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Islam-Chronologie: 7. Französischer und englischer Kolonialismus im vorderen Orient

und Ägypten ab 1914 -
Unabhängigkeit der Türkei ab 1918 -

Unabhängigkeiten, Israel und Ölmacht 1948-1986

von Michael Palomino (2000 / 2005 / 2010)

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aus: Ulrich Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt"; C.H.Beck-Verlag, München 1987

Unter Mitwirkung von Ulrich Haarmann: Einleitung (S.9f.)
-- Albrecht Noth: Früher Islam (S.11-100)
-- Tilman Nagel: Das Kalifat der Abbasiden (S.101-165)
-- Heinz Halm: Die Fatimiden (S.166-199)
-- Heinz Halm: Die Ayyubiden (S.200-216)
-- Ulrich Haarmann: Der arabische Osten im späten Mittelalter 1250-1517 (S.217-263)
-- Hans-Rudolf Singer: Der Maghreb und die Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang des Mittelalters (S.264-322)
-- Barbara Kellner-Heinkele: Der arabische Osten unter osmanischer Herrschaft 1517-1800 (S.323-364)
-- Alexander Schölch: Der arabische Osten im neunzehnten Jahrhundert 1800-1914 (S.365-431)
-- Helmut Mejcher: Der arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985 (S.432-501)
-- Peter von Sivers: Nordafrika in der Neuzeit (S.502-592)

ergänzende Daten-Angaben aus
Hermann Kinder/Werner Hilgemann: (dtv-Atlas der Geschichte, München 1986



Chronologie

Englands Profite und Exportboom in Mesopotamien und Ägypten - Aufstands- vorbereitungen gegen die "Turkifizierung" ohne Dschihad - englische Sicherheitsgarantien für arabische Territorien gegen das osmanische Reich - englisches Protektorat und Kriegswirtschaft gegen Unabhängigkeit Ägyptens - arabische Geheimgesellschaften - englische Doppeldiplomatie für und gegen ein muslimisches Reich - Unterdrückung Armeniens - Libanons Seidenindustrie durch japanische Konkurrenz ruiniert - russisch-türkischer Krieg um Armenien - Krieg auf der Arabischen Halbinsel - russische Revolutionen - Balfour-Declaration

Zusammenfassung
Englands Ökonomisten pressen bis 1914 aus Mesopotamien und Ägypten grösste Exportkapazitäten heraus. Inzwischen hoffen die verschiedenen Seiten im Osmanischen Reich auf eine osmanische Niederlage im aufziehenden Weltkrieg. Vor allem die arabische Seite bereitet  Aufstände gegen die "Turkifizierungs- Diktatur" vor. Hedschas verweigert Konstantinopel gleichzeitig die Ausrufung eines grossen "heiligen Krieges" gegen England und Frankreich. England setzt sich mit Truppen in Mesopotamien und Zypern fest.

Zur Unterdrückung von Unabhängigkeitsbewegungen wird über Ägypten und Kuwait das Protektorat verhängt. Die Kriegswirtschaften bringen Inflation und Bereicherung der Grossgrundbesitzer. Mit Hedschas und Riad pflegt England gleichzeitig willkommene Bündnisse. Die Aufstände gegen die Osmanische Herrschaft gelingen, und der Traum des englischen Aussenministeriums von einer englischem Kolonialreich Ägypten-Indien scheint realisierbar. Im Libanon flüchten derweil die jungen Männer vor der Arbeitslosigkeit und schicken einen Grossteil des Staatshaushaltes vom Ausland herein. Die Seidenwirtschaft ist durch japanische Konkurrenz ruiniert.

England spielt der arabischen Welt im Husayn-McMahon-Abkommen den Bündnispartner für ein muslimisches Reich vor, legt aber im geheimen Sykes-Picot-Abkommen mit Frankreich die "Aufteilung" des Vorderen Orient schon vor Kriegsabschluss fest. Russland besetzt derweil Armenien und Persien, wird jedoch von den Osmanen wieder zurückgeschlagen. Die Türkei beginnt selbst mit der Unterdrückung der Armenier. Scherif Husayn wird nach gelungenem Aufstand "König des Hedschas" und ist mit aggressiven Wahhabiten konfrontiert.

Während Konstantinopel letzte Justizreformen im Sinne Europas bekannt gibt, bricht im Februar 1917 die Revolution aus. Die Kapitalisten der Welt geraten in Panik. Die Revolutionäre geben Dokumente über das geheime Sykes-Picot-Abkommen heraus. England besetzt Bagdad und Persien. Um die "USA" in ein Engagement hineinzuziehen, das den Ausfall des russischen Bündnispartners kompensieren sollte, verkündet der englische Aussenminister die pro-jüdische "Balfour-Declaration". Somit brüskiert England nach dem Sykes-Picot-Abkommen die muslimische Welt ein zweites Mal.

Chronologie

bis 1914
Mesopotamien: Bewässerungsbauten - Exportboom zugunsten Englands
Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfläche durch Bewässerung um das 10-fache seit 1869 [mit sklavenähnlichen Anstellungsverhältnissen in der Landwirtschaft?] (S.409). Basra verdreifacht seine Exporte seit Anfang der 1880-er Jahre, die in englischer Hand liegen (S.418).

Palästina/Zionismus: Es existieren 47 jüdische Siedlungen mit ca. 12’000 Einwohnern
-- davon werden 14 Siedlungen von zionistischen Organisationen unterstützt
-- die jüdische Bevölkerung beträgt insgesamt 85’000, 12,3 % der Gesamtbevölkerung von 689’000 (S.430).

Ende Juli 1914
Vorderer Orient: Miteinbezug des Osmanischen Reiches in den Krieg Deutschlands und Österreichs - arabische, jüdisch-zionistische und englische Taktiken
Im ganzen Osmanischen Reich weckt der Krieg Hoffnungen auf Unabhängigkeiten, die aber von Frankreich und England torpediert werden:

-- die europäischen Grossmächte Frankreich und England planen die Aufteilung des Osmanischen Reiches nach einem Sieg schon vor Abschluss des Krieges

-- die arabischen Bewegungen hoffen auf Unabhängigkeit
-- die Ägypten hoffen auf den Abzug der britischen Okkupanten

-- die libanesischen Maroniten-Christen hoffen auf einen eigenen Staat Libanon, der von Frankreich protegiert wird

-- die Zionisten hoffen auf ein Bündnis mit den Siegern für die zionistischen Pläne (S.431).

1914
Ägypten: Monokultur Baumwolle
Der Export von Baumwolle und Baumwollsamen macht 92 % des Exportwertes aus, davon 50 % nach England [Hungerlöhne? Sklavenlöhne für die Bauern?]. Durch die Baumwoll-Monokultur wird Ägypten zum Getreideimportland! (S.419)

Syrien/Konstantinopel: Abspaltung der Geheimgruppe "Der Bund" / al-’ahd
von der arabisch-nationalen Qahtan-Gesellschaft mit unzufriedenen syrischen und mesopotamischen Offizieren. Ziel des "Bund" ist politische Autonomie der arabischen Provinzen und Gründung einer arabisch-türkischen Doppelmonarchie nach österreichisch-ungarischem Vorbild (S.427).

[Dabei ist die Doppelmonarchie seit langem im Zerfall begriffen und auch nicht mehr zeitgemäss].

Arabien: Westküste: Eigenständigkeiten in Jemen und ‘Asir
-- Sanaa ist nur noch de jure eine osmanische Provinz
-- das nördlich vorgelagerte arabische Fürstentum ‘Asir "sympathisiert" mit den Briten und bereitet parallel zum Hedschas einen Aufstand gegen die osmanische "Turkifizierung" vor (S.451).

1914 ca.
Arabien: weitere Beduinen werden sesshaft - Versorgungsproblem der ihwan-Dörfer
Stamm der al-’Uraymat schliesst sich den Mutayr an und wird im Tal al-Artawiyya sesshaft, hat bereits Fertigkeiten im Brunnen- und Häuserbau (S.453).

Versorgungsproblem der neuen ihwan-Dörfer/hugar ist der Weizen. Die kriegerischen Traditionen werden beibehalten, die ihwan-Krieger bekommen bald den Nimbus der Unbesiegbarkeit durch ihren religiösen Fanatismus bei Feldzügen gegen weitere Nomaden, die so zur Sesshaftigkeit gezwungen werden. Getötet wird, wer der Aufforderung zum Siedeln im Namen des Islam nicht nachkommt. Gefangennahmen gibt es nicht (S.454).

Mai 1914
Arabien: Dynastiegründung von ‘Abd al-’Aziz durch Konstantinopel bewilligt
‘Abd al-’Aziz erreicht in Konstantinopel in einem "Tauschhandel" die Anerkennung seiner Eroberung der Küstenprovinz al-Hasa:

-- ‘Abd al-’Aziz anerkennt die osmanische Oberhoheit über den Nadschd
-- ‘Abd al-’Aziz wird zum Wali ernannt

-- der Nadschd wird der Familie der Sa ‘ud erblich zugesprochen und die rivalisierende Dynastie der Al Raschid wird ins nördliche Gabal Sammar zurückgedrängt, von wo sie kommt (S.452).

Mitte 1914
Hedschas: Keine Ausrufung eines "heiligen Krieg" gegen die "christlichen Mächte"
Scherif Husayn verweigert die Anweisung Konstantinopels, einen "heiligen Krieg"/Dschihad gegen die christlichen Mächte auszurufen, denn er strebt nach wie vor eine britische Sicherheitsgarantie gegen das Osmanische Reich und gegen die "Turkifizierung" an.

England will aus dieser Konstellation grösstmöglichen Nutzen ziehen (S.441).

Arabien: Die Wahhabiten unter ‘Abd al-’Aziz begrüssen die Vermeidung eines neuen Dschihad und vermeiden eine Einbindung in eine englische Strategie, die sie in Kriege verwickeln würde. Sie streben ein Defensivbündnis gegen Al Raschid an, der sich auf die osmanische Seite gestellt hat (S.455).

28.10.1914
Türkei-Russland: Türkische Marine beschiesst russische Schwarzmeerhäfen
(S.438)

30.10.1914
Kriegseintritt des Osmanischen Reichs an der Seite von Deutschland und Österreich
(S.427). Die arabischen Staaten hoffen auf eine Niederlage des Osmanischen Reichs, so dass Unabhängigkeiten möglich sein werden (S.427-428) mit Hoffnungen auf Unterstützung der Unabhängigkeiten durch Frankreich und England, wobei gleichzeitig auch die Eroberungsstrategien Englands und Frankreichs gesehen werden (S.428).

Okt 1914
Arabien: Die Dynastie von Al Raschid im Gabal Sammar stellt sich auf die osmanische Seite
(S.455)

31.10.1914
England: Sicherheitsgarantie für Hedschas
(S.441)

ab Okt 1914
Vorderer Orient: Planmässige Revolutionsunterstützungen Englands und Deutschlands
-- gegen das Osmanische Reiches (S.437)
-- England kann den Hedschas gegen das Osmanische Reich unterstützen
-- England erhofft sich durch Revolutionen gegen das Osmanische Reich militärische Entlastung im Vorderen Orient (S.437-438).

Die Entente [wie auch die Mittelmächte] unterstützen Revolutionen in kolonialen Imperien als Kriegsmittel, da dann die militärischen Kräfte des Gegners an vielen Stellen gebunden werden.

Die Agenten der kriegsführenden Mächte werden zu den ersten Guerillaführern, am bekanntesten: der Brite Lawrence in Arabien und der Deutsche Wassmuss in Südiran.

Die "Arabischen Bewegungen" müssen alle militärisch-strategischen Kalküle der Entente und der Mittelmächte erkennen und abwehren, um nicht von ihnen manipuliert zu werden (S.438).

2.11.1914
Ägypten: Verkündung des Kriegsrechts unter englischem Kommando
(S.464)

2./5.11. 1914
Kriegserklärungen Englands, Frankreichs und Russlands gegen das Osmanische Reich
(S.438)

Nov 1914
Ägypten: England verzichtet auf die Annexion Ägyptens
England plant die Annexion Ägyptens, die aber mit "Rücksicht auf den französischen Entente-Partner" nicht ausgeführt wird (S.460).

Nov 1914 ca.
Englands Truppen in Mesopotamien und Zypern
-- Mesopotamien-England: Landung eines britischen Expeditionskorps in Südmesopotamien
-- Annexion Zyperns.

England unternimmt damit eine völkerrechtliche und diplomatische "Festigung" seiner Position im Vorderen Orient (S.438).

Dez 1914
England erklärt Ägypten und Kuwait zu Protektoraten
und plant, das Osmanische Reich mit der Strategie eines "quick kill" schnell auszuschalten, um den deutsch-türkischen Plan eines Vormarsches zum Suezkanal zu verhindern. Dadurch würde eine englisch-arabische Allianz überflüssig werden (S.438).

Ägypten wird deswegen Protektorat, weil dort eine starke Unabhängigkeitsbewegung existiert. Das Protektorat erscheint den ägyptischen Strömungen als vorläufige Kriegsmassnahme.
Englands Politik weiss genau, wie sie die arabische Welt manipulieren muss. In Hedschas mit schwacher Unabhängigkeitsbewegung wird ein Bündnis geschlossen (S.460). Auflösung der gesetzgebenden Versammlung Ägyptens (S.462).

Das Protektorat in Ägypten schafft klare Fronten gegen Konstantinopel:
-- Kriegsrecht und Kooperation der Regierung von Husayn Ruschdi
-- der Suezkanal soll britisch bleiben
-- Ägypten wird logistische Basis Englands und Nachschubbasis
-- Aufhebung der osmanischen Oberhoheit
-- Ersetzung von Khediv ‘Abbas Hilmi II. durch Husayn Kamil, ein Kollaborateur
-- der britische Hochkommissar übernimmt die Aussenpolitik (S.461).

1914-1918
Hedschas: Hedschas politisiert gegen Konstantinopel
Emir Husayn b. ‘Ali, der 1908 noch von den Jungtürken als Emir eingesetzt worden war, wendet sich nun gegen Konstantinopel und wird zur "Galionsfigur" der arabischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die türkischen Nationalisten (S.423).

ab 1914
Osmanisches Reich: arabische Aufstände gegen die jungtürkische Diktatur

(S.435). Dabei befinden sich die muslimischen nationalen Bewegungen, die eine Nationenbildung der "arabischen Nation" anstreben, im Widerspruch zum Islam (S.433),
.
[weil der Begriff "Nation" nicht im Islam vorkommt. Die Bewegungen streben nach etwas, was sie dann schliesslich doch nicht befürworten werden].

Arabien: englisches Bündnis mit Riad
Britisch-indische Regierung unterstützt Wahhabiten in Riad unter Abd al-’Aziz durch Hilfszahlungen/ Subsidienzahlungen in al-Hasa am Persischen Golf als Gegengewicht zum Osmanischen Reich (S.451).

England: Traum vom Kolonialreich Ägypten-Indien
Aussenminister Curzon vom Foreign Office träumt von einem mit Britisch-Indien verschränkten britischen Vizekönigtum Ägypten (S.464).

[Damit hätte England gleich den halben Welthandelsprofit in den eigenen Taschen].

1915
Libanongebirge-"Handelskolonien"
Verdiensttransfer ins Heimatland: Schätzungen besagen, dass bereits 40 % der Einkommen von Emigranten in "Handelskolonien" stammen (S.417-418), so viel, wie die Seidenindustrie und die Landwirtschaft zusammen (S.418).

Anfang 1915 ca.
Osmanisches Reich/Arabische Bewegung: Zentrale in Damaskus
Verlegung der Zentrale der arabischen Geheimgesellschaft al-fatat von Konstantinopel nach Damaskus. Beide Geheimgesellschaften al-fatat und al-’ahd haben über den Sohn von Scherif Husayn, Faysal, Kontakt nach Mekka.
Al-fatat verkündet dem Scherif Husayn in Mekka über seinen Sohn Faysal die Bereitschaft zum Aufstand in Syrien und Mesopotamien (S.441).

ab Jan 1915
Ägypten: Besatzungsregime, englische Kriegswirtschaft und Versklavung

-- rigorose Kriegsbewirtschaftung mit Bewirtschaftung von jedem Winkel bebaubaren Agrarlandes, wobei die Bevölkerung nur das Existenzminimum zugestanden wird

-- die starke Nachfrage und die hohe Kaufkraft der Empire-Truppen und Requisitionsmassnahmen treiben die Lebenshaltungskosten in die Höhe: die Getreidepreise steigen

-- die steigenden Baumwollpreise, die den Bauern zugute kommen könnten, werden mit einem britischen Interventionsbeschluss auf niedrigem Niveau gehalten, so dass die Bauern verarmen

-- Aushebung der ägyptischen Bevölkerung zur Zwangsarbeit im System des britischen Nachschubs/"Etappe" und ausserhalb Ägyptens ist alltäglich (S.461).

Die Grossgrundbesitzer und deren Verwalter werden zum verlängerten Arm der Kriegswirtschaft und können Gewinne anhäufen, die aber wegen des Krieges nicht in den Ausbau von Bewässerung oder Mechanisierung verwendet werden können (S.461).

Ägypten: Inländische Handwerker und Händler profitieren, weil die bis anhin freie ausländische Konkurrenz endlich ausbleibt
-- Erweiterung von Kapazitäten und Neugründungen mit hohen Umsätzen, wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit den Grossgrundbesitzern
-- es entsteht eine neue ägyptische Mittelschicht von kleinen und grossen Unternehmern (S.461).

Anfang 1915
Arabien: Krieg zwischen Wahhabiten und Al Raschid - Wahhabiten verlieren Boden
-- Kämpfe zwischen Truppen von ‘Abd al-’Aziz und Al Raschid mit Vorteilen für Al Raschid.
-- in der Folge wendet sich ‘Abd al-’Aziz noch entschiedener an England für eine Protektion (S.455).

1915
Arabien/Riad: ‘Abd al ‘Aziz wird zum Emir des Nadschd ernannt
(S.452); Tributverhältnisse zu den anderen Stämmen und geschickte Heiratspolitik zur Sicherung der Herrschaft (S.459).

19.2.1915
England-Konstantinopel: Beginn der Kämpfe um die Dardanellen
(S.438)

4.3.-10.4.1915
England: Aushandeln eines Abkommens mit Russland für neue Kriegsziele
(S.438)

10.4.1915
England-Russland: Konstantinopel-Abkommen
Russland soll nach einem Sieg die Dardanellen und Teile Nordost-Anatoliens erhalten (S.438).

25.4.1915
Englische Landung auf Gallipoli auf den Dardanellen
als Vorbereitung zum Sturz Konstantinopels (S.438).

April / Mai 1915
England: Bekräftigung der Sicherheitsgarantie für den Hedschas
-- mit dem zusätzlichen Grund, einen Dschihad auf alle Fälle zu blockieren
-- gleichzeitig wird England mit arabischem Misstrauen verfolgt, weil Ägypten inzwischen zum Protektorat erklärt wurde (S.441).

In der Folge gründet England ein englisches "Arabienbüro" in Kairo mit "Experten", u.a. Storrs und Lawrence, die intensive Kontakte zur arabischen Seite zu Vertretern "der arabisch-islamischen Renaissance" pflegen: ‘Aziz ‘Ali al-Misri, Raschid Rida und der Sudanese ‘Ali al-Mirgani:

-- um Vertrauen zu erheischen
-- um die politischen Stimmungen unter den Arabern auszuforschen (S.441).

Mai 1915
Damaskus-Protokoll für ein unabhängiges Arabien - englisches Machtwort über die Levante
Protokoll der beiden arabischen Geheimgesellschaften al-fatat und al-’ahd, von Faysal nach Mekka zu Scherif Husayn gebracht, mit Postulierung eines unabhängigen arabisch-muslimischen Reichs:
-- mit allen muslimischen Ländern des Fruchtbaren Halbmonds ausser Aden und Ägypten
-- ohne definierte Grenze zu Persien
-- mit genau bezeichneter Nordgrenze zu Anatolien entlang des 37.Breitengrads auf der Linie Birecik-Urfa- Mardin-Midyat-Cizre-Amadiya (S.442).

Der Scherif übernimmt die Grenzlinie in seine Verhandlungen. Englands Hochkommissar McMahon sperrt sich dagegen, konsultiert London und postuliert die Einschränkung, dass die Gebiete westlich von Aleppo und Damaskus "nicht rein arabisch" seien und deshalb nicht in ein arabisches Territorium integriert werden könnten:
-- Gebiet um Mersin
-- Gebiet um Iskenderun
-- Libanon
-- Palästina (S.442).

14.7.1915-10.3.1916
Verhandlungen zwischen Scherif Husayn und dem englischen Hohen Kommissar McMahon in Kairo um ein muslimisches Nachfolgereich
-- Verhandlungen um die Staatenbildungen in den muslimischen Territorien des Osmanischen Reiches (S.440)

-- Husayn in Mekka verhandelt über einen Emissär der al-’ahd, Muhammad Sarif al-Faruqi, der zwischen Mekka und McMahon in Kairo die schriftlichen Stellungnahmen hin und her trägt (S.444)

-- zäher Verhandlungsverlauf mit Vertretern der "Arabischen Bewegung", weil die arabische Bewegung unter sich auch nicht einig ist:

oo Scherif Husayn und das nach ihm benannte "hasimitische Lager" findet das Paktieren mit England als das "kleinere Übel" gegenüber den Mittelmächten

oo General ‘Aziz ‘Ali al-Misri und seine Anhänger wollen an einem osmanisch-islamischen Loyalitätsverbund festhalten und gegen die osmanisch-türkischen Garnisonen Autonomien erkämpfen, das muslimische Grossreich aber erhalten (S.440).

Notabeln und Offiziere der arabischen Geheimgesellschaften al-fatat und al-’ahd blicken erwartungsvoll nach Mekka, ergeben sich der Hedschas-Führung unter Husayn (S.441).

Ende 1915 ca.
Osmanisches Reich-Deutschland: Scheitern der deutsch-türkischen Offensive zum Suezkanal unter Militärgouverneur Gamal Pascha. Dieser lässt in der Folge in Syrien und Libanon frankophile und arabische Nationalisten reihenweise aufhängen, darunter auch Mitglieder der Geheimorganisationen al-fatat und al-’ahd
Zusätzlich wird die britische Position erschwert durch

-- englische Niederlage und Abzug von den Dardanellen
-- englische Niederlage in Südmesopotamien mit Kapitulation
-- neue deutsch-türkische Vorbereitungen zu einem Feldzug zum Suezkanal unter Beteiligung von General Falkenhayn (S.442).

Folge-Entwicklungen:
-- in der allgemeinen Panik bleibt die Frage der Nordgrenze eines unabhängigen Arabiens ausgeklammert (S.442)

-- England verheimlicht alle Absprachen mit Frankreich vor den Arabern zugunsten der "französischen Interessen" (S.442-443).

Folge-Entwicklungen:
-- der Nahost-Konflikt ist bereits Ende 1915 vorprogrammiert, auch ohne Israel
-- die Nord-Süd-Verbindung zwischen Syrien und Ägypten ist von Frankreich udn England bereits ohne Israel blockiert (S.443).

26.12.1915
Arabien-England: englischer Schutzvertrag mit den Wahhabiten
ohne militärischen Auftrag für die Wahhabiten, die gegen Al Raschid beinahe verloren hatten. Die Dynastie von ‘Abd al-’Aziz kann einfach den Kriegsausgang abwarten (S.455).

1916
Qatar wird britisches "Quasi-Protektorat"
(S.422)

9.1.1916
England-Konstantinopel: Englischer Abzug von den Dardanellen
-- die Gefahr des osmanisch-deutschen Vorstosses bis zum Suezkanal ist nicht abgewendet
-- eine englisch-arabische Allianz gegen das Osmanische Reich und Deutschland bleibt nötig und ergibt für England zusätzliche Verwicklungen (S.438).

Jan-Apr 1916
Russland-Türkei: russischer Vorstoss in Armenien und Persien
(dtv-Atlas, S.127)

10.3.1916
Kairo/Hedschas/England: Husayn-McMahon-Abkommen: ohne Grenzfestlegung
-- zur Staatenbildung in den arabisch-muslimischen Territorien (S.440)
-- McMahon gibt Scherif Husayn die Zusicherung zum Ausrufen eines Kalifats nach einem englischen Sieg
-- die Staatsgrenzen und Unterteilungen bleiben aber offen (S.444).

April 1916
Armenien und Teile Nordpersiens werden russisch besetzt
(dtv-Atlas, S.127)

Irak: Osmanischer Sieg gegen die englischen Truppen unter General Townshends bei Kut al-’Amara
(S.447)

26.4.-23.10. 1916
England-Russland: Ergänzung des Konstantinopel-Abkommens gegenüber Russland
(S.438)

16.5.1916
England-Frankreich: Geheimes Sykes-Picot-Abkommen zur "Aufteilung" des Osmanischen Reichs
(S.440) ohne die arabische Seite auch nur zu konsultieren (S.442-443).

Einteilung der "Interessenssphären" mit unterschiedlichem politischen Status
-- südliches Mesopotamien und Mittelmeerregionen sollen annektiert werden

-- Syrien und Mittel- und Nordmesopotamien sollen autonomes arabisches Herrschaftsgebiet unter französischer und britischer Kontrolle werden

-- Palästina soll mit Jerusalem als Hauptstadt eine internationale Verwaltung erhalten
-- Haifa soll als wichtiger Hafen britische Enklave sein (S.440)

-- der grösste Teil des Südirak soll englisch annektiert und für den Baumwollanbau "entwickelt" [und versklavt] werden. Die Leitlinie bleibt bis 1918 erhalten (S.447).

5.6.1916
Arabien/Hedschas: Beschluss zum Aufstand gegen das Osmanische Reich
Scherif Husayn leitet die militärisch-arabische Sezession vom Osmanischen Reich ein. Beschluss zum militärischen Aufstand (S.438).

Juli 1916
Hedschas: arabischer Aufstand unter Scherif Husayn
(S.447) gegen das Osmanische Reich (S.455).

Aug 1916
Armenien: Türkische Truppen erobern "Türkisch-Armenien" gegen russische Truppen wieder zurück
(dtv-Atlas, S.127)

Ende 1916
Hedschas: Sieg in Medina - Husayn als "König der arabischen Länder"
Dem Scherifenheer gelingt die Einnahme der türkischen Garnison in Medina ein.
In der Folge lässt sich Scherif Husayn zum "König der arabischen Länder" proklamieren, was aber von der Entente nicht anerkannt wird, obwohl Hedschas aktiv und die Wahhabiten passiv sind und der Sa ‘ud-Familie das Charisma fehlt (S.455).

ab Ende 1916
England-Frankreich: Geheime Abänderung des Sykes-Picot-Abkommen: Neue Kriegsziele
wegen der Kriegsentwicklung (S.440).

ab 1916 ca.
Libanongebirge-Japan: Völlige Ruinierung der Seidenindustrie durch die japanische Konkurrenz
(S.417)

Verherrlichung der Aufstände durch das britische Arabienbüro in Kairo unter Lawrence
-- die Aufstände sind aber nur ein Element unter vielen
-- die muslimischen Gebiete müssen zwischen dem osmanisch-türkischen Diktatur und dem französisch-englischen Imperialismus ihre eigene Linie finden, was eine beinahe unlösbare Aufgabe ist (S.435).

England: Geheimmission von Lawrance im Fruchtbaren Halbmond, auch im Irak
Übernahme der militärischen Zuständigkeit durch London (S.447).

1917
Ägypten: Tod von Khediv Husayn Kamil, Nachfolger: Fu’ ad
(S.461)

3.1.1917
Entente-Hedschas: "König des Hedschas" wird anerkannt - Bürgerkrieg mit Riad als Perspektive
-- Note der Entente mit der Anerkennung eines "König des Hedschas"
-- Scherif Husayn hat seine Anerkennung als "König der arabischen Länder" verfehlt (S.455)
-- die Grundlage zum Konflikt zwischen Hasimiten unter Scherif Husayn und der Sa ‘ud-Dynastie in Riad ist damit gelegt mit dem Ziel der gegenseitigen Vertreibung von der Arabischen Halbinsel (S.456).

1917 ca.
Arabien: Sieg der Wahhabiten gegen Al Raschid und Ausdehnung nach Norden
-- die Wahhabiten besiegen die Al Raschid-Truppen und die mechanisierten Truppen des Hasimiten ‘Abdallah bei Turabo
-- die Wahhabiten besetzen durch ihwan-Krieger das Wadi s-Sirhan bei der transjordanischen Grenze (S.457).

1917
Konstantinopel: Frauenrechte und Einschränkung der Islamisten
-- Verabschiedung eines Familiengesetzes mit grösseren Rechten für Frauen

-- Unterstellung der religiösen Gerichte unter das säkularisierte Justizministerium soll den sozio-kulturellen Dualismus überwinden helfen, tut es aber nicht

-- die Spaltung zwischen "Fortschrittlichen"/"Westler" und "Traditionellen"/"Muslimen" in der Bevölkerung des Osmanischen Reichs bleibt weiter bestehen. Entstehen vieler Zwischengruppen, breite Diskussion, darunter die Gruppe von Atatürk, der eine radikale Europäisierung anstrebt (S.245).

23.2.1917
Russland: Ausbruch der Februarrevolution
(dtv-Atlas, S.129)

März 1917
Irak: englische Besetzung Bagdads
gegen die Osmanen im zweiten Anlauf. Aufruf an die Bevölkerung zu "Ruhe und Ordnung". Mossul soll französische Zone werden. Englische Besatzungsmethoden aus Britisch-Indien werden im Irak übernommen (S.447).

April 1917 ca. / nach Ausbruch der russischen Revolution
England besetzt Persien
(dtv-Atlas, S.127)

Oktober 1917
Russland: Oktoberrevolution - das Sykes-Picot-Abkommen wird bekannt
Die Bolschewiki öffnen die geheimen Archive und veröffentlichen die geheimen Teilungsabkommen Frankreichs und Englands über den Vorderen Orient. Die "Arabische Bewegung" kann am Willen der französischen und englischen Regierung nur wenig ändern. England und Frankreich halten an den Plänen für die Protektorate fest und meinen weiter, sie müssten in islamischen Gesellschaftsstrukturen Staatenbildungen nach europäisch-christlichem Muster "zustandebringen". England unternimmt Beschwichtigungsversuche gegenüber den Arabern (S.443).

2.11.1917
England-Palästina: Balfour-Erklärung als Lockinstrument für ein Eingreifen der "USA" gegen die Mittelmächte - arabische Entrüstung
Der englische Aussenminister Arthur James Balfour gibt eine Erklärung zur Unterstützung einer "jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina" ab, obwohl kaum ein halbes Prozent der jüdischen Weltbevölkerung in Palästina lebt (S.430).

Auch der Zionismus selbst bleibt bis 1933 eine Organisation einer kleinen Minderheit der europäischen und weltweiten Juden (S.431).

Die Balfour-Erklärung kommt für die arabische Welt aus heiterem Himmel. England gibt sich als Verbündeter des Zionismus in Abstimmung mit den Regierungen der "USA" und Frankreichs:

-- für die "Errichtung einer jüdischen Nationalheimstätte in Palästina"

-- die Erklärung soll die "USA", nachdem der russische Verbündete nun ausgefallen ist, auf die Seite der englisch-französischen Entente locken, damit man gegen die Mittelmächte doch noch den Krieg gewinne.
Britische Beschwichtigungsversuche gegenüber den Arabern (S.443).

ab 1917
Die muslimischen Gebiete müssen eine politische Linie finden zwischen
-- osmanisch-türkischer Diktatur
-- französisch-englischem Imperialismus
-- sich ausbreitendem Bolschewismus (S.435, 440)

[wobei weder das eroberische "Christentum" noch der bolschewistische Atheismus in muslimischen Gebieten grosse Chancen haben, was die Europäer nicht sehen oder nicht sehen wollen].


14 Punkte Wilsons - Friede von Brest-Litowsk und Bukarest - Waffenstillstand in Türkei und Frankreich - England und "USA" verweigern Ägypten die Unabhängigkeit - Syriens Seidenwirtschaft am Boden - das europäische Joch zerschneidet die muslimische Nord-Süd-Achse - zionistische Landkarte und Balfour - europäische Besetzungen in der Türkei - Allgemeiner syrischer Nationalkongress gegründet und aufgelöst - französische Besetzung Syriens mit Bombardements - erpresste Verträge von Versailles, St-Germain, Trianon und Sèvres - Aufhebung des Kriegsrechts in Ägypten - der verarmte Orient - Türkei wehrt sich gegen griechische Besetzung - Gründung des Libanons und Jordaniens - englische Besetzung des Irak mit Bombardements - französische Gewaltherrschaft in Syrien

8.1.1918
"USA": Erklärung der 14 Punkte von "US"-Präsident Wilson
(S.440)
-- Abschaffung der Geheimdiplomatie
-- Freiheit der Meere (für die Staaten, die eine Schiffsindustrie besitzen)
-- Freiheit der Weltwirtschaft (für die Staaten, die das Investitionskapital besitzen)
-- Rüstungsbeschränkung

-- Regelung der kolonialen Ansprüche (für die Staaten, die die todbringendsten Truppen haben)
-- Räumung Russlands durch die Mittelmächte
-- Regelungen für Europa, Belgien, Polen, Elsass-Lothringen und die Völker der Donaumonarchie und des Balkans

-- Unabhängigkeit der Türkei
-- Öffnung der Meerengen (Dardanellen)
-- Autonomie der nichttürkischen Völker des Osmanischen Reiches (dtv-Atlas, S.131)

[-- komischerweise anerkennt die "USA" die Indianer nicht als eigene Völker
-- und die Völker in Asien und Afrika sollen keine "Regelungen", sondern Kolonialbesetzungen erhalten
-- und ein Israel oder wenigstens eine Anspielung auf ein Israel soll es auch nicht geben

->> insofern bergen die 14 Punkte von Wilson ein grosses Konfliktpotential
->> und an den "Universitäten" wird weiter der Rassismus-Darwinismus gelehrt].

Mitte Jan 1918 ca.
Erneute Änderung des Sykes-Picot-Abkommen nach der Bekanntgabe der 14 Punkte: Planung von "Mandaten"
-- Regionen um Mossul und Palästina sollen britische Mandatsgebiete werden

-- statt Annexionen sollen Mandatsgebiete gegründet werden mit dem Auftrag an die Mandatsmacht, eine Staatenbildung zu "bewerkstelligen", entsprechend dem Husayn-McMahon-Abkommen (S.440).

ab Jan 1918
Ägypten: Hoffnung auf "Selbstbestimmung" und Unabhängigkeit
Hoffnungen der Regierung Husayn Ruschdi auf eine problemlose Unabhängigkeit mit "Selbstbestimmungsrecht der Völker" gemäss den 14 Punkten von Wilson. Die ganze Bevölkerung hat in nationalen Bewegungen hohe Erwartungen (S.461):

-- die Bauern hoffen auf das Ende der Kriegswirtschaft
-- die neuen Unternehmer und Teile der Oberschicht fürchten um Schmälerung der Existenzen (S.461).

In der Folge ist die Nationalbewegung in Ägypten ambivalent und äussert sich in verschiedenen, unkoordinierten Aktionen (S.461-462). Sie umfasst Ägypten und den Sudan:

-- Bauernrebellion
-- Streikbewegung der Industrie- und Transportarbeiter (S.462).

Es sind beides Proteste gegen den neuen Mittelstand (S.462).

Der Mittelstand seinerseits, die akademische Jugend und z.T. die agrarische Oberschicht setzen die Nationalbewegung für ihre eigenen Interessen ein mit Ziel

-- Rauswurf der ökonomisch dominanten Briten
-- Wiederherstellung des pseudoparlamentarischen Systems
-- gegen die autokratischen Tendenzen des Königspalastes
-- Abschaffen der Wehrdienste/"Kapitulationen" unter britischer Flagge, wird bis 1937 beibehalten
-- Etablieren der wirtschaftlichen Unabhängigkeit (S.462).

1918
England-Palästina: Plan für ein Mandat Palästina
mit Ostjordanland, Provinz Jerusalem, Nablus und Akkon. Hauptstadt soll Jerusalem sein (S.445).

3.3.1918
Friede von Brest-Litowsk
-- Russland verzichtet auf Livland, Kurland, Litauen, Estland und Polen
-- Russland anerkennt die Unabhängigkeit Finnlands und der Ukraine
-- Russland akzeptiert Reparationsverpflichtungen (dtv-Atlas, S.131).

7.5.1918
Friede von Bukarest zwischen den Mittelmächten und Rumänien
Die Dobrudscha wird Bulgarien zugeschlagen und Deutschland die Nutzung der rumänischen Ölquellen ermöglicht (dtv-Atlas, S.131).

[Ergänzung:
Frankreichs letzter Anlauf gegen die Germanisierung hat Erfolg

-- nach dem Frieden von Brest-Litowsk und dem Frieden von Bukarest können sich die Mittelmächte auf die Westfront konzentrieren und hoffen gegen Frankreich und England weiter mit einem Sieg

-- in Deutschland ist der Hunger aber so gross und die Wohlstandsschere derart krass, dass die kommunistische Partei, die sich inzwischen in Deutschland von Russland her gebildet hat, einen Munitionsarbeiterstreik organisiert und so die Siegesträume der deutschen Militärs entscheidend einschränkt

-- Frankreich hetzt nun unter Clémenceau zum Sturmangriff gegen den deutschen "Boche", während der deutsche Soldat das Demokratiegeschwätz der neuen Parteien nicht hören will, solange er ohne Munition der französischen Front weichen muss

-- Frankreich, England und "US"-Truppen verhindern so die Germanisierung Frankreichs und Belgiens].

Sep 1918
Palästinaschlacht. Die englischen Truppen können die türkische Front bei Jaffa durchbrechen
(dtv-Atlas, S.131)

Arabisch-englischer Vormarsch auf Damaskus
unter arabischen Offizieren der al-’Ahd, darunter Nuri as-Sa ‘id (S.444).

Okt 1918
Nord-Irak/Mossul: Beginn der englischen Invasion in Mossul
auf Drängen der britischen Admiralität (S.447)

[wahrscheinlich gegen das bolschewistische Russland gerichtet].

14./15.10.1918
Konstantinopel richtet ein Waffenstillstandsgesuch an "US"-Präsident Wilson
(dtv-Atlas, S.131)

30.10.1918
Waffenstillstand zwischen Türkei und England
(S.447)

Anfang Nov 1918
Türkei: Einlaufen der "Grossen Flotte" der Alliierten im Bosporus - Planung einer "Meerengenzone"
Nach dem Waffenstillstand von Mudros läuft die "Grosse Flotte" der Alliierten im Bosporus ein. Planung einer internationalen "Meerengenzone" (dtv-Atlas, S.167).

11.11.1918
Waffenstillstand an der deutsch-französischen Grenze
(S.462)

[Ergänzung:
Erpressung Deutschlands durch die französische Armee an der Grenze
Die französische Armee unter Foch bezieht an der deutsch-französischen Grenze Position und hält die Hungerblockade weiter aufrecht, um von der deutschen Regierung bessere Friedensbedingungen abpressen zu können].

13.11.1918
Ägypten: Vorbereitung einer Delegation nach London unter Sa ‘d Zaglul für ägyptische Unabhängigkeit - Englands Regierung verweigert jedes Gespräch
Sa ‘d Zaglul kündigt dem britischen Hochkommissar eine ägyptische Delegation/wafd nach London an, wird dabei von ägyptischen Politikern der 1914 aufgelösten gesetzgebenden Versammlung unterstützt, zur Vorbereitung der Aufhebung des Protektorats nach dem Rückzug aller britischen Truppen aus Ägypten und Sudan noch vor dem Konferenzbeginn in Versailles.

In der Folge verweigert die britische Regierung jede Verhandlung über den Status Ägyptens und lässt die Delegation ohne Verhandlungen wieder nach Hause reisen (S.462).

Ende 1918
Arabien: spontane Ausrufung von arabischen Stammes- und Stadtstaaten

die ihre Loyalität zu Scherif Husayn versichern (S.445).

Arabien: Gründung des Königreichs Saudi-Arabien
(S.422)

Hedschas-Arabien: Ausweitungsversuch - Hilferuf von Khurma und Turaba an Riad - Krieg
Scherif Husayn versucht seine Herrschaft über den Hedschas zu "festigen". Hilferuf der Ortschaften Khurma/al-Hurma und Turaba an den Wahhabiten ‘Abd al-’Aziz gegen Husayn (S.451), denn diese wollen ihre religiöse Unabhängigkeit vor dem Hedschas bewahren. ‘Abd al-’Aziz wird als Schiedsrichter gegen Husayns "Festigungspolitik" angerufen (S.452).

Es kommt zum Konflikt zwischen Al Sa ‘ud-Wahhabiten mit den Hasimiten des Scherifen Husayn im
Hedschas um die Legitimität der Herrschaft auf der Arabischen Halbinsel (S.455).

ab 1918
Vorderer Orient: eingeschränkte "Arabische Bewegungen" - europäisches Joch absehbar

Die "Arabischen Bewegungen" haben kaum noch diplomatischen Handlungsspielraum, um ihre Anliegen gegen die vielen europäischen Abkommen über den arabischen Raum noch zu verwirklichen. Das Osmanische Joch wird fühlbar von einem europäischen Joch abgelöst (S.440).

Frankreich und England beginnen mit der Unterdrückung der verschiedenen arabisch-muslimischen Unabhängigkeitsbestrebungen. Die Unabhängigkeiten können bis auf eine türkische Unabhängigkeit nicht realisiert werden (S.366).

Ägypten: Freiheitsbewegung "Ägypten den Ägyptern"
gegen England unter Sa ‘d Zaglul mit der ‘Urabi-Losung "Ägypten den Ägyptern", nicht als Teil einer "Arabischen Bewegung", sondern mit dem Hauptthema der Erhaltung der Niltal-Einheit mit dem Sudan (S.460).

Spaltung der "Volkspartei": Gründung der Wafd
unter Sa ‘d Zaglul, der die ägyptische Nationalbewegung zu einer Massenbewegung macht, wird führende politische Kraft des Landes bis 1952 mit entschieden ägyptischem Akzent bis in die 1930-er Jahre (S.429).

ab 1918
Vorderer Orient: nationale Wirtschaftspolitik in der Türkei und in Ägypten

Das Etablieren einer nationaler Wirtschaftspolitik wird nur in der Türkei und partiell in Ägypten möglich, ansonsten wird der ganze vordere Orient (in Sklavereiterritorien) französisch und britisch "aufgeteilt" (S.480)

[vordergründig begründet mit der Gefahr des Kommunismus von Russland aus, ohne dass die Europäer bemerken, dass Kommunismus wegen seinem Atheismus in muslimischen Gesellschaften keine grosse substantielle Chance hat].

Irak: Kommunisten finden Zulauf bei Kurden, Schiiten und Juden
(S.480)

ab 1918
Syrien: Die Baumwoll- und Seidenproduktion bricht zusammen

denn sie kann im härter werdenden internationalen Wettbewerb nicht bestehen (S.418).

Palästina/Zionismus: Der osmanische Widerstand ist gebrochen - Organisation einer verstärkten jüdischen Einwanderung
(S.430)

[z.T. illegale Einwanderung, durch zionistische Organisationen organisiert]

Teilungsabkommen Frankreichs und Englands über die islamische Welt: Zerschneiden der Nord-Süd-Achse - kaum mögliche "Staatenbildung"
-- Die natürliche Nord-Süd-Achse zwischen Ägypten und Syrien wird mit der Gründung eines
eigenen Gebietes "Palästina" zerschnitten

-- Frankreich und England definieren die West-Ost-Achse zur wichtigen Verbindung, die sehr viel weniger "wichtig" sei (S.437)

-- verschiedene Gesellschaftssysteme der Regionen erschweren die "Staatenbildung" nach europäischem Muster bzw. machen diese unmöglich:

oo Mesopotamien und Grosssyrien: weitgehend sesshafte ethnisch-konfessionelle Mischgesellschaften

oo Arabische Halbinsel: nahezu homogene und überwiegend in Clans organisierte, zum Teil noch nomadisierende, Gesellschaften mit islamischen Splittergruppen im Süden der Halbinsel

oo Ägypten: meist bäuerliche Bevölkerung auf engstem Raum mit zentraler Verwaltung, mit einem grossen Teil christlich-koptischer Bevölkerung (S.437).

Die "Arabische Bewegung" hat je nach Region grosse Probleme zur Überwindung der gesellschaftlichen Hindernisse für die Staatengründungen und muss auch noch den hohen Erwartungen der städtischen mächtigen Familien gerecht werden. Es kommt zu einer nicht realisierbaren Interessenpolitik, die zum Scheitern verurteilt ist (S.437) [und laufend neue Spannungen verursacht].

ab 1918
Vorderer Orient: Neue Unterjochung unter britisch-französische Herrschaft - der Kampf um Revisionen - Kampf der "Arabischen Bewegung" gegen F und GB 1918-1945

-- England und Frankreich verfügen über die muslimischen Gebiete "Mandate" und neue "Staatsgrenzen"

-- der "Mandatskolonialismus" der Entente-Mächte Frankreich und England ist ein System ungleicher Verträge mit den muslimischen Nachfolgestaaten des Osmanischen Reiches

-- die muslimischen Mandatsgebiete fordern sofort Revisionen, was bis nach 1945 dauert
-- die Zeit von 1918 bis 1945 ist die "zweite heroische Periode der Arabischen Bewegungen"
-- der Kampf gegen England und Frankreich fördert die lokale Integration

-- der Kampf gegen England und Frankreich fördert das politische Bewusstsein der Gesamtbevölkerung der arabischen Staaten (S.436).

Es kommt zum Kampf der Arabischen Bewegung gegen die britische und französische Dominanz und gegen Diktatoren (S.433), die von den europäischen Kolonialmächten zum Teil gestützt werden (S.434),

[um alle sozial-revolutionären Bewegungen zu unterdrücken].

1919
Arabien: Scherif Husayn wird von England als König von Hedschas anerkannt - Protektoratssystem rund um Arabien
-- Husayn beansprucht gleichzeitig das südjordanische Gebiet von ‘Aqaba bis Ma ‘an (S.445)

-- England besitzt Protektorate der ganzen arabischen Südküste entlang von Aden-Hadramaut-Gebirge bis ins Dhofar/Zufar-Gebirge

-- an der arabischen Ostküste ist England mit "Schutzverträgen" und dem Protektorat Kuwait "abgesichert" (S.450).

Ägypten: "Nationale Revolution" unter Sa ‘d Zaglul gegen die britische Kolonialherrschaft
(S.395)

Anfang 1919
"Friedenskonferenzen" von Versailles: England und Frankreich bleiben imperial eingestellt
(S.443)

[Ergänzung:
-- in Versailles sollen Deutschland, Österreich und Ungarn zerstückelt werden
-- die neuen Staaten CSSR, Rumänien und Polen sollen diesem Zweck dienen und möglichst gross werden
-- die Völkerrechte der muslimischen, asiatischen und afrikanischen Bevölkerungen, auch der Juden, werden nicht beachtet].

Anfang 1919
Ägypten: Vorbereitung einer Delegation für Versailles unter Sa ‘d Zaglul
Sa ‘d Zaglul bereitet eine Delegation für die Versailler Konferenz vor. Um die Legitimität seines Anliegens vor der arroganten englischen Regierung Lloyd George zu untermauern, lässt er in Ägypten eine Unterschriftensammlung im Sinne des von "US"-Präsident Wilson verkündeten "Selbstbestimmungsrechts der Völker" durchführen (S.462).

Englands Vertreter werfen der Delegation/wafd Anstiftung zum Aufruhr vor und fordert die Regierung in London zum Einschreiten in Ägypten auf.
In der Folge tritt die ägyptische Regierung Husayn Ruschdi aus Protest zurück, weil sie die Unterschriftensammlung nicht stoppen will. Ausbruch landesweiter Unruhen und Streiks (S.462).

Folge-Entwicklungen:

->> der englische Hochkommissar Wingate lässt Sa ‘d Zaglul und seine politischen Mitstreiter nach Malta deportieren

->> Eskalation der Volksgewalt, Pogrome gegen britisches Personal, britische Einrichtungen und das britisch kontrollierte Eisenbahn- und Telegraphennetz

->> muslimische Religionsgelehrte und koptischer Klerus agitieren unterstützend gegen die englische Herrschaft (S.462).

->> England muss die ägyptische Delegation/wafd unter Sa ‘d Zaglul nach Versailles zulassen

->> Hochkommissar Wingate wird durch den flexibleren "Kriegshelden" des Palästinafeldzugs Allenby abgelöst

->> Entschliessung zur Entsendung einer Untersuchungskommission zur weiteren Entwicklung des Protektorats unter Lord Milner mit Erfahrung in der ägyptischen Finanzverwaltung von vor 1914 (S.463).

1919
Vorderer Orient/Ägypten: Die ägyptische Delegation/wafd in Paris/Versailles: Wilson anerkennt keine arabische Unabhängigkeiten - skandalöse Anerkennung der Protektorate

-- "US"-Präsident Wilson anerkennt das britische Protektorat noch vor der Ankunft der ägyptischen Delegation

-- "US"-Präsident Wilson anerkennt die weiteren europäischen Protektorate über den Hedschas und Tunesien, deren Vertretungen und "Selbstbestimmungsrechte" ebenfalls vor den Weltmächten keine Chance haben (S.463).

3.1.1919
Arabien/Hedschas-"USA": Abkommen für einen grossen muslimischen Staatenbund
Abkommen zwischen dem Scherifensohn Faysal, dem Leiter der Hedschas-Delegation in Versailles,  und Weizmann: Versuch, die amerikanische Seite für einen grossen arabischen Nationalstaat gegen
die englisch-französischen Aufteilungspläne zu gewinnen. Das Abkommen wird aber schnell vergessen (S.443).

3.2.1919
Versailles/Palästina: Präsentation einer zionistische Landkarte
-- mit Gebieten östlich des Jordan bis fast an die Trasse der Hedschas-Bahn
-- mit Golangebirge
-- mit Südlibanon bis Sidon (S.446).

[Nie erwähnt:
Israels Grenze ist Bibel der Euphrat - viele Rabbiner sehen Israel noch nicht für gekommen

-- die Bibel schlägt für Israel den Euphrat als Ostgrenze vor mit Vertreibung aller anderen Bevölkerungen (1.Mose, Kapitel 15, Satz 18)

-- viele jüdische Rabbiner sehen die Zeit für ein eigenes Israel erst gekommen, wenn ein eigener Messias erscheint

-- diese jüdischen Rabbiner lehnen ein eigenes Israel bis dahin ab und raten wahrscheinlich auch vor einer Auswanderung nach Palästina ab

Lösung des Falls: Ein multinationaler Naher Osten oder ein Staatenbund kann sehr wohl bis an den Euphrat gehen].

Frühjahr 1919
Palästina-England: Erklärung von Lord Balfour gegen Palästinenser in Palästina
Balfour schliesst Selbstbestimmungsrechte für nicht-jüdische Gemeinschaften in Palästina aus.
(S.446)

Frühjahr 1919 ca.
Türkei: Realisierung der europäischen "Meerengenzone" - europäische Besetzungen - Kurdenbewegung
Die Alliierten fangen an, Teile der Türkei noch während der Friedensverhandlungen in Frankreich zu besetzen:
-- Besetzung von Konstantinopel
-- italienische Truppen besetzen die Gebiete von Antalya und Konya
-- griechische Truppen besetzen das Gebiet um Smyrna
-- französische Truppen besetzen Kilikien (dtv-Atlas, S.167).

Zudem wird die türkische Regierung mit einer starken kurdischen Bewegung und einem unabhängigen Armenien konfrontiert (dtv-Atlas, S.167).

Mai 1919
Hedschas-Arabien: Pattsituation zwischen Hedschas und Riad
Niederlage der Beduinentruppen unter dem zweiten Sohn des Königs Husayn, ‘Abdallah, gegen wahhabitische Beduinentruppen unter ‘Abd al-’Aziz al Sa ‘ud. Riad kann sich gegen den Hedschas behaupten (S.445).

Mai/Juni 1919 ca.
Türkische Truppen besetzen Teile Armeniens bis Erzerum
Armenien wird zwischen der Türkei und Russland zerrieben (dtv-Atlas, S.167).

Sommer 1919 ca.
Türkei: Entstehender türkischer Nationalismus unter Kemal Pascha
Entstehung einer türkischen Nationalbewegung unter General Mustafa Kemal Pascha. Abhalten von Nationalkongressen in Erzerum (Armenien) und Sivas (Türkei), wo Kemal Pascha einen türkischen
Staat in nationalen Grenzen fordert. Massnahmen:

-- Wahl eines Repräsentativkomitees als "federführende Stelle der Nation"
-- Ankara wird Sitz der "Nationalbewegung" (dtv-Atlas, S.167).

Die nationale Regierung Kemal Pascha bekämpft mit aller Energie fremdländische europäische Investitionen, um die Fremdherrschaft über die türkischen Ressourcen nicht wieder aufkommen zu lassen (S.417).

3.6.1919
Syrien: Gründung des Allgemeinen Syrischen Nationalkongress in Damaskus

-- betrachtet sich als Vertretung der arabischen politischen Anliegen der Territorien des Fruchtbaren Halbmondes

-- ist zusammengesetzt aus vielen Abgeordneten des ehemaligen osmanischen Parlaments oder Leuten mit Erfahrung in der osmanischen Verwaltung (S.444).

Gründung mit Präsident und Reformführer Raschid Rida (S.440) mit den Reformern ‘Aziz ‘Ali al-Misri, Sati’ al-Husri und Raschid ‘Ali al-Gaylani (S.441).

Syrien: Landkarte für ein neues Arabisches Reich
Der Syrische Nationalkongress legt den Entwurf eines islamischen unabhängigen Arabischen Reiches vor (S.440).

Syrien-Irak: Aufstandsbewegung nach der Gründung des Syrischen Nationalkongresses
Die Gründung des Allgemeinen Syrischen Nationalkongresses in Damaskus hat Auswirkungen auf die Bevölkerung des Irak, wo sich eine Aufstandsbewegung formiert (S.447).

28.6.1919
Deutsche Unterzeichnung des "Friedensvertrags von Versailles"
(S.133)

[Die Unterzeichnung ist erzwungen mit französischen Truppen an der Grenze
die sonst sofort nach Berlin marschieren

-- Frankreich kann seinen Traum der Aufteilung Deutschlands und der Schaffung einer Rheinrepublik nicht durchsetzen

-- Deutschland verliert alle aber Kolonialrechte
-- die Reparationen sind noch nicht festgelegt].

Sep 1919?
Syrien: Crane-Kommission beim Syrischen Nationalkongress
-- Beratungen der amerikanischen Untersuchungskommission unter King Crane beim Allgemeinen Syrischen Nationalkongress im Auftrag von Präsident Wilson

-- mit den Beratungen wird der Allgemeine Syrische Nationalkongress quasi von Wilson als vorbereitende Organisation für eine "Selbstbestimmung" der arabischen Völker legitimiert

-- gleichzeitig wird die Crane-Kommission von französischer und britischer Seite, die ebenfalls beteiligt werden sollte, boykottiert (S.444).

10.9.1919
Österreichische Unterzeichnung des "Friedensvertrags von St-Germain"
mit Schaffung der Staaten Tschechoslowakei, Ungarn, Polen, Jugoslawien, dem Verbot des Namens "Deutsch-Österreich" und Anschlussverbot an Deutschland gegen jedes "Selbstbestimmungsrecht" (dtv-Atlas, S.133).

[Die französische Erpressung gegen Österreich:
-- bei Zuwiderhandlung wird Österreich von Frankreich die Aufbauhilfe gestrichen

-- Österreich wird zum Kleinstaat degradiert und viele österreichische Industrien in den abgetrennten Gebieten gehen Österreich verloren

-- in der Folge ergibt sich eine politische Diskussion um die Akzeptanz des Vertrages und die industrielle Umstellung bis 1932, ob Österreich "überlebensfähig" sei

-- die "Anschlussbefürworter" für einen Anschluss an Deutschland können sich nicht durchsetzen
-- der Vertrag schürt revisionistische Gedanken und Rache gegen Frankreich].

ab 1919
Fruchtbarer Halbmond: Spaltung in der sozialen und staatlichen Entwicklung
Jedes Territorium im Fruchtbaren Halbmond entwickelt seine eigene Verwirklichung des Nationalismus wegen der unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Es kommt zu verschiedenen staatlichen Eigenprofilen. Als Gemeinsamkeit bleiben nur die konservativen Grundzüge (S.469).

Die einzelnen Bourgeoisie-Schichten vollziehen keine grosse Entwicklung wegen der kurzen Zeiten zwischen den Katastrophen: 1929: Weltwirtschaftskrise und 1939: 2. Weltkrieg. Die Strukturen können sich nicht verfestigen und so kann sich keine eigene Tradition entwickeln (S.469).

Arabische Staatenbildung: keine europäische Nachahmung möglich
Durch den Widerspruch zwischen Nationalstaat und Islam kommt es zur Zerreissprobe zwischen
-- sozio-kulturell traditionellen Ordnungsleitbildern und
-- sozio-ökonomischen Widersprüchen (S.433).

Die Staaten werden zudem dem freien kapitalistischen Wettbewerb der Welt ausgesetzt.
In der Folge ergibt sich eine Komplexität von Problemen in jedem einzelnen muslimischen Staatsgebilde, weil die europäische Staatsvorstellung nicht mit der muslimischen Identität kompatibel ist. Die Summe der Probleme und Widersprüche in der arabischen Welt ist nicht mehr überblickbar (S.433).

[und die Imperialistenstaaten GB und F merken es nicht].

Anfang 1920 ca.
Palästina: Entstehen gewaltsamer Unruhen
Der Druck auf England steigt
-- durch politischen Druck von aussen
-- durch die Arabische Bewegung
-- durch die fortwährende zionistische Einwanderung (S.446).

[Ergänzung:
Die Herzl-Doktrin funktioniert nicht - die Araber sind bewaffnet
-- Einwanderung jüdischer Terroristengruppen

-- die Herzl-Doktrin, die die Muslime als "Barbarei" bezeichnet, und Herzls Behauptung, man könne die Muslime einfach vertreiben, funktioniert nicht, denn die Muslime haben von England Waffen erhalten

-- die jüdische Führung im WJC ist nicht bereit, die veränderte Lage zu erkennen und andere Lösungen für einen "Judenstaat" zu suchen

->> der Bürgerkrieg in Palästina eskaliert].

1920
England-Ägypten: Gründung einer "Untersuchungskommission" unter Lord Milner - ägyptischer Boykott
-- Milner warnt vor "übereilten Entscheidungen wie der eines militärischen und politischen "Rückzugs"

-- Milner ist überzeugt, dass die britische Präsenz ordnungspolitisch im Vorderen Orient notwendig sei, um eine bolschewistische Kettenreaktion zu verhindern
Milner will Englands imperialen Vorrechte weiter sichern (S.463).

Die Nationalbewegung boykottiert die Milner-Kommission vor allem wegen der Ideologie Milners "white man’s burden" ["die Last, die der weisse Mann trägt"]. Sa ‘d Zaglul blockiert jede Vereinbarung (S.463).

London ist sich bewusst, dass eine Fortsetzung des Kriegsrechts gegen das Volk unmöglich ist und auch der Dominionstatus nicht mehr möglich sein wird (S.464).

England-Ägypten: Plan zur Aufhebung des Protektorats durch Allenby
-- Allenby setzt mit der Drohung seines Rücktritts als Hochkommissar in London die Aufhebung des Protektorats [für das Jahr 1922] durch, weil sonst landesweite Aufstände drohen würden

-- Allenby hofft daneben auch in einem Ägypten ohne Protektorat auf Kollaboration:

oo Allenby hofft auf Ausnutzung der innenpolitischen Rivalitäten
oo Allenby hofft auf Spaltung der Delegation/wafd
oo Allenby hofft auf Schwächung der Nationalbewegung durch Spaltung (S.464).

Die Hoffnung von Aussenminister Curzon von einem mit Britisch-Indien verschränkten britischen Vizekönigtum Ägypten muss dieser jedoch endgültig fallenlassen (S.464).

[Die Bevölkerung zu fragen kommt scheinbar weder Allenby noch Curzon in den Sinn].

1920 ca.
Ägypten: hat die Weltmarktstellung in der Baumwollproduktion behauptet

(S.470)

Vorderer Orient: ist verarmt in einer peripheren handelspolitischen Lage
-- der regionale Zwischenhandel hat kein Volumen mehr, ist vom Suezkanal aufgesogen worden (und in englische Hände gelangt!)

-- Ausnahme sind die irakischen Dattelexporte, die 80 % des Weltmarkts decken

-- über 60 % der Bevölkerung in Syrien-Libanon und in Mesopotamien sind mitunter in der Landwirtschaft tätig, weil der ganze Zwischenhandel zwischen Indien und Europa ausfällt (S.470).

Syrien-Libanon: Aufteilung der Landwirtschaft
-- 3/4 Getreidewirtschaft, v.a. Weizen und Gerste
-- 1/4 Baumwollanbau, Seide, Tabak
-- Dattelkulturen in Südirak
-- Zitrusplantagen in Libanon
-- Selbstversorgung ist für Getreide garantiert, bei guter Ernte sind kleine Exporte möglich
-- Baumwolle aber muss für Textilien importiert werden (S.470).

[Insgesamt gesehen hat der Suezkanal den ganzen Vorderen Orient zu Agrarstaaten retardiert. England kassiert den ganzen Handelsprofit zwischen Europa und dem Vorderen Orient sowie
zwischen Europa und Indien ab. Die Verarmung des Vorderen Orients wird hingenommen].

1920
Sowjetunion/Baku: Aufruf an die orientalischen Völker, sich gegen die französisch-britischen Besatzungen zu wehren
(S.457)

Feb 1920 ca.
Türkei: "Nationalpakt" - Widerstand gegen die französischen und griechischen Truppen
-- Beschluss des letzten osmanischen Parlaments zum aktiven Widerstand
-- der Widerstand gegen die französische Besetzung Kilikiens und gegen die griechische Besetzung Thraziens und Smyrnas verstärkt sich
-- als Reaktion verstärkt die alliierte Besatzung das Regime in Konstantinopel (dtv-Atlas, S.167).

7.3.1920
Naher Osten: Unabhängigkeitserklärung des Allgemeinen Syrischen Nationalkongress - GB und F herrschen weiter über den Nahen Osten
(S.444) mit der Forderung einer arabischen Föderation und unabhängigen Regierungen in Syrien und Irak (S.447). Der Kongress setzt eine unabhängige syrische Regierung unter dem Scherifensohn Faysal ein (S.449).

Das nützt aber nichts, weil die arabischen Territorien als Spielball der europäischen Mächte herhalten müssen:

-- Frankreich "überlässt" England die ölreiche Mossul-Provinz

-- dafür unterstützt England Frankreich im Fall von Elsass-Lothringen und lässt Frankreich "freie Hand" in Syrien

-- in der Folge ist ein arabischer Aufstand immer mehr in Vorbereitung (S.444)
-- aber die britische Besatzungsmacht in Irak erzwingt weiter "Ruhe und Ordnung" (S.447).

April 1920
Türkei: "Grosse Nationalversammlung" - Todesurteile gegen die "Nationalbewegung" - Auflösung
Zusammentritt der "Grossen Nationalversammlung" in Ankara. Die osmanische Regierung reagiert mit Todesurteilen gegen Mustafa Kemal und seine Mitarbeiter, kann aber nichts mehr bewirken (S.167).

4.6.1920
Ungarische Unterzeichnung des "Friedensvertrags von Trianon"
-- Ungarn wird wie Österreich zum Kleinstaat degradiert:
-- Abtretung der Slowakei und der Karpatoukraine an die Tschechoslowakei
-- Abtretung von Kroatien-Slawonien an Jugoslawien
-- Abtretung des Banats an Jugoslawien und Rumänien
-- Abtretung Siebenbürgens an Rumänien
-- Abtretung des Burgenlandes an Österreich (dtv-Atlas, S.133).

[Die Revisionstendenzen sind absehbar
Frankreich setzt gegen Ungarn riesige territoriale und riesige industrielle Verluste durch, die in Ungarn fortan revisionistische Tendenzen gegen den Vertrag provozieren].

19.7.1920
Syrien: Auflösung des Allgemeinen Syrischen Nationalkongress in Damaskus
(S.444)

[Es ist nicht erwähnt, unter welchen Umständen und Erpressungen von GB und F diese Auflösung einer Regierung stattfindet].

24.7.1920
Frankreich-Arabien: Französischer Sieg bei Maysalun - französische Annexion und Aufteilung Syriens - syrische Exilregierung in Irbid

-- Sieg französischer Truppen über arabische Truppen unter Faysal

-- Frankreich annektiert die ihm im Sykes-Picot-Abkommen "zugesprochenen" Gebiete
-- Aufteilung Syriens nach konfessionellen Kriterien in vier "Gouvernorate": Latakia, Aleppo, Damaskus und Gabal ad-Duruz (S.444)

-- der Allgemeine Syrische Nationalkongress bleibt aufgelöst und alle seine Entscheide werden von Frankreich und England als Null und Nichtig erklärt

->> viele Mitglieder der Arabischen Bewegung fliehen und bilden im nordjordanischen Irbid eine provisorische, unabhängige Regierung (S.445).

ab Juli 1920
Irak: fast landesweiter Aufstand gegen die britische Besetzung
-- entscheidend mithervorgerufen von Aufrufen der Religionsführer der schiitischen heiligen Stätten im Südirak
-- gleichzeitig herrscht im Südirak Unruhe wegen dem Krieg zwischen dem Hedschas und den Wahhabiten
-- Bildung von taktischen Allianzen zwischen Notabelnclans, Stammesführern und pro-arabischen Offizieren aus Syrien, die vor der französischen Besetzung geflohen sind (S.447).

10.8.1920
Türkische Unterzeichnung des "Friedensvertrags von Sèvres"
-- Internationalisierung der Meerengen
-- Abtretung Ostthraziens mit Gallipoli an Griechenland
-- Abtretung der ägäischen Inseln ausser Rhodos an Griechenland
-- Abtretung Smyrnas mit Hinterland an Griechenland
-- Abtretung Syriens und Kilikiens an Frankreich
-- Abtretung des Iraks und Palästinas an England
-- Abtretung der Schutzherrschaft über Hedschas an England
-- Abtretung der Dodekanes-Inseln und Rhodos’ an Italien
-- Abtretung Armeniens, das selbständig wird
-- Abtretung der Küste von Adramyti bis Adalya wird Interessengebiet Italiens
-- Abtretung von Zypern und Ägypten an England
-- Kurdistan soll eine Autonomie erhalten (dtv-Atlas, S.133).

[Erpressung zur Vertragsunterzeichnung
Damit die Türkei den Vertrag auch ratifiziert, scheint eine griechische Invasionsarmee vorbereitet zu sein].

Aug 1920?
Türkei-Armenien: "Frieden von Gümrü" - Verweigerung der Ratifizierung des Vertrags von Sèvres
-- Sieg türkischer Truppen unter Kazim Karabekir gegen armenische Truppen
-- die türkischen Truppen zwingen Armenien zum "Frieden von Gümrü
-- der Vertrag von Sèvres wird vom türkischen Parlament nicht ratifiziert (dtv-Atlas, S.133).

Aug 1920?
Türkei: Alliierter Auftrag zur griechischen Besetzung der Türkei - griechische Besetzung Thraziens und Teile Anatoliens

-- Der Oberste Kriegsrat erteilt dem griechischen Ministerpräsident Venizelos ein "Mandat" zur Wiederherstellung der "Ordnung in Anatolien"

-- in der Folge besetzen griechische Truppen von Makedonien aus Edirne in Thrazien und von Smyrna aus Bursa in Anatolien

-- Vordringen des griechischen Heeres bis zum Sakaria (dtv-Atlas, S.167).

Sep 1920?
Russland-Armenien-Türkei: Russische Besetzung Eriwans - russisch-türkischer Freundschaftsvertrag - Teilung Armeniens zwischen Russland und Türkei
-- Russische Besetzung der armenischen Hauptstadt Eriwan
-- der russische Teil Armeniens wird der "Sowjetunion" einverleibt
-- gleichzeitig schliesst die "Sowjetunion" einen "Freundschaftsvertrag" mit der nationalen Türkei ab

-- Unterdrückung der Armenier durch die türkische Besatzung "mit Terror und Grausamkeit ... Tausende kommen um, nur wenige gehen in die Emigration" (dtv-Atlas, S.167).

[-- Armeniens Kultur wird von der türkischen und von der russischen Armee unterdrückt
-- von Völkerrecht ist keine Spur
-- zudem scheint der alliierte Poker, Russland vom Mittelmeer fernzuhalten, endgültig gescheitert].

Sep 1920
"Gründung" des Libanon
-- aus Mont Liban und den Küstengebieten Beirut, Tripolis, Sidon und Tyros sowie im Osten die Bekaa/Biqa’-Ebene mit Baalbek und Hasbaya

-- unter der Regierung des französischen "Hohen Kommissars"

-- mit mehreren 100 französischen Beamten, die sich zu "weisungsbefugten Beratern in autonomen Verwaltungskörperschaften" entwickeln (S.445)

-- die "Anlehnung" an Frankreich ist offensichtlich (S.428).

ab Ende 1920
Vorderer Orient: Erschütterung des englischen Imperialistenbildes
-- Nationalistische Turbulenzen in der Türkei unter Kemal Pascha
-- Nichtratifizierung des Friedensvertrags von Sèvres u.a.
-- Persien: Aufstieg von Reza Hans
-- Indien: Nationalbewegung unter Mahatma Gandhi
-- Mesopotamien: Aufstand
-- Syrien und Palästina: erste Unruhen
-- Ägypten: Boykott der Milner-Kommission (S.463).

->> all diese Vorgänge drohen das britisch-koloniale Selbstverständnis zu erschüttern
plus: In England selbst hetzt eine wütende Pressekampagne gegen das imperiale Überengagement im Nahen Osten
plus: England muss selbst eine soziale Krise im eigenen Land bewältigen (S.463).

[aber die Verantwortlichen in England wollen nicht wahrhaben, dass nicht die ganze Welt ein einziges England sein kann].

ab 1920 ca.
Die muslimische Gesellschaftsent: Ideologie-Fragen - keine Schichtung möglich - Stagnation
Generelle Gesellschftsfragen sind die Diskussion um
-- Sozialismus oder Islam
-- mit Konstitutionalismus oder nicht (S.435)

-- die Entwicklung kommt aber nicht voran, die Spannungen erneuern sich immer wieder

-- zusätzlich sind die Gesellschaften mit Stammes- und Clanlinien durchsetzt, so dass Integration und Schichtenbildung unmöglich bleibt

-- es ist somit eine strukturell veranlagte Instabilität und Unfähigkeit zur Nationenbildung vorhanden, von Liberalismus schon gar nicht zu reden

-- Tatsache der arabisch-islamischen Gesellschaft ist die "immerwährende Reproduktion ihrer Stagnation"

-- neue soziale Formationen der Gesellschaft werden dabei ausgeschlossen oder können sich nur langsam durchsetzen (S.435).

ab 1920
Arabische Mandatsstaaten: "Stabilität"

Die arabischen Mandatsstaaten werden durch ihre Bürokratien erstaunlich stabil. Die Trennung von Religion und Religion - Säkularisierung - und parlamentarische Systeme können sich aber nicht durchsetzen, denn die Muslime wollen sich jeweils mit ihrem jeweiligen Staat neu legitimieren.
(S.434)

Dem Hedschas fehlt die Anerkennung als arabischer Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs
(S.456)

[Somit gibt es keine überstaatliche muslimische Autorität mehr].

Beginn der "Errichtung" einer "jüdischen Heimstätte" in Palästina
-- durch Einwanderung unter britisch-imperialer Vormach
-- für die arabischen Staaten ist das jüdische Problem ein Problem mehr, das ihnen von den europäischen Mächten aufgebürdet wird (S.492)

[nach dem Suezkanal, der allen Zwischenhandel vernichtet und die Mittelschicht im Fruchtbaren Halbmond hat verarmen lassen].

ab Anfang 1921 ca.
Vorderer Orient: Druck auf Hedschas gegen das Bündnis mit England - arabische Mehrheit für Wahhabiten
Die arabische Bewegung in Palästina übt Druck auf König Husayn aus, dass der Hedschas sich für die arabische Unabhängigkeit arrangiere und nicht mit England paktiere. Das Arrangement mit England sei mit dem Islam unvereinbar.

König Husayn wird mehr und mehr schutzlos und ist nicht gefragt, weil er keine Macht hat,  irgendwelche Problem gegen die Besatzungsmächte zu regeln. Die Stimmung schwenkt auf die Seite der Wahhabiten (S.456).

1921
Türkei: Sieg gegen türkischen Heere und Abzug der französischen Truppen aus Kilikien

-- Schlachten bei Inönü und am Sakaria. Zusammenbruch der griechischen Offensive
-- im selben Jahr Vertrag von Ankara zum Abzug der Franzosen aus Kilikien und Verschiebung der türkischen Grenze nach Süden gegen das französische "Mandatsgebiet" Syrien (dtv-Atlas, S.167).

Arabien/Riad: ‘Abd al ‘Aziz wird zum Sultan des Nadschd erhoben
(S.452)

Gründung des englischen Mandats Irak unter König Faysal
dem Sohn des Königs des Hedschas Husayn (S.441). Nuri as-Sa ‘id wird Generalstabschef Faysals (S.444).

Jan 1921 ca.
Hedschas: Vorbereitung der Rückeroberung Syriens unter ‘Abdallah - Englands Ruf steht mit auf dem Spiel
Der zweite Sohn des Hedschas-König Husayn, ‘Abdallah, bereitet ein beduinisches Heer zur arabischen Besetzung von Damaskus vor, um die französischen Besetzer zu vernichten.

Die Operation ruft Englands Interessen auf den Plan, denn wenn ‘Abdallahs Truppen ein zweites Mal gegen Frankreich verlieren, ist Englands Ruf als Verteidiger arabischer Interessen dahin und ein Dschihad unter Leitung des Wahhabitenherrschers ‘Abd al-’Aziz Al Sa ‘ud wahrscheinlich (S.445).

Feb 1921
Hedschas: Englisches Angebot für ein "Emirat Transjordanien"
Englands Diplomatie gegen einen Krieg gegen Syrien ist ein Angebot eines Emirats über Transjordanien für ‘Abdallah (S.445).

Folge-Entwicklungen:

-- ‘Abdallah und die Arabische Bewegung gewinnt an Macht
-- England behält das arabische Vertrauen
-- ein "heiliger Krieg"/Dschihad ist verhindert
-- Frankreich kann von Syrien aus keine Ausdehnung nach Süden vornehmen

-- der Hedschas stabilisiert sich gegenüber den Wahhabiten im Nadschd
-- Transjordanien wird auch zu einem Bremsklotz für den Zionismus, gibt dem Zionismus aber mehr Rechte westlich des Jordans, wo die britische Mandatspolitik vorerst konzept- und führungslos bleibt und eine Anarchie begünstigt (S.446.

Frühjahr 1921
Irak: Niederschlagen des Aufstands mit Bomben
Briten schlagen mühsam und mit Bombardierungen den Aufstand nieder, Unterdrückung der Stämme.
Abschluss ungleicher Verträge und Installierung fassadenhafter arabischer Selbstregierungen im ganzen Fruchtbaren Halbmond. Die arabischen Repräsentanten lassen sich von den englischen und französischen Mandatsmächten zu ihrer Politik einspannen (S.448).

März 1921
England-Kairo-Irak: "Mittelostkonferenz", psychologische Kriegsführung und Bestechungen  Englands
-- Kolonialmister Churchill spekuliert auf das Einsetzen des Haschimiten Faysal als König des Irak, so dass in anderen arabischen Regionen mehr Druck möglich sei

-- gleichzeitig können die Briten die ganze Haschimitenfamilie des Hedschas unter Husayn und
dessen Söhnen Faysal und ‘Abdallah als Bündnispartner gegen die Wahhabiten benutzen (S.448).

-- England bewilligt für die Wahhabiten in Riad eine Erhöhung der Hilfszahlung/Subsidien von 60’000 auf 100’000 £ jährlich, um ‘Abd al-’Aziz dem König von Hedschas Husayn gleichzustellen und um die fanatische ihwan-Bewegung zu zügeln

-- für ‘Abd al-’Aziz ist die Gleichstellung wichtig für die Legitimation eines Krieges gegen den Hedschas (S.457).

[Arabiens Herrscherhaus in Riad wird zur Hure Englands].

April 1921 ca.
Irak-Transjordanien-Hedschas: ungleiche Verträge mit Erpressung - Irak: "Bagdadpakt"

-- Englands Präsident Lloyd George intronisiert den Hasimiten Faysal als eine Art "Wiedergutmachung"

-- gleichzeitig soll die Scherifenfamilie den Engländern "gefügig" gemacht werden, indem mit dem Irak, dem Hedschas und mit Transjordanien ungleiche Verträge abgeschlossen werden:

oo Hochkommissare haben die aussenpolitischen Vollmachten
oo Hochkommissare haben militärische Stationierungsrechte (S.448).

Die ungleichen Verträge werden damit begründet, dass sonst gar keine international anerkannte Verfassungsentwicklung zustande käme (S.448).

Gleichzeitig sollen die ungleichen Verträge von einer Revision ausgenommen sein und die Vorrechte der englischen und französischen Besatzer dadurch gesichert werden (S.448).

Europa verliert die Vorbildfunktion für Demokratie
-- in den muslimischen Bevölkerungen kann sich kein Demokratieverständnis entwickeln (S.448)
[-- die europäischen Staaten gelten bei den muslimischen Bevölkerung nicht als Vorbild für Demokratie].

Mitte 1921
Hedschas ratifiziert den Versailler Vertrag nicht wegen dem Mandatsartikel 22
(S.457), der die Unabhängigkeit der arabischen Länder des Fruchtbaren Halbmondes beschneidet (S.456).
England kürzt in der Folge Hilfsgelder/Subsidien an Hedschas (S.457).

Ende 1921
Ägypten: Kompromissbereitschaft von ‘Adli Yakan und ‘Abd al-Haliq Tarwat
Regierung ‘Adli Yakan und der gemässigte, aber ehrgeizige ‘Abd al-Haliq Tarwat, werden gegenüber der Allenby-Kommission kompromissbereit (S.464).

ab 1921
Irak: Opponenten des "Bagdadpakt": Nationalisten unter Raschid ‘Ali al-Gaylani
(S.448)

Syrien: Französische Gewaltherrschaft
Die Franzosen setzen keinen Hasimiten ein, so dass eine "einigende und ausgleichende politische Kraft" fehlt. Gründe:
-- ethno-konfessionelle Vielfalt im Land
-- Stammespartikularismus auf dem Land
-- Irredentismus syrischer politischer Eliten (S.449).

Zusätzlich
-- die französische Besatzung verbietet die Bildung demokratischer Parteien
-- die französische Besatzung versucht, mit ihrer Verwaltung das Land geistig zu spalten (S.449).

In der Folge
-- ist fast kein gemeinsamer wirksamer politischer Widerstand möglich
-- kleine einzelne Protestgruppen bleiben uneinheitlich (S.449).


Erste europäisch-weiss-amerikanische Erdölgesellschaften und Ölfunde in arabischen Ländern - Allenby-Declaration von Ägypten abgelehnt - Churchill-Vorschlag für ein bi-nationales Palästina - Deportation von ägyptischen Nationalistenführer - Türkische Rückeroberung Konstantinopels und Smyrnas - Völkerbund legalisiert Mandatssystem - Konferenz von Lausanne, Revision des Vertrags von Sèvres, Abzug der Alliierten - Gründung der Türkei unter Kemal Pascha - kein Hedschas Staatsvertrag - Türkei schafft Kalifat ab - Wafd-Mehrheit in Ägypten - Wahhabiten besetzen Hedschas - Wafd-Rückzug und Auflösung des ägyptischen Parlaments

Zusammenfassung
Mit dem Jahr 1922 beginnt in den arabischen Staaten das Ölzeitalter durch Ölfunde im Irak. Die weiss-"amerikanischen" und englischen Gesellschaften kassieren die Gewinne alleine und lassen die Bevölkerungen der arabischen Staaten weiter verarmen.

In Ägypten präsentiert die Allenby-Kommission eine Unabhängigkeitserklärung mit einschneidenden, inakzeptablen Vorbehalten. Der Nationalistenführer Sa ‘d Zaglul wird im Rahmen einer Einrichtung einer ersten Regierung einfach deportiert. Gleichzeitig bezeichnet der "Völkerbund" in Genf das Mandatssystem für "rechtskräftig". Nur die Türkei hat den Mut, sich eine Revision des aufgezwungenen Vertrags der Entente zu erstreiten und erreicht an der Konferenz von Lausanne die Revision des Vertrags von Sèvres.

Die Alliierten müssen die Besetzung Konstantinopels aufgeben, und General Kemal Pascha wird türkischer Präsident. Hedschas versucht gleichsam, von England einen Staatsvertrag zu bekommen, der ihm aber verweigert wird. König Husayn wird daraufhin von Wahhabiten besiegt und sogar vertrieben.

Die Türkei schafft derweil das Kalifat ab. Wahlen in Ägypten weisen die Wafd-Partei unter dem zurückgekehrten Nationalistenführer Sa ‘d Zaglul als Siegerin aus. Die Totalverweigerung an England geht aber nicht lange gut. Bald kommt der Rücktritt, die Anpassung und die Auflösung des Parlaments durch den König.

Chronologie (Fortsetzung)

1922 ca.
"USA"-Europa-Irak: Gründung der britisch dominierten Iraq Petroleum Company IPC
der weiss-"amerikanische" und europäische Ölgesellschaften angehören (S.487).

Anfang 1920-er Jahre
Ägypten und Irak: Erste Ölfunde - die "USA" und Europa teilen die Profite nicht
Die Ölquellen, die von englischen und weiss-amerikanischen Bohrfirmen erschlossen werden, bleiben weiter in englischen und weiss-amerikanischen Händen. . Konzession und Förderung werden von der Geschäftspolitik der englischen und weiss-amerikanischen Ölkonzerne bestimmt (S.486), die so den Weltmarkt beherrschen (S.487).

1922-1960
Vorderer Orient/Öl: Die Ölproduktion bleibt 40 Jahre lang in ausländischer Hand
(S.470)

28.2.1922
Ägypten: Aufhebung des Protektorats: Allenby: "Declaration to Egypt"
-- Beendigung des Protektorats
-- Ausrufung von Ägypten als "unabhängiger und souveräner Staat"
-- Ankündigung der Aufhebung des Kriegsrechts (S.464).

Vorbehalt in vier Punkten für zukünftige Verhandlungen:
-- Verbindungswege durch Ägypten
-- Verteidigung Ägyptens gegen aussen
-- Schutz der "ausländischen Interessen" und der Minderheiten
-- des Sudan (S.464).

Es folgt daraus:

-- nominell ist das Protektorat aufgehoben
-- substantiell besteht das Protektorat aber weiter durch
-- Stationierung von britischen Truppen im Niltal
-- Kondominium im Sudan

-- Mitsprache Englands in der ägyptischen Aussenpolitik
-- England stellt als Voraussetzung der Lösung der Vorbehalte eine von Europas Mächtigen anerkannte Verfassungsentwicklung (S.464)

-- England stellt als Voraussetzung der Lösung der Vorbehalte einen Friedensvertrag mit der Türkei, die de jure noch die Oberhoheit des Osmanischen Reichs über Ägypten innehat (S.465).

1922
England-Palästina: Offizielle "Interpretation" der Balfour-Erklärung durch Churchill: bi-nationale Entwicklung
Englands Kolonialminister Winston Churchill "interpretiert" offiziell die Balfour-Erklärung von 1917 und leitet daraus Richtlinien für eine britische Palästinapolitik ab:

-- England übernimmt die doppelte Verantwortung gegenüber arabischen und jüdischen Gemeinschaften für eine nationale Entwicklung westlich des Jordans

-- England setzt Richtlinien für jüdische Einwanderung fest
-- Entwurf einer stufenweisen Verfassungsentwicklung für ein bi-nationales Staatswesen in Palästina (S.446).

Mit diesen Leitlinien sind die betroffenen Seiten - Arabische und Zionistische Bewegung - beide gleich unzufrieden, denn ein bi-nationales Gleichgewicht ist von arabischer wie von zionistischer Seite nicht gefragt.
(S.446)

1922
Ägypten: Gewisse Rücknahme der englischen Herrschaft
(S.419)

Arabien: Konferenz von Uqayr in al-Hasa am Persischen Golf: Grenzabkommen
-- zwischen Wahhabiten und Irak/Kuwait mit britischer Vermittlung
-- ‘Abd al-’Aziz kann dafür eine finanzielle Unterstützung Englands erreichen (S.457).

ab März 1922
Ägypten: Verfassungsentwicklung und Opposition gegen die Ägypten-Erklärung Allenbys - Fu ‘ad erklärt sich zum ägyptischen König
-- der ägyptische Ex-Khedive Fu’ ad leitet im englischen Auftrag die Verfassungsentwicklung ein

-- die Wafd-Partei und die Nationalpartei lehnen die britische Ägypten-Erklärung Allenbys als völlig unbefriedigend ab

-- ‘Abd al Haliq Tarwat bildet eine neue ägyptische Regierung, ohne Stellungnahme zur englischen Ägypten-Erklärung

-- Fu ‘ad erklärt sich zum neuen König des nun "unabhängigen" Ägyptens, ohne Stellungnahme zur englischen Ägypten-Erklärung (S.465).

In der Folge kommt es jedoch zum Streit zwischen Tarwat und König Fu’ ad um die Kompetenzen von Parlament und König in der Verfassungsdiskussion. Allenby hat auf diesen Moment gewartet (S.465).

Mitte 1922 ca.
England-Ägypten: Deportation von Sa ‘d Zaglul von den Seychellen nach Gibraltar
Allenby lässt den kompromisslosen Sa ‘d Zaglul erneut unter dem Vorwand der Unruhestiftung festnehmen und lässt ihn dieses Mal auf die Seychellen deportieren. So kommen in Ägypten gemässigte Politiker an die Macht, die von Sa ‘d Zaglul nichts halten (S.464).

Mitte 1922 ca.
Türkei: Offensive zur Rückeroberung Konstantinopels und der Küstengebiete
Durchbruch unter Mustafa Kemal Pascha bei Dumlipinar und Einzug in Smyrna (S.167).

ab Juli 1922
Vorderer Orient: Der "Völkerbund" bezeichnet das Mandatssystem als "rechtskräftig"
Der "Völkerbund" akzeptiert das von England und Frankreich auf der ganzen Welt angewandte Mandatssystem als "rechtskräftig" (S.445).

[GB und F brauchen die Kolonien im Nahen Osten, um ihre Kriegsschulden zu begleichen].

Herbst 1922
Ägypten: Gründung der "liberalen Verfassungspartei" mit Unterstützung von GB
-- ist eine Abspaltung von der Wafd-Partei (S.479)
-- Mitgründer ‘Abd al Haliq Tarwat versucht durch die Mitgliedschaft seine Hausmacht zu stärken, bekommt englische Unterstützung gegen König Fu’ ad (S.465).

Okt 1922
Türkei-Griechenland: Waffenstillstand von Mudanya - griechischer Abzug
Abzug der griechischen Truppen aus Smyrna und Edirne/Adrianopel in Thrazien (dtv-Atlas, S.167).

1.11.1922
Türkei: Abschaffung des Sultanats
und Vorbereitungen von Friedensverhandlungen zur Revision des Vertrags von Sèvres in einem Frieden von Lausanne (S.167).

Ende 1922 ca.
Ägypten: Verfassung mit zu vielen Kompetenzen für den König
Tarwat von der "Liberalen Partei" gelingt mit englischer Unterstützung die Ausarbeitung einer parlamentarischen Verfassung gegen König Fu’ ad, muss aber grosse Vorrechte des Königs wie die Kompetenz zur Auflösung des Parlaments zulassen (S.465).

1923 ca.
Syrien: Umstrukturierung: Zusammenlegung der Gouvernorate Aleppo und Damaskus
(S.444)

1923
Türkei-Alliierte: Konferenz von Lausanne mit Türkei ohne Hedschas - Frieden von Lausanne
-- die Türkei erhält Ostthrazien bis zur Maritza
-- die Türkei erhält die Inseln Imbros und Tenedos
-- die Türkei erhält das Gebiet um Smyrna und Westarmenien
-- Entmilitarisierung der Meerengen
-- Aufhebung der Militärdienstpflicht und Verzicht auf Reparationen (S.456).

Deutschland-Frankreich: Ruhrgebietsbesetzung
Französische und belgische Ruhrgebietsbesetzung sowie Besetzung des Memellandes durch Litauen. Kanzler Cuno fordert passiven Widerstand und erreicht dabei nur Inflation (dtv-Atlas, S.149).

[Hitler wettert, denn England würde bei Gegenwehr hinter Deutschland stehen].

1923/1924
Ägypten: Wahlen
(S.465)

17.9.1923
Ägypten: Rückkehr von Sa ‘d Zaglul von Gibraltar
(S.464). Die Wafd-Partei schmeichelt dem König Fu’ ad, indem der zurückgekehrte Sa ‘d Zaglul zuerst König Fu’ ad einen Besuch abstattet und Versöhnungsangebote der mit England kooperierenden Liberalen ausschlägt (S.465).

nach der Konferenz von Lausanne/ ab 1923
Türkei: Abzug der Besatzungen der Alliierten - Umsiedlungen - Regierung Kemal Pascha

-- Umsiedlung von etwa 1,35Mio. Griechen aus der Türkei nach Griechenland und etwa 430’000 Türken aus Griechenland in die Türkei

-- General Mustafa Kemal Pascha wird Präsident der neuen türkischen Republik mit Regierungssitz in Ankara (dtv-Atlas, S.167).

Die einzige Partei ist bis 1946 die Republikanische Volkspartei mit dem Programm
-- republikanische Staatsform
-- Nationalismus
-- sozialer Frieden

-- staatliche Wirtschaftsleitung
-- Führung einer von religiösen Überzeugungen freien Politik
-- Ausschaltung des islamischen Rechts (dtv-Atlas, S.167).

Hedschas: König Husayn lässt in London einen Staatsvertrag aushandeln
der aber auch von London nicht anerkannt wird (S.456).

ab 1923 ca.
Ägypten: Nach der Verfassungsverabschiedung wendet sich König Fu’ ad wieder den "Nationalisten" zu
(S.465)

1924
England-Arabien: England stoppt alle Hilfsgelder an Riad wie an Hedschas wegen Sparpolitik
(S.457)

Türkei: Abschaffung des Kalifats und Schliessung der geistlichen Gerichte
(S.167)

Jan 1924
Ägypten: Wahlerfolg der Wafd - zerfahrene Situation - Attentate auf Briten

-- Wafd gewinnt gegen die mit England kooperierenden Kräfte 190 von 214 Sitzen

-- es kommt zur Dreierkonstellation der Kräfte: Monarch - Wafd - Englands Einfluss mit allen möglichen Kombinationen, vor allem die Wafd-Nationalisten mit dem König gegen England oder England mit König gegen die Wafd-Nationalisten. Verfassungskrisen sind vorprogrammiert

-- England freut sich, in Ägypten weiter Einfluss zu haben und "gebraucht" zu werden (S.465).

Bildung einer "nationalen Regierung" unter Sa ‘d Zaglul

->> der einseitige Vertrag mit England wird blockiert
->> Sa ‘d Zaglul anerkennt die Allenby-Erklärung nicht an und führt keine Verhandlungen mit der britischen Seite,

denn:
-- er fordert die bedingungslose Streichung des 4-Punkte-Vorbehalts
-- er erklärt den Anschluss des Sudan an Ägypten und die unverzichtbare "Einheit des Niltals" (S.465).

Gleichzeitig beginnt eine Attentatsserie auf Vertreter der britischen Ausbeutungsmacht, u.a. Tötung des Generalgouverneurs und Oberkommandierenden der ägyptischen Armee, Sir Lee Stack.
In der Folge muss Sa ‘d Zaglul seine harte Position gegen England beibehalten, weil er sonst das Volk selbst enttäuschen würde (S.465).

Mitte Jan 1924 ca.
England-Ägypten: Reaktion der englischen Regierung auf die Anschläge in Ägypten: Forderungen, englische Besetzung des Hafens Alexandria, Sudan-Projekte
Die englische Regierung unter Ramsay McDonals reagiert ihrerseits mit Forderungen gegen die ägyptische Regierung:
-- Entschädigung von 500’000 £
-- Abzug aller ägyptischen Truppen aus dem Sudan
-- Beibehaltung der britischen "Berater" in wichtigen Ministerien der ägyptischen Regierung (S.465)

plus: Englische Truppen besetzen den Zoll des lebenswichtigen Hafens Alexandria
plus: England kündigt den Ausbau der Bewässerungs- und Kanalprojekte im Sudan an, was Wasserreduktion für Ägypten bedeuten würde (S.465).

Anfang März 1924
Türkei: Abschaffung des Amts des Kalifen
weil es unvereinbar mit der republikanischen Verfassung ist. In der Folge betreiben die Hasimitensöhne ‘Abdallah und Faysal sowie die muslimischen religiösen Gelehrten in Jerusalem Werbung für einen Kalifensitz in Hedschas für König Husayn (S.456).

Hedschas-Transjordanien: Husayn von Hedschas soll neuer Kalif werden
Während eines Aufenthalts in Transjordanien willigt Husayn zögernd ein, zum Kalifen der muslimischen Welt ausgerufen zu werden (S.456).

Mitte März 1924
Hedschas: König Husayn masst sich den Kalifentitel an
Ablehnung von Syrien, Ägypten und im muslimischen Indien. Husayn ist als Kalif eher isoliert als mächtiger geworden (S.456).

Mitte 1924
Arabien: Die ihwan-Krieger
unter den Sa ‘ud spielen eine entscheidende Rolle bei der wahhabitischen Besetzung des Hedschas und ‘Asir (S.454).

Sep 1924
Riad-Hedschas: Sieg der Wahhabiten über Hedschas
-- ‘Abd al ‘Aziz erobert den Hedschas und wird König des Nadschd (S.453)
-- Vertreibung des selbsternannten Kalifen Husayn (S.456)
-- mit Unterstützung einer fundamentalen wahhabitischen Bevölkerung "ihwan" zur Errichtung eines Grossreichs, um die Beduinenstämme mit den Sesshaften auszusöhnen (S.453)

Die neue Herrschaft des Wahhabiten 'Abd al 'Aziz:
-- ‘Abd al-’Aziz wird "König des Nadschd und des Hedschas und deren Schutzgebiete" (S.458)
-- Herrschaft über die Pilgerkarawane
-- Kontrolle über die heiligen Stätten
-- aber: Die ihwan-Bewegung verblasst, denn die einheitliche Herrschaft auf der arabischen Halbinsel ist bis auf die Südküste erreicht (S.457).

Gleichzeitig kommen neue Probleme auf:
-- Integration der städtischen Bevölkerung in das saudische Herrschaftssystem
-- Diplomatie der internationalen Beziehungen, worin die Sa ‘ud-Familie nicht geübt ist und keine Erfahrung hat
-- Handhabung von Religionspolitik, worin die Sa ‘ud-Familie auch nicht geübt ist
-- Durchsetzung des wahhabitischen Puritanismus (S.457).

Sowjetunion-Arabien: ‘Abd al-’Aziz wird von der Sowjetunion als Freiheitsheld gefeiert (S.457).

Nov 1924
Ägypten: Rücktritt der nationalen Regierung Sa ‘d Zaglul - Nachfolger: Ahmad Ziwars
So wird eine schmachvolle Unterwerfung von Sa ‘d Zaglul vermieden (S.465):
-- die neue Regierung unter Ahmad Ziwars erfüllt alle Bedingungen der englischen Regierung
-- die politische Kraft der Nationalisten ist in der Folge wie gelähmt
-- König Fu’ ad nutzt die Gelegenheit zur Schwächung des nationalistischen Parlaments und setzt dessen Sitzungen aus (S.466).

Ende 1924
Ägypten: König Fu’ ad löst das Parlament auf
-- und gründet eine ihm ergebene Partei der "Unionisten"
-- ausserdem: König Fu’ ad ändert das Wahlsystem zu seinen Gunsten in der Hoffnung, dass die Nationalisten der Wafd keine Chance mehr hätten und setzt Wahlen für Frühjahr 1925 an (S.466).

Mitte 1920-er Jahre:
Ägypten: Verfassungskrisen
(S.465)


Türkisch-russischer Neutralitätsvertrag - zweite Parlamentsauflösung in Ägypten - französische Bomben ersticken Aufstand in Syrien - Klassenkampf im Irak - maronitische Parteigründung im Libanon - Ölabsatzmonopole in europäisch -weiss-amerikanischen Händen - Justizreform in der Türkei - muslimische Kalifats- und Religionskongresse 1926 ohne Einigung - "Verein muslimischer junger Männer" - Türkei säubert Verfassung 1928 - Ölkartell von Achnacarry 1928 - englische Bomben ersticken ihwan-Rebellion in Arabien - Weltwirtschaftskrise - Verfluchung des Kapitalismus

Zusammenfassung
Die Türkei schliesst mit Russland einen Neutralitätspakt ab. Ägyptens König ist demokratieunfähig und löst das Parlament auf. In Syrien erlaubt die französische Mandatsmacht 1925 erstmals Parteien. Es entsteht ein Aufstand gegen die Besatzer, die weiter die Selbstbestimmung blockieren. In Irak blockieren sich die Notabeln im Parlament und die Scherifen in der Exekutive. Die Demokratie wird als Klassenkampf missbraucht. Im Libanon bildet sich eine maronitische Partei. Auch hier sind Parteienbildungen noch ethnisch bestimmt.

Die weissen Ölgesellschaften stecken währenddessen ihre Absatzmonopole ab. So muss z.B. irakisches Öl exportiert werden, weil der Verkauf von Öl im Irak an andere Ölgesellschaften gebunden ist.

Die Türkei vollzieht wichtige Reformschritte. Das Justizsystem wird nach schweizer und italienischem Vorbild umgestaltet. Die muslimische Welt kommt dagegen auf Kalifats- und Religionskongressen 1926 zu keinen Einigungen. Ägypten setzt mit der Gründung "Verein muslimischer junger Männer" ein Zeichen. Gleichzeitig wird der Aufstand in Syrien niedergebombt. Die Türkei vollzieht mit der Säuberung der Verfassung von muslimischen Elementen einen einmaligen Weg auf der Welt zwischen den Blöcken, während Ägypten mit der Gründung der "Muslimbruderschaft" hervorsticht.

1928 gründen die weissen Ölgesellschaften das Kartell von Achnacarry und verbieten gegenseitige Konkurrenz im "Red Line Agreement". Eine ihwan-Rebellion in Arabien gegen das herrschende System wird mit englischen Bomben erstickt. Die Zerrüttung der arabischen Staatsfinanzen kann aber nicht verhindert werden, so dass Arabien nicht mehr nur auf England als Bündnispartner setzt. Ein Freundschaftsvertrag mit der deutschen Weimarer Republik zeigt in diese Richtung.

Die Weltwirtschaftskrise ab November 1929 schliesslich zeigt den Muslimen die kapitalistische Verirrung auf. Die Masse spaltet sich. Ein Teil fordert mehr Mitbestimmung und Gewinnbeteiligung am Ölgeschäft, ein anderer Teil verarmt und wird zum Missionsgebiet der "Muslimbruderschaften". Öl wird in der Krise nicht mehr viel gebraucht, eine Ölschwemme und ein Preiszerfall sind auch hier die Folge. Gleichzeitig fördert die Krise in Vorderasien aber auch den Pluralismus und interethnisches Verständnis.

Japans Dumpingware, die nun über den Suezkanal leicht den Nahen Osten erreicht, zerstört noch zusätzlich die muslimischen Textilindustrien .

Die Türkei folgt ihrer eigenen Politik und schliesst mit Griechenland einen "Freundschaftsvertrag". Es folgen 1932 die Gründung Saudi-Arabiens und die Unabhängigkeit des Irak. Das Öl bleibt in rassistisch-europäischer und weiss-"amerikanischer" Hand, so dass die  weissen "Christen" die Araber am Hungertuch nagen lassen, obwohl das Öl aus muslimischer Erde kommt. Hass entsteht - zurecht - auch gegen die Demokratie als Ganzes. Die ganze "Europäisierung" hat für die Muslime mehrheitlich nur Unglück gebracht.

Chronologie (Fortsetzung)

1925
Türkei: Auflösung der Derwischorden - Neutralitäts- und Nichtangriffspakt mit Russland
(dtv-Atlas, S.167)

Frühjahr 1925
Ägypten: Erneuter Wahlsieg der Wafd-Partei unter Sa ‘d Zaglul - die königtreue Regierung der
Wafd ist blockiert - Parlamentsauflösung
-- Sa ‘d Zaglul wird Ministerpräsident, bekommt aber nicht den Auftrag zur Regierungsbildung
-- König Fu’ad leitet die Bildung einer ihm genehmen Koalitions-Minderheitsregierung gegen die Mehrheit der Wafd
-- die oppositionelle Parlamentsmehrheit der Wafd blockiert die Regierung [logischerweise]

Folge-Entwicklungen:
-- König Fu’ ad löst das Parlament erneut auf
-- König Fu’ ad spielt mit der zweiten Parlamentsauflösung der englischen Politik in die Hände, die weiter Monarchie und Parlament gegeneinander ausspielt (S.466).

1925-1927
Syrien: Erlaubnis der französischen Besatzung zur Bildung von politischen Parteien - Aufstand 1925-1927 - französische Bomben gegen den Aufstand
-- die politischen Bewegungen in Syrien unter dem syrischen Mediziner Dr. ‘Abd ar-Rahman Sahbandar inszenieren ein nationales Aktionsprogramm gegen die französische Besatzung

-- in die Aufstandsbewegung sind ehemalige Minister der Faysal-Regierung von 1920 eingebunden

-- damit sollen mehrere nationalistische Parteien zur "Volkspartei" vereinigt werden

oo mit kompromisslosen Forderungen gegen die französische Besatzung

oo mit taktischem Bündnis mit der straff geführten und einheitlichen drusischen Aufstandsbewegung

oo mit der Bildung einer provisorischen unabhängigen syrischen Regierung im Gabal ad-Duruz mit Aufruf zum allgemeinen Befreiungskampf

->> es kommt zum Aufstand in allen sozialen Schichten (S.449).

Die französische Besatzung reagiert mit militärischer Kriegsführung und mit Flächenbombardements gegen Dörfer und Herden. Der Aufstand dauert zwei Jahre lang (S.449).

1925 ca.
Irak: Sozio-politischer Umbruch: Scherifen gegen Notabeln und Scheichs
Die "Scherifische Elite" entstammt der unteren Mittelschicht des Landes mit Offiziersausbildung und hält ein "Kabinettsmonopol", ohne Führungsqualitäten zu zeigen.
Gleichzeitig formieren sich die Notabelnfamilien und Stämme im Parlament gegen die Scherifenfamilien, denen zum Teil bewaffnete Einheiten unterstehen:

-- in Mossul die Familie der Suwaydis
-- in Bagdad die Familie der Gaylanis
-- in Basra die Familie der Naqibs (S.475).

Auf dem Land regieren die Scheichs grösserer Stammeskonföderationen:

oo mit taktischen Allianzen
oo mit Gesetzen zugunsten der Scherifen zum Landkauf und Kauf von Bewässerungskonzessionen
damit die Regierungsgewalt vom Parlament "durchdrungen" wird (S.475)
oo aber auch mit Gesetzen gegen die Landflucht (S.476)

[damit verarmte Bauern weiter auf den Ländereien der Grossgrundbesitzer versklavt werden können].

In der Folge können die Scherifen im Irak eine Hausmacht bilden und eine Partei gründen, die aber gegen die Notabelnfamilien und Stammesscheichs keine Chance hat. Dieser Transformationsprozess ist ein spezifisch irakisches Phänomen (S.476)

Ende 1925 ca.
Libanon: Gründung einer maronitischen "Partei der libanesischen Einheit"
unter al-Gumayyil, erreicht aber nicht viel gegen die französische Besetzung (S.479).

ab 1925 ca.
Fruchtbarer Halbmond: Konfrontation linker und rechter Parteien lähmt arabische Staaten

Es kommt zur lähmenden Polarisierung zwischen linken und rechten Parteien in fast allen arabischen Staaten:

-- alte muslimische Leitbilder und Stammestraditionen gelten nicht mehr
-- Einigungsbestrebungen sind unmöglich
-- die islamische Bewegung zerfällt mehr und mehr an den gegensätzlichen neuen dominierenden Ideologien (S.481).

Irak/Öl: Britisches Ölmonopol der "Rafidain", Tochter der APOC, für Ölabsatz in Irak
vermarktet für den irakischen Eigenverbrauch das von der APOC im iranisch-mesopotamischen Grenzgebiet von Haniqin geförderte Öl (S.487).

Syrien-Libanon-Ägypten: Herrschaften der Oberklasse - kein heranwachsendes Demokrativerständnis
Die Herrschaftseliten gehören von Anfang an den Oberklassen an. Das Volk selbst hat kein Vertrauen wegen Kollaboration mit den europäischen Mächten Frankreich und England. Es kann sich so kein Demokratieverständnis herausbilden (S.476).

1926
Türkei: Justizreform nach schweizerischem und italienischem Muster
Grundlage wird das Schweizer Zivilrecht, das italienische Strafrecht und das Schweizer Obligationenrecht (S.167).

April 1926
Arabische Welt/Kairo: Kalifatskongress ohne Einigung
Die Anwesenden können sich nicht darüber einigen, ob ein neues Kalifat geschaffen werden soll oder nicht. Die Konferenz vertagt sich auf unbestimmte Zeit (S.457).

Juni 1926
Arabische Welt/Mekka: Religionskongress
Kongress der islamischen Welt um die religiösen Fragen, Probleme und Missstände (S.457). International bleibt ‘Abd al-’Aziz als "Hüter der heiligen Stätten" umstritten (S.458).

1927
Ägypten: Gründung des "Vereins muslimischer junger Männer" / gama ‘at as-subban al-muslimin

nach dem ergebnislosen Kalifatskongress in Kairo und als Gegenstück des Vereins der "christlichen Männer" (S.476-477). Präsident: Dr. ‘Abd al-Hamid Sa ‘id (S.477).

Der Verein mit seinem "erzieherischen Impetus" hat seinen Wirkungskreis v.a. in den Städten und unter den Intellektuellen. Das Generalsekretariat in Kairo ist mit Vertretern des Erziehungsministeriums der al-Azhar besetzt, mit Vertretern verschiedener Fakultäten, Fakultäten und Lehrer- und Publizistikverbänden.
Ziele:

-- Gestaltung und Verbreitung eines neuen Lebensgefühls beruhend auf der Synthese zwischen
traditionell islamischen Werten und der neuen "modernen Zivilisation"

-- Panislamismus (S.477).

Der Verein hat Unterorganisationen in fast allen arabischen Ländern, v.a. in Palästina. Er ist tätig in der Öffentlichkeitsarbeit, organisiert Demonstrationen und hat Einsitz an vielen Konferenzen (S.477).

Ägypten: Tod von Nationalistenführer Sa ‘d Zaglul - Nachfolger: Mustafa an-Nahhas
als Vorsitzender der Wafd, ist für England "leichter zu handhaben". Die Wafd bleibt stärkste Partei bis 1952,
und die Allenby-Erklärung wird bis 1936 nicht unterschrieben (S.466).

Sowjetunion-Arabien: Die Sowjetunion anerkennt ‘Abd al-’Aziz als König des vereinigten Hedschas
noch vor England (S.457-458).

Syrien: Der Aufstand ist durch französische Bomben und Militär beendet
-- Bildung eines "nationalen Blocks"/nationale Front mit möglichst populistischer Basis.
-- Verbannung der Führer der "Volkspartei" und Niedergang der "Volkspartei"

-- die französische Besatzung beginnt mit einer Verfassungsentwicklung zwecks "psychologischer Rückeroberung des Landes" (S.449)

-- es kommt zu neuen nationalen Blockbildungen gegen die französische Besatzungsmacht (S.449-450).

1928
Türkei: Beseitigung aller muslimischen Elemente aus der Verfassung

-- Beseitigung aller religiösen Formeln aus der Verfassung
-- Einführung des lateinischen Alphabets
-- Verbot der arabischen Schrift
-- Abschaffen des Pflichtunterrichts für Arabisch und Persisch an den Höheren Schulen
-- Gründung neuer Volks-, Mittel-, Fach-, Landwirtschafts- und Hochschulen (S.167).

Syrien: Gründung der "monarchistischen Partei" - der Pluralismus bekommt Anhänger
-- mit hasimitischen Kandidaten für ein Königtum in Syrien, Faysal oder auch Abbas Hilmi
-- die Partei bleibt aber ohne durchschlagende Wirkung, weil das Königtum inzwischen auch der Kollaboration mit den Besatzern beschuldigt wird

->> In Syrien begründet sich eine neue republikanische Tradition ohne Königtum, mit dem Pluralismus des Libanon als Vorbild (S.450).

Ägypten: Gründung der "Muslimbruderschaft" unter Hasan al-Banna’
-- Gründer ist der Dorfschullehrer Hasan al-Banna’
-- die "Muslimbruderschaft" ist das ländliche Pendant zum "Verein muslimischer junger Männer" (S.477)

-- die "Muslimbruderschft" verändert jedoch nicht wesentlich das Dreieck der Macht zwischen Monarch, Wafd und englischem Einfluss (S.465)

-- die "Muslimbruderschaft" verbreitet Baathismus und Nasserismus (S.434)
-- mit lawinenartigem Anstieg der Mitglieder

-- mit Unterorganisationen bis nach Indien und Nordwest-Afrika
-- ideologisch für die Restauration eines Panislamismus
-- konkret politisch aber arabisch-islamisch ausgerichtet

-- ist rassistisch mit Bevorzugung von Arabern in der umma
-- und absorbiert schliesslich den "Verein muslimischer junger Männer" (S.477)
-- ist einer der wichtigsten Schrittmacher der "Arabisierung" Ägyptens (S.478).

1928
"USA"-Europa-Vorderer Orient/Öl: Ölkartell in Achnacarry in Schottland

Vereinbarung eines europäisch-weiss-"amerikanischen" Erdölkartells in Schottland in Achnacarry, dem Landsitz des Vorsitzenden der Royal Dutch Shell Company, Lord Deterding. Das Kartell soll Weltmarkt "regulieren" (S.487).

"USA"-Europa-Irak/Öl: "Red Line Agreement", Konkurrenzverbot von Ölfirmen im Nahen Osten
Die Gesellschaften der Iraq Petroleum Company IPC vereinbaren in einem "Red Line Agreement", bei Konzessionsausschreibung im Nahen Osten nicht gegeneinander zu konkurrieren.
Damit werden europäische und weiss-amerikanische, aber keine arabischen Bedürfnisse der Landesentwicklung gedeckt (S.487).

Sowjetunion: anerkennt Jemen vor England
(S.458)

Ende 1920-er Jahre/ 1928 ca.
Arabien-England: Rebellion der ihwan-Dörfer - Sieg der Wahhabiten mit englischen Bomben
Zerwürfnis zwischen der ihwan-Mehrheit und ‘Abd al-’Aziz um die Modernisierungspolitik.

Rebellion der ihwan-Bewegung unter Ibn Bigad, Faysal ad-Dawis und Didan b. Hitlayn gegen den übermächtigen Apparat der Al Sa ‘ud-Dynastie. Die Dynastie in Kuwait unterstützt dabei die ihwan-Rebellen im Sinne einer "balance of power"-Politik auf der Arabischen Halbinsel.

In der Entscheidungsschlacht bleiben die Truppen von ‘Abd al-’Aziz siegreich, dank britischer logistischer Unterstützung und Einsätzen der Royal Air Force (S.458).

Frühjahr 1929/März 1929 ca.
Arabien-Europa: Pilgerrückgang - Finanzprobleme - Europatour
Finanzprobleme Arabiens zwingen den Saudi-Sohn Faysal auf Werbetour durch Europa, um Unterstützung für die aufgrund des Pilgerrückgangs zerrütteten Staatsfinanzen Arabiens zu bekommen (S.458).

26.4.1929
Arabien-Deutschland: Freundschaftsvertrag
zwischen Wahhabiten-Sa ‘ud-Dynastie und der Weimarer Republik, abgeschlossen in Kairo, mit handelspolitischen Abkommen (S.458).

ab 1929
Weltwirtschaftskrise: muslimische Position wird bestärkt
Die Weltwirtschaftskrise verstärkt die Massenbewegungen gegen die "fortschrittliche" kapitalistische Wirtschaft (S.434).

[Ergänzung:
Die kommunistische UdSSR hat allen Grund, den Kapitalismus und sein Spekulationswesen mit der Börse als Geissel von Profit und Armut an den Pranger zu stellen].

ab 1929/1930
Vorderer Orient/Öl: Forderungen in den arabischen Ölförderländern nach mehr staatlicher Mitsprache an der Erdölentwicklung
(S.487-488)
-- nach eigenen nationalen Anteilgesellschaften
-- nach staatlichen Raffinerien und Preisautonomie
-- nach Verstaatlichung des Erdölsektors (S.488).

ab 1930
Libanon: Verarmung der unteren Mittelschicht - beginnender Pluralismus innerhalb der Parteien
-- die untere Mittelschicht wird durch die Weltwirtschaftskrise hart getroffen. Das Feudalsystem ist am Ende
-- Umdenken in der libanesischen Bevölkerung wegen der ethno-konfessionellen Mischung
-- Planen einer "staatspolitischen" Erziehung der Jugend zum Pluralismus (S.479).

Die Depression fördert die Vermischung der Gesellschaft und fördert den sozialen Schichtungsprozess im ganzen Fruchtbarer Halbmond (S.469).

1930
Türkei: Konstantinopel: Umbenennung in Istanbul
(dtv-Lexikon Bd.9 S.22; 1990)

Türkei-Griechenland: Freundschaftspakt
(dtv-Atlas, S.167)

1930-er Jahre
Arabien: Diversifizierung und Distanzierung gegenüber England
‘Abd al-’Aziz bemüht sich um Diversifizierung seiner diplomatischen Bemühungen und will sogegenüber England seinen Handlungsspielraum erweitern, das im Fruchtbaren Halbmond weiter mit den Hasimiten zusammenarbeitet (S.458).

ab 1930 ca.
Vorderer Orient: Einbruch auf dem Baumwoll- und Textilsektor - totale Verarmung der Landbevölkerung
Die Händler erkennen die Weltwirtschaftskrise zuerst nicht, horten die einströmende, für sie noch billige Importware und bleiben dann auf ihr sitzen. Sie werden zu den Opfern der Dumpingpreise Russlands und Japans. Ausserdem sinken die Einnahmen der Pachtbauern bei Getreide unter das Existenzminimum (S.470).

Folge-Entwicklungen:
->> die Notvorräte der Landfamilien in Form von Goldschmuck landen im Schmelztigel der Aufkäufer
->> die Landbevölkerung verarmt vollends, nach dem Verlust des Karawanen- und Zwischenhandels durch den Suezkanal ein drittes Mal
->> grosse Landflucht (S.470)
->> grosse Arbeitslosigkeit in den Städten (S.470-471)

[sowie beginnende Verdammung des westlichen Kapitalismus].

Weitere Folge-Entwicklungen:
Schwere Krisenerscheinungen ohne Massnahmen - japanische Dumpingprodukte
-- Massenaufläufe, Streiks gegen japanische Dumpingpreise

-- Verringerung der Staatseinnahmen haben Strom- und Transportpreiserhöhung sowie Kurzarbeit, Lohnkürzung oder auch Entlassungen in Staatsbetrieben zur Folge, z.B. bei Hafenarbeitern

In der Folge fordern die arbeitslosen Demonstranten staatliche Massnahmen, aber:

-- der öffentliche Dienstleistungssektor untersteht noch weitgehend der Kontrolle der Mandatsmächte Frankreich und England

-- gegen japanische Dumpingoffensiven sind keine Schutzzollmassnahmen möglich, weil diese gegen die Mandatsprinzipien der "Offenen Tür" verstossen

-- die arabischen Territorien haben gegen die Wirtschaftkrise und die japanischen Dumpingpreise keine Möglichkeit einzugreifen

-- die muslimische Bevölkerung ist absolut schutzlos (S.471)

Weitere Entwicklungen:
-- Eröffnung des persischen Hafens von Khorramschahr/Muhammara am Satt al-’Arab, wodurch Basra Einbussen erleidet

-- die japanischen Textilien verdrängen durch ein neuartiges "konkurrenzloses" synthetisches Gewebe die einheimische Baumwolle

-- die Mandatsmächte bringen keine koordinierte Politik zustande, sondern denken nur an Konkurrenz unter sich und stellen dadurch lokale städtische verkehrswirtschaftliche Baumassnahmen zurück (S.471).

Vorderer Orient: Arbeitslosigkeit - die Entwicklung der Bourgeoisie wird abgebrochen
-- die Landbevölkerung/Fellachen, Pachtbauern und Händler werden arbeitslos (S.470)

-- im Fruchtbaren Halbmond wird die Entwicklungsphase einer arabischen Bourgeoisie durch die Weltwirtschaftskrise abgebrochen

-- der Karawanenhandel wird an den Rand der Ökonomie gedrängt (S.469)
-- der industrielle Entwicklungsstand bleibt sehr niedrig
-- die Erdölentwicklung ist in den Anfängen und wenn, dann in ausländischer Hand (S.470).

ab 1930 ca.
Arabien/Hedschas-Japan: Pilgerrückgang und Einnahmeausfall wegen Weltwirtschaftskrise - Plünderzüge - japanische Kunstperlen
-- Pilger aus Pakistan und Bangladesch bleiben weg wegen Weizen- und Reispreiszerfall in ihren Ländern durch die Weltwirtschaftskrise (S.471)

-- über 4/5 Pilgerrückgang
-- in der Folge fällt ein Grossteil der Staatsfinanzen Arabiens aus

-- die ihwan-Bewegung beginnt wieder mit Plünderungszügen, wie vor der Sesshaftigkeit
-- am Persischen Golf kommt es zu einer Krise der Perlenfischerei, weil die japanische Konkurrenz mit billigen Kunstperlen den Arabern den Markt kaputtmacht (S.472).

ab 1930
Arabien/West-Ost-Konflikt: "Containmentpolitik" der westlichen Mächte in der arabischen Welt, die gegen den Bolschewismus gerichtet ist
->> die "Containmentpolitik" fördert Baathismus und Nasserismus (S.434).

Ägypten-Vorderer Orient/Weltwirtschaftskrise: Engagement der "Muslimbruderschaft"
Die "Muslimbruderschaft" engagiert sich sozial mit grossem Engagement und bringt so die Verbindung von nationaler und sozialer Frage zustande:

-- Kampf gegen marxistische Elemente in der ägyptischen Arbeiterbewegung
-- taktische Allianzen je nach Situation mit der Wafd-Partei und den monarchischen Unionisten
(S.478).

ab 1930-er Jahre
Arabien: Rein Arabische Erdölpolitik ist nicht möglich wegen Venezuela und Iran
Arabische Bemühungen zur Errichtung eines eigenen autonomen regionalen Erdölmarktes mit eigener Preisstruktur haben keinen Erfolg wegen den Ölförderländern Venezuela und Iran (S.489).

ab 1930 ca.
Irak/Kirkuk/Öl: Exportpflicht für Öl aus Kirkuk - Exportpflichten - die Bevölkerungen bleiben arm
Das Öl, das von der europäisch-weiss-amerikanischen Iraq Petroleum Company IPC in Kirkuk in Irak gefördert wird, muss exportiert werden, weil die britische Tochter der APOC, "Rafidain", das Absatzmonopol für Öl aus Haniqin für den ganzen Irak besitzt (S.487).

Ähnlich geht es jedem Ölförderland. Die Europäer und weissen "Amerikaner" behalten das Sagen in den Ländern und streichen alle Profite ein. Aus der Sicht der Araber sind die Erdölförderabkommen der Europäer und weissen "Amerikaner" auf arabischem Boden Protektionsmassnahmen zugunsten der westlichen Gewinnmaximierung (S.487).

1930-er Jahre
Ölschwemme auf dem Weltmarkt
ist eine schlechte Voraussetzung zur Durchsetzung einer Verstaatlichung der Ölindustrien:

-- die weiss-"amerikanisch"-europäischen Gesellschaften kämpfen um ihre Marktanteile und geben auch den Achsenmächten keine Chance, in den arabischen Ölstaaten Fuss zu fassen

-- auch neuen weiss-amerikanischen oder japanischen Ölgesellschaften wird vom Achnacarry-Kartell der Zugang zum arabischen Boden verwehrt! (S.488)

1931
Palästinakonferenz in Jerusalem mit "gesamtarabischer Diplomatie"
(S.481)

ab 1930-er Jahre
Der islamische Reformführer Raschid Rida wendet sich dem puritanischen Wahhabismus Arabiens zu
(S.440)

1932
Arabien: Gründung des Königreichs Saudi-Arabien
(S.451) erfolgt in einer ökonomisch sehr kritischen Situation. Die ihwan-Rebellen agieren gegen ‘Abd al-’Aziz (S.472).

Bahrain/Öl: Ölfunde weiss-"amerikanischer" Erdölgesellschaften
(S.472)

Ägypten: Drastische Zolltariferhöhungen für ausländische Textilien
gegen japanische Dumpingware gerichtet.
In der Folge weicht die japanische Dumpingware in syrisch-libanesische Häfen und nach Basra aus, wo sie problemlos gelöscht werden kann, weil die Mandate nach "Völkerrechtstatut" keine Schutzzölle erheben dürfen (S.471).

Irak: Unabhängigkeit
-- Ausstrahlung des Irak auf die Gesamtregion bis nach Damaskus
-- neue Frage nach einer arabischen Einheit oder Föderation (S.449).


Arabiens Kniefall und Zustimmung zu Ölbohrungen - ägyptische faschistische "Jungägyptische Vereinigung" - englisches Ölkartell über Kuwait - libanesisch-faschistoide Jugendbewegungen und faschistoide "Volkspartei" in Syrien - erste überkonfessionelle irakische Partei "Ahali" - weiss-amerikanische Ölfunde in Saudi-Arabien - Ägyptische Forderung nach absoluter Unabhängigkeit - italienische Invasion in Libyen 1935 und Abessinienbesetzung 1936 - arabischer Aufstand in Palästina - "muslimischer Rat" in Syrien gegen Frankreich - englisch-italienische Aufteilung Abessiniens 1937 - Türkei befestigt Meerengen, Pakt von Saadabad - muslimischer Zwiespalt über global-muslimische Politik - erste ägyptische Gewinnbeteiligung am Suezkanal mit 7 %

Zusammenfassung
Arabien kann nur mit der Zustimmung zu Ölbohrungen an weiss-amerikanische Ölgesellschaften seine Kreditwürdigkeit wiedergewinnen. Als Gegenreaktion zur Weltwirtschaftskrise formiert sich in Ägypten die faschistische "Jungägyptische Vereinigung". Gleichsam betont die englische Ölgesellschaft APOC das Ölabsatzmonopol über Kuwait.

In Libanon entstehen neue faschistoide Jugendbewegungen, in Syrien die faschistoide "Volkspartei", alle gegen die Mandatsmacht Frankreich gerichtet, die weiter die Fäden der dortigen Regierungen in der Hand hält und Selbstbestimmungsrecht verweigert. In Irak kommt es gleichzeitig zur ersten überkonfessionellen Partei "Ahali", gesellschaftlich ein Meilenstein in der muslimischen Welt.

Ölfunde in Saudi-Arabien geben dem Land wieder seine kapitalistische Kreditwürdigkeit zurück, während Ägypten die absolute Unabhängigkeit fordert und Italien die Unabhängigkeit Libyens mit einer Invasion 1935 auf exemplarische Art und Weise vernichtet, ebenso diejenige des Restgebietes in Abessinien 1936 (mit Giftgas, wie heute bekannt ist).

In Palästina kommt es zu einem arabischen Aufstand, und in Syrien zum Gründung eines "muslimischen Rats" und zu einer christlich-maronitischen "Phalangistenbewegung". Die Franzosen wollen Syrien immer noch keine Selbstbestimmung zugestehen. England und Italien teilen unter sich Abessinien auf. Ein weiteres Polen entsteht.

Die Türkei erhält auf der Konferenz von Montreux die Bewilligung zur Befestigung der Meerengen. Iran und Irak schliessen ein Abkommen über den Satt al-’Arab, und mit der Türkei den Pakt von Saadabad. Palästina brodelt derweil weiter.

Die muslimische Welt ist gespalten in ihrer Politik, ob regionale oder globale Politik besser sei. Es fehlt an Linie und Entscheidungswille. Währenddessen erreicht Ägypten, dass das Land zum ersten Mal mit gnädigen 7 % am Gewinn der Suezkanalgesellschaft beteiligt wird. Wie gnädig ist das von Europas Kolonialisten, die weiter den Indienhandel, den Asienhandel, den Amerikahandel und durch ihre Waffen- und Gaseinsätze ganz Afrika in ihren Händen haben.

Das Palästina-Problem bleibt ungelöst. Die internationale Politik versagt. Hitler und Mussolini sind auch keine Lösungen, sondern nur Gewalt. Der arabisch-muslimische Hass steigt und steigt. Was sollen die Muslime auch anders aus ihrer Verarmung und Identitätszerstörung heraus machen, wenn die Ölgewinne weiter nur in "christliche" Taschen fliessen. Hitler steigt in Europa auf und wird für die Muslime zur falschen Hoffnung.

Chronologie (Fortsetzung)

1933
"USA"-Arabien/Öl: Öffnung für weiss-amerikanische Ölkonzessionäre zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise

(S.458)

Saudi-Arabien/Öl: Ölbohrungsvertrag
Die weiss-"amerikanischen" Ölgesellschaften arrangieren in Saudi-Arabien ein Ausbeuteabkommen
für Öl. Die Ölbohrungen beginnen (S.472).

Ägypten: Gründung der faschistischen "Jungägyptischen Vereinigung"
unter Rechtsanwalt Ahmad Husayn
-- mit dem Programm einer Synthese zwischen Faschismus und Islam
-- mit glühender Verehrung für Mussolini und Hitler
-- mit der angeblichen öffentlichen Empfehlung an Hitler, um Islam überzutreten (S.478).

Parteipolitische Mittel:
-- paramilitärischer Drill
-- straffe Organisation
-- Uniformierung in der Öffentlichkeit und Tragen grüner Hemden (S.478).

Programm:
-- Aufbau eines "starken Ägypten" als nahöstliche Ordnungsmacht
-- Unabhängigkeit, Landreform, Erziehung, Wehrtüchtigkeit des Volkes, bis zur politischen Ermordung des Gegners (S.478).

1933
"USA"-Europa-Kuwait/Öl: Ölabsprache in der "Kuwait Oil Company"
zwischen den Gesellschaften, die der Kuwait Oil Company angehören, der britisch-staatlichen "Anglo-Persian Oil Company" (APOC) und der weiss-amerikanischen "Gulf Exploration Company".
Festlegung:

-- das zu entdeckende Kuwait-Öl darf die bereits bestehenden Marktpositionen der APOC in Kuwait nicht beeinträchtigen

-- allfällig gefundenes Kuwait-Öl muss also exportiert werden, und persisches Öl importiert werden, damit die persische Position der APOC nicht gefährdet wird

-- diese Vorschrift wird auf die assoziierten Gesellschaften der APOC ausgedehnt, so dass der Absatz von Kuwait-Öl in Irak auch verboten wird (S.487).

[Es handelt sich um eine neue Form der Kolonialherrschaft].

1933 ca.
Libanon: Gründung politischer Jugendbewegungen für Maroniten: al-Kata’ ib und für Muslime: an-Naggada
-- nach dem Vorbild der deutschen Hitler-Jugend und der tschechischen Sokol-Bewegung, mit paramilitärischer Ausbildung:
-- zur Verteidigung der "libanesischen Identität" gegen grosssyrische Bestrebungen
-- zur Verteidigung der "libanesischen Identität" gegen die französische Besetzung (S.479).

ab 1933 ca.
Irak: die al-Ahali-Gruppe als Überkonfessionelle und sozialreformerische Partei
Anerkennung von gesellschaftlichem Pluralismus mit der Ideologie der "Volksgemeinschaft"/sa ‘biyya
beinhaltet Wohlfahrt für das Volk ohne Unterschied der Klasse, Religion oder Ethnie (S.480).

[Damit hat sie mit einer "Volksgemeinschaft" im Hitlerschen Sinn nichts mehr zu tun].

ab 1933
Saudi-Arabien/Öl: Ölfunde -
Das Ölgeschäft verhilft Saudi-Arabien wieder zur Kreditwürdigkeit. Die Profite streichen die
amerikanischen Ölgesellschaften ein. Gleichzeitig werden die arabischen Ölländer für Krisen am Erdölmarkt anfällig (S.472).

Ägypten: ägyptische Kompromisslosigkeit zur Unabhängigkeit
Ägypten fordert kompromisslos die wirtschaftliche Unabhängigkeit von England, um nie mehr eine solche Krise wie die Weltwirtschaftskrise zu erleben. Forderungen:

-- Aufbau einer importsubstituierenden industriellen Basis
-- Diversifizierung auf allen Sektoren der Wirtschaftsentwicklung
-- allgemein: Entwicklung zu mehr Zusammenarbeit der Länder des Fruchtbaren Halbmonds zu einem nahöstlichen Regionalmarkt (S.472).

ab 1933?
Syrien: Gründung der den Faschisten nahestehenden "Syrische Volkspartei" / al-hizb al-qawmias-suri
-- mit radikalem Nationalismus
-- mit Plan eines starken "phönizischen" Grosssyrien
-- mit paramilitärischen Organisationsmerkmalen (S.479).

1934
Türkei: Familiennamen - "Atatürk" / "Vater aller Türken"

-- Einführung von Familiennamen (dtv-Atlas, S.167)
-- Staatspräsident Mustafa Kemal Pascha bekommt vom Parlament den Zunamen "Atatürk"/"Vater aller Türken" verliehen (dtv-Lex.Bd.1 S.307; 1990).

Balkanpakt
zwischen Jugoslawien, Griechenland, Rumänien und der Türkei als französische Antwort auf sowjetische und faschistische Interessen auf dem Balkan und gegen Revisionswünsche Bulgariens (dtv-Atlas, S.165).

Ägypten: Attentatsversuch der "Jungägyptischen Vereinigung" auf den Parteivorsitzenden der Wafd, an-Nahhas
(S.478)

Arabien: Saudisch-jemenitischer Konflikt: Schlichtung durch "gesamtarabische Diplomatie"
(S.481)

Mitte 1930-er Jahre:
Ägypten: Verfassungskrisen
(S.465)

1935
Italien-Libyen: Kolonialkrieg gegen die Sanussi in der Cyrenaika
-- verursacht beträchtliche Unruhe in der arabisch-islamischen Welt (S.459)
-- Gräuel der italienischen Truppen unter Mussolini gegen muslimische Bevölkerung.
-- die Gräuel scheuen die "Jungägyptische Vereinigung" nicht vor weiterem faschistischem Fanatismus (S.478).

ab Mitte 1930-er Jahre
Ägypten: Die Wafd-Partei nimmt panarabische Strömungen auf und verliert die speziell ägyptische Ausrichtung
(S.429)

17.3.1935-30.10.1936
Irak: autoritäres Regime unter Yasin al-Hasimis
(S.476)

ab 1935 ca.
Vorderer Orient/Ägypten: Der "Verein muslimischer junger Männer" schwenkt von Panislamismus auf nationalistischen Arabismus
unterstützt Muslime in der Sowjetunion, in Palästina und in Jerusalem.
(S.477)

Ägypten: Namensänderung der "Jungägyptischen Vereinigung" in "Jungägyptische Partei"
um den Machtanspruch programmatisch zu profilieren (S.478).

1936
Abessinien: Italienische Besetzung - Faschismusinvasion in Afrika - Gefährdung Arabiens - Kontakte Arabien-3.Reich

-- italienische Invasion in Abessinien, dem "Land der Nilquellen" (S.467)

[-- Besetzung Abessiniens mit Giftgaseinsatz]
-- Ausdehnung des italienisch-faschistischen Einflusses auf den Jemen

-- Einschätzung von ‘Abd al-’Aziz: England und Italien werden sich die Macht bis auf die arabische Halbinsel aufteilen

-- 'Abd al-'Aziz nimmt Kontakte zu Hitler auf, um eine Machtbalance im arabischen Raum gegen England und Italien herbeizuführen (S.459).

Palästina: Arabischer Aufstand
mit transjordanischen und irakischen Vermittlungsbemühungen, was von den Wahhabiten in Arabien gar nicht gern gesehen wird, denn ‘Abdallah und Nuri as-Sa ‘id haben neue Föderationspläne, die die al-Hasim/Haschimiten noch mehr stärken würden (S.459).

1936-1939
Palästina: Bürgerkrieg 1936-1939
Die britische Mandatsverwaltung unterstützt abwechselnd arabische Partisanen und jüdische Haganah [militärischer "Selbstschutz"]. Beide Parteien lehnen Kompromissvorschläge ab (dtv-Atlas, S.259).

1936
England bleibt an Südküste Arabiens

England rückt von seinen Besitzungen an der Südküste Arabiens nicht ab (S.459).

Ägypten-GB: Umschwung der ägyptischen Regierung auf die Seite Englands
Rahmenbedingungen:
-- sich ausbreitende faschistische Ideologie im Mittelmeerraum
-- arabischer Aufstand in Palästina
-- allgemeine neue Aktivität der Arabischen Bevölkerung im Fruchtbaren Halbmond und in Ägypten (S.467).

In der Folge verändert sich die Position der ägyptischen Regierung:

-- die ägyptische Regierung ist zu einem Vertrag mit England nun bereit
-- England will sich für die Stärkung der Demokratie in Ägypten einsetzen

-- die Wafd-Partei fordert die Wiedereinsetzung der Verfassung und erhält dabei englische Unterstützung gegen den ägyptischen König, so dass der König die Verfassung wieder in Kraft setzen muss und freie Neuwahlen anberaumen muss (S.467).

Türkei: Gründung der Universität Ankara
(S.167)

Irak: Die pluralistische al-Ahali-Gruppe paktiert mit den Militärs, bekommt aber kaum grosse Gefolgschaft.
(S.480)

März 1936
Syrien: "Muslimischer Rat" gegen Frankreich
Konferenz der Küstenregionen Grosssyriens mit Vertrags- und Unabhängigkeitsverhandlungen mit der französischen Macht.

Konstituierung eines muslimischen Rats, da Aktivitäten einzelner Parteien gegen die französische Besetzung kaum etwas bewirken (S.479).

April 1936
Ägypten: Tod von König Fu’ ad - Nachfolger: König Faruq
ist noch unmündig und untersteht dem Kronrat (S.467).

Mai 1936
Ägypten: Freie Wahlen - Mehrheitsregierung der Wafd unter Mustafa an-Nahhas - neue englische Kompromisse im Licht des faschistischen Italien
England beschliesst ob der neuen Situation der faschistischen Ideologien im Mittelmeerraum und in Äthiopien Kompromisse mit der ägyptischen Bevölkerung:

-- Abschaffung des Wehrdienstes/"Kapitulationen"
-- Ägypten darf Mitglied beim Völkerbund werden
-- Beschränkung der englischen Militärpräsenz in Ägypten
-- Zugestehen der Selbstbestimmung der Sudanesen (S.467).

In der Folge unterschreibt die ägyptische Regierung den Vertrag, hat jedoch die Aktivität der ägyptischen extremen Nationalisten gegen sich:

-- sind gegen die Beibehaltung der englischen Marinebasis in Alexandrien
-- sind gegen die ausschliesslich britische Ausbildungsoffiziere in der ägyptischen Armee
-- sind gegen britische Land- und Luftkontingente in der Suezkanalzone
-- sind gegen die englische Benutzungsrechte von Transport- und Kommunikationseinrichtungen im Kriegsfall

In der Folge wird die Wafd-Partei propagandistisch diskreditiert und König Faruq politisiert mit einer achsenfreundlichen Politik gegen die Wafd-Mehrheit im Parlament (S.467).

26.8.1936
England-Ägypten: Ägypten erhält die De-facto-Unabhängigkeit: Abschluss des anglo-ägyptischen Vertrags
(S.460,462)

Okt 1936
Irak: Allianz zwischen oppositionellen Reformern und Militärs im Bakr-Sidqi-Putsch
Zum ersten Mal kommt es zu einem Interventionismus sozialrevolutionärer Militärs gegen eine autoritäre Regierung (S.476).

21.11.1936
Syrien: Gründung der christlich-maronitischen Bewegung "Phalangistischen Bewegung"
gegründet von Pierre al Gumayyil, Safiq Nasif, Charles Hilw/Hélou, Georges Naqqas und Emile Yarid,
auch mit paramilitärischen Organisationsmerkmalen (S.479).

2.1.1937
England-Italien: gemeinsame Erklärung über die Machtteilung in Äthiopien
(S.459)

Frühjahr 1937
Konferenz von Montreux: Alliierte gegen Faschismus im Mittelmeer: Erleichterungen für Ägypten und die Türkei
-- England-Ägypten: Abschaffung der Wehrdienste/"Kapitulationen" unter britischer Flagge auf der Konferenz von Montreux (S.462)

-- England-Türkei: Die Türkei erhält das Recht auf Wiederbefestigung der Meerengen [Schleifung der Festungen nach dem Vertrag von Lausanne 1923?]

-- gleichzeitig wird das Verhältnis zwischen der "Sowjetunion" und der Türkei angespannt (dtv-Atlas, S.167).

1937
Palästinakonferenz in Bludan bei Damaskus mit "gesamtarabischer Diplomatie"
(S.481)

Abkommen Irak-Iran: Satt al-’Arab untersteht bis ans gegenüberliegende Ufer der irakischen Hoheit
(S.495)

Vorderer Orient: Pakt von Saadabad zwischen der Türkei, Iran, Afghanistan und Irak
Festigung der Verhältnisse in der Region östlich der Türkei. Gleichzeitig zeigt die türkische Regierung eine Annäherung an die Alliierten.
(dtv-Atlas, S.167)

Palästina/Israel: Peel-Teilungsplan wird abgelehnt
(dtv-Atlas, S.259)

ab 1937
Arabien-3.Reich: Diplomatie zwischen Hitler und ‘Abd al-’Aziz
nach der Änderung der politischen Lage wegen England und Italien:

-- Arabien bezieht Waffen vom 3.Reich
-- Akkreditierung eines deutschen Botschafters in Dschidda.

Aber die Macht und die Ausstrahlung des arabischen Herrscherhauses Sa ‘ud verfällt unaufhaltsam (S.458).

Ende 1930-er Jahre/ 1938 ca.
Kuwait: Revolutionäre Verfassungsbewegung
die die Autokratie der Al Sabah bedroht und die den neuen irakischen Nationalismus unterstützt (S.459).

ab spätes 1930-er Jahre/ ab 1938 ca.
Arabische Länder: Die Existenzfrage: Kooperation auf welcher Ebene?
Existenzfrage, ob in den sozio-ökonomischen Fragen die Entwicklung der einzelnen arabischen Länder oder die Gesamtentwicklung Vorrang haben sollen (S.481).

späte 1930-er Jahre/ab1938 ca.
"USA"-Europa-Irak-Kuwait/Öl: Ausweitung der Öl-Sperrgebiete gegen Faschos und Japan
Die britisch dominierte europäisch-weiss-"amerikanische" Iraq Petroleum Company IPC dehnt als Sperrmassnahme gegen andere Gesellschaften ihre Konzessionsgebiete in die Golfregion aus, um japanische und faschistische Konkurrenz zu verhindern, kann aber die grossen "amerikanischen" Konzessionen in Saudi-Arabien "nicht mehr verhindern" (S.488).

[Grösser kann eine weiss-"christliche" Anmassung gegenüber muslimischen Ländern im Anblick der Verarmung nicht sein: Der ganze Öl-Profit fliesst in europäisch-"amerikanische" Kassen, während der Grossteil der muslimischen Bevölkerung verarmt].

1938
Ägypten/Suezkanal: erste Gewinnbeteiligung Ägyptens
Zum ersten Mal wird Ägypten an den Gewinnen der Suezkanalgesellschaft mitbeteiligt: mit gnädigen 7 % (S.392).

April 1938
England-Italien: Abkommen über Abessinien und Somalia
(S.459)

[29.9.1938
Konferenz von München: Bewilligung zur deutschen Besetzung des Sudetenlandes]


Beschränkung der jüdischen Einwanderung 1939 - türkische Gebietsgewinne von Syrien und Bündnis mit England und Frankreich gegen Russland - Inflation in Ägypten und erneute Verarmung sowie erneuter Abbruch der Bourgeoisie- Entwicklung - italienischer Vormarsch in Richtung Ägypten - Jewish Agency auf englischer Seite - Ägyptens Neuentwicklung von Industrien durch ausbleibende Konkurrenz - militärisch neutrale Türkei - Ägypten als englische Schaltzentrale: Middle East Supply Centre MESC - jüdische Brigade in der englischen Armee - Gründung der syrischen Baath-Partei und Nationalpakt im Libanon - Gründung der Arabischen Liga 1945

1939
Palästinakonferenz in Kairo und London - Beschränkung der jüdischen Einwanderung - jüdischer Terrorismus gegen die Beschränkungen
mit "gesamtarabischer Diplomatie" (S.481). Die britische Regierung gibt in London arabischem Druck nach. Die Konferenz wird zu einem "Neuen München". Englands Mandatsmacht beschränkt die jüdische Einwanderung und Landkäufe zur Erhaltung einer arabischen Mehrheit. Die neue englische Politik wird von jüdischen Terroristen bekämpft, z.B. Irgun Zwai Leumi (S.259).

Türkei: Gebietsgewinne - Pakt F-GB-Türkei gegen Stalin
-- die Türkei kann den Sandschad mit Iskenderun/Alexandrette zurückgewinnen [syrische Mittelmeerküste]
-- Abschluss eines britisch-französisch- türkischen Beistandspakts gegen den Stalinschen Terrorstaat "Sowjetunion" abschliessen (dtv-Atlas, S.167).

ab Sep 1939
Ägypten: Englische Kriegswirtschaft, Inflation und erneute Verarmung
Nach dem Kriegseintritt Englands treten die 1936 ausgehandelten Bedingungen des englisch-ägyptischen Vertrags von 1936 für einen Kriegsfall in Kraft:

-- englische Truppen können über das Transportsystem mit Seehäfen und Flugplätzen verfügen
-- englische Massnahmen zur wirtschaftlichen Selbstversorgung auch für die alliierten Streitkräfte sind erlaubt und werden durchgeführt (S.473).

In der Folge bekommt das Middle East Supply Centre MESC die Zuständigkeit auch für den gesamten Fruchtbaren Halbmond, die Arabische Halbinsel, Libyen, Mittelasien mit Iran, Somalia, Zypern und zeitweilig die Türkei, Griechenland und Jugoslawien (S.473).

Entwicklungen:
-- es kommt zu englischen Getreiderequirierungen im ganzen Vorderen Orient
-- die landwirtschaftlichen Produktionsziele werden von England vorgeschrieben
-- England führt Bedarfs- und Rationierungsquoten ein
-- England stellt für die Landwirtschaft technische und monetäre Mittel zur Verfügung (S.474).

Entwicklungen in Ägypten:

-- die Engländer befehlen die Diversifizierung des Agrarsektors, also die Rücknahme der monopolwirtschaftlich aufgebauten Baumwollwirtschaft zugunsten von Getreideanbau

-- zusätzlich Steigerung der Industrieproduktion um 50 % bis 1947

-- trotzdem kommt es zu einer Inflation der Lebenshaltungskosten von 1939-1945 von 100 auf 294 Indexpunkte um 194 % bei stagnierenden Einkommen der Arbeiterklasse und der Masse der
Landarbeiter (S.474)

1939-1940
Ägypten: Das Kabinett des achsenfreundlichen ‘Ali Mahir
mit dem Präsidenten des "Vereins muslimischer Junger Männer", Muhammad Salih Harb, als Verteidigungsminister (S.477).

ab 1939
Fruchtbarer Halbmond: keine Bourgeoisieentwicklung
Die Entwicklungsphase einer arabischen Bourgeoisie bleibt durch die Weltwirtschaftskrise abgebrochen (S.469).

Frühjahr 1940
Ägypten: Namensänderung der "Jungägyptischen Vereinigung" in "Islamische Nationalpartei"
um gegen islamische Konkurrenzbewegungen anzukommen (S.478).

Juli/Aug 1940
Europa: Faschistische Besetzung fast ganz Europas
Hitlers Truppen besetzen Frankreich. Das Hitler-Regime herrscht in einem Territorium mit nahezu 230 Mio. Einwohnern und riesigen Industriekapazitäten (S.473).

Sep 1940
Italien-Libyen: Italienischer Vormarsch von der Cyrenaika aus nach Ägypten
Das Mittelmeer ist aber für den Seehandel geschlossen. Der militärische Nachschub für die Achse wie für die Alliierten bricht zusammen (S.473).

[Mussolini strebt aber weiter in Richtung Suezkanal].

Herbst 1940 / Okt 1940 ca.
England-Ägypten/Kairo: Englische Planung eines Middle East Sypply Centre (MESC)
in Kairo, ausgelöst durch die Entwicklung in Europa, v.a. im östlichen Mittelmeer wegen Mussolinis Truppen (S.473).

1940-1945
England-Vorderer Orient/Ägypten: Katastrophale sozio-okonomische Entwicklungen
-- Ägypten ist der Mittelpunkt der alliierten Kriegsbewirtschaftung des gesamten Vorderen Orients
-- die Unabhängigkeitsrevolution gärt weiter (S.473).

Die sozio-ökonomischen Auswirkungen und die politischen Spätfolgen durch den zweiten Weltkrieg und die Alliierten sind dramatisch. Die Tätigkeiten der faschistischen Armeen Italiens und der Feldzug Rommels bleiben nur episodenhaft in der kollektiven Erinnerung der Araber. Die Gedanken an die Fremdbestimmung durch GB und F ist in der arabischen Gesellschaft vorherrschend (S.473).

1940-1945
Ägypten-Vorderer Orient: Engagierte "Muslimbrüderschaft" und Solidarisierung zu Revolutionen gegen die herrschenden Schichten
Die "Muslimbrüderschaft" engagiert sich sozial mit grossem Engagement und bringt so noch mehr die Verbindung von nationaler und sozialer Frage zustande. Der "Verein muslimischer junger Männer" wird wohl in dieser Zeit absorbiert:

-- Kampf gegen marxistische Elemente in der ägyptischen Arbeiterbewegung
-- taktische Allianzen je nach Situation mit der Wafd-Partei und den monarchischen Unionisten
 -- benutzt die Palästinafrage als Katalysator für die Propagierung einer Neuordnung der arabisch-islamischen umma (S.478).

Ägypten: Die "Jungägyptische Vereinigung" bleibt während der Zeit vehementeste Gegnerin des anglo-ägyptischen Vertrags von 1936, bleibt aber im Untergrund, bildet vorübergehend die politische Heimat für eine Reihe junger Offiziere (S.478).

Die Kriegsbewirtschaftung durch französische und v.a. englische Autoritäten fördert die Vermischung der muslimischen Gesellschaft, schafft Solidarität und fördert den sozialen Schichtungsprozess noch mehr, der jedoch gleichzeitig durch Verfassungsprobleme und ungelöste soziale Fragen behindert ist (S.469).

Im neuen Weltkrieg verstärken sich in den muslimischen Gebieten die Spannungen zwischen traditionellen Herrschaftseliten und der Masse der Gesellschaft.

-- die Massen werden in ihrem Willen noch mehr gestärkt
-- die Voraussetzungen für Revolutionen gegen die dünnen herrschenden Schichten werden immer besser (S.434).

1940-1945
Palästina/Israel: Jüdisch-alliiertes Versorgungszentrum
Die Jewish Agency baut Palästina zum alliierten Versorgungszentrum aus (dtv-Atlas, S.259).

ab 1940
Ägypten: neue Entwicklungschancen durch ausfallende Konkurrenz
durch die Blockade des Mittelmeers
-- kriegsbedingte forcierte Importsubstitution
-- oktroyierte Diversifizierung des Agrarsektors
-- Anhäufung beträchtlicher Devisenbestände bei den Industriellen, nicht beim Volk (S.472).

->> Die angehäuften Vorräte lassen hoffen für die Zeit nach dem Krieg (S.472)

[trotz der Versklavung der Bauern bei immer mehr sinkender Kaufkraft].

Irak: Die pluralistische al-Ahali-Gruppe gewinnt "patriotisches Profil und parteipolitisches Gewicht"
(S.480)

[1940-1941
SF-UdSSR: Finnland gewinnt gegen die Rote Armee - die ganze Welt meint, die NS-Truppen werden die Rote Armee leicht besiegen
-- und so werde Hitler für die Welt ohne grosse Verluste den Kommunismus auslöschen
-- die "USA" bleiben "neutral"].

1941
Türkei: Freundschaftsvertrag mit Deutschland unter Vorbehalt
denn die bestehenden Verpflichtungen gegenüber den Alliierten will die türkische Regierung erfüllen. Der Türkei gelingt es, im 2.Weltkrieg militärisch neutral zu bleiben (S.167).

Irak: Die pluralistische al-Ahali-Gruppe unterstützt die Nationalbewegung unter Raschid ‘Ali
al-Gaylani
(S.480)
 

April 1941
England-Ägypten/Kairo: Einrichtung des Middle East Supply Centre (MESC) in Kairo
(S.473) zur globale Mobilisierung und effizienten Koordinierung aller Ressourcen. Die Nachschubverbindung England-Ägypten verlängert sich durch die faschistische Sperrung des Mittelmeers ab Malta von 5000 auf 12’000 Meilen [um Afrika herum] (S.473).

1942
Palästina/Israel: Gründung einer jüdischen Freiwilligenbrigade als Teil der britischen Armee
(dtv-Atlas, S.259)

Feb 1942
Ägypten: Briten erzwingen Absetzung von ‘Ali Mahir
Der britische Botschafter zwingt König Faruq mit vorgehaltener Pistole, den achsenfreundlichen Premier ‘Ali Mahir abzusetzen und Mustafa an-Nahhas einzusetzen (S.467).

1943
Syrien: Gründung der Baath-Partei/"Partei der arabischen Wiedergeburt"/hizb al-ba ‘t
unter Michel ‘Allay und Salah ad-din Baytar (S.482).

Libanon: Nationalpakt zwischen den Parteien ohne schriftlichen Beschluss
(S.479)
-- mit Mehrheit der Maroniten (S.479-480)
-- bei gleichzeitigem Aufstieg der Phalangisten (S.480).

Der Nationalpakt vermindert auch die innermaronitischen Rivalitäten zwischen den Blöcken von Emile Eddé und Bisara al-Huri.

Die Partei der al-Kata’ ib - die maronitische Jugendpartei von 1933 - behält den Charakter einer breiten politischen Bewegung trotz straffer Organisation und differenzierter Programmatik. Sie ist wie die "Muslimbruderschaft" in Ägypten sozial tätig und aktiviert die unteren Schichten politisch.

In der Folge haben die Marxisten im Libanon bei Muslimen und Maroniten keine Chance, nur bei armenischen und kurdischen Christen.

Die Parteien bleiben mehrheitlich immer noch ethno-konfessionell aufgeteilt (S.480).

ab 1943
Vorderer Orient: Baathismus und arabische Nationalbewegungen wollen die Brücke zur Koexistenz mit dem arabischen Christentum bilden
(S.500)

ab Mitte 1940-er Jahre/ 1945 ca.
Libanon: Politische Profilierung der Jugendbewegungen von 1933 gegen Grosssyrer und Frankreich
(S.479)

1945
Ägypten: Die Inflation hat seit 1939 194 % erreicht
(S.474)

März 1945
Gründung der Arabischen Liga: Grosse Ziele - Instabilitäten in der Liga
(S.436)
-- zur Schaffung eines grossen gemeinsamen arabischen Marktes unter ägyptischem Vorsitz (S.474-475)

-- 1. Generalsekretär der Arabischen Liga ist ‘Abd ar-Rahman ‘Azzam Bey, Mitglied des Vereins muslimischer junger Männer, bewusst gegen die französisch-englische Dominanz (S.477)

-- gemeinsame Sprache, Religion und Tradition sowie antijüdische Emotionen verbinden die Grossregionen (dtv-Atlas, S.257)

-- die Arabische Liga will eine sozio-ökonomisch engagierte Organisation aller arabischer Staaten sein (S.481)

-- gleichzeitig aber spaltet sich die Organisation horizontal durch Spannungen zwischen alter feudalistisch- adligen Oberschicht und neuen Führungsgruppen der republikanischen Intelligenz, z.T. Offiziere

-- eine weitere Zweiteilung der Arabischen Liga erfolgt durch die allmähliche Entwicklung des Ölreichtums

-- konservative Moslembruderschaften und sozialrevolutionäre Baath-Parteien leisten sich einen zusätzlichen Dauerkampf

-- die Vereinigung ist also eine höchst labile Vereinigung (dtv-Atlas, S.257).


Rechtsextreme Kabinette im Irak - blockierte jüdische Einwanderung in kommuni- stisches Israel, KZ auf Zypern und Rückführung - "US"-Hegemonie im Vorderen Orient gegen die "Sowjetunion" - Libanon als Welt-Mikrokosmos - Juden werden zum UN-Problem, Teilungsvorschlag ohne Erfolg - muslimisches Bevölkerungswachstum - türkischer Beitritt zum westlichen Bündnis - Palästinakrieg und palästinensische Massenvertreibung 1948 durch Bombardierungen, Besetzungen der Küste und bis Elath - "US"-Entwicklungsprojekte und 50-50 %-Splitting - Israel als undemokratischer "Aussenposten" der "Demokratien" - militärische Entwicklung der Arabischen Liga und arabischer Boykott Israels

Mai 1945
Irak: Die pluralistische al-Ahali-Gruppe formiert sich als National-Demokratische Partei - Koalitionen mit Rechtsextremen, verlorene Glaubwürdigkeit
Die al-Ahali-Gruppe wird einer der Stützpfeiler der demokratischen Kräfte im Land.
Sie koaliert aber mit rechtsextremen, repressiven Kabinetten, u.a. unter Nur as-Sa ‘id, was die Spaltung innerhalb der al-Ahali-Gruppe provoziert, so dass jede Glaubwürdigkeit verloren geht (S.480).

ab Mai 1945
Palästina/Israel: Blockierte Einwanderung - KZ auf Zypern und Rückführung - jüdischer Terror
Weitere Blockade jüdischer Einwandererschiffe durch englische Vorschriften (und Schnellboote). Einreisewillige Juden werden in Zypern in einem KZ gehalten oder zum Teil sogar in ihre "Ursprungsländer" rückgeführt. In Israel beginnt eine jüdische Terrorwelle, die mit arabischem Gegenterror beantwortet wird (dtv-Atlas, S.259).

ab 1945
Vorderer Orient:
Beginn der militärischen "amerikanischen" Hegemonie - Unerfahrenheit der "USA"

-- die "amerikanische" Weltherrschaft löst die englische Dominanz in der Welt ab

-- die "amerikanische" Nahostpolitik ist gleichzeitig unerfahren und zum Teil argwöhnisch, so dass kein fruchtbarer Umgang mit den einheimischen und europahörigen Herrschaftseliten zustande kommt

-- die amerikanische Diplomatie betrachtet nationalbegeisterte Militärs als "bessere Bündnispartner" als"reaktionäre Eliten", weil immer der Kommunismus mit China und Russland im Hintergrund steht (S.476).

In der Folge fördert die neue amerikanische Macht
-- in Syrien die Militärs unter Adib as-Sisakli
-- in Ägypten die Militärs unter ‘Abd an-Nasir/Nasser (S.476).

[Die Beraubung des Vorderen Orients durch England und Frankreich ab der Eröffnung des Suezkanals 1869 ist in den "USA" scheinbar kein Thema].

Ägypten: Verschiedene Ideologien und Propaganda
-- Ideologien des Baathismus und Nasserismus (S.469)
-- die "Jungägyptische Vereinigung" bleibt im Untergrund (S.478)
-- Ideologie der "Einheit des Niltals", um die ägyptische Besetzung des Sudan zu rechtfertigen (S.376).

[Der Grossteil der Bevölkerung Ägyptens bleibt verarmt].

ab 1945
Syrien-"USA": Die "USA" protegieren die Militärs in den arabischen Ländern, in denen sie Reformer nach dem Vorbild von Kemal Pascha sehen
(S.482)

Libanon: ist durch seinen Pluralismus wie ein Mikrokosmos der grösseren arabischen Umwelt
wo Defizite politischer Freiheiten in anderen arabischen Ländern kompensiert werden können (S.498).

1946
Palästinakonferenz in Bludan bei Damaskus mit "gesamtarabischer Diplomatie"
(S.481)

Türkei: Neue Ansprüche der "Sowjetunion"
Die "Sowjetunion"
-- verlangt die Revision von Grenzverträgen und Meerengenverträgen
-- verlangt die Gebiete von Kars und Ardahan.
->> In der Folge sucht die türkische Regierung endgültig eine neue Allianz (dtv-Atlas, S.229).

1946/1947
Palästinakonferenz in London - Arabische Liga droht mit Krieg bei weiterer jüdischer Einwanderung - Delegierung des Problems an die "UN"
(S.481)

Eine britisch-amerikanische Kommission drängt auf Öffnung der Grenzen für 100’000 jüdische Einwanderer. Der britische Aussenminister Bevin findet keine Lösung, denn die Arabische Liga zeigt sich in einem solchen Fall zum Krieg entschlossen. Er unterbreitet das Problem der UN (dtv-Atlas, S.259).

1947
Ägypten: Steigende Produktion - aber die Verarmung bleibt
Ägyptens Industrieproduktion ist dank des unterbrochenen Mittelmeerhandels um 51 % gestiegen. Die Verarmung hat das aber nicht aufgehalten (S.474).

["USA": Truman-Doktrin gegen alle Länder, die "kommunistisch" sind
-- die "US"-Regierungen sind nicht fähig, ihr Pauschalurteil gegen den Kommunismus abzulegen
-- die "US"-Regierungen provozieren so weltweit neue Kriege, statt die Bedürfnisse der Menschen zu untersuchen und einen Mittelweg zu finden
-- die ganze "westliche" Welt getraut sich nicht, gegen die "USA" einzugreifen]

Palästina/Israel: UN-Teilungsvorschlag
durch den UNSCOP-Sonderausschuss. Der Teilungsplan ist von der UN-Vollversammlung und der Jewish Agency gebilligt. Die arabische Seite kündigt Krieg an. Besetzung von Galiläa und Angriff auf die jüdische Altstadt von Jerusalem (S.259).

[Ergänzung:
Die palästinensische Bevölkerung will sich nicht von der Küste als Handelsstandort verdrängen lassen].

14.5.1947
Ägypten: Wirtschaftslage: Das Bevölkerungswachstum frisst das Wirtschaftswachstum auf
geschildert von Finanzminister Makram ‘Ubayd bei Vorstellung des neuen Haushaltsplans:

-- im Krieg ist die Kluft zwischen den sozialen Klassen gestiegen

-- die Kapitalanhäufung der Unternehmer und die Industrieproduktionssteigerung haben der ägyptischen Gesellschaft keinen Vorteil gebracht, eine Alternative zum Agrarsektor ist nicht
entstanden

-- die innovative Chemieindustrie braucht ihrerseits wenig Angestellt und kompensiert die Arbeitslosigkeit und Armut nicht
-- mehr als 250’000 ägyptische Beschäftigte bei den Alliierten werden entlassen werden
-- Perspektive: nur zusätzliche Industrialisierung kann Arbeit bringen (S.474).

Nicht beachtet bleibt der schnell zunehmende Sozialkonflikt durch das Bevölkerungswachstum, das die Pro-Kopf-Wachstumsrate reduziert. Dadurch kommt es in den Bilanzen Ägyptens kaum noch zu einem Wachstumsergebnis.

Als Lösung wird die Schaffung eines grossen Marktes im Vorderen Orient vorgeschlagen (S.474).

29.11.1947
UNO-Resolution 181 zur Teilung Palästinas verabschiedet
(S.492)

[nicht erwähnt:
Die Manipulationen des WJC und der kommunistischen Länder in der UNO zur Israel-Gründung

-- die Mehrheit in der UNO für die Teilung Palästinas kommt mit falschen Opferzahlen des WJC über den Holocaust zustande, bei gleichzeitigem Verschweigen der Juden in der UdSSR und in "Amerika"

-- die kommunistischen Länder stimmen der Teilung Palästinas nur deswegen zu, weil sie die Hoffnung haben, Israel würde ein kommunistischer Satellit Russlands werden

-- die Palästinenser und die ganze arabische Welt weiss von den Manipulationen, bekommt in der westlichen Welt aber keine Stimme bzw. wird als unglaubwürdig dargestellt
aus: Benjamin Pinkus: The Sovjet Government and The Jews].

ab 1947
Vorderer Orient: Bevölkerungswachstum frisst Wirtschaftswachstum
In Irak, Syrien und Libanon wird das Wirtschaftswachstum durch die hohe Geburtenrate wie in Ägypten fast vernichtet, so dass in den Bilanzen kaum ein Wachstum ausgewiesen wird (S.474).

ab 1947 ca.
Vorderer Orient: Vordringen der "amerikanischen Ölinteressen" wegen entstehendem Kalten Krieg gegen die "Sowjetunion"

-- weiss-amerikanische rohstoffstrategische und "sicherheitspolitische" Planungen bestimmen die Rahmenbedingungen der Ölausbeute

-- Gewinne aus dem arabischen Erdöl sollen unter unter der Schirmherrschaft amerikanischer Ölfirmen den Wiederaufbau in Europa finanzieren

"Das im grossen Stil zu fördernde arabische Erdöl sollte dem Wiederaufbau des kriegszerstörten Europa - unter der Ägide amerikanischer Ölgesellschaften - verfügbar gemacht werden und zugleich die kriegsbedingte hohe Inanspruchnahme amerikanischer Rohölreserven kompensieren."

-- die mittelamerikanische Erdölförderung (Venezuela) soll zurückgeschraubt werden

-- die Ölmenge im Nahen Osten ist so gross, dass das Problem in der Vermeidung eines Überangebots besteht

-- die "USA" wollen unbedingt eine Verstaatlichung der Erdölindustrien im Nahen Osten vermeiden und wie in Zentralamerika (Venezuela) Anreize für neue, private Erschliessungen schaffen (S.488).

Folge-Entwicklungen:

-- die "USA" konzentrieren sich auf Arabien und Kuwait und propagieren den Bau von Pipelines durch die Wüste ans Mittelmeer unter dem Schlagwort "Saudi Arabia’s Vital Link to the West"

-- gleichzeitig propagieren die "USA" eine "strategische Vorratshaltung für militärische Zwecke in
einem nicht auszuschliessenden neuen Krieg"

-- der Nahe Osten nimmt für die weiss-amerikanische Politik eine rohstoffstrategische bzw. geopolitische Schlüsselstellung gegenüber der "Sowjetunion" ein (S.488).

In der Folge hofft die ganze arabische Welt, v.a. in Ägypten, Libanon, Syrien, Jordanien und Palästina, auf Transitgebühreneinnahmen durch Ölpipelines und Gewinne durch Raffineriekomplexe

-- um die sozio-ökonomischen Nachkriegsprobleme zu bewältigen
-- um die Kriegswirtschaft in eine Wirtschaft für Friedenszeiten umzugestalten
-- um die Motorisierung in den arabischen Staaten selbst durchführen zu können: Bewässerungspumpen, Strassen- und Schienenverkehr, Militär, Luftfahrt (S.489).

In der Folge stösst die eigene Raffinierung bei englisch-weiss-amerikanischen Ölgesellschaften auf Widerstand, denn diese ziehen eine europäische Raffinierung vor (um Konkurrenz zu vermeiden). Es kommt zu Konflikten zwischen europäischen und "US"-Stragien (S.489).

14.5.1948
Palästina/Israel: Palästinakrieg
-- England gibt das britische Mandat über Palästina an die UNO ab
-- Abzug der britischen Armee und der Verwaltung. Das Land verfällt in Anarchie (dtv-Atlas, S.259).

-- am selben Tag vollzieht der jüdische Terrorist und Rassist Ben Gurion vor dem jüdischen Nationalrat die "Proklamation des Staates Israel" und eine jüdische Hoheit über das Land

-- als Reaktion folgt von der Arabischen Liga der kollektive Angriff, unterbrochen durch UN-Vermittlungen im Juni und Juli (S.259)

-- Verdrängung der palästinensischen Gesellschaft aus einem grossen Teil Palästinas durch Vertreibung (S.492)

[nicht erwähnt:
-- die Führung der Arabischen Liga fordert grosse Teile der palästinensischen Bevölkerung auf, ganze Quartiere an der Mittelmeerküste zu verlassen, mit der geplanten Rückeroberung

-- die Taktik der Arabischen Liga schlägt fehl, denn diese Gebiete können nie mehr zurückerobert werden].

Aug 1948
Palästina/Israel: Jüdische Eroberungen dank Flächenbombardements - Mord an Bernadotte
Israelische Luftüberlegenheit (mit Flächenbombardements) verhilft den jüdischen Truppen zur Besetzung eines Teils von Palästina. Das Westjordanland wird Jordanien überlassen (um die arabische Koalition zu spalten). Flucht ganzer arabischer Bevölkerungsteile (S.259).

Jüdische Terroristen ermorden den UN-Beauftragten Graf Bernadotte. Eroberung von Elath (S.259).

Ende 1948
Arabisches Fiasko in der Palästinafrage
-- fördert Baathismus und Nasserismus (S.434)
-- die Niederlage im Palästinakrieg macht das Führungsproblem der "Arabischen Bewegung" erst jetzt offensichtlich. Direkt betroffen ist das irredentistische Syrien (S.482).

ab 1948
Palästina/Öl: Die Palästinenser sind vom Ölboom ausgeschlossen - "permanenter Kriegszustand"
Die Palästinenser müssen ihre Hoffnungen auf eine eigene Ölraffinerie oder einen Endpunkt einer
Ölpipeline an der palästinensischen Küste begraben. Sie können vom amerikanischen Ölförderprogramm der "USA" nicht profitieren (S.489)

[weil die jüdische Armee fast alle palästinensischen Siedlungen an der Küstenlinie und in Teilen Israels zerstört und die Palästinenser der vernichteten Siedlungen zum Grossteil aus dem Land vertrieben hat. Stattdessen werden nun jüdische Städte und Raffinerien die Profite kassieren].

Die arabische Welt steht mit Israel in permanentem Kriegszustand (dtv-Atlas, S.257).

ab 1948 ca.
"USA"-Politik gegenüber den arabischen Ländern: "Entwicklungsprojekte" und Planung des 50-50 %-Splitting des Ölgewinns

-- das "Red Line Agreement" und die Absatzkonzessionen zugunsten der APOC in Kuwait und Irak wird als Verstoss gegen das Prinzip der "Offenen Tür" gebrandmarkt (vor 1945 nicht, jetzt plötzlich!), die "USA" empfehlen ein "fifty to fifty profit splitting"

-- die "USA" setzen für nahöstliches Öl einen niedrigeren Preis fest, unabhängig vom bisher weltmarktüblichen "Golf-von-Mexiko"-Preis (S.489), da die Gestehungskosten in Arabien und am Persischen Golf niedriger sind als in Venezuela (S.490)

-- "US"-Entwicklungsprojekt einer "Arab-American Oil Company" CARAMCO

-- "US"-britisches Entwicklungsprojekt im Irak mit einem "development-board", das mit Öl-Gewinnen Infrastrukturprojekte finanzieren soll wie z.B. Flussregulierungen und Bewässerungsanlagen (S.489).

[Das Wesen des Kapitalismus ist an diesem Beispiel ganz und gar entlarvt. Mit Entwicklungsprojekten soll die Gunst der muslimischen Ölförderstaaten erschlichen werden].

ab 1948
Israel: Der undemokratische "Aussenposten" der "christlichen Welt" - Rassismus provoziert Gegen-Rassismus
Israel wird vom Westen als "demokratischer Aussenposten" in einem "politisch instabilen und unberechenbaren Vorderen Orient" angepriesen (S.500)

[obwohl Israel eine Theokratie ist mit Kriegsplänen und Verteibungspraxis nach Herzl, mit einem Überlegenheitsglauben etc.]

Für die islamische Welt ist Israel eine tiefe religiös-politische Herausforderung [in Richtung Pluralismus]
(S.500), wobei auch Israel religiöse Symbole mit in die Politik einbringt und den Staat auf der Zugehörigkeit zum Judentum begründet: "konfessionell begründete Staatslegitimation" (S.501).

Die Konfrontation zwischen den Religionen geht weiter, statt pluralistisch zu werden und die Religion nur auf Staatssymbole zu beschränken.
Die integrierenden Prozesse im Islam haben mit der Existenz des rassistischen Israel keine Chance, sondern es kommt zur mehrheitlichen zwanghaften Desintegration und Isolation von Minderheiten auch in islamischen Staaten (S.501).

ab 1948
Israels Willkür-Politik gegenüber der muslimischen Welt

-- Israel hält die Grenzen, v.a. aber die Ostgrenze, nicht für definitiv [bzw. in der Resolution zur Gründung Israels werden gar keine Grenzen definiert!]

-- Israels Militärpolitik beansprucht im Nahen Osten eine "Vorrangstellung" auf "Unbesiegbarkeit"

-- Israel liegt genau im Schnittpunkt der drei Grossregionen Niltal-Syrien-arabische Halbinsel und
blockiert Verbindungen, die für die arabische Welt essentiell sind (S.492).

In der Folge wird die "Palästinafrage" zum grössten Konfliktfall der arabischen Welt.

Israel:

-- missachtet die Rechte der Palästinenser auf ihre Heimat
-- gibt sich her als Vorposten imperialer europäisch-weiss-amerikanischer ("christlicher"!) Politik
ist religiös gesehen eine "doppelte politische Erbsünde" (S.492)

[und religiöse Juden bekämpfen diese Strategie zum Teil bis heute].

In der Folge überbieten sich arabische Politiker gegenseitig, Israel zu "vernichten", weil die jüdische Militärpolitik systematisch Menschenrechte nicht beachtet (S.492).

ab 1948
Arabische Liga: neue militärische Anforderungen an die Arabische Liga

nach dem Kriegsausgang gegen Israel

-- statt sozial-politische Aktivitäten treten militärische Aktivitäten mit Verteidigungsallianzen in den Vordergrund

-- die "USA" und England versuchen die Errichtung eines Middle East Command mit einer "Containment policy" in den Verträgen mit den arabischen Ländern abzupressen/einzufordern

oo gegen die "Sowjetunion" gerichtet
oo gegen die sozialrevolutionären Bewegungen im Nahen Osten gerichtet
oo mit eigenen sozio-ökonomischen Entwicklungszielen im Point Four Programme (1949) (S.481).

In der Folge
-- werden die politischen Systeme der arabischen Staaten durch die US-Politik der Erpressung und durch die jüdische Politik in Israel weiter destabilisiert
-- die "US"- und die englische Politik beschleunigen die Fragestellung nach der Verbindung von sozialer und nationaler Frage in den arabischen Staaten (S.481).

ab 1948
Vorderer Orient: "Neue Qualität" bei den "Arabischen Bewegungen"
mit neuer sozial-revolutionärer Komponente. Der Bewegung fehlt aber die Führung (S.482).

1949
"USA": Truman-Erklärung mit sozio-politischen Point Four für die arabischen Länder
(S.488)

Türkei: Beitritt zum westlichen Bündnissystem nach Verkündung der Truman-Doktrin
(S.229)

Feb-Juni 1949
Palästina/Israel: Waffenstillstandsverhandlungen
(S.259)

25.6.1949
Syrien: Staatsstreich unter Husni az-Za ‘im - sozialistisch-europäisches Programm
-- Putsch unter dem kurdisch-stämmigen General aus Aleppo, von den "USA" protegiert in der Hoffnung auf ein Arrangement mit Israel

-- Husni az-Za ‘im hat die Arabische Sozialistische Partei unter Akram al-Hawrani hinter sich, dem eigentlichen Inspirator des Staatsstreichs. Reformprogramm:

-- Landreform
-- Rechtsmodernisierung
-- Liberalisierung des Wahlsystems
-- Förderung europäischer Bekleidung (S.482).

Juni 1949
Palästina/Israel: Waffenstillstandsabkommen
-- Teilung Jerusalems
-- das westliche Jordanland fällt an Jordanien
-- der Gaza-Streifen fällt an Ägypten (dtv-Atlas, S.259).

[In der Folge gibt es kein Palästina mehr, und die Palästinenser müssen sich entscheiden, in welchem Staat sie leben wollen].

Juli 1949 ca.
Syrien: Versuchte Verbindung mit Irak gegen Israel bringt Argwohn Saudi-Arabiens und Ägyptens
Husni az-Za ‘im ersucht den Irak um ein Militärbündnis, um gegen Israel in Verhandlungen eine starke Position einzunehmen.

Saudi-Arabien und Ägypten haben Argwohn gegen Syrien und Irak und lösen Gegenmassnahmen aus, denn Husni könnte ein Grosssyrien planen:

-- Saudi-Arabien will eine hasimitisch dominierte Föderation des Fruchtbaren Halbmonds verhindern
-- Ägypten will auf seine Führungsrolle in der Arabischen Liga nicht verzichten

Dabei plant Husni gar keine Hegemonie im Fruchtbaren Halbmond (S.482).

Aug 1949 ca.
Syrien: Zuwendung zu Kairo bringt "Arabischen Kalten Krieg"
-- Husni az-Za ‘im wendet sich Kairo zu, um gegen Israel eine starke Position zu bekommen
-- damit ist die Ära des "Arabischen Kalten Krieges" und der Sturz von Husni az-Za ‘im eingeleitet (S.482)
-- die arabischen Nationalbewegungen und die aussenpolitischen Tätigkeiten der arabischen  Staaten sind dadurch gelähmt (S.483).

[Israel und die "USA" haben in Zukunft das "Vergnügen", die arabischen Kräfte gegeneinander ausspielen zu können].

14.8.1949
Syrien: Staatsstreich in Syrien unter Sami al-Hinnawi
(S.482) wird Opfer des "Arabischen Kalten Krieges" (S.482-483).

19.12.1949
Syrien: Staatsstreich unter Adib as-Sisakli
(S.482) wird Opfer des "Arabischen Kalten Krieges" (S.482-483).

1949-1952
Israel: Regierung unter Staatspräsident Chaim Weizmann: Staatsaufbau Israels gegen arabischen Boykott
-- Zustrom und Eingliederung von Juden aus aller Welt
-- Ausbildung der neuhebräischen Staatssprache Iwrith
-- Landesausbau durch genossenschaftliche Dörfer "Moschaw und freiwillige Kollektive "Kibbuzim" ohne Privatbesitz
-- Programm der "Eroberung der Wüste" mit Aufforstung und Bewässerung (dtv-Atlas, S.259).

Der Staatsaufbau wird durch ausländische Kapital- und Wirtschaftshilfe finanziert.

[Der Staatsaufbau ist in höchstem Masse kommunistisch und bringt kaum rentierende Industrien oder Landwirtschaftsbetriebe hervor].

Trotzdem existiert in den von der "Sowjetunion" beherrschten Ostblockstaaten für Juden eine Auswanderungssperre,

[weil sich die "Sowjetunion" mit den unterdrückten arabischen Völkern solidarisiert. Es kommt zur völlig komplexen Situation, dass der "Westen" ein kommunistisch strukturiertes Israel unterstützt, und die "Sowjetunion" selbiges verhindern will, denn die Israelische Staatsmacht arbeitet mit dem CIA zusammen].

Israel wird von den arabischen Staaten boykottiert, der Suezkanal für Israel gesperrt und der Hafen von Elath blockiert. Es kommt zu Einfällen ägyptischer Sabotagetrupps "Feddayin", und die UdSSR leistet sowjetische Militärhilfe an die arabischen Staaten (dtv-Atlas, S.259).

ab 2.Hälfte 20.Jh.
Arabischer "kalter Krieg" gegen Israel
(S.436)


"US"-Diskussion um Vernachlässigbarkeit von Venezuela - Türkei: Re-Osmanisierung und Verschuldung unter Menderes - Ägyptische Revolution 1952 gegen korrupte Monarchie und Machtübernahme Nassers 1954, Abkommen zur Räumung der englischen "Kanalzone" - Unabhängigkeit des Sudan - aufkommende Zypernfrage - Verstaatlichung des Suezkanals 1958 wegen Assuan-Staudamm - englisch-französisch-jüdische Besetzung des Suezkanals - Abzug und UN-Polizei - Staatsstreich im Irak und Militärabkommen mit Russland - Ägypten-Syrien bilden "Vereinigte Arabische Republik" VAR - Gründung der OPEC - deutsche Rüstung für Israel - türkische Militärrevolte und "Kemalismus" - geistige Retardierung in Saudi-Arabien - Auflösung der VAR

Zusammenfassung
Die "US"-Ölpolitik provoziert die Gründung einer OPEC. Der Suezkanal ist umkämpft, wie wenn dessen Besitz die Lösung des Weltenglücks darstellen würde. Kurz kommt es zum Ansatz zu einer "Vereinigten Arabischen Republik", während in der Türkei eine Re-Osmanisierung gestoppt wird. Schliesslich wird auch die "Vereinigte Arabische Republik" gleich wieder aufgelöst. In der Folge verfolgt jeder arabische Staat seine eigene Strategie. Chaos breitet sich aus.

Chronologie (Fortsetzung)

1950-er Jahre
"USA"/Öl: Ölförderzentren sind Saudi-Arabien und Iran - Venezuela vernachlässigbar
(S.489). Eine "US"-Studie besagt, dass die Stellung der amerikanischen Erdölgesellschaften weltweit stark genug sei, dass man auf das teure Öl aus Venezuela sogar verzichten könne (S.489-490) und somit auch die entwicklungspolitischen Programme in Venezuela streichen könne. Venezuela könne man von den "entwicklungsmässigen Programmen abkoppeln" (S.490).

Vorderer Orient: Revolutionäre Umwälzungen gegen die Grossgrundbesitzer und Durchführung von Landreformen
(S.405)

1950-er Jahre?
Beirut: Das (1870?) gegründete "Syrien Protestant College" wird zur "Amerikanischen Universität"
(S.426)

1950-1961
Türkei: Re-Osmanisierung und Verschuldung unter Regierung Menderes
Ministerpräsident Menderes gibt reaktionären religiösen Tendenzen nach und re-osmanisiert den Staat, der durch grosszügige landwirtschaftliche Förderung verschuldet (dtv-Atlas, S.229).

Anfang 1950-er Jahre/ 1951 ca.
"USA"-Zentralamerika: Einführen der 50 %-Gewinnbeteiligung für das Ursprungsland im Ölgeschäft
"US"-Ölfirmen führen das "fifty to fifty profit splitting" ein und beteiligt die Regierung von Venezuela mit 50 % am Gewinn (S.489).

1952
Ägypten: "Ägyptische Revolution"
(S.367); Militärrevolte gegen die korrupte Monarchie und die Wafd-Regierung. König Faruk I. muss abdanken (dtv-Atlas, S.257).

Ägyptens Revolution ist die Initialzündung für weitere arabische Volksrevolutionen in den muslimischen Ländern. Es kommt zur Machtübernahme durch freie Offiziere

und/oder zur Verbreitung des Baathismus und Nasserismus, die sich gegenseitig bekämpfen. Die eigentlichen sozialen und nationalen Fragen sind in den muslimischen Ländern mit den Revolutionen nicht gelöst (S.434).

Ägyptens Wafd-Partei ist erstmals seit 1924 nicht mehr stärkste Partei im ägyptischen Parlament (S.466).

1952/1953
Ägypten: Nasser: Schrift "Die Philosophie der Revolution"
zur politischen "Ortsbestimmung" Ägyptens: These der drei Kreise, in denen das Land stehe:
-- der arabische Kreis, der wichtigste,
-- der afrikanische Kreis
-- der islamische Kreis (S.459).

1953
Ägypten: Proklamation der Republik unter General Nadschib
Der Revolutionsrat setzt ihn aber gleich wieder ab und setzt die Gleichschaltung der Parteien in einer "Nationalen Union" durch (dtv-Atlas, S.257).

1954
Ägypten: Machtübernahme durch Oberst Gamal Abd el Nasser mit Reformprogramm

(dtv-Atlas, S.257);
-- Nasser wird "Anführer" der "Arabischen Bewegung" des ganzen Vorderen Orients (S.482)
-- Nasser hat aber keine Ideologie

-- aber sein Programm hat Kontur (mit Hoffnung auf die Finanzierung durch die Weltbank):
oo Landreform, die auch durchgeführt wird
oo Industrialisierungsprojekte
oo hydroelektrische Bauvorhaben (S.483).

Nasser bekommt aber bald grosse Probleme:
-- wuchernde Bürokratie
-- demographische Bevölkerungsexplosion
-- überhand nehmende Urbanisierung (S.483).

->> es kommt zu einer Entwicklung ohne Wachstum.
->> politisch kann er zwischen den "USA" und der "Sowjetunion" keine eigene Position bekräftigen und wird zum Streitfall zwischen den beiden Grossmächten (S.483).

Israel: Gründung der hebräischen Universität Jerusalem
(dtv-Atlas, S.259

England-Ägypten: Abkommen zur Räumung der Kanalzone
(dtv-Atlas, S.257)

1955
Türkei: Antigriechische Pogrome in Istanbul und Izmir. Verhängung der Zensur. Studentenunruhen und Teuerung
(dtv-Atlas, S.229)
[-- Vertreibung der griechischen Bevölkerung nach Griechenland, v.a. nach Saloniki
-- Zerstörung griechischer Kirchen in der Türkei
-- im Gesamten handelt es sich um eine völkerrechtswidrige Säuberung].

Ägypten: Waffenkäufe in der Tschechoslowakei
beunruhigen den westlichen Machtblock. Die Weltbank meldet für die ägyptischen Entwicklungsprojekte neue Vorbehalte an (S.257).

Sudan: Entscheid für Unabhängigkeit
Das sudanische Parlament entscheidet sich für einen eigenen Staat, gegen die ägyptische Ideologie der "Einheit des Niltals" (S.376).

ab 1955
Griechenland-Türkei: steigender Streit um Zypern
(dtv-Atlas, S.229)

1956
Unabhängigkeit des Sudan
(S.376)

1956-1970
Ägypten: Gamal ‘Abd an-Nasir/Nasser wird Präsident - "US"-Hilfe für Assuanstaudamm wird gestrichen
(S.368)
Das westliche Misstrauen bleibt bestehen. "US"-Aussenminister Dulles lehnt eine Finanzhilfe für den Bau des Assuan-Staudamms ab. Nasser soll selber sehen, von wo das Geld kommt (dtv-Atlas, S.257).

Die Dynastie von Muhammad ‘Ali 1805-1840 wird in der ägyptischen Geschichtsschreibung allgemein verdammt (S.367).

Juli 1956
Ägypten: Verstaatlichung des Suezkanals - Nassers Charisma
Nasser lässt zur Eigenfinanzierung seiner Entwicklungsprojekte und vor allem des Assuan-Staudamms den Suezkanal verstaatlichen und ägyptisch besetzen. Dabei lässt er die meist britischen und französischen Aktionäre entschädigen und garantiert freie Schifffahrt. Die Westmächte wollen den Schritt Nassers nicht akzeptieren und rufen drei Konferenzen der "Suezkanal-Benutzer" in London ein. Am Ende billigen Indien und die "Sowjetunion" den Schritt (dtv-Atlas, S.257).

Mit dieser Handlung begründet Nasser endgültig sein Charisma. Das Bewusstsein der Unabhängigkeit in Ägypten triumphiert "über die Arroganz der Dulles- und Eden-Diplomatie".

Nasser betreibt eine Politik der Blockfreiheit und des positiven Neutralismus. Aber diese Politik ist eher ein Resultat äusserer Einflüsse Indiens, Jugoslawiens und Chinas als eines eigenen
Programms. Nasser besitzt politisch kaum analytische Fähigkeiten (S.483).

Mitte 1956 ca.
Israel: Zionistischer Weltkongress mit Forderungen an die Welt
-- Appell zur Aufhebung der jüdischen Auswanderungssperre der Ostblockstaaten
-- Appell zur Aufhebung der Sperrung des Suezkanals
-- Appell zur Aufhebung der Sperrung des Hafens von Elath
-- Appell gegen Ägyptens Sabotagetrupps "Feddayin" und sowjetische Militärhilfe (dtv-Atlas, S.259).

Okt 1956
Israel-Krieg: Angriff auf Ägypten - jüdische Besetzung bis zum Suezkanal zusammen mit England und Frankreich
-- Entwaffnung ägyptischer Truppen und Öffnung des Hafens von Elath
-- Besetzung des ganzen Sinai bis zum Suezkanal (dtv-Atlas, S.259)

-- der ganze Krieg dient mehr zur Demonstration der Überlegenheit, weniger zum Schutz der Sicherheit (S.492)

[-- der ganze Krieg mit seinen territorialen Eroberungen findet im Sinn der rassistischen Ideologie von Herzl "Der Judenstaat" statt]

-- gleichzeitig besetzen französische und englische Truppen den Kanal (dtv-Atlas, S.257).

Nov 1956
UNO/Suezkanal: Die "USA" und die UNO verurteilen die Militäraktionen in der Suezkanalzone
Die englischen, französischen und jüdischen Truppen ziehen aber nicht ab, so dass die "Sowjetunion" mit massivem Eingreifen droht (S.257).

ab 1956
Israel wird zum westlichen Pfeiler zum Schutz der "westlichen Interessen"
-- vor allem für die Öl-Energieversorgung durch Zugriff auf den Suezkanal
-- Nasser wendet sich einem Panarabismus zu (S.483).

1957
Frankreich-England-Israel-Suezkanal/UNO: Abgabe der Eroberungen an die UNO - UN-Polizei
UNO-Beschluss: Übergabe der besetzten Gebiete Sinai und Gaza-Streifen an die UN-Streitkräfte (dtv-Atlas, S.259).

Aufstellen einer UN-Polizeitruppe in der Suezkanalzone und im Gaza-Streifen (dtv-Atlas, S.225).

Auch die französischen und englischen Truppen ziehen ab. Der westliche Block verliert, die "Sowjetunion" gewinnt weltweit an Prestige. Die "Sowjetunion" finanziert Ägypten und Syrien Militär- und Wirtschaftshilfe. Ägypten bekommt sowjetische Finanzspritzen für den Assuan-Staudamm. Vor allem Nasser kann seine "Führungsrolle" in der arabischen Welt festigen (dtv-Atlas, S.257).

ab 1957
Arabien: Abkehr von Nasser - Allianz mit den "USA"
Ab 1957 Abkühlung der Beziehungen zu Nasser und Zusammenarbeit mit den "USA" in Sachen Stützpunkte, bedingt durch die vorwiegend amerikanische Ölförderung. Nasser bleibt aber Zentrum der arabischen anti-jüdischen Agitation (S.257).

Ende 1950-er Jahre/ ab 1958 ca.
"USA" senkt den Ölpreis für Venezuela - Gegenmassnahme: Planung einer OPEC

-- Senkung des Ölpreises auf das Niveau des arabischen Ölpreises, was die Staatsfinanzierung und Entwicklungsprojekte in Venezuela gefährdet

-- die venezuelanische Politik beginnt sich gegen die Ölpreissenkung der "USA" zu wehren und nimmt mit den nahöstlichen Ölstaaten Kontakt auf

-- gleichzeitig sehen die arabischen Länder ihren Ölpreis als zu niedrig an, wenn all die immensen  entwicklungspolitischen Aufgaben der Region berücksichtigt werden sollten.

->> Diskussion im Wirtschaftsausschuss der Arabischen Liga (S.490).

Es kommt eine gesamtarabische Solidarität in der Frage des Ölpreises gegen die Ausbeutungspolitik der europäisch-weiss-amerikanischen Ölfirmen zustande

plus: Es kommt eine transatlantische Solidarität bis Venezuela zustande

plus: Der Irak lädt alle Hauptölförderländer zu einer Konferenz ein: Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela (S.490).

1958
Irak-Revolution - sowjetische Militärhilfe
Die Haschimiten-Familie und die Gefolgschaft aus Militär und Verwaltung wird des Verrats an der Arabischen Bewegung beschuldigt (S.448):

-- dies ist eine ungerechte Pauschalverurteilung (S.449)
-- Folge: Staatsstreich von ‘Abd al-Karim Qasim

-- Folge: und Allianz mit der al-Ahali-Gruppe "National-Demokratische Partei", die aber nicht lange dauert (S.480-481)

-- Folge: Ermordung Faysals III., Zerfall der Arabischen Union mit Jordanien und Kündigung des Bagdad-Paktes

-- Folge: Gegenrevolten unter Oberst Aref werden niedergeschlagen
-- Abschluss der Entwicklung: Militärabkommen mit der "Sowjetunion" (dtv-Atlas, S.257).

Ägypten-Syrien: Zusammenschluss zur Vereingten Arabischen Republik VAR - Militärregierung im Sudan
(S.483)
-- mit föderativem Anschluss des Jemen
-- und mit einer Option des Einbezugs des Sudan, der jedoch in eigenen Konflikten zwischen Arabern und Schwarzen auseinanderzubrechen droht. Eine Militärregierung kann die staatliche Einheit retten
-- Nasser versucht, einen neutralen Kurs zwischen dem West- und dem Ostblock zu halten (dtv-Atlas, S.257).

Libanon: Panarabische Aufstände - Wahl mit amerikanischer Truppenhilfe und Status quo
gefährden den Pluralismus. Amerikanische Truppen landen, von Präsident Chamun herbeigerufen, unter sowjetischem Protest.

Nach legaler Wahl des mohammedanischen Präsidenten General Fuad Chebab räumen die "US"-Truppen Beirut wieder. Chebab versucht, die Parität zwischen Christen und Moslems in der "arabischen Schweiz" wiederherzustellen (dtv-Atlas, S.257).

1960-er Jahre?
Haifa wird Endpunkt einer Ölpipeline aus dem Irak
(S.440)

1960
Deutschland-Israel: Rüstungsabkommen

Adenauer gibt Ben Gurion die Zusicherung von kostenlosen Waffenlieferungen im Rahmen der deutschen "Wiedergutmachung" (S.483).

[Die Juden, die den Holocaust überlebt haben und dabei alles verloren hatten, sehen von der "Wiedergutmachung" keinen Cent].

Türkei: Militärrevolte unter dem "Komitee der Nationalen Front" unter Gürsel
gegen die osmanisch angehauchte Regierung Menderes (S.229).

September 1960
OPEC: Gründung der OPEC in Bagdad
(S.490) die Organisation der "Oil Exporting Countries" (S.489) durch Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela, mit Ziel der Ölpreisangleichung und der Entwicklung neuer Raffinerien zum Export von Erdölprodukten (S.490).

ab 1960 ca.
Saudi-Arabien: Theokratie: Zustand des Zensurstaates
theokratisches und unitaristisch-saudisches Staatswesen

-- der Islam bestimmt die Rituale der Staatssymbolik und des öffentlichen Lebens
-- der Islam wird substantiell und institutionell im politischen Entscheidungsprozess zurückgedrängt

[-- aber weiter Vollstreckung von Steinigungen und Henkersurteilen bis heute]

-- das Bündnis zwischen Al Sa ‘ud und Al as-Sayh gewährleistet die Trennung von Glaube und Staatsinstitution und wird in Schulen und Justiz durchgeführt [nur Menschenrechte gelten nicht]
-- die Bedeutung der Religionsgelehrten nimmt ab [in gewissen Fällen] (S.498).

Vorderer Orient: Die arabische Gesellschaftsentwicklung dreht sich im Kreis
Die arabischen Ölpotentaten verbinden ihre Macht mit religiöser Macht, so dass eine Säkularisierung unmöglich wird.

Die Frage, ob Sozialismus oder Islam für die Mitbestimmung der Gesellschaft besser sei, wird zu einem Dauerbrenner (S.434).

1961
Türkei: Installierung der Regierung unter General Gürsel - 2.Republik


-- Verkündigung der "Rückkehr zum Kemalismus"
-- Hinrichtung des gestürzten Ministerpräsidenten Menderes und weiterer Mitglieder seiner Regierung

-- Volksreferendum für die neue Verfassung der "2.Republik" mit besonders verankertem Schutz der Gesetze Atatürks zur Europäisierung der Türkei
In der Folge bleibt die politische Lage in der Türkei wegen der Massnahmen zum Schuldenabbau und der religiösen Diskussionen labil und explosiv (dtv-Atlas, S.229).

Syrien löst die Vereinigte Arabische Republik VAR mit Ägypten auf - der Kampf um Einheit scheitert
Der Nasserismus ist damit eigentlich schon gestorben, weil das Kernstück einer panarabischen politischen Renaissance auseinanderbricht. Der Baathismus bekommt in Syrien Auftrieb, dessen Programminhalte sind:

-- Abweichungen von arabisch-islamischen Normen
-- absolut sozialpolitischem Programm (S.484)

Um das Vorgehen der Reformen entstehen aber heftige politische Richtungskämpfe um die "arabische Einheit".

Es kommt zu einer Machtergreifung einer vor allem alawitisch-schiitischen Offiziersgruppe gegen die vor allem akademisch-bürgerliche Baath-Partei, mit Planung der sozialen Revolution und einer arabischen Einheit "von unten".

Diese Einheit zu verwirklichen scheitert aber, weil die Alawiten-Schiiten selbst in der Minderheit sind, in Syrien wie im Irak (S.485).

[Es zeigt sich immer noch die ethnisch-religiöse Ordnung unter den Parteien. Eine Einheit im Pluralismus schaffen die arabischen Länder noch nicht].

1961
Irak: Ansprucherhebung auf Kuwait
das immer noch unter britischem Schutz steht (S.257).

ab 1961
Irak-Syrien: Streit um die regionale Führungsrolle in der Baath-Bewegung
(S.485)


Israel: Umstellung auf kapitalistische Wirtschaft und Abkommen mit EG - Kurdenaufstand in Irak und Gründung einer demokratisch-sozialistischen Republik - Gründung der PLO - Unabhängigkeit der VR Jemen 1967 - Abzug der UN-Truppen aus Gaza und neuer Krieg Ägyptens gegen Israel mit Gegenschlag und Krieg um Suezkanal und Blockade durch versunkene Schiffe - Israel als negatives Vorbild gegen Pluralismus - Krieg der zwei Jemen - Ägypten unter Sadat ab 1970 - kurdische Regierungsbeteiligung im Irak - jordanischer Bürgerkrieg und Vertreibung von Palästinensern - Palästinakrieg 1973 mit jüdischen Truppen westlich des Suezkanals und östlich der Golanhöhen - Ölkontingentierung der OPEC als Vergeltung - kurdischer Freiheitskampf - erste Rede Arafats vor der UNO - Jordanien verzichtet auf Westjordanland - Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs 1975 - Sinai-Vertrag

Zusammenfassung
Die arabische Welt ist mit der Konfrontation der jüdischen wie der westlich-kapitalistischen und der östlich-kommunistischen Seite völlig überfordert. Im Vorderen Orient herrscht politisch das nackte Chaos. Die Palästinenser sind zum Schluss nirgends mehr beliebt, können sich dann aber doch endlich vor der UNO Geltung verschaffen. Die Kurden dagegen bleiben von der UNO ausgeschlossen.

Chronologie (Fortsetzung)

1962
Israel: Wirtschaftskrise und Umstellen der Wirtschaftspolitik auf Kapitalismus - erste Auseinandersetzungen um das Jordanwasser
Israels Regierung ist gefordert, endlich die passive Handelsbilanz abzubauen. Massnahmen sind

-- Abbau der Schutzzölle
-- Verhandlungen mit der EG

Währenddessen kommt es immer wieder zu arabischen Kriegsdrohungen wegen der Nutzung des Jordanwassers, wegen Grenzzwischenfällen und des Miltärbündnisses mit dem Iran (dtv-Atlas, S.259).

[Die Palästinenser, und erst recht die vertriebenen Palästinenser, bleiben wie die Kurden ohne jede Staatsrechte auf der Welt und von jeglichem Öl-Profit ausgeschlossen].

1962-1964
Irak: Kurdenaufstand
unter Mustafa Barzani mit der Forderung auf Autonomie (dtv-Atlas, S.257)
[durch "Sowjetunion" gefördert?]

1963
Irak: Militärrevolte von Militär und Baath-Partei gegen Qasims Politik
-- Ermordung von Qasim
-- die Unruhen des Kurdenaufstands halten aber an (dtv-Atlas, S.257).

VAR-Pläne Arabiens mit Syrien und dem Irak
Drohungen gegen die jüdische Jordanwasser-Umleitung (dtv-Atlas, S.257).

1964
Israel: Handelsabkommen mit der EG
(dtv-Atlas, S.259)

Palästina: Gründung der "Palästinensischen Befreiungsorganisation" PLO unter wesentlicher Beteiligung von Nasser
Erster Vorsitzender der PLO: Ahmad as-Suqayri, der die gewaltsame Sprache Nassers kopiert [und damit die ganze Welt ebenfalls in Atem hält].

Die palästinensische junge Generation betätigt sich in der PLO als "sozialrevolutionäre Speerspitze" des Nasserschen Panarabismus und spannt ein Netz von Zellen um die gesamte Arabische Halbinsel und Jordanien (S.484).

Irak: Gründung der demokratisch-sozialistischen Republik
und: Ende des Kurdenaufstands (dtv-Atlas, S.257).

Okt 1964-Aug 1967
Jemenitischer Bürgerkrieg: mit ägyptischen und saudischen Truppen
Das ägyptische Eingreifen unter Nasser (S.483) ist nur ein "Nachhutgefecht" des absteigenden Nasserismus gegen die aufsteigende Ölmacht Saudi-Arabien (S.484).

Royalisten mit Saudischer Hilfe und Republikaner mit ägyptischer Hilfe bekriegen sich um die Vormachtstellung (dtv-Atlas, 293).

1965
Arabien-DDR: Staatsbesuch von DDR-Chef Ulbricht in Arabien aus Protest gegen die Israel-Hilfe der BRD
(dtv-Atlas, S.257)

ab 1965 ca.
VR Jemen: Schwere Unruhen
im als "Südarabische Föderation" bezeichneten britischen "Schutzgebiet", das Aden und Aden-Protektorate umfasst (dtv-Atlas, S.293).

1966
Jemen: Rückzug der ägyptischen Truppen
(S.434)

1967
VR Südjemen wird selbständig
Die englischen Truppen müssen verschwinden. Enteignung der Grossgrundbesitzer (S.293).

Mai 1967
Palästina/Israel: Abzug der UN-Truppen aus dem Gaza-Streifen
Es folgt der israelisch-arabische Krieg (dtv-Atlas, S.275).

Juni 1967
Sechstagekrieg, Blamage von Nasser
Ägypten, das sich weiter als VAR bezeichnet, gibt die Sperre des Golfs von Elath bekannt und startet einen arabischen Truppenaufmarsch gegen Israel. Mit schneller Reaktion besetzen jüdische Truppen unter Verteidigungsminister Moshe Dayan den Gaza-Streifen, die Sinai-Halbinsel, das West-Jordanland und die syrischen Golan-Höhen (dtv-Atlas, S.293).

[dabei wieder Vertreibung von 1000en von Palästinensern und territoriale Besetzungen im Sinn von Herzl "Der Judenstaat": Araber kann man vertreiben...].

Nasser hat seine politische Position überreizt
Der Nasserismus kommt nicht zum Durchbruch (und entpuppt sich als Machtphantasie) (S.483).

Der Sechstagekrieg ist gleichzeitig das Ende der muslimischen Massenbewegungen des Baathismus und Nasserismus. Der Baathismus siegt über den Nasserismus

+ neue arabische Formierungen der Macht mit der OPEC und den entsprechenden Finanzoligarchien, die die jeweiligen Regierungen gefährden (S.434).

Der Krieg dient Israel mehr zur Demonstration der Überlegenheit, weniger zum Schutz der Sicherheit (S.492).

[Der Suezkanal ist dank Israels Bomben blockiert
Im Suezkanal sind Schiffe versenkt und der Kanal bleibt bis 1975 unbenutzbar, ein jüdisches-militärisches Werk, auf das Moshe Dayan und seine rechtsextremen jüdischen Mitstreiter stolz sind].

1967
UNO-Resolution 242
(S.492) [zur Einhaltung der Grenzen des Palästina-Teilungsplans].

Dez 1967
Jemen: Ende des Bürgerkriegs
(dtv-Atlas, S.293)

ab 1967
Israel verdammt den Pluralismus - negatives Vorbild für den pluralistischen Libanon
Die israelische Besetzung und Vertreibung weiterer Palästinenser ist im Libanon Vorbild für ebensolche einseitige Lösungen. Der pluralistisch organisierte Libanon wird allmählich geistig destabilisiert (S.493).

1968
Palästina/Israel: neue Grenzzwischenfälle, Sabotageakte der Al Fatah und Vergeltungsaktionen Israels
(dtv-Atlas, S.293)

Irak: Machtergreifung der Baath-Partei - Kampf um Einheit scheitert ebenfalls
Die Baath-Partei ist angeführt von einer sunnitisch-arabischen Minderheit. Der Baathismus kommt  aber in den anderen arabischen Ländern nicht zum Durchbruch (S.485)

[und entpuppt sich als Machtphantasie].

1969
Ägypten-Israel: Suezkanalgefechte - "US"-Friedensplan - palästinensische Flugzeugentführungen und Anschläge
Zunehmende Feuergefechte am Suezkanal. Die "USA" entwirft einen "Friedensplan". Die palästinensische Seite beginnt mit Flugzeugentführungen und Anschlägen, ihr Recht auf ein eigenes nationales Staatsgebiet zu vertreten (S.293),

[Dieses Recht auf ein eigenes Staatsgebiet der Palästinenser wird von der ganzen Welt weiter nicht beachtet].

1970
Jordanien: Bürgerkrieg Regierungstruppen gegen Guerilla
(S.293)

Nov 1970
VR Südjemen: Umbenennung in Demokratische VR Jemen
(dtv-Atlas, S.293)

Dez 1970
Jemen: Verfassung der Arabischen Republik Jemen
Kriegerische Auseinandersetzungen mit der Volksrepublik Jemen bis 1973 (dtv-Atlas, S.293).

1970-1981
Ägypten: Regime von Sadat
(S.367)
-- mit wirtschaftlicher Öffnung an den "Westen"
-- mit politisch-militärischer Anbindung an den "Westen" (S.368).

Anfang 1970
Israel-Ägypten: Feuereinstellung am Suezkanal
aber die palästinensischen Einzelaktionen und jüdische Vergeltungsakte dauern an (dtv-Atlas, S.293).

1970
Irak: Beteiligung der Kurden an der Regierung
(S.293)

1971
Saudi-Arabien: Schaffung eines Rats der Höchsten ‘Ulama/Religionsgelehrten
-- ändert nichts an der Trennung von Religion und Staatsinstitution
-- ist eine Legitimation für die Herrschaft der Familie der Al Sa ‘ud (S.498).

Jordanien: Niederkämpfen der Guerilla durch die Regierungstruppen
(dtv-Atlas, S.293)

Iran-VAE: Iranisches Militär entreisst den Vereinigten Arabischen Emiraten 3 Inseln im Persischen Golf
-- die Inseln: Abu Musa, Grosser Tumb und Kleiner Tumb
-- die Inseln werden zum Zeichen der Vormachtstellung Irans am Persischen Golf (S.495).

OPEC: Konferenz von Teheran beschliesst eine 30 %-ige Preiserhöhung für Erdöl
Die Preiserhöhung bleibt ohne grössere internationale Resonanz (S.490).

Sep 1971
Jordanien: Vertreibung palästinensischer "Freischärler" - neue PLO-Stellungen im Südlibanon - Israels Pauschalvergeltung in Libanon
Vertreibung palästinensischer "Freischärler" aus Jordanien, die daraufhin im Südlinbanon ihre neue Ausgangsstellung gegen Israel schaffen.

Die dortige schiitische Bevölkerung wird grösstenteils einer Art Besatzung politisch unterstellt und den israelischen Gegenschlägen ausgeliefert:

-- Sprengung südlibanesischer Dörfer
-- Flüchtlingsströme nach Sidon und Beirut
-- Rückgang von Investitionen (S.494).

Entwicklungen im Libanon:
-- das labile pluralistische Gleichgewicht des Libanon wird durch die PLO-Freischärler sehr belastet.
-- die libanesische Regierung ergreift auch kaum Massnahmen gegen die Palästinenser
-- dagegen starten die christlichen Maroniten des Libanon eine Gegenreaktion gegen die muslimische PLO im Land und werben für eine Zusammenarbeit mit Israel (S.494).

[1972
München: Olympiade: Palästinenseranschlag gegen Juden]

Okt 1973
Palästina-Israel: Ramadan-Krieg - Ölwaffe gegen den Westblock
-- Ägypten unter Anwar as-Sadat lässt seine Truppen auf dem Sinai angreifen. Der Angriff ist von Anfang an als "begrenzter Krieg" geführt (S.493)

-- in der Folge besetzen jüdische Truppen Gebiete auf der westlichen Seite des Suez-Kanals (S.490) und auf der östlichen Seite der Golanhöhen in Syrien (dtv-Atlas, S.293).

Der saudische König Faysal treibt zum Einsatz der Ölwaffe als Antwort der europäisch-weiss-amerikanischen Unterstützung für Israel (S.497).

Die arabischen Länder greifen zur Ölwaffe [gegen den Westblock, der das rassistische Israel weiter aufrüstet], und fördern nach einem Kontingentsbeschluss nur noch eine begrenzte Menge Öl (S.490).

ab 1973
Destabilisierung des Libanon - Kissingers "Entflechtungs"-Plan
Der Libanon wird im Zuge des Palästinakonflikts weiter geistig und moralisch destabilisiert, ohne dass die Regierung in Libanon Massnahmen trifft (S.493). Kämpfe zwischen Armee und Palästinensern bringen keine Lösung (dtv-Atlas, S.293).

Der "US"-Aussenminister Kissinger versucht mit persönlicher Diplomatie eine "Entflechtung" zwischen dem Israel-Problem und Ölfördermenge zustande zu bringen (dtv-Atlas, S.293) (mit Ziel der Spaltung der Arabischen Liga).

1974
Libanon: Überfälle palästinensischer Aktivisten auf israelische Ortschaften vom Libanon aus
(S.293)

ab 1974
Irak: Kurdenkrieg. Freiheitskampf der Kurden
(S.293)

Jan 1974
"USA"-Ägypten: Entflechtungs-Abkommen
und Abkommen zur Schaffung von mit UN-Truppen besetzten Pufferzonen (dtv-Atlas, S.293).

April 1974
Arabische Republik Jemen: Militärjunta
(dtv-Atlas, S.293)

Mai 1974
"USA"-Syrien: Entflechtungs-Abkommen
und Abkommen zur Schaffung von mit UN-Truppen besetzten Pufferzonen (dtv-Atlas, S.293).

Juli/August 1974
Zypern-Konflikt durch türkische Invasion und Teilung der Insel
Beginnendener Dauerstreit zwischen der Türkei und Griechenland um die Insel, inbegriffen ein Mauerbau wie in Deutschland (dtv-Atlas, S.287).

Nov 1974
"USA"-Europa: Gründung einer "Internationalen Energie-Agentur"
zur
-- Koordinierung von Massnahmen der Ölverbraucherländer
-- neue Strategie westlicher Erdöl- und Energiepolitik
-- Erschliessung von Erdölvorkommen ausserhalb der OPEC
-- Entwicklung von Alternativenergien wie Sonnen- und Nuklearkraft
-- Energie-Sparmassnahmen (S.490).

Palästina-UNO: Rede von Arafat vor der UNO - Forderung eines pluralistischen Palästina - UNESCO rügt Israel-Rassismus
Zum ersten Mal wird an der UNO ein Vertreter des palästinensischen Volkes als Redner zugelassen. PLO-Chef Yassir Arafat fordert einen demokratischen Staat Palästina ohne Diskriminierung irgendeiner Bevölkerungsgruppe.

Gleichzeitig unterstützt die UNESCO-Konferenz in Paris die palästinensischen Anliegen und erhebt Vorwürfe gegen Israel. Verabschiedung einer Resolution zur Unterstützung von Revolutionsbewegungen und der Araber in den von Israel besetzten Gebieten (dtv-Atlas, S.275).

14.11.1974
Libanon-UNO: Präsident Frangiyya wirbt für pluralistisches Israel-Palästina
Der libanesische Staatspräsident Frangiyya empfiehlt im Auftrag der arabischen Konferenz von Rabat vor der UNO eine pluralistische Lösung für Israel-Palästina und verweist dabei auf den Libanon, obwohl die Stimmung in Libanon bereits auf Bürgerkrieg steht (S.493).

Ende 1974 ca.
Jordanien: Verzicht auf das Westjordanland zugunsten der Palästinenser
(S.293)

ab 1974
"USA"-Europa-OPEC: Europa und die "USA" sind bestrebt, die Nahostpolitik von der Ölpolitik der arabischen Staaten abzukoppeln
(S.497)

1975
Wirtschaftskrise in Europa bewirkt Erosion des Ölpreises

(S.490)
plus: Entstehen eines Handelskrieges zwischen Europa, den "USA" und den Ölförderländern um den Absatz von Erdölprodukten. Die EG zeigt protektionistische Tendenzen (S.491).

Libanon: Ausbruch des Bürgerkriegs der Konfessionsgemeinschaften - Zerstörung der Schichtenbildung in der Gesellschaft
Schiiten gegen Maroniten, mit drusischer Komponente, mit dem Ziel, die Machtanteile im Proporz des Nationalpakts von 1943 zu verändern (S.493).

Die Städte sind zudem überkonfessionelle Unruheherde, wo die Schichtenbildung noch nicht gefestigt ist, politisch ordnend zu wirken.

Der Krieg ist ein Kennzeichen eines Übergangsstadiums, dessen Prozess nicht in Ruhe ablaufen kann. Der Prozess der Schichtenbildung wird zerstört (S.494).

Intervention syrischer Truppen im Libanon für einen Waffenstillstand
(dtv-Atlas, S.293)

Saudi-Arabien: Ermordung von König Faysal, Nachfolger König Khaled. Kronprinz Fahd
(dtv-Atlas, S.293)

Jordanien-Syrien: Vereinbarung einer Zusammenarbeit
(dtv-Atlas, S.293)

Mitte 1970-er Jahre/ 1975 ca.
Iran unterstützt im Irak kurdische Rebellen
-- und bedroht so das Regime von Saddam Hussayn
-- der Iran steigt unter Pahlavi zudem zu einer Vormachtstellung am Persischen Golf auf (S.495).

6.3. 1975
Irak-Iran: Grenzabkommen über den Satt al-’Arab
-- über die Grenzlinie in der Mitte des Flusslaufs
-- Saddam Hussayn hofft aber gleichzeitig auf einen Sturz der Pahlavi-Dynastie in Iran und die Aufhebung des Abkommens (S.495).

April 1975
Irak-Iran: Normalisierungsabkommen - "Beendigung" des Kurdenkriegs
Der Freiheitskampf der Kurden wird durch das irakisch-iranische Normalisierungsabkommen beendet. Waffenstillstand und Generalamnestie, doch weiterhin Verfolgungen und Zwangsumsiedlungen (S.293).

Okt 1975
Ägypten-Israel: Sinai-Vertrag und Verpflichtung zur friedlichen Konfliktlösung
(S.293)


Mullah-Revolution im Iran 1978 - Camp-David-Autonomievereinbarung - Syrien als Ordnungsmacht im Libanon - Ausbruch Iran-Irak-Krieg 1980 - jüdische Invasion im Libanon 1982 - stetiger Kreislauf der Reformversuche in der islamischen Welt

Zusammenfassung
Der Ölschock hat seine Wirkung getan. Die "USA" setzen ihre vermittelnde Rolle zu einer politischen Befriedung Palästinas fort. Im Libanon etabliert sich eine syrische Ordnungsmacht. Um den Satt al-’Arab entflammt der Iran-Irak-Krieg um die Vorherrschaft am Persischen Golf, wo Israel und die "USA" dauernd Verwicklungen befürchten müssen. Schliesslich kommt es zur jüdischen Invasion im Südlibanon und zu neuen völkerrechtswidrigen Vertreibungen. Es zeigt sich, dass der Kreislauf der Gewalt nur durch Vernunft zu lösen ist. Die militärischen Strategien haben ausgedient, weil die Völkerrechte und Menschenrechte ihnen entgegenstehen.

Chronologie (Fortsetzung)

Juni/Juli 1976
Palästina/Israel: Flugzeugentführung einer jüdischen El-Al-Maschine nach Entebbe/Uganda
und Befreiung der Geiseln durch ein jüdisches Kommando (S.293).

Nov 1977
Palästina: Sadat-Reise nach Jerusalem - Friede Ägypten-Israel - Verrat an Palästinensern
mit Ziel:
-- Rückgabe des Sinai durch Israel
-- Betonung der Vorreiterrolle Ägyptens in der "Palästinafrage" gegenüber der anderen arabischen Welt
-- Sadat geht es vorrangig um den Sinai. Er löst den Zusammenhang zwischen Friede und Forderung nach einem Palästinenserstaat auf (S.493)

[was für die Palästinenser einen Verrat bedeutet].

1978
Iran: Mullah-Revolution: Iran verliert seine politische Vormachtstellung am Golf
Folge: Saddam Hussayn hofft auf eine "Rückeroberung" seiner Vormachtstellung am Persischen Golf:

-- fordert die Revision des Satt al-’Arab-Abkommens von 1978
-- fordert Autonomie für die Araber in Chusistan
-- fordert die Rückgabe der von Iran 1971 besetzten 3 Inseln Abu Musa, Grosser Tumb und Kleiner Tumb an die Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Anrainerstaaten des Persischen Golf honorieren Saddam Hussayn das Engagement in der Inselfrage nicht (S.495).

[Ergänzung:
Der "amerikanische" Geheimdienst CIA fördert die Mullah-Revolution gegen die UdSSR
um die UdSSR an der Südgrenze zu destabilisieren.
aus:Andreas von Bülow: Die CIA und der 11.September. Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste. Piper-Verlag. München/Zürich 2003].

Dez 1978
Palästina: Autonomievereinbarung von Camp David
für das Westjordanland und den Gaza-Streifen (S.492).

Ende 1970-er Jahre/ ab 1978 ca.
Libanon: Syrische Vermittlung im gesamtarabischen Auftrag
Syrien wird politische Ordnungsmacht im Libanon, was die Likud-Regierung in Israel nicht akzeptieren will (S.494).

[Dabei war es Frankreich gewesen, das im 19. Jh. den Libanon von Syrien abgespaltet hat...].

1979
Saudi-Arabien: Besetzung der Moschee in Mekka
(S.498)

1980 ca.
Palästina: Die PLO erlebt ein politisches und militärisches Desaster in Südlibanon und in Beirut
(S.492)

Persischer Golf: Gründung des Gulf Cooperation Council GCC
Der Irak wird davon ausgeschlossen mit der offiziellen Begründung, dass der Irak kein eigentlicher Golfstaat sei (S.495-496).

1980
Libanon-Bürgerkrieg
Die vielen verschiedenen Richtungen des Pluralismus bekämpfen sich gegenseitig (S.498).

Sep 1980
Ausbruch Iran-Irak-Krieg
-- von zwei irredentistischen Regimen:
-- panarabischer Baathismus (Irak) konfrontiert schiitischen Fundamentalismus (Iran).

-- Anlass ist die Auseinandersetzung um den Flusslauf zwischen dem Zusammenfluss von Euphrath und Tigris bis zum Persischen Golf, den Satt al-’Arab. Saddam Hussayn will die Grenzlinie durch den Fluss, wie sie seit dem Abkommen von Algier von 1975 besteht, "korrigieren" (S.495)

-- Angriff irakischer Militäreinheiten am Satt al-’Arab gegen den Iran, Besetzung von Chusistan. Das Mullah-Regime ist gefährdet (S.496).

[Ergänzung:
-- Europa unterstützt Irak gegen Iran, weil die Mullahs für Europa bedrohlich erscheinen
-- Israel unterstützt Iran gegen Irak, weil der Irak für Israel bedrohlicher erscheint].

1980-er Jahre
Libanon-Bürgerkrieg: mit Einmischung der faschistischen "Syrischen Volkspartei"
(S.479)

Anfang 1981 ca.
Iran: Gegenangriff gegen die irakische Invasion, mit Libyen und Syrien auf seiner Seite
Iran lässt mit Menschenwellen die irakische Armee aus Chusistan vertreiben. Die iranische Führung hat dabei die Ziele:

-- Konsolidierung des Mullah-Regimes unter der "Islamisch-republikanischen Partei" IRP
-- Entmachtung der Regierung Bani Sadr
-- Export der Mullah-Revolution in den Irak und in weitere arabische Staaten (S.496).

Mai 1981 ca.
Irak: Gegenwehr gegen die iranische Invasion
unter der Losung "Qadisiyyat Saddam" für eine gesamtarabische Abwehr gegen die revolutionäre iranische Bedrohung

-- unter der Botschaft einer zivilisatorischen Mission "im Auftrag des wahren Islam", was eine Form eines neuen Baathismus ist

-- Saddam erhält dafür Aufrüstung durch russische, französische und ägyptische Waffenlieferungen
In der Folge verwandelt sich der Krieg in einen Stellungskrieg und die beiden Mächte schwächen sich gegenseitig, was v.a. Israel mehr Sicherheit vermittelt (S.496).

7.6.1981
Irak-Israel: Die Israelische Luftwaffe zerstört einen irakischen Nuklearreaktor
(S.496)

[nicht erwähnt:
-- Wie ging die Zerstörung vor sich?
-- Wieviel Radioaktivität ist bei der Zerstörung ausgetreten und belastet die Bevölkerung und den Boden?]

ab 1981
Ägypten: Muhammad ‘Ali wird zu einem Helden hochstilisiert
(S.367-368)
Muhammad ‘Alis Versuch der Selbstbehauptung von 1805-1840 wird mit dem Kampf von Präsident Nasser verglichen und Präsident Sadat verdammt (S.368).

1982
Israels Invasion im Libanon
-- Invasion jüdischer Truppen, von Barbarei und Vertreibung begleitet (S.493)
-- ist eine Konkurrenzhandlung gegen Syrien als Ordnungsmacht im Libanon (S.495).

Ziele der israelischen Invasion:
-- Zerschlagung der PLO
-- Bündnis mit dem Libanon unter Basir al-Gumayyil, um den Machtgewinn Syriens zu schmälern (S.495).

Sep 1982
Palästina: Reagen-Initiative zum föderalistischen Anschluss der von Israel besetzt gehaltenen palästinensischen Gebiete Westjordanland und Gaza an Jordanien
Diese Initiative ist gegen einen eigenständigen palästinensischen Staat gerichtet, sollte vermutlich auch das politische Ende der PLO herbeiführen, oder sollte einen Palästinenserstaat, der keine politische Linie hätte, verhindern. Die Initiative verhindert einen Bürgerkrieg in Palästina (S.492).

ab Mitte 1980-er Jahre/ ab 1985 ca.
Irak-Iran-Saudi-Arabien: Vermittlungsversuche von Saudi-Arabien zwischen Teheran/Damaskus und Bagdad
-- im Rahmen der Organisation der Islamischen Konferenz
-- die "USA" nehmen zusätzlich diplomatische Beziehungen zu Bagdad wieder auf (S.496).

[1989
"Sowjetunion": Entschärfung der West-Ost-Konfrontation durch Gorbatschow und Glasnost
-- im Ostblock werden die Geheimakten freigegeben
-- aber nicht im Westblock!! Im Westblock herrscht bis heute keine Glasnost!!
-- die russischen Geheimakten lassen viele Manipulationen der Westmächte in der Welt auffliegen].

[1990
Irak-Kuwait-Krieg um die Vorherrschaft am Golf
mit englisch-französisch-amerikanischem Eingreifen]

[ab 1990
Balkan: Auflösung Jugoslawiens und Kriege Serbiens gegen seine Nachbarn
Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina, mit der Phantasie für ein Grossserbien bis Istanbul, vor allem aber gegen Muslime, die Vorposten des vergangenen Osmanischen Reiches. Statt eine konstruktive Politik zu betreiben, hetzen die serbische Regierung und die dortige orthodoxe Kirche mit Russland im Rücken zu einer völlig veralteten Welteroberungseinstellung].

[1991
Deutschland: Mauerfall]

[1999
Kosovo-Krieg - Verweigerung der Unabhängigkeit an Kosovo
Krieg Serbiens mit Hetze der orthodoxen Kirche zur Vertreibung der muslimischen Kosovo-Albaner und endgültige serbische Niederlage und Inflation. Westliches Diktat zum Pluralismus eines Kosovo innerhalb Serbiens und Verweigern der Unabhängigkeit des Kosovo].

Bilanz der arabischen Geschichte und Gesellschaftsentwicklung
-- alle arabischen Reformen ab 1800 zu einer "Selbstbehauptung" scheitern
-- alle Formen eines freien, offenen Parlamentarismus scheitern (S.496).

Die arabische Gesellschaft befindet sich weiter im Übergang von ethnischer Stammeskultur zur pluralistischen Gesellschaft, und ist deswegen anfällig, ihre immensen Konflikte nach aussen zu lenken, wo sich die Gelegenheit bietet.

Die Bildung gesellschaftlicher Schichten unabhängig von der Stammesstruktur führt zu einer Mischgesellschaft, die sehr angreifbar und labil ist (S.499).

-- Kuwait und Bahrain haben längere Zeit Ansätze für parlamentarische Systeme.
-- Problem bleibt die Integration von z.B. zuströmenden Bevölkerungsgruppen.

-- Problem bleibt auch der Rückhalt in islamischen Staaten auf herrschende Familien, der immer noch grösser ist als der Rückhalt in einem funktionierenden demokratischen System.

-- Das Parlament wird in islamischen Staaten nicht zu einem freien Kritik- und Beschlussorgan, sondern zu einem "exklusiven Konsultativrat", beruhend auf der patrimonialen Gewalt von Familienoberhäuptern.

-- Muslimische Agitation kann aber auch schon diese Ansätze zu einem Parlamentarismus sofort wieder gefährden (S.500).

Schlussfolgerung
Die theokratische islamische Konsensgemeinschaft ist mit einem Pluralismuskonzept unvereinbar.
Alle islamischen Reformbewegungen scheitern an Familienherrschaften und Stammeslinienprioritäten.

[Gleichzeitig scheitern alle westlichen Versuchen, die islamisch geprägten Gesellschaften zu "verwestlichen"].

Nacheinander scheitern Parteien, Autonomiebewegungen, vor allem aber Kommunisten und Gewerkschaften, wie auch das Prinzip der égalité/Gleichheit, das zwar attraktiv, aber wegen der Gleichheit verschiedener Glaubensgruppen und Atheisten nicht im islamischen Sinn verwirklichbar ist.
Die populistisch arbeitende Muslimbruderschaft strebt die Rettung der Theokratie an und hat Erfolg (S.500)

[dank der Fehler der christlichen Machthaber, dann mit dem Feindbild Israel].

Alle islamischen Reformbewegungen drehen sich im Kreis und die Krisis des Islam in der Konfrontation mit der westlichen Aufklärung ist tagtäglich unüberwindbar:
"Die Krisis der (arabisch-muslimischen) politischen Kultur scheint demnach gleichsam zyklisch fortzubestehen" (S.500).

Schlusskommentar

Zur Veränderung des Islam selber kam es in seiner Geschichte nicht. Die eigentliche Blockade im Islam wie die Verbindung zwischen Religion und Staatsautorität wird nie aufgelöst, soll vielleicht auch nie aufgelöst werden, um nicht gottlos zu regieren. Damit wird aber Zensur gefördert und liberale Entwicklung vermieden.

Wenn man die Gesamtbilanz betrachtet, hat die "christliche" "aufgeklärte" Welt ab 1400 die muslimische Welt in einem riesigen Weltkrieg aller ihrer ökonomischen Strukturen beraubt:

-- der Suezkanal entzog dem Vorderen Orient den Zwischenhandel
-- die englischen Baumwollmonokulturen führten zur Getreideknappheit
-- die Kriegswirtschaften und die Weltwirtschaftskrise liessen die Bevölkerungen dreimal verarmen
-- zusätulich erreichten den Nahen Osten auch noch japanische Fabrikate, die mit Hilfe des Suezkanals die Verarmung der Muslime förderten.

Die Parallele zur Vernichtung der Indianer tut sich auf. Der Gewinner der Krisen war in den Augen des Arabers immer "der Europäer". So weit ging die Vernichtung der Muslime aber nicht, weil die Muslime sich in ihre Unterlegenheit fügten und weiter Gott als Mittelpunkt hatten, wogegen die Indianerausrottung durch deren Gegenwehr geschah. Es fragt sich nur, wann die europäische "Kultur" - eher: die europäische Gier - und davon vor allem die Bankiers und die Industriellen - einsehen, was bei den muslimischen Völkern im Vorderen Orient für eine Schuld abzutragen ist.

Zusätzlich begann Europa ein Israel zu unterstützen, das eine Hauptschlagader der arabischen Welt blockierte, übrigens ein Israel, das auch unter Juden zum Teil sehr umstritten ist. Dieses rassistische Herzl-Israel, das sich bis heute vom Herzl-Buch "Der Judenstaat" nicht distaziert, ist für die Muslime das "Tüpfelchen auf dem i" der westlichen Unverfrohrenheit, und deswegen hat die islamische Welt dann auch zur Waffe gegriffen.

Der Islam steht für andere Werte als der Kapitalismus. Eines Tages kann die europäische Gier-Kultur vielleicht noch etwas davon lernen, auch wenn die islamistischen Länder kaum den Weg zu freien Demokratien finden werden, weil die Abstammungsfragen alle anderen politischen Probleme überragen.

Komisch ist es doch, dass der "Fortschritt" bis heute nicht zu einem Weltfrieden geführt hat. Die christlichen Hetzereien gehen weiter, siehe Balkan, und der kapitalistische Westen will nicht imstande sein, die Kriege auf dem Balkan zu verhindern. Eine Zigarre des "US"-Präsidenten bei
einer Frau Lewinski ist wichtiger als ein Weltfrieden. Warum denn wohl? Kriege sind für die kapitalistischen Staaten nützlich, neue "Interessen" durchzusetzen. Die Gier nach "Interessen" hat eben bis heute noch nicht aufgehört. Wir haben aber nur eine Erde.

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