ZÜRICH – Der Jet-Set-Treffpunkt St. Moritz bietet
Sonne, einen hohen Promifaktor und ganz viel weisses Pulver. Nicht nur
das, worauf man Ski fahren kann.
Die Schönen und Reichen haben viel Spass im Engadiner
Nobelkurort.
Es ist ein Sehen und Gesehen werden. Man ist exklusiv gekleidet und
immer in bester Partylaune. Dass dabei nicht nur der Champagner in
Strömen fliesst, dürfte schon manch einer vermutet haben.
Aber die Testergebnisse des Nürnberger Instituts für Biomedizinische
Forschung im Auftrag von «10vor10» erstaunen doch: In St. Moritz wird
gekokst, was das Zeug hält. Gemäss Testleiter Professor Fritz Sörgel
dürften es hochgerechnet gegen 1400 Linien Kokain sein – pro Tag!
Herausgefunden haben dies die Tester mit Abwasserproben: Jeder Kokser
scheidet über seinen Urin Benzoylecgonin aus und hinterlässt so eine
chemische Spur. Dabei kommt die Region St. Moritz, Celerina, Pontresina
mit dem Spitzenwert von 27,5 Piktogramm/ml gegenüber Zürich (17,5
pg/ml) und Bern (2,85 pg/ml) schlecht weg.
Um die Messresultate zu stützen, haben die Wissenschaftler auch noch
Wischproben auf den Toiletten genommen. Auch dort spricht das Ergebnis
nicht für den erholsamen, gesunden Wintersportler: Bis zu 98 Mikrogramm
Kokain wurden so in den Klos von Discos gefunden.
Den St. Moritzer Kurdirektor Hanspeter Danuser mag das nicht
beunruhigen: Man habe viele Gäste aus Mailand, New York, Zürich. Da sei
es doch klar, dass diese ihre Gewohnheiten auch mitbrächten. Und auch
bei der Bündner Kantonspolizei sieht man keinen Handlungsbedarf. Zudem
zweifle man an der Zuverlässigkeit der Tests des Nürnberger Instituts.
Kurdirektor Danuser ist über die passive Polizei nicht unglücklich: Der
Kokskonsum passiere im Privaten, zitiert ihn der «Tages-Anzeiger». Da
werde niemand gestört.>