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Inquisition. Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Zusammenfassung

Die Inquisition bildete sich als Reaktion auf den Verlust des "Heiligen Landes". Als in Europa nach der "christlichen" Niederlage von Akkon im Jahre 1291 immer mehr neue "christliche" Glaubensgruppen entstanden, die dem Papsttum in Rom die Gefolgschaft verweigerten und eigene Wege gingen, setzte der Papst die Inquisition ein, um seine Autorität mit kriminellen Machenschaften durchzusetzen. Dieser ideologische "Kreuzzug" gegen Abweichler mündete schlussendlich aber in der Reformation. Der Papst hatte also insgesamt gesehen keinen Erfolg mit seiner Inquisition, sondern bewirkte mit seinen kriminellen Praktiken und Glaubensverboten die Spaltung des weltweiten "Christentums".

Details zur Praxis der Inquisition

Bestrafungen: Beschlagnahmung von Landgütern und Vermögen

Als Bestrafung wurden Landgüter eingezogen und dem Kirchenvermögen zugeschlagen. Die Erbteilung schränkte die Enteignungen etwas ein, denn die Landgüter waren durch die Realteilung zersplittert, und so konnten von den "akademisch geschulten Juristen" der "Jesus-Kirche" Roms nur kleine Güter "ketzerischer" Familien beschlagnahmt werden. [1]

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Welt online,
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27.3.2011: Galilei-Lüge: Das hat er nie gesagt "Und sie bewegt sich doch" - und er landete auch nicht auf dem Scheiterhaufen

aus: Welt online: Inquisition: Der berümte Satz, den Galilei nie sagte; 27.3.2011;
http://www.welt.de/kultur/history/article12829542/Der-beruehmte-Satz-den-Galilei-nie-sagte.html

<Autor: Felix Müller

"Und sie bewegt sich doch" – dieser Ausspruch sollte die Standfestigkeit des Astronomen Galilei gegenüber der Inquisition zeigen. Der Satz fiel allerdings nie.

Es ist eine zu schöne Vorstellung: ein aufrechter Wissenschaftler, der glühend für seine Sache kämpft. Der einer mächtigen Institution wie der katholischen Kirche die Stirn bietet um der eigenen Überzeugung willen: dass sich die Erde um die Sonne drehe und es sich nicht, wie seit Ptolemaios vielerorts gelehrt und geglaubt, umgekehrt verhalte. Als Märtyrer im Dienste des wissenschaftlichen Fortschritts ist Galileo Galilei in die Geschichte eingegangen. Eine schöne Vorstellung. Sie hat nur ein Problem: Sie stimmt nicht.

Galileo Galilei (1564-1642)
Der italienische Mathematiker, Physiker und Astronom Galileo Galilei hat bahnbrechende Entdeckungen auf verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaften gemacht.

Was war geschehen? Galileo Galilei, florentinischer Hofmathematiker, Philosoph und Astronom, war im September 1632 von der heiligen Inquisition nach Rom einbestellt worden. Der Grund lag in einer Schrift, die der Astronom einige Zeit zuvor veröffentlicht hatte. Darin ließ er mehrere Positionen zum Sonnensystem Revue passieren - am überzeugendsten dargestellt jene, wonach die Sonne im Zentrum stehe, umkreist von den übrigen Planeten. Eine Vorstellung, die sich mit der herrschenden Lehre der Kirche nicht zur Deckung bringen ließ.

Auch von Folter ist die Rede

Was anschließend geschah, darüber hat sich das kollektive Gedächtnis seltsame Vorstellungen gebildet. In Büchern und volkstümlichen Geschichtserzählungen ist nachzulesen, wie Galilei vor das Inquisitionsgericht gezerrt wurde und die langen Stunden zwischen den Verhandlungen in Festungshaft verbringen musste. Auch von Folter ist hie und da die Rede. Nachdem man ihn gezwungen hatte, seiner Lehre abzuschwören, habe er trotzig "Und sie bewegt sich doch!" gerufen.

Ein gewaltiger Satz, sein Echo scheint nach all den Jahrhunderten immer noch nachzuhallen. Als Historiker aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Akten zum Galilei-Prozess zu untersuchen begannen, mussten sie schnell feststellen, dass er so nie gefallen sein konnte. Mehr noch: In den Dokumenten zeigte sich die Kurie den Erkenntnissen des Astronomen deutlich aufgeschlossener, als man angenommen hatte.

Die Päpste hatten gegen die These vom heliozentrischen Weltbild gar nicht so viel einzuwenden - solange sie nicht mit dem Anspruch absoluter Wahrheit auftrat. Das war nicht nur hinsichtlich der biblischen Lehren nachvollziehbar, sondern auch wissenschaftlich: Denn ein letzter Beweis fehlte zu diesem Zeitpunkt ja noch. Von Kerkerhaft, Folter und erzwungenen Eingeständnissen konnte erst recht keine Rede sein: Galilei logierte zunächst in der florentinischen Botschaft in der Villa Medici, während des Prozesses erhielt er eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Aussicht auf die Vatikanischen Gärten.

So viel Komfort hinderte ihn freilich nicht daran, im Prozess mit triumphaler Selbstgewissheit aufzutreten - als "geistige Pygmäen" bezeichnete er all jene, die an seinen Lehren zweifelten. Das Urteil der Inquisition, das ihm am Ende die Weiterverbreitung seiner Ideen und seine Lehrtätigkeit untersagte, ging auch auf seine trotzige Unerbittlichkeit zurück. Galilei lebte noch neun weitere Jahre, die letzten verbrachte er in seinem Landhaus im florentinischen Stadtteil Arcetri.

Je näher man hinsieht, desto mehr verschwimmt also das Bild des Wissenschaftlers, der furchtlos für Gedankenfreiheit kämpfte. Das hat an der Macht dieser Legende allerdings nichts geändert. Sie zählt zu jenen Erzählungen, die man nicht einfach so abtun sollte. Denn allzu offensichtlich ist sie mit handfesten Interessen in die Welt gesetzt worden.

Sie reiht sich ein in das kulturkämpferische Projekt der Bismarckzeit, den Katholizismus als wissenschaftsfeindlich, inhuman und vormodern zu brandmarken. Die Ahnenreihe Martin Luther - Giordano Bruno - Galileo Galilei wird uns als Phalanx der drei Aufrechten präsentiert gegen eine bornierte, dekadente und verschwendungssüchtige Kirche, ein uraltes Reptil, dem man am besten den Kopf abschlagen sollte. Dass es sich hierbei mitunter um Wahrheitsverdrehung und Propaganda handelt, ist exemplarisch am Fall Galileo Galilei zu studieren.>





Quellen
[1] http://www.kartoffel-geschichte.de/Erste_Furche/Bei_den_Flamen/bei_den_flamen.html



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