasi) mit Reiterknechten
(mamluk), 1553 Mann leichte Kavallerie (qaragulam),
Beduinen an den Rändern des Nildeltas und im Sinai,
sowie aus freiwilligen Glaubenskämpfern (gazi) (S.201).
1182-1183
Jerusalem-Ägypten: Versuch
der europäisch-christlichen Invasoren zur Besetzung
des Roten Meeres scheitert
Der "Kreuzfahrerfürst" Rainald (kein Druckfehler!)
von Châtillon, der "Herr von Oultrejourdain", unternimmt
von Ayla (al-’Aqaba) aus einen Flottenraubzug entlang
der Küste des Roten Meeres bis ‘Aydab. Die Bedrohung des
ägyptischen Rotmeerhafens und die Blockade des
ägyptischen Indienhandels gelingt jedoch nicht, da der
Hafen zu weit südlich liegt (S.195).
1183
Kairo-Jerusalem: erneuter
Waffenstillstandsvertrag
(S.202)
Damaskus-Ägypten: Sturz der
Zengiden durch Wesir Saladin
Salah ad-din Yusuf kann die Herrschaft der Zengiden
in Damaskus stürzen und lässt ganz Mesopotamien
besetzen: Edessa/ar-Ruha, Harran, Mardin, Singar,
Nasibin, Amid/Dyarbakir, und nach mehrwöchiger
Belagerung auch Aleppo. Der 20-jährige Zengide as-Salih
muss abtreten (S.203).
ab 1183
Zitadelle für Kairo
Salah ad-din Yusuf lässt durch seinen Mamluken
Qaraqus die Zitadelle Kairos auf einem der Ausläufer des
Muqattam erbauen (S.201).
1185
Kairo-Jerusalem: erneuter
Waffenstillstandsvertrag
(S.202)
1186
Mossul: Der zengidische
Emir von Mossul anerkennt Saladin als Oberherr.
(S.203)
Jan 1187
Al-Karak, Jerusalem:
Überfall auf Karawane bei al-Karak
Rainald von Châtillon lässt von al-Karak aus (heute
Jordanien) eine syrisch-ägyptische Karawane überfallen.
Saladin fordert vom König von Jerusalem, Guy de
Lusignan, Genugtuung, bekommt sie aber nicht (S.203).
Juni 1187 ca.
Kairo: Saladin ruft den
"heiligen Krieg" gegen die Kreuzfahrer aus
Saladin nimmt den Überfall auf die
syrisch-ägyptische Karawane bei al-Karak zum Anstoss für
die Kriegserklärung gegen das Königreich von Jerusalem
und beginnt mit dem Zusammenziehen seiner Truppen im
Golan/Gawlan sowie mit der Aufstellung des ganzen
ägyptischen Heeres (S.203).
Ende Juni 1187 ca.
Kairo: ägyptisch-syrische
Besetzung von Tiberias, Belagerung der Zitadelle
(S.203)
3.7.1187
Kairo-Jerusalem:
Kreuzfahrerheer erreicht Tiberias nicht
König Guy de Lusignan lässt das Kreuzfahrerheer in
Galiläa in Marsch setzen. Bei der glühenden Sommerhitze
aber erreicht das Heer Tiberias nicht, auch nicht den
See Genezareth (S.203(.
4.7.1187
Königreich Jerusalem:
Niederlage gegen ägyptisches Heer
Das muslimische ägyptisch-syrische Heer zersprengt
beim Dorf Hattin das Kreuzfahrerheer von König Guy de
Lusignan. Der König, der Grossmeister des Templerordens
und Rainald von Châtillon geraten sogar in
Gefangenschaft. Rainald von Châtillon und die
Angehörigen der Ritterorden werden hingerichtet. Das
Feldheer des Königreichs Jerusalem ist vernichtet. Guy
de Lusignan darf im Namen Jerusalems verhandeln (S.203).
5 7.1187
Tiberias: Kapitulation der
Zitadelle, ägyptisch-syrische Besetzung
(S.203)
9.7.1187
Akkon: kampflose Übergabe
an ägyptisch-syrische Truppen
(S.203)
ab Mitte Juli-Aug 1187 ca.
Palästina: Saladin lässt
christliche Burgen und Städte kampflos einnehmen
Nazareth, Nablus, Baysan, Jericho, Ramla, Hebron, Gaza,
und die Hafenstädte von Haifa bis Beirut, die mit der
ägyptischen Flotte bezwungen werden (S.203)
1187
Askalon: Kapitulation.
König Guy de Lusignan von Jerusalem erkauft sich damit
die Freiheit.
(S.203)
Sept 1187 ca.
Königreich Jerusalem:
Ankunft von Verstärkung aus Europa in Tyros
Tyros kann sich gegen die ägyptisch-syrischen Truppen
verteidigen (S.203).
1.10.1187
Jerusalem: Besetzung durch
ägyptisch-syrische Truppen
ist für Salah ad-din Yusuf ein wertvoller
Prestigeerfolg, strategisch und wirtschaftlich aber
nicht sehr bedeutend. Saladin