Die Propaganda gegen alle Götter ausser "Gott"
Die Propagandisten aus dem Südreich "Juda" lancieren eine religiöse Reformbewegung, die die
Verbannung
aller Götter ausser Gott (JHWH) anstrebt. Der Tempel in Jerusalem soll
von
allen "fremden" Göttern gesäubert werden (S.250).
Um die Religion entbrennt ein heftiger Streit und Disput: Die
Propheten-Warner
behaupten, ein erneuter Untergang wie der Untergang
des
Nordreichs Israel müsse verhindert werden, und deswegen sei nur noch
ein einziger Gott akzeptabel, und diese Propaganda bekommt sogar
Oberwasser. So sind religiöses Gesetz
und
religiöse Praxis "in". Die Propagandisten behaupten aber nun, alle
Israeliten müssten gleich glauben, und Jerusalem wird immer stärker.
Priester
und Propheten propagieren die "richtige" Form der Verehrung für alle
Bewohner Judas und alle Israeliten im Ex-Nordreich (S.267).
Die Gott-allein-Bewegung
-- strebt eine orthodoxe Glaubensform an
-- strebt nun neu auch eine einzige Geschichte des jüdischen Volkes an,
worin
Jerusalem die zentrale Rolle spielen soll
-- es ist anzunehmen, dass die Gott-allein-Bewegung Verbindungen zu
Wirtschaft,
Politik und Kultur hatte, und dass das Endziel die Rückeroberung des
Nordreiches
gewesen ist, mit einer neuen "Davidischen" Dynastie, mit Zentrum
Jerusalem, bei
Zerstörung aller Kultzentren des Nordens (S.269).
[So funktioniert religiöse Diktatur].
Die religiöse Zensur im Königreich Juda unter König
Hiskia gemäss dem gefälschten AT
Das AT behauptet:
-- König Hiskia soll als "guter" König 25 Jahre lang in Jerusalem
regiert haben und umfassende religiöse Reformen durchgeführt haben, um
die
"Reinheit" und "Treue" zu Gott seit dem angeblichen König
David wieder herzustellen (S.253)
-- König Hiskia soll Jerusalem zum Zentrum der Gottverehrung gemacht
haben und
die David-Dynastie zum einzigen Mittler zwischen Volk und Gott
definiert haben
(S.270)
-- König Hiskia soll die Entfernung der Opfertische auf den "Höhen"
(auf den Hügelkuppen) veranlasst haben
-- König Hiskia soll die Zerstörung des Bildes der Fruchtbarkeitsgöttin Aschera veranlasst
haben
-- König Hiskia soll die eherne Schlange des erfundenen Mose
zerschlagen haben
-- König Hiskia soll der gotttreueste König gewesen sein (2. Könige 18,3-7)
und erst mit König Hiskia soll die Heiligkeit wieder hergestellt worden
sein,
wie sie angeblich bei David geherrscht haben soll (S.254)
[aber einen König David gab es zuvor nie].
Das AT behauptet, Hiskia sei so mutig wie der gefälschte König David
gewesen, und
ganz Juda soll durch Hiskia von den Sünden der Vergangenheit gereinigt
worden
sein (S.271).
König Hiskia soll gemäss AT auch Boten zu den erfundenen Stämmen
Ephraim und Manasse
geschickt
haben, also ins Bergland des Ex-Nordreichs Israel, um die Israeliten
für das
Passa-Fest nach Jerusalem einzuladen (2. Chronik 30,1; 30,10; 30,18).
Die
biblische Chronik des AT stellt König Hiskia als einen zweiten König
Salomo dar, und Hiskia soll ganz Israel um den Tempel von
Jerusalem
geeint haben. Hiskia soll ganz offen die Führung für Juda und das
Ex-Nordreich
Israel angestrebt haben (S.280).
Die anderen Götterkulte werden in der Bibel im AT als chaotische
gesellschaftliche
Vielfalt
betrachtet (S.269), und die alten Stammesstrukturen auf dem Land sind
aufzulösen (S.269-270). Das ursprüngliche judäische Brauchtum wird als
kanaanäische Häresie bezeichnet und gilt nun plötzlich als fremd
(S.270).
Das AT behauptet, alle alten Kulte seien nun verboten - das AT
erwähnt die Vertreter der alten Kulte nie
Es ist nur die
Priesterliteratur des "Gott-allein-Lagers"
überliefert. Was die
inneren Gegner von König Hiskia denken, die auch andere Kulte
mit
der Fruchtbarkeitsgöttin Astarte, den Gestirnen und anderen Göttern tolerieren wollen, ist nicht
überliefert (S.285).
Alle
nicht-göttlichen Kulte wie Fruchtbarkeitskulte oder Ahnenkulte
werden
verboten. Die Vielfalt der religiösen Praktiken wird verboten (S.267).
Die
"Ein-Gott"-Propagandisten können sich durchsetzen, wobei der Ursprung
in den Predigten im Nordreich Israel zu
suchen ist
(S.268). Finkelstein / Silberman schätzen, dass die Warner-Propheten
die
judäischen Priester und königlichen Beamten für sich eingenommen haben
(S.268),
die so die "Gott-allein-Bewegung" unterstützten (S.269).
[Und so soll das Königreich Juda vom Untergang gegen das riesige
assyrische Reich bewahrt bleiben? Das ist wirklich absoluter Unsinn...]
Die Vertreter der traditionellen Bräuche geben aber nicht einfach klein
bei
(S.268). Die Bibel verschweigt dies jedoch. Gemäss Finkelstein /
Silberman
würde aber die Bibel anders aussehen, wenn die Traditionalisten
"gewonnen" hätten.
Finkelstein / Silberman:
"Hätten die Anhänger der traditionellen Formen der synkretistischen
[gemischt-religiösen] Verehrung [für verschiedene Gottheiten] am Ende
den Sieg
davongetragen, gäbe es möglicherweise eine ganz andere Bibel - oder
vielleicht
gar keine." (S.269)
Die Archäologie kann für König Hiskia keine religiöse
Zensur feststellen, und Zensur gab es nicht
Von den angeblichen Reformen unter König Hiskia für die Durchsetzung
eines
Ein-Gott-Glaubens ist archäologisch nichts auffindbar. Die beiden
Stätten Arad
und Beerscheba, die mit Hiskias Reformen in Verbindung gebracht werden,
sind
umstritten (S.270).
Neue Bräuche in Jerusalem: Felsengräber für die Reichen
Vor allem für Jerusalem sind neue Bestattungsriten belegbar, eventuell
im
Zusammenhang mit einer sich neu herausbildenden Elite. An den Hängen
der
Höhenzüge sind um die Stadt Jerusalem kunstvolle Gräber in den Fels
gehauen,
oft reich ausgestattet, die Decken mit Giebeln, mit Gesimsen, mit
bekrönenden
Pyramiden, sehr wahrscheinlich als Gräber des Adels oder für hohe
Beamte
(S.266).
Bruchstücke von Grabinschriften weisen auf den Adel hin. Ebensolche
Gräber sind
bei einigen Orten des Hügellandes auffindbar (S.266).
Das AT rügt die in die Berge gehauenen Luxusgräber z.B. bei Prophet
Jesaja.
Dieser prangert den königlichen Palastvorsteher Sebna an, der sich ein
Grab in
den Fels hauen lässt (Jesaja 22,15-16) (S.266).