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Yehuda Bauer: Der Hüter meines Bruders

Eine Geschichte des Amerikanischen Jüdischen Vereinigten Verteilungskomitees 1929-1939


[Holocaust-Vorbereitungen in Europa und Widerstand ohne Lösung der Situation]

aus: My Brother's Keeper. A History of the American Jewish Joint Distribution Committee 1929-1939; The Jewish Publication Society of America, Philadelphia 1974

Übersetzung mit Untertiteln von Michael Palomino (2007)

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Kapitel 5. Der Vorlauf zum Holocaust
[B. Die Zerstörung des jüdischen Lebens in Rumänien 1929-1939]

5.13. Rumänien [Codreanu - Tartarescu - Goga]

[Ab 1919 und ab 1929: Die Entwicklung in Rumänien ist wie in Polen]

Die Situation der Juden in Osteuropa ausserhalb Polens war der jüdischen Lage in Polen ähnlich. Rumänien bewegte sich in dieselbe Richtung wie Polen, was die Situation generell und die jüdische Situation im Speziellen anging.

[Die Wirtschaft Rumäniens wurde 1919 vom mitteleuropäischen Markt abgeschnitten, als das österreichische Imperium in Stücke zerteilt wurde. So war keine Entwicklung möglich, und zusätzlich zum Nationalismus wurde die Minderheit der Juden beschuldigt für die schlechte wirtschaftliche Lage verantwortlich zu sein, wie in Polen...]

[Codreanu - Tartarescu - Goga]

Die rumänische, faschistische Bewegung, bekannt als die Eiserne Garde, wurde stärker. Unter ihrem Führer, Corneliu Zelea-Codreanu, begann sie eine gewalttätige Kampagne (S.209)

die im Dezember 1933 in der Ermordung des Premierministers der liberalen Partei gipfelte. Von diesem Moment an ging die rumänische Demokratie, die nie sehr stark war, ihrem Untergang entgegen.

Bis 1937 waren die Liberalen unter Tartarescu an der Macht, aber ihre Politik wurde unter dem Druck der rechten Oppositionsgruppen unter dem Einfluss des Faschistenführers Octavian Goga mehr und mehr rechts und antisemitisch. Eine Stütze des Regimes gegen eine rechte Regierungsübernahme war König Carol, obwohl auch er eigentlich auch eine diktatorische Gesetzgebung anstrebte und - ohne Erfolg - im Mai 1934 versucht hatte, in einem Putsch die absolute Macht zu übernehmen.

Die Tatsache, dass seine Geliebte, Madame Lupescu, jüdischer Abstammung war, liess die antisemitische Tendenzen anwachsen, wegen der fast universellen Abneigung, mit der das Liebesabenteuer des Königs betrachtet wurde. Trotz all dem konnte bis Dezember 1937 der Schein einer demokratischen Demokratie aufrechterhalten werden, als die Niederlage der Liberalen einen scharfen Wechsel zu den Rechten und den Aufstieg von Goga mit sich brachte.

[Juden in Rumänien: Zahlen]

Die Anzahl Juden, die in Rumänien lebten, war eine Streitfrage. Rumänische Quellen tendierten, ihre Schätzungen zu übertreiben, um den angeblich übermässigen Einfluss der jüdischen Bevölkerung im Land zu beweisen. In der Tat zeigte die Volkszählung vom Jahre 1930, dass 728.000 Juden in Rumänien lebten. Eine Untersuchung über die jüdische Staatsangehörigkeit im Jahre 1939 zeigte, dass es 662.244 Juden waren. Sogar wenn wir annehmen, dass es einigen Juden gelang, sich der Volkszählung zu entziehen, um sich vor dem Entzug der Staatsbürgerschaft zu schützen,

(Endnote 70: New York Times, 11/26/39 [26. November 1939])

so konnten es in diesem Jahr nicht mehr als 700.000 Juden in Rumänien sein. Die Zahl 760.000, die in jüdischen Quellen normalerweise genannt wird, widerspiegelte das absolute Maximum und war wahrscheinlich übertrieben.

[Ergänzung: Die Anzahl Juden in Rumänien ist generell von der Grenzziehung des Landes abhängig. Vor 1919 ist Rumänien ein kleines Land, 1920 wird Rumänien ein Grossreich mit Transilvanien (Siebenbürgen) und Bessarabien. 1941 wiederum wird ein Teil von Transilvanien (Siebenbürgen) Ungarn angegliedert, und 1945 wird Rumänien ein mittelgrosser Staat mit Transilvanien (Siebenbürgen), aber ohne Bessarabien. Und eine kleine Grenzkorrektur mit Bulgarien im Donaudelta ist ebenso zu berücksichtigen].

[Die Struktur der jüdischen Gemeinden in Rumänien - Armut in Transilvanien, Bukowina und in Bessarabien]

Die jüdischen Gemeinden im ganzen Land unterschieden sich sehr voneinander. Während die Juden in Bukarest und in einigen Teilen der Walachei, in Moldawien und im zentralen Transilvanien [Siebenbürgen] zumindest zum Teil verwestlicht waren und die religiöse Lebensführung hinter sich gelassen hatten, so lebten andere gut innerhalb der strengen Sphäre der Orthodoxie. In Nord-Transilvanien, um Satu-Mare, Máramarossziget, und Brasow lebte eine von der Armut getroffene jüdische Bevölkerung und schrie (S.210)

nach Hilfe, wie das Verteilungskomitee sie bieten konnte.

[Ergänzung: Es kann angenommen werden - es wäre nur logisch - dass die Juden im ungarischen Transilvanien von den Verbindungen zu Ungarn abgetrennt worden sind, so dass sie die Märkte für ihre Waren verloren haben. Dieselbe Verarmung kann auch für die deutsche Bevölkerung angenommen werden, die dort lebte].

In Bessarabien, und in einem gewissen Masse auch in der Bukowina, entwickelte sich eine ähnliche Situation. In Bessarabien gab es eine ziemlich grosse jüdische Bevölkerung in der Landwirtschaft (ungefähr 40.000 Personen), die mit primitiven landwirtschaftlichen Methoden arbeiteten und in Dürrejahren oft durch Hunger bedroht waren.

In Rumänien, wie in Polen, war das JDC fähig, seine Leistungen im Verlauf der 1930er Jahre zu steigern. Von den verfügbaren Summen wurde ungefähr ein Drittel dafür verwendet, Kindern in vom Hunger befallenen Gebieten zu Essen zu geben, und Sommerlager abzuhalten, weil Kahn glaubte, dass solche Lager eine primäre Aufgabe innerhalb der Aufbauarbeit waren.







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