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Paracelsus gegen die Viersäftelehre (1494-1541). Chronologie

 
von Michael Palomino (2005)

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Paracelsus Portrait jünger Paracelsus Portrait älter

aus:

Pirmin Meier: Paracelsus. Arzt und Prophet. Annäherung an Theophrastus von Hohenheim; Ammann Verlag, Zürich, 3. Auflage 1993


Kommentar
Die Chronologie stellt dar, wie sich der hervorragende Arzt Paracelsus in Provokation und Polemik verfängt und von der Umwelt immer wieder verjagt wird, obwohl seine Lehre der Welt einigen Fortschritt bringen würde. Erst nach seinem Tod beginnt sein Ruhm, begleitet von Missbrauch ab der Zeit des Nationalismus und Nationalsozialismus, begünstigt durch die Polemik über "Deutschtum" und Hasstiraden gegen Juden. Licht und Schatten liegen bei Paracelsus sehr nahe beieinander.

Michael Palomino
Februar 2005



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Inhalt

1. Allgemeine Angaben über Paracelsus
2. Die Medizin vor Paracelsus
3. Familie, Geburt und Schulung von Paracelsus: Einsiedeln, Egg und Villach

4. Wanderzeit von Paracelsus - Feldchirurg in Kriegen - Provokationen - das Wort "Chemie" - Reformation und Wiedertäuferwahn
5. Paracelsus in Salzburg - Wanderarzt
6. Paracelsus in Strassburg - Chirurgie

7. Paracelsus in Basel - der erste Schülerstamm
8. Paracelsus in Colmar und Süddeutschland
9. Paracelsus in Nürnberg - das Publikationsverbot

10. Paracelsus in St. Gallen - Bücher - Gegenreformation - ein Komet - ein Regenbogen - die Auslegungen
11. Paracelsus auf der zweiten Wanderschaft

12. Paracelsus in Kärnten - wichtige Publikationen - Tod in Salzburg
13. Die medizinische Entwicklung nach Paracelsus
14. Der Nationalismus und der Nazismus nutzen Paracelsus - Paracelsus-Gesellschaften - neueste Forschung - Paracelsus in der Literatur


Chronologie



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1.
Allgemeine Angaben über Paracelsus

Die Namen über Paracelsus
-- auch genannt: "Luther der Medizin" (S.7)
-- auch genannt: "der "Landfahrer aus Einsiedeln" (S.8)
-- in den Quellen wird Paracelsus am meisten als "Doktor Theophrastus" bezeichnet, auch als "Theophrastus von Hochenheim" (S.19)
Die menschliche Einstellung von Paracelsus

-- selbst verspottet Paracelsus seine deutschen Arztkollegen als
oo  "deutsche Esel"
oo  "deutsche Narren"
oo  "Doktor Fürtzli" (S.7)

Das Selbstbild von Paracelsus
-- Paracelsus sieht sich selbst als "hässlichen, verkrümmten Sohn seiner Mutter" (S.102)
-- Paracelsus ist ein anerkannter Frühpazifist, wie Erasmus und Sebastian Franck (S.105)
-- Paracelsus ist zuerst Leibeigener, dann rastloser Wanderer, Kämpfer gegen die herrschenden wissenschaftlichen, religiösen und politischen Autoritäten, gleichzeitig auch ein Schlemmer (S.121)

-- Aufwachsen in rauem Bergtal mit rauschendem Wildbach (S.121), dann Patriot (S.121-122)
-- Paracelsus verwirklicht eine religiöse Existenz als prophetischer Bibelinterpret und Laientheologe mit Ansätzen in Soziologie, Pädagogik und Ökologie (S.122)

Der Name "Paracelsus"
ist gemäss Karl Bittel wahrscheinlich 1528 ein Jahr nach der Vertreibung aus Basel bei einer Tafelrunde in Colmar entstanden, ein humanistisch inspirierter Saufname: "der Erhabene" (S.200).

Der Beiname "Bombastus"
-- der Name "Bombast von Hohenheim" ist ein ritterliches Erbe, auch ein Mittel gegen Verarmung bis zur Leibeigenschaft
-- seit 1270 ist der Zuname "dictus Bombast" bezeugt (S.200)

-- dann haben die Bombaste das Schloss Hohenheim eine Zeit lang als Lehen in Esslingen und Plieningen bei Stuttgart
-- im 15. Jh. existiert ein Ableger der Bombaste in Riet im Strudelbachtal, heute Teil von Vaihingen an der Enz (S.201) mit einer "Paracelsusstrasse" und mit Stolz auf die Abstammung (S.202).

Der Beiname "Aureolus" ("der Goldene")
-- ist wahrscheinlich im Zuge eines Aristotelismus aufgekommen: Paracelsus will dem Aristoteles-Schüler Tyrtamos von Eresus, genannt Tirthemii Theophrasti, sich selbst entgegenstellen als Aureolo Theophrasto
-- eventuell ist die Bezeichnung "Aureolus" auch ein verzweifeltes Selbstlob nach dem Publikationsverbot von Nürnberg
-- in späteren Editionen ist der Beiname "Aureolus" fester Bestandteil des Namens (S.199).

Die angebliche Keuschheit von Paracelsus - Gerüchte um die Mutter von Paracelsus
-- die Paracelsus-Forschung behauptet, dass Paracelsus sein ganzes Leben lang keusch geblieben sei (S.138)
-- Thomas Erastus, ein Paracelsushasser, streut das Gerücht, Paracelsus sei beim Gänsehüten durch einen Soldaten boshaft sexuell verstümmelt worden
-- oder man behauptet, Enten hätten Paracelsus als Kind die Hoden abgefressen

-- oder Theodor Zwinger streut das Gerücht, Paracelsus sei als 5-Jähriger beim Pinkeln von hinten von einem Schwein angefallen worden und das Schwein hätte ihn durch einen Biss "entmannt" (S.139)
-- Pirmin Meier vermutet auch die Möglichkeit einer angeborenen Impotenz (S.139).
-- Paracelsus schildert sich als einer Frau unwürdig:

Er wird keine Frau haben, weil er hässlich sei mit Buckel und "krumm geboren [...] wie können die Frauen einem hold sein, dem seine eigene Natur nit hold ist, und hat ihn im Mutterleib verderbt und nichts Gutes aus ihm gemacht!" (S.139)

-- scheinbar ist die Mutter mit Paracelsus nicht zimperlich umgegangen... (S.139)

-- aber gleichzeitig existiert die Sage, bei der schweren Geburt von Paracelsus habe die Mutter Hohenheim gevierteilt werden müssen (S.139)

-- andere Verfasser geben der Mutter von Paracelsus den Status einer "Spitalvorsteherin" bzw. "Aufseherin" in einer Herberge für kranke Pilger in Einsiedeln, weil aus "Gotteshausfrau" ein "Gotteshaus" herausgelesen werden kann, das ein Spital darstellt (S.141)

-- fest steht nur, dass die Mutter eine "Gotteshausfrau" war (S.140)

-- angeblich hatte Paracelsus eine erste Frau im Leben: Els Ochsner (S.140)

Alchimie
-- heisst Arbeit mit dem Licht der Natur "arcana"
-- heisst nicht Goldmachen (S.38), sondern mit Arzthonoraren Gold produzieren bzw. Vermögen anhäufen (S.45)





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2.
Die Medizin vor Paracelsus

Medizin der Antike: Das Zeichensystem für Hautentzündungen
Die Einteilung ist schematisch und gilt den Medizinern wie ein Leitfaden:
-- rubor - Rötung
-- dolor - Schmerz
-- calor - Erwärmung
-- tumor - Schwellung (S.250,251).

Solche Schemata gelten auch für andere Erkrankungen, so dass die Medizin am menschlichen Körper vorbeipraktiziert, weil man am Schema nichts verändern darf (S.250).

Die Einteilung der Medizin zu Beginn der Neuzeit
Dreckapotheke - Altweibermedizin - Bauernmedizin - Zigeunermedizin (S.51-52).

Man unterscheidet (z.B. Huldrych-Koelbing)
-- mittelalterlich-humanistische Bibliotheksmedizin (Hippokrates, Galen, Celsus, Avicenna)
-- Krankenbettmedizin (Paracelsus, mit dem Kranken und Gesunden im Mittelpunkt)
-- moderne Labormedizin (Nobelpreisträger und ihre namenlosen Helfer) (S.101).

Begriff "Substanz" - die "4-Elemente-Theorie"
-- um den Begriff "Substanz" herrscht eine philosophische Diskussion "ens in se" ("eins in etwas"), das In-sich-Seiende
-- dieses "eins in etwas" besteht aus 3 Wesenselementen: Sal, Merkur und Sulphur als dynamische Grundstruktur
-- es stellt sich in der ganzen Philosophie wie bei Paracelsus die Frage nach dem "woher?", von wo kommt die Grundsubstanz? Woraus besteht alles? Welches ist das herrschende Prinzip? (S.99)

-- Thales behauptet, die Grundsubstanz sei das Wasser
-- Heraklit behauptet, die Grundsubstanz sei das Feuer
-- Anaximes behauptet, die Grundsubstanz sei die Luft
-- Anaximander behauptet, die Grundsubstanz sei das so genannte Unbegrenzte: das Apeiron (S.99)
-- Empedokles von Akragas begründet sodann die 4-Elemente-Theorie mit Zusammenfassung aller vorhergehenden Theorien (S.99-100).

Das Vorbild Roger Bacon, Franziskanermönch (1214-1294)
-- Bacon hat gemäss Paracelsus die Basis von Erfahrenheit und Vernunft
-- Bacon führt ein Leben lang einen Kampf mit scheinbarer Erfolglosigkeit
-- Bacon orientiert sich an Albertus Magnus und Arnaldus de Villanova
-- Bacon appelliert an die Ganzheitlichkeit der Lebensbereiche:
"Keine Wissenschaft ist für sich allein genommen nützlich. Jede ist Teil eines organischen Ganzen."
-- Bacon wird erst im 17. Jh. wirklich überall anerkannt, wie Paracelsus auch (S.229).

Die "Viersäftelehre"
-- sieht Gesundheit als Harmonie / Synkrasie der 4 Säfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle
-- Krankheit bricht aus bei Unausgewogenheit und Störung der Harmonie der Säfte (S.104)
-- aus Nasenlöchern fliesst das so genannte Phlegma (S.147)

-- Prinzip Eukrasie (Wohlmischung)
-- Prinzip Dyskrasie (Fehlmischung)
-- Dogmatik der Komplexionen der Zuordnung verschiedener Eigenschaften der Säfte:
oo  Blut - feucht-warm
oo  Schleim - kalt-feucht
oo  gelbe Galle - warm-trocken

oo  schwarze Galle - kalt-trocken (S.229)

Beispiel Hautkrankheiten
-- verderbte Säfte sollen blütenähnliche Hautaffektionen hervorbringen (S.250).


Die "heilige Dreifaltigkeit" von Ulmannus: die Basis der "Alchimie"
-- 1415-1419 schreibt der Franziskaner Ulmannus das "Buch der heiligen Dreifaltigkeit" über "Körper-Seele-Geist" als Basis der drei Daseinszustände und als Basis der Alchimie, im Gleichnis mit
-- stein (Stein der Weisen, Merkur)
-- olei (Sulphur)
-- carvunculus (Sal (S.108)


-- gemäss Pirmin Meier bewegt sich Ulmannus im Grenzbereich von Esoterik, Mystik, Alchimie und Wahnsinn
-- Ulmannus ist nur schwer verständlich und Grammatik und Orthographie sind kaum befolgt
-- dies kann gemäss Meier eine Tarnung von Geheimwissen sein, oder aufgrund von geistigen Absenzen und Ekstasen passiert sein (S.108)
Parallel dazu arbeiten an Sulphur und Merkur auch Arnaldus de Villanova und Michael Scotus (S.108).

-- ab 1419 ca. ist das Werk "Buch der heiligen Dreifaltigkeit" ein Prestigewerk für Reiche und Sammler
-- es ist nicht sicher, dass Paracelsus von diesem Buch Kenntnis hat (S.108).


"Utopia" von Thomas Morus
Thomas Morus, Freund von Erasmus, definiert erstmals eine Insel "Utopie" als "Land der Kunst und Wissenschaft" (S.110).


Petrus von Numagen: Das Fasten von Niklaus von Flüe - Fasten als chemischer Vorgang
1483 erscheint in Trier ein Buch von Spätscholastiker Petrus von Numagen über das Fasten von Niklaus von Flüe
-- bleibt ungedruckt (S.123)
-- ist die erste medizinisch-alchemisch Theorie zum Fasten überhaupt (S.123-124)
-- dürfte Paracelsus nicht bekannt gewesen sein (S.124).


-- Petrus von Numagen ist stark geprägt durch (S.136-137)
oo  ängstliche Scholastik
oo  durch die alte Viersäftelehre
oo  durch die Lehre vom Pneuma (neuplatonische Ideologie) (S.137)


aber:
-- Numagen hat eine treffliche Intuition
-- Numagen liegt partielle richtig (S.137).


Der Begriff "Arcanum", plural "Arcana"
-- generell: ein Stoff mit einer Wirkung, die nur Gott vollbringen kann (S.277-278)
-- Paracelsus gibt eine eigene Theorie der Arcana im Werk "Archidoxen", vermutlich 1526/27 oder früher verfasst (S.279)
-- gemäss Medizinhistoriker Adrien Philippe in "Geschichte der Apotheker bei den wichtigsten Völkern der Erde" von 1858 hat der Begriff "Arcanum" bei Paracelsus eine noch engere Bedeutung


oo  der Begriff meint zunächst "alles, was den wesentlichen Grund der Krankheit beseitigt, zum Beispiel die Heilkraft der Natur selbst"

oo  des weiteren aber: "Vorzüglich aber heissen 'Arcana' solche Substanzen, welche durch die geheimen ihnen innewohnenden Heiltugenden, durch magische Kräfte, erschossen von der Kunst der Alchymisten, hauptsächlich durch die alles Körperliche beseitigende Kraft des Feuers, auf directem Wege die Krankheit beseitigen." (S.278)

Regenwürmer
-- sind Bestandteil im "Kontrakturenbuch" von Paracelsus
-- sind Bestandteil einer Wundsalbe in der "Grossen Wundarznei" (S.51)
-- in der Volksmedizin gelten Regenwürmer als schmerzlindernd, je nachdem in verschiedener "Form" eingesetzt: lebend, zerhackt, gebraten, zerstossen, pulverisiert oder gedörrt (S.52).


Zigeunergerüchte, die nicht stimmen
-- Chronist Rütiner bezeichnet Paracelsus als "Zigeunerfreund"
-- Chronist Rütiner behauptet, Paracelsus sei mit dem "Zigeunerkönig von Lömmenschwil" bekannt, ein Kesselflicker, Vergolder (S.55)
-- aber 5 Jahre mit Zigeunern gelebt hat Paracelsus sicher nicht (S.53)


Textstellen, wo Paracelsus Zigeuner erwähnt
-- in "Astronomia Magna" (1537) bekräftigt Paracelsus im Vorwort, er sei "kein zauberer, kein heid, kein zigeuner" (S.53)


-- in "Grosse Wundarznei" erwähnt Paracelsus einen Zigeuner, der einen Heilsaft gegen "Leibstich" abgibt, der aber eher zufällig zu wirken scheint

-- in "Liber de imaginibus" erwähnt Paracelsus einmal Zigeuner von Ägypten als Beherrscher des "Buchstabenzauber", zusammen mit den analphabetischen Bauern

-- in "Liber de fundamento" erwähnt Paracelsus ein Zigeunerzentrum im Entlebuch und im Muotatal mit Weisheiten und Kontakten nach Ägypten, zusammen mit Bauernweisheiten (S.54).

Jüdische Ärzte
sind gemäss der Wundarznei "Bertheonea" von Paracelsus oft Betrüger und werden gemäss Paracelsus mit Ruten aus Deutschland ins Welsche und umgekehrt vertrieben (S.54).




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3.
Familie, Geburt und Schulung von Paracelsus: Einsiedeln, Egg und Villach

Kloster Einsiedeln als "Gnadenort"
-- "Maria Einsiedeln" ist für den ganzen oberdeutschen Raum ein christlicher "Gnadenort"
-- oft werden die Reisen mit einem Besuch beim fastenden Niklaus von Flüe kombiniert (S.203).

1481
Tübingen: Studienort von Vater Wilhelm von Hohenheim
wird als "pauper" / "arm" eingetragen (S.202).

1490 ca. ?
Zuzug von Hohenheims in die Region Einsiedeln
Leiter des Klosters Einsiedeln ist Abt Konrad von Hohenrechberg (S.203).

ab 1493
Syphilis: Ausbreitung nach der Rückkehr des Kolumbus - andere Theorien zur Syphilis
[-- einige Indianer und Indianerinnen, die Kolumbus als "Geschenk" für den spanischen König mitgebracht hat, sind Träger der Syphilis]
-- für die Medizin wird die Syphilis zur Herausforderung des Jahrhunderts
-- rasende Ausbreitung, schneller als die spanische Eroberung "Amerikas"
-- die lebenslustige und leibfreudige Epoche in Europa wird durch die Syphilis beendet (S.252)

-- Ausbreitung der Seuche über die Pyrenäen nach Südfrankreich (
-- erster Höhepunkt der Syphilisausbreitung 1494 beim Italienfeldzug von König Karl VIII. mit Ansteckung erster Schweizer [die als Schläger-Söldner in den Heeren dienen] (S.252).

Bezeichnungen für die Syphilis: immer nach dem Nachbarn
Syphilishistoriker Iwan Bloch findet 525 Bezeichnungen:
-- in Spanien heisst die Syphilis "Neapolitanische Krankheit "(S.252)
-- in Deutschland: "Französische Krankheit"
-- in Holland und England: "Spanische Pocken"
-- in Polen: "Die Deutsche"
-- in der Türkei: die "Christliche Krankheit" (S.253)

-- in Frankreich: medizinische Bezeichnung als die "Venerische Krankheit"
-- erst um 1520 kommt durch Girolamo Fracastaro die mythologische Bezeichnung "Syphilis" auf (S253).

19.8.1493
Tod von Kaiser Friedrich III. - die Eidgenossenschaft gehört noch zum Reich
(S.195)

1494
Geburt von Paracelsus in Egg an der Sihl
-- im Herrschaftsbereich des Klosters Einsiedeln (S.9) in einem der Häuser bei der Teufelsbrücke (S.197-198)
-- es ist kein genaues Datum registriert: 10.11., 14.11., 10.12., 17.12. sind im Umlauf (S.198)
-- als Sohn "Theophrastus" eines deklassierten schwäbischen Niederadligen: Wilhelm von Hohenheim, und einer Schweizerin (S.9)
-- der Vater Wilhelm von Hohenheim ist der erste Arzt in Einsiedeln mit Lizentiat-Abschluss (S.196)

Das Kloster Einsiedeln im internationalen Kirchenkontext

-- Einsiedeln ist eine Station nach Santiago de Compostela
-- nach Einsiedeln strömen in "guten Jahren" bis über 100'000 Pilger (S.198)
-- im Jahr 1494 findet in Einsiedeln eine Engelweihe statt: "Hochfest" (S.198)

1499
Schwabenkrieg: Die Eidgenossenschaft tritt faktisch aus dem Reich aus
->> Vater Wilhelm von Hohenheim sieht sich plötzlich als Ausländer und in "Feindesland" (S.205).

1500 ca.
Umzug der Familie Hohenheim nach Villach, Kärnten
spätestens 1502 (S.9,205); Generell ist die Schweiz für Paracelsus die erste Heimat, Kärnten die zweite Heimat (S.74).

1501
Familie Hohenheim ist nicht mehr in Einsiedeln im Urbar eingetragen
(S.205)

Kindheit und Jugend in Villach: Bergwerke und Wissen über Metalle
-- eventuell wird Paracelsus in den Bergwerken bei Villach ausgebildet, was Grundstein ist für die Kenntnisse über Metalle wie Zink, Antimon, Arsen, Kobalt, Quecksilber etc.

-- Paracelsus lernt dort wahrscheinlich auch die Krankheiten der Mineure kennen:
oo  Bergsucht
oo  "Lungenschwienen"
oo  Hüttenkatze
oo  Quecksilberrauch
oo  Bergmannskrankheit (S.208)

Metallkrankheiten bei Bauern, beim Getreide und beim Vieh
-- die Stollen und Schmelzwerke werden in einer Art Goldrausch vielfach ohne Rücksicht auf die in der Umgebung tätigen Bauern angelegt

-- schon 1495 machen die Bauern um Salzburg Beschwerde mit der Schrift "Vermerkt die beschwärung und mengel, so die landtschaft, geistlich edl und unedl von dem pergwerk haben" (S.312):

oo  Rösten und Schmelzen des Roherzes findet auf den Feldern, auf Getreideäckern und auf Wiesen statt, was Getreide und Futter verdirbt (S.312-313)
oo  das Vieh stirbt am Hüttenrauch bzw. an arsenhaltigen Emissionen aus den Schmelzhütten, die ins Futter gelangen

-- Grundstücke bei den Bergwerken werden einfach beschlagnahmt, Wasser wird aus Bächen abgeleitet; in der Folge entstehen grössere Landschäden
-- die Bergwerke verbrauchen grosse Holzmengen
-- die Bauern bekommen kaum Entschädigungen (S.313)

aus: Dopsch, Heinz / Koller, Fritz: Umweltschutz, Energie und Arbeitsmarkt - "Moderne" Wirtschaftsprobleme in früheren Jahrhunderten am Beispiel Salzburgs; In: Bauer, Dolores M. / Virt, Günter: Für ein Lebensrecht der Schöpfung. Analysen, Visionen und Strategien zur Bewältigung der Umweltkrise. Salzburg 1987, S.186

Erst in der Mitte des 16. Jh. (1561) werden Vorschriften für Bergwerke und Schmelzwerke eingeführt (S.313).

ab 1502 ca.
Paracelsus profitiert von dem medizinischen Kenntnissen seines Vaters Wilhelm von Hohenheim
was Paracelsus in seinen Schriften immer wieder erwähnt (S.272). Wahrscheinlich liest der junge Bub Theophrastus (später Paracelsus genannt) auch viele medizinischen Werke, die beim Vater stehen, z.B. von Heinrich Pfolsprundt "Bündt Ertznei" von 1460 (auch: Phaltzpingen, Pfolspeint oder Pfolspeundt) (S.271)


1510-1515 ca.
Studienzeit - die Universitäten in Italien
-- Padua und Ferrara sind die hervorragendsten Schulen, Padua aristotelisch-scholastisch, Ferrara platonisch-humanistisch (S.211)


-- Pirmin Meier: "Aus dem Süden kommen die Impulse, aus welchen die ärztliche Kunst ihre Erneuerung erfährt." (S.271)

-- in Ferrara existiert ein "Deutsches Haus", wo auch Christoph Clauser (später Stadtarzt in Zürich) und Wolfgang Thalhauser studieren (S.211,212)

-- Ferrara ist auch Studienort von Nikolaus Kopernikus aus Krakau (S.212-213)

-- in Ferrara lehren zwei Kapazitäten der Medizin: Niccolo Leoniceno (1428-1524) und Giovanni Manardi (1462-1536) (S.212)

-- es sind Pioniere bei der Syphilisforschung, auch von Vadian [Stadtarzt von St. Gallen] bewundert

-- aber Ferrara arbeitet immer noch nach der Galenischen Bibliotheksmedizin (S.212)

-- Manardi fällt auf durch radikale Kritik an Plinius und durch Ablehnung der arabischen Kultur mit dem Vorwurf, die Araber hätten die Werke von Galen und Hippokrates verstümmelt (S.212)

1515 ca.
Ferrara: Paracelsus promoviert angeblich zum Dr. der Medizin
Zumindest sprechen starke Indizien für einen Dr.-Titel (S.9):
-- Thalhauser spricht in einem Empfängerbrief Hohenheim als "Doktor" an (S.211)
-- Clauser, Stadtarzt in Zürich, ein Paracelsusgegner, bestreitet den Dr.-Titel von Paracelsus nie (S.212).


Kenntnisse über das Fasten
Wahrscheinlich ist der Abt Trithemius von Sponheim (1460-1516) ein "Lehrer" von Paracelsus (S.123). Dort erwirbt sich Paracelsus Kenntnisse über die Vorgänge beim Fasten (S.124).


Kenntnisse in Philosophie
-- Ausbildung in Literatur, Kenntnisse von Hippokrates, Macer, Iuvenal, Terenz, Horaz, Vergil, Ovid etc.
-- Paracelsus verwendet dieses Wissen z.T. humoristisch immer wieder in seinen Werken (S.210).


1515 ca.
Buch von Ulrich von Hutten zur Syphilis: Holzkur mit Guyakholz ("lignum sanctum") - Profite
-- ab diesem Zeitpunkt gilt die Holzkur als "anerkannte" Heiltherapie gegen Syphilis
-- es entwickelt sich bei den Handelshäuser eine Goldgräberstimmung im Pharmahandel mit Guayakholz, darunter auch die Handelshäuser der Fugger und Welser (S.235).




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4.
Wanderzeit von Paracelsus - Feldchirurg in Kriegen - Provokationen - das Wort "Chemie" - Reformation und Wiedertäuferwahn

ab 1515 ca. 
Paracelsus ist Feldchirurg
in Oberitalien, NL und DK im Gefolge des dänischen Königs Christian II. bei der Belagerung von Stockholm (S.9).
Astrologie wird Paracelsus' Broterwerb, wie es auch bei Dr. Faustus der Fall ist (S.57).


1515-1524
Paracelsus ist auf Reisen
-- u.a. Litauen, PL, Rhodos, Walachei, Slowenien, F, Sp, Portugal (S.9)
-- Paracelsus wird aus Litauen, Ostpreussen und auch aus Polen vertrieben (S.74).


Paracelsus nimmt auch das Wissen von Handwerkern und halbgebildeten Handwerkern auf (S.214).

Paracelsus als Kriegschirurg
-- 1516-1517: im Venedischen Krieg, der im Patt zwischen Kaiser Maximilian und Venedig endet
-- 1518 ca.: im Krieg zwischen Holland und Habsburg, wo Paracelsus auf der NL-Seite arztet (S.217)
-- 1520, als Paracelsus für die dänischen Truppen unter König Christian II. arztet, mit Einzug in Stockholm (S.218).


1515-1540
Paracelsus provoziert generell die ganze Welt

Provokation: Lebensumstände
-- mit Armut
-- mit "Frommheit"
-- mit Vagantentum (S.42)
-- er lässt seine Kleider nicht waschen, sondern kauft immer neue (S.44)


Provokation: Polemik
-- der polemische Stil in seinen Schriften bringt Paracelsus viele Gegner ein (S.264): Paracelsus übertreibt ins Negative wie ins Positive und nährt damit seinen z.T. zweifelhaften Ruf (S.363)


Provokation: unverständliches Vokabular
-- Paracelsus verwendet auch ein eigenes medizinisches Vokabular, so dass er sich dadurch nicht gerade verständlich macht (S.250)
-- dabei verwendet Paracelsus traditionelle Bezeichnungen mehr oder weniger unkodifiziert (S.250)
-- Paracelsus verfügt noch nicht über genau messbare Informationen (S.251)


Provokation: Betonung von Deutschtum und Ausfälle gegen Juden
-- Paracelsus bekennt sich in provozierender Weise mehrmals zum "Deutschtum" (S.378)


-- Paracelsus hat gemäss Pirmin Meier "hässliche Ausfälle gegen die Juden, in denen sich das polemische Talent Hohenheims überschlägt, analog zu Martin Luthers Antisemitismus (S.378)

-- Pirmin Meier meint, die Betonung des Deutschtums und die Ausfälle gegen Juden seien als Argument gegen die galenische Viersäftelehre zu sehen: Meier:

"Diese Sätze [mit der Betonung des Deutschtums] sind, wie die Ausfälle gegen die Juden auch, bei Hohenheim ganz und gar im Kontext des Kampfes gegen die galenische, das heisst welsche, arabische und jüdische Medizin zu sehen. Wichtig ist ferner die Diskussion um das Guajakholz, die ihn veranlasst, das Lob einheimischer Drogen anzustimmen." (S.379)

Grundsätze von Paracelsus
-- Kranke mit Aussatz sollen ausgegrenzt werden (S.256)


-- Hautkrankheiten versteht Paracelsus nicht als äussere Symptome, sondern als Krankheit vom Herzen heraus, und als Gegenmittel lässt er jeweils das Herz stärken (S.256)

-- Pirmin Meier:
"Der Weg zum Grunde [bei Paracelsus] führt über die Augen und Ohren, das Schmecken mit der Zunge, das Riechen mit der Nase, durchwegs aus der Haltung der schweigenden Zuwendung den Dingen gegenüber, wie es der Tradition der Pythagoräer entspricht." (S.296)


-- Pirmin Meier.
"Hohenheim [Paracelsus] hält die Naturwissenschaften durchwegs für ungewiss." (S.296)


-- Paracelsus:
"Wo der philosophus aufhöret, da fahet der arzt an." (S.300)


-- Pirmin Meier: "Magie ist nach dem neunten Kapitel des "Labyrinthus" die Anatomie der Medizin, das heisst das Innerste und Letzte der Arznei. Sie ermöglichst den langen und gewaltlosen Blick auf den Gegenstand, ins Innere der Dinge." (S.304)

-- Krankheit sei eine Prüfung Gottes (S.306) bzw. die Pest eine "Strafe Gottes" bzw. Krankheit ist ein "fegefeuer", durch das der Mensch von Gott geschickt wird, und Gott bestimmt, wann die Heilung eintritt und nicht der Mensch: Zitat:

"Und das merken also, dass all unser krankheiten geheilt sollen werden in der stunt der zeit und nit unseres begerens und willens. das betrift die meinung, dass kein arzt den termin der gesundheit wissen soll, dann got hat in in seiner hant, und ist ein ietliche krankheit ein fegefeuer." (S.307)

Chirurgie: Paracelsus betreibt vorsichtige, im Extremfall gewagte Chirurgie
-- in der Chirurgie vollbringt Paracelsus keine grossen Fortschritte, aber er ist eher vorsichtig, um Glieder zu erhalten und auf Selbstheilungskräfte zu zählen, statt dass amputiert werden muss (S.266)


-- bei extremen Fällen mit unerträglichen Schmerzen schreckt Paracelsus aber auch vor waghalsigen Operationen nicht zurück (S.266)

-- schlimmste Verletzungen sind die Kriegsverletzungen [durch Bajonette und Speere] mit Schnitten im Bauchraum, Darmoperationen mit Silberdraht und Silberröhrchen mit künstlichen Darmausgängen etc., ein Meister solcher Operationen ist Hans von Hinwil (S.268-269) oder auch Heinrich Pfolspeundt (S.273-275)

Chirurgie: Die mittelalterliche Narkose
ausgeführt z.B. gemäss Pfolspeundt "Bündt Ertzney" (1460):


-- Opium plus Hexendrogen Bilsen-Samen und Alraun-Blätter (Hyoscyamus niger und Mandragora officinarum) plus Kellerhals-Körner (Seidelbast / Daphne mezereum)

-- alles zusammenstossen
-- alles durch ein Tuch sieben
-- damit zwei bis drei Schwämme tränken


-- die Schwämme in einem geschlossenen Glasgefäss an der Sonne oder in einer warmen Stube trocknen

-- dem Patienten den Schwamm vor die Nase halten, bis er ohnmächtig wird

-- Pirmin Meier meint, man hat Schwammstücke in die Nasenlöcher eingeführt

-- es muss immer jemand mit dem "Schlafschwamm" dastehen, wenn der Patient erneut aufwachen sollte (S.273).

Aufwachen aus der Narkose gemäss Pfolspeundt "Bündt Ertzney" (1460):
-- Fenchelsamen mit Essig und Baumöl mischen
-- Wolle oder Werg mit der Mischung tränken und daraus eine Art Zäpfchen machen und dem Schlafenden in die Nase stossen, so wacht der Betroffene bald auf
-- dabei aufpassen, dass der Patient nicht erstickt (S.273).


Narkosemittel zum Tierfang im Köder
Die Tiere können sich kaum noch bewegen und man kann sie leicht fangen, z.B. Hühner, Fische etc., beschrieben z.B. im "Vogeljagdbüchlein vom Bodensee" von Gerhard Eis (S.277).

Paracelsus gegen die "humanistische Hochschulmedizin", die zu viel redet und zu wenig heilt
-- die "humanistische Hochschulmedizin" diskutiert Paracelsus zu viel um Details und verschiedene Lesarten, statt sich mit dem menschlichen Körper direkt auseinanderzusetzen (S.229)


-- z.B. soll gemäss Paracelsus Jacobus de Partibus (Jacques Despars) an der Sorbonne 40 Semester lang denselben Kommentar zu Avicenna vorgebetet haben (S.229-230)

-- Paracelsus will die dogmatische Kommentar- und Philologenmedizin weltweit entfernen, um eine praxisnahe medizinische Ausbildung an Universitäten zu ermöglichen (S.230).

1515-1540
Selbstversuche wahrscheinlich
Wahrscheinlich unternimmt Paracelsus viele medizinische Versuche an sich selbst und schadet damit seinem Körper erheblich (S.240).


Das medizinische Vokabular von Paracelsus
gemäss dem "Wörterverzeichnis der Fachsprache von Paracelsus. Dissertation, Erlangen, von Karl-Heinz Weimann 1951:


Paracelsus-Ausdruck

Erklärung

fell

innere Häute

hirnfell

Hirnhaut

vel [fel] (bei anderen medizinischen Autoren)

Haut

 

(S.147)

Hinterteil

Rücken

gesäss, arsch, arschbacken

Hinterteil

heimlichkeit

Schoss

räuhe

Schamhaare

fud

Vulva

fudlappen

Schamlippen

mutter, bärmutter

Gebärmutter

britsche

Vulva, älterer Ausdruck; bei Paracelsus: die gesamte Beckengegend

schlicht, diech, dicke

Oberschenkel

rosenader

Ader im Schambereich der Frau, im Zusammenhang mit der Menstruation gesehen

 

(S.148)

matrix

die ganze Frau mit Körper, Seele und Geist (S.151)

 

mit der Behauptung, dass Frauen eine andere Luftatmosphäre und ein anderes Empfinden im Raum schaffen (S.160)

 

1520-er Jahre
Die Anschauung über "Chemie" der damaligen Zeit

Paracelsus ist der erste, der das Wort "Chemie" im medizinischen Zusammenhang braucht (S.96).

Prinzip von Paracelsus: Die Natur hält eine Spiegelung jeder Krankheit bereit
-- durch "Chemie" wird der Vorgang beschrieben, von Krankheiten den Ursprung zu finden und eine Therapie und Heilung zu vollbringen


-- Beispiel von Paracelsus: "salben, reuchen und holzen": Quecksilberschmieren, Behandlung mit Guajak-Holz ("lignum sanctum") aus Westindien

-- insgesamt wird eine Spiegelung der Krankheit in einem Naturelement angenommen, das die Krankheit garantiert heilen kann (S.96).


Prinzip der Ganzheitlichkeit von Paracelsus
aus dem 4. Buch Paramirum "Para-Feminismus" 1531, Schlusswort:
-- Gott hat den Arzt geschaffen
-- die Erde hat die Arznei geschaffen
->> ist gegen die gesamte damals vorherrschende Schulmedizin, inklusive Vadian in St. Gallen (S.162)

-- Grundsatz der Ganzheitlichkeit: Nicht der Arzt heilt, sondern Gott durch die Arznei (S.179)

-- die Medizin von Paracelsus stellt die damalige "Reformmedizin" dar (S.215)

-- Paracelsus' Medizin ist Erfahrungsmedizin, nicht mikroskopisch, sondern makroskopisch (S.216) aus Wissen, das erfahren werden musste (S.214): aus Holland, Rumänien, Napolitanen, Venezien, Dänemark, Litauen, Holland, Ungarn, Dalmatien, Kroatien, Rhodos, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, England, Dänemark und alle deutsche Länder (S.216), Windisch Mark (Krain / Slowenien) (S.216-217)

-- dabei ist die Kriegschirurgie für die Erfahrung als Chirurg die beste "Weiterbildung"; Paracelsus war in drei Kriegen Chirurg (S.217)

-- Paracelsus wendet den Aderlass viel weniger an als die Viersäftelehre (S.215)

-- Paracelsus wird dann auch gegen Ferrara polemisch, weil auch dort der Systemwechsel nicht stattfindet (S.212).

Frauenbegegnungen von Paracelsus
-- mit Ärztinnen
-- mit unauffälligen Gastgeberinnen
-- mit Patientinnen, v.a. Nonnen (S.145)
-- die Nonnen sind z.T. mühsame Patientinnen: Sie zahlen nicht oder wollen alles besser wissen (S.146)

1520-1524 ?
Paracelsus beginnt mit Niederschrift der Lebenserfahrung von insgesamt fast 20.000 Blatt
(S.218)

Der Wahn der Wiedertäufer und Paracelsus' Psychiatriedeutungen

Reformation und Wiedertäufer
-- Bildersturm: Extremisten vernichten auch Orgeln, auch in St. Gallen (S.165)

-- Vorrang bei der Reformation in Mitteleuropa hat die Offenbarung; damit denken die Anführer der "Reformation" eindeutig mittelalterlicher als der italienische Humanismus (S.166)

-- die Wiedertäufer sind volkstümliche Reformatoren ohne soliden humanistischen Hintergrund, mit Selbstaufgabe bis zum Selbstmord (S.166)

-- St. Gallen: Vorgehen gegen Wiedertäufer mit Disputationen, Geldbussen, Irrenhaus, Wegweisungen (S.166)

-- das Täuferwesen verbreitet sich von N-Deutschland bis zu den Alpen mit Zentren in Münster, Böhmen und in der Schweiz vom Bernbiet über den Jura bis nach Zürich, in die Ostschweiz und nach S-Deutschland (S.167)

-- das Täufertum greift die Reformation an mit Anarchismus, Kommunismus und Mystizismus

-- Verfemung der Wiedertäufer als "Wiedersäufer": Erhängen, Köpfen, Verbrennen und Ertränken als Strafe für den "Unglauben"

-- die Vertreibung von Führern der Wiedertäufer bremst die Radikalisierung nicht

-- Täufer-Extremismus z.B. "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder"
 ->> die Täufer benehmen sich in der Kirche wie Kinder: destruktiv

-- Täufer behaupten einen neuen Geist und verbrennen das Neue Testament als Buchstabenwerk (S.167)
-- Täufer verweigern Arbeit, denn alles soll Gottes Willen überlassen bleiben

-- Frauen spielen bei den Täufern auch "Hauptrollen" mit Gottesphantasien und Zitaten aus der Bibel, Nacktpredigten im Winter etc.

-- Täuferinnen betreiben in der Kirche von St. Gallen fromme Hurerei

-- Täufer halten Weltuntergangsorgien ab mit totalem Exhibitionismus und Gruppensex (S.168), weil die Jünger Christi ja schlechte Menschen gewesen seien (S.168-169)

-- Kinder werden auch religiös wahnhaft: stellen sich sterbend, betreiben Zungenrederei etc.

-- Extrem: Täufer Thomas Schugger köpft seinen Bruder Leonhard Schugger und behauptet, es sei der Wille Gottes ->> Thomas Schugger wird hingerichtet

-- Täuferfrauen behaupten, ihre Hurerei komme aus dem Geist und Willen Gottes
-- Täuferpraktik: öffentlich werden Bekenntnisse zu "Sünden" bekanntgegeben wie Ehebruch
-- Täuferpraktik: Grussverweigerung auf der Strasse
-- Täuferpraktik: Tanzwut (S.169) mit Veitstanz (S.170)

Psychiatrieentwicklung: Paracelsus ist massgebend gegen den Wahn der Wiedertäufer
(S.164)
-- mit der Behandlung von religiösem Fanatismus (S.164-165): Der Glaube macht den Körper krank (S.165)
-- v.a. im Hinblick auf die Fanatismen bei den Wiedertäufern, die bis zur euphorischen Selbstverbrennung gehen (S.165)
-- nach einem Selbstmord sind aber keine Werke der Barmherzigkeit mehr möglich

-- in D und CH steigert sich der Wahn der Wiedertäufer bis zu Selbstmorden
-- die Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Wiedertäufern sind z.T. heftiger als die Auseinandersetzungen mit den Katholiken

-- Heinrich Bullinger verfasst über 50 Schriften gegen die Wiedertäufer
-- Leo Jud in Zürich und Dominik Zili in St. Gallen sind halbe Wiedertäuferfreunde
-- Paracelsus schlägt vor, die Wiedertäufer mit Musiktherapie vom religiösen Wahn abzuhalten (S.165).

Frühschrift von Paracelsus: "Das siebente Buch in der Arznei. Von den Krankheiten, die der Vernunft berauben"
Paracelsus-Prinzipien: Verirrung in der Religion ist Religionspsychologie oder Religionspathologie:

-- Glaube kann "Berge versetzen"

-- im Glauben kann der Mensch geistig so stark wie die Geister werden

-- Berge aber sollen die Menschen keine versetzen (S.171)

-- "götliche barmherzigkeit" soll von Geisteskrankheiten heilen (S.172)

-- Wahn: Menschen meinen, durch "Berge versetzen" Macht zu haben

-- Wahn: meinen, eine Plage oder Strafe käme von Gott und Heiligen, aber: Krankheiten kommen aus der Natur und sind keine Busskrankheiten (S.173)

7. Buch: Beschreibung der Epilepsie / Fallsucht
mit Beschreibung der verschiedenen Epilepsieanfälle und Stärkegrade. Zitat:

Der Anfall zeige sich "an etlichen mit grossem schaum, an etlichen mit vil wasser, an etlichen offen unwandelbar augen, an etlichen vil renken und krümmen, an etlichen straks und unberürt, etlich mit schreien, etlich mit stille, etlich gar gen hoden wirft mit gewalt, etlich senftiglich lasst nidersitzen." (S.259)

Therapie gegen Epilepsie gemäss Paracelsus:
-- Goldpräparate
-- Korallenpräparate als alkoholische Tinktur
-- Antimon

-- rein magische Mittel
oo  Einhorn
oo  gestossene Hirnschale
oo  Blut eines Enthaupteten etc. (S.261)


-- starke Drogen:
oo  Bilsenkraut
oo  Tollkirsche
oo  Mandragora (Alraunwurzel) (S.261)

7. Buch: Thema: Aberglaube
-- abergläubische Therapien können gemäss Paracelsus bei entsprechendem Glauben daran Erfolge vorweisen, z.B. mit Quirinsbusse (Ölschenkel) und bei Antoniusfeuer (Unterschenkelgeschwür)

-- Wachsfiguren wirken gemäss Paracelsus nur relativ wenig (S.173)

7. Buch: Thema: Tanzwahn
-- Darstellung des Täufer-Tanzwahns "Veitstanz"
-- Veitstänzer sind Kranke (S.173)

-- Unterscheidung in
oo  Chorea imaginativa (Wahntanz)
oo  Chorea lasciva (geiler Tanz)
oo  Chorea coacta / Chorea naturalis (konstitutioneller Tanz (S.174)

-- Paracelsus: Frauen haben grössere Wahnvorstellungen als Männer, weil sie "kreftiger imaginiren"
-- Paracelsus: Frauen haben eine grössere sexuelle Energie als der Mann
-- Paracelsus betont die Gruppendynamik, die von Einbildungen ausgeht, "unsichtbare Päpste" genannt (S.175)

-- Therapie bei Chorea imaginative und Chorea lasciva: Enthaltsamkeit, Isolierung, Nahrungsentzug - die Euphorie wird durch eine Depression abgelöst - dann die "melancholei" vertreiben mit täglich etwas besserer Speise (S.174)

-- Chorea coacta / naturalis: entsteht durch "lachende Adern" mit "kitzlichen enden" mit alchemischen Prozessen, die zu Anfällen pathologischer Freude führen können: Stimulation durch Schlagen oder Lassen [?] dieser Adern - der "Spiritus in den Adern" lässt den Betroffenen hüpfen und rasen - Zustand, wie wenn man besoffen wäre (S.175)

-- Therapie bei Chorea coacta / naturalis: Behandlung mit massiven Drogen: Quintessenz von Opium und Mandragora (Alraunwurzel), + Pfefferessenz, Margaritenwasser, Margaritenöl, Taumellolch (Lolium), Trinkgold und Edelsteinstücke (S.175)

Ergänzung: Veitstanz in der "Auslegung der Zehn Gebote"
-- der Veitstanz ist ein Widerstandstanz einer Frau gegen ihren Mann in der Antike: Die Frau bildet sich eine Krankheit ein und tanzt, bis sie einschläft

-- Paracelsus: Die Einbildung einer Krankheit kann krankhaft werden, kann z.B. eine Massenpanik vor Pest auslösen

-- Paracelsus sieht die psychologische Selbsteinschränkung durch die Imagination bzw. Angst  (S.176)

-- Paracelsus: Der Veitstanz beinhaltet auch kriegerische Aggression mit Massenverführung mit der Sprache als "Magnet", analog den Verführungen ganzer Bevölkerung durch ihre Imperatoren (S.175-176)

7. Buch: Heiligenerscheinungen
-- Paracelsus: Die Erscheinungen seien nur zu 10 Prozent wahr (S.177)

7. Buch: Die Wirkung von Teufel und Kunst
-- Schnitzereien sind legal
-- Paracelsus ruft gegen jede Verzweiflung auf, und gegen alle magischen Zeremonien (S.178)
-- der Teufel ist abzulehnen (S.178-179) und die Kunst soll wirken (S.179)
-- Tricks vom Teufel kann man brauchen, wenn man sich vom Teufel nicht beherrschen lässt

-- zu grosse Teufelsfurcht hat keinen Sinn, weil die Angst verheerende Folgen haben kann (S.179)
-- wer der Natur vertraut, hat immer genug Kraft, um jeden Teufel zu besiegen (S.179)

7. Buch: Behinderte Menschen
-- das Kind vor der Geburt ist bereits ein Mensch
-- Missgeburten und Geisteskranke sind auch Menschen (S.180)

Paracelsus-Taktik: keine religiöse Stellungnahme
-- Paracelsus publiziert keine theologischen Schriften, um sein medizinisches Werk nicht zu gefährden (S.165)
-- selbst verehrt Paracelsus die "Muttergottes" in Einsiedeln, verurteilt gleichzeitig das Mönchstum scharf (S.203).

1520-er Jahre ?
Psychiatrieentwicklung:
Buch: Philosophia Magna: mit Vorarbeiten über die unsichtbaren Krankheiten
-- über Besessene, Mondsüchtige, Schlafwandler und die allgemeine Entstehung von Geisteskrankheiten
-- später im Paramirum im 7. Buch beschrieben (S.171)

Philosophia Magna: Beschreibung von Geistern und Wesenheiten
Die Umwelt steht der Philosophia Magna mit grossem Unbehagen gegenüber. Pirmin Meier:

"Sonst aber dominiert gegenüber der paracelsischen "Philosophia Magna" das Unbehagen, schon wegen der Themen: Ausser Elementargeistern Hexenwerke, Besessene, sibyllische Prophetie, das Augurenwesen, blutende Bäume, postmortale Erscheinungen, Homunculi, Wunderzeichen von Heiligen und vielfältige Arten von Magie. Angesichts dieser Fülle von Entlegenem und Obskurem konstatiert der Pharmazie-Historiker Otto Zekert, das sechzehnte Jh. sei 'doch mehr dem Aberglauben verhaftet, als es die Überschätzer dieser Zeit wahrheben wollen'." (S.321)

?
Paracelsische Deutung von Wesenheiten in Sagen und Geschichten - Liber de Nymphis
-- mit philosophischen Ausdeutungsversuchen, z.B. in der "Liber de Nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et de caeteris spiritibus" / "Buch von Wasserfrauen, Luftgeistern, Erdmännchen, Feuerwesen und den übrigen Geistern", mit Hauptmotiven Nymphen, Erdmännlein, Riesen, Schrättlein, Melusine (S.324)

-- Beschreibung der Hierarchien unter den Geistern (S.326)

-- Beschreibung der Lebensbereiche von Geistern (S.326)

-- Vergleich mit dem Menschen, der gleichzeitig Natur, Geist und Engel ist (S.327), entsprechend der Theorie vom elementischen Leib, vom feinstofflichen Astralleib und dem Geistleib (S.327)
oo  erstes Traktat: über die Erschaffung und dem Wesen der "geistmenschen": Unterscheidung in Wasserleute, Bergleute, Feuerleute und Windleute (S.327)
oo  zweites Traktat: über die vier Wohnungen der Elementargeister, Sitten, Gebräuche und Hierarchien (S.328)
oo  drittes Traktat: über den Weg, "wie sie zu uns komen, und uns sichtbar werden" (S.329)
oo  viertes Traktat: über Eifersucht zwischen Nymphen und Menschen und ihr Hierarchiestreben (S.330)
oo  fünftes Traktat: über Gestalten der germanischen Sage: Riesen wie Sigenot, Hildebrand, Dietrich von Bern; über den heiligen Nothelfer Christophorus (S.330)
oo  sechstes Traktat: über die "ursachen solcher geschöpfen" wie Riesen, Erdmännchen etc. (S.331)

1520-er Jahre?
Buch von Paracelsus über die Syphilis: "Von der frantzösischen kranckheit Drey Bücher. Para"
wobei "para" griechisch "darüber hinaus" bedeutet (S.97).

1520-er Jahre

Paracelsus' Erkenntnisse über den Kropf
-- wo Leute Kropf haben, da sind auch Bergwerke; genannt sind bei Paracelsus Pinzgau, Etschland, Graubünden
-- Kropf ist gemäss Paracelsus mineralischen Ursprungs
-- das Wasser im Pinzgau mache kropfanfällig

-- als Heilung habe er beobachtet:
oo  am Morgen den eigenen Urin trinken, dies sei ein Spezialfall der Heilung durch Sal
oo salzige Präparate wie ungarisches Salz, im Etschgebiet "Kropfsalz" genannt
oo  die Bündnerkröpfe seien speziell hartnäckig, kein Salz sei gut genug
-- der Arzt muss beim Kropf gleichzeitig Geograph und Kosmograph sein, so Paracelsus (S.215).

1521 ca. ? / Frühwerk von Paracelsus
Buch: "Elf Traktat von Ursprung, Ursachen, Zeichen und Kur einzelner Krankheiten"
mit Betonung des Zusammenhangs von Krankheit und historischem Zusammenhang von Planeten und Umständen (S.258).

1522
Basel: Ökolampad hält die ersten theologischen Vorlesungen auf Deutsch
ist gemäss Pirmin Meier eine absolute Pionierleistung in Europa (S.231-232).

1524
Ankunft von Paracelsus in Salzburg - Plan, dort zu bleiben
(S.10)

1524?
Buch von Paracelsus: Volumen Paramirum Buch 1 und 2

Paracelsus: Der Mensch ist ein Zwischenstadium zwischen Urmaterie und Endmaterie
-- zwischen Ursprungsmaterie und vollendeter Materie nach dem Tod
-- der Mensch sei ein "mittel corpus" zwischen "prima materia" und "ultima materia" (S.102)

Paracelsus: Die fünf Gründe der Krankheiten / die "fünf Fürsten": die Ganzheitlichkeit
(S.307) im Frühwerk des "Volumen Paramirum" niedergelegt, programmatisch für das Verständnis von Paracelsus von erstem Rang (S.308).

-- erste Krankheitsursache: das "ens astrale" / das Umgebende
-- zweite Krankheitsursache: das "ens venale" / das Infizierende und Vergiftende
-- dritte Krankheitsursache: das "ens naturale" / das Verderbende und Konstituierende
-- vierte Krankheitsursache: das "ens spirituale" / das Wüten aus dem Bewussten oder Unbewussten
-- fünfte Krankheitsursache: das "ens dei" / das von oben Prüfende und Heimsuchende (S.308).

Es ist eine erste differenzierte Handhabung des Kausalitätsdenkens überhaupt (S.310).

Patienten müssen differenziert betrachtet werden bei Krebs z.B. umweltbedingte, ernährungsbedingte, erbbedingte oder auch psychische Ursachen. Das Geschwür bringt gemäss Paracelsus sogar spirituelle "Mitteilungen". Wer nur einen Grund für eine Krankheit annimmt, versteht gemäss Paracelsus in "Volumen Paramirum" die Krankheit nicht (S.311).

Eine Heilungsart genügt nicht. Weder Homöopathie (Heilung mit Gleichem), noch Allopathie (Heilung durch Gegenmittel) haben eine Monopolstellung, sondern alle Heilmethoden sollen in Proportion zueinander stehen. Der Arzt soll sich leiten lasen von Erfahrenheit und Vernunft: "experimenta ac ratio" (S.317).

Gemäss Pirmin Meier ergibt sich eine auffällige Parallelität zur alchemistischen Zahl 4 plus die Quintessenz als fünfte Stufe (S.308).

Paracelsus teilt auch die Entien / Daseinszustände in 4 "heidnische" Bücher mit Beschreibung natürlicher Heilungen und ein fünftes "nichtheidnisches" Buch ein mit Beschreibung theologischer Betrachtungsweisen (S.308).

Gemäss Pirmin Meier ergibt sich auch eine auffällige Parallelität zur Zahl 5 in der chinesischen Philosophie, die in Europa aber wahrscheinlich nicht bekannt gewesen ist:
-- 5 Eingeweide
-- 5 Elemente bzw. Wandlungsphasen
-- 5 Geschmäcker
-- 5 Glücksfälle
-- 5 Haupttugenden
-- 5 Insignien
-- 5 Lehren
-- 5 Richtungen
-- 5 Tätigkeiten
-- 5 Tugenden
-- 5 Töne
-- 5 wilde Tiere etc. (S.308)

"Sal-Merkur-Sulphur"-Prinzip
(S.97,98):
-- Paracelsus glaubt an tote und belebte Materie, dass der Körpermaterie des Menschen nach dem Tod anders ist als vor dem Tod bzw. Paracelsus meint, an Leichen seien wichtige Informationen nicht mehr vorhanden, die am lebenden Mensch noch vorhanden sind (S.100)

-- Paracelsus gibt der Krankenbettmedizin die Basis (S.101)

-- Paracelsus beschreibt das Wesen von Substanz mit "Sal-Merkur-Sulphur", was nicht als die trockenen Elemente Salz-Quecksilber (Hg)-Schwefel zu verstehen ist, sondern als eine Umschreibung von Eigenschaften bei Prozessen (S.100)

-- die 3 Prinzipien stehen für das "Lebendige", den "menschlichen Leib" mit der Seele (S.100)

-- Gleichnis von Paracelsus zu den Elemente-Prozessen am Beispiel Holz (als Leib):
oo  Flamme entspricht Sulphur
oo  Rauch entspricht Mercurius / Quecksilber Hg
oo  Asche entspricht Salz (S.101)

-- Paracelsus behauptet, die 3 Prinzipien "Sal-Merkur-Sulphur" stehen im Zusammenhang mit den 4 Elementen und den 3 männlichen Werken: "Brandstiftung, Auflösung, Verduften" (S.98)

Definition von "Krankheit"
-- Definition von Krankheit: Krankheit ist gemäss Paracelsus immer relativ: "die krankheit stet in dem Gewicht, in der zal und in der mass." (S.100)

-- Paracelsus hat das Prinzip, den gesunden Menschen schon mit zukünftigen Krankheiten oder in Umformungsprozessen einzuschätzen (S.101); Gleichnis: einen Baum sehen und ahnen, was aus dem Baum herausbrennt, wenn er brennen würde; Paracelsus appelliert, alle Mediziner sollten solche "Feueraugen" entwickeln (S.102)

-- Alchimisten mit "arzneiischen Augen" sehen mehr Krankheiten als Menschen nur mit "Bauernaugen" (S.101)

-- Folgerung von Paracelsus: Die Wahrheit über den menschlichen Körper erfährt man erst in der Krankheit und im Tod (S.102); das gesunde Leben ist nie Frieden, weil immer eine Krankheit kommen kann (S.102).

Arznei ist für Paracelsus Medizin, Kräfte der Natur und Kräfte des Glaubens (S.103).

Die "männliche" Wirkung der 3 Prozesse der Paracelsus-Medizin
Die Ursache von Krankheit beruht bei Paracelsus auf Störungen bei den 3 Prinzipien sal, mercurius und sulphur. Paracelsus wird damit zum Medizin-Revolutionär

-- es ist eine eher chemisch orientierte Heilkunst mit spezifischen Errungenschaften

-- er gibt eine neue Ordnung vor, mit männlichen Wirkungen, die zerstören: brennen / Brandstiftung (sulphur), faulen/auflösen (Salz konserviert, dann faulen die Dinge und geraten in Auflösung) und weglaufen (mercurius: Hg verdampft bereits bei Raumtemperatur) (S.104)

-- Brennen: durch Brennstoffe "Sulphur" wie Harz, Gummi, Schmiere, Fett, Butter, Öl, Weingeist, Holz, Fleisch, Metalllösungen, brennbare Flüssigkeiten aus Steinen wie Petrol (S.104)

-- Faulen und Auflösen von Stoffen ergibt sich durch einen "männischen" Einfluss eines Sterns oder Umwelteinfluss auf das Prinzip Sal. Der Stern wird als "Salzmann" dargestellt, der Salzsäure einsetzt. Die Konservierungseigenschaft des Sal geht dann ins Gegenteil über. Auflösende Wirkungen gehen aus von Kalken, Aschen, Kupferwässer, Antimon (Antimontrisulfid, Arsen genannt) (S.105)

-- flüchten: Mercurius ist ein männlicher Meister im Davonlaufen, im sich französisch Verabschieden: Sonne / Wärme lässt Merkur verflüchtigen (S.105).

Definition von Krieg gegen Krankheiten - die positive Dosis
Paracelsus bezeichnet Krieg als das männlichste aller gesundheitsschädlichen Werke. Er vergleicht die Heilkunst auch mit Kriegskunst und bezeichnet Heilmittel auch als "Waffen der Arznei" (S.105).

Die 3 Elemente müssen so "dressiert" / "gezähmt" werden, dass sie heilend wirken:
->> Feuer ("sulphur") wird so Bestandteil der Arznei
->> auflösende Wirkung ("sal") ist angebracht z.B. bei Steinkrankheiten (S.105).

Umwandlungen im Magen - Meister "Archeus"
-- Paracelsus personifiziert den Umwandlungsprozess im Magen durch einen "meister im magen", genannt "Archeus", der Verteiler und Verwandter aller Dinge, "Künstler und Arzt" (S.106)

-- Meister "Archeus" macht im Magen
oo  Schwefel zu Eisen
oo  Salz zu Diamanten
oo  Quecksilber (Hg) zu Gold (S.106)

-- insgesamt wird der Mensch im Magen durch "Archeus" geformt und geschmiedet (S.106).

Heilmittel gemäss Paracelsus
-- Hausmittel Kamille und Pfeffer
-- Karfunkel, Tuffstein, Tanne, Zypresse, Gold (v.a. Trinkgold), Silber
-- Rose, Lattich, Hahnenfuss, Rittersporn, Nessel, Coloquint, Scammonea (Purgierwurzel, Wurzel zur Reinigung)
-- Mittel zur Magenreinigung gegen Sodbrennen erscheinen besonders wichtig (S.109).

Volumen Paramirum Buch 3:
Über Steinbildungsprozesse (Tartarus-Prinzipien) - über Magenprozesse / Umwandlungsprozesse - über Ernährung

-- das Tartarus-Buch ist gemäss Pirmin Meier eine Glanzleistung (S.109)

Steinkrankheiten
-- Paracelsus beschreibt, wie Steinkrankheiten / Tartarus-Krankheiten entstehen (S. 99)
-- der Salzgeist bildet Steine in Nieren und anderen Organen
-- der Salzgeist bildet auch Weinsteine, Donnersteine, Hagelsteine, Meteoren (S.109)

-- Paracelsus beschreibt weiter

oo  Abläufe der Gerinnung
oo  Abläufe der Versteinerung
oo  Abläufe der Ernährung
oo  Abläufe beim Stoffwechsel
oo  Abläufe im Magen (S.98)
oo  Fasten wird als chemischer Vorgang beschrieben, z.B. bei Klaus von Flüh (S.99)

Magenvorgänge und Ernährung
-- Beschreibung verschiedener Magenvorgänge / Umwandlungsvorgänge in den Gliedern, auch in der Nase, im Gehirn, in der Nase, im Auge, im Herz, in den Lungen und in den Hauptgliedern, wo "verdaut" / umgewandelt wird: mit Bränden, Gerinnungen, Steinbildungen, Ablagerungen, mit Hauptursache des "feurigen Salzgeistes" (S. 109)

-- Paracelsus hat dabei die Vorstellung, dass im Mund und im Magen die Nahrung zu Blut und Fleisch etc. umgewandelt wird (S.133)

-- ein "Magen" ist für Paracelsus allgemein ein Ort der Stoffumwandlung und existiert für Paracelsus auch in den Lungen, im Hirn, im Mark, in der Milz

-- Archeus ist der "Herr des Magens", der Umwandlungskräfte auf der Erde, z.B. bei Stein- und Mergelgeburten"

-- Archeus ist auch der Herr der Energieumwandlung zur Bildung von Pflanzen und Tieren, von Paracelsus als Archeus vegetalis und Archeus animalis bezeichnet (S.132)

-- Mundverdauung: Der Mund ist für Paracelsus auch ein "Magen", die Nährstoffe werden im Mund aufgenommen

-- Mundverdauung sei die "edlere Art", die Magenverdauung sei die "bäuerische" Art (S.132)

Mundverdauung beim Fasten
-- Unterscheidung von Mundverdauung und Magenverdauung (S.131)
-- Fastende leben durch die Nährstoffaufnahme im Mund
-- es herrscht die Vorstellung, dass Fastende keinen Stuhlgang haben; Sebastian Franck schildert 1531 eine Nonne, die wegen Stuhlgang "überführt" wird (S.132).

Die Vorahnung zur Vorverdauung im Mund
Mit der Definition einer Mundverdauung wird die Erkenntnis der Vorverdauung durch das Enzym Ptyalin vorweggenommen
-- über Stoffabbau redet Paracelsus nicht, sondern immer von Stoffverwandlung (S.133).

Der Sinn vom Fasten - Missbrauch vom Fasten aus Sensationssucht
-- religiöses Fasten bringt gemäss Paracelsus
oo  einen "nüchternen leib"
oo  "gute vernunft"
oo  "ein gesund haupt"
oo  "ein rein, leuchtend, gesund geb lüet"
oo  "ein gut gesund memori (Gedächtnis)"
oo  "ein rein keusch herz gegen got"
oo  "andacht" und "göttliche liebe"
oo  "treibt den teufel auss, alle sünd und laster"
oo  "gibt zu erkennen das liecht der natur, philosophiam"
oo  "gibt gute wahre treum im schlaf und erkanntnus göttlicher heimlichkeiten"

oo  "auch bewart es den leib vor vil unglücks und vor vilen krankheiten, die aus fressen, saufen iren ursprung nemben" (S.134)

oo  Leute die fasten sind oft Leute mit "kranckheit, traurigkeit, herzleid, unsinnigkeit, phantasei (Wahnvorstellungen)" (S.134), die "nihts isset und doch keinen hunger klaget [...] dergleichen an gefangenen und besessenen und unsinnigen leuten und in denen, die mit grosser phantasei beladen seint, zu sehen ist." (S.135)


-- Paracelsus: Zauberer und "Schwarzkünstler", die nur aus Sensationslust fasten, missbrauchen das Fasten
-- Paracelsus: Fasten soll aus religiösen Gründen und im Dienste der Gesundheit geschehen (S.133)
-- Paracelsus meint, "dass etliche krankheiten allein aus essen und trinken entspringen"
-- Paracelsus lehnt Zwangsfasten ab, denn dies sei eine Schikane am Volk, wenn die Regierenden der Bevölkerung Fastentage vorschreiben und selbst in Saus und Braus schlemmen


Das Fasten von Klaus von Flüe
Paracelsus:


-- "wie Bruder Claus und andere waldleut [...] nichts gessen hat, allein dass er zu aufenthaltung seines lebens etlich kreuter und wurzeln uf sein magen auswendig (äusserlich) ufs herzgrüeblein gelegt; und wenn das dürr ward, leget er andere drauf, und also hat er vil jar sein leben erhalten, auch sonst kein speis in seinen munt genomben, noch vil weniger hinab in sei magen verschlückt." (S.135)

-- Niklaus von Flüe macht beim Fasten grosse, epilepsieähnliche Kämpfe durch (S.135)

-- Paracelsus warnt vor den Gefahren des Fastens: gemäss Meier "mannigfaltige physische, psychische und geistliche Gefahren" (S.135)

-- Paracelsus erwähnt das Beispiel "Jesus" in der Wüste, denn es gelte "hierbei zu wissen, dass der teufel noch keinen unangefochten lässt, der in ein sollichs ernstlichs fasten sich begibt." (S.135).



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5.
Paracelsus in Salzburg - Wanderarzt

1525
-- Salzburg gibt Paracelsus unbeschränktes Gastrecht (S.218)
-- Wohnort: Pfeiffergasse 11 (S.220)
-- Abhandlung über die Gottesgebärerin und "Jungfrau" Maria
-- Paracelsus predigt für eine "Geistkirche", gegen die "Mauerkirche", dabei Polemik, die bei den Kirchenoberen von Salzburg sauer aufstösst (S.218): Paracelsus wirft ihnen Tricks und Lügen vor (S.219)


-- so entstehen Gerüchte gegen Paracelsus, er sei ein "Teufel" - Paracelsus antwortet, er könne nichts dafür, wenn ihm die Leute nachlaufen und nicht den Kirchenoberen (S.218-219)
-- der Salzburger Fürstbischof fühlt sich von Paracelsus angegriffen
-- ausserdem besteht die Gefahr, dass Paracelsus zu einem weiteren Bauernführer werden könnte (S.219)
-- Paracelsus bezieht auch nie eine klare Position und bleibt für die Oberen unberechenbar (S.219-220).


1525 ca.
Paracelsus: Schrift: "Zehn Bücher der Archidoxen": Umwandlungsprozesse im Magen - Fasten ist für Paracelsus kein Wunder mehr
-- über Scheidung und Verwandlung der 4 Elemente und der Metalle: "alchemia transmutatoria"


-- über die Scheidung der Elemente in Metallen, Gesteinen, Ölen, Harz, Kräutern, im Fleisch etc. (S.129)

-- im Magen wird die Energie umgewandelt, so dass die Beweglichkeit gestärkt wird

-- Paracelsus sieht die Energieaufnahme durch Nahrung innerlich und durch die Haut äusserlich

-- Paracelsus sieht eine Energieübertragung z.B. durch die "Englische Distel", wenn ein Mensch sie berührt und dann ein zweiter

-- Paracelsus sieht winzige Mengen Gold als Nahrungsersatz

-- Paracelsus meint, geistbeherrschtes Fasten töte nicht, leidendes Hungern aber schon (S.130)

-- Fasten ist gemäss Paracelsus aber nicht mit heroischem, heiligmässigem Tun und mit göttlicher Gnade verbunden, sondern als Ursache können auch gelten: Traurigkeit, Melancholie, Schwermut etc. (S.131)

-- für Paracelsus ist Fasten kein Wunder mehr (S.131).

Frühjahr 1526
Paracelsus verlässt Salzburg und Österreich in den Wirren des Bauernkriegs
(S.7,219)
-- schnelle Abreise aus Salzburg, ohne alle Sachen mitzunehmen: Fellkleider, Bücher und Gläser etc. bleiben in Salzburg, gemäss Salzburger Protokoll vom 27.4.1526
-- Pirmin Meier vermutet, dass Paracelsus plante, nach Salzburg zurückzukehren (S.219)


ab Mai 1526
Paracelsus wird Wanderarzt in Süddeutschland
(S.220)


Paracelsus erreicht Baden-Baden
Behandlung von Markgraf Philipp I. mit Ruhr, ein geiziger Patient, der angeblich ein Honorar nicht bezahlt (S.10,220)


Paracelsus Freiburg i.Br. - wahrscheinliche Behandlung der Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Anna Betz Rottweil
(S.10,146)
-- Heilung einer Gürtelrose / Herpes zoster mit Präparaten aus Mistel und Schöllkraut (S.145)
-- plus: Therapie mit Opodeltoch-Pflaster (S.146)




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6.
Paracelsus in Strassburg - Chirurgie

ab Dezember 1526
Entschluss von Paracelsus, nicht mehr nach Salzburg zurückzukehren (S.220).


5.12.1526
Paracelsus erwirbt das Bürgerrecht von Strassburg - enger Kontakt mit reformatorischen Persönlichkeiten
(S.10)
-- Paracelsus kauft sich in die Medizinergilde ein (S.52), in die Zünftler "Zur Lutzerne"


->> Paracelsus darf in Strassburg legal Chirurgie betreiben

-- Gehilfe von Paracelsus in Strassburg ist Ulrich Gyger aus Pforzheim, der auch in Basel Gehilfe bleibt
-- u.a. Gespräche mit dem reichen Patienten Gerbelius
-- Paracelsus führt "Krankheitstagebuch"


->> Paracelsus wird im ganzen Elsass bekannt (S.221).

20.12.1526
Strassburg: Paracelsus mit Caspar Heyd beim Strassburger Domsekretär Nikolaus Gerbelius
(S.123)


1526 / 1527
Strassburg: Paracelsus unterliegt in Disputationen gegen Wendelinus (Wendelin Hock)
(S.221,234)


[und deswegen hat Paracelsus wahrscheinlich in Strassburg keine Möglichkeit auf Karriere].

1526 / 1527 ca.
Buch von Paracelsus: "Archidoxen": die Theorie über die Arcana
über die göttliche Wirkungsweise der Naturheilmittel (S.279).




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7.
Paracelsus in Basel - der erste Schülerstamm

1527
Wohnort Basel - Erasmus lehnt eine Heilung ab
-- Umzug nach Basel (S.10) in die Nähe des Kohlenbergs, heute Leonhardstrasse 1 (S.225,226,412)
-- Ulrich Gyger aus Pforzheim bleibt sein Gehilfe (S.221)
-- die Stadt Basel ist human orientiert (S.225,226)
-- Paracelsus gilt als Wunderdoktor, Briefwechsel mit Erasmus von Rotterdam (S.221)
-- Paracelsus folgert bei Erasmus von äusseren auf innere Zustände, was Erasmus zwar imponiert, ihm aber gleichzeitig zu weit geht, so dass Erasmus nicht nach Basel kommt (S.224)

Basel wird für Paracelsus zum Grundstein seiner ganzheitlichen Lehre - Heilung von Johann Froben
-- Paracelsus hat hochqualifizierte Assistenten und Schreiber wie Ulrich Gyger und Johann Herbster, genannt Oporin (S.232)

-- in Basel findet die ganze Grundlage von Paracelsus' Schaffen seinen Niederschlag
oo  Lehre vom Tartarus (Steinbildung)
oo  Syphilissymptome, so genannte "Franzosen"
oo  gemäss Pirmin Meier veranstaltet Paracelsus in Basel einen regelrechten "Vorlesungsfuror", und sein Selbstwertgefühl steigt (S.232).

-- erfolgreiche Behandlung von Buchhändler und Buchdrucker Johann Froben, dem ein Bein gerettet wird (S.10,221)

-- Paracelsus geniesst besten Ruf (S.221) und gleichzeitig ist die Stelle des Stadtarztes vakant (S.225)

-- Ökolampad will Paracelsus als Basler Stadtarzt, die Universität Basel mit einer "stockkatholischen Fakultät" aber überhaupt nicht (S.225)

-- Ökolampad trägt massgeblich zur Berufung von Paracelsus nach Basel bei (S.60)

-- Paracelsus wird vom Stadtrat angestellt (S.226).

Paracelsus wird Stadtarzt in Basel: Heilung - Stelle als Stadtarzt für 10 Monate
-- Paracelsus wird Stadtarzt in Basel (S.49), behauptet unter Eid, den Dr.-Titel an der Universität Ferrara erworben zu haben, kann aber keine Dokumente vorweisen (S.65)

-- Vorspiegelung einer Ordinarius-Stelle an der Universität Basel, obwohl er es nicht ist

-- in Dokumenten ist er für 10 Monate Stadtarzt, die einzige "feste Stelle" seines Lebens (S.10)

Vorträge von Paracelsus: auf Latein, dann auf Deutsch
-- Vorlesungen auf Latein: Pharmakologielehre (Christoph Clauser gewidmet)
-- in lateinisch-deutscher Mischsprache sind diverse Ausarbeitungen z.B. zur Harn- und Pulslehre
-- dann sind die Vorlesungen auf Deutsch: "De modo pharmacandi", Hippokrateskommentar, Vorlesung "Antimedicus", und fast alle Vorlesungen zur Chirurgie (S.232).

Paracelsus in Basel: Vorträge über das ganzheitliche Medizinprinzip gegen die Viersäftelehre
-- Paracelsus hält absichtlich während den Sommerferien medizinische Vorlesungen, v.a. auf Deutsch, was grosses Aufsehen erregt (S.10), die so genannten "Hundstagsvorlesungen" (S.227-228)
-- die Vorlesungen auf Deutsch zu halten ist gemäss Pirmin Meier eine Pionierleistung, obwohl er damit nicht der erste in Europa ist (S.232)

-- die Vorträge von Paracelsus sind eine revolutionäre Kriegserklärung an die Schulmedizin der damaligen Zeit: die Viersäftelehre des romanischen Arztes Galenus von Pergamon mit dem Prinzip Blut - Schleim - gelbe Galle - schwarze Galle (Humoralpathologie [Krankheitserkennung durch Untersuchung der erkrankten Körperflüssigkeiten]) (S.10)

-- Paracelsus heilt v.a. mit verschiedenen Wässern, Pulvern, Steinen und Pflastern

-- Paracelsus empfiehlt Buchstabenzauber bei Wundverbänden, Bauchwunden, Geschossentfernungen und anhaltenden Blutungen bei Frauen (S.144)

-- Paracelsus glänzt mit seiner ganzheitlichen Medizin mit seinen Erfahrungswerten
oo  mit zukunftsweisenden Gesichtspunkten
oo  z.T. anknüpfend an uralte, volksmedizinische, magische und alchimistische Traditionen
oo  mit Betonung von Naturheilkräften, Heilkräften in Bildern, seelischen Kräften (Imaginationen) und die Kraft des Glaubens (S.10): Paracelsus legt neben der Medizin auch Wert auf Philosophie, denn gemäss Paracelsus heilt auch Philosophie (S.21)

Vorträge in Basel: Schwierigkeiten
-- Paracelsus ist nie als ordentlicher Professor anerkannt
-- Paracelsus hat es scheinbar schwer, Säle zu bekommen
-- Paracelsus ist in rechtlichem Dauerstreit mit seiner Fakultät (S.227)
-- Paracelsus' Ruhm steigt aber auf und er kann auf ein Stammpublikum bei der Schülerschaft zählen (S.228)

Vorträge in Basel: Paracelsus über die Arbeit des Arztes, 5.6.1527
-- wesentlich ist "die Summe der Kenntnisse der Naturgeheimnisse"
-- ein Arzt soll "die verschiedenen Formen der krankhaften affekte kennen"
-- Ärzte sollen die "Ursachen und Zeichen der krankhaften Affekte durchschauen"
-- wesentlich ist auch ein "unabhängiger forschungseifer" (S.228)

-- Paracelsus distanziert sich von "Komplexionen und Kardinalsäften im Stil der Alten"
-- Paracelsus beschwört die "Erneuerung der Medizin" (S.229)

Vorträge in Basel: Para-Feminismus
-- Paracelsus erwähnt die zauberkundige Frau "Lena" und setzt sie neben bisherige medizinische Autoritäten (S.143)
-- Lena heilt mit Zauberzettel mit Zahlenhexerei: Zettel mit Aufschrift "AXFC", den sie über Hoden und Penis legt, ein Buchstabenzauber gegen Impotenz (S.143-144)
-- Paracelsus meint, Frauen sollen nicht auf Sex verzichten (S.146)
-- Jungfräulichkeit wird bei Paracelsus kaum erwähnt, aber: Ein Nähfaden muss von einer Jungfrau gesponnen sein. Dies ist ein Überrest kultischer Keuschheit (S.148)

-- Paracelsus beschreibt Mensbeschwerden: Rückenschmerzen, Drücken im Bauchgrübchen, etliche Sorten von Kopfweh
-- Paracelsus beschreibt prämenstruelle Beschwerden: Müdigkeit
-- Bisse von menstruierenden Frauen seien giftig; dies ist gemäss Pirmin Meier eine altgnostische Frauenverteufelung, oder Paracelsus meint einfach, dass Frauen während der Menstruation aggressiv sein können (S.161)

Vorträge in Basel: Männerheilkunde
-- Paracelsus behauptet die Heilung von Impotenz mit Zaubersprüchen, Gebeten, Satorformeln etc. (S.144)
-- Paracelsus: Männer sollen nur als Apostel oder Arzt auf Sex verzichten (S.146)

Paracelsus in Basel: Aufräumen mit Missständen
Paracelsus beseitigt Missstände in Basler Apotheken (S.10) mit der Apothekenverordnung im Rücken (S.234):
-- Einführung von Apothekerprüfungen (S.10)
-- Einführung von Rezeptkontrolle (S.10-11)
-- Einführung von Visitationen
-- Einführung von Regelungen für die Taxe
-- Einführung von Verboten gegenseitiger Gewinnbeteiligungen zwischen Ärzten und Apotheken (S.11)

-- Verbot der beliebigen Ersetzung eines Heilmittels durch ein anderes
-- Verbot, unqualifiziertes Verkaufspersonal zu beschäftigen, z.B. Kinder (S.234).

Paracelsus in Basel: Heilungen
-- erfolgreiche Behandlung von Desiderius Erasmus von Rotterdam
-- erfolgreiche Behandlung von Domherr Cornelius von Lichtenfels (S.11).

Paracelsus kann Anhänger um sich scharen: "Paracelsisten"
(S.13)

Johannisnacht 1527 / 21.6.1527
Gerücht, Paracelsus habe Bücher im Johannifeuer verbrannt - der Vergleich mit Luther
Später schreibt Paracelsus selbst, Bücher im Johannifeuer verbrannt zu haben, ohne Ortsangaben und Werksangaben zu machen (S.230-231)

->> Paracelsus wird mit Luther verglichen, der die Bannbulle des Papstes verbrannt hat
->> Paracelsus schafft sich damit neue Gegner
->> Paracelsus schafft sich damit de facto eine Stellung wie ein Extraordinarius, mit demselben Vorgehen wie Ökolampad, der auch ohne Fakultätsprozedere seit 1522 theologische Vorlesungen hält (S.231).

10.11.1527
Buch: "De gradibus et compositionibus receptorum" für Zürichs Stadtarzt Clauser
-- die Clauser-Familie, ehemals Scherrer, hat reiche Vertreter in der ganzen Schweiz
-- der Zürcher Stadtarzt Clauser erhält von Paracelsus die pharmakologische Schrift "De gradibus", fördert ihn aber nicht. (S.65)
-- Paracelsus hat mit dieser Übergabe an Clauser einen euphorischen Zenit in seinem Leben erreicht, mit einem überschwenglichen Begleitbrief vom 10.11.1527: Er, Paracelsus, sei "der Arzt Deutschlands", so wie Avicenna für Arabien, Galenus für Kleinasien, Marsilio Ficino für Italien (S.232)

->> dieses Selbstlob wirkt kontraproduktiv (S.233)

Inhalt des Buchs:
-- These von Paracelsus: Jedes Land produziert eigene Heilmittel gegen alle vorkommenden Krankheiten in Form von Heilpflanzen, Mineralien und anderen Naturprodukten
-- die Melisse hat z.B. in der Schweiz nicht dieselbe Bedeutung und Wirkung wie in Griechenland wegen des unterschiedlichen Sal-Gehalts bzw. wegen der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit
-- Paracelsus unterscheidet "Sal Arabicum, Graecum" und "Turgoium", arabischen, griechischen und thurgauischen Boden, wobei der Thurgau damals die gesamte Ostschweiz umfasst (S.233).

gleicher Tag:
Tod von Johann Froben - der Vorzeigepatient stirbt
-- ein grosser Förderer und Beschützer in Basel fällt aus
-- die Paracelsusgegner nutzen ihre Chance (S.233).


Die Eskalation in Basel bis zur Vertreibung von Paracelsus

12.11.1527 ca.
Anschlag eines Satiregedicht in Hexametern gegen Paracelsus
-- geschrieben von Paracelsusschülern, angeschlagen an der Martinskirche, Peterskirche (S.233), an der neuen Burse
-- das Gedicht verspottet Begriffe der Heilkunde von Paracelsus, z.B. Yliadus (Urmaterie), Archeus (Meister des Magens)
-- Vorwurf, Paracelsus betreibe Plagiate: Diebstahl von geistigem Eigentum
-- Vorwurf, Paracelsus habe eine fanatische Sprache
-- Vorwurf, Paracelsus habe in Strassburg schon eine Disputation gegen Wendelin Hock verloren

-- Vorwurf, Paracelsus beherrsche das Latein nicht richtig
-- Schlusswort: Paracelsus solle sich einen Strick um den Hals legen (S.234).


->> Paracelsus macht erfolglos eine Eingabe beim Basler Stadtrat wegen Ehrverletzung
->> die Atmosphäre zwischen Paracelsus und seinen Schülern wird vergiftet (S.234).


Heilung von Domherr Cornelius von Lichtenfels - verlorener Honorarprozess
->> Honorarstreit um den Lidlohn, ein hoher Betrag
->> Paracelsus prozessiert vergebens (S.11,234)


->> Paracelsus geht das Temperament durch:
oo  Paracelsus wirft "böse Karten" aus gegen die Basler Behörden (S.234), Paracelsus teilt auf Zetteln böse Schimpfwörter aus, so dass er vertrieben wird (S.49)


->> nur die Gebrüder Amerbach bleiben noch Paracelsus' Freunde (S.234).

Januar 1528
Flucht aus Basel
-- es kommt zur überstürzten Auflösung des Arbeitsverhältnisses in Basel (S.11)
-- Paracelsus wird zur Flucht gezwungen (S.45), Paracelsus muss Basel verlassen (S.234)
-- Paracelsus geht nach Colmar zu Laurentius Fries, der wie Paracelsus Deutsch als Wissenschaftssprache fordert (S.234)




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8.
Paracelsus in Colmar und Süddeutschland

28.2.1528 und 4.3.1528
Brief von Paracelsus an den Juristen Bonifacius mit der Erkenntnis: "Wahrheit trägt Hass ein"
(S.234)

ab April 1528 ca.
Colmar: Zerwürfnis zwischen Paracelsus und Laurentius Fried
weil die Meinungsverschiedenheiten zur Medizin oder zum Vorgehen in der Medizin immer stärker werden (S.234)

11.6.1528
Buch von Paracelsus über die Syphilis: "Von chemy und heilung der Franzosen neun Bücher"
für den Bürgermeister der Stadt Colmar, Hieronymus Boner (S.96)

ab 1528
Paracelsus ist wieder dauernd auf der Suche nach den eigentlichen Heilmitteln
(S.11)

ab Anfang 1529
Schreibphase von Paracelsus
-- am Chirurgiebuch "Bertheonea"
-- am "Spitalbuch"
-- am Buch über Geschwüre und offene Schädel
-- an 10 Kapiteln über die Französische Krankheit (Syphilis) (S.234).

1529
Gossau: Bildersturm und Vertreibung des katholischen Abt Diethelm Blarer von Wartensee
(S.34)

St. Gallen: Bildersturm und Vertreibung des katholischen Abt Franz Gaisberg
(S.34)

Zürich: Reformation: Zwingli und Leo Jud
Führender Reformator ist Zwingli, zweiter Mann ist Leo Jud mit gutem Verhältnis zu Paracelsus (S.60). Leo Jud hat nicht nur gute Worte für Paracelsus, sondern hilft ihm auch mit Taten mit der Herausgabe von Paracelsus-Schriften (S.75).

Paracelsus ist religiös unentschlossen und besucht kaum religiöse Veranstaltungen (S.68).

1529
Buch zur Syphilis: "Vom Ursprung und Herkommen der Franzosen sampt der Rezepten Heilung 8 Bücher"
(S.60,250)

Die astrologisch-stilistische Betrachtungsweise von Paracelsus über die Syphilis
-- Paracelsus betrachtet ganzheitlich nicht nur die Symptome, sondern auch den Zustand des einzelnen Patienten in Seele, Körper und Geist

-- Paracelsus betreibt bezüglich Syphilis auch Exosemiotik: astrale Bezüge, historische Bezüge, Sternkonstellationen, Regenbogen als Zeichen etc. (S.252).

-- Paracelsus behauptet fest, die Syphilis sei nicht von Indianern und Indianerinnen importiert, sondern stamme aus Europa selbst im Zusammenhang mit Planetenkonstellation und Luxus (S.252) bzw.

oo  es sei ein astraler Faktor, genannt "Venus", dabei zu berücksichtigen (S.253): Der Lauf der Planeten regiert gemäss Paracelsus Krankheitskonstellationen: Venus ist im astrologischen Denken von Paracelsus "eine Mutter der Krankheit für den so genannten unteren Himmel" (S.254), für den Mann (S.161) mit Faktoren Zeit, Triebhaftigkeit und Grenzenlosigkeit, wobei ein weiser Mann diese Faktoren beherrscht (S.254)

oo  ausserdem ein Infektionsfaktor, genannt "Luxus" (S.253): Wenn Venus am Himmel ist, dann ist Luxus, eine "Mutter" der Krankheit, nicht mehr weit: Geschwüre stehen bereit, aus den Frauen in die Männer übertragen zu werden (S.254); und ein voller Magen im "Luxus" ist Voraussetzung für die Lust, die die Übertragung im "Spiritus peccans" (im "schädlichen Geist") möglich macht (S.255)

oo  gemäss Paracelsus müssen äussere Konstellation von "Venus" und innere Konstellation von "Luxus" zusammenwirken, um die Syphilis auszulösen (S.255)

oo  der "spiritus" macht den Samen und zeugt die Kinder, so die Vorstellung von Paracelsus (S.255)

oo  ausserdem ein medzinisch-therapeutscher Gesichtspunkt in Anlehnung an die allgemeine Lehre zu den Geschwüren, genannt "Crepinus" (S.253-254)

-- Paracelsus stellt befriedigend fest, dass das Auftreten der Syphilis die alte Viersäftelehre absolut in Frage stellt, denn die "Klassiker" der Medizin hätten zu dieser Krankheit noch nie etwas geschrieben (S.254)

Verlegenheitsrezepte von Paracelsus gegen Syphilis
Pirmin Meier:
"Entgegen dem allgemeinen Lob der paracelsischen Syphilisideologie scheinen die zahlreichen Kuren, die er in seinen Studien zur grossen Seuche anführt, eher Ausdruck von Verlegenheit zu sein":
-- Schwitztränke
-- Salpräparate
-- Arsen äusserlich angewandt
-- gemässigte Quecksilbertherapie
-- allerlei Öle
-- schweflige Lösungen

-- Heilpflanzenpräparate wie
oo  Salomonssiegel
oo  Persicaria (Knöterichgewächs)
oo  Melisse
oo  Baldrian
oo  Aloe etc. (S.257)

Die beste Vorsorge sei Keuschheit (S.258).

ab 1529
"Paracelsus" wird der "Humanistenname" für Theophrastus von Hohenheim
(S.11)
-- der Name "Paracelsus" ist in Kalenderschriften geläufig, z.B. in der Nürnberger "Practica, gemacht auf Europen" (S.19)

-- zwei verschiedene Erklärungen möglich:

oo  Para-Celsus: heisst: "über Celsus hinausgehend": Celsus war spätrömischer gelehrter Kompilator, Aulus Cornelius Celsius im 1.
Jh. n. Chr. (S.199), wird aber von Paracelsus selbst nie erwhänt (S.200)

oo  die Bezeichnung "Paracelsus" wird gemäss Karl Bittel um 1528 vielleicht an einer Tafelrunde in Colmar erfunden, ein humanistisch inspirierter Saufname: "der Erhabene" (S.200)

Basel: An der Universität Basel ändert der Geist dank der Paracelsus-Schüler
(S.227)

1529-1530
Reisephase von Paracelsus: Strassburg - Esslingen - Augsburg - Berazhausen - Regensburg
(S.234)

Buch: Wundarzneibuch "Bertheonea"
-- mit Schimpfvokabular gegen Ärzte der Viersäftelehre

-- Paracelsus bezeichnet Chirurgen als "Arschkrater"
-- weitere Schimpfworte (S.49): nur eine Auswahl des "Grobianismus" der Zeit (S.50):


Hodenschneider

Hudelarzt

Lumpenarzt

Bubenarzt

 

(S.49)

-

-

-

Wolfarzt

Spekulierarzt

Küharzt

Kälberdoktor

Büffeldoktor

Holzhans

Sirupgeber

Schmierer

Seichseher

Augenreisser

Kopfmesser

Wurmsamer

Apothekeresel

Tyriakskrämer

(S.50)

 

"Grobianismus" mit Schimpfworten
Der "Grobianismus" wird auch von Luther und seinem katholischen Gegenspieler, Thomas Murner, in Volksreden betrieben (S.50).


Paracelsusgegner bezeichnen Paracelsus als "Krähe mit gestohlenen Federn" (S.206-207).

Entschluss von Paracelsus, die Reformation der Medizin mit Publikationen durchzuführen
(S.234).




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9.
Paracelsus in Nürnberg - das Publikationsverbot

1530
Buch von Paracelsus über die Syphilis: "Durch den Hochgelerten Herrn Theophrastum von Hochenheim, beyder artzney Doctorem, von der Frantzosischen kranckhait Dry Bücher Para"
-- beim Verleger Friedrich Peypus in Nürnberg
-- gewidmet dem Ratsschreiber der Stadt Nürnberg, Lasaro Spengler (S.235)

-- mit der These, dass das westindische Guyakholz / "lignum sanctum" nicht das entscheidende Mittel gegen die Syphilis sei
-- damit konfrontiert sich Paracelsus mit der gesamten Pharmazie, die mit dem Guyakholz beste Profite macht, darunter auch die Handelshäuser der Fugger und Welser
-- das Guyakholz macht den Pharmahandel in Europa erstmals zur Goldgrube, und Paracelsus ist dagegen

->> die Schrift bringt Paracelsus sogar Ärger akademischer Kollegen ein (S.235).

-- die Holzkur mit dem Abguss von Guyakholz sei nur etwas für die Reichen, sie kein Wundermittel und sei ersetzbar und wirke nicht bei jedem Betroffenen und damit sei es z.T. Betrug
-- der Sommer heilt mehr als die Holzkur
-- das Guyakholz ist ersetzbar durch einheimische Hölzer: Föhre / Pinus, Esche / Fraxinus, Mistel / Viscus
-- Heilpflanzen gegen Syphilis gemäss Paracelsus: Odermennig / Agrimonia, Frauenmantel / Alchemilla, Spitzwegerich / Plantago Serpentina (S.236)

plus: Diät und Schwitzen mit Suppe mit Huflattich / Ungula Caballina, plus bei Männern Ingwer, bei Frauen Muskat und Safran

plus: gegen offene Schäden: Pflaster und andere Massnahmen (S.236)

-- von Petrol und Harz rät Paracelsus ab (S.236)

Schlusssatz:
"... und in summa ist meine meinung, dass die unerfarnen arzet dem pantoffelholz gleich werden." (S.237).


Februar 1930
Publikationsverbot für Paracelsus
-- der Rat der Stadt Nürnberg verhängt über Paracelsus ein Publikationsverbot
-- dies hat noch schlimmere Folgen für Paracelsus als der Verlust der Stelle in Basel (S.60)
-- der Handel mit Guyakholz als "Heilmittel" gegen die Syphilis soll nicht als Schwindel enttarnt werden und die Handelshäuser der Fugger und Welser sollen damit weiter hohe Profite einfahren können (S.235)

-- Paracelsus scheitert als medizinischer Schriftsteller (S.11)
-- die Gegenwehr mit Eingaben von Paracelsus ist wirkungslos

->> über 95 Prozent der Werke von Paracelsus können erst posthum erscheinen (S.60).

Nürnberg: Buch von Paracelsus: Verteidigungsschrift "Paragranum" für seine Medizin ("Viersäulenbuch")
(S.60,97):
-- mit Darlegung der vier Säulen der Arznei (S.60)
-- mit einem überdimensionierten Selbstlob (S.60), z.T. mit extremen Formulierungen und Polemik (S.103)

-- erstmals mit einem Eigennamen "Aureolus", ein verzweifeltes Selbstlob "der Goldene"
-- in späteren Editionen ist der Beiname "Aureolus" fester Bestandteil seines Namens
-- Paracelsus will sich dem Aristoteles-Schüler Tyrtamos von Eresus, genannt Tirthemii Theophrasti, selbst entgegenstellen als "Aureolo Theophrasto" (S.199).


Ab dem Publikationsverbot hat Paracelsus erste Todesahnungen (S.240).

Frühjahr 1530
Kalenderschrift von Paracelsus: "Practica D. Theophrasti Paracelsi, gemacht auf Europen"
bei Verleger Friedrich Peypus in Nürnberg (S.234)


Flugschrift von Paracelsus: "Vom Holtz Guiaco gründlicher heylung"
bei Verleger Friedrich Peypus in Nürnberg (S.234)


Ostern 1530
Buch: "Von den hinfallenden Siechtagen, vier Paragraphen"
mit sehr ethischer und astronomisch orientierten Krankheitsbetrachtungen (exosemiotisch) (S.258)




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10.
Paracelsus in St. Gallen - Bücher - Gegenreformation - ein Komet - ein Regenbogen - die Auslegungen

1531
St. Gallen: Paracelsus bleibt viel allein - neue Bücher
-- Paracelsus hat in St. Gallen keine Anhänger (S.51), und St. Gallen hat keine Druckerei, für Paracelsus ein grosser Nachteil (S.61)


-- Paracelsus hat anatomische und chirurgische Erfahrung als Chirurg und Militärarzt (S.106)

-- Paracelsus schreibt über Anatomie, ohne die Arbeiten von Vesalius zu berücksichtigen, behält dabei seinen Schwerpunkt der inneren Medizin mit dem "inneren Chemismus" um die Prinzipien "Sal-Merkur-Sulphur"  (S.107)

-- Niederschrift seines Wissens in Medizin, kombiniert mit Kosmologie, Psychopathologie, magische Gesichtspunkte und politische Kritik (S.12)

-- Buch: "Von den unsichtbaren Krankheiten" mit Zweifeln an Gott wegen den Geschwürkrankheiten (S.13,22)

-- Buch: "Paramirum" (S.22)

-- Paracelsus geht mit den Kleidern und Stiefeln ins Bett, um wenig Zeit zu verlieren, da er so viel schreiben muss (S.22)

Buch von Paracelsus: "Opus Paramirum" Band 5: "Von den unsichtbaren Krankheiten"
-- "De causis morborum invisibilium, das ist von den unsichtbaren krankheiten und iren ursachen" (S.170)
-- erstmals auf der Welt beschreibt Paracelsus psychische Krankheiten, eine Para-Psychiatrie (S.98)
-- das Buch enthält aber kaum Rezepturen, vor allem aber Therapien (S.175)
-- Paracelsus: Keuschheit gibt ein reines Herz
-- Paracelsus: Durch Keuschheit kann man göttliche Geheimnisse erlernen (S.139).


Als Geisteskrankheit erwähnt Paracelsus:
-- "glaubengeist im tanzen und springen"
-- das abgöttische Ehebrechen
-- die Beschwörung des Judas
-- Hauptkrankheit ist es, ein Martyrium zu suchen
-- Paracelsus mahnt, in der Kraft auch das Positive zu sehen, wie eine Distel, die sticht, aber auch heilt (S.170)


Paramirum: Wiedertäufer im Veitstanz verlieren alle Hemmung
Beschreibung der Wiedertäufer:
-- die Wiedertäufer legen darin die natürliche Angst vor dem Tod ab (S.176)
-- Grundvoraussetzung für diesen Massenwahn sind Ressentiments, elementarer Neid, Missgunst. Paracelsus: "Dan die treume der neidischen menschen werden wahr." (S.177)


Paracelsus erkennt damit die Psychologie der Masse, die noch im 19. und 20. Jh. genau gleich abläuft (S.177).

Buch von Paracelsus: Abschluss des "Opus Paramirum"
-- insgesamt umfasst das Paramirum 5 Bände, ist "paramirisch" ("überaus wunderbar"), ist ein Meisterwerk der medizinischen Weltliteratur (S.98)


-- Paracelsus beklagt im Nachwort, dass die Jurisprudenz unzeitgemäss sei
-- die Jurisprudenz urteile nach "Brauch und Ordnung", und er selbst sei "in der Sonne" gewandelt und habe eine neue Medizin für die Welt bereit (S.64), die Viersäftelehre sei nicht mehr zeitgemäss (S.64-65)


St. Gallen: vorerst kaum Bekanntschaft mit Joachim von Watt, genannt "Vadianus"
-- Reichsvogt, Reformator von St. Gallen, hochgelehrter Doktor (S.17), Stadtarzt von St. Gallen (S.65)


-- Vadian lebt insgesamt 30 Jahre in St. Gallen, ist ein sesshafter, fast bürgerlicher Menschentyp (S.68), er kennt fast die gesamte humanistische Prominenz im oberdeutschen Raum (S.60)

-- Vadian hat in Wien Medizin studiert (S.68), ist Experte in Balneologie (Heilquellenkunde), Experte in Bergbau, Geographie, 1516/7 Rektor der Universität Wien, ab 1517 promovierter Dr. der Medizin (S.61), ist Humanist und Lehrer, ohne spektakuläre Demonstrationen, delegiert viel, z.B. die Behandlung von Pestkranken an Matthias Oswald (S.69)

-- Vadian ist Experte im Reglemente schreiben, z.B. fortschrittliche Bestimmungen im Spital-, Siechen-, Armen- und Hebammenwesen, bestimmt unentgeltliche Hilfe für Arme (S.69)
-- aber ein Treffen zwischen den beiden Ärzten Paracelsus und Vadian ist nicht dokumentiert (S.59-60), schon gar nicht in Villach und Wien (S.61), denn Paracelsus war nie an der Universität Wien eingeschrieben (S.62)


-- Paracelsus bemüht sich vergebens um eine Beziehung zu Vadian, der ein fast bürgerliches Leben führt (S.62), gleichzeitig ist Vadian durch die Anwesenheit von Paracelsus massiv irritiert (S.65), die Differenzen im intellektuellen und ärztlichen Bereich sind zu gross (S.68)

-- Vadian kommuniziert über Paracelsus mit dem Zürcher Stadtarzt Dr. Christoph Clauser, der in Ferrara Medizin studiert hat (S.65)

St. Gallen: Paracelsus bemüht sich zum letzten Mal intensiv um Anschluss an die reformatorische Bewegung
(S.75)
-- will die Reformatoren auch für eine Reform in der Medizin gewinnen gegen die galenische Viersäftelehre an den Hochschulen


-- Paracelsus hat auch religiöse Reformziele: Er lehnt das Mönchtum, den Ämterkauf (Simonie) und den Ablasshandel ab

-- Paracelsus bleibt bei einem Teil der Reformatoren aber in zweifelhaftem Ruf, ähnlich wie Schwenckfeldt, Thomas Müntzer und Sebastian Franck (S.76).

St. Gallen: Bekanntschaft mit dem Gossauer Reformator Hieronymus Schowinger bzw. seinem Sohn Bartlome Schowinger
(S.36)
-- Bartlome Schowinger ist gebildeter Grosskaufmann (S.39), Begründer der Schowinger Handelsgesellschaft (S.41): Paracelsus kann die Bibliothek nutzen mit vielen Medizinbüchern und mystischen und astronomischen Werken bis zum kritischen Humanismus von Laurentius Valla und Erasmus (S.36)


-- Schowinger attestiert Paracelsus, ein "gewaltiger meister des irdischen lichts" zu sein (S.38)

-- die Schowinger Handelsgesellschaft betreibt v.a. Handel mit Metallwaren, Textilien und betreibt die Ausbeutung von Silbergruben; Fugger als Handelspartner; Hauptsitze in München und St. Gallen, Sitze auch in Lyon, Wien, Antwerpen und Mailand (S.41).

Insgesamt bekommt Paracelsus für seine Leistungen in St. Gallen kaum etwas vergütet (S.70).

1531
Sebastian Franck: Artikel über Paracelsus in "Chronika - Zeitbuch und Geschichtsbibel"
Gemäss Pirmin Meier stellt der Artikel von Sebastian Frank das "Allgemeinwissen" über Paracelsus in der damaligen Zeit dar, mit Lob und Tadel gleichermassen. Text:


"Doctor Theophrastus von Hohenheim, ein Phisikus und Astronomus; anno 1529 ist gemeldeter Doktor gen Nürnberg kummen. Ein seltsam wunderlicher Mann (S.363), der fast alle Doktoren und Scribenten (Autoren) in Medicinis verlacht. Den Avicenna soll er verbrennt haben zu Basel in öffentlicher Universität und allein schier wieder alle Medizin ... mit seinen Rezepten, Judiciis ... und viel Widersinns..." (S.364)

Buch von Paracelsus: Volumen Paramirum Buch 4: Para-Feminismus
-- Paracelsus beschreibt Frauenkrankheiten und Werke der Frau (S.98)

-- Paracelsus behauptet, die Frauenmedizin sei angelehnt an Bräuche von Walachen und Zigeunern (S.143)
-- Paracelsus beschreibt einen femininen Kosmos, obwohl er einen "femininen Kosmos" eigentlich gar nicht kennen kann, weil die ganze Welt die Keuschheit von Paracelsus behauptet (S.98).
-- Paracelsus lobt das Wissen in Frauenklöstern und auf Märkten von Frankfurt und Antwerpen; Paracelsus behauptet, Bücher, Juden, Mönche und Lotterbuben würden nicht so viel wissen wie die Frauen
-- Paracelsus übernimmt von Frauen Wundtränke und sympathetische Zaubersprüche (S.142)

-- Paracelsus unterscheidet Frauenhirn - Männerhirn, Frauenherz und Männerherz
-- Paracelsus: Die Krankheitsverläufe bei Frauen sind anders als bei Männern
-- Paracelsus: Geistig sind Mann und Frau verschieden, gemäss der Formulierung "Frauengeist" (S.150)
-- Unterscheidung Mikrokosmos für den Mann - Mikrokosma für die Frau: ohne Naturkenntnisse kann man Menschen nicht verstehen (S.154-155), und was der Umwelt schadet, schadet auch dem Menschen (S.155)
-- Gifte und giftige Gestirne können das mütterliche Grosse Mysterium gefährden
-- von der Frau kommen die Krankheiten, und vom Mann kommen die zerstörerischen Werke

-- leiblich und geistig ist die "Mutter" für das Kind "Planet und Stern" (S.155)
-- der Mutterleib "Matrix" entscheidet, ob eine Schwangerschaft ausgetragen wird oder nicht
-- der Mutterleib "Matrix" entscheidet auch über das Geschlecht des Kindes, so Paracelsus (S.156)

-- Frauen sind eine Welt für sich - Männer sind eine Welt für sich
-- Paracelsus fordert eine "fräuische arznei", erstmals im deutschen Sprachraum (S.158)

-- für Frauen gibt es eigene Heilmittel
-- Frauen haben auch eine eigene Ernährung und einen eigenen Durst, unterschiedlich zum Mann (S.161)
-- aber manchmal soll die Frau auch "männisch" behandelt werden, z.B. bei einer von Männern übertragenen Krankheit (S.162)

Para-Feminismus: Frauen als Wasserwesen - die Menstruation
-- Paracelsus bezeichnet Wasser als spezifisch weibliches Element, bezeichnet die Frau auch mehrfach als "Meer" mit "vielen Fischen"
-- Paracelsus vergleicht die Menstruation mit den Gezeiten (S.160)
-- die Menstruation ist gemäss Paracelsus ein Entschlackungsvorgang und eine Befreiung von schädlichen Substanzen, somit ist Mensblut nicht als Heilmittel verwendbar (S.161)

Para-Feminismus: Die Geburt der Materie gemäss Paracelsus
-- die Materie wird durch eine "Grossmutter aller Sterne" erschaffen
-- die "Materie" ist gemäss Paracelsus ein weibliches Prinzip
-- Sal, Sulphur und Merkur sind "aller dingen mutter" (S.154)

Para-Feminismus: Paracelsus-Vokabular im Para-Feminismus
-- "mit einer Frau zu Acker fahren": Sex mit Koitus mit einer Frau haben (S.138)

-- die Bildsprache zur Zeugung von "Jesus":
oo  Maria ist der Acker
oo  Gott ist der Same
oo  Christus ist die Frucht

->> Paracelsus folgert, Gott müsse ein "Weib" gehabt haben, sonst wäre der "Sohn" nie gekommen (S.160).

Para-Feminismus: Paracelsus: Prostitution zerstört die Matrix

-- Prostitution zerstört den weiblichen Geist und lässt den männlichen Geist über die Frau herrschen (S.160)

Para-Feminismus: Hysterie durch dumme Männer
-- der Mann ist der "undere himmel" der Frau in schicksalshafter Verbindung, kann bis zur Hysterie führen (S.161)
-- Paracelsus behauptet, "gute Frauen" sollten von ihrem Mann geschützt werden: "Eine Frau einer guten Art der Gesundheit, die ist zu behüten vor dem untern Himmel, das ist vom Mann." (S.161).

Das Thema "Hexen" lässt Paracelsus aus (S.162).

1531
Leo Jud veröffentlicht von Paracelsus drei Prophetie-Schriften mit der Deutung von Naturereignissen
-- eine Schrift über einen Kometen im August 1531
-- eine Schrift über ein Erdbeben vom 10.10.1531 (S.76)
-- eine Schrift über einen grossen Regenbogen vom 28. Oktober 1531 (S.76,22).

1531
Die Kometengeschichte - Konkurrenten der Prophetie

Zürich: Anfang 1531 prophezeit der Zürcher Stadtarzt und Philosoph Christoph Clauser in seinem "Almanach auf das Jahr 1531" einen neuen Kometen am Himmel für den Sommer 1531 (S.71).

15.8.1531, 21 Uhr bis 25.8.1531
Schweiz: Für mehrere Tage steht ein Komet am Himmel
(S.66)
-- der Komet ist gemäss dem Nürnberger Astronom Johannes Schöner bis zum 25.8.1531 sichtbar (S.79-80)
-- bis in den Morgen jeweils als feuriger Stern sichtbar
-- in St. Gallen bildet sich um Vadian eine Exkursionsgruppe, um den Komet zu sehen, Vadian schwingt seine Reden der Prophetie (S.72), in Hochrütiners "Bürgli" (S.73), aber Paracelsus ist nicht dabei (S.73-74).

-- Rede von Vadian: Vadian sieht den Kometen als Mahnung Gottes (S.73)

-- Rütiner schwärmt vom Kometen als willkommenes Gesprächsthema als Einleitung für weitere Unterhaltung (S.73)

-- Paracelsus führt Tagebuch "De secretis secretorum theologiae" (S.74) und verfasst eine Deutung "Usslegung" über die Kometenerscheinung (S.80)

-- parallel zu den Himmelsereignissen laufen Tätigkeiten in der Prophetie durch Eingeweideschauern, Wasserschmeckern, Feuerschauern und Sterndeutern, die Paracelsus aber alle nicht genügen (S.82)

Fortan ist bei Humanisten das Fasten wieder Thema
-- auch bei Paracelsus (S.122)
-- Vadian lobt Niklaus von der Flüe als einen frommen Mann in Bewunderung für den Frieden von Stans von 1481, der unter Mitwirkung von Niklaus von Flüe zustande kam (S.123)
-- auch bei Caspar Heyd, genannt Hedio (1494-1552), Erasmus-Schüler und Reformator (S.123)
-- auch bei Heinrich Bullinger (1504-1575), Zürcher Reformator (S.123)
-- auch bei Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486-1535) (S.123)

plus:
-- es werden Bücher über Niklaus von Flüe und Prophetie publiziert, von Trithemius, Bullinger und Sebastian Franck (S.123)

26.8.1531

Buch: Paracelsus' religiös-politische Deutung "Usslegung" über den Kometen - Publikation von Jud in Zürich
(S.66,79):
-- kaum naturwissenschaftliche Ausführungen, aber der Komet sei ein schreckliches Himmelszeichen (S.81)
-- 14 von 20 Seiten sind über das Sehen generell (im damaligen Fachausdruck: vaticiniren, von lat. vates: Seher) (S.82)

-- religiös-prophetische Deutung (S.66), Paracelsus nimmt die Bibel als Basis für die Prophetie, daraus den Johannes den Täufer (S.83); dabei ist Paracelsus überzeugt, dass der Mensch die Geschichte auf der Erde nicht selbst bestimmt, sondern dass Gott sie bestimmt (S.84)

-- Paracelsus weissagt, Gott werde in einem künftigen Krieg die schwächere Partei erhalten, auch wenn sie nicht recht habe, und ein hoher Toter und der Tod der gesamten Anhängerschaft werden zu beklagen sein (S.77)

-- Paracelsus mahnt zur "Umkehr" zum Frieden mit Bezug auf Johannes den Täufer (S.77-78), fordert zur Umkehr vom Krieg auf und appelliert, unbedingt in der Liebe zu bleiben (S.84).

Ende August 1531
Zürich: Druck der "Usslegung" über den Kometen von Paracelsus
Paracelsus lässt das Prophetie-Büchlein bei Leo Jud in Zürich drucken (S.67), scheinbar mit Zustimmung Zwinglis, ohne die der Druck nicht möglich wäre, aber Zwingli liest die Prophetie nicht (S.79)

->> Jud bricht damit den Konsens der Intellektuellen, dass von Paracelsus nichts gedruckt werden darf, und Jud hat nun sogar eine Prophetie von Paracelsus gedruckt (S.67)

ab 2.9.1531
Zürich: Die "Usslegung" über den Kometen von Paracelsus ist im Verkauf
Leo Jud bestätigt Paracelsus den Beginn des Verkaufs schriftlich per Bote (S.80).

->> in der Zürcher hohen Gesellschaft wird Paracelsus' laientheologisch-prophetische Prophetie über den Kometen nicht sehr beachtet, eine naturwissenschaftliche Deutung käme besser an, und die Lage spitzt sich zu, so dass keine Zeit für religiöse Diskussionen übrig bleibt (S.78)

->> es ist kein überlieferter Kommentar von Zwingli zur Paracelsus-Prophetie vorhanden (S.79)

->> auch Vadian liest die Paracelsus-Prophetie nicht, gibt Zeitmangel vor (S.79)

Gleichzeitig existieren weitere Deutungen über den Kometen, z.B. von Johannes Schöner aus Nürnberg mit astronomischen Details (S.80-81).

In der Folge zitiert Johannes Kesser, St. Galler Chronist, nur den Schöner und erwähnt Paracelsus nur am Rande (S.81).

Mitte September 1531 ca.
Zwingli soll seinen Tod vorausgesagt haben - die Unwahrscheinlichkeit
Die Biographen nach dem Tod Zwinglis wollen Zwingli eine Prophezeiung seines Tods andichten, um dem Wesen von "Jesus" gleich zu sein, um Zwingli als Heiligen darzustellen, so wie "Jesus" auch seinen Tod vorausgesagt haben soll (S.79).

Zwingli kommuniziert mit Vadian über die Prophetie von Paracelsus
(S.80); die Paracelsus-Prophetie erregt bei Vadian und Clauser totales Aufsehen (S.66)

Oktober 1531
Schlachten von Kappel: Reformierte gegen katholische Orte
mit schwerwiegendsten religiösen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründen (S.78).

10.10.1531

Kanton Zürich: Erdbeben während der Schlachten von Kappel - Deutungsversuche von Eschatologen
(S.40)
Paracelsus prophezeit, dies sei der Kulminationspunkt des "inwendigen huskrieg" (S.81).

11.10.1531
Kanton Zürich: Tod von Zwingli und Niederlage seinen Truppen bei Kappel am Albis gegen die Truppen der katholischen 5 Orte der Innerschweiz
-- 600 Gefallene auf Zwinglis Seite
-- Zwinglis Leichnam wird gevierteilt und auf einem Scheiterhaufen verbrannt (S.17).

->> Nachfolger Zwinglis wird nicht Leo Jud, sondern Bullinger, wahrscheinlich wegen der Schwäche von Jud für "Schwärmerei" wie Paracelsus. In der Folge verspottet Bullinger den Paracelsus als Magier, religiös instabil und als Trinker (S.67).

14.10.1531
Schowingers erhalten einen Wappenbrief von König Ferdinand
->> Schowinger deutet das Erdbeben positiv (S.40).

24.10.1531
Kanton Zug: Niederlage der Truppen der mit Zürich verbündeten Städte gegen die Truppen der katholischen 5 Orte der Innerschweiz
800 Gefallene auf der reformatorischen Seite (S.17). In den reformierten Gebieten herrscht Weltuntergangsstimmung (S.17). Eine schreckliche Nachricht jagt die andere (S.23).

28.10.1531
Regenbogen über dem Bodensee - Buch von Paracelsus: Regenbogenschrift
(S.109)
-- Paracelsus reist von St. Gallen in Richtung Bodensee, eventuell in Richtung Konstanz oder Überlingen, eventuell, um seine Kometenschrift zu verbreiten, z.B. taucht sie in Konstanz auf (S.22)

-- über dem Bodensee entsteht durch ein abziehendes Tief und die durchbrechende Sonne am Morgen ein gewaltiger Regenbogen, der eine gute Stunde lang bei Sonnenaufgang fr die ganze Bevölkerung des Ostteil des Bodensees sichtbar ist, in voller Grösse:

Pirmin Meier:
"Dank der aufgehenden Sonne erreicht der Regenbogen seine maximale Scheitelhöhe." (S.23)

-- Paracelsus gilt als Experte der Phänomenologie und Wetterkunde, deutet das Wetter z.T. in Kalenderschriften und deutet den Regenbogen nach natürlichen Gegebenheiten oder nach der Bibel (S.24)

-- die Regenbogenphilosphie der damaligen Zeit:

oo  es herrscht die weltweite Vorstellung, ein Regenbogen ziehe Wasser in den Himmel (S.23-24), in Thailand: Ein Regenbogen pumpt Wasser aus dem Meer in den Himmel (S.24); Schwabenland: Bezeichnung "Himmelsring" (S.23)

oo  Paracelsus nennt den Regenbogen "fridbogen" (S.23), und ein Regenbogen entsteht in 40 Wochen Vorbereitungszeit und kommt bei passendem Wetter zum Vorschein, wie bei den Geburten der Frauen; Doppel- und Dreifachregenbogen nennt er Zwillinge und Drillinge (S.26); er vergleicht Regenbögen mit Blumen wie Rosen, Lilien etc. (S.27); über die Farben äussert Paracelsus einmal die Ursache Sal, dann im Paragranum 1530 die Ursache Sulphur (S.29)

oo  im Bodenseegebiet wird gemäss Stand des Regenbogens Wettervorhersage betrieben:
"Rägeboge überem See - morge rägnet's niene mee.
Rägeboge überem Tal - morge rägnet's überaal." (S.24)

-- Schrift von Paracelsus über den Regenbogen: "Usslegung des Fridbogens, so erschinen ist im Winmon, gestanden uff den Bodenseeischen Grenzen, im Jahr 1531, der do abkündt den Unfriden, so der Comet, im Ougstmon erschinen, angezaigt hat" (S.24)

-- Paracelsus deutet religiös und mit kühnen Perspektiven: Paracelsus behauptet, der Regenbogen lösche den Kometen ab, "glicherwis wi ein hufen holz, der da brint, mit waser gelöscht würd", und dann werden die Kohlen von der Erde verschluckt: "Und wi nach dem uslöschen die kolen sich selbs in ein eschen, die schlüft in die erden, die verdekt und verschlukt sie." (S.25)

-- insofern ist die Deutung von Paracelsus ein heilsgeschichtliches Signal des Friedens (S.30)

-- die Regenbogenschrift wird publiziert, v.a. aber inoffiziell weiterverbreitet (S.25).

November 1531
Zweiter Kappeler Landfrieden - konfessionelle Aufgliederung der Schweiz
die jahrhundertelang gleich bleibt (S.77)

Die Prophetie von Paracelsus scheint eingetroffen zu sein (S.77). Der St. Galler Chronist Johannes Kessler merkt, dass die Prophetie von Paracelsus in Erfüllung ging, meidet aber die Namensnennung (S.81).

November 1531 ca.
Basel: Johann Ökolampad liegt im Sterben
mit der "umbfressend Krankhait, so man den Krebs nennt", mit herauswachsenden Metastasen am Kopf und am Rücken (S.17).

St. Gallen: Vadianus ist stark erkrankt
-- Vadianus hat Angst, dass der vertriebene katholische Abt wieder nach St. Gallen kommt (S.17)
-- in einigen Quartieren von St. Gallen kommt es zu Pestfällen (S.18).

St. Gallen: Paracelsus behandelt Vadianus
(S.19)
Der kranke Vadianus (von Watt) ist für Paracelsus ein Glücksfall, denn
-- Paracelsus selbst hat keine Niederlassung, wohnt u.a. 27 Wochen bei Familie Studer, bekocht von Frau Bürgermeisterin Helena Studer
-- Paracelsus' Karriere als Hochschullehrer ist gescheitert
-- als Fachbuchautor hat Paracelsus Druckverbot
-- Vadianus ist reich und angeblich unheilbar (S.19)
-- von einem Konkurrenzarzt, Schowinger, wird Paracelsus nur belächelt (S.21).

St. Gallen: Regenwurmprozess um Paracelsus wird nicht zugelassen
-- Paracelsus heilt Caspar Tuchmacher (S.49), Koch von Schaffner Hieronymus Schowinger (S.51), die gebrochene Hand: Paracelsus nimmt einen Knochen heraus, und es wird behauptet, die Hand wachse verkrümmt zusammen (S.49)

-- Tischmacher bringt die Sache vor den Rat, dann vor den Dreierrat

-- Paracelsus befielt, Tischmacher solle eine Nacht lang lebende Regenwürmer um die Hand binden (S.49)

-- Paracelsus hat riesige Angst vor dem Prozess, denn schon in Basel hat er verloren (S.49)

-- Bartlome Schowinger rettet Paracelsus vor der Verurteilung, indem er einen Aufschub erwirkt (S.39) bzw. den Oberen von St. Gallen ist dies recht, denn so kommen die Verbindungen zu Paracelsus nicht ans Licht (S.51)

->> am dritten Tag nach dem Würmerverband ist der Knabe geheilt (S. 49)
->> Pirmin Meier vermutet, Paracelsus habe die Würmer nur deswegen befohlen, um das Abschwellen abzuwarten (S.51).


St. Gallen: Paracelsus' Schimpfvokabular gegen die Ärzte der Viersäftelehre
-- Paracelsus nennt die Chirurgen "Arschkratzer" (S.49)


ab 1531
Der Name "Paracelsus" ist in schweizer Drucken geläufig
(S.19)


30.12.1531
St. Gallen: Tod des Bürgermeisters Christian Studer
(S.182)


ab 1531
Gerücht der Wanderschaft von Paracelsus 5 Jahre mit Zigeunern
-- das Gerücht wird von Rütiner bestärkt
-- Paracelsus habe die Heilkunst der Zigeuner verstehen lernen wollen
-- gemäss Pirmin Meier wird die Legende über den Aufenthalt mit Zigeunern in die Welt gesetzt, um Paracelsus zu schaden (S.53).


Verleumdungen von Paracelsus
-- ab Nürnberg bezeichnen Paracelsusgegner Paracelsus als "Waldesel von Einsiedeln" (S.207).
-- Vorwürfe an seine "Missgestalt", seine grobe Art, unfeine Sprache und seine unfeine Kleidung (S.207)


->> Paracelsus begründet diese Eigenheiten immer mit seinem Geburtsort Einsiedeln (S.207).

Anfang 1532
St. Gallen: Neuer Bürgermeister wird Vadian
(S.182)


1.3.1532
Gossau: Rekatholisierung: Wiedereinzug des Abtes Diethelm Blarer von Wartensee
(S.35)
-- ist für Paracelsus kein Problem, denn Paracelsus war nie in einem reformierten Gottesdienst
-- Paracelsus gilt im Prinzip als Katholik, geht aber nie in einen katholischen Gottesdienst (S.183).


ab April 1532 ca.
Paracelsus hat Publikationsverbote überall und beginnt mit massloser Polemik
-- gleich gegen alle Glaubensrichtungen gleichzeitig (S.183)
-- Paracelsus bezeichnet alle mitsamt dem Papst als "Teufel", die einander dulden (S.184).




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11.
Paracelsus auf der zweiten Wanderschaft

1532-1533 ca.
Paracelsus im Appenzeller Land
-- für Paracelsus ist ab 1532 kein genauer Aufenthaltsort mehr nachweisbar (S.184)
-- manche behaupten, Paracelsus habe sich unter einfachen Leuten im Appenzell als Laienprediger betätigt, in Gais oder im Weiler Rogghalm (S.186)

Abschliessende Magen-Theorie und Fasten-Theorie
-- Paracelsus folgert: Der Magen ist das zentrale chemische Organ: "Alle Verwandlung des menschen muss im magen geschehen. ohne ihn wird nichts verwandelt." (S.128)

-- die Fastenden stehen im Gegensatz zu den schlemmenden Kirchenleuten

-- Fasten hat medizinisch, psychisch, intellektuell und geistlich eine hohe Wirkung

->> Ziel ist es, die Vorgänge im Magen zu erklären (S.129).

-- Paracelsus verfasst wahrscheinlich Bibelauslegungen und Abendmahlskommentare
-- plus: theologische Auseinandersetzung mit den Wiedertäufern (S.185).

1533
Buch von Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim: "De occulta philosophia"
ist geistig mit Paracelsus sehr verwandt (S.123).

1534
Tod des Vaters Wilhelm von Hohenheim
(S.205)

September 1534
Paracelsus hält sich gemäss Andreas Pinguis auf dem Hohentwiel auf
(S.56)

Paracelsus in Meran: Selbstbeschreibung
-- Paracelsus erzählt in einem Brief von Innsbruck (S.184)
-- Paracelsus ordnet sich drei Eigenschaften zu: Armut, Frömmigkeit, Keuschheit: Er sie "der Venus kein zutitler." (S.138)

??
Einsiedeln: Gerüchte, Paracelsus könne alchimistisches Gold machen
(S.40-41)

??
Die Geheimen Wissenschaften überreichen Paracelsus die Palme
das höchste Lob, weil Paracelsus Quecksilber (Hg) im Feuer sublimieren kann und dann härten kann (S.53).

1536 ca. / späte Kärntner Zeit
Buch von Paracelsus über die Steinbildung: "Tartarus"
-- Prinzip der Steinbildung / Tartarusbildung: in der Wärme koaguliert die Flüssigkeit, und alle Steine hätten eine Abrittet

-- in Weinfässern bildet sich Weinstein, analog dazu gemäss Paracelsus an Zähnen Steinbildung, in Mund und Magen mit Sodbrennen als Folge

-- auch in übrigen Organen sind solche Umwandlungen zu Steinbildung möglich: in Niere, Leber, Blase, Gehirn, Adern

-- aber: Paracelsus betreibt keine Formelchemie, und ist auch nicht Begründer der Chemotherapie (S.97).

->> Paracelsus wird mit diesen chemischen Prozessen noch lange Zeit nicht verstanden (S.97).

Magenprozesse: deutet Paracelsus als Stoffumwandlung
aus analogischem Sinn im Zusammenhang mit der alchemischen Kunst (S.97).

Insgesamt ist die Paracelsus-Wissenschaft eine Para-Chemie ("darüber hinaus" eine Chemie) (S.97).

1536
Buch: Publikation der "Grossen Wundarznei"
-- dies ist eine grosse Ausnahme einer medizinischen Publikation vor dem Tod (S.60)

-- Paracelsus gibt an, wo er überall gewesen sei:

"Hab also die hohen schulen erfaren lange jar bei den Teutschen, bei den Italischen, bei den Frankreichischen und den grunt der arznei gesucht. mich nit alein derselbigen leren und gschriften, büchern ergeben wöllen, sonder weiter gewandert gen Granaten (Granada), gen Lizabon, durch Hispanien, durch Engeland, durch den Mark (Brandenburg), durch Prüchsen (Preussen), durch Litau, durch Poland, Ungern, Walachi, Sibenbürgen, Crabaten (Karpaten), Windisch mark,

auch sonst andere lender nit not zu erzälen, und in allen (S.141) den enden und orten fleissig und empsig nachgefragt, erforschung gehapt, gewisser und erfarner warhaften künsten der arznei. nicht allein bei den doktoren, sondern auch bei den scherern, badern, gelerten ärzten, weibern, schwarzkünstlern so sich des pflegen, bei den alchimisten, bei den klöstern, bei edlen und unedlen, bei den gescheiden und einfeltigen." (S.142)

1536
Bücher: "Grosse Wundarznei" und "Pfäferser Baderbüchlein" werden gedruckt
-- als grosse Ausnahme noch zu Lebzeiten von Paracelsus (S.48)

-- Paracelsus erwähnt einmal einen Zigeuner, der einen Heilsaft gegen "Leibstich" abgibt, er aber eher zufällig wirkt (S.54)

-- die erste Publikation, der "Ulmer Druck" bei Hans Varnier, ist fehlerhaft

-- Paracelsus lässt in Augsburg bei Heinrich Steiner einen zweiten Druck starten, mit einem Begleitbrief des Augsburger Stadtarztes Wolfgang Thalhauser, selbst ein Ferrara-Student (S.238): Zitat:

"Zeit bringt rosen. wer vermeint es seint alle frücht mit den erpern (Erdbeeren) zeitig, der weisst nichts vom weinber lesen." (S.238)

-- die Drucke sind sofort vergriffen: Offensichtlich hat das Publikationsverbot das Gegenteil bewirkt: Paracelsus ist überall bekannt (S.237).

Herbst 1536
Paracelsus in Schwaben
-- in Mönchsrot
-- in Nördlingen / Efferding bei Pfarrer Hanns von Prandt bzw. Johann von Brandt (S.238)

Herbst 1536?
Paracelsus in Memmingen (Allgäu): Kiakon Peter Algeuer verweigert den Lidlohn - Zechprellerprozess
(S.239)

Winter 1536
Paracelsus in München, überwintert dort
(S.238)

1537
Mährisch-Kromau: Paracelsus heilt Johann von der Leipnick

-- Leipnik ist der Schlossherr von Mährisch-Kromau
-- Paracelsus wird viel zu spät gerufen (S.238)
-- Leipnik hat Wassersucht, Kolik, Lähmungen an Händen und Füssen, erkrankte Geschlechtsorgane, ausserdem sind schwer angegriffen: Milz, Magen, Galle, Leber, Herz, der Harn ist verfärbt, plus: Fussgicht / Podagra (S.239)


->> Paracelsus hat kaum Möglichkeiten, noch heilend einzugreifen (S.239).

22.6.1537
Buch: "Astronomia Magna": "Astronomia Magna und Philosophie Sagax der Grossen und der Kleinen Welt"
-- Paracelsus dementiert in der Vorrede die Zigeunergerüchte: Er sei "kein zauberer, kein heid, kein zigeuner" (S.53)
-- Paracelsus wird nun auch in Böhmen, Mähren, Slowakei, Ungarn, Slowenien und in Alt-Österreich gefeiert (S.239).


September 1537
Pressburg (Bratislava): Paracelsus wird im Hause von Ritter Beham empfangen
(S.239)


Winter 1537 / 1538
Begegnung Paracelsus - König Ferdinand
(S.239)




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12.
Paracelsus in Kärnten - wichtige Publikationen - Tod in Salzburg

1538 ca.
Kärnten: Letzte Versuche von Paracelsus, Werke zu publizieren, scheitern
(S.12)
Paracelsus hat keinen guten Ruf bei den frommen Protestanten
-- wegen völliger Ungläubigkeit
-- Conrad Gesner bezichtigt Paracelsus der Ketzerei des Arianismus (S.38).

ab 1538 ca.
Resignation bei Paracelsus
(S.12)

1538
Kärnten: "Kärntner Schriften" - Publikation 418 Jahre später
-- Buch: Sieben Defensionen
-- Buch: "Labyrinthus medicorum errantium" / "Labyrinth der irrenden Ärzte"

mit Definition: "Aus dem Lebendigen gehet der Grund", bzw.: Krankheiten soll man am lebenden Menschen erkennen und nicht an der Leiche (S.100).

-- Buch: "Buch von den tartarischen Krankheiten"

-- Buch: "Chronik des Landes Kärnten (S.240)

->> Der Landtag von Kärnten sagt die Publikation zu, lässt sich damit aber 418 Jahre Zeit bis 1955 (S.240).

1538
Paracelsus lässt ein Portrait stechen
-- wahrscheinlich von Augustin Hirschvogel
-- mit dem Paracelsus-Motto:

"Alterius non sit qui suus esse potest" / "Wer in sich selber kann bestahn / Gehöre keinem andern an."

-- dies ist gemäss Roberg-Henri Blaser ein Zitat aus einem mittelalterlichen Fabelbuch von Anonymus Neveleti (S.239).

1540
Paracelsus lässt ein zweites Portrait stechen
wahrscheinlich auch von Augustin Hirschvogel wie schon 1538 (S.239)

1540 ca.
Positive Flugschrift über Paracelsus von Valentius de Retiis hat noch keinen Erfolg
-- die Flugschrift soll noch zu Lebzeiten von Paracelsus zirkuliert haben
-- Anpreisen der gewaltigen Lebensleistung von Paracelsus, des vielseitigen Arztes
-- Paracelsus habe 230 Bücher über Philosophie geschrieben, 40 über Arznei, 12 über Politik, 7 über Mathematik oder Astronomie, 66 über verborgene und heimliche Künste (S.364)
-- Paracelsus kombiniert in einmaliger Weise Philosophie, Arznei und Astronomie
-- einen zweiten Mann wie Paracelsus gibt es nicht (S.364).

ab 1540 ca.
Schloss Neuburg an der Donau: Anlegen einer Sammelstelle der Paracelsus-Manuskripte
-- geleitet von Hans Kilian, "fürstlicher Renntschreiber" und "Chemikus" von Pfalzgraf Ottheinrich (1502-1559)
-- die Neuburger Sammlung ist zu dieser Zeit einmalig (S.366) und ist Basis des Paracelsismus (S.367).


März 1540
Paracelsus erkrankt, sucht einen Arzt, kann nicht mehr reisen
Paracelsus kann von Klagenfurt aus Hauptmann Hans Ungnad Freiherr von Sonnegg in der Steiermark nicht mehr erreichen (S.240).

September 1540
Paracelsus reist in Richtung Salzburg
(S.240)

21.9.1541
Salzburg: Paracelsus verfasst sein Testament
(S.8) an Notar Hans Kalbsohr in der Herberge zum Weissen Ross (S.240), und Paracelsus lässt alle Werke bestens ordnen und die Todesfeier bestens planen (S.240-241).

Bis zu seinem Tod betreffen 2/3 der publizierten Werke von Paracelsus die konventionelle Astrologie und nicht die Medizin. Astrologie war Paracelsus' Broterwerb (S.57).

24.9.1541
Salzburg: Tod von Paracelsus (S.7) mit Legenden um seinen Tod (S.8)
(S.7)
-- genaues Prozedere der Beerdigung, Begräbnis auf dem Armenfriedhof St. Sebastian (S.241)
-- das Erbe an die nächsten Anverwandten beträgt 10 Gulden in Münz, mehr nicht (S.42).

Die Grabstätte von Paracelsus
-- insgesamt werden die Gebeine von Paracelsus vier bis fünf Mal umgebettet
-- 1945 landen die Gebeine vorübergehend in einem Kehrichtbehälter, verschuldet durch einen dummen "amerikanischen" Soldaten (S.241).

Die negative Bilanz für Paracelsus gemäss Pirmin Meier
-- Paracelsus war "nicht eben erfolgreich"
-- Paracelsus hat keine Berühmtheit erlangt
-- Paracelsus' Leben ist mit Gerüchten und Legenden und Verfemungen angereichert
-- seine Unterschrift wurde zigfach gefälscht, seine eigene ist nicht mehr eruierbar
-- es kann keine Biographie erscheinen, weil nur wenige Daten über Paracelsus gesichert sind wegen den vielen Gerüchten, Legenden und Verfemungen
-- viele seiner Schriften sind kaum verständlich (S.8).

-- Paracelsus war ein leidenschaftlicher Empiriker
-- Paracelsus hat nie eine Ruhe gefunden (S.12)

Beeindruckende Behandlungen
-- Quecksilberbehandlung gegen Wassersucht
-- saure Brunnen (St. Moritz, Eger) gegen Verdauungshemmung
-- Lehre der Gerinnung und Steinbildung (Tartarus)
-- Lehre der Epilepsie
-- Lehre der Syphilis (S.12).

Beeindruckend ist gemäss Pirmin Meier auch die Einstellung von Paracelsus zur Chirurgie (S.13).

Salzburg: Testamentsvollstreckung
Es stellt sich heraus, dass die Mutter in Villach nicht aufzufinden ist (S.140).

ab 1541
Paracelsus ist bekannt und wird immer bekannter

weil sein Name auch mit einem gewissen Verruf verbunden ist (S.363)

Erst jetzt werden die medizinischen Schriften von Paracelsus allgemein bekannt
-- "Volumen Paramirum"
-- "Archidoxen"
-- "Paragranum" (S.57).


Entwicklung des "Paracelsismus"
-- Forscher und Sammler sind: Alexander von Suchten, Johann Scultetus vom Berg, genannt Montanus, Adam von Bodenstein, Michael Schütz, Johann Günther von Andernach u.a.
-- sie beschwören Paracelsus als der "Hermes Trismegistos" des neuen Zeitalters (S.367)
-- sie vollbringen Übersetzungen von Paracelsusschriften ins Lateinische als Voraussetzung für die Verbreitung in England und Frankreich (S.369)
-- Entwicklung auch eines islamischen Paracelsismus (S. 110)


Paracelsus hat die Hysterie erkannt
Die Welt erkennt, Paracelsus ist eine Kapazität über die Hysterie.
->> Die Mutter von Paracelsus gilt fortan als Hysterikerin (S.140).


Die Frauenheilkunde von Paracelsus wird immer mehr eingeengt
(S.158)




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13.
Die medizinische Entwicklung nach Paracelsus

1542
Buch von Andreas Vesalius / Andreas Vesal: "Humani corporis Fabrica" über moderne Sektionsanatomie
-- die Anatomie von Vesalius ist gemäss Pirmin Maier "bahnbrechend" (S.149)
-- vom Paracelsus-Schüler Oporin in Basel gedruckt
-- es enthält aber nicht die Anatomie von Paracelsus selbst
-- es enthält die Anatomie der Arcanen: der "wunderbaren Heilmittel aus der Natur" (S.106).

1545
Conrad Gesner kritisiert Paracelsus in seinem Lexikon "Bibliotheca Universalis"
als einen Menschen mit "dunkler, barbarischer, gekünstelter und unsachgemässer Sprache" (S.39)

ab 1545 / ab wenige Jahre nach dem Tod von Paracelsus
Paracelsus wird auch in den Niederlanden NL bekannt durch Übersetzungen
(S.363)

ab 1550 ca.
Schowinger kauft ein paar kleine Schlösser für seine Söhne
(S.42)

Der "Paracelsismus" verkommt zur Dogmatik
(S.85)
mit Vertretern, die die Chemie schrittweise weiterentwickeln wie Quecksilberchlorid / Calomel und die chemische Untersuchung von Mineralwasser, allgemein Etablierung von Experimentierfreude und einer traditionskritischen Reformmedizin:
-- Oswald Croll (1580-1609)
-- Turquet de Mayerne (1573-1635)
-- Leonhardt Thurneisser (1530-1595) (S.286)

Der Ruf von Paracelsus dreht sich meist ins Positive, ohne darüber zu sprechen - Entstehen von Paracelsus-Sagen
(S.363)

?
Ibn Sallum, muslimischer Paracelsist: Buch: "Die Begründung der chemischen Medizin durch Barakalsus" [Paracelsus]
(S.287)

1553
Genf: Calvin lässt Miguel de Serveto auf dem Scheiterhaufen verbrennen
Serveto, Arzt, Astrologe und Theologe, habe Ketzerei begangen (S.38-39).

->> alle kritischen Ärzte kommen in Verruf
->> es wird "Mode", von der Kirche abweichende Ärzte zu verleumden
->> Bartlome Schowinger muss Paracelsus auch kritisieren, um zu überleben (S.39).

1561
Pinzgau: Vorschriften für Bergwerke und Schmelzhütten
-- die Schwefelrösthütte und Vitriolsiederei darf nur im Winter betrieben werden
-- ebenso: die Arsenkiesrösterei im Lungauer Muhrwinkel (S.313)

1562

Pinzgau: Klageschrift von Bauern gegen Bergwerke und Schmelzhütten
-- gegen die Verschmutzung von Gewässern, Felder und Weiden durch Abwässer und Abfälle der Kupfer- und Schwefelröstanlagen
-- gegen die Verschmutzungen durch die Kupfervitriolsiederei in Mühlbach (S.313).

1564
Strassburg: Michael Schütz, genannt Toxites, eröffnet eine Paracelsus-Praxis
-- unter Mitwirkung von Günther von Andernach, Ulrich Gyger von Pforzheim und Didymus Obrechtus

-- mit Ausgabe von 23 Werken von Paracelsus 1564-1578, u.a. "Astronomia Magna" und die Schrift Suchtens "De secretis antimonii" (S.368)

-- Ausgabe von zwei Paracelsus-Wörterbüchern, wichtig für die Terminologie von Paracelsus, um die weite Verbreitung von Paracelsus-Werken voranzubringen (S.368).

1567
Dillingen: Jesuiten drucken Paracelsus' Buch "Von der Bergsucht und anderen Bergkrankheiten"
(S.208)
-- über die Krankheiten durch Emissionen von Bergwerken und Schmelzhütten, eventuell kurz nach dem Paramirum in den 1520-er Jahren entstanden (S.313)

-- mit Beschreibung von "lungsucht", "schweinung des leibs" (Schwinden des Leibs), "magen geschwer" (Magengeschwür) (S.313)

-- "bei den alten scribenten" wird von diesen "bergsüchtigen" Menschen nichts gefunden (S.313).

Es ist - wie viele andere Paracelsus-Bücher - so schwer verständlich, dass eine nennenswerte Wirkung ausbleibt (S.284).

1570-er und 1580-er Jahre
Bartlome Schowinger vermutet Missbrauch des Namens Paracelsus bzw. Theophrastus
Schowinger meint, viele Bücher kommen unter dem Namen Paracelsus bzw. Theophrastus heraus, sind aber nicht von ihm, was am Stil erkennbar sei, den er genau kenne (S.38).

1572
Pamphlet von Thomas Lieb (Humanistenname: "Erastus") gegen Paracelsus
Paracelsus sei ein ganz schlimmer Mensch analog einem "grunzenden Schwein" (S.38).

1579-1644
Feminismuszerstörung NL: Raptist van Helmont interpretiert die Frauenheilkunde von Paracelsus im verengten Sinn
-- Arzt Johann Raptist van Helmont
-- Helmont unterscheidet nur noch Geschlechtsorgane, der Rest sei dem Manne gleich (S.158)

1580 ca. / im letzten Drittel des 16. Jh.
Die Positive Flugschrift über Paracelsus von Valentius de Retiis um 1530 ca. erlangt den Durchbruch
(S.364)

1584
Gerhard Dorn gibt ein Lexikon paracelsischer Fachausdrücke heraus
(S.106)

1588
Wittenberg: Philosoph Giordano Bruno nennt Paracelsus als einen seiner geistigen Väter
neben Albertus Magnus, Nikolaus von Cues, Nikolaus Kopernicus (S.291).

1589

Hans Huser: Paracelsus-Ausgabe
mit "Volumen Paramirum" mit der Beschreibung der allgemeinen fünf Krankheitsgründe / fünf Fürsten an erster Stelle (S.307-308).

1590
GB: Die Paracelsusschule gewinnt eine feste Position neben den Galenisten
-- v.a. nach dem Erscheinen englischer Übersetzungen der Paracelsus-Werke (S.369)
-- Englisch-Übersetzer ist u.a. Giordano Bruno, im englischen Exil (S.369).

ab 1597
Schloss Neuburg an der Donau: Konservative Kräfte wollen die Paracelsus-Sammlung verkleinern - alle Manuskripte verschwinden spurlos
-- z.B. Kurfürst Ernst von Bayern am 11.9.1597, der meint, man solle aus den Paracelsus-Schriften einen geeigneten "Extrakt" machen, Zitat:

"was guett oder nicht .. die buecher so nichts richtigs (enthalten) soll ma nuhr verbrennen." (S.366)

-- im 17. Jh. verschwinden aber alle Manuskripte spurlos
-- erhalten bleibt ein Aktenband mit dem Titelverzeichnis, ausserdem Quittungen über die Ausleihe der Werke, die die Verbreitung der Kenntnisse belegen (S.367)
-- die Ausgabe von Hans Huser bleibt damit die wichtigste Gesamtausgabe der Werke von Paracelsus (S.186).

17.2.1600
Rom: Verbrennung von Philosoph Giordano Bruno
(S.291)

17. Jh.
Erfindung von Thermometer und Mikroskop - erste genaue Messungen in der Medizin
(S.251)

1618
London: Die Londoner Pharmakopöe nimmt chemisch-metallische Arzneimittel von Paracelsus in ihr Register auf
Dies ist ein später Triumph der "Paracelsisten" (S.13).

1646-1716
Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelt Paracelsus' Medizin z.T. weiter
(S.373)

1658
Die Mutter von Paracelsus: Die Umdeutung von "Gotteshausfrau" in "Spitalvorsteherin"
Pirmin Meier:

"Wie wird die unbekannte Gotteshausfrau Spitalvorsteherin? Ganz einfach. Man übersetze, wie 1658 geschehen, Gotteshaus in Anlehnung an das Französische "Hôtel-Dieu" mit "xenodochium" ins Lateinische. Durch Rückübersetzung "entsteht" dann, wie Netzhammer gezeigt hat, eine Spitalvorsteherin." (S.141)

In: Netzhammer: Theophrastus Paracelsus, S.12

18. Jh.
Goethe und Shakespeare schätzen Paracelsus als einen der grössten Ärzte aller Zeiten
(S.64)

18. Jh. ?
Comenius interpretiert Paracelsus so, dass Paracelsus eigentlich eine Mütterschule anregen will
-- Comenius, Ian Amos, böhmischer Pädagoge (S.157)


1734-1815
Psychiatrie-Entwicklung: Franz Anton Mesmer: der "Mozart unter den Psychiatern"
-- Paracelsist
-- sanfter Therapeut, Magnetopath und Glasharmonikavirtuose
-- Mozart widmet ihm das Singspiel "Bastien und Bastienne" (S.164)

1790 ca.
Worterklärung des medizinischen Wortschaftes von Paracelsus durch J. J. Plenck: Beispiel Hautkrankheiten
-- J. J. Plenck (1745-1821)
-- Worterklärungen in seiner Effloreszenzlehre auf einigermassen allgemeingültige Weise

-- nach dem Vorbild von Linnés Nomenklatursystem bei den Pflanzen: Ordnung in Primäreffloreszenzen und Sekundäreffloreszenzen

-- als Primäreffloreszenzen gelten: Makula (Fleck), Bläschen, Blase, Pustel, Papel, Knötchen, Knoten, Tumor, Quaddel, Zyste

-- als Sekundäreffloreszenzen gelten: Schuppe (Abschilferung der Oberhaut), Kruste (getrocknetes Blut oder Serum), Schorf (Nekrose), Ulcus (Substanzverlust), Narben (S.250)

-- immer noch in Anlehnung an die Viersäftelehre (S.250).

ab 1770 ca.
Behauptung von CH-Arzt Albrecht von Haller u.a.: Paracelsus sei ein Appenzeller gewesen
-- Paracelsus hätte Höhener und nicht Hohenheim geheissen
-- Haller (1708-1777) behauptet dies in seinem Lexikon "Bibliotheca medicinae practicae"
-- Heimat von Paracelsus soll Gais im Appenzellerland sein, der wahre Name sei Hochener, der Vater sei Arzt gewesen, und beim Wanderleben sei Paracelsus den Metallgruben nachgewandert (S.185)

1787
Paracelsus wird verleumdet von Haller-Schüler Johann Georg Zimmermann
-- im Buch von Zimmermann: "Von der Erfahrung der Arzneykunst"
-- Zitat:
"Übrigens lebte er wie ein Schwein, sah aus wie ein Fuhrmann und fand sein grösstes Vergnügen im Umgang des niedrigsten und liederlichsten Pöbel." (S.186)

-- und Paracelsus sei alkoholsüchtig gewesen (S.186).

1797
Chemiebuch von Johann Friedrich Gmelin: Paracelsus wird negativ beschrieben, was "Chemie" betrifft
-- gemäss der damaligen "naturwissenschaftlichen Aufklärung",. die den paracelsischen Dogmatismus verflucht (S.85)
-- Gmelin spricht aber immerhin von einem "Zeitalter des Paracelsus"
-- Paracelsus sei "ein Mann von ausserordentlichen Naturgaben"
-- Paracelsus sei "fremd in allen Grundwissenschaften" gewesen (S.95)
-- Paracelsus' Doktrin sei "vernunftwidrig"
-- ein Teil der "Ärzte und Scheidekünstler" praktiziere aber noch so wie Paracelsus (S.96).

19. Jh.
Entwicklung der Labormedizin - neue Diagnosemöglichkeiten
(S.251)

Grosse Anerkennung von Paracelsus durch Philosoph Schopenhauer
-- in der Schrift "über den Willen der Natur" wird Paracelsus bei den Themen Animalischer Magnetismus und Magie gerühmt als jener, der

"über das innere Wesen der Magie mehr Aufschlüsse gibt als wohl irgendein anderer und sogar sich nicht scheut, die Prozeduren dabei genau zu beschreiben"

-- Paracelsus kommt für Schopenhauer vor Roger Bacon, Agrippa von Nettesheim, Johann Baptist van Helmont und Franz Anton Mesmer (S.374).

Sommer 1831
Indische Cholera-Epidemie in Europa - Pilgerzug ans Paracelsusgrab im Land Salzburg
-- nicht zum "heiligen" Landespatron Rupert
->> die Cholera kommt verschont Salzburg, Steiermark, Kärnten und Tirol (S.241).


1843
Chemiebuch von Hermann Kopp: Paracelsus wird negativ beschrieben, was "Chemie" betrifft
-- gemäss der damaligen "naturwissenschaftlichen Aufklärung", die den paracelsischen Dogmatismus verflucht (S.85)
-- Kopp behauptet bei Paracelsus "Widersprüche in jeder Beziehung"
-- Kopp gesteht Paracelsus aber auch "Scharfsinn" und "Beobachtungsgabe" zu (S.96)
-- Kopp stellt die 3 Prinzipien von Paracelsus als "Elemente" dar
-- Kopp ist auch Opfer von Legenden, Paracelsus sei ein Trunkenbold etc. (S.96)
-- Kopp gesteht, dass der von Paracelsus beschriebene Steinbildungsprozess lange Zeit nicht verstanden wurde (S.97).


1848
Feminismuszerstörung D: Virchow reduziert Weiblichkeit auf die Drüsen in Eierstöcken
-- Arzt Rudolf Virchow (1821-1902), Begründer der Zellularpathologie und fortschrittlich-liberaler Abgeordneter in Bismarcks Reichstag
-- Buch von Virchow: Der puerperale Zustand. Das Weib und die Zelle" (S.159)
-- Virchow definiert den Unterschied Mann-Frau nur durch Drüsen, als Nachfolgetheorie zur 4-Säfte-Lehre (S.159)


1851
Zürich:
Biographie über Paracelsus von Arzt Dr. Hans Locher - Umschwung gegenüber Paracelsus
-- mit einem zusammengebastelten, langen Namen für Paracelsus: "Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus Paracelsus von Hohenheim, der Luther der Medizin und unser grösster Schweizerarzt" (S.19)


-- der lange Name ist gemäss Pirmin Meier als Referenz an die Gründung des "Bundesstaates" von 1848 gedacht

-- der lange Name ist auch gedacht als Referenz an den 500. Jahrestag des Zürcher Beitritts zur Eidgenossenschaft

-- die Biographie hat historisch ein relativ hohes Niveau

-- Locher überwindet die seit der Aufklärung meist negative Bewertung von Paracelsus bei schweizer Ärzten (S.417).



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14.
Der Nationalismus und der Nazismus nutzen Paracelsus - Paracelsus-Gesellschaften - neueste Forschung - Paracelsus in der Literatur

1883
Syphilis: Entdeckung des Erregers - Definition als Spirochätose (Bakterienkrankheit)
(S.253)

1886
Verdacht, Paracelsus sei ein Zwitter gewesen
Gerichtsmedizinische Untersuchungen von Georg Bauer vom Gerichtsmedizinischen Institut der Universität Wien kommen zur Vermutung, dass Paracelsus ein Zwitter gewesen sei. Indizien:

-- Schädel und Kreuzbein haben eindeutig männliche Merkmale
-- das Becken hat aber weibliche Eigenschaften
-- Bauer will aber in Paracelsus keinen Zwitter oder eine Frau sehen
-- für das Gerücht, Paracelsus sei ermordet worden, fehlt jegliches Indiz

->> die Untersuchungsresultate werden bis 1993 geheimgehalten (S.241).

ab 1890 ca. / vor dem ersten Weltkrieg
Paracelsus wird als Deutscher und als Antisemit gefeiert
-- die Textstellen, wo sich Paracelsus zum "Deutschtum" bekennt, sind für die Ideologen des deutschen Imperialismus ein "gefundenes Fressen", um den Imperialismus zu rechtfertigen (S.378)

-- die hässlichen Ausfälle von Paracelsus gegen die Juden tragen dazu bei, "auf das Schicksal des deutschen Geistes eine negative Ausstrahlung" zu bewirken, so Pirmin Meier (S.378)

-- Juden studieren trotzdem die Werke von Paracelsus (S.378)

1898
Gurlt über Paracelsus: "Die Geschichte der Chirurgie und ihrer Ausübung"
Ernst Julius Gurlt mit negativem [aber realistischem] Urteil:

"Mit derselben Überhebung, die nicht frei von Prahlsucht ist, beurtheilt er seine Zeitgenossen, unter denen sich doch ganz ansehnliche Chirurgen befanden." (S.264)

19.-20. Jh.
Psychiatrieentwicklung: Sigmund Freud knobelt das verklemmte Bürgertum auf
(S.164)

20. Jh.
Erst jetzt entflechtet die Forschung bei Paracelsus wie bei Niklaus von Flüe Legende und Wirklichkeit
und die Wirklichkeit ist leuchtend iim Gegensatz zu Tell und Winkelried (S.122).

Diskussion um den Aufenthalt ab 1532: Bircher behauptet Roggenhausen bei Aarau
Oberstdivisionär und Chefarzt Eugen Bircher behauptet, Paracelsus sei 1532-1533 in Roggenhausen bei Aarau gewesen (S.186).

1916
Lorch: Erscheinen der okkult-esoterischen Kampfschrift über Paracelsus' Prophezeiungen über D: Der deutsche "Fels" soll Frankreich zerstören
Titel:
"Des Theophrastus Paracelsus Prophezeiungen vom deutschen Felsen, an welchem die Franzosen zerschellen. Des Paracelsus Weissagungen über Frankreichs Schicksal, Revolution, Königssturz, den zwei französischen Kaisern, dem Auftreten des deutschen Felsens ... dem endlichen Untergang Frankreichs durch den deutschen Felsen, nebst Charakteristik des französischen Volkes. Ausgewählt aus den Werken des Paracelsus von C. J. Glückselig" (S.378)


1933
Deutsches Ärzteblatt: Ludwig Englert belegt bei Paracelsus mehrfach das "Bekenntnis zu deutscher Art und deutschem Denken"
mit zahlreichen Zitaten aus den Paracelsus-Schriften (S.378).

1936
Karl Sudhoff: "Paracelsus - Ein deutsches Lebensbild aus den Tagen der Renaissance"
ist gemäss Pirmin Meier eine eher neutrale und unpolitische (S.379)

24.9.1941
400. Todestag von Paracelsus

Der 24.9.1941 wird im 3. Reich in Anlehnung an Paracelsus zum "Schweizertag" erklärt (S.380).

1941
Georg Sticker: "Paracelsus - ein Lebensbild"
ist gemäss Pirmin Meier eine eher neutrale und unpolitische (S.379)

1941
Populistische, verfälschende Gedenkschriften ("Vulgärparacelsismus")

Paracelsus wird als "Schweizer" gefeiert
-- Josef Strebel, Luzerner Augenarzt: Buch: "Paracelsus - Der Stein der Weisen", behauptet:
oo  "Begründer der eigentlichen Chirurgie ist also Paracelsus, der sie in Basel erstmalig in kernigem Deutsch dozierte"
oo  Paracelsus soll der Gründervater der modernen Medizin sein
oo  Paracelsus soll der Gründervater von der Lehre der Stoffwechselkrankheiten sein
oo  Paracelsus soll der Gründervater der Syphilislehre sein
oo  Paracelsus soll der Gründervater der Lehre über Berufskrankheiten und Gewerbehygiene sein
oo  Paracelsus soll der Gründervater der Balneotherapie / Bäderkunde sein (S.283)
oo  Strebel vergleicht Paracelsus für die Schweiz wie Leonardo da Vinci für Italien (S.376)

-- Linus Birchler: vergleicht Paracelsus für die Schweiz ebenfalls mit Leonardo da Vinci (S.376)

Paracelsus wird als "Deutscher" gefeiert
-- Hans Hartmann: "Paracelsus - eine deutsche Vision" (S.379)
ist eine Rezeption für das 3. Reich mit der Behauptung der "Überfremdung" Deutschlands (S.379). . Haupterrungen von Paracelsus seien

oo  Begründer der Iatrochemie (chemische Heilkunst): Anwendung der Mineralchemie auf das biologische Geschehen
oo  Begründer der Lehre der Berufskrankheiten
oo  Begründer der Bäderkunde

oo  Begründer der Geomedizin: Anwendung klimatischer und jahreszeitlicher Einflüsse auf Gesundheit und Krankheitsverläufe

oo  Begründer der Einheit von innerer Medizin und Chirurgie
oo  Begründer der Auffassung vom positiven Sinn der Krankheit
oo  Paracelsus sei der erste Militärarzt von umfassender menschlicher und medizinischer Bedeutung gewesen

oo  Paracelsus sei ein deutschbewusster Mann und Arzt, der erste, den die Geschichte kenne (S.283).

->> Der "Vulgärparacelsismus" dichtet Paracelsus pauschal Errungenschaften an (S.284).

Die Fehler des populistischen "Vulgärparacelsismus"
-- von Paracelsus führt kein direkter Weg zur modernen Chemie

-- die Entwicklung der modernen Chemie setzt die Überwindung des Paracelsismus voraus
-- Berufskrankheiten und Bäderkunde waren zu Paracelsus' Zeit allgemein bekannt

-- die Geomedizin ist hippokratisch, sogar vorhippokratisch schon vor der griechischen Epoche bekannt
-- die Einheit von innerer Medizin und Chirurgie wird im Prinzip schon von Galen angestrebt
-- der positive Sinn der Krankheit und die Militärmedizin gehören zu den ältesten, wertvollen Traditionen (S.284).

24.9.1941
Einsiedeln: Gründung der Paracelsus-Gesellschaft durch Bircher gegen den Populismus
-- Oberstidivisionär und Chefarzt Eugen Bircher (1882-1956) (S.186-187)

-- Gründung der Gesellschaft in Einsiedeln mit vielen Reden, u.a. Rede von Carl Gustav Jung, Philosoph Hans Barth (S.376) und Bundesrat Philipp Etter, der Paracelsus als "Revolutionär mit positivem Vorzeichen" würdigt (S.377)

-- mit Umzug in Einsiedeln "Paracelsus-Umzug" mit hohen schweizer Vertretern, Militärs, u.a. Oberstkorpskommandant Wille, Bircher, Oberfeldarzt Vollenweider u.a., gemäss Pirmin Meier auch als Akt der geistigen Landesverteidigung zu verstehen, obwohl Paracelsus ein halber Deutscher ist (S.377)

-- Gründung der Gesellschaft zur Untersuchung des Aufenthalts von Paracelsus 1532-1533, ob es in Rogghalm im Appenzellerland oder in Roggenhausen bei Aarau war (S.186)

-- Oberstdivisionär und Chefarzt Eugen Bircher behauptet, Paracelsus sei 1532-1533 in Roggenhausen bei Aarau gewesen (S.186)

Völkischer Beobachter: Artikel: "Was uns Paracelsus sagt"
-- Verfasser ist Reichsgesundheitsführer Dr. Leonardo Conti aus Lugano, Schweizer, 41 Jahre alt, seit 1918 Mitglied des antisemitischen Kampfbundes, Völkischer Studentenführer, Gründer und Führer des Nationalsozialistischen Ärztebundes im Gau Berlin, seit dem 20. April 1939 Reichsgesundheitsführer (50. Geburtstags von Hitler)

-- Conti ist der höchste Schweizer im 3. Reich

-- Conti ist an Aktionen zur Ausmerzung lebensunwerten Lebens und an Menschenversuchen in KZs wie Buchenwald und Natzwiller-Struthof im Elsass direkt beteiligt (S.380).

Text:
-- Paracelsus, "dieser grosse deutsche Arzt und Mensch" (S.380), dem "wir Nationalsozialisten ... uns besonders nahe verwandt fühlen" (S.381)

-- Conti behauptet, Paracelsus habe die Heilkunde auf die zwei Prinzipien "Erfahrung und Experiment" gestellt; Conti behauptet ein "deutsches Arzttum" (S.381)

-- Meier: in Wahrheit handelt es sich um die Maximen "Erfahrenheit und Vernunft" (S.381)

-- Conti behauptet, Hippokrates sei rassisch mit Deutschland verbunden und so als Vorläufer zu Paracelsus zu sehen, und Paracelsus habe die "arteigene" deutsche Medizin dann entwickelt:

"Echtes Arzttum wird immer die Lehren und das Andenken des Hippokrates in Ehren halten, ist uns Hippokrates als Grieche der Antike ja auch rassisch verbunden. Aber deutsches Arzttum knüpft heute bei Paracelsus an; denn ihm gelang der Durchstoss ... zu dem wirklich Arteigenen. Wir wissen, dass Paracelsus von Hohenheim bewusst Deutscher war." (S.381)

Neutrale, unpolitische Kommentierung über Paracelsus

Feststellung: Paracelsus war Pionier und altmodisch zugleich
-- Paracelsus ist fortschrittlicher auf einigen Gebieten
oo  in der Psychiatrie
oo  in der radikalen Zurückweisung der Viersäftelehre u.a. (S.284)

-- Paracelsus ist aber auch altmodisch und befürwortet sogar noch die Dorfmedizin von Hexen und Hebammen, Zaubersprüche und Gesundbeterei mit drei Avemaria, z.B. in Basel etc. (S.284)

Fortschritte durch Paracelsus, aufgelistet von Walter Pagel:

-- Definition der Bergsucht als eine Berufskrankheit und die Deutung der Ursachen

-- fortschrittliche Beschreibung der Syphilis

-- Abweisung der Guajakholz-Therapie und der Quecksilbertherapie gegen Syphilis aus Vernunft
-- Kenntnis der hartntreibenden / diuretischen Wirkung von Quecksilber

-- Kenntnis des Nutzens von Quecksilber bei Wassersucht

-- Verbindung von Kropf mit Mineralien und Trinkwasser

-- Wundbehandlung mit antiseptischen und konservativen Prinzipien mit Berücksichtigung der Heilkraft der Natur

-- Erkennen chemischer Heilungsprozesse / Iatrochemie

-- Versuch, anorganische Präparate ungiftig zu präparieren

-- Erkenntnis der sedativen bzw. beruhigenden und einschläfernden Wirkung ätherähnlicher Produkte
-- Zurückweisung der antiken Viersäftelehre und Ersatz durch eine neue Krankheitslehre mit Berücksichtigung externer Faktoren bei der Krankheitsbildung, z.B. bei der Steinbildung

-- Erkenntnisse bei der Magenverdauung: Faktor gewisser Säuren, Schädigung durch andere Säuren, Beobachtung von Eiweissgerinnung durch Säure (S.285)

Ergänzung der Fortschritte durch Paracelsus durch Hemleben:
-- Erkennen des Lungenstoffwechsels
-- Erkennen einer ersten Mundverdauung (S.285)
-- wichtige Erkenntnisse in der Psychiatrie (S.286)
-- gründliche Ausarbeitung der Religionspathologie (S.286) mit Erkennen massenpsychologischer Phänomene (S.286)

1945
Die Gebeine von Paracelsus landen vorübergehend in einem Kehrichtbehälter
verschuldet durch einen dummen "amerikanischen" Soldaten (S.241).

1945-1989
DDR: Die sozialen Ideen von Paracelsus werden am Rande der Gesellschaft positiv umgesetzt
(S.378)

1951
Karl-Heinz Weimann: Wörterverzeichnis der Fachsprache von Paracelsus; Dissertation, Erlangen
bleibt aber gemäss Pirmin Meier unveröffentlicht (S.146).

1955
Kärnten: Publikation der "Kärntner Schriften" von Paracelsus von 1538
-- Buch: Sieben Defensionen
(S.240)
-- Buch: "Labyrinthus medicorum errantium" / "Labyrinth der irrenden Ärzte"
mit Definition: "Aus dem Lebendigen gehet der Grund", bzw.: Krankheiten soll man am lebenden Menschen erkennen und nicht an der Leiche (S.100,240).
-- Buch: "Buch von den tartarischen Krankheiten"
-- Buch: "Chronik des Landes Kärnten (S.240)

in einer Prachtsausgabe von Kurt Goldamer, Gisbert Moro und Karl-Heinz Weimann (S.240).

1979
Blaser rühmt Paracelsus als den Doktor, der perfekt sein wollte
"Seine ärztliche Ethik ... gipfelt in der Forderung des vollkommenen Arztes. Der vollkommene Arzt ist für Paracelsus derjenige, der die reichste Erfahrung besitzt. Je mehr er aus echtem Wissensdrang erfährt, desto reifer wird seine Meisterschaft, desto grösser wird sein Besitz an selbsterworbenen Kenntnissen, die er dem Kranken nutzbar machen kann." (S.294)

In: Blaser, Robert-Henri: Paracelsus in Basel. Muttenz-Basel 1979, S.142

1991

Am Leichnam von Paracelsus wird immer noch eine Autopsie gemacht
weil man immer noch nicht weiss, an was er gestorben ist (S.8).

1993
Paracelsusjahr: Vermutung, dass Paracelsus ein Zwitter gewesen sei
wegen Zwittermerkmalen, publiziert vom Gerichtsmedizinischen Institut der Universität Wien (S.241)

heute / 1993
Neue Paracelsusreihen heute
-- von der Universität Marburg
-- von der Schweizerischen Paracelsus-Gesellschaft: "Nova Acta Paracelsica", seit 1944

-- von der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft Salzburg: "Salzburger Beiträge zur Paracelsus-Forschung", seit 1951

-- Kurt Goldammer: Reihe: "Kosmosophie" mit Neuerscheinung "De invocatione Beatae Mariae Virginis - Paracelsus und die Marienverehrung" von Katharina Biegger, zur Kirchengeschichte, Mariologie und Frauenforschung (S.382)

Paracelsus in der Weltliteratur

-- Zusammenfassung dazu: von Karl-Heinz Weimann: "Hohenheim in der Weltliteratur"; In: Germanisch-Romanische Monatsschrift 1961 (S.394)

-- Paracelsus wird z.T. zu einem zweiten "Faust" hochstilisiert, z.B. in Brownings "Paracelsus" 1835, deutsch 1904 (S.400)

-- Arthur Schnitzler: "Paracelsus-Versspiel in einem Akt" (S.401)

-- Max Mells: Traumspiel: "Der Garten des Paracelsus. Dramatische Phantasie" (1964) (S.402)

-- Trilogie über Paracelsus von Erwin Guido Kolbenheyer (1878-1962) (S.403): Erster Teil: "Die Kindheit des Paracelsus" (1917); zweiter Teil: "Das Gestirn des Paracelsus" (1922); dritter Teil: "Das dritte Reich des Paracelsus" (1925). Die Trilogie wird ein Langzeiterfolg und wird von der UFA auch verfilmt mit Werner Krauss in der Titelrolle (S.404).

Elemente:
oo  das biographische Material ist gut recherchiert, viele kulturgeschichtliche Details und "packend" dargestellt
oo  der Zusammenhang mit einem "3. Reich" ist fatal, wobei dabei das gnostische Zeitalter des Heiligen Geistes gemäss Joachim von Fiore gemeint ist (S.405)

-- Trilogie über Paracelsus von Rosemarie Schuder (1972 in der DDR): mit versteckter Regimekritik
oo  mit ausgedehnten Recherchen
oo  es sind drei gut geschriebene historische Romane
oo  der Hexen- und Teufelsglauben wird unterschlagen zugunsten eines frührationalistischen Arztes und Bauernbefreiers
oo  Paracelsus wird bei Rosemarie Schuder zu einem Klassenkämpfer, wie er von den kommunistischen Regimen gefragt ist (S.405)

 






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Bildernachweis

Titelbilder
-- Paracelsus in jungen Jahren: http://www.thoemmes.com/sci_gal/image86.htm
-- Paracelsus in älteren Jahren: http://natura-naturans.de/tam/


-- Briefmarke 1991 aus Österreich: http://www.aeiou.at/aeiou.stamp.1991.910927b


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