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Kreuzzüge 07

Pogrome gegen Juden während der Kreuzzüge - und die Folgen

Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band. 5,
                    Kolonne. 1136: Die Ruine von Aqua Bella, ein
                    Bauernhof oder Gutshaus der Kreuzfahrer bei
                    Jerusalem, um 1168 n.Chr.
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band. 5, Kolonne. 1136: Die Ruine von Aqua Bella,
ein Bauernhof oder Gutshaus der Kreuzfahrer bei Jerusalem, um 1168 n.Chr.

aus: Crusades; In: Encyclopaedia Judaica 1971, Bd. 5, Kol. 1135-1145

Übersetzung mit Ergänzungen von Michael Palomino (2006)

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[[Ergänzung:
Die Kreuzzüge werden nur auf Israel bezogen. Ziel der Kreuzzüge war aber die Eroberung des gesamten islamischen Gebiets, um den Islam zu zerstören. Ein einziger Kreuzzug sollte ausreichen, und die Kirche wollte mit neu eroberten Gebieten ihre Position in Europa "festigen"]]. 

Encyclopaedia Judaica, Übersetzung:

<Kreuzzüge, Militärexpeditionen der europäischen Christen im 11., 12. und 13. Jahrhundert, um das Gebiet Israels von den Muslimen zu erobern oder ihre Konterattacken zu beantworten.

Der Auslöser waren Berichte aus Jerusalem über die schlechte Behandlung christlicher Pilger und die Art, wie ihnen der Zugang zu den Heiligen Stätten verwehrt wurde. In vielen dieser Berichte wurde auch die Bosheit der Juden betont, so dass von Beginn an die Basis vorbereitet war, die Juden in die neu angefachten Feindlichkeiten gegen die Ungläubigen mit einzubeziehen: In der Tat waren die Juden von *Narbonne und anderswo durch die französischen Ritter, die den spanischen Christen gegen die Mauren (um 1065) zu Hilfe eilten, ebenso angegriffen worden, ohne dass die Ermahnungen von Papst *Alexander II. befolgt wurden. 

Ursprünglich war beabsichtigt, dass die Kreuzfahrer sich nur mit dem Erfolg ihrer Übersee-Expedition beschäftigen sollten, ohne Folgen für das Leben der Christen in Europa.

Dessenungeachtet, genau, weil die Kreuzfahrer diese Abmachung ignorierten, kam der Kreuzzug zum Teil von seinem Anfangsziel ab, mit tragischen Konsequenzen für die Juden in Europa. 

[[Ergänzung:
Die italienischen Seefahrerstädte machten mit dem Transport der Kreuzfahrer und später der Güter zwischen Europa und der Küste der Kreuzfahrerstaaten ihren grossen Profit, sogar mit Geschäften mit dem muslimischen Gegner, die mittels europäischer Produkte wie Holz und Pech neue Schiffe bauten. Der Papst protestierte kaum, weil die Kreuzfahrer auf die Schiffe der italienischen Seefahrerstaaten angewiesen waren!]].

"Christliche" Ruinen in Palästina
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band. 5,
                          Kolonne. 1136: Die Ruine von Aqua Bella, ein
                          Bauernhof oder Gutshaus der Kreuzfahrer bei
                          Jerusalem, um 1168 n.Chr.
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band. 5, Kolonne. 1136: Die Ruine von Aqua Bella, ein Bauernhof oder Gutshaus der Kreuzfahrer bei Jerusalem, um 1168 n.Chr.
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5,
                          Kolonne. 1136: Fenster der Westmauer der
                          romanischen Kirche, gebaut von den
                          Kreuzfahrern bei Abu Ghosh bei Jerusalem.
                          Bewilligtes Foto vom Israelischen Departement
                          für Geschichte und Museen, Jerusalem (Israel
                          Department of Antiquities and Museums,
                          Jerusalem).
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5, Kolonne. 1136: Fenster der Westmauer der romanischen Kirche, gebaut von den Kreuzfahrern bei Abu Ghosh bei Jerusalem. Bewilligtes Foto vom Israelischen Departement für Geschichte und Museen, Jerusalem (Israel Department of Antiquities and Museums, Jerusalem).
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5,
                          Kolonne 1136: Schloss Montfort im westlichen
                          Galiläa. Das Schloss der Kreuzfahrer wurde
                          Mitte des 12. Jahrhunderts gebaut,
                          wahrscheinlich auf einer römischen Ruine.
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5, Kolonne 1136: Schloss Montfort im westlichen Galiläa. Das Schloss der Kreuzfahrer wurde Mitte des 12. Jahrhunderts gebaut, wahrscheinlich auf einer römischen Ruine.



Der erste Kreuzzug

Papst
Urban II. predigte in Clermont-Ferrant für die Kreuzzüge (bezogen auf das Werk von Har Afel, "Das Leben in Dunkelheit", von jüdischen Kreuzzugs-Chronisten) am 27. November 1095, am Ende einer dortigen Versammlung. Diejenigen, die dem Aufruf folgten, befestigten Kreuze an den Aussenseiten ihrer Gewänder. So entstand die Bezeichnung "Kreuzler" bzw. Kreuzfahrer. Die Juden bezeichneten diese als to'im ("[verirrte] Wanderer"). Nach der Verkündigung von Urban II. schien nichts gegen die Juden zu sprechen, aber es sollte geschehen, dass die französischen Juden eine Gefahr erfassten, seitdem sie Kundschafter zu den Rheinischen Gemeinden geschickt hatten, um vor der möglichen Gefahr zu warnen.

Die erste Gruppe Kreuzfahrer versammelte sich auf dem Weg nach Deutschland in Frankreich. Sie könnten unterwegs schon einige jüdische Gemeinden angegriffen haben, vielleicht in *Rouen, und sicherlich weitere in *Lothringen. Es war schon klar, dass die Kreuzfahrer - oder wenigstens einige von ihnen, sich im Rheintal versammelten, um dem traditionellen Weg in den Orient zu folgen: entlang des Rheins und der Donau. Die Gemeinde von *Mainz war durch die Gemeinden in Frankreich schon mehr besorgt und dachten, dass jene im Rheinland keinen Grund hätten, sich Sorgen um ihre Existenz zu machen. Trotzdem wurde ihr Sicherheitsgefühl, bald brutal erschüttert, kurz nach dem ersten Appell der Kreuzzügler, und bevor die deutsch-jüdischen Gemeinden überhaupt Vorsichtsmassnahmen treffen konnten. Die Aussicht auf die wohlhabenden Rheinischen Gemeinden wirkte auf die Kreuzzügler wie eine Initialzündung. Sie entschieden, die "Mörder von Christus" zu bestrafen, wo immer sie durchkamen, bevor sie ihren offiziellen Gegner, die Muslime, trafen.

Bald ging das Gerücht, dass Gottfried von Bouillon selbst gelobt hatte, dass er nicht zum Kreuzzug starten würde, bis er die blutige Kreuzigung von Jesus durch gerächt hätte. Er erklärte, dass er die Existenz auch nur eines einzigen Juden nicht mehr tolerieren könnte.

Die ersten Kreuzzüglergruppen kamen am 12. April 1096 in den Aussenquartieren von *Köln an [Kol.1135].

Einen Monat lang liessen sie die Juden in Frieden, vielleicht, weil die französischen Juden dem Peter dem Eremiten einen Brief mitgegeben hatten. Auf seiner Reise auf der Durchreise sollten er und seine Anhänger mit Lebensmitteln versorgt werden, im Austausch für Peters Unternehmen und seinen Einfluss. Trotzdem bewirkten die wachsende Menge Kreuzzügler einen Stimmungswechsel. Alle Erwartungen wurden übertroffen, und die religiöse Raserei, die dem Abmarsch vorausging, machte den Einfluss von Peter dem Eremiten wirkungslos. Die Führer der Mainzer Gemeinden wurden sich der unmittelbaren Gefahr bewusst und sandten eiligst eine Delegation zu König Heinrich IV., der sofort den Prinzen, Bischöfen und Grafen des Reiches mitteilen liess, dass es verboten sei, den Juden zu schaden. Gottfried selbst antwortete, dass er nie eine solche Absicht gehabt hätte. Für die Verbesserung ihrer Sicherheit übergaben ihm die Gemeinden von Köln und Mainz ein Geschenk mit 500 Silberstücken, und er versprach, sie in Frieden zu verlassen, was auch so geschah.


Währenddessen hatte der Kreuzzug sich in eine schwergewichtige Maschine verwandelt, mit verschiedenen Strukturen: Der hohe Adel, der tiefere Adel wie der Graf Emicho von Leinigen, und das Volk. Es war das letztere Element, das für anti-jüdische Sprechchöre empfänglich war, die sich rasch verbreiteten, und so war die Disziplin kaum noch zu halten. Auch die Bischöfe und die prominenten Adligen waren generell gegen solche Ideen. Sie wollten keine Kämpfe zwischen Christen und Juden sehen. Oft, ja meistens, war aber ihre Hilfe für Juden passiv.

In der Gegend, wo sich die Kreuzzügler versammelten, brach in den Wochen zwischen Pfingsten und Shavuot die Gewalt aus. Die Rüpel machten weiter bis Tammuz (Juni-Juli). Am achten des Iyyar (3.Mai 1096) schlossen die Kreuzzügler die Synagoge von *Speyer ein. Sie konnten nicht einbrechen. Da griffen sie jeden Juden an, den sie ausserhalb der Synagoge finden konnten und töteten elf von ihnen. Eines der Opfer, eine Frau, die lieber starb als zu konvertieren, eröffnete die Tradition des freien Märtyrertums. Es war die einzige Wahl, die einem die Kreuzzügler liessen.

*Kiddush ha-Shem, Märtyrertum für Gottes Ruhm, wurde die beispielhafte Antwort von bedrohten Juden während der Kreuzzüge. Am 23. Iyyar (18. Mai 1096) erlitt *Worms dasselbe Schicksal. Die Kreuzzügler massakrierten zuerst die Juden, die sie in ihren Häusern fanden, dann acht Tage später diejenigen, die meinten, im Schloss des Bischofs eine Fluchtburg gefunden zu haben. Es waren ungefähr 800 Opfer; Nur ein paar nahmen die Bekehrung an und überlebten. Die grosse Mehrheit wählte lieber den Tod oder Selbstmord als den Abfall vom Glauben.

Als die Juden von Mainz vom Massaker hörten, beantragten sie beim Bischof Schutz und zahlten ihm am Ende 400 Silberstücke. Als die Kreuzzügler - von Emicho angeführt - vor der Stadt am dritten Sivan (27. Mai 1096) ankamen, eilten die Bürger, ihnen die Tore zu öffnen. Die Juden griffen unter der Führung von Kalonymus b. [ibn] Meshullam zu den Waffen. Sie waren geschwächt vom Fasten, das sie in der Hoffnung auf Beistand durchgeführt hatten, um das Desaster zu vermeiden; trotzdem mussten sie sich zum Schloss des Bischofs zurückziehen, und letzter konnten nichts für sie tun, weil auch er selbst [der Bischof] vor dem kombinierten Angriff der Kreuzzügler und Bürger flüchten musste. Nach einem kurzen Gefecht fand ein massenhaftes Massaker statt. Mehr als 1000 Juden kamen zu Tode, ob durch Feindeshand oder durch die eigene. Jene, denen die Flucht gelang, wurden eingeholt; es gab fast keine Überlebenden.

 Eine vergleichbare Katastrophe ereignete sich in Köln, wo die Gemeinde am 6. Sivan (30. Mai 1096) angegriffen wurde. Der Bischof verteilte die Juden auf benachbarte Orte, weil er sie verstecken wollte: nach Neuss, Wevelinghofen, Eller, Xanten, Mehr, Kerpen, Geldern und Ellen. Die Kreuzzügler aber entdeckten sie und ein Blutbad folgte.

In *Trier konnte der Bischof die Juden nicht beschützen, denn auch er selbst musste sich verstecken. Schlussendlich befahl er ihnen, Christen zu werden [Kol.1137].

Die grosse Mehrheit verweigerte dies aber und zog den Selbstmord vor.


In *Regensburg wurden alle Juden zur Donau getrieben, wo sie ins Wasser geworfen wurden und zur Taufe gezwungen wurden. In *Metz, *Prag, und in ganz *Böhmen folgte ein Massaker dem anderen. Ein Ende trat erst dann ein, als Emichos Kreuzzügler entschieden von den Ungarn angehalten wurden, die sich gegen die Exzesse der Kreuzzügler erhoben hatten. So hatte Gott sich doch noch für die Juden eingesetzt, und sie richteten sofort ihre Gemeinden wieder auf. Es waren über 5000 Opfer zu beklagen.

Diejenigen Juden, die unter Zwang getauft worden waren, praktizierten das Judentum heimlich weiter. Im Jahr 1097 erlaubte König Heinrich IV. ihnen die öffentlich Rückkehr zu ihrem ursprünglichen Glauben, eine Handlung, die vom Gegenpapst Clemens III. missbilligt wurde. Heinrich befahl im Mai 1098 auch eine Untersuchung über die Verteilung des Besitzes der ermordeten Mainzer Juden, was den Unmut der lokalen Bischöfe heraufbeschwor. Ungefähr im Jahr 1100 kehrten die Juden nach Mainz zurück, aber ihr Leben war nicht ganz sicher, und die Juden der Oberstadt konnten kaum mit denen der Unterstadt kommunizieren. Im Jahr 1103 verkündeten Heinrich IV. und die Landgrafen einen Waffenstillstand, der den Juden einen Frieden garantierte.

"Christliches" Caesarea in Palestina
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5,
                          Kolonne 1138: Innenraum des Nordtors der
                          Kreuzfahrerstadt Caesarea, Israel, 1251. Das
                          gotisch gerippte Gewölbe ist typische
                          Kreuzzugsarchitektur. Foto von Richard Cleave,
                          Jerusalem.
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5, Kolonne 1138: Innenraum des Nordtors der Kreuzfahrerstadt Caesarea, Israel, 1251. Das gotisch gerippte Gewölbe ist typische Kreuzzugsarchitektur. Foto von Richard Cleave, Jerusalem.


Encyclopaedia Judaica 1971, Band 5,
                          Kolonne 1142: Ostgraben und Ostmauer der
                          Kreuzfahrerstadt Caesarea. Presseagentur der
                          Regierung, Tel Aviv.
Encyclopaedia Judaica 1971, Band 5, Kolonne 1142: Ostgraben und Ostmauer der Kreuzfahrerstadt Caesarea. Presseagentur der Regierung, Tel Aviv.


Die Kreuzzügler in Israel

Währenddessen hatten die Kreuzzügler *Jerusalem erreich (am 7. Juni 1099), und die Belagerung hatte begonnen. Die Stadt wurde am 15. Juli eingenommen, mit Gottfried, der in die jüdischen Quartiere eindrang, wo die Einwohner sich selbst mit den muslimischen Nachbarn verteidigten. Schlussendlich flüchteten sie in die Synagogen, die von den Angreifern in Brand gesetzt wurden. Ein schreckliches Massaker begann; die Überlebenden wurden als Sklaven verkauft, einige wurden später von jüdischen Gemeinden in Italien wieder zurückgekauft. Die jüdische Gemeinde in Jerusalem wurde vernichtet und wurde über viele Jahre nicht wieder eingerichtet [Kol.1138],

aber die jüdischen Zentren in Galiläa bleiben unversehrt. Trotzdem verteilte sich die grosse Gemeinde von *Ramlah,so wie diejenige von *Jaffa, so dass überall die jüdischen Gemeinden des Heiligen Landes in schwerer Weise dezimiert wurden.


Der zweite Kreuzzug
Weil die Kreuzfahrer die Stadt Edessa verloren hatten (1144) wurde der Westen über das Schicksal des lateinischen Königreichs Jerusalem besorgt. Um es zu schützen, wurde durch Papst Eugen III. ein neuer Kreuzzug ausgerufen. 

[Korrektur:
Der Gewinn durch den neuen Handel mit Gütern aus Indien war derart gross, dass die europäischen Adligen den Kampf um den Nahen Osten jetzt meist aus ökonomischen Gründen, nicht mehr aus religiösen Gründen weiterführten. Die Kreuzzüge verloren mehr und mehr ihren religiösen Zweck].

[Einzug jüdischer Vermögen für Kreuzzüge]

Die Päpste wollten erreichen, dass weitere Leute zu Kreuzzügen aufbrachen, mit jüdischem Geld. Innozenz III. befahl 1198, dass währen der Abwesenheit von Kreuzzüglern auf deren Schulden bei Juden keine Zinsen erhoben werden durften, und dass alle schon erhaltenen Zinsen zurückzuzahlen seien. So wurde die Rückkehr von Kreuzzüglern problematisch. Die Einschränkung, wenn sie befolgt worden war, hatte zumindest den Stillstand des jüdischen Kapitals über länger Zeit zur Folge, im schlimmsten Fall sogar die totale Konfiskation (was immer mehr Verbreitung fand, mit der ausgeweiteten Bedeutung des Worts "Kreuzzug" ab dem 13. Jahrhundert: Die Konfiskation wurde bei jeder Art von Kampagne überall auf der Welt zum Brauch, wo der Papst sich einmischte).


Natürlich provozierte dies grosse Schwierigkeiten mit den jüdischen Gläubigern. Auf die eine oder andere Weise begannen sich nach der Verkündigung des zweiten Kreuzzugs die Wolken über den Juden Europas zusammenzuziehen. Im Sommer 1146 predigte ein Zisterziensermönch, Radulf, heftig gegen die jüdischen Gemeinden im Rheinland. Er rief die Kreuzzügler zur Rache an "jenen auf, die Jesus gekreuzigt hatten", bevor sie sich über die Muslime hermachen sollten. Der geistige Führer des Kreuzzugs, *Bernhard von Clairvaux, unterstrich gleichzeitig den theologischen Irrtum und verbot jegliche Auswüchse gegen die Juden, die weder getötet noch vertrieben werden durften. Obwohl die antijüdischen Ausschreitungen schon vor dem Appell begonnen hatten, konnte er sie vor der Vertreibung bewahren. Schlussendlich waren die Ausschreitungen viel weniger heftig als beim ersten Kreuzzug.

Die Verfolgung begann in Elul (August bis September). Ein paar vereinzelte Juden wurden ermordet. In Köln erkauften sich die Juden  Schutz beim Bischof, und es gelang ihnen, die Flucht in die Burg von Walkenburg zu organisieren. Der Bischof ging sogar so weit, dass er den Anführer des Mobs für die Tötung einer Anzahl Juden blenden liess. Es gab einige Opfer in Worms und Mainz, aber über 20 in *Würzburg. Jüdische Gruppen suchten Schutz in Schlössern und in den Bergen. In Böhmen verloren ungefähr 150 ihr Leben, etwa gleich hoch war die Opferzahl in *Halle und *Korinth.

Wie beim ersten Kreuzzug litten die Gemeinden Frankreichs weniger als die des Rheinlands. Jakob b. [ibn] Meir *Tam war mit einer Gruppe Kreuzzüglern konfrontiert, die ihn an fünf Orten verletzten, in Eingedenk der Wunden, die Jesus erlitten hatte. Aber ihm gelang mit Hilfe eines vertrauten Ritters die Flucht. In England wurden die Juden in Ruhe gelassen. Überall, wo Juden [Kol.1139]

zum Glaubenswechsel gezwungen worden waren, wurde ihnen die Rückkehr zum Judentum ungestört erlaubt. Bis zum nächsten Sommer war die Ordnung wieder hergestellt, und die jüdischen Gemeinden hatten sich überall erholt.


Im Heiligen Land hatte der Zweite Kreuzzug mit der Besetzung von *Ashkalon geendet. *Benjamin von Tudela und *Pethahiah von Regensburg, die das Kreuzzugs-Königreich um 1160 und 1180 bereisten, fanden gut-etablierte jüdische Gemeinden in *Ashkalon, *Ramlah, *Caesarea, *Tiberias, *Accra, unter anderen Orten, mit verstreuten Leuten, die anserswo lebten: Es scheint, dass das jüdische Leben in Jerusalem auf eine Hand voll Juden beschränkt war, auch wenn einige Jahre später Judah *Alharizi (1216) dort eine blühende Gemeinde vorfand. Die *Samaritaner scheinen in *Nablus wie in Ashkalon und Caesarea ungestört zu sein. Deshalb scheint es, dass die Krieger des Zweiten Kreuzzugs die jüdischen Gemeinden relativ ungestört gelassen haben.

Gleichzeitig hatte das Lateinische Königreich unter den Schlägen der Gegner einen Zusammenbruch erlitten. Als Jerusalem 1187 an Saladin fiel, erlitten die Juden in Europa die Folgen der Niederlage. Es war schon zur Gewohnheit geworden, die Juden zu belästigen, wo immer ein Kreuzzug in Aussicht stand. Im Jahr 1182 nahm *Friedrich I. in seinem Reich die Juden unter seinen Schutz. Dafür bekam er - wie es der Brauch war - gründliche Bezahlung für seine Umtriebe. Sobald die Nachricht über den Fall von Jerusalem Europa erreichte, verbot er alle anti-jüdischen Schwüre und erneuerte sein Schutzversprechen. Zu Beginn des Jahres 1188 warnte eine Tragödie Mainz. Als Schlussfolgerung aus den vergangenen Erfahrungen verliessen die Juden von Mainz, Speyer, *Strassburg, Worms, Würzburg und anderswo ihre Städte, um in den nahen, befestigten Schlössern Zuflucht zu suchen. Die wenigen Juden, die in Mainz blieben, widmeten ihr Leben in Gemeinschaft dem Fasten; und m Verlaufe der Ereignisse verboten der Herrscher und sein Sohn bei höchster Strafe jegliche Auseinandersetzung mit den Juden. Jeder, der einen Juden tötete, sollte die Todesstrafe erwarten. Diese Warnungen wurden durch die Bischöfe wiederholt, die Judenverfolgung mit Exkommunizierung bedrohten. All dies hatte die Juden des reiches enorme summen gekostet. Mehr als je zuvor wurden sie vom Goodwill und Launen ihrer Meister abhängig.

Im Januar kam es im Hafen von *Lynn zu ersten Missbräuchen, wo der Hauptteil der jüdischen Gemeinde massakriert wurde. Dasselbe ereignete sich in *Norwich und *Stamford. In Lincoln wurden die Juden durch die Intervention königlicher Gesandten gerettet. Der schlimmste Gewaltsausbruch fand in *York statt, wo eine Zahl lokaler Adliger, die bei Juden hoch verschuldet waren, die Gelegenheit ergriffen, um ihre Bürde loszuwerden. Als die Juden angegriffen wurden, flüchteten sie in das Schloss Keep, das die Bewacher für sie geöffnet hatten; Jene, die in der Stadt geblieben waren, wurden abgeschlachtet. Nun aber wurden die Juden im Schloss Keep belagert. Am 16. März, am Vorabend zu Pfingsten, realisierte Rabbi *Yom Tov b. [ibn] Isaac von Joigny die Lage, dass jede Hoffnung verloren war. Er bat seine Brüder, den Selbstmord einer Taufe vorzuziehen. Zuerst verbrannten sie ihre Habe, dann tötete sich der Reihe nach einer nach dem anderen. Mehr als 150 starben auf diese Weise, und die wenigen Überlebenden wurden durch den Mob, die auch die Schuldenregister der Juden zerstörten. In *Bury St. Edmunds wurden 57 Juden getötet.

Als der König ausserhalb des Landes war, wo er weder gegen die Gewalt vorging noch konnte, da verliessen die Massaker-Anführer ebenso England für die Kreuzzüge. Es besteht kaum Zweifel, dass die Juden in England am Glauben zweifelten, wenn man das Überleben im Westen betrachtet. Die Auswanderung von 300 Rabbinern aus Westeuropa ins Heilige Land im Jahr 1211 kann mit dieser generelle Desillusion in Zusammenhang gebracht werden. Die Juden Westeuropas wurden während der Kreuzzüge im 13. Jahrhundert nur wenig belästigt. Trotzdem kam es vor, dass Massaker stattfanden, im zentralen Frankreich um 1236 während der Vorbereitungen für einen Kreuzzug. Tatsächlich beschuldigte Papst *Gregor IX. die Kreuzzügler, 2500 Juden abgeschlachtet zu haben.

Genau, als die grosse Welle der Kreuzzüge abzuebben begann, litten die jüdischen Gemeinden in Frankreich am meisten durch Volks-Kreuzzüge, den von den *Pastoureaux (1320). 40.000 dieser "Schäfchen", durchschnittlich 16 Jahre alt und ohne klar definierten Führer, marschierten vom Norden in den Süden Frankreichs. Obwohl Papst *Johannes XXII. alle exkommunizierte, die diesen nicht autorisierten Marsch unterstützten, hinderte dies die neuen Kreuzzügler nicht daran, sich an Juden zu vergehen, so wie es ihre Vorgänger getan hatten. Ihre Grausamkeit wurde speziell südlich des Flusses Loire vermerkt, wo sie ungefähr 120 Gemeinden zerstörten. Einzelne jüdische Gruppen hatten - in der Hoffnung, beschützt zu werden - sich in die grösseren Städte geflüchtet. Fünfhundert, die in der Stadt *Verdun-sur-Garonne Schutz suchten, fanden dort den Tod. In *Toulouse gab es 115 Opfer. In *Comtat Venaissin, ein Ort, der direkt dem Papst unterstand, gab es viele Fälle von Zwangsbekehrungen; der darauf folgende Versuch, zum Judentum zurückzukehren, provozierte die sofortige Intervention der Inquisition. Gleichzeitig erzeugte der Missbrauch der Pastoralen [?] eine gewaltsame Reaktion bei den christlichen Autoritäten: Der Gouverneur von *Carcassonne hatte sogar einige der Ringführer exekutieren lassen. Jene, die die Pyrenäen nach Spanien überquert hatten, wurden von Johannes II. von Aragon geleitet und dazu gezwungen, sich zu verteilen. Alles in allem war dieses Ereignis für die jüdischen Gemeinden von Südfrankreich und Nordspanien ein schwerer Schlag.

[Die Folgen für die jüdischen Gemeinden in Europa: keine Privilegien mehr]

Die lange Zeit der Kreuzzüge markierte ohne Zweifel einen Wendepunkt in der Geschichte der Juden im mittelalterlichen Westeuropa. Die Kirche selbst wurde dadurch gezwungen, ihre Position zu überprüfen und neu zu definieren, das durch die weitverbreitete Verfolgung der Juden entstanden war. Natürlich war die Situation der Juden vor den Kreuzzügen nicht frei von Gefahren: Die Feindlichkeiten der Christen gegenüber Juden führte zu keinen neuen Entwicklungen und die Kreuzzüge führten auch zu keiner Neubewertung der christlichen Doktrin. Trotzdem war es vielleicht innerhalb der Welle des Ersten Kreuzzugs, dass Papst *Calixtus II. (1119-24) die Bulle Sicut Judaeis [d.h. über die Juden] herausbrachte, die nach dem Zweiten und Dritten Kreuzzug erneuert wurde, ebenso bei mindestens fünf anderen Gelegenheiten zwischen 1199 und 1250. Diese Bulle setzte fest, dass den Juden fast keine neuen Privilegien mehr gewährt werden sollten. Die Rechte, die sie schützten, sollten ihnen auch nicht geraubt werden können. Christen sollten sollten speziell dafür Sorge tragen, Juden keinen Gefahren auszusetzen. Juden sollten nicht zwangsbekehrt werden dürfen, und ihre Friedhöfe sollten nicht geschändet werden dürfen. Natürlich galt der päpstliche Schutz nicht für Juden, die sich gegen christliches Leben zusammenrotteten. Es genügte der Kirche, sie vor Exzessen der Kreuzzügler zu schützen, speziell seit dem letzten. Ab dem Moment, als sie den Standard des Kreuzes übernahmen, wurden diese selbst unter Kirchenrecht gestellt. Die Juden ihrerseits beantragten beim Papst, zu ihren Gunsten zu intervenieren: Deswegen befahl *Innozenz III. die französischen Bischöfe, speziell darauf zu achten, dass die Kreuzzügler keinen Juden schadeten. Wie erwähnt beschuldigte später Gregor IX. die Kreuzzügler der Zusammenarbeit zum Judenmord: Ein solches Verbrechen, das im Namen der Heiligkeit begangen wurde, konnte nicht ungestraft bleiben. Trotzdem sollte es sich herausstellen, dass diese Befehle alle vergeblich waren, obwohl es schwierig ist, mit einiger Genauigkeit die Massnahmen zu bewerten, die mit Juden in Zusammenhang standen [Kol.1141].


Die Bedeutung der Kreuzzüge: [Die totale Verleumdung der europäischen Juden]

In der jüdischen Erinnerung wurden die Kreuzzüge ein Symbol für den Gegensatz zwischen Christentum und Judentum, und die Spannung durch die Schutzmassnahmen wuchs gefährlich an, viel schlimmer als zu den Zeiten des ursprünglichen Christentums. Die Diskussion blieb damals eine theologische, soweit das der Fall gewesen war. Die Christen sahen die Juden als unversöhnliche Feinde ihrer Lebensführung, und in dem Klima des *Blutverleumdung [Juden sollen christliche Kinder umgebracht haben] breitete sich die Unversöhnlichkeit weiter aus. Vom 12. Jahrhundert wird zum ersten Mal die Idee eines jüdischen Komplotts gegen die christliche Welt ausgedrückt: Die Juden wurden beschuldigt, dass Juden jährlich einen Christen opfern würden, und dass sie jährlich eine Versammlung abhalten würden, um das Aussehen und den Namen des Opfers zu bestimmen. In *Blois wurden im Jahr 1171 nach einer solchen Anschuldigung alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und im 13. Jh. folgten ähnliche Beschuldigungen auch in Deutschland.


Die jüdische Gemeinde fand in der Erinnerung an die Märtyrer eine Quelle der Inspiration. Hoffnung auf eine unmittelbare Rache gab es nicht. Das Massaker an den Unschuldigen wurde glorifiziert und mit dem Opfer von Isaak verglichen. Der Selbstmord der Märtyrer wurde als ein kollektiver Akt für die Heiligsprechung des Heiligen Namens gesehen. Die Erinnerung über das schreckliche Elend blieb nicht eine bittere, sonder die Erinnerung wurde ein Beispiel der wahren Gnade und Unterwerfung unter Gottes Willen. Für die folgenden Generationen waren die Märtyrer ein Objekt der Anbetung und sogar von Neid, denn sie waren die Generation gewesen, die von Gott zu einem Test ausgewählt worden war, und sie hatten ihre Wahrhaftigkeit bewiesen. Ein Mann im wahren Glauben sollte ihm ähnlich werden. Deswegen wurde es für Juden wichtig, das Gedenken an die Opfer hochzuhalten, es immer wieder zu erzählen, und davon inspiriert zu werden. Eine Anzahl von piyyutim wurden dabei in die Liturgie eingefügt, speziell für den neunten *Av. Die gebetsmässige Erzählung über das Massaker wurde in den westlichen Gemeinden ein Brauch: Av ha-Rahamim. am Sabbath vor Shavuot, und speziell im Gedenken an ihr Opfer in der Fastenzeit des neunten von Av, der die Zeit des Massakers ausmachte. Die Zeit der Berücksichtigung der *omer [?] bekam eine speziell sorgenvolle Bedeutung.

Es war vielleicht diese Zeit, die dem aus Mainz zu stammenden Brauch zum Durchbruch verhalf, die Taten der Märtyrer am Gedenktag in der Öffentlichkeit zu rezitieren, und in einem *Memorbuch an ihre Namen und an die Daten zu erinnern. Die meisten weit bekannten Märtyrer und die am meisten betroffenen Gemeinden und Regionen wurden in den Memorbüchern aller Gemeinden aufgelistet, also nicht nur lokal. Die Märtyrer wurden ein Symbol für das ganze Volk, nicht nur für die eigenen Gemeinden; Sie wurden mehr als nur ein Objekt des Stolzes. Sie wurden ein gemeinsames Ideal, in dem die ganze jüdische Gemeinde trotz aller Erniedrigungen Inspiration finden konnte. Ihr Martyrium wurde in einen Sieg umgeformt [Kol.1142],

denn sie hatten Qualen erlitten. In ihrem Schicksal fanden sie die nötige Stärke, den Tod der Abtrünnigkeit zu bevorzugen. Sie hatten lieber den Tod als den Übertritt zu einem anderen Glauben gewählt, sogar wenn letzteres nur vorübergehend nötig gewesen wäre. In ihrem Martyrium lag die wirkliche Legitimation der Leiden des jüdischen Volkes. Spirituelle Kraft führte zu stärkster Kraft, und die Märtyrer wurden als Demonstration des absolut wahren Judentums angesehen.


"Cristian" ruins in Palestine
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5,
                          Kolonne 1143: Krypta St. Johann in Akkon,
                          Nord-Israel. Die Halle wurde im 13.
                          Jahrhundert von den Rittern des
                          Johanniterordens als Speisesaal benutzt.
                          Presseagentur der Regierung, Tel Aviv.
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5, Kolonne 1143: Krypta St. Johann in Akkon, Nord-Israel. Die Halle wurde im 13. Jahrhundert von den Rittern des Johanniterordens als Speisesaal benutzt. Presseagentur der Regierung, Tel Aviv.
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5,
                          Kolonne 1143: Ruinen der Kreuzfahrerfestung
                          Castellum Pelegrinorum, gebaut von den
                          Tempelrittern im Jahre 1218 in Atlit, heute
                          nördliches Israel. Foto vom Israelischen
                          Departement für Geschichte und Museen,
                          Jerusalem (Israel Department of Antiquities
                          and Museums, Jerusalem).
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5, Kolonne 1143: Ruinen der Kreuzfahrerfestung Castellum Pelegrinorum, gebaut von den Tempelrittern im Jahre 1218 in Atlit, heute nördliches Israel. Foto vom Israelischen Departement für Geschichte und Museen, Jerusalem (Israel Department of Antiquities and Museums, Jerusalem).
Encyclopaedia Judaica:
                        Crusades, vol. 5, col. 1145: Winged angel in bas
                        relief found among the ruins of the Crusader
                        castle at Belvoir (now Kokhav ha-Yarden),
                        1138-1140 C.E. Courtesy Israel Department of
                        Antiquities and Museums, Jerusalem
Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5, Kolonne 1145: Engel mit Flügeln in einem Relief, das in den Ruinen des Kreuzfahrerschlosses Belvoir gefunden wurde (heute Kokhav ha-Yarden), 1138-1140 C.E. Foto vom Israelischen Departement für Geschichte und Museen, Jerusalem (Israel Department of Antiquities and Museums, Jerusalem).


[Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden]

Schlussendlich haben die Massaker, die mit den Kreuzzügen einhergingen, nicht die schlimmste Verfolgung, die die Juden betraf. Die zerstörten gemeinden im Rheintal wurden schnell wieder aufgebaut: Worms, Speyer, Mainz, Köln und Trier konnten schnell ihre frühere Bedeutung zurückgewinnen. Die jüdische Gemeinde im französischen Königreich, litt während der Kreuzzugszeit zumindest im Norden kaum. In England machten die königlichen Regierungen der lokalen Verwerfungen bald ein Ende. Aber sicherlich behielten die westeuropäischen Juden in dieser Zeit ihr Sicherheitsgefühl in die Gegenden, wo sie wohnten: IN den Jahren 1096 oder 1146 fand keine grosse Auswanderung statt. Die Mehrheit von ihnen konvertierte gezwungenermassen, konnten aber  zumindest bis zum Kreuzzug von Pastoureaux leicht zum Judentum zurückkehren. Es scheint, dass die aktuelle Anzahl westeuropäischer Juden in dieser Zeit angewachsen ist und mehrere Gemeinden grösser geworden sind. Für die jüdische humanistische Bildung war das 12. Jahrhundert eines der erfolgreichsten im Westen: Es war die Zeit der Tosafisten, die in Frankreich und Deutschland erneuert wurde. Personelle Bindungen zwischen Juden und Christen veränderten sich offensichtlich ein wenig: Erst im 13. Jahrhundert bekamen sie eine neue Qualität. Es sollte sich erweisen, dass die Kreuzzügler selbst keine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Bedingungen der Juden in Europa spielen konnten. In weiterem Kontext gesehen sind sie nur ein Teil im Ganzen, obwohl sicher kein vernachlässigenswerter Teil.


Bei allen Ereignissen offenbarten die Kreuzzüge die physische Gefahr, in denen die jüdischen Gemeinden standen, und die Wichtigkeit des kirchlichen Schutzes, um sie zu verteidigen. Beim Ausbruch einer neuen Attacke wurden die Juden in die Arme derjenigen getrieben, die die einzige Macht zum Schutze hatten: Herzog, König oder Kaiser; und diese weltlichen Beschützer überlegten, dass sie eine Pflicht zum Schutz der Juden nur insoweit hatten, dass sie eine Belohnung dafür erhielten. Die Kreuzzügler ermunterten die Juden auch, in die befestigten Städte zu ziehen, wo sie im Moment eines Angriffs weniger verwundbar waren. Die Reaktion auf das jüdisch-ökonomische Leben waren auf ihre Weise zerstörerisch.

Die einstige einmalige Position der Juden als Vermittler zwischen Ost und West wurde unterminiert [Kol.1143];

fortan wurde es für westliche Händler üblich, zwischen den beiden Welten selbst zu reisen, während zur gleichen Zeit der Anstoss zum religiösen Fanatismus den Weg der jüdischen Händler gefährlicher werden liess. Folglich waren es die Kreuzzüge, die das Ende der Blüte - auf einen Schlag - der international tätigen jüdischen Händler markierten. Zur gleichen Zeit gaben sie einen Impuls ipso facto gegenüber der ökonomischen Degradierung der Juden und zur Neuausrichtung insofern, als Westeuropa betroffen war, indem der Geldleiher in der christlichen Welt neue Anerkennung fand (siehe *moneylending). Zum Teil geschah dies wegen der sofortigen Bedürfnisse, ein neues Betätigungsfeld für ihre Gelder zu finden, zum Teil wegen der wachsenden Bedürfnisse der Kreuzzügler, rasch Geld für ihre Ausrüstung zur Verfügung zu haben, die sie auch auf der Reise trugen. Von jetzt an wurde der jüdische Geldleiher deshalb eine typisch jüdische Figur in Westeuropa.


Die Kreuzzügler und ihre damit verbundene Degradierung wurden fest in das historische Bewusstsein der Juden eingebrannt. Diese Zeit wurde im Volksbewusstsein herausgehoben als der Start einer Erklärung für das Unglück der Juden, obwohl de facto die Exzesse nur symptomatisch für einen Prozess waren, der schon früher in Gang gesetzt worden war. Die Kreuzzüge markierten auf verschiedene Weise einen Wendepunkt in der Geschichte der westlichen Welt, und dies kam auch in der jüdischen Geschichte zum Ausdruck. Tatsächlich hat die Geschichte der Juden im Rheinland und Zentraleuropa eine Stetigkeit, wenn man es nur von diesem Gesichtspunkt betrachtet. Das allgemeine Bild musste dafür durch zusammengesammelte Bruchstücke und Dokumente erst gezeichnet werden. Von nun an ist die Erinnerung mehr oder weniger abgestützt und komplett. Wenn man die gesamte Geschichte betrachtet, so ist es erst zu dieser Zeit, wo die Unterlagen zu Massakern wie im Rheinland von 1096 so erhalten sind. Die jüdische *Historiographie oder zumindest Chronologie beginnt zu diesem Zeitpunkt mit der Arcchivierung, auch wenn früher schon Bruchstücke aus früherer Zeit abgelegt sind.

Die Geschichte, die nun entspannen sollte, war eine tragische. Obwohl in der europäisch-jüdischen Geschichte Daten für Gewalt und Verfolgung oft bekannt sind [Kol.144],

begann nun eine Zeit mit immer wiederkehrenden Massakern und Verfolgung, die das Experiment, europäischer Jude zu sein, jahrhundertelang begleitete. Die hochgehaltene Religiosität des Zeitalters brachte eine verschärfte anti-jüdische Diskriminierung hervor, und eine Demütigung, die in den Gesetzen des vierten *Lateraner Konzils von 1215 gipfelte.


Die Chroniken von *Salomon b. Samson, *Eliezer b. Nathan von Mainz, *Ephraim b. Jacob von Bonn, *Eleazar b. Judah von Worms, und viele andere, deren Namen nicht bekannt sind, beschreiben die Ereignisse der Kreuzzüge, die Szenen der Massaker, und die Martyrien. Sie müssen auch als Basisquellen betrachtet werden, von denen statistische Zählungen über die Kreuzzüge beginnen müssen. Indem sie diese Ereignisse beschrieben haben, haben sie ihre Bedeutung erhöht, aber dadurch auch ein Ideal des Verhaltens geschaffen, das dauernd an den Geist appellierte, wann immer schwere Verfolgung die Juden betraf.

Siehe auch *History; *Israel (History)





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[S.Sch.]> [Kol. 145]
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