Quellen
-- Ulrich
Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt"; C.H.Beck-Verlag,
München 1987
Unter Mitwirkung von: Ulrich Haarmann: Einleitung (S.9f.)
--
Albrecht Noth: Früher Islam (S.11-100) -- Tilman Nagel: Das Kalifat der
Abbasiden (S.101-165) -- Heinz Halm: Die Fatimiden (S.166-199) -- Heinz
Halm: Die Ayyubiden (S.200-216) -- Ulrich Haarmann: Der arabische Osten
im späten Mittelalter 1250-1517
(S.217-263) -- Hans-Rudolf Singer: Der Maghreb und die
Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang des
Mittelalters (S.264-322) -- Barbara Kellner-Heinkele: Der arabische
Osten unter osmanischer Herrschaft
1517-1800 (S.323-364) -- Alexander Schölch: Der arabische Osten im
neunzehnten Jahrhundert 1800-1914
(S.365-431) -- Helmut Mejcher: Der arabische Osten im zwanzigsten
Jahrhundert 1914-1985
(S.432-501) -- Peter von Sivers: Nordafrika in der Neuzeit (S.502-592)
-- Hans Prutz: Kulturgeschichte der
Kreuzzüge; Georg Olms Verlagsbuchhandlung, Hildesheim, 1964.
-- Sigrid Hunke: Kamele auf dem
Kaisermantel. Deutsch-arabische Begegnungen seit Karl dem Grossen [den
es wahrscheinlich nie gegeben hat]. Deutsche
Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart 1976. ISBN 3 421 01744 1
Kommentar
Die Chronologie
beginnt
mit der Uneinigkeit der
arabischen Welt zwischen den muslimischen Herrschaftsbereichen
Damaskus, Kairo
und Ifriquiia vor 1100. Nachdem eine neue ägyptische Herrschaft unter
al-Hakim
ein extremistisch-"frommes" Kalifat aufzieht und laufend christliche
Kirchen zerstört werden, darunter die dem "Christentum" heilige
"Grabeskirche", versuchen Byzanz und die Kreuzfahrer-Invasoren,
mittels Territorialbesetzung "ihre" Kirchen in Palästina zu
"verteidigen". Die italienischen Seefahrerstaaten profitieren während
der Kreuzzüge gleich von beiden Kriegsparteien. Brennpunkt ist
Jerusalem, das
eine Stadtmauer bekommt, die aber bald wieder zerstört wird.
Allgemein scheint bei "christlichen" Historikern eine grosse
Wissenslücke vorhanden zu sein, was die Pogrome an Juden während der
Kreuzzüge
anbelangt.
Ab 1200 ist die arabische Welt in Damaskus und Ägypten eingekreist: von
der
westlichen Seite die christlichen Invasoren, von der östlichen Seite
die
Mongoleninvasion aus dem Iran. Um die arabische Identität zu retten,
bleibt
nichts anderes übrig als die Optimierung der militärischen Kräfte. Da
kein
Mittelweg zwischen den extremen Positionen von "Christentum" und
Islam zustandekommt, werden die christlich beherrschten Residenzen in
Palästina
Ende des 13. Jh. vernichtet.
Die Hauptprofiteure der Kreuzzüge, die italienischen Seefahrerstaaten,
schwimmen
durch 200-jährigen Profit durch Truppentransport und Indianhandel im
Geld und
bauen ab 1300 die
"Renaissance"-Städte.
Für die Kirche ist das Ende der Kreuzfahrerstaaten ein absoluter Schock
Die
arabische Welt im Nahen Osten dagegen kann sich aus der Umklammerung
befreien.
Die Kriegsentwicklung nimmt weiter ihren Lauf, und Frieden ist auch
innerhalb
der arabischen Länder nicht attraktiv.
Die Kreuzzüge werden später wiederholt mit Napoleon in Ägypten, mit der
britischen Herrschaft in Ägypten, mit den Kolonialisierungen des Nahen
Ostens
ab 1919 etc. Schliesslich wird auch die Gründung eines Religionsstaates
Israel
mit dem imperialistischen Programm von Herzl "Der Judenstaat" von der
muslimischen Welt genau gleich wie ein Kreuzzug empfunden.
Der Mittelweg zwischen den Religions-Verhetzungen ist dabei bis heute
nicht
gefunden.
LeserInnen, die die innerarabischen Machtstrukturen und Intrigen nicht
interessieren, beginnen die Chronologie ab 1096. Logisch ist aber, dass
nur bei
Zerstrittenheit der Dritte ein Chance hat. So war es auch am Anfang der
Kreuzzüge, am Ende umgekehrt...
Michael Palomino
1998 / 2003 / 2005
Chronologie
ab 996
Italien-Ägypten: Italienischer Seehandel
nach Ägypten - Import von Holz und Pech für Kriegsschiffe - Drohungen
aus Byzanz
und Rom
Die italienischen Seerepubliken besitzen zum ersten Mal 996
nachgewiesenermassen ein Kontor im Hafen von Kairo/al-Qahira. Ägypten
bezieht
aus Italien und Dalmatien vor allem Holz und Pech für den Schiffsbau.
Die
Lieferungen erfolgen über die Schiffe der italienischen Seerepubliken.
Da Holz und Pech kriegswichtige Güter sind - vor allem gegen Byzanz
gerichtet -
sprechen Byzanz und der Papst von Zeit
zu Zeit Warnungen aus, dass die italienischen Schiffe gekapert würden
und hohe
Strafen drohen würden. Die italienischen Transportreeder lassen sich
aber kaum
je beeindrucken und machen weiter ihre Kriegsprofite (Haarmann, S.190).
998 ca.
Kairo: Machtkampf zwischen Berbern und
Mamluken-Söldner-Offizieren - Osteuropäer Barguwan
Der lachende Dritte im Intrigenspiel um die militärische
Macht am
Kairoer
Kalifenhof zwischen Berbern und Mamluken ist der osteuropäische Eunuch Barguwan, dem es gelingt, mit Hilfe der
türkischen Mamluken-Söldner die Berber zu entmachten. Er übernimmt den
Wesirposten des Kalifen mit Leitung der der Staatsgeschäfte. Der
13-jährige
Kalif al-Hakim kann dem ganzen
Treiben nur zusehen (Haarmann, S.176).
Syrien-Palästina: Ägyptische Besetzung
unter Barguwan
Barguwan lässt ägyptische
Truppen Palästina und Damaskus besetzen und etabliert dort eine harte
Fatimidenherrschaft (Haarmann, S.180) mit Besetzung des Landes
bis
vor Antiochien
(Haarmann, S.180-181).
999/1000
Byzantinischer Feldzug unter Kaiser
Basileios II. gegen die ägyptische Besetzung Syriens bis Tripolis:
Plünderungen
im Winter, Belagerung von Tripolis
Das Heer von Kaiser Basileios II. zieht den Fluss Orontes
(heute "Asi")
aufwärts und plündert im Winter Sayzar, Hims
und Baalbek. Der Feldzug
endet
mit einer Belagerung von Tripolis (Tarabulus)
(Haarmann, S.181).
Anfang 1000
Das ägyptische Tripolis kann sich gegen die byzantinische Belagerung
durchsetzen. Byzanz muss die Belagerung abbrechen (Haarmann, S.181).
1000
Waffenstillstand zwischen Ägypten und
Byzanz auf 10 Jahre
Der ägyptische Regent Barguwan kann
unter Vermittlung von Patriarch Orestes
von Jerusalem - mütterlicherseits ein Onkel al-Hakims
- einen zehnjährigen Waffenstillstand mit Byzanz
abschliessen. An der Nordgrenze des ägyptischen Imperiums bleibt es in
der
Folge "ruhig" (Haarmann, S.181).
um 1000
Kairo: Wechselnde Heeresstruktur:
gemischte Söldnertruppen
Das arabische Heer "dschund" verliert seine Bedeutung, ebenso die damit
verbundenen Standorte Kufa, Basra,
Fustat und Kairuan. Die Söldner
werden auch aus nichtarabischen Völkern rekrutiert (Haarmann, S.200).
ab 1000 ca.
Damaskus/Aleppo: Emir Zengi und weitere "Zengiden" werben unter den
Kurden
und Seldschuken für Söldnerdienste (Haarmann, S.200).
ab 11. Jh.
Bagdad: Es kommt zur Machtteilung zwischen der arabisch-quraysitischen
Kalifenlinie und der fremden, meist turkmenischen Staatsmacht
(Haarmann,
S.219).
März 1000
Kairo: Ermordung von Wesir Barguwan -
Machtergreifung von Kalif al-Hakim
Der 15-jährige ägyptische Kalif al-Hakim lässt den osteuropäischen
Wesir
Barguwan meuchlings ermorden und nimmt die Regierungsgeschäfte selbst
in die
Hand. Fortan bleibt Kalif al-Hakim ein misstrauischer Mensch, der seine
Wesire
lieber beseitigen als zu mächtig werden lässt (Haarmann, S.176).
1004
Afrika:
Gegenkalifat Cyrenaika: Gegenkalif Abu Rakwa
Aufstand des arabischen
Banu
Qurra-Stammes am
westlichen Rand des Nildeltas mit Berberstämmen Nordafrikas im Gebiet
des
heutigen Libyen, Luwata, Mazata, Zanata
unter Führung eines ausgerufenen Gegenkalifen Abu Rakwa.
Abu Rakwa behauptet, ein Umayyadenprinz zu sein. Die
Aufständischen besetzen in der Cyrenaika
die Stadt Barqa und besiegen
mehrmals ägyptische Kalifentruppen (Haarmann, S.181).
1004
Kairo: Ermordung von Wesir Barguwan -
Machtergreifung von al-Hakim
-- Dekret von Kalif al-Hakim zur Rechtfertigung der
Machtübernahme
-- "Volkspolitik" al-Hakims: Diskriminierung und sunnitische Intoleranz
-- Rechtfertigung des Mordes an Wesir Barguwan
-- Versprechen einer "gerechten Regierung"
-- alle Untertanen sollen sich mit Anliegen direkt an ihn wenden
->> al-Hakim entscheidet über alle Eingaben, die beim Wesir
eingehen, mit
Reskript/ tawqi' am Rand oder auf der Rückseite
->> al-Hakim pflegt Ausritte und Entgegennahme von Petitionen
während
seiner Ausritte in die Umgebung Kairos
->> al-Hakim pflegt die Bekanntmachung von Dekreten vor der
Volksversammlung von der Loge des Schlosshofs herab als "Hofprediger".
Die
Edikte werden dann in allen Freitagsgottesdiensten von den Kanzeln
al-Qahiras /
Kairos verkündet (Haarmann, S.176).
ab 1004
Der afrikanische Kalif al-Hakim als
"Saubermacher" für das Sunnitentum
Al-Hakim will sein Ziel einer "idealen islamischen Gemeinde" mit einer
"Lawine" von Dekreten erreichen und so ein "vorbildlicher"
Lenker/imam sein.
Als Basis nimmt al-Hakim die Rechtsgrundsätze des grossen
ismailitischen
Rechtskompendiums "Stützen des Islam" ("Da 'a 'imal-islam'") des Qadi an-Nu 'man.
Zudem versucht al-Hakim, die Religionsfreiheit für die Sunniten
gegenüber den
Schiiten zu sichern. Damit nimmt al-Hakim seine Rolle als "Treuhänder
Gottes" ("amin Allah") sehr ernst. Er erlässt Dekrete
wie z.B.
-- Überwachung von Massen und Gewichten
-- Beleuchtung und Feuerschutz der Altstadt
-- Tötung der zur Plage werdenden Hunde
-- Schutz des Rinderbestandes Ägyptens mit einem Schlachtverbot an den
grossen
muslimischen und christlichen Festen
-- Abschaffung einer Reihe unkanonischer Binnenzölle in den Nilhäfen
und so
Senkung des Brot- und Dattelpreises (Haarmann, S.177).
Der afrikanische Kalif al-Hakim als
Vernichter der schiitischen Toleranz
Kalif al-Hakim verfügt Zwangserlasse, damit die Menschen
seines
Imperiums
"gute Muslime" werden. Zuwiderhandlung wird mit Prügelstrafe geahndet:
-- Verbot des Genusses von Wein, Honigbier und Hirsebier und Bestrafung
bei
Zuwiderhandlung bis zur Vernichtung von Trauben, Rosinen und Honig
-- Verbot des Verzehrs von schuppenlosen Meerestieren, darunter die in
Ägypten
sehr beliebte Tellmuschel
-- Verbot einiger von Schiiten traditionell verpönten Gemüsesorten, so,
wie es
in den "Stützen des Islam" von an-Nu 'man geschrieben steht (Haarmann, S.177).
Frauenfeindliche Erlasse von Kalif
al-Hakim
Zuwiderhandlungen werden mit Prügelstrafe geahndet:
-- obligatorisches Schleiertragen für Frauen
-- Verbot nächtlichen Ausgangs für Frauen
-- Verbot an der Teilnahme bei Begräbnissen für Frauen
-- Verbot des Besuchs öffentlicher Bäder und beliebter Ausflugsziele
für Frauen
(Haarmann, S.177).
Kairo: Dekrete von Kalif al-Hakim gegen
Christen und Juden: Diskriminierungen - Auswanderung von Christen nach
Nubien
oder Syrien
Al-Hakim lässt durch Erlasse die Existenzen von Christen und
Juden
planmässig einengen und realisiert somit eine Diskriminierung, wie sie
im
sogenannten 'Umar-Vertrag festgelegt ist:
-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in der
Öffentlichkeit
untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen
-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie Gürtel, schwarze
Turbane
und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus müssen Christen Kreuze und Juden Glöckchen tragen
-- al-Hakim beginnt den Kampf gegen die christlichen
Regierungssekretäre, so
dass viele der Betroffenen zum Islam übertreten.
Der starken Diskriminierung können Christen ausweichen, indem sie in
das
christliche Nubien oder in die
syrischen Küstenstädte Latakia
(Laodikeia) und Antiochien
auswandern (Haarmann, S.178).
1005
Gegenkalifat Cyrenaika: Zerschlagung und
Hinrichtung
Sieg der Truppen der ägyptischen Generäle al-Hakims gegen die
aufständischen Banu Qurra und Berber in Nordafrika. Festnahme von
Berberführer Abu Rakwa, Auslieferung nach Ägypten
und Hinrichtung in Kairo / al-Qahira (Haarmann, S.181).
"Haus der Wissenschaft" in Kairo
nach Vorbild Bagdads (von 830 n.Chr.)
Kalif al-Hakim kann das neue "Haus der Wissenschaft" in Kairo
einweihen. Er folgt damit dem Vorbild Bagdads, wo 830 bereits ein "Haus
der Weisheit" eröffnet wurde, das inzwischen wieder geschlossen ist.
Kalif
al-Hakim realisiert mit dem "Haus der Wissenschaft" die Öffnung von
Wissen
für die Öffentlichkeit:
-- die Kalifenbibliothek wird öffentlich zugänglich mit allgemeiner
Erlaubnis
zum Abschreiben von Werken
-- Anstellung wissenschaftlicher Lehrer in Recht, Tradition, Koran,
aber auch
Grammatik, Philologie, Logik, Mathematik, Astronomie und Medizin
-- mit Work-Shops unter den Gelehrten im Beisein des Kalifen
-- mit besonderer Förderung der Astronomie unter dem Astronom Ibn Yunus as-Sadafi, der eine
"Hakimsche Tafel" zur Astronomie veröffentlicht (Haarmann, S.180).
1006
Kairo: Al-Hakims Beschlüsse zur
Begünstigung der Sunniten: "Toleranzedikt"
-- die Duldungsgarantien lässt
er
militärisch durchsetzen
-- den schiitischen Gebetszusatz lässt er wieder zurücknehmen
-- Zusatzgebete am Vormittag und in Ramadan-Nächten lässt er zu
-- die Schmähungen der Prophetengefährten Abu
Bakr, 'Umar und 'Utman u.a. an
schiitischen Festen und
Prozessionen lässt er verbieten
-- zeitweilig lässt al-Hakim sogar die schiitisch-ismailitischen
Lehrsitzungen
verbieten (Haarmann, S.178).
ab 1008 ca.
Ägypten/Palästina: Plünderung und
Zerstörung von Kirchengütern im ägyptischen Imperium auf Befehl des
Kalifen
al-Hakim
Kalif al-Hakim beginnt mit Plünderungen in Klöstern und
Kirchen. Es
folgt
die Zerstörung und Konfiszierung des kirchlichen Bodens. Es ist dies
die nach
ägyptischem Brauch legale Beschaffung von Geld bei Ebbe in der
Staatskasse,
-- um die turkmenischen / seldschukischen Söldner zu bezahlen
-- um Geld zur Reparatur der verfallenen Moscheen aufzutreiben
wie dies vor ihm bereits andere ägyptische Regenten getan haben
(Haarmann,
S.179).
1009
Kairo: Al-Hakim erneuert das
"Toleranzedikt" für die Sunniten
(Haarmann, S.178)
September 1009
Ägypten/Palästina: Dekret von al-Hakim
zur Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem
Die Kirche Konstantins, die Grabrotunde und die Schädelstätte
("kranion")
werden abgerissen (Haarmann, S.179).
Die christliche Glaubensgemeinschaft verliert mit der Zerstörung der
Grabeskirche den Ausgangspunkt des Lichtermeeres an Ostern und rächt
sich mit
einer entstellenden Geschichtsschreibung, z.B. mit dem christliche
Historiker Johannes von Antiochien (Yahya
al-Antaki) u.a., was auch dem
Abbasiden-Kalif in Bagdad nur dienlich ist (Haarmann, S.179).
ab 1009
Kairo: Aufkommender Widerstand gegen
Sunnitenbevorteilung am Kalifenhof
Der Wesir des Afrikakalifen und dessen Hofgenossen beginnen,
gegen
die
Sunnitenbevorteilung im ägyptischen Imperium Widerstand zu leisten.
Al-Hakim
muss seine Toleranz- und Schutzerlasse zum Teil zurücknehmen (Haarmann,
S.178).
1010
um 1010
Kairo-Bagdad: Untergrundarbeit Ägyptens
in Bagdad mittels Agenten
Ägyptische Missionare der Fatimiden, die gleichzeitig
Geheimagenten
sind,
werben im Untergrund Bagdads für den ägyptischen Kalifen (Haarmann,
S.186).
ab 1010 ca.
Maghreb: In Nordafrika existieren noch
47 christliche Bistümer
(Haarmann, S.186)
ab 1010 ca.
Ägypten/Palästina: Weitere
Kirchenzerstörungen im ägyptischen Imperium auf Befehl von Afrikakalif
al-Hakim
-- Zerstörung der Georgskirche in Ramla
-- Zerstörung der Marienkirche in Damiette
-- Zerstörung des Klosters Dayr al-Qasir
über dem Grab des Heiligen Arsenios
auf dem Muqattam bei Kairo
(Haarmann, S.179).
Kirchenbauten, die unter der Herrschaft von Kalif al-Hakim erhalten
bleiben:
oo das Skete-Kloster bei
Alexandrien
oo das Katharinenkloster
im Sinai
oo die Kirche Mar Schenute
oo die Marienkirche und
weiter Kirchen in Alt-Kairo (Haarmann, S.179).
1011
Palästina/Mekka: Aufstand der
Tayyi'-Stämme in Ramla: Gegenkalif al-Hasan - Ersticken des Aufstands
durch
Bestechung Ägyptens
Die Tayyi'-Stämme stehen unter Führung von Mufarrig
b.
Dagfal b. al-Garrah, der den Scherif von Mekka, al-Hasan
b. Ga 'far, zum Kalifen
ausrufen lässt. Gegenkalif al-Hasan
lässt sich in Ramla als Kalif huldigen. Kalif al-Hakim
versorgt die Tayyi'-Beduinen mit Geldlieferungen, so dass
diese den von ihnen ausgerufenen Gegenkalif al-Hasan wieder vertreiben
(Haarmann, S.181).
1011
Ägypten/Mesopotamien:
Untergrundaktivität Ägyptens in Mosul und Kufa - kurze Erwähnung im
Freitagsgebet
In Mosul und Kufa wird der
afrikanische Kalif
al-Hakim vorübergehend im Freitagsgebet als Schutzherr erwähnt und somit anerkannt. Mit der
Erwähnung wollen
sich die beiden Gebiete nördlich und südlich von Bagdad aber eher von
der
abbasidischen Zentralmacht abgrenzen. Eine Unterstellung unter Ägypten
wird
nicht angestrebt (Haarmann, S.181).
1012
Kairo: Baubeginn eines Observatoriums
unter Oberqadi Malik b. Sa 'id. Das
Observatorium bleibt aber unvollendet (Haarmann, S.180).
1015 ca.
Kairo: Zwangserlass von Kalif al-Hakim
gegen Frauen: Ausgangsverbot ohne männliche Begleitung
Kalif al-Hakim verfügt das Ausgangsverbot für Frauen, wenn diese ohne
männliche
Begleitung sind. Ausnahmen sind Frauen mit bestimmten Berufen wie
Hebamme,
Leichenwäscherinnen, Wasserträgerinnen, Friseusen etc.
Al-Hakims Regierung schneidet die menschlichen Freiheiten in seinem
Imperium
immer mehr ein (Haarmann, S.177).
1015
Ägypten wird Schutzmacht von Aleppo
Der Emir von Aleppo anerkennt den afrikanischen Kalifen in
Ägypten,
al-Hakim und wendet sich damit von Byzanz
ab. Ägypten wird somit neue Schutzmacht und das nordsyrische Aleppo ist
dem
Zugriff des Byzantinerkaisers entrissen (Haarmann, S.181).
ab 1017
Ägypten: Entstehung des Drusen-Glaubens:
Führer Hamza al-Labbad behauptet, das Paradies sei angebrochen
Bildung einer Glaubensgruppe in Kairo/al-Qahira, die im fatamidischen
Imam-Kalifen
al-Hakim eine Inkarnation Gottes sieht und die Botschaft vom Ende des
islamischen Gesetzes verbreitet, weil das Paradies angebrochen sei
(Haarmann,
S.181).
Die Glaubensgruppe unter dem Ostiraner Hamza
al-Labbad, der mit Traktaten den Inhalt des neuen Glaubens
bestimmt, führt
die ismailitische Ideologie und die Erlösungserwartung konsequent zu
Ende: Die
paradiesische Urreligion sei nun mit dem religiös-züchtigen Leben im
Kommen.
Gott müsse sich vor den Menschen und ihren Sünden nicht mehr verhüllen,
weil
die Sünden nicht mehr vorkommen würden.
Das Ziel der Menschheit sei erreicht, und der "Mahdi" werde die direkte
Gottesregierung von vor der Sünde von Adam und Eva wieder herstellen.
Das
religiöse Gesetz wird somit nicht mehr nötig sein, denn die Menschen
können nun
auch ohne dieses Gesetz "sündlos" leben. Der Kalif al-Hakim sei Gott,
und
das Paradies sei angebrochen.
Diese Lehre wird vom Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad, gelehrt,
unterstützt
von seinem Helfer Anustekin ad-Darzi,
in einer kleinen Moschee nördlich von Kairo nahe der Stadtmauer.
Mehrmals
trifft sich Kalif al-Hakim mit Hamza.
Dieser legt sich den Titel al-Hadi
("der Führer") zu.
Kalif al-Hakim gibt in der Folge nie eine eindeutige Stellungnahme zur
Glaubensgruppe um Hamza al-Labbad ab. Seine Rechtsgelehrten, der
oberste Qadi
und der oberste religiöse Propagandist ("Da 'i") äussern sich jedoch
scharf gegen Hamzas" Lehre des Paradieses (Haarmann, S.182).
ab 1018 ca.
Ägypten/Palästina: al-Hakim stellt die
Kirchenzerstörungen ein
(Haarmann, S.179)
Juni 1019
Kairo: Demonstration der
Hamza-Glaubensgruppe in einer Moschee - Verfolgung der
Hamza-Glaubensgruppe als
"Drusen"
An einer Demonstration einiger Hamza-Anhänger in der "Amr-Moschee
in
Alt-Kairo geben die Mitglieder ein lautstarkes Bekenntnis ab, dass
Afrikakalif
al-Hakim Gott selber sei. Im losbrechenden Tumult kommen drei
Hamza-Anhänger zu
Tode, und in Alt-Kairo kommt es zu Pogromen gegen die Hamza-Gruppe
(Haarmann,
S.182). Der Helfer Anustekin ad-Darzi
wird als Hauptschuldiger verfolgt und flüchtet in den Kalifenpalast
(Haarmann,
S.182-183).
Dem Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad,
gelingt die Flucht in den Untergrund. Kalif al-Hakim gibt an, der
Helfer
Anustekin ad-Darzi sei hingerichtet. Man hört nie mehr etwas von ihm.
Sein Name
gibt der Gruppe die Bezeichnung, denn "Duruz" ("Drusen") ist der
Plural von "Darzi".
Fortan entwickelt der Anführer, Hamza al-Labbad, weitere Traktate und
vollendet
den "Drusenkanon". In den drusischen Schriften gilt der Helfer
Anustekin
ak-Darzi fortan als Verräter, weil er in den Kalifenhof flüchtete
(Haarmann,
S.183).
1020
um 1020
Ägypten/Palästina: Beginnende
Wiedergutmachung von Kalif al-Hakim gegenüber der Kirche
-- das Kloster Dayr al-Qasir
wird in Ruinen zurückgegeben
-- die Grabeskirche in Jerusalem wird in Ruinen zurückgegeben...
Die Gemeinde des zerstörten Klosters Dayr al-Qasir erhält seinen
geraubten
Besitz vom Kalifen al-Hakim zurück. Das Kloster wird unter al-Hakims
Anteilnahme wieder aufgebaut.
In Jerusalem setzt Kalif al-Hakim einen neuen Patriarchen ein
(Haarmann, S.179).
ab 1020 ca.
Kairo: Vertreibung der Drusen-Gruppen
aus Ägypten
Unter Afrikakalif al-Hakim kommt es zu einer planmässigen
Verfolgung der
Drusen, die sich in die Gebirgstäler zwischen Libanon
und Hermon
fürchten müssen (Haarmann, S.183).
13.2. 1021
Kairo: Verschwinden von Kalif al-Hakim -
Übernahme des Regimes durch Schwester Sitt al-Mulk und Kalif az-Zahir
Kalif al-Hakim kommt von einem seiner Ausritte in die östliche Wüste
nicht mehr
zurück. Sein Esel und seine zerfetzten Gewänder werden gefunden.
Die Schwester des Kalifen, Sitt al-Mulk,
übernimmt tatkräftig die Regierung des ägyptischen Imperiums und lässt
den
Häuptling der Kutama-Berber, Ibn Dawwas,
und zwei seiner Sklaven als Kalifenmörder hinrichten. Seither streiten
sich
Historiker, ob die Schwester selber den Auftrag zum Mord gegeben habe
und Ibn
Dawwas vielleicht nur Mitwisser war.
Die Drusen interpretieren den Tod von al-Hakim als Strafe für die
Menschheit,
denn der personifizierte Gott habe sich erneut verhüllt, weil die
Menschen ihre
Erlösung nicht angenommen hätten (Haarmann, S.183).
1021-1036
Kairo: Nachfolge von Kalif al-Hakim:
az-Zahir
(Haarmann, S.183)
1021
Kairo: Sitt al-Mulks Hauptsorge ist die
Sicherung Syriens gegen Byzanz
(Haarmann, S.184)
ab 1021
Kairo: Erbarmungslose Verfolgung der
Drusen
Die Drusen werden auch in Syrien und Palästina verfolgt. Sie
können
dank
der einsetzenden Kreuzzüge in den Tälern des Libanon überleben, da die
ägyptische Macht zurückgeht (Haarmann, S.183).
ab 1021
Kairo: Ägypten schliesst rangmässig zu
Byzanz auf
Kalif az-Zahir kann die Rolle
Ägyptens als Handelsdrehscheibe der Welt ausbauen. Ägypten wird
gegenüber
Byzanz ebenbürtig (Haarmann, S.183) und rivalisiert von Süditalien bis
Syrien
um die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer.
Ein Bündnis mit der jemenitischen Vasallendynastie gibt der ägyptischen
Politik
Raum bis zur Südküste der arabischen Halbinsel.
Der Kalif versucht die Ausdehnung der Macht auf den Irak und den
persischen
Golf (Haarmann, S.184).
1023
Kairo-Byzanz: Verhandlungen über
Friedensverlängerung
Im Auftrag der Kalifenschwester Sitt
al-Mulk verhandelt der ägyptisch-gebürtige Jerusalemer Patriarch Nikephoros in Konstantinopel mit dem
byzantinischen Kaiser Basileios II. über einen neuen
Friedensvertrag (Haarmann, S.184).
1025
Syrien: Vereinter Aufstand der drei
Beduinenstämme in Syrien gegen Ägypten
- Byzanz bleibt neutral und hilft den Beduinen nicht
Die Beduinenstämme der Kilab
(unter Fürst Ibn Midras in Aleppo),
der Kalb der Palmyrene (in
Damaskus) und der Tayyi' (aus
Palästina) versuchen den vereinten Aufstand gegen Ägypten, indem sie
die
Hauptstädte besetzen. Die Tayyi' können al-'Aris
niederbrennen und bedrohen Ägypten mit einem Zug nach Westen.
Gleichzeitig
rufen sie den byzantinischen Kaiser um Hilfe, aber Basileios
II. folgt dem Friedensvertrag mit Kairo/al-Qahira, so
dass ägyptische Truppen die Gegenangriffe gegen die betroffenen Gebiete
aufbauen können (Haarmann, S.184).
1025 ca.
Libanon: Tod des Drusenchefideologen
Hamza al-Labbad - Nachfolger Baha' ad-din al Muqtana
Er führt von Alexandrien die Werbung für die Drusen-Lehre weiter,
währenddessen
die Verfolgungen gegen die Drusen weitergehen (Haarmann, S.183).
1027
Jerusalem: Kalif az-Zahir erlaubt den
Wiederaufbau der Grabeskirche
Zudem gestattet er den ehemals christlichen Hofbeamten, die unter Zwang
zum
muslimischen Glauben konvertieren mussten, die Rückkehr zum
christlichen
Glauben mit Berufung auf Koranvers 2,256:
"Es gibt keinen Zwang in der
Religion", obwohl das islamische Recht den Abfall vom Islam mit dem
Tod
bedroht (Haarmann, S.179).
1029
Palästina-Syrien: Ägyptische
Niederschlagung des Beduinenaufstandes
Ägyptische Truppen unter dem türkischen Gouverneur von
Damaskus, Anustekin, können die Koalition der
aufständischen Beduinenstämme Kilab,
Kalb und Tayyi' zerschlagen
(Haarmann, S.184).
1030
Jerusalem: Ein erneuter Versuch von
Byzanz, Jerusalem zu erobern, scheitert
(Haarmann, S.192)
ab 1030
Persien: Turkmeneninvasion in Iran mit
Häuptlingsfamilie der Seldschuken mit Stammvater Seltschuk
Die Seldschuken/Turkmenen besetzen in wenigen Jahren ganz
Zentralasien und
Ostiran (Haarmann, S.186).
ab 1030 ca.
Sizilien, Ifriqiya: Abnehmender Einfluss
Kairos/al-Qahiras auf Sizilien und Nordafrika
Der Einfluss des Kairoer Kalifen wird
schwächer, was sowohl den Emir von Palermo wie auch den Kontakt zu den
Emiren
im Maghreb betrifft, die jeweils ihre Einsetzungsurkunden gegen
Geschenke und
Geld erhalten.
Der Vizekönig des Maghreb, der Ziride al-Mu 'izz b. Badis mit Residenz
in Kairuan
(heute Tunesien) kann u.a. in Sizilien einen Emir eigener Wahl gegen
den Willen
des ägyptischen Kalifen durchsetzen. (Haarmann, S.185).
1031
Spanien: Ende des Kalifats in Córdoba
(Haarmann, S.185)
1033-1034
Jerusalem bekommt eine neue Ringmauer
aus Kirchen- und Klostersteinen
Afrikakalif al-Zahir lässt um das
byzantinische Hauptziel Jerusalem eine Ringmauer bauen. Dazu lässt er
Kirchen
und Klöster abreissen.
Parallel dazu erfolgen neue Verhandlungen mit Byzanz
mit Kaiser Romanos III.
Argyros und Michael IV. Die
Verhandlungen ziehen sich bis 1038 hin. Byzantinische Forderungen sind:
-- Beibehalten der Lehenshoheit über Aleppo
-- direkte Einflussmöglichkeit auf Jerusalem und die Hoheit, den
dortigen
Patriarchen zu ernennen
-- Erlaubnis zum Aufbau der Grabeskirche, die mit Hilfe von Byzanz
wieder
aufgebaut werden könnte
-- Wiederaufbau der anderen von Kalif az-Zahir zerstörten Kirchen
-- Einstellen der Plünderungszüge des Emirs von Palermo im
byzantinischen
Kalabrien und Apulien (Haarmann, S.184).
1036-1094
Kairo: Afrikanisches Kalifat
al-Mustansir
(Haarmann, S.183)
1038
Ägypten-Byzanz: Friedensvertrag auf 30
Jahre
(Haarmann, S.184)
Persien: Turkmenischer Eroberungsplan
von Togrilbeg
Togrilbeg, der Seldschukenführer, lässt sich jetzt bereits
als
"Sultan"
anreden und kündigt die Vernichtung des fatimidisch-ägyptischen
Kalifats an
(Haarmann, S.186). Ausserdem verkündet er die Eroberung Mekkas
und Medinas
(Haarmann, S.187).
1038
Ägyptisches Bündnis mit Jemen
Ein ismailitischer Missionar reisst in Jemen die Herrschaft an sich und
begründet die Dynastie der "Sulayhiden" von Sanaa (San 'a'). Jemen
bewährt
sich in der Folge als Bündnispartner des ägyptischen Kalifen (Haarmann,
S.187).
ab 1038
Ägypten/Palästina: Wiederaufbau der
Grabeskirche - Rücknahme diskriminierender Gesetze
Die Grabeskirche in Jerusalem wird mittels Planung von
byzantinisch-griechischen Architekten wieder aufgebaut. Die Christen in
Syrien
und Ägypten erhalten die Toleranz zurück, die von Kalif al-Hakim
eingeschränkt
worden war (Haarmann, S.184).
1040
1043
Libanon: Drusische Lehre wird
Geheimlehre
Drusenführer Baha' ad-din al-Muqtana stellt unter dem Druck der
Verfolgung die
Drusenmission ein. Die Lehre wird zu einer Geheimreligion für
"Eingeweihte", die nur in den Gebirgsklausen gelehrt wird. Die grosse
Masse der "Unwissenden" bleibt von der Lehre bis in die 1980-er Jahre
ausgeschlossen (Haarmann, S.183).
1048
Ägypten-Byzanz: Erneuerung des
30-jährigen Friedens
auch wenn noch gar nicht 30 Jahre vergangen sind (Haarmann,
S.184).
ab 1048 ca.
Ifriqiya: Unabhängigkeitsbestrebungen in
Kairuan
Der Vizekönig des Maghreb strebt die Unabhängigkeit von Kairo
an
(Haarmann,
S.185).
1050
1051
Ifriqiya: Unabhängigkeitserklärung des
Maghreb von Ägypten - Huldigung an Bagdads Kalifat
Der Vizekönig, der Ziride al-Mu 'izz b.
Badis, lässt den Bagdader im Freitagsgebet dem Kalifen al-Qa 'im huldigen und erhält zusätzlich noch ein Bestallungsdiplom
aus Bagdad (Haarmann, S.185).
ab 1051
Ägyptens Reaktion auf die Unabhängigkeit
des Ifriqiyas: Beduinenvertreibungen - Arabisierung
mit Anstiftung "lästiger" Beduinenstämme aus Nubien
zu Raubzügen im Maghreb: die Banu Hilal und Banu Sulaym.
Diese Stämme ziehen plündernd in die Cyrenaika durch den Maghreb und
sollen so
Nordafrika destabilisieren. Plünderung von Barka
(Haarmann, S.185).
Nordafrika wird mit den Beduinenplünderungen mehr und mehr arabisiert
und die
Siedlungs- und Wandergebiete der Maghreb immer mehr eingeschränkt. Die
Kirchen
und Bistümer in den Berberstädten
weichen rasch dem Islam. Ab diesem Zeitpunkt hören die lateinischen
Inschriften
in Grabsteinen auf Friedhöfen in Nordafrika auf (Haarmann, S.186).
Ersatzbeduinen
Das Kalifat selbst siedelt westlich des Nildeltas die
Tayyi'-Clans
aus
Palästina und dem Sinai anstelle der entfernten Banu-Quarra-Beduinen an
(Haarmann, S.185).
1053
Ifriqiya: Bistumssterben in Nordafrika
Von den 47 Bistümern in Nordafrika existieren noch fünf. Der
vulgärlateinische
Dialekt in Afrika schwindet rapid und hält sich nur noch in abgelegenen
Oasen,
z.B. Gafsa (Qafsa) (Haarmann, S.186).
1054
Ägypten: Hungersnot - Byzanz unter
Kaiser Konstantin IX. Monomachos hilft Ägypten mit Getreidelieferungen
(Haarmann, S.185).
Ifriqiya: Die beduinischen Stämme aus
Nubien und Ägypten belagern die Maghreb-Hauptstadt Kairuan
(Haarmann, S.185)
1055
Byzanz: Kaiserin-Nachfolgerin von
Byzanz, Theodora, verlangt von Ägypten die Beteiligung an einem
Militärbündnis
quasi als Gegenleistung für die Hungerhilfe von 1054. Ägypten
verweigert
jedoch das Militärbündnis und der Friede zwischen Byzanz und Ägypten
geht in
die Brüche (Haarmann, S.185).
18.12.1055
Bagdad: Togrilbeg wird offiziell als
Bagdader Sultan anerkannt - umworbener al-Basasiri
Nach der Anerkennung Togrilbegs als Sultan scharen sich schiitische und
anti-seldschukische Kräfte um den türkischen Offizier Arslan
al-Basasiri, der
mittels ägyptischer Waffen und Gelder Unruhen um den Bagdader
Kalifenhof
schürt.
In der Folge muss Togrilbeg vorübergehend Bagdad verlassen (Haarmann,
S.187).
ab 1055
Ägypten-Byzanz: Neue Kriege - wieder
Kirchenraub in Jerusalem
Die Kämpfe in Nordsyrien zwischen Byzanz und Ägypten flammen erneut
auf.
Afrikakalif al-Mustansir lässt u.a.
die neue Grabeskirche in Jerusalem ausrauben (Haarmann, S.185).
1057
Ifriqiya: Der Vizekönig des Maghreb gibt
Kairuan auf und zieht in die Seefestung Mahdiyya
(Haarmann, S.185)
Dez 1058
Ägyptische Besetzung von Bagdad
Al-Basasiri zieht in Bagdad ein, lässt die abbasidischen
schwarzen
Fahnen
einziehen und lässt ägyptisch-fatimidische weisse Fahnen hiessen. Dem
Kalifen
al-Mustansir in Kairo wird im Bagdader Freitagsgebet gehuldigt. Die
Amtskleidung des abbasidischen Kalifen, ein schwarzer Mantel mit
schwarzem
Turban, wird als Beweis der Besetzung Bagdads nach Kairo gesandt
(Haarmann,
S.187).
ab 1058 ca.
Ägyptische Agententätigkeit im Iran und
Indien
Überall im seldschukischen Iran wirken die Missionar-Agenten
von
Kalif
al-Mustansir, bis in die Hochtäler des Hindukusch,
Pamir, und Nordwest-Indiens
(Haarmann, S.187).
1059
Ägypten: Höhepunkt der Macht: von Bagdad
bis zur Cyrenaika
Ägypten befindet sich auf dem Höhepunkt seiner imperialen Ausdehnung.
Ägyptens
Heerführer Al-Basasiri erhält von
Ägypten aber keine Unterstützung, obwohl er ganz Mesopotamien regiert.
Kalif
al-Mustansir scheint ihm zu misstrauen, oder der Nachschub wird auf der
Transportlinie unterbrochen (Haarmann, S.187).
1060
Bagdad: Seldschukenführer Togrilbeg
zieht wieder in Bagdad ein
Al-Basasiri muss aus Bagdad abziehen. Es folgt eine grosse
Seldschukeninvasion
in Syrien und im Hedschas (Haarmann,
S.187).
ab 1061 ca.
Unruhen in Ägypten nach der Niederlage
in Bagdad
Türkische und berberische Truppen verbünden sich gegen die
"schwarzen
Garden" des ägyptischen Hofs. Es kommt zu Schlachten vor den Toren
Kairos
(Haarmann, S.188).
Italienische Seerepubliken in Palästina
Die italienischen Seerepubliken besitzen ein Kloster mit
Hospital
und
Kirche in Jerusalem, das "Santa Maria de Latina" (Haarmann, S.190).
1062
Der Maghreb kommt wieder unter
ägyptische Kontrolle
(Haarmann, S.187)
ab 1065 ca.
Waffenstillstand zwischen Ägypten und
Byzanz
(Haarmann, S.185)
ab 1065
Wiederholte niedrige Nilhöhen -
Hungersnot in Ägypten
Wiederholte unzureichende Nilhöhen haben Hunger und Teuerung
in
Ägypten zur
Folge. Zusätzlich brechen Seuchen aus. Dazu kommen die laufend sich
erhöhenden
Kosten für die Armee. Die alljährlichen Getreidelieferungen an die
heiligen
Stätten Mekka und Medina müssen unterbleiben (Haarmann, S.188).
1068
Zahlungsunfähigkeit Ägyptens
Der Afrikakalif al-Mustansir gibt öffentlich die Zahlungsunfähigkeit
des ägyptischen
Imperiums bekannt.
Der Scherif von Mekka sucht in der Folge einen neuen Schutzherrn und
bekommt
sofort Kontakt zum Seldschukensultan Togrilbeg
(Haarmann, S.188).
Weil das ägyptische Heer jährlich 400.000 Dinar verschlingt, muss das
Kalifat
die Staatsschätze angreifen und u.a. 7 mudd (= 126 Liter) Smaragde
verkaufen,
was ca. 300.000 Dinar entspricht
(Haarmann, S.191).
1069
Eröffnung einer ägyptischen
Gesandtschaft in Byzanz
(Haarmann, S.185)
1070
Das Kalifat Kairo verliert seine
Anerkennung in Mekka und im Nildelta
Der Scherif von Mekka anerkennt den Kalif in Bagdad wieder als
"rechtmässigen Kalifen" an. Auch in Alexandrien, Damiette und in anderen Städten des
Nildeltas lässt die Generalität Ägyptens den Abbasidenkalifen von
Bagdad im
Freitagsgebet huldigen.
Der palästinensische Küstenstreifen mit Akkon
und Askalon kann sich unter dem
Mamlukken-Offizier Badr al-Gamali
weiter ägyptisch behaupten (Haarmann, S.188).
ab 1070 ca.
Rückzug der Berber vor der Arabisierung
Die Berber ziehen sich vor den plündernden Beduinen nach und nach ins
Gebirge
zurück, um den Gabal Nafusa in
Tripolitanien, um den Awras, den Hutna,
die Kabylei im heutigen Algerien und die Atlasketten
des heutigen Marokko (Haarmann, S.186).
1071
Syrien: Aleppo wird seldschukisch
Aleppo unterwirft sich dem Seldschukensultan Alp
Arslan
als dem neuen "Beschützer des rechtmässigen
Kalifen" (Haarmann, S.187).
19.8.1071
Anatolien: Seldschukischer Sieg gegen
Byzanz - beginnende "Islamisierung" Anatoliens
Das Seldschukenheer besiegt das byzantinische Heer unter Kaiser Romanos IV. Diogenes beim armenischen
Ort Mantzikert nördlich des Van-Sees.
Damit ist das griechisch-kleinasiatische Gebiet der folgenden
islamischen
Besetzung und der "Islamisierung" ausgeliefert (Haarmann, S.187).
ab 1071
Jerusalem kommt ab dem Feldzug des türkischen Offiziers Atsiz
unter die Gewalt des Emirs von Damaskus (Haarmann, S.194).
1072 ca.
Jerusalem: Abbasidisch-seldschukischer
Vorstoss und Besetzung Jerusalems
Von Aleppo aus stösst Heerführer Alp
Arslans mit seldschukischen bagdadtreuen Truppen weit nach Süden
vor und
kann Ramla und Jerusalem besetzen.
Damaskus wird belagert (Haarmann, S.187).
1072
Kairo: Abbasidische Besetzung
Der Fatimidenkalif
al-Mustansir wird in seinem Palast
eingekesselt (Haarmann, S.188).
ab 1072 ca.
Grosse Aufstandsbewegung gegen das
Fatimidenkalifat in Alexandrien
-- arabische Stämme plündern Nubien aus
-- Aufstand des Luweta-Stammes im Nildelta (Haarmann, S.188).
1073
Kairo: Kalif Al-Mustansir holt Offizier
Badr al-Gamali aus Palästina
ein Mamlukkenoffizier, mit einer Truppe meist armenischer Söldner aus
Palästina. Er soll von Damiette aus Kairo beschützen (Haarmann, S.188).
Jan 1074
Kairo: Rettung durch Offizier Badr
al-Gamali aus Palästina mit einer Militärdiktatur
Nach der Ankunft der Söldnertruppe von Offizier Badr
aus Palästina lässt der Kalif die berberischen und türkischen
Truppen in Ägypten auflösen und durch die zumeist armenischen Söldner
ersetzen.
Badr al-Gamali wird neuer Wesir und erhält den Auftrag, Ägypten aus der
Krise
zu führen (Haarmann, S.188). Badr al-Gamali etabliert in Ägypten eine
Militärdiktatur (Haarmann, S.191).
1074-1077
Ägypten: Die Feldzüge von Wesir Badr zur
"Befriedung" Ägyptens
Wesir Badr al-Gamali und seine vorwiegend armenischen Söldnertruppen
unternehmen
Feldzüge zur "Befriedung" Ägyptens:
-- Erstürmung des rebellischen Alexandrien
-- Besiegung des aufständischen Berberstamms der Luweta
im Nildelta
-- Besiegung der arabischen Stämme, die Oberägypten/Nubien ausplündern
(Haarmann, S.188).
1076
Damaskus fällt unter die Regierung
Bagdads - Askalon und Akkon bleiben ägyptisch
(Haarmann, S.187-188).
Februar 1077
Ägypten: Sieg der Söldnertruppen von
Wesir Badr al-Gamali im Nildelta Truppen aus Damaskus
(Haarmann, S.188)
ab 1077
Wirtschaftliche Erholung Ägyptens mit
Erlassung der haradsch-Steuer für drei Jahre
(Haarmann, S.188)
1087
Kairo: Bau einer neuen Stadtmauer um
Kairo/al-Qahira
mit den Stadttoren Bab Zuwayla im
Süden und Bab an-Nasr sowie Bab al-Futuh
im Norden (Haarmann,
S.188).
1090
ab 1090 ca.
Kreuzzugsmotive
-- Kampf gegen "Ungläubige"
-- zentrale Bedeutung hat die Herrschaft über die Heiligengrabeskirche
(Prutz,
S.429).
1092
Bagdad: Ermordung des seldschukischen
Wesirs Nizam al-Mulk
durch ismailitische Agenten des ägyptischen Kalifenhofs (Haarmann,
S.192).
1094
Kairo: Tod des Militärdiktators und
Wesirs Badr al-Gamali - Nachfolger Sohn al-Afdal
(Haarmann, S.191)
Dez 1094
Kairo: Tod des Kalifen al-Mustansir -
Nachfolger Sohn Nizar - Krieg des Wesirs gegen den Thronfolger
Nizar lässt sich in Alexandrien zum Kalifen ausrufen, gestützt auf die
arabischen Stämme im Nildelta. Seine Stammestruppen werden von Truppen
des
Wesirsohnes al-Afdat besiegt. Thronfolger Nizar wird eingekerkert
(Haarmann,
S.191).
Anfang 1095 ca.
Kairo: Wesir al-Afdal lässt Thronfolger
Nizar heimlich umbringen und setzt die Erhebung des jüngeren Prinzen
Ahmad
al-Musta 'li durch - "Nizaristen"-Abspaltung
Mit diesem Schritt hat Wesir al-Afdat gegen die heiligen
Nachfolgegesetze der
ismailitischen Imamatslehre verstossen. Die Spaltung der ismailitischen
Anhänger in Ägypten ist unausweichlich. Ein Teil hält an einem Kalifat
und
Imamat Nizars fest und behauptet unter dem Propagandisten und Missionar
Hasan-i Sabbah, Nizar sei nur entrückt
und werde bald wieder erscheinen. Diese Behauptung ist möglich, weil
niemand
den Tod Nizars beobachten konnte.
Die "Nizaristen" wandern aus, nehmen die persische Burg Alamut
südlich des Kaspischen Meeres
als Sitz (Haarmann, S.191) und verüben von dort aus politische
Anschläge und
Attentate auf sunnitische, fatimidische und christliche Herrscher und
Institutionen. Die Attentäter, die in Iran, Syrien und Ägypten
operieren,
nennen sich die "sich Opfernden" ("fida 'iyyun") und werden von den
Kreuzfahrern "assassini" genannt (Haarmann, S.192).
ab 27.11.1095
Frankreich:
"Glaubensenthusiasmus" mit "Heiligem Georg" als Gegenfigur
zu Muhammad
In Frankreich verbreitet sich ein noch nie dagewesener
"Glaubensenthusiasmus". Der "Heilige
Georg" wird mit einem heiligen weissen Pferd und einer heiligen
weissen
Fahne zum Vorbild propagiert (S.38). Er wird zum Pendant des
kämpferischen
Propheten Muhammad in der Rüstung des heiligen
Jakob von Compostela (Hunke,
S.39).
Das Deutsche Reich verweigert die
Kreuzzüge
Das Deutsche Reich macht nicht mit, auch weil in Clermont
der deutsche Kaiser in seiner Autorität angegriffen wurde
(Hunke,S.52).
Das Deutsche Reich betreibt die "Mission" östlich von Elbe
und Weichsel, die Besiedlung und Kultivierung und ist
mit
"Arbeit" völlig ausgelastet. Es schliessen sich nur kleine Gruppen
deutscher Pilger oder Kreuzfahrer an. Frankreich reagiert "übel" auf
die
deutsche Passivität und fühlt sich als Bannerträger "Christi", als
Vorhut und Führer der gesamten "Christenheit" (Hunke,S.52).
Kirchliches Feindbild gegen die Muslime
-- Muslime seien "unkeusche Teufel"
-- Muslime seien "wüste Götzenanbeter", die ihren Abgott Christen
opfern
(Hunke,S.83)
-- die Kirchenfürsten bezeichnen die Muslime als "gemeines Gezücht"
(Hunke,S.84).
Gleichzeitig verflucht die arabische Welt die Christen mit dem Spruch:
"Allah verdamme ihn!" (Hunke,S.84)
ab 1095 ca.
Ägypten: Reformen für neuen Wohlstand
Reform im Münzwesen und Steuerwesen sowie der
Finanzverwaltung
(Haarmann,
S.194). Wesir al-Afdal setzt das
"Werk" seines Vaters fort. Die Reformen geben Ägypten wieder
ökonomischen
Wohlstand (Haarmann, S.195).
1096-1099
Erste Kreuzzüge zur "Rettung des
heiligen Landes"
Die englischen und französischen Kreuzzugsheere, die durch
deutsches Gebiet
ziehen, werden als "Narretei" bezeichnet, die Kreuzfahrer ausgelacht
(Hunke,S.52).
Die "Kreuzfahrer"
-- müssen jahrelange Märsche durch Europa und Kleinasien auf
sich
nehmen
und zum Teil unverhoffte Widerstände überwinden
-- müssen Entbehrungen, Hunger, Hitze, Strapazen auf sich nehmen, die
den
Fanatismus gegen den Islam zusätzlich steigern, so dass es zu
unglaublichen
Bluttaten kommt, die in der islamischen Welt bis heute nicht vergessen
sind
(Hunke, S.51)
[-- und die Kreuzzüge sind laufend von Pogromen gegen Juden begleitet].
1096
Italien: Geldgier von Genua, Pisa und
Venedig als Mitverursacher der Kreuzzüge
Die italienischen Handelsstädte Genua, Pisa und Venedig mit
ihren
mächtigen
Patrizierfamilien sind Mitinitianten der Kreuzzüge. Sie hoffen auf
vermehrte
Handelsstationen auf den Ost-West-Handelsrouten und auf neue Profite.
Ohne die Flotten dieser Städte wären die Kreuzzüge gar nicht
durchführbar. Die
Benutzung der Flotten lassen sich die Städte entschädigen: mit
königlichen
Privilegien in Palästina, Syrien oder Ägypten. Somit sind ihnen gute
Handelsprofite sicher (Haarmann, S.211).
1096
Levante: 1.Kreuzzug zum "heiligen
Grab"
vom französischen Adel mit normannischer Unterstützung
geführt
(Hunke,
S.41).
Jerusalem: Belagerung durch
fatimidisch-ägyptische Truppen
(Haarmann, S.194)
ab 1096 ca.
Persien: Die Nizaristen zerstören die
ägyptisch-fatimidische Mission in Iran
Das ägyptische Kalifat kann somit keine innere Manipulation
gegen
die
Seldschuken und Abbasiden in Bagdad mehr betreiben (Haarmann, S.192).
Kreuzzüge sind Autoritätsorgien der
Kirche
Der Papst benutzt die Kreuzzüge, um die Autorität des deutschen Kaisers
zu
untergraben und die Autarkie des Deutschen Reiches gegenüber Rom zu
zerstören
(Hunke, S.56-57).
Palästina: Die Kreuzfahrer stürzen sich
auf Zuckerrohrplantagen - Horizonterweiterung
Der Saft des Zuckerrohrs ist beliebt, weil die Kreuzzügler auf ihren
langen
Märschen in der Hitze fast verdursten. Sie nennen den Zuckersaft
"wilden
Honig"(HunkeS.112). Ritterfahrten in den Orient sind wie eine
Horizonterweiterung: eine Befreiung von der Eingeengtheit und den
dauernden
Sündpredigten der Rom-Kirche (Hunke, S.120).
[Und bei beiden Autoren, Haarmann (Hrsg.) und Hunke fehlt die Erwähnung
der
Pogrome an der jüdischen Bevölkerung in Europa wie in Palästina während
der
Kreuzzüge].
1096-1098
Erste Konfrontation zwischen
europäischen und arabischen Taktiken: "Pfeilregen"
Die arabischen Bogenschützen auf Pferden kämpfen in dichten
Rudeln,
schiessen aus bis zu 80 m Entfernung und treffen Reiter und Pferd
(Hunke,
S.127).
In der Folge können die europäischen Reiter ihre Nahkampfwaffen Speer,
Schwert
und Schild kaum einsetzen. Wilhelm von
Tyrus schildert "Pfeile wie Wolken von Heuschrecken", die
Kreuzritterpferde fallen reihenweise. Die Kreuzritter versuchen, die
Distanz
durch schnellen Ritt zu überwinden. Die Araber / Muslime flüchten
schnell und
sammeln sich aus Distanz für einen neuen "Pfeilregen" (Hunke, S.127).
Die europäischen weitmaschigen Panzerhemden schützen kaum (Hunke,
S.128).
Arabische Musikkorps vor den Truppen -
die Kopie in Europa
Es ist arabischer Brauch, dass den arabischen Truppen
Musikkorps
vorausreiten, mit Fanfaren, Posaunen, Zymbeln, Trompeten, Querflöten,
Pfeifen,
Trommeln, Pauken, auf Kamelen, oft von Frauen oder Knaben gespielt. Der
Eindruck soll den Gegner überwältigen, vor allem die Wucht und
Unheimlichkeit
der Pauken (Hunke, S.132) und der Schlachtruf Allahu akbar/"Gott ist
der
Grösste". Das christliche Heer aber lässt sich nicht verwirren (Hunke,
S.133).
ab Juni 1098
Europäisch-"christliche" Invasion in
Palästina
Weder der byzantinische Kaiser noch die seldschukischen Truppen noch
die
syrischen Emire können oder wollen die Kreuzfahrer an der Besetzung
palästinensischen Gebietes hindern (Haarmann, S.194).
Christliche Besetzung von Antiochien
mit erbarmungslosem christlichem Massaker an der muslimischen
Bevölkerung
(Hunke, S.64).
Ende Juni 1098 ca.
Christliche Besetzung Ramlas
(Haarmann, S.194)
September 1098
Ägyptische Besetzung Jerusalems
Jerusalem wird nach der jahrelangen Belagerung durch
fatimidisch-ägyptische
Truppen besetzt (Haarmann, S.194).
ab 1098
"Kreuzzüge": Bau christlicher
Burgen auf arabischen Burgruinen
Die Kreuzfahrer müssen sich von Burg zu Burg durchkämpfen, erben zum
Teil
arabische Burgruinen, auf die sie christliche Burgen bauen. An den
ausgebauten
arabischen Burgen bleiben die Christenheere hängen, denn 3-5m dicke
Mauern,
breite Festungsgänge und zwei breite und tiefe Gräben sind kaum
überwindbar.
Diese Burgbauweise wird gleichsam zum Vorbild für neue christliche
Burgen in
Palästina und Europa (Hunke, S.123).
Christlicher Burgenbau in Palästina ist
arabische Kopie
Die Franken stellen arabische Baumeister an, um die arabischen Burgen
für die
Christen neu zu errichten, frei nach dem Kreuzfahrersprichwort: "Eine
zerstörte Burg ist schon halb erbaut", so z.B.
-- die Burg des Johanniterordens: Margat
-- die Burg des Chevaliers, die ehemalige arabische Burg Kalat
el-Husn (Hunke, S.123).
Die Kreuzfahrer erlernen das System der Doppelbefestigung mit dem durch
zwei
Mauerzüge gebildeten Zwinger zum Schutz gegen Belagerungsmaschinen und
Unterminierungen sowie neue Belagerungstechniken (Hunke, S.123), v.a.
diejenigen Kreuzfahrer, die von Byzanz aus Burg für Burg in Palästina
und
Syrien erobern müssen (Hunke, S.124).
Mit diesen Erfahrungen führen die Kreuzzugsteilnehmer in Europa die
arabische
Burgarchitektur ein:
-- Zinnen, die wie ein laufendes Ornament bei Burgen und Stadtmauern
angebracht
werden, die in ganz Europa zum beliebten Wappenmotiv werden
-- Vierecksburgen, die ein neues Verteidigungskonzept nach Deutschland
bringen
gegenüber der alten Ringburg mit dem Bergfried in der Mitte (Hunke,
S.124)
-- Pech- und Ölspalte über dem Eingangstor, in Pechnasen in Europa
eingeführt
-- Fallgitter am Tor
-- oft: verschobene Toreingänge wie in Djerba/Dscherba
(Hunke, S.125).
1098/1099
Erster Kreuzzug: Christliche Besetzung
der syrischen Küste und Palästinas
Die christliche Invasion in Syrien stösst auf keinen koordinierten
Widerstand
(Haarmann, S.192).
ab 1098
Italien-Ägypten: Erhöhter Handel der
italienischen Seestaaten mit Holz und Pech
Während der Kreuzzüge nehmen die Pech- und Holzlieferungen
der
Reeder der
italienischen Seerepubliken zu. Neben Amalfi
und Genua sind nun auch Pisa und Venedig in den Büchern Ägyptens verzeichnet. Die
Kriegsprofite
bleiben lukrativ und das Risiko einer Kaperung oder Bestrafung durch
Byzanz
oder Rom scheint minimal (Haarmann,
S.190).
15.7. 1099
Jerusalem christlich besetzt
durch Erstürmung gegen eine schwache fatimidische Garnison (Haarmann,
S.194).
Die europäisch-christlichen Besetzer vertreiben die muslimische
Herrschaft.
Erst jetzt, wo die Stadt christlich regiert wird, rückt die
"Heiligkeit"
der Stadt für den Islam wieder ins allgemeine muslimische Bewusstsein
(Haarmann, S.192).
Die christliche Besetzung Jerusalems erfolgt mit einem erbarmungslosem
christlichem Massaker an der muslimischen Bevölkerung (S.64). Das
französisch-englisch-christliche Massaker in Jerusalem ist u.a.
geschildert von
Dichter Mosaffer Allah Werdis, der
zum Dschihad aufruft (Hunke, S.51).
Ende 1099 ca.
Erster Kreuzzug: Die Ägyptische Reaktion
auf die christliche Invasion kommt zu spät - ägyptische Truppen werden
zerschlagen
Erst 1099 ca. reagiert Ägyptens Wesir al-Afdal und lässt bei Askalon Truppen zusammenziehen, die von
den europäisch-christlichen Truppen aber noch vor deren Angriff
auseinandergetrieben werden (Haarmann, S.194).
ab 1099
Kreuzzugszeit: Keine Annäherung zwischen
Christentum und Islam in Palästina
Zwischen den beiden Religionen kommt es zu keiner Annäherung.
Kirche und
Ritterorden verhindern mittels Feindbildern und Propaganda die geistige
Auseinandersetzung mit dem Islam. Übersetzungen und Wissensvermittlung
findet
in den Kreuzfahrerstaaten kaum statt (Haarmann, S.214).
1100
Anfang 12. Jh.
Französisch-christliche
Geschichtsschreibung: Frankreich als "Retter" vor dem Islam
Historiker Guibert von Nogent
behauptet, Frankreich habe die Welt vor dem Islam gerettet, während
Deutschland
sich nicht beteiligt habe (Hunke, S.52).
"Rolandslied" in
Nordfrankreich
beschreibt den Kampf der Nachhut Karls "des Grossen" von 778 mit den
Basken als christliches "Heldenepos" gegen die Muslime (Hunke, S.87).
[Gemäss neuester Geschichtsforschung hat es Karl den Grossen nie
gegeben].
Frankreich: Plumpe, hetzerische
Spielmannsepen gegen den Islam
Die französischen Epen sind schablonenhaft und beschreiben
"edle
Ritter" und "böse Heiden", um die "Kreuzzugsbegeisterung" immer
wieder neu zu schüren (Hunke, S.87).
Italien-Palästina: Vergabe von Rechten
an Venedig
Venedig entsendet eine Flotte von 200 Schiffen nach Jaffa
und handelt mit Gottfried
von Bouillon dafür einen Drittel aller noch zu erobernden Städte
und
völlige Abgabenfreiheit aus (Haarmann, S.211).
ab 1100
Kreuzzüge prägen - Kirchenherrschaft in
Frankreich - Kaiserherrschaft in Deutschland
-- die Kreuzzüge schaffen einschneidende Schicksalserlebnisse
-- die Kirche kann in Frankreich dadurch die Staatsgewalt des schwachen
Königtums und der schwachen Territorialherren übernehmen (Hunke,
S.36-37)
-- in Deutschland werden König und Kaisertum stärker und verpflichten
die
Ritter zum Schutz und zur Verteidigung des "heiligen römischen Reiches
deutscher Nation"
-- die Konkurrenz von französischer Kirchenherrschaft und deutscher
Kaiserherrschaft schafft innerhalb der Kreuzzüge viele Ungereimtheiten
und
Unstimmigkeiten (Hunke, S.37).
Levante: Gründung des Königreichs
Jerusalem
Ein Teil der französischen und normannischen Barone bleibt mit einem
Stamm von
Rittern im Land und gründet das Königreich Jerusalem sowie weitere
Fürstentümer
(Hunke, S.41).
Gründung der Ritterorden im
"heiligen Land" und in Europa - "Tempelritter"
Die Ritterorden sind die Kopie der osmanischen Murabitun-Orden
und der Almoraviden-Krieger in Spanien (Hunke,
S.41).
Gründung des Ordens der Tempelritter auf dem Boden des Tempels Salomos,
auf dem
die al-Aksa-Moschee gestanden hatte, mit Sitz im Palastbezirk Jerusalem
(Hunke,
43).
Die Sultane unterstützen weiter christliche Hospitäler mit
Geldzuschüssen,
trotz aller Kreuzzüge und christlichen Hetze (Hunke, S.86).
12. Jh.
Kulturaustausch: Europas
"Kultur" kopiert
Arabische Lebensweisen im "christlichen" Palästina
Bernhard von Clairvaux kann nicht verhindern, dass sich im
Königreich
Jerusalem arabische Lebensgewohnheiten auch bei den Christen
durchsetzen
(Hunke, S.98):
-- Kaftanmode
-- Turbanmode, Seidengewänder
-- Sitzen auf Kissen, Polstern und Teppichen auf dem Boden
-- Zubereitung von Speisen auf arabische Art
-- Fanfaren mit Trompeten statt Hörnern
-- König Balduin von Jerusalem lässt
sich einen Vollbart wachsen
-- Mantelmode bei christlichen Ordensrittern (Hunke, S.99).
Der "Aufstieg": Änderungen in
der Hierarchie unter Christen in Palästina
-- die Christen, die in Europa arm waren, werden plötzlich zu
Hausbesitzern
und herrschen über Bauernfamilien
-- Palästina wird zur Chance, zum Aufstieg, und sie wollen nicht mehr
nach
Europa zurück
-- die Christen in Palästina gehen Mischehen mit christlichen
Araberinnen ein
(Hunke, S.99)
-- die Christen in Palästina lernen, gleichzeitig mit vielen Sprachen
umzugehen, Entwicklung der Mehrsprachigkeit (Hunke, S.100).
Europäische Neuankömmlinge in Palästina sind zuerst völlig verwirrt und
stellen
bei den assimilierten Christen eine "seltsame Vertrautheit mit der
arabischen Bevölkerung" fest (Hunke, S.99).
Europa kopiert arabische
"Ritterspiele"
Französische und deutsche Ritter übernehmen den arabischen
Scheinkampf auf
dem Pferd "buhurt" der Reiterscharen, sowie das Lanzenstechen der
Einzelkämpfer mit stumpfen oder auch mit scharfen Waffen, das Dutzende
von
Toten fordern kann (Hunke, S.133).
Deutsches Reich: Beginn des Burgenbaus
aus Stein
(S.121) mit steinernen Wachttürmen neben den noch hölzernen
Wohnbauten
(Hunke, S.122).
Christliche Kreuzzugsheere kopieren
arabisches Sonnenschutzsystem für das Heer - Nachmachen der Kriegsmusik
-- Einführen des "Gambesson", ein ärmelloses Wams über der Rüstung
-- Einführen des arabischen "Kufijah", ein Schleiertuch über dem Helm
-- Einführen leichter Decken für die Pferde, so dass nur noch die Augen
frei
bleiben (Hunke, S.130).
Zusätzlich werden Hemd und Pferdedecke mit Wappen bestickt, damit die
Ritter
noch zuzuordnen sind. Der Wappenkult gelangt so auch nach Europa, mit
den
traditionellen arabischen Wappentieren: Löwe, Greife, Adler und
Doppeladler
(Hunke, S.130).
Der ahnungslose Hetzer, Abt Bernhard von
Clairvaux, verhöhnt den Pferdeschutz als "Dirnenkleid".
Die christlichen Heerführer übernehmen das arabische Musikritual
mitsamt den
Trompetensignalen, Tamburschlägen, Pauken- und Trommelwirbeln und
Fahnensignalen (Hunke, S.133).
ab 1100
Italienische Seefahrer sind die
Hauptgewinner der Kreuzzüge
-- sie verdienen am Transport der Heere
-- sie machen Wechsel- und Darlehensgeschäfte mit den Kreuzfahrern und
Pilgern
(Hunke, S.116) und transportieren auf dem Rückweg arabische Waren
(Hunke,
S.117).
12. Jh. / ab 1100
Kulturaustausch: Arabischer Einfluss in
Europa
Erste arabische Glashütte in Europa
Arabische Glaskünstler aus Syrien und Mesopotamien eröffnen in Venedig
eine
erste Glashütte und hüten in Europa bis ins 17. Jh. das Monopol des
Glasbläserverfahrens und der Glasspiegelproduktion (Hunke, S.114).
Verbreitung der Instrumente der
arabischen Feldmusik in ganz Europa
Schlaginstrumente und Blasinstrumente, sowie daneben auch das Hackbrett
(Hunke,
S.162).
Wandel in der europäischen Musik: Starre
Kirchenchoräle werden "belebt"
Die arabische Musik wandelt die in Europa bisher herrschende
gleichmässige
kirchliche Choralmusik in zum Teil sehr bewegte Gesänge ab. Es
entwickelt sich
dadurch ein neues Kunstempfinden in Europa, z.B. bei Franco
von Köln und seiner Schule, der für seinen cantus
mensurabilis arabische Zeichen
verwendet, die er mit Namen arabischen Ursprungs benennt (Hunke, S.161).
Anfang 12. Jh.
Seldschukensultane übernehmen den
arabischen Doppeladler in ihre Wappen
(Hunke, S.130)
ab 1100
Kreuzfahrerstaaten:
Privilegien und Handel mit dem
"Feind"
Die italienischen Quartiere in Palästina
oo
haben
ein
eigenes Oberhaupt, it. vicecomes/bailus/consul
oo haben eigene Justiz, Richter und
Gerichte
oo haben eigene Masse und Gewichte
oo haben eigene Faktoreien
oo haben eigene Kirchen, Bad und
Bäckereien.
In der Folge quellen die italienischen Quartiere über vor Reichtum und
wecken
Gelüste von Feudalherren. Gleichzeitig können die italienischen
Städtestaaten
ihre Unabhängigkeit in Europa festigen und mit Neubauten Macht
präsentieren wie
zum Beispiel in Pisa der Dom, das
Baptisterium und der Campanile im 12. Jh. Gleiches gilt für die
französischen
Städte oder Barcelona. Die
Kirchenfassade von St-Gilles (aus
dem Jahr 1140) wird mit Profitgeldern aus dem Ost-West-Handel bezahlt
(Haarmann, S.211).
Italienische Seefahrerstaaten: Handel
mit dem Feind - Unterhöhlung der eigenen Existenz
Der Handel mit dem Feind ist nur während entscheidenden
Kreuzzügen
verboten. Das allgemeine gegen Ägypten ausgesprochene Eisen-, Holz- und
Pech-Embargo
der Kirchenkonzile (Kriegsmaterial für Schiffbau) wird nie befolgt und
der
Profit munter weiter eingestrichen. Brandmarkungen vom byzantinischen
Kaiser,
vom König von Jerusalem und vom König von Aragón und Vorwürfe des
"Verrats
an der Christenheit" und Drohungen mit Strafen, Exkommunikationen,
Interdikten,
Kaperungen und Folterhaft nützen nichts (Haarmann, S.212).
Muslimischer Profit am Handel mit dem
christlichen "Feind"
Der Handel ist derart verdächtig, dass Salah
ad-din Yusuf/Saladin sich gegenüber dem Kalifen in Bagdad
rechtfertigen
muss. Der Hinweis auf Lieferungen von Eisen, Holz und Pech genügt
(Haarmann,
S.212).
Ägypten feiert seinen Luxus
Ägypten ist in starkem ökonomischen Wachstum und feiert den
Luxus
mit
rauschenden Festen und Raffgier am Kalifenhof. Da keine
imperialistische
Kriegspolitik betrieben werden kann, konzentriert sich der Reichtum in
Ägypten.
Wesir al-Afdal kann unglaublich
viele Schätze horten (Haarmann, S.195).
Ägypten-Pisa, Genua, Venedig: dauernde
Blockaden und Schikanen
Für die italienischen Seefahrerstädte kommt es immer wieder
zu
lästigen und
kostspieligen Schikanen im Hafen von Damiette.
Nach dem Einlaufen müssen die Kapitäne die Steuerruder und Lateinerrah
[horizontal schwenkbares Rundholz zum Befestigen und Handhabung des
Rah-Segels]
der Galeeren den Hafenmeistern abgeben, bis sie die Erlaubnis zum
Auslaufen
erhalten (Haarmann, S.213). In der Liegezeit kann es bei neuen Kriegen
zwischen
Ägypten und Europa zu Blockaden des Auslaufens kommen. Die Kaufleute
werden als
Geisel interniert, eventuell die eingekauften Waren beschlagnahmt
(Haarmann,
S.213-214).
Ägypten-Syrien: Ausbau der muslimischen
Befestigungsanlagen
Ab dem ersten Kreuzzug werden die arabischen
Befestigungsanlagen
unter
grossem technischen Aufwand ausgebaut und erneuert, in Syrien mit
hochentwickeltem Steinquaderbau: Stadtmauern, Tore, Zitadellen
(Haarmann,
S.201).
Syrien-Europa: Handel über fränkische Häfen - Handelsplätze und
Bankenplatz
Akkon
-- mit Verbindungen von Hamah
und Hims mit Tortosa und Tripolis
-- mit der Verbindung von Damaskus
mit Beirut, Tyros und Akkon.
In Damaskus wird vor allem Seide,
Brokatstoff und Stahl gehandelt. Akkon
entwickelt sich zum Hauptumschlagplatz und Bankenzentrum zwischen
Palästina und
ganz Europa, neben den italienischen Seefahrerstädten Genua,
Pisa, Venedig und Ancona
auch für französische Städte wie Marseille,
St-Gilles, Aigues Mortes, Montpellier und Narbonne
sowie für das aufsteigende Barcelona (Haarmann, S.213).
ab 1100-1497
Ägypten-Europa: Privileg der Asien-Handelsroute
Die Umladestationen:
in Aden von grosse auf kleine
Schiffe, bis al-Farama/Pelusium in
einem kleinen Suez-Kanal,
oder
bis "Aydab, dann Umladen auf Kamele,
durch die Wüste an den Nil nach Qus/Kus/
Apollinopolis Parva, von dort auf Nilschiffen bis Alexandrien.
Haupthafen des Indienhandels bleibt Alexandrien, das vom Bischof und
Chronisten Wilhelm von Tyrus als "forum
publicum utrique orbi"/"Markt beider Welten"bezeichnet wird (Haarmann,
S.213).
ab 12. Jh.
Ägypten: Karimi-Kaufleute kontrollieren
den Transithandel
Die sogenannten Karimi-Kaufleute kontrollieren den
ägyptischen
Transithandel und sind durch einen besonders niedrigen Steuersatz von
2,5 %
privilegiert (Haarmann, S.249).
1101
Ägypten: Kinderkalif: Inthronisierung
des 5-jährigen Kalifen al-Amir unter Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali
(Haarmann, S.194)
Beginnende Expansion der Europäer in
Palästina - keine muslimische Abwehr
Europäisch-christliche Besetzung von Haifa
und Caesarea. Es folgen Belagerungen
weiterer Städte.
Die muslimische Welt bringt keine gemeinsame Abwehr der
europäisch-christlichen
Invasion zustande. Ägyptische Fatimiden und der sunnitische Emir der
Abbasiden
in Bagdad können sich nicht einigen.
Die muslimische Geschichtsschreibung, darunter vor allem die
sunnitischen Propagandisten
aus Bagdad, beschuldigt die ägyptischen Fatimiden der Untätigkeit und
des
Verrats, obwohl auch die sunnitischen Emire in der ersten Zeit kaum
etwas gegen
die "Kreuzfahrer" unternommen haben (Haarmann, S.194).
ab 1102
Europäisch-christliche Belagerung von
Tripolis
(Haarmann, S.194)
1104
Europäisch-christliche Besetzung von
Akkon
In ägyptischer Hand aber bleiben Gaza,
Askalon, Tyros, Sidon und Beirut
(Haarmann, S.194).
Königreich Jerusalem-Italien:
"Verteilung" der Häfen an Genua
König Balduin von Jerusalem verleiht Genua je ein Drittel der
palästinensischen Häfen Arsuf, Caesarea
und Akkon und einen Drittel der
Zolleinnahmen von Akkon sowie ein eigenes Stadtviertel in Jerusalem
und Jaffa
(Haarmann, S.211).
1108
Palästina-Italien: Verteilung ganzer
Stadtviertel an Pisa
Der Normanne Tankred verleiht
Pisa diverse Stadtviertel in Antiochien
und Latakia und garantiert ihnen
"freie Hand" im ganzen Fürstentum (Haarmann, S.211).
[Was passiert mit der Bevölkerung, die die Stadtviertel jeweils räumen
muss?]
Juli 1109
Tripolis: Europäisch-christliche
Besetzung
(Haarmann, S.194)
1110
Juli 1110
Europäisch-christliche Erstürmung
Beiruts
Gleichzeitig will eine ägyptische Flotte der Stadt Sidon zu
Hilfe
eilen
(Haarmann, S.194).
Ende 1110 ca.
Europäisch-christliche Besetzung Sidons
Die ägyptische Flotte kann nicht mehr eingreifen (Haarmann, S.194).
1112 ca.
Förderung der Astronomie in Ägypten
Wesir al-Afdal installiert auf
einem Ausläufer des Muqattam
südöstlich von Kairo "eine Kugel" zur Beobachtung der Gestirne und kann
damit das erste Observatorium Ägyptens verwirklichen (Haarmann, S.180).
ab 1112 ca.
"Modus vivendi" zwischen Muslimen
und Christen in Palästina
Die syrischen Emire des Binnenlandes in Damaskus
und Hims
schliessen mit den europäischen Christenfürsten Verträge im Sinne eines
"modus vivendi" ab. Ein solcher "modus vivendi" ist notwendig, weil
die europäischen Franken die Hafenstädte unter Kontrolle haben
(Haarmann,
S.194).
1120
1121
Kairo: Mord an Wesir al-Afdal b. Badr
al-Gamali
Kalif al-Amir lässt seinen Wesir
al-Afdal b. Badr al-Gamali meuchlings ermorden. Sein Besitz wird
beschlagnahmt,
wobei allein an Bargeld 12 Millionen Dinar und 50 Artaben (=9900 Liter)
Silberdirhams zum Vorschein kommen (Haarmann, S.191).
1123
Schliessung des "Hauses der
Wissenschaft" in Kairo/al-Qahira
durch Wesir al-Afdal wegen angeblicher Ketzereien (Haarmann,
S.180).
1124
Europäisch-christliche Besetzung von
Tyros - erste christliche Fürstentümer in Palästina
Es etablieren sich verschiedene europäisch-christliche
Fürstentümer:
-- Grafschaft Edessa am oberen Euphrat
-- normannisches Fürstentum Antiochien
-- Grafschaft Tripolis unter den
Grafen von Toulouse
-- Königreich Jerusalem unter dem
lothringischen Haus Bouillon
(Haarmann, S.194).
[Insgesamt gesehen kommt die christliche Gründung von
"Kreuzzugsstaaten" nur dadurch zustande, weil die muslimische Abwehr
keine einheitliche Strategie besitzt].
1126
Jerusalem-Cluny: Antrag auf päpstliche
Bewilligung des ersten Ritterordens
durch die zwei "Tempelritter" aus Jerusalem, Andreas von
Montberry und Gundemar.
Sie gehen nach Frankreich zu Abt
Bernhard von Clairvaux, dem "geistigen Führer" [dem primären
Volksverhetzer] und "ungekrönten, heimlichen Papst der [französischen]
Christenheit", wobei Andreas Bernhards Onkel ist.
Andreas und Gundemar überreichen Bernhard ein Empfehlungsschreiben des
Königs
von Jerusalem (Hunke, S.41) mit der Bitte, für Andreas,
-- Gundemar und einem Kreis von Rittern Jerusalems eine Bestätigung des
Papstes
als Orden zu erwirken
-- die Rittergruppe mit einer päpstlichen Ordensordnung abzusichern
(Hunke,
S.41-42)
-- und um die Erlaubnis zum "heiligen Krieg".
Abt Bernhard von Clairvaux lässt Andreas von Monberry und Gundemar
warten
(Hunke, S.42).
1127
Jerusalem-Cluny: Ordenslegalisierung vorerst
abgelehnt
Der Gründer und "Meister" des Ritterbundes, Hugo
von
Payens in der Provence, geht mit fünf seiner Leute zu Abt Bernhard von Clairvaux und beantragt
eine eigene Ordensgründung.
Bernhard hält die Einrichtung von Laienorden aber für bedenklich:
-- Laienorden werden vom Papst nicht gebilligt werden, denn dies sei
revolutionär
-- Laienorden seien "gefährlich" und Niederlagen seien gegen die
geschulten arabischen Ritter vorprogrammiert (Hunke, S.42).
1128-1130
Spanien-Frankreich: Werbung für den Tempelritterorden
durch Hugo von Payens
Dabei nimmt Hugo auch Verbrecher in seinen Orden auf, denen er
Vergebung ihrer
Sünden im Kampf gegen die "Heiden" verspricht. In deutschen Gebieten
hat
er mit seiner Hetze keinen Erfolg (Hunke, S.43).
1130
Papst: Verkündigung der
"Ordensregel" der Kirche und Entwicklung der Orden als getrennter
Machtfaktor
Das Konzil von Troyes korrigiert hernach die "Ordensregel", (Hunke,
S.42-43) mit Billigung des Papstes Honorius II.
Gebote für die Tempelritter:
-- Gebot der Armut
-- Gebot der Keuschheit
-- Gebot des Gehorsams
allesamt verwandt mit arabischen Rittereigenschaften:
-- Pilger soll bewaffneter Geleitschutz zu den "heiligen Stätten"
gegeben
werden
-- Verteidigung wichtiger militärischer Strassen und Schlüsselstellungen
-- Verteidigung des jungen Königreichs Jerusalem
-- die Orden sollen eine Verstärkung des christlichen Heeres bilden und
eintreffende Kreuzfahrerheere unterstützen
-- zur Aufnahme von Ordensrittern werden keine Bedingungen gestellt
(Hunke,
S.43).
Folgeentwicklungen in den
"Ritterorden"
-- eine Intoleranz gegen Muslime bis zum Hass
-- eine schonungslose, unnachsichtige Härte gegen Muslime
-- es kommt auch zu internen Kämpfen gegen die Könige von Jerusalem,
von
Frankreich, und gegen den deutschen Kaiser
-- das Gelübde der Armut wird nur auf den Einzelnen, nicht aber auf den
Orden
selbst bezogen, so dass der Orden selbst Kapital horten darf
-- die Orden geniessen in der Folge päpstliche Privilegien, werden mit
Schenkungen überhäuft und sind gierig auf Erbschaften (Hunke, S.48).
Kairo: Tod von Kalif al-Amir durch einen
Nizariden/Assassinen-Anschlag - kein Sohn als Nachfolger - Vetter
al-Hafiz
übernimmt die Regentschaft
Mit dem Vetter al-Hafiz
als
ägyptischen Kalif spaltet
sich die ismailitische Glaubensgemeinde erneut. Obwohl der Vetter den
Imam- und
Kalifentitel übernimmt, brechen dauernd Unruhen aus. Minister,
Statthalter und
Generäle bekämpfen sich jahrelang in Strassenschlachten (Haarmann,
S.192, 195).
ab 1130
Kairo: Spaltung der Ismailiten - Verehrung
eines angeblich entrückten Sohnes al-Tayyib
Die abgespaltene Glaubensgruppe der Ismailiten in Ägypten, die Vetter
al-Hafiz
nicht als neuen Imam anerkennen will, huldigt einem angeblich
entrückten Sohn
des verstorbenen Kalifen al-Amir: dem Sohn at-Tayyib.
In der Folge schliesst sich die Sulayhiden-Dynastie in Jemen dieser
kleinen
Gruppe um den angeblich entrückten Sohn at-Tayyib an und kündigt damit
dem
Kalifenvetter al-Hafiz die Gefolgschaft. Ägypten scheint durch
Spaltungen sehr
bedroht (Haarmann, S.195).
Armenisch-christliche Zuwanderung in
Ägypten
Ein Wesir von al-Hafiz, Bahram,
ein armenischer Christ, holt Tausende seiner Landsleute nach
Kairo/al-Qahira.
Die Kirchen und Klöster der Armenier wachsen derart an, dass sie die
dominierende christliche Position der Kopten Ägyptens in Frage stellen
(Haarmann, S.196).
1133/1134
Palermo: Roger II. -
Seidenweberdeportation und Gründung der sizilianischen Seidenweberei
Graf Roger II. wird zum "König und Herrscher beider Sizilien" gekrönt
und
lässt byzantinische Seidenweber gefangennehmen, nach Sizilien
deportieren und
gründet so auf Sizilien in Palermo die beste Stickerei und Weberei der
Welt,
die die kaiserlichen Röcke des deutschen Kaiserhauses herstellt (Hunke,
S.106).
Herstellung des "Dalmatica"-Untergewandes für Roger II., des
Alba-Obergewandes für den Enkel Rogers II., Wilhelm II., aus hellem
Taft
(Hunke, S.107-107).
1135 od. 1170
Frankreich: "Rolandslied" als
Hetzgedicht
Das Lied wird vom Pfaffen Konrad in
Reimpaare übertragen und in eine hetzerische Form gegen die "verderbte"
und "verfluchte" Heidenschaft gebracht... (Hunke, S.87)
1136 ca.
Richterdiskussion in Ägypten:
Sunnitische gegen ismailitische Richter
Ein Wesir des afrikanischen Kalifen al-Hafiz setzt neben dem
ismailitischen
Oberqadi einen zwölferschiitischen/imamitischen und zwei sunnitische
Richter
ein. Die Folge sind sich bekämpfende ismailitische und sunnitische
Gruppen und
ein Dauerstreit um das Recht (Haarmann, S.196).
1138(?)
Mesopotamien: Geburt von Salah ad-din
Yusuf b. Ayyub/Saladin
in Takrit am Tigris, ein Kurde. Der
Vater Ayyubb aus Dvin bei Eriwan
ist Söldner in den muslimischen Heeren von Bagdad. Der Vater
bringt es im Kalifenheer bis zum Festungskommandanten der Stadt Takrit
am
Tigris (Haarmann, S.200).
1140
1140 ca.
Vollendung der Arabisierung Nordafrikas: Der Vulgärlatein-Dialekt
stirbt aus
Aussterben des afrikanisch-vulgärlateinischen Dialekts in den
abgelegenen Oasen
Nordafrikas. Auch die letzten Flecken Nordafrikas sind "arabisiert"
worden
(Haarmann, S.186).
"Modus vivendi" in Palästina
Der arabische Burgherr Usama
b.Mungid von der Burg Sayzar am Orontes-Fluss
pflegt den "modus
vivendi" mit den europäisch-christlichen Invasoren und erwähnt diesen
auch in
seiner Autobiographie (Haarmann, S.194).
Aleppo: Emir Zengi propagiert den
"Heiligen Krieg" und die Führerschaft gegen die Christen
Emir Zengi von Aleppo propagiert den
"heiligen Krieg" ("dschihad") gegen die europäisch-christlichen
Invasoren in Palästina. Zengi beansprucht gleichzeitig die Herrschaft
über ganz
Syrien mit dem Argument, nur nach einer Einigung der Muslime werde man
den
"christlichen" Feind erfolgreich bekämpfen können (Haarmann, S.196).
ab 1140 ca.
Aleppos Expansion gegen Bagdad
Aleppo kann das ganze nördliche Mesopotamien besetzen. Emir
Zengi
setzt in
Mossul einen seiner Brüder ein. Damit hat Aleppo Zugang zu den
typischen
Söldnervölkern des Ostens und kann seine Armeen wieder verstärken:
oo mit arabischen Beduinen der Giazira
oo mit iranisch sprechenden Kurden der
Bergländer am oberen Tigris
oo mit Turkmenen/Seldschuken von den
Hochtälern Aserbeidschans und Armeniens
(Haarmann, S.196).
Aleppos Bezahlungssystem für Söldner:
Lehensvergaben
Die Soldbezahlung erfolgt durch Lehensvergabe (iqta',
"Zuteilung").
Die Soldaten dürfen auf dem Lehen selber Steuern erheben und müssen
sich davon
das Geld für Lebensunterhalt, Ausrüstung und den Kauf von
Militärsklaven
aufbringen.
In der Folge ist Aleppo viele Sorgen um den Einzug von Steuern los,
muss aber
auch die Schmälerung der Einnahmen hinnehmen.
Zudem entwickelt sich eine Tendenz zur Erblichkeit der Lehen, die
staatspolitisch sehr bedenklich ist (Haarmann, S.196).
ab 1140
Deutsches Reich: Besetzung von
"Ostgebieten"
Unter Heinrich "dem Löwen" werden weite Gebiete östlich der
Elbe
und
Mecklenburg dem Deutschen Reich "eingegliedert". Das Deutsche Reich hat
dort seine "Kreuzzüge"... (Hunke, S.54)
1144
Edessa syrisch besetzt - Organisation eines zweiten Kreuzzugs
Truppen des Emir Zengi von Aleppo
können die Stadt Edessa besetzen und die "Kreuzfahrer" vertreiben. So
ist
der nördlichste der europäischen Christenstaaten bereits wieder
zerschlagen
(Haarmann, S.196).
Die "christlichen" Kreuzfahrerfürsten sind alarmiert und organisieren
in
Europa einen zweiten Kreuzzug unter dem deutschen König Konrad
III. und Ludwig VII.
von Frankreich (Haarmann, S.196).
1145 ca.
Frankreich: Kreuzzugspredigt von
Bernhard von Clairvaux in Vézelay in Burgund
Er predigt "Vernichtung oder Bekehrung" gegen die Muslime (S.57 ) und
entfacht eine "Kreuzzugsbegeisterung", einen "fressenden Brand"
(Hunke, S.52).
Jerusalem beschliesst die Besetzung von
Damaskus
durch Beschluss des Jerusalemer "Kronrats". Die Invasion soll
unter
Konrad III. und Ludwig VII. ablaufen (Haarmann, S.196-197).
1146
Erfolglose Kreuzzugspredigten von Bernhard von Clairvaux im Deutschen
Reich -
Werbung für den Templerorden
für die Rückeroberung des muslimisch besetzten Edessa. Die Hetze von
Bernhard
von Clairvaux verläuft aber ohne Erfolg. Es kommt keine
Kreuzzugsbegeisterung
zustande (Hunke, S.52).
Konrad III. verweigert jede Beteiligung an den Kreuzzügen, lässt sich
von den
Beschwörungsreden von Bernhard von Clairvaux nicht einwickeln (Hunke,
S.53).
Abt und Kreuzzugshetzer Bernhard von Clairvaux preist 1146 in einem
Brief an
die Bischöfe von Köln und Speyer die Erfindung des Templerordens in
Jerusalem
als "eine besonders segensreiche Erfindung des Herrn, durch die auch
Mörder, Räuber, Ehebrecher, Meineidige und viele andere Verbrecher eine
Gelegenheit zum "Heil" finden könnten, und schildert den deutschen
Bischöfen von Köln und Speyer die geforderten Eigenschaften:
-- Kleiderzwang
-- Gehorsamszwang
-- Leben ohne Frauen und ohne Kinder (Hunke, S.43)
-- alle Tempelritter müssen im gleichen Haus leben
-- Spiel- und Lachverbot, Jagdverbot und Falkenzuchtsverbot
-- Witzverbot
-- Haarschneidezwang
-- es wird nur selten gebadet, die Tempelritter müssen ein schmutziges
und
behaartes Leben führen
vermutlich als Gegensatz zu den Muslimen, die sich fünf Mal täglich
rituell
waschen müssen. In der Folge wird der Ordensritter der Idealtyp
des
Kreuzritters und auch Johanniter und Deutschritterorden sind später
Nachahmungen davon (Hunke, S.44).
Die Beschreibung der Orden ist ein Negativabdruck der Kultur im
arabischen
Rittertum, wo auf Kleidung, auf Körperpflege und auf friedlichen
Zeitvertreib
grossen Wert gelegt wird (Hunke, S.97).
1146
Konrad III. bereitet einen eigenen Kreuzzug vor
In der Folge ist der Papst gegen das Kreuzzugsvorhaben von
Bernhard
von
Clairvaux, weil Frankreich unter Ludwig VII. die Kreuzzüge allein
führen soll
und der deutsche König mit seinen Truppen für den Papst in Italien zur
Verfügung stehen sollte.
Neue Kreuzzugshetzer bereisen das Deutsche Reich und erzeugen einen
Wahn.
Manche Annalenschreiber ahnen das Verderben bereits voraus (Hunke,
S.53).
Aleppo: Tod von Emir Zengi - Nachfolger:
Sohn Nur ad-din Mahmud
(Haarmann, S.196)
Syrien: Weiterhin Lehen als Sold -
weiter "heiliger Krieg" gegen "Christenfürstentümer"
Emir Nur ad-din Mahmud von
Aleppo
-- übernimmt das feudale Besoldungssystem von Vorgänger Zengi.
-- propagiert weiter den "heiligen Krieg" gegen die
europäisch-christlichen Invasoren (Haarmann, S.196).
ab 1147
3 Kreuzzüge unter Leitung der deutschen
Stauferkönige mit politischen Motiven und Zielen ohne Kampf gegen
"Ungläubige"
-- Stärkung des Reichs als Grossmacht gegen das feindliche
Papstreich, um
dem Sohn, König Heinrich VI. der
"beiden Sizilien", das Reich zu sichern
-- Bestätigung des Königtums in Zypern
und Armenien, die bei Friedrich I.
um Oberlehenshoheit nachgesucht hatten
-- Präsentation der allgemeinen Macht gegenüber Byzanz (Hunke, S.57).
1147-1149
Der Kreuzzug unter Konrad III. misslingt
- Kontakt Barbarossa-Saladin
Das deutsche Kreuzzugsheer unter Konrad III.,
zusammengestellt aus
Heeren
aus Mittel- und Süddeutschland,
-- muss durch das byzantinische Reich marschieren
-- mit einem erheblichen Teil Frauen, Pilgern und Mitläufern
-- mit Überschwemmungskatastrophen
-- mit Angriffen der Seldschuken, "vernichtenden Pfeilregen" (Hunke,
S.54).
Das Heer wird zum grossen Teil schon vor der "Feindberührung"
vernichtet.
Ein grosser Teil von Konrads Kreuzzugsheer kehrt schon in Byzanz nach
Hause,
der Rest versucht über Land oder mit Konrad III. auf dem Schiff das
"Heilige Land" zu erreichen (S Hunke, .54).
Heinrich VI., König der "beiden
Sizilien", ruft zur Heerfahrt nach Palästina auf, ohne zum Kampf gegen
die
"Ungläubigen" zu hetzen (Hunke, 57-58), was den Papst aufs Äusserste
reizt
(Hunke, S.58),
und Friedrich I. Barbarossa führt
seit langem einen freundschaftlichen Briefwechsel mit Sultan
Saladin... (Hunke, S.58)
Sommer 1148
Christliche Belagerung von Damaskus ohne
Erfolg
Die Belagerung unter Beteiligung von Konrad III. dauert nur
drei
Tage. Sie
muss wegen nationalen Differenzen unter den Christenheeren und wegen
Verrat
aufgegeben werden (Hunke, S.54).
Der europäisch-christliche Angriff auf Damaskus scheitert kläglich
(Haarmann,
S.197).
1149
Aleppo: Erster grosser syrischer Sieg
gegen christliche Frankenheere
Emir Nur ad-din Mahmud von
Aleppo kann bei Inab nahe Antiochien
seinen ersten grossen Sieg
über die christlichen Frankenheere feiern. In der Folge sucht Damaskus
die
Zusammenarbeit mit Aleppo (Haarmann, S.197).
1149-1154
Kairo: Kalifat az-Zafir mit neuem Wesir
Ibn Sallar
(Haarmann, S.196)
1150
Ägypten-Pisa: Pisas Handelsbeziehungen
Pisa hat ein Kontor in Alexandria
und wird von Emir Tala 'i' ibn Ruzzig
begünstigt. Gehandelt wird mit Pfeffer, Muskat, Zimt, Gewürznelken,
indischem
Rotholz und ägyptischem Alaun (Haarmann, S.213).
1150 ca.?
Syrien: Ayyub, Vater von Saladin, und Bruder Sirkuh, wechseln nach
Syrien in
die Dienste des Emirs Zengi von Aleppo (Haarmann, S.200).
ab 1150 ca.
Ägypten-Pisa, Genua, Venedig: Drang zur Besetzung von Damiette -
muslimische
Kooperation gegen die "Christen"
Aus den Erfahrungen von Blockaden und dem Verlust ganzer
Ladungen
in
Damiette entwickeln die Patrizier in Pisa, Genua und Venedig die
Bestrebung,
die ägyptischen Häfen selbst zu besetzen, damit Ägypten die Schiffe im
Zweifelsfall nicht mehr blockieren kann. Fortan stellen die
italienischen Städte Schiffe für Feldzüge
nach Ägypten zur
Verfügung und lenken zum Teil die Wege der Kreuzzüge (Haarmann, S.214).
Kairo: Der neue Kalif az-Zafir
beginnt mit militärischer Kooperation mit Syrien und dessen Zentrum
Aleppo, um
die europäisch-christlichen Invasoren einzukreisen (Haarmann, S.196).
Kairo: Beginnende Unterwanderung
Ägyptens durch das "christliche" Jerusalem
Das Königreich Jerusalem beginnt mit der Unterwanderung des
Kalifats in
Ägypten. Gezielt werden einzelne Tronfolgerkandidaten/Prätendenten
unterstützt
(Haarmann, S.197).
Die Päpstliche Kreuzzugssteuer wird
gegen das Deutsche Reich verwendet
Der Papst verwendet die erhobenen Kreuzzugssteuern zum Teil gegen das
Deutsche
Reich.
Staufenkaiser Friedrich I. muss
reagieren und organisiert selber einen Kreuzzug, um den Papst
politische zu
neutralisieren. In der Folge fängt der Papst an, aufs Äusserste gegen
die
Staufenkaiser zu intrigieren (Hunke, S.57).
Der arabische Warenstrom nach Europa -
neues Lebensgefühl
Insgesamt ergiesst sich ein Strom neuer Erzeugnisse aus Arabien über
die
italienischen Umschlagplätze Venedig und Pavia über die Alpenpässe nach
Deutschland (Hunke, S.115). Es entstehen ein arabisches Lebensgefühls
in Europa
(Hunke, S.118).
Die Zurückgekehrten beginnen, die arabische Lebensweise in Europa zu
verbreiten
(Hunke, S.97-98).
Die Rom-Kirche verdammt den arabischen
Einfluss
In kirchlichen Augen Roms, Byzanz' und Frankreichs ist dies eine
"Verführung der christlichen Seele durch sündhafte Gelüste der
Ungläubigen". Bernhard von Clairvaux
bezeichnet den arabischen Lebensstil als Sünde, vergleicht den
arabischen
Pferdeschmuck mit einem Dirnenkleid und vergleicht die arabischen
Ritter mit
langhaarigen Frauen, die nichts taugen würden:
"Ihr ziert eure Pferde mit seidenen Schabracken, ihr bedeckt eure
Rüstungen mit wallenden Überwürfen. Eure Lanzen sind bemalt, eure
Schilde und
Sättel ebenfalls. Ihr schmückt eure Zügel und Sporen mit Gold, Silber
und
Edelsteinen; und so herausgeputzt, von blinder Wut und törichter
Keckheit
geleitet, zieht ihr in die Schlacht. Ist dieser prunkvolle Aufzug eines
Ritters
würdig oder würde er nicht besser zu einer Dirne passen? Denkt ihr
wirklich,
das Schwert des Feindes nähme Rücksicht auf Gold und Edelsteine und
würde die
seidenen Gewänder nicht durchdringen?
Ich habe aus Erfahrung gelernt, dass einem Krieger drei Dinge not tun:
Er soll
tapfer sein und stets kampfbereit. Ihr dagegen lasst euer Haar lang wie
die
Weiber wachsen, so dass es euch die Sicht nimmt; ihr beengt durch
lange, weite
Gewänder eure Bewegungsfreiheit und versteckt eure feinen, zarten Hände
in
überweiten Ärmeln, die lose um euch herumhängen." (Hunke, S.100)
Arabische Einflüsse in Europa
Weitere arabische Einflüsse, die von Christen nach Europa weitergegeben
werden:
-- imponierende, zinnenbekrönte Burgen und Städte
--"überschwänglich" geschmückte Kirchen, die durch Stiftungen gefördert
sind
-- goldglänzende Moscheen
-- Gewürzdüfte, Basare
-- Gaukler, Komödianten
-- Sofa, Matratze, Alkove (Schlafnische) (Hunke, S.100)
-- neue Farbtöne: Karmin, Karmesin, Scharlach, Lila, Azurblau, Saphir,
Safran,
angewandt vor allem in der Seidenindustrie Syriens (Hunke, S.101).
Stoffe:
-- Damast aus Damaskus, Taft, Atlas, Satin, Moiré, Pfellel, Siglat
(schwerer
Seidenstoff), Baldachin aus Baldachseide aus Baldac/Bagdad, erwähnt in
Eschenbachs Parzifal (Hunke, S.101)
-- Kamelot-Stoff
-- Macheier-Stoff, Mohair-Stoff aus Kamel- und Ziegenhaar
-- Barchent-Stoff, Bucherant-/Bukeram-Stoff aus Buchara, erwähnt in den
ländlichen Liedern des Neidhardt von Reuenthal
-- Bombasin-Stoff aus Baumwolle
-- Kattun-Stoff aus feiner Baumwolle, qatn
-- Musseline-Stoff aus Mossul (Hunke, S.102).
Beginn einer europäischen
Stoffproduktion - Fugger in Augsburg
Die europäischen Hausfrauen begehren die arabischen Stoffe, vor allem
den
Barchent-Stoff aus Buchara. Zwei
Brüder in Graben bei Augsburg
beginnen, die Baumwolleinfuhr aus Zypern
und Syrien nach Augsburg zu
organisieren und eine eigene Stoffproduktion mit eigenen Webereien
aufzubauen,
wodurch das erste Kapital für das spätere Handelshaus entsteht,
basierend auf
dem Handel mit arabischen Baumwollballen und Pfeffersäcken (Hunke, S.
103).
Früchte und Blumen aus dem Orient in
Europa
-- Früchte: Aprikose, Orange, Banane, Bergamottbirne, Limone (mit
"Limonade"), Zwetschge, Pfirsich, Rhabarber, Feige, Quitte, Tamarinde,
Pampelmuse, Pomeranze.
-- Blumen: Flieder, Jasmin, Kamelie, Forsythie, Rosen, Hyazinthe,
Lilie,
Wasserrose, Kastanie (Hunke, S.113).
Technik aus dem Orient
Wassermühlen, Windmühlen, Uhrenbau, Kompass, Papierherstellung,
Metallverarbeitung, Lederherstellung, Glasfabrikation,
Keramikherstellung und
-verarbeitung (Hunke, S.113), darunter Emaille; bei der
Lederherstellung
profilieren sich Corduan- (aus Córdoba)
und Maroquin-Leder (aus Marokko)
(Hunke, S.114).
Die Kulturentwicklung Griechische Kultur
- Arabische Kultur - Europa
Allgemein haben die arabischen Wissenschaften die griechischen
Techniken
übernommen und wissenschaftlich umgesetzt (S.167). Europäer beginnen,
die
arabischen Techniken zu erlernen und eigene Fabrikationen aufzubauen
(S.113).
[Ohne die arabische Kultur, die die griechische Kultur weiterentwickelt
hat,
hätte es in Europa manche Fabrik und manches Produkt überhaupt nie
gegeben].
1153
Palästina: Christliche Erstürmung von
Askalon - Befestigung der ägyptischen Stadt Bibays
Mit Askalon fällt die letzte ägyptisch gehaltene Küstenstadt
Palästinas.
In der Folge lässt der ägyptische Wesir Tala 'i' b. Ruzziq vorsorglich die Stadt Bibays
im östlichen Nildelta befestigen, um gegen eine allfällige fränkische
Invasion
gewappnet zu sein (Haarmann, S.198).
1154
Einigung Syriens und Aleppos -
sunnitische Politik
Damaskus lässt die Vereinigung mit Aleppo zu. Emir Nur
ad-din Mahmud von Aleppo wird in Damaskus empfangen und die
Vereinigung besiegelt. Nur ad-din Mahmud
bekommt die Rolle des Vorkämpfers des Islam gegen die "Ungläubigen".
Gleichzeitig schlägt Nur ad-din Mahmud als Vorkämpfer
eine sunnitische Richtung ein und eröffnet in Aleppo und
Damaskus
nach seldschukisch-bagdadischem Vorbild juristisch-theologische
Hochschulen
("madrasa"�) zur Verbreitung des islamischen Rechts nach "sunnitischer
Tradition".
Die Sunnitisierung Syriens strahlt auch auf Bagdad
aus, wo der Kalifenhof unter al-Muqtafi die
Seldschuken entmachtet und das neu-sunnitische
Syrien für sich beansprucht [!], indem Kalif al-Muqtafi versucht, sich
propagandistisch an die Spitze der Dschihad-Bewegung gegen die
europäisch-christlichen Invasoren zu stellen (Haarmann, S.197).
1154-1160
Ägyptisches Kalifat al-Fa 'iz mit Regent
und Wesir Tala 'i' b. Ruzziq
(Haarmann, S.197)
ab 1154
Ägypten sucht den Anschluss an die
Dschihad-Bewegung in Syrien - Aleppo plant die Besetzung Ägyptens
Der ägyptische Regent Tala 'i' b.
Ruzzig will mit Angeboten, Geld- und Pferdelieferungen den Emir Nur
ad-din Mahmud zur Allianz gegen die
europäisch-christlichen Kreuzfahrer zwingen. Dieser aber plant selber
die
Besetzung Ägyptens, denn die dortigen bürgerkriegsähnlichen Zustände
scheinen
eine gute Gelegenheit zu sein (Haarmann, S.197).
1155 ca.?
Syrien: Ayyub, der Vater von Saladin, wird Kommandant über die
Zitadelle von Baalbek, ein ehemaliger Tempelbezirk
(Haarmann, S.200).
1160
Kairo: Tod des 11-jährigen ägyptischen
Kalifen al-Fa 'iz - Nachfolger: der 9-jährige al-'Adid
Wesir Tala �i� b. Ruzziq bleibt als
staatsleitende Figur im Amt (Haarmann, S.197).
1161
Kairo: Ermordung des ägyptischen Wesirs
Tala 'i' b. Ruzziq
durch einen Anschlag. Ägyptens Politik wird noch uneinheitlicher, weil
nun
jegliche Führungsfigur fehlt. Alle umliegenden Staaten versuchen,
Ägypten für
sich zu gewinnen oder zu besetzen. Syrien, Königreich Jerusalem und
auch Byzanz
mit König Manuel spannen Intrigen oder planen Invasionen (Haarmann,
S.197).
Am ägyptischen Kalifenhof entspannt sich ein Kampf um den Wesirsposten.
Die
einzelnen Kandidaten und Möchtegerne werden zum Teil von syrischer oder
christlicher Seite unterstützt (Haarmann, S.198).
Mitte 1161 ca.
Jerusalem-Byzanz:
Christlich-byzantinischer Besetzungsplan gegen Ägypten
Bischof Wilhelm von Tyros
verhandelt in Byzanz mit dem dortigen Kaiser Manuel
über eine gemeinsame Besetzung Ägyptens (Haarmann, S.197).
Ende 1161
Kairo: Tributvertrag mit Jerusalem
Kreuzfahrerkönig Amalrich
bedroht Ägypten mit einem grossen Heer. Der ägyptische Wesir kann sich
der
Bedrohung nur durch einen Tributvertrag entziehen, worin die jährliche
Zahlung
von 160.000 Dinar festgeschrieben wird
(Haarmann, S.198).
1162
Ausbleibender ägyptischer Tribut -
europäisch-christliche Invasion bis an den Nil
Der Einmarsch unter Amalrich erreicht Bibays,
Die Nilüberschwemmung verhindert ein weiteres Vorrücken der
christlichen Heere.
Die europäisch-christliche Invasion provoziert eine verstärkte
militärische
Zusammenarbeit zwischen Ägypten und Syrien mit Ziel der Besiegung der
"christlichen Kreuzfahrerstaaten" in Palästina (Haarmann, S.198).
1163
Kairo: Vertreibung des Wesirs Wawar -
Flucht nach Aleppo und Armeeaufbau gegen Ägypten
Der ägyptische Wesir Wawar wird aus
Kairo vertrieben. Er findet in Aleppo Zuflucht und bekommt von Emir Nur ad-din Mahmud Hilfe für eine
neue Armee gegen Ägypten unter Führung des kurdischen Offiziers Sirkuh (Haarmann, S.198).
1164
Die Syrische Invasion gegen Ägypten
gelingt
Das Heer des einstigen ägyptischen Wesirs Sawar
unter Befehl des kurdischen Offiziers Sirkuh kann Kairo
besetzen. Wesir Sawar kann sich am Kalifenhof wieder als Wesir
einsetzen.
Gleichzeitig möchte er aber den "lästigen" kurdischen Offizier nun
loswerden und ruft hierfür König Amalrich
von Jerusalem nach Ägypten
(Haarmann, S.198).
Ende 1164
Besetzung Ägyptens durch die Truppen von
König Amalrich von Jerusalem
Die syrischen Truppen in Bilbays werden zum Abzug gezwungen
(Haarmann,
S.198).
1167
Ägypten: Erneute syrische Invasion gegen
Ägypten unter dem kurdischen Offizier Sirkuh - Ägypten wird Protektorat
von
Jerusalem
Syrische Invasion mit türkischen und kurdischen Reitern.
Wieder
ruft der
Wesir Sawar König Amalrich zu Hilfe.
Die Truppen
Jerusalems besetzten ganz Ägypten und vertreiben die syrischen Truppen
nun auch
aus Oberägypten/Nubien in den Sudan.
Ägypten ist faktisch ein Protektorat des europäisch-christlichen
Königreichs
Jerusalem. Wesir Sawar muss die Heerzüge von König Amalrich bezahlen,
jährlichen Tribut an Jerusalem entrichten und fränkische Truppen und
"eine
Art Kommissar" des Königs in Kairo zulassen (Haarmann, S.198).
1168
Ägypten: Eigenwillige Invasion von König
Amalrich gegen Ägypten - ägyptischer Hilferuf an Syrien
König Amalrich entschliesst sich in Abstimmung mit Byzanz zur
nochmaligen
"endgültigen" Besetzung Ägyptens, die gegen den Vertrag mit dem Wesir
Sawar verstösst. Die Herrschaftsansprüche werden unverhohlen gezeigt
und die
Stadt Bilbays erstürmt.
Wesir Sawar in Ägypten ruft nun das syrische Heer zu Hilfe, worauf Emir Nur ad-din Mahmud das syrische
Heer unter Offizier Sirkuh neu
ausrüstet und gegen den Jerusalemkönig Amalrich ausschickt. Endlich
scheint die
gemeinsame Koalition gegen die europäischen Christen geglückt
(Haarmann,
S.198).
Ende 1168
Syrische Besetzung Ägyptens unter
Offizier Sirkuh
(Haarmann, S.198)
Jan 1169
Abzug des "christlichen" Heeres von
Jerusalem aus Ägypten
(Haarmann, S.198)
Februar 1169 ca.
Kairo: Ermordung von Wesir Sawar - neuer
Wesir wird Offizier Sirkuh
Die Ermordung erfolgt unter "ungeklärten Umständen". Der Kalif ernennt
den
kurdischen Offizier Sirkuh zum Wesir, weil dieser die militärisch
grösste Macht
im Land darstellt (Haarmann, S.198-199).
23.3.1169
Kairo: Tod des Offiziers und Wesirs
Sirkuh - Nachfolger wird dessen Neffe Salah ad-din (Saladin) Yusuf b.
Ayyub
in Übereinstimmung mit der grossen Mehrheit der syrischen Offiziere,
denn Salah
ad-din Yusuf / Saladin hatte sich 1168 beim Ägyptenfeldzug militärisch
ausgezeichnet.
Saladin führt ein "syrisches Regime" in Kairo ein, und der Emir in
Aleppo, Nur ad-din Mahmud, erwartet nun ein
Zusammengehen gegen die europäisch-christlichen Invasoren (Haarmann,
S.199).
August 1169
Kairo: Aufstandbekämpfung von Wesir
Saladin
Salah ad-din Yusuf / Saladin muss mit seinen Truppen
aufständische
ismailisch-kalifische Schwarzen-Regimenter und armenische
Bogenschützen-Regimenter niederwerfen, um am Kalifenhof die
Entscheidungsgewalt
zu behalten.
Währenddessen wird Saladin dauernd vom Kalifen in Bagdad und vom Emir
in Aleppo
bedrängt, endlich die europäisch-christlichen Fürstentümer zu
zerschlagen, aber
Saladin will sich noch keine ausserägyptischen Operationen wagen, weil
er einen
sofortigen Umsturz gegen seine Person befürchtet (Haarmann, S.199).
ab 1169
Ägypten-Syrien: Saladins
Vetternwirtschaft
Saladin kann sich auf die Loyalität eines grossen
Verwandtenkreises
stützen. Er verteilt Posten im Militär und in der Administration. Dies
ist eine
Neuerung gegenüber der fatimidischen Praxis, wo die Söhne des Kalifen
nie eine
Staatsfunktion übernehmen durften, aus Angst vor Streit und
Staatsteilungen,
aus "Sorge um die Unteilbarkeit der charismatischen Imamswürde". Saladin verteilt Posten an zwei ältere und
drei jüngere Brüder und deren Familien, an vier eigene Söhne und deren
Familien, sowie an den Onkel Sirkuh
und dessen Familie.
Unter Saladin wächst zum ersten Mal eine Clan-Regierung heran. Die
Streitereien
um eine etwaige Nachfolge sind vorprogrammiert (Haarmann, S.205).
Salah ad-din Yusuf / Saladin formiert die Armee neu nach syrischem
Vorbild
(Haarmann, S.201) und lässt eine
ägyptische Flotte aufbauen (Haarmann, S.202).
1170
1170 ca.-1220 ca.
Wolfram von Eschenbach als Vertreter der
deutschen Toleranz - deutsch-arabische Heiraten - die Wut der Kirche
Eschenbach behauptet: alle sind "gotes handgetât", göttlichen
Ursprungs,
egal, ob Christ oder Muslim (Hunke, S.88).
Auch das deutsche Rittertum
-- predigt Toleranz und Gleichwertigkeit im Kampf
-- schafft die Gestalt des "edlen Heiden"
-- auch Heiraten zwischen den Religionen sind möglich.
In den Augen der Kirche sind dies ketzerische, revolutionäre Ansichten
und
Taten gegen das Feindbild der römischen wie der byzantinisch-orthodoxen
Kirche
(Hunke, S.88).
Beispiele interreligiöser Verbindungen:
-- ein Ritter von Gibeil heiratet
die Tochter des Sultans von Aleppo
-- der Sultan von Iconium heiratet eine österreichische
Markgräfin Ida (Hunke, S.88).
Eschenbachs "Parzifal" und
"Willehalm" als Beispiele von Religionstoleranz
Eschenbach lässt im "Parzifal" den Parzifal gegen Feirefiz
kämpfen, der eine dunkle
arabische Königin Zazamanc als
Mutter hat, und der - wie sich herausstellt - Parzifals Halbbruder ist
(Hunke,
S.88-89).
Die deutsche und die arabische Ritterlichkeit zeigt sich beim Parzifal,
als
dessen Schwert zerbricht und Feirefitz sein Schwert fortwirft und sich
zu
erkennen gibt (S.89).
Der Halbaraber Feirefitz sichert Parzifal das Überleben. Dies ist für
Rom,
Byzanz und Frankreich ein "ungeheuerlicher" Vorgang (Hunke, S.90).
In Eschenbachs "Willehalm" führt ein Araber in Aachen
die fliehenden Reichsritter gegen seinen eigenen arabischen
Vater zum Sieg (Hunke, S.90).
Die Minnedichtungen von Walther von der Vogelweide sowie die
Sagendichtungen Parzival
und Titurel von Wolfram von Eschenbach werden alle gesungen
rezitiert
und aufgeführt, eine arabisch inspirierte Aufführungsart (Hunke, S.160).
Walther von der Vogelweide erwartet
Gottes Urteil
Walther von der Vogelweide verkündet, Gott werde "zu Recht zwischen
Christen, Juden und Heiden entscheiden", wessen Erbe das "heilige Land"
sei (Hunke, S.119).
1171
Kairo: Wesir Saladin stürzt den Kalifen
- neue sunnitische Richter
Salah ad-din Yusuf / Saladin lässt das in den Augen des Emirs von
Aleppo und
Bagdads ketzerische ismailitische Kalifensystem in Kairo stürzen. Er
lässt alle
ismailitischen Richter durch sunnitische Richter ersetzen (Haarmann,
S.199).
10.9.1171
Kairo: Huldigung an Bagdad
Im Freitagsgebet in Alt-Kairo wird dem abbasidischen Kalifen
in
Bagdad
al-Mustadi' gehuldigt. Der ismailitische Zusatzruf "Auf zum besten Tun"
wird unterlassen (Haarmann, S.199).
13.9.1171
Tod des 19-jährigen Fatimidenkalifen
al-'Adid ohne Kinder - Ende der Ismailiten/ Fatimiden
Im Freitagsgebet wird nun auch in Neu-Kairo dem abbasidischen Kalifen
gehuldigt, und die Lehrsitzungen werden eingestellt.
Salah ad-din Yusuf / Saladin ordnet die Prägung neuer Münzen an mit dem
Namen
des Abbasidenkalifen und des Emirs von Aleppo. Das Kairoer
ismailitische
Kalifat ist damit gestorben und Bagdad wird wieder unbestrittene
muslimische
Hauptstadt (Haarmann, S.199).
1172
Kreuzzug von Heinrich "dem
Löwen"
-- Herzog von Sachsen und Bayern, auf private Initiative hin
-- seine Motivation ist weder Glaubenseifer noch Feindbild, sondern
Pilgerei
-- er beklagt einige Verluste durch Klima und Krankheit (Hunke, S.54).
Mitte 1172
Empfang des Kreuzzugs unter Heinrich
"dem Löwen" in Konstantinopel als einer der "ganz grossen Herren"
In der Folge durchzieht der Kreuzzug das Königreich
Jerusalem,
besucht die
"heiligen Stätten", stiftet reichlich, stiftet "ewige Lampen",
Silberbeschläge und kostbaren Schmuck (S.54), stiftet den Templern und
Johannitern Waffen und Geldgeschenke (S.55).
Ende 1172
Rückmarsch des Kreuzzugsheers unter
Heinrich "dem Löwen" - Entlassung christlicher Gefangener
Die Gesandtschaft des Sultans von Konya
stellt sich dem Zug von Heinrich "dem Löwen" in Tarsoso
auf, um dem deutschen Zug durch Kilikien Begleitschutz
zu geben. Empfang beim Sultan von Konya:
-- der Sultan behauptet, seine Grossmutter sei eine Deutsche
-- der Sultan entlässt zu Ehren von Heinrich alle christlichen
Gefangenen und
lässt sie mit dem Zug Heinrichs nach Europa zurückkehren
-- der Sultan lässt Heinrich reich beschenken, u.a. mit Seidengewändern
und
zwei gezähmten Jagdleoparden (Hunke, S.55).
1173
Saladins Vorschlag einer Heiratsverbindung zwischen Sultanat und
Deutschem
Reich
Saladin schickt eine Abordnung zu Friedrich I. nach Aachen, mit dem
Vorschlag
der Heirat des Saladin-Sohnes mit der Tochter von Friedrich I., wobei
der Sohn
christlich getauft werden soll (S.58).
Nubien: Turansah, der Bruder von Salah
ad-din Yusuf b. Ayyub / Saladin, besetzt Nubien
(Haarmann, S.201-202)
Syrien: Steuerstreit mit Kairo
Emir Nur ad-din verlangt
Einsicht in Kairos Steuerbücher, bekommt sie aber nicht. Der Streit um
nicht
bezahlte Abgaben droht zu eskalieren (Haarmann, S.202).
Ägypten-Pisa: Pisa verpflichtet sich zu
Eisen-, Holz- und Pechlieferungen an Ägypten
(Haarmann, S.212)
Anfang 1173
Heinrich "der Löwe" kommt mit einem grösseren Heer aus Palästina
zurück,
als es 1172 bei Abmarsch war (Hunke, S.54)
[und stellt damit die ganze Kirchenhetzpolitik Frankreichs und Roms
offiziell
in Frage].
ab Anfang 1173
Deutsches Reich: Entstehen unwahrer
Erzählungen über Heinrich "den Löwen"
Heinrich lässt in Braunschweig
ein Löwendenkmal errichten. Das Volk rätselt darüber, so dass
verschiedene
Heinrich-Sagen in Form von Ritterepen, Dichtungen, Volksliedern und
sogar eine
Oper entsteht, die Heinrich einen siegreichen Kampf gegen den Islam
andichten.
Heinrich soll eine Schlacht gewonnen, den Sultan am Leben gelassen und
dafür
einen zahmen Löwen geschenkt erhalten haben (Hunke, S.56).
1174
Ägypten: Jemenexpedition zur Machtdemonstration
Turansah marschiert von Kairo über Medina
und Mekka nach Jemen zur
"Absicherung" des Indienhandels (Haarmann, S.202).
Syrien: Tod von Nur ad-din - Streit um
die Nachfolge des 11-jährigen Sohnes as-Salih
Salah ad-din Yusuf / Saladin will die Wirren um die Nachfolge in
Damaskus
nützen, um in Syrien an Einfluss zu gewinnen, und bereitet einen
Feldzug vor
(Haarmann, S.202).
Salah ad-din Yusuf rechtfertigt seinen Besetzungsplan gegen Damaskus
gegenüber
Bagdad, dass er die zerstrittenen Muslime in Syrien "einigen" wolle und
dies für einen "heiligen Krieg" gegen die "Ungläubigen" (Christen)
notwendig sei (Haarmann, S.202).
Oktober 1174
Damaskus: Ägyptische Invasion
Saladin zieht mit 700 Reitern über Bosra
nach Damaskus und besetzt die Stadt
fast kampflos. Hims und Hamah ergeben
sich (Haarmann, S.202).
ab Ende 1174
Saladin lässt Aleppo belagern
(Haarmann, S.202)
Mai 1175
Aleppo/Damaskus-Kairo: Abkommen
zwischen Salah ad-din und Syrien: Saladin regiert Damaskus
und
Nordsyrien
bis Hamah und Ma 'arrat an-Nu'man,
muss aber as-Salih als nominellen
Oberherrn anerkennen (Haarmann, S.202).
Bagdad-Kairo: Der Kalif von Bagdad sendet Saladin ein "Diplom", das ihm
die Usurpation der Herrschaft über Syrien und Ägypten legitimiert
(Haarmann,
S.202).
ab Mai 1175
Aleppo: Ägyptischer Profit durch die
"Seidenstrasse" - und Venedig
Mit dem "Diplom", das die Herrschaft Saladins über Syrien
bestätigt, ist für Ägypten der Anschluss an die "Seidenstrasse" nach
Bagdad-Samarkand-China geschafft. Gleichzeitig
kann der Handel über die Burg Sahyun
und die Häfen Latakia
und Gabala/Gibel/Zibel nach Europa
abgewickelt werden. Ägypten erhebt hier alleine alle Zölle und
Hafengebühren,
vor allem für den Handel mit Seide und Baumwolle. Venedig
beginnt sich an diesem Handel zu engagieren (Haarmann,
S.212).
ab 1175
Kairo-Jerusalem: Waffenstillstand für
Zeitgewinn gegen die Christen in Palästina
Salah ad-din Yusuf schliesst einen Waffenstillstandsvertrag mit den
Franken, um
seine Macht auch nach Nordsyrien und dem oberen Mesopotamien, Gazira,
auszubauen. Saladin wiederholt damit die Politik von Nur
ad-din (Haarmann, S.202). Nur mit dem mesopotamischen
Hinterland ist der "heilige Krieg" gegen die Christen möglich. Die
Kette
der syrischen Städte reicht dafür nicht aus. Saladin hält sich solange
dauernd
in Syrien auf (Haarmann, S.202-203).
1176-1181
Kairo: Einführung des Lehenssystems für
Kairoer Soldaten - Verarmung des Landes, Reichtum in Kairo
Salah ad-din lässt das iqta-System einführen, die Zuteilung
von
Lehen an
Soldaten als Soldatensold. Ein grosser Teil des Landes muss zu diesem
Zweck neu
bewertet und verteilt werden. Der Soldat erhält Steuereinzugsrecht auf
der
Länderei, muss aber alle Ausgaben, die er in einem Feldzug hat, selbst
bestreiten. Gleichzeitig entgehen dem Staat Einnahmen, und es entstehen
grossflächige private Schutzherrschaften. Einige Ländereien lässt
Saladin als
"Kronland" definieren (hasch), so dass sie nicht vergeben werden
können.
Ab der Lehensvergabe fliessen konzentriert grosse Teile der Steuern an
die
Lehensherren, die alle ihren Sitz in Kairo haben. Das Land verarmt,
Kairo wird
übermässig reich (Haarmann, S.201).
1177
Ägypten-Genua: Handelsvertrag
(Haarmann, S.213)
ab 1177
Kairo: Salah ad-din Yusuf / Saladin
führt den Titel "Wiederbeleber der Herrschaft des Befehlshabers der
Gläubigen"/ "muhyi dawlat amir al-mu 'minin"
Gegen "Kreuzfahrer"
unternimmt
er jedoch kaum
etwas ausser ein paar "Scharmützeln" wie Flottenangriffe auf
palästinensische Häfen und zwei erfolglose Landangriffe gegen al-Karak (heute Jordanien), das die
Karawanenroute zwischen Ägypten und Syrien
bedroht (Haarmann, S.202).
Frieden schadet Saladin innenpolitisch
Durch die Duldung eines modus vivendi mit den Kreuzfahrern
erhalten
Saladin
und seine Nachfolger keinen guten innerislamischen Ruf (Haarmann,
S.239).
1180
Kairo-Jerusalem: Erneuter
Waffenstillstandsvertrag
(Haarmann, S.202)
ab 1180 ca.
Europa: Neue Kleidermodelle aus dem
arabischen Raum
-- Pantoffel/Babuschen
-- Gamaschen, benannt nach der nordafrikanischen Stadt Ghadames
-- Verbandsstoff in Gazegewebe, arab. kazz, aus durchsichtiger Rohseide
oder
Baumwolle
-- Schleier für Frauen in Luxusgesellschaften
-- Turbane für Männer, die sich aber nicht durchsetzen
-- Mütze, arab. mustakah, vom arabischen Pelzmantel mit Kapuze
-- Kappe, von Kapuze
-- Kittel aus Kattun, arab. qatn,
mit losen Ärmeln, die der Kirche ein Dorn im Auge sind (Hunke, S.103),
werden
auch als "Moriskenmäntel" bezeichnet
-- Joppe, arab. gubba/dschubba, Jackett
-- Arabeske, streng geometrische Ornamentik in unendlicher Wiederholung
mit
unendlich vielen Mittelpunkten (Hunke, S.104).
Deutsches Reich: Arabische Segenssprüche
in arabischer Schrift in deutsch-kirchlichen Reliquien und
Ornamenten
kommen vor in deutschen Büchern, auf Gläsern, auf Kirchenwänden, auf
Hostienschalen, auf Abendmalskelchen, auf Kleidersäumen, auf
Heiligenscheinen
wie in Braunschweig, Siegburg, Sinzig, Köln, Trier, Mainz, Marburg und
Salzburg
(105).
ab 1180 ca.
Die Europäisch-christliche Invasoren
versuchen, Ägypten zu blockieren
Von den südlichsten Kreuzfahrerburgen aus - Karak und Sawbak,
südöstlich des toten Meeres - versuchen die europäisch-christlichen
Invasoren,
in Richtung Rotes Meer vorzustossen mit Ziel, den Indienhandel Ägyptens
zu
unterbrechen und eventuell an sich zu reissen (Haarmann, S.195).
1181
Ägypten: Stand des ägyptischen Heeres:
"Heeresrolle"
Nach der "Heeresrolle" besteht das ägyptische Heer aus 111
Offizieren,
6976 Reitern (tawaschi) mit Reiterknechten (arab.: mamluk), 1553 Mann
leichte
Kavallerie (qaragulam), Beduinen an den Rändern des Nildeltas und im
Sinai,
sowie aus freiwilligen Glaubenskämpfern (gazi) (Haarmann, S.201).
1182/1183
Jerusalem-Ägypten: Der Versuch der
europäisch-christlichen Invasoren zur Besetzung des Roten Meeres
scheitert
Der "Kreuzfahrerfürst" Rainald
[kein Druckfehler!] von Châtillon,
der "Herr von Oultrejourdain", unternimmt von Ayla
(al-'Aqaba) aus einen Flottenraubzug entlang der Küste des
Roten Meeres bis 'Aydab. Die
Bedrohung des ägyptischen Rotmeerhafens und die Blockade des
ägyptischen
Indienhandels gelingt jedoch nicht, da der Hafen zu weit südlich liegt
(Haarmann, S.195).
1183
Kairo-Jerusalem: Erneuter
Waffenstillstandsvertrag
(Haarmann, S.202)
Damaskus-Ägypten: Sturz der Zengiden
durch Wesir Saladin
Salah ad-din Yusuf / Saladin kann die Herrschaft der Zengiden
in
Damaskus
stürzen und lässt ganz Mesopotamien besetzen: Edessa/ar-Ruha,
Harran, Mardin, Singar, Nasibin, Amid/Dyarbakir,
und nach mehrwöchiger Belagerung auch Aleppo.
Der 20-jährige Zengide as-Salih muss
abtreten (Haarmann, S.203).
ab 1183
Zitadelle für Kairo
Salah ad-din Yusuf / Saladin lässt durch seinen Mamluken Qaraqus die Zitadelle Kairos auf einem
der Ausläufer des Muqattam erbauen
(Haarmann, S.201).
1185
Kairo-Jerusalem: Erneuter
Waffenstillstandsvertrag
(Haarmann, S.202)
1185?
Palästina: Raubzüge von Renaud de
Châtillon: bis zur Plünderung von Mekka und Medina, Inhaftierung der
Schwester
Saladins - Saladin muss handeln
Der Französische Ritter Renaud de
Châtillon bekommt durch eine Liebschaft mit der verwitweten Fürstin
von
Antiochia die Herrschaft über eines der Fürstentümer des Königreiches
Jerusalem
östlich des Jordan bis ans Rote Meer und herrscht auf der Wüstenfestung
Krak von Moab (Hunke, S.81).
Er bleibt Wegelagerer, wildert mit seiner Bande gegen Kamelkarawanen
und
Pilgerkarawanen aus Ägypten und Damaskus,
bricht laufend Abmachungen
mit den Arabern (Hunke, S.81), weitet
seine Raubzüge vom Hafen von Akaba
aus aufs Rote Meer bis nach Aden aus
(Hunke, S.81-82), plündert
sogar die "heiligen islamischen Stätten" Mekka und Medina (Hunke,
S.83) und nimmt eine Kamelkarawane gefangen, darunter die Schwester
Saladins
(Hunke, S.82).
In der Folge steigt der Zorn Saladins in Kairo aufs Höchste, verlangt
von König Guido von Lusignan von
Jerusalem
ultimativ die Freigabe der Schwester und der
Karawane bei gleichzeitiger Versicherung, am Waffenstillstand
festzuhalten
(Hunke, S.82).
König Guido befiehlt Fürst Renaud die Freilassung der Karawande. Renaud
aber
verweigert die Freilassung, denn er selbst habe mit Saladin keinen
Waffenstillstand geschlossen.
In der Folge wird der Raub der Karawane mit der Schwester Saladins der
Anlass
für den "Untergang Jerusalems" (Hunke, S.82).
[Es ist bezeichnend, dass Haarmann diesen Zusammenhang unterschlägt].
1186
Mossul: Der zengidische Emir von Mossul
anerkennt Saladin als Oberherr
(Haarmann, S.203)
3.7.1187
Muslimischer Sieg bei Hittin - das
"heilige Kreuz" fällt in arabische Hände - Saladin lässt Guido de
Lusignan am Leben - Fürst Renaud wird geköpft
Köpfung von Renaud den Golan-Höhen, völlige Vernichtung der
christlichen
Heere und der Ordensritterheere, Massentod durch Verdursten und Hunger.
Nur dem
Grafen von Tripoli gelingt der Ausbruch.
Das Königreich Jerusalem fällt. Das "Kreuz des Erlösers", das als
christliches Feldzeichen in die Schlacht getragen wurde, fällt in
muslimische
Hände (Hunke, S.82).
Saladin fordert alle Barone und Ritter in sein Zelt, die alle das
Henkersgericht erwarten. Saladin aber gibt Guido
de Lusignan zu trinken und gibt ihm somit symbolisch das Zeichen,
dass er
unter dem Schutz des Sultans stehe (Hunke, S.82).
Da gibt Guido de Lusignan den Trunk an Fürst Renaud weiter, was Saladin
nicht
erträgt. Er lässt den ewigen Verräter vors Zelt schleppen und köpft ihn
eigenhändig (Hunke, S.83).
Saladin lässt Guy de Lusignan am
Leben
und entlässt ihn auf sein Ehrenwort,
keinen Krieg mehr gegen Saladin anzufangen (Hunke, S.65).
Guido de Lusignan aber bereitet eine Racheaktion wegen der Hinrichtung
von
Fürst Renaud vor. Für ihn ist die Abmachung mit Saladin nichtig (Hunke,
S.83).
Aug 1187 ca.
Muslimische Besetzung von Jerusalem
unter Saladin - Saladins Grossmut
Nach der Schlacht bei Hittin fällt Jerusalem in muslimische
Hände.
Saladin
-- gewährt den christlichen Bewohnern freien Abzug und bewaffnetes
Geleit bis
zur Grenze
-- den Begüterten gibt Saladin 40 Tage Zeit, ein Lösegeld aufzubringen
-- den Ärmeren gibt Saladin die Freiheit für wenig Geld
-- der Bruder Saladins regt an, 1000e der Christen ohne Zahlung
freizulassen,
worauf Saladin einwilligt und 15.000 ältere Menschen freilässt
-- Christen, die in Jerusalem sterben wollen, dürfen bleiben (Hunke,
S.64)
-- den grössten Feinden, dem römischen Patriarchen, der die
Verteidigung
Jerusalems leitete, und anderen Verteigern, gibt Saladin die Freiheit
(Hunke,
S.64-65).
Alle Freigelassenen bekommen bewaffnetes Geleit bis an die Grenze des
fränkischen Gebietes, um sie vor fränkischen Räubergruppen zu schützen
[!], die
viele der Freigelassenen töten und ausrauben... (Hunke, S.65)
Akkon: Sultan al-Aschraf gibt den
Ritterorden zum Schutz seine Fahne
Templer und Deutsche Ritterorden ergeben sich den Heeren von
Sultan
al-Aschraf, nachdem Jerusalem bereits gefallen ist. Sultan al-Aschraf
sendet
den christlichen Ritterorden eine Fahne zum Schutz ihres Lebens, die
sie auf
ihrem Turm aufpflanzen. Banditen, die die Ordensunterkünfte berauben
wollen,
werden von Wachen getötet (Hunke, S.132).
Ende 1187 ca.
Guido de Lusignan bricht den
Waffenstillstand mit Saladin - Organisation der Belagerung von Akkon
Guido de Lusignan sammelt die Überbleibsel des
Kreuzzugsheeres um
sich,
angestachelt von Rachegelüsten wegen der Köpfung des Fürsten Renaud
(Hunke,
S.83).
Er organisiert die Belagerung von Akkon, woraufhin weitere
Kreuzzugsheere nach
Akkon strömen (Hunke, S.65).
ab Ende 1187 ca.
Europa: Totaler Werbefeldzug in Europa
für neue Kreuzzüge
um die totale Niederlage der Franken im "heiligen Land" zu
verhindern.
Rom wendet sich direkt an die Könige, Papst Clemens III.,
fordert Friedrich
I. zum "heiligen Krieg" auf und verspricht ihm Ablass seiner
Sünden,
"ewiges Leben" und Anhäufung "reicher Schätze" im "Himmel". In
der Folge lehnen die deutschen Könige die Kreuzzugshetze des Papstes
wieder ab
(S.58).
Jan 1187
Wieder christlicher Überfall auf
Karawane bei al-Karak
Rainald von Châtillon lässt von al-Karak
aus (heute Jordanien) eine syrisch-ägyptische Karawane überfallen.
Saladin fordert vom König von Jerusalem, Guy de Lusignan, Genugtuung,
bekommt
sie aber nicht (Haarmann, S.203).
Juni 1187 ca.
Kairo: Saladin ruft den "heiligen
Krieg" gegen die Kreuzfahrerstaaten aus
Jetzt hat Saladin vom "Königreich von Jerusalem" genug und
beginnt mit dem Zusammenziehen seiner Truppen im Golan/Gawlan
sowie mit der Aufstellung des ganzen ägyptischen
Heeres (Haarmann, S.203).
Ende Juni 1187 ca.
Kairo: Ägyptisch-syrische Besetzung von
Tiberias, Belagerung der Zitadelle
(Haarmann, S.203)
3.7.1187
Kairo-Jerusalem: Das Kreuzfahrerheer
erreicht Tiberias nicht
König Guy de Lusignan lässt das Kreuzfahrerheer in Galiläa in
Marsch
setzen. Bei der glühenden Sommerhitze aber erreicht das Heer Tiberias
nicht,
auch nicht den See Genezareth (Haarmann, S.203).
4.7.1187
Königreich Jerusalem: Niederlage gegen
ägyptisches Heer - Exekution von Rainald von Châtillon
Das muslimische ägyptisch-syrische Heer zersprengt beim Dorf Hattin das Kreuzfahrerheer von König
Guy de Lusignan. Der König Guy de
Lusignan, der Grossmeister des Templerordens und Rainald
von Châtillon
geraten sogar in Gefangenschaft. Rainald von Châtillon und die
Angehörigen der
Ritterorden werden hingerichtet. Das Feldheer von Guy de Lusignan ist
vernichtet. Er darf aber weiter im Namen Jerusalems verhandeln
(Haarmann,
S.203).
5 7.1187
Tiberias: Kapitulation der Zitadelle,
ägyptisch-syrische Besetzung
(Haarmann, S.203)
9.7.1187
Akkon: Kampflose Übergabe an
ägyptisch-syrische Truppen
(Haarmann, S.203)
ab Mitte Juli-August 1187 ca.
Palästina: Saladin lässt christliche
Burgen und Städte kampflos einnehmen
Nazareth, Nablus, Baysan, Jericho, Ramla, Hebron, Gaza,
und die
Hafenstädte von Haifa bis Beirut, die mit der
ägyptischen Flotte
bezwungen werden (Haarmann, S.203).
1187
Askalon: Christliche Kapitulation
König Guy de Lusignan von Jerusalem erkauft sich damit die Freiheit
(Haarmann,
S.203).
Sep 1187 ca.
Tyros (Königreich Jerusalem): Ankunft von Verstärkung aus Europa in
Tyros. So
kann sich Tyros gegen die ägyptisch-syrischen Truppen verteidigen.
(Haarmann, S.203)
1.10.1187
Jerusalem: Besetzung durch
ägyptisch-syrische Truppen - neuer Kreuzzugsaufruf in Europa
Diese Besetzung ist für Salah ad-din Yusuf / Saladin ein
wertvoller
Prestigeerfolg,
strategisch und wirtschaftlich aber nicht sehr bedeutend. Saladin kann
sich nun
als erfolgreicher Vorkämpfer des Islam feiern lassen. Das Königreich
Jerusalem
ist zerschlagen (Haarmann, S.203). Der "Fall von Jerusalem" provoziert
in
Europa einen gemeinsamen Kreuzzug mit Hetze gegen die "Heiden"
(Haarmann,
S.204).
1188 ca.
Roms Kreuzzugspropaganda verfängt im
Deutschen Reich immer noch nicht
Papst Clemens III. schickt einen
päpstlichen Legaten, Kardinal Heinrich
von Albano, an den Hof Friedrichs I.,
um ihn zum Kreuzzug zu überzeugen, was ihm aber nicht gelingt (Hunke,
S.58).
Hoftage in Strassburg
Dritter Versuch des päpstlichen Legaten, Kardinal Heinrich
von Albano, Friedrich
I. zum Kreuzzug zu überzeugen (Hunke, S.58).
Reichstag zu Worms - deutsche Kreuzzüge
gehen nach Osteuropa
Die norddeutschen Fürsten weigern sich, gegen die "Heiden" im
Vorderen Orient ins Feld zu ziehen, denn der Kampf in Osteuropa gegen
die
dortigen "Heiden" sei ebenso verdienstvoll... (Hunke, S.53)
[und ebenso grausam...].
26.5.1188
Deutsches Reich: Friedrich I. bereitet
in eigenem Interesse einen Kreuzzug vor
um sich gegenüber dem Papst zu profilieren:
-- alle Mitläufer sind ausgeschlossen
-- der Kreuzzug ist mit Rom nicht abgesprochen, was den Papst sehr
verärgert
-- die 3000 Ritter im Heer dienen im Namen von Friedrich I. "in
stetigem
Aufblick zu ihrem Kaiser" und sie dienen nicht im Namen der Kirche
(Hunke,
S.58).
Friedrich I. sendet über den Boten
Graf Heinrich von Dietz an Saladin
die Kriegsbotschaft, kündet den Kampf an und bestimmt Zeit und Ort:
1.November
1189, Feld von Zoan, mit der
Aufforderung, die muslimische Besetzung Jerusalems wieder rückgängig zu
machen
und die fränkischen Gefangenen freizulassen (Hunke, S.59).
Juli 1188 ca.
Saladins Friedensangebot an Friedrich I.
"seinen wahren, grossen und erhabenen Freund, Friedrich,
König von
Deutschland":
-- Freilassung aller fränkischen Gefangenen
-- Zugang zum "heiligen Grab" und Duldung christlicher Gottesdienste in
der Grabeskirche
-- Bedingung: Die fränkischen Invasoren sollen alle besetzten Festungen
Palästinas abgeben (Hunke, S.59).
1188-1191
Guido von Lusignan lässt Akkon belagern
- "3. Kreuzzug"
-- Guido von Lusignan bricht seine Versicherung, er werde
gegen
Saladin
keinen Krieg mehr führen
-- es kommt sogar englischer, französischer und deutscher
"Nachschub", als "3.Kreuzzug" bezeichnet.
Die Belagerung wird laufend durch Normannen und Dänen unterstützt
(Hunke,
S.60).
Die weitmaschigen Panzerhemden der neuen europäischen Ritterheere sind
durch
Kettenpanzer und Filzschutz ersetzt, was vor den Pfeilen schützt
(Hunke,
S.128).
ab März 1188 ca.
Palästina: Angriffe unter Saladin auf
Tripolis und Antiochien
(Haarmann, S.203).
Juli 1188
Palästina: Ägyptisch-syrische Besetzung
der Küstenstädte Beirut und Latakia/al-Ladiqiyya/ Laodikeia
Tripolis aber nicht. Dafür werden noch die Burg Sahyun
(hinter Tripolis), das Orontes-Tal
und den strategisch wichtigen Ort al-Karak
(heute Jordanien) ägyptisch-syrisch besetzt (Haarmann, S.203-204).
August 1188
Königreich Jerusalem: Christliche
Belagerung von Akkon
Die christlichen Truppen unter Guy
de Lusignan rücken von Tyros nach Süden gegen Akkon vor. Belagerung
von
Akkon, das von ägyptischen Schiffen vom Meer her versorgt wird.
Saladins
Truppen schliessen die fränkischen Belagerer ein (Haarmann, S.204).
August/September 1189 ca.
Akkon: dauernde Verstärkung der
Belagerung durch christlichen Nachschub
(Haarmann, S.204)
1.11.1189
Der Kreuzzug von Friedrich I. "Barbarossa" bleibt in Byzanz hängen.
Der Kriegstermin mit Saladin wird von christlicher Seite nicht
eingehalten
(Hunke, S.59).
1190
1190
Akkon: Christliche Verstärkungsheere
Ankunft des englischen Kreuzzugsheers unter Richard
"Löwenherz" und des französischen Kreuzzugsheeres
unter König Philipp August zur
Unterstützung der Belagerung von Akkon (Hunke, S.60).
Arabische Hilfe für Richards Gesundheit
Richard geniesst ausserordentlichen Respekt bei den Muslimen.
Dabei
wird er
krank. Richard "Löwenherz" will die ritterlichen Sitten der Muslime
ausnutzen, schickt einen Boten ins Lager Saladins mit der Bitte um
Medizin,
behauptet aber, er habe auch in Kriegszeiten Geschenke für den Sultan
bereit
(Hunke, S.81).
Sultan-Bruder Malik Adil sagt zu,
die Geschenke anzunehmen, wenn der Sultan auch welche bieten dürfe,
woraufhin
der Bote Richards behauptet, er bräuchte Hühnchen, um seine Falken und
Raubvögel zu ernähren (Hunke, S.81).
Malik Adil empfiehlt, Richard selbst
solle die Hühnchen essen, statt sie den Vögeln zu geben. Richard
bekommt alles.
Einige Tage später lässt Richard "Löwenherz" einen muslimischen
Gefangenen
frei und Saladin übergibt dem Boten ein "Ehrengewand" (Hunke, S.80).
Einige Tage später bittet Richard "Löwenherz" um Früchte und
Zuckerwerk,
was ihm auch gewährt wird (Hunke, 80-81).
Dann erfolgt das Gemetzel wegen "verzögerter Übergabe des Kreuzes"
(Hunke,
S.81).
10.6.1190
Friedrich I. Barbarossa ertrinkt in den
Fluten des Flusses Saleph
Das Heer ist durch Seuchen und Kämpfe geschwächt. Ein
grösserer
Teil der
3000 Ritter kehrt nach Deutschland zurück, einige begehen Selbstmord,
viele
geraten in Gefangenschaft und werden als Sklaven verkauft und einigen
Splittergruppen gelingt die Weiterreise nach Palästina (Hunke, S.59).
August 1190 ca.
Akkon: Resttruppen Friedrich I.
Barbarossas - französischer Argwohn über verweigerte Hilfe
Die Splittergruppen des Kreuzzuges von Friedrich I. Barbarossa unter
dessen
Sohn, Friedrich von Schwaben,
erreichen Akkon und unterstützen die Belagerung, darunter der deutsche
Landgraf Ludwig von Thüringen, der an Malaria
erkrankt. Die ganze Gruppe hat sich bereits in den Kreuzfahrerprovinzen
eine
Seuche zugezogen (Hunke, S.60).
Streitigkeiten zwischen deutschen und französischen Rittern mit
Verdächtigungen
gegen Landgraf Ludwig von Thüringen wegen angeblichen Verbindungen zu
Saladin
ergeben eine Schwächung der christlichen Heere. Es geht das Gerücht um,
Saladin
habe Ludwig von Thüringen Beduinen ins Lager geschleust, die nun
Sabotageakte
verüben würden. Dabei war es ein Arzt Saladins (Hunke, S.60).
Insgesamt verweigern die Spitäler der Johanniter-Orden die
Spitalaufnahme
deutscher Ritter, so dass diese die Notunterkünfte zwischen den
Koggen/dickbauchigen Hanseschiffen der Bremer und Lübecker Kaufleute
belegen
(Hunke, S.60). Französische Johanniter verweigern die Pflege deutscher
verwundeter Ritter
-- aus nationalem Hass
-- aus Feindschaft des Papstes gegen das Deutsche Reich, vor allem
gegen die
Hohenstaufen (Hunke, S.48).
In der Folge wird die Gründung eines Deutschen Ritterordens vorbereitet
(Hunke,
S.48).
Sep 1190 ca.
Akkon: Tod von Friedrich von Schwaben
Auflösung aller deutschen Verbände und Heimreise von Landgraf Ludwig von Thüringen, wo er noch vor Zypern
stirbt. Die französische
"christliche"Geschichtsschreibung hetzt in der Folge gegen "die
Deutschen", sie hätten mit Saladin paktiert (Hunke, S.60).
Christliche Einnahme von Akkon - Streit
um das "heilige Kreuz" - Massaker an Muslimen durch Richard Löwenherz
- Saladin verweigert Gefangenenaustausch, Rückgabe des Kreuzes und
Restitution
des Königreichs Jerusalem - erster breiter Pazifismus
in Europa
1191
Akkon: Bau eines "Deutschen
Hauses"
durch den Barbarossasohn Friedrich von Schwaben (Hunke, S.48).
April 1191
Akkon: Landung eines französischen
Kreuzzugsheeres unter Philipp II.
(Haarmann, S.204
Juni 1191
Akkon: Landung eines englischen
Kreuzzugsheeres unter Richard Löwenherz
(Haarmann, S.204)
Saladin schickt dem erkrankten Richard Löwenherz einen Arzt, so wie
früher dem
Landgraf Ludwig von Thüringen
(Hunke, S.60).
12.7.1191
Akkon: Christliche Besetzung - Akkon
wird neue Hauptstadt des Königreichs Jerusalem
Akkon wird neben Tripolis der bedeutendste Umschlagplatz für das
syrische
Hinterland. Der französische König Philipp II. reist nach Hause,
Richard
Löwenherz muss den Krieg gegen Syrien und Ägypten allein weiterführen
(Haarmann, S.204).
Ende Juli 1191 ca.
Jaffa: Christliche Besetzung von Jaffa
durch Löwenherz-Truppen
aber kein Durchbruch nach Jerusalem möglich (Haarmann, S.204).
Nach der christlichen Besetzung von Akkon
rechnet Richard Löwenherz die
Eroberung Akkons sich alleine zu. Guy de
Lusignan kehrt mit einem Teil seines französischen Heeres nach
Frankreich
zurück. Die in Palästina bleibenden Teile treten unter den Befehl des Herzogs von Burgund (Hunke, S.65).
1000e Muslime sind Gefangene von Richard Löwenherz. Das "christliche"
Vorgehen plant die Freilassung nach einer Taufe. In der Folge lassen
sich viele
Muslime zum Schein taufen. Bei Entdeckung der vorgegebenen Taufe wird
die Taufe
verboten und es beginnen lange Verhandlungen um einen
Gefangenenaustausch. Die
Christen verlangen ein hohes Lösegeld und die Rückgabe des "heiligen
Kreuzes", das Saladin in Hittin als
Sieger den Christen abgenommen hat. Der Termin wird abgemacht, ohne
alle
Details ausgehandelt zu haben (Hunke, S.65).
Am Tag der ausgemachten Kreuzübergabe erscheint Saladin nicht, so dass
Richard
Löwenherz alle muslimischen Gefangenen hinrichten lässt und habgierige
Christen
sogar die Gedärme der Hingerichteten nach verschlucktem Gold
durchsuchen. Der
Massenmord wird bekannt und schadet in der Folge der ganzen
Christenheit in der
islamischen Welt (Hunke, S.65).
Saladin lässt keine Freilassung von christlichen Gefangenen mehr zu,
verweigert
die Rückgabe des "heiligen Kreuzes" und auch die Wiederherstellung des
Königreichs Jerusalem.
Gleichzeitig kommen im "christlichen" Europa immer mehr Bedenken gegen
die
Kreuzzüge auf. Es bilden sich Pazifistengruppen und geistiger Protest.
Ritter Wolfram von Eschenbach formuliert in
seinem "Willehalm" (Hunke, S.450,15):
"Ist das nicht Sünde, dass man die, die nie
Kunde von der Taufe empfingen,
Erschlug wie Vieh?
Ich spreche hierbei sogar von grosser Sünde:
Weil alle Gottes Geschöpfe sind."
(Hunke, S.66)
1192
Akkon: Ermordung des Königs von
Jerusalem Konrad von Montferrat
durch die "nizaritische" Terrorgruppe der persischen Burg Alamut
(Haarmann, S.192).
August 1192
Akkon: Der älteste Bruder von Saladin, Abu Bakr, führt die
Waffenstillstandsverhandlungen auf der ägyptisch-syrischen Seite "zäh
und
klug".
(Haarmann, S.205)
1.9.1192
Waffenstillstand Löwenherz-Saladin
-- Saladin behält alle Besetzungen im Binnenland, sowie Gaza
und Askalon
-- Löwenherz behält als neuer "König von Jerusalem" alle Küstenstädte
von Latakia bis Jaffa
-- Saladin sichert für alle Christen ein freies Pilgerrecht nach
Jerusalem zu
-- der Vertrag soll drei Jahre gültig sein (Haarmann, S.204).
Winter 1192/1193
Jerusalem unter Saladin: Schleifung der
Stadtmauer und der wichtigsten "christlichen" Burgen
Saladin entlässt seine Heere, er selbst zieht sich nach
Damaskus
zurück.
Beginn mit der Schleifung der Stadtmauer von Jerusalem und der
wichtigsten
christlichen Burgen (Haarmann, S.204).
4.3.1193
Kairo: Tod von Salah ad-din
Yusuf/Saladin nach "kurzer Krankheit" - Thronkämpfe
(Haarmann, S.204)
1195
Ägypten-Palästina: Waffenstillstand
zwischen Löwenherz und Saladin
wird stillschweigend verlängert, hält insgesamt 25 Jahre (Haarmann,
S.204). Der
älteste Bruder von Saladin, Abu Bakr,
Besitzer der Gazira in Mesopotamien,
kommt nach Ägypten. Thronkämpfe (Haarmann, S.205).
Kairo: Nachfolgediskussion:
Saladin-Bruder Abu Bakr al-Malik al-'Adil verteilt das Reich an seine
drei
Söhne
Der älteste Bruder von Saladin, Abu
Bakr, setzt sich als Senior der Sippe gegen die zerstrittenen Söhne
des
Sultans durch und wird nach der Besetzung Ägyptens unumstrittener Chef
des
ayyubidischen Hauses (Haarmann, S.205).
In der Folge verteilt Abu Bakr das Reich an seine drei Söhne:
-- al-Malik al-Kamil (-1238) in Kairo, designierter Thronfolger
-- al-Malik al-Asraf in der Gazira in Mesopotamien
-- al-Malik al-Mu'azzam (-1226) in Syrien.
Die Söhne von Saladin übernehmen die Verwaltungen in Aleppo,
die Brüder von Saladin die Verwaltungen in Turansah,
die Familie des Onkels Sirkuh
in Hims. Die weitere Verwandtschaft
übernimmt Posten in Baniyas, Bosra,
Baalbek, al-Karak und im Jemen.
Abu Bakr al-Malik al-'Adil selbst
regiert ohne feste Residenz, meist zwischen Kairo und Damaskus
pendelnd. Mit
dieser Machtverteilung ist ein gemeinsames politisches und
militärisches
Handeln kaum möglich.
Zudem zeigen die angeschlossenen Fürstentümer der Zengiden am oberen Tigris, Singar und Mossul, sowie die
Fürstentümer der turkmenischen Ortoqiden in Mardin und Amid/Diyarbakr
und im südlichen Armenien
Autonomiebestrebungen (Haarmann, S.205).
[Saladin hat die Nachfolge nicht geregelt und sein Reich wird wegen der
Verteilungs-Strategie von Abu Bakr bald auseinanderbrechen...].
1197
Damaskus: Mausoleum für Friedrich I.
Barbarossa - Spital gestiftet
Wilhelm II. von Hohenzollern lässt neben der grossen Moschee in
Damaskus
ein Mausoleum für die Gebeine von Friedrich I. errichten und stiftet
der
arabischen Bevölkerung in Jerusalem ein von christlichen Schwestern
geleitetes
Hospital (Hunke, S.59).
1198
Gründung des Deutschen Ritterordens
durch Lübecker und Bremer Kaufleute, Bau eines Feldlazaretts für
Deutsche mit
der Hauptaufgabe:
-- Dienst für das Deutsche Reich
-- Gestaltung der Ordensordnung in Anlehnung an die islamische
Ritterkaste
(Hunke, S.48-49).
Der Orden wird vom Papst bestätigt (Hunke, S.49).
1200
13. Jh.
Deutschland und Schweiz: Burgen in arabischem
Stil
-- der Burgkern der Hardenburg
und Neuleinigen in einer Pfalz
-- Herzberg und Friedewald in Hessen
-- Fürstenau im Odenwald
-- Lechenich im Rheinland
-- Zülpich in Westfalen u.a.
-- in der Schweiz: Grandson und Champvent:
Sie werden nach der Rückkehr
der Herren vom Kreuzzug in arabischem Stil umgebaut
-- Festung von Yverdon durch Peter II.
von Savoyen
etc. (Hunke, S.126).
ab 1200
Europa: Kopie der arabischen Kampfkleidung - Eisenwaffen in Europa -
Pfeil und
Bogen in Arabien
-- Wams unter der arabischen Rüstung/wambes
-- Bombasin/Bombast
-- schakk/Schakk, entwickelt zu "jaco" , dann zu Jackett und Sakko
-- Entwicklung des Halsschutzes Hansberg/Hauberg
-- Entwicklung des Tonnenhelms/Topfhelms mit Augenschlitz
-- Kopie der arabischen "Eisenreiter" mit voll geschützten Armen,
Händen
und Beinen, die aber sehr teuer [und schwer!] sind
-- Kopie der arabischen Panzerung der Pferde, die ebenfalls sehr teuer
ist und
die Pferde unbeweglich macht (Hunke, S.128).
In der Folge wird der europäische Ritter immer unbeweglicher, und
Knappen
müssen ihm die Eisenlanze, das lang gewordene Schwert und den langen
Schild
tragen. Der Araber, der bei Pfeil und Bogen bleibt, hat diese Gewichte
nicht
(Hunke, S.128).
Bildung des europäischen Heers
-- schwere Reiterei: mit Wurfspeer und Streitaxt
-- leichte Reiterei: mit Bogen- und Armbrustschützen
-- Artillerie mit Naphtafeuerwerken
-- Pioniergruppen
-- Aufstellen erster Bogenschützengruppen aus Mischlingen mit
Einheimischen,
sogenannten "Turkopolen", für schwärmende Überraschungsangriffe, v.a.
im
Dienst der Ritterorden, auch im Deutschen Orden (Hunke, S.129).
ab 1200
Europa: Arabische Kulturvermittlung
Arabische Spiele
-- Verbreitung des Schachspiels, wobei der Wesier zur "Dame"
wird
und der Elefant zum "Läufer"
-- Arabische Kartenspiele (Hunke, S.163)
-- Tricktrack: arabisches Spiel mit Spielsteinen aus Elfenbein, wo um
Geld
gewürfelt wird (Hunke, S.164)
Einführung des Hofnarren
als arabische Imitation an europäischen Höfen, ebenso arabisches
Feuerwerk als
Belustigung des Volkes (Hunke, S.164).
ab 13. Jh. ca.
Arabische Monopolverluste
Córdobas Monopol der
Kristallherstellung löst sich auf. Die Technik wird nun auch in Venedig
und in
Bayern kopiert (Hunke, S.114).
Keramikkunst in Spanien und Italien
Bunte arabische Kacheln, Fliesen, Teller, Töpfe und Tafelgeschirre
bekommen in Mallorca den Namen "Majolika" und
in der italienischen Stadt Faenza
den Namen (Hunke, S.114) "Fayence".
Weitere Fabriken finden sich in Delft,
Hanau, Fulda, Berlin, Ansbach
und Bayreuth (Hunke, S.115).
Anfang 13. Jh.
Arabische Kompasstechnik in Europa
vermittelt durch Petrus von
Maricourt/Petrus Peregrinus (Hunke, S.117).
Gleichzeitig kommt es zu dauernden Wirren im Königreich Jerusalem und
zu
unermüdlicher Kreuzzugspropaganda von Papst Innozenz III.
zur Rückeroberung Jerusalems gegen die
"Ungläubigen" (Haarmann, S.205).
1204
Erster Maisimport durch Bonifaz von
Montferrat vom Orient nach Italien
(Hunke, S.113)
4. Kreuzzug: gegen Byzanz statt Ägypten
Der 4. Kreuzzug wendet sich unerwartet von Ägypten ab gegen Byzanz.
Dem
ägyptischen Reich bleibt die Konfrontation erspart (Haarmann, S.205).
Der
Prätendent in Konstantinopel Alexios IV. hat um Hilfe gebeten
und
verspricht Kircheneinheit und Subsidien. Bei der Ankunft der
Kreuzzugsflotte
hält sich Alexios IV aber nicht an seine Versprechen, so dass sich die
Kreuzritter in der Stadt selbst bedienen und die grösste Plünderung des
Mittelalters veranstalten und das Reich in feudale Kreuzfahrerstaaten
aufteilen
(dtv-Atlas zur Weltgeschichte Bd.1,S.207). Somit kommt es zur
Errichtung des lateinischen
Kaiserreiches Konstantinopel
(Haarmann, S.212), aufgeteilt in kleine, italienisch regierte
Königreiche
mit Aussenposten bis nach Armenien (dtv-Atlas zur Weltgeschichte Bd.1,
S.207).
1207
Ägypten-Pisa: Handelsabkommen
(Haarmann, S.213)
ab 1208
Aleppo: Venedig besitzt in Aleppo einen
"fondaco", eine Kirche und ein Bad
Es werden 12 % Ein- und Ausfuhrzölle an Ägypten bezahlt
(Haarmann,
S.212)
1210
1215
Thronbesteigung des Stauferkönigs
Friedrich II.
(Haarmann, S.205)
1217
5.Kreuzzug: Landung in Akkon unter
Herzog Leopold VI. von Österreich und König Andreas von Ungarn
Plan: Eroberung Ägyptens, wie der Plan von König Amalrich
um 1160, um so den syrischen Ayyubiden die Basis zu nehmen
(Haarmann, S.206).
1218
Tod von Kaiser Otto IV.
der sich im Kaisergewand begraben lässt. Friedrich
II. ist Kandidat für eine nächste Krönung, jedoch fehlen
das Kaisergewand und die Krone, die Heinrich
von Sachsen nicht herausgibt. Friedrich II. lässt im Auftrag des
Papstes in Palermo ein neues Gewand und eine
neue Helmkrone anfertigen, ebenso ein Zeremonienschwert, um als Kaiser
Leute
zum Ritter schlagen zu können (Hunke,
S.107).
Mai 1218
5. Kreuzzug: Ägypten: Frankenlandung bei
Damiette und Belagerung
(Haarmann, S.206)
November 1218
Ägypten: Christliche Besetzung von
Damiette
Der ägyptische Herrscher der Abu-Bakr-Familie, al-Malik
al-Kamil, will für den christlichen Abzug aus Damiette
alle Eroberungen Saladins westlich des Jordans hergeben. Gleichzeitig
rechnet
er mit einer leichten Rückeroberung, da die Stadtmauer von Jerusalem
und alle
wichtigen Burgen inzwischen geschliffen sind oder neu errichtet werden
müssten.
Die Verhandlungen scheitern an der Unversöhnlichkeit des päpstlichen
Legaten,
Kardinal Pelagius von Albano, denn
-- dieser glaubt schon an die Möglichkeit einer Totalvernichtung des
Islam und
will Damiette halten
-- er steht unter Druck der Seefahrerrepubliken Pisa, Genua
und Venedig,
die in Damiette eigene Kontore eröffnen wollen, um ihren profitablen
Handel
abzuwickeln (Haarmann, S.206).
August 1218
Kairo: Tod von Kalif Abu Bakr al-Malik
al-'Adil
(Haarmann, S.206)
1220
5. Kreuzzug: Massaker an Muslimen bei
Damiette
Truppen unter Pelagius sollen den Sultan al-Kamil in Ägypten
angreifen.
Langer Kampf um Damiette, christliche Besetzung mit Massaker an der
muslimischen Bevölkerung. Der Angriff gegen Kairo wird vor Kairo von
muslimischen Heeren al-Kamils abgewehrt. Das Heer unter Pelagius
beginnt,
Hunger zu leiden.
Sultan al-Kamil schickt dem "christlichen" Heer vier Tage lang u.a. 30.000 Brote täglich und verzichtet auf den
Massenmord am Gegner (Hunke, S.63).
Verhandlungen über die "heiligen
Stätten"
Es finden Vorverhandlungen statt zwischen Friedrich
II. und dem ägyptischen Emir Fachr
ad-Din von der sizilianischen Residenz Foggia
aus (Hunke, S.60-61) mit Ziel eines Vertrags über die Freigabe der
"heiligen Stätten" (Hunke, S.61).
Ägypten: Damiette: Aufrüstung rund um
Damiette
Die christlichen Planungen für eine Invasion in Ägypten
dauern an.
Es
erfolgt aber kein Angriff. Kairo hat inzwischen genügend Zeit, seine
Heere
zusammenzurufen. Die drei Söhne der Abu-Bakr-Familie, al-Malik
al-Kamil, al-Malik
al-Asraf in Mesopotamien, und al-Malik
al-Mu �azzam in Syrien, koordinieren die Abwehr (Haarmann, S.206).
22.11.1220
Kaiserkrönung Friedrichs II. in Rom
mit Kaisermantel (Hunke, S.105) aus Palermo, von
byzantinischen
Gefangenen
aus scharlachroter Seide gewebt und von arabischen Bortenwirkern und
Perlenstickern mit Goldfäden und doppelten Perlenreihen bestickt
(Hunke,
S.106).
Friedrich II. muss dabei sein Kreuzzugsgelübde erneuern (Haarmann,
S.206).
ab 1220
Aufrüstung in Europa unter Friedrich II.
zu einem neuen Kreuzzug, auch zur "Festigung der politischen
Lage"
in
Europa (Haarmann, S.206).
1221
Oliverus von Köln dankt Sultan al-Kamil
Domherr und Kreuzzugswerber Oliverus
aus Köln bedankt sich beim Sultan in einem Schreiben, dass dieser kein
Massaker
am christlichen Heer veranstaltet habe. Die Ritterlichkeit des Sultans,
den
Gegner 1220 bei Damiette nicht verhungern zu lassen, überstrahlt alles
vorher
dagewesene (Hunke,S.63).
Juli 1221
Ägypten: Damiette: Christlicher Angriff
gegen Kairo mit Belagerung der ägyptischen Festung al-Mansura
Dies ist der Lohn für das Brot. Der Angriff wird vom
Hochwasser des
übertretenden Nil zum Stehen gebracht. Die christlichen Heere werden
durch das
Nilhochwasser eingeschlossen. Die christlichen Truppen ziehen sich
zurück.
Gleichzeitig verstärkt der eine Bruder al-Malik
al-Mu 'azzam den Druck auf seine anderen beiden Brüder und drängt
auf die
Vormachtstellung (Haarmann, S.206).
1224 ca.
Kairo: Verhandlungsbereitschaft mit
Friedrich II.
Regent al-Malik al-Kamil bekommt
Nachricht von den Rüstungsanstrengungen in Europa unter Friedrich II. und bietet bereits im Vorfeld vor dem
Aufbruch des Kreuzzuges Verhandlungen an, worin die Rückgabe Jerusalems
an die
Christen enthalten ist.
Al-Malik al-Kamil handelt damit eigenmächtig gegen seinen Bruder in
Syrien,
al-Malik al-Mu 'azzam, mit dem Ziel, das Gesamtreich zu erhalten
(Haarmann,
S.206). Ein Verlust von Jerusalem wird von der muslimischen Seite
weiter nur
als "vorläufig" betrachtet, da weiterhin keine Stadtmauer vorhanden ist
(Haarmann, S.206-207).
1225
Aleppo: Die Ein- und Ausfuhrzölle für Venedig werden von 12 auf 6 %
gesenkt
ebenso die Zölle auf der Burg Sahyun
an der Strasse zwischen Aleppo und Latakia
gesenkt (Haarmann, S.212-213).
Italien-Aleppo: Italienische
Gerichtsbarkeit für Italiener
Das venezianische Quartier in Latakia
- auch als venezianische "Kolonie" bezeichnet - erhält einen "bailo"
mit eigenem venezianischen Gericht (Haarmann, S.212-213).
1226
Wissenschaftlich-philosophische Kontakte zwischen Friedrich II. und
Saladin
Tod des Sultanbruders al-Malik al-Mu 'azzam in Syrien. Al-Malik al-Kamil
in Ägypten übernimmt die Regentschaft in
Jerusalem. Nur wissenschaftlich-philosophische Konversation hält die
Verbindung
zwischen dem Sultan und "Imberur" auf Sizilien vom Lager Friedrichs II.
aufrecht. Al-Kamil ist der Frieden mit Friedrich II. mehr oder weniger
egal
(Hunke, S.67).
Friedrich II. dagegen will am Frieden festhalten und weltweit als
Friedensstifter zwischen Islam und Christentum in die Geschichte
eingehen
(Hunke, S.68).
Syrien: Tod von al-Malik al-Mu 'azzam in
Syrien - Stärkung von al-Malik al-Kamil
in Kairo. Die Einigung mit Bruder al-Malik
al-Asraf ist keine Schwierigkeit, und al-Malik al-Kamil kann fortan
über
Palästina verfügen (Haarmann, S.207).
1228
6.Kreuzzug unter Friedrich II. für
Jerusalem
Die Abgabe von Jerusalem an die Christen ist im Vorfeld fast
beschlossene
Sache. Viel mehr will al-Malik al-Mu 'azzam aber nicht abgeben. Für Friedrich II. ist Jerusalem ein
Prestigeerfolg zur Stärkung der Macht in Europa. Es kommt zu weiteren
Verhandlungen (Haarmann, S.207).
1228-1229
Kreuzzug von Friedrich II. im Namen des Deutschen
Reiches - Intrigen des Papstes gegen Friedrich II.
Die Kreuzzugs-Überfahrt erfolgt gegen den Willen von Papst
Gregor IX., der Friedrich
II. sogar bannen und verfluchen lässt. Friedrich II. aber hat noch
andere
Ziele:
-- der friedliche Vergleichs gemäss den Vorverhandlungen
-- Ziel der Krönung zum König von
Jerusalem, auf die er durch die Heirat mit der Erbin Isabella
das Recht hat (Hunke, S.61).
In der Folge intrigiert Papst Gregor IX. aufs
Schärfste gegen Friedrich II., will keinen Frieden
zulassen,
"solange die Völker noch Heiden sind" (S.61). Der Papst versucht sogar,
mit dem Sultan gegen Friedrich II. zu paktieren, der die "heiligen
Stätten" nicht an Friedrich II. herausgeben solle (Hunke, S.62).
7.9.1228
6. Kreuzzug: Landung Friedrichs II. mit
seinem deutschen Ritterheer bei Akkon
Friedrich II. fühlt sich als Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches"
als
"oberster Fürst der Christenheit". Er sendet Graf von Aquin
mit Geschenken zu Sultan al-Kamil, um den Vorvertrag
zu erfüllen, um friedlich die
"heiligen Stätten zu übernehmen" (Hunke, S.66).
In der Folge bekommt Friedrich II. vehemente christliche Gegner (Hunke,
S.66-67). Papst Gregor ruft die
Ritter im "heiligen Land" auf, dem gebannten Kaiser den Gehorsam zu
verweigern. Der Papst versucht durch Hetze zweier Franziskaner, die
deutschen
Teile der Ritter gegen Friedrich II. zu manipulieren. Die Ritter folgen
dem
Papst (Hunke, S.67).
Zusätzlich stellen sich Templer und Johanniter, Christliche
Geistlichkeit und
die fränkischen Barone gegen Friedrich II., während Friedrich II. in
seinem
Zelt mit Emir Fachr ad-Din die
Beratungen und Gespräche führt (Hunke, S.67).
Gleichzeitig ist der Sultan nicht mehr in einer bedrängten Situation
und
braucht den Frieden mit den Christen eigentlich nicht mehr. Er will den
Vorvertrag gar nicht mehr einhalten (Hunke, S.67).
1228
Friedrich II. in Palästina
-- muss Widerstände der syrischen Geistlichkeit überwinden
-- muss Widerstände der in Palästina ansässigen französischen Barone
überwinden
-- muss Widerstände des feindlich gesinnten Templerordens überwinden
Papst Gregor IX.
-- spricht den Kirchenbann über Friedrich II.
-- erklärt Friedrich II. für tot
-- spricht die Untertanen von Friedrich II. von ihm los
-- lässt seine päpstlichen "Schlüsselsoldaten" über Sizilien herfallen,
das von Friedrich II. gerade verlassen ist
-- plant mit Templern und Johannitern eine Manipulation, um den Sultan
zum Mord
an Friedrich II. anzustiften (Hunke, S.62).
Ende 1228
Die Umstände für Friedrich II.
verschlechtern sich
-- ausbrechende Kämpfe im Deutschen Reich
-- ausbleibende Nachschubflotte
-- in Syrien sperren sich ihm die Christen entgegen
-- überall, innerhalb und ausserhalb seines Lagers, muss
er mit Verrat rechnen
-- sein einziger Vertrauter ist Hermann
von Salza (Hunke, S.67).
Templer und Johanniter stiften Sultan
al-Kamil zum Attentat gegen Friedrich II. an
Sultan al-Kamil bekommt von Templern und Johannitern einen
Tipp,
dass er
auf einem Pilgerspaziergang von Friedrich II. zur Taufstätte Jesu am
linken
Jordanufer diesen ermorden lassen könne, da Friedrich II. dort nur in
geringer
Begleitung sein werde. Sultan al-Kamil, Onkel Saladins, ist vom Verrat
angeekelt (Hunke, S.62).
Jan 1229
Frieden Syrien-Friedrich II. wegen
Umständen in Syrien
Syrien: Die Lage für Sultan al-Kamil verschlimmert sich.
Jetzt
willigt er
in den Friedensvertrag mit Friedrich II. ein (Hunke, S.68).
18.2.1229
Vertragsabschluss zwischen Friedrich II.
und Sultan al-Kamil - Friedrich II. wird "König von Jerusalem"...
Der Friedensvertrag zwischen Friedrich II. und Sultan
al-Kamil
kommt
zustande (S.68-69). Friedrich II. spricht von "Wunderkraft", die diesen
Frieden ermöglich habe. Bethlehem und Jerusalem sollen für beide
Religionen
offen sein (Hunke, S.69).
Krönung Friedrichs II. als König von Jerusalem. Er tritt das Erbe
seiner
verstorbenen Gattin Isabella an
(Hunke, S.69).
Feb 1229
Friedensvertrag zwischen al-Malik
al-Kamil und Friedrich II. in Jaffa auf 10 Jahre
Jerusalem wird den Franken überlassen, ebenso Bethlehem, Nazareth,
Lydda,
Toron, Sidon und ein paar Dörfer mehr.
Der Felsendom und die Aqsa-Moschee bleiben muslimisch.
Die islamische Gemeinde in Jerusalem kann die eigene religiöse
Gerichtshoheit
unter ihrem Qadi behalten.
Die religiösen Fanatiker beider Seiten sind nicht zufrieden, v.a. die
Kirchenführung
aus Rom nicht.
Al-Malik al-Kamil hat keine entscheidenden militärisch-strategischen
Punkte
hergeben müssen, und die Franken bringen die Kraft zur erneuten
Befestigung
Jerusalems nicht auf.
Gleichzeitig hat al-Malik al-Kamil den Rücken frei, um nun gegen
"widerspenstige Elemente" in Syrien vorzugehen (Haarmann, S.207).
Religiöse Skrupel hat er nicht, was Jerusalem angeht (Haarmann, S.192).
Mitte 1229 ca.
Einzug Friedrichs II. in Jerusalem
Einzug Friedrichs II. in Jerusalem mit den Schlüsseln, die
ihm von
Sultan Scham ad-Din übergeben werden.
Die Ritterorden streiken gegen Friedrich
II. - der Papst flucht und intrigiert
Die Templer und Johanniter paktieren immer noch gegen den
Frieden
und
sperren sich gegen jede Mitarbeit. In der Folge überträgt Friedrich II.
den
Schutz der Residenz und der Städte dem Deutschen Ritterorden.
Friedrich II. lässt die Häuser der Templer und Johanniter besetzen und
alle
Templer und Johanniter ausweisen, während er selbst mit Kot beschmissen
wird
(S.70).
Die Kirche reagiert mit Boykott. Die päpstliche Seite verdammt den
Frieden als
ein "Satanswerk" und hält einen freien Zugang für Muslime in Jerusalem
als
nicht akzeptierbar. Friedrich II. wird für den Papst zum "Verräter",
zum
"Schänder der Religion", zum "Satanssohn", zum "Antichrist". Der
"Kreuzzugsgeist" sei zerstört. Die Wut der Kirche auf das Deutsche
Reich
steigt (Hunke, S.70).
Erzbischof Petrus von Caesarea belegt
Jerusalem und die
"heiligen Stätten" mit einem Interdikt:
-- keine Lesung von Messen mehr
-- der Klerus verweigert die Sakramente
-- Priester stiften das Heer von Friedrich II. zur Meuterei an
-- der Papst stiftet die Templer zum Attentat gegen Friedrich II. auf
der
Strasse zwischen Jaffa und Akkon an, Friedrich II. entkommt dem
Attentat nur
knapp
-- der Patriarch Petrus von Caesarea
sammelt ein Heer gegen Friedrich II. (Hunke, S.70).
Ende 1229
Der Friede zwischen Friedrich II. und
Sultan al-Kamil ist ein Höhepunkt ritterlicher Menschlichkeit
(Hunke, S.72).
ab 1229
Friedrich II. als Freund arabischer
Burgen - arabische Burgen in Süditalien und Osteuropa
Er wird grösster Freund arabischer Burgarchitektur und lässt
auf
Sizilien
die verfallenden arabischen Burgen wieder aufbauen und neue
Vierecksburgen
errichten. Nach der Rückkehr nach Europa entwirft er ein Bauprogramm
für ein
Kastellnetz von Sizilien nach Apulien
mit z.T. 100 %iger Nachahmung der
arabischen Architektur
wie z.B. in Ursino in Catania und Maniace in Syrakus.
Leicht abgewandelt, weil am Meer gelegen, sind die Kastelle Trani,
Bari, Barletta, Brindisi,
Manfredonia und Tarent,
mit arabisch geböschtem Mauersockel, der im Zusammenwirken mit tiefen
Gräben
den Angriff mit Belagerungsmaschinen verhindern soll (Hunke, S.125).
Auch der Deutsche Ritterorden kopiert die arabischen Burgen und baut
nach deren
Muster die Ordensburgen im "deutschen Osten": Mewe, Rehden, Heilsburg und Arensburg
u.a. mit arabischen Spitzbögen und Spitzbogengewölben
(Hunke, S.126).
April 1229 ca.
Ägyptische Belagerung von Damaskus -
Mongolensturm
Al-Malik al-Kamil und al-Malik
al-Asraf belagern gemeinsam Damaskus und zwingen den Neffen
an-Nasir zum
Verzicht auf Damaskus und zum Rückzug nach al-Karak.
Das ägyptische Reich wird neu aufgeteilt. Al-Malik al-Asraf soll nur
noch die
zentralen syrischen Gebiete verwalten. Al-Malik al-Kamil wird Sultan
des
Gesamtreichs, verwaltet Ägypten und gleichzeitig die mesopotamischen
Gebiete,
wo der Mongolensturm grosse Turbulenzen verursacht (Haarmann, S.207).
1230
ab 1230 ca.
Europa übernimmt weitere arabische
Kultur: Tiergärten und Vogeldressur, Brieftauben
Anlegen erster Tiergärten mit geschenkten oder erbeuteten exotischen
Tieren aus
dem Vorderen Orient.
Anfang der Sammlerei exotischer Tiere sowie Beginn der Falkenbeize in
Europa,
Abrichten von Vögeln für die Jagd oder zum Briefverkehr, Heranzüchten
von
Tauben zur Brieftaube nach arabischem Vorbild (Hunke, S.165).
August 1230
Vordringen der Mongolen in Armenien
(Haarmann, S.207).
ab 1231
Mesopotamien: Die Mongolen bedrohen von
Armenien aus Mesopotamien
Bagdad-Kalif al-Mustansir ist ohne
militärische Macht und appelliert an ein Bündnis aller muslimischen
Herrscher
(Haarmann, S.207). Es kommt aber kein Bündnis zustande, weil die
Mongolen
wahrscheinlich unterschätzt werden. Al-Malik al-Kamil in Kairo
und der
Sultan von Konya (heute Türkei), Kaykubad, kämpfen um
die Macht
in Armenien und schwächen sich gegenseitig (Haarmann, S.208).
1232
Ägypten-Kurdistan: Ägyptische
Besetzungen
Truppen von al-Malik al-Kamil besetzen Amid/Diyarbakir
und Hisn
Kayfa/Hasankeyif und beseitigen die "unzuverlässigen ortoqidischen
Fürsten" (Haarmann, S.208).
ab 1232 ca.
Aserbeidschan-Konya: Die Rest-Truppen von Hwarizmsah irren in
Aserbeidschan und
Mesopotamien umher, dienen zeitweise dem Sultan von Konya.
(Haarmann, S.209)
ab 1233
Jemen: Neue mamlukisch-türkische
Dynastie der Rasuliden in den beiden Hauptstädten Zabid und Ta 'izz
Die Rasuliden betreiben auch eine "aktive Aussen- und
Handelspolitik"
oo senden Emissäre nach Indien
und China
oo bauen den Hafen von Aden/'Adan
aus
oo betrachten sich sogar als Souverän
des Hedschas, wo es zum Konflikt mit
Ägypten kommt (Haarmann, S.241).
1234-1238
Kurdistan: Ayyubidenkampf gegen
Rum-Seldschuken
Die 16 Ayyubidenprinzen im Heer intrigieren, weil sie einen
Zentralstaat
befürchten und dann kaum noch was zu sagen hätten. Gründung einer
Widerstandsbewegung im Ayyubidenheer gegen al-Malik
al-Kamil unter Bruder al-Malik
al-Asraf. Die Widerstandsbewegung arbeitet mit dem Sultan von Konya zusammen (Haarmann, S.208).
Im Januar 1238 werden Damaskus und Syrien von Truppen unter al-Malik
al-Kamil
besetzt, um die Widerstandsbewegung zu unterdrücken (Haarmann, S.208).
März 1238
Kairo: Tod von al-Malik al-Kamil -
Anarchie, Kämpfe um die Nachfolge
Der designierte Nachfolger al-Malk al-'Adil II. von Ägypten, 18 Jahre
alt, kann
sich nicht durchsetzen. Es folgen drei Jahre Krieg der Ayyubidenprinzen
untereinander. Die Vermittlungsversuche des Kalifen von Bagdad, al-Mustansir, scheitern alle (Haarmann,
S.208).
Die Mamelukkenoffiziere in Kairo setzen den jungen Sultan al-'Adil
II. ab und rufen dessen älteren Bruder as-Salih
ins Land, dessen
Steuereinzugsgebiet/Apanage am oberen Tigris liegt (Haarmann, S.209).
1238/1239
7. Kreuzzug: Jerusalem: Ankunft eines
neuen Kreuzfahrerheeres unter Richard, Earl von Cornwall
um die Nachfolgewirren der Ayyubiden auszunützen (Haarmann,
S.209).
September 1239
Auslaufen des Waffenstillstands zwischen
Kairo und Jerusalem
(Haarmann, S.208)
1240
5.1. 1240
Jerusalem: Der muslimische Fürst von
al-Karak besetzt willkürlich Jerusalem
(Haarmann, S.208)
Feb 1240
Jerusalem wird christlich besetzt unter
Thibaut
dem Graf der Champagne. Die Muslimenherrschaft wird vertrieben
(Haarmann, S.208-209).
1240-1249
Kairo: Sultan As-Salih Ayyub
Ende des Nachfolgekriegs in Kairo: Sohn Ayyub
von al-Kamil hat
gesiegt und nimmt den Thronnamen al-Malik
as-Salih an (Haarmann, S.209).
1240-1249
Ägypten unter Sultan as-Salih Ayyub:
Organisation türkischer Söldner - neue Nilkaserne
Der neue Sultan importiert zu Hunderten türkische Mamluken
aus dem
heutigen
Südrussland als Leibgardisten nach Kairo.
Die kurdischen freien Truppenteile verlieren aber rasch an Bedeutung
durch
Kasernierung auf der Nilinsel Roda/ar-Rawda.
Da die Söldner in der Nilkaserne nach dem Nil-Strom (arab. bahr)
benannt
werden, kommt die Bezeichnung al-bahriyya/Bahri-Mamluken auf.
Es sind entwurzelte junge Krieger, deren Zusammenhalt aus zwei
Elementen
besteht:
-- das gemeinsame türkisch-kiptschakische Volkstum: ginsiyya
-- der "Meister", der Sultan, zu dessen Treue sie verpflichtet sind
(Haarmann,
S.219).
ab 1240
Kairo: Sultan as-Salih Ayyub will den
Einheitsstaat Mesopotamien-Syrien-Ägypten
In Ägypten lässt er auf der Nilinsel Roda/ar-Rawda
einen befestigten Palast bauen und die Wohnviertel mit Kirchen und
Moscheen
dafür abreissen (Haarmann, S.209).
1241
Kairo-Jerusalem: Vertrag von Sultan
As-Salih Ayyub mit Richard, Earl von Cornwall
-- mit Bestätigung der Abtretungen, die unter al-Malik
al-Kamil vorgenommen wurden
-- mit Erweiterung der Abtretungen um Jaffa,
Askalon und Tiberias (Haarmann,
S.209).
1243 ca.
Kairo: Sultanpalast auf Nilinsel
Roda/ar-Rawda - das Mamlukenheer
-- mit 60 Türmen
-- mit Kasernen der türkischen Mamluken als Garde, die
"Bahri"-Fluss-Mamluken; die Mamluken bilden nun den "Kern" des
ägyptischen Heeres (Haarmann, S.209).
Frühjahr/März 1244 ca.
Syrien: Invasion der Hwarizmsah
Aserbeidschans
mit Plünderungen in Syrien und v.a. in Jerusalem. Vereinigung
mit
ägyptischen Truppen in Gaza mit Truppen von as-Salih
und Vorbereitung von Kämpfen gegen die Franken und
syrische Heere (Haarmann, S.209).
17.10. 1244
Ägyptisch-hwarizimische Truppen gewinnen
gegen syrisch-fränkische Truppen
und vernichtende fränkisch-syrische Niederlage. Sultan as-Salih
Ayyub kann mit der Unterstützung des Kalifen von Bagdad
Syrien besetzen und Damaskus belagern (Haarmann, S.209).
1245
Rom setzt Kaiser Friedrich II. ab
Absetzung von Kaiser Friedrich II. durch den Papst auf dem
Lyoner
Konzil
wegen "arabischen Neigungen, Liebhabereien und anderen Ketzereien"
(Hunke,
S.175).
Damaskus kapituliert, wird von Truppen
unter Sultan as-Salih Ayyub besetzt
Gleichzeitig gelingt as-Salih Ayyub ein Bündnis mit Hims
und Aleppo
(Haarmann, S.209).
1246
Kairo: Sultan as-Sahil Ayyub kann auch
alle Gruppen der aserbeidschanischen Hwarizmier für sich gewinnen
(Haarmann, S.211) und lässt sich in Damaskus, Baalbek, Bosra
und
Jerusalem
huldigen (Haarmann, S.210).
Mitte 1246 ca.
Ägyptische Besetzungen von Tiberias und
Askalon
Sultan as-Salih Ayyub kann den
Franken Tiberias und Askalon entreissen. Gleichzeitig sind christliche
Vorbereitungen für einen neuen Kreuzzug im Gang (Haarmann, S.210).
5.6. 1249
7.Kreuzzug unter König Ludwig IX. von
Frankreich: gegen Ägypten
von Zypern kommend mit Landung bei Damiette, kampflose Besetzung der
Stadt. Der
schon todkranke Sultan as-Salih Ayyub
zieht seine Truppen bei al-Mansura
zusammen.
Ludwig IX. lässt den Angriff nach al-Mansura
aber nicht sofort ausführen,
sondern wartet das Nil-Hochwasser ab (Haarmann, S.210).
[Ziel ist wie eh und je, der arabischen Welt den Zwischenhandel mit
Indien
abzunehmen...].
September 1249 ca.
Kairo: Tod des Sultans as-Salih Ayyub -
Heereskommandanten
Die Heereskommandanten übernehmen die Führung der Verteidigung
(Haarmann,
S.210).
September 1249 ca.
Kairo: Die Sultan-Witwe Sagar ad-durr
lässt den Thronfolger Turansah aus Mesopotamien herbeirufen
(Haarmann, S.210)
Sultan-Nachfolger Turansha versucht, die Mamlukenoffiziere des Vaters
durch
eigene Leute zu ersetzen, was aber nicht durchführbar ist. Es kommt ein
grosser
Zorn gegen Turansha auf (Haarmann, S.210).
November 1249
Ägypten: Damiette: Der Angriff der
christlichen Heere unter Ludwig IX. scheitert
Vergeblicher Ansturm gegen al-Mansura. Der Kreuzzug scheitert
(Haarmann,
S.210).
1250
um 1250
Der Astronom Nasir ad-din Tusi löst
das Werk des Astronomen Ibn Yunus as-Sadafi,
die "Hakimsche Tafel" ab. Damit hat diese Tafel 250 Jahre lang führende
astronomische Gültigkeit gehabt (Haarmann, S.180).
1250
Europa: Die Rom-Kirche will arabische
Spiele verbieten - unmöglich
Die Rom-Kirche verbietet Tricktrack, Würfeln und Schach, was
jedoch
nicht
möglich ist. Tricktrackpartien erscheinen sogar an Kirchenfenstern
(Hunke,
S.164).
ab 1250 ca.
Pilgerreisen und Kreuzfahrerheere nehmen
ab, aber die Nachfrage nach arabischen Waren in Europa steigt weiter
(Hunke, S.117)
6.4.1250
Ägypten: Christliche Räumung von
Damiette
nach der Niederlage der christlichen Heere bei al-Mansura.
Lösegeld von 800.000 Dinar für die Freiheit von Ludwig
IX. (Haarmann, S.210).
Gleichzeitig wird die politische Lage in Europa labil, weil die
Seefahrerrepubliken Venedig, Pisa und Genua die Niederlage Ludwigs IX.
kaum
verschmerzen können. Sie hatten auf Eröffnung eigener Handelskontors
und auf
grosse Profite im direkten Handel mit Indien gehofft... (Haarmann,
S.214)
Ludwig IX. wird in seiner Gefangenschaft von arabischen Ärzten des
Sultans
gesund gepflegt und vom Siechtum befreit, das das ganze Kreuzzugsheer
befallen
hat (Prutz, S.474).
1.5.1250
Kairo: politische Ermordung von Sultan
Turansah durch al-Faris Aqtay - Militärdiktatur und Heiratsfragen
(Haarmann, S.219). Es soll ein speziell türkisches Prinzip
sein,
dass der
Königsmörder gleich sein Nachfolger wird...
Gleichzeitig bekommt die Sultan-Witwe Sagar
ad-durr zwei Heiratskandidaten, um die Militärherrschaft zu
legitimieren,
aber beide Kommandeure sagen ab, so dass man sich schliesslich auf Aybak mit dem Thronnamen al-Malik al-Mu 'izz
einigen kann. Die
Heirat zwischen Militärführer und Sultanin entspricht ebenfalls einem
alten
seldschukisch-türkischen Brauch (Haarmann, S.220).
Die türkischen Offiziere, "Bahri-Mamluken", die Ägypten erfolgreich
ohne
Sultan-Führung verteidigt haben, werden die "wahren Herren" über das
ägyptische Imperium mit dem Generalissimus Aybak und dem Verteidiger al-Mansuras, Baybars, an der Spitze.
Die Sultan-Witwe Sagar ad-durr wird legitimiert und regiert als
Sultanin weiter
mit dem Titel "Königin der Muslime" / "malikat al-muslimin". Sie muss den
Generalissimus Aybak heiraten, währenddessen Syrien einen 6-jährigen
Ayyubidenprinzen al-Asraf Musa
präsentiert (Haarmann, S.210).
Mitte 1250
Syrien: Rebellion gegen Ägypten
Syrien fällt wieder aus dem ägyptischen Imperium heraus. Der
ayyubidische
Aleppo-Herrscher Nasir Yusuf zieht in
Damaskus ein. Die
Sultanwürde der Soldatenherrscher in Ägypten wird nicht mehr anerkannt.
Nasir Yusuf rechnet mit dem baldigen
Sturz der Militärherrschaft in Ägypten (Haarmann, S.220).
Ende 1250 ca.
Ägypten: Versuch eines
Ayyubidensultanats in Jemen
Rücktritt des Militärsultans Aybak und Huldigung an den
jemenitischen
Ayyubiden al-Asraf Musa, ein 16-jähriger Jüngling.
Bagdad akzeptiert diesen Schritt nicht und plant, Ägypten militärisch
zu
unterwerfen (Haarmann, S.220).
Feb 1251
Ägypten: Sieg der Mamluken gegen die
Mongolen bei al-Kura' - Machtergreifung von Aybak al-Malik al-Mu �izz
Schlacht von al-Kura" im östlichen Nildelta gegen die Mongolen. Die
turkmenischen Militärs sitzen fest im Sattel.
Die Ayyubiden halten sich nur noch in Syrien
und in Hisn Kayfa in Mesopotamien
(bis 15. Jh.), von wo Turansah gekommen war (Haarmann, S.220).
1252
Generalissimus Aybak legt sich einen
eigenen Sultantitel zu - Mamluken-Herrschaft
Zwei Abbasidenprinzen aus Mesopotamien erreichen Baybars Hof
in
Kairo
(Haarmann, S.229).
Aber Aybak setzt seinen Sultantitel mit seiner militärischen Macht
durch:
"al-Malik al-Mu 'izz". Damit beginnt die Herrschaft der Bahri-Mamluken
(Haarmann, S.210).
Sultan Aybak al-Malik al-Mu 'izz gründet die Kalifenlinie der "Mu 'izziyya". Die Solidarität der
mamlukischen Mitglieder der Familie geht so weit, dass sie seinem Sohn,
der im
Gefängnis sitzt, das Notwendige zum Überleben bringen (Haarmann, S.223).
März 1257 ca.
Ägypten: Aybak, Militärsultan, plant
eine politische Ehe mit einer Tochter des Atabeg von Mossul
Er will so ein Grenzgebiet gewinnen, um das widerspenstige
Syrien
mit an-Nasir Yusuf einzukreisen (Haarmann,
S.221).
April 1257
Ägypten: Sultan Aybak wird von seiner
Frau Sagar ad-durr ermordet
aus Eifersucht. Neuer Sultan wird ein Sohn von Aybak: al-Mansur 'Ali (Haarmann, S.221).
1258
Bagdad: Mongolenführer Hülägü besetzt
Bagdad und errichtet in Bagdad die Mongolenherrschaft
(Haarmann, S.217)
Mongolen: Einführung der musischen Monotonie (Hunke, S.160).
1258 ca.
Kairo: Al-Mansur 'Ali gestürzt -
Militärführer Qutuz - neue Mongolengefahr
Der starke Militärführer Qutuz
stürzt den Aybak-Sohn al-Mansur 'Ali
und verbannt diesen nach Byzanz. Die
Mongolengefahr zwingt Ägypten zu
innerer Geschlossenheit und gibt den Militärs die Legitimität, Stärke
und den
Nimbus der Unbesiegbarkeit, so lange sie keine Schlacht verlieren
(Haarmann,
S.221).
Anfang 1259 ca.
Aleppo von Mongolen belagert, dann
besetzt und verwüstet
(Haarmann, S.221); Damaskus unter an-Nasir
Yusuf sucht sich halbherzig Alliierte gegen die Mongolen. Yusuf
gibt dann
aber auf und fährt zu Ilhan Hülägü,
um sich zu unterwerfen. Mehrmonatige Verhandlungen (Haarmann, S.221).
1260
2.3. 1260
Damaskus: Einzug der Mongolenheere
unter General Kitbuga, begleitet von
den drei neuernannten mongolischen Vizekönigen für Syrien:
oo der Christ Hetoum als
König von Kleinarmenien
oo der Christ Bohemund VI.
als Fürst von Antiochien
und Tripolis
oo ein Ayyubide als Herr über Baniyas
(Haarmann, S.221).
ab April 1260
Allianz der Bahriyya-Offiziere in
Jordanien, Palästina und Damaskus gegen die Mongolen
Ägypten ist von den Mongolen bedroht. Die zerstreuten, aus
Ägypten
geflüchteten, Bahriyya-Offiziere tun sich mit Sultan Qutuz
gegen die Mongolen zusammen und formieren sich gegen das
mongolische Heer. Mit den Franken der Kreuzfahrerstaaten wird ein
Stillhalteabkommen geschlossen. Der Flankenschutz ist gesichert
(Haarmann,
S.221).
3.9. 1260
Palästina: Ägyptischer Sieg gegen die
Mongolen bei 'Ayn Galut bei Nazareth
-- unter der militärischen Strategie des militärischen Führers Baybars
-- die Mongolen müssen Syrien räumen.
Damaskus und Aleppo werden wieder Bestandteile des mamlukischen Reiches
von
Ägypten.
Den ayyubidischen Fürstentümern von Karak,
Hims und Hamah wird Autonomie
gewährt (Haarmann, S.221). Baybars ist militärisch der neue starke
mamlukische
Mann Ägyptens (Haarmann, S.221-222).
Mitte Oktober 1260
Ägypten: Sultan Qutuz wird von
Militärführer Baybars ermordet
anlässlich einer Jagd. Baybars lässt sich selbst zum neuen Herrscher
ausrufen.
Zur selben Zeit ermordet der mongolische Ilhan Hülägü
in Tabriz an-Nasir Yusuf, den
einstigen
Damaskus-Sultan, wegen des Verdachts des Verrats an Ägypten (Haarmann,
S.222).
1260-1276
Kairo: Sultanat Baybars
-- er legt die Grundsteine der Mamlukenmonarchie, ist auch
Schirmheer der
"heiligen Stätten" in Palästina
-- er bleibt Gegner der Franken
-- Pilger aus Europa besuchen auch Ägypten und bemerken die
Exklusivität der
Mamlukenkaste und den Wettbewerb unter den Offizieren um das Sultanat.
Baybars geniesst mit der Zeit einen "legendären Ruf" wegen der Siege
gegen
die Mongolen und wegen der Siege gegen die Kreuzfahrer. Er wird zu
einem
Volkshelden, der in "Volksbüchern" verehrt wird (Haarmann, S.236).
ab Oktober 1260
Ägypten: Die Begründung des
Mamlukenstaates
Baybars begründet den eigentlichen Mamlukenstaat, das Mamlukensultanat.
Es soll
dem mongolischen Ilhanat ebenbürtig sein
-- mit äusserer Sicherheit für Ägypten und Syrien
-- mit innerer Balance
-- mit wirtschaftlichem Wachstum
-- mit kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten
-- auf der Basis heidnischer turkmenischer "Militärsklaven", die den
ihnen
verwandten Mongolen die Stirn bieten.
Nach der arabisch-islamischen Logik ist dies eine "göttliche Fügung"
und
der Sklavenstand "ein Segen" für das ägyptische Heer (Haarmann, S.222).
Geographische Struktur
Sultansmamluken sind an strategisch wichtigen Orten
eingesetzt, in Kairo, in Kus, in Mekka
u.a., ab
dem 15. Jh. auch auf Zypern. Die
Zahl der Sultanmamluken hängt davon ab, wie viele neue Auszubildende
ein Sultan
dazukauft (Haarmann, S.226).
Legenden um die Siege gegen die
Mongolen: Fremde Soldaten retten den Islam
In der Folge werden Legenden über die Entscheidungsschlacht
gegen
die
Mongolen aufgebaut:
Dschingis Khan bekommt die Sonne als
Weltmachtsymbol in die Hände, aber die Sonne entgleitet ihm nach Westen
oder:
Die Schamanin von Dschingis Khan gibt ihm als Zeichen für die
Führerschaft
seines Volkes aus der Zauberschale zu essen, aber an der Westecke der
Schale
bleibt ein Rest der Speise hängen und bleibt unberührt
Auf diese Weise feiern Ägypten und Syrien über Generationen hinweg das
Gefühl,
einer schweren Heimsuchung entronnen zu sein (Haarmann, S.217), was
bald als
Ideologie erscheint und den Kern des Geschehens überlagert (Haarmann,
S.217-218).
Ausserdem sind die nomadischen Mongolen ausgerechnet von einem
verwandten Volk,
den Mamluken-Söldnern aus dem Kaukasus, bezwungen worden. Ein Spruch
eines
zeitgenössischen Chronisten: "Wahrlich, gegen alles gibt es ein Gift
aus
der eigenen Art."
Das unerklärliche "Wunder" ist, dass die "islamische Ordnung" von
fremden heidnisch-stämmigen Soldaten vor dem Zusammenbruch gerettet
wurde. Es
kommt zur Verherrlichung "nomadischer Tugenden" bei den mamlukischen
Militärsklaven. Der Konflikt zwischen Islamisten und "Heiden" ist
vorprogrammiert. Denn die Mamluken und Kriegssklaven wollen den Islam
nicht
gratis gerettet haben (Haarmann, S.218).
Sultansrequisiten und Sultanwahl
Der Sultan wird durch "ausserordentliche Leistungen" im
"heiligen
Kampf" bestimmt.
Die Sultane kopieren die ayyubidischen Sultansmerkmale wie
-- Königstitulatur
-- Regalien/Hoheitsrechte mit vergoldeter Satteldecke
-- Hofzeremoniell.
Die Grossemire der am Hof herrschenden Mamlukenpartei wählen den
Nachfolger aus
den eigenen Reihen. Formell-konstitutionell ist diese Wahl nie
abgesichert. Die
dynastische Nachfolge ist nur selten möglich (Haarmann, S.227).
Kaum Dynastiebildung beim Sultanat
Die Sohnesnachfolge ist sehr kontrovers, denn andere Mamluken
erheben
jeweils immer den militärischen Führungsanspruch, die mehr Erfahrung
aufweisen,
als der Sohn des gestorbenen oder weggeputschten Sultans (Haarmann,
S.223).
Kairo: Kurden im Heer
Zur Zeit Baybars sind kurdische Krieger und Gardisten in
Kairo
hochwillkommen und integrieren sich in die Mamlukenregimenter
(Haarmann, S.227).
Kairo: Sklavenhändler für Mamluken
werden immer wichtiger - Lehrpropramm der Mamluken
Die Sklavenhändler und vermittelten Sklaven/Mamluken sind
voneinander
abhängig, denn der Händler entscheidet, wer dem Sultan vorgestellt wird
bzw.
verkauft werden soll (Haarmann, S.223).
Die Dressur und Umerziehung der jungen Mamluken-Rekruten ist perfekt.
Mit 18
erfolgt die Freilassung mit "Befreiungsdiplom", mit einem ausgerüsteten
Pferd und einem Lehen, das eigenes Steuergebiet ist. Der Sklave wird
zum
"dschundi" des "dschund" / Heer, ein einfacher Soldat, was die
Grundlage ist zur höchsten Macht im Staat. Oft erfolgt eine Heirat mit
Frauen
aus ihrer Heimat, auch Schwestern, Töchter, Witwen der Brüder etc.
(Haarmann,
S.225), eventuell mit hohen Karrieremöglichkeiten (Haarmann, S.226).
Ägypten: Baybars "aktive
Syrienpolitik" - Kriege in Palästina
Baybars führt fast jährlich einen Feldzug nach Syrien durch, so dass
sich die
Opposition gegen die Mamluken in Syrien und gegen die zentralistische
Politik
Kairos langsam auflöst.
Der Kampf gegen Andersgläubige wie Fatimiden, Ismailiten und Schiiten
ist oberstes
Prinzip der Baybars'schen Politik (Haarmann, S.237). Die religiöse
Hetze ist
zum Teil aber sehr widersprüchlich und willkürlich (Haarmann,
S.237-238).
Baybars verwirft die Politik des modus vivendi mit den christlichen
Kreuzfahrerstaaten. Er überzieht Syrien und Palästina ständig mit Krieg
(Haarmann, S.239).
Probleme bei den Lehen und Gütern wegen
dem sich ändernden Nillauf
Der Nilverlauf ist unterschiedlich, kann sich plötzlich
ändern und
ganze
Dörfer wegschwemmen. Ehemals fruchtbare Böden können dadurch plötzlich
veröden,
ehemals fruchtlose Böden werden fruchtbar.
Die Lehen an die Mamluken und die Erträge der Lehen müssen immer wieder
neu
angepasst und neu geschätzt werden (Haarmann, S.234). Die Erträge/'ibra
und die
Steuerbezirke/giha müssen neu registriert werden (Haarmann, S.233).
ab 1260
Syrien: erfolglose separatistische
Versuche
Versuche des Damaszener Gouverneurs, sich von Ägypten
unabhängig zu
machen,
scheitern regelmässig (Haarmann, S.239).
ab 1260 ca.
Wachsender Fanatismus unter den Muslimen
nach ersten Siegen gegen die Kreuzfahrerstaaten
Zusätzlich sind die Kreuzfahrerstaaten und die "christlichen"
Gruppen untereinander uneinig (Prutz, 416).
1260-1276
Palästina: Übertritte christlicher
Reiter zum Islam
Fränkische Ritter - angeblich über 300 - darunter der Sohn
des
Herrn von Arsuf, laufen während der Zeit von
Sultan Baybars zu den Mamluken über,
nehmen den Islam an und bekommen Pfründe und Steuervergünstigungen
(Haarmann,
S.239).
Anfang 1261 ca.
Kairo: Abbasidischer Kalifensohn wird in
den Krieg gegen die Mongolen geschickt
Der erste schwächere der zwei geflüchteten Abbasidenprinzen
wird
von
Baybars mit anderen verdrängten, ehemals wichtigen, Leuten zur
Rückeroberung
Mesopotamiens wieder in Richtung Osten geschickt (Haarmann, S.229).
November 1261
Kairo: Kalif al-Hakim
bi-amr
Allah
Niederlage des ersten schwächeren Abbasidenprinzen mit seiner Truppe
gegen die
Mongolen.
Baybars muss sich mit dem zweiten Abbasidenprinzen auseinandersetzen:
al-Hakim
bi-amr Allah,
(Haarmann, S.229), ein recht geschickter und kriegserfahrener Politiker.
Baybars huldigt dem Abbasiden
-- lässt sich von ihm als Sultan einsetzen, auch für "die noch
zurückzuerobernden islamischen Territorien
-- lässt sich in die Bruderschaft der Tutuwwa
des Kalifen aufnehmen
Der einstige Bagdader Kalif wird zum Kairoer Kalifen über das ganze
islamische
Weltgebiet. Islamische Herrscher in Indien, in Gudjarat,
in Obermesopotamien
und in Südarabien lassen sich von
Kalif al-Hakim bi-amr Allah in Kairo
sanktionieren.
Der Kalif von Kairo macht machtpolitisch kaum etwas, befasst sich mit
Wissenschaft und verwaltet eine Bibliothek. Auf wichtigen Reisen
begleitet er
den Sultan zu Ehren aller Muslime (Haarmann, S.230).
1261-1263
Bagdad/Sarai: Chan der Goldenen Horde,
Berke
mit Hauptstadt Sarai an der
Wolga, steht in heftiger Bruderfehde mit dem Ilhan von Persien
(Haarmann, S.230).
ab 1261
Ägypten: Expansion nach Süden und Westen
Sultan Baybars gelingt die Expansion nach Süden gegen
den
Sudan. Das
Königreich Nubien wird zum Vasall des Mamlukenstaates. Damit kann die
Islamisierung südlich des ersten und zweiten Katarakts (Wasserfall)
fortgesetzt
werden.
Die Expansion nach Westen (heute Libyen) wird mit der Unterwerfung der
Beduinen
der Cyrenaika fortgesetzt (Haarmann, S.240).
ab 1261
Ägypten: Sultan Baybars kauft über 4000 Mamluken
(Haarmann, S.226)
ab 1261
Ägypten: Nachtpolizei und volksnaher
Sultan in Kairo
wird von Pilgern aus Europa und dem Iran in den
Pilgerberichten
hoch
gepriesen.
Sultan Baybars spielt jeden Dienstag und Freitag Polo und feiert den
Konsum von
vergorener Stutenmilch im Volk. Er zeigt sich so als "Landesvater"
einer
Einheit, die es nicht gibt (Haarmann, S.238).
ab 1261
Syrien: "Aktive Syrienpolitik" von
Baybars
Gegenkräfte gegen den ägyptischen Zentralstaat werden von
Baybars
alle
unter Druck gesetzt, v.a. die Ayyubidenreste (Haarmann, S.238).
ab 1261 ca.
Ägypten: "Aktive Syrienpolitik":
"Säuberung" Syriens
Die Ismailiten Syriens werden wie "Ungläubige" behandelt. Die
Gebetsstätten werden "gereinigt". Das Kulturgut der Schia, Ismailiyya
und Imamiyya, lebt aber in kleinen Regionen weiter (Haarmann, S.237).
zw. 1261-1262/1263 ca.
Bagdad/Sarai: Ilhan Berke tritt zum
Islam über - Allianz Kairo-Bagdad/Sarai
nach Beeinflussung Baybars und dem Kairoer Kalifen al-Hakim bi-amr
Allah.
Gründung einer Allianz zwischen Kairo und Bagdad/Sarai gegen den Ilhan
von
Persien (Haarmann, S.230).
1262
Syrien: Baybars lässt alle Nachfahren
der Fatimiden in Syrien enteignen
(Haarmann, S.237)
ab 1264 ca.
Syrien: Auflösung der Ismailiten
Die syrischen Ismailiten werden militärisch in ihrem letzten
Hinterhalt im
syrischen Küstengebirge besiegt und mit verlockenden ägyptischen
Pfründen
abgefunden (Haarmann, S.237).
1265
Mongolisches Bagdad: Tod von Hülägü -
Nachfolger Abaqa
(Haarmann, S.237)
1255 ca.?
Ägypten: Qutuz ermordet den
Mamlukenführer al-Faris Aqtay
und setzt sich als Sultan ein (Haarmann, S.222).
1265 ca.?
"Wirren" in Ägypten: Ermordung des
Mamlukenführers al-Faris Aqtays
Folge: Ein grosser Teil des Regiments der Nilkaserne flieht
aus
Kairo und
sucht Schutz bei kleinen Höfen in Palästina, Damaskus und vor
allem in Transjordanien
beim halbautonomen Ayyubiden in al-Karak, al-Mugit 'Umar
(Haarmann,
S.220).
1267 ca.
Italienische Belagerung von Lucera auf
Sizilien
wo Petrus von Maricourt seine neuen
Kompasskenntnisse einsetzt (Hunke, S.117-118).
1269
Magnetismus von der arabischen Kultur
übernommen
Petrus von Maricourt verfasst eine Schrift über Magnetismus,
angeregt von
der arabischen Kompasstechnik (Hunke, S.117-118).
1270
1270 ca.
Ägypten: Mamlukenhäuser
Sultan Baybars lässt Kasernen und Wohngebäude für
verheiratete und
unverheiratete Mamluken auf der Kairoer Zitadelle errichten (Haarmann,
S.224).
1270-1376
Ägypten: Baybars Willkür in Syrien
Baybars geht völlig willkürlich mit syrischen Repräsentanten
um:
-- er enteignet eine wehrlose betagte Ayyubidenprinzessin mit
juristischen
Tricks
-- er muss sich aber den logischen Gedankengängen des grossen
Damaszener
Juristen und Traditionarier [kein Druckfehler] an-Nawawi
(gest. 1277) beugen, der 1274 die hohen Steuern und den
gleichzeitigen Luxus der Mamlukenausrüstung beklagt (Haarmann, S.238).
1270
Bündnis zwischen Kreuzfahrern und
Mongolen gegen den Islam [!]
Mit einem Bündnis zwischen den Kreuzfahrerstaaten und den Mongolen
Irans wollen
der Papst und diverse europäische Mächte den Islam vernichten. Die
Koalition
zwischen Prinz Eduard von England,
dem Sohn von Heinrich III. und Abaqa
in Bagdad kommt zustande
(Haarmann, S.237).
[Dies ist der Gipfel der christlichen Undankbarkeit nach den
vergangenen
Geschehnissen und die Basis des Untergangs der Kreuzfahrerstaaten].
1271
Scheitern der Koordination zwischen
Kreuzfahrerstaaten und Mongolen
Das Bündnis bricht auseinander (Haarmann, S.237).
1276
Palästina: Dramatischer Zustand der
Kreuzfahrerstaaten beim Tod von Sultan Baybars
Caesarea, Askolon, Jaffa und Haifa
sowie der Patriarchensitz Antiochien sind wieder in muslimischer Hand
und die
Festungen sind geschliffen, um neue Brückenköpfe für christliche
Landungen zu
verhindern.
Bei den binnenländischen Eroberungen sind die Befestigungen dagegen
wieder
aufgebaut und eigene muslimische Garnisonen eingerichtet, so in Safed in Galiläa und im Crac
des Chevaliers/Hisn al-Akrad.
Zusätzlich sind 1000e von Mamlukenzelten zwischen Gaza
und Antiochien
aufgestellt als Abschreckung gegen christliche Landungen, wo
turkmenische,
kurdische und mongolische Krieger ihren Dienst für den ägyptischen
Sultan
versehen (Haarmann, S.239).
Das ägyptische Reich nach dem Tod von Baybars reicht vom Euphrat bis
nach
Dongola [heute Sudan] (Haarmann, S.240).
1279-1290
Ägypten: Sultan Qalawun -
"Qalawuniden"
Qalawun kauft über 8000 Mamluken (Haarmann, S.226). Qalawun ist der
letzte
Mamlukensultan, der noch unter den Ayyubiden gedient hat, und er ist
der erste,
der eine grosse Zahl tscherkessische Mamluken anheuert (Haarmann,
S.240).
1280?
Palästina: Sultan Qalawun kann die
Einnahme von Tripolis feiern
(Haarmann, S.239)
1290
1290-1293
Kairo: Tod von Sultan Qalawun -
Nachfolger: Sohn al-Asraf Halil
regiert ohne Probleme in dynastischer Reihenfolge mit den ihm
ergebenen
Sultansmamluken (Haarmann, S.227).
1290
Aragón: König Alfons III. gestattet
seinen Schiffen Eisen-, Holz- und Pechlieferungen an
Ägypten
(Haarmann, S.212)
[Handel mit dem Feind...]
ab 1290 ca.
Ägypten: Geburt des literarischen
Schattenspiels in Ägypten durch Ibn Daniyals
(Haarmann, S.256)
Mai 1291
Muslimische Einnahme von Akkon - die
Kreuzfahrerreiche gehen unter
Nach langer Belagerung und dank der Vorbereitungen des
verstorbenen
Sultans Qalawun kann al-Asraf Halil den
Hauptort des "Königreich Jerusalem", St-Jean d'Acre/Akkon/Akka
einnehmen.
Das gotische Portal der Kathedrale von Akkon wird als Trophäe nach
Kairo
gebracht.
Beirut und die anderen von den Christen gehaltenen Plätze an der Küste
ergeben
sich kampflos.
Einziges Überbleibsel der Kreuzfahrerstaaten bleibt für ein paar Jahre
die
kleine wasserlose Insel Arwad vor Tortosa/Tartus,
heute Syrien (Haarmann,
S.240).
ab 1291
Untergang des reichen Templerordens -
andere Orden überleben
Der Templerorden wird durch starke französische Könige
zerschlagen,
die auf
den machtloser werdenden Papst Einfluss haben.
Der Johanniterorden dagegen kann seine Position auf Malta
und Rhodos neu
aufbauen (Hunke, S.48).
Ende 1293
Kairo: Ermordung von Sultan al-Asraf
Halil - Nachfolger: Sohn al-Malik an-Nasir Muhammad
regiert ohne Probleme in dynastischer Reihenfolge wie sein Vorgänger
(Haarmann,
S.227). Es ist aber der Beginn einer innerer und äusseren Instabilität
in
Ägypten gegenüber den Mongolen (Haarmann, S.240).
1295
Kairo: Hungersnot
Menschenfleischverzehr wird mit Hinrichtung bestraft (Haarmann, S.255).
ab 1300 ca.
Jerusalem mit seinem speziellen Klima
wird zum Sitz reicher arabischer Pensionäre und Witwen
(Haarmann, S.257)
ab 1300 ca.
Ägypten: Gesellschaftsentwicklung
zwischen Arabern, Kopten, Syrern, Mamluken
(Haarmann, S.255).
ab 1300
Deutsches Reich: Kopierte Ordensburgen
im Osten
Der deutsche Ritterorden errichtet unter dem Hochmeister und
Berater von Friedrich II., Hermann von
Salza, nach dem Schema des muslimischen Ribats/Festung
im Ostgrenzgebiet des Reichs eigene Ordensburgen und
-- stellt sich den Auftrag der "Rückeroberung" des urgermanischen Bodens
-- die Ordenshochmeister werden als Reichsfürsten eingesetzt
-- grosse Besetzungen, Urbarmachungen, Entwässerungen und Eindeichungen
-- Gründung von 96 neuen Städten und 1400 neuen Dörfern entlang der
Ostseeküste
bis Livland
-- Gründung der Ordensburg Thorn in
Anlehnung an die palästinensisch-arabische Festung Toron
oo mit straff organisierter
Beamtenschaft
oo mit zuchtvollem Heer auf neuestem
Stand
oo mit effizientem Nachrichtenwesen
oo wird die Keimzelle Preussens (Hunke,
S.49).
ab 14. Jh.
Deutschland: Ankunft arabischer
Moriskentänzer
Arabische Sängerinnen, Tänzer und Tänzerinnen werden zur Kriegsbeute
und müssen
an den spanisch-christlichen Höfen singen und tanzen (Hunke, S.14).
Die arabische Kultur verbreitet sich von
Spanien aus nach Wien
Heiraten zwischen Österreich und dem Spanischem Königshaus
bilden
kulturelle Brücken zwischen Christen und spanischen Morisken, die die
"erlesene Lebensart", die "höfischen Sitten" und
"heiter-sinnliche Künste" vermitteln. Die christlichen Höfe bewundern
heimlich ihren Feind (Hunke, S.14).
Der Sieg des Islam über das
"heilige Land" ist vorerst endgültig
Es kommt in Europa die These auf, das Heil Muhammads
überwinde das
Heil
Christi. Jesus selbst hätte Muslim werden wollen (Hunke, S.119).
Die dramatische Situation für die
Rom-Kirche
-- die Kirche ist bestraft, das kindlich-fromme Vertrauen in die Kirche
ist
erschüttert (Hunke, S.119)
-- die Kirche muss sich die Existenzfrage stellen, ob sie Könige und
Ritter
weiter in ihrem Namen kämpfen lassen soll oder die Waffe als
Teufelszeug
verdammen soll
-- im Volk leben die Träume vom Orient aber weiter. Das Volk wendet
sich gegen
die französische Hetzerkirche von Cluny
(S.120)
-- im Volk hält die Freude am Schönen an und verändert den geistigen
und
seelischen Zustand der Menschen, vor allem in Deutschland: Mancher
Deutscher
streift die Fesseln der Kirche mit ihren Beschwörungen der "Sünde" ab
und entdeckt die Gegenwart als Gottes Offenbarung (Hunke, S.120).
Es entsteht in Europa in der Folge ein neues Selbst- und Weltgefühl
(Hunke,
S.121).
ab 14. Jh.
Der arabische Doppeladler wird zum
Symbol für das Deutsche Reich
(S.130) ebenso in der Monarchie Österreichs und Russland
(Hunke,
S.131).
[und die Kirche etabliert bald die Inquisition gegen alles
"Ungläubige", um die Autorität zu wahren...]