[[Ergänzung:
Die Kreuzzüge
werden
nur auf Israel bezogen. Ziel der Kreuzzüge war
aber die Eroberung des gesamten islamischen Gebiets, um den Islam zu
zerstören. Ein einziger Kreuzzug sollte ausreichen, und die Kirche
wollte mit neu eroberten Gebieten ihre Position in Europa
"festigen"]].
Encyclopaedia Judaica, Übersetzung:
<Kreuzzüge,
Militärexpeditionen der europäischen Christen im 11., 12. und 13.
Jahrhundert, um das Gebiet Israels von den Muslimen zu
erobern oder ihre Konterattacken zu beantworten.
Der Auslöser
waren
Berichte aus Jerusalem über die schlechte Behandlung
christlicher Pilger und die Art, wie ihnen der Zugang zu den Heiligen Stätten verwehrt wurde. In vielen dieser
Berichte wurde auch die Bosheit der Juden betont, so dass von Beginn an
die Basis vorbereitet war, die Juden in die neu angefachten
Feindlichkeiten gegen die Ungläubigen mit einzubeziehen: In der Tat
waren die Juden von *Narbonne und anderswo durch die
französischen Ritter, die den spanischen Christen gegen die Mauren (um
1065) zu Hilfe eilten, ebenso angegriffen worden, ohne dass die
Ermahnungen von Papst *Alexander II. befolgt wurden.
Ursprünglich war
beabsichtigt, dass die Kreuzfahrer sich nur mit dem
Erfolg ihrer Übersee-Expedition beschäftigen sollten, ohne Folgen für
das Leben der Christen in Europa.
Dessenungeachtet,
genau, weil die Kreuzfahrer diese Abmachung
ignorierten, kam der Kreuzzug zum Teil von seinem Anfangsziel ab, mit
tragischen Konsequenzen für die Juden in Europa.
[[Ergänzung:
Die
italienischen
Seefahrerstädte machten mit dem Transport der
Kreuzfahrer und später der Güter zwischen Europa und der Küste der Kreuzfahrerstaaten ihren grossen Profit, sogar mit
Geschäften mit dem muslimischen Gegner, die mittels europäischer
Produkte wie Holz und Pech neue Schiffe bauten. Der Papst protestierte
kaum, weil die Kreuzfahrer auf die Schiffe der italienischen
Seefahrerstaaten angewiesen waren!]].
"Christliche" Ruinen in Palästina
|
|
Encyclopaedia Judaica:
Crusades, Band. 5, Kolonne. 1136: Die Ruine von
Aqua Bella, ein Bauernhof oder Gutshaus der Kreuzfahrer bei Jerusalem,
um 1168 n.Chr.
|
Encyclopaedia Judaica:
Crusades, Band 5, Kolonne. 1136: Fenster der Westmauer der romanischen
Kirche, gebaut von den Kreuzfahrern bei Abu Ghosh bei Jerusalem.
Bewilligtes Foto vom Israelischen Departement für Geschichte und
Museen, Jerusalem (Israel Department of Antiquities and
Museums, Jerusalem).
|

Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5, Kolonne 1136: Schloss Montfort
im westlichen Galiläa. Das Schloss der Kreuzfahrer wurde Mitte des 12.
Jahrhunderts gebaut, wahrscheinlich auf einer römischen Ruine.
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Der
erste Kreuzzug
Papst Urban II.
predigte in Clermont-Ferrant
für die Kreuzzüge (bezogen auf das Werk von Har Afel, "Das Leben in Dunkelheit", von jüdischen
Kreuzzugs-Chronisten) am 27. November 1095, am Ende einer dortigen
Versammlung. Diejenigen, die dem Aufruf folgten, befestigten Kreuze an
den Aussenseiten ihrer Gewänder. So entstand die Bezeichnung "Kreuzler"
bzw. Kreuzfahrer. Die Juden bezeichneten diese als to'im
("[verirrte] Wanderer"). Nach der Verkündigung von Urban
II. schien nichts gegen die Juden zu sprechen, aber es sollte
geschehen, dass die französischen Juden eine Gefahr
erfassten, seitdem sie Kundschafter zu den Rheinischen
Gemeinden geschickt hatten, um vor der möglichen Gefahr zu warnen.
Die erste Gruppe
Kreuzfahrer versammelte sich auf dem Weg nach
Deutschland in Frankreich. Sie könnten unterwegs schon einige jüdische
Gemeinden angegriffen haben, vielleicht in *Rouen, und
sicherlich weitere in *Lothringen. Es war schon klar,
dass die Kreuzfahrer - oder wenigstens einige von ihnen, sich im Rheintal versammelten, um dem traditionellen Weg in den
Orient zu folgen: entlang des Rheins und der Donau. Die Gemeinde von *Mainz war durch
die Gemeinden in Frankreich schon mehr besorgt und
dachten, dass jene im Rheinland keinen Grund hätten,
sich Sorgen um ihre Existenz zu machen. Trotzdem wurde ihr
Sicherheitsgefühl, bald brutal erschüttert, kurz nach dem ersten Appell
der Kreuzzügler, und bevor die deutsch-jüdischen Gemeinden überhaupt
Vorsichtsmassnahmen treffen konnten. Die Aussicht auf die wohlhabenden Rheinischen Gemeinden wirkte auf die Kreuzzügler wie eine
Initialzündung. Sie entschieden, die "Mörder von Christus" zu
bestrafen, wo immer sie durchkamen, bevor sie ihren offiziellen Gegner,
die Muslime, trafen.
Bald ging das
Gerücht, dass Gottfried von Bouillon
selbst gelobt hatte, dass er nicht zum Kreuzzug starten würde, bis er
die blutige Kreuzigung von Jesus durch gerächt hätte. Er erklärte, dass
er die Existenz auch nur eines einzigen Juden nicht mehr tolerieren
könnte.
Die
ersten
Kreuzzüglergruppen kamen am 12. April 1096 in den Aussenquartieren von *Köln an [Kol.1135].
Einen Monat lang liessen sie die Juden
in Frieden, vielleicht, weil die französischen Juden
dem Peter dem Eremiten einen Brief mitgegeben hatten.
Auf seiner Reise auf der Durchreise sollten er und seine Anhänger mit
Lebensmitteln versorgt werden, im Austausch für Peters Unternehmen und
seinen Einfluss. Trotzdem bewirkten die wachsende Menge Kreuzzügler
einen Stimmungswechsel. Alle Erwartungen wurden übertroffen, und die
religiöse Raserei, die dem Abmarsch vorausging, machte den Einfluss von
Peter dem Eremiten wirkungslos. Die Führer der Mainzer Gemeinden wurden sich der unmittelbaren Gefahr
bewusst und sandten eiligst eine Delegation zu König Heinrich
IV., der sofort den Prinzen, Bischöfen und Grafen des Reiches
mitteilen liess, dass es verboten sei, den Juden zu schaden. Gottfried selbst antwortete, dass er nie eine solche
Absicht gehabt hätte. Für die Verbesserung ihrer Sicherheit übergaben
ihm die Gemeinden von Köln und Mainz
ein Geschenk mit 500 Silberstücken, und er versprach, sie in Frieden zu
verlassen, was auch so geschah.
Währenddessen
hatte
der Kreuzzug sich in eine schwergewichtige Maschine
verwandelt, mit verschiedenen Strukturen: Der hohe Adel, der tiefere
Adel wie der Graf Emicho von Leinigen, und das Volk.
Es war das letztere Element, das für anti-jüdische Sprechchöre
empfänglich war, die sich rasch verbreiteten, und so war die Disziplin
kaum noch zu halten. Auch die Bischöfe und die prominenten Adligen
waren generell gegen solche Ideen. Sie wollten keine Kämpfe zwischen
Christen und Juden sehen. Oft, ja meistens, war aber ihre Hilfe für
Juden passiv.
In der Gegend,
wo
sich die Kreuzzügler versammelten, brach in den
Wochen zwischen Pfingsten und Shavuot die Gewalt aus.
Die Rüpel machten weiter bis Tammuz (Juni-Juli). Am
achten des Iyyar (3.Mai 1096) schlossen die Kreuzzügler die Synagoge
von *Speyer ein. Sie konnten nicht einbrechen. Da
griffen sie jeden Juden an, den sie ausserhalb der Synagoge finden
konnten und töteten elf von ihnen. Eines der Opfer, eine Frau, die
lieber starb als zu konvertieren, eröffnete die Tradition des freien
Märtyrertums. Es war die einzige Wahl, die einem die Kreuzzügler
liessen.
*Kiddush
ha-Shem, Märtyrertum für Gottes Ruhm,
wurde die beispielhafte Antwort von bedrohten Juden während der
Kreuzzüge. Am 23. Iyyar (18. Mai 1096) erlitt *Worms
dasselbe Schicksal. Die Kreuzzügler massakrierten zuerst die Juden, die
sie in ihren Häusern fanden, dann acht Tage später diejenigen, die
meinten, im Schloss des Bischofs eine Fluchtburg gefunden zu haben. Es
waren ungefähr 800 Opfer; Nur ein paar nahmen die Bekehrung an und
überlebten. Die grosse Mehrheit wählte lieber den Tod oder Selbstmord
als den Abfall vom Glauben.
Als die Juden
von Mainz vom Massaker hörten,
beantragten sie beim Bischof Schutz und zahlten ihm am Ende 400
Silberstücke. Als die Kreuzzügler - von Emicho
angeführt - vor der Stadt am dritten Sivan (27. Mai 1096) ankamen,
eilten die Bürger, ihnen die Tore zu öffnen. Die Juden griffen unter
der Führung von Kalonymus b. [ibn] Meshullam zu den
Waffen. Sie waren geschwächt vom Fasten, das sie in der Hoffnung auf
Beistand durchgeführt hatten, um das Desaster zu vermeiden; trotzdem
mussten sie sich zum Schloss des Bischofs zurückziehen, und letzter
konnten nichts für sie tun, weil auch er selbst [der Bischof] vor dem
kombinierten Angriff der Kreuzzügler und Bürger flüchten musste. Nach
einem kurzen Gefecht fand ein massenhaftes Massaker statt. Mehr als
1000 Juden kamen zu Tode, ob durch Feindeshand oder durch die eigene.
Jene, denen die Flucht gelang, wurden eingeholt; es gab fast keine
Überlebenden.
Eine
vergleichbare Katastrophe
ereignete sich in Köln, wo die Gemeinde am 6. Sivan (30. Mai 1096)
angegriffen wurde. Der Bischof verteilte die Juden auf benachbarte
Orte, weil er sie verstecken wollte: nach Neuss,
Wevelinghofen, Eller, Xanten, Mehr, Kerpen, Geldern und Ellen.
Die Kreuzzügler aber entdeckten sie und ein Blutbad folgte.
In *Trier
konnte der Bischof die Juden nicht
beschützen, denn auch er selbst musste sich verstecken. Schlussendlich
befahl er ihnen, Christen zu werden [Kol.1137].
Die grosse Mehrheit
verweigerte dies aber und zog den Selbstmord vor.
In *Regensburg
wurden alle Juden zur Donau getrieben,
wo sie ins Wasser geworfen wurden und zur Taufe gezwungen wurden. In *Metz, *Prag, und in ganz *Böhmen
folgte ein Massaker dem anderen. Ein Ende trat erst dann ein, als Emichos Kreuzzügler entschieden von den Ungarn angehalten
wurden, die sich gegen die Exzesse der Kreuzzügler erhoben hatten. So
hatte Gott sich doch noch für die Juden eingesetzt, und sie richteten
sofort ihre Gemeinden wieder auf. Es waren über 5000 Opfer zu beklagen.
Diejenigen
Juden,
die unter Zwang getauft worden waren, praktizierten
das Judentum heimlich weiter. Im Jahr 1097 erlaubte König Heinrich
IV. ihnen die öffentlich Rückkehr zu ihrem ursprünglichen Glauben,
eine Handlung, die vom Gegenpapst Clemens III. missbilligt
wurde. Heinrich befahl im Mai 1098 auch eine
Untersuchung über die Verteilung des Besitzes der ermordeten Mainzer Juden, was den Unmut der lokalen Bischöfe
heraufbeschwor. Ungefähr im Jahr 1100 kehrten die Juden nach Mainz zurück, aber ihr Leben war nicht ganz sicher, und
die Juden der Oberstadt konnten kaum mit denen der Unterstadt
kommunizieren. Im Jahr 1103 verkündeten Heinrich IV.
und die Landgrafen einen Waffenstillstand, der den Juden einen Frieden
garantierte.
"Christliches" Caesarea in Palestina
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Encyclopaedia Judaica:
Crusades, Band 5, Kolonne 1138: Innenraum des Nordtors der
Kreuzfahrerstadt Caesarea, Israel, 1251. Das gotisch gerippte Gewölbe
ist typische Kreuzzugsarchitektur. Foto von Richard Cleave, Jerusalem.
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Encyclopaedia Judaica 1971,
Band 5, Kolonne 1142: Ostgraben und Ostmauer der Kreuzfahrerstadt
Caesarea. Presseagentur der Regierung, Tel Aviv.
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Die
Kreuzzügler in Israel
Währenddessen
hatten die Kreuzzügler *Jerusalem
erreich (am 7. Juni 1099), und die Belagerung hatte begonnen. Die Stadt
wurde am 15. Juli eingenommen, mit Gottfried, der in
die jüdischen Quartiere eindrang, wo die Einwohner sich selbst mit den
muslimischen Nachbarn verteidigten. Schlussendlich flüchteten sie in
die Synagogen, die von den Angreifern in Brand gesetzt wurden. Ein
schreckliches Massaker begann; die Überlebenden wurden als Sklaven
verkauft, einige wurden später von jüdischen Gemeinden in Italien
wieder zurückgekauft. Die jüdische Gemeinde in Jerusalem wurde
vernichtet und wurde über viele Jahre nicht wieder eingerichtet
[Kol.1138],
aber die jüdischen Zentren in Galiläa
bleiben unversehrt. Trotzdem verteilte sich die grosse Gemeinde von *Ramlah,so wie diejenige von *Jaffa, so
dass überall die jüdischen Gemeinden des Heiligen Landes
in schwerer Weise dezimiert wurden.
Der
zweite Kreuzzug
Weil
die Kreuzfahrer die Stadt Edessa verloren hatten
(1144) wurde der Westen über das Schicksal des lateinischen Königreichs
Jerusalem besorgt. Um es zu schützen, wurde durch Papst
Eugen III. ein neuer Kreuzzug ausgerufen.
[Korrektur:
Der Gewinn durch
den
neuen Handel mit Gütern aus Indien
war derart gross, dass die europäischen Adligen den Kampf um den Nahen Osten jetzt meist aus ökonomischen Gründen, nicht
mehr aus religiösen Gründen weiterführten. Die Kreuzzüge verloren mehr
und mehr ihren religiösen Zweck].
[Einzug
jüdischer
Vermögen für Kreuzzüge]
Die
Päpste wollten erreichen, dass weitere Leute zu Kreuzzügen aufbrachen,
mit jüdischem Geld. Innozenz III. befahl 1198, dass
währen der Abwesenheit von Kreuzzüglern auf deren Schulden bei Juden
keine Zinsen erhoben werden durften, und dass alle schon erhaltenen
Zinsen zurückzuzahlen seien. So wurde die Rückkehr von Kreuzzüglern
problematisch. Die Einschränkung, wenn sie befolgt worden war, hatte
zumindest den Stillstand des jüdischen Kapitals über länger Zeit zur
Folge, im schlimmsten Fall sogar die totale Konfiskation (was immer
mehr Verbreitung fand, mit der ausgeweiteten Bedeutung des Worts
"Kreuzzug" ab dem 13. Jahrhundert: Die Konfiskation wurde bei jeder Art
von Kampagne überall auf der Welt zum Brauch, wo der Papst sich
einmischte).
Natürlich
provozierte dies grosse Schwierigkeiten mit den jüdischen
Gläubigern. Auf die eine oder andere Weise begannen sich nach der
Verkündigung des zweiten Kreuzzugs die Wolken über den Juden Europas
zusammenzuziehen. Im Sommer 1146 predigte ein Zisterziensermönch, Radulf, heftig gegen die jüdischen Gemeinden im Rheinland. Er rief die Kreuzzügler zur Rache an "jenen
auf, die Jesus gekreuzigt hatten", bevor sie sich über die Muslime
hermachen sollten. Der geistige Führer des Kreuzzugs, *Bernhard
von Clairvaux, unterstrich gleichzeitig den theologischen Irrtum
und verbot jegliche Auswüchse gegen die Juden, die weder getötet noch
vertrieben werden durften. Obwohl die antijüdischen Ausschreitungen
schon vor dem Appell begonnen hatten, konnte er sie vor der Vertreibung
bewahren. Schlussendlich waren die Ausschreitungen viel weniger heftig
als beim ersten Kreuzzug.
Die Verfolgung
begann in Elul (August bis September).
Ein paar vereinzelte Juden wurden ermordet. In Köln
erkauften sich die Juden Schutz beim
Bischof, und es gelang ihnen, die Flucht in die Burg von Walkenburg
zu organisieren. Der Bischof ging sogar so weit, dass er den Anführer
des Mobs für die Tötung einer Anzahl Juden blenden liess. Es gab einige
Opfer in Worms und Mainz, aber über
20 in *Würzburg. Jüdische Gruppen suchten Schutz in
Schlössern und in den Bergen. In Böhmen verloren
ungefähr 150 ihr Leben, etwa gleich hoch war die Opferzahl in *Halle und *Korinth.
Wie beim ersten
Kreuzzug litten die Gemeinden Frankreichs
weniger als die des Rheinlands. Jakob b.
[ibn] Meir *Tam war mit einer Gruppe Kreuzzüglern konfrontiert, die
ihn an fünf Orten verletzten, in Eingedenk der Wunden, die Jesus
erlitten hatte. Aber ihm gelang mit Hilfe eines vertrauten Ritters die
Flucht. In England wurden die Juden in Ruhe gelassen.
Überall, wo Juden [Kol.1139]
zum Glaubenswechsel gezwungen worden waren,
wurde ihnen die Rückkehr zum Judentum ungestört erlaubt. Bis zum
nächsten Sommer war die Ordnung wieder hergestellt, und die jüdischen
Gemeinden hatten sich überall erholt.
Im Heiligen Land
hatte der Zweite Kreuzzug mit der Besetzung von *Ashkalon
geendet. *Benjamin von Tudela und *Pethahiah von Regensburg,
die das Kreuzzugs-Königreich um 1160 und 1180 bereisten, fanden
gut-etablierte jüdische Gemeinden in *Ashkalon, *Ramlah, *Caesarea, *Tiberias,
*Accra, unter anderen Orten, mit verstreuten Leuten,
die anserswo lebten: Es scheint, dass das jüdische Leben in Jerusalem
auf eine Hand voll Juden beschränkt war, auch wenn einige Jahre später Judah *Alharizi (1216) dort eine blühende
Gemeinde vorfand. Die *Samaritaner scheinen in *Nablus wie in Ashkalon und Caesarea
ungestört zu sein. Deshalb scheint es, dass die Krieger des Zweiten
Kreuzzugs die jüdischen Gemeinden relativ ungestört gelassen haben.
Gleichzeitig
hatte
das Lateinische Königreich unter
den Schlägen der Gegner einen Zusammenbruch erlitten. Als Jerusalem
1187 an Saladin fiel, erlitten die Juden in Europa die
Folgen der Niederlage. Es war schon zur Gewohnheit geworden, die Juden
zu belästigen, wo immer ein Kreuzzug in Aussicht stand. Im Jahr 1182
nahm *Friedrich I. in seinem Reich die Juden unter
seinen Schutz. Dafür bekam er - wie es der Brauch war - gründliche
Bezahlung für seine Umtriebe. Sobald die Nachricht über den Fall von
Jerusalem Europa erreichte, verbot er alle anti-jüdischen Schwüre und
erneuerte sein Schutzversprechen. Zu Beginn des Jahres 1188 warnte eine
Tragödie Mainz. Als Schlussfolgerung aus den
vergangenen Erfahrungen verliessen die Juden von Mainz,
Speyer, *Strassburg, Worms, Würzburg und anderswo ihre Städte, um in den nahen,
befestigten Schlössern Zuflucht zu suchen. Die wenigen Juden, die in Mainz blieben, widmeten ihr Leben in Gemeinschaft dem
Fasten; und m Verlaufe der Ereignisse verboten der Herrscher und sein
Sohn bei höchster Strafe jegliche Auseinandersetzung mit den Juden.
Jeder, der einen Juden tötete, sollte die Todesstrafe erwarten. Diese
Warnungen wurden durch die Bischöfe wiederholt, die Judenverfolgung mit
Exkommunizierung bedrohten. All dies hatte die Juden des reiches enorme
summen gekostet. Mehr als je zuvor wurden sie vom Goodwill und Launen
ihrer Meister abhängig.
Im
Januar kam
es im Hafen
von *Lynn zu ersten Missbräuchen, wo der Hauptteil der
jüdischen Gemeinde massakriert wurde. Dasselbe ereignete sich in *Norwich und *Stamford. In Lincoln wurden
die Juden durch die Intervention königlicher Gesandten gerettet. Der
schlimmste Gewaltsausbruch fand in *York statt, wo eine
Zahl lokaler Adliger, die bei Juden hoch verschuldet waren, die
Gelegenheit ergriffen, um ihre Bürde loszuwerden. Als die Juden
angegriffen wurden, flüchteten sie in das Schloss Keep,
das die Bewacher für sie geöffnet hatten; Jene, die in der Stadt
geblieben waren, wurden abgeschlachtet. Nun aber wurden die Juden im
Schloss Keep belagert. Am 16. März, am Vorabend zu
Pfingsten, realisierte Rabbi *Yom Tov b.
[ibn] Isaac von Joigny die Lage, dass jede
Hoffnung verloren war. Er bat seine Brüder, den Selbstmord einer Taufe
vorzuziehen. Zuerst verbrannten sie ihre Habe, dann tötete sich der
Reihe nach einer nach dem anderen. Mehr als 150 starben auf diese
Weise, und die wenigen Überlebenden wurden durch den Mob, die auch die
Schuldenregister der Juden zerstörten. In *Bury St. Edmunds
wurden 57 Juden getötet.
Als der König
ausserhalb des Landes war, wo er weder gegen die Gewalt
vorging noch konnte, da verliessen die Massaker-Anführer ebenso England für die Kreuzzüge. Es besteht kaum Zweifel, dass
die Juden in England am Glauben zweifelten, wenn man das Überleben im
Westen betrachtet. Die Auswanderung von 300 Rabbinern aus Westeuropa
ins Heilige Land im Jahr 1211 kann mit dieser
generelle Desillusion in Zusammenhang gebracht werden. Die Juden Westeuropas wurden während der Kreuzzüge im 13.
Jahrhundert nur wenig belästigt. Trotzdem kam es vor, dass Massaker
stattfanden, im zentralen Frankreich um 1236 während der Vorbereitungen
für einen Kreuzzug. Tatsächlich beschuldigte Papst *Gregor
IX. die Kreuzzügler, 2500 Juden abgeschlachtet zu haben.
Genau, als die
grosse Welle der Kreuzzüge abzuebben begann, litten die
jüdischen Gemeinden in Frankreich am meisten durch
Volks-Kreuzzüge, den von den *Pastoureaux (1320).
40.000 dieser "Schäfchen", durchschnittlich 16 Jahre alt und ohne klar
definierten Führer, marschierten vom Norden in den Süden Frankreichs.
Obwohl Papst *Johannes XXII. alle exkommunizierte, die
diesen nicht autorisierten Marsch unterstützten, hinderte dies die
neuen Kreuzzügler nicht daran, sich an Juden zu vergehen, so wie es
ihre Vorgänger getan hatten. Ihre Grausamkeit wurde speziell südlich
des Flusses Loire vermerkt, wo sie
ungefähr 120 Gemeinden zerstörten. Einzelne jüdische Gruppen hatten -
in der Hoffnung, beschützt zu werden - sich in die grösseren Städte
geflüchtet. Fünfhundert, die in der Stadt *Verdun-sur-Garonne
Schutz suchten, fanden dort den Tod. In *Toulouse gab
es 115 Opfer. In *Comtat Venaissin,
ein Ort, der direkt dem Papst unterstand, gab es viele Fälle von
Zwangsbekehrungen; der darauf folgende Versuch, zum Judentum
zurückzukehren, provozierte die sofortige Intervention der Inquisition.
Gleichzeitig erzeugte der Missbrauch der Pastoralen
[?] eine gewaltsame Reaktion bei den christlichen Autoritäten: Der
Gouverneur von *Carcassonne hatte sogar einige der
Ringführer exekutieren lassen. Jene, die die Pyrenäen nach Spanien
überquert hatten, wurden von Johannes II. von Aragon geleitet und dazu gezwungen, sich zu verteilen.
Alles in allem war dieses Ereignis für die jüdischen Gemeinden von Südfrankreich und Nordspanien ein
schwerer Schlag.
[Die
Folgen für die
jüdischen Gemeinden in Europa: keine Privilegien mehr]
Die
lange Zeit der Kreuzzüge markierte ohne Zweifel einen Wendepunkt in der
Geschichte der Juden im mittelalterlichen Westeuropa. Die Kirche selbst
wurde dadurch gezwungen, ihre Position zu überprüfen und neu zu
definieren, das durch die weitverbreitete Verfolgung der Juden
entstanden war. Natürlich war die Situation der Juden vor den
Kreuzzügen nicht frei von Gefahren: Die Feindlichkeiten der Christen
gegenüber Juden führte zu keinen neuen Entwicklungen und die Kreuzzüge
führten auch zu keiner Neubewertung der christlichen Doktrin. Trotzdem
war es vielleicht innerhalb der Welle des Ersten Kreuzzugs, dass Papst *Calixtus II. (1119-24) die Bulle Sicut
Judaeis [d.h. über die Juden] herausbrachte, die nach dem Zweiten
und Dritten Kreuzzug erneuert wurde, ebenso bei mindestens fünf anderen
Gelegenheiten zwischen 1199 und 1250. Diese Bulle setzte fest, dass den
Juden fast keine neuen Privilegien mehr gewährt werden sollten. Die
Rechte, die sie schützten, sollten ihnen auch nicht geraubt werden
können. Christen sollten sollten speziell dafür Sorge tragen, Juden
keinen Gefahren auszusetzen. Juden sollten nicht zwangsbekehrt werden
dürfen, und ihre Friedhöfe sollten nicht geschändet werden dürfen.
Natürlich galt der päpstliche Schutz nicht für Juden, die sich gegen
christliches Leben zusammenrotteten. Es genügte der Kirche, sie vor
Exzessen der Kreuzzügler zu schützen, speziell seit dem letzten. Ab dem
Moment, als sie den Standard des Kreuzes übernahmen, wurden diese
selbst unter Kirchenrecht gestellt. Die Juden ihrerseits beantragten
beim Papst, zu ihren Gunsten zu intervenieren: Deswegen befahl *Innozenz III. die französischen Bischöfe, speziell darauf
zu achten, dass die Kreuzzügler keinen Juden schadeten. Wie erwähnt
beschuldigte später Gregor IX. die Kreuzzügler der
Zusammenarbeit zum Judenmord: Ein solches Verbrechen, das im Namen der
Heiligkeit begangen wurde, konnte nicht ungestraft bleiben. Trotzdem
sollte es sich herausstellen, dass diese Befehle alle vergeblich waren,
obwohl es schwierig ist, mit einiger Genauigkeit die Massnahmen zu
bewerten, die mit Juden in Zusammenhang standen [Kol.1141].
Die
Bedeutung der
Kreuzzüge: [Die totale Verleumdung der europäischen Juden]
In
der jüdischen Erinnerung wurden die Kreuzzüge ein Symbol für den
Gegensatz zwischen Christentum und Judentum, und die Spannung durch die
Schutzmassnahmen wuchs gefährlich an, viel schlimmer als zu den Zeiten
des ursprünglichen Christentums. Die Diskussion blieb damals eine
theologische, soweit das der Fall gewesen war. Die Christen sahen die
Juden als unversöhnliche Feinde ihrer Lebensführung, und in dem Klima
des *Blutverleumdung [Juden sollen christliche Kinder
umgebracht haben] breitete sich die Unversöhnlichkeit weiter aus. Vom
12. Jahrhundert wird zum ersten Mal die Idee eines jüdischen Komplotts
gegen die christliche Welt ausgedrückt: Die Juden wurden beschuldigt,
dass Juden jährlich einen Christen opfern würden, und dass sie jährlich
eine Versammlung abhalten würden, um das Aussehen und den Namen des
Opfers zu bestimmen. In *Blois wurden im Jahr 1171 nach
einer solchen Anschuldigung alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde auf
dem Scheiterhaufen verbrannt, und im 13. Jh. folgten ähnliche
Beschuldigungen auch in Deutschland.
Die jüdische
Gemeinde fand in der Erinnerung an die Märtyrer eine
Quelle der Inspiration. Hoffnung auf eine unmittelbare Rache gab es
nicht. Das Massaker an den Unschuldigen wurde glorifiziert und mit dem
Opfer von Isaak verglichen. Der Selbstmord der
Märtyrer wurde als ein kollektiver Akt für die Heiligsprechung des
Heiligen Namens gesehen. Die Erinnerung über das schreckliche Elend
blieb nicht eine bittere, sonder die Erinnerung wurde ein Beispiel der
wahren Gnade und Unterwerfung unter Gottes Willen. Für die folgenden
Generationen waren die Märtyrer ein Objekt der Anbetung und sogar von
Neid, denn sie waren die Generation gewesen, die von Gott zu einem Test
ausgewählt worden war, und sie hatten ihre Wahrhaftigkeit bewiesen. Ein
Mann im wahren Glauben sollte ihm ähnlich werden. Deswegen wurde es für
Juden wichtig, das Gedenken an die Opfer hochzuhalten, es immer wieder
zu erzählen, und davon inspiriert zu werden. Eine Anzahl von piyyutim wurden dabei in die Liturgie eingefügt, speziell
für den neunten *Av. Die gebetsmässige Erzählung über
das Massaker wurde in den westlichen Gemeinden ein Brauch: Av ha-Rahamim. am Sabbath vor Shavuot, und speziell
im Gedenken an ihr Opfer in der Fastenzeit des neunten von Av, der die
Zeit des Massakers ausmachte. Die Zeit der Berücksichtigung der *omer [?] bekam eine speziell sorgenvolle
Bedeutung.
Es war
vielleicht
diese Zeit, die dem aus Mainz zu
stammenden Brauch zum Durchbruch verhalf, die Taten der Märtyrer am
Gedenktag in der Öffentlichkeit zu rezitieren, und in einem *Memorbuch an ihre Namen und an die Daten zu
erinnern. Die meisten weit bekannten Märtyrer und die am meisten
betroffenen Gemeinden und Regionen wurden in den Memorbüchern aller Gemeinden aufgelistet, also nicht
nur lokal. Die Märtyrer wurden ein Symbol für das ganze Volk, nicht nur
für die eigenen Gemeinden; Sie wurden mehr als nur ein Objekt des
Stolzes. Sie wurden ein gemeinsames Ideal, in dem die ganze jüdische
Gemeinde trotz aller Erniedrigungen Inspiration finden konnte. Ihr
Martyrium wurde in einen Sieg umgeformt [Kol.1142],
denn sie hatten
Qualen erlitten. In ihrem Schicksal fanden sie die nötige Stärke, den
Tod der Abtrünnigkeit zu bevorzugen. Sie hatten lieber den Tod als den
Übertritt zu einem anderen Glauben gewählt, sogar wenn letzteres nur
vorübergehend nötig gewesen wäre. In ihrem Martyrium lag die wirkliche
Legitimation der Leiden des jüdischen Volkes. Spirituelle Kraft führte
zu stärkster Kraft, und die Märtyrer wurden als Demonstration des
absolut wahren Judentums angesehen.
|
"Cristian" ruins in Palestine
|
|
Encyclopaedia Judaica:
Crusades, Band 5, Kolonne 1143: Krypta St.
Johann in Akkon, Nord-Israel. Die Halle wurde im 13. Jahrhundert von
den Rittern des Johanniterordens als Speisesaal benutzt. Presseagentur
der Regierung, Tel Aviv.
|
Encyclopaedia Judaica:
Crusades, Band 5, Kolonne 1143: Ruinen der Kreuzfahrerfestung Castellum
Pelegrinorum, gebaut von den Tempelrittern im Jahre 1218 in Atlit,
heute nördliches Israel. Foto vom Israelischen Departement für
Geschichte und Museen, Jerusalem (Israel Department of Antiquities and
Museums, Jerusalem).
|

Encyclopaedia Judaica: Crusades, Band 5, Kolonne 1145: Engel mit
Flügeln in einem Relief, das in den Ruinen des Kreuzfahrerschlosses
Belvoir gefunden wurde (heute Kokhav ha-Yarden), 1138-1140 C.E. Foto
vom Israelischen Departement für Geschichte und Museen, Jerusalem
(Israel Department of Antiquities and
Museums, Jerusalem). |
[Wiederaufbau
der
jüdischen Gemeinden]
Schlussendlich
haben die Massaker, die mit den Kreuzzügen einhergingen, nicht die
schlimmste Verfolgung, die die Juden betraf. Die zerstörten gemeinden
im Rheintal wurden schnell wieder aufgebaut: Worms,
Speyer, Mainz, Köln und Trier
konnten schnell ihre frühere Bedeutung zurückgewinnen. Die jüdische
Gemeinde im französischen Königreich, litt während der Kreuzzugszeit
zumindest im Norden kaum. In England machten die königlichen
Regierungen der lokalen Verwerfungen bald ein Ende. Aber sicherlich
behielten die westeuropäischen Juden in dieser Zeit ihr
Sicherheitsgefühl in die Gegenden, wo sie wohnten: IN den Jahren 1096
oder 1146 fand keine grosse Auswanderung statt. Die Mehrheit von ihnen
konvertierte gezwungenermassen, konnten aber zumindest
bis zum Kreuzzug von Pastoureaux leicht zum Judentum
zurückkehren. Es scheint, dass die aktuelle Anzahl westeuropäischer
Juden in dieser Zeit angewachsen ist und mehrere Gemeinden grösser
geworden sind. Für die jüdische humanistische Bildung war das 12.
Jahrhundert eines der erfolgreichsten im Westen: Es war die Zeit der Tosafisten, die in Frankreich und Deutschland erneuert wurde. Personelle Bindungen zwischen
Juden und Christen veränderten sich offensichtlich ein wenig: Erst im
13. Jahrhundert bekamen sie eine neue Qualität. Es sollte sich
erweisen, dass die Kreuzzügler selbst keine entscheidende Rolle in der
Entwicklung der Bedingungen der Juden in Europa spielen konnten. In
weiterem Kontext gesehen sind sie nur ein Teil im Ganzen, obwohl sicher
kein vernachlässigenswerter Teil.
Bei allen
Ereignissen offenbarten die Kreuzzüge die physische Gefahr,
in denen die jüdischen Gemeinden standen, und die Wichtigkeit des
kirchlichen Schutzes, um sie zu verteidigen. Beim Ausbruch einer neuen
Attacke wurden die Juden in die Arme derjenigen getrieben, die die
einzige Macht zum Schutze hatten: Herzog, König oder Kaiser; und diese
weltlichen Beschützer überlegten, dass sie eine Pflicht zum Schutz der
Juden nur insoweit hatten, dass sie eine Belohnung dafür erhielten. Die
Kreuzzügler ermunterten die Juden auch, in die befestigten Städte zu
ziehen, wo sie im Moment eines Angriffs weniger verwundbar waren. Die
Reaktion auf das jüdisch-ökonomische Leben waren auf ihre Weise
zerstörerisch.
Die einstige
einmalige Position der Juden als Vermittler zwischen Ost
und West wurde unterminiert [Kol.1143];
fortan wurde es für westliche
Händler üblich, zwischen den beiden Welten selbst zu reisen, während
zur gleichen Zeit der Anstoss zum religiösen Fanatismus den Weg der
jüdischen Händler gefährlicher werden liess. Folglich waren es die
Kreuzzüge, die das Ende der Blüte - auf einen Schlag - der
international tätigen jüdischen Händler markierten. Zur gleichen Zeit
gaben sie einen Impuls ipso facto gegenüber der
ökonomischen Degradierung der Juden und zur Neuausrichtung insofern,
als Westeuropa betroffen war, indem der Geldleiher in der christlichen
Welt neue Anerkennung fand (siehe *moneylending). Zum
Teil geschah dies wegen der sofortigen Bedürfnisse, ein neues
Betätigungsfeld für ihre Gelder zu finden, zum Teil wegen der
wachsenden Bedürfnisse der Kreuzzügler, rasch Geld für ihre Ausrüstung
zur Verfügung zu haben, die sie auch auf der Reise trugen. Von jetzt an
wurde der jüdische Geldleiher deshalb eine typisch jüdische Figur in
Westeuropa.
Die Kreuzzügler
und
ihre
damit verbundene Degradierung wurden fest in das historische
Bewusstsein der Juden eingebrannt. Diese Zeit wurde im Volksbewusstsein
herausgehoben als der Start einer Erklärung für das Unglück der Juden,
obwohl de facto die Exzesse nur symptomatisch für einen Prozess waren,
der schon früher in Gang gesetzt worden war. Die Kreuzzüge markierten
auf verschiedene Weise einen Wendepunkt in der Geschichte der
westlichen Welt, und dies kam auch in der jüdischen Geschichte zum
Ausdruck. Tatsächlich hat die Geschichte der Juden im Rheinland und
Zentraleuropa eine Stetigkeit, wenn man es nur von diesem Gesichtspunkt
betrachtet. Das allgemeine Bild musste dafür durch zusammengesammelte
Bruchstücke und Dokumente erst gezeichnet werden. Von nun an ist die
Erinnerung mehr oder weniger abgestützt und komplett. Wenn man die
gesamte Geschichte betrachtet, so ist es erst zu dieser Zeit, wo die
Unterlagen zu Massakern wie im Rheinland von 1096 so
erhalten sind. Die jüdische *Historiographie oder
zumindest Chronologie beginnt zu diesem Zeitpunkt mit der
Arcchivierung, auch wenn früher schon Bruchstücke aus früherer Zeit
abgelegt sind.
Die Geschichte,
die
nun entspannen sollte, war eine tragische. Obwohl
in der europäisch-jüdischen Geschichte Daten für Gewalt und Verfolgung
oft bekannt sind [Kol.144],
begann nun eine Zeit mit immer
wiederkehrenden Massakern und Verfolgung, die das Experiment,
europäischer Jude zu sein, jahrhundertelang begleitete. Die
hochgehaltene Religiosität des Zeitalters brachte eine verschärfte
anti-jüdische Diskriminierung hervor, und eine Demütigung, die in den
Gesetzen des vierten *Lateraner Konzils von 1215
gipfelte.
Die Chroniken
von *Salomon b. Samson, *Eliezer
b. Nathan von Mainz, *Ephraim b. Jacob von Bonn, *Eleazar b. Judah von Worms, und viele andere, deren Namen nicht bekannt sind,
beschreiben die Ereignisse der Kreuzzüge, die Szenen der Massaker, und
die Martyrien. Sie müssen auch als Basisquellen betrachtet werden, von
denen statistische Zählungen über die Kreuzzüge beginnen müssen. Indem
sie diese Ereignisse beschrieben haben, haben sie ihre Bedeutung
erhöht, aber dadurch auch ein Ideal des Verhaltens geschaffen, das
dauernd an den Geist appellierte, wann immer schwere Verfolgung die
Juden betraf.
Siehe
auch *History; *Israel (History)
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[S.Sch.]> [Kol. 145]