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Kreuzzüge 03

Christlicher Rassismus und christlicher Profit in den Kreuzfahrerstaaten 1100-1300

"Christliche" Versklavung, Handelsmonopole, Rechtszwänge, Warenprofite und Münzfälschungen im "Heiligen Land" - gar nicht "heilig"

von Michael Palomino (2001)

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aus: Prutz, Hans: Kulturgeschichte der Kreuzzüge. Georg Olms Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1964.


Kommentar
Es ist wohl keine Lüge weiter verbreitet als die, dass der "böse" Islam das "liebe" "Christentum" 1291 aus dem "Heiligen Land" vertrieben hätte. Diese kleine Zusammenstellung räumt damit auf und zeigt klar, dass die Kreuzfahrerstaaten ein rassistischer Kolonialismus der Kirche waren, ein Tabuthema, das in Lexika und Atlanten sowie im Schulunterricht bis heute verschwiegen wird.


Sklaverei, Sklavenhandel, Waffenverkäufe an den Feind, Münzfälschungen usw. Die Franken verdrängten sogar die Überbleibsel von Römischem Recht. Gleichzeitig verdienten sich die italienischen Seefahrerstaaten "eine goldene Nase" mit Warentransporten und Kreuzzugs-Verschiffungen. Die Kreuzfahrerstaaten sollten erst die Vorstufe zum Kolonialismus ab 1492 sein, und sie sind ein schlechtes Vorbild für die Israel-Gründung von 1948, die bis heute von den Muslimen gleich empfunden wird wir die Kreuzfahrerstaaten von "damals".

Erst mit dieser Parallele  wird die Wut der arabischen Welt auf den Verlust eines grossen Teils der direkten Handelspunkte am Mittelmeer verständlich.

Michael Palomino
Oktober 2003


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Inhalt

1. Allgemeine Umstände vor der "christlichen" Besetzung

2. Handel und Verkehr vor den Kreuzfahrerstaaten: friedlicher Zustand vor der "christlichen" Besetzung

3. Die Landbesetzung und Versklavung der Moslems

4. Regierungsstruktur des "christlichen" Palästina

5. Entwicklung der Stadtbevölkerung: nur langsam entsteht ein "Bürgertum"

6. Medizin und Gesundheitswesen : beliebte ansässige Ärzte

7. Absoluter Rassismus und Diskriminierungen in den Kreuzfahrerstaaten

8. Die Kreuzfahrerstaaten mit Sklaverei und Schlemmerei dienen den "Kreuzfahrern" für den Aufstieg bei der Rückkehr nach Europa


9. "Rechtsstrukturen" im "christlichen" Palästina
9.1. Die Entstehung der Bürgerräte "cours des bourgeois"
9.2. Rechtsbeispiele
9.3. Integration der "Ungläubigen" durch Toleranz und neues Handels- und Seerecht

10. Überseehandel: Warentransporte zwischen Palästina und Europa
10.1. "Christliche" Monopole, Ritterorden, Kirche, Verträge
10.2. Waffenexporte an die Muslime - Verbote haben keine Wirkung
10.3 Handelsstädte und Handelsgüter des Binnenhandels

11. Entwicklung des europäischen Finanzwesens durch die Kreuzzugskosten

12. Pilgerfahrten: Wanderungen zu den Häfen, Münzvorräte und Lebensmittel

13. Finanzierung der Kreuzzüge mit Krediten und Anleihen

14. Kredite in Palästina - Aufstieg der italienischen Bankenhäuser und "Ritterorden" im östlichen Mittelmeerraum

15. Geldverkehr unter den Franken in Palästina: Münzprägung und Münzfälschung arabischer Münzen

16. Die "letzte Zeit"



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1.
Allgemeine Umstände vor der "christlichen" Besetzung

Die ansässige Bevölkerung mit "römischem Recht"

Das "römische" Recht hatte sich erhalten. Beirut war Sitz der berühmten Rechtsschule. Die türkische Besatzung hat die privatrechtlichen Verhältnisse der verschiedenen Bevölkerungen immer belassen und nicht verändert (S.343).




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2.
Handel und Verkehr vor den Kreuzfahrerstaaten: Friedlicher Zustand vor der "christlichen" Besetzung

Die Konkurrenz zwischen den Seefahrern von Amalfi und Venedig besteht schon vor den Kreuzzügen mit Kontakten nach Antiochien, Jerusalem, Kolonie in Konstantinopel, nach Syrien und Ägypten.

Lieferung von Europa nach Syrien und Ägypten: Wolltücher, Bauholz, Waffen, Sklaven.

Lieferungen von Syrien und Ägypten nach Europa:
-- Purpur aus Tyrus
-- "golddurchwirkte" Sachen aus Damaskus etc. (S.354).

Bis zur Kreuzzugsinvasion herrscht zwischen muslimischen Händlern, die bis Pisa ihre Sitze haben, und den "christlichen" Händlern ein friedlicher Zustand. Die "christlichen Eiferer" stören die Handelsbeziehungen (S.355).



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3.
Die Landbesetzung und Versklavung der Moslems
-- die "christlichen" Seefahrer meinen, sie hätten ein "Eroberungsrecht" und töten Mohammedaner, wie sie es gerade für richtig halten

-- die "christlichen" Seefahrer versklaven Frauen und Kinder der Mohammedaner (S.334)

-- die "christlichen" Seefahrer betreten mohammedanische Häuser und definieren dadurch die Häuser als ihren "Besitz" (S.334-335).



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4.
Die "Regierungsstruktur" des "christlichen" Palästina
-- es kommen die verwilderten Scharen der "christlichen" Abenteurer an die Macht
-- die Stellungen müssen "verteidigt" werden
-- der Handel und der Ackerbau kommen viel zu kurz
-- die "christlichen" Besetzer nehmen von der arabischen Seite die Übersetzerdienste in Anspruch (S.335)
-- Urkundenfälschung wird streng bestraft, somit kommt kaum Missbrauch vor (S.336).



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5.
Entwicklung der Stadtbevölkerung: Nur langsam entsteht ein "Bürgertum"
-- Vermischung in den Städten zwischen syrischer, griechischer und arabischer Bevölkerung (S.335).
-- in den palästinensischen Städten leben viele Handwerker und Händler, z.T. traditionelle Familienbetriebe (S.337)
-- ein Bürgertum entsteht nur langsam, in Antiochien 1135, in Jerusalem 1136 beurkundet

-- es kommt aber nie zu einer kommunalen Selbstverwaltung
-- "Freie Städte" gibt es nicht (S.341)

-- die Städte stehen unter einem vom "Herr der Stadt" ernannten "Vicecomes" , der die höchste Militärgewalt, Zivilgewalt und Entscheidungsmacht über die Rechtspflege hat [ein Stadtdiktator], daneben ein ernannter Bürgerrat "cour des bourgeois", der nicht gewählt, sondern ernannt ist, wahrscheinlich durch König, auf dem Land von Baronen ernannt, wie in Zypern (S.341).



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6.
Medizin und Gesundheitswesen: Die ansässigen muslimischen Ärzte sind beliebt

Die Medizin vor den Kreuzzügen
-- ab 900  ca. hat die arabische Medizin in Süd-Italien, Spanien und Südfrankreich bereits einen sehr guten Ruf (S.473); Hauptsitz der arabischen Medizin in Süd-Italien ist Salerno (S.475)
-- die "christliche" Medizin ist gemäss Prutz ein "Elend" (S.474).

Die Entwicklung der Medizin ab den Kreuzzügen
-- die arabische Medizin fördert die europäische Medizin in bedeutendem Masse
-- es ist nicht genau unterscheidbar, welche medizinischen Kenntnisse über Spanien oder über Palästina nach Europa gelangen (S.474)
-- die Kreuzzüge ab 1100 potenzieren die Kenntnisse der christlichen Medizin in Europa, so dass die Kenntnisse in bisher unbekannte Regionen Europas vordringen (S.474):
oo  Vermittlung der Werke der griechischen Medizin, von Salenus und Hippokrates
oo  Vermittlung der arabischen Medizin
oo  in Europa werden arabische Medizinalpflanzen und Heilstoffe eingeführt und gebräuchlich (S.475)

[Risiko: Unter anderen Bodenbedingungen haben dieselben Pflanzen andere Wirkstoffzusammensetzungen...]

-- die arabischen Ärzte sind bei den Kreuzfahrern sehr beliebt: Syrische, jüdische, griechische oder muslimische Ärzte sind beliebter als die "christlichen" Ärzte aus Europa (S.336); die kirchlichen Anweisungen und die Mahnungen von "christlichen Eiferern", nur zu "christlichen" Ärzten zu gehen, werden von den europäischen Kreuzfahrern nicht befolgt (S.474)

-- die Ärzte im arabischen Raum sind zum Schadenersatz verpflichtet, wenn Sklaven an Medizin erkranken oder sterben, wobei die Bestrafung des Arztes bis zur Todesstrafe durch Erhängen gehen kann (S.336)

-- 1120 ca. / nach dem ersten Kreuzzug wird Robert von der Normandie in Salerno ein medizinisches Buch mitgegeben, das gemäss Prutz alle Erfahrung der arabischen Medizin  der letzten zwei Jahrhunderte beinhaltet; Verbreitung der Kenntnisse von der Normandie aus in ganz Frankreich (S.474); allgemein übernehmen die Franken die führende Rolle in der Ausbreitung der arabisch-medizinischen Kenntnisse in Europa (S.475)

-- es entsteht ein Wettbewerb zwischen den medizinischen Schulen von Salerno und Montpellier (S.475)

-- 1250 wird Ludwig IX. in seiner Gefangenschaft nach seinem erfolglosen Kreuzzug gegen Ägypten von muslimischen Ärzten des Sultans gesundgepflegt und vom Siechtum geheilt, das sein ganzes Heer befallen hat (S.474)

-- Geschichte der Ärzte Syriens: verfasst von Abu Osaibeh, gestorben 1269 (S.474).



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7.
Absoluter Rassismus und Diskriminierungen in den Kreuzfahrerstaaten
-- scharfe Trennung zwischen den Rechten der ansässigen Bevölkerung und den Einwanderern

-- der Rassismus der "christlich"-fränkischen Schicht gegen die ansässige Bevölkerung ist von feudal-"adligem" Geiste beherrscht

-- so kann kein stabiler Mittelstand oder ein Bürgertum entstehen, das im Lande selbst seine Wurzeln hat

-- die "christlichen" Besetzer behalten auch unter sich die nationalen Verschiedenheiten bei und schliessen sich z.T. sogar gegenseitig aus, z.T. auch innerhalb einer Sprache

-- nur die Ritter passen sich gegenseitig an (S.338)

->> die rassischen Gegensätze und Diskriminierungen übertragen sich sogar zurück aufs Abendland (S.338-339).

-- fränkische Ritter verbleiben gegenüber den "Ungläubigen" abgeschlossen und rassistisch

-- fränkische Bürger sind anfangs gegenüber den "Ungläubigen" auch rassistisch, verachten und unterdrücken Surianer, Armenier, Juden und Muslime als Diener und Sklaven und machen mit ihnen den "christlichen" Profit (S.352).



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8.
Die Kreuzfahrerstaaten mit Sklaverei und Schlemmerei dienen den "Kreuzfahrern" für den Aufstieg bei der Rückkehr nach Europa

-- die "christlich"-fränkische Bürgerschaft umgibt sich mit Sklaven und Dienern in prunkvollem und üppigem Leben

-- die "christlich"-fränkischen Besetzer führen z.T. das Leben von "Adligen", die keine Pflichten haben, mit einem Kastendenken gegenüber allen anderen, auch den gebildeten Einheimischen (S.339)

->> das Hinterland bemerkt das "christlich"-rassistische Kolonialverhalten
->> die immer reicheren fränkischen Bürger aus den Kreuzfahrerstaaten setzen es durch, auch in Europa "adlige" Güter zu kaufen

->>
der nüchterne und arbeitsame Bürger in Europa bemerkt das "christlich"-rassistische Kolonialverhalten ebenfalls!

->>
manche Bürger werden förmlich in den Adel aufgenommen (S.339)

-- das Bürgertum Europas hat also Aufstiegsmöglichkeiten in Palästina
-- zudem verwischen die Schranken zwischen Bürgertum und "Adel" im Kampf, wo in Europa sich Bürger und "Adel" noch bekämpfen

-- die Bürger haben sogar reicheren "Anteil" an der "Waffenehre"
-- oft nehmen "christliche" Bürger in Palästina einen höheren Rang ein als in Europa
-- die "christlichen" Bürger können in  Notsituationen sofort zum Ritter "geschlagen" werden

->> es erfolgt ein grosser Zustrom von Bürgern nach Palästina bis nahe an 1291 hin (S.340).

Verteidigung der Kreuzfahrerstaaten ist kaum möglich
-- denn die europäischen Gruppen sind unter sich selbst zerstritten (S.340)
-- die Städte sind auch Zufluchtsort und Militärstützpunkt für die Landbevölkerung

->> es ist eine straffe Zentralisation notwendig ohne anspruchsvolle Verfassung (S.341)
[->> die alten muslimischen Strukturen werden von den "Christen" total zerstört
->> die muslimische Landbevölkerung hat von der "christlichen" Besetzung fast nur Nachteile].



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9.
Rechtsstrukturen im "christlichen" Palästina

Die Bürgerschaft der Hauptstadt Jerusalem
-- die Bürger von Jerusalem sind kaum bessergestellt als in anderen Städten (S.342)
-- die Bürger von Jerusalem haben gewisse Ehrenvorrechte
oo  sie dürfen den neu gekrönten König beim Königsmahl bedienen
oo  sie haben ein Verweigerungsrecht bei Erlassen, z.B. bei der Strassenreinigung (S.342).

Lehenswesen
-- die fränkisch-ritterliche Gesellschaft versucht, daran festzuhalten
-- somit bleibt auch das fränkische Bürgertum entwicklungsmässig stehen (S.342).

Neue Rechtsformen in Handel und Privatrecht
-- in den ersten Jahrzehnten existieren gar keine Gerichtshöfe, dann ein Gericht in Jerusalem
-- älteste Bestimmungen stammen aus Jerusalem von der Regierung unter König Balduin II. (1119-1131)

-- neu entstehende Rechtsformen übertragen sich auch auf Europa
-- z.B. die Assisen (Sprüche) des Bürgerrats "cour des bourgeois" von Jerusalem
-- z.B. die Assisen des Hohen Rats "haute cour".

Allgemein sind die "Bürger" ein gesonderter Stand (S.342).


9.1.
Die Entstehung der Bürgerräte "cours des bourgeois"
(S.342);
-- entstehen mit der Entstehung des "Bürgertums"
-- entstehen mit dem Wachstum von Handel und Gewerbe.

Diese beiden Faktoren sind notwendig für die neuen Rechtsverhältnisse in Nachahmung europäischer Rechtsordnungen bis zur Todesstrafe. Ähnliche Räte existieren in Arles, Bourges, Reims u.a. schon vor dem 1."Kreuzzug".

Die Entstehung der Spruchsammlungen "Assisen"
In den fränkischen Kreuzfahrerstaaten  wird z.T. "römisches" Recht mit einbezogen, das bei der ansässigen Bevölkerung noch Geltung hatte (S.343). Anfang des 12. Jh. wird das "römische" Recht in die Tradition übernommen, ohne Paragraphenbücher, sondern alles an exemplarischen Fällen beschrieben, in "assises" (Sprüche).

[Das Recht orientiert sich nur an Präzedenzfällen].

So entstehen die Aufzeichnungen der "Assises de la cour des bourgeois" ["Sprüche des Bürgerrates"] noch vor dem Fall Jerusalems 1187. Amtliche Personen gibt es nicht, auch keine Protokolle, wie von Ludwig IX. vorgeschlagen (S.343-344).

Beispiel: Die Assisen der Burg von Ibelin
Es existieren nur inoffizielle Aufzeichnungen mit der Erwähnung der Burg von Ibelin, die unter König Fulco (1131-1142) gebaut wird. Insofern müssen die Assisen der Burg von Ibelin zwischen 1142 und dem Fall von Jerusalem (1187) geschrieben worden sein (S.345).

Es existiert eine überlieferte Fassung auf Französisch und Latein, z.T. in mangelhafter Übersetzung, was die Selbstherrlichkeit der Richter zeigt (S.346). In einer zweiten überlieferten Fassung wird versucht, die Sprüche ins Römische Recht einzugliedern. Die Selbstherrlichkeit ist aber auch hier ersichtlich

-- durch Unordnung innerhalb der Themenordnung
-- durch falsche Erklärungen zu Begriffen
-- durch falsche Rückführung der beweglichen und unbeweglichen Sachen auf die 12-Tafel-Gesetze
-- durch manchmal predigtartigen Ton
-- durch fehlende Schlussfolgerungen (S.347).

Unterschiede der Assisen der Burg von Ibelin zu den "haute cour"
-- die "Adligen" leben im rechtsfreien Raum
-- "Adlige" müssen keine Urteile befürchten, jedes Urteil gegen "Adlige" ist Null und Nichtig
-- wiederkehrende und standardisierte Wendungen
-- keine schikanösen und rechtsverdreherischen Praktiken wie in Feudalprozessen der "haute cour" [im Hohen Rat] (S.350).


9.2.
Rechtsbeispiele

Sklavenemanzipation
-- ist in den Assisen der "haute cour" nicht erwähnt
-- die Bestimmungen für die "Emanzipation der Unfreien" sind bei den "cours des Bourgeois" am Ende angefügt (S.351).

Verhältnis zwischen Herrschaften und Dienstboten
Es kommt zu scharfen Formulierungen für kontraktbrüchige Dienstboten (S.351).

Testament
ist ungültig, wenn es in irgendeiner Form nicht eine milde Stiftung zu Gunsten der Kirche enthält (S.351).

Zeugen
-- sind zuerst kaum, bis zum Ende des 12. Jh. aber von allen Konfessionen zugelassen
->> dies ist ein Gegensatz zum Geist in Rom (S.351)
->> es kommt zum religiösen Indifferentismus bis zur Feindschaft gegen das "Christentum" in Rom
->> das fränkische Rittertum und das fränkische Bürgertum kommen sich näher (S.352).


9.3.
Integration der "Ungläubigen" durch Toleranz und neues Handels- und Seerecht

-- allen Religionsangehörigen ist die Mitarbeit erlaubt bei Wahrung der nationalen und religiösen Eigenart

->> entsprechend werden die Vorschriften angepasst, werden rechtliche Grundlagen ausgearbeitet und Formen von Handelsrecht und Seerecht eingerichtet, mit besonderen Handels- und Seegerichten:

-- "cour de mer" [Seegerichtshof]
-- "cours de la chaîne" [Kettengerichtshof: die Kette, die die Einfahrten der Häfen absperrt]
-- "cours de la fonde" [Börsengerichtshof (S.353)] (S.352).

->> mit der toleranten Handelsgesetzgebung wirken neue Einflüsse auf die Abläufe
->> das Bürgertum in Palästina kommt zu besonderer kulturhistorischer Bedeutung (S.352).

Die Seegerichte der Kreuzfahrerstaaten
Die Seegerichten werden von europäischen Seestädten kopiert, z.B. in Trani im 11. Jh., in Pisa und in Marseille im 12. Jh. (S.352). Schätzungen setzen den palästinensischen "cours de mer" in die Mitte des 12. Jh., denn:
-- erst dann war die Küste fest in fränkischer Hand
-- erst dann kam es zum Aufschwung im Seehandel.

Die Seegerichte haben zuerst nur Gutachterfunktion, entsprechend von Sachverständigenkommissionen, mit Weiterleitung zur Entscheidung an den "cour des bourgeois". In manchen Fällen heisst das Seegericht auch "l'autre cour des bourgeois" (S.353).

Börsengerichte "cours de la fonde"
-- ist zuständig für Streitigkeiten zwischen Franken und Surianern (S.353)
-- besteht aus 4 Surianern und 2 Franken als Schöffen mit Vorsitz eines fränkischen "Bailli" [?]
-- richtet in Handelssachen
-- richtet in Streitsachen bis zum Wert von 1 Mark Silber, Werte darüber beim "cour des bourgeois" (S.354)

->> der "cours de la fonde"  ist eine Invasion fränkischen Rechts ohne Rücksicht auf Besonderheiten der Surianer mit byzantinisch-römischem Recht
->> die Franken profitieren von der Feudalgesetzgebung
der Einfluss des römischen Rechts auf das Feudalrecht wirkt auf Europa zurück (S.354).



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10.
Überseehandel: Warentransporte zwischen Palästina und Europa
-- Schiffstransporte finden v.a. auf Schiffen der Italiener und Südfranzosen statt, für die Transporte nach Italien, von da aus Landtransport nach Österreich, Deutschland und Holland; erst später wird die Schiffsverbindung nach Spanien, Holland und England installiert

[Die direkte Seeverbindung an der Atlantikküste entlang ist erst ab der arabischen Erfindung des Dreiecksegels möglich, das das Kreuzen gegen den Wind erlaubt].

-- keine holländischen Schiffstransporte trotz Teilnahme an den Kreuzzügen
-- deutsche Schiffe der Hanse transportieren die Waren von der deutschen zur englischen Küste (S.362-363).


10.1.
"Christliche" Monopole, Ritterorden, Kirche, Verträge

-- die "christliche" Seite (Franken, Venezianer, Pisaner, Genuesen und Marseiller etc.) monopolisiert den Überseehandel für sich, und alle Muslime und Juden werden davon ausgeschlossen

-- die fränkischen Grosshändler und europäische Spekulanten beuten die muslimischen Gebiete im Nahen Osten aus

-- es fehlt jede Spur von arabischen oder syrischen Handelshäusern oder einheimischen Reedereien (S.337).

-- mit dem europäischen Markt kommt es zur Verstärkung des Handels von Damaskus bis West- und Nordeuropa

-- die "christlichen" Monopole streichen hohe Gewinne ein, europäische Handelskolonien platzieren sich an der Küste, auch Händler aus der Provence, Deutsche und Engländer (S.355)

-- Handel z.T. ohne Zwischenhändler (S.356)
-- Sklavenhandel ist "organisiert" von Genuesen, Venetianern, Kataloniern (S.359).

Knotenpunkte des Handels Kleinasien-Europa: Messina, Syrakus und Zypern
-- Messina in Italien, mit Konsulat der Venezier und Fondaco, mit Vertretung der Amalsitaner
-- Syrakus mit der Vertretung der Genuesen, nur kurz und gewaltsam
-- Zypern ist Rastort und Handelszentrum der Amalsitaner ab 1168 und der fränkischen Kaufleute ab 1191 (S.356).

Handel der "geistlichen" Ritterorden im "christlich" besetzten Palästina
-- im Grosshandel
-- in der Vermittlung des Geldverkehrs
-- auch als Schiffsreeder (S.357).

Die Kirchen profitieren mit - die "Pilger"
Die Kirchen Europas wollen am Kreuzfahrer-Gewinn teilhaben und installieren "ihre" Leute:
-- 1103 ein Fall in der Abtei von St-Victor zu Marseille von Raimund von St-Gilles: Er lässt sich die Hälfte der Stadt Gibail schenken

-- das Kloster La Cava (Unteritalien) erhält von König Balduin IV. das Recht des zollfreien Warenhandels im Export und Import auf dessen Schiffen

-- Pilger handeln unter religiösem Deckmantel (S.357)
-- in Jerusalem existiert ein spezieller Markt nur für Heiligenbilder (S.360).

Internationale Verträge
-- existieren zwischen der christlichen und muslimischen Seite in Syrien und Palästina
-- die christlichen und muslimischen Fürsten streben in Friedenszeiten Handelserleichterungen an

-- Gottfried von Bouillon sucht ein Abkommen mit dem Emir von Askalon und mit dem Emir von Damaskus, ebenso Balduin II.

-- Abkommen in Friedensverträgen:
oo  Saladin sichert 1192 den "Christen" freien Handel in seinem Land zu [!] (S.357)
oo  die Franken lassen die Muslime zur Handelsvermittlung in "ihren" Städten siedeln
oo  das Strandungsrecht des automatischen Besitzrechts bei Strandung wird aufgehoben, gegenüber Muslimen aber erst später (S.358)

-- die Muslime sind aber kaum am Handel beteiligt, weil sie diskriminiert sind (S.358).


10.2.
Waffenausfuhr an die Muslime - Verbote haben keine Wirkung

-- 2.11.1156: Friede Balduins IV. mit Pisa: Pisa erlaubt, dass die Leute Balduins pisanische Händler anhalten und allfällige für Ägypten bestimmte Kriegswaren konfiszieren dürfen: Holz, Eisen, Pech, Waffen (S.359)

-- die Kirche erlässt partielle Handelsverbote gegen Waffenexporte
oo  Muslime dürfen keine europäischen Waffen erwerben
oo  Verbot von Alexander III. 1162
oo  zweites Verbot von Alexander III. 1179 am Lateranerkonzil
oo  die Verbote nützen aber kaum

->> Waffenexportverbot an die muslimischen Länder durch die Venetier durch Innozenz III., andere Güter sind ausdrücklich erlaubt

->> der Waffenexport an Muslime wird aber weitergeführt, von Venetianern, Genuesen und Cataloniern gleichzeitig, v.a. an Ägypten (S.358)

-- ähnliche Handelsverbote erfolgen auch durch die fränkischen Fürsten, sind ebenso nutzlos (S.359)

->> Erneuerung des Waffenexportverbots 1245 am Konzil von Lyon, mit Bedrohung mit dem Bann bei Verstoss gegen das Verbot

->> die Waffenexporte gehen trotzdem weiter

->> Papst Gregor X. erneuert das Waffenxportverbot an die Muslime 1272
->> Papst Bonifaz VIII. erneuert das Waffenxportverbot an die Muslime 1295 (S.358)

->> aber eine durchgreifende Massregel erfolgt erst 1308: totales Handelsverbot mit Muslimen (S.358-359)

-- sogar das wirkt nicht: Nicht einmal der Sklavenhandel von Genuesen, Venetianer, Cataloniern wird dadurch unterbunden

-- die Gewinnsucht der Seestädte ist stärker als die Rücksicht auf kirchliche oder politische Interessen (S.359)


10.3
Handelsstädte und Handelsgüter des Binnenhandels

Bagdad und Damaskus
-- Bagdad und Damaskus sind die beiden grossen Zentren und Schnittpunkte zwischen China und Europa an der Karawanenstrasse oder zu den Schiffen am Euphrat

-- die Tätigkeit zwischen Palästina und Bagdad und Damaskus nimmt weiter zu, v.a. in Damaskus, der ehemaligen Hauptstadt des Kalifats, denn Damaskus ist der Kreuzungspunkt von Strassen von Persien/Mesopotamien/Kleinasien nach Arabien/Ägypten/Indien

-- blühendstes Gewerbe: Seidenstoffe und mit Gold durchwebte Teppiche (S.359).

Accon
-- ist zu dieser Zeit ein Welthandelszentrum
-- z.T. liegen bis zu 80 Schiffe im Hafen (S.360).

Tyrus
-- ist von Venedig dominiert
-- hat wegen der Venedig-Dominanz weniger Handelsbewegungen (S.360).

Importe aus Europa
Waren für die Kolonialisten: Waffen, Rüstungen und Speere, Stoffe, Tuch aus der Lombardei und Ypern, Getreide v.a. in der "letzten Zeit" bei Schrumpfung der "christlich" besetzten Gebiete, Heiligenbilder, v.a. für den Heiligenbilder-Markt in Jerusalem (S.360).

[Mehr als Heiligenbilder haben die "Christen" in Palästina eigentlich nicht verkauft...].

Importe aus Zypern
Wein, Getreide (S.361).

Exporte aus Asien nach Europa
-- Südfrüchte: Zitronen, Orangen, Feigen, Mandeln: v.a. aus Tripolis und Tyrus
-- Wein, Öl, Zucker aus Zuckerrohr
-- Baumwolle, Seide, Kleider aus Baumwolle/Seide/Kamelwolle
-- Teppiche
-- kunstreiche Gefässe
-- Glasgeräte aus Tyrus/Accon (S.361).

Export aus Armenien
-- feine Baumwolle, Schaf- und Ziegenwolle
-- Pelze/Pelzsachen
-- Metalle, v.a. Eisen
-- Bauholz, Pferde, Maultiere (S.361).

Exporte von Spezereien (Gewürzen) und Arzneimitteln
-- Ambra [Fremdwörterduden: Amber, Bernstein] (S.361)
-- Aloe [DTV Wörterbuch der Medizin: Blättersaft mit Aloin, abführend]
-- Manna [DTV Wörterbuch der Medizin: Saft der Manna-Esche]
-- Mastix [Fremdwörterduden: Harz des Mastixbaumes für Pflaster, Kaumittel, Lacke u.a.]
-- Gewürze, Gewürznelken: Hauptmarkt ist Accon (S.362)
-- Sesam aus Syrien, Sesamöl, frz. jugeoline

-- Johannisbrotbaum aus Kleinasien und Syrien, der dort sogar religiös verehrt wird, von Muslimen und "Christen" gleichermassen, dem "heiligen Georg" geweiht, oft mit Kapellenbau unter den Bäumen, in Europa mit dem arabischen Namen "karubla" bezeichnet, frz. caroubier, span. algarrobo

-- Export von Safran: Blütennarben von Crocus sativus, ab 10. Jh. in Spanien bekannt, ab 12. Jh. in ganz Europa bekannt, wobei der kilikische Safran der beste sein soll, und gemäss einer Legende eine Safranzwiebel in einem Spazierstock zum englischen König Eduard III. geschmuggelt sein soll

-- Export von Zuckerrohr aus Syrien: Die Exporte lassen lässt den Zuckerkonsum in Europa ansteigen und die italienische und sizilianische Zuckerproduktion wieder rentabel werden (S.407)

-- Export von Pfeffer, Kardamom, Muskatnüssen

-- Export von Weihrauch [DTV Lexikon Bd.19,S.330: Weihrauch: Olibanum: der eingetrocknete Wundsaft von Boswellia-Arten aus Somalia und Arabien, in Form von gelben Harzkörnern gewonnen. Weihrauch für kultische Zwecke ist eine Mischung verschiedener Harze: Olibanum, Myrrhe, Benzoe, Storax und Tolu-Balsam, plus getrocknete Gewürze wie Zimtrinde, Lavendelblüten u.a. Die Mischung entwickelt beim Verbrennen einen balsamisch-narkotischen Duft]

-- Balsam aus Palästina [DTV Lexikon Bd.2,S.85: Balsam: Saft aus den Stämmen bestimmter Bäume, gewonnen durch Ritzen der Bäume, Lösung aus Naturharzbestandteilen in ätherischen Ölen, luftgehärtet].

-- Alaun: Farbstoff aus Syrien

-- Indigo [Fremdwörterduden: ältester und wichtigster organischer, heute synthetisch hergestellter blauer (Küpen)Farbstoff]

-- Brasilienholz / Sandelholz aus Indien (S.362).

Europa gewöhnt sich an die arabischen und indischen Produkte
Die Handelsartikel werden für Europa mit der Zeit unentbehrlich (S.362). Sie werden Allgemeinware.

->>
die neuen Bedürfnisse "bürgern" sich ein
->> es bilden sich neue Gewohnheiten bei der Kleidung, Nahrung, Gesundheitspflege, Hausausstattung, oft unbewusst, ohne nach der Herkunft zu fragen (S.363).

[These:
Die Kirche ist scheinbar nicht dagegen, dass sich im "christlichen" Europa die arabischen und indischen Waren einbürgern. Offensichtlich rechnete die Kirche mit der gesamten "christlichen" Besetzung des arabischen Raumes, um diese Waren später als "christlich" definieren zu können, womit sich rückwirkend eine Legalisierung ergeben hätte].

Spezialfälle: Tiere als "Hofgeschenke"
Die europäischen Kreuzfahrer erleben in Konstantinopel und in anderen arabischen Städten die ersten Tiergärten, z.B. in Konstantinopel den Tiergarten des griechischen Kaisers. Die Mameluken in Ägypten schenken Ludwig IX. z.B. einen Elefanten, der an den englischen König weiterverschenkt wird. Ludwig IX. seinerseits bringt aus Palästina tartarische Jagdhunde nach Frankreich mit (S.406), die in Frankreich weiter gezüchtet werden und "gute Dienste" tun. Sultan Bibars schenkt dem verbündeten König Manfred tartarische Pferde und "etliche mongolische Gefangene" nach Sizilien. Die Pferde mischen sich in die dortige Pferdezucht (S.407).




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11.
Weiterentwicklung des europäischen Finanzwesens durch die Abwicklung der Kreuzzugskosten

-- der enorme Finanzbedarf für die Investitionen in die Transporte provoziert die Entwicklung des Finanzwesens in Europa (S.364)

-- es entsteht ein enormer Finanzbedarf für die Kreuzzüge (S.365), für die Kriege und die nachfolgenden Fürstenhöfe im "christlich" besetzten Palästina (S.364)

->> in Europa entsteht ein grosses Kredit- und Wechselgeschäft
->> der Umlauf grosser Kapitalien wird erleichtert

->> zwischen den verschiedenen Münzsystemen muss ein Ausgleich geschaffen werden
->> in Palästina sind alle möglichen Münzen im Umlauf, z.T. noch stadteigene Münzen, wie Münzfunde in Palästina bestätigen:

-- Münzen von Lemans, Chartres, Poitou, Dole, Wien, Mergueil (Bericht von Raimund von Aguilles)
-- Münzen von Flandern, Artois, Béarn, aus der Provence, Kaisermünzen, Münzen aus Aragon (S.364)
-- Münzen aus Italien aller Art: Lucca, Venedig, Pisa, Genua
-- Münzen von deutschen Kaisern und der Erzbischöfe von Köln und Mainz
-- Münzen aus England
-- Münzen der Normannenfürsten: byzantinische Typen aus Neapel, Salerno, Benevent (S.365).



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12.
Pilgerfahrten: Wanderungen zu den Häfen, Münzvorräte und Lebensmittel

-- um die Pilgerreisen zu bezahlen, müssen die "Pilger" zum Abreiseort wandern, den Überfahrtpreis bezahlen und die Lebensmittel für die Überfahrt selbst beschaffen (S.364)

-- Pilger müssen verschiedene Münzsorten mit sich führen für die jeweiligen Auszahlungen der Ritter, Söldner und Diener. So gibt es z.B. Funde von skandinavischen Münzen am Genfer See (S.365).



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13.
Finanzierung der Kreuzzüge mit Krediten und Anleihen
oo  an Kreuzzügen sind ganze Bankhäuser und "Ritterorden" beteiligt
oo  die Bankiers für die Fürsten bleiben meist dieselben, mit Abkommen und Wechseln abgesichert (S.366, 368).

Absicherungen für die Ritter durch Kredite, Anleihen und Übertragungsrechte bei Tod
-- Diebstahlabsicherung durch Kreditbriefe, Wechsel (S.365)
-- Wechsel eines Genueser Bankiers 1207
-- einfache Kreditbriefe
-- reiche weltliche oder "geistliche" Leute geben Kreuzrittern
oo  Kredite auf ihr Konto
oo  Anleihen

-- ein Ritter einer Gruppe schliesst einen Vertrag für den Fall seines Todes, Übergang der Rechte auf zwei andere Ritter seiner Gruppe etc.

-- es existieren auch Kredite auf eigene Kosten gegen Einnahmen von Lehensgütern (S.366).



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14.
Kredite in Palästina - Aufstieg der italienischen Bankenhäuser und "Ritterorden" im östlichen Mittelmeerraum

Durch die Kreuzfahrtenentwicklung werden die italienischen Städte Genua, Pisa und Siena führend in Bankgeschäften, mit Kontoren und Niederlassungen in Hauptstädten Zyperns, Syriens und Ägyptens (S.368). Die Bankiers übernehmen Kapitaltransport oder auch die Einziehung von Summen in Europa (S.369).

Dieselbe Ausbreitung und Tätigkeit gilt für die "Ritterorden". Ritterorden als Bankiers sind v.a. der Tempelherren-Orden, aber auch der Orden der Hospitaliter und der Deutsche Orden. Zuerst sind sie im Depositengeschäft tätig, manchmal aber kommt auch Veruntreuung vor... (S.369); dann auch Bankgeschäfte mit Anleihen an Könige und Fürsten: Ludwig VII, Blanca von Kastilien 1249, König Heinrich III. von England, Philipp IV. (S.370).

Der Tempelherren-Orden tritt u.a.  1267 als Bürge für Karl von Anjou auf (S.370).

Geldverschickung
Der Templerorden und der Hospitaliter-Orden transferieren die in Europa vom Papst aufgebrachten Gelder für Palästina über Ordensschiffe nach Accon, wo die Gelder an die "Ritter" und Fürsten für den Kampf gegen die Ungläubigen verteilt werden (S.370)

Die Gelder werden in Münzen oder Barren verschickt (S.371).

Kreditaufnahme erfolgt bei Geldmangel oder zu kleinem Kredit in Europa bei einem Bankier (S.366). Die Sicherheiten:

-- hohe Zinsen, wobei vom hohen Zins nichts bekannt werden durfte, da Wucher verboten war. Hohe Zinsen werden einfach einberechnet

-- mehrfache Bürgschaft: Schuldscheine, die von 4 Zeugen unterschrieben sein müssen: 2 Zeugen pro Seite

-- Kreuzfahrerkredite werden meist nur in corpore gruppenweise mit mehreren Rittern abgeschlossen, die einander Bürgschaft leisten müssen

-- eventuell muss der Ritter einen Eid auf die "4 Evangelisten" ablegen

-- der Lehnsherr des Ritters leistet die Bürgschaft; was am meisten passiert: Bezahlung durch die Lehenseinkünfte des Ritters mit Kennzeichnung mit Siegeln (S.367)

->> meist wird 1 Jahr Frist zur Rückzahlung gegeben, meist gilt ein "hohes Fest" als Termin (S.367)

->> Aufheben der Kreditvereinbarung durch Kanzleivermerk und durch Abschneiden des Siegels (S.367)

->> z.T. kommen Betrugsversuche vor (S.367-368).



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15.
Geldverkehr unter den Franken in Palästina: Münzprägung und Münzfälschung arabischer Münzen

Zuerst gelten arabische und byzantinische Münzen im festen Wechselkurs (S.371). Mit der Zeit werden christliche Münzprägestätten eingerichtet, die wichtigsten in Accon, Tyrus und Tripolis (S.373). Die Venetianer haben auf die Münzprägestätten das Vorrecht, haben schon viel Übung darin und machen damit einen hohen Gewinn (S.373). Die Historiker nehmen an, dass die Venetianer als erste den Grosshandel mit dem Hinterland Palästinas betreiben und sich so die Position sichern können (S.374).

Es kommt zur Entwicklung eigener "christlicher" Münzen, manchmal mit arabischen Motiven: Zuerst sind es überprägte Münzen mit dem Balduin von Edessa (S.371). Dann aber werden auch eigene Münzen geprägt: Die älteste christliche Münze ist die Münze von Tancred mit Turban (S.371), illegal geprägt (S.374).

Im nächsten Schritt werden die Tancred-Münzen umgeprägt mit dem "Bild Christi". Diese Münzen sind auch in Armenien im Umlauf (S.372). Die Münzprägung der Kreuzfahrerstaaten wird von der Kirche in Rom legalisiert und bis 1249 geduldet (S.374).

->> der Jesus auf der Münze provoziert, denn die Muslime wollen keinen Jesus auf der Münze
->> so müssen neue Münzen kreiert werden, die beiden Ansprüchen genügen (S.372).

Fürsten und Barone prägen nur Kupfer- und Scheidemünzen für de Kleinhandel, selten Silbermünzen. Die Münze für den Grosshandel ist der "sarazenische Byzantiner", eine Goldmünze, eine Nachahmung der arabischen Goldmünzen.

->> alle "christlichen" Bedingungen werden in der Münzprägung durch die Tatsachen im Handel über Bord geworfen (S.372)

->> die Historiker haben die "sarazenischen Byzantiner" lange nicht als christliche Münze identifiziert (S.373).

Die "Christen" fälschen arabische Goldmünzen mit Kalifenmotiven und Koransprüchen
Die Franken kennen in Europa lange nur Silbermünzen. Erst in Palästina werden Gold- und Kupfermünzen aktuell. Für den Handel mit den Sarazenen sind Goldmünzen unentbehrlich. Die "christlichen" Münzstätten prägen bald eigene Golddenare in Tripolis, die die Denare des Kalifen el Mostanser-Billah nachahmen, mit ungeschickt nachgemachten, arabischen Buchstaben, so dass die Fälschung leicht ersichtlich ist.

Ebensolche Fälschung ist die Münze des fatimidischen Kalifen von Ägypten
-- mit Fehlern in der Inschrift, oft im Namen
-- mit Nachahmung, wie wenn es sich um gebrauchte Münzen handelte
-- mit Fehlern in den Koransprüchen auf den Münzen (S.373).

[Die Selbstherrlichkeit liess scheinbar jede Kontrolle vergessen...]

Insgesamt sind grosse Mengen arabischer Münzen für den Grosshandel notwendig (S.374). Fälschungen mohammedanischer Münzen kommen auch in Südfrankreich vor (S.376).

ab 1187
Der Handel der Genuesen erfolgt über den Handelspunkt Ayas
(S.361).

1249
Kehrtwende gegen Münzen mit Mohammeds Namen und Koransprüchen - Neuausgabe von Münzen mit "christlichen" Sprüchen in arabischer Schrift und unscheinbarem Kreuz
unter Ludwig IX. in Palästina. Er ist gleichzeitig Kardinal-Bischof von Tusculum und päpstlicher Legat:

-- er sieht in den Koransprüchen auf den Münzen eine Schmach
-- die Koransprüche seien mit dem Geist und Zweck der Kreuzzüge unvereinbar

-- Ludwig IX. verhängt den Bann gegen die Münzpräger aller Münzen, die den Namen Mohammeds tragen (S.374)
-- Ludwig IX. meldet die Münzpräger dem Papst Innozenz IV.
-- Papst Innozenz IV. bestätigt das Strafdekret

->> die Münzprägung der "Byzantii sarracenati" wird eingestellt
->> neue Ausgabe von "Byzantii sarracenati" mit "christlichen" Sprüchen in Arabisch und mit einem wenig auffälligen Kreuz in der Mitte

->> der Handel läuft weiter, die Mohammedaner glauben, es sei eine Kalifen-Goldmünze
->> neue Ausgabe von silbernen Denaren (Dirhem) (S.375).



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16.
Die "letzte Zeit"
ab 1275 ca.
-- das Ackerland ist durch Kriege weitgehend zerstört
-- die "christlich" besetzten Gebiete werden immer kleiner
-- Hunger, immer mehr Getreidelieferungen aus Europa (S.360).


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