Anmerkungen
1. Auswanderung
1933-1939
-- American Joint
Distribution Committee; In: Julius Hans Schoeps
(Hg): Neues Lexikon des Judentums; Bertelsmann 1998, S.46-47
Julius Hans Schoeps
(Herausgeber): Neues Lexikon des Judentums, Buchdeckel
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Text Seite 46:
<American Joint
Distribution Committee,
am 27. 11.1914 von
prominenten Juden deutsch-jüdischer Abstammung wie Felix M. ->
Warburg gegründet, um Gelder zur Erleichterung des Elends der Juden
unter Kriegsbedingungen zu verteilen. Verwaltete den Verteilungsapparat
des American Jewish Relief Committees (von Warburg, L.> (S.46)
Die Erwähnung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland:
Text Seite 47:
<In den 30er Jahren half
das American Joint Distribution Committee
deutschen Juden bei der Emigration.> (S.47)
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Julius
Hans Schoeps: Neues Lexikon des Judentums, Seite 46, mit dem Beginn des
Artikels über das American Joint Distribution Committee
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Julius
Hans Schoeps: Neues Lexikon des Judentums, Seite 47, mit der Angabe
über die Auswanderung deutscher Juden: <In den 30er Jahren half das
American Joint Distribution Committee deutschen Juden bei der
Emigration.>
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-- Yehuda Bauer:
My
Brother's Keeper: A History of the American Joint Distribution
Committee. Philadelphia
1974, ISBN 0-8276-0048-8, Kapitel 3, 4, 5 und 6 sowie
"Conclusion":
Yehuda Bauer, Buch "My Brother's
Keeper. History of the American Jewish Joint Distribution Committee
1929-1939, Buchdeckel
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Text auf Seite 303:
<Bis 1939 wandern
mit Hilfe des JDC,
des HICEM und anderen [Organisationen] 440.0001 Juden aus Zentraleuropa
aus: 281.900 aus dem "alten" Deutschland, 117.000 aus Österreich,
35.000 aus Tschechien, und 5.000 aus Danzig.>
Text auf Seite 334:
<Endnote 1: Quelle
ist hauptsächlich der Ordner R21, Auszug aus einem Bericht von 1939.>
(Original-Text Seite 303:
<JDC, together with
HICEM and others, was involved in the emigration of some 440,0001 Jews from Central Europe: 281,900 from "old" Germany, 117,000 from
Austria, 35,000 from the Czech lands, and 5,500 from Danzig.>
(Original-Text Seite 334:
<Note 1. Based mainly on R21, draft 1939 report)
|
Yehuda
Bauer, Buch "My Brother's Keeper. History of the American Jewish Joint
Distribution Committee 1929-1939", Seite 303: 440,000 Juden konnten
1930-1939 aus Zentraleuropa auswandern
|
|
Yehuda Bauer, Buch "My
Brother's Keeper. History of the American Jewish Joint Distribution
Committee 1929-1939", Seite 334: Endnote mit der Quelle, ein Bericht
des JDC R19 von 1939
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-- Encyclopaedia Judaica (1971): Hilfsverein der Juden in Deutschland,
Band 8, col. 480
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Encyclopaedia Judaica, Band 8, Kolonne 480:
<Between
1933 and 1941 the Hilfsverein assisted over 90,000 persons to
emigrate to overseas countries, with the exception of Palestine.>
Deutsch:
<Zwischen 1933 und 1941 half der Hilfsverein über 90.000 Personen
zur Auswanderung in Überseeländer, mit Ausnahme von Palästina.> |
2. Beispiel:
Marseille wird
"Tor zur Freiheit"
Marseille; In: J.H.Schoeps (Hg): Neues Lexikon
des Judentums; Bertelsmann 1998, S.549
3. Überleben im
Versteck

Nechama Tec: Buch:
Bewaffneter
Widerstand, Buchdeckel
Nechama Tec:
Bewaffneter Widerstand. Jüdische Partisanen im Zweiten Weltkrieg.
Bleicher
Verlag, Gerlingen 1996; orig.: "Defiance, the Bielski
Partisans". Oxford University Press, Inc., New York 1993; ISBN
3-88350-036-4
Beispiel:
Überleben im Versteck:
|
-- nicht
alle Juden wollen sich bei "Christen" verstecken lassen: S.62

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter Widerstand, S. 62
<Bis zuletzt hatte sich
Cyril geweigert, sich auf dem Land bei
christlichen Freunden verstecken zu lassen.>
|
--
Versteck von drei Juden in einem Schweinestall: S.65

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter Widerstand, S. 65
|
<Am
8. Dezember 1941 liess er ihr eine Nachricht über das Massaker in
Nowogródek zukommen, verbunden mit der dringenden Bitte, sie möge so
schnell wie möglich untertauchen. Er berichtete auch von zahlreichen
Fällen, in denen Juden abgeholt und unweit ihrer Wohnung ermordet
worden waren. Asaels Warnungen lösten einen Exodus aus Duza Izwa aus.
Chajas Familie zerstreute sich in alle Himmelsrichtungen. Chaja floh
zusammen mit zwei jungen Neffen, Pinchas und Josef Boldo, in die
umliegenden Wälder. Einsetzender Schneefall und Frost zwangen sie, sich
nach einem geschützteren Unterschlupf umzusehen. Nach mehreren
erfolglosen Versuchen fanden sie schliesslich Aufnahme bei einem alten
Freund von Chaja, dem weissrussischen Kleinbauern Piotrus.
Chaja und Piotrus kannten sich aus der Zeit, als beide mit der
kommunistischen Partei sympathisierten. Die finanziell besser gestellte
Chaja hatte den Freund regelmässig mit Büchern und
Informationsschriften versorgt. Aus hitzigen Diskussionen und dem
gemeinsamen Engagement für bedürftige Landarbeiter war ein enger Bund
zwischen beiden erwachsen. Chaja wusste, dass sie auf diese
Freundschaft im Notfall immer zählen konnte. Piotrus baute seinen
Gästen einen sicheren Unterschlupf, indem er im Schweinestall eine
Mauer hochzog, hinter der ein gut getarntes, wenn auch bitterkaltes
Versteck entstand.>
|
--
ausgefallene Verstecke, getarnte Bunker, um den Exekutionswellen zu
entgehen: S.91

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter Widerstand, S. 91
<Anfang 1942 machte sich
unter den Juden von Zoludek ein zunehmendes Gefühl von Unsicherheit und
Verwundbarkeit breit. Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung erfanden
die Ghettoinsassen immer ausgefallenere Verstecke. Pesias Familie und
ihre Nachbarn wurden zum Beispiel Besitzer eines perfekt getarnten
Bunkers.>
|
|
--
"Christen", die Juden versteckt halten, droht die Todesstrafe: S.68

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter Widerstand, S. 68
<1942 beschleunigten die
Deutschen den Prozess der Judenvernichtung, indem sie die bekannten
Verfolgungsmethoden verschärften. Innerhalb der Ghettos fanden fast
täglich Razzien mit sich anschliessenden Massenexekutionen statt.
Parallel dazu wurden die Kontrollen ausserhalb der Ghettos verstärkt,
wodurch den Deutschen zahlreiche jüdische Flüchtlinge in die Hände
fielen. Wer gefasst wurde, wurde erschossen. Dieselbe Strafe erwartete
Christen, die Juden entweder versteckten oder ihnen auf andere Weise
halfen.>
|
--
Versteck in einer Scheune, die nur nachts benutzt werden kann: S.100

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter Widerstand, S. 100
<Auf Zosias Hof wurde die
Gruppe in einer abseits gelegenen Scheune einquartiert, die ausreichend
Schutz vor neugierigen Blicken zu bieten schien. Bald erwies sich
dieses Versteck jedoch als zu unsicher - ein Nachbar stellte Zosia zur
Rede, nachdem er sie dabei beobachtet hatte, wie sie Lebensmittel in
die Scheune gebracht hatte. Die grosse Menge der Vorräte hatte seinen
Verdacht erregt. Weil Zosia befürchtete, der Nachbar könne die Polizei
alarmieren, schlug sie ihren Schützlingen vor, sich tagsüber in den
Wäldern aufzuhalten und nur bei Nacht zum Hof zurückzukehren.>
|
|
-- Helden
sind diejenigen, die Juden im Wald versteckten und ihnen zum Überleben
halfen:

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter Widerstand, S. 138
<Ein Kind, eine Frau,
jedes menschliche Wesen zu retten, das ist Heldentum. Diejenigen, die
Juden mehr als zwei Jahre in den Wäldern versteckten und ihnen auf
diese Weise das Leben retteten, das waren die Helden.>
|
Chronologie von Michael Palomino:
"Schtetl
Bielsk"
4. Das Entstehen der
Partisanenbewegung

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter
Widerstand, Buchdeckel
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Nechama Tec: Buch: Bewaffneter Widerstand, Inhaltsverzeichnis
|
Inhalt
[...]
74 Die Entstehung der Bielski-Partisanen
88 Flucht aus dem Ghetto
108 Das Partisanennetz
134 Rettung oder Widerstand
156 Vermeidung von Feindkontakten
177 Die "grosse Hetzjagd"
203 Der Aufbau einer Waldgemeinde
220 Die Entstehung einer neuen Sozialordnung
243 Das Los der Frauen
263 Die Aufrechterhaltung der Ordnung
281 Das Ende der Bielski-Einheit
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Nechama Tec:
Bewaffneter Widerstand. Jüdische Partisanen im Zweiten Weltkrieg.
Bleicher
Verlag, Gerlingen 1996; orig.: "Defiance, the Bielski
Partisans". Oxford University Press, Inc., New York 1993; ISBN
3-88350-036-4
Chronologie: "Schtetl Bielsk" |
5. Die "Grosse
Flucht vor Barbarossa"
Gemäss Martin Gilbert retten
sich 1,8 Mio. Juden ins Innere der Sowjetunion (Gilbert: Endlösung
1982, S. 242). Aber von diesen Juden überleben nicht alle!

Encyclopaedia Judaica
|
 |
 |
Die
Encyclopaedia Judaica gibt an, dass
durch die Stalin-Deportationen 1939-1941 und durch die Evakuierung der
"verbrannten Erde" im Jahr 1941 1,5 Mio. Juden vor der
NS-Judenvernichtung gerettet wurden (Band 8, Kolonnen 907-910).
Abschrift: Encyclopaedia Judaica: Holocaust,
Rescue
from / Rettung vom Holocaust (mit
Übersetzung); Bd. 8, Spalten
907 bis 910
Man kann schätzen, dass mindestens ca. 1 Million Juden den Zweiten
Weltkrieg dank der Stalin-Deportationen oder dank der Flucht von 1941
ins Zentrum der Sowjetunion überlebt haben. Tote sind vor allem durch
Kältetod in
Sibirien und in der Roten Armee zu beklagen. |
6. Geflüchtete
Juden,
die wieder
unter NS-Regime geraten
-- z.B. in Belgien bei der Besetzung von Belgien 1940, wo geflüchtete
deutsche und polnische Juden unter NS-Regime geraten
-- z.B. in Weissrussland an der Ostfront 1941, wenn schnelle NS-Truppen
Flüchtlinge wieder einholen etc.
7. Jüdische Flüchtlinge, die unter
kommunistisches Regime geraten

Artikel:
Holocaust,
Rescue from /
Rettung vom Holocaust (mit Übersetzung); In: Encyclopaedia Judaica:
Bd. 8, Spalte 908
Massendeportationen
von
"Klassenfeinden" aus der Grenzregion zum Dritten Reich 1940-1941 nach
Sibirien analog den Vertreibungen von Juden aus der Grenzregion, die
schon 1914
durchgeführt wurde: In: Encyclopaedia Judaica, Artikel der
jeweiligen
Staaten
(Russia, Lithuania, Latvia, BSSR);

Encyclopaedia Judaica: Russia 12
|

Encyclopaedia Judaica:
Litauen 01
|

Encyclopaedia Judaica: Latvia (Lettland) 02 |

Encyclopaedia Judaica: Weissrussland (BSSR) 02
|
Die Massenvertreibungen von Juden während des Ersten Weltkriegs sind
auch bei Tec erwähnt: Juden, die im Ersten Weltkrieg schon Flüchtlinge
waren, wollen im Zweiten Weltkrieg nicht mehr fliehen:
Nechama Tec: Buch:
Bewaffneter
Widerstand, Buchdeckel |

Nechama Tec: Buch:
Bewaffneter Widerstand, S. 42 (01)
|
<Die aus einer wohlhabenden Familie in
Stolpce stammende Riva Reich drängte ihre Verwandten, sich dem Rückzug
der Roten Armee [1941] anzuschliessen. Ihre Mutter jedoch, die bereits
während
des Ersten Weltkriegs zur Flucht gezwungen worden war, weigerte sich,
das Flüchtlingsschicksal ein zweites Mal zu durchleben. Riva flehte
ihren Mann an, mit ihr und dem Baby zusammen davonzulaufen. Doch auch
er liess sich nicht überzeugen - die ganze Familie blieb schliesslich
in Stolpce.> |
und: In Ostpolen verweigern
300.000-400.000 geflüchtete Juden aus Westpolen die Annahme des
SU-Passes und
werden dann nach Sibirien deportiert (Holocaust, Rescue from, Bd. 8,
Spalte 908).

Encyclopaedia Judaica: Holocaust Rescue from 02, Spalte 908
8. Tod von Juden bei der Jagd auf
Deutsche 1944 beim Rückzug der Wehrmacht
"Jagd auf
Deutsche":
In: Nechama Tec: Bewaffneter Widerstand. Jüdische Partisanen im
Zweiten
Weltkrieg. Bleicher Verlag, Gerlingen 1996, S.288-289

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter
Widerstand, Buchdeckel
Nechama Tec:
Bewaffneter Widerstand. Jüdische Partisanen im Zweiten Weltkrieg.
Bleicher
Verlag, Gerlingen 1996; orig.: "Defiance, the Bielski
Partisans". Oxford University Press, Inc., New York 1993; ISBN
3-88350-036-4
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|

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter Widerstand, S. 288
<Nachrichten über
Niederlagen der Deutschen wurden bald durch konkrete Beweise bestätigt.
Nachts konnte man im Bielski-Lager das dumpfe Echo entfernt
einschlagender Geschütze hören. Wenig später tauchten die ersten
Gruppen flüchtender deutscher (S.288)
|

Nechama Tec: Buch: Bewaffneter Widerstand, S. 289
|
Soldaten
auf, verfolgt von russischen Partisanen. Bielski-Kämpfer schlossen sich
begeistert den sowjetischen Trupps an und suchten mit ihnen gemeinsam
nach entflohenen Deutschen. Die rapide Verschiebung der Frontlinie
erzeugte gemischte Gefühle. Während die Befreiung durch die Rote Armee
unmittelbar bevorzustehen schien, musste man gleichzeitig Angriffe
zurückweichender deutscher Soldaten befürchten. Jedes mal, wenn kleine
Gruppen deutscher Deserteure gefasst und liquidiert wurden, hob sich
die Stimmung der Partisanen. Amarant berichtete:
Die Mitglieder unserer
kämpfenden Truppe liebten aktive Einsätze, bei denen sie den Feind in
einen Hinterhalt lockten oder ihn offen angriffen. Wenn sie abends ins
Lager zurückkehrten, erzählten sie mit leuchtenden Augen von ihren
Heldentaten. Rache schmeckte süss. Die Deutschen verhielten sich wie
gehetzte Tiere: aufgeschreckt und hungrig, planlos aus dem Dickicht
auf- und abtauchend, wurde ihr verzweifelter Widerstand immer
schwächer. Wie erbärmlich wirkten die Überbleibsel einer Armee, die
einst mit dem Anspruch angetreten war, die Welt zu erobern.
Die ununterbrochene Suche nach entflohenen Deutschen untergrub die
Lagerdisziplin. Partisanen, Wachen, Zivilisten - alle wurden vom
Jagdfieber gepackt. Als Wachen den ersten lebenden Deutschen zum
Stützpunkt brachten, wurde Volkowyski zum Dolmetscher bestellt. Später
arbeiteten auch andere Partisanen bei Verhören als Dolmetscher. Sie
alle bekamen die gleiche Geschichte zu hören: Kein Gefangener hatte
etwas mit den Nazis zu tun, und alle behaupteten, nicht gewusst zu
haben, was geschehen würde. Sie baten um Gnade.
Bielski-Mitglieder, denen sich nicht die Gelegenheit zur Teilnahme an
der Jagd nach Deutschen bot, fühlten sich ausgeschlossen und
zurückgesetzt.>
|
9. Filmberichte,
Filmdokumente
10. Anzahl
jüdische Tote in der Roten Armee bzw. in der Sowjetunion
Schoeps gibt im Artikel "Militärdienst" 212.500
jüdische Tote in der
Roten Armee an; In: J.H.Schoeps (Hg): Militärdienst; In: Neues Lexikon des Judentums;
Bertelsmann
1998, S.567;

Julius Hans Schoeps
(Herausgeber): Neues Lexikon des Judentums, Buchdeckel
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|
Zitat:
<In der sowjetischen Armee
dienten 425.000 Juden, von denen 50 % fielen", also 212.500.>
Analyse:
Die Todesrate von 50 %
scheint erschreckend hoch, und die 425.000 Juden in der Roten Armee
scheinen viel zu tief. Vielleicht sind die fremden Teilen der Roten
Armee wie die Polnische Armee etc. nicht mitgezählt.
|
Benjamin Pinkus dagegen schätzt 2,5 bis 3 Mio. jüdische Tote für die
Sowjetunion:

Benjamin Pinkus: Buch: The
Soviet
government and the Jews 1948-1967. A documented study,
ISBN 0-521-24713-6
Benjamin Pinkus
schätzt 2,5-3 Millionen
jüdische
Opfer in
der Roten Armee:
|
Pinkus:
Text (Deutsch):
"Ich möchte schätzen dass
die
Verluste der jüdischen Bevölkerung sich
auf
total zwischen 12,5 und 15 % aller sowjetischen Todesopfer belaufen
(2,5-3
Millionen der 20 Millionen Verluste)." (S.23)
(original:
"I
would estimate that the losses suffered by the
Jewish population totaled between 12,5 % and 15 % of all Soviet war
deaths
(2,5-3 million out of the twenty million lost)." (p.23)
In:
Pinkus, Benjamin: The Soviet Government and the Jews
1948-1967. A documented study. Ben-Gurion University of the Negev
(Beer-Sheva);
Cambridge University Press 1984, S.23
Chronologie von Michael
Palomino: Pogrome,
Verschleppung und Identitätsvernichtung von Juden in der SU
|

Benjamin
Pinkus: Buch: The Soviet
government and the Jews, Seite 23
|
Eine weitere Information über
Juden in der Roten Armee haben wir hier:

Lustiger: Rotbuch. Stalin und die
Juden, Buchdeckel
Arno Lustiger: Rotbuch.
Stalin und die Juden; Aufbau-Verlag,
Berlin,
-- gebundene Ausgabe 1998, ISBN 3-351-02478-9;
-- Taschenbuchausgabe 2000, ISBN 3-7466-8049-2
Arno Lustiger gibt an:
 
-- 500.000 Juden waren
in der Roten Armee (gebundene Ausgabe 1998 S.149, Taschenbuchausgabe
2000 S.161)
Text:
<Während des deutsch-sowjetischen Krieges kämpften trotzdem 500.000
jüdische Soldaten in allen Waffengattungen der Roten Armee, darunter
30.000 jüdische Partisanen.> (gebundene Ausgabe 1998 S.149,
Taschenbuchausgabe 2000 S.161)
|
-- in der Roten Armee waren über 500.000
Juden. 160.772 Juden in
der Roten Armee haben von der Roten Armee einen
Orden oder eine Auszeichnung erhalten (Ausgaben 1998 und 2000: S.13).
Text der Einleitung des Buches:
<Mit Stolz erwähnt
Lustiger, wie viele Juden im Zweiten Weltkrieg in den Reihen der Roten
Armee gekämpft haben (mehr als 500.000) und für ihre Tapferkeit
ausgezeichnet wurden: "Die Verdienste der Juden im Krieg waren weit
höher, als ihr numerischer Anteil aussagt. Jüdische Soldaten erhielten
zwischen 1941 und 1945 160.772 Orden und Auszeichnungen und nahmen
damit die vierte Stelle unter den Nationalitäten ein.">
(Ausgaben 1998 und 2000: S.13).
|
Nun bleiben aber insgesamt zwei Angaben über die jüdischen Auszeichnungen:
-- gemäss Angaben des Jüdischen
Antifaschistischen Komitee (JAFK) vom 4.4.1946
123.822 Orden
-- gemäss späterer Statistik aber sind es mehr: 160.772 Orden (Taschenbuchausgabe 2000,
S.162),
Zitat:
<Schreiben der
Hauptkaderabteilung des
Verteidigungsministeriums, Kriegsorden-Referat vom 4. April 1946 an den
Generalsekretär des JAFK [Jüdischen Antifaschistischen Komitees]
Spiegelglas, worin bestätigt wird, dass jüdische Soldaten 123.822 Orden
erhalten und damit an vierter Stelle unter den Nationen der Sowjetunion
stehen. Eine spätere Statistik führt 160.772 Orden an.>
|

|
160.772 Orden und 146
jüdische "Helden der Sowjetunion" (Taschenbuchausgabe 2000: S.163).
Zitat:
<Jüdische Soldaten
erhielten zwischen
1941
und 1945 160.772 Orden und Auszeichnungen und nahmen damit die vierte
Stelle unter den Nationalitäten ein. [...] 146 jüdische Soldaten
erhielten die höchste Tapferkeitsauszeichnung "Held der
Sowjetunion".>
|

|
Über
die Anzahl toter Juden in der
Roten Armee 1941-1945 macht Lustiger keine Angaben. Wenn aber 160.772
Juden mit einem Orden oder mit einer Auszeichnung ausgezeichnet wurden,
so scheint es nicht unwahrscheinlich, dass mindestens zwei bis dreimal
so viele
Juden in der Roten Armee gestorben sind, also 321.544 bis 482.316.
Zumindest die
Zahl 500.000 Juden in der Roten Armee
erscheint somit zu niedrig.
(Schlussfolgerung Palomino)
11. Flucht
nach 1945 durch die jüdische Organisation Bricha (Berihah)
In: J.H.Schoeps (Hg):
Neues Lexikon des Judentums; Bertelsmann 1998, S.142
|

|
Bricha:
<(hebräisch
"Flucht"). Die
Bricha-Bewegung war eine Rettungsorganisation, die im Spätherbst 1944
von Partisanen aus dem Wilnaer Ghetto gegründet wurde. An der
Kibbuzidee und den zionistischen Jugendverbänden orientiert, wollten
sie nach Palästina fliehen und sich dort am Aufbau einer neuen
jüdischen Gesellschaft beteiligen. Im März 1945 organisierte Aba Kovner
in Polen junge Leute aus linkszionistischen Jugendverbänden, die 1941
aus dem besetzten Polen in die Sowjetunion geflohen waren und 1944/45
illegal nach Polen zurückkehrten. Ziel dieser Gruppe war es, zunächst
selbst nach Palästina zu gelangen, später weiteten sie ihren Plan auf
andere Überlebende aus, die ebenfalls Europa verlassen wollten. Sie
fälschten Dokumente, bauten an den Grenzen mit Bricha-Agenturen
besetzte Kontrollpunkte auf, mit deren Hilfe sie kleine
Flüchtlingsgruppen über die Slowakei nach Rumänien schmuggelten. ¨Über
Kontakte mit der jüdischen Brigade in Italien gelang es ihnen, grössere
Gruppen über Österreich, Ungarn und Rumänien nach Italien zu bringen,
von wo sie von der -> Jewish Agency nach Palästina geschmuggelt
wurden. Mit dem Beginn der Massenflucht aus Osteuropa musste diese
Route aufgegeben werden, weil sie durch britisch besetztes Gebiet
(Graz) führte. Der Flüchtlingsstrom wurde in die amerikanische Zone
Deutschlands und Österreichs umgeleitet. Ein Koordinierungs-Komitee
wurde in Pressburg ([Bratislava], Slowakei) gegründet, das bis zum
Jahresende 1946 die Flucht von Osteuropa in die Amerikanische
Besatzungszone organisierte. Die letzte Etappe, über den Seeweg nach
Palästina, übernahm das Büro für illegale Einwanderung (Mossad le Alija
Bet) der Jewish Agency. (CK)>
|
Julius
Hans Schoeps
(Herausgeber): Neues Lexikon des Judentums, Buchdeckel und Seite
142 mit dem Artikel "Bricha"
|
Siehe auch die Encyclopaedia Judaica (1971): Berihah, Band 4:
<The Berihah (Beriḥah) operation which, at the end of World War II,
moved
hundreds of thousands of
survivors of the Holocaust across the frontiers of Europe to a
new life in Erez Israel (Ereẓ Israel) [[Land of Israel]].> (col.
623-624)
<Beriha's orientation was clearly [[racist]] Zionist, but there were
refugees who declared their preference for migration to countries other
than Palestine.> (col. 631)
<The total number of people who left eastern Europe between 1944 and
1948 can be estimated at about 250,000, and of these about 80% at least
[[at least 200,000]] came with the organized Berihah (Beriḥah).>
(col.
632)
Deutsch:
<Die Berihah-Operation am Ende des Zweiten Weltkriegs brachte
100.000e überlebende Juden des
Holocaust über die Fronten Europas zu einem neuen Leben ins Land
Israel.> (Kolonnen 623-624)
<Die Ausrichtung war klar [[rassistisch]]-zionistisch, aber da waren
auch Flüchtlinge, die einem anderen Land als Palästina den Vorzug
gaben.> (Kolonne 631)
<Die Gesamtzahl der Menschen, die Osteuropa zwischen 1944 und 1948
verliessen, kann auf 250.000 geschätzt werden. Davon kamen mindestens
ca. 80% [[mindestens 200.000]] durch die organisierte Berihah.>
(Kolonne 632)
Also sehen wir hier viele 100.000e Überlebende, die durch die Berihah
nach Palästina und in andere Länder ausgewandert sind. Die Berihah
brachte die Juden von einem Krieg in den nächsten Krieg, nun gegen alle
Araber. Aber andere Juden wollten eine friedlichere Region erreichen
und gingen nicht in die Kriegsfalle, die Palästina heisst. Und dies
sind nur die jüdischen Migranten aus Osteueropa. Die jüdischen
Überlebenden aus anderen Teilen Europas kommen noch dazu.
12. Flucht von
Juden 1945 über Rumänien und das Schwarze Meer

Nechama Tec: Buch:
Bewaffneter
Widerstand, Buchdeckel
Nechama Tec:
Bewaffneter Widerstand. Jüdische Partisanen im Zweiten Weltkrieg.
Bleicher
Verlag, Gerlingen 1996; orig.: "Defiance, the Bielski
Partisans". Oxford University Press, Inc., New York 1993; ISBN
3-88350-036-4
Flucht von Juden aus
Osteuropa über Rumänien und das Schwarze Meer (S.296)
|
Nechama Tec: Buch: Bewaffneter
Widerstand,
S. 296
<Bevor die Behörden
einschritten,
flohen Tuvia und Zus zusammen mit ihren Frauen nach Rumänien. Von dort
aus entkamen sie mit Hilfe einer jüdischen Flüchtlingsorganisation nach
Palästina.>
|
13. DP-Lager
und DPs bis 1953
-- Encyclopaedia Judaica (1971): Zionism; Band 16, Kolonne 1087

Encyclopaedia Judaica (1971): Zionism, Band 16, Kolonne 1087 mit der
Angabe, dass
100.000e von Juden die Nazi-Konzentrationslager überlebt hatten
Es gab gemäss jüdischen Quellen 100.000e jüdische Überlebende der
Konzentrationslager:
"The end of the war in Europe in May 1945 [...] was necessary to aid in
the rehabilitation of hundreds of thousands of survivors of Nazi camps."
Deutsch: "Am Ende des Krieges im Mai 1945 in Europa [...] musste
100.000en von Überlebenden der Nazi-Lager geholfen werden."
Die komplette Textpassage:
<The end of the war in Europe in May 1945 was followed by the fall
of
Churchill. Labour, which replaced him, had in the past displayed great
sympathy for [[racist]] Zionism, and its party conference had just
confirmed its promise to help the development of the National Home by
making room for it through "extending the present Palestinian
boundaries, by agreement with Egypt, Syria, or Transjordan". This
urgent need for action soon became clear with the disclosure that it
was necessary to aid in the rehabilitation of hundreds of thousands of
survivors of Nazi camps. This could only be done throuth Anglo-American
cooperation.>
Deutsch:
<Am Ende des Krieges im Mai 1945 in Europa wurde Churchill
abgewählt. Die Labour-Partei, die ihn ersetzte, hatte in der
Vergangenheit grosse Sympathien für den [[rassistischen]] Zionismus
gehegt, und die Parteikonferenz bestätigte nur das Versprechen, der
Entwicklung einer nationalen Heimstätte zu helfen, indem man durch "die
Ausweitung der bestehenden Palästina-Grenzen" Platz schuf, in
Übereinkommen mit Ägypten, Syrien, oder Transjordanien. Der dringende
Handlungsbedarf wurde bald durch folgende Tatsache klar: Es musste den
100.000en von Überlebenden der Nazi-Lager geholfen werden. Dies konnte
nur mit einer englisch-amerikanischen Kooperation geschehen.>
(aus: Encyclopaedia Judaica 1971: Zionism; Band 16, Kolonne 1087)
-- Encyclopaedia Judaica 1971: Zionism; Band 16, Kolonne 1058:

Encyclopaedia Judaica 1971: Zionism; Band 16, Kolonne 1058, mit der
Angabe, dass sich im Mai 1945
"vielleicht 1 Million jüdische Flüchtlinge in den europäischen Lagern
befanden"
In den Lagern in Europa befanden sich im Mai 1945 ca. 1 Mio. jüdische
Überlebende:
"Perhaps a million Jewish refugees were alive in camps in Europe in May
1945"
Deutsch:
"Vielleicht eine Million jüdische Flüchtlinge lebten im Mai 1945 in
Lagern in Europa."
(aus: Encyclopaedia Judaica 1971: Zionism; Band 16, Kolonne 1058)
Dann wurden die DP-Lager eingerichtet. In den DP-Lagern wurde eifrig
jüdische Kultur betrieben:
-- siehe den Artikel: American Joint Distribution
Committee; In: J.H.Schoeps (Hg): Neues Lexikon des Judentums;
Bertelsmann 1998,
S.47;

Julius Hans Schoeps
(Herausgeber): Neues Lexikon des Judentums, Buchdeckel

|
Julius Hans Schoeps: Neues Lexikon
des Judentums, Seite 47: Betreuung von DP-Lagern nach 1945 durch das
Joint Distribution Committee JDC bis 1956
Text:
<Das American Joint Distribution Committee leistete
nach 1945 die umfangreichste Hilfe für die jüdischen Überlebenden. Die
finanziellen Mittel für diese Arbeit wurden von verschiedenen
internationalen jüdischen Organisationen durch Sammlungen
bereitgestellt, vorwiegend vom amerikanischen "United Jewish Appeal"
(UJA). Anfang der 50er Jahre kamen finanzielle Mittel aus den
Wiedergutmachungszahlungen hinzu. Der Schwerpunkt der Arbeit lag auf
der Lösung des Problems der -> Displaced Persons (DP's) 1945-56.
Bis zur Währungsreform 1948 importierte das American Joint Distribution
Committee 50.000 Tonnen Nahrungsmittel, 4000 Tonnen Bekleidung, 5000
Tonnen Artikel des täglichen Bedarfs, danach leistete es finanzielle
Aufbauhilfe für die neuen jüdischen Gemeinden in Deutschland. über das
American Joint Distribution Committee wurde ärztliche und medizinische
Hilfe finanziert, Rekonvaleszenzheime wurden eingerichtet; es kümmerte
sich um Erziehung und Unterricht von über 13.000 Kindern, errichtete
200 Schulen in den DP-Lagern, unterhielt ein Lehrerseminar, in dem 890
Lehrer ausgebildet wurden, druckte 475.000 Schulbücher, finanzierte 18
DP-Zeitungen, unterhielt 12 mobile Kinos, drei jiddische Theater und
zwei DP-Orchester.
Neben der finanziellen Unterstützung für berufliche Ausbildung verhalf
es 5500 Studenten zum Studium in 90 -> Talmud-Tora-Schulen, druckte
500.000 Gebetsbücher und gab, zusammen mit der amerikanischen Armee,
eine 19bändige Talmudausgabe heraus.
In der Zeit zwischen 1945 und 1950 liess es tonnenweise Mazzot backen,
importierte Gebetsriemen- und Mäntel, Schofarim, Türpfostenkapseln und
ähnliches, ohne die ein religiöses Leben in den Lagern nicht hätte
stattfinden können. Die Rechtsabteilung des American Joint Distribution
Committee vertrat DP's in annähernd 10.000 Rechtsfällen.
Nach der Auflösung der DP-Lager beriet und unterstützte das American
Joint Distribution Committee die Zentralwohlfahrtsstelle und den
Zentralrat der Juden in Deutschland. Weitere wichtige Organisationen
waren HIAS (Hebrew Immigrant Aid Society), die hauptsächlich bei der
Auswanderung von jüdischen DP's in die USA tätig wurde, ORT
(Organization for Rehabilitation through Training), eine Organisation,
die sich der Berufsausbildung, Schulung und Umschulung von Jugendlichen
und Erwachsenen widmete, die britische JRU (Jewish Relief Unit), die
besonders in Bergen-Belsen aktiv wurde, und der Vaad Haazala, eine
Organisation der religiösen Agudat-Israel-Partei, die den orthodoxen
Juden half, nach den Religionsgeboten zu leben, in dem sie für
geschächtetes Fleisch, koschere Lebensmittel und rituelle Hilfsmittel
sorgte.>
|
14. Direkte
jüdische Auswanderung von Europa in die "USA" nach 1945
American Joint Distribution
Committee; In: J.H.Schoeps (Hg): Neues Lexikon des Judentums;
Bertelsmann 1998,
S.47
15. Appell
des WJC
1945, jüdische Kinder von christlichen Familien herauszugeben
z.B. in: George Garai (Editor/Hsg.):
World Jewish Congress. 40 Years in Action. A record of the world Jewish
Congress 1936-1976, S.22, 1953: S.34

WJC, Broschüre: 40 Years in Action, Buchdeckel |

WJC, Broschüre: 40 Years in
Action, Inhaltsverzeichnis mit der Angabe von Garai
|

WJC, Broschüre: 40 Years in Action, Seite 34 |
Text:
"Der
Kongress führt eine Kampagne zur
Rückkehr von jüdischen
Waisenkinder in den Schoss der jüdischen Gemeinde. Es handelt sich um
jüdische Waisenkinder, die während des Krieges von Katholiken in
Frankreich, Belgien und Holland aufgenommen worden waren."
(original:
"Congress leads campaign for
return to Jewish fold of orphaned Jewish
children saved during war by Catholics in France, Belgium, and
Holland.")
|
16.
Russifizierung der Juden in der Sowjetunion ab 1948: Prozesswellen,
Massenarreste, Verurteilungen zu Arbeitslager, "ökonomische Prozesse"
Pinkus:

Pinkus, Benjamin:
The
Soviet Government and
the
Jews 1948-1967. A
documented study. Ben-Gurion University of the Negev (Beer-Sheva);
Cambridge
University Press 1984, ISBN 0-521-24713-6:
--
Prozesswellen 1948-1953
("The Black Years"): Pinkus, S.5,21,87,89,163,194-195,507,533; |

Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 5
|
Text
(Deutsch):
<Ein noch schwerwiegenderer Grund für die Ernüchterung war die von
Stalins Politik eingeführte Politik während der Jahre 1948 bis 1953,
die so genannten 'Schwarzen Jahre' ('black years'), die wir im Weiteren
im Detail untersuchen werden.>
(original:
<An even greater cause of disillusionment was initiated by Stalin's
policy during 1948-53, the so-called 'black years' which will be
examined in detail below.>)
Stalin schloss die Juden in der "Sowjetunion" ein, und es gab
Antisemitismuswellen, weil der zionistisch-rassistische Staat Israel
sich mit den Verunreinigten Staaten und mit seinen Geheimdiensten
verband. Somit fühlte sich die "Sowjetunion" mit Stalin durch die
Alliierten der Verunreinigten Staaten eingekreist. Und die Massnahmen
gegen Juden folgen nun im Detail:
|

Benjamin Pinkus: Buch: The
Soviet government and the Jews, Seite 21 |
Text
(Deutsch):
<Also, die traurige Tatsache ist, dass die berühmtesten
Repräsentanten der jiddischen Kultur in der Sowjetunion während der
letzten Jahre der Stalin-Zeit getötet worden
(Endnote 31: Siehe Kapitel 5 und 7)
und jene, denen es gelang, lebendig aus den Konzentrationslagern
zurückzukommen, waren gebrochen und entmutigt.>
(original:
<However, the sad fact is that the most outstanding representatives
of Yiddish culture in the Soviet Union were killed during Stalin's last
years,
(End note 31: See chapter 5 and 7)
and those survivors who managed to return from the concentration camps
were broken and discouraged.>)
|

Benjamin Pinkus: Buch: The
Soviet government and the Jews, Seite 87 |
Text
(Deutsch):
[Das Propagandabild über Juden
in der "SU" 1948-1953]
<Eine Untersuchung der grossen Anzahl von Artikeln die 1948-1953
publiziert wurden, die 'seriösen' wie die 'humoristischen' (siehe die
Dokumente in diesem Kapitel mit bekannten Beispielen), zeigt ein völlig
entstelltes und verfälschtes Bild des Juden. Vor den Augen der
Öffentlichkeit, miteingeschlossen die sowjetische Intelligenz,
eröffnete sich ein gefährlicher Stereotyp. Der Jude wurde dem Leser als
eine generell korrupte Person dargestellt, die sich regelmässig vom
Militärdienst drückte, sogar in den schwierigsten Zeiten der
Sowjetunion (obwohl, wenn er an die Front geschickt wird, dann ist er
immer zuvorderst); er ist keinem Ort richtig verbunden (er ist ein
ewiger Wanderer, unfähig, sich mit einem speziellen Ort zu verbinden);
er ist unfähig und sogar unwillig zu arbeiten, sein Ehrgeiz geht eher
dahin, ein leichtes Leben zu führen (ein Parasit von Natur aus). Sobald
er Arbeit hat, überschwemmt er die Institution mit seinen
Familienangehörigen oder Bekannten (Familien- und Gemeinde-Nepotismus);
seine Diplome sind durch falsche Behauptungen oder Spitzfindigkeiten
ergaunert, seine Beförderung bei der Arbeit ist auch das direkte
Resultat von Betrug, Schwindel und Mitwirkung, der Jude (die Ursprünge
sind durch eindeutige Andeutungen aufgedeckt, eher so als durch direkte
Beweise), provoziert zwangsläufig Abscheu und Ekel, Eifersucht und Wut.
Von da aus ist es nur noch ein Schritt zum gefährlichen und totalen
Hass. Das Ausmass, in dem diese Propaganda akzeptiert wurde, nicht nur
durch die gewöhnliche Bevölkerung, sondern auch durch Vertreter der
gebildeten Schichten, kann durch Zeugnisse bewiesen werden, die uns
erreicht haben.> (S.87)
(Endnote 24: <Siehe Dokumente 32-34.>
Dokument 32: Ewtuschenkos
Memoiren der Stalin-Zeit (1963)
(S.104-106)
(Quelle: E. Ewtuschenko: Avtobiografiya (Autobiographie); London,
Flegon
Press 1964, S. 88-89)
(Endnote 73: Ewtuschenkos 'Autobiographie', aus der die Dokumente 32
und
39 ein Auszug sind, wurde zuerst am 21. Februar 1963 und in den
folgenden Ausgaben der französischen Zeitung L'Express publiziert. Die
Herausgeber verkündeten, dass sie das Manuskript des Autors besitzen
würden für den Fall, dass der Autor oder sowjetische Stellen die
Vorgänge leugnen würden. Die einzigen Zusätze der Herausgeber sind die
Untertitel. Nachdem Ewtuschenko selbst mit Chruschtschews Vorwürfen
konfrontiert wurde, verkündete Ewtuschenko, dass er unverantwortlich
gehandelt hätte, und dass die Publikation seiner 'Autobiographie' ein
ernsthafter Fehler gewesen sei. Siehe: Le Monde, 29. März 1963).
Dokument 33: Chruschtschew
über
Stalin
(S. 106-108)
(Quelle: Khrushchev Remembers; Boston, Little, Brown 1970, S. 260-263)
(Endnote 78: Darüber, wie Chruschtschows Memoiren den Westen erreichten
und eine Einschätzung der möglichen Echtheit, siehe J.L. Schechter in Khrushchev Remembers. The Last Testament,
S. xi-xix)
Dokument 34: Chruschtschow
über
die polnische Führung (1948-51)
(S. 108-110)
(Quelle: Khrushchev Remembers. The Last Testament; Boston, Little,
Brown 1974, S. 179-182)
<Ebenso sind wichtig die Zeugenaussagen von V. Grossman und A.
Kuznetsov; siehe: V. Grossman: Vse techet (Immer im Fluss), Frankfurt
am Main, Posev 1970; A. Anatoli (Kuznezov): Babi Yar; New York,
Taschenbücher, 1971. Dem können weitere Berichte von Auswanderern aus
der Sowjetunion zugefügt werden.>
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(original:
[The propaganda picture of the
Jew in the "SU" 1948-1953]
<An examination of a large number of articles published during
1948-53,
both 'serious' and 'humorous' (prominent examples of which are given in
the documents to this chapter), reveals a completely distorted and
falsified picture of the Jew. Before the eyes of the general public,
including the Soviet intelligentsia, a most dangerous stereotype
emerged, with the Jew portrayed to the reader as a generally corrupt
person who regularly evaded military service, even at the most
difficult time in the history of the Soviet Union (although sent to the
front he, miraculously, always reaches the rear); he is not attached to
any place (being an eternal wanderer incapable of attachment to a
particular spot); he is unable and even unwilling to work, his ambition
being rather to make an easy living (a parasite by nature). As soon as
he has settled into a job, he peoples the establishment with members of
his family or acquaintances (family and community nepotism); his
certificates are acquired through false claims or sharp practices; his
promotion at work is also the direct result of fraudulence and
swindles. Thus portrayed as exploiter, swindler and operator, the Jew
(whose origins are revealed by unmistakable innuendo rather than by
direct reference) inevitably arouses loathing and revulsion, jealousy
and anger.
From here it is only one step to the most dangerous outright hatred.
The extent to which this propaganda was accepted, not only by the
ordinary people but also by representatives of the more cultured
classes, can be judged from the testimonies which have reached us.>
(p.87)
(End note 24: <See Docs 32-34.>
Document 32: Evtushenko's
memoirs of the Stalin era (1963)
(p.104-106)
(Source: E. Evtushenko: Avtobiografiya (Autobiography); London, Flegon
Press 1964, pp. 88-89)
(End note 73: Evtushenko's 'Autobiography', from which Docs. 32 and 39
are drawn, was published first in the French journal L'Express on 21 February 1963 and
the three following issues. The editors announced that, in the event
that denials should come from either the author or the Soviet
authorities, they possessed the author's manuscripts proving that he
had indeed written the work. The only editorial additions were the
sub-headings. After he had been severely upbraided by Khrushchev
himself, Evtushenko announced that he had acted irresponsibly and made
a serious mistake in publishing his 'Autobiography'. See: Le Monde, 29 March 1963).
Document 33: Khrushchev on
Stalin
(p. 106-108)
(Source: Khrushchev Remembers; Boston, Little, Brown 1970, pp. 260-263)
(End note 78: For how Khrushchev's memoirs reached the West and an
assessment of their probable authenticity, see J.L. Schechter in Khrushchev Remembers. The Last Testament,
pp. xi-xix).
Document 34: Khrushchev on the
Polish Leadership (1948-51)
(p. 108-110)
(Source: Khrushchev Remembers. The Last Testament; Boston, Little,
Brown 1974, pp. 179-182)
<Also important are the testimonies of V. Grossman and A. Kuznetsov;
see: V. Grossman: Vse techet (Forever Flowing), Frankfurt am Main,
Posev 1970; A. Anatoli (Kuznezov): Babi Yar; New York, Pocket Books,
1971. To these can be added numerous accounts by new emigrants from the
Soviet Union to the West.>
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<Es
gibt viele Gründe, warum breite Kreise der Bevölkerung bereit
waren, den Antisemitismus von oben aufzunehmen. Wir haben bereits
geschildert, dass während des Krieges die giftige Nazi-Propaganda die
antisemitische Tradition in Russland, in der Ukraine, in Litauen und
in anderen Nationen wieder verstärkt hat. Die katastrophale
wirtschaftliche Situation, Wohnsituation, schwierige Arbeitsbedingungen
und der harte Wettbewerbsbedingungen, um bei der Arbeit weiterzukommen
zu einer Zeit, als die Erwartungen für ein besseres Leben grausam
enttäuscht wurden, waren die schwerwiegenden Faktoren, die zum
wachsenden Hass gegen Ausländer, Fremde und gegen all jene führten,
deren Situation als besser betrachtet wurde, berechtigter- oder
unberechtigterweise. Dazu kommt die Existenz eines totalitären Regimes,
das willkürlich eine hysterische Atmosphäre gegen Intellektuelle und
einen extremen Ausländerhass schaffen konnte. Die Umstände waren
also
derart, dass der Jude das ideale Hassobjekt wurde.
Wir sind verpflichtet zu fragen, ohne dass wir eine eindeutige Antwort
geben können, inwiefern der offizielle Antisemitismus ein Resultat der
'objektiven Bedürfnisse' war, wenn man das so sagen kann, oder, ob
diese Politik stattdessen durch die starken, persönlichen,
anti-jüdischen Gefühle von verschiedenen sowjetischen Führern
hervorgebracht wurde, speziell von Stalin selbst. Es gibt keinen
Zweifel, dass da das 'Bedürfnis' nach einem Sündenbock bestand, um
Unmut über das Versagen und über die Bedürfnisse zu vertuschen. Das
'Bedürfnis' wurden in eine Richtung so weit wie möglich weg von den
wirklich Verantwortlichen weggeleitet. Die Regierung war stark genug,
um mit der extremen und potentiell explosiven Waffe des Antisemitismus
umzugehen. Weil die Regierung beschloss, auf den Antisemitismus nicht
zu verzichten, so kommt man um die Schlussfolgerung nicht herum, dass
der subjektive Faktor von Bedeutung und endgültig war, vielleicht,
entscheidend.> (S.87) |
<There
are many reasons why broad circles of the population were ready
to absorb anti-Semitism from above. We have already pointed out that
the anti-Semitic tradition in Russia, the Ukraine, Lithuania and other
nations was reinforced during the war by venomous Nazi propaganda. The
disastrous economic situation, housing shortage, difficult working
conditions and fierce competition for promotion at work, at a time when
expectations of better things had been cruelly disappointed, were all
weighty factors which contributed to the growing hatred for foreigners,
for strangers, and for all those whose situation was seen, whether
rightly o wrongly, as superior. If we add to this the existence of a
totalitarian regime which was deliberately creating an almost
hysterical atmosphere of anti-intellectualism and extreme xenophobia,
the circumstances were right for the Jew to become the ideal object of
hatred.
We are obliged to ask, without being able to give an unequivocal reply,
to what extent official anti-Semitism was a direct result of 'objective
needs', if it can be so expressed, or whether this policy arouse,
instead, from the strong personal anti-Jewish feelings of various
Soviet leaders, especially of Stalin himself. There is no doubt that,
despite the 'need' to find a scapegoat for the failures and the desire
to assuage resentment by channeling it in a direction as far as
possible removed from those really responsible, the government was
strong enough to have coped without as drastic, extreme and potentially
explosive a weapon as anti-Semitism. Because the government chose not
to forego anti-Semitism, one cannot escape the conclusion that the
subjective factor was of significance and ultimately, perhaps,
decisive.> (p.87) |

Benjamin Pinkus: Buch: The
Soviet government and the Jews, Seite 89 |
Text
(Deutsch):
<Aber es scheint, dass die Terror-Kampagnen gegen die Juden in der
Tschechoslowakei und in Rumänien jetzt unabhängig von der jeweiligen
Staatsführung durchgeführt wurden und nicht unbedingt unter dem Befehl
der Sowjetpolitiker standen.>
(original:
<However, it seems that the terror campaigns against Jews in
Czechoslovakia and Romania were now initiated independently by the
leaderships of these states and were not necessarily carried out under
instruction from the Soviet policy-makers.>)
|

Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 163 |
Text
(Deutsch):
<Nicht weniger wichtig war aber auch die Frage, wer in der anti-kosmopolitischen
Kampagne angegriffen wurde. Zum Beispiel waren die Opfer der Angriffe
in der Ukraine und in Weissrussland fast alles Juden, während in
Zentralasien der Prozentsatz der jüdischen Opfer niedrig lag. Der Grund
für diesen Kontrast liegt nicht in der niedrigen Anzahl Juden in den
letzteren Gebieten, oder dass sie relativ wenig Schlüsselpositionen in
Literatur, Kunst und Forschung besetzt hätten; ein sehr bedeutender
Faktor war hier der Grad des bodenständigen Antisemitismus und des
Wunsches, ihn für verschiedene Zwecke auszunutzen.
Dabei waren in Zentralasien und in gewissem Mass auch im Kaukasus (vor
allem in Aserbaidschan) die antikosmopolitische Kampagne und die
Kampagne gegen den bürgerlichen Nationalismus - mit den üblichen
Angriffen auf den Pan-Islamismus, Pan-Turkismus und Pan-Iranismus -
fast
identisch
(Endnote 74: Mirzo Fursan-Zade: Protiv kosmopolitizma i paniranizma;
In: Literaturnaya gazeta, 19. Februar 1949; Kh. Rasulev:
Reaktsionnaya sushchnost panislamizma i panturkizma; In: Pravda
Vostoka, 14. August 1952).
und mit ihren ständigen Rufen nach einer Brüderlichkeit zwischen den
'Grossrussischen Brüdern' - in den europäischen Republiken (speziell in
der Ukraine) wurde die Kampagne durch einige lokale Intellektuelle für
andere Zwecke genutzt, wie es scheint, mit der Unterstützung der
Behörden. Das wichtigste hier war der Versuch, den Würgegriff der
Russifizierung zu brechen, ohne den grossrussischen Chauvinismus
frontal anzugreifen. Man benutzte die sich bietende Gelegenheit durch
die Kampagne gegen 'Kosmopoliten', die gewöhnlich der ukrainischen und
weissrussischen Kultur nihilistisch und herabsetzend entgegentraten.
Und, unter den dann vorherrschenden Umständen, war es offensichtlich
sehr viel sicherer, 'Kosmopoliten' anzugreifen, die jüdisch und nicht
russischen Ursprungs waren. Darüberhinaus war es möglich, die
antikosmopolitische Kampagne auszunützen, um persönliche
Angelegenheiten mit den Juden zu regeln, die wichtige Posten in Kultur
und Schulwesen dieser Republik innehatten.
(Endnote 75: Unter jenen, die Kosmopoliten in der Ukraine angriffen,
waren die Dichter Rylsky und Tychyna, die als persönliche Freunde
vieler jiddischer Schriftsteller bekannt waren, und die der jüdischen
Bevölkerung freundlich gesinnt waren. Während es wahrscheinlich ist,
dass sie gezwungen wurden, sich der Kampagne anzuschliessen, so lässt
einen die Schärfe des Angriffs von Tychyna (siehe Dok. 67) zum Schluss
kommen, dass hier eine Angelegenheit mit jüdischen Literaturkritikern,
die er persönlich nicht mochte, eine wichtige Rolle gespielt hat).>
(S.163)
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(original:
<No less important, however, was the question of who was attacked in the
anti-cosmopolitan campaign. For example, the victims of the attacks in
the Ukraine and Belorussia were almost all Jews, while their percentage
among those attacked was low in the republics of Central Asia. The
reason for this contrast does not lie in the small number of Jews who
lived in these latter areas or in the fact that they held relatively
few key posts in literature, art and the sciences; a very significant
variable here was the degree of indigenous anti-Semitism and the desire
to exploit it for various purposes.
Thus, while in Central Asia and to a certain extent in the Caucasus
(chiefly in Azerbaijan) the anti-cosmopolitan campaign was almost
identical to the campaign against bourgeois nationalism - with the
usual attacks on pan-Islamism, pan-Turkism and pan-Iranism
(End note 74: Mirzo Fursan-Zade: Protiv kosmopolitizma i paniranizma;
In: Literaturnaya gazeta, 19 February 1949; Kh. Rasulev:
Reaktsionnaya sushchnost panislamizma i panturkizma; In: Pravda
Vostoka, 14 August 1952).
and the incessant calls for fraternity with the 'Great Russian
brother' - in the European republics (particularly in the Ukraine) the
campaign was utilized for other purposes by some of the local
intelligentsia, apparently with the support of the authorities. Most
important here was the attempt to break the stranglehold of
Russification, without attacking Great Russian chauvinism head on, by
using the golden opportunity presented by the campaign against
'cosmopolitans', whose attitude to Ukrainian or Belorussian culture was
nihilistic and disparaging. And, under the circumstances then
prevailing, it was obviously far safer to attack 'cosmopolitans' who
were Jewish rather than Russian in origin. Moreover, it was possible to
exploit the anti-cosmopolitan campaign to settle personal accounts with
the Jews who held important posts in all spheres of culture and
learning in these republics.
(End note 75: Among those who attacked cosmopolitanism in the Ukraine
were the poets Rylsky and Tychyna, who were known to be personal
friends of many Yiddish writers and sympathetic to the Jewish people.
While it is likely that they were compelled to do so, the sharpness of
Tychyna's attack, for example (see Doc. 67), leads one to believe that
the chance to settle accounts with Jewish literary critics whom he
personally loathed also played an important role).> (p.163)
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Dokument 67: Die Vereinigung
der ukrainischen Schriftsteller greift Kosmopoliten an (März 1949)
(S. 185-189)
(Quelle: Do kontsa razgromit kosmopolitov-antipatriotov! (Die
antipatriotischen Kosmopoliten ausrotten); Pravda Ukrainy, 6. März
1949)
<Wenn
wir
die Sicht akzeptieren, dass die antikosmopolitische
Kampagne eine durch und durch antijüdische Kampagne wurde, so kommt die
Frage auf: Warum? Einer der Hauptgründe war der von Stalin und
eventuell von einem beträchtlichen Teil der sowjetischen Führung
geteilten Verdacht, dass die Juden nicht völlig loyal zu ihrem
sozialistischen Mutterland standen, und dass man ihnen im Krieg mit den
Vereinigten Staaten nicht voll vertrauen konnte. Dieses Misstrauen hat
Stalin offenbar zur Entscheidung gebracht, dass man nicht nur den
'jüdischen Nationalismus' bekämpfen sollte - jene Kreise, die mit der
jiddischen Kultur verbunden waren [dieser Nationalismus unterstützte
das rassistisch-zionistische Israel unter dem Rassisten Ben Gurion] -
sondern auch den 'Kosmopolitismus'
- die assimilierte jüdische Intelligenz. In Übereinstimmung mit dieser
inneren Logik war der Übergang von der ersten Kampagne zur zweiten
Kampagne Ende 1948 absolut natürlich. So kann man die paradox
scheinende Tatsache erklären, dass einige Personen wegen beidem,
Nationalismus und Kosmopolitismus, hintereinander angeklagt wurden,
oder fast hintereinander.
Eine allgemeinere aber noch wichtigere Überlegung war die Popularität,
die sich das Regime durch die Entfesselung solcher Kampagnen gegen
Juden erhoffen konnte, so verhasst, wie sie bei grossen Teilen waren,
bei Russen wie bei der nichtrussischen Bevölkerung.
Schlussendlich scheint es, dass die antijüdische Politik, die sich in
der antikosmopolitischen Kampagne manifestierte, auch durch interne
Kämpfe innerhalb der Parteiführung beeinflusst war. Es ist aber bis
heute schwierig festzustellen, welche spezielle Gruppe dies unterstützt
hat, und in welchem Mass.> (S.163)
(Endnote 76: Über die Wichtigkeit des Stalinschen Antisemitismus in
Hinsicht auf diese Frage, siehe Kapitel 3).>
|
Document 67: The Ukrainian
Writers' Board attacks cosmopolitans (March 1949)
(p.185-189)
(Source: Do kontsa razgromit kosmopolitov-antipatriotov! (To Rout
Utterly the Anti-Patriotic cosmopolitans); Pravda Ukrainy, 6 March
1949)
<If
we accept the view that the anti-cosmopolitan campaign
became an out-and-out anti-Jewish campaign, the question arises, why?
One of the principal reasons was the suspicion shared by Stalin and
evidently by a sizable section of the Soviet leadership that the Jews
were not completely loyal to their socialist motherland and could not
be relied upon fully in the event of a war with the United States. This
distrust apparently induced Stalin to decide that it was
necessary
to fight not only 'Jewish nationalism' - those circles associated with
Yiddish culture [this nationalism was supporting racist Zionist Israel
under racist Ben Gurion] - but also 'cosmopolitanism' - the assimilated
Jewish
intelligentsia. In accordance with this inner logic, the sharp
transition, at the end of 1948, from the first campaign to the second
was natural enough, as was the apparently paradoxical fact that some
persons were accused of both nationalism and cosmopolitanism
consecutively or almost consecutively.
A more general but probably even more weighty consideration was the
popularity which the regime could hope to gain by unleashing a thinly
veiled campaign against the Jews, hated as they were by large sections
of both the Russian and the non-Russian populations.
Finally, it seems that the anti-Jewish policy manifested in the
anti-cosmopolitan campaign was further influenced by the internal
struggles within the Party leadership, although even today it is
difficult to pinpoint the particular group that supported it, or to
what extent.> (p.163)
(End note 76: On the importance of Stalin's anti-Semitism in regard to
this question, see Chapter 3).> |

Benjamin Pinkus: Buch: The
Soviet government and the Jews, Seiten 194
und 195
|
Text
(Deutsch):
<Die kurze Zeit der Hoffnung [1945-1948 mit der Hoffnung in Moskau,
dass
Israel am Ende ein kommunistischer Satellit werden würde] war im
Oktober und November 1948 plötzlich am Ende [als klar wurde, dass
Israel mit dem CIA gegen die Politik der Sowjetunion stehen wird]
(Endnote 4: Siehe Erenburgs Artikel in der Prawda (Dokument 7); siehe
auch Kapitel 6. Dies war eindeutig das erste Zeichen, dass die
sowjetischen Behörden entschieden hatten, die Kontakte zwischen dem
sowjetischen Judentum, dem [rassistischen] Zionismus und [dem rassistisch-zionistischen Staate] Israel zu zerschneiden).
als die sowjetische Politik in Hinsicht auf die zionistische Frage
erneut wechselte.>
[Die sowjetische Politik war mit den muslimischen Ländern solidarisch,
und die Verunreinigten Staaten wurden durch die jüdischen Zionisten
manipuliert und waren der Goldesel für das rassistische Israel - und
das geht bis heute so (2011)].
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(original:
<This short period of hope [1945-1948 with the hope in Moscow that
Israel will be a communist satellite at the end] was brought to an
abrupt end in October-November 1948 [when it was clear that Israel
would go with CIA against Soviet Union's policy]
(End note 4: See Erenburg's article in Pravda (Doc.7); see also Chapter 6.
This was undoubtedly the first sign that the Soviet authorities had
decided to sever the contacts between Soviet Jewry and [racist] Zionism and [racist Zionist state of] Israel).
when Soviet policy on the Zionist question shifted once again.>
[Soviet policy was in solidarity with the Muslim countries, and Stupid
States were manipulated by the Jewish Zionists and were the gold monkey
for racist Israel - until today (2011)].
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Dokument
7: Erenburgs Konzeption der
jüdischen Befindlichkeit (1948)
(S.39-42)
(Quelle: I. Erenburg: 'Po povodu odnogo pisma' (Was einen gewissen
Brief betrifft), Pravda, 21.
September 1948)
(Endnote 66: Wir publizieren hier die Übersetzung von Erenburgs
Artikel, der in Jewish Life im Juni 1949 erschien, S. 25-27).
[Alexander R. aus München
beklagt sich über Antisemitismus seit der Gründung des rassistisch-zionistischen Herzl-Israel]
<Ich habe einen Brief von Alexander R. in München erhalten. Er
schreibt:
'Es mag Sie überraschen, dass ich Ihnen schreibe, aber ich habe einige
ihrer Bücher gelesen, und ich wende mich als Schriftsteller an Sie, um
mir zu helfen, ein schwieriges Problem zu lösen. Ich bin ein deutscher
Jude, ein Medizinstudent, und natürlich ein Antifaschist. Im Jahr 1938
gelang es mir, nach Frankreich wegzugehen. Als die Nazis Frankreich
besetzten, ging ich in den Untergrund, kämpfte dann zwei Jahre in den
Rängen der Maquis, in der Partisanenabteilung Gabriel Peri. Ich kehrte
nach dem Krieg nach München zurück. Ich gestehe, ich war naiv - ich
dachte, der Faschismus sei ausgelöscht. Jetzt bin ich tägliches Objekt
von Beleidigungen. Als Hitler an der Macht war, glaubte ich, das sei
eine vorübergehende Eklipse. Ich betrachtete Antisemitismus als eine
der Spielarten der "braunen Seuche". Aber warum muss ich immer noch so
eklige Wandschriften lesen? Warum muss ich Studentenkollegen sagen
hören, "Geht raus hier, geht nach Palästina"? Warum gab man meinem
Freund keinen Professorenabschluss, aber man sagte ihm freimütig: "Hier
ist kein Platz für Juden"? Sie können sich nicht vorstellen, wie
untolerierbar diese Beleidigungen für unsere Würde sind. Ich sehne mich
nach dem einfachsten Ding, nach dem Recht auf Leben, ohne Zeichen der
Scham. Die Nazis zwangen uns, einen gelben Fleck auf der Brust zu
tragen. Jetzt ist alles mehr im Untergrund, aber es ist immer noch das
gleiche. Unter dem Schutz der Amerikaner haben sich die Nazis in alle
verantwortlichen Posten gesetzt. Sie kennen das vielleicht, und ich
schreibe das nicht, um zu klagen oder zu informieren.'
[Alexander R. fragt, wie die
"SU" zum rassistischen, zionistischen Herzl-Israel steht]
'Ich möchte wissen, wie die Sowjetunion zum [rassistisch-zionistischen] Staat Israel steht. Können
wir darin eine Lösung zur so genannten jüdischen Frage sehen? Für mich
sind das nicht abstrakte Gedanken, sondern eine Lebensfrage. In Ihrem
Roman Der Sturm las ich
schreckliche Beschreibungen über die Morde in Auschwitz und an anderen
Plätzen. Meine gesamte Familie ist in den Händen der Nazis umgekommen
[wahrscheinlich im Bunkerbau]. Was muss man tun, um eine Wiederholung
dieses Schreckens zu verhindern? Gestern hörte ich einen Kollegen laut
sagen: "Die Juden müssten abgemurkst werden." Ich war nie ein Zionist,
aber ich beginne an die Idee eines jüdischen Staates zu glauben. Ich
erwarte von Ihnen eine Antwort - denn Sie sind ein Schriftsteller des
Landes, an das ich von ganzem Herzen glaube.' ...
[Erenburg: Die "SU" anerkannte
Israel als erste]
Ich glaube, die gestellte Frage, die von dem unbekannten Brieffreund
gestellt wurde, ist nicht nur für ihn, und nicht nur für Juden ,
sondern für alle intelligenten Leute, die ein Gewissen haben,
interessant. Ich habe deshalb entschieden, nicht privat, sondern durch
einen Zeitungsartikel zu antworten.
Alexander R. will wissen, wie die Sowjetunion zum Staat Israel steht.
Diese Frage kann kurz beantwortet werden: Die sowjetische Regierung war
die erste, die den neuen Staat anerkannt hat. Sie hat energisch gegen
die Aggressoren protestiert, und als die israelischen Armeen ihr Land
gegen arabische Legionäre, die unter dem Kommando von britischen
Offizieren standen, verteidigten, waren die Sympathien unseres Volkes
alle auf der Seite der Leidenden, nicht auf der Seiten der Täter. Dies
ist so natürlich wie die Tatsache, dass das sowjetische Volk mit den
Patrioten von Vietnam und nicht mit den französischen Unterdrückern,
mit den Patrioten von Indonesien und nicht mit den holländischen
Expeditionstruppen sympathisiert.> (S.39)
|
Document 7: Erenburg's conception of Jewish
consciousness (1948)
(p. 39-42)
(Source: I. Erenburg: 'Po povodu odnogo pisma' (Concerning a Certain
Letter), Pravda, 21 September
1948)
(End note 66: We publish here the translation of Erenburg's article
which appeared in Jewish Life,
June 1949, pp. 25-27).
[Alexander R. from Munich
complains about anti-Semitism since the foundation of racist Zionist Herzl Israel]
<I have received a letter from one Alexander R. in Munich. He
writes:
'It may surprise you that I am writing to you, but I have read some of
your books and I turn to you as a writer to help me solve what is to me
a difficult problem. I am a German Jew, a medical student, and of
course, an anti-Fascist. In 1938 I managed to get away to France. When
the Nazis invaded France, I went into hiding, then fought for two years
in the ranks of the Maquis, in the Gabriel Peri partisan detachment. I
returned to Munich after the victory. I confess I was naive - I thought
that Fascism had been wiped out. Now I am daily subject to insults.
When Hitler was in power, I believed it was a temporary eclipse, I
regarded anti-Semitism as one of the features of the "brown plague".
But why must I still read disgusting inscriptions on walls? Why must I
listen to fellow-students telling me, "Get out of here, go to
Palestine"? Why was my friend not given a professorship, but was
frankly told: "There's no room for Jews here"? You cannot imagine how
intolerable are these insults to one's dignity. I long for a most
simple thing, for the right to live without a brand of shame. The Nazis
made us wear a yellow patch on our breasts. Now everything is more
subtle, but it is the same nevertheless. Under the protection of the
Americans the same Nazis are entrenched in all responsible positions.
You probably know this, and I am not writing to complain or inform.'
[Alexander R. asks what's the
attitude of the "SU" to racist Zionist Herzl Israel]
'I should like to know what is the attitude taken in the Soviet Union
to the [racist Zionist] State of Israel. Can we see in it a solution to the so-called
Jewish question? To me, these are not abstract reflections, but a
matter of life. In your novel The
Storm I read gruesome descriptions of the murder of Jews at
Auschwitz and other places. My entire family perished at the hands of
the Nazis [probably in tunnel constructioning]. What is to be done to
prevent a repetition of those horrors? Yesterday I heard a colleague of
mine say loudly: "The Jews ought to be finished off." I have never been
a Zionist, but I am beginning to believe in the idea of a Jewish state.
I am expecting an answer from you - for you are a writer of the country
in which I believe with all my heart.'...
[Erenburg: "SU" was first who
recognised Israel]
I think the question posed by my unknown correspondent is of interest
not only to him, and not even only to Jews, but to all people of
intelligence and conscience. I have therefore decided to answer, not in
a private letter, but in a newspaper article.
Alexander R. wants to know what is the attitude taken in the Soviet
Union to the State of Israel. This question can be answered briefly:
the Soviet government was the first to recognise the new state, it
protested energetically against the aggressors, and when the armies of
Israel fought to defend their land from the Arab Legionnaires commanded
by British officers, the sympathies of our people were all for the
wronged, not for the wrong-doers. This is as natural as the fact that
the Soviet people sympathise with the patriots of Vietnam and not with
the French suppressors, with the patriots of Indonesia and not with the
Dutch punitive forces.> (p.39)
|
[Erenburg: Kapitalistische
Ölinteressen in Israel]
<Aber die erste Frage von Alexander R. kann noch in einem grösseren
Zusammenhang beantwortet werden. Die Vertreter der Sowjetunion in den
Vereinten Nationen sagten, dass unser Volk die Gefühle der Juden
verstehen, die die grösste Tragödie erlebt haben, und die zumindest das
Recht erhalten sollen, in einem eigenen Land zu leben. Das sowjetische
Volk wünscht den Arbeitern von Israel Erfolg, und das sowjetische Volk
wird die Augen gegenüber den Vorgängen nicht verschliessen, die den
ehrbaren Leuten im jungen Staat noch bevorstehen. Zusätzlich zu der
Invasion englisch-arabischer Horden ist Israel nämlich noch einer
weiteren Invasion ausgesetzt - nicht so verdächtig, aber nicht weniger
gefährlich - und zwar ist das die Invasion des englisch-amerikanischen
Kapitals. Für die Imperialisten ist Palästina, zuerst und vor allem,
Öl. Der Wettbewerb zwischen den Plünderern - Standard Oil auf der einen
Seite und die englisch-iranische Petroleumgesellschaft und Shell auf
der anderen - dringen in das Leben des noch labilen Staates ein. Israel
wird nicht nur durch König Abdullas Mörder bedroht, sondern auch die
Interessen der palästinensischen Gesellschaft Potash, die Frage der
Pipeline zwischen Kirkuk und Haifa, amerikanische Entwürfe für
Konzessionen und Militärbasen. Der Staat Israel wird nicht von
Vertretern der Arbeiterklasse regiert. Wir haben alle gesehen, wie die
Bürgerlichen der europäischen Länder, mit ihren grossen Traditionen und
alten Staatssystemen, die nationalen Interessen für den göttlichen
Dollar verkauft haben. Gibt es irgendeinen Grund, warum das sowjetische
Volk von den Bürgerlichen von Israel mehr Skrupel oder mehr
Voraussicht zeigen sollte als die Bürgerlichen in Frankreich oder
Italien? Kaum. Wir trauen der Bevölkerung. Aber die Tatsache, dass die
Bevölkerung in Israel kämpft, und dass sie tapfer kämpfen, heisst
nicht, dass die Bevölkerung auch an der Macht ist. [...]> |
[Erenburg: Capitalist oil
interests in Israel]
<However, Alexander R.'s first question may be answered at greater
length. The representatives of the Soviet Union in the United Nations
have said that our people understand the feelings of the Jews who have
experienced the greatest tragedy and have at last obtained the right to
exist on their own land. Wishing the toilers of Israel success, soviet
people do not close their eyes to the trials in store for all honest
people in the young state. In addition to the invasion of Anglo-Arab
hordes, Israel is exposed to another invasion - not so conspicuous, but
no less dangerous - namely, the invasion of Anglo-American capital. To
the imperialists Palestine is, first and foremost, oil. The competition
between marauders - Standard Oil on the one hand and the Anglo-Iranian
Petroleum Company and Shell on the other - intrudes in the life of the
still frail state. Israel is threatened not only by King Abdullah's
cutthroats, but by the interests of the Palestine Potash Company, the
question of the Kirkuk-Haifa pipeline, American designs for concessions
and military bases. The State of Israel is not headed by
representatives of the working people. We have all seen how the
bourgeoisie of European countries, with their great traditions and
older state systems, have sold out the national interests for the sake
of dollars. Is there any reason why Soviet people should expect the
bourgeoisie of Israel to have more scruples or display greater
foresight than the bourgeoisie of France or Italy? Hardly. We trust the
people. But the fact that the people in Israel are fighting, and that
they are fighting bravely, does not mean that the people there are in
power. [...]> |
[Finsterlinge zeichnen ein
stereotypes Bild des Juden]
<Seit langer Zeit kommen Finsterlinge in erfundenen Geschichten vor,
um
Juden als eine spezielle Kreatur darzustellen, die sich von der
umgebenden Bevölkerung abhebt. Finsterlinge behaupten, dass Juden
ein getrenntes Leben für sich selber führen, dass sie Freud und Leid
der Menschen nicht teilen, unter denen sie leben; Finsterlinge
behaupteten, dass Juden kein Gefühl für Heimat haben, dass sie ewige
Wanderer seien; Finsterlinge versicherten, dass die Juden verschiedener
Länder eine Einheit seien, zusammengehalten durch einige mysteriöse
Bindungen. All diese Erfindungen fanden ihren Ausdruck in Hitlers
widerlichem Buch Mein Kampf
und wurden von den SS-Männern wiederholt, die alte Juden lebendig
begruben und jüdische Kinder steile Abhänge ins Feuer geworfen haben.
[Ghettos von katholischen
Fanatikern - jede Gruppe hat Fanatiker]
Ja, die Juden haben für sich selbst geschaut und lebten getrennt ihr
eigenes Leben, als sie dazu gezwungen wurden. Das Ghetto wurde nicht
von mystischen Juden erfunden, sondern von katholischen Fanatikern. In
jener Zeit, als die Augen der Bevölkerung durch religiösen Nebel
verblendet waren, gab es Fanatiker unter den Juden wie unter de
Katholiken, Protestanten, orthodoxen Christen und Moslems. Aber sobald
die Tore des Ghettos sich öffneten, als sich der Nebel der Nacht des
Mittelalters zu lichten begann, da schlossen sich die Juden der
verschiedenen Länder wieder dem normalen Leben der Nationen an.
[Verfolgte und versprengte
Juden - andere Verfolgungen und versprengte Gruppen]
Ja, viele Juden haben ihr Heimatland verlassen und sind nach Amerika
ausgewandert. Aber sie sind nicht ausgewandert, weil sie ihr Heimatland
nicht geliebt hätten, sondern wegen Gewalt und Beleidigungen, die ihnen
die Heimat aberkannt haben. Und, waren denn die Juden die einzigen, die
Rettung in anderen Ländern gesucht haben? So ist es auch Italienern
ergangen, den Iren, was Slawen getan haben, die von Türken und
Deutschen unterdrückt wurden, was auch Armenier und russische
Non-Konformisten getan haben. Jüdische Arbeiter, wie alle anderen, sind
stark mit dem Land verbunden, wo sie geboren wurden und wo sie
aufgewachsen sind. (S.40)
[Das gemeinsame Band der Juden
ist der Antisemitismus]
Juden leben in verschiedenen Ländern. Viele leben in Ländern, wo ihre
Vorgänger seit je her lebten. Das erste jüdische Denkmal in Tunis,
Georgien, Italien, sie datieren in die Urzeit. Finsterlinge sagen, dass
es nur wenig Gemeinsames gäbe zwischen einem tunesischen Juden und
einem Juden, der in Chicago lebt und amerikanisch spricht und denkt.
Wenn da ein Band zwischen ihnen ist, dann ist das nicht mystisch; es
ist ein Band, das durch Antisemitismus hervorgebracht ist. Wenn morgen
ein Verrückter erscheint, der verkündet, dass alle rothaarigen und
stupsnasigen Menschen verfolgt und ausgelöscht werden sollen, dann
ergibt sich eine natürliche Solidarität unter allen rothaarigen und
stubsnasigen Menschen. Die erschreckenden Scheusslichkeiten des
deutschen Faschismus, ihre verkündete Politik der kompletten
Vernichtung der Juden, eine Politik, die sie in vielen Ländern
umgesetzt haben, rassistische Propaganda, Beleidigungen, denen dann die
Feueröfen von Maidanek folgten - all dies hat ein tiefes Band zwischen
den Juden der verschiedenen Länder entstehen lassen. Es war die
Solidarität von beleidigten und entehrten Leuten.> |
[Obscurantist design the
stereotype
picture of the Jew]
<Obscurantists have since long ago invented fables designed to
represent
the Jews as some peculiar creatures different from the people around
them. Obscurantists have maintained that the Jews live a separate life
of their own, that they do not share the joys and sorrows of the
peoples among whom they live; obscurantists have asserted that Jews
have no sense of native land, that they are eternal wanderers;
obscurantists have affirmed that the Jews of various countries are a
unit, held together by some mysterious ties. All these inventions found
their extreme expression in Hitler's foul book Mein Kampf and were repeated by the
SS men who buried old Jews alive and flung Jewish infants down steep
banks and into furnaces.
[Ghettos from Catholic
fanatics - fanatics in every group]
Yes, the Jews kept to themselves and lived their own separate life when
they were compelled to do so. The ghetto was not invented by Jewish
mystics, but by Catholic fanatics. In those times, when the eyes of
people were blinded by the mist of religion, there were fanatics among
the Jews just as there were fanatics among Catholics, Protestants,
Orthodox Christians and Moslems. But as soon as the gates of the ghetto
opened, as soon as the mist of the night of the Middle Ages began to
lift, the Jews of various countries joined the general life of the
nations.
[Persecuted and spread Jews -
other persecution and spread groups]
Yes, many Jews left their native lands and emigrated to America. But
they emigrated not because they did not love their native land, but
because violence and insults deprived them of that beloved land. And,
were the Jews alone in seeking salvation in other countries? That was
also what Italians did, what Irishmen did, what Slavs from the
countries oppressed by Turks and Germans did, what Armenians and
Russian non-conformists did. Jewish toilers, like all others, are
strongly attached to the land where they were born and where they grew
up. (p.40)
[The common bond of the Jews
is anti-Semitism]
Jews live in different countries. Many of them live in lands in which
their ancestors lived since time immemorial. The first Jewish memorials
in Tunis, Georgia, Italy date back to ancient times. Obscurantists say
that there exists little in common between a Tunisian Jew and a Jew
living in Chicago who speaks American and thinks American. If there is
a bond between them, it is anything but mystical; it is a bond created
by anti-Semitism. If tomorrow a maniac appeared who proclaimed that all
red-headed or snub-nosed people must be hounded and wiped out, we
should see a natural solidarity of all red-headed or all snub-nosed
people. The appalling atrocities of the German Fascists, their
proclaimed policy of wholesale extermination of Jews, a policy which
they put into effect in many countries, racial propaganda, insults
followed by the furnaces of Maidanek - all that gave rise to a sense
of a deep bond among the Jews of various countries. It was the
solidarity of offended and indignant people.> |
[Nationalität: Beispiel Tuwim:
"Ich bin ein Pole, weil..."]
<Der hervorragende polnische Dichter Julian Tuwim
(Endnote 67: Julian Tuwim (1894-1953), polnischer Dichter und
Übersetzer, wurde in Lodz in eine jüdische Familie geboren. Seine
ersten Gedichte wurden 1913 publiziert. In den 1920er Jahren leitete
er Literaturclubs in Warschau. Während des Zweiten Weltkriegs lebte er
in Rumänien, Frankreich, Portugal und in den "USA". Er kehrte 1946 nach
Polen zurück. Er drückte während des Kriegs seine Sicht über die
jüdische Frage aus, die der von Erenburg glich. Jüdische Themen finden
sich auch in einigen seiner Gedichte. Erenburg zitiert Tuwims Artikel
noch einmal in seinen Memoiren. Siehe: Novy mir, 1961, Nr. 9, S.
102-103; I. Erenburg: Memoiren 1921-1941, New York 1963, S. 32-34).
schrieb während des Zweiten Weltkriegs einen Artikel mit dem Titel:
'Wir polnische Juden'. Er schrieb über seinen Patriotismus: 'Ich bin
ein Pole, weil mir dies auf Polnisch im Haus meines Vaters beigebracht
wurde; ein Pole, weil ich seit meiner Kindheit in polnischer Sprache
gefüttert wurde, weil meine Mutter mir polnische Verse und Lieder
beigebracht hat, weil, als ich jung war, als ich das erste Mal durch
das Zittern der Dichtung erschüttert wurde, da brachen polnische Worte
hervor. Ich bin ein Pole, weil ich auf Polnisch die Ängste meiner
ersten Liebe eingestanden habe, und auf Polnisch habe ich über mein
Glück gemurmelt. Ich bin ein Pole auch deswegen, weil ich eher Birke
und Weide bin als Palme und Zypresse, und Mickiewicz und Chopin
bedeuteten mir mehr als Shakespeare und Beethoven - aus Gründen, die
ich
nicht erklären kann. Ich bin ein Pole, weil ich in Polen geboren und
aufgewachsen bin, weil ich in Polen glücklich und unglücklich war, weil
ich aus dem Exil nach Polen zurückkehren wollte, auch wenn ich
himmlisches Glück woanders versichert worden bin. Ich bin ein Pole,
weil ich polnische Erde möchte, und keine andere, wenn ich als Toter
von der Erde verschluckt werde.
[Tuwim: Die Erklärung der
Verbindung des "Blutes"]
Julian Tuwim fuhr dann fort zu erklären, was ihn an die Juden bindet:
'Blut existiert in zwei Formen: das Blut, das in den Venen fliesst, und
das Blut, dass aus den Venen fliesst. Das erstere ist physiologisch.
Jene, die neben den physiologischen Eigenschaften auch dem Blut einige
Eigenschaften zuschreiben, einige mysteriöse Kräfte, jene, wie wir nun
sehen, reduzieren Städte zu Asche, massakrieren Leute, und, wie wir
bald sehen werden, führen ihre eigene Nation in den Ruin. Das andere
Blut ist eines, das der Anführer des internationalen Faschismus aus den
Venen der Menschlichkeit herausfiltert, um den Triumph seines Blutes
über mein Blut zu beweisen. Es ist das Blut von Millionen unschuldig
Dahingeschlachteten, das Blut der Juden, und nicht "jüdisches Blut".
Warum sage ich, "Wir Juden"? Wegen dem Blut.'> |
[Nationality: Example Tuwim:
"I am a Pole, because..."]
<The splendid Polish poet Julian Tuwim
(End note 67: Julian Tuwim (1894-1953), Polish poet and translator, was
born in Lodz into a Jewish family. His first poems were published in
1913. In the 1920s, he ran literary clubs in Warsaw. During World War
II he lived in Romania, France, Portugal and the USA. He returned to
Poland in 1946. He expressed his view on the Jewish question, which
closely resembled that of Erenburg, during the war. Jewish subjects
also find expression in some of the poems. Erenburg returns to Tuwim's
article again and quotes extensively from it in his memoirs. See: Novy
mir, 1961, no. 9, pp. 102-103; I. Erenburg: Memoirs 1921-1941, New York
1963, pp. 32-34).
wrote an article during the war entitled: 'We Polish Jews'. He wrote of
his patriotism: 'I am a Pole, because I was told this in Polish in my
father's home; a Pole because I was fed on the Polish language from
infancy, because my mother taught me Polish verse and Polish songs,
because, when I was young, when I was shaken by the first tremor of
poetry, it burst forth in Polish words. I am a Pole, because it was in
Polish that I confessed the anxieties of my first love, and in Polish
that I murmured of its happiness. I am a Pole also because I am fonder
of the birch and the willow than of the palm and the cypress, and
Mickiewicz and Chopin mean more to me than Shakespeare and Beethoven -
for reasons which I cannot explain. I am a Pole because I was born and
grew up in Poland, because I was happy and unhappy in Poland, because
it is to Poland that I want to return from my exile, even if I were
assured heavenly bliss elsewhere. I am a Pole because I want Polish
soil, and none other, to swallow me up when I am dead.'
[Tuwim: The explanation of the
"blood" connection]
Julian Tuwim then went on to explain what bound him to the Jews: 'Blood
exists in two forms: the blood that flows in the veins and the blood
that flows out of the veins. The study of the first belongs to the
realm of physiology. Those who, beside physiological characteristics,
attribute to blood some other properties, some mysterious force, those,
as we now see, reduce cities to ashes, massacre people, and, as we
shall soon see, lead their own nation to ruin. The other blood is the
one which the ringleader of international Fascism is extracting from
the veins of humanity in order to prove the triumph of his blood over
my blood. It is the blood of millions innocently slain, the blood of
Jews, and not "Jewish blood". Why do I say, "We Jews"? Because of
blood.'> |
[Erenburg: Juden der "SU" bauen die "SU"
auf - Modell für Israel]
<Natürlich
gibt es Nationalisten und Mystiker unter den Juden. Sie gaben das
Programm der Zionisten heraus. Aber nicht sie haben in Palästina mit
Juden gesiedelt. Juden gingen nach Palästina wegen den Ideologen des
Menschenhass, wegen den Rassismusverehrern, wegen Antisemiten, die die
Leute aus ihrer Heimat vertrieben haben und sie dazu getrieben haben,
weit entfernte Länder aufzusuchen - nicht wegen des Glücks, sondern
wegen des Rechts auf menschliche Würde. Wir alle erinnern uns an die
Geschichte der 'Exodus', das Schiff mit palästinensischen Flüchtlingen
aus Westdeutschland an Bord, die den Öfen von Auschwitz und Maidanek
entrinnen konnten, und dann von britischen Soldaten beschossen wurden.
Der Staat (S.41)
Israel ist so etwas wie dieses Schiff - eine Arche, ein Floss, das
Leute zusammenhält, die die blutige Flut von Rassismus und Faschismus
erlebt haben. [...]
Lassen wir den Berichterstatter, Alexander R., über die Ereignisse des
vergangenen Jahrzehnts nachdenken, und er wird bemerken, dass es nur
einen Weg gibt, die 'jüdische Frage' zu lösen. Wir müssen die 'jüdische
Frage' abschaffen.
Wir sympathisieren mit dem Kampf der jüdischen Arbeiter von Israel, sie
haben die Sympathien nicht nur der sowjetischen Juden, sondern des
ganzen sowjetischen Volkes - es gibt keine Verehrer von Glubb Pasha in
unserem Land. Aber jeder sowjetische Bürger ist sich bewusst, dass ein
Staat nicht nur nach seinem nationalen Charakter beurteilt wird, sondern
auch nach seinem sozialen System. Ein Bürger einer sozialistischen
Gesellschaft betrachtet die Leute eines bürgerlichen Staates, und das
heisst, auch die Leute des Staates Israel, als Wanderer in einem
dunklen Wald, die noch nicht ihren Weg daraus heraus gefunden haben.
[...]
Ein Bürger einer sozialistischen Gesellschaft kann das Schicksal der
Völker, die das Joch der kapitalistischen Ausbeutung ertragen müssen,
nie beneiden.
Die Zukunft der jüdischen Arbeiter aller Länder ist an die Zukunft des
Sozialismus gebunden. Sowjetische Juden, zusammen mit der ganzen
sowjetischen Bevölkerung, bauen ihre sozialistische Heimat auf. Sie
schauen nicht in den Nahen Osten - sie schauen auf die Zukunft. Und ich
glaube, dass die arbeitenden Leute des Staates Israel, die den
Mystizismus des Zionismus nicht teilen, nun nordwärts schauen, auf die
Sowjetunion, die als Vorhut der Menschheit in eine besser Zukunft
geht.> (S.42)
[Natürlich verschweigt Erenburg das Gulag-System der
Konzentrationslager in der Sowjetunion, das bereits seit 1919
existierte - mit mehr Todesopfern als unter Hitler...]
|
[Erenburg: Jews of the "SU" build up the
"SU" - model for Israel]
<Of course, there are nationalists and mystics among the Jews. They
produced the programme of Zionism. But it is not they who have settled
Palestine with Jews. Jews went to Palestine because of the ideologists
of misanthropy, the votaries of racism, the anti-Semites who drove
people from their homes and made them migrate to distant lands in
search - not of happiness so much as of the right to their human
dignity. We all remember the epic of the 'Exodus', the ship which
carried to Palestine refugees from Western Germany - people who by
chance had escaped the furnaces of Auschwitz and Maidanek and then
found themselves fired on by British soldiers. The State of (p.41)
Israel is something like that ship - an ark, a raft, holding people
overtaken by the bloody flood of racism and Fascism. [...]
Let my correspondent, Alexander R., ponder over the events of the past
decade, and he will realise that there is only one way to solve the
'Jewish question'. It is to abolish the 'Jewish question'.
We sympathise with the struggle of the toilers of Israel, they have the
sympathies not only of the Soviet Jews, but of all Soviet people -
there are no admirers of Glubb Pasha in our country. But every Soviet
citizen is aware that a state is judged not only by its national
character, but by its social system as well. A citizen of socialist
society regards the people of any bourgeois country, and that means
also the people of the State of Israel, as wanderers in a dark forest
who have not yet found their way out. [...]
A citizen of socialist society can never envy the fate of people who
carry the yoke of capitalist exploitation.
The future of the Jewish toilers of all countries is bound up with the
future of socialism. Soviet Jews, along with all Soviet people, are
working to build up their socialist homeland. They are not looking to
the Near East - they are looking towards the future. And I believe that
the working people of the State of Israel, who do not share the
mysticism of the Zionists, are now looking northward, to the Soviet
Union, which is marching in the van of mankind towards a better
future.> (p.42)
[Of course Erenburg does not mention the concentration camp system of
Gulag in Soviet Union which exists since 1919 - with more dead persons
than under Hitler...]
|
Aber die Propaganda von Erenburg geht noch weiter:
<Obwohl
der Wechsel früher begonnen hatte, wurde er im November 1948
sichtbar, und die neue Repression dauerte bis zu Stalins Tod 1953.
Betroffen waren alle diejenigen, die eine Anhänglichkeit zum Staat
Israel zeigten - die sich trauten, ihre Freude über Israel in ihren
Stellungnahmen oder in ihrem Wunsch, dem neuen Staat zu helfen,
auszudrücken. [Aber das Wort "Gulag" fehlt].
(Endnote 5:
[Verhaftungsgründe gegen Juden
1948]
In der erhaltenen Nachricht, die wir von einem Juden über die
israelische Gesandtschaft in Moskau 1949 erhalten haben, wird
berichtet: 'Die perversen Urteile und schlimmste Strafen gegen Juden
durch den Gerichtshof. Dieses Jahr wurden viele ins Gefängnis geworfen
und in Lager geschickt, weil sie mit Israel sympathisiert haben oder
einen Wunsch nach Auswanderung nach Israel gezeigt haben, oder weil sie
letztes Jahr an Strassendemonstrationen zugunsten unserer
Gesandtschaft teilgenommen haben'; Namir: Shlihut be-moskvah,
S. 307-308. Unter jenen Verhafteten nannte er Mordekhai Dubin, einer
der Führer der Agudat Yisrael in Lettland. Viele Einwanderer, die
Israel in den letzten Jahren besucht hatten, wurden in dieser Zeit
wegen Zionismus ins Gefängnis geworfen, z.B. Meir Gelfond, Vitaly
Svechinsky, Mikhail Margolis).
Jene, die freien Kontakt zu israelischen Diplomaten hatten, waren zu
speziell hohen Strafen verurteilt [im Gulag].
(Endnote 6: Ein wichtiges Dokument in diesem Zusammenhang bezieht sich
auf den Fall eines Juden, der Anfang 1953 vom Militärkollegium des
Obersten Sowjetischen Gerichtshof zu 25 Jahren Haft in Arbeitslagern
verurteilt wurde. In der Berufung wurde die Strafe zu 10 Jahren
abgemildert. Unter anderem behauptete das Urteil, dass der Beklagte
'schuldig befunden wurde, dass er aus anti-sowjetischer Motivation und
aus nationalistischen Gewohnheiten heraus, und aus einer feindlichen
Gewohnheit zum sowjetischen Regime, in Kontakt mit Kriminellen geraten
ist - von der diplomatischen Vertretung des Staates Israel in Moskau im
August 1949, denen er mündliche Zusage gemacht hat, Informationen über
eine klassifizierte Eigenschaft über die Bedingung der Juden in der
UdSSR zu sammeln und zu vorzulegen'; Namir: Shlihut be-moskvah, S. 331).
Die meisten derjenigen Juden, die wegen Anklage des Zionismus
inhaftiert waren, wurden in Geheimverfahren verurteilt, vor einer
Spezialkammer (Osoboe Soveshchanie), zu langen Gefängnisstrafen.
(Endnote 7:
[Todesstrafe 1947 aufgehoben -
1950 wieder eingeführt]
Die Todesstrafe, die 1947 aufgehoben worden war, wurde im Januar 1950
wieder eingeführt. Die von den Spezialgerichten des MDG verhängte
Strafe, die in dieser Zeit fast zum Standard wurde, waren 10 Jahre
Zwangsarbeit unter schwersten Bedingungen, mit der Möglichkeit auf eine
Verlängerung um weitere 5 Jahre) [im Gulag-System mit seinen Konzentratinslagern].
Die Behörden führten auch verschiedene verwaltungsmässige Aktionen
durch, wie die Wegweisung vom (S.194)
Wohnort und internes Exil, gegen jene, die wegen Zionismus angeklagt
wurden.
(Endnote 8:
[Beispiel: 12 jüdische
Arbeiter entlassen und verurteilt und 1952 nach Sibirien exiliert]
Man schaue sich z.B. den Fall der Arbeiter in der Fabrik 'Serp i Molot'
in der Stadt Kharkov an. 12 von ihnen wurden im Februar 1952 entlassen
und verurteilt und sofort danach nach Sibirien exiliert).
Es gab auch Berichte, auch wenn es schwierig ist, deren Echtheit zu
beurteilen, dass jüdische Offiziere verhaftet wurden, die der
Sowjetunion in verschiedenen militärischen und zivilen Angelegenheiten
in Ostdeutschland gedient hatten. Sie wurden nun angeklagt,
pro-zionistische Ansichten geäussert zu haben.> (S.195)
(Endnote 9:
[Beispiel: 3 jüdische Oberste
verhaftet]
9. Dieser Bericht erschien in der jiddischen Zeitung Morgn zhurnal, 17. Juli 1949, und
wird zitiert im American Jewish
Yearbook, 1951, S.533. Unter den Verhafteten waren Oberst Grisha
Feldman (der als Verleger bei der Zeitung Tägliche Rundschau arbeitete),
Oberst David Noidorf und Major Vladimir Blokh).> |
But Erenburg's propaganda is going on:
<Although
the shift had begun earlier, it became clearly visible in November
1948, and the new repressions against all those who showed affinity for
the State of Israel - who dared express publicly their joy in its
establishment or their desire to aid the new state - lasted until
Stalin's death in 1953. [But the word "Gulag" is missing].
(End note 5:
[Reasons for imprisonment
against Jews 1948]
In the information received from a Soviet Jew by the Israel legation in
Moscow in 1949, it was stated: 'The law courts pervert judgement and
maliciously stiffen penalties against Jews. This year, many have been
thrown into prison and sent to camps for sympathising with Israel or
showing a desire to emigrate to Israel or for taking part in street
demonstrations last year in honour of our legation'; Namir: Shlihut be-moskvah,
pp. 307-308. Among those imprisoned he named Mordekhai Dubin, one of
the leaders of Agudat Yisrael in Latvia. Many immigrants who arrived in
Israel in recent years were imprisoned for Zionism in this period, for
example, Meir Gelfond, Vitaly Svechinsky, Mikhail Margolis).
Those who had any contact with Israeli diplomats were subject to
particularly draconian sentences [in the Gulag].
(End note 6: An important document in this connection refers to the
case of a Jew who, at the beginning of 1953, was sentenced by the
Military Collegium of the Supreme Court of the Soviet Union to 25
years' imprisonment in labour camps. Upon appeal the sentence was
mitigated to 10 years. Among other things, the judgement stated that
the defendant 'has been found guilty in that, out of anti-Soviet
motivations and nationalistic attitudes and a hostile attitude towards
the Soviet regime, he came into criminal contact with - of the
Diplomatic Representation of the State of Israel in Moscow in autumn
1949, to whom he gave oral consent to collect and submit information of
a classified nature on the condition of the Jews in the USSR'; Namir: Shlihut be-moskvah, p. 331).
Most of the Jews imprisoned on the charge of Zionism were sentenced
secretly, before the Special Board (Osoboe Soveshchanie), to lengthy
prison terms.
(End note 7:
[Death penalty abolished in
1947 - reintroduced in 1950]
The death penalty, which had been abolished in 1947, was
reintroduced in January 1950. The almost standard sentence handed down
by the Special Boards of the MDG in this period was ten years of forced
labour under harsh conditions, with the possibility of a further
five-year extension) [in the Gulag concentration camp system].
The authorities also took a variety of administrative actions such as
dismissal from place of (p.194)
residence and internal exile, against those charged with Zionism.
(End note 8:
[Example: 12 Jewish workers
dismissed and tried and exiled to Siberia in 1952]
See, for example the case of the Jewish workers in the 'Serp i
Molot' factory in the city of Kharkov, 12 of whom were dismissed from
their jobs in February 1952 and who were tried and exiled to Siberia
immediately after).
There were also reports, though it is difficult to judge their
authenticity, of arrests among Jewish officers who had served the
Soviet Union in various military and civilian duties in Eastern
Germany. They were now charged with expressing pro-Zionist views.>
(p.195)
(End note 9:
[Example: 3 Jewish colonels
arrested]
9. This report appeared in the Yiddish newspaper Morgn zhurnal, 17 July 1949, as
quoted in the American Jewish
Yearbook, 1951, p. 533. Among those arrested were Colonel Grisha
Feldman (who served as editor of the newspaper Tägliche Rundschau), Colonel David
Noidorf and Major Vladimir Blokh).> |

Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 507 |
Text
(Deutsch):
[Inhaftierung von
Schriftstellern und Kulturfunktionären im Dezember 1948 und im Januar
1949]
<12. Die meisten der Schriftsteller und Kulturfunktionäre (solche
wie Zhits, Herausgeber der Zeitung Eynikeyt,
und Y. Strongin, Direktor des Verlagshauses 'Der emes') wurden im Dezember 1948
und im Januar 1949 inhaftiert. Zur selben Zeit wurden auch Leyb Kvitko,
David Bergelson, Der Nister, Itsik Fefer, Perets Markish, Itsik Kipnis,
Haim Loytsker und andere inhaftiert. Siehe: Pomerants: Di sovetishe harugey malkhes.
15. Unter jenen Verhafteten waren die Frau von Itsik Fefer (1949) und
die Schwester; die Frauen von Leyb Kvitko, Binyamin Zuskin, David
Bergelson, Perets Markish und Aharon Kushnirov (Kushnirov selbst wurde
wegen Krankheit nicht inhaftiert). Die Festnahmen und Exilierungen
fanden hauptsächlich Ende 1952 und Anfang 1953 statt, das heisst nach
dem Prozess und der Exekutionen ihrer Ehemänner; siehe: Pomerants: Die Sovetish harugey malkhes;
Markish: Le Long Retour, S.
209-218.> (S.507)
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
|
(original:
[Arrestation of writers and cultural
functionaries in December 1948 and January 1949]
<12. Most of the writers and cultural functionaries (such as Zhits,
editor of the journal Eynikeyt,
and Y. Strongin, director of the
publishing house 'Der emes'),
were arrested in December 1948 and
January 1949. Also arrested then were Leyb Kvitko, David Bergelson, Der
Nister, Itsik Fefer, Perets Markish, Itsik Kipnis, Haim Loytsker and
many others. See: Pomerants: Di
sovetishe harugey malkhes.
15. Among those arrested were Itsik Fefer's wife (in 1949) and sister;
the wived of Leyb Kvitko, Binyamin Zuskin, David Bergelson, Perets
Markish and Aharon Kushnirov (Kushnirov himself was not arrested
because of his illness). The arrests and exiles occurred, in the main,
at the end of 1952 and the beginning of 1953, that is after the trial
and execution of their husbands; see: Pomerants: Die Sovetish harugey malkhes;
Markish: Le Long Retour, pp.
209-218.> (p.507)
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx |

Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 533 |
Text:
[Verhaftung von Fefer 1949 und
Exekution von Fefer 1952]
<Zusammen mit dem Schauspieler Mikhoels ging Fefer im Auftrag des
Komitees in die USA und in weitere Länder. Er war Co-Redaktor der
Zeitung Eynikeyt. Zu Beginn 1949 wurde Fefer verhaftet und am 12.
August 1952 exekutiert.>
(original:
[Arrest of Fefer in 1949 and
execution of Fefer in 1952]
<Together with the actor Mikhoels, Fefer went to the USA and
elsewhere on behalf of the Committee. He was deputy editor of the
newspaper Eynikeyt. Arrested at the beginning of 1949, Fefer was
executed on 12 August 1952.>
|
-- Massenarreste: Pinkus, S.216:

Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 216 |
Text
(Deutsch):
[Massenverhaftung für andere
Nationalitäten]
<Zur selben Zeit fand eine Fülle von Massenarresten statt, vor allem
unter den Juden, die keine sowjetischen Bürger waren. Die
antisemitische Linie war schon allen klar, und dann fand der Arrest der
Mitglieder des Jüdischen Antifaschistischen Komitees statt. Das war der
Beginn einer totalen Kampagne gegen Juden und die jüdische Kultur in
der Sowjetunion. Der Hauptzeuge gegen die Verhafteten, die wegen
jüdischem Nationalismus und Zionismus inhaftiert wurden, war Ilya
Erenburg. Er spielte auch beim Arrest vieler weiterer Juden eine Rolle,
speziell gegen seine Vertrauensleute, wahrscheinlich mit dem Ziel,
seine eigene Haut zu retten. Sogar Lozovsky, seinen engsten Freund,
händigte er dem NKVD aus.
Fefer selbst erzählte mir, er sei zusätzlich wegen engen Beziehungen
zum Bund-Führer Erlich angeklagt
(Endnote 84: Henryk Erlich (1882-1941)
und Alter
(Endnote 85: Victor Alter (1890-1941)
als sie in Kuibyshev lebten, obwohl er zu dieser Zeit in Tashkent
gewesen war. Nebenbei war er wegen Zusammenarbeit mit Zionisten und
Bundisten während seines Besuchs in New York angeklagt.> (S.216)
<Henryk Erlich (1882-1941), Journalist und Bundistenführer in Polen,
wuchs wohlbehütet in einer Familie in Lublin auf. Er erhielt zu Hause
eine jüdische Erziehung. Erlich kam 1903 zum Bund, als er an der
Universität Warschau Student war. Er schloss an der Universität von St.
Petersburg sein Rechststudium ab. Mehrfach wurde er inhaftiert. Während
der Oktoberrevolution von 1917 spielte Erlich eine wichtige Rolle im
Sowjet von Petrograd. Er kehrte 1918 nach Polen zurück, wo er im Bund
aktiv wurde. Erlich gab das Zentralorgan des Polnischen Bund heraus, Di folkstsaytung. Nach der
deutschen Invasion in Polen im September 1939 ging er in die
Sowjetunion, wo er wegen Untergrundtätigkeit und Spionage inhaftiert
und zum Tode verurteilt wurde. Die Strafe wurde dann in 10 Jahre Haft
Gefängnis umgewandelt. Er wurde im September 1941 im Zuge der Amnestie
für polnische Bürger entlassen. Die sowjetischen Behörden empfahlen
Erlich und Victor Alter, ein Jüdisches Antifaschistisches Komitee zu
gründen; Sie fanden das gut und stellten das Programm auf, aber dann
wurden sie wieder am 4. Dezember 1941 in Kuibyshev inhaftiert und
exekutiert.> (S.514)
<Victor Alter (1890-1941): Bundistenführer in Polen, wuchs behütet
in einer Hasidim-Familie in Mlawa auf. Er schloss 1910 in Lodz das
Technikum ab und begann, als Ingenieur zu arbeiten und schloss sich
1912 in Warschau dem Bund an. Zwischen den beiden Weltkriegen war Alter
einer der Führer vom Bund und der Handelsunionsbewegung. Im September
1939 floh er von Polen in die Sowjetunion, wo er mit Erlich verhaftet,
freigelassen und wieder verhaftet und am 4. Dezember 1941 exekutiert
wurde.> (S.514)
[Folter von Fefer und
Bergelson]
<Beide, Fefer und Bergelson, wie auch andere jüdische Kommunisten,
wurden in schlimmster Weise bei den Verhören gefoltert. Fefer erzählte
mir, dass er Lozovsky während einer Begegnung in der Lubyanka gesehen
habe. Lozovskys Arm war gebrochen, und sein Gesicht war schwarz und
blau und schaute wie eine grosse Wunde aus. Es gab Gerüchte, dass
Lozovsky im Gefängnis Selbstmord begangen habe. Aber Fefer wies
richtigerweise auf die Tatsache hin, dass Selbstmord in der Lubyanka
unmöglich war, dass alles, was ein Gegenstand für Selbstmord sein
könnte, entfernt war. Ohne jeden Zweifel ist Lozovsky zu Tode gefoltert
worden, so wie viele andere die Opfer der schrecklichen Folter und Qual
wurden, die ihnen zugefügt wurde.
[Folter mit einem zweibeinigen
Stuhl]
Bergelson erzählte mir, dass sie, neben allem anderen, eine
Dauermethode gefunden hatten: Er musste auf einem zweibeinigen Stuhl
sitzen. Er musste so 20 Stunden pro Tag sitzen. Mit der kleinsten
Bewegung verlor er jeweils das Gleichgewicht und fiel vom Stuhl und
wurde verletzt und bekam Blutergüsse vom Steinboden. Aber er musste
wieder auf den Stuhl sitzen, und er fiel wieder hin. Mehr als einmal
ging der Stuhl kaputt, dann wurde ein anderer gebracht, und so ging das
Tag für Tag wochenlang. Am Ende wurde ein Stuhl aus einem Material
gemacht, das nicht brach. Über die gebrochenen Glieder verloren die
Inquisitoren natürlich keine Gedanken.> (S.216)
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
|
(original:
[Mass arrest for other
nationalities]
<At the same time, a steady stream of mass arrests got under way,
mainly
among Jews who were not Soviet citizens. The anti-Semitic line was
already clear to everybody, and then the arrest of the members of the
Jewish Anti-Fascist Committee took place. That was the beginning of a
total campaign against Jews and Jewish culture in the Soviet Union. The
main witness against those arrested, when they were accused of Jewish
nationalism and Zionism, was Ilya Erenburg. He also played a part in
the arrests of many other Jews, especially his intimates, probably with
the aim of saving his own skin. Even Lozovsky, his closest friend, he
handed over to the NKVD.
As Fefer himself told me, he was additionally accused of having been
closely linked with Bund leaders Erlich
(End note 84: Henryk Erlich (1882-1941)
and Alter
(End note 85: Victor Alter (1890-1941)
when they lived in Kuibyshev, although he had been in Tashkent at the
time. Besides that [?] he was accused of collaboration with Zionists
and
Bundists during his visit to New York.> (p.216)
<Henryk Erlich (1882-1941), journalist and Bundist leader in
Poland, was born into a well-to-do family in Lublin. He received a
Jewish education at home. Erlich joined the Bund in 1903, when he was a
student at the University of Warsaw. He graduated from the law faculty
of St. Petersburg University. He was arrested several times. During the
1917 October Revolution, Erlich played an important role in the
Petrograd Soviet. He returned to Poland in 1918, where he became active
in the Bund. Erlich edited the central organ of the Polish Bund, Di folkstsaytung. Following the
German invasion of Poland in September 1939, he made his way to the
Soviet Union, where he was arrested and sentenced to death for
subversive activity and spying. The sentence, however, was commuted to
ten years' imprisonment. He was released in September 1941, following
the amnesty which was declared for Polish citizens in the same month.
The Soviet authorities suggested to Erlich and Victor Alter that they
set up a Jewish Anti-Fascist Committee; they agreed and set about
implementing the programme, but they were re-arrested on 4 December
1941 in Kuibyshev and executed.> (p.514)
<Victor Alter (1890-1941): Bundist leader in Poland, was born into a
well-to-do Hasidic family in
Mlawa. He graduated from a technical college in Lodz in 1910, began
working as an engineer, and joined the Bund in Warsaw in 1912. Between
the two world wars, Alter was one of the leaders of the Bund and the
trade-union movement. He was also a delegate to the Warsaw City
Council. He fled from Poland to the Soviet Union in September 1939,
where he was arrested with Erlich, released, re-arrested and executed
on 4 December 1941).> (p.514)
[Torture of Fefer and
Bergelson]
<Both Fefer and Bergelson, as well as other Jewish Communists, were
tortured in the most abominable ways in the course of interrogations.
Fefer told me that he had seen Lozovsky during a confrontation in the
Lubyanka. Lozovsky's arm was broken and his face was black and blue and
looked like a great wound. There were rumours that Lozovsky had
committeed suicide in prison. But Fefer rightly pointed to the fact
that suicide in the Lubyanka was impossible, as everything that could
be used for suicide was taken away from the prisoners. Without any
possibility of doubt, Lozovsky was tortured to death in just the same
way as many others who fell victim to the cruel tortures and torments
inflicted on them.
[Torture with a two-legged
stool]
Bergelson told me that, besides everything else, they had used the
notorious method of making him sit on a two-legged stool. He had to sit
on it for 20 hours a day. With the least movement he would lose his
equilibrium, fall from the stool and would be hurt and bruised from
falling on the stone floor. But he had to sit on the stool again, and
he would fall again. More than once the stool broke, then another one
was brought, and so it went on for days ans weeks. In the end, a new
unbreakable material was found for the stools. As for the broken limbs
of the human victim, the inquisitors, of course, spared them no
thought.> (p.216)
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-- Verurteilungen zu meist
10 Jahren
"Arbeitslager": Pinkus, S.196;

Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 196 |
Text
(Deutsch):
<Die überwiegende Mehrheit von denen, die verhaftet wurden, wurde zu
10 Jahren Zwangsarbeitslager verurteilt, vor allem wegen des
Anklagepunktes des bürgerlichen Nationalismus, Verleumdung gegen die
Sowjetunion durch Verbreiten von Berichten, die den Antisemitismus im
Land schilderten, und wegen Spionage zugunsten der westlichen Mächte.
Eine kleinere Zahl - darunter die meisten wichtigen Schriftsteller und
Literaturkritiker, der Direktor des Jiddischen Theaters in Moskau, der
einstige Vize-Aussenminister und erfahrene Wissenschaftler, alle waren
sie Führer des Jüdischen Antifaschistischen Komitees gewesen - sie
wurden über eine längere Zeit verhört, vermutlich, um einen grossen
Schauprozess vorzubereiten.> (S.196)
(Endnote 19: Während wir keine schlüssigen Beweise haben, dass ein
solcher Prozess wirklich geplant war, so ist es doch eine sinnvolle
Annahme, die auf folgenden Fakten beruht:
a) die Geschichte der 1930er und 1940er Jahre zeigt uns, dass für
eine Verurteilung bei einem Geheimprozess jeweils kein Bedürfnis für
verlängerte Untersuchungen bestand
b) eine Anzahl Angeklagter, die die langen Verhöre, um aus ihnen
Geständnisse herauszupressen, nicht aushalten konnten, starben;
c) einige Anklagen dieses Prozesses wurden in den Prozess vom 18. März
1953 übernommen (siehe unten über den 'Doktorprozess').>
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|
(original:
<The overwhelming majority of those arrested were sentenced to 10
years in forced labour camps, mainly on charges of bourgeois
nationalism, slandering the Soviet Union by spreading reports that
anti-Semitism existed in the country and espionage on behalf of Western
powers. A small number - including the most important writers and
literary critics, the Director of the Yiddish Theatre in Moscow, the
former Deputy Foreign Minister and distinguished scientists, all of
whom were leaders of the Jewish Anti-Fascist Committee - were
interrogated over a lengthy period, presumably in preparation for a
large show trial.> (p.196)
(End note 19: While we have no conclusive proof that such a trial was
indeed planned, it is a reasonable assumption based on the following
facts:
(a) the history of the thirties and forties indicates that there was no
need for prolonged investigations for conviction by secret trial (for
example, the trials of the heads of the army and of the Communist Party
leadership in Leningrad);
(b) a number of defendants, unable to endure the lengthy interrogations
undertaken to extract confessions, died;
(c) some charges from this trial were transferred to the one which was
to take place on 18 March 1953 (see below, on the 'Doctors' Plot').>
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--
"Ökonomische Prozesse" und die
Anschuldigungen: S.197-198

Benjamin Pinkus: Buch: The
Soviet government and the Jews, Seiten 197 und 198 |
Text
(Deutsch):
<Ökonomische Prozesse
gegen
Juden
Das Phänomen der ökonomischen Prozesse in der UdSSR existiert von der
Gründung an. Dabei variierten je nach der Zeitperiode die
Anklagepunkte, die Arten der ökonomischen Verbrechen, und wie die
Angeklagten bekämpft wurden und die Strenge der Strafe. Somit ist es
natürlich, dass die Juden in der Sowjetunion, wie auch die Bürger
anderer Nationalitäten, manchmal proportional weniger in Verbrechen
verwickelt waren als das statistische Verhältnis innerhalb der
Bevölkerung, und in anderen Zeiten wieder mehr. Verantwortlich für
diese Unterschiede sind ökonomische, soziale, geographische und
vielleicht sogar psychologische Faktoren.
Gleichzeitig muss man bedenken, dass in dem System jede Sphäre des Lebens
politisiert war. Die Kontrolle war sehr entwickelt und zentralisiert,
und das Regime hatte eine fast ungehinderte Macht, jede Situation oder
Vorkommnis für ihre Ziele auszunutzen. Unter diesen Bedingungen haben
ökonomische Verbrechen eine total neue Dimension erreicht. Denn, wenn
es die sowjetischen Behörden so wollten, dann wurden 'normale' Prozesse
in politische Prozesse einfach umbenannt.
Von den relativ wenigen Berichten über solche Prozesse, die in der
sowjetischen Presse 1948-51 geschildert wurden
(Endnote 25: Die bekanntesten Beispiele können in den Dokumenten dieses
Kapitels gefunden werden, siehe auch Pravda
Ukrainy, 11. Januar, 21. Oktober, 19. November und 3. Dezember
1948, und 3. Februar 1949; Pravda
Vostoka, 10. Juli und 1. und 15. September 1948; Sotsialisticheskaya Zakonnost,
1948, Nr. 10; Vechewrnyaya Moskva,
5. September 1949, 7. Juni 1950; Izvestiya,
24. Juni 1951).
und von den viel häufigeren Artikeln aus der zweiten Hälfte des Jahres
1952 und von Anfang 1953
(Endnote 26: Siehe Vechernyaya Moskva,
7. Juni 1950, 24. Dezember 1952; Pravda
Ukrainy, 28. Dezember 1952; Izvestiya, 30. Januar 1953; Pravda, 1. und 6. Februar 1953)
So ist es klar, dass viele Juden wegen ökonomischer Verbrechen wegen
Diebstahl oder Sabotage an staatlichem Eigentum angeklagt wurden, wegen
Spekulation, Bestechungsgelder verteilen oder entgegennehmen,
Arbeitsscheuheit und anderer betrügerischer Praktiken. Dazu überstieg
in den von der Presse geschilderten Prozessen die Zahl der Juden die
Anzahl der Nichtjuden. Und während die 'Karte' der ökonomischen
Verbrechen alle sowjetischen Republiken abdeckte, so wurde ein speziell
hoher Prozentsatz von Juden wegen solcher Verbrechen in der
Ukrainischen Republik verurteilt.
Die Ukrainische Republik war auch der Schauplatz des schlimmsten
ökonomischen Prozesses vom November 1952.
(Endnote 27: Siehe: Pravda Ukrainy,
29. November 1952. Berichte erreichten auch die Israelische Botschaft,
dass zu Beginn von 1952 Juden, die wegen ökonomischer Verbrechen
angeklagt worden waren, aus ukrainischen Städten exiliert wurden
(Poltava, Kharkov, Lvov und Dneproderzhinsk) in Arbeitslager in
Birobidschan).
Dieser Prozess war insofern ungewöhnlich, weil die Angeklagten nicht
durch den normalen Volksgerichtshof, sondern durch den
Militärgerichtshof verurteilt worden waren,
(Endnote 28: Die Kompetenz der Militärgerichtshöfe deckte Sachen ab wie
Straftaten, die militärisches Personal betraf (Spionage, Sabotage,
Betrug, Terrorakte, Verrat von Staatsgeheimnissen, Diebstahl, Verkauf
und Handel mit Waffen). Siehe: D. Karev: Organizatsiya suda i prokuratury v SSSR
(Organisation von Gerichtshof und Strafverfolgung in der UdSSR);
Moskau, Gosyurizdat 1954, S.146-147)
wie beim Geheimprozess gegen jüdische Schriftsteller, die vom Obersten
Gerichtshof des Militärkollegiums der Sowjetunion durchgeführt worden
waren, der höchste militärische Gerichtshof. Darüberhinaus war die
Anklage gemäss Artikel 54/VIII und 54/IX des ukrainischen Strafgesetzes
mit Bezug auf 'Aktivität von konterrevolutionärer Sabotage' im Handel
und Nachschub, so dass als Maximalstrafe die Todesstrafe möglich war.
Die Exekution (S.197)
von drei der fünf Angeklagten in diesem Prozess war als eine Warnung
für die Zukunft gedacht. Und schlussendlich waren alle drei
Exekutierten Juden. Auch dies hatte eine spezielle Bedeutung.
Nun, die klare Tendenz vorhanden, ökonomische Prozesse für politische
Zwecke auszunutzen, indem die jüdische Nationalität der Angeklagten
betont wurde, war erst mit dem 'Doktorprozess' vorhanden, der am 13.
Januar 1953 ausgerufen wurde. Die Presse begann eine Kampagne und
zeigte auf die Vergangenheit der Angeklagten, von Zionisten, Bundisten
oder bürgerlichen Nationalisten, und deswegen hätten sie amerikanischen
und britischen Spionen geholfen, sowjetische Fabriken zu infiltrieren.
Die vielen Glossen der sowjetischen Presse nahmen die Thematik auf und
liessen sich darüber aus.
(Endnote 29: Siehe darüber das Beispiel in Dok. 49).
Die meisten darin verwickelten Juden waren Fabrikmanager und
Ladenführer, Warenhausleiter, Doktoren und Anwälte. Letztere zwei
Kategorien wurden mit spezieller Brutalität angegriffen und ihre
'kriminellen' Taten in speziell dunklen Farben dargestellt.> (S.198)
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(original:
<Economic trials of Jews
It can be established that the phenomenon of economic trials in the
USSR dates from the very inception of the Soviet regime. However, the
types of economic crime for which people were indicted, how they were
fought and the harshness of punishment have varied in different
periods. Thus, it is natural that the Jews of the Soviet Union, like
citizens of other nationalities, would sometimes be involved in crimes
of this type in numbers proportionately lower than their statistical
weight in the population, and at other times in proportionately
higher numbers. Economic, social, geographic and perhaps even
psychological factors work to create these variations.
However, in a system characterised by the politicisation of every
sphere of life, by highly elitist and centralised control and by the
regime's almost untrammelled power to exploit any situation or
phenomenon for its own aims, trials for economic crimes have assumed a
totally new dimension. For, when the Soviet authorities have so
desired, they have been transformed from what we have called 'ordinary'
trials into political trials in the full sense of the term.
From the relatively few reports of such trials which appeared in the
Soviet press during 1948-51,
(End note 25: The most prominent examples are to be found in the
documents to this chapter, but see also Pravda Ukrainy, 11 January, 21
October, 19 November and 3 December 1948, and 3 February
1949; Pravda Vostoka, 10
July and 1st and 15 September 1948; Sotsialisticheskaya
zakonnost, 1948, no. 10; Vechernyaya
Moskva, 5 September 1949, 7 June 1950; Izvestiya, 24 June 1951).
and from the many more articles from the second half of 1952 and early
1953,
(End note 26: See Vechernyaya Moskva,
7 June 1950, 24 December 1952; Pravda
Ukrainy, 28 December 1952; Izvestiya,
30 January 1953; Pravda,
1 and 6 February 1953)
it is clear that many Jews were accused of the economic crimes of theft
or sabotage of state property, speculation, giving and taking bribes,
evasion of work and other fraudulent practices. Moreover, in those
trials mentioned in the press, the number of Jews exceeded that of
non-Jews. And while the 'map' of economic crime covered all the Soviet
republics, a particularly high percentage of Jews were tried for such
crimes in the Ukrainian Republic.
The Ukrainian Republic was also the scene of the most serious economic
trial, which took place in November 1952.
(End note 27: See Pravda Ukrainy,
29 November 1952. Reports also reached the Israeli Embassy that at
the beginning of 1952 Jews accused of economic crimes had been exiled
from Ukrainian cities (Poltava, Kharkov, Lvov and Dneproderzhinsk) to
labour camps in Birobidzhan).
This trial was unusual in that the defendants had not been tried by the
regular People's or District Court, but by a military court,
(End note 28: The competency of the military courts extended to
offenses involving military personnel (espionage, sabotage, treason,
acts of terror, disclosure of state secrets, theft of arms, the sale
and purchase of arms). See: D. Karev: Organizatsiya
suda i prokuratury v SSSR (Court and Prosecution Organisation in
the USSR); Moscow, Gosyurizdat 1954, pp. 146-147)
as in the secret trial of the Jewish writers, which had been conducted
by the Military Collegium of the Supreme Court of the Soviet Union, the
highest military court. Moreover, the indictment was in accordance with
Articles 54/VIII and 54/IX of the Ukrainian Criminal Code, which
referred to 'activity of counter-revolutionary sabotage' in the sphere
of commerce and supply, carrying a maximum penalty of death. The
execution (p.197)
of three of the five defendants in this trial was intended to serve as
a severe warning for the future. And, finally, the fact that all three
of those executed were Jews was also of special significance.
However, the clear tendency to exploit economic trials for political
ends, by emphasising the Jewish nationality of the defendants, only
emerged after the announcement of the 'Doctors' Plot' on 13 January
1953. The press began the campaign by noting the Zionist, Bundist
or bourgeois-nationalist past of the accused and implicating them for
having aided American and British spies to penetrate Soviet factories.
The many feuilletons published in the Soviet press then took up and
elaborated on these themes.
(End note 29: On this, see the example given in Doc. 49).
Most of the Jews involved were factory and shop managers, warehousemen,
doctors and lawyers, the latter two categories being attacked with
particular ferocity and their 'criminal' acts painted in especially
sombre colours.> (p.198)
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Dokument 49: Über die Unterschlagung von
Staatseigentum (Februar 1953)
(Quelle: V. Ardamatsky: 'Pinya iz Zhmerinki' (Pinya von Zhmerinka); In:
Krokodil, 1953, Nr. 8)
(Endnote 116: Viele Immigranten in Israel aus der UdSSR bezeichneten
dieses Feuilleton speziell
als Ausdruck des offiziellen Antisemitismus in der UdSSR).
[Der Chef ist ein Zauberer:
Pinya Paltinowitsch]
<Vor mir liegt ein Stapel Dokumente. Trockene Zahlenberechnungen,
Rechnungen, die Analyse von jedem Blatt. Und als all dies untersucht
worden war, so kamen automatisch folgende Fragen auf: 'Ist es möglich,
ein Haus auf Schuhcreme aufzubauen? oder auf Soda? Kann man sich mit
Nägeln sattessen?'
Und es kam heraus, dass das möglich ist. Deswegen: Alles, was man tun
muss, ist, nach Zhmerinka zu gehen und Pinya Paltinowitsch Mirochnik
als
Freund zu gewinnen. Das ist ein wahrer Zauberer! Es gibt keinen wie
den.
Der Staatszirkus Kio mit all seinen Tricks und unsichtbaren Frauen ist
nichts gegen diesen Pinya! Aber da er vom Staatszirkus vergessen wurde,
war Pinya Paltinowitsch Mirochnik gezwungen, den mühsamen Chefposten
eines Industriekombinats zu bekleiden, in der Konsumunion im Distrikt
Zhmerinka. Und er arbeitet ohne Applaus oder enthusiastische Beachtung.
[Die Mannschaft von Pinya
Paltinowitsch]
Man beachte, dass zu seiner Zeit [der Zirkus] Kio mit 75 Mitarbeitern
erschien. In derselben Weise hat Pinya Paltinowitsch sich mit
verlässlichen Leuten umgeben, die ihm ergeben waren. Er erreichte aber
nicht die Zahl von 75. Er war nicht weit davon entfernt, aber er konnte
das nicht so gut managen. Pinya Paltinowitsch bestimmte David Ostrowski
als Chef des Chemielagers seines Industriekombinats. Davids Sohn wurde,
entsprechend, ein Angestellter der Versorgungssektion. Rakhil Palatnik
sass am Chefbuchhaltertisch. Dazu war ihr Schwiegersohn, Shaya Pudel
ihr Stellvertreter. Roza Gurwitsch wurde zur ökonomischen Planerin
gemacht, und ihr Ehemann war für die Versorgungsabteilung
verantwortlich. (S.133)
Zyama Milzon, Pinya's Schwager, wurde die Position in einem
Warengeschäft gegeben. Yasha Dainich, Bunya Tsitman, Shunya
Mirontschik,
Munya Uchitel, Benya Rabinowitsch, Isaak Paltin und andere wurden an
weitere Positionen bestimmt.
Es ist nicht schwierig sich vorzustellen, welche Manöver und Tricks man
mit einer solchen Struktur vollbringen kann. Speziell wenn man bedenkt,
dass der Staatsanwalt des Zhmerinka Stadtteils, Kamerad Lanowentschik,
so
weit vom Ort des Geschehens weggebracht wurde, dass er seine
unmittelbaren Aufgaben meistens komplett vergass.
[Pinya Paltinowitschs Karriere]
Pinya Paltinowitsch wurde nicht als Zauberer geboren. Zuerst hatte er
überhaupt keinen Erfolg in seinen Unternehmungen. Zum Beispiel wurde er
1936 von der Partei wegen der Durchführung eines religiösen Rituals
ausgeschlossen, und auch wegen einer Anzahl Betrugsfälle. Bis 1941
hatte er Erfahrung gesammelt, und obwohl er bei bester Gesundheit war
(wie er es auch seither ist), gelang es ihm genau Ende Juni 1941 krank
zu werden. Seine Krankheit ermöglichte es ihm, genau in die
entgegengesetzte Richtung der Frontlinien zu gehen. Nach dem Krieg
baute Pinya sein Haus in Zhmerinka auf. Im Jahr 1946 trat er noch
einmal der Partei bei und verschwieg dabei geschickt, dass er -
zufällig - schon einmal Mitglied der Partei gewesen war.
Pinya Paltinowitsch hat eine sechsköpfige Familie, nicht mitgezählt die
beiden Brüder seiner Frau, die im Ausland leben. Das ist natürlich ganz
schön dumm von ihnen, wenn sie einen Schwager wie Pinya haben. Pinyas
Familie lebt in einer reich ausgestatteten 4-Zimmer-Wohnung. Nicht
einer der fünf Abhängigen arbeitet irgendwo, obwohl der Doktor ihnen
Arbeit nicht verboten hat. Jedes Jahr nimmt Pinyas Frau ihre
Sprösslinge in saubere Kurorte. Und, in der Tat, warum sollte sie
arbeiten, wenn Pinya das Haus alleine in grossem Stil managen kann?
Also, wenn man die Grösse der Lohntüte kennt, dann wird das schwierig
zu verstehen, aber dann, wenn jeder versteht, wie die Tricks des
Zauberers funktionieren, dann ist da kein Zauberer mehr.
[Der Profit mit
Marktprodukten - Staatspreise - Marktpreise]
Ich möchte die Tricks des Pinya Paltinowitsch und seiner ergebenen
Freunde gar nicht im Detail beschreiben, denn, wie die LeserInnen
vielleicht erraten haben, so sind diese Tricks einfache
Spitzfindigkeiten. Diese Tricks sind in Aussagen genau im Detail
aufgeschrieben, in Berichten, Zertifikaten und in anderen Dokumenten.
Alles ist da beschrieben. Man kann herauslesen, wie David Ostrowski und
Munya Uchitel übereingekommen sind, 56.800 Büchsen Schuhcreme als
Abfall abzuschreiben, und wie diese Büchsen, die abgeschrieben
werden sollten, mit Schuhcreme gefüllt, in den Händen der Profiteure
landeten. Oh, aber das Verhalten von David Ostrowski war sehr ehrenvoll
während dieser Handelstransaktion! Es kommt heraus, dass er die
Büchsen, die als Abfall abgeschrieben worden waren, dem Versorger der
Verbraucherunion des Distrikts, Benya Rabinowitsch, für 30 Rubel
verkaufte. Und das Geld wurde in die Kasse des Industriekombinats
gelegt. Welche Ehre! Und welche Fingerfertigkeit gleichzeitig!
Auf dem Markt von Zhmerinka (und nicht nur in Zhmerinka) ist es immer
möglich, ein kleines Pack Soda für 3 Rubel von jemandem zu kaufen. Der
staatliche Preis für diese Pack ist exakt 45 Kopeken ... Das Pack Soda
wird vom Industrie-Intrigant Pinya Paltinowitsch verpackt und zum
Verkauf
herausgegeben; und in welchen Mengen! Im Jahr 1952 allein hat er fast
10.000 Packs herausgegeben! Aus den Dokumenten geht hervor, dass all
das Soda von der Verbrauerunion in Zhmerinka verkauft worden ist. Aber
wie fiel es dann in die Hände des Profiteurs, nicht nur im Distrikt
Zhmerinka, sondern auch in vielen anderen Distrikten der
Vinnitsa-Provinz? Und kann es sein, dass Einwohner von Zhmerinka (S.134)
solch eine Lust auf Pinyas Soda entwickelt haben, dass sie es von
morgens bis abends mit dem Suppenlöffel vertilgten!? Ist es möglich,
dass die Bevölkerung des ganzen Distrikts immer an Sodbrennen leidet?
Natürlich nicht; das Soda-Geschäft war das Resultat eines anderen
Tricks. Der einstige Direktor des Inter-Distrikt-Stützpunkt, Oknyansky,
und sein Vize, Dartman, könnten es erklären. Aber, da sie nicht
an einer Erklärung interessiert sind, bleibt uns nur übrig, einen Blick
in das entriegelte private Domizil zu werfen, das Dartman für 56.000
Rubel gekauft hat. Da sein Lohn in der Region 910 Rubel monatlich
betrug, so konnte es nicht leicht für ihn gewesen sein, eine solche
Summe beiseite zu schaffen. Er hat möglicherweise gehungert, die arme
Seele!
Und wenn man zufällig durch Schitomir geht, kann man auch einen Blick
auf das Haus werfen, das Oknyansky für 50.000 Rubel erstanden hat, seit
er vom Stützpunkt des Zhmerinka-Handels gefeuert wurde. Seine Position
ist viel schwieriger als die von Dartman, der schon als Vizedirektor
des
Zhmerinka Lebensmittelkombinats arbeitet, während Oknyansky, so ein
armer, über Jahre hinaus arbeitslos war. Er lebt möglicherweise bei
Wasser und Brot.
In der Tat haben die Gauner in Zhmerinka ein freies und leichtes Leben.
Sie gaunern direkt unter der Nase des Distrikt-Staatsanwalts! Nehmen
wir
z.B. den Fall des Metalls, das geliefert wurde, um Nägel für
Bauarbeiten zu produzieren. Aber wer zum Teufel kümmert sich um
Bauarbeiten, wenn die privaten Schuhmacher fluchen und schimpfen und
bereit und willig sind, jeden Preis für Schuhnägel zu bezahlen. Der
Industrie-Intrigant, Pinya Mirotschnik, bringt Tonnen von Schuhnägeln
auf
den Markt. Nebenbei ist der Staatsanwalt von Zhmerinka durch diese
Schuhnägel wie runtergenagelt worden und hat deswegen sogar einen
speziellen Fall eröffnet. Aber er hat den Fall nicht dem Gericht
übergeben. Er studiert angeblich die Dokumente. Nun schon ein Jahr
lang. Der Staatsanwalt von Zhmerinka ist ein sehr seriöser Mann, in der
Tat; nur ist es schade, dass er keine Gefahr für die Gauner darstellt.
Die Hand der Zauberer von Zhmerinka ist mit allem beschmutzt, was
möglich ist. Mit Schuhcreme, Brünierung, Süssigkeiten, Sonnenblumenöl,
Honig und Melasse. Die Schurken wurden schamlos unverschämt. Vor kurzer
Zeit erklärte Dodik Ostrowski: 'Gib mir das Geld und ich werde dir in
einem Augenblick dafür einen funktionierenden Bagger besorgen.'
Glücklicherweise braucht Pinya keinen funktionierenden Bagger, so dass
man versichert sein kann, dass Dodik kein Geld gibt.
Kameraden von der Konsumentenunion der Provinz Vinnitsa! Die letzten
Zeilen dieses Texts ist an Sie gerichtet. Wir haben einige ihrer
Beschlüsse betreffs
der Aktivitäten von Pinya Paltinowitsch Bande gelesen. Sagen wir die
Wahrheit: Wir wurden müde beim Lesen, als wir Ihre Entscheidungen
gelesen haben: 'tadeln', 'betonen', 'vorschlagen', etc. Scheint es
Ihnen nicht, Kameraden, dass Sie die erzieherische Bedeutung dieser
Resolutionen übertreiben? Und, sowieso, wen wollen sie versuchen,
umzuerziehen? Mit solch rührender Nachsicht soll das gehen? Wäre es
nicht besser, diese Sache der Staatsanwaltskanzlei endlich der Provinz
Vinnitsa zu übergeben? Die sollten wissen, wie man Schwindler
behandelt.> (S.135)
|
Document 49: On the embezzlement of state
property (February 1953)
(Source: V. Ardamatsky: 'Pinya iz Zhmerinki' (Pinya from Zhmerinka);
In: Krokodil, 1953, no. 8)
(End note 116: Many immigrants to Israel from the USSR recalled this
particular feuilleton as
evidence of official anti-Semitism in the USSR).
[The boss is a magician: Pinya
Paltinovich]
<Before me lies a pile of documents. Dry numerical calculations,
bills, analyses cover each piece of paper. And when all this has been
examined, the following questions arise involuntarily in one's mind:
'Is it possible to build a house out of shoe polish? or out of soda?
Can one eat one's fill on nails?'
And it turns out, that all this is possible. For this, all one has to
do is to go to Zhmerinka and win the confidence of Pinya Paltinovich
Mirochnik. What a magician he is! A magician who knows no equal. The
star of the State Circus, Kio, with his mysterious chest in which the
circus's resident invisible lady vanishes, is nothing in comparison
with Pinya! But, forgotten by the State Circus, Pinya Paltinovich
Mirochnik is forced to remain at the tedious post of head of an
industrial combine of the Zhmerinka District Union of Consumers. And he
has to do without any applause or enthusiastic notices.
[The crew of Pinya Paltinovich]
Remembering that in his time Kio used to appear with 75 assistants,
Pinya Paltinovich has also surrounded himself with reliable assistants,
though, to give him his due, he did not manage to reach the figure of
75. Not far short, but he didn't quite manage it. Pinya Paltinovich
appointed David Ostrovsky as head of the chemical shop of his
industrial combine. David's son became, correspondingly, an agent of
the supplies section. Rakhil Palatnik occupied the desk of the chief
book-keeper. Accordingly, her son-in-law, Shaya Pudel, became her
deputy. Roza Gurvich was made economic planner, and her husband was put
in charge of the supplies (p.133)
section. Zyama Milzon, Pinya's brother-in-law, was given a position in
a utensils shop. Yasha Dainich, Bunya Tsitman, Shunya Mironchik, Munya
Uchitel, Benya Rabinovich, Isaak Paltin and others were appointed to
other positions.
It is not difficult to imagine what conjuring tricks could be
demonstrated with such a disposition of forces. Especially if one takes
into consideration that the Zhmerinka District Procurator, Comrade
Lanovenchik, was so carried away by the continued spectacle of these
manifestations that he completely forgot his most immediate duties.
[Pinya Paltinovich's carreer]
Pinya Paltinovich did not become a magician all at once. At first he
was far from successful in all his undertakings. For instance, in 1936
he was expelled from the Party for performing a religious rite, as well
as for a number of frauds. By 1941 he had become more experienced, and
he managed, though being in the best of health (as he has been since),
to fall ill precisely at the end of June 1941. His illness made it
possible for him to leave in a direction quite the opposite of the
front lines. After the war, Pinya made his home in Zhmerinka. In 1946,
he joined the Party once more, cleverly concealing the fact that he,
quite by chance, had already been a Party member.
Pinya Paltinovich has a family of six, not counting his wife's two
brothers who live abroad, which is quite silly of them when they have a
brother-in-law such as Pinya. Pinya's family lives in a richly
furnished four-room flat. Not one of his five dependants does any work
anywhere, though the doctor has not forbidden them to work. Every year,
Pinya's wife takes her offspring to salubrious health resorts. And,
indeed, why should they work when Pinya can afford to keep the house in
grand style? Truly, when you know the size of his wage-packet, this
becomes somewhat difficult to understand, but, then, if everybody could
understand the magician's tricks, there would be no magicians.
[The profit with market
products - state's price - market price]
I have no wish to describe in detail the tricks of Pinya Paltinovich
and his devoted assistants because, as the readers have probably
guessed, all these tricks are simply sharp practices. These tricks are
accurately noted down in detail in statements, reports, certificates
and other documents. Everything is described there. They tell how David
Ostrovsky and Munya Uchitel agreed to write off 56,800 tins of shoe
polish as scrap and how those very tins, ceasing to be scrap, filled
with shoe polish, appeared in the hands of profiteers. Oh, but how
wonderfully noble David Ostrovsky's conduct was during that commercial
transaction! It turns out that he sold the tins which had been written
off for waste to Benya Rabinovich, purveyor to the District Consumers'
Union, for 30 rubles in cash and handed all that money in to the
cashier of the industrial combine. What honesty! And what
sleight-of-hand at the same time!
At the market in Zhmerinka (and not only in Zhmerinka) it's always
possible to buy a little packet of drinking soda from someone for 3
rubles. The state price for that packet is exactly 45 kopeks ... The
soda is packed and released for sale by the industrial schemer Pinya
Paltinovich; and in what quantities! In 1952 alone he released almost a
10,000 packages! It emerges from the documents that all this soda has
been sold through the District Consumers' Union in Zhmerinka. But then
how did it fall into the hands of the profiteers not only of Zhmerinka
District but also of many other districts of Vinnitsa Province? And can
it be that inhabitants of Zhmerinka (p.134)
developed such a liking for Pinya's soda that they were devouring it in
tablespoonfuls from morning till evening!? Is it possible that the
population of the entire district is constantly suffering from
heartburn? Of course not; the soda business was the result of another
trick. The former director of the inter-district base, Oknyansky, and
his deputy, Dartman, could have explained it. But, as they are not
interested in explaining it, all that is left for us is to have a look
at the fenced-off private residence that Dartman bought for 56,000
rubles. As his wages were in the region of 910 rubles a month, it could
not have been easy for him to put such a sum aside. He probably went
hungry, poor soul!
And if one happens to be passing through Zhitomir, one can also have a
look at the house which Oknyansky, since fired from the Zhmerinka trade
base, acquired for 50,000 rubles. His position is much more difficult
than that of Dartman, who is already working as deputy director of the
Zhmerinka food combine, whereas Oknyansky, poor thing, has been
unemployed for over a year. He probably exists on bread and water.
Indeed, the rogues in Zhmerinka have a free and easy life. They romp
under the very nose of the District Procurator! Let us take for
instance the case of the metal that was delivered to make nails for
construction work. But who the devil cares about construction if the
private shoemakers moan and groan and are ready and willing to pay any
price for shoe nails. The industrial schemer, Pinya Mirochnik, pours
tons of shoe nails on to the market. By the way, the Zhmerinka
procurator has become somewhat pinned down by these shoe nails and has
even opened a special case on them. But he has not handed the case over
to the courts. He is said to be studying the documents. For a whole
year already. The procurator in Zhmerinka is a very serious man,
indeed; only it's a pity that he is no danger to the local rogues.
The hand of the Zhmerinka conjurers are soiled with just about
everything. With shoe polish, blueing, halva[h], sunflower-seed oil,
honey and treacle. The rogues became brazen-faced. Not long ago Dodik
Ostrovsky declared: 'Give me the money and I will get you a moving
excavator in a jiffy.' Luckily Pinya does not need a moving excavator,
so one may rest assured that he will not give Dodik the money.
Comrades from the Vinnitsa Province Consumers' Union! Our last lines
are addressed to you. We have read some of your resolutions concerning
the activity of Pinya Paltinovich's gang. To tell you the truth, we
became tired of reading your decisions scattered there: 'to reprimand',
'to point out', 'to suggest', etc. Doesn't it seem to you, comrades,
that you overestimate the educational significance of these resolutions
of yours? And, anyway, whom are you trying to re-educate? With such
touching forbearance, too? would it not be better to hand this affair
over to the procurator's office of Vinnitsa Province at long last? They
ought to know there how to treat swindlers.> (p.135)
|
--
weitere Prozesswellen 1953
und 1955 noch nach Stalin: Pinkus,
S.207,208

Benjamin Pinkus: Buch: The
Soviet government and the Jews, Seiten 207 und 208 |
<Antizionistische, politische Prozesse
Während der Nach-Stalin-Ära gab es keine Geheimprozesse mehr wie gegen
die jiddischen Schriftsteller im Jahr 1952, oder grosse Schauprozesse
wie der geplante Doktorprozess im Jahr 1953. Die vorbereitete Zuflucht
zu Anklagen wegen Spionage und internationaler Untergrundarbeit kam oft
vor und verdächtig viel in dieser Zeit.
Im Jahr 1956 begannen in verschiedenen Teilen der Sowjetunion Prozesse
gegen Zionisten und jüdische religiöse Figuren (wie die Führer
religiöser Vereinigungen, Vertreter von Synagogen, Beschneider und
Kantoren).
(Endnote 62: Zwischen 1955 und 1967 fanden solche Prozesse in Moskau,
Kiew, Leningrad, Minsk, Riga und in anderen Städten statt).
Aber nur vereinzelt wurde darüber in der sowjetischen Presse berichtet,
und dann nur in der bescheidensten Form. Der wichtigste Prozess, der
kurz in einem lokalen Blatt beschrieben wurde
(Doks. 86, 87)
war der von Pechersky, Dnkin und Kaganov, führende Personen der
Religionsgemeinde in Leningrad. Die Angeklagten waren wegen Kontakten
zur Botschaft eines kapitalistischen Staates angeklagt. Der (S.207)
Bericht beschrieb nicht einmal speziell, dass es sich um den [rassistisch-zionistischen] Staat
Israel handelte. Erst 7 Jahre später im Jahr 1968 - das heisst, nach
dem 6-Tage-Krieg nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen
zwischen [dem rassistisch-zionistischen] Israel und der [Gulag-]Sowjetunion - wurde der alte Prozess wieder
aufgenommen. Es wurde ausdrücklich berichtet, dass Pechersky, Kaganov
und Dynkin es befürwortet hatten, zugunsten des israelischen
Geheimdienstes [Mosad] zu arbeiten und antisowjetische Literatur in
der Sowjetunion zu verteilen. Sie wurden gemäss den Artikeln 64 und 70
des Strafrechts der UdSSR verurteilt. Das Urteil verhängte lange
Strafen (zwischen vier und 12 Jahren Gefängnis), als Abschreckung vor
weiteren Kontakten zum Personal der israelischen Botschaft.
Es scheint, dass viele solche Prozesse in den 1950er und 1960er
Jahren stattgefunden haben, aber behördliche Daten über das Ausmass und
die Anzahl Leute, die darin verwickelt waren, sind noch nicht
zugänglich.
(Endnote 63: Aufgrund dieser Prozesse und die Ziele, warum sie
abgehalten wurden, siehe Kapitel 6).
Ein Prozess, mit extrem schweren Anklagepunkten, der öffentliche
Aufmerksamkeit erhielt, war derjenige im Februar 1967.
(Endnote 64: V. Dyachenko: Dyachenko: Padenie: In: Izvestiya, 24.
Februar 1967)
Der Angeklagte, Dolnik, der eine zionistische Vergangenheit hatte und
ein regelmässiger Synagogenbesucher war, wurde wegen Transport von
geordnetem, wertvollem Material verurteilt, das er David Gavish von der
israelischen Botschaft übergeben hat, zusätzlich auch dem
Sicherheitsdienst anderer Länder. Dolnik wurde ausserdem angeklagt, mit
einem Helfeshelfer zusammen falsche Fotos vorbereitet zu haben, in dem
ein Nazi-Hakenkreuz auf Denkmälern der UdSSR zu sehen war, um die
Sowjetunion im Ausland zu diffamieren.> (S.208)
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<Anti-Zionist political trials
While the post-Stalin period did not witness a repetition of secret
trials such as that of the Yiddish writers in 1952 or of great show
trials like the Doctor's Trial planned for 1953, the ready resort to
accusations of espionage and international conspiracy did recur
frequently and ominously in that period.
In 1956, trials of Zionists and of Jewish religious figures (such as
heads of religious congregations, synagogue officials, circumcisers and
cantors) began to be held in various parts of the Soviet Union.
(End note 62: Between 1955 and 1967, such trials took place in Moscow,
Kiev, Leningrad, Minsk, Riga and other cities).
But only in isolated instances were they reported in the Soviet
press, and then in only the most modest manner. The most important
trial, which was briefly reported in a local journal
(Docs. 86, 87)
was that of Pechersky, Dynkin and Kaganov, leading members of the
Leningrad religious community. The defendants were accused of
maintaining contact with the embassy of a capitalist state. The (p.207)
report did not actually specify that it was the [racist Zionist] State of Israel. It was
only seven years later in 1968 - that is, after the Six-Day War when
diplomatic relations between [racist Zionist] Israel and the [gulag] Soviet Union were severed -
that this old trial was dredged up again and it was explicitly stated
that Pechersky, Kaganov and Dynkin had agreed to work on behalf of the
Israeli security services [Mosad] and to distribute anti-Soviet
literature in the Soviet Union. The indictment of the defendants in
accordance with Articles 64 and 70 of the Criminal Code of the RSFSR
and the harsh sentences (ranging from four to twelve years'
imprisonment) were intended to deter future contacts with Israeli
Embassy personnel.
It seems that there were many such trials in the fifties and sixties,
but authoritative data on their extent and the number of people
involved are not yet available.
(End note 63: On the reasons for these trials and the objectives in
holding them, see Chapter 6).
One trial, with extremely serious charges, which did receive publicity
was held in February 1967.
(End note 64: V. Dyachenko: Padenie: In: Izvestiya, 24th February 1967)
The defendant, Dolnik, who had a Zionist past and was a regular
synagogue attender, was accused of transmitting to David Gavish of the
Israeli Embassy classified information of value not only to Israel but
also to the security services of other countries. Dolnik was further
charged with working with an accomplice to prepare false photographs in
which the Nazi swastika was seen drawn on monuments in the USSR, in
order to defame the Soviet Union abroad.> (p.208)
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Dokument 86: Prozess gegen Perchersky,
Dynkin und Kaganov (I)
(Quelle: 'V Leningradskom gorodskom sude' (Im Leningrader
Stadtgerichtshof); In: Leningradskaya pravda, 11. November 1961)
<Vor kurzer Zeit war bei der Kriminalrechtsabteilung des Leningrader
Stadtgerichtshofs die Anhörung im Fall von G.R. Pechersky,
(Endnote 105: Gedaliyahu Pechersky (1901-75), wurde in eine
Gerberfamilie in der kleinen Stadt Babinovichi in der Provinz Witebsk
geboren. Er besuchte einen heder
[jüdische Religionsschule]. Nach der Revolution versuchte er die Aufnahme auf einem
Ausbildungs-Bauernhof hakhsharah
[für die Vorbereitung der zionistischen Auswanderung nach Palästina] bei Witebsk und bei der Tiferet
bahurim-Gesellschaft,
die durch die Habad-Bewegung (Hasidim) gegründet wurde. Am Ende der
[liberalen Politik der Sovietunion, der] NEP, wurde er wegen Steuerhinterziehung verhaftet. Er studierte
Zahntechniker und arbeitete in seinem Beruf. Während des Zweiten
Weltkriegs begann sich Pechersky für öffentliche Angelegenheiten zu
interessieren. Noch zu Lebzeiten Stalins schickte er nicht
unterschriebene Briefe an die Behörden betreffs der religiösen
Gemeinde von Leningrad. Im Jahr 1954 wurde er gabai (Synagogenvertreter),
ein Posten, den er 1956 wieder verliess, wegen Drucks von religiösen
Leuten aus der Stadt. Pechersky wanderte 1972 ins [rassistisch-zionistische] Israel aus).
E.Sh. Dynkin und N.A. Kaganov. Es wurde (S.225)
eine Voruntersuchung geführt und auch vor Gericht wurde gesagt, dass
die Angeklagten eine Anzahl Jahre lang kriminelle Beziehungen zu
einigen Mitarbeitern der Botschaft eines kapitalistischen Staates
hatten, der in Moskau akkreditiert ist. Die Angestellten der Botschaft
hatten aus diesem speziellen Grund viele Male Leningrad besucht.
Pechersky, Dynkin und Kaganov haben regelmässig Informationen
übergeben,
um der Sowjetunion im Ausland zu schaden. Im Gegenzug hatten die
Angeklagten von den Angestellten der Botschaft wiederholt
antisowjetische Literatur erhalten und diese verteilt.
Der Gerichtshof befand Pechersky und Dynkin des Tatbestands gemäss
Artikel 64, Punkt 'a', und 70, Abschnitt I, und Kaganov gemäss Artikel
70, Abschnitt I, des UdSSR-Strafrechts für schuldig. Pechersky wurde zu
12 Jahren und Kaganov zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt, Dynkin, der
ernsthaft seine eigenen kriminellen Aktivitäten bereute und
verurteilte, erhielt eine mildere Strafe - 4 Jahre Gefängnis.>
(S.226) |
Document 86: Trial of
Perchersky, Dynkin and Kaganov (I)
(Source: 'V Leningradskom gorodskom sude' (In the Leningrad City
Court); In: Leningradskaya pravda, 11 November 1961)
<Not long ago, the Criminal Law Division of the Leningrad City Court
heard the case of G.R. Pechersky,
(End note 105: Gedaliyahu Pechersky (1901-75), was born into a tanner's
family in the small town of Babinovichi, Vitebsk Province. He attended
a heder [Jewish religious school]. After the
Revolution, he tried to join a hakhsharah
(training) farm [preparing the Zionist emigration to Palestine] near Vitebsk and the Tiferet
bahurim Society founded by the Habad
(Hasidic) movement. At the end of the NEP period he was arrested for
avoiding payment of taxes. He studied to be a dental technician and
worked in this profession. Pechersky began to take an interest in
public affairs during World War II. Even during Stalin's lifetime, he
sent unsigned letters to the authorities concerning the religious
community of Leningrad. He was appointed gabai
(synagogue official) in 1954, a post which he decided to leave in 1956
as a result of pressure from those in charge of religious matters in
the city. Pechersky emigrated to [racist Zionist] Israel in 1972).
E.Sh. Dynkin and N.A. Kaganov. It was (p.225)
established by the preliminary investigation and in court that
the accused had had criminal connections for a number of years with
some workers of the embassy of a capitalist state accredited to Moscow.
The workers of the embassy had visited Leningrad many times for this
special purpose.
Pechersky, Dynkin and Kaganov had regularly passed on information used
abroad to harm the Soviet State. In their turn, the accused had
repeatedly received from the workers of the embassy anti-Soviet
literature and undertook to distribute it.
The court found Pechersky and Dynkin guilty of crimes under
Articles 64, point 'a', and 70, section I, and Kaganov under Article
70, section I, of the Criminal Code of the RSFSR. Pechersky was
sentenced to 12 years and Kaganov to 7 years of imprisonment, Dynkin,
who sincerely repented and condemned his own criminal activities,
received a lighter sentence - 4 years of imprisonment.> (p.226) |
Dokument 87: Prozess gegen Perchersky,
Dynkin und Kaganov (II)
(Quelle: K. Viktorov: 'Otravlennoe oruzhie (Ob ideologicheskikh
diversiyakh imperialistov)' (Giftwaffen (über ideologische Sabotage der
Imperialisten)); In: Moskovskaya
pravda, 22. November 1968)
<Der imperialistische Geheimdienst benutzt oft dieselben Agenten, um
zu
spionieren und um ideologische Sabotage auszuführen. So wurde am
Prozess in Leningrad gegen die sowjetischen Bürger Kaganov, Dynkin und
Pechersky, die mit dem israelischen Geheimdienst zusammengarbeitet
hatten, festgestellt, dass sie nicht nur geheime Information gesammelt
und weitergegeben haben, sondern dass sie auch Gerüchte und Erfindungen
verbreitet haben, um den sowjetischen Staat und die soziale Ordnung zu
diffamieren. Diese Leute verbreiteten antisowjetische Literatur, die
sie von der israelischen Botschaft bekommen hatten. Die Agenten des
ausländischen Geheimdiensts gaben auch zu, dass sie beabsichtigt hatten,
die Tonbänder (nachträglich konfisziert), die Inhalte, die die
sowjetische Realität verleumden sollten, an ihre Chefs im Ausland zu
senden. Diese sollten die Bänder für antisowjetische Propaganda
benutzen.
Subversive Propaganda und Desinformation sind die Waffen der
imperialistischen Staaten. Sie machen grosse Aufwendungen und geben
grosse Summen dafür aus. Das sowjetische Volk muss wachsamer sein und
resolut die Lügen und die Verleumdungen der bürgerlichen 'Ritter'
aufdecken, die mit Giftwaffen operieren.> (S.226)
|
Document 87: Trial of
Pechersky, Dynkin and Kaganov (II)
(Source: K. Viktorov: 'Otravlennoe oruzhie (Ob ideologicheskikh
diversiyakh imperialistov)' (Poisoned Weapons (On Ideological Sabotage
of the Imperialists)); In: Moskovskaya
pravda, 22 November 1968)
<The imperialist intelligence services often use the same agents for
spying and for carrying out ideological sabotage. Thus, during the
trial in Leningrad of the Soviet citizens Kaganov, Dynkin and
Pechersky, who agreed to work for the Israeli intelligence service, it
was established that they had not only collected and passed on
intelligence information, but that they also spread rumours and
fabrications defaming the Soviet State and social order. These people
distributed anti-Soviet literature, which they received from the
Israeli Embassy. The agents of the foreign intelligence service also
admitted that they had intended to send the tapes (subsequently
confiscated), the contents of which slandered Soviet reality, to their
chiefs abroad, who were going to use them for anti-Soviet propaganda.
Subversive propaganda and misinformation are the weapons of the
imperialist states. They spend huge efforts and sums on it. Soviet
people must be most vigilant and resolutely unmask the lies and
slanders of the bourgeois 'knights' with their poisoned weapons.>
(p.226) |
-- weitere Schauprozesse
gegen Juden 1961-1963: Martin Gilbert:
www.martingilbert.com

Martin Gilbert: Karte der
Sowjetunion über die antijüdischen Schauprozesse 1961-1963
Chronologie von Michael Palomino:
Pogrome,
Verschleppung und Identitätsvernichtung an Juden in der SU (aus
Pinkus)
17. Sowjetisierung
/ Russifizierung durch Vernichtung der jüdischen Kultur
Pinkus
beschreibt hier, wie die "Sowjetunion" ihren Politikwechsel gegen die
Juden vornahm, nachdem der rassistisch-zionistische Staat Israel
gegründet worden war, dessen Regime mit den Verunreinigten Staaten und
mit dem CIA zusammenarbeitete, und zwar gegen die "Sowjetunion":

Pinkus, Benjamin:
The Soviet Government and the Jews
1948-1967. A documented study,
ISBN 0-521-24713-6:
-- Raub
der
Identität durch
Liquidierung jüdischer Institutionen: Pinkus, S.1, 310, 372 |
|
Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 1 |
Text:
<Zur gleichen Zeit, in den Jahren 1948-1949, wurde man Zeuge des
Mordes (durch die Geheimpolizei) am berühmten jiddischen Schauspieler
Shlomo Mikhoels; die Schliessung des Jüdischen, Antifaschistischen
Komitees; die Liquidierung aller Institutionen, die für die jiddische
Kultur verantwortlich waren; und die Einführung der
anti-kosmopolitischen Kampagne. Dieser Zwiespalt in der sowjetischen
Politik mit ihren inneren Gegensätzen gegenüber der jüdischen
Bevölkerung kam wie nie zuvor zum Vorschein, in der extremsten Form.>
(original:
<At the same time, the years 1948-9 witnessed the murder (by the
secret police) of the famous Yiddish actor, Shlomo Mikhoels; the
closing of the Jewish Anti-fascist Committee; the liquidation of all
the institutions responsible for Yiddish culture; and the launching of
the anti-cosmopolitan campaign. This dichotomy revealed as never
before, and in their most extreme form, the contradictions inherent in
Soviet policy towards its Jewish population.>)
|
|
Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 310 |
Text:
<Zweitens wurden während der Jahre 1948-1949 alle jüdischen
Institutionen in der Sowjetunion liquidiert. Deswegen blieben die
jüdisch-religiösen Gemeinden die einzigen der jüdischen
Institutionen.>
(original:
<Secondly, with the liquidation during 1948-9 of all the Jewish
institutions in the Soviet Union, the Jewish religious congregations
remained the one surviving form of Jewish institution.>)
|
|
Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 372 |
Text:
<Aber es ging nicht lange, bis die jüdischen Hoffnungen auf eine
Errichtung einer "Souveränität" innerhalb der UdSSR zerstört wurden. In
den Jahren 1948-1949 wurden folgende jüdische Institutionen
geschlossen: das Jiddische Kaganowitsch-Theater, der Jüdische Verlag,
die Zeitung Birobidschan, die wertvolle Bibliothek mit jiddischen und
hebräischen Büchern, und die jüdische Forschungsanstalt und Schulen.>
(original:
<But it was not long before Jewish hopes for the establishment of a
'sovereignty' within the USSR were dashed. In the years 1948-9, the
Kaganovich Yiddish Theatre, the Jewish publishing house, the periodical
Birobidzhan, the rich
library of Yiddish and Hebrew books, and the Jewish research
institutions and schools were all closed down.>)
|

--
Verhaftungen, Schliessung,
Liquidierung jüdischer Zeitungen: Pinkus,
S.150 (Shtern), S.263 (Eynikeyt)
Benjamin Pinkus: Buch: The
Soviet government and the Jews, Seite 150 |
Text
(Deutsch):
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
<Seit der Inhaftierung
der führenden jüdischen Schriftsteller, Literaturkritiker und
Theaterarbeiter Ende 1948 und Anfang 1949 - was in Tat und Wahrheit
hiess, dass das Rad der Vernichtung, das gegen die national
orientierte, kommunistisch- jüdische Intelligenz gerichtet war, nun
voll in Schwung kam - so wurde die Masse der Kampagne gegen den
Nationalismus nun gegen die assimilierte, jüdische Intelligenz
gerichtet. Der letzte Fall öffentlicher Attacken, der in der ersten
Hälfte des Jahres 1949 bekannt wurde - gegen damalige jüdische Personen
und gegen Institutionen, die in Liquidierung standen - waren jene
gegen: David Bergelson, einer der bestbekannten jiddischen
Schriftsteller, der, wie es scheint, zu dieser Zeit schon unter Arrest
stand;
(Endnote 27: Vysoko nesty prapor radyanskogo patriotyzma; In: Vitchyzna,
1949, Nr. 3, S.16; auch erwähnt in: B. Choseed: Jews in Soviet
Literature;
In: Simmons (ed.): Through the Glass of Soviet Literature, S.148)
der Kritiker Model, der zum Lob des jüdischen Dramatikers Goldfaden
schrieb; der Regisseur Golovchiner, der 'schädliche und
antipatriotische Theaterstücke' am jiddischen Theater in Minsk schrieb
(und dann wurde das Theater geschlossen);
(Endnote 28: Vysshe znamya sovetskogo patriotizma; In: Literaturnaya
gazeta, 12. März 1949; V. Seduro: The Belorussian Theatre and Drama;
New York, Research Programme on the USSR, 1955, S.225; Ähnliche
Beschuldigungen wurden vom Sekretär der Weissrussischen Kommunistischen
Partei, N. Gusarev, geäussert, der, wie kürzlich ans Licht kam, in den
Mord an Mikhoels im Januar 1948 verwickelt war. Siehe: Sovetskaya
Belorussiya, 17.
Februar 1949, auch erwähnt in: Namir: Shlihut be-moskvah, S.281).
und die Zeitung Der shtern,
der in Kiew erschien, wurde Ende 1948 geschlossen (Dok. 57).> (S.150)
Nun folgt ein Beispiel eines Artikels der Kampagne gegen den Stern:
|
(original:
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
<Since the leading Jewish writers,
literary critics and theatre workers had been arrested at the end of
1948 and the beginning of 1949 - which meant in fact that the wheel of
liquidation directed at the nationally oriented Communist Jewish
intelligentsia had come full circle - the bulk of the campaign against
nationalism was redirected against the assimilated Jewish
intelligentsia. The last cases of public attacks known to us from the
first half of 1949 - on Jewish personalities and on institutions then
in the process of liquidation - were those directed against: David
Bergelson, one of the best-known Yiddish writers who was, it seems,
already under arrest at this time;
(End note 27: Vysoko nesty prapor radyanskogo patriotyzma; In: Vitchyzna,
1949, no. 3, p.16; as quoted in: B. Choseed: Jews in Soviet Literature;
In: Simmons (ed.): Through the Glass of Soviet Literature, p.148)
the critic Model who wrote in praise of the Jewish playwright
Goldfaden; the stage director Golovchiner, who produced 'harmful and
anti-patriotic plays' at the Yiddish Theatre in Minsk (as a result of
which the theatre was closed);
(End note 28: Vysshe znamya sovetskogo patriotizma; In: Literaturnaya
gazeta, 12 March 1949; V. Seduro: The Belorussian Theatre and Drama;
New York, Research Programme on the USSR, 1955, p.225; Similar
accusations were voiced by the secretary of the Belorussian Communist
Party, N. Gusarev, who, as has recently come to light, was involved in
the murder of Mikhoels in January 1948. See: Sovetskaya Belorussiya, 17
February 1949, as quoted in: Namir: Shlihut be-moskvah, p.281).
and the journal Der shtern,
which appeared in Kiev, and had been closed down at the end of 1948
(Doc. 57).> (p.150)
Here is an example of a campaign article against Shtern:
|
Dokument 57. Ukrainischer Schriftsteller
kritisiert Der
shtern (Februar 1949)
(S.172)
(Quelle: 'Za bolshevistskuyu partiinost sovetskoi kultury. Na
sobraniipisatelei Kieva' (Für den sowjet-kulturellen Geist der
Bolschewistischen Partei. Auf einem Treffen von Schriftstellern aus
Kiew); In: Pravda Ukrainy, 8.
Februar 1949)
(Endnote 104: Der shtern,
literarisches Jahrbuch der
sowjetisch-jüdischen Schriftsteller der Ukraine. Beginn der zweiten
Ausgabe, der Untertitel wurde geändert in 'Jahrbuch für Literatur und
Künste, Organ der sowjetischen Schriftsteller-Union der Ukraine'. Der
Herausgeber des Jahrbuchs (ab der zweiten Ausgabe) war H. Polyanker. In
den Jahren 1947-1948 wurden insgesamt sieben Ausgaben herausgegeben.
Scheinbar wurde die letzte (Nr. 7) aber nicht mehr verteilt.)
<Die teuflischen Methoden, die von den Herausgebern des jiddischen
Jahrbuchs praktiziert werden, Der shtern, können nur durch das
Missachten der Prinzipien der Bolschewistischen Partei und durch
abgestumpfte Wachsamkeit erklärt werden. Die darin publizierten Werke
waren ideologisch schädlich, mit nationaler Borniertheit durchdrungen,
und schilderte das sowjetische Volk in einer verdrehten Weise. Die
Herausgeber des Jahrbuchs haben den jüdischen Schriftstellern nicht die
wichtigen Themen von heute aufgezeigt, und sind hinter der
entscheidenden Offensive der sowjetischen Literatur gegen die Überreste
des bürgerlichen Nationalismus zurückgeblieben, in welcher Form auch
immer sie erschienen sein mögen.> (S.172) |
Document 57: Ukrainian writer criticises Der shtern (February 1949)
(p.172)
(Source: 'Za bolshevistskuyu partiinost sovetskoi kultury. Na
sobraniipisatelei Kieva' (For the Bolshevik Party Spirit of Soviet
Culture. At a Meeting of Kiev Writers); In: Pravda Ukrainy, 8 February 1949)
(End note 104: Der shtern,
literary almanac of the Soviet Jewish writers of the Ukraine. Beginning
with the second issue, the sub-title was changed to 'Almanac for
Literature and the Arts, Organ of the Soviet Writers' Union of the
Ukraine'. The almanac's editor (from the second issue) was H.
Polyanker. In the years 1947-8, seven issues were produced in all,
although apparently the last issue (no. 7) was not distributed.)
<The vicious methods practised by the editorial board of the Yiddish
almanac, Der shtern, can be explained only by the neglect of Bolshevik
Party principles and the dulling of vigilance. The works published in
it were ideologically pernicious, permeated with national
narrow-mindedness, and depicted the Soviet people in a distorted way.
The editorial board of the almanac did not direct the attention of the
Jewish writers to the urgent themes of today, and lagged behind the
decisive offensive of Soviet literature against the survivals of
bourgeois nationalism in whatever form they might appear.> (p.172) |

Benjamin Pinkus: Buch: The
Soviet government and the Jews, Seite 263 |
Text
(Deutsch):
<Somit gründete das Komitee die Zeitung Eynikeyt, ihr offizielles
Organ, bis es am 20. November 1948 geschlossen wurde; es vereinigte
jüdische Schriftsteller, Journalisten und Künstler, die vorher über die
Sowjetunion zerstreut waren, in Moskau.>
(original:
<Thus, the Committee founded the newspaper Eynikeyt,
its official organ until it was closed down on 20 November 1948; it
concentrated Jewish writers, journalists and artists previously
scattered throughout the Soviet Union in Moscow.>)
|
--
und da war ein Synagogensterben in der SU, das Pinkus auf der Seite 316 beschreibt:

Benjamin Pinkus: Buch: The Soviet government and the Jews, Seite 316
|
Text
(Deutsch):
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
<Im Jahr 1926 gab es noch 1103 Synagogen in der Sowjetunion.
(Endnote 32: Siehe J. Rothenberg: Jewish Religion in the Soviet Union;
In: Kochan (ed.): The Jews in Soviet Russia Since 1917, S. 180-181)
bis 1954 blieben offenbar nur noch 100.
(Endnote 33: Siehe Yodfat: Jewish Religious Communities in the USSR,
S.66)
Wenn die spätere Zahl von Rabbi Shlifer stimmt, dann gab es dort
zwischen 1954 und 1959 eine definitive Abnahme der Anzahl Synagogen.
Gemäss einem sowjetischen Bericht an die UN gab es 1959 450 Synagogen.
(Endnote 34: Ibid. [Yodfat: Jewish Religious Communities in the USSR,
S.66])
aber ein anderer sowjetischer Bericht von 1960 gibt eine Anzahl von nur
150 an.
(Endnote 35: American Jewish Yearbook, 1961, S.287)
Diese letzte Zahl erscheint realistischer, und dient einem Vergleich
mit Daten für die Jahre 1961-1965. Im Januar 1946 verkündete Radio
Moskau, dass in der Sowjetunion noch 150 Synagogen betrieben würden,
die Hälfte von ihnen in der Ukraine und Moldawien. Aber im gleichen
Jahr gab P. Dogorozhny, stellvertretender Vorsitzender des Sowjetischen
Rats für religiöse Kultusangelgenheiten, bekannt, dass in der
Sowjetunion 100 Synagogen offen seien.
(Endnote 36: Ibid. [American Jewish Yearbook, 1961], S.367)
Die Daten, die für die Jahre 1963-1965 vorliegen, besagen 96
(Endnote 36: Ibid. [American Jewish Yearbook, 1961], S.367)
und 97
(Endnote 38: Conquest (ed.): Religion in the USSR, S.116)
Synagogen. Dennoch beträgt gemäss Schätzungen die Anzahl Synagogen in
der Sowjetunion bis in die späten 1960er Jahre zwischen 62 und 70,
davon ungefähr 30 im Kaukasus und in Zentralasien.
(Endnote 39: Rothenberg: Jewish Religion in the Soviet Union, S.180;
und: Yodfat: Jewish Religious Communities in the USSR, S. 66.
Rothenbergs Buch "The Jewish Religion in the Soviet Union" (S.47),
gibt folgende Zahlen an: Kaukasische Republik - 19 Synagogen; RSFSR
- 17; Zentralasiatische Republik - 11; Ukrainische Republik - 8;
Lettische und Litauische Republik - je 2; und Weissrussland, Moldawien
and Estnische Republik - je 1. Über die Situation in Birobidschan siehe
Dok. 148)>
|
(original:
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
<In 1926, there were still 1,103 synagogues in the Soviet Union;
(End note 32: See J. Rothenberg: Jewish Religion in the Soviet Union;
In: Kochan (ed.): The Jews in Soviet Russia Since 1917, pp. 180-181)
by 1954 apparently only 100 remained.
(End note 33: See Yodfat: Jewish Religious Communities in the USSR,
p.66)
If this latter figure, given by Rabby Shlifer, is accurate, there was
then a definite increase in the number of synagogues between 1954 and
1959. According to a Soviet report submitted to the UN, there were as
many as 450 synagogues in 1959,
(End note 34: Ibid. [Yodfat: Jewish Religious Communities in the USSR,
p.66])
but another Soviet statement of 1960 put their number at only 150.
(End note 35: American Jewish Yearbook, 1961, p.287)
This last figure appears more realistic, and will serve as a basis for
a comparison with the data for the years 1961-5. In January 1964, Radio
Moscow announced that 150 synagogues were functioning in Soviet Union,
half of them in the Ukraine and Moldavia. But in that same year, P.
Dogorozhny, Deputy Chairman of the Soviet Council for the Affairs of
Religious Cults, stated that 100 synagogues were open in the Soviet
Union.
(End note 36: Ibid. [American Jewish Yearbook, 1961], p.367)
The data we have for the years 1963-5 are of ninety-six
(End note 37: Ibid. [American Jewish Yearbook, 1961], p. 269)
and ninety-seven
(End note 38: Conquest (ed.): Religion in the USSR, p.116)
synagogues. However, according to various estimates, the number of
synagogues left in the Soviet Union by the late 1960s was between 62
and 70, about 30 of which were in the Caucasus and Central Asia.
(End note 39: Rothenberg: Jewish Religion in the Soviet Union, p.180;
and: Yodfat: Jewish Religious Communities in the USSR, p. 66.
Rothenberg's book "The Jewish Religion in the Soviet Union" (p.47),
sites the following figures: Caucasian Republics - 19 synagogues; RSFSR
- 17; Central Asian Republics - 11; Ukrainian Republic - 8; Latvian and
Lithuanian Republics - 2 each; and Belorussian, Moldavian and Estonian
Republics - 1 each. On the situation in Birobidzhan, see Doc. 148)>
|
Dokument 148: Übersicht über den religiösen
Glauben unter Juden in
Birobidschan (1967)
(S.383)
(Quelle: A. Vinokur: Ugasanie drevney very (Das Aussterben eines alten
Glaubens), Nauka i religiyaq, 1967, Nr. 1, S. 41-43).
<Nicht vor langer Zeit, um die Verbreitung des
Judentums unter den Juden in Birobidschan festzustellen, wurden in
einer Befragung 300 Leute befragt - Männer und Frauen, Arbeiter,
Büroangestellte, Doktoren, Lehrer, Hausfrauen, Pensionierte, die alle
in verschiedenen Teilen der Stadt leben. Der Fragebogen richtete an die
Leute gleichzeitig die Frage, ob sie gläubig seien. Nur 8 Personen
gaben an, sich in vollem Umfang als gläubig zu bezeichnen.> (S.383) |
Document 148: Survey on religious faith
among Birobidzhan Jews
(1967)
(p.383)
(Source: A. Vinokur: Ugasanie drevney very (The Dying Out of an Ancient
Faith), Nauka i religiyaq, 1967, no. 1, pp. 41-43).
<Not long ago, in order to ascertain how widespread Judaism was
among the Jews of Birobidzhan, about 300 people were questioned in a
survey - men and women, workers, office-workers, doctors, teachers,
housewives, pensioners, all living in different parts of the city. The
questionnaire was at the same time directed mainly at those people whom
there was every reason to consider as believers. Only 8 people however
referred to themselves directly as believers.> (p.383) |
<Sogar,
wenn wir nur die offiziellen Daten berücksichtigen, dann
wurden zwischen 1959 und 1965 über 50 Synagogen geschlossen,
hauptsächlich in der Ukraine und in der RSFSR (in Lvov, Shitomir,
Tschernowitz, Zhmerinka, Belaya-Tserkov, Sverdlovsk, Kazan, Pyatigorsk,
Grozny und anderen Städten). Aber die sowjetischen Behörden verneinten
oft, dass sie einen Plan verfolgten, die Anzahl Synagogen zu reduzieren.
Gemäss
dem sowjetischen Gesetz kann eine Synagoge (wie eine Kirche oder
Moschee etc.) unter folgenden Bedingungen geschlossen werden:
(Endnote 40: Aleksandrov: Mestnye sovety i zakonodatelstvo o kultakh,
S.59)
Wenn es nicht genug Gläubige gibt, die wünschen, dass das Gotteshaus
erhalten bleibt, das heisst, wenn sich die religiöse Gesellschaft
auflöst; wenn die Gesellschaft sowjetisches Religionsgesetz
verletzt
hat; wenn die Beachtung der Vertragsbedingungen zwischen der Gemeinde
und dem Staat verletzt wurde; wenn es abgelehnt wurde, die gesetzlichen
Bestimmungen des Staates zu erfüllen; wenn das Gotteshaus zu alt ist
oder dem Bauplänen der Stadt oder des Dorfes im Weg steht, wo es steht;
wenn bewiesen ist, dass das Gotteshaus enteignet werden muss, um das
Gebäude für andere, öffentliche Zwecke nutzbar zu machen. Somit ist es
klar, dass die Behörden bei einem Beschluss, eine Synagoge zu
schliessen, immer auch einen passenden Artikel im Gesetz dazu gefunden
haben.
Die Methode, wie die Schliessung vorbereitet wurde, erinnerte sehr an
die Methoden der 1920er Jahre. Zuerst wurde die lokale Presse
angewiesen, gegen die (angeblich) kriminellen und illegalen Aktivitäten
der Synagogenführer eine grosse Kampagne zu lancieren, denen angelastet
wurde, die Synagoge für eine Schattenwirtschaft oder für zionistische
Propaganda zu missbrauchen. Dann begann die Presse, Artikel und Briefe
'aus allen Sektoren der Öffentlichkeit' zu publizieren -
miteingeschlossen Gläubige und ehemalige Synagogenführer - die
kategorisch verlangten, dass das 'Nest der Korruption' liquidiert
werden sollte und die Gemeinde von der 'Scheusslichkeit der Religion'
geläutert werden sollte (siehe Dok. 132). Am Ende 'entsprachen' die
Behörden den Appellen und schlossen das Gotteshaus. Darüberhinaus
führte die Polizei während der Kampagne gegen die Synagoge oft Arreste
gegen das 'Komitee der 20' und gegen das Synagogenpersonal durch
mit der Anschuldigung, ihre Positionen in grossem Stil zu missbrauchen:
mit Schattenwirtschaft, oder mit Kontakten zu Repräsentanten der
kapitalistischen Staaten (Touristen oder Personal der israelischen
Botschaft; Dok. 132).> (S.316)
|
<Even
if we take into account only the official data, more than 50
synagogues were closed between 1959 and 1965, principally in the
Ukraine and the RSFSR (in Lvov, Zhitomir, Chernovtsy, Zhmerinka,
Belaya-Tserkov, Sverdlovsk, Kazan, Pyatigorsk, Grozny and other
cities). But the Soviet authorities often denied that they were
conducting a plan to reduce the number of synagogues.
According
to Soviet law, a synagogue (like a church, a mosque, etc.) may be
closed down under the following conditions:
(End note 40: Aleksandrov: Mestnye sovety i zakonodatelstvo o kultakh,
p.59)
If there are not enough believers desirous of maintaining their own
house of worship, that is, if the religious association dissolves; if
the association has violated Soviet law on religious observance; if it
has failed to observe the conditions of the contract signed between it
and the state body; if it has refused to fulfill the legal directives
of
the state bodies; if the house of worship is too old or stands in the
way of the construction plans of the city or village where it is
located; if it proves necessary to expropriate the house of worship in
order to use the building for alternative public purposes. It is thus
clear that when the authorities decided to close down a house of
worship they had no particular difficulty in finding a suitable article
in the law.
The way in which they prepared the ground for the closure strongly
recalled the style used in the twenties. First, the local press
conducted an extensive campaign against the (allegedly) criminal and
illegal activities of the synagogue leaders, who were accused of
exploiting the synagogue to conduct shady business deals or of engaging
in Zionist propaganda. Then, the press began to publish articles and
letters 'from all sectors of the public' - including believers and
former synagogue leaders - who categorically demanded that the 'nests
of corruption' be liquidated and their community purged of the
'abomination of religion' (see Doc. 132). In the end, the authorities
'responded' to these pleas and closed the house of worship. Moreover,
during the campaign against the synagogue, the police would often make
arrests among members of the 'committee of 20' and the synagogue staff,
accusing them of grossly misusing their positions; of conducting shady
business deals; or of having contacts with representatives of
capitalist states (tourists or Israeli Embassy personnel; Doc.
132).> (p.316)
|
Dokument 132: Tschernowitzer Synagoge wird
beschuldigt, ein
zionistisches Zentrum zu sein (1960)
(S.334-336)
(Quelle: Get darmoidiv i nosiiv mrakobissya (Nieder mit Parasiten und
Karriereleuten des Verdecktentums); Radyanska Bukovyna , 9. September
1960).
Die sowjetischen Völker, die von der [Gulag]-Kommunistischen Partei geleitet
werden, sind in den erfolgreichen Aufbau des Kommunismus miteinbezogen,
eine Gesellschaft, die alle materiellen und spirituellen Bedürfnisse
der Menschheit erreichen wird, während die Menschen vom Aberglauben der
Vergangenheit befreit werden [mit dem Gulag-System]. Die grosse Mehrheit der Arbeiter wurden
schon von den grossen Nöten der Vergangenheit befreit und machen aktiv
bei der Bildung des Kommunismus mit [mit dem Gulag-System]. Überall gibt es grosse
Bauprojekte, werden Farmen auf jungfräulichem Land errichtet, Fabriken
und Kolchosen - die sowjetischen Völker arbeiten mit Inspiration in der
kreativen Arbeit und bringen sich selbst beim Erfüllen des grossen
Plans des 21. Kongresses der KPdSU zur Geltung. Sie bringen den Tag der
Menschheit näher - Kommunismus [mit dem Gulag-System].
Aber wir finden da und dort Leute, die unter der Maske des religiösen
Funktionäres z.B., nicht an der Produktion materiellen Wohlstands
teilnehmen. Sie leben auf Kosten der vertrauensvollen Gläubigen und sie
sind in Geschäfte verwickelt, die weit ab des frommen Tuns sind.
[Die Zeitung] Radyanska Bukovina
hat oft Gelegenheit gehabt, über die dunklen Geschäfte zu berichten,
die in der Synagoge an der Ruskastrasse 53 ablaufen. In unserem Land
verbietet niemand einem Gläubigen, religiöse Rituale durchzuführen.
Aber die Empörung der Stadtbevölkerung, ihrer jüdischen Gläubigen und
Nichtgläubigen, ist nun durch die schmutzigen Aktivitäten der
Synagogenführer ans Licht gekommen. Es ist allgemein (S.334)
bekannt, dass die Führer, die als 'Komitee der Zwanzig' bekannt sind,
Raish, Zilber und Barenboim, sich mehr als nur einmal gestritten haben,
wenn es um die Aufteilung der Aufgaben ging. Sie machen die Synagoge
sogar für orthodoxe Christen aus der Nachbarstadt attraktiv, indem sie
ihnen Glück im Leben für die Zahlung von Geld versprechen. Geld für
alles. Geld ist alles im Leben für sie.
Die Wut aller ehrbaren Leute kam zum Vorschein durch das Feuilleton
'Jerusalem Totenschädelkappe' in [der Zeitung] Radyanska Bukovyna.
(Endnote 81: Siehe M. Shvartsman: 'Erusalymski yarmulky'; In: Radyanska Bukovyna, 26. August
1960).
Die sowjetische Bevölkerung ist immer glücklich, Gäste zu empfangen.
Eine grosse Anzahl von Touristen von allen Ecken der Welt besucht unser
Land. Wenn sie mit guten Absichten kommen, dann begrüssen wir sie mit
einem wirklichen 'Willkommen!' Aber die Absichten des Vertreters von
der israelischen Botschaft in Moskau, Yaakov Reuveni, waren weit von
Reinheit entfernt, als er nach Tschernowitz kam. Die Synagogenbesucher
wehrten sich. Sie lehnten nicht nur die Geschenke ab, die Reuveni
mitgebracht hatte - Gebetsschals, Gebetsbücher und Postkarten von
Israel - sondern sie warfen ihn aus der Synagoge.
Jeder war wütend über die Aktivitäten von Raish, Zilber und Barenboim,
die dem israelischen Zionismusprediger freundlich empfangen haben.
Viele jüdische Arbeiter, Gläubige und Ungläubige, sandten Briefe an den
Verlag, in denen sie die Schliessung der Synagoge verlangten, diese
Brutstätte des religiösen Finsterlingentums, diese Fluchtburg von
Parasiten.
Wir publizieren mehrere dieser Briefe hier.
Schliessen sie die Brutstätte
der schädlichen Ideologie
Wir, Wissenschaftler des Tschernowitzer Medizinischen Instituts, sind
absolut empört durch die feindlichen Propagandaaktivitäten von Yaakov
Reuveni, dem israelischen Botschaftsvertreter. Reuveni hat die Synagoge
an der Ruskastrasse nicht zufällig ausgewählt. Dieses Gebäude war schon
lange ein Platz für dunkle Geschäfte und für die Verbreitung von
verschiedenen antisowjetischen Gerüchten, Fluchtburg für Verdächtige,
ein Platz, der weniger für die Ausführung religiöser Rituale als für
alles andere gebraucht wurde.
In seinem Feuilleton 'Jerusalem Totenschädelkappen', präsentiert
Kamerad Shvartman die Synagoge in ihrem wahren Licht, als eine Stätte
des Kampfes, der Kolonnen, 'Geschäftstreffen', Spekulationen,
Verbreitung antisowjetischer Propaganda und Preisung des israelischen
Imperialismus.
Wir Leser, als Menschen verantwortlich für die Erziehung der Jugend,
betrachten diese Situation als intolerierbar und erheben unsere Stimmen
gegen die religiöse Heuchelei des Judaismus, gegen die feindliche und
falsche bürgerliche Propaganda, und betrachten es als erforderlich,
die Brutstätte der schädlichen Ideologie zu schliessen. Wir sind durch
das unsaubere Verhalten des Vertreters der israelischen Botschaft
erbost, dessen Aktivitäten nicht mit den Gepflogenheiten der
diplomatischen Funktion übereinstimmen. Professoren:
Ya. D. Kirshenblat
(Endnote 82:
N.B. Shchupak
S.A. Kats
(Endnote 83:
V.I. Triger
V.L. Khenkin
(Endnote 84:
Leser: L.N. Zamansky
Kandidat der medizinischen Wissenschaften: M. I. Kleiman.
... (S.335)
Ich verlasse das 'Komitee der
Zwanzig'
Manchmal ging ich in die Synagoge an der Ruskastrasse, aber ich war
kein aktives Gemeindemitglied. Ich war, nichtsdestotrotz, in das
'Komitee der Zwanzig' gewählt. Ich habe den dunklen Betriebsamkeiten
nie zugestimmt, die in der Synagoge ablaufen. Der letzte Vorfall, als
die Führer einen israelischen Diplomaten freundlich empfingen, der in
Tschernowitz mit feindlichen Absichten ankam, hat mich buchstäblich
wütend gemacht.
Ich wünsche nicht, mich an solchen schmutzigen Geschäften der Synagoge
zu beteiligen und entschied konsequenterweise, aus dem 'Komitee der
Zwanzig' zurückzutreten. Als ein sowjetischer Bürger wünsche ich,
ehrlich zu leben und zu arbeiten.
Menash Elkin
Arbeiter der Industrie Artel 'Nove Zhytya'. (S.336)
|
Document 132: Chernovtsy synagogue charged
with being Zionist
centre (1960)
(p.334-336)
(Source: Get darmoidiv i nosiiv mrakobissya (Down With Parasites and
Carriers of Obscurantism); Radyanska Bukovyna, 9 September 1960).
The Soviet peoples, led by the Communist Party, are engaged in the
successful building of Communism, a society which will meet all the
material and spiritual needs of mankind, while delivering human beings
from the superstitions of the past [with the Gulag system]. The great majority of the workers
have already been liberated from the harmful survivals of the past and
are actively participating in the building of Communism [with the Gulag system]. Everywhere
there are big building projects, state farms on virgin lands, factories
and kolkhozes - the Soviet peoples are working with inspiration in
creative work and are exerting themselves in fulfilment of the great
plans of the 21st Congress of the CPSU, to bring nearer the bright day
of mankind - Communism [with it's Gulag system].
However, we still find, here and there, people who, under the mask of
religious functionaries, for instance, do not participate in the
production of material welfare, live on the account of trustful
believers and are occupied in affairs far from godly.
[The newspaper] Radyanska Bukovina
has, on numerous occasions, published information on the shady affairs
conducted in the synagogue at 53 Ruska Street. In our country nobody
forbids believers to perform religious rituals. But the indignation of
the town's population, its Jewish believers and non-believers, has been
roused by the foul activities of the synagogue leaders. It is
universally (p.334)
known that the leaders of what is known as the 'Committee of Twenty',
Raish, Zilber and Barenboim, have on more than one occasion come to
blows when dividing the takings. They attract to the synagogue even
Orthodox Christian believers from the neighbouring villages, promising
them happiness in life in return for their money. Money for everything.
Money is everything in life for them.
The anger of all honest people has been aroused by the feuilleton 'Jerusalem Skull-Caps'
in [the newspaper] Radyanska Bukovyna.
(End note 81: See M. Shvartsman: 'Erusalymski yarmulky'; In: Radyanska Bukovyna, 26 August
1960).
Soviet people are always happy to welcome guests. A great number of
tourists from all corners of the earth visit our country. When they
come with good intentions we greet them with a sincere 'Welcome!' But
the intentions of the official from the Israeli Embassy in Moscow,
Yaakov Reuveni, were far from genuine when he went to Chernovtsy. The
synagogue-goers sized him up. They not only refused the gifts brought
by Reuveni - prayer shawls, prayer-books and post-cards of Israel - but
even threw him out of the synagogue.
Everybody was infuriated by the activities of Raish, Zilber and
Barenboim, who gave a hospitable welcome to the Israeli preacher of
Zionism. Many Jewish workers, believers and non-believers, sent letters
to the editorial board in which they requested the closure of the
synagogue, this hotbed of religious obscurantism, this refuge of
parasites.
We publish several of these letters below.
Close the hotbed of harmful
ideology
We, scientists of the chernovtsy Medical Institute, were terribly
angered by the hostile propaganda activities of Yaakov Reuveni, the
Israeli Embassy representative. Reuveni did not choose the synagogue in
Ruska Street accidentally. This building has long ago become a place
for shady affairs and the diffusion of various anti-Soviet
rumours, refuge for suspects, a place used less for the
performance of religious rituals than for anything else.
In his feuilleton 'Jerusalem
Skull-Caps', Comrade Shvartsman presents the synagogue in its true
light, as a site of fights, rows, 'business meetings', speculations,
diffusion of anti-Soviet propaganda and praise of imperialist Israel.
We lecturers, as men responsible for the education of youth, regard
this situation as intolerable and raise our voices against the
religious hypocrisy of Judaism, against the hostile and false bourgeois
propaganda, and regard it as imperative to close the hotbed of harmful
ideology. We are infuriated by the improper behaviour of the Israeli
Embassy representative, whose activities do not conform with the
performance of diplomatic functions. Professors:
Ya. D. Kirshenblat
(End note 82:
N.B. Shchupak
S.A. Kats
(End note 83:
V.I. Triger
V.L. Khenkin
(End note 84:
Reader: L.N. Zamansky
Candidate of Medical Sciences: M. I. Kleiman.
... (p.335)
I am leaving the 'Committee
of Twenty'
I sometimes went to the synagogue on Ruska Street, but was not an
active parishioner. I was, nevertheless, elected to its 'Committee of
Twenty'. I have never agreed with the shady affairs conducted in the
synagogue. The last incident, when its leaders hospitably welcomed an
Israeli diplomat who arrived in Chernovtsy with hostile intentions,
literally infuriated me.
I do not wish to participate in such filthy affairs of the synagogue
and have consequently decided to retire from the 'Committee of Twenty'.
As a Soviet citizen, I wish to live and work honestly.
Menash Elkin
Worker of Industrial Artel 'Nove Zhytya'. (p.336)
|
Chronologie von Michael Palomino:
Pogrome,
Verschleppung und Identitätsvernichtung an Juden in der SU (aus
Pinkus)
18. Bunkerbau:
Bau von Tunnelanlagen für die unterirdische NS-Waffenproduktion
--
Film
über den Bunkerbau: "Das
unterirdische
Reich
- die geheimen Welten der Nazis"; In: VOX, 9.1.2004, 22:05-0:00; Bezug
des
Films auf DVD: über
http://www.polarfilm.de
, oder direkt bei
Polarfilm
Deutschland, Tel.
0049-(0)2542-95 13
13;
Bestell-Nr.: 7058;
Textbuch von Michael Palomino:
Das
unterirdische Reich. Textbuch (aus Kloft / Foedrowitz)

Spiegel TV: Film auf DVD: Das unterirdische Reich - die geheimen Welten
der Nazis, Cover
|

Michael Kloft, Portrait
|

Michael Foedrowitz, Portrait
|
Suchworte,
um auf Webseiten
über
Bunkerbau zu gelangen: Bunkerbau Düsenjäger,
Bunkerbau
Atombombe, Bunkerbau Eulengebirge, Bunkerbau Jonastal, Bunkerbau
Thüringen,
Bunkerbau Panzer etc.
Das Thema "Bunkerbau" ist
derart im Fluss, dass die
Recherche-Situation täglich ändern kann. Die internationalen
Medien
wären
gebeten, im internationalen Umfang darüber zu berichten, weil sich
damit die
Holocaust-Geschichtsschreibung und die Orte des Holocaust und der
Judenvernichtung grundlegend ändern.
-- über den Beschluss Hitlers
zum Bunkerbau und Luftschutzbau am
10.10.1940 und
Bunkeranlagen in Norddeutschland:
Michael
Foedrowitz: "Bunkerwelten.
Luftschutzanlagen in
Norddeutschland",
auf
http://www.bunkernetzwerk.de
, auch mit einem Link zur "Bunkerliteratur"
-- eine Übersicht über
die
Bunkerbauten zum Zweck der Rüstung in
Deutschland
(auch unterirdische Panzerwerke) und Polen liefert
http://www.team-delta.de
von
Wolf-Dieter Holz, Peter
Müller,
Annett Jantzen und Jörg Waga,
zentrale Rufnummer:
0049-(0)721-151504289 (darüber hinaus sind auch militärische
Bunker in
Tschechien und der Schweiz beschrieben)
-- eine Übersicht über
die
Bunkerbauten im 2.Weltkrieg auf dem Gebiet
der
ehemaligen DDR gibt Patrick Wagner,
Chemnitz, auf
http://www.bunkernetzwerk.de/nuke/index.php
mit einer Buchempfehlung "Geheime Bunkeranlagen der DDR" von
Stefan Best
-- z.B. sind
Ex-Auschwitz-Häftlinge im Bunkerbau im Eulengebirge
eingesetzt, die z.B.
bis zu 8
m hohe Hallen aus den Bergen sprengen mussten, im Eulengebirge z.B. mit
50 %
Todesrate, z.T. in Holz ausgekleidete Hallen: aus: Spiegel TV
http://www.spiegel.de: Film der
Historiker
Michael Kloft mit
Assistent Herr
Genztaler
(SpiegelTV
in Hamburg,
Tel. 0049-40-301 08 663) und
Michael
Foedrowitz, Berlin (Tel. 0049-30-36 40 98 34): "Das
unterirdische
Reich
- die geheimen Welten der Nazis"; In: VOX, 9.1.2004, 22:05-0:00; Bezug
des
Films auf DVD: über
http://www.polarfilm.de
, oder direkt bei Polarfilm Deutschland, Tel. 0049-(0)2542-95 13 13;
Bestell-Nr.: 7058; das Textbuch ist auf dieser Website auf dem
Holocaust-Index
-- Auskünfte über
Raketenstollenbauten in
Frankreich und Österreich und über die Bunkerbauten in
Schlesien und
Österreich
etc.: "Verein der Berliner Unterwelten", Brunnenstr. 180a, D-13355
Berlin, Tel. 0049-(0)30-49 91 05 17;
http://www.berliner-unterwelten.de
;
Historiker:
Jürgen Müller.
-- Auskünfte über die
Gesamtheit
der
Bunker- und Stollenbauten im gesamten NS-Bereich (1000 Anlagen im
deutschen
und
im besetzten Bereich): Historiker
Michael
Foedrowitz (s.o.); Herr Foedrowitz gab im Jahr 2004 an, dass
viele
Überlebende
vor dem
Abzug in die Stollen eingesprengt worden sind und so massenweise
lebendig
begraben worden sind. Eine fieberhafte Suche z.B. im Eulengebirge nach
zugewachsenen Eingänge zu Stollensystemen ist im Gang, ebenso in
Sachsen.
-- Übersicht über die
Bunkerbauten im
deutschen NS-Bereich und Links zu Besichtigungen:
Harald Faeth (?),
Frankfurt:
http://www.geocities.com/CapeCanaveral/1325/
(Website
vom 23.5.1997; E-Mail:
Harald-Faeth@frankfurt.netsurf.de
-- auf
http://www.turbo.at/geheimprojekte/b_kammler
findet
man Links mit Plänen und Fotos von Bunker- und Stollenbauten:
"B1":
"Zement"; "B8": Bergkristall; "B9": Quarz (mit
Buchvorstellung von Markus Schmilzberger:
"Was die US Army in der Alpenfestung wirklich suchte. Eine Theorie zum
Decknamen der Anlage "Quarz" in Roggendorf bei Melk", ISBN
3-930219-79-4); "B10": "Quarz II":
-- Buchauszug aus "
Rätsel
Jonastal" über Bunker- und Stollenbauten "S111" und "Olga"
mit
kilometerlangen Tunnelsystemen:
http://www.geocities.com/CapeCanaveral/1325/raetsel.txt
-- die Website
http://www.amberroom.org
von 2003 meint, das
Bernsteinzimmer sei noch in Tunnelsystemen im Jonastal in
Thüringen
versteckt;
Organisation von Führungen in den Tunnelanlagen
-- unter dem Suchwort
"
Jonastal" findet man eine
Übersicht über den Bunkerbau in Thüringen,
z.B.
http://www.jonastal.de;
über die Autoren Harald Fäth und Ulrich
Brunzel mit
"Amerika-Rakete" und Atombomben in einem Artikel des
Ostpreussenblattes vom 20.5.2000:
http://www.webarchiv-server.de/pin/archiv/00/2000ob34/htm
(Juli 2005 nicht mehr gültig); das Buch von
Harald Fäth
"Hitlers Atomwaffen" ist unter
http://www.jonastal.biz
bestellbar
beim
Explorate-Verlag, Königsfeld, Tel. 07725-91648-12; Autor
Andreas
Vogt über Atombomben, die von den "US"-Truppen
abtransportiert wurden bei verbarrikadierten Fenstern der
Bevölkerung:
http://www.reformnetz.de/Vortrag/jonastal.htm
;
Joachim Hess und
Regine Liebich
geben 1000e tote
Häftlinge beim Bunkerbau im Jonastal an:
http://www.mdr.de/doku/421998.html
-- ein weiteres Buch über
Hitlers Atombombe bietet
Rainer
Karlsch auf
http://www.factorfake.de/article97.html
an
--
Bunker- und
Stollenbau im Eulengebirge:
Joachim
Köhler: http://www.akademie-rs.de/publikationen/hp56_koehler.htm
(im Juli 2006 nicht mehr gültig)
19a
Schlepper erschiessen Juden auf der Flucht und rauben sie aus

Ludger Tewes: Buch:
Frankreich in der Besatzungszeit 1940-1943. Die Sicht deutscher
Augenzeugen, Buchdeckel
|

Ludger Tewes: Buch:
Frankreich in der
Besatzungszeit 1940-1943. Die Sicht deutscher Augenzeugen,
S.179
|
Da ist z.B.
die Flucht von Juden über
die
Pyrenäen. In der späteren Kriegszeit werden Juden vor der
Pyrenäenüberquerung
von hochbezahlten Schleppern verraten und so "Opfer" des NS-Regimes; In: Ludger
Tewes:
Frankreich in der
Besetzungszeit 1940-1943. Die Sicht deutscher Augenzeugen.
Bouvier-Verlag,
Bonn, 1998, S. 179.
Text:
<Ich bin damals mit einem
zweiten Soldaten für 14 Tage in das
Bahnhofshotel als Quartiermacher abkommandiert worden. Wir hatten die
Stadt in zwei Reviere geteilt und trafen uns nur abends. Ich sah
täglich Mitglieder der uniformierten 'Jeunesse de Montagne' und erfuhr
dann einige Wochen später von unserer Zollstelle in Gavarnie über die
Methoden der Jeunesse, Flüchtlinge nach Spanien zu bringen. Eine Gruppe
uniformierter Jeunesse-Leute stieg in den Kessel von Gavarnie bis zum
Grat auf, wo die spanische Grenze verlief. Sie kamen später auf
getrennten Wegen zurück, natürlich immer einer oder zwei weniger. Unser
Zoll betrachtete diese Vorgänge zwar hilflos, aber schmunzelnd. Bei
freundlichem Zusehen der Deutschen blieb es hier allerdings nicht
lange. Bald gab es zahlreiche Opfer in den Reihen der Flüchtlinge,
von denen einige auf hochbezahlte Führer setzten, die sie verrieten.>
Chronologie von Michael Palomino:
Chronologie:
"Deutsche Besetzung Frankreichs 1940 -
Deutsche Besatzungsmacht in Frankreich 1940-1944" (aus Tewes) |
oder:
Auch am Genfersee
werden
Juden vor
dem Grenzübertritt in die Schweiz von Schleppern ermordet und
ausgeraubt;
Zeugenaussage; In: Film "Nazigold und Judengold"; Schweizer Fernsehen
SF DRS, 3. Juli 1997
19b Juden
bezahlen für die Flucht, die Schlepper übergeben die Juden der Polizei
und kassieren doppelt
z.B.: Französische
Schlepper am Genfersee
geben
Juden vor dem
Grenzübertritt in die Schweiz Unterkunft und verraten sie dann an
die
Polizei;
Zeugenaussage; In: Film "Nazigold und Judengold"; Schweizer Fernsehen
SF DRS, 3. Juli 1997
20.
"Staatenlose" Juden

Ludger Tewes: Buch:
Frankreich in der Besatzungszeit 1940-1943. Die Sicht deutscher
Augenzeugen, Buchdeckel
Ludger Tewes: "Frankreich in
der Besetzungszeit 1940-1943. Die Sicht
deutscher
Augenzeugen". Bouvier-Verlag, Bonn, 1998
Beispiel:
Ab Mitte 1942
sucht die
deutsche Besatzungsmacht in Frankreich "staatenlose" Juden,
unterstützt durch die französischen Behörden und die
französische
Polizei, S.89
Text:
<Im Juli 1942 fand die erste grosse Razzia in Paris statt, wo die
Deutschen nach staatenlosen Juden suchten. Die französischen Behörden
und die Polizei halfen dabei. Regelmässig gingen daraufhin Transporte
mit französischen Juden in die Vernichtungslager im Osten.>
Chronologie von Michael Palomino:
"Deutsche Besetzung
Frankreichs 1940
-
Deutsche Besatzungsmacht in Frankreich 1940-1944" (aus Tewes)
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
|
Ludger Tewes: Buch: Frankreich in der Besatzungszeit 1940-1943. Die
Sicht deutscher Augenzeugen, S.89 |
21. Flucht 1940-1942
aus der Schweiz über
Frankreich, Spanien / Portugal bis in die "USA"
Ziegler:

Jean Ziegler: Die Schweiz, das Gold und die Toten, Buchdeckel |
Jean Ziegler: Buch: Die
Schweiz, das Gold und die Toten, Seite 69
|
Beispiel:
Die freie
Eisenbahnlinie
von Genf nach Port Bou erlaubt es der schweizerischen Fremdenpolizei
zwischen
Mitte 1940 und Ende 1942, pro Woche einen plombierten Güterwaggon
mit
jüdischen
Emigranten aus der Schweiz nach Lissabon zu schicken und diesen Juden
so die
Flucht zu ermöglichen; In: Jean Ziegler: "Die Schweiz, das Gold
und die
Toten", Bertelsmann 1997, S.69.
Text:
<Der Personen- und Warenverkehr funktionierte zwischen Genf und
Port-Bou an der spanischen Grenze. Die Waggons fuhren weiter nach
Barcelona und Lissabon. Selbst die Fremdenpolizei profitierte von der
Freistrasse: Jede Woche einmal schickte sie einen plombierten Wagen mit
deutschen oder österreichischen jüdischen Emigranten Richtung Lissabon.
Kurz: keine Abriegelung der Schweiz.>
Diese Emigration liessen sich die schweizer Behörden und Visabeschaffer
von den jüdischen Flüchtlingen z.T. fürstlich bezahlen. Ab Ende 1942
bis Ende 1943 ist die Eisenbahnlinie dann durch die komplette
NS-Besetzung Frankreichs unterbrochen.
Chronologie: "Die
Bankgeheimnis-Schweiz für das 1000-jährige Reich" (aus Ziegler u.a.)
|
Man
muss unterscheiden zwischen der organisierten Flucht (mit geschätzten
ca. 1 Mio.
Juden) und der eigenmächtigen, spontanen Flucht, die für die Juden
spätestens an der russischen Grenze endete.
Martin
Gilbert gibt in seinem Buch "Die Endlösung" auf S. 242 betreffend der
Grossen Flucht vor Barbarossa an:
Unter
der geschätzten 1 Mio. Juden bei der organisierten "Grossen Flucht"
waren v.a.
"kriegswichtige" Facharbeiter dabei, die dann 1942-1944 nicht in die
Rote Armee eingezogen wurden, sowie Juden, die sich die Flucht mit dem
Rückzug der Roten Armee organisieren konnten. Es wären noch viel
mehr Juden gerne geflüchtet, aber Familienangehörige haben sie
zurückgehalten, oder der katastrophale Strassenzustand nach den
Bombardierungen liess keine Flucht mehr zu, oder die Sowjetunion hat
die eigenmächtig flüchtenden Juden an der Grenze nicht eingelassen und
an der Grenze abgewiesen. Damit ist
jeglicher Widerspruch über die "Grosse Flucht" aufgeklärt. Man muss
also eine organisierte und eine eigenmächtige "Grosse Flucht"
unterscheiden.
Weitere Literatur zur Grossen Flucht
vor Barbarossa (Angaben von Hans Gerlach)
-- Mordechai Altshuler: Escape and Evacuation of Soviet Jews at the
Time of the Nazi Invasion: Policies and Realities; In: Lucjan
Dobroszycki / Jeffrey S. Gurock (Hrsg.): The Holocaust in the Soviet
Union; Armonk and London 1993, S.77-104
[Mordechai Altshuler: Flucht und Evakuierung der sowjetischen Juden zur
Zeit der Nazi-Invasion: Politik und Realität; In: Lucjan Dobroszycki /
Jeffrey S. Gurock (Hrsg.): Der Holocaust in der Sowjetunion; Armonk und
London 1993, S.77-104]
-- Dov Levin: The Fateful Decision: The Flight of the Jews into the
Soviet Interior in the Summer of 1941; Yad Vashem Studies 20, 1990,
S.115-142
[Dov Levin: Die schicksalshafte Entscheidung: Die Flucht der Juden ins
Innere der Sowjetunion im Sommer 1941; Studien Yad Vashem 20, 1990,
S.115-142]
In
den ab 1941 NS-besetzten Ländern wie Weissrussland und Ukraine hat
keine Verfolgung von Halbjuden, Vierteljuden und 3/4-Juden stattfinden
können, weil die Kirchen seit 1921 vernichtet wurden, und weil die Rote
Armee während der "Grossen Flucht vor Barbarossa" alle Akten ins Innere
Russlands mitgenommen hat. In den Baltenstaaten könnten die
Kirchenbücher noch vorhanden gewesen sein, weil nur eine kurze
kommunistische Besetzung erfolgte (telefonische Auskunft von Bernhard
Chiari am 26.9.2007).
Die
Unterernährung der polnischen Juden bereits vor September 1939 war mit
eine der Hauptursachen, dass dann 1939-1941 die polnischen Juden in den
Ghettos unter dem NS-Regime gleich massenweise für ansteckende
Krankheiten anfällig waren, keine Reserven und Abwehrkräfte hatten und
dann massenweise starben. Komischerweise
ist der polnische Antisemitismus und seine Auswirkungen bis heute in
den Medien quasi tabu.