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Merkblatt: Fleischgift

von Michael Palomino (2007); Meldungen

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Was da alles im Fleisch so drinnen ist - die planmässige schwere Körperverletzung

-- die Tiere werden in unnatürlicher Stallhaltung gemästet, damit sich die Tiere weniger bewegen und so schneller ihr Schlachtgewicht erreichen

-- damit die Tiere in der unnatürlichen Stallhaltung nicht krank werden, sind im Futter der Tiere Antibiotika, so dass die Menschen mit der Zeit immer resistenter gegen Antibiotika werden

-- im Futter der Tiere sind auch Hormone, damit die Tiere schneller ihr Schlachtgewicht erreichen

-- die Kälbchen werden so gehalten, dass ihr Fleisch speziell "weiss" sein soll, damit es den Fleischessern besser gefalle, eine absolute Tierquälerei

-- die Schweine werden ohne Auslauf gehalten, und die Schweine dürfen kein Gras fressen, damit sie schneller ihr Schlachtgewicht erreichen

-- die Hühnchen werden ohne Auslauf gehalten, damit sie schneller ihr Schlachtgewicht erreichen

Solches Fleisch mit Antibiotika und Hormonen drin ist bis heute ganz legal. Die Justiz ahndet diese Vorgänge nicht als Körperverletzung, obwohl eine Schlachttierhaltung in engen Ställen eine Verletzung eines jeden Tierrechts darstellt, und obwohl eine Antibiotika-Resistenz eigentlich eine planmässige schwere Körperverletzung darstellt. Die Justiz schläft!

In den "Entwicklungsländern" werden privat Tiere gehalten, damit diese die Speiseresten fressen, und damit man eine natürliche Fleischquelle hat. Schweine im Hinterhof zu halten ist in "Entwicklungsländern" normal, und das gibt qualitativ ausgezeichnetes Fleisch.

Gemäss Blutgruppenernährung braucht die Blutgruppe 0 täglich ein bisschen Fleisch, und der Magen der Blutgruppe 0 verträgt viele Fleischsorten sehr gut, weil es der sauerste Magen aller Blutgruppen ist. Man sollte aber kein vergiftetes Fleisch essen, kein Antibiotika-Fleisch, und kein Hormon-Fleisch, sondern nur Bio-Fleisch. Und die Justiz auf der Welt sollte endlich handeln. Aber "schlafen" ist eben bequemer...

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Meldungen über das Fleischgift

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25.9.2010: <Hähnchenbrustfilets im Test: Verfallsdatum garantiert keine Frische>

aus: n-tv online; 25.9.2010; http://www.n-tv.de/mediathek/videos/ratgeber/Verfallsdatum-garantiert-keine-Frische-article1568811.html

<Frisches Hähnchenfleisch in der Kühltruhe ist nicht immer frisch - auch, wenn das Verfallsdatutm noch nicht abgelaufen ist. Die Stiftung Warentest empfiehlt, auf Farbe und Geruch zu achten.>


Ebenso berichtete Stern online:

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25.9.2010: Haltbarkeitsdatum schützt vor Keimen nicht - Hähnchenbrustfilets sind auch vor dem Ablauf des Datums schon verseucht

aus: Stern online: Stiftung Warentest: Hähnchenbrustfilets - nicht mehr frisch und verkeimt; 25.9.2010;
http://www.stern.de/gesundheit/stiftung-warentest-haehnchenbrustfilets-nicht-mehr-frisch-und-verkeimt-1607207.html


<Die Stiftung Warentest hat Hähnchenfilets von 17 Anbietern untersucht und ist zu erschreckenden Ergebnissen gekommen: Jedes zweite ist demnach nicht mehr frisch. Zwei waren sogar verdorben.

Bei einem Test fertig verpackter frischer Hähnchenbrustfilets wurde nur fast die Hälfte der Produkte mit einem "gut" bewertet. Neun von 19 untersuchten Hähnchenbrustfilets bekamen die Note "gut", sechs Filets dagegen schnitten mit "ausreichend" ab, weil sie nicht mehr frisch waren und erhöhte Keimzahlen aufwiesen, wie die Stiftung Warentest in der neuen Ausgabe ihrer Zeitschrift "Test" berichtete. Zwei Filets von Discountern waren gar verdorben und erhielten die Bewertung "mangelhaft".

Für den Test wurden 19 frische Hähnchenbrustfilets von 17 Anbietern in Fertigpackungen untersucht. Die Bewertung erfolgte anhand von Aussehen, Geruch, Konsistenz und Geschmack. Die Filets wurden auch auf Rückstände von Antibiotika und auf Keime, Bakterien und Salmonellen untersucht. Anhand von 43 Kriterien zur sozialen und ökonomischen Verantwortung bewertete "Test" zudem das Engagement der Anbieter. Nur drei Bio-Anbieter konnten demnach sowohl mit der Qualität der Filets als auch mit ihrem Engagement für Tierschutz und Umwelt überzeugen. Die Biofilets kosten allerdings drei- bis fünfmal so viel wie die Filets vom Discounter.>

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n-tv online, Logo

28.10.2010: Behandlung von Fleisch mit Sauerstoff, so dass es "frischer aussieht" - der Verkaufsbetrug in Deutschland

Und die korrupten, deutschen Gerichte sind nicht fähig, das gefälschte Fleisch zu verbieten. Aber lesen Sie selbst:

aus: n-tv online: Sauerstoff-Fleisch: Foodwatch fordert Verbot; 28.10.2010;
http://www.n-tv.de/ratgeber/Foodwatch-fordert-Verbot-article1809246.html

<Damit abgepacktes Fleisch im Supermarkt und beim Discounter frischer aussieht, wird es teilweise mit Sauerstoff in erhöhter Konzentration behandelt. Der optische Eindruck täuscht über den tatsächlichen Zustand des Fleisches hinweg.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein Verbot für Sauerstoff-Fleisch. "Die Sauerstoff-Behandlung hat für den Verbraucher nur Nachteile: Sie kaschiert das Alter von Frischfleisch und macht es schneller zäh und ranzig", sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Eine Kennzeichnung des kosmetischen Aufpeppens von frischem Fleisch mit Sauerstoff reicht ihm nicht. "Stattdessen muss der Einsatz von Sauerstoff in einer höheren Konzentration als in der Umgebungsluft bei der Frischfleisch-Behandlung verboten werden." An diesem Freitag beraten Bund, Länder und Experten über Sauerstoff-Fleisch.

Das Problem ist länger bekannt, wie Unterlagen zeigen. In dem Protokoll einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Lebensmittelsicherheit von 2007 heißt es, das mit Sauerstoff behandelte Fleisch zur besseren Rotfärbung könne den Verbraucher "in die Irre" führen. Lebensmittel dürfen nach dem Lebensmittelgesetzbuch nicht den Anschein einer besseren Beschaffenheit erwecken, ohne dass dies gekennzeichnet ist. Aus Sicht des Bundesverbraucherministeriums ist die Behandlung von frisch verpacktem Fleisch mit einem bestimmten Gasgemisch nicht gesundheitsgefährdend. Wenn sich die Beschaffenheit des Fleisches wegen längerer Lagerung aber ändert, soll dies aus Sicht des Ministeriums gekennzeichnet werden.

Foodwatch hatte Lebensmittelketten im August vorgeworfen, Frischfleisch in Kühltheken zulasten der Qualität aufzupeppen. Das bundeseigene Max-Rubner-Instituts warnt, dass das Fleisch ranzig werden kann, und sieht auch ein mikrobiologisches Risiko durch frühe Bräunung bei der Zubereitung. Im September entschied das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg, dass Kunden bei unverpacktem Frischfleisch an den Ladentheken auf die vorherige Behandlung der Ware hingewiesen werden müssen.

dpa>

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26.11.2010: <Laserpistole und Stromschlag gegen Gammelfleisch>

aus: Welt online; 26.11.2010;
http://www.welt.de/wissenschaft/article11237976/Laserpistole-und-Stromschlag-gegen-Gammelfleisch.html

Bald kommen Scanner in Bohrmaschinen-Design auf den Markt, mit denen jeder sein Abendessen auf Gammelfleisch überprüfen kann.

Rosig, satt, appetitlich: So sieht ein verdorbenes Stück Kotelett aus, wenn es in der Kühltheke liegt. Von bräunlich-grünem Mief keine Spur. Das Aussehen von Fleisch ist trügerisch: Es gibt viele Tricks, mit denen sich monatealte Ware so aufhübschen lässt, dass sie wirkt wie frisch vom Metzger. Begast man Fleisch mit Sauerstoff, bleibt die nette rosa Farbe lange erhalten. Fälscht man das Etikett, wird aus Schlachtabfällen ein Abendessen. Würzt man Gammeliges kräftig, ist der Grillteller fertig – und die geruchshemmende Folie sorgt dafür, dass das Übel erst auf dem Küchentisch auffliegt. Vor wenigen Tagen wurde eine „Thüringer Bauernknackwurst“ wegen Salmonellenverdachts aus dem Handel genommen, obwohl sie laut Etikett eigentlich noch wochenlang haltbar gewesen wäre. Doch oft genug werden aus den Skandalen gar keine Skandale, weil sie unentdeckt bleiben. So kann man bei noch hart gefrorenen Tiefkühlprodukten den Zustand kaum erkennen. Dagegen konnte der Kunde bis heute nichts tun, und sogar Lebensmittelprofis fällt der Pfusch oft nicht auf. Doch das wird sich jetzt ändern.

Neue Analysemethoden sollen verdorbene Lebensmittel für jedermann kenntlich machen. Gleich mehrere Schnelltests stehen kurz vor der Marktreife – noch ist nicht klar, welche Art der Fleischkontrolle sich durchsetzen wird. Aber schon jetzt steht fest: Mit den Geräten kann jeder künftig selbst an der Kühltheke oder in der Küche sein Essen testen.

Heinar Schmidt arbeitet an der Forschungsstelle für Nahrungsmittelqualität der Universität Bayreuth und hat zusammen mit anderen Forschern einen Laser-Scanner entwickelt, der Fleisch prüft. Das Gerät ist mit über zwei Kilogramm noch etwas schwer, ist aber aufgrund seines Bohrmaschinen-Designs leicht zu handhaben. Es beschießt das Fleisch mit Laserlicht, das zurückgeworfen und von einem Scanner erfasst wird. Doch weil die Lichtteilchen mit Fleischmolekülen und Bakterien zusammenspielen, verändert sich das Rückstrahlmuster, je nachdem, in welchem Zustand sich das Fleisch befindet. Und genau diese Veränderungen registriert der Scanner.

Zusätzlich nutzt der „Fresh-Scan“, wie das Messgerät von den Forschern getauft wurde, aber noch einen zweiten Effekt: dass nämlich die Hinterlassenschaften bestimmter Bakterien unter dem Laserbombardement fluoreszieren. Bisher braucht man zwei unterschiedliche Geräte, um Fluoreszenz und Rückstrahlung zu erfassen – künftig sollen sich beide Messmethoden in einer Laserpistole ergänzen. Denn sie funktionieren, wie Schmidt ausführt, „unterschiedlich gut, je nach Fleischsorte – und je nach Verpackung“.

Redakteure des Hessischen Rundfunks haben den „Fresh-Scan“ jetzt getestet und waren begeistert: Das Maschinchen schlug auch bei Gammelfleisch an, das unter einer geruchsdichten Folie verpackt war. Zudem erkannte das Gerät Unterbrechungen der Kühlkette: Beim Auftauen quillt Wasser aus den Fleischzellen und verändert ebenfalls stark das Rückstrahlmuster. Im kommenden Jahr soll der Fleisch-Scanner reif sein für die Serie.

Für jedermann handelbar soll auch der Fleischtester der TU Chemnitz sein, dessen Entwicklung vom Hausgerätehersteller Bosch und Siemens in Auftrag gegeben wurde. Er basiert auf der sogenannten Impedanzspektroskopie, die normalerweise zur Analyse von Erdfeuchtigkeit und Batterieladungen verwendet wird. Das Fleisch wird quasi auf einem elektrischen Stuhl unter Wechselstrom gesetzt, um dann den Stromverlauf in seinem Innern zu messen. „Gesunde Zellen im frischen Fleisch haben spezielle elektrische Eigenschaften“, erklärt Elektrotechniker und Projektbetreuer Uwe Tröltzsch. „Im alten Fleisch dagegen platzen die Zellwände – und der Strom geht andere Wege.“ Diese Unterschiede misst ein Amperemeter.

Bosch- und Siemens-Hausgeräte will diese „Fleischkontrolle per Stromschlag“ im Backofen oder Kühlschrank installieren, etwa in Form einer ausklappbaren Messstation. Das Patent ist angemeldet, doch die Chemnitzer Mess- und Sensortechniker müssen jetzt noch eine Elektronik entwickeln, die auch anwenderfreundlich genug ist für den serienmäßigen Einbau. Ziel ist eine schnelle und klare Fleischbewertung: Schwein oder Rind? Genießbar oder nicht? Diese Art der Frischekontrolle funktioniert prinzipiell auch bei Obst, Käse und anderen Lebensmitteln – und mit diesem erweiterten Anwendungsgebiet wären dann möglicherweise auch mehr Kunden bereit, Geld dafür auszugeben.

Am Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie in Itzehoe will man dagegen vor allem den professionellen Lebensmittelkontrolleuren helfen. Das Prinzip: Man schrumpft deren Analyselabors auf Schuhkartongröße. Dazu wird das Testfleisch verflüssigt und dann zusammen mit der Prüfchemie durch winzige Kanäle zu den Elektroden eines Biochips transportiert. Innerhalb von 15 Minuten ist das Testergebnis da – eine sogenannte Elisa-Reaktion, eine biologisch-chemische Nachweisreaktion mit Enzymen.

Auch Dietrich Köster vom Berliner Institut für Produktqualität (ifp) setzt auf diese Technik, doch er verwendet keinen Biochip, sondern einen ungleich preiswerteren Teststreifen aus Kunststoff, den man nach Gebrauch einfach wegwerfen kann. Er macht die Enzymreaktionen – wie man es von Chemie-Unterricht her kennt – durch Farbveränderungen sichtbar. Auf diese Weise lassen sich Allergene wie Erdnüsse oder Hühnereiweiß aufspüren. Einziger Nachteil: Das Lebensmittel muss verflüssigt sein, damit man den Teststreifen hineinstecken kann.

Doch welcher Allergiker will schon im Restaurant eine Probe seines Essens in der Zentrifuge pürieren, testen und dann noch – bei möglicherweise positivem Fund – an die Küche zurückgehen lassen? Für die Lebensmittelindustrie ist die ifp-Methode dennoch eine ernsthafte Alternative. „Bei der Reinigung von Maschinen sind die Streifen ideal, um im Waschwasser schnell den Gehalt eines Allergens zu überprüfen“, betont Köster.

Um auch in gebratenem Fleisch wie Döner oder Frikadellen Verdorbenes zu finden, haben Forscher des Max-Rubner-Instituts in Kulmbach eine besondere Methode entwickelt. Wird Verdorbenes erhitzt, sterben zwar die Keime – bleiben aber trotzdem nachweisbar. Ihr Erbgut lässt sich mit einer chemischen Reaktion finden, der „real time PCR“, bei dem die Bakterien-DNA zügig vervielfältigt wird. So lässt sich auch im Döner Keimzahl relativ genau bestimmen: Direkt nach dem Schlachten liegt sie im vierstelligen, bei verdorbenem Fleisch jedoch im fünfstelligen Bereich pro Quadratzentimeter.

„Endlich haben wir auf der Jagd nach Gammelfleischbetrügern einen Schritt aufgeholt“, frohlockt Institutsleiter Manfred Gareis. Dennoch ist es nach wie vor schwierig, zu verhindern, dass Schlachtabfälle als Lebensmittel durchgehen. Verbraucherschützer loben zwar, dass die schwarz-gelbe Koalition beschlossen hat, das Ekelfleisch künftig einzufärben.

Doch was soll das für eine Farbe sein? Forscher suchen bisher vergeblich nach verträglichen Farb- und Geruchsstoffen. Seit einer EU-Verordnung von 2008 wird Risikofleisch mit Glycerintrhiheptanoat markiert. Die Substanz ist zwar billig und ungiftig – aber auch farblos, geschmacklos, geruchlos und kann nur im Labor nachgewiesen werden. Und so können Schlachtabfälle noch immer ohne Aufwand in den Kühltheken untergebracht werden. Als Frischfleisch.

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7.3.2011: Jetzt kommt Laborfleisch

aus: n-tv online: Synthetik-Schnitzel à la Frankenstein: Kunstfleisch im Labor gezüchtet; 7.3.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Kunstfleisch-im-Labor-gezuechtet-article2775626.html

<Es soll die Welternährung sicherstellen und auch bei der Besiedlung des Weltraums serviert werden: Retortenfleisch, für das keine lebenden Tiere mehr nötig sind. Im Bioreaktor wachsen in Rinderserum badende Truthahnzellen zu Muskelgewebe heran.

Der amerikanische Rinderzüchter der Zukunft dürfte mit dem Cowboy, der hoch zu Pferd über seine Viehherde wacht, wenig zu tun haben. Er könnte eher aussehen wie ein Laborarbeiter, der im weißen Kittel synthetisches Fleisch in einer Petrischale heranzüchtet. Wissenschaftler in den USA arbeiten an der Entwicklung von Retortenfleisch, für das keine lebenden Tiere mehr nötig sind. Sie sehen ihre Arbeit als Beitrag gegen die weltweite Nahrungsmittelknappheit - und müssen gegen den Ekel-Faktor ankämpfen, mit dem Kunstfleisch behaftet ist.

"Praktisch und natürlich"

Der Gedanke an Frankenstein-Schnitzel aus dem Bioreaktor lässt nicht jedem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Bio-Ingenieur Vladimir Mironov ist aber vom Sinn des Projekts überzeugt. "Denken Sie an das Bevölkerungswachstum, oder auch an die Besiedlung des Weltraums", sagt Mironov, der in einem Labor auf dem Campus der Medical University of South Carolina in Charleston an der Fleischzucht arbeitet. "Schon heute gibt es etwa in Singapur oder in New York keinen Platz mehr für Tierzucht." Mironov behauptet, dass Kunstfleisch "praktisch und natürlich" sei - und dass es dem Konsumenten keinesfalls schade.

Begonnen hatte die Arbeit vor zehn Jahren mit einem Forschungsstipendium der US-Weltraumbehörde NASA. Diese wollte Möglichkeiten zur Proteinversorgung von Astronauten auf Langzeitflügen erkunden. Der Flug zum Mars etwa würde sechs Monate dauern, für Schlachtvieh ist an Bord kein Platz. Inzwischen setzt die NASA aber auf proteinhaltige Pflanzen. Als Finanzierer für Mironovs Arbeit ist die Tierschutzorganisation PETA eingesprungen.

"Eine Frage der Zeit"

Das Forschungsprojekt steht vor einigen großen Hürden. Saftige Steaks wachsen nicht über Nacht unterm Mikroskop, die Technik lässt bislang keine Fleischzucht in großen Mengen zu. Mironov glaubt aber, dass Retortensteaks in Zukunft Realität sein könnten: "Es ist eine Frage der Zeit und eine Frage des Geldes."

Für ihre Versuche entnehmen Mironov und sein Forscherkollege Nicholas Genovese embryonische Muskelzellen aus dem Truthahn, sogenannte Myoblasten. Sie baden diese in einem Rinderserum und lassen sie in Bioreaktoren zu Muskelgewebe heranwachsen. Die Technik sei auch mit Zellen von Rindern, Schweinen, Lämmern oder Hühnern möglich. Am einfachsten gehe es mit Leberzellen, berichten die Forscher, die bereits von einer künstlichen französischen Leberpastete träumen.

Erste Häppchen zum Kosten

Eine ganz andere Frage ist natürlich, ob Konsumenten solche Produkte auf ihren Tellern sehen wollen. Der Gastronom Sam Bowen aus Columbia in South Carolina kennt die Geschmäcker des Publikums, und er ist sehr skeptisch. "Ich glaube, die Menschen müssten schon mit Kunstfleisch aufwachsen, ansonsten dürfte es aber sehr schwer sein, sie davon zu überzeugen", sagt der Wirt.

Mironov und Genovese wollen im August einige Häppchen ihres Kunstfleischs servieren, wenn sie auf einer Tagung der European Science Foundation im schwedischen Göteborg sind. Auf dem Wissenschaftler-Treffen mit führenden Experten soll es ausschließlich um Fortschritte und Probleme bei der Zucht von Retortenfleisch gehen.

Robert Carli, AFP>

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13.10.2011: "Fleisch frisst Land" mit riesigen Anbauflächen für das Tierfutter

aus: n-tv online: Bitterer Beigeschmack: Fleischkonsum zerstört Umwelt; 13.10.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Fleischkonsum-zerstoert-Umwelt-article4517381.html

<Was wären die Deutschen ohne Schweinshaxe, Sauerbraten, Bierschinken und Weihnachtsgans? Hierzulande mag man Fleisch, daran ändert auch die steigende Zahl von Vegetariern nichts. Doch Tierfutter muss angebaut werden - und zwar auf riesigen Flächen. "Fleisch frisst Land" lautet daher das Ergebnis einer jetzt vorgestellten WWF-Studie.

Die Deutschen mögen Fleisch - 60 Kilogramm isst jeder Bundesbürger im Durchschnitt pro Jahr. Die Umwelt zahlt dafür einen hohen Preis: Eine Fläche so groß wie Österreich wird gebraucht, um den Jahresbedarf aller Deutschen an Fleisch zu produzieren. Das geht aus der Studie "Fleisch frisst Land" der Umweltstiftung WWF hervor, die die Organisation vorgestellt hat.

"Der weltweit steigende Hunger nach Fleisch hat einen bitteren Beigeschmack. Er heizt das Klima an und trägt zum Artensterben bei", warnte WWF-Referentin Tanja Dräger de Teran. Die Viehwirtschaft verbrauche für den Anbau von Tierfutter mit Abstand den größten Teil der Anbaufläche weltweit und verursache fast ein Fünftel der Treibhausgasemissionen. Der Anbau von billigem Soja als Tierfutter bedrohe in Südamerika inzwischen einmalige Ökoregionen wie die brasilianische Savanne und den tropischen Regenwald.

Kleine Fläche für Spaghetti Napoli

Flächen-Fußabdruck nennt man die Fläche, die insgesamt benötigt wird, um ein Produkt herzustellen. Fleisch hat im Vergleich zu anderen Nahrungsmitteln einen besonders großen Fußabdruck: Hamburger mit Pommes und Salat haben einen Flächenbedarf von etwa 3,61 Quadratmetern, ein Schweinebraten mit Rotkohl und Kartoffelklößen bringt es auf 3,12 Quadratmeter. Zum Vergleich: Spaghetti mit Tomatensoße schlagen nach den Berechnungen der Umweltschützer mit gerade einmal 0,46 Quadratmetern zu Buche.

Um die Umwelt zu schonen, muss nicht jeder gleich Vegetarier werden. Der WWF empfiehlt, nicht nur weniger, sondern vor allem besseres Fleisch zu essen: Bio-Produkte und sogenanntes Weidefleisch kosten zwar etwas mehr, ihr Flächen-Fußadruck aber, also die Fläche, die für ihre Herstellung verbraucht wird, ist viel geringer.

dpa>

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Deutschland 4.12.2011: Foltermethoden in der "Tierzucht": Hoden von Schweinen ab, Schwänze von Schweinen gekürzt, Eckzähne von Schweinen abgeschliffen, Schnäbel von Kücken ab, Fussballenentzündungen bei Hühnern - und nun soll ein "Tierschutzplan" aus Niedersachsen kommen

aus: Welt online: Landwirtschaft: Die Foltermethoden in deutschen Schweineställen; 4.12.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/article13747376/Die-Foltermethoden-in-deutschen-Schweinestaellen.html

<Autor: Anette Dowideit

Nur ein Haufen billiges Fleisch: Schweine haben in Deutschland häufig ein kurzes, qualvolles Leben. Ferkeln werden die Hoden abgeschnitten, Küken die Schnäbel gekürzt – mit offizieller Genehmigung. Ein Blick hinter die Kulissen der Agrarlobby.

[Das deutsche Mastschwein]

Wer heute eine Scheibe Fleischwurst auf dem Brötchen hat, kann ziemlich sicher sein: Dem Schwein, aus dem sie gemacht ist, wurden im Alter von vier Tagen ohne Betäubung die Hoden abgeschnitten, damit sein Fleisch später schmeckt. Auch wird ihm der Ferkelzüchter wahrscheinlich mit einem heißen Draht den Schwanz gekürzt und die Eckzähne abgeschliffen haben. Im Rest seines rund sieben Monate langen Lebens wird das Schwein Tag und Nacht dicht gedrängt mit seinen Artgenossen im Stall gestanden haben und langsam immer weiter abgestumpft sein, bis es kurz vor der Schlachtung über hundert Kilo wog und auf weniger als einem Quadratmeter eingepfercht war.

[Das deutsche Masthähnchen]

Einem deutschen Masthähnchen ergeht es nicht besser. Es bekommt als Küken die Schnabelspitze gekürzt, oft bis tief ins Nervengewebe, und erkrankt im Laufe seines kurzen Lebens voraussichtlich an einer Fußballen-Entzündung, weil es im eigenen Kot steht und der Stall viel zu selten ausgemistet wird.

Diese Produktionsmethoden verstoßen zum Teil gegen geltendes Tierschutzrecht, etwa wenn Schweinen routinemäßig der Schwanz beschnitten wird. Trotzdem sind sie in der Fleischproduktion noch immer Standard, dank regelmäßig erteilter Ausnahmegenehmigungen der zuständigen Behörden.

[Der Tierschutzplan aus Niedersachsen - und die Fleisch-Lobby]

In Niedersachsen, dem mit Abstand größten Fleischstandort Deutschlands, will Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) die Tierquälerei nun stoppen: mit einem Tierschutzplan, der laut Lindemanns Ankündigung „die Leiden der Nutztiere verringern“ soll. Schafft er das, käme es einer Revolution in der industriellen Tierhaltung gleich – zumal der Rest Deutschlands sich wohl anschließen würde.

Dennoch wird sich erst einmal wenig ändern. Denn der Plan basiert auf Freiwilligkeit. Und die mächtige Fleischlobby macht vieles nicht mit. Zu viel Geld steht für sie auf dem Spiel. Entlang der Autobahn A7 in Niedersachsen reiht sich eine riesige Mastanlage an die nächste. „Hähnchenhighway“ nennen die Leute den Abschnitt nahe der Stadt Celle. Niedersachsen ist das Land der Agrarkonzerne, der Geflügelriesen PHW-Gruppe (Wiesenhof), Emsland Frischgeflügel (Rothkötter) und Stolle.

Auch Deutschlands größte Schweineproduzenten, Tönnies Fleischwerk und der niederländische Konzern Vion, betreiben hier viel Geschäft. In Wietze bei Celle unterhält Emsland Frischgeflügel einen der größten Hähnchenschlachthöfe Europas, in dem pro Woche bis zu 2,6 Millionen Tiere getötet werden können.

Mehr als jedes dritte in Deutschland gemästete Schwein kommt aus Niedersachsen, fast jedes zweite Masthähnchen. Die Landwirtschaft ist der zweitgrößte Arbeitgeber nach der Autoindustrie, sie hält rund 170.000 Menschen in Lohn und Brot. Wenn ein Schweinemäster hier einen neuen Stall baut, ist dieser meist über 3000 Mastplätze groß. Weniger lohnt nicht.

Harter Preiswettbewerg - [der Kapitalismus und die Schweinemast]

„Ein Schweinemäster erzielt mit einem Tier einen Deckungsbeitrag von gerade mal sechs, maximal sieben Euro“, erklärt Professor Achim Spiller von der Universität Göttingen, einer der renommiertesten Agrarökonomen im Land, „also braucht er Masse.“ Ein Schwein, rechnet Spiller vor, wird etwa 100 Tage alt, somit schafft der Mäster bei 365 Tagen einen Durchlauf von maximal 7500 Schweinen pro Jahr. Macht einen Jahreserlös von rund 45.000 Euro.

[Der kapitalistische Schweinestall in Niedersachsen: Dichte Stellung - Schwänze gekürzt bei 80% - artgerechte Tierhaltung zahlt der Konsument nicht - Betonboden]

Je dichter die Schweine stehen, desto weniger Arbeitskräfte braucht man, um sie zu versorgen, das wiederum spart Kosten. Dicht stellen heißt aber auch, dass sich die Schweine aus Langeweile, Enge und wachsender Aggression gegenseitig anfressen würden. Deswegen schneiden die Bauern den Tieren vorbeugend die Schwänze ab.

Dieses „Kupieren“, argumentiert die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), habe sich bewährt. Denn Kannibalismus bedeutet Einnahmeausfälle: Angefressene Tiere bekommen tendenziell Infektionen, für Tiere mit Kannibalismusschaden zahlt ein Schlachthof weniger.

„Wir machen das Ganze nicht, weil es uns Spaß machen würde“, sagt ISN-Geschäftsführer Torsten Staack, der für 12.000 Mitglieder spricht. Staack sagt, die Wissenschaft sei sich nicht einig, dass vor allem die Enge im Stall Schuld sei. Einige Forscher vermuteten, dass Spielmaterial für die Tiere weit wichtiger sei. „Wir wollen nicht schon auf Verdacht in größere Ställe investieren.“

Der Preiswettbewerb in der Branche ist hart – weil die Konsumenten nicht bereit sind, höhere Preise für eine artgerechte Tierhaltung zu zahlen. Das sagen die Mäster. Die Folge ist, dass mindestens 80 Prozent aller in Deutschland lebenden Mastschweine laut Schätzungen von Tierschutzorganisationen gekürzte Schwänze haben.

Was wiederum ein Resultat daraus ist, dass neun von zehn Schweineställen nicht artgerecht gebaut sind: eng, mit Betonboden und ohne Stroh, in dem die Tiere wühlen könnten. Seit 2008 ist das betäubungslose Beschneiden in Deutschland verboten. Die EU-weit gültige Nutztierhaltungsverordnung besagt, dass Tieren nur in Ausnahmefällen Körperteile ohne Betäubung amputiert werden dürfen. In den großen Masthöfen geschieht das dennoch.

Veterinärämter drücken ein Auge zu

Tatsächlich füllen Mäster bisher mit dem Bauantrag für einen neuen Stall gleich das Formular aus, mit dem sie die Ausnahmegenehmigung fürs betäubungslose Kupieren erhalten. Die Veterinärämter auf Landkreisebene zeichnen ab. „Theoretisch müsste jeder Landwirt nachweisen, dass andere Maßnahmen keinen Erfolg gebracht haben, zum Beispiel ein besseres Belüftungssystem, und er nicht anders arbeiten kann als mit Schweinen mit kupierten Schwänzen“, sagt ein Veterinär in einem Landkreis hoher Mastviehdichte. „Aber in der Realität haben wir bisher beide Augen zugedrückt – weil alle so arbeiten.“

Nun will Agrarpolitiker Lindemann den Misstand stoppen. Der 54-jährige Jurist mit grau meliertem Haar und dichtem Schnauzbart arbeitet seit mehr als 30 Jahren im Ministerium in Hannover, unterbrochen von einem Zwischenspiel als Staatssekretär im Bund. „Ich bin der Ansicht, dass man die Haltungsbedingungen den Nutztieren anpassen muss und nicht umgekehrt“, sagt er. Neue Töne von einem CDU-Agrarminister.

Seine Vorgängerin Astrid Grotelüschen (CDU) hatte ganz anders argumentiert. Weil ihr Ehemann Deutschlands zweitgrößte Mastputenbrüterei betreibt, die pro Jahr fünf Millionen Küken herstellt und mit Wiesenhof zusammenarbeitet, erhielt sie den wenig schmeichelnden Spitznamen „Putenprinzessin“. Sie stolperte nach kurzer Amtszeit über einen mit dem Betrieb ihres Mannes verknüpften Dumpinglohn-Skandal. Als Lindemann im Januar übernahm, waren die Wähler derart aufgebracht über den Filz aus Fleischbaronen, CDU und Ministerium, dass es keine Alternative mehr gab, als kräftig aufzuräumen.

Den Verbrauchern ist es nicht mehr egal, unter welchen Umständen die Tiere gelebt haben, die sie essen – sagen sie in Umfragen. In der aktuellen Nestlé-Ernährungsstudie etwa nannten 36 Prozent „artgerechte Tierhaltung“ als Entscheidungskriterium für einen Einkauf. Die Bilder von Tierschutzorganisationen wie Peta, die zerrupfte und verendete Tiere in viel zu engen Ställen zusammengepfercht zeigen, sind in den Köpfen drin.

Billiges Fleisch ist gefragt

Trotzdem – das ist der große Widerspruch – ist in Deutschland nach wie vor billiges Fleisch gefragt. Experten wie Spiller erklären das so: Zwar sei ein gutes Drittel der Fleischkäufer bereit, für gute Tierhaltung mehr zu zahlen, zwei Drittel aber eben nicht. Der Großteil der deutschen Fleischesser blendet möglichst aus, dass sein Schnitzel und seine Currywurst aus Lebewesen gemacht sind.

Und will erst recht nicht darüber nachdenken, unter welchen Bedingungen die Tiere gelebt haben. Allerdings sind die „tierfreundlichen“ Konsumenten lauter und politisch engagierter. Unter dem Druck der wachsenden Minderheit stellte der neue Minister im April seinen 41 Punkte umfassenden Tierschutzplan vor.

Unter anderem soll es Legehennenbrütereien verboten werden, wie bisher männliche Küken zu töten und als Abfall zu entsorgen; das Personal in der Geflügelmast soll künftig geschult werden, damit die Tiere beim Einfangen und Verladen in Lastwagen nicht mehr verletzt werden; Schweine, Rinder und Geflügel sollen mehr Platz und weniger monotone Ställe bekommen. Und das betäubungslose Schwanzbeschneiden soll nicht mehr von den Behörden toleriert werden – allerdings erst ab 2016. Damit das funktioniert, will Lindemann den Mästern vorschreiben, den Tieren mehr Platz im Stall zu lassen.

Die niedersächsischen Pläne sind richtungsweisend. Sachsen und Thüringen kündigten an, die Beschlüsse des großen Fleischproduktionsstandortes zu übernehmen. Auch im Bundesverbraucherschutzministerium hat das Thema seit ein paar Monaten Fahrt aufgenommen: Ministerin Ilse Aigner kündigte gegenüber der „Welt am Sonntag“ an, im kommenden Jahr werde ein verbessertes bundesweites Tierschutzgesetz in Kraft treten.

In der kommenden Woche soll der konkrete Entwurf mit den anderen betroffenen Ministerien abgestimmt werden. „Wir überprüfen aktuell die geltenden Standards in der Nutztierhaltung auch im Hinblick auf die Umsetzung und die Akzeptanz der Tierhaltung in der Bevölkerung“, sagte Aigner. Die Ausarbeitung sieht vor, dass ab dem 1. Januar 2017 das betäubungslose Kastrieren von Mastferkeln bundesweit verboten sein soll. Aigners Pläne gehen damit in dieselbe Stoßrichtung wie die von Lindemann.

Der niedersächsische Tierschutzplan wird allerdings wohl nicht in der ursprünglich geplanten Schärfe umgesetzt werden. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" ist Lindemann bereit, auf zentrale Teile der Forderungen zu verzichten, um die erzürnten Mastbetriebe zu beschwichtigen. Besonders wackelig ist offenbar der Plan, den Tieren mehr Platz zu geben.

Aus einer vom Ministerium eingesetzten Arbeitsgruppe, die derzeit über die Eckpunkte diskutiert, heißt es, die Besatzdichte sei bei den Mästern „nicht diskutabel“. Fragt man Lindemann selbst, betont er, dass ihm an einer Einigung gelegen sei, mit der alle Beteiligten leben können – auch die Fleischindustrie.

„Ich habe nicht die Absicht, den Tierschutzplan ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Mastbetriebe umzusetzen, wenn es zur Folge hat, dass die Mastbetriebe ins Ausland gedrängt werden und somit auch das Problem des Tierschutzes hinter die Grenze verlagert wird.“ Ganz stichhaltig ist dieses Argument indes nicht, gelten doch die Tierschutzgesetze für Nutztiere EU-weit.

Bauern wettern gegen Tierschutzplan

Kritiker sehen in Lindemanns Initiative wenig mehr als ein Feigenblatt. „Es wird versucht, den Eindruck eines Kurswechsels zu erwecken, aber die alte Lobbymaschine läuft weiter“, sagt der Agrarexperte der Grünen im niedersächsischen Landtag, Christian Meyer. Der frühere niedersächsische Kreisveterinär Hermann Focke, der seit Jahren Verstöße gegen Tierrechte in der Nutztierhaltung bekämpft, resümiert: „Die Wirtschaft macht die Politik, und die Politik macht die Rhetorik.“

Fockes Medienkarriere begann, als er Anfang der 90er-Jahre als Amtstierarzt einen Fleischtransport aus Niedersachsen in den Nahen Osten begleitete und dabei auf erschreckende Zustände stieß. Seinen Bericht darüber habe das Landwirtschaftsministerium jahrelang unter Verschluss gehalten, behauptet Focke. Seither schreibt er Bücher, hält Vorträge – und macht mit zuweilen polemischen Zitaten auf sich aufmerksam. „Es gibt aus meiner Sicht keinen schlimmeren Filz als in der Fleischlobby“, sagt er. Die traditionell engen Verbindungen sind unbestritten. Typisch ist das Beispiel der Politiker-Familie Focke, die mit dem Veterinär nicht verwandt ist.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Ansgar Focke (Wahlkreis Oldenburg-Land) ist der Bruder von Albert Focke, dem Marketingchef des Hähnchen- und Putenfleischriesen Stolle. Ihr Vater, Albert Focke, ist Landrat im Kreis Vechta. Er tritt in einem Youtube-Video auf, das Wiesenhof als Reaktion auf den kritischen ARD-Bericht über den Geflügelkonzern ins Internet gestellt hatte. „Jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf getragen“, klagt der Landrat darin, mal sei es die Fischindustrie, mal die Fleischbranche. Man kennt sich, man hilft sich.

Sprachrohr der niedersächsischen Fleischwirtschaft ist der Landesbauernverband. An der Spitze des Landvolks steht Präsident Hilse, selbst einer der großen Schweinemäster im Land. Er sitzt außerdem im Aufsichtsrat von Vion, das allein in Niedersachsen bis zu 90.000 Schweine pro Woche schlachtet. Dafür bekommt er nach Angaben des Unternehmens mehrere 10.000 Euro pro Jahr. Weder Hilse noch ein anderer Sprecher des Landvolks will sich auf Anfrage zum Tierschutzplan äußern.

Dabei ist die Haltung der Bauern klar. Im Mai wetterte Hilse auf einem Bauerntag in der Fleischhochburg Cloppenburg gegen den Tierschutzplan. Rund 1000 Mäster saßen im Saal, außerdem Lindemann und Ministerpräsident David McAllister (CDU). Offenbar hätten die beiden den gesellschaftlichen „Mainstream im Nacken“, rief ihnen der Landvolk-Präsident vom Podium zu.

Hauptdruckmittel Arbeitsplätze

McAllister verließ angesichts der aufgebrachten Menge wohl der Mut. In seinem Manuskript hatte er noch den Satz stehen: „Das Schnabelkürzen bei Puten und die Kastration bei Ferkeln ohne Betäubung sind mit meinen ethischen Maßstäben nicht vereinbar.“ Stattdessen sagte er: „Das Schnabelkürzen bei Puten und die Kastration bei Ferkeln ohne Betäubung sind mit den ethischen Maßstäben vieler unserer Mitmenschen nicht vereinbar.“

Hauptdruckmittel der Fleischindustrie sind die Arbeitsplätze. Bei Kundgebungen wiederholen Züchter seit Monaten, der Tierschutzplan bringe den gesamten Berufsstand in Bedrängnis. Ein Vorwurf, dem sich die Politiker nicht aussetzen wollen. Dabei sei die Furcht, künftig könne in Deutschland nur noch Fleisch aus Osteuropa gegessen werden, unbegründet, sagt Ökonom Spiller: „Osteuropa ist zuletzt zusammengebrochen und importiert viel. Auch sind die meisten Schlacht- und Verarbeitungsunternehmen dort nicht konkurrenzfähig.“

Dennoch wirkt die Drohkulisse. Denn die Geflügelkonzerne PHW und die Rothkötter-Gruppe zählen zu den wichtigsten Arbeitgebern. Entsprechend groß ist ihr Einfluss. In der „Arbeitsgruppe Masthähnchen“, die unter anderem verhandelt, wie viel Platz das Federvieh im Stall haben soll, sitzt kein Konsumentenvertreter, dafür aber zwei Geflügelbarone: Wiesenhof-Patriarch Paul-Heinz Wesjohann und Rothkötter-Geschäftsführer Wilfried Fleming. Dazu kommt ein Vertreter des Landvolks und einer des Geflügelverbandes. Momentan drängen sich in den Ställen im Schnitt 23 Tiere auf einem Quadratmeter.

Bei einem Schlachtgewicht von 1,5 Kilo sind das in den letzten Masttagen 35 Kilo Tier. In der Arbeitsgruppe werde zuweilen sehr hitzig diskutiert, berichtet ein Teilnehmer aus der Runde. Die Geflügelbarone Wesjohann und Fleming verstünden ganz einfach nicht, warum es nötig sein sollte, die Haltungsbedingungen zu ändern. „Wesjohann steht auf dem Standpunkt, das Wiesenhof-Fleisch sei hygienisch einwandfrei und dabei noch günstig, also gebe es kein Problem“, sagt der Teilnehmer.

Vision eines "schwanzlosen Schweins"

Wiesenhof möchte zwar das Thema Tierschutzplan nicht kommentieren, weist aber darauf hin, dass der Konzern seit Oktober eine tierfreundliche Marke anbietet. Unter dem Namen „Privathof-Geflügel“ werde Fleisch vermarktet, bei dessen Herstellung „Tierwohlaspekte“ eine zentrale Rolle spielten, entwickelt in Kooperation mit Tierschützern und Wissenschaftlern. Auch der Schweinefleischkonzern Vion hat eine tierfreundliche Alternative im Angebot: Fleisch mit dem sogenannten Tierschutzlabel sei mit mehr Auslauffläche und frischem Stroh im Stall produziert.

Auf den Einwand, dass diese Marken nur einen verschwindend kleinen Teil der Produktion ausmachten, während die Mehrheit der Wiesenhof-Hähnchen und Vion-Schweine weiter mit beschnittenen Schnäbeln und kupierten Schwänzen leben müssen, entgegnet Wiesenhof, letztlich werde der Verbraucher entscheiden, wie viel Fleisch aus welcher Haltungsform hergestellt würde.

Bisher hält sich allerdings der Handel zurück. Vion hat für das tierfreundliche Schweinefleisch nur die Kette Coop Schleswig-Holstein als Vertriebspartner gefunden. Wiesenhofs Privathof-Geflügel gibt es nur bei Netto und Kaufland Süd.

Große Händler warten ab. „Es gibt heute schon mehrere tierfreundliche Labels verschiedener Anbieter, daher wäre es wenig sinnvoll, sich für eines davon zu entscheiden“, teil Rewe mit. Man wolle keine Nischenlösungen unterstützen, sondern den Gesamtmarkt verändern. Deshalb engagiere sich die Kette mit Vertretern der Branche, um Lösungen für alle Nutztiere zu erarbeiten.

Aus ökonomischer Sicht ist das Taktieren der Handelsketten verständlich: Denn wer neben dem herkömmlichen Fleisch eine Marke ins Regal stellt, die mit tierfreundlichen Bedingungen wirbt, der könnte unbedarfte Käufer dadurch erst auf die Idee bringen, dass der Rest des Fleischs unter nicht so tiergerechten Bedingungen hergestellt wurde.

Unter den niedersächsischen Schweine-Mästern kursiert seit ein paar Wochen eine andere Vision, die das Problem mit den Ringelschwänzen lösen könnte – ganz ohne die Ställe zu verändern oder die Schnitzel teurer verkaufen zu müssen: das schwanzlose Schwein. Der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke sagte vor kurzem in einem Interview, eine solche Züchtung, wenngleich Fachleute sie als illusorisch betrachten, sei „die einzige Chance, den Berufsstand noch zu retten“.>

Kommentar

Jeden Sommer eine Kur nur mit Früchten, Gemüsen und Reis - das reinigt den Körper und die Haut, und ansonsten nur 2 mal pro Woche Fleisch. Das schont die Landwirtschaft. Aber Vernunft ist im Kapitalismus nicht so oft angesagt...

Michael Palomino, 4.12.2011









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