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Yehuda Bauer: Der Hüter meines Bruders

Eine Geschichte des Amerikanischen Jüdischen Vereinigten Verteilungskomitees 1929-1939


[Holocaust-Vorbereitungen in Europa und Widerstand ohne Lösung der Situation]

aus: My Brother's Keeper. A History of the American Jewish Joint Distribution Committee 1929-1939; The Jewish Publication Society of America, Philadelphia 1974

Übersetzung mit Untertiteln von Michael Palomino (2007)

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Kapitel 5. Der Vorlauf zum Holocaust
[A. Die Zerstörung der jüdischen Existenz in Polen 1929-1939]

[5.9. Die JDC-Arbeit im antisemitischen Polen: Kassen - jüdische Hungersnot]

[1930er Jahre: Antisemitisches Polen: Das JDC gibt den polnischen Juden keine Hilfe - Hilfe kommt nur in speziellen Fällen bei Flut oder bei Pogromen]

Angesicht dieser Hindernisse und Schwierigkeiten war die Politik des Verteilungskomitees JDC hartnäckig und erbarmungswürdig. In den 1930er Jahren setzte das JDC seine Haltung (S.195)

fort, Ausgaben für Fürsorgegelder zu verweigern.

[Es ergibt sich der Verdacht, dass auch das JDC auf der zionistischen Linie stand, die jiddisch-sprechenden Juden auszurotten].

Aber diese Politik konnte nicht immer beibehalten werden. Es gab Naturkatastrophen wie im Sommer 1934 das Hochwasser in Galizien, das schätzungsweise einen Schaden von 1 Million Zloty anrichtete (200.000 $). Die polnische Regierung richtete ein "nichtreligiöses" Hilfskomitee ein (mit einem jüdischen Vertreter) und das JDC steuerte 10.000 $ oder 5 % der benötigten Summe bei.

Dann waren selbstverschuldete Katastrophen. Nach jedem Pogrom kam das JDC und rettete, was es noch zu retten gab. Seine freien Lohnkassen wurden in Örtlichkeiten, die von den Ausschreitungen betroffen waren, gestärkt, und die Kinderhilfe, Gesundheit und Erziehungsinstitutionen, die vom JDC unterstützt wurden, erhöhten ihre Kontingente, um so gut wie möglich zu helfen.

Einige der Punkte, die im JDC-Budget als konstruktive Hilfe auftauchten, um Organisationen zu unterstützen, waren in Tat und Wahrheit nicht mehr als intelligent beantragte Hilfsgelder für betroffene Gemeinden. Das war in der Tat konstruktiv.

[Industrialisierungspläne des JDC für Polen]

Aber generell gesagt bewegte sich das JDC in seiner Annäherung an das polnisch-jüdische Problem mehr und mehr in Richtung des Industrialisierungsplans, der von Kahn vertreten wurde. Die Summen, die Polen gewidmet waren, stiegen, und es schien eine Gelegenheit da zu sein, um Kahns Plan zu testen.

[Die Industrialisierung, die Stalin in der Sowjetunion in den 1930er Jahren durchführt, wird in Polen erst ab 1950 durchgeführt].

[Die JDC-Kassen sind zum Teil nicht in Betrieb!]

Das Problem der Industrialisierungspläne war eng verbunden mit der Zukunft der freien Kreditkassen der Aufbaustiftung. Die älteren, eher konservativen Kreditkassen konnten jenen Hilfe geben, die durch niedrig verzinste Kredite in einer stärkeren ökonimischen Position waren. Wir haben auch gesehen, dass die Position dieser Kassen wegen der Wirtschaftskrise von 1929 schwächer wurde.

Auf dem Papier gab es im Jahr 1933 in Polen immer noch 680 solche Institutionen, aber eine unbestimmte Anzahl davon war in Tat und Wahrheit inaktiv. Im Jahr 1934 wurde geschätzt, dass nur 340 von 601 noch als in Betrieb registriert waren. Die Zahlen, die in verschiedenen JDC-Quellen stehen, waren widersprüchlich; aber bis 1935 sollen nur noch 223 Kassen in Betrieb gewesen sein, und 221 weitere waren inaktiv.

[1935-1937: Polen im Antisemitismus: Aufbaufond zur Reorganisierung der JDC-Kassen]

Der Aufbaufond kam, und während der Jahre 1935-1937 wurde wirklich versucht, die Kassen zu reorganisieren. Ihre Wichtigkeit lag alles in allem in der Tatsache, dass eine hohe Anzahl Kleinhändler, Bauern, (S.196)

und Kleinhandwerker, wie auch Mitglieder der Intelligenz, sie in Anspruch nahmen. Sogar im Frühjahr 1936 wurde die Anzahl aktiver Mitglieder auf über 47.000 geschätzt. Es gab eine Dachorganisation dieser Kassen, die stark von zionistischen Elementen beeinflusst war. Diese Gruppe, der Verband, hatte keine finanziellen Verantwortlichkeiten, sondern sollte die Kassen überwachen und darauf schauen, dass die Regeln und Gesetze beachtet wurden. Effizient war das überhaupt nicht.

Im Herbst 1936 intervenierten Kahn und die ICA [Jewish Colonization Association] entschieden und erklärten, dass sie den direkten Kontakt zu den Kassen aufrechterhalten würden und nicht länger über den Verband arbeiten würden.

[Mai 1937: Polen im Antisemitismus: Die Aufbaustiftung richtet eine Zentrale Finanzinstitution ein unter Karol Sachs]

Trotz der negativen Erfahrung mit der Zentralbank in den frühen 1930er Jahren setzte die Aufbaustiftung eine neue Zentrale Finanzinstitution ein ("Central Financial Institution"), unter Leitung des Industriellen Karol Sachs und dessen konservativem und in breiten Teilen assimilierten Gefolge. Sachs empfing die höchste Auszeichnung, die das JDC einem polnischen Juden verleihen konnte: Er wurde "in die Klasse unserer eigenen Führer in Amerika" aufgenommen.

(Endnote 52: r10, Troper Bericht, 2/17/39 [17. Februar 1939])

Die Institution wurde im Mai 1937 ins Leben gerufen, und von da an gab die Aufbaustiftung den Kassen ihre Kredite über die Zentrale Finanzinstitution, ohne den Verband mit seinen organisatorischen Fragen und Regeln. Im Jahr 1937 stellte die Stiftung 1 Million Zloty bereit (200.000 $), um die Kassen zu reorganisieren und zu reaktivieren, und der sehr effektive Vizedirektor, Noel Aronovici, trieb immer dazu an.

[1932-1937: Kassenarbeit ohne Industrialisierung]

Zur gleichen Zeit verfolgte die Stiftung [Reconstruction Foundation] eine sehr konservative Politik. Zwischen 1932 und 1935, während und nach der Auflösung der Zentralbank, zog die Stiftung eigentlich mehr Gelder aus den Kassen ab, als sie ihnen Kredite gab.

(Endnote 53: Zwischen 1932 und 1934 wurden 745.000 Zlotys in Krediten gewährt und 2.394.000 Zlotys durch Rückzahlungen empfangen (46-Bericht 36/7, Memorandum of 9/30/37 [30. September 1937])

Dieses Geld wurde nicht der Stiftung zurückgegeben, sondern blieb in Polen. Es wurde aber auch nicht reinvestiert, bis die neue Zentrale Finanzinstitution 1937/1938 eingerichtet war. Im Jahr 1937 - so zeigen die Bücher der Stiftung - lag eine Cash-Reserve von 494.000 $ vor, und die Gesamtausgaben in gewährten Krediten dieses Jahres waren beträchtlich weniger als das. Die ICA hatte keinen wirklichen Wunsch, die Gelder in die zweifelhaften Industrialisierungspläne in Polen zu investieren, und somit verfolgten die Kassen weiter ihre Arbeit, denjenigen zu helfen, deren wirtschaftliche Situation gesund war. Am Ende des Jahres 1937 funktionierten 241 (S.197)

Kassen und 161 weitere warteten auf ihre Reorganisation; 205 andere arbeiteten nicht und mussten liquidiert werden.

[Ergänzung: Es kommt ein schwerer und logischer Verdacht auf: Die Industrialisierung in Polen sollte nur ohne die jiddischen Juden realisiert werden. Die antisemitische polnische Regierung wollte nicht, dass sich die Juden durch die Industrialisierung integrieren würden, wie sie in der Sowjetunion integriert waren. Somit sollten die jiddischen Juden zuerst ausgerottet werden, und erst dann sollte die Industrialisierung ab den 1950er Jahre kommen].

Gleichzeitig umfasste die Aufbaustiftung in ihrem Arbeitsprogramm Kreditkassen von Kaufleuten eher auf einer beschäftigungsmässigen als auf einer generellen Basis. Die funktionierenden Kassen umfassten 37 solche Kaufleute-Institutionen, die sehr kleine Banken waren; diese waren ziemlich erfolgreich. Ende 1937 zählte man in Polen 68.000 Kassenmitgliedschaften.

[Kreditkassen der Aufbaustiftung helfen, jüdische Geschäfte der innerpolnischen jüdischen Flüchtlinge in den Städten wiederaufzubauen]

Wie wir schon gesehen haben begann die Situation des polnischen Judentums sich Anfang 1939 leicht zu erholen. Nichtsdestotrotz verschlimmerte sich die ökonomische Situation, und die Kreditkassen mussten intervenieren, so dass die Arbeit eher eine Prävention gegen die Katastrophe als eine Aufbauarbeit war. Während die meiste diesbezügliche Arbeit durch die Freien Kreditkassen getätigt wurde, spielten auch die Kreditkassen der Aufbaustiftung ihren Rolle. Ein Bericht im Jahre 1939 behauptete, dass an vielen Orten die Kassen die Vernichtung von jüdischen Marktständen und Bäckereien verhindert hätten; Juden, die bei Pogromen 1937/1938 zum Verlassen ihrer Dörfer gezwungen worden waren, bekamen nun Hilfe, ihre Betriebe in Städten aufzubauen. Gewisse Projekte, die die erfolgreicheren Handwerker und Händler betrafen, solche wie z.B. Geflügelzüchter, Getreidemühlen und Sodaproduktion, empfingen ebenso Hilfe der Kassen.

(Endnote 54: R60, Bericht von 4/18/39 [18. April 1939])

[Die Aufbaustiftung ist zu strikt - viele Kassen sind durch die Stiftung selbst ruiniert]

Die Verhältnisse zwischen den Kassen und der Aufbaustiftung waren nicht immer glücklich. Die Stiftung sorgte für Kredite, aber nur unter strikten Bedingungen. Bei den schlimmen Bedingungen der Wirtschaftskrise in Polen aber kam es zu bitteren Schuldzuweisungen  gegen die rigide Haltung, wie die Vereinbarungen interpretiert wurden. Es konnte sogar die Klage gehört werden, dass die Stiftung "barsch und unbarmherzig Kredite eingesammelt habe, und viele Kassen wurden dadurch ruiniert", durch die Stiftung selbst.

(Endnote 55: Raphael Szereszewsky, zitiert in einem Bericht der Aufbaustiftung ("Reconstruction Foundation"), 5/22/36 [22. Mai 1936], WAC, Schachtel 347 (d)

[Ergänzung: Dies ist der Sinn: Den jiddischen Juden sollte nicht geholfen werden...]

Dagegen stand die Stiftungspolitik, die ganz klar "nicht den schwachen und ungesunden helfen sollte, sondern die gesunden und sicheren Positionen stärken sollte."

(Endnote 56: 44-21, Alexander Kahn Bericht, 12/9/37 [9. Dezember 1937])

[Populäre Freie Kreditkassen]

Das Hauptinstrument der Aufbauarbeit in Polen war aber nicht die Kreditkasse sondern die Freie Kreditkasse. Diese Institutionen, wie man sich erinnert, waren die Gründung des JDC und hatten keinen (S.198)

Kontakt mit den Unternehmungen, die von der Aufbaustiftung betrieben wurden. Sie wurden unglaublich populär, als die Wirtschaftskrise sich verschärfte, weil sie für die Kredite fast keine Zinsen verlangten. 1933 gab es in Polen 676 solche Kassen, bis 1939 waren es 841. Dies hiess, dass in praktisch jedem jüdischen Dorf eine Kasse existierte, wo verarmte Handwerker, Händler, Intellektuelle, und zu einem gewissen Grad auch Arbeiter, Kredite aufnehmen konnten, um sie über die Welle der schwierigen Zeiten zu helfen. Diese Kredite waren sehr klein, durchschnittlich 16 $. Aber sie sorgten oft dafür, dass ein Juden von öffentlicher Verfolgung verschont blieb.

[CEKABE gibt den Kassen Kredite]

Die zentrale Institution der Kassen war der CEKABE

(Endnote 57: Dies sind die polnischen Anfangsbuchstaben für Zentrale Gesellschaft für Freie Kredite und produktiven Arbeitsförderung ("Central Society for Free Credit and Furthering of Productive Work") under der jüdisch-polnischen Bevölkerung).

durch die die Kredite an die Kassen kanalisiert wurden; sie erfüllte auch die Funktionen, die der Verband hinsichtlich der Gründung der Kreditkassen ausgeübt worden waren.

[Kassenzahlen]

Die gesamten Beträge, die von den Freien Kreditkassen ausgeliehen wurden, waren anfänglich beträchtlich unter den Krediten der Gründungskassen - im Jahr 1934 liehen letztere 38,8 Millionen $ aus, während bei den Freien Kreditkassen nur 2,2 Millionen $ ausgeliehen wurden - aber die Anzahl der freien Kredite stieg in den 1930er Jahren stetig an. Die durchschnittlich beliehenen Summen waren klein, was ein Indikator für den Niedergang der jüdischen Positionen war.

Während die Anzahl der freien Kredite und ihre totale Summe anstiegen, war die Arbeit der Aufbaukreditkassen am Sinken: Im Jahr 1936 liehen die Aufbaukreditkassen 15,8 Millionen $, oder 40 % der Summe von 1934.

Tabelle 13: Freie Kreditkassen in Polen
Jahr
Anzahl Kredite
Totaler Betrag (in Millionen Zloty)
durchschnittliche Kreditsumme
(in Zloty)
[Umrechnung in $]
1933
135.600
10,7
79
($16)  
1934
125.000
11,0
88
($ 17,60)  
1935
149.214
14,5
97
($ 19,40)  
1936
163.670
15,0
92
($ 18,40)  
1937
191.294
18,0
94
($ 18,80)  
1938
221.226
20,0
90
($ 18)  
(Endnote 58: Die Zahlen sind ziemlich problematisch. Zwischen den einzelnen Berichten gibt es Abweichungen. Es muss daran erinnert werden, dass es in fast jeder Ortschaft Selbsthilfe-Institutionen gab, die sich den JDC-unterstützten Kassen annäherten, und viele von diesen waren von der CEKABE nicht anerkannt. Die Berichte der Ortschaften waren nicht immer genau.

(S.199)

Mit dem relativen Anstieg der verfügbaren Gelder in Polen kehrte Kahn zu der Idee der industriellen Investitionen und anderer konstruktiver Investitionen an strategischen Orten zurück. Im Mai 1935 beantragte er für diesen Zweck eine spezielle jährliche Ausschüttung von 100.000 $. Die Idee wurde von Baerwald befürwortet, der in einem Memorandum im September dieses Jahres das Projekt voranbrachte.

(Endnote 59:
-- Kahn an Warburg, 5/11/35 [11. May 1935], 15-33;
-- and 44-5, Baerwald Memo, 9/18/35 [18. September 1935])

Es wurde um britische Hilfe gebeten, und das Abgeordnetengremium stimmte der Beteiligung an dieser Leistung zu.

Bis in die ersten Tage des Aprils 1934 gründete die CEKABE einen Jüdischen Wirtschaftsrat ("Jewish Economic Council") unter Leitung von Isaac Giterman. Der begann nun seine Arbeit und startete im Jahr 1936 eine vorsichtige Hilfe beim Aufbau kleiner und lokaler Handwerksbetriebe und Industrien. Dazu kam die Überwachung, die Qualitätsprüfung der Produkte und wenn nötig die Hilfe, entsprechende Märkte zu finden. Diese langsame, aber sehr effektive Art der Kleinarbeit setzte sich in den Jahren 1937 und 1938 fort.

[1938: Unterkomitee TER für die Suche von Exportmärkten - Finanzierung durch das JDC und anderen]

Ein spezielles Unterkomitee mit dem Namen TER wurde im Januar vom Wirtschaftsrat etabliert. Es übernahm die Aufgabe, Exportmärkte zu finden für diejenigen Geschäfte, die dies brauchten. Dadurch wurde erhofft, auch ein gewisses Mass an Regierungshilfe zu erhalten. Das JDC investierte in dieses Unterkomitee insgesamt 410.000 $; weitere 30-40 % wurden auf lokaler Ebene gegeben.

[JDC organisiert Hilfe für Familien und Handwerker durch Spendensammeln bei den Landsmannschaften in "Amerika"]

Zusätzlich erging der Ruf an gewisse Auswandererorganisationen in Amerika, die von gewissen Orten ausgewandert waren (Landsmannschaften). Diese wurden gebeten, dem JDC ein Minimum von 2000 $ zu spenden. Bis 1938 hatten 250 Landsmannschaften geantwortet, und das JDC wendete für diese kleinen Spenden eher grosse Summen auf.

Die Ausgaben wurden unter der Überwachung der CEKABE geführt.

Im Jahr 1937 wurde durch diese kleinen Vorgänge ungefähr 5000 Familien geholfen, darunter Kleinbetriebe wie mechanische Weberei (in Choroszcz), Schreinerkooperativen (Tarnopol), Sattlerkooperativen (Chelm), und halblandwirtschaftiche Arbeiten wie Gemüseanbau, Anbau medizinischer Pflanzen und ähnliches.

[CEKABE hilft Familien und Handwerkern - JDC-Hilfe für Familien - 1 Mio. Juden am Rand oder in Hungersnot]

Ein anderer Tätigkeitsbereich der CEKABE war die Etablierung kleiner Molkereien in den städtischen Aussenbezirken. diese Arbeit wurde 1938 weitergeführt. Es gab 2088 Familien, die in dieser Weise im ersten Halbjahr (S.200)

eine Hilfe empfingen, aber über die restliche Zeit und über den Kriegsausbruch hinaus fehlen uns weitere Angaben.

(Endnote 60: 46-Bericht 1938. Im Jahr 1937 entwarf Jacob Lestschinsky für Simon Marks einen Industrialisierungplan des polnischen Judentums, auf der Basis derselben Prinzipien wie der Kahn-Plan: "Die Schwachen und Ungesunden kann man nicht retten, sondern man muss die gesunden und sicheren Positionen verstärken." Der Plan würde 4 Millionen $ kosten, von denen 3 Millionen vom Ausland kommen würden. Siehe 44-21, Komitee über Polen 12/9/37 [9. Dezember 1937])

Bis ins Frühjahr 1938 hatte Kahn genügend Erfahrung gesammelt und entschied, dass sich das Experiment lohnen würde. Im Januar des Jahres [1938] bat er für diese Art von Wirtschaftsaufbau um eine jährliche Auszahlung von 1 Million $, und hoffte, dass innerhalb von 5 Jahren eine Beschäftigung von 23.000 Familien generiert werden konnte. Es kann mit Sicherheit geschätzt werden, dass das Verteilungskomitee JDC bis Ende 1938 auf diese Art durch die neuen Unternehmungen ungefähr 10.000 Familien neue Anstellungen vermittelt hat.

Dies für sich war ein Teilerfolg, und das JDC konnte wirklich darauf stolz sein. Im Gesamten gesehen war der Erfolg jedoch ziemlich klein, wenn man den ökonomischen Niedergang der jüdischen Bevölkerung in Polen berücksichtigt, und wenn man berücksichtigt, dass ungefähr eine Million Leute am Rande oder bereits jenseits der Grenze zur Hungersnot lebten. Das grundlegende Problem des JDC war, dass das JDC mit seinen relativ kleinen Summen nur denjenigen helfen konnte, die über der Gefahrengrenze lagen. Das JDC war keine Regierung, und es konnte das Problem der hungernden Million nicht lösen.

Einige Jahre lang konnte das JDC auf die Hilfe der britischen Juden zählen. Im Jahre 1935 sandten die britischen Juden beinahe  40.000 Pfund (fast 200.000 $) nach Polen, das vom JDC verteilt wurde, ebenso im Jahr 1936. Aber im Jahr 1937 lehnten der pro-zionistische und der nichtzionistische Flügel in Britannien die Hilfe für Polen ab, wobei die Zionisten eine solche Hilfe befürworteten. Die Sammlungen gingen zurück, und es wurde keine wirkliche Hilfe mehr geleistet. Die Hilfe der britischen Juden war aber doch von einem anderen Gesichtspunkt aus gesehen wichtig. Das JDC und die ICA (primär eine britische Organisation) waren sehr an Berufsausbildungen interessiert. Das JDC sah dies als eine seiner Hauptaufgaben an.






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