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Merkblatt: Antibiotika

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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4.9.2010: Grosse Bakterien schützen kleine Bakterien gegen Antibiotika

Im Kampf gegen Bakterien haben Antibiotika nur eine begrenzte Wirkung, und die Forschung gibt nun an, warum: Grosse "Superbakterien" schützen kleinere Bakterien vor dem Tod durch Antibiotika. Aber lesen Sie selbst:

aus: n-tv online: Wissen: Vor tödlichen Antibiotika: Bakterien beschützen Schwächere; 4.9.2010;
http://www.n-tv.de/wissen/Bakterien-beschuetzen-Schwaechere-article1417736.html

<Um die genetische Vielfalt der Population zu erhalten, helfen "Superbakterien" schwächeren Mitgliedern ihrer Art, eine tödliche Dosis Antibiotika zu überleben.

Widerstandsfähige "Superbakterien” können schwächere Artgenossen vor tödlichen Antibiotika schützen. Dazu produzieren die resistenten Keime im Überfluss bestimmte Stoffe, die empfindlicheren Bakterien helfen, mit dem normalerweise tödlichen Medikament fertig zu werden. Sie tun dies, um das Überleben der gesamten Kolonie zu sichern - und zwar obwohl ihr eigenes Wachstum dadurch eingeschränkt wird, wie US-Forscher im Fachmagazin "Nature" berichten. Dieses selbstlose Verhalten solle vermutlich die genetische Vielfalt der Population erhalten.

Henry Lee vom Howard Hughes Medical Institute in Boston (US-Staat Massachusetts) und seine Mitarbeiter hatten eine Kolonie von Kolibakterien unter "Antibiotika-Stress" gesetzt. Sie gaben dazu das Antibiotikum Norfloxacin in das Kulturmedium. Und zwar immer genau so viel, dass das Wachstum der Bakterien zwar zunächst gebremst wurde, sie aber nicht ganz abstarben.

Superbakterien halten stand

Nach einiger Zeit begann die Population dann wieder zu wachsen - die Bakterien hatten Resistenzen gegen das Antibiotikum entwickelt. Daraufhin erhöhten die Forscher die Dosis, und das Spiel begann von vorn. Nach zehn Tagen konnten die Bakterien insgesamt eine fünffach höhere Norfloxacin-Dosis vertragen als zu Beginn des Experiments.

Untersuchungen zeigten aber nun, dass der Großteil der Bakterien innerhalb der Kolonie gar nicht so hohe Antibiotika-Dosen vertrug wie die Kolonie insgesamt. Nur einige Superbakterien konnten tatsächlich der hohen Antibiotika-Dosis standhalten. Diese Bakterien, so fanden Lee und seine Mitarbeiter heraus, produzieren die Substanz Indol - ein Signalmolekül, das bei der Stresstoleranz von Escherichia-coli-Bakterien eine Rolle spielt.

Bakterien verhalten sich selbstlos

Indol hilft nun den empfindlicheren Bakterien dabei, das Antibiotikum aus den Zellen herauszuschleusen und aktiviert zusätzlich weitere Schutzmechanismen, berichten die Forscher. Auf diese Weise würden auch die weniger resistenten Mitglieder der Population vor der Wirkung des Antibiotikums geschützt.

Die Superbakterien wachsen infolge der Indol-Produktion langsamer, ergaben weitere Untersuchungen. Ihr Verhalten sei mithin selbstlos und stelle einer Form der bei vielen Tieren festgestellten Verwandtenselektion dar. Dieser Begriff umschreibt die selbstlose Unterstützung von verwandten Artgenossen. Das Verhalten dient normalerweise dazu, die Weitergabe der eigenen Gene in die nächste Generation zu fördern. Bei den Bakterien diene das Verhalten vermutlich dazu, die genetische Vielfalt der Population zu erhalten.

dpa>

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7.9.2010: Kakerlaken und Heuschrecken produzieren ihre eigenen Antibiotika - 90% Wirkung gegen Staphylococcus aureus und Escherichia coli

aus: Spiegel online: Antibiotika entdeckt: Insektenhirne produzieren Waffen gegen Keime; 7.9.2010; http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,716146,00.html

<DPA

Heuschrecke Tyrannophasma gladiator: Abwehrmoleküle im Gehirn

Schaben und Heuschrecken stellen wirkungsvolle Antibiotika her, um sich gegen Krankheitserreger zur Wehr zu setzen: Im Gehirn der Insekten haben Forscher eine Reihe von Molekülen entdeckt, die für viele Mikroben tödlich sind. Diese könnten eine Grundlage für neue Therapien sein.

Schaben haben einen schlechten Ruf: Sie sind vor allem als Gesundheitsschädlinge und Krankheitsüberträger bekannt. Auch die Beliebtheit der Heuschrecke hält sich in Grenzen, ist das Insekt doch als allesfressende Landplage verschrien. Nach den Entdeckungen von Simon Lee und seinen Kollegen könnte sich dies nun ändern: Die Wissenschaftler stießen bei Insekten auf Substanzen, die sich als giftig für verschiedene Bakterien herausstellten.

Im Oberschlundganglion und dem Nervensystem fanden die Forscher neun solcher Moleküle, berichtet Lee von der University of Nottingham auf der Herbsttagung der Society for General Microbiology in Nottingham. Als Oberschlundganglion wird bei Insekten der größte Knoten des zentralen Nervensystems bezeichnet. Es entspricht in seinen Funktionen in etwa denen des Gehirns bei Wirbeltieren.

In Laborversuchen mit dem gefürchteten, gegen das Antibiotikum Methicillin resistenten Krankenhauskeim Staphylococcus aureus (MRSA) sowie dem Magenbakterium Escherichia coli wurden mehr als 90 Prozent der Erreger durch die Insekten-Antibiotika abgetötet. Für menschliche Zellen waren die Substanzen hingegen harmlos.

Für die Forscher ist es keine Überraschung, dass Heuschrecken und Schaben ihre eigenen Antibiotika produzieren. "Insekten leben meist in äußerst unhygienischen und ungesunden Umgebungen, wo sie auf viele verschiedene Krankheitserreger treffen", erklärt Lee. "Daher ist es nur logisch, dass sie ihre eigenen Abwehrstrategien gegen Mikroorganismen entwickelt haben."

In den vergangenen Jahren ist die Zahl von Bakterienstämmen, denen die gebräuchlichen Antibiotika nichts mehr anhaben können, in besorgniserregendem Maße angestiegen. Gleichzeitig schränkt die pharmazeutische Industrie die Entwicklung neuer Antibiotika aus Kostengründen immer weiter ein.

Die von Simon Lee und seinen Kollegen entdeckten antibakteriellen Moleküle in den Gehirnen von Schaben und Heuschrecken könnten zukünftig zu neuartigen Behandlungsmethoden gegen multiresistente Bakterien-Stämme führen. Zurzeit sind die Wissenschaftler damit beschäftigt, die speziellen Eigenschaften dieser Substanzen genauer zu untersuchen.

cib/ddp>

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8.10.2010: Antibiotika töten Darmbakterien wahllos ab und zerstören zum Teil dauerhaft die Verdauungsprozesse

aus: Welt online: Antibiotika lähmen den natürlichen Mix im Darm, 8.10.2010;
http://www.welt.de/gesundheit/article10150860/Antibiotika-laehmen-den-natuerlichen-Mix-im-Darm.html

<Der Darm ist kein Freund von Antibiotika. Nun fand ein US-Forscher heraus: Das Medikament kann unsere Darmflora auch dauerhaft aus der Bahn werfen.

Antibiotika töten die Bakterien im Bauch ab und unterscheiden nicht zwischen gut und böse. So entstehen oft Verdauungsprobleme
Von Lauran Neergaard

Dass Antibiotika bei vielen Menschen Verdauungsprobleme verursachen, ist allseits bekannt. Aber die wiederholte Einnahme solcher Medikamente verändert einer Studie zufolge auch die natürliche Bakterienvielfalt im Darm über längere Zeit. Zwar weiß niemand, ob dies langfristig größere Probleme auslöst. Aber immer mehr Untersuchungen zeigen, wie wichtig der individuelle Bakterienzoo eines Menschen für seine Gesundheit ist. Demnach könnte eine ungünstige Mikrobenmixtur im Verdauungstrakt zu etlichen Beschwerden beitragen – von Fettleibigkeit bis zu entzündlichen Darmerkrankungen.

Manche Forscher vermuten, dass insbesondere die Einnahme von Antibiotika in der frühen Kindheit Immunstörungen wie Allergien oder Asthma auslösen kann. Denn die Medikamente sind grundsätzlich nicht wählerisch: Sie töten nützliche Bakterien ebenso ab wie die üblen Keime, gegen die sie verordnet werden.

David Relman von der Universität Stanford wollte ermitteln, wie lange die Mikrobenvielfalt im Darm braucht, um sich wieder zu erholen. Daher ließ er drei gesunde Frauen, die länger keine Antibiotika verwendet hatten, wiederholt im Abstand von sechs Monaten das vergleichsweise milde Präparat Ciprofloxacin für die Dauer von jeweils fünf Tagen einnehmen.

Im ersten Durchgang klagte zwar keine der Frauen über Durchfall oder Übelkeit. Aber Stuhlproben enthüllten, was sich unter der vermeintlich ruhigen Oberfläche tat. Ein Drittel bis die Hälfte der Bakterienarten verschwand nahezu ganz, dafür drängten andere Mikroorganismen in die frei gewordene Lücke. Nach einer Woche hatte sich die ursprüngliche Bakterienverteilung aber bei zwei der drei Frauen wieder eingestellt. Nur bei der dritten Probandin waren die Keimkolonien noch ein halbes Jahr später verändert.

Der zweite Antibiotika-Durchgang setzte den Darmkeimen anfangs wieder in ähnlichem Maße zu. Aber diesmal normalisierte sich - anders als zuvor – die Darmflora bis zum Ende der Studie zwei Monate später bei keiner der drei Frauen.

Die Untersuchung zeigt exemplarisch das fragile Gleichgewicht, das der Mensch mit seinem Mikrobiom teilt – also jenen Billionen Mitbewohnern, die sich etwa auf der Haut oder in der Nase tummeln. Viele sind von ihnen sind nicht nur nützlich, sondern gar extrem wichtig. Dies gilt vor allem für die Bakterien des Darms, deren Rolle jahrelang unterschätzt wurde. “Die Gemeinschaften des Verdauungstraktes sind grundlegend für die Entwicklung unseres Immunsystems“, betont Relman, dessen Studie im renommierten Fachblatt “PNAS“ veröffentlicht wurde. “Wir sollten sie nicht für garantiert nehmen.“

Der Forscher will nun klären, welche Wirkung Antibiotika in den ersten beiden Lebensjahren haben – also genau dann, wenn Kleinkinder ihre ureigensten Keimkolonien aufbauen. Möglicherweise steigern die Medikamente in dieser Phase das Risiko für spätere Probleme des Immunsystems.

Denn jeder Mensch kommt mit einem mehr oder weniger sterilen Verdauungstrakt zur Welt. Der wird binnen Tagen von verschiedensten Keimen besiedelt. Die stammen von den Eltern, aus der Umgebung, von der ersten Nahrung. Nach und nach steigt die Vielfalt im Darm eines gesunden Menschen auf Hunderte Mikrobenarten, von denen viele der Verdauung und dem Immunsystem nützliche Dienste erweisen.

Forscher wissen etwa, dass fettleibige Menschen andere Darmkeime tragen als schlanke Personen. Schon eine Diät kann die Keimkolonien verändern. Zudem könnten veränderte Bakterienkolonien auch an Erkrankungen beteiligt zu sein, etwa an der Entstehung von Polypen, einer Vorform von Darmkrebs.

Zwar sollten Antibiotika ohnehin grundsätzlich sparsam verwendet werden, allein schon wegen der Gefahr, dass bakterielle Krankheitserreger Resistenzen dagegen entwickeln. Aber die neue Studie zeigt, dass sie auch nützlichen Bakterien zusetzen, mit unabsehbaren Risiken für die spätere Gesundheit.

“Wir sollten anfangen, mehr darauf darauf achten“, sagt der Mikrobiologe Martin Blaser von der Universität New York, der nicht an der Studie beteiligt war. “Der Einsatz von Antibiotika hat auch aus biologischer Sicht seinen Preis.“

dapd>

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Deutschland 25.10.2010: Hühnerzucht braucht 30% mehr Antibiotika als noch vor 10 Jahren -  die falsche Lücke im Gesetz zum Schaden der Konsumenten

aus: Welt online: Massentierhaltung: Hähnchen werden mit Antibiotika am Leben gehalten; 25.10.2010;
http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article10527306/Haehnchen-werden-mit-Antibiotika-am-Leben-gehalten.html

<Masthähnchen werden immer stärker mit Antibiotika gepäppelt – mit fatalen Folgen für Verbraucher. Die Verantwortlichen wiegeln ab.

Verbraucher essen die Medikamente aus der Hähnchenmast ungewollt mit

Von Markus Huth

In der konventionellen Hähnchenhaltung setzen Mäster immer mehr Antibiotika ein. Wurden vor zehn Jahren im Schnitt 1,7 Behandlungen pro Mastdurchgang angewendet, sind es heute etwa 2,3 Behandlungen, wie eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums sagte.

Vor diesem Hintergrund stellte der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Christian Meyer, die von der schwarz-gelben Landesregierung behaupteten Fortschritte beim Tier- und Verbraucherschutz infrage. „Der offenbar unkontrolliert zunehmende Einsatz von Antibiotika und die damit einhergehende Gesundheitsgefährdung für die Konsumenten sind ein Skandal“, sagte Meyer.

Das Landwirtschaftsministerium wies den Vorwurf zurück. Der Einsatz von Antibiotika erfolge keinesfalls unkontrolliert, sondern finde im Rahmen ordnungsgemäßer Behandlungen durch Veterinäre statt, sagte die Sprecherin. Zudem werde das produzierte Fleisch routinemäßig stichprobenartig auf für die Verbraucher schädliche Rückstände überprüft. Ab 2012 soll nach einer Bundesverordnung eine Datei erfassen, in welche Postleitzahlenregion wie viele Medikamente geliefert werden.

Doch sieht die Verordnung eine Ausnahme für die Geflügelbranche vor. Hier wird nicht aufgeschlüsselt, wohin die Medikamente geliefert werden. Nach Angaben des Ministeriums sind datenschutzrechtliche Bedenken der Grund dafür. In diesem Zusammenhang forderte die SPD-Fraktion in Hannover die Landesregierung auf, sich gegen Sonderrechte für die Geflügelwirtschaft auszusprechen, „die das Ausmaß des dortigen Einsatzes von Medikamenten verschleiern sollen“. Zu starker Einsatz von Antibiotika kann bei Menschen dazu führen, dass sich Resistenzen bilden, also die Mittel im Falle einer Krankheit wirkungslos sind.

dapd>

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22.2.2011: <Resistente Keime: Kliniken fast machtlos>

aus: n-tv online; 22.2.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Kliniken-fast-machtlos-article2670276.html

<Im Krankenhaus noch kränker werden - ein Albtraum. Aber resistente Keime machen einen Klinikaufenthalt immer riskanter. Nach Expertenangaben sterben in Deutschland jährlich tausende Menschen, weil sie sich im Krankenhaus infiziert haben. Auch Altersheime sind davon betroffen. Gefährlich ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil die Pharmaindustrie seit Jahren kaum neue Antibiotika entwickelt hat.

Resistente Keime machen einen Aufenthalt in der Klinik immer mehr zur Gefahr: In Deutschland sterben nach Angaben eines führenden Experten jedes Jahr fast 20.000 Menschen, weil sie sich im Krankenhaus infiziert haben. "Betroffen sind vor allem ältere Menschen und Patienten nach schweren Operationen", sagte der Direktor des Max-Planck-Institutes für Infektionsbiologie in Berlin, Prof. Stefan Kaufmann.

Die Situation sei mit Ausnahme der Niederlande "in ganz Europa sehr besorgniserregend". Und es sei keine Besserung abzusehen, weil neue schlagkräftige Antibiotika fehlten, die die Resistenz der Staphylokokken und Enterokokken überwinden könnten, sagte Kaufmann am Rande eines Wissenschaftskongresses in Washington. Dort sprach der international gefragte Immunologe über die ersten Versuche mit einem am Max-Planck-Institut in Berlin entwickelten Impfstoff gegen Tuberkulose.

Auch Altersheime betroffen

Außer Kliniken sind laut Kaufmann auch Altersheime von den Infektionsrisiken betroffen. Dabei zeigt das Beispiel Niederlande, dass "man mit strengster Hygiene weit kommt und die Keime ganz gut abwehren kann."

Gefährlich ist die Entwicklung in Deutschland vor allem deshalb, weil die Pharmaindustrie seit Jahren kaum mehr neue Antibiotika entwickelt hat und vor allem keine, die auch die resistenten Erreger an einer wunden Stelle treffen und töten würde.

Laut Kaufmann waren zwischen 1950 und 1980 noch 200 neue Antibiotika auf den Markt gekommen, von 1980 bis 2010 nur noch 55, darunter gerade noch 7 in den letzten zehn Jahren. "Zum Glück ist das Problem inzwischen erkannt worden. Es wird bei uns und in den USA an neuen Mitteln gearbeitet. Aber es dauert natürlich Jahre, um dieses Feld zu revitalisieren", sagte der Infektionsexperte.

dpa>

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30.5.2011: <"Antibiotika säckeweise verabreicht"> - Antibiotika über das Trinkwasser verabreicht - Karenzzeiten vor der Schlachtung werden nicht eingehalten -

aus: n-tv online: "Antibiotika säckeweise verabreicht" - Gesetze sind weisse Salbe; 30.5.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Gesetze-sind-weisse-Salbe-article3455096.html

<Immer mehr Antibiotika drohen als sichere Therapiemöglichkeit auszufallen, weil Bakterien unempfindlich werden. Das Robert-Koch-Institut spricht von einer "Waffe, die zunehmend stumpf geworden ist". Schuld daran ist die ausufernde Verordnung dieser Medikamente. Für den wissenschaftlichen Berater der Tierrechteorganisation PETA, Edmund Haferbeck, steht fest, dass auch der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung wesentlichen Anteil an der Entwicklung trägt.

n-tv.de: Nach Angaben des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI) haben im Jahr 2009 mehr als 18 Millionen gesetzlich Versicherte Antibiotika geschluckt. Im Schnitt bekam jeder Patient zweieinhalb Antibiotika-Packungen verordnet, Privatrezepte nicht mitgerechnet. Gibt es ähnliche Statistiken, die den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast belegen?

Edmund Haferbeck: Leider kann ich nicht mir aktuellen Werten glänzen. Fest steht aber bereits seit Jahren, dass der Einsatz von Antibiotika weltweit zu über 50 Prozent in die Tiermast geht. Und der Trend ist nicht etwa rückläufig, wie uns staatliche Stellen klarmachen wollen. Obgleich seit 2005/06 als Leistungsförderer in der Tiermast verboten, steigt der Verbrauch von Antibiotika in den großen Betrieben weiter. Die industrielle Massentierhaltung ist für die Pharma-Industrie einer der wichtigsten Märkte weltweit. Mittlerweile belegen auch Studien, dass die in der Tierhaltung eingesetzten Antibiotika durch die Nahrungskette beim Menschen angelangt sind. Der Mensch steht demzufolge unter ständigem Antibiotikaeinfluss.

Ist der Einsatz von Antibiotika die einzige Möglichkeit, Tierkrankheiten zu bekämpfen?

Nein, nicht die einzige, aber die billigste Maßnahme. Antibiotika werden in der Tierhaltung eingesetzt, um selbstverständliche bakterielle Infektionen, die sonst ständig grassieren würden, einzudämmen und zu bekämpfen. Das geht nicht am einzelnen Tier, das setzt man über den gesamten Bestand hinweg ein. Und man macht es regelmäßig, auch wenn die Keimbelastung noch gar nicht den Sprung zur Krankheit überschritten hat.

[Antibiotika über das Trinkwasser verabreicht]

Werden die Tiere geimpft oder gelangt die Arznei über das Futter zum Einsatz?

Stroh lernen die Tiere in der Massenhaltung nicht mehr kennen.

Antibiotika werden zumeist über das Trinkwasser verabreicht. So soll die Schwelle der bakteriellen Belastung heruntergedrückt werden, um nicht wachstumshemmend zu wirken. Belastete Tiere wachsen langsamer als solche, die ihre eigenen Energien zur Bekämpfung von Bakterien einsetzen müssen. Wir sprechen hier von einem leistungsfördernden Prinzip.

… das, wie Sie eingangs sagten, seit 2005 verboten ist.

Die Antibiotika werden den Tieren einfach über das Trinkwasser zugeführt. Wir reden hierbei nicht von Trinkgefäßen, sondern von den Zuleitungen. Dafür sind die Anlagen in den modernen Stallungen bereits bautechnisch ausgelegt. Bei Beständen von tausenden wird kein Tier mehr einzelnen behandelt. All bekommen die gleiche Betreuung – die gleiche schlechte Betreuung.

[Karentzzeiten vor der Schlachtung werden nicht eingehalten]

Hat denn das Tier die Medikamente bereits verarbeitet, bevor es in den Nahrungskreislauf des Menschen gelangt?

Nein, die Karenzzeiten von der letzten Antibiotika-Eingabe bis zur Schlachtung werden selbstverständlich nicht eingehalten. Das würde den gestaffelten Wachstumsverlauf in der Anlage gefährden. Das wird auch deshalb nicht eingehalten, weil nie etwas eingehalten wird in der industriellen Mast. Da können Sie so viele Gesetze erlassen, wie Sie wollen.

[Säckeweise reine Antibiotika in den Tiermastbetrieben]

Schaut niemand den Produzenten auf die Finger?

Hin und wieder werden solche Skandale von uns aufgedeckt. Wenn wir unangemeldet in diese Betriebe gehen, dann finden wir kiloweise, ja säckeweise reine Antibiotika wie beispielsweise Aviapen vor. Im Grunde werden die Tiere vom ersten Tag an mit Antibiotika vollgepumpt. Und das geht so bis zum Schlachtende. Kontrollen staatlicher Behörden führen zu nichts. Auf dem Lande gibt es ein feines Informationsnetz, das über bevorstehende Besuche informiert. Für die Bestandstierärzte ist es das große Geschäft, wenn sie ihre Mittel verkaufen können. Im Grunde genommen tun sie nicht einmal was Verbotenes, denn sie handeln aus therapeutischer Sicht. Irgendein krankes Schwein, Huhn oder Pute wird sich immer finden, um den Breitbandeinsatz der Medikamente zu rechtfertigen.

[Tierärzte ohne Kontrolle]

Wer kontrolliert die Tierärzte?

Niemand. Da gibt es keine höhere Stelle oder Behörde, bei der sie über den Einkauf ihrer Medikamente Rechenschaft ablegen müssen. Diese Leute haben allein auf Grund ihres ärztlichen Status' die Möglichkeit, ohne Einschränkungen solche Antibiotika einzukaufen und an ihre Landwirte weiterzureichen. Der Einsatz der Medikamente wird in der Massentierhaltung auch nicht mehr unter tierärztlicher Betreuung vorgenommen. Wenn Sie mich fragen, würde ich sagen, dass die wirklich vielen und auch guten Gesetze, die wir in Deutschland haben, vor allem eine "weiße Salbe" für die Verbraucher sind. Die Menschen können so das Märchen der Lebensmittelsicherheit besser schlucken.

[Der Antibiotika-Missbrauch in der Massentierhaltung ist "organisierte Kriminalität"]

Ich bin bislang davon ausgegangen, dass man hier in Deutschland durch ein fein gesponnenes Kontrollnetz die Tierproduktion im Griff hat. Nun höre ich von Ihnen, dass es scheinbar einen systematischen Betrug gibt.

So ist es schon immer, ich kann da nichts schönreden. Ich beobachte das Geschehen seit 30 Jahren. Mein Spezialgebiet als Agrarwissenschaftler ist die Tierproduktion und ich kann Ihnen sagen, dass man in Deutschland nichts, was mit Nutztierhaltung zu tun hat, im Griff hat. Ich rede sogar von organisierter Kriminalität. Hier geht es um weltweit agierende Konzerne, denen es völlig egal ist, was mit ihren Tieren passiert. Sie betrachten sie als Ware, die funktionieren muss. Da geht es um Profite, um 15 Prozent, die aus den Tieren herausgeholt geholt werden müssen. Und da ist es völlig egal, auf welche Weise der Profit erzielt wird.

Was kann der Verbraucher tun?

Erst einmal kein Fleisch mehr [essen]. Damit würde man auch sich selbst etwas Gutes tun. Fangen wir aber eine Stufe darunter an, heißt die klare Botschaft: Man kauft kein Fleisch beim Discounter. Man kann nicht für 1,99 ein Hähnchen kaufen und glauben, man nimmt ein Lebensmittel zu sich. Wenn Fleisch sein soll, dann nur Bio oder Fachgeschäft. Das Kostenargument darf nicht länger gelten. Natürlich muss ein gesund gewachsenes Stück Fleisch aus artgerechter Haltung teurer sein als eins aus der industriellen Produktion. Wenn man darüber schimpft, dass das so teuer ist, soll man eben gar kein Fleisch kaufen. Wenn mittlerweise selbst der Boulevard die vegetarische Küche entdeckt, Bestseller zu dieser Thematik in den Buchläden zu haben sind, dann sollte das deutlich machen, wie weit das Problem bereits in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Mit Edmund Haferbeck sprach Peter Poprawa>


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Deutschland 28.10.2011: <Hähnchenmast: Antibiotika massiv eingesetzt>

aus: n-tv online; 28.10.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Antibiotika-massiv-eingesetzt-article4643666.html

<Laut einer Studie aus Nordrhein-Westfalen setzen Betriebe zur Hähnchenmast massiv Antibiotika ein. Demnach wurden 83 Prozent der Bestände in den 182 untersuchten Betrieben mit dem Medikament behandelt. Und damit nicht genug: Die Anwendung erfolgt kürzer als vorgeschrieben, was Resistenzen bei den Bakterien befördert.

In der Hähnchenmast werden einer unveröffentlichten Studie aus Nordrhein-Westfalen zufolge massiv Antibiotika eingesetzt. Laut der Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse in 182 Mastbetrieben sind 83 Prozent der Hähnchenmastbestände mit den antibakteriellen Arzneien behandelt worden. Grundlage der Untersuchung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz waren 962 Mastdurchgänge - der Spanne zwischen Schlüpfen und Schlachten - in den Betrieben. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen, fünf Prozent der Proben müssen noch ausgewertet werden. Die Geflügelwirtschaft erklärte, sie wolle den Einsatz von Antibiotika verringern.

"Weiteres wesentliches Ergebnis ist, dass bei den durchgeführten Mastdurchgängen eine Vielzahl von Medikamenten, zum Teil gleichzeitig bis zu acht unterschiedliche Wirkstoffe, zum Einsatz kam", heißt es in dem Papier. Über die Hälfte der Behandlungen mit Antibiotika sei nur bis zu zwei Tagen erfolgt und verstoße damit gegen die Zulassungsbedingungen für diese Medikamente. Bei verkürzten Verabreichungen der Arzneien droht die Gefahr, dass sich bei den Bakterien Resistenzen bilden können. In der Massentierhaltung dürfen Antibiotika nur aus medizinischen Gründen eingesetzt werden. Ein Huhn lebt in der konventionellen Haltung vom Schlüpfen bis zur Schlachtung etwa 35 Tage.

Politik will noch nicht reagieren

Das Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf teilte mit, zu der Studie könne keine Stellungnahme abgegeben werden. "Wir können lediglich bestätigen, dass wir eine solche Studie in Auftrag gegeben haben und ein erster Entwurf vorliegt", hieß es. Auch eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums sagte, zu Einzelheiten der Studie könne nichts gesagt werden, da sie nicht vorliege. Wenn die Zahlen stimmen sollten, sei NRW aufgefordert, schleunigst zu handeln, sagte die Sprecherin. Es sei Aufgabe der Länder, die Geflügelbetriebe zu kontrollieren und für die Einhaltung der Vorschriften zu sorgen.

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft kündigte nach Bekanntwerden der Studie an, künftig sollten sämtliche Antibiotika-Anwendungen bundesweit erfasst werden. Diese Daten sollten dazu dienen, Strategien für einen geringeren Einsatz dieser Medikamente zu entwickeln. Verbandsgeschäftsführer Thomas Janning wies Vorwürfe zurück, die Antibiotika würden zur Förderung des Wachstums eingesetzt: "Das ist eine Unterstellung und schlicht nicht wahr."

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Deutschland 9.11.2011: Bauern und Tierärzte umgehen die Vorschriften für die Anwendung von Antibiotika - mehr Antibiotika im Fleisch als erlaubt

aus: n-tv online: n-tv online: Strengere Regeln für Hähnchenmast: Aigner bremst Antibiotika-Bauern; 9.11.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Aigner-bremst-Antibiotika-Bauern-article4727516.html

<Aigner will die Gesetzeslücken schließen.

Bei der Tiermast kommen weit mehr Antibiotika zum Einsatz als offiziell vermeldet. Für den Menschen kann es gefährlich werden, wenn er mit seinem Steak zu viele Antibiotika zu sich nimmt. Gesetze dagegen werden bislang von Bauern und Tierärzten umgangen. Deshalb will Ministerin Aigner jetzt die Regeln verschärfen.

Nach Berichten darüber, dass "Antibiotika säckeweise verabreicht" werden, will Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ein umfassendes Maßnahmenpaket schnüren. Vor allem soll die Verabreichung von Antibiotika besser als bisher dokumentiert werden. "Die Überwachungsbehörden der Länder werden damit in die Lage versetzt, den Arzneimittelstrom vom Tierarzt über Tierhalter bis hin zum Tier mengenmäßig gezielt zu erfassen", sagte Aigner im NDR info.

Durch die verschärften Regeln sollen die bei der Tierhaltung verwendeten Antibiotika-Mengen minimiert werden. Die Aufnahme von zu viel Antibiotika über die Nahrung kann beim Menschen nämlich dazu führen, dass das Mitteln im Ernstfall nicht mehr wirkt. Kürzlich war jedoch eine Studie aus Nordrhein-Westfalen bekanntgeworden, wonach in 83 Prozent der untersuchten Hähnchenmastbetriebe bis zu acht verschiedene Antibiotika ins Futter gemischt worden waren.

Verordnung wird lediglich ausgeweitet

Aufgrund der verschärften Melde- und Aufzeichnungspflichten, die vor allem die Tierärzte betreffen, sollen Mitte des kommenden Jahres erstmals genaue Daten über die verabreichten Arzneimittelmengen veröffentlicht werden. Seit Anfang 2011 wird in einer zentralen Datenbank bereits die Antibiotika-Vergabe an Kühe und Schweine dokumentiert, nicht aber der Einsatz in der Hühner- und Putenhaltung. Jetzt kündigte das Agrarministerium jedoch an, dass künftig auch die Daten über Geflügel-Arzneimittel zur Verfügung gestellt würden.

Nordrhein-Westfalens Agrarminister Johannes Remmel (Grüne) begrüßte, dass die bisherige "Verschleierungstaktik beim Antibiotika-Einsatz in der Hähnchenmast" ein Ende habe. "Doch ob der Ankündigung auch Taten folgen, bleibt abzuwarten."

Datenschutz verhindert die Aufklärung

Aigner betonte allerdings, schon jetzt sei der Einsatz von Antibiotika nur zur Behandlung kranker Tiere erlaubt, nicht aber zur Wachstumsförderung. "Verstöße gegen diese Vorschriften sind strafbar und müssen geahndet werden", sagte die Ministerin und verwies auf die Zuständigkeit der Bundesländer bei der Kontrolle der Zuchtbetriebe. Remmel beklagte hingegen, unter dem "Deckmantel des Datenschutzes" habe die Bundesregierung bislang die Antibiotika-Ströme verschleiert und damit die Arbeit der Länder behindert. Die jetzt von Aigner angekündigten Nachbesserungen seien daher längst überfällig gewesen.

Russland stoppt Schweine-Import aus Deutschland

Mit Verwunderung reagierte das Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine aktuelle Ankündigung Russlands, ab kommenden Dienstag keine lebenden Schweine mehr aus Deutschland zu importieren. Es sei nicht gewährleistet, dass die Tiere jeweils 30 Tage vor dem Eintreffen in Russland nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden, sagte der Leiter der russischen Veterinärbehörde, Sergej Dankwert, in Moskau zur Begründung. Deutschland habe Russland nicht wie verlangt eine Garantie gegeben, daher werde Russland ab dem 15. November auch keine lebenden Schweine mehr einführen, sagte Dankwert. Das Importverbot bleibe so lange in Kraft, bis Russland diese Garantie erhalte.

Laut Landwirtschaftsministerium in Berlin ist der Zusammenhang, den die russische Seite herstelle, nicht nachvollziehbar. "Wir sind in Gesprächen mit unseren russischen Partnern, um etwaige Missverständnisse auszuräumen", erklärte ein Sprecher. Deutschland liefert nach Moskauer Angaben jährlich bis zu 350.000 lebende Schweine nach Russland.

dpa/AFP/rts>

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16.11.2011: <Antibiotika-Einsatz in Massentierhaltung: Folgen sind fatal>

aus: n-tv online; 16.11.2011;
http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Folgen-sind-fatal-article4784566.html

Antibiotika in Masthühnern ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt eine Studie des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums. Demnach werden mehr als 96 Prozent aller Masthühner mit Antibiotika behandelt - die Ergebnisse sollen bundesweit übertragbar sein.

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16.11.2011: "Massnahmenpaket" gegen Antibiotika-Missbrauch bei der Massentierhaltung

aus: n-tv online: Strengere Regeln für Hähnchenmast: Aigner bremst Antibiotika-Bauern; 16.11.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Aigner-bremst-Antibiotika-Bauern-article4727516.html

<Bei der Tiermast kommen weit mehr Antibiotika zum Einsatz als offiziell vermeldet. Für den Menschen kann es gefährlich werden, wenn er mit seinem Steak zu viele Antibiotika zu sich nimmt. Gesetze dagegen werden bislang von Bauern und Tierärzten umgangen. Deshalb will Ministerin Aigner jetzt die Regeln verschärfen.

Nach Berichten darüber, dass "Antibiotika säckeweise verabreicht" werden, will Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ein umfassendes Maßnahmenpaket schnüren. Vor allem soll die Verabreichung von Antibiotika besser als bisher dokumentiert werden. "Die Überwachungsbehörden der Länder werden damit in die Lage versetzt, den Arzneimittelstrom vom Tierarzt über Tierhalter bis hin zum Tier mengenmäßig gezielt zu erfassen", sagte Aigner im NDR info.

Durch die verschärften Regeln sollen die bei der Tierhaltung verwendeten Antibiotika-Mengen minimiert werden. Die Aufnahme von zu viel Antibiotika über die Nahrung kann beim Menschen nämlich dazu führen, dass das Mitteln im Ernstfall nicht mehr wirkt. Kürzlich war jedoch eine Studie aus Nordrhein-Westfalen bekanntgeworden, wonach in 83 Prozent der untersuchten Hähnchenmastbetriebe bis zu acht verschiedene Antibiotika ins Futter gemischt worden waren.

Verordnung wird lediglich ausgeweitet

Aufgrund der verschärften Melde- und Aufzeichnungspflichten, die vor allem die Tierärzte betreffen, sollen Mitte des kommenden Jahres erstmals genaue Daten über die verabreichten Arzneimittelmengen veröffentlicht werden. Seit Anfang 2011 wird in einer zentralen Datenbank bereits die Antibiotika-Vergabe an Kühe und Schweine dokumentiert, nicht aber der Einsatz in der Hühner- und Putenhaltung. Jetzt kündigte das Agrarministerium jedoch an, dass künftig auch die Daten über Geflügel-Arzneimittel zur Verfügung gestellt würden.

Nordrhein-Westfalens Agrarminister Johannes Remmel (Grüne) begrüßte, dass die bisherige "Verschleierungstaktik beim Antibiotika-Einsatz in der Hähnchenmast" ein Ende habe. "Doch ob der Ankündigung auch Taten folgen, bleibt abzuwarten."

Datenschutz verhindert die Aufklärung

Aigner betonte allerdings, schon jetzt sei der Einsatz von Antibiotika nur zur Behandlung kranker Tiere erlaubt, nicht aber zur Wachstumsförderung. "Verstöße gegen diese Vorschriften sind strafbar und müssen geahndet werden", sagte die Ministerin und verwies auf die Zuständigkeit der Bundesländer bei der Kontrolle der Zuchtbetriebe. Remmel beklagte hingegen, unter dem "Deckmantel des Datenschutzes" habe die Bundesregierung bislang die Antibiotika-Ströme verschleiert und damit die Arbeit der Länder behindert. Die jetzt von Aigner angekündigten Nachbesserungen seien daher längst überfällig gewesen.

Russland stoppt Schweine-Import aus Deutschland

Mit Verwunderung reagierte das Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine aktuelle Ankündigung Russlands, ab kommenden Dienstag keine lebenden Schweine mehr aus Deutschland zu importieren. Es sei nicht gewährleistet, dass die Tiere jeweils 30 Tage vor dem Eintreffen in Russland nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden, sagte der Leiter der russischen Veterinärbehörde, Sergej Dankwert, in Moskau zur Begründung. Deutschland habe Russland nicht wie verlangt eine Garantie gegeben, daher werde Russland ab dem 15. November auch keine lebenden Schweine mehr einführen, sagte Dankwert. Das Importverbot bleibe so lange in Kraft, bis Russland diese Garantie erhalte.

Laut Landwirtschaftsministerium in Berlin ist der Zusammenhang, den die russische Seite herstelle, nicht nachvollziehbar. "Wir sind in Gesprächen mit unseren russischen Partnern, um etwaige Missverständnisse auszuräumen", erklärte ein Sprecher. Deutschland liefert nach Moskauer Angaben jährlich bis zu 350.000 lebende Schweine nach Russland.

dpa/AFP/rts>










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