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Islam-Chronologie: 3. Das islamische Imperium Ifriqiya / Ägypten

von der Cyrenaika bis zum Euphrat 750-1517 -

Kreuzzüge und Italien als Profiteur 1096-1291


von Michael Palomino (2000 / 2005 / 2010)

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aus: Ulrich Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt" ; C.H.Beck-Verlag, München 1987

Unter Mitwirkung von Ulrich Haarmann: Einleitung (S.9f.)
Albrecht Noth: Früher Islam (S.11-100)
Tilman Nagel: Das Kalifat der Abbasiden (S.101-165)
Heinz Halm: Die Fatimiden (S.166-199)
Heinz Halm: Die Ayyubiden (S.200-216)
Ulrich Haarmann: Der arabische Osten im späten Mittelalter 1250-1517 (S.217-263)
Hans-Rudolf Singer: Der Maghreb und die Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang des Mittelalters (S.264-322)
Barbara Kellner-Heinkele: Der arabische Osten unter osmanischer Herrschaft 1517-1800 (S.323-364)
Alexander Schölch: Der arabische Osten im neunzehnten Jahrhundert 1800-1914 (S.365-431)
Helmut Mejcher: Der arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985 (S.432-501)
Peter von Sivers: Nordafrika in der Neuzeit (S.502-592)



Chronologie

Bruderkampf um die Vorherrschaft zwischen Umayyaden, Hasimiten, Abbasiten und Aliden - erste Berberreiche - Widerstand gegen Muslime auf Spanien - Ifriqiya erlangt kurze Unabhängigkeit von Ägypten - Sturz der Umayyaden in Damaskus - Kalifat Kufa 750

718
Abbruch der 2.islamischen Belagerung von Konstantinopel/Byzanz
(S.60)

ab 718 (722?)
Spanien: gotischer Widerstand unter Pelayo (Pelagius)
(S.267)

720
Damaskus: Tod von Kalif ‘Umar II.
(S.83)

Damaskus-Spanien: Muslimische Besetzung des Nordostens der iberischen Halbinsel mit Barcelona und Narbonne
(S.266)

722
100-jähriges Jubiläum des Islam mit Festfeiern
(S.108)

Angebliche Geburt von Abu l-’Abbas as Saffah
der zukünftige Führer der Kaysaniyya-Untergrundbewegung wird. Die Schilderung dieser Geburt ist eine nachträgliche zurechtgebogene Geschichtsschreibung, um Abu l-’Abbas als Saffah zu legitimieren (S.108).

726 ca.
Damaskus: Erste abbasidische Propaganda in Marw - Abu Muslim tritt zu den Abbasiden über
Erste abbassidische Agenten werben in Marw unter den hasimitisch gesinnten Bewohnern für die Abbasiden. Abu Muslim tritt darauf über und tritt in die Dienste der Abbasidenfamilie ein (S.109).

730 ca.
Süd-Persien: Alidisches Gegenkalifat im Iran unter Abdallah b. Mu ‘awiya
(S.109)

ab 730 ca.
Syrien/Mesopotamien: Wiederbelebung der Rivalität zwischen "Nord"- und "Südarabern"
Das Umayyadenreich stützt sich immer noch vor allem auf arabische Stammesführer. Die Rivalitäten zwischen "Nord-" und "Südarabern" werden wiederbelebt und angefacht. Der Kalif ist immer noch nicht für das ganze Imperium gesetzberechtigt (S.102).
Mörderischer Stammeszwist zwischen "Nord-" und "Südarabern". In Mesopotamien verlieren die Umayya-Statthalter dadurch jedes Ansehen (S.101).

ab 730 ca.
Damaskus: Rechtsgelehrte verlangen Beseitigung der Rechtsunsicherheit
Rechtsgelehrte der Umayya mit Schwerpunkt in Damaskus verlangen nachdrücklich die Islamisierung des Rechts und die Verknüpfung mit der prophetischen Sunna (S.117-118).

730 ca.?
Ab dem Hasimiyya-Aufstand von Muhtar b. Abi ‘Ubayd: Volksteile verehren fromme Hasimiten - Entstehen der "Hasimiyya"
Die Verehrung für ‘Ali und seine Nachkommen gerät in Misskredit, wird etwas sektiererisch wegen kultischen Eigenheiten.

Die Untergrundszene gegen die Umayya beginnt, fromme Hasimiten zu verehren. Damit beginnt die "Hasimiyya", die zur Konkurrenz für die Aliden, die Nachkommen der Linie Kalif Alis, wird (S.108).

ab 730ca.
Syrien/Mesopotamien: "Südaraber" schliessen sich der Hasimiyya-Aufstandsbewegung an
(S.103)

Okt. 732
Spanien/Frankreich: Sieg der christlichen Seite unter Karl Martell gegen einen muslimischen Raubzug zwischen Tours und Poitiers.
(S.267)

Ende 732
Spanien: Christliche Rückeroberung von Aquitanien
(S.267)

735 ca.
Ifriqiya: Gouverneur von Ifriqiya wird ‘Ubaydallah b. al-Habhab - berberische Glaubensgruppe der Harigiten - Stämme Miknasa, Bargawata und Matgara
(S.268)

739-757
Spanien: Regierung Alfons I. von Kantabrien
(S.267)

740
Ifriqiya: Revolte der Berber
unter Führung des Maysara, Besetzung von Tanger und weiterer Gebiete, zum Teil Zerstörung der arabischen Verwaltung auf immer (268), vor allem im Gebiet des heutigen Marokko (S.267).

740 ca.
Damaskus: Versuch der Heranbildung einer ersten zuverlässige Beamtenschaft
(S.102)

Zahlreiche Untergrundorganisationen im islamischen Imperium
Das islamische Imperium ist unterwandert von Untergrundorganisationen ehemaliger arabischer Clans, die um das Kalifat buhlen:
Aliden: Nachkommen von Kalif Ali
Hasimiten: Nachkommen des Clans Hasim, des Clans von Muhammad
Abbasiten: Nachkommen von ‘Abbas (S.108)

Mesopotamien/Kufa-Marw: der hasimitische "Wesir der Familie Muhammads" - Marw
In Kufa residiert der sogenannte "Wesir der Familie Muhammads", der viele hasimitische Organisationen unter sich hat, aber nicht alle. Marw bei Damaskus ist neben Kufa das zweite Zentrum hasimitischer Aktivitäten (109). Der "Wesir", ein "Helfer", agiert als Anführer der Hasimiyya-Aufstandsbewegung in Kufa, stellvertretend für einen noch zu bestimmenden Hasim-Kalif (S.116).

740
Spanien: Erfolgreiche Berber-Revolte auf der iberischen Halbinsel
Revolte der Berber auf der iberischen Halbinsel, Beginn der Vertreibung der muslimischen Araber in die südlichen Provinzen der Halbinsel (S.267)

ab 740
Damaskus: Zeit der letzten Umayya-Kalifen: die Polarität zwischen "Nordarabern" und "Südarabern" - die machtlosen Kalifen
In der letzten Zeit der Umayya-Kalifen entsteht eine Polarität zwischen "Nordarabern" und "Südarabern", war aber über die Herkunft der jeweils Bezeichneten wenig aussagt.

Die Kalifen sind dieser Stämme-Polarisierung völlig ausgeliefert und sind eher Spielball als Akteure der muslimischen "Politik". Mehr als die Leitung der finanziellen Verwaltung kann der Kalif kaum mehr tun. Handlungsfreiheit hat er aber auch bei der Vergabe der Gelder nicht, denn die wird von der "umma" mitbestimmt (S.90).

Ifriqiya: Berbersiege gegen Araber
Mehrere Kalifenheere aus Damaskus können die Berberaufstände in Nordafrika nicht stoppen. Die arabischen Kampftruppen werden regelmässig von den Berbern besiegt (S.268-269).

740 ca.
Spanien: Allianz zum Widerstand gegen die arabische Invasion
Alfons I. von Kantabrien heiratet die Tochter von Gotenführer Pelayo (Pelagius). Beginn der gemeinsamen Rückeroberung ("Reconquista") der iberischen Halbinsel gegen die arabisch-islamischen Besetzer (S.267).

741
Nordwestafrika: Gründung des Berberreichs der Bargawata
zwischen den Küstenstädten der Atlantikküste Sala und Safi, existiert bis ins 11. Jahrhundert (S.269).

Ende 741
Spanien: Berbersieg gegen Araber
Die syrische Ersatzarmee, die den Arabern "zu Hilfe" eilen sollte, wird am Wad Subu von berberischen Kampfeinheiten schwer geschlagen. Die Vorhut der arabischen Armee, ca. 7000 Reiter, flüchtet nach Ceuta, wo sie belagert wird (S.267).

Anfang 742 ca.
Nordafrika: Ceuta: Arabischer Trick zur Machtergreifung in Spanien
Der Kommandeur der übriggebliebenen Vorhut der syrischen Armee, Qaysit Balg b. Bisr, bittet den Gouverneur von Córdoba um Hilfe gegen die berberische Belagerung.

Unter der Bedingung, dass die 7000 arabischen Reiter bei der Bekämpfung der Berber auf der iberischen Halbinsel behilflich seien und dann wieder nach Syrien abziehen werden, stimmt der Gouverneur von Córdoba zu (S.267).

Mitte 742 ca.
Spanien: Arabisch-syrisches Bündnis besiegt die Berber in Spanien
Ceuta: Die arabischen Truppen aus Córdoba befreien die 7000 Reiter der syrischen Armee. Diese setzen auf die iberische Halbinsel über und vernichten die "drei berberischen Heersäulen", setzen sich dann im Land fest und verjagen den Gouverneur von Sevilla (S.267).

Der arabisch-syrische Führer Balg lässt sich zum neuen Gouverneur von Sevilla ausrufen und die sechs Abteilungen der syrischen Reiter/samiyyun werden auf die Provinzen verteilt, vorzugsweise auf dem Land, im Gegensatz zu den städtischen Arabern/baldiyyun (S.267).

ab 743
Spanien: Syrische Islamisierung
Die arabischen Gruppen verteilen sich auf die südlichen Provinzen der iberischen Halbinsel und leben dort als "Nutzniesser" auf den Krondomänen. Es kommt zu einer tiefgehenden Islamisierung und Orientalisierung (S.266).

744
Ifriqiya: Unabhängigkeitserklärung
Ifriqiya erklärt die Unabhängigkeit von Ägypten unter einem Urenkel Sidi ‘Uqbas’: ‘Abd ar-Rahman b. Habib. Die Unabhängigkeit hab bis 755 Bestand (S.271).

744-750
Damaskus: Kalif Marwan (II) b. Muhammad
(S.79)

ab 745 ca.
Damaskus: Die Forderungen der Hasimiyya-Aufstandsbewegung:
Jeder Kalif soll wieder von einem Ratskollegium gewählt sein.

Abschaffung der Dynastie-Praxis nach Sure 42,38:

"Ihre Angelegenheit ist Gegenstand gemeinsamer Beratung."
Durch Verwirklichung dieser Forderung werde die Herrschaft der umayyadischen "Tyrannen" zerschmettert werden, behaupten die Hasimiten (S.106).

ab 745 ca.
Syrien/Mesopotamien: Weitere Forderung der Hasimiyya-Aufstandsbewegung
Hauptforderung ist unter anderem, dass nur Mitglieder der Familie der Hasim über Muslime herrschen sollen (S.103).

747-756
Ifriqiya-Spanien: Diktatur von Yusuf al-Fihri in Ifriqiya in Córdoba
(S.268)

6.6.747 ca.
Damaskus/Mesopotamien: Schwarze Fahnen als Vorbereitung für den Umsturz
(S.101)

7.6.747
Damaskus: Warnung vor einem Aufstand
Kalif Marwan II. in Damaskus erhält eine Warnung des Umayya-Statthalters, dass in Marw ein Aufstand vorbereitet werde. Die "Ostprovinz" sei in Gefahr.

Kalif Marwan II. lässt Ibrahim aus Amman, den Fahnenlieferanten, festsetzen (S.101).

9.6.747
Damaskus: Zwei schwarze Fahnen als Zeichen zum Beginn des Umsturzes
Abu Muslim hiesst in Marw bei Damaskus zwei schwarze Fahnen und eröffnet damit den Umsturz der Umayyaden-Kalifenlinie (S.101). Abu Muslim eröffnet den Kampf für ein hasimitisches Kalifat in einem Dorf von Halid b. Ibrahim (S.111).

ab 9.6.747
Damaskus: Bürgerkrieg um das Kalifat
(S.101)

Anfang 750
Mesopotamien: Heeresinvasion unter Abu Muslim vom Euphrat aus in Richtung Damaskus
(S.109); Kalif Marwan II. verschanzt sich mit seinem Heer in Mesopotamien am Fluss Zab bei Mosul (S.102).

Jan 750
Vernichtender militärischer Sieg von Rebellenführer Abu Muslim gegen die verschanzten Truppen von Marwan II.
Kalif Marwan II. zieht mit einem kleinen Restheer durch die Ebene Mesopotamiens in Richtung Damaskus (S.102).

Juni 750 ca.
Damaskus: Abu Muslims Truppen besetzen Damaskus. Kalif Marwan II. flüchtet
durch das Jordantal nach Ägypten, wo er von Spitzeln von Abu Muslim umgebracht wird.
Abu Muslims Anhänger meinen, es sei eine Wendung "zum Besseren" erreicht im Sinn der Sure 22,39:

"Denjenigen, die kämpfen, weil ihnen ein Unrecht angetan wurde, ist der Kampf erlaubt, und Gott hat die Macht, sie zum Sieg zu führen." (S.102)

750
Damaskus: Sturz der Umayya-Kalifenherrschaft - Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe
Die Untergrundbewegung "HaÜ imiyya" stürzen den letzten Umayya-Kalifen und etablieren Banu l-’Abbas ("Abbaside") als Kalif. Es folgt die Vertreibung und Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe (S.79).

Mitte 8.Jh., um 750
Syrien/Ägypten/Mesopotamien: Weiterhin keine Kodifizierung von Recht
Eine Kodifizierung von Recht durch den Kalifen ist weiter nicht möglich (S.85).

ab 750
Beginn der Befestigung des islamisch kontrollierten Territoriums und Beginn von Verteidigungskämpfen
(S.60)

Damaskus: Noch mehr Verehrung für den Clan Muhammads der HaÜim
Die Sippe des Clans von Muhammad der HaÜim spielt in der Herrschaftsideologie der zweiten islamischen Kalifendynastie der Abbasiden (750-1258) eine zentrale Rolle.
In der Folge wird der Clan der Haschim in der Geschichtsschreibung noch mehr verklärt und das Geschichtsbild noch mehr verfälscht (S.17).

8.Jh./ ab 750 ca.
Ifriqiya: Die Orthodoxie malikitischer Observanz gewinnt gegen die Religionspraxis der harigitischen Berber die Dominanz
(S.272)

750-755Spanien: Hungersnot in Nordspanien - Abzug von Berbergruppen
(S.268)

um 754
Spanien: Landung von ‘Abd ar-Rahman
Landung eines Umayyadensohnes, Sohn einer Nafza-Berberin, ‘Abd ar-Rahman, nach fünf Jahren Flucht durch Nordafrika in Almuñécar.
Abd ar-Rahman beginnt sofort, ein Heer gegen Diktator Yusuf von Córdoba zu organisieren (S.268).

755
Ifriqiya: Besetzung durch harigitische Berberstämme
(S.271)


Emirat Córdoba - Ägypten besetzt Ifriqiya 761, Berbervertreibungen - orthodoxes Reich Tahert und Arabisierung Nordafrikas - Gründung von Bagdad 762 - Gründung von Fes 789 und erste Berberreiche - erste Turkmenensöldner in Bagdad - Ankündigung eines Propheten Mahdi, Ismailiten/ Fatimidisches Kalifat Ifriqiya 910 und Unterdrückung der Berber - Ausrufung des Kalifats von Córdoba 929 - Krise in Damaskus und Fustat - Fatimideneinzug und Kalifat von Kairo 969

Zusammenfassung
Während in Ifriqiya fast alle zehn Jahre die Herrscherklasse wechselt, wird auf Spanien ein erstes Emirat Córdoba aus der Taufe gehoben. Aber Ifriqiya wie Córdoba haben mit dauernden Revolten zu kämpfen. Um die Reiche zusammenzuhalten, wird neben Vertreibungen das "gemeinsame Kriegserlebnis" als Mittel angewandt, die Besetzung Siziliens durch Ifriqiya und die Besetzung Kretas durch Córdoba. In Bagdad etabliert sich ein erstes turkmenisches Söldnersystem. Eine Prophetie für einen Propheten Mahdi um Ismail hat in Syrien keine Chance, im Maghreb dagegen schon. In Ifriqiya gründen die Ismailiten/Fatimiden 910 ein Gegenkalifat zu Bagdad. Die Ausweitung nach Westen gelingt, die Besetzung Ägyptens jedoch nicht. In Spanien wird 929 das "Kalifat des Westens" in Córdoba ausgerufen. Somit existieren drei Kalifate, die sich die islamische Welt untereinander streitig machen. Als Syrien von Byzanz in Gefahr gebracht wird und in Ägypten gleichzeitig eine Regierungskrise ausbricht, ist die Stunde für die Fatimiden gekommen. Sie werden eingeladen, die Herrschaft zu übernehmen, um Ägypten gegen Byzanz zu schützen. Bau der neuen Kalifenstadt Kairo/al-Qahira ab 969.

Chronologie (Fortsetzung)

756
Spanien: Gründung des Emirat Córdoba durch einen Umayya-Überlebenden
(S.268)

um 757
Nordafrika: Neue Glaubensgruppe der Miknasa-Berber
gründet in der Region Tafilalt (heute inneres Marokko) das Emirat Sigilmasa mit gleichnamiger Hauptstadt.
Sigilmasa ist der nördliche Ausgangspunkt der Sahara entwickelt in der Folge grosse wirtschaftliche Bedeutung (S.269).

761
Ägyptische Besetzung Ifriqiyas - Vertreibung der harigitischen Berber
Ägyptische Truppen unter dem "wali" besetzen Ifriqiya und vertreiben die harigitischen Berberstämme. Aber weite Gebiete in Ifriqiya bleiben berberisch (S.271)

8. / 9. Jh./ 761-900 ca.
Ifriqiya: Arabisierung langsam aber sicher
Von Kairuan aus vollzieht sich die arabische Durchdringung weiterer Städte in Ifriqiya, dann des flachen Landes, dann weit entfernter Zentren wie Constantine, Tlemcen und Fes.
In diesem Zusammenhang verbreitet sich die arabisch-islamisch-orientalische Lebensweise und Kultur (S.271).

Planmässige Arabisierung Nordafrikas von Tahert ausTahert wird zu einem Araberzentrum mit Einwanderern der Harigiten und derMu ‘tazila (S.271).

um 761
Tahert: Gründung des muslimisch-orthodoxen Reichs Tahert-Tiaret - "Rustamiden"
Ein Perser/Iraner der ibaditischen Harigiten, ‘Abd ar-Rahman b. Rustam, gründet südlich von al-Asnam ein theokratisches Reich namens Tahert-Tiaret (heute zentrales Algerien) (269) und begründet die Herrscherlinie der "Rustamiden". Christen bleiben zum Teil in ihren hohen Positionen und müssen sich der Staatsraison anpassen.
Tahert unterwirft unter Führung Tripolitanien des Ibaditen Gabal Nafusa und die sesshaften Berber des Awras. Beide Gebiete werden der Zinsknechtschaft unterworfen (S.271).

762
Gründung von Bagdad als neuen Kalifensitz
(S.112)

763 ca.
Tahert: Bündnis des Rustamidenstaates Tahert mit Sigilmasa im Wüstengrenzgebiet Tafilalt der Miknasa-Berber
(S.271)

771-793
Ifriqiya: Muhallabitische Gouverneure in Ifriqiya. Die Zeit gilt als "goldenes Zeitalter"
-- Schaffung der Grundlagen des Geisteslebens und der materiellen Kultur des frühmittelalterlichen Ifriqiya
-- Schaffung der Grundlage für eine Wasserwirtschaft durch Wasserwirtschaftsbauten (S.271).

ab 771 ca.
Ifriqiya: Mischbevölkerung und Recht
Ifriqiya bleibt ein Mischstaat von Berbern, lateinischer Bevölkerung ("afariq") und Byzantinern ("rum"). Die christlichen und jüdischen Minderheiten bleiben stark (S.271).

775 ca.
Ifriqiya: Kopten werden für arabische Heere in Tunis zwangsverpflichtet
(S.271)

789
Nordwestafrika/Volubilis: Gründung von Fes
(S.269)

792 ca.
Ifriqiya: Bau der befestigen Kaserne (Ribat) von Susa
(S.271)

795
Ifriqiya: Bau der befestigten Kaserne (Ribat) von Monastir
(S.271)

Ende 8.Jh./ ab 795 ca.
Ifriqiya: anwachsende Anarchie - Invasionspläne der Nachbarn
Für Nachbarstaaten wächst die Attraktivität einer Besetzung, die ohne viel Aufwand zu vollziehen wäre, um dann Ifriqiya kommerziell auszubeuten (S.272).

800-812
Ifriqiya: Emir Ibrahim b. al-Aglab - "Aglabiden" - Bevölkerungsstruktur
Der arabische Offizier und Gouverneur des Zab, Ibrahim b. al-Aglab, schafft es, sich von Bagdad als erblichen Emir Ifriqiyas einsetzen zu lassen. De facto ist er von Bagdad unabhängig, erhält aber immer die Bindung zum Bagdader Kalifat (S.272).

Das Staatsgebiet der Aglabiden umfasst das heutige Ostalgerien, das heutige Tunesien und die tripolitanische Küstenebene bis Labda. Unabhängige Berbergebiete um Ifriqiya sind die Gebirgsregion der Kleinen Kabylei als Hort der Kutama-Berber und die Gebiete Awras und Gabal Nafusa der harigitischen Berber (S.272).

ab 800
Aglabiden in Ifriqiya
Die Aglabiden setzen das Wasserwirtschaftssystem der Muhallabitischen Gouverneure fort. Tunis wird Sitz des syrischen Heeres (S.271). Die öffentliche Meinung stellt sich fortan gegen die neue Aglabidendynastie (S.273).

805 ca.
Ifriqiya: Neuer Regierungssitz al-’Abbasiyya - "Schwarze Garde"
Ibrahim I. lässt sich ein paar Kilometer südlich von Kairuan einen Regierungssitz bauen mit dem Namen al-’Abbasiyya, mit einer eigenen Garde von 5000 Schwarzen (S.272).

805
Nordwestafrika/Fes: Einwanderung aus Kairuan (Ifriqiya).
(S.269)

809
Fes: Nachbarstadt al-’Aliya bei Fes für Kairuaner
Idris I. lässt gegenüber von Fes am anderen Flussufer eine Nachbarstadt namens al-’Aliya bauen, wo die im Jahr 805 eingewanderten Kairuaner städtisch siedeln können. Fes und al-’Aliya beginnen, einen Marktort orientalischer Prägung zu bilden (S.269).

812
Spanien: Gründung der christlichen Grafschaft Aragón, Vertreibung der arabischen Verwaltung
(S.276)

812-817
Ifriqiya: Tod von Ibrahim I., Nachfolger: Sohn ‘Abdallah
mit relativ ruhiger Regierungszeit (S.272).

ab 817
Ifriqiya: Kriegspläne gegen Byzanz auf Sizilien
(S.273)

817-838
Ifriqiya: Tod von ‘Abdallah - Nachfolger: Bruder Ziyadat Allah
(S.272)

818
Córdoba: Revolte der ganzen "Vorstadt" - Massenvertreibung der Revoltierenden
auf der anderen Seite des Guadalquivir gegen Emir al-Hakim I. , wird niedergeschlagen und die Verantwortlichen der Revolte erbarmungslos liquidiert sowie die "Vorstadt" total zerstört. Die Einwohner des Viertels werden alle ausgewiesen, angeblich 20’000 Familien (S.277).

Ende 818
Córdoba: Auswanderung der "Vorstädter" von Córdoba
Die "Vorstädter" von Córdoba werden pauschal alle des Landes verwiesen:
-- nach Fes, wo sie ein "Ufer der Andalusier" gründennach Asien in die Piraterie
-- in die spanisch-arabischen Heerlager zur Vorbereitung der Besetzung von Kreta (S.277)

9. Jh. / ab 820 ca.
Oberflächliche Islamisierung ganz Nordafrikas
(S.295)

822-852
Córdoba: Tod von Emir al-Hakam I. - Nachfolger: ‘Abd ar-Rahman II.
(S.277)

ab 822
Córdoba: Arabisierung
durch planmässige arabische Zuwanderung von Umayyaden und Kulturschaffenden zur Etablierung der arabischen Kultur in Spanien - christliche Gegenwehr in Córdoba (S.278).

824-836
Ifriqiya: Aufstand durch das syrische Heer (gund) aus Tunis gegen Kairuan
(S.272)

15.7.827
Sizilien: Invasion Ifriqiyas auf Sizilien als Hilfeleistung für das ungeliebte Byzanz
(S.273)

18.7.827
Landung der Flotte und der Truppen Ifriqiyas auf Sizilien bei Mazzara
(S.273)

827
Kreta: Muslimisch-spanische Besetzung
mit Leuten aus der "Vorstadt" Córdobas, die 818 wegen Revolte gegen Emir al-Hakam I. aus Córdoba verbannt wurden. Kreta bleibt bis 961 spanisch-muslimisch besetzt (S.277).

828
Fes: Tod von Idris II. - mehrere Söhne und Reichsteilung
Fes bleibt aber kultureller Mittelpunkt des Maghreb/Nordwestafrikas (S.269).

830 ca.
Ifriqiya: Zerstörung von Tunis
durch den Bürgerkrieg zwischen Kairuan und dem syrischen Heer. Das syrische Heer (gund) verliert an politischem Gewicht (S.272).

831
Sizilien: Muslimisch-ifriqinische Besetzung von Palermo, Einrichtung einer muslimischen Verwaltung
(S.273)

833-842
Bagdad: Kalif al-Mu ‘tasim: erste turkmenische Söldner
Kalif al-Mu ‘tasim beginnt, turkmenische Söldner als Prätorianergardisten/Leibwachegardisten in Bagdad und Samarra einzusetzen (S.218).

835
Italien: Beistandspakt zwischen Ifriqiya und den Herrschern in Neapel
(S.273)

ab 850 ca.
Kalifenheer Bagdad: Die turkmenischen Söldner steigen bald zu Kommandanten auf
(S.580)

Mitte 9. Jh./ 850 ca.
Mesopotamien: Schiitische Glaubensgruppe in Südirak unter ‘Abdallah: Erwartung eines "Mahdi" als Nachkomme des 4. Kalifen ‘Ali
‘Abdallah "der Ältere", der Urgrossvater des späteren Gründers des fatimidischen Reiches in Nordafrika, tritt bei al-Ahwaz und in Basra als schiitischer Propagandist und Sektenführer auf:

-- mit Heilslehre der "Erkenntnis"
-- mit der Erwartung eines endgültigen Propheten, eines Gottesboten "Mahdi" oder "Qa ‘im"
-- die Erwartung sei berechtigt, da die bisherigen Propheten Noah, Abraham, Moses, Jesus und Muhammad vergeblich versucht hätten, die Menschheit mit Gesetzesreligionen zu züchtigen (S.166)

-- der zu erwartende Prophet werde den Titel tragen: "al-qa ‘imbi-amr Allah" ("der sich der Sache Gottes annimmt")

-- der neue zu erwartende Prophet werde der endgültige Gottesbote sein und alle Gesetzesreligionen aufheben und die kultlose Urreligion wieder herstellen, in der Adam und Eva noch "unschuldig" lebten, mit dem blossen Bekenntnis zu Gottes Einzigkeit/ tawhid ohne Gebet, ohne Fasten, ohne Wallfahrt etc. (S.167).

‘Abdallahs Vorfahren gelten in Südirak als Nachkommen des Bruders des 4.Kalifen ‘Ali: ‘Aqil b. Abi Talib (S.166).

ab 850 ca.
Iran, Irak, Arabien, Jemen, Indien: Glaube an einen Propheten "Mahdi"
Der Glaube an einen zu kommenden Propheten "Mahdi" oder "Qa ‘im" breitet sich aus in Iran, Irak, Ostküste Arabiens, Jemen und im nordwestlichen Indien. Für eine Massenbewegung reicht es aber bei weitem nicht (S.167).

870 ca.
Mesopotamien: Flucht ‘Abdallahs nach Syrien - erste "Ismailitentum"-Gemeinden
‘Abdallah wird von der Regierung in Bagdad vertrieben und muss nach Syrien fliehen, lässt sich südöstlich von Hamah in Salamiyya als Kaufmann nieder. Er verbreitet weiter seine Geheimlehre und kann Gemeinden gründen. Der neue Glauben soll "Verkündigung der Wahrheit" heissen ("da ‘wat al-haqq"), historisch als "Ismailitentum" bezeichnet.(S.167).

880 ca.
Propaganda der ismailitischen Glaubensgruppe für einen Umsturz in Damaskus
ohne dass ein Kandidat dafür bekannt ist: Es ist eine Propaganda für eine Fantasiefigur. Es wird einheitliches islamisches Weltreich prophezeit, mit der Eroberung Konstantinopels (S.166).

893
Maghreb: Gründung einer Ismailitengemeinde bei den Kutama: Abu ‘Abdallah
Der ismailitische Propagandist Abu ‘Abdallah as-Si ‘i kann im bäuerliche-sesshaften Berbervolk Kutama im Maghreb eine "erfolgreiche" Gemeinde gründen, eine "dar al-higra" (Stätte des Exils"), auf dem Berg Ikgan bei Mila nordwestlich von Constantine.

Die Gemeinde wird zur Keimzelle des fatimidischen Staates.

Abu ‘Abdallah as-Si ‘i kann die Bergstämme der Kutama und die Clans nach und nach unter der Hoffnung des bald erscheinenden Mahdi "einigen" (S.167).

ab 895 ca.
Maghreb/Kutama: Erste Expansion der neuen Kutama-Religion
Die Kutama-Kämpfer besetzen die Städte des östlichen Maghreb (S.167).

Sommer 905
Syrien: Ismailitengewalt und Vertreibung des "geheimen Führers" ‘Abdallah
Übereifrige beduinische Ismailiten aus der Palmyrene beginnen eine militärische Invasion in Syrien, um einen "verheissungsvollen Mahdi-Staat" zu errichten mit ‘Abdallah als Oberhaupt.

In der Folge muss ‘Abdallah "al-Mahdi", das vierte "Oberhaupt der Ismailiten", seine Heimatstadt Salamiyya in Syrien verlassen und nach Ägypten flüchten, dann in den Maghreb (S.167).

ab 906 ca.
Die Prophetenhoffnung ist ein Kaufmann
Maghreb/Sigilmasa: ‘Abdallah "al-Mahdi" lebt als Kaufmann mit seiner Familie in der Oasenstadt Sigilmasa am Fuss des Hohen Atlasgebirges (S.167).

909
Die Kutama-Religion in Ifriqiya - der "geheime Führer" ‘Abdallah tritt ans Licht
Die Kutama-Kämpfer besetzen das Aglabiden-Emirat Ifriqiya (heute Tunesien) (S.167).

Aug 909
Der neue Imam und Mahdi: 'Abdallah "al-Mahdi"
Propagandist Abu ‘Abdallah as-Si ‘i begrüsst nach der Unterwerfung der Ifriqiya (heute Tunesien) ‘Abdallah "al-Mahdi" als neuen Imam und Mahdi (S.167, 169).

um 910
Ifriqiya: Huldigung des kommenden Mahdi im Freitagsgebet - Münzprägungen
In Kairuan leitet die Ismailitengemeinde unter Leitung des Propagandisten Abu ‘Abd alla as-Si ‘i die Freitagsgebete und Münzprägungen im Namen des bald auftretenden Mahdi (S.167).

6.1.910
Ifriqiya: Fatimidische Revolution

Afrikanische Kalifenkür von 'Abdallah "al-Mahdi" in Raqqada - fatimidisch-afrikanische Reichsgründung - fatimidische Revolution
Einzug von ‘Abdallah "al-Mahdi" in die Palaststadt Raqqada bei Kairuan (heute Tunesien). Er wird dort zum Kalifen proklamiert mit dem Titel "Abdallah Abu Muhammad" ("der von Gott Rechtgeleitete"), und "amir al-mu ‘minin" ("der Befehlshaber der Gläubigen").

-- ‘Abdallah "al-Mahdi" reklamiert die Kalifenwürde für die ganze Welt für sich, gegen das Kalifat Bagdads
-- ‘Abdallah "al-Mahdi" erklärt den Anspruch auf alleinige Lenkung der universalen islamischen Gemeinde/umma, weil er der direkte Nachkomme Fatimas und des Sohnes ‘Alis, al-Husayn, sei (S.169).

In der Folge wird diese Geneaologie von den Arabern und von Bagdad immer wieder bestritten (S.169). Die fatimidische Revolution in Afrika ist nach der abbasidischen Revolution 752 der zweite Versuch, das gesamtislamische islamische Weltimperium von Grund auf zu "erneuern" (S.166).

ab 910
Kalifat Ifriqiya: Das arabische Heer in Kairuan (heute Tunesien): Unruhefaktor
Das arabische Heer in Kairuan tritt in den Hintergrund, bleibt aber ein unberechenbarer Unsicherheitsfaktor, weil es traditionell sunnitisch ist und den Imam-Kalifen ablehnt (S.169).

Kalifat Ifriqiya: Ausweitung der fatimidischen Herrschaft mit osteuropäischen Söldnern
-- in Richtung Westafrika
-- gegen die spanischen Umayyaden
-- in Richtung Sizilien und Unteritalien gegen Byzanz
-- gegen Ägypten (S.169).

ab 911
Kalifat Ifriqiya: Kutama sind "Gotteskrieger"

‘Abdallah al-Mahdi begründet die Hegemonie des Kutama-Volkes über Nordafrika:

-- die Stämme der Kutama werden als die "Heiligen Gottes" ("awliya Allah") bezeichnet und sind die "Vorkämpfer" des Mahdi

-- die Stammeshäuptlinge werden Gouverneure der wichtigsten Städte und bilden das Rückgrat der fatimidischen Herrschaft

-- die Kutama-Krieger stellen den Grossteil des fatimidischen Heeres, wobei das Heer mit Söldnern aus Osteuropa ("Slawen") ergänzt wird (S.169).

914-915
Ifriqiya-Ägypten: Ismailitisch-fatimidische Eroberung Ägyptens scheitert
Vergeblicher Versuch der Eroberung Ägyptens unter dem Mahdi-Sohn Abu l-Qasim Muhammad mit kombinierter Land- und Seeoperation, das nur noch nominell von Bagdad abhängt und von Ihsididen-Emiren regiert wird (S.169).

919-920
Ifriqiya-Ägypten: Erneutes Scheitern der ismailitisch-fatimidischen Eroberung Ägyptens
Erneuter Versuch der Eroberung Ägyptens unter dem Mahdi-Sohn Abu l-Qasim Muhammad mit einer kombinierten Land- und Seeoperation.
Ein aus dem Irak entsandtes Heer wendet die fatimidische Besetzung ab (S.169).

ab 921
Kalifat Ifriqiya: Neue Burg des afrikanischen Kalifen: al-Mahdiyya
‘Abdallah al-Mahdi bezieht seinen Sitz in der "Fluchtburg" ("dar al-higra") al-Mahdiyya auf einer schmalen Halbinsel südlich von Susa (frz. Sousse, heute Tunesien) (S.169).

927-928
Kalifat Ifriqiya: Westfeldzug gegen Maghreb-Stämme
Der Mahdi-Sohn und Tronfolger Abu l-Qasim Muhammad besiegt auf einem Westfeldzug die Berberstämme des mittleren Maghrebs (S.169).

929
Ausrufung eines Kalifat Córdoba als "Kalifat des Westens"
(S.280)

934-946
Kalifat Ifriqiya: al-Qa ‘im
(S.169)

935
Schwere Unruhen auf dem islamisch besetzten Sizilien
(S.169)

ab 944
Kalifat Ifriqiya: Grosser Aufstand der nichtschiitischen Berberstämme gegen das Kutama- Kalifat
vor allem der Hawwara unter Gabal Awras. Der Wanderprediger Abu Yazid hat grossen Einfluss:
-- die Kutama-Dynastie sei ketzerisch

-- die "Besten und Frömmsten" seien zu Gott berufen (harigitische Doktrin) und nur die seien zum Oberhaupt über die islamische Gemeinde legitimiert

-- das arabisch-sunnitische Heer aus Kairuan will den Umsturz ebenfalls und unterstützt den Aufstand (S.170).

In der Folge überrollt der Aufstand ganz Ifriqiya. Der afrikanische Kalifensitz, die Schutzburg al-Mahdiyya auf der Halbinsel wird monatelang blockiert. Der Kalif kann seine Küstenfestungen nur mittels seiner Flotte halten.
Gleichzeitig sind die Berberstämme auf einen Belagerungskrieg nicht vorbereitet. Teile des arabischen Heeres fallen vom Aufstand ab, so dass schliesslich der Aufstand in sich zusammenfällt (S.170).

Mai 946
Kalifat Ifriqiya: Tod von al-Qa ‘im - Nachfolger: Isma ‘il - "Ismailiten"
(S.170)

946-947
Kalifat Ifriqiya: Vertreibung der aufständischen Berber
Kalif Isma ‘il kann die Hawwara-Rebellen vertreiben und lässt sie in einem strapazenreichen Winterfeldzug bis in die Wüstengebiete jenseits des Satt al-Hudna verfolgen (S.170).

947 ca.
Kalifat Ifriqiya: Tod des Hawwara-Predigers des Widerstands, Abu Yazid
(S.170)

948
Kalifat Ifriqiya: Isma ‘il: neuer Herrschername "al-Mansur"
Der afrikanische Kalif Isma ‘il legt sich nach der "erfolgreichen" Niederschlagung des Berberaufstands den Herrschernamen "al-Mansur" zu ("der Siegreiche") und lässt eine neue Lagerstadt bei Kairuan bauen: "dar al-higra al-Mansuriyya" ("Fluchtburg des Siegreichen") (S.170).

953
Kalifat Ifriqiya: Neuer Aufstand der Berberstämme - Tod von Isma 'il al-Mansur bei Kairuan
(S.170)

953-975
Kalifat Ifriqiya: Nachfolger: Kalif al-Mu ‘izz
in seiner neuen Lagerstadt "dar al-Higra al-Mansuriyya" (S.170).

953-954
Kalifat Ifriqiya: Kalif al-Mu ‘izz lässt die rebellischen Berberstämme des Awars-Massivs endgültig unterwerfen
(S.170)

958
Ägypten: Tod des Eunuchen Kafur - Anarchie in Ägypten
Nach dem Tod des Eunuchen Kafur verfällt in Ägypten in Anarchie. Es entstehen Missernten, Teuerung, Seuchen und Rattenplagen. Eine Heuschreckenplage kommt noch hinzu.
Bagdad selbst kann keine Hilfeleistung erbringen.

In der Folge überlegen die Repräsentanten der Oberschicht Ägyptens, ob sie nicht das Fatimiden-Kalifat der Ifriqiya in Kairuan als Autorität anerkennen sollten, trotz des dortigen ismailitischen Glaubens. Dadurch könnte eine übergeordnete Autorität wieder für "Ordnung" sorgen (S.170).

958/959
Kalifat Ifriqiya: Westfeldzug des Kalifenheeres unter dem osteuropäischen General Gawhar in den westlichen Maghreb
Unterwerfung der nomadischen Zanata-Stämme um Tahert (Tiaret), Besetzung von Fes und Besetzung des Landes bis zur Atlantikküste (S.170).

965
Byzantinische Invasion über das Taurus-Gebirge
unter Kaiser Nikephoros Phokas:
-- Besetzung von Kilikien
-- Besetzung Zyperns
-- Besetzung Nordsyriens bis Tortosa (Tarsus, heute Südost-Türkei) (S.175).

968
Kalifat Ifriqiya: Erneuter Westfeldzug des afrikanischen Kalifenheeres im Maghreb
unter dem osteuropäischen General Gawhar zur "Festigung" der Herrschaft (S.170).

April 969 ca.
Kalifat Ifriqiya: Ostfeldzug des afrikanischen Kalifenheeres unter dem osteuropäischen General Gawhar ins Nildelta - "aman"-Urkunde zwischen Ifriqiya und Ägypten
(S.170)
Verhandlungen zwischen Gawhar und den Ältesten des lokalen hasimidischen und husainidischen Zweiges des Prophetenhauses. Es kommt zum Vertragsabschluss: Ägypten wird sich dem Kalifen der Ifriqiya unterwerfen gegen die Sicherheitsgarantien/ aman des fatimidischen Kalifats. Die "aman"-Urkunde ist wie ein Grundgesetz für Ägypten:

-- die Ifriqiya verspricht die Sicherung der Pilgerstrasse nach Mekka und die Bekämpfung der Beduinen, die die Pilgerstrasse bedrohen

-- die Ifriqiya verspricht die Wiederaufnahme des "heiligen Krieges" gegen die Feinde des Islam, das heisst: zur Zeit vor allem Byzanz

-- die Ifriqiya verspricht die Wiederherstellung einer festen Währung
-- die Ifriqiya verspricht die Aufhebung von steuern und Zöllen im Land, die gegen den Koran verstossen
-- die Ifriqiya verspricht, in Ägypten ungehinderte religiöse Toleranz und die ungehinderte Ausübung des sunnitischen Kultus walten zu lassen (S.171).

Mai-Juni 969
Ägypten: Ifriqiya-Heerführer Gawhar als Vizekönig - Niederschlagen von Aufständen
Heerführer Gawhar wird von ifriqischer und ägyptischer Seite zum Vizekönig von Ägypten ausgerufen. Aufstände von ägyptisch-sunnitischen Offizieren werden von Gawhars Truppen schnell niedergeschlagen (S.171).

6.7.969
Ägypten-Ifriqiya: Gawhars Truppen können auf das rechte Nilufer übersetzen
(S.171)

9.7.969
Ägypten: Erste Huldigung an den afrikanischen Kalifen al-Mu ‘izz im Freitagsgebet
(S.171)

969Ägypten: Versuch der Einführung der Diskriminierung von Christen und Juden
Vizekönig Gawhar von Ägypten versucht, die Diskriminierung von Juden und Christen nach dem ‘Umar-Vertrag in Nordafrika einzuführen. Das wird heissen:
-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in der Öffentlichkeit untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen

-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus sollen Christen Kreuze und Juden Glöckchen tragen
-- Kampf gegen die christlichen Regierungssekretäre, so dass viele zum Islam übertreten müssten (S.178).

um 969
Bagdads Argument gegen das afrikanische Kalifat: Genealogie
Bagdads Reaktion gegen das afrikanische Kalifat beschränkt sich auf ein genealogisches Gutachten, das die Legitimität der Fatimiden als Ganzes in Frage stellt.

Kalif al-Aziz muss seine Genealogie offenlegen, was aber keine Machteinbüssung bedeutet (S.174).

969
Südpalästina: Nomaden der Tayyi’
Syrien und Palästina sind in einem Gemisch verschiedenerProvinzgewalten in ganz unterschiedliche politische Richtungen aufgeteilt. Im südlichen Palästina herrscht die Nomadenkonföderation der Tayyi’ (S.174).

Ägypten: Versuch der Einführung der Diskriminierung von Christen und Juden
Vizekönig Gawhar von Ägypten versucht, die Diskriminierung von Juden und Christen nach dem ‘Umar-Vertrag in Nordafrika einzuführen. Das wird heissen:
-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in der Öffentlichkeit untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen
-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus sollen Christen Kreuze und Juden Glöckchen tragen
-- Kampf gegen die christlichen Regierungssekretäre, so dass viele zum Islam übertreten müssten (S.178).

ab Mitte Aug 969
Die Staatsorganisation in Ägypten
Die sunnitischen Beamten bleiben im Amt wegen ihrer lokalen Kenntnisse der komplizierten verwaltungs- und Besteuerungspraktiken.

Die Spitzen der wichtigsten Ämter aber lässt Gawhar doppelt besetzen mit je einem Kutama-Berber als Kontrolleur in Finanzbehörden und Ordnungstruppen (S.171).

ab Mitte Aug 969 ca.
Ägypten: Beginn des Baus einer neuen Kalifenburg neben Fustat Misr - "neue" Hauptstadt Kairo/al-Qahira - sunnitische und ismailitische Staatsreligion
Vizekönig Gawhar beginnt mit dem Bau einer neuen ägyptischen Fluchtburg nördlich der ägyptischen Hauptstadt Fustat Misr: al-Qahira ("die Siegreiche", Kairo) (S.171).

Die neue Palaststadt al-Qahira ist nach dem Vorbild von al-Mansuriyya bei Kairun angelegt mit Palast, Verwaltungssitz und Heerlager. Al-Qahira soll gegenüber der "alten" Hauptstadt Fustat Misr eine "neue" Hauptstadt sein. In der "alten" Hauptstadt herrschen weiter der alte, sunnitische Kultus in der "alten" Moschee. In al-Qahira sollen der neue ismailitische Kultus/azhar in einer neuen Palastmoschee unter einem ismailitischen Oberqadi herrschen (S.171).
Die Unterschiede sind im Gebetsruf der neue Zusatz "Auf zum besten Tun!" und die Errechnung des Endes des Fastenmonats Ramadan (S.171).


Kriege gegen Byzanz - Ägypten wird Schutzmacht von Mekka und Medina - Euphrat als Ostgrenze - Beherrschung des Indienhandels - Besetzung Palästinas und Syriens - sunnitisches Kalifat von al-Hakim in Kairo gegen Schiiten, Juden und Christen - Kirchen- und Klosterzerstörungen, Frauendiskriminierungen - Drusenverfolgung - teilweiser Wiederaufbau der Kirchen

Zusammenfassung
Die Fatimiden in Kairo können die byzantinischen Heere vor Damaskus abwehren. Strategisches Ziel des Imperiums ist die Euphratgrenze. Kairo wird auch Schutzmacht der heiligen Stätten Mekka und Medina, wodurch der ganze Indienhandel über das Rote Meer in ägyptische Hand fällt. Jerusalem wird ägyptisch besetz, während Aleppo sich Byzanz unterwirft. Türkische Söldnerheere werden auch in Kairo üblich. Italiens Seerepubliken liefern Ägypten Holz und Pech für Kriegsschiffbau, gegen die Drohungen von Byzanz und Rom. Als Kairos Truppen unter Feldherr Barguwan Syrien und Palästina besetzen und die byzantinische Rache bei der Belagerung von Tripolis gestoppt wird, kommt es zum Friedensschluss auf Zeit. Kalifensohn al-Hakim errichtet ein sunnitisches "frommes" Kalifat gegen Schiiten, Juden und Christen, lässt christliche Kirchen und Klöster zerstören, darunter auch die Grabeskirche in Jerusalem. Zunehmende Frauendiskriminierung sowie Verfolgung und Vertreibung der Drusen folgen. Teilweiser Wiederaufbau der Kirchen und das plötzliche "Verschwinden" al-Hakims lässt Hoffnungen auf eine neue Toleranz zwischen den Religionen in Ägypten aufkommen.

Chronologie (Fortsetzung)

28.10.969
Byzantinische Besetzung von Antiochia
(S.175)

Ende 969 ca.
Ägypten: Ostfeldzug unter Ga ‘far b. Falah nach Palästina
Vizekönig Gawhar entsendet eine Söldnertruppe unter dem Berbergeneral Ga ‘far b. Falah nach Palästina, die die dortige Nomadenkonföderation der Tayyi’ unterwirft (S.174).

ab 969
Ägypten: Euphratgrenze als Ziel des ägyptischen Imperialismus
Die Aussenpolitik von Vizekönig Gawhar hat zum Ziel, das Territorium von Syrien und Palästina bis zum Euphrat zu unterwerfen. Diese Euphratgrenze war das immerwährende Ziel Ägyptens und schon unter Pharao Thutmosis III. Element des ägyptischen Imperialismus (S.174).

970
Medina- und Mekka-Spenden von Kairo/al-Qahira - al-Qahira wird Schutzmacht von Medina
Der afrikanische Kalif al-Mu ‘izz übersendet den "heiligen Stätten" von Mekka und Medina 20 Traglasten Geld.
In Medina wird im Freitagsgebet noch im selben Jahr der Name des afrikanischen Kalifen eingeführt. Damit ist Kalif al-Mu ‘izz faktisch als Protektor von Medina anerkannt (S.173).

Medina- und Mekka-Spenden von Kairo/al-Qahira - al-Qahira wird Schutzmacht von Medina
Der afrikanische Kalif al-Mu ‘izz übersendet den "heiligen Stätten" von Mekka und Medina 20 Traglasten Geld.
In Medina wird im Freitagsgebet noch im selben Jahr der Name des afrikanischen Kalifen eingeführt. Damit ist Kalif al-Mu ‘izz faktisch als Protektor von Medina anerkannt (S.173).

970 ca.
Palästina: Tayyi’-Nomaden werden Statthalter der ismailitischen Kalifen in Ägypten
Palästina: Tiberias/Tabariyya, Hauptort Palästinas, unterwirft sich dem ismailitischen Heer unter Ga ‘far b. Falah kampflos (S.174)

Die Nomadenrepräsentanten der Tayyi’ werden von Ga ‘far b. Falah als fatimidische Gouverneure von Ramla eingesetzt und sind eine wichtige, aber schwankende Stütze der Fatimiden/Ismailiten in Palästina (S.174).

Aug 972
Kalifat Ifriqiya: Beginn der Übersiedlung des Staatsapparates aus Kairuan nach al-Qahira auf Wagen und Schiffen
Unter anderem werden der ganze Familientross des Kalifen, die Särge der Väter, die Reichsinsignien wie ‘Alis Schwert und Sonnenschirm, in Barren eingeschmolzenes Silbergeld, "heilige Bücher" der ismailitischen Lehre und ein Tross der osteuropäischen Pagen, Gardisten und Kutama-Berber umgesiedelt (S.172).

972
Ägypten: Truppen aus dem Maghreb
Die Fatimiden bringen ihre Truppen aus dem Maghreb nach Kairo und stellen dort nubische und armenische Regimenter auf (S.200).

ab 972
Ägypten: Fatimiden: Einmannherrschaft
Die Söhne des Kalifen bekommen nie eine Staatsfunktion, solange der Kalif lebt, um Streit und Staatsteilungen zu verhindern, aus "Sorge um die Unteilbarkeit der charismatischen Imamswürde". Die Prinzen werden ein Leben lang im Palast interniert und viele werden nicht einmal dem Namen nach bekannt (S.205).

Ägypten: Steuerstruktur
-- harag-Landsteuer auf die Nildörfer, die je nach Nilstand und Ernte verschieden ausfällt (188-189)
-- Zolleinnahmen, die gegen den Koran verstossen, aber von den Finanzbeamten trotzdem eingefordert werden, dann von "frommen" Kalifen zeitweise abgeschafft werden (190).

ab 972
Ägyptens Reichtum und Ausbeutungspolitik
Ägypten ist unermesslich reich an Ressourcen. Gleichzeitig etabliert das afrikanische Kalifat einen zentralistischen Staat, so dass alle Steuern zentral verwaltet werden. Die überwiegend christlichen Bauern/Fellachen (arab. fallah = Bauern) werden unnachsichtig ausgebeutet (S.191).

Der Fiskus hortet Reichtümer in Form von Bargeld, Edelmetallbarren, Juwelen, Textilien, Gewürzen und Getreide in staatlichen Kornspeichern. Gelegentlich werden die zusammengerafften Vermögen der Wesire nach deren Tod konfisziert, wobei es sich zum Teil um unvorstellbare Summen handelt (S.191).

Nubien: Ausbeutung von Goldminen
(S.183)

Exportprodukte Ägyptens
-- Textilproduktion in Mittel- und Oberägypten: Verarbeitung der von Beduinenherden produzierten Wolle zu Wollstoffen und Produktion wollener Turbane in Asyut in Nubien u.a.

-- Webereien im Nildelta stellen Leinen- und Brokatstoffe her, v.a. in Dabig, Damiette und der Inselstadt Tinnis mit Produktion von monopolisierten Robenstoffen ("tiraz") mit der eingewebten Titulatur des Kalifen, für Beamtenroben, als Geschenk in der internationalen Diplomatie oder für den internationalen Verkauf an europäische Höfe wie z.B. in Italien und Frankreich

-- Alaun aus der Libyschen Wüste nach Europa als Beize oder Gerbstoffe (S.190).

Wertvolle Papierproduktion in Libanon
(S.190)

Handel zwischen dem nahen Osten und Südeuropa
Verschiffung der Waren aus Indien nach Byzanz, Italien, Spanien, Nordafrika (190). Waren sind vor allem: Gewürze, Perlen, Parfums, Korallen und Edelsteine (189).

ab 972
Jerusalem ist für die ägyptischen Fatimidenkalifen eine zweitrangige Stadt.
(S.192)

973
Kairo: Vollendung des neuen Kalifenpalastes in al-Qahira/Kairo
Vollendung des Kairoer Kalifenpalastes, Ankunft des afrikanischen Kalifen al-Mu ‘izz. Al Qahira wird zur neuen Hauptstadt des islamischen Reiches Afrikas (S.171).

11.6.973
Kairo: Einzug des afrikanischen Kalifen al-Mu ‘izz
(S.172)

973
Kairo: Osteuropäische Pagen, Gardisten und Kutama-Berber: Absonderung in al-Qahira - neuer Gouverneur für Ifriqiya: Buluggin b. Ziri, "Ziriden"
in abgetrennten Quartieren und in mehreren Dörfern des Nildeltas, die heute noch existieren.
Gleichzeitig ernennt der afrikanische Kalif einen neuen Gouverneur für "Nordafrika", den berberischen Sanhaga-Fürst Buluggin b. Ziri, Sohn eines treuen Berberkämpfers gegen den rebellischen Wanderprediger Abu Yazid. Buluggin b. Ziri und seine Nachkommen, die "Ziriden", regieren das fatimidische Vizekönigreich Maghreb bis 1048 (S.172).

ab 973
Ägypten: Lehrsitzungen für die ismailitische Lehre und Konvertierungen
In Fustat Misr/Alt-Kairo finden öffentliche, nach Männern und Frauen getrennte, Lehrsitzungen statt, die für den ismailitischen Glauben werben. Auch Übertritte ("Neophyten") werden in den Sitzungen vollzogen (S.173).

Ägypten: Religiöse Isolation von Fustat Misr und al-Qahira
Noch lange bleibt die Doppelstadt Misr und al-Qahira religiös isoliert, denn auf dem Land bleiben andere Religionen vorherrschend, auch mit anderen Sprachen.

Die ägyptischen Christen und Juden geniessen unter al-Mu ‘izz weitreichende Freiheiten und Privilegien wie sonst nirgendwo in der islamischen Welt. Christliche und jüdische Beamte dienen in Behörden, Verwaltungen, vor allem in Steuer- und Finanzministerien (172). Fustat Misr wird zu "Alt-Kairo" (173).

Ägypten: Keine Zwangsmassnahmen der Berberiner/Ismailiten gegen die Sunniten in Fustat Misr
(S.173)

974 ca.
Mekka: Huldigung des afrikanischen Kalifen
Der Scherif von Mekka anerkennt den schiitisch/ismailitischen Kalifen von al-Qahira mit der Erwähnung im Freitagsgebet. Kalif al-Mu ‘izz wird zum Protektor von Mekka und löst damit Bagdad ab (S.173).

974
Ägypten: Tod des ägyptischen Qadi an-Nu ‘man, der ein Rechtskompendium "Stützen des Islam verfasst hat ("Da ‘a ‘imal-islam") (S.177).

ab 974 ca.
Ägypten: Stiftungsgründungen in Ägypten zugunsten von Mekka und Medina
In Ägypten werden Stiftungsländereien zur Finanzierung der religiösen und sozialen Institutionen in Mekka angelegt:
-- Mekka wird regelmässig mit ägyptischem Getreide beliefert
-- die Kiswa, das alljährlich zu erneuernde Tuch, das die Ka ‘ba einhüllt, wird ab jetzt in Ägypten -gewebt.

Der Prestigegewinn der Fatimiden/Ismailiten in der islamischen Welt ist damit grundlegend (S.173).

ab 974
Ägypten: Die Gewinne für das afrikanische Kalifenreich: Kontrolle des Indienhandels
Durch die Gewinnung der Städte Medina und Mekka sind nun beide Ufer des Roten Meeres von Kairo/al-Qahira kontrolliert. Damit kontrolliert Ägypten eine der wichtigsten Welthandelsrouten zwischen Afrika/Europa und Indien (S.174).

975-996
Kairo: Tod des Kalifen al-Mu ‘izz - Nachfolger: Sohn al-’Aziz
Organisation des Finanzwesens in Ägypten unter dem Christen Isa b. Nasturus (Nestorios)
Organisation des Finanzwesens in Syrien unter dem Juden Isaak ben Menasse (S.172).

975
Ägypten: Erstmals friedliche Pilgerreise nach Mekka
Zum ersten Mal in der Geschichte kann der afrikanische Kalif zu einer Pilgerfahrt nach Mekka aufrufen, die nicht durch gegnerische Überfälle gefährdet ist (S.173).

Palästina: Byzantinischer Vormarsch gegen Jerusalem
Byzantinische Besetzungen unter Kaiser Johannes Tzimiskes: Besetzung von Hims (Emesa), Baalbek, Damaskus, Tiberias, Nazareth, Akkon (‘Akka), Caesarea, Sidon (Sayda), und Beirut. Jerusalem rückt in greifbare Nähe (S.175).

977-978
Ägypten: Ägyptisch-ismailitische Besetzung von Damaskus
Die ismailitischen Truppen unter Ga ‘far b. Falah können die byzantinischen Truppen in Damaskus vertreiben und reissen die Herrschaft mit Gewalt an sich. Es kommt zu monatelangen Strassenkämpfen gegen die verhassten Maghrebiner. Führend sind die bewaffneten Clubs der damaskinischen "Jünglinge" aus dem lokalen Handwerkertum (S.174).

Diese Strassenkämpfe wiederholen sich "stets aufs Neue". Damaskus bleibt ein Unruheherd und der nördlichste Stützpunkt der fatamidisch-ismailitischen Macht in Syrien. Die Emire von Aleppo, Hamdaniden, überleben mit einer Schaukelpolitik zwischen Kairo, Bagdad und Byzanz (S.174).

Die byzantinische Herrschaft nördlich von Damaskus ist trotz der ismailitischen Besetzung von Damaskus nicht erschüttert (S.175).

979-991
Kairo: Christen und Juden am ägyptischen Kalifenhof - muslimische Proteste
Staatsminister des islamischen Afrika in al-Qahira ist der jüdische Wesir Ya ‘qub b. Killis.
Militärführer ist der zum Islam konvertierte Jude al-Fadl b. Salih (172). Wesir Ya ‘qub b. Killis und der Militärführer al-Fadl b. Salih umgeben sich fast nur mit christlichen Sekretären (172f.). Es kommt zu muslimischen Protesten und Demonstrationen gegen die vielen christlichen Sekretäre. Spottgedichte des Kairoer Volksmunds verhöhnen die "unheilige Dreifaltigkeit" zwischen ‘Aziz, Wesir Ya ‘qub und Militärführer Fadl (173).

982 ca.
Hamdaniden von Aleppo unterwerfen sich Byzanz
Der Emir von Aleppo wird formell Vasall des byzantinischen Kaisers Phokas (S.175).

Kairo: Wesir Ya ‘qub b. Killis tritt zum Islam über
(S.173)

ab 985 ca.
Ägypten: Söldnerheere werden Hauptstütze
Der afrikanische Kalif al-Aziz stützt sich mehr und mehr auf turkmenische Söldnerheere, die "Mamluken" (S.176).

Kairo: Ismailitischer Zwang gegen Sunniten
Der Gebetsausruf "Auf zum besten Tun" wird auch für die Sunniten in Fustat Misr/Alt-Kairo obligatorisch. Die Sunniten argumentieren, dass dies gegen den Koran verstosse (S.173).

988
Kairo: Gründung einer neuen islamischen Hochschule
Wesir Ya ‘qub b. Killis gründet für die Palastmoschee in al-Qahira eine grosszügige Stiftung mit 35 juristischen Lehrstühlen, die bis heute die bedeutendste islamische Hochschule ist (S.173).

ab 988 ca.
Ägypten: Türkische Söldnerheere werden zum innenpolitischen Machtfaktor
Die türkischen Söldnerheere beginnen, im politischen Leben von Ägypten eine mitentscheidende Rolle zu spielen. Zu Offizieren aufgestiegene türkische Offiziere bekommen immer häufiger militärische Kommandos oder Stadthalterposten und brechen so in berberische Domänen ein (S.176).

994 ca.
Nordsyrien/Aleppo: Byzanz wehrt ägyptischen Angriff ab
Angriff des ismailitischen Heeres des afrikanischen Kalifen al-’Aziz gegen Aleppo und Antiochien scheitert an byzantinischen Heeren (S.175).

995
Nordsyrien/Aleppo: Der byzantinische Kaiser Basileios II. in Aleppo, Apameia (Famiya) und Hims
(S.175)

996-1021
Kairo: Tod des Kalifen al-’Aziz - Nachfolger: 11-jähriger Sohn al-Hakim
Während der Vorbereitung eines neuen Syrienfeldzugs gegen Byzanz stirb Kalif al-’Aziz. Nachfolger wird der fünfjährige Sohn al-Hakim.

In der abbasidischen Propaganda wird al-Hakim als ein "Wüstling" und "Rohling" geschildert, der er aber gemäss den Quellen nie war (S.175).

996-1000
Kairo: Missbrauch eines minderjährigen ägyptischen Kalifen
Der minderjährige ägyptische Kalif al-Hakim ist den Eigenmächtigkeiten und Demütigungen der Militärs und Höflinge ausgesetzt (S.176).

ab 996Kairo: Auftretende Rivalität zwischen Kutama-Berbern und türkischen Söldner-Garden im ägyptischen Imperium
(S.176)

Itailen-Ägypten: Italienischer Seehandel nach Ägypten - Import von Holz und Pech für Kriegsschiffe - Drohungen aus Byzanz und Rom
Die italienischen Seerepubliken besitzen zum ersten Mal nachgewiesenermassen ein Kontor im Hafen von Kairo/al-Qahira. Importe Ägyptens sind vor allem Holz und Pech aus Italien und Dalmatien für den Schiffsbau. Die Lieferungen erfolgen über die Schiffe der italienischen Seerepubliken (S.190).

Da Holz und Pech kriegswichtige Güter sind, vor allem gegen Byzanz gerichtet, sprechen Byzanz und der Papst von Zeit zu Zeit Warnungen aus, dass die italienischen Schiffe gekapert würden und hohe Strafen drohen würden. Die italienischen Transportreeder lassen sich aber kaum je beeindrucken und machen weiter ihre Kriegsprofite (S.190).

998 ca.
Kairo: Machtkampf zwischen Berbern und Mamluken-Söldner-Offizieren - Osteuropäer Barguwan
Der lachende Dritte im Intrigenspiel um die militärische Macht am Kairoer Kalifenhof zwischen Berbern und Mamluken ist der osteuropäische Eunuch Barguwan, dem es gelingt, mit Hilfe der Mamluken-Söldner die Berber zu entmachten. Er übernimmt den Wesirposten des Kalifen mit Leitung der der Staatsgeschäfte. Der 13-jährige Kalif al-Hakim kann dem ganzen Treiben nur zusehen (S.176).

998 ca.
Syrien-Palästina: Ägyptische Besetzung unter Barguwan
Ägyptischer Ostfeldzug unter dem ägyptischen Regenten Barguwan nach Palästina und Damaskus. Barguwan kann eine harte Fatimidenherrschaft in Syrien und Palästina etablieren (180) mit Besetzung des Landes bis vor Antiochien (S.180-181)

999-1000
Byzantinischer Feldzug unter Kaiser Basileios II. gegen die ägyptische Besetzung Syriens bis Tripolis: Plünderungen im Winter, Belagerung von Tripolis
Das Heer von Kaiser Basileios II. zieht den Fluss Orontes (heute "Asi") aufwärts und plündert im Winter Sayzar, Hims und Baalbek. Der Feldzug endet mit einer Belagerung von Tripolis (Tarabulus) (S.181).

Anfang 1000
Tripolis: Belagerung durch Byzanz bleibt erfolglos
Das ägyptische Tripolis kann sich gegen die byzantinische Belagerung durchsetzen. Byzanz muss die Belagerung abbrechen (S.181).

1000
Waffenstillstand zwischen Ägypten und Byzanz auf 10 Jahre
Der ägyptische Regent Barguwan kann unter Vermittlung von Patriarch Orestes von Jerusalem - mütterlicherseits ein Onkel al-Hakims - einen zehnjährigen Waffenstillstand mit Byzanz abschliessen. An der Nordgrenze des ägyptischen Imperiums bleibt es in der Folge "ruhig" (S.181).

um 1000
Kairo: Wechselnde Heeresstruktur: gemischte Söldnertruppen
Das arabische Heer "gund" verliert seine Bedeutung, ebenso die damit verbundenen Standorte Kufa, Basra, Fustat und Kairuan. Die Söldner werden auch aus nichtarabischen Völkern rekrutiert (S.200).

ab 1000 ca.Damaskus/Aleppo: Emir Zengi und weitere "Zengiden" werben unter den Kurden und Seldschuken für Söldnerdienste
(S.200)

ab 11. Jh.
Bagdad: Machtteilung Kalif - Staatsmacht
Es kommt zur Machtteilung zwischen der arabisch-quraysitischen Kalifenlinie und der fremden, meist turkmenischen Staatsmacht (S.219).

März 1000
Kairo: Ermordung von Wesir Barguwan - Machtergreifung von Kalif al-Hakim
Der 15-jährige ägyptische Kalif al-Hakim lässt den osteuropäischen Wesir Barguwan meuchlings ermorden und nimmt die Regierungsgeschäfte selbst in die Hand. Fortan bleibt Kalif al-Hakim ein misstrauischer Mensch, der seine Wesire lieber beseitigen als zu mächtig werden lässt (S.176).

1004
Gegenkalifat Cyrenaika: Gegenkalif Abu Rakwa
Aufstand des arabischen Banu Qurra-Stammes am westlichen Rand des Nildeltas mit Berberstämmen Nordafrikas im Gebiet des heutigen Libyen, Luwata, Mazata, Zanata unter Führung eines ausgerufenen Gegenkalifen Abu Rakwa, der behauptet, ein Umayyadenprinz zu sein. Die Aufständischen besetzen Barqa in der Cyrenaika und besiegen mehrmals ägyptische Kalifentruppen (S.181).

Kairo: Dekret von Kalif al-Hakim zur Rechtfertigung der Machtübernahme von 1000 - "Volkspolitik" al-Hakims: Diskriminierung und sunnitische Intoleranz
-- Rechtfertigung des Mordes an Wesir Barguwan
-- Versprechen einer "gerechten Regierung"

-- alle Untertanen sollen sich mit Anliegen direkt an ihn wenden

oo Al-Hakim entscheidet über alle Eingaben, die beim Wesir eingehen, mit Reskript/ tawqi’ am Rand oder auf der Rückseite

oo al-Hakim pflegt Austritte und Entgegennahme von Petitionen während seiner Ausritte in die Umgebung Kairos

oo al-Hakim pflegt die Bekanntmachung von Dekreten vor der Volksversammlung von der Loge des Schlosshofs herab als "Hofprediger". Die Edikte werden dann in allen Freitagsgottesdiensten von den Kanzeln al-Qahiras verkündet (S.176).

ab 1004
Der afrikanische Kalif al-Hakim als "Saubermacher" für das Sunnitentum
Al-Hakim will sein Ziel einer "idealen islamischen Gemeinde" mit einer "Lawine" von Dekreten erreichen und so ein "vorbildlicher" Lenker/imam sein.

Als Basis nimmt al-Hakim die Rechtsgrundsätze des grossen ismailitischen Rechtskompendiums "Stützen des Islam" ("Da ‘a ‘imal-islam") des Qadi an-Nu ‘man.

Zudem versucht al-Hakim, die Religionsfreiheit für die Sunniten gegenüber den Schiiten zu sichern. Damit nimmt al-Hakim seine Rolle als "Treuhänder Gottes" ("amin Allah") sehr ernst (S.177).

Er erlässt Dekrete wie z.B.
-- Überwachung von Massen und Gewichten
-- Beleuchtung und Feuerschutz der Altstadt
-- Tötung der zur Plage werdenden Hunde
-- Schutz des Rinderbestandes Ägyptens mit einem Schlachtverbot an den grossen muslimischen und christlichen Festen
-- Abschaffung einer Reihe unkanonischer Binnenzölle in den Nilhäfen und so Senkung des Brot- und Dattelpreises (S.177).

Der afrikanische Kalif al-Hakim als Vernichter der schiitischen ToleranzKalif al-Hakim verfügt Zwangserlasse, damit die Menschen seines Imperiums "gute Muslime" werden. Zuwiderhandlung wird mit Prügelstrafe geahndet:

-- Verbot des Genusses von Wein, Honigbier und Hirsebier und Bestrafung bei Zuwiderhandlung bis zur Vernichtung von Trauben, Rosinen und Honig
-- Verbot des Verzehrs von schuppenlosen Meerestieren, darunter die in Ägypten sehr beliebte Tellmuschel
-- Verbot einiger von Schiiten traditionell verpönten Gemüsesorten, so, wie es in den "Stützen des Islam" von an-Nu ‘man geschrieben steht (S.177).

Frauenfeindliche Erlasse des afrikanischen Kalifen al-Hakim
Zuwiderhandlungen werden mit Prügelstrafe geahndet:
-- obligatorisches Schleiertragen für Frauen
-- Verbot nächtlichen Ausgangs für Frauen
-- Verbot an Teilnahme bei Begräbnissen für Frauen
-- Verbot des Besuchs öffentlicher Bäder und beliebter Ausflusgsziele für Frauen (S.177).

Kairo: Dekrete von Kalif al-Hakim gegen Christen und Juden: Diskriminierungen - Auswanderung von Christen nach Nubien oder Syrien
Al-Hakim lässt durch Erlasse die Existenzen von Christen und Juden planmässig einengen und realisiert somit eine Diskriminierung, wie sie im sogenannten ‘Umar-Vertrag festgelegt ist:

-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in der Öffentlichkeit untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen

-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus müssen Christen Kreuze und Juden Glöckchen tragen
-- al-Hakim beginnt den Kampf gegen die christlichen Regierungssekretäre, so dass viel zum Islam übertreten (S.178).

Der starken Diskriminierung können Christen ausweichen, indem sie in das christliche Nubien oder in die syrischen Küstenstädte Latakia (Laodikeia) und Antiochien auswandern (S.178).

1005
Kairo-Gegenkalifat Cyrenaika: Zerschlagung und Hinrichtung
Niederschlagung des Aufstandes der Banu Qurra und Berber in Nordafrika. Sieg der Truppen der ägyptischen Generäle al-Hakims gegen die aufständischen Banu Qurra und Berber in Nordafrika. Festnahme von Berberführer Abu Rakwa, Auslieferung nach Ägypten und Hinrichtung in Kairo/al-Qahira (S.181).

"Haus der Wissenschaft" in Kairo nach Vorbild Bagdads (v.830n.Chr.)
Kalif al-Hakim kann das neue "Haus der Wissenschaft" in Kairo einweihen. Er folgt damit dem Vorbild Bagdads, wo 830 bereits ein "Haus der Weisheit" eröffnet wurde, das inzwischen wieder geschlossen ist. Kalif al-Hakim realisiert mit dem "Haus der Wissenschaft" die Öffnung von Wissen für die Öffentlichkeit:

-- die Kalifenbibliothek wird öffentlich zugänglich mit allgemeiner Erlaubnis zum Abschreiben von Werken
-- Verpflichtung wissenschaftlicher Lehrer in Recht, Tradition, Koran, aber auch Grammatik, Philologie, Logik, Mathematik, Astronomie und Medizin

-- mit Work-Shops unter den Gelehrten im Beisein des Kalifen
-- mit besonderer Förderung der Astronomie unter dem Astronom Ibn Yunus as-Sadafi, der eine "Hakimsche Tafel" zur Astronomie veröffentlicht (S.180).

1006
Kairo: Al-Hakims Beschlüsse zur Begünstigung der Sunniten: "Toleranzedikt"
-- die Duldungsgarantien lässt er militärisch durchsetzen
-- den schiitischen Gebetszusatz lässt er wieder zurücknehmen
Zusatzgebete am Vormittag und in Ramadan-Nächten lässt er zu-- die Schmähungen der Prophetengefährten Abu Bakr, ‘Umar und ‘Utman u.a. an schiitischen Festen und Prozessionen lässt er verbieten
-- zeitweilig lässt al-Hakim sogar die schiitisch-ismailitischen Lehrsitzungen verbieten (S.178).

ab 1008 ca.
Ägypten/Palästina: Plünderung und Zerstörung von Kirchengütern im ägyptischen Imperium auf Befehl des Kalifen al-Hakim
Kalif al-Hakim beginnt mit Plünderungen in Klöstern und Kirchen. Es folgt die Zerstörung und Konfiszierung des Bodens. Es ist dies die nach ägyptischem Brauch legale Beschaffung von Geld bei Ebbe in der Staatskasse

-- um die turkmenischen/seldschukischen Söldner zu bezahlen
-- um Geld zur Reparatur der verfallenen Moscheen aufzutreiben
wie dies vor ihm bereits andere ägyptische Regenten getan haben (S.179).

1009
Kairo: Al-Hakim erneuert das "Toleranzedikt" für die Sunniten
(S.178)

Sep 1009
Ägypten/Palästina: Dekret von al-Hakim zur Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem
Die Kirche Konstantins, die Grabrotunde und die Schädelstätte ("kranion") werden abgerissen (S.179).

ab 1009
Kairo: Aufkommender Widerstand gegen Sunnitenbevorteilung am Kalifenhof
Der Wesir des Afrikakalifen und dessen Hofgenossen beginnen, gegen die Sunnitenbevorteilung im ägyptischen Imperium Widerstand zu leisten. Al-Hakim muss seine Toleranz- und Schutzerlasse zum Teil zurücknehmen (S.178).

Palästina: Zerstörung der Grabeskirche - Trauma für das Christentum
Die christliche Glaubensgemeinschaft verliert mit der Zerstörung der Grabskirche den Ausgangspunkt des Lichtermeeres an Ostern und rächt sich mit einer entstellenden Geschichtsschreibung, z.B. der christliche Historiker Johannes von Antiochien (Yahya al-Antaki) u.a., was auch dem Abbasiden-Kalif in Bagdad nur dienlich ist (S.179).

um 1010
Kairo-Bagdad: Untergrundarbeit Ägyptens in Bagdad mittels Agenten
Ägyptische Missionare der Fatimiden, die gleichzeitig Geheimagenten sind, werben im Untergrund Bagdads für den ägyptischen Kalifen (S.186).

ab 1010 ca.
Maghreb: In Nordafrika existieren noch 47 christliche Bistümer.
(S.186)

Ägypten/Palästina: Weitere Kirchenzerstörungen im ägyptischen Imperium auf Befehl von Afrikakalif al-Hakim
-- Zerstörung der Georgskirche in Ramla
-- Zerstörung der Marienkirche in Damiette-- Zerstörung des Klosters Dayr al-Qasir über dem Grab des Heiligen Arsenios auf dem Muqattam bei Kairo (S.179).

Kirchenbauten, die unter der Herrschaft von Kalif al-Hakim erhalten bleiben
-- das Skete-Kloster bei Alexandrien
-- das Katharinenkloster im Sinai
-- die Kirche Mar Schenute
-- die Marienkirche und weiter Kirchen in Alt-Kairo (S.179).

1011
Palästina/Mekka: Aufstand der Tayyi’-Stämme in Ramla: Gegenkalif al-Hasan - Ersticken des Aufstands durch Bestechung Ägyptens
Die Tayyi’-Stämme stehen unter Führung von Mufarrig b. Dagfal b. al-Garrah, der den Scherif von Mekka, al-Hasan b. Ga ‘far, zum Kalifen ausrufen lässt. Gegenkalif al-Hasan lässt sich in Ramla als Kalif huldigen. Kalif al-Hakim versorgt die Tayyi’-Beduinen mit Geldlieferungen, so dass diese den von ihnen ausgerufenen Gegenkalif al-Hasan wieder vertreiben (S.181).

Ägypten / Mesopotamien: Untergrundaktivität Ägyptens in Mosul und Kufa - kurze Erwähnung im Freitagsgebet
In Mosul und Kufa wird der afrikanische Kalif al-Hakim vorübergehend im Freitagsgebet als Schutzherr erwähnt und somit anerkannt. Mit der Erwähnung wollen sich die beiden Gebiete nördlich und südlich von Bagdad aber eher von der abbasidischen Zentralmacht abgrenzen. Eine Unterstellung unter Ägypten wird nicht angestrebt (S.181).

1012
Kairo: Baubeginn eines Observatoriums
unter Oberqadi Malik b. Sa ‘id. Das Observatorium bleibt aber unvollendet (S.180).

1015 ca.
Kairo: Zwangserlass von Kalif al-Hakim gegen Frauen: Ausgangsverbot ohne männliche Begleitung
Kalif al-Hakim verfügt das Ausgangsverbot für Frauen, wenn diese ohne männliche Begleitung sind. Ausnahmen sind Frauen mit bestimmten Berufen wie Hebamme, Leichenwäscherinnen, Wasserträgerinnen, Friseusen etc.

Al-Hakims Regierung schneidet die menschlichen Freiheiten in seinem Imperium immer mehr ein (S.177).

1015
Ägypten wird Schutzmacht von Aleppo
Der Emir von Aleppo anerkennt den afrikanischen Kalifen in Ägypten, al-Hakim und wendet sich damit von Byzanz ab. Ägypten wird somit neue Schutzmacht und das nordsyrische Aleppo ist dem Zugriff des Byzantinerkaisers entrissen (S.181).

ab 1017
Ägypten: Entstehung des Drusen-Glaubens: Führer Hamza al-Labbad
Bildung einer Glaubensgruppe in Kairo/al-Qahira, die im fatamidischen Imam-Kalifen al-Hakim eine Inkarnation Gottes sieht und die Botschaft vom Ende des islamischen Gesetzes verbreitet, weil das Paradies angebrochen sei (S.181).

Die Glaubensgruppe unter dem Ostiraner Hamza al-Labbad, der mit Traktaten den Inahlt des neuen Glaubens bestimmt, führt die ismailitische Ideologie und die Erlösungserwartung konsequent zu Ende: Die paradiesische Urreligion sei nun mit dem religiös-züchtigen Leben im Kommen. Gott müsse sich vor den Menschen und ihren Sünden nicht mehr verhüllen, weil die Sünden nicht mehr vorkommen würden (S.182).

Das Ziel der Menschheit sei erreicht, und der "Mahdi" werde die direkte Gottesregierung von vor der Sünde von Adam und Eva wieder herstellen. Das religiöse Gesetz wird somit nicht mehr nötig sein, denn die Menschen können nun auch ohne dieses Gesetz "sündlos" leben. Der Kalif al-Hakim sei Gott, und das Paradies sei angebrochen (S.182).

Diese Lehre wird vom Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad, gelehrt, unterstützt von seinem Helfer Anustekin ad-Darzi, in einer kleinen Moschee nördlich von Kairo nahe der Stadtmauer. Mehrmals trifft sich Kalif al-Hakim mit Hamza. Dieser legt sich den Titel al-Hadi ("der Führer") zu (S.182).

Kalif al-Hakim gibt in der Folge nie eine eindeutige Stellungnahme zur Glaubensgruppe um Hamza al-Labbad ab. Seine Rechtsgelehrten, der oberste Qadi und der oberste religiöse Propagandist ("Da ‘i") äussern sich jedoch scharf gegen Hamzas’ Lehre (S.182).

ab 1018 ca.
Ägypten/Palästina: al-Hakim stellt die Kirchenzerstörungen ein
(S.179)

Juni 1019
Kairo: Demonstration der Hamza-Glaubensgruppe in einer Moschee - Verfolgung der Hamza-Glaubensgruppe als "Drusen"
An einer Demonstration einiger Hamza-Anhänger in der ‘Amr-Mosche in Alt-Kairo geben die Mitglieder ein lautstarkes Bekenntnis ab, dass Afrikakalif al-Hakim Gott selber sei. Im losbrechenden Tumult kommen drei Hamza-Anhänger zu Tode und in Alt-Kairo kommt es zu Pogromen gegen die Hamza-Gruppe (182). Der Helfer Anustekin ad-Darzi wird als Hauptschuldiger verfolgt und flüchtet in den Kalifenpalast (182-183).

Dem Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad, gelingt die Flucht in den Untergrund. Kalif al-Hakim gibt an, der Helfer Anustekin ad-Darzi sei hingerichtet. Man hört nie mehr etwas von ihm. Sein Name gibt der Gruppe die Bezeichnung, denn "Duruz" ("Drusen") ist der Plural von "Darzi" (S.183).

Fortan entwickelt der Anführer, Hamza al-Labbad, weitere Traktate und vollenden den "Drusenkanon". In den drusischen Schriften gilt der Helfer Anustekin ak-Darzi fortan als Verräter, weil er in den Kalifenhof flüchtete (S.183).

um 1020
Ägypten/Palästina: Beginnende Wiedergutmachung von Kalif al-Hakim gegenüber der Kirche
Kloster Dayr al-Qasir - Rückgabe der Ruine der Grabeskirche in Jerusalem. Die Gemeinde des zerstörten Klosters Dayr al-Qasir erhält seinen geraubten Besitz vom Kalifen al-Hakim zurück. Das Kloster wird unter al-Hakims Anteilnahme wieder aufgebaut.

In Jerusalem setzt Kalif al-Hakim einen neuen Patriarchen ein und die Ruine der Grabeskirche wird samt allem Grundbesitz der christlichen Gemeinde zurückgegeben (S.179).

ab 1020 ca.
Kairo: Vertreibung der Drusen-Gruppen aus Ägypten
Unter Afrikakalif al-Hakim kommt es zu einer planmässigen Verfolgung der Drusen, die sich in die Gebirgstäler zwischen Libanon und Hermon fürchten müssen (S.183).

13.2.1021
Kairo: Verschwinden von Kalif al-Hakim - Übernahme des Regimes durch Schwester Sitt al-Mulk und Kalif az-Zahir
Kalif al-Hakim kommt von einem seiner Ausritte in die östliche Wüste nicht mehr zurück. Sein Esel und seine zerfetzten Gewänder werden gefunden.

Die Schwester des Kalifen, Sitt al-Mulk, übernimmt tatkräftig die Regierung des ägyptischen Imperiums und lässt den Häuptling der Kutama-Berber, Ibn Dawwas, und zwei seiner Sklaven als Kalifenmörder hinrichten. Seither streiten sich Historiker, ob die Schwester selber den Auftrag zum Mord gegeben habe und Ibn Dawwas vielleicht nur Mitwisser war.

Die Drusen interpretieren den Tod von al-Hakim als Strafe für die Menschheit, denn der personifizierte Gott ha sich erneut verhüllt, weil die Menschen ihre Erlösung nicht angenommen haben (S.183).

1021-1036
Kairo: Nachfolge von Kalif al-Hakim: az-Zahir
(S.183)


Drusenrückzug nach Libanon- Turkmeneninvasion in Persien - Ringmauer um Jerusalem - anhaltender Friede zwischen Ägypten und Byzanz - Arabisierung Ifriqiyas und Destabilisierung mit Bistumszerstörungen - Togrilbeg als Feind Kairos - syrische Besetzung Kairos und Zusammenbruch - führendes Kalifat Bagdad

Zusammenfassung
Die Verfolgung der Drusen bis in den Libanon kontrastiert mit der Erlaubnis Kairos zum Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem, währenddessen die Turkmenen in Persien die Macht an sich reissen und das Kalifat Córdoba in Spanien zusammenbricht. Ein 30-jähriger Friedensvertrag zwischen Kairo und Byzanz und neue christliche Rechte in Syrien sorgen für Stabilität im ägyptischen Imperium, während sich Turkmenenführer Togrilbeg als neuer Sultan in Bagdad etablieren kann. Jerusalem erhält aus Kirchen- und Klostersteinen eine Ringmauer um die Stadt. Ifriqiya anerkennt das Bagdad-Kalifat, so dass Kairo als Rache "lästige" Beduinen gegen Ifriqiya treibt, die das Land arabisieren, destabilisieren sowie fast alle Bistümer zerstören. Als Kairo eine militärische Kooperation mit Byzanz verweigert, bricht auch dieser Friede. Die letzte ägyptisch-imperiale Ausdehnung mit der Besetzung Bagdads nützt nichts mehr. Dem Zusammenbruch gegen die Turkmenen folgt der Zusammenbruch des Reichs, der durch unglückliche Hungersnöte wegen fehlendem Nilhochwasser noch verschärft wird. Da Ägypten unmöglich weiter Getreide nach Mekka und Medina liefern kann, entziehen auch diese heiligen Städte Ägypten die Anerkennung als Kalifat und der Indienhandel scheint gefährdet.

Chronologie (Fortsetzung)

1021
Kairo: Sitt al-Mulks Hauptsorge ist die Sicherung Syriens gegen Byzanz.
(S.184)

ab 1021
Kairo: Erbarmungslose Verfolgung der Drusen
Die Drusen werden auch in Syrien und Palästina verfolgt. Sie können dank der einsetzenden Kreuzzüge in den Tälern des Libanon überleben, da die ägyptische Macht zurückgeht (S.183).

Kairo: Ägypten schliesst rangmässig zu Byzanz auf
Kalif az-Zahir kann die Rolle Ägyptens als Handelsdrehscheibe der Welt ausbauen. Ägypten wird zu Byzanz ebenbürtig (S.183) und rivalisiert von Süditalien bis Syrien um die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer.
Ein Bündnis mit der jemenitischen Vasallendynastie gibt der ägyptischen Politik Raum bis zur Südküste der arabischen Halbinsel.

Der Kalif versucht die Ausdehnung der Macht auf den Irak und den persischen Golf (S.184).

1023
Kairo-Byzanz: Verhandlungen über Friedensverlängerung
Im Auftrag der Kalifenschwester Sitt al-Mulk verhandelt der ägyptisch-gebürtige jerusalemer Patriarch Nikephoros in Konstantinopel mit dem byzantinischen Kaiser Basileios II. über einen neuen Friedensvertrag (S.184).

1025
Syrien: Vereinter Aufstand der drei Beduinenstämme in Syrien gegen Ägypten - Byzanz bleibt neutral und hilft den Beduinen nicht
Die Beduinenstämme der Kilab unter Fürst Ibn Midras in Aleppo, der Kalb der Palmyrene in Damaskus und der Tayyi’ aus Palästina versuchen den vereinten Aufstand gegen Ägypten, indem sie die Hauptstädte besetzen. Die Tayyi’ können al-’Aris niederbrennen und bedrohen Ägypten mit einem Zug nach Westen. Gleichzeitig rufen sie den byzantinischen Kaiser um Hilfe, aber Basileios II. folgt dem Friedensvertrag mit Kairo/al-Qahira, so dass ägyptische Truppen die Gegenangriffe gegen die betroffenen Gebiete aufbauen können (S.184).

1025 ca.
Libanon: Tod des Drusenchefideologen Hamza al-Labbad - Nachfolger Baha’ ad-din al Muqtana
Er führt von Alexandrien die Werbung für die Drusen-Lehre weiter, währenddem die Verfolgungen gegen die Drusen weitergehen (S.183).

1027
Jerusalem: Kalif az-Zahir erlaubt den Wiederaufbau der Grabeskirche
Afrikakalif az-Zahir gibt die Erlaubnis zum Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem.
Zudem gestattet er den ehemals christlichen Hofbeamten, die unter Zwang zum muslimischen Glauben konvertieren mussten, die Rückkehr zum christlichen Glauben mit Berufung auf Koranvers 2,256: "Es gibt keinen Zwang in der Religion", obwohl das islamische Recht den Abfall vom Islam mit dem Tod bedroht (S.179).

1029
Palästina-Syrien: Ägyptische Niederschlagung des Beduinenaufstandes
Ägyptische Truppen unter dem türkischen Gouverneur von Damaskus, Anustekin, können die Koalition der aufständischen Beduinenstämme Kilab, Kalb und Tayyi’ zerschlagen (S.184).

1030
Jerusalem: Ein erneuter Versuch von Byzanz, Jerusalem zu erobern, scheitert.
(S.192)

ab 1030
Persien: Turkmeneninvasion in Iran mit Häuptlingsfamilie der Seldschuken mit Stammvater Selcuk
Die Seldschuken/Turkmenen besetzen in wenigen Jahren ganz Zentralasien und Ostiran (S.186).

ab 1030 ca.
Sizilien, Ifriqiya: Abnehmender Einfluss Kairos/al-Qahiras auf Sizilien und Nordafrika
Der Einfluss des Kairoer Kalifen wird schwächer, was sowohl den Emir von Palermo wie auch den Kontakt zu den Emiren im Maghreb betrifft, die jeweils ihre Einsetzungsurkunden gegen Geschenke und Geld erhalten.
Der Vizekönig des Maghreb, der Ziride al-Mu ‘izz b. Badis mit Residenz in Kairuan (heute Tunesien) kann u.a. in Sizilien einen Emir eigener Wahl gegen den Willen des ägyptischen Kalifen durchsetzen (S.185).

1031
Spanien: Ende des Kalifats in Córdoba
(S.185)

1033-1034
Jerusalem bekommt eine neue Ringmauer aus Kirchen- und Klostersteinen
Afrikakalif al-Zahir lässt um das byzantinische Hauptziel Jerusalem eine Ringmauer bauen. Dazu lässt er Kirchen und Klöster abreissen.

Parallel dazu erfolgen neue Verhandlungen mit Byzanz mit Kaiser Romanos III. Argyros und Michael IV., die sich 1038 hinziehen. Byzantinische Forderungen sind:

-- Beibehalten der Lehenshoheit über Aleppo
-- direkte Einflussmöglichkeit auf Jerusalem und die Hoheit, den dortigen Patriarchen zu ernennen
-- Erlaubnis zum Aufbau der Grabeskirche, die mit Hilfe von Byzanz wieder aufgebaut werden könnte
-- Wiederaufbau der anderen von Kalif az-Zahir zerstörten Kirchen
-- Einstellen der Plünderungszüge des Emirs von Palermo im byzantinischen Kaliabrien und Apulien (S.184).

1036-1094Kairo: Afrikanisches Kalifat al-Mustansir
(S.183)

1038
Ägypten-Byzanz: Friedensvertrag auf 30 Jahre
(S.184)

Persien: Turkmenischer Eroberungsplan von Togrilbeg
Togrilbeg, der Seldschukenführer, lässt sich jetzt bereits als "Sultan" anreden und kündigt die Vernichtung des fatimidisch-ägyptischen Kalifats an (186). Ausserdem verkündigt er die Eroberung Mekkas und Medinas (S.187).

Ägyptisches Bündnis mit Jemen
Ein ismailitischer Missionar reisst in Jemen die Herrschaft an sich und begründet die Dynastie der "Sulayhiden" von Sanaa (San ‘a’). Jemen bewährt sich in der Folge als Bündnispartner des ägyptischen Kalifen (S.187).

ab 1038
Ägypten/Palästina: Rücknahme des Terrors gegen Christen im ägyptischen Imperium: Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem - Rücknahme diskriminierender Gesetze
Die Grabeskirche in Jerusalem wird mittels Planung von byzantinisch- griechischen Architekten wieder aufgebaut. Die Christen in Syrien und Ägypten erhalten die Toleranz zurück, die von Kalif al-Hakim eingeschränkt worden war (S.184).

1043
Libanon: Drusische Lehre wird Geheimlehre
Drusenführer Baha’ ad-din al-Muqtana stellt unter dem Druck der Verfolgung die Drusenmission ein. Die Lehre wird zu einer Geheimreligion für "Eingeweihte", die nur in den Gebirgsklausen gelehrt wird. Die grosse Masse der "Unwissenden" bleibt von der Lehre bis in die 1980er Jahre ausgeschlossen (S.183).

1048
Ägypten-Byzanz: Erneuerung des 30-jährigen Friedens
auch wenn noch gar nicht 30 Jahre vergangen sind (S.184).

Ende der Regierung der "Ziriden" in Maghreb
(S.172)

ab 1048 ca.
Ifriqiya: Unabhängigkeitsbestrebungen in Kairuan
Der Vizekönig des Maghreb strebt die Unabhängigkeit von Kairo an (S.185).

1051
Ifriqiya: Unabhängigkeitserklärung des Maghreb von Ägypten - Huldigung Bagdads
Der Vizekönig, der Ziride al-Mu ‘izz b. Badis, lässt den Bagdader Kalifen al-Qa ‘im im Freitagsgebet huldigen und erhält zusätzlich noch ein Bestallungsdiplom aus Bagdad (S.185).

ab 1051
Ägyptens Reaktion auf die Unabhängigkeit des Ifriqiyas: Beduinenvertreibungen
Das Kalifat Ägypten reagiert auf die Unabhängigkeit des Maghreb mit Anstiftung "lästiger" Beduinenstämme aus Nubien zu Raubzügen im Maghreb: die Banu Hilal und Banu Sulaym. Sie ziehen plündernd durch den Maghreb und sollen so Nordafrika destabilisieren. Plünderung von Barka (S.185).

Ifriqiya: Arabisierung der Berber-Kultur Nordafrikas durch die Beduinenstämme
Nordafrika wird mit den Beduinenplünderungen mehr und mehr arabisiert und die Siedlungs- und Wandergebiete der Maghreb immer mehr eingeschränkt. Die Kirchen und Bistümer in den Berberstädten weichen rasch dem Islam. Ab diesem Zeitpunkt hören die lateinischen Inschriften in Grabsteinen auf Friedhöfen in Nordafrika auf (S.186).

1053
Ifriqiya: Bistumssterben in Nordafrika
Von den 47 Bistümern in Nordafrika existieren noch fünf. Der vulgärlateinische Dialekt Afrika schwindet rapid und hält sich nur noch in abgelegenen Oasen, z.B. Gafsa (Qafsa) (S.186).

um 1053
Ägypten: Weitere Beduinenvertreibungen Ägyptens gegen die Cyrenaika
Ägyptens Kalifat treibt die Beduinen der Banu Qurra westlich des Nildeltas in die Cyrenaika, um dort zu plündern. Das Kalifat selbst siedelt die Tayyi’-Clans aus Palästina und dem Sinai anstelle der entfernten Banu-Quarra-Beduinen westlich des Nildeltas an (S.185).

1054
Ägypten: Hungersnot - Byzanz unter Kaiser Konstantin IX. Monomachos hilft Ägypten mit Getreidelieferungen
(S.185)

Ifriqiya: Die beduinischen Stämme aus Nubien und Ägypten belagern die Maghreb-Hauptstadt Kairuan
(S.185)

1055
Byzanz: Kaiserin-Nachfolgerin von Byzanz, Theodora, verlangt von Ägypten die Beteiligung an einem Militärbündnis
quasi als Gegenleistung für die Hungerhilfe von 1054. Ägypten verweigert jedoch das Militärbündnis und der Friede zwischen Byzanz und Ägypten geht in die Brüche (S.185).

18.12.1055
Bagdad: Togrilbeg wird offiziell als Bagdader Sultan anerkannt - umworbener al-Basasiri
Nach der Anerkennung Togrilbegs als Sultan scharen sich schiitische und anti-seldschukische Kräfte um den türkischen Offizier Arslan al-Basasiri, der mittels ägyptischer Waffen und Gelder Unruhen um den Bagdader Kalifenhof schürt.

In der Folge muss Togrilbeg vorübergehend Bagdad verlassen (S.187).

ab 1055
Ägypten-Byzanz: Neue Kriege - wieder Kirchenraub in Jerusalem
Die Kämpfe in Nordsyrien zwischen Byzanz und Ägypten flammen erneut auf. Afrikakalif al-Mustansir lässt u.a. die neue Grabeskirche in Jerusalem ausrauben (S.185).

1057
Ifriqiya: Der Vizekönig des Maghreb gibt Kairuan auf und zieht in die Seefestung Mahdiyya.
(S.185)

Dez 1058
Ägyptische Besetzung von Bagdad
Al-Basasiri zieht in Bagdad ein, lässt die abbasidischen schwarzen Fahnen einziehen und lässt ägyptisch-fatimidische weisse Fahnen hiessen. Dem Kalifen al-Mustansir in Kairo wird im Bagdader Freitagsgebet gehuldigt. Die Amtskleidung des abbasidischen Kalifen, ein schwarzer Mantel mit schwarzem Turban, wird als Beweis der Besetzung Bagdads nach Kairo gesandt (S.187).

ab 1058 ca.
Ägyptische Agententätigkeit im Iran und Indien
Überall im seldschukischen Iran wirken die Missionar-Agenten von Kalif al-Mustansir, bis in die Hochtäler des Hindukusch, Pamir, und Nordwest-Indiens (S.187).

1059
Ägypten: Höhepunkt der Macht: von Bagdad bis zur Cyrenaika
Ägypten befindet sich auf dem Höhepunkt seiner imperialen Ausdehnung.
Ägyptens Heerführer Al-Basasiri erhält von Ägypten aber keine Unterstützung, obwohl er ganz Mesopotamien regiert. Kalif al-Mustansir scheint ihm zu misstrauen, oder der Nachschub wird auf der Transportlinie unterbrochen (S.187).

1060
Bagdad: Seldschukenführer Togrilbeg zieht wieder in Bagdad ein
Al-Basasiri muss aus Bagdad abziehen. Es folgt eine grosse Seldschukeninvasion in Syrien und in Hedschas (S.187).

ab 1061 ca.
Unruhen in Ägypten nach der Niederlage in Bagdad
Türkische und berbische Truppen verbünden sich gegen die "schwarzen Garden" des ägyptischen Hofs. Es kommt zu Schlachten vor den Toren Kairos (S.188).

Italienische Seerepubliken in Palästina
Die italienischen Seerepubliken besitzen ein Kloster mit Hospital und Kirche in Jerusalem, das "Santa Maria de Latina" (S.190).

1062
Maghreb kommt wieder unter ägyptische Kontrolle
Der Maghreb-Herrscher Tamim b. al-Mu ‘izz kommt vorübergehend wieder unter ägyptische Hoheit (S.187).

ab 1065 ca.
Waffenstillstand zwischen Ägypten und Byzanz
(S.185)

ab 1065
Wiederholte niedrige Nilhöhen - Hungersnot in Ägypten
Wiederholte unzureichende Nilhöhen haben Hunger und Teuerung in Ägypten zur Folge. Zusätzlich brechen Seuchen aus. Dazu kommen die laufend sich erhöhenden Kosten der Armee. Die alljährlichen Getreidelieferungen an die heiligen Stätten Mekka und Medina müssen unterbleiben (S.188).

1068
Finanzkrise in Ägypten - Eingriff in die Reserven
Weil das ägyptische Heer jährlich 400’000 Dinar verschlingt, muss das Kalifat die Staatsschätze angreifen und u.a. 7 mudd (= 126 Liter) Smaragde verkaufen, was ca. 300’000 Dinar entspricht (S.191).

Zahlungsunfähigkeit Ägyptens
Der Afrikakalif al-Mustansir gibt öffentlich die Zahlungsunfähigkeit des ägyptischen Imperiums bekannt.
Der Scherif von Mekka sucht in der Folge einen neuen Schutzherrn und bekommt sofort Kontakt zum Seldschukensultan Togrilbeg (S.188).

1069
Eröffnung einer ägyptischen Gesandtschaft in Byzanz
(S.185)

1070
Das Kalifat Kairo verliert seine Anerkennung in Mekka und im Nildelta
Der Scherif von Mekka anerkennt den Kalif in Bagdad wieder als "rechtmässigen Kalifen" an.
Auch in Alexandrien, Damiette und anderen Städten des Nildeltas lässt die Generalität Ägyptens den Abbasidenkalifen von Bagdad im Freitagsgebet huldigen.
Der palästinensische Küstenstreifen mit Akkon und Skalon kann sich unter dem Mamlukken-Offizier Badr al-Gamali weiter ägyptisch behaupten (S.188).


Berberrückzug vor arabischen Beduinen in Nordafrika - Turkmenenexpansion in Anatolien und Syrien bis Jerusalem - eingekesseltes Kairo rettet sich durch Diktatur unter Badr - dauernde Instabilität in Ägypten nach Badrs Tod - Gelegenheit für Kreuzzüge mit Hilfe italienischer Seerepubliken - ägyptischer und syrischer Festungsbau - Expansion Aleppos gegen Bagdad und Beginn des "heiligen Krieges" gegen die Christen

Zusammenfassung
Die Berber ziehen sich gegen die arabischen Beduinen völlig zurück. Das Vulgärlatein stirbt aus, während von Bagdad aus die Turkmenen Anatolien und Syrien mitsamt Jerusalem besetzen und Kairo einkesseln, das nur durch eine Militärdiktatur unter Badr dem Untergang entgeht. Da die muslimische Welt nach dem Tod des Diktators nicht an Stabilität gewinnt, ist die Gelegenheit für christliche Einfälle günstig. Die italienischen Republiken helfen mit ihren Schiffen willig der Kirche und bekommen dafür jedwelche Handels- und Rechtsprivilegien zugestanden, während das muslimische Lager weiter uneinheitlich bleibt und Ägyptens Handel wieder einen gewissen Luxus erarbeitet. Christliche Besetzungen durch "Kreuzzüge" reichen bis Beirut und Sidon, während in Kairo der Hof um Kinderkalifen streitet. Aleppo erstarkt, kann Bagdad besetzen und ruft den "heiligen Krieg" gegen die Christen aus. Die muslimische Besetzung Edessas wollen die christlichen Heere mit der Besetzung von Damaskus rächen, was jedoch kläglich scheitert. Gleichzeitig drängen die italienischen Republiken den Papst immer mehr, Ägypten zu besetzen, da dort die "entscheidende" finanzielle Quelle der muslimischen Welt zerstört werden könne. Dabei geht es den Italienern nur um noch mehr Handelsprofit. Ägypten selbst ist so schwach, dass christliche und byzantinische Einflüsse die Emir-Wahlen bestimmen, die die Kinderkalifate vertreten müssen.

Chronologie (Fortsetzung)

ab 1070 ca.
Rückzug der Berber vor der Arabisierung
Die Berber ziehen sich vor den plündernden Beduinen nach und nach ins Gebirge zurück, um den Gabal Nafusa in Tripolitanien, den Awras, den Hutna, die Kabyleien im heutigen Algerien und die Atlasketten des heutigen Marokko (S.186).

1071
Syrien: Aleppo wird seldschukisch
Aleppo unterwirft sich dem Seldschukensultan Alp Arslan als dem neuen "Beschützer des rechtmässigen Kalifen" (S.187).

19.8.1071
Anatonlien: Seldschukischer Sieg gegen Byzanz - beginnende "Islamisierung" Anatoliens
Sieg des Seldschukenheeres gegen das byzantinische Heer unter Kaiser Romanos IV. Diogenes beim armenischen Ort Mantzikert nördlich des Van-Sees.

Damit ist das griechisch-kleinasiatische Gebiet der folgenden islamischen Besetzung und der "Islamisierung" ausgeliefert (S.187).

ab 1071
Jerusalem kommt ab dem Feldzug des türkischen Offiziers Atsiz unter die Gewalt des Emirs von Damaskus
(S.194)

1072 ca.
Jerusalem: Abbasidisch-seldschukischer Vorstoss und Besetzung Jerusalems
Von Aleppo aus stösst Heerführer Alp Arslans mit seldschukischen bagdadtreuen Truppen weit nach Süden vor und kann Ramla und Jerusalem besetzen. Damaskus wird belagert (S.187).

1072
Kairo: Abbasidische Besetzung Der Fatimidenkalif al-Mustansir wird in seinem Palast eingekesselt (S.188).

ab 1072 ca.
Grosse Aufstandsbewegung gegen das Fatimidenkalifat in Alexandrien
-- arabische Stämme plündern Nubien aus
-- Aufstand des Luweta-Stammes im Nildelta (S.188).

1073
Kairo: Kalif Al-Mustansir holt Offizier Badr al-Gamali aus Palästina
Afrikakalif al-Mustansir lässt den Mamlukkenoffizier Badr al-Gamali mit einer Truppe meist armenischer Söldner aus Palästina nach Damiette befehlen (S.188).

Jan 1074
Kairo: Rettung durch Offizier Badr aus Palästina
Nach der Ankunft der Söldnertruppe von Offizier Badr aus Palästina in Kairo lässt der Kalif die berberischen und türkischen Truppen in Ägypten auflösen und durch die zumeist armenischen Söldner ersetzen. Badr al-Gamali wird neuer Wesir und erhält den Auftrag, Ägypten aus der Krise zu führen (S.188). Badr al-Gamali etabliert in Ägypten eine Militärdiktatur (S.191).

1074-1077
Ägypten: Die Feldzüge von Wesir Badr zur "Befriedung" Ägyptens
Wesir Badr al-Gamali und seine vorwiegend armenischen Söldnertruppen unternehmen Feldzüge zur "Befriedung" Ägyptens:
-- Erstürmung des rebellischen Alexandrien
-- Besiegung des aufständischen Berberstamms der Luweta im Nildelta
-- Besiegung der arabischen Stämme, die Oberägypten/Nubien ausplündern (S.188).

1076
Damaskus fällt unter die Regierung Bagdads - Askalon und Akkon bleiben ägyptisch
Damaskus ergibt sich den abbasidisch-seldschukischen Belagerungstruppen. Syrien fällt in die Souveränität Bagdads, ebenso Tyros (Sur). Einzig Askalon (‘Asqalan) und Akkon bleiben noch in ägyptischer Hand, unter dem turkmenischen Offizier Badr al-Gamali (S.187-188).

Feb 1077
Ägypten besiegt abbasidisches-türkisches Seldschukenheer
Sieg der Söldnertruppen von Wesir Badr al-Gamali im Nildelta gegen das abbasidische Seldschukenheer unter dem türkischen Heerführer Atsiz, des abbasitischen Statthalters von Damaskus (S.188).

ab 1077
Wirtschaftliche Erholung Ägyptens mit Erlassung der harag-Steuer für drei Jahre
(S.188)

1087
Kairo: Bau einer neuen Stadtmauer um Kairo/al-Qahira
mit den Stadttoren Bab Zuwayla im Süden und Bab an-Nasr sowie Bab al-Futuh im Norden (S.188).

1092
Bagdad: Ermordung des seldschukischen Wesirs Nizam al-Mulk
durch ismailitische Agenten des ägyptischen Kalifenhofs (S.192).

1094
Kairo: Tod des Militärdikatators und Wesirs Badr al-Gamali - Nachfolger Sohn al-Afdal
(S.191)

Dez. 1094
Kairo: Tod des Kalifen al-Mustansir - Nachfolger Sohn Nizar - Krieg des Wesirs gegen den Tronfolger
Nizar lässt sich in Alexandrien zum Kalifen ausrufen, gestützt auf die arabischen Stämme im Nildelta. Seine Stammestruppen werden von Truppen des Wesirsohnes al-Afdat besiegt. Tronfolger Nizar wird eingekerkert (S.191).

Anfang 1095 ca.
Kairo: Wesir al-Afdal lässt Tronfolger Nizar heimlich umbringen und setzt die Erhebung des jüngeren Prinzen Ahmad al-Musta ‘li durch - "Nizaristen"-Abspaltung
Mit diesem Schritt hat Wesir al-Afdat gegen die heiligen Nachfolgegesetze der ismailitischen Imamatslehre verstossen. Die Spaltung der ismailitischen Anhänger in Ägypten ist unausweichlich. Ein Teil hält an einem Kalifat und Imamat Nizars fest und behauptet unter dem Propagandisten und Missionar Hasan-i Sabbah, Nizar sei nur entrückt und werde bald wieder erscheinen. Diese Behauptung ist möglich, weil niemand den Tod Nizars beobachten konnte.

Die "Nizaristen" wandern aus, nehmen die persische Burg Alamut südlich des kaspischen Meeres als Sitz (S.191) und verüben von dort aus politische Anschläge und Attentate auf sunnitische, fatimidische und christliche Herrscher und Institutionen. Die Attentäter, die in Iran, Syrien und Ägypten operieren, nennen sich die "sich Opfernden" ("fida ‘iyyun") und werden von den Kreuzfahrern "assassini" genannt (S.192).

ab 1095 ca.
Ägypten: Reformen zur Wiedererstarkung
Reform im Münzwesen und Steuerwesen sowie der Finanzverwaltung (S.194). Wesir al-Afdal setzt das "Werk" seines Vaters fort. Die Reformen geben Ägypten wieder ökonomischen Wohlstand (S.195).

ab 1096 ca.
Jerusalem: Belagerung durch fatimidisch-ägyptische Truppen
(S.194)

Persien: Nizaristen zerstören die ägyptisch-fatimidische Mission in Iran
Die nizaritische Terrorgruppe der persischen Burg Alamut zerstört die Mission der ägyptischen Fatimiden in Iran. Das ägyptische Kalifat kann keine innere Manipulation mehr gegen die Seldschuken und Abbasiden in Bagdad mehr betreiben (S.192).

1096
Italien: Geldgier von Genua, Pisa und Venedig als Mitverursacher der Kreuzzüge
Die italienischen Handelsstädte Genua, Pisa und Venedig mit ihren mächtigen Patriziern sind Mitinitianten der Kreuzzüge. Sie hoffen auf vermehrte Handelsstationen auf den Ost-West-Handelsrouten und Profite (S.211).

Ohne die Flotten dieser Städte wären die Kreuzzüge gar nicht durchführbar. Die Benutzung der Flotten lassen sich die Städte mit königlichen Privilegien in Palästina, Syrien oder Ägypten bezahlen, so dass ihnen Handelsprofite so gut wie sicher sind (S.211).

ab Juni 1098
Europäisch-"christliche" Invasion in Palästina
Weder der byzantinische Kaiser noch die seldschukischen Truppen noch die syrischen Emire können oder wollen die Kreuzfahrer an der Besetzung palästinensischen Gebietes hindern (S.194).

Juni 1098
Christliche Besetzung Antiochiens
(S.194)

Ende Juni 1098 ca.
Christliche Besetzung Ramlas
(S.194)

Sep 1098
Jerusalem wird nach der erfolgreichen jahrelangen Belagerung durch fatimidisch- ägyptische Truppen besetzt
(S.194)

1098-1099
Erste christliche Invasion in Palästina (erster Kreuzzug)
Christliche Besetzung der syrischen Küste und Palästinas. Christliche Invasion in Syrien stösst auf keinen koordinierten Widerstand (S.192).

ab 1098
Italien-Ägypten: Erhöhter Handel der italienischen Seestaaten mit Holz und Pech
Während der Kreuzzüge nehmen die Pech- und Holzlieferungen der Reeder der italienischen Seerepubliken zu. Neben Amalfi und Genua sind nun auch Pisa und Venedig in den Büchern Ägyptens verzeichnet. Die Kriegsprofite bleiben lukrativ und das Risiko einer Kaperung oder Bestrafung durch Byzanz oder Rom scheint minimal (S.190).

15.7.1099
Jerusalem: Besetzung durch christliche Kreuzfahrerheere
durch Erstürmung gegen eine schwache fatimidische Garnison (S.194). Die europäisch-christlichen Besetzer vertreiben die muslimische Herrschaft.
Erst jetzt, wo die Stadt christlich regiert wird, rückt die "Heiligkeit" der Stadt für den Islam wieder ins allgemeine muslimische Bewusstsein. (S.192).

Ende 1099 ca.
Palästina: Ägyptische Reaktion auf die christliche Invasion kommt zu spät - ägyptische Truppen werden zerschlagen
Erst jetzt reagiert Ägyptens Wesir al-Afdal und lässt bei Askalon Truppen zusammenziehen, die von den christlichen Truppen aus Europa aber sofort angegriffen und auseinandergetrieben werden, bevor sie zum Angriff gegen die Europäer starten können (S.194).

ab 1099
Kreuzzugszeit: keine Annäherung zwischen Christentum und Islam in Palästina
Zwischen den beiden Religionen kommt es zu keiner Annäherung. Kirche und Ritterorden verhindern die geistige Auseinandersetzung mit dem Islam mittels Feindbildern und Propaganda. Übersetzungen und Wissensvermittlung findet in den Kreuzfahrerstaaten kaum statt (S.214).

1100
Venedigs Profit in Palästina: zu erobernde Städte bestimmten - bei Steuerfreiheiten
Venedig entsendet eine Flotte von 200 Schiffen nach Jaffa und handelt mit Gottfried von Bouillon dafür einen Drittel aller noch zu erobernden Städte und völlige Abgabenfreiheit aus (S.211).

ab 1100
Kreuzfahrerstaaten: Privilegien und Handel mit dem "Feind"

Die eigenen Quartiere der italienischen Städte
-- haben ein eigenes Oberhaupt, it. vicecomes/bailus/consul-- haben eigene Justiz, Richter und Gerichte
-- haben eigene Masse und Gewichte
-- haben eigene Faktoreien
-- haben eigene Kirchen, Bad und Bäckereien.

In der Folge quellen die italienischen Quartiere über vor Reichtum und wecken Gelüste von Feudalherren. Gleichzeitig können die italienischen Städtestaaten ihre Unabhängigkeit in Europa festigen und mit Neubauten Macht präsentieren wie zum Beispiel in Pisa der Dom, das Baptisterium und der Campanile im 12.Jh. Gleiches gilt für die französischen Städte oder Barcelona. Die Kirchenfassade von St-Gilles (1140) wird mit Profitgeldern aus dem Ost-West-Handel bezahlt (S.211).

Italienische Seefahrerstaaten: Handel mit dem Feind - Unterhöhlung der eigenen Existenz
Der Handel mit dem Feind ist nur während entscheidender Kreuzzüge verboten.
Das allgemeine gegen Ägypten ausgesprochene Eisen-, Holz- und Pech-Embargo (Kriegsmaterial für Schiffbau) der Kirchenkonzile wird nie befolgt und der Profit munter weiter eingestrichen. Brandmarkungen vom byzantinischen Kaiser, vom König von Jerusalem und vom König von Aragón und Vorwürfe des "Verrats an der Christenheit" und Drohungen mit Strafen, Exkommunikationen, Interdikten, Kaperungen und Folterhaft nützen nichts (S.212).

Muslimischer Profit am Handel mit dem christlichen "Feind"
Der Handel ist derart verdächtig, dass Salah ad-din Yusuf/Saladin sich gegenüber dem Kalifen in Bagdad rechtfertigen muss. Der Hinweis auf Lieferungen von Eisen, Holz und Pech genügt (S.212).

Ägypten feiert seinen Luxus
Ägypten ist in starkem ökonomischen Wachstum und feiert den Luxus mit rauschenden Festen und Raffgier am Kalifenhof. Da keine imperialistische Kriegspolitik betrieben werden kann, konzentriert sich der Reichtum in Ägypten. Wesir al-Afdal kann unglaublich viele Schätze horten (S.195).

Ägypten-Pisa, Genua, Venedig: dauernde Blockaden und Schikanen
Für die italienischen Seefahrerstädte kommt es immer wieder zu lästigen und kostspieligen Schickanen in Damiette. Nach dem Einlaufen müssen die Kapitäne die Steuerruder und Lateinerrah der Galeeren den Hafenmeistern abgeben, bis sie die Erlaubnis zum Auslaufen erhalten (S.213). In der Liegezeit kann es bei neuen Kriegen zwischen Ägypten und Europa zu Blockaden des Auslaufens kommen (S.213-214). Die Kaufleute werden als Geisel interniert, eventuell die eingekauften Waren beschlagnahmt (S.214).

Ägypten/Syrien: Ausbau der muslimischen Befestigungsanlagen
Ab dem ersten Kreuzzug werden die arabischen Befestigungsanlagen unter grossem technischen Aufwand ausgebaut und erneuert, in Syrien mit hochentwickeltem Steinquaderbau: Stadtmauern, Tore, Zitadellen (S.201).

Syrien-Europa: Handel über fränkische Häfen
-- Verbindungen von Hamah und Hims mit Tortosa und Tripolis
-- Verbindung von Damaskus mit Beirut, Tyros und Akkon (S.213).

In Damaskus wird vor allem Seide, Brokatstoff und Stahl gehandelt. Akkon entwickelt sich zum Hauptumschlagplatz und Bankenzentrum zwischen Palästina und ganz Europa, neben den italienischen Seefahrerstädten Genua, Pisa, Venedig und Ancona auch für französische Städte wie Marseille, St-Gilles, Aigues Mortes, Montpellier und Narbonne sowie für das aufsteigende Barcelona (S.213).

ab 1100-1497
Ägypten-Europa: Die Herrschaft über die Asien-Handelsroute
Die Umladestationen:
in Aden von grosse auf kleine Schiffe, bis al-Farama/Pelusium in einem kleinen Suez-Kanal,

oder
bis ‘Aydab, dann Umladen auf Kamele, durch die Wüste an den Nil nach Qus/Kus/ Apollinopolis Parva, von dort auf Nilschiffen bis Alexandrien.

Haupthafen des Indienhandels bleibt Alexandrien, das vom Bischof und Chronisten Wilhelm von Tyrus als "forum publicum utrique orbi"/"Markt beider Welten" bezeichnet wird (S.213).

ab 12. Jh.
Ägypten: Karimi-Kaufleute kontrollieren den Transithandel
Die sogenannten Karimi-Kaufleute kontrollieren den ägyptischen Transithandel und sind durch einen besonders niedrigen Steuersatz von 2,5 % privilegiert (S.249).

1101
Ägypten: Kinderkalif: Intronisierung des 5-jährigen Kalifen al-Amir unter Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali
(S.194)

Beginnende Expansion der Europäer in Palästina - keine muslimische Abwehr
Europäisch-christliche Besetzung von Haifa und Caesarea. Es folgen Belagerungen weiterer Städte.
Die muslimische Welt bringt keine gemeinsame Abwehr der europäisch-christlichen Invasion zustande. Ägyptische Fatimiden und sunnitische Emir der Abbasiden in Bagdad können sich nicht einigen.
Die muslimische Geschichtsschreibung, darunter vor allem die sunnitischen Propagandisten aus Bagdad, beschuldigt die ägyptischen Fatimiden der Untätigkeit und des Verrats, obwohl auch die sunnitischen Emire kaum etwas gegen die "Kreuzfahrer" unternommen haben (S.194).

ab 1102
Tripolis: Europäisch-christliche Belagerung von Tripolis
(S.194)

1104
Palästina: Europäisch-christliche Besetzung von Akkon
In ägyptischer Hand aber bleiben Gaza, Askalon, Tyros, Sidon und Beirut (S.194).

Königreich Jerusalem-Genua: Genuas Profit
König Balduin von Jerusalem verleiht Genua je ein Drittel der palästinensischen Häfen Arsuf, Caesarea und Akkon und einen Drittel der Zolleinnahmen von Akkon sowie ein eigenes Stadtviertel in Jerusalem und Jaffa (S.211).

1108
Palästina-Pisa: Vergabe von Stadtvierteln und Steuerfreiheit
Der Normanne Tankred verleiht an Pisa diverse Stadtviertel in Antiochien und Latakia und garantiert ihnen "freie Hand" im ganzen Fürstentum (S.211).

Juli 1109
Tripolis: Europäisch-christliche Besetzung
(S.194)

Juli 1110
Europäisch-christliche Erstürmung Beiruts. Gleichzeitig will eine ägyptische Flotte der Stadt Sidon zu Hilfe eilen
(S.194)

Ende 1110 ca.
Europäisch-christliche Besetzung Sidons, die ägyptische Flotte kann nicht mehr eingreifen
(S.194)

1112 ca.Förderung der Astronomie in Ägypten
Wesir al-Afdal installiert auf einem Ausläufer des Muqattam südöstlich von Kairo "eine Kugel" zur Beobachtung der Gestirne und kann damit das erste Observatorium Ägyptens verwirklichen (S.180).

ab 1112 ca.
"modus vivendi" zwischen Muslimen und Christen in Palästina
Die syrischen Emire des Binnenlandes in Damaskus und Hims schliessen mit den europäischen Christenfürsten Verträge im Sinne eines "modus vivendi" ab. Ein solcher "modus vivendi" ist notwendig, weil die europäischen Franken die Hafenstädte unter Kontrolle haben (S.194).

1121
Kairo: Mord an Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali
Kalif al-Amir lässt seinen Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali meuchlings ermorden. Sein Besitz wird beschlagnahmt, wobei allein an Bargeld 12 Millionen Dinar und 50 Artaben (=9900 Liter) Silberdirhams zum Vorschein kommen (S.191).

1123
Schliessung des "Hauses der Wissenschaft" in Kairo/al-Qahira
Das "Haus der Wissenschaft" in Kairo/al-Qahira wird von Wesir al-Afdal wegen angeblicher Ketzereien geschlossen (S.180).

1124
Europäisch-christliche Besetzung von Tyros - erste christliche Fürstentümer in Palästina
Es etablieren sich verschiedene europäisch-christliche Fürstentümer:
-- Grafschaft Edessa am oberen Euphrat
-- normannisches Fürstentum Antiochien
-- Grafschaft Tripolis unter den Grafen von Toulouse
-- Königreich Jerusalem unter dem lothringischen Haus Bouillon (S.194).

1130
Kairo: Tod von Kalif al-Amir durch einen Nizariden/Assassinen-Anschlag - kein Sohn als Nachfolger - Vetter al-Hafiz übernimmt die Regentschaft
Mit dem Vetter al-Hafiz als ägyptischen Kalif spaltet sich die ismailitische Glaubensgemeinde erneut. Obwohl der Vetter den Imam- und Kalifentitel übernimmt, brechen dauernd Unruhen aus. Minister, Statthalter und Generäle bekämpfen sich jahrelang in Strassenschlachten (S.192, 195).

ab 1130
Kairo: Spaltung der Ismailiten - Verehrung eines angeblich entrückten Sohnes al-Tayyib
Die abgespaltene Glaubensgruppe der Ismailiten in Ägypten, die Vetter al-Hafiz nicht als neuen Imam anerkennen will, huldigt einem angeblich entrückten Sohn des verstorbenen Kalifen al-Amir: dem Sohn at-Tayyib.

In der Folge schliesst sich die Sulayhiden-Dynastie in Jemen dieser kleinen Gruppe um den angeblich entrückten Sohn at-Tayyib an und kündigt damit dem Kalifenvetter al-Hafiz die Gefolgschaft. Ägypten scheint durch Spaltungen sehr bedroht (S.195).

Armenisch-christliche Zuwanderung in Ägypten
Ein Wesir von al-Hafiz, Bahram, ein armenischer Christ, holt Tausende seiner Landsleute nach Kairo/al-Qahira. Die Kirchen und Klöster der Armenier wachsen derart an, dass sie die dominierende christliche Position der Kopten Ägyptens in Frage stellen (S.196).

1136 ca.
Richterdiskussion in Ägypten: sunnitische gegen ismailitische Richter
Ein Wesir des afrikanischen Kalifen al-Hafiz setzt neben dem ismailitischen Oberqadi einen zwölferschiitischen/imamitischen und zwei sunnitische Richter ein. Die Folge sind sich bekämpfende ismailitische und sunnitische Gruppen und ein Dauerstreit um das Recht (S.196).

1138 (?)
Mesopotamien: Geburt von Salah ad-din Yusuf b. Ayyub/Saladin
in Takrit am Tigris, Kurde. Der Vater aus Dvin bei Eriwan ist Söldner in den muslimischen Heeren von Bagdad. Der Vater Ayyubb bringt es im Kalifenheer bis zum Festungskommandanten der Stadt Takrit am Tigris (S.200).

1140 ca.
Vollendung der Arabisierung Nordafrikas: Vulgärlatein-Dialekt stirbt aus
Aussterben des afrikanisch-vulgärlateinischen Dialekts in den abgelegenen Oasen Nordafrikas. Auch die letzten Flecken Nordafrikas sind "arabisiert" worden (S.186).

"modus vivendi" in Palästina
Der arabische Burgherr Usama b.Mungid von der Burg Sayzar am Orontes-Fluss pflegt den "modus vivendi" mit den europäisch-christlichen Invasoren und erwähnt diesen auch in seiner Autobiographie (S.194).

Aleppo: Emir Zengi propagiert den "Heiligen Krieg" und die Führerschaft gegen die Christen
Emir Zengi von Aleppo propagiert den "heiligen Krieg" ("gihad") gegen die europäisch-christlichen Invasoren in Palästina. Zengi beansprucht gleichzeitig die Herrschaft über ganz Syrien mit dem Argument, nur nach einer Einigung der Muslime werde man den "christlichen" Feind erfolgreich bekämpfen können (S.196).

ab 1140 ca.
Aleppos Bezahlungssystem für Söldner: Lehensvergaben
Die Soldbezahlung erfolgt durch Lehensvergabe (iqta’, "Zuteilung"). Die Soldaten dürfen auf dem Lehen selber Steuern erheben und müssen sich davon das Geld für Lebensunterhalt, Ausrüstung und den Kauf von Militärsklaven aufbringen.

In der Folge ist Aleppo viele Sorgen um den Einzug von Steuern los, muss aber auch die Schmälerung der Einnahmen hinnehmen.

Zudem entwickelt sich eine Tendenz zur Erblichkeit der Lehen, die staatspolitisch sehr bedenklich ist (S.196).

Aleppos Expansion gegen Bagdad
Aleppo kann das ganze nördliche Mesopotamien besetzen. Emir Zengi setzt in Mossul einen seiner Brüder ein. Damit hat Aleppo Zugang zu den typischen Söldnervölkern des Ostens und kann seine Armeen wieder verstärken:
-- mit arabischen Beduinen der Giazira
-- mit iranisch sprechenden Kurden der Bergländer am oberen Tigris
-- mit Turkmenen/Seldschuken von den Hochtälern Aserbeidschans und Armeniens (S.196).

Aleppos Bezahlungssystem für Söldner: Lehensvergaben
Die Soldbezahlung erfolgt durch Lehensvergabe (iqta’, "Zuteilung"). Die Soldaten dürfen auf dem Lehen selber Steuern erheben und müssen sich davon das Geld für Lebensunterhalt, Ausrüstung und den Kauf von Militärsklaven aufbringen.

In der Folge ist Aleppo viele Sorgen um den Einzug von Steuern los, muss aber auch die Schmälerung der Einnahmen hinnehmen.

Zudem entwickelt sich eine Tendenz zur Erblichkeit der Lehen, die staatspolitisch sehr bedenklich ist (S.196).

1144
Edessa syrisch besetzt - Alarm bei den europäisch-christlichen Invasoren: 2. Kreuzzug
Truppen des Emir Zengi von Aleppo können die Stadt Edessa besetzen und die "Kreuzfahrer" vertreiben. So ist der nördlichste der europäischen Christenstaaten bereits wieder zerschlagen (S.196).

Die "christlichen" Kreuzfahrerfürsten sind alarmiert und organisieren in Europa einen zweiten Kreuzzug unter dem deutschen König Konrad III. und Ludwig VII. von Frankreich (S.196).

1145 ca.
Jerusalems "christliche" Führung beschliesst die Besetzung von Damaskus
Der Jerusalemer "Kronrat" beschliesst mit Konrad III. und Ludwig VII. die Invasion in Damaskus (S.196-197).

1146
Aleppo: Tod von Emir Zengi - Nachfolger: Sohn Nur ad-din Mahmud
(S.196)

Syrien: weiterhin Lehen als Sold - weiter "heiliger Krieg" gegen "Christenfürstentümer"
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo übernimmt das feudale Besoldungssystem von Vorgänger Zengi.
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo propagiert weiter den "heiligen Krieg" gegen die europäisch-christlichen Invasoren (S.196).

Sommer 1148
Jerusalem: Der europäisch-christliche Angriff auf Damaskus scheitert kläglich.
(S.197)

1149
Aleppo: Erster grosser syrischer Sieg gegen christliche Frankenheere
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo kann bei Inab nahe Antiochien seinen ersten grossen Sieg über die christlichen Frankenheere feiern.
In der Folge sucht Damaskus die Zusammenarbeit mit Aleppo (S.197).

1149-1154
Kairo: Kalifat az-Zafir mit neuem Wesir Ibn Sallar
(S.196)

1150
Ägypten-Pisa: Handel und Profit
Pisa hat ein Kontor in Alexandria und wird von Emir Tala ‘i’ ibn Ruzzig begünstigt. Handel mit Pfeffer, Muskat, Zimt, Gewürznelken, indischem Rotholz und ägyptischem Alaun (S.213).

1150 ca.?
Syrien: Ayyub, Vater von Saladin, und Bruder Sirkuh, wechseln nach Syrien in die Dienste des Emirs Zengi von Aleppo
(S.200)

ab 1150 ca.
Ägypten-Pisa, Genua, Venedig: Drang zur Besetzung von Damiette
Aus den Erfahrungen von Blockaden und dem Verlust ganzer Ladungen in Damiette entwickeln die Patrizier in Pisa, Genua und Venedig die Bestrebung, die ägyptischen Häfen selbst zu besetzen, damit Ägypten die Schiffe im Zweifelsfall nicht mehr blockieren kann. Fortan stellen sie Schiffe für Feldzüge nach Ägypten zur Verfügung und lenken zum Teil die Wege der Kreuzzüge (S.214).

Kairo-Damaskus: Einkreisungstaktik gegen die "Kreuzfahrer"
Der neue Kalif az-Zafir beginnt mit militärischer Kooperation mit Syrien und dessen Zentrum Aleppo, um die europäisch-christlichen Invasoren einzukreisen (S.196).

Kairo: Beginnende Unterwanderung Ägyptens durch das "christliche" Jerusalem
Das Königreich Jerusalem beginnt mit der Unterwanderung des Kalifats in Ägypten. Gezielt werden einzelne Tronfolgerkandidaten/Prätendenten unterstützt (S.197).

1153
Palästina: Christliche Erstürmung von Askalon - Befestigung der ägyptischen Stadt Bibays
Mit Askalon fällt die letzte ägyptisch gehaltene Küstenstadt Palästinas.
In der Folge lässt der ägyptische Wesir Tala ‘i’ b. Ruzziq vorsorglich die Stadt Bibays im östlichen Nildelta befestigen, um gegen eine allfällige fränkische Invasion gewappnet zu sein (S.198).

1154
Einigung Syriens und Aleppos - sunnitische Politik
Damaskus lässt die Vereinigung mit Aleppo zu. Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo wird in Damaskus empfangen und die Vereinigung besiegelt. Nur ad-din Mahmud bekommt die Rolle des Vorkämpfers des Islam gegen die "Ungläubigen". Gleichzeitig schlägt Nur ad-din Mahmud als Vorkämpfer eine sunnitische Richtung ein und eröffnet in Aleppo und Damaskus nach seldschukisch-bagdadischem Vorbild juristisch-theologische Hochschulen ("madrasa") zur Verbreitung des islamischen Rechts nach "sunnitischer Tradition" (S.197).

Die Sunnitisierung Syriens strahlt auch auf Bagdad aus, wo der Kalifenhof unter al-Muqtafi die Seldschuken entmachtet und das neu-sunnitische Syrien für sich beansprucht (!), indem Kalif al-Muqtafi versucht, sich propagandistische an die Spitze der gihad-Bewegung gegen die europäisch-christlichen Invasoren zu stellen (S.197).

1154-1160
Ägyptisches Kalifat al-Fa ‘iz mit Regent und Wesir Tala ‘i’ b. Ruzziq
(S.197)

ab 1154
Ägypten sucht den Anschluss an die gihad-Bewegung in Syrien - Aleppo plant die Besetzung Ägyptens
Der ägyptische Regent Tala ‘i’ b. Ruzzig will mit Angeboten, Geld- und Pferdelieferungen den Emir Nur ad-din Mahmud zur Allianz gegen die europäisch-christlichen Kreuzfahrer zwingen. Dieser aber plant selber die Besetzung Ägyptens, denn die dortigen bürgerkriegsähnlichen Zustände scheinen eine gute Gelegenheit zu sein (S.197).

1155 ca.?
Syrien: Ayyub, Vater von Saladin, wird Kommandant über die Zitadelle von Baalbek, ein ehemaliger Tempelbezirk.
(S.200)

1160
Kairo: Tod des 11-jährigen ägyptischen Kalifen al-Fa ‘iz - Nachfolger: der 9-jährige al-’Adid
Wesir Tala ‘i’ b. Ruzziq bleibt als staatsleitende Figur im Amt (S.197).

1161
Kairo: Ermordung des ägyptischen Wesirs Tala ‘i’ b. Ruzziq
durch einen Anschlag. Ägyptens Politik wird uneinheitlich, weil ohne Führungsfigur. Alle umliegenden Staaten versuchen, Ägypten für sich zu gewinnen oder zu besetzen. Syrien, Königreich Jerusalem und auch Byzanz mit König Manuel spannen Intrigen oder planen Invasionen (S.197).

um 1161
Ägypten: Kampf im Kalifenhof um den Wesirsposten
Die einzelnen Kandidaten und Möchtegerne werden zum Teil von syrischer oder christlicher Seite unterstützt (S.198).


Syrische Militärdiktatur und Herrschaft Saladins in Ägypten - ägyptische Besetzung Syriens und Handelsbeziehungen zu italienischen Republiken - Lehenssystem für Kairos Soldaten - christliche Angriffe gegen Ägypten scheitern, "heiliger Krieg" und ägyptische Besetzung Jerusalems - Akkon neue Christenhauptstadt - die drei Neffen Saladins - Mongolensturm und ägyptische Tronkriege - Mamluken-Militärherrschaft

Zusammenfassung
Die Kreisläufe der militärischen Gewalt wiederholen sich. Abwechselnd wird Ägypten christlich und syrisch besetzt. Erst Saladin kann mit einer Vetternwirtschaft die Ruhe herstellen, um mit italienischer Hilfe Armee und Flotte neu aufzubauen und Nubien zu besetzen. Während eines Nachfolgestreits in Damaskus kann Kairo seine Macht in Syrien bis Aleppo ausdehnen und erstmals auch vom Handel der "Seidenstrasse" profitieren. Friedensverträge mit den Christen sichern ihm die Zeit zum Heeresaufbau mit einem neuen Lehenssystem. Eine christliche Invasion ans Rote Meer gelingt, aber nicht bis zum Umschlagplatz Ägyptens, so dass der Indienhandel für Kairo intakt bleibt. Als eine ägyptisch-syrische Karawane bei al-Karak überfallen wird, ruft Saladin den "heiligen Krieg" gegen die Christen aus und zerschlägt in kurzer Zeit das Königreich Jerusalem. Neue christliche Kreuzzüge bringen nur die Eroberung von Akkon, der Durchbruch nach Jerusalem gelingt nicht. Nach einem Friedensvertrag lässt Saladin die Stadtmauer Jerusalems schleifen. Die Geschehnisse unter den drei Neffen Saladins sind ähnlich. Ägypten und die italienischen Seefahrerstaaten profitieren voneinander in ungeahnten Ausmassen. Jerusalem wird als Prestigeobjekt an die christliche Seite zurückgegeben. Päpstliche Halsstarrigkeit verhindert die Restitution des ganzen Königreichs. Nach dem Tod des letzten Neffen fällt Kairo in Tronkriege und Anarchie. Palästina und Jerusalem werden abwechselnd muslimisch und christlich besetzt, während Kairo erste Mamlukengarden zur Stabilisierung der Macht aufstellt. Eine Mongoleninvasion bedroht gleichzeitig ganz Asien. Nach einem Sieg gegen Christen in Damiette und gegen die Mongolen in Syrien ergreifen die Mamluken mit einer Revolte gegen den schwachen Kairoer Kalifen die Macht. Die Profiteure des Feindbildes zwischen Christen und Muslimen aber scheinen die italienischen Seerepubliken zu sein, die weiter beide Seiten unterstützen. Damit untergraben sie nicht nur die Bestrebungen Roms, sondern verhelfen dem Islam insgesamt auch gegenüber Dritten zum Überleben.

Chronologie (Fortsetzung)

Mitte 1161 ca.
Jerusalem-Byzanz: Christlich-byzantinischer Besetzungsplan gegen Ägypten
Bischof Wilhelm von Tyros verhandelt in Byzanz mit dem dortigen Kaiser Manuel über eine gemeinsame Besetzung Ägyptens (S.197).

Ende 1161
Kairo: Tribut an das "christliche" Jerusalem
Kreuzfahrerkönig Amalrich bedroht Ägypten mit einem grossen Heer. Der ägyptische Wesir kann sich der Bedrohung nur durch einen Tributvertrag entziehen, worin die jährliche Zahlung von 160’000 Dinar festgeschrieben wird (S.198).

1162
Ausbleibender ägyptischer Tribut - europäisch-christliche Invasion bis an den Nil
Die ausbleibende Tributzahlung Ägyptens gibt dem Kreuzfahrerkönig Amalrich den Vorwand, eine Ägypten-Invasion zu starten. Der Einmarsch kommt bis Bibays, weiter jedoch nicht, weil die Nilüberschwemmung dies verhindert.

Die europäisch-christliche Invasion provoziert eine verstärkte militärische Zusammenarbeit zwischen Ägypten und Syrien mit Ziel der Besiegung der "christlichen Kreuzfahrerstaaten" in Palästina (S.198).

1163
Kairo: Vertreibung eines Kairoer Wesirs Wawar - Flucht nach Aleppo und Armeeaufbau gegen Ägypten
Der ägyptische Wesir Wawar wird aus Kairo vertrieben. Er findet in Aleppo Zuflucht und bekommt von Emir Nur ad-din Mahmud Hilfe für eine neue Armee gegen Ägypten unter Führung des kurdischen Offiziers Sirkuh (S.198).

1164
Syrische Invasion gegen Ägypten gelingt
Das Heer des einstigen ägyptischen Wesirs Sawar unter Befehl des kurdischen Offiziers Sirkuh kann Kairo besetzen. Wesir Sawar kann sich am Kalifenhof wieder als Wesir einsetzen. Gleichzeitig möchte er aber den "lästigen" kurdischen Offizier nun loswerden und ruft hierfür König Amalrich von Jerusalem nach Ägypten (S.198).

Ende 1164
Besetzung Ägyptens durch die Truppen von König Amalrich von Jerusalem
Die syrischen Truppen in Bilbays werden zum Abzug gezwungen (S.198).

1167
Ägypten: Erneute syrische Invasion gegen Ägypten unter dem kurdischen Offizier Sirkuh - Ägypten wird Protektorat von Jerusalem
Syrische Invasion mit türkischen und kurdischen Reitern. Wieder ruft der Wesir Sawar König Amalrich zu Hilfe. Die Truppen Jerusalems besetzten ganz Ägypten und vertreiben die syrischen Truppen auch aus Oberägypten/Nubien in den Sudan.

Ägypten ist faktisch ein Protektorat des europäisch-christlichen Königreichs Jerusalem. Wesir Sawar muss die Heerzüge von König Amalrich bezahlen, jährlichen Tribut an Jerusalem entrichten und fränkische Truppen und "eine Art Kommissar" des Königs in Kairo zulassen (S.198).

1168
Ägypten: Eigenwillige Invasion von König Amalrich gegen Ägypten - ägyptischer Hilferuf an Syrien
König Amalrich entschliesst sich in Abstimmung mit Byzanz zur nochmaligen "endgültigen" Besetzung Ägyptens, die gegen den Vertrag mit dem Wesir Sawar verstösst. Die Herrschaftsansprüche werden unverhohlen gezeigt und die Stadt Bilbays erstürmt.

Wesir Sawar in Ägypten ruft nun das syrische Heer zu Hilfe, worauf Emir Nur ad-din Mahmud das syrische Heer unter Offizier Sirkuh neu ausrüstet und gegen den Jerusalemkönig Amalrich ausschickt. Endlich ist die gemeinsame Koalition gegen die europäischen Christen geglückt (S.198).

Ende 1168
Syrische Besetzung Ägyptens unter Offizier Sirkuh
(S.198)

Jan 1169
Abzug des "christlichen" Heeres von Jerusalem aus Ägypten
(S.198)

Feb 1169 ca.
Kairo: Ermordung von Wesir Sawar - neuer Wesir Offizier Sirkuh
Ermordung von Wesir Sawar von Ägypten unter "ungeklärten Umständen"
Der Kalif ernennt den kurdischen Offizier Sirkuh zum Wesir, weil dieser die militärisch grösste Macht im Land darstellt (S.198-199).

23.3.1169Kairo: Tod des Offiziers und Wesirs Sirkuh - Nachfolger wird dessen Neffe Salah ad-din (Saladin) Yusuf b. Ayyub
in Übereinstimmung mit der grossen Mehrheit der syrischen Offiziere, denn Salah ad-din Yusuf hatte sich 1168 beim Ägyptenfeldzug militärisch ausgezeichnet.
Salah ad-din Yusuf führt ein "syrisches Regime" in Kairo, und der Emir in Aleppo, Nur ad-din Mahmud, erwartet nun ein Zusammengehen gegen die europäisch-christlichen Invasoren (S.199).

Aug 1169
Kairo: Aufstandbekämpfung von Wesir Saladin
Salah ad-din Yusuf muss mit seinen Truppen aufständische ismailisch-kalifische Schwarzen-Regimenter und armenische Bogenschützen-Regimenter niederwerfen, um am Kalifenhof die Entscheidungsgewalt zu behalten (S.199).

Währenddessen wird Salah ad-din Yusuf dauernd vom Kalifen in Bagdad und vom Emir in Aleppo bedrängt, endlich die europäisch-christlichen Fürstentümer zu zerschlagen, aber Salah ad-din Yusuf will sich noch nicht auf ausserägyptische Operationen wagen, wei l er einen sofortigen Umsturz gegen seine Person befürchtet (S.199).

ab 1169
Ägypten-Syrien: Saladins Vetternwirtschaft
Saladin kann sich auf die Loyalität eines grossen Verwandtenkreises stützen, verteilt Posten in Militär und Administration. Dies ist eine Neuerung gegenüber der fatimidischen Praxis, wo die Söhne des Kalifen nie eine Staatsfunktion übernehmen durften, aus Angst vor Streit und Staatsteilungen, aus "Sorge um die Unteilbarkeit der charismatischen Imamswürde". Saladin verteilt Posten an zwei ältere und drei jüngere Brüder und deren Familien, an vier eigene Söhne und deren Familien, sowie an den Onkel Sirkuh und dessen Familie (S.205).

Unter Saladin wächst zum ersten Mal eine Clan-Regierung heran. Die Streitereien um eine etwaige Nachfolge sind vorprogrammiert (S.205). Saladin hält sich solange dauernd in Syrien auf (S.203).

ab 1169
Salah ad-din Yusuf formiert die Armee neu nach syrischem Vorbild (201) und lässt eine ägyptische Flotte aufbauen (202).

1171
Kairo: Sturz des Kalifen durch Wesir Saladin - neue sunnitische Richter
Salah ad-din Yusuf lässt das in den Augen des Emirs von Aleppo und Bagdads ketzerische ismailitische Kalifensystem in Kairo stürzen. Er lässt alle ismailitischen Richter durch sunnitische Richter ersetzen (S.199).

10.9.1171
Kairo: Huldigung an Bagdad
Im Freitagsgebet in Alt-Kairo wird dem abbasidischen Kalifen in Bagdad al-Mustadi’ gehuldigt. Der ismailitische Zusatzruf "Auf zum besten Tun" wird unterlassen (S.199).

13.9.1171
Tod des 19-jährigen Fatimidenkalifen al-’Adid ohne Kinder - Ende der Ismailiten/ Fatimiden
Im Freitagsgebet wird nun auch in Neu-Kairo dem abbasidischen Kalifen gehuldigt und die Lehrsitzungen eingestellt.

Salah ad-din Yusuf ordnet die Prägung neuer Münzen an mit dem Namen des Abbasidenkalifen und des Emirs von Aleppo. Das Kairoer ismailitische Kalifat ist damit gestorben und Bagdad wird wieder unbestrittene muslimische Hauptstadt (S.199).

1173
Nubien: Turansah, der Bruder von Salah ad-din Yusuf b. Ayyub, besetzt Nubien.
(S.201-202)

Syrien: Steuerstreit mit Kairo
Emir Nur ad-din verlangt Einsicht in Kairos Steuerbücher, bekommt sie aber nicht. Der Streit um nicht bezahlte Abgaben droht zu eskalieren (S.202).

Ägypten-Pisa: Pisa verpflichtet sich zu Eisen-, Holz- und Pechlieferungen an Ägypten
[Pisa macht doppelten Profit: mit den "christlichen" Kreuzfahrern und mit der muslimischen Seite gleichzeitig] (S.212).

1174
Ägypten: Jemenexpedition zur Machtdemonstration
Turansah marschiert von Kairo über Medina und Mekka nach Jemen zur "Absicherung" des Indienhandels (S.202).

Syrien: Tod von Nur ad-din - Streit um die Nachfolge des 11-jährigen Sohnes as-Salih
Salah ad-din Yusuf will die Wirren um die Nachfolge in Damaskus nützen, um in Syrien an Einfluss zu gewinnen, und bereitet einen Feldzug vor (S.202).

Sept 1174 ca.
Kairo: Salah ad-din Yusuf rechtfertigt seinen Besetzungsplan gegen Damaskus gegenüber Bagdad
dass er die zerstrittenen Muslime in Syrien "einigen" wolle und dies für einen "heiligen Krieg" gegen die "Ungläubigen" (Christen) notwendig sei (S.202).

Okt 1174
Damaskus: Ägyptische Invasion
Salah ad-din zieht mit 700 Reitern über Bosra nach Damaskus und besetzt Damaskus fast kampflos. Hims und Hamah ergeben sich (S.202).

ab Ende 1174
Aleppo: Belagerung durch Salah ad-din Yusuf.
(S.202)

Mai 1175
Aleppo/Damaskus-Kairo: Abkommen
zwischen Salah ad-din und Syrien: Saladin regiert Damaskus und Nordsyrien bis Hamah und Ma ‘arrat an-Nu’man, muss aber as-Salih als nominellen Oberherrn anerkennen (S.202).

Bagdad-Kairo: Der Kalif von Bagdad sendet Saladin ein "Diplom", das ihm die Usurpation der Herrschaft über Syrien und Ägypten legitimiert
(S.202)

ab Mai 1175
Aleppo: ägyptischer Profit von der "Seidenstrasse"
Damit ist für Ägypten der Anschluss an die "Seidenstrasse" nach Bagda-Samarkand- China geschafft. Gleichzeitig kann der Handel über die Burg Sahyun und die Häfen Latakia und Gabala/Gibel/Zibel nach Europa abgewickelt werden. Ägypten erhebt hier alleine alle Zölle und Hafengebühren, vor allem für den Handel mit Seide und Baumwolle. Venedig beginnt sich an diesem Handel zu engagieren (S.212).

ab 1175
Kairo-Jerusalem: Waffenstillstand für Zeitgewinn gegen die Christen in Palästina
Salah ad-din Yusuf schliesst einen Waffenstillstandsvertrag mit den Franken, um seine Macht auch nach Nordsyrien und dem oberen Mesopotamien, Gazira, auszubauen. Saladin wiederholt damit die Politik von Nur ad-din (202). Nur mit dem mesopotamischen Hinterland ist der "heilige Krieg" gegen die Christen möglich. Die Kette der syrischen Städte reicht dafür nicht aus (202f.). Saladin hält sich solange dauernd in Syrien auf (S.203).

1176-1181
Kairo: Einführung des Lehenssystems für Kairoer Soldaten - Verarmung des Landes, Reichtum in Kairo
Salah ad-din lässt das iqta-System einführen, die Zuteilung von Lehen an Soldaten als Soldatensold. Ein grosser Teil des Landes muss zu diesem Zweck neu bewertet und verteilt werden. Der Soldat erhält Steuereinzugsrecht auf der Länderei, muss aber alle Ausgaben, die er in einem Feldzug hat, selbst bestreiten. Gleichzeitig entgehen dem Staat Einnahmen, und grossflächige private Schutzherrschaften entstehen. Einige Ländereien lässt Saladin als "Kronland" definieren (hass), so dass sie nicht vergeben werden können (S.201).

Ab der Lehensvergabe fliessen konzentriert grosse Teile der Steuern an die Lehensherren, die alle ihren Sitz in Kairo haben. Das Land verarmt, Kairo wird übermässig reich (S.201).

1177
Ägypten-Genua: Handelsvertrag
[Auch Genua macht nun doppelten Profit: mit der "christlichen" und der muslimischen Seite gleichzeitig] (S.213).

ab 1177
Kairo: Salah ad-din Yusuf führt den Titel "Wiederbeleber der Herrschaft des Befehlshabers der Gläubigen" / "muhyi dawlat amir al-mu ‘minin"
Gegen "Kreuzfahrer" unternimmt er jedoch kaum etwas ausser ein paar "Scharmützeln" wie Flottenangriffe auf palästinensische Häfen und zwei erfolglosen Landangriffen gegen al-Karak (heute Jordanien), das die Karawanenroute zwischen Ägypten und Syrien bedroht (S.202).

Durch die Duldung eines modus vivendi mit den Kreuzfahrern erhalten Saladin und seine Nachfolger keinen guten innerislamischen Ruf (S.239).

1180
Kairo-Jerusalem: erneuter Waffenstillstandsvertrag
(S.202)

ab 1180ca.
Europäisch-christliche Invasoren versuchen, Ägypten zu blockieren
Von den südlichsten Kreuzfahrerburgen aus - Karak und Sawbak, südöstlich des toten Meeres - versuchen die europäisch-christlichen Invasoren, in Richtung Rotes Meer mit Ziel den Indienhandel Ägyptens zu unterbrechen und eventuell an sich zu reissen (S.195).

1181
Ägypten: Stand des ägyptischen Heeres: "Heeresrolle"Nach der "Heeresrolle" besteht das ägyptische Heer aus 111 Offizieren, 6976 Reiter (tawasi) mit Reiterknechten (mamluk), 1553 Mann leichte Kavallerie (qaragulam), Beduinen an den Rändern des Nildeltas und im Sinai, sowie aus freiwilligen Glaubenskämpfern (gazi) (S.201).

1182-1183
Jerusalem-Ägypten: Versuch der europäisch-christlichen Invasoren zur Besetzung des Roten Meeres scheitert
Der "Kreuzfahrerfürst" Rainald (kein Druckfehler!) von Châtillon, der "Herr von Oultrejourdain", unternimmt von Ayla (al-’Aqaba) aus einen Flottenraubzug entlang der Küste des Roten Meeres bis ‘Aydab. Die Bedrohung des ägyptischen Rotmeerhafens und die Blockade des ägyptischen Indienhandels gelingt jedoch nicht, da der Hafen zu weit südlich liegt (S.195).

1183
Kairo-Jerusalem: erneuter Waffenstillstandsvertrag
(S.202)

Damaskus-Ägypten: Sturz der Zengiden durch Wesir Saladin
Salah ad-din Yusuf kann die Herrschaft der Zengiden in Damaskus stürzen und lässt ganz Mesopotamien besetzen: Edessa/ar-Ruha, Harran, Mardin, Singar, Nasibin, Amid/Dyarbakir, und nach mehrwöchiger Belagerung auch Aleppo. Der 20-jährige Zengide as-Salih muss abtreten (S.203).

ab 1183
Zitadelle für Kairo
Salah ad-din Yusuf lässt durch seinen Mamluken Qaraqus die Zitadelle Kairos auf einem der Ausläufer des Muqattam erbauen (S.201).

1185
Kairo-Jerusalem: erneuter Waffenstillstandsvertrag
(S.202)

1186
Mossul: Der zengidische Emir von Mossul anerkennt Saladin als Oberherr.
(S.203)

Jan 1187
Al-Karak, Jerusalem: Überfall auf Karawane bei al-Karak
Rainald von Châtillon lässt von al-Karak aus (heute Jordanien) eine syrisch-ägyptische Karawane überfallen.
Saladin fordert vom König von Jerusalem, Guy de Lusignan, Genugtuung, bekommt sie aber nicht (S.203).

Juni 1187 ca.
Kairo: Saladin ruft den "heiligen Krieg" gegen die Kreuzfahrer aus
Saladin nimmt den Überfall auf die syrisch-ägyptische Karawane bei al-Karak zum Anstoss für die Kriegserklärung gegen das Königreich von Jerusalem und beginnt mit dem Zusammenziehen seiner Truppen im Golan/Gawlan sowie mit der Aufstellung des ganzen ägyptischen Heeres (S.203).

Ende Juni 1187 ca.
Kairo: ägyptisch-syrische Besetzung von Tiberias, Belagerung der Zitadelle
(S.203)

3.7.1187
Kairo-Jerusalem: Kreuzfahrerheer erreicht Tiberias nicht
König Guy de Lusignan lässt das Kreuzfahrerheer in Galiläa in Marsch setzen. Bei der glühenden Sommerhitze aber erreicht das Heer Tiberias nicht, auch nicht den See Genezareth (S.203(.

4.7.1187
Königreich Jerusalem: Niederlage gegen ägyptisches Heer
Das muslimische ägyptisch-syrische Heer zersprengt beim Dorf Hattin das Kreuzfahrerheer von König Guy de Lusignan. Der König, der Grossmeister des Templerordens und Rainald von Châtillon geraten sogar in Gefangenschaft. Rainald von Châtillon und die Angehörigen der Ritterorden werden hingerichtet. Das Feldheer des Königreichs Jerusalem ist vernichtet. Guy de Lusignan darf im Namen Jerusalems verhandeln (S.203).

5 7.1187
Tiberias: Kapitulation der Zitadelle, ägyptisch-syrische Besetzung
(S.203)

9.7.1187
Akkon: kampflose Übergabe an ägyptisch-syrische Truppen
(S.203)

ab Mitte Juli-Aug 1187 ca.
Palästina: Saladin lässt christliche Burgen und Städte kampflos einnehmen
Nazareth, Nablus, Baysan, Jericho, Ramla, Hebron, Gaza, und die Hafenstädte von Haifa bis Beirut, die mit der ägyptischen Flotte bezwungen werden (S.203)

1187
Askalon: Kapitulation. König Guy de Lusignan von Jerusalem erkauft sich damit die Freiheit.
(S.203)

Sept 1187 ca.
Königreich Jerusalem: Ankunft von Verstärkung aus Europa in Tyros
Tyros kann sich gegen die ägyptisch-syrischen Truppen verteidigen (S.203).

1.10.1187
Jerusalem: Besetzung durch ägyptisch-syrische Truppen
ist für Salah ad-din Yusuf ein wertvoller Prestigeerfolg, strategisch und wirtschaftlich aber nicht sehr bedeutend. Saladin