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Yehuda Bauer: Der Hüter meines Bruders

Eine Geschichte des Amerikanischen Jüdischen Vereinigten Verteilungskomitees 1929-1939


[Holocaust-Vorbereitungen in Europa und Widerstand ohne Lösung der Situation]

aus: My Brother's Keeper. A History of the American Jewish Joint Distribution Committee 1929-1939; The Jewish Publication Society of America, Philadelphia 1974

Übersetzung mit Untertiteln von Michael Palomino (2007)

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Kapitel 4. Flüchtlinge: 1933-1938
[4.18. Andere Länder für deutsch-jüdische Flüchtlinge und die Auswanderung nach Übersee 1933-1938]

[Andere Länder]

Jüdische Flüchtlinge gingen auch nach andere europäische Länder. In Italien waren im Jahr 1935 1000 Flüchtlinge, und weitere kleinere Gruppen waren vorübergehend in anderen Gemeinden gestrandet. Aber die meisten dieser kleinen jüdischen Gruppen fanden früher oder später ihren Weg in Überseeländer, wo sie hoffen konnten, ein neues Leben aufzubauen. Während der ersten beiden Jahre der Nazi-Herrschaft fanden einige keinen Weg für eine Auswanderung nach Übersee und mussten nach Deutschland zurückkehren.

[1000e müssen ins Reich zurückkehren - 1000e polnische Juden kommen ins Reich]
Tausende kehrten nicht nur aus Westeuropa zurück, sondern auch aus Polen, denn sie "bevorzugten die Bitterkeit in Deutschland dem Elend in Polen."

(Endnote 94: R16, Monatsbulletin, März-April 1935)

[6000 deutsche Juden gehen nach Polen - und kehren zurück oder ziehen weiter]
Abgesehen von den Repatriierten aus Deutschland gibt es einen Bericht, der die Anzahl deutsch-jüdischer Flüchtlinge in Polen zwischen 1933 und 1938 auf 6000 festsetzt. Dies waren entweder deutsche Bürger, einige mit polnischem Ursprung, die jeden Kontakt mit Polen verloren hatten, die Sprache nicht sprachen, und auch keinen Kontakt zur jüdischen Bevölkerung hatten, oder dann waren es reine deutsche Juden. Die meisten von ihnen kehrten dann entweder nach Deutschland zurück oder verliessen Polen in andere Häfen.

Die Gesamtzahl, die 1934 nach Deutschland zurückkehrten, wurde auf 11.000 festgesetzt.

(Endnote 95: Executive Committee, 3/26/35 [26. März 1935])

[Zürickkehrende Juden werden in Konzentrationslager geschickt - Juden werden der Polizei übergeben]
Schon vor dem Frühjahr 1935 begannen die Nazis, die zurückkehrenden Juden in Konzentrationslager zu stecken, so dass der Strom der Rückkehrer fast ganz zum Erliegen kam; die meisten von ihnen waren in ihren Fluchtländer von der Polizei dieser Länder an die Grenze deportiert worden. (S.177)

[Tschechoslowakei als ein vorübergehender Aufenthalt für deutsch-jüdische Flüchtlinge - Frau Marie Schmolka]

Ein Land, das für 1000e Juden in den 1930er Jahren als Transitland diente, war die Tschechoslowakei. Im Jahr 1933, mit der ersten Flüchtlingswelle, kamen ungefähr 4000 Juden an. Zuerst waren da 2500 von den anderen getrennte Flüchtlinge in Prag. Im Jahr 1933 wurde ein Nationales Tschechisches Komitee für die Flüchtlinge aus Deutschland gegründet ("Comité National Tchécoslovaque pour les Réfugiés Provenant d'Allemagne"), um über eine Vertretung für die jüdischen und nichtjüdischen politischen Flüchtlinge vor der Regierung zu verfügen. Die Vorsitzende des Komitees war Frau Marie Schmolka, Führer des HICEM-Büros in Prag. Bis 1936 passierten ungefähr 6500 Flüchtlinge die Tschechoslowakei. Die meisten verliessen das Land wieder.

Im Jahr 1935, als nur noch 800 jüdische Flüchtlinge übrigblieben, wurde Frau Schmolka die Führerin eines zentralen jüdischen Flüchtlingskomitees, das Jüdisch-Soziale Institut (Sociální Ústav), das de facto dieselbe Organisation war, wie sie der holländische und schweizerische Typ der zentralisierten Bemühungen der dortigen Gemeinden war.

(Endnote 96: JDC-Bibliothek 13, 1933/4 Bericht. Siehe auch: Kurt R. Grossmann: Emigration; Frankfurt 1969, S. 41 ff.; Auch: R14, Kahn Bericht für das Jahr 1935)

In der Tat war zwischen den aktiven und erfinderischen Personen in der Führung dieser Komitees einiges gemeinsam: Gertrude van Tijn, Saly Mayer, Marie Schmolka; und das Verteilungskomitee vertraute ihnen total. In der Tschechoslowakei waren die Beiträge des JDC sehr klein, und bis 1938 bezahlte das Tschechische Jüdische Komitee selbst die Hilfe an die deutschen Juden, die unter dem ordentlichen, gutwilligen Schutz der Regierung standen. Die Antipathie der Regierung gegenüber dem Deutschen war ein Beitrag an die humanitäre Geste und an das Flüchtlingsproblem.








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