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Merkblatt: Genfood ist kriminell
Meldungen
präsentiert von Michael Palomino (2008)
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Genfood macht unfruchtbar: Hier sind Informationen, und hier kann man/frau Stellung nehmen: http://www.mein-nein.de/
Das Prinzip von Genfood und Genmanipulation
aus: Brigitte Rondholz: Appell an die christlichen Politiker Merkel und Seehofer, 25.1.2006;
http://f25.parsimony.net/forum63512/messages/67809.htm
<Genmanipulation ist keine Züchtung, wie Pollmer und andere uns weismachen wollen, sondern es werden natürliche Artengrenzen überschritten: Im Labor werden zum Beispiel Rattengene in Salat oder Kuhgene in Soja-Bohnen eingebaut. Die natürliche Evolution wird einfach ausgeschaltet. Dabei kann niemand Risiken für Gesundheit und Umwelt ausschließen.
"Pharm-Crops"- der besonders teuflische Angriff auf uns und die Natur"Wir haben DNA-Sequenzen von verschiedenen gentechnisch veränderten Pflanzen in traditionellen Sorten gefunden", berichtet die Mikrobiologin Margaret Mellon, die die Studie im Auftrag der „Union for Concerned Scientists“ durchführte.
Die Forscher warnen in diesem Zusammenhang besonders vor Gefahren, die von so genannten "Pharm-Crops", das sind Pflanzen, die industrielle Chemikalien und Medikamente liefern sollen, ausgehen.Diese können nach Ansicht von Mellon bereits heute in herkömmlichen Nahrungsmitteln wie etwa Corn-flakes oder Mehl vorhanden sein. (sic!) In verschiedenen Versuchen wurden Pflanzen genetisch so verändert, dass sie Proteine zur Wundheilung, zur Behandlung von Leberzirrhose und Anämie liefern. Auch Antikörper für die Krebsbehandlung, Vakzine gegen Cholera, Tollwut sowie Maul- und Klauenseuche werden von GVO-Pflanzen geliefert.
"Gesetze schützen Bürger davor, dass konventionell hergestellte Medikamente oder Bestandteile zur Herstellung von medizinischen Präparaten in die menschliche Nahrungskette gelangen", argumentiert die Studie. Eine solche Sicherheit gebe es bei genetisch veränderten Pflanzen aber nicht. "Es gibt keine Kontrolle zur Verhinderung der Ausbreitung von DNA-Sequenzen bei Pharm-Crops", berichten die Forscher.Damit werden wir alle zu Versuchsmenschen der Gen-Industrien und die Natur zu einem Versuchslabor gemacht.>
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Manipulierte Gene überspringen die Artengrenze
aus: Brigitte Rondholz: Appell an die christlichen Politiker Merkel und Seehofer, 25.1.2006;
http://f25.parsimony.net/forum63512/messages/67809.htm<Sprung der Gene über Artgrenzen gefähren auch unsere Wildpflanzen
Die Freisetzung von Gen-Pflanzen ist besonders dann gefährlich, wenn sie auf wilde Pflanzen treffen, mit denen sie sich kreuzen können. In Kanada wird Gen-Raps auf großen Flächen angebaut. Mittlerweile werden die manipulierten Gene schon in Wildkräutern wie dem Ackersenf gefunden. Bienen verbreiten Raps-Pollen und damit auch die veränderten Gene weiträumig. Erschreckend ist, dass die manipulierten Raps-Gene sogar schon im Erbgut der Darmbakterien von Honigbienen auftauchten.>
aus: global 2000: Achtung GENfahr! http://www.global2000.at/pages/gen-studien.htm
<Diese aktuelle Studie belegt, dass gentechnisch veränderte DNA durch den Magen-Darm-Trakt in einzelne Zellen und in die Blutbahn gelangt. Die Forschungsergebnisse weisen nach, dass ein Gentransfer der veränderten Pflanzen-Gene auf Bakterien im Tier- oder Menschendarm sowie im Boden möglich ist.Die Grundlage der Zulassung der gentechnisch veränderten, herbizidtoleranten Sojabohne (Roundup-Ready-Sojabohne) von Monsanto aus dem Jahr 1996 entspricht nicht mehr dem Stand der Wissenschaft. Die von der Gentech-Industrie gemachte Aussage, dass eine Übertragung von manipulierten Genen sehr unwahrscheinlich sei, ist nach den Ergebnissen der aktuellen Studien nicht mehr haltbar. Zwischen Immunsystem und Ernährung besteht offenbar ein viel engerer Zusammenhang als bisher gedacht. DNA von Soja und Mais ließ sich in den weißen Blutkörperchen von Tieren nachweisen.>
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Das Spiel der Industriellen mit genmanipulierten Pflanzen und Pestiziden - der doppelte Profit für Monsanto
aus: Brigitte Rondholz: Appell an die christlichen Politiker Merkel und Seehofer, 25.1.2006;
http://f25.parsimony.net/forum63512/messages/67809.htm
< Monsanto will die Lebensmittelkontrolle weltweitDie Politiker könnten die Fakten kennen, denn Greenpeace weist unermüdlich daraufhin,
dass z.B. der US-amerikanische Gentech-Konzern Monsanto in den vergangenen Jahren Milliarden ausgegeben hat, um Saatgut-Produzenten aufzukaufen. Und er dominiert inzwischen den Markt für Mais- und Soja-Samen in Nord- und Südamerika sowie in Asien. Monsanto ist nicht der einzige Produzent von Gen-Samen, aber er allein ist für 90 Prozent der angebauten Gen-Pflanzen weltweit verantwortlich. Hauptsächlich (zu 77 Prozent) handelt es sich dabei um Pflanzen, die gegen ein allein von Monsanto selbst produziertes Herbizid resistent sind, das „Roundup-Ready“ heißt. Sein Wirkstoff ist Glyphosat, die auf der ganzen Welt am meisten verkaufte Herbizid-Chemikalie. Der Bauer muss „natürlich“ mit dem Gen-Saatgut das dazugehörige Pestizid von Monsanto erwerben und wird weiter in die Abhängigkeit von Agrarchemikalien getrieben. Der Spritzmitteleinsatz steigt dadurch. Doppelter Profit also! Mit über 250 europäischen Patentanträgen auf Pflanzen, von denen bis Ende 2002 bereits 39 bewilligt wurden, gehört allerdings DuPont zu den größten Saatgut-Monopolisten (zum Vergleich: Syngenta hat ca. 230 Anträge, Monsanto ca. 180 Anträge, Bayer/Aventis ca. 110 Anträge).Monsanto will die Lebensmittelkontrolle weltweit
Die Politiker könnten die Fakten kennen, denn Greenpeace weist unermüdlich daraufhin,
dass z.B. der US-amerikanische Gentech-Konzern Monsanto in den vergangenen Jahren Milliarden ausgegeben hat, um Saatgut-Produzenten aufzukaufen. Und er dominiert inzwischen den Markt für Mais- und Soja-Samen in Nord- und Südamerika sowie in Asien. Monsanto ist nicht der einzige Produzent von Gen-Samen, aber er allein ist für 90 Prozent der angebauten Gen-Pflanzen weltweit verantwortlich. Hauptsächlich (zu 77 Prozent) handelt es sich dabei um Pflanzen, die gegen ein allein von Monsanto selbst produziertes Herbizid resistent sind, das „Roundup-Ready“ heißt. Sein Wirkstoff ist Glyphosat, die auf der ganzen Welt am meisten verkaufte Herbizid-Chemikalie. Der Bauer muss „natürlich“ mit dem Gen-Saatgut das dazugehörige Pestizid von Monsanto erwerben und wird weiter in die Abhängigkeit von Agrarchemikalien getrieben. Der Spritzmitteleinsatz steigt dadurch. Doppelter Profit also! Mit über 250 europäischen Patentanträgen auf Pflanzen, von denen bis Ende 2002 bereits 39 bewilligt wurden, gehört allerdings DuPont zu den größten Saatgut-Monopolisten (zum Vergleich: Syngenta hat ca. 230 Anträge, Monsanto ca. 180 Anträge, Bayer/Aventis ca. 110 Anträge).>
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Die Biotech-Industrie der "USA" will Weltregierung spielen
aus: global 2000: Achtung GENfahr! http://www.global2000.at/pages/gen-studien.htm
<Die Biotech-Industrie insgesamt ist dabei, die Kontrolle über den Lebensmittelmarkt und Saatgutfirmen auszudehnen und mit Patenten auf Gentech-Pflanzen die "Natur" in Besitz zu nehmen. Monsanto und andere Konzerne haben mittlerweile unglaublichen Einfluss auf Regierungen und deren Apparate.>
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Das gelogene Argument, den Hunger mit Gentech zu bekämpfen
aus: NescaFAIR statt Nescafé: Gentech;
http://nescafair.vincisolutions.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=23&Itemid=57
<Auf den ersten Blick erscheint Gentechnik als die perfekte Waffe gegen den Hunger auf der Welt. Mit ihrer Hilfe könnte man Pflanzen züchten, die gegen Schädlinge resistent sind, auch auf schlechten Böden und mit wenig Wasser gedeihen und deutlich mehr Ertrag abwerfen als herkömmliche Sorten. So könnte man nicht nur die Hungernden satt machen, sondern auch die Umwelt schonen, denn die angezüchtete Schädlingsresistenz würde den Einsatz von Pestiziden überflüssig machen. Auf weniger Fläche könnte mehr Nahrung produziert werden, sodass man nicht mehr z.B. Regenwälder abholzen müsste, um zusätzliches Ackerland zu gewinnen. Das alles verheissen zumindest die Agrokonzerne. [...]
Ob die Gentechnologie den Hungernden tatsächlich helfen könnte, ist fraglich, denn die hauptsächlichen Ursachen des Hungers werden dabei ausser Acht gelassen. Laut Welternährungsorganisation (FAO) könnten problemlos 12 Milliarden Menschen ernährt werden. Wir sind derzeit etwas mehr als 6 Milliarden, und trotzdem leiden davon 840 Millionen an Unterernährung. Die Wurzeln des Hungerproblems liegen also in der Verteilung und nicht in der Menge der Nahrungsmittel. Um die Hungernden satt zu machen, taugen eine gerechtere Verteilung des Zugangs zu Nahrung und Produktionsmitteln (Landreformen!) und die Förderung umweltschonender und zugleich ertragssteigernder Landwirtschaftsmethoden besser als genmanipulierte Wunderpflanzen.
Genmanipulierte Pflanzen sind auf die Bedürfnisse grosser Betriebe zugeschnitten. Gentechnik in der Landwirtschaft fördert deshalb den Grossgrundbesitz und drängt Kleinbauern und Landlose – also ausgerechnet jene Bevölkerungsgruppen, die heute am stärksten von Hunger betroffen sind – buchstäblich noch mehr an den Rand. In Argentinien beispielsweise, wo die offizielle Politik voll auf Gentech, Grossbetriebe und Exportproduktion setzt, haben in den letzten zehn Jahren 160 000 Kleinbauern ihr Land und damit ihre Existenzgrundlage an die gross angelegte Soja-Produktion verloren. Die angebauten Sojabohnen landen dabei nicht in den Tellern der Armen, sondern in den Futtertrögen der "Tierfabriken" in den Industrienationen.
Die Agromultis haben auch die sogenannte "Terminator-Technologie" entwickelt, mit der Pflanzen unfruchtbar gemacht werden können. Die Bauern könnten so kein eigenes Saatgut mehr produzieren. Die erwähnten Knebelverträge würden überflüssig, und die Konzerne hätten die totale Kontrolle über die Welternährung. Die Tatsache, dass solche Technologien überhaupt entwickelt werden, weist klar darauf hin, dass es Monsanto und Co. nicht um die Ernährung der Menschheit geht, sondern um ihre eigenen Gewinne.>
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Die verlogene EU-Kommission schützt Europa nicht!!!
aus: global 2000: Achtung GENfahr! http://www.global2000.at/pages/gen-studien.htm
<Seit September 2004 hat die Kommission 31 gentechnisch veränderte Maissorten (Mon 810) für den Anbau zugelassen. In all diesen Fällen hat die Kommission gegenüber Mitlgliedsländern und der Öffentlichkeit behauptet, die jeweiligen gentechnisch veränderten Pflanzen bzw. Lebensmittel wären „absolut sicher“.
Die nun vorliegenden Dokumente zeigen aber ein anderes Bild, geprägt von Unsicherheiten, mangelnden Daten und fallbezogenen Einschätzungen, die bei der Sicherheitsbewertung gemacht werden müssen.
- Es gibt wesentliche wissenschaftliche Bedenken über die Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen und Lebensmittel
- Neue und komplexe Risiken tauchen dabei auf Risiken für Mensch und Tier können nicht ausgeschlossen werden
- Es gibt schwere Bedenken über mögliche Umweltauswirkungen durch Gentech-Anbau Umweltrisiken durch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) variieren mit der jeweiligen (Anbau-)region und deren Umwelt
- Die Qualität der Daten, die seitens der Antragsteller-Firmen zur Marktzulassung zur Verfügung gestellt worden sind, ist oft unzureichend
- Die Kommission äußerte erhebliche Vorbehalte gegenüber der Risikoabschätzung seitens der Europäischen Lebensmittelsicherheitsagentur EFSA, die ja im Rahmen des Zulassungsprozesses für eine unabhängige Risikoabschätzung von gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmittel sorgen soll.>
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3 Jahre Gen-Mais-Fütterung: Schwerstverletzte, verstümmelte und tote Kühe
Violations of Human Rights in Agriculture and of Consumers
(Verletzung der Menschenrechte in der Landwirtschaft und durch Konsumenten)
von: Presented by: Organic Agriculture Protection Fund (OAPF); & Percy Schmeiser, Canadian farmer
Contact: OAPF Chair: Arnold Taylor; President of Saskatechewan Organic Directorate;
Box130, Canwood, SK SOJ OKO, Canada; Phone: 001 / 306 – 468 2218 Fax: 001 / 306 – 648 - 2346
http://www2.ohchr.org/english/bodies/cescr/docs/info-ngos/OAPF.pdf
html-Version: http://209.85.129.104/search?q=cache:YzxIhLfOx0QJ:www2.ohchr.org/english/bodies/cescr/docs/info-ngos/
OAPF.pdf+infertility+Genfood+have&hl=de&ct=clnk&cd=13&gl=ch
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Gen-Mais: Monsanto definiert schwere Effekte als "bedeutungslos"
pressetext; Neustadt/Wien (pte/20.09.2005/15:45) http://www.pressetext.com/pte.mc?pte=050920051
<Dass die Saatguthersteller sorglos mit Studienergebnissen umgehen, wurde bereits mehrmals deutlich. Zuletzt musste Monsanto eine Futterstudie zum Gentech-Mais MON863 veröffentlichen, die gar nicht so positiv ausfiel, wie sich der Konzern das erwünschte: Den Beisatz "Kein Anzeichen für negative Effekte" musste der Saatguthersteller schließlich weglassen, denn bei Ratten, die 90 Tage mit dem Genmais gefüttert wurden, waren signifikante Veränderungen aufgetreten: So waren Veränderungen an den Nieren aufgetreten, bei männlichen Ratten kam es zu einer Zunahme der Zahl von weißen Blutzellen, bei Weibchen kam es zu erhöhten Blutzuckerspiegeln. Obwohl diese Veränderungen signifikant waren, tat Monsanto die Argumente als "bedeutungslos" ab.>
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Gen-Mais tötet auch nützliche Insekten und Bodenorganismen ab
aus: Brigitte Rondholz: Appell an die christlichen Politiker Merkel und Seehofer, 25.1.2006;
http://f25.parsimony.net/forum63512/messages/67809.htm
<Gen-Mais: Angriff auf Schädlinge und Nützlinge
Der sogenannte Bt-Mais der Saatgutkonzerne Syngenta und Monsanto produziert ein Gift, das Insektenlarven tötet. Entgegen den Erwartungen trifft es aber nicht nur Schädlinge, sondern auch nützliche Insekten. Die Pollen können sogar für Raupen geschützter Schmetterlinge tödlich sein. Das Gift schädigt über die Wurzeln zudem Lebewesen, die für die Humusbildung wichtig sind.>
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Der Gen-Soja-Skandal in Argentinien führt zur Unfruchtbarkeit der Erde
aus: Brigitte Rondholz: Appell an die christlichen Politiker Merkel und Seehofer, 25.1.2006;
http://f25.parsimony.net/forum63512/messages/67809.htm
Wer Gen-Soja anbaut, muss von Monsanto auch ein Pestizid kaufen. Argentinien ist inzwischen hoffnungslos vergiftet. Die argentinische Regierung hat sich verpokert:
<Der Anbau von Gen-Soja hat in Argentinien zu einem Pestizid-Alptraum geführt: Immer mehr Gift muss auf den Feldern versprüht werden. Wirtschaftliche, gesundheitliche und Umweltprobleme sind die Folge. (New Scientist). Der Handel blühte, das Geld floss und bis 2002 war fast die Hälfte des argentinischen anbaufähigen Landes - 11,6 Millionen Hektar - mit Gen-Soja bepflanzt, auch weit über die Pampa hinaus. Bereits in den "goldenen Zeiten" jedoch warnten Wissenschaftler vor den verheerenden Folgen, die jetzt sichtbar werden. Unkrautarten, die gegen Glyphosat resistent sind, verbreiten sich überall auf den Feldern. Die Dosis des giftigen Mittels wird ständig erhöht und neue Herbizide kommen zum Einsatz. Schätzungsweise 150 Millionen Liter Glyphosat wurden allein im Jahr 2003 versprüht. Getreide auf Nachbarfeldern wird durch die Giftwolken zerstört.Menschen leiden an Atemnot und Ausschlag, Vögel bringen missgebildete Junge zur Welt. Auch der Boden leidet unter dem Einsatz des Herbizides: Wichtige Bakterien werden vernichtet und die Erde wird unfruchtbar.
Immer mehr wird deutlich, dass der Traum von der Gen-Soja zum Alptraum für die argentinischen Bauern und die Wirtschaft des Landes wird. Ein warnendes Beispiel für die Länder, die sich an den Schwellen zum Anbau von Gen-Pflanzen befinden. (Sarah Wohlfeld, von Greenpeace-Online)Schon im Juni 2004 wurde der verblüfften Öffentlichkeit mitgeteilt, dass man Gentechnik erstmals in der Milch nachweisen konnte. Greenpeace veröffentlichte einen brisanten Untersuchungsbericht des Forschungszentrums für Milch und Lebensmittel in Weihenstephan/Bayern zum weltweit ersten Nachweis von gentechnischen Verunreinigungen in Milchproben. Die Untersuchung wurde drei Jahre (sic!) unter Verschluss gehalten.
Und eine italienische Studie bestätigte vor zwei Jahren, dass Leberfunktionen verändert werden. Durch tierausbeuterische Versuche konnten Wissenschaftlern der Universität Urbino den Nachweis dafür zu erbringen, dass gentechnisch verändertes Soja die Leberstruktur von Mäusen verändert. Demnach konnten die Forscher signifikante Modifikationen in einigen den Zellkern betreffenden Merkmalen nachweisen ( GM-Watch )>
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Gen-Kartoffeln provozieren schwerste Schäden bei Ratten
aus: Brigitte Rondholz: Appell an die christlichen Politiker Merkel und Seehofer, 25.1.2006;
http://f25.parsimony.net/forum63512/messages/67809.htm
<Gen-Kartoffel schädigt Ratten und Mäuse
In Schottland bauten Wissenschaftler Gene des Schneeglöckchens in Kartoffeln ein, damit sie ein Gift gegen Schädlinge produzieren. Die Wissenschaftler kamen zu folgendem Ergebnis: Ratten, die die Gen-Kartoffeln gefressen hatten, wiesen Schäden im Immunsystem und Entwicklungsstörungen auf.>
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<10 Jahre Genfood - 10 Jahre des Versagens
Studie von Friends of the Earth International (Dachorganisation von GLOBAL 2000)
aus: global 2000: Achtung GENfahr! http://www.global2000.at/pages/gen-studien.htm
Im Jahr 2004 begeht die Zucht genmanipulierter Pflanzen ihr trauriges 10-jähriges Jubiläum. In den USA wurde 1994 die Tomatensorte "Flavr Savr" eingeführt, welche sich allerdings bald als völliger Flop herausstellen sollte und mittlerweile bereits wieder vom Markt verschwunden ist. Dies war geradezu symptomatisch für die weitere Zukunft genmanipulierter Pflanzen: Obwohl die biotechnologische Industrie massiv mit den Vorteilen der "neuen" Arten geworben hat und noch immer wirbt, ist keine der Verheißungen bisher eingetreten:
Genfood ist weder qualitativ hochwertiger, noch billiger, und erst recht nicht umweltverträglich. Ganz im Gegenteil, durch Gentechnik ist eine Vielzahl neuer Probleme entstanden, die von möglichen Gesundheitsrisiken über Auswirkungen auf die Umwelt bis hin zu sozio-ökonomischen Folgen reicht.Die USA, Argentinien und Kanada sind weltweit die größten Produzenten gentechnisch veränderter Lebensmittel. Insbesondere die USA haben mehrmals versucht, "widerwilligen" Ländern (darunter denen der EU) Genfood aufzudrängen; der Widerstand der KonsumentInnen auf allen Kontinenten wuchs kontinuierlich und brachte auch einige politische Erfolge mit sich. In der EU wurde etwa ein Moratorium ausgerufen, asiatische und lateinamerikanische Staaten haben ein Verbot verhängt und viele südliche Ländern weigern sich, Lebensmittelhilfe anzunehmen, wenn diese Genfood beinhaltet.>
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Deutschland 5.5.2009: <Niederlage für Monsanto: Gemnais-Verbot bestätigt>
aus: n-tv online; 5.5.2009; http://www.n-tv.de/1148992.html
Endlich merken scheinbar die Richter und Richterinnen, was es mit genmanipulierten Pflanzen auf sich hat und schützen die Natur vor dem Gendreck von Monsanto aus den Scheiss-"USA":
<Erstmals hat ein deutsches Gericht die Rechtmäßigkeit des Genmais-Verbots bestätigt. Das Verwaltungsgericht Braunschweig entschied in einem Eilverfahren, dass das Anbauverbot für die Sorte MON 810 des Saatgutkonzerns Monsanto bestehenbleibt. In ihrer Eilentscheidung begründeten die Richter das Verbot damit, dass aus ihrer Sicht eine Gefahrenlage besteht. Dafür gebe es zwar keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse, aber es genügten schon Anhaltspunkte, dass Menschen oder Tiere geschädigt werden könnten.
Monsanto hat in die Maissorte MON 810 ein Gen eingebaut, das ein Gift gegen den Schädling Maiszünsler produziert. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hatte den Anbau der Sorte durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Braunschweig (BVL) verbieten lassen. Die Ministerin befürchtet, dass sich die Risiken für Tiere und andere Pflanzen nicht abschätzen lassen.
Erkenntnisse stehen aus
Das Verwaltungsgericht betonte, es habe nur zu prüfen gehabt, ob das BVL als deutsche Zulassungsbehörde die Risiken des Anbau der Maissorte ausreichend ermittelt und ohne Willkür bewertet habe. Dies sei der Fall gewesen. Gegen die Braunschweiger Entscheidung kann der Konzern beim niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg als nächste Instanz Beschwerde einlegen.
Die Richter erklärten, es gebe keine gesicherten Erkenntnisse darüber, dass der Genmais zu erhöhten Gefahren für die Umwelt führe. "Neuere Untersuchungen könnten jedoch darauf hindeuten, dass der im Genmais produzierte Giftstoff nicht nur gegen den Schädling wirkt, der damit bekämpft werden soll, sondern auch gegen weitere Insekten", hieß es in einer schriftlichen Mitteilung. Außerdem sei nach aktuellen Studien davon auszugehen, dass sich die Genmais-Pollen deutlich weiter verbreiten können als dies bisher angenommen wurde.>
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23.9.2010: <Genfrei kommt weit vernetzt und langsam voran> - <Gentechnik: "Wir müssen jetzt eine Judo-Strategie fahren">
Es gibt sie, eine Bewegung gegen die zerstörerische Gentechnik, für gentechnikfreie Regionen. Die Biologin Fabienne Koechlin ist eine Repräsentantin davon. Die Bewegung für eine Gentech-freie Landwirtschaft muss in Brüssel die "Klinken putzen", damit als ein erster grosser Schritt die Speisen in Spitälern und Schulen gentechfrei gestaltet werden. Das garantiert viel Absatz und ist eine Basis für den Erhalt der gentech-freien Früchte und Gemüse, um sich dann mit weiteren Schritten endgültigen gegen den kriminellen "US"-Gen-Konzern Monsanto durchzusetzen, der Europas Landwirtschaft mit Saatgut "amerikanisieren" will. Aber lesen Sie selbst das interessante Interview:
aus: Wochenzeitung (WoZ) online; 23.9.2010; http://www.woz.ch/artikel/2010/nr38/kultur_wissen/19804.html
Florianne Koechlin, Biologin gegen Genfood [1]
<Ein weit gespanntes Netz
Die Koalition der gentechfreien Regionen in Europa ist ein Netzwerk von Regionen, Organisationen und AktivistInnen. Gemeinsam engagieren sie sich seit 2003 für eine kleinräumige, nachhaltige Landwirtschaft. Dabei verfolgen sie zudem das Ziel, den einzelnen Ländern in Fragen der Landwirtschaft ihre Souveränität und Autonomie zurückzugeben. Vom 16. bis 18. September hat ihre sechste Konferenz mit rund 250 TeilnehmerInnen in Belgien stattgefunden.Das Netzwerk wächst und überzieht die Landkarte Europas mit immer zahlreicheren gentechfreien Zonen – aufwendig dokumentiert und visualisiert auf der Website der Koalition: Für jedes Land Europas gibt es dort unter anderem eine regelmässig aktualisierte Karte, auf der Städte, Gemeinden und Regionen markiert sind, die sich für gentechfrei erklärt haben.
Interview mit der Biologin Florianne Koechlin: "Wir müssen jetzt eine Judo-Strategie fahren"
<Von Franziska Meister (Interview) und Ursula Häne (Foto)
Die Biologin Florianne Koechlin engagiert sich seit über zwanzig Jahren gegen Gentechnik. Sie ist Teil des europäischen Netzwerkes Koalition der gentechfreien Regionen, das für eine kleinräumige, selbstbestimmte Landwirtschaft kämpft. Und gegen die Übermacht der grossen Agrarkonzerne.
Florianne Koechlin: «Wir sind eine sehr gemischte und ziemlich wilde Gruppe. Aber wir werden immer grösser.»
WOZ: Florianne Koechlin, Sie kommen eben aus Belgien zurück, von der Konferenz der gentechfreien Regionen Europas, die Sie mitorganisiert haben. Der Auftakt der Konferenz fand im Europaparlament in Brüssel statt. Worum ging es da?
Florianne Koechlin: Wir suchten die direkte Begegnung mit den Parlamentsvertretern, weil wir die Verbindung stärken wollten zwischen der Bewegung von unten und den Politikern oben. Denn nur so kommen wir weiter in unserem Kampf für ein gentechfreies Europa. Im Verlauf der Debatte hat dann die Umweltministerin von Brüssel ihre Stadt zur gentechfreien Region ausgerufen – und das in einem Land, das bislang zu den hartnäckigsten Gentechbefürwortern gehörte.
Ist das denn mehr als ein Lippenbekenntnis?
Natürlich findet sich in Brüssel kaum noch ein Bauernhof. Und die Stadtregierung kann auch keine Gentechlebensmittel verbieten, das ist belgische Gesetzeshoheit. Aber die Umweltministerin aus Brüssel kann Einfluss nehmen auf Schul- und Spitalküchen. Dort will sie gentechfreie Nahrungsmittel durchsetzen. Und sie hat versprochen, sich mit Kampagnen und öffentlichen Veranstaltungen für unser Anliegen starkzumachen.
Sie gehört jetzt also zur Koalition der gentechfreien Regionen?
Sicher. Wir sind ein loses Netzwerk von Aktivistinnen und Aktivisten aus ganz Europa, zu uns zählen aber auch Bauernverbände und Regierungen wie jene der Region Toskana oder des Staates Ungarn. Eigentlich sind wir eine sehr gemischte und ziemlich wilde Gruppe. Und wir werden immer grösser. Unter den gut 250 Konferenzteilnehmenden fanden sich viele Beamte, die neu zum Netzwerk gestossen sind. Was mich aber besonders gefreut hat, waren die vielen ganz Jungen unter den neuen Gesichtern. Viele von ihnen sind militante Aktivisten, Feldbefreier, die sich in Frankreich «Faucheurs» nennen und in Deutschland «Gendreck weg».
Regierungsbeamte und Feldbefreier ziehen am selben Strick?
Ich glaube, der Grund für unser starkes Wachstum, der Grund dafür, dass an der Konferenz vom Wochenende sowohl Militante als auch konservative Bauern und viele Wissenschaftler teilgenommen haben, ist, dass es nicht nur um Gentechnik geht. Es geht um die grundsätzliche Frage, welche Art von Landwirtschaft wir wollen. Der Kampf gegen Gentechnik ist im Kern ein Kampf gegen eine Landwirtschaft à la USA mit ihren riesigen Monokulturen. Es geht um Lebensmittelsouveränität, um Saatgutsouveränität, um Biodiversität – es geht darum, dass Bauern wieder selber bestimmen können, was sie anbauen wollen. Heute wird die EU-Landwirtschaft von internationalen Konzernen dominiert. Vierzig Prozent des Gemüsesaatgutes in Europa stammen von Monsanto – und wir reden hier von konventionellem Saatgut.
Was hat Ihre Koalition denn der Macht der Grosskonzerne entgegenzusetzen?
Zum Beispiel dies: An der Konferenz sprach ich mit einer Lehrerin aus Lettland. Sie hat den Film «Monsanto – mit Gift und Genen» gesehen und sich über die Machenschaften dieses Konzerns so aufgeregt, dass sie gemeinsam mit Freunden Flugblätter geschrieben hat und quer durch das Land gereist ist, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Mittlerweile haben 84 von 109 Distrikten in Lettland beschlossen, gentechfrei zu bleiben. Den Ländern des ehemaligen Ostens kommt in unserm Netzwerk eine ganz besondere Bedeutung zu.
Warum?
Länder wie Polen, Bulgarien oder Rumänien dienen den Gentechkonzernen als Einfallstore, als trojanische Pferde sozusagen, auf dem Weg zur Eroberung von Europa. Mit der rumänischen Bewegung sind wir bereits länger vernetzt. Die haben dort eine tolle Kampagne auf die Beine gestellt und es geschafft, den Gentechanteil der Landwirtschaft auf ein Sechstel des vorherigen Wertes zu schrumpfen. Jetzt hat Rumänien einen neuen Umweltminister, der ein ehemaliger Monsanto-Mann ist. Die Grosskonzerne setzen enormen Druck auf.
Welche Rolle spielt dabei die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa?
Sie spielt eine eigentliche Schlüsselrolle, denn sie urteilt abschliessend über die Sicherheit von Gentechpflanzen. Das wirklich Üble an der Efsa aber ist, dass sie nach dem Drehtürenprinzip funktioniert: Vertreter von internationalen Grosskonzernen und Beamte der Efsa wechseln zwischen Industrie und Politik hin und her. Die Behörde ist mit gentechfreundlichen Personen besetzt und stützt sich bei ihren Einschätzungen und ihrem Urteil nur auf die Daten der Industrie, also etwa auf Sicherheitsstudien von Monsanto.
Kann die Bewegung für ein gentechfreies Europa dem überhaupt etwas entgegensetzen?
Wir haben an der Konferenz eingehend darüber diskutiert, wie man Druck auf die Efsa ausüben kann. Die radikalste Position innerhalb des Netzwerks vertritt wohl der französische Bauernführer José Bové: Er ist überzeugt, dass man die Efsa komplett umkrempeln und in diesem Zug auch die Sicherheitsbestimmungen neu festlegen muss. Deshalb lehnt er auch den Vorschlag von John Dalli, dem EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, radikal ab.
Was hat Dalli denn beantragt?
Dalli hat im Juli vorgeschlagen, die einzelnen EU-Länder sollen selber bestimmen können, ob sie gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen wollen oder nicht. Und sie sollen auch ein Verbot aussprechen dürfen.
Damit hat er ja eine der absolut zentralen Forderungen der Koalition der gentechfreien Regionen aufgegriffen – ist das denn nicht ein toller Erfolg?
Nun, im Prinzip schon. Bloss hat das Ganze einen Pferdefuss: Er liegt in der Formulierung des Vorschlags. Darin heisst es nämlich, die EU-Länder können zwar ein Verbot aussprechen, müssen dieses aber begründen. Und die Begründung darf sich nicht auf Gesundheits- oder Umweltbedenken stützen. Denn ob Gentechpflanzen aus wissenschaftlicher Sicht gesundheits- oder umweltschädlich sind, entscheidet allein die Efsa. Und wenn die Efsa beispielsweise erklärt, die Amflora-Kartoffel sei sicher, dann kann kein Land mehr etwas dagegen sagen.
Also ist der Vorschlag von Dalli eine reine Farce? Die Länder erhalten Kompetenzen zugesprochen, die sie in der Praxis gar nicht ausüben können ...
Nein, das nicht ... Gewisse Punkte bringen schon eine Verbesserung. Aber es ist eine vertrackte Sache. Juristen der Umweltorganisationen Greenpeace und Friends of the Earth haben den Vorschlag geprüft. Ihre erste Schlussfolgerung ist: Wenn ein Land aus moralischen oder sozioökonomischen Gründen den Anbau von Gentechpflanzen ablehnt, dann wird die Industrie dagegen klagen – und so, wie die Gesetzeslage ist, wird sie wohl Recht bekommen.
Was wird die Koalition jetzt unternehmen?
Für die Bewegung bedeutet das schon eine gewisse Zerreissprobe: Die einen sagen: «Super – jetzt haben wir, was wir wollen.» Andere wie Bové sind total gegen den Vorschlag. Das auszudiskutieren braucht noch Zeit.
Und was finden Sie?
Ich finde, man muss den Vorschlag von Dalli zumindest aufnehmen. Immerhin haben wir über zehn Jahre lang dafür gekämpft, dass die einzelnen Nationen selber bestimmen dürfen – so wie die Schweiz. Jetzt soll dies verwirklicht werden, und wir sollten deshalb schauen, wie wir von hier aus weitergehen können. Ein Greenpeace-Vertreter formulierte es so: Wir müssen nicht eine David-gegen-Goliath-Strategie fahren, sondern eine Judo-Strategie – den Fuss in der Tür behalten, Verbesserungsvorschläge formulieren und dafür im Parlament lobbyieren. Und parallel dazu eine Moratoriumsforderung einbringen.
Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wie wird die EU-Landwirtschaft in zehn Jahren aussehen?
Das kann ich nicht sagen. Ich bin aber einigermassen hoffnungsvoll. Und das hat mit einer Geschichte zu tun, die ich vor mehr als zehn Jahren erlebt habe: An einer Podiumsdiskussion damals hat der Präsident von Nestlé gesagt, es sei lächerlich zu meinen, in fünf Jahren sei nicht die Hälfte aller Lebensmittel genmanipuliert.
Und heute? Heute haben wir kein einziges gentechnisch verändertes Nahrungsmittel in der Schweiz. Für mich heisst das, dass dank der Gentechnik eine starke, europaweite Bewegung entstanden ist, die für die eigene Souveränität einsteht. Noch nie haben sich so viele Menschen über Kulturgrenzen hinweg für die eigene Landwirtschaft eingesetzt. Das macht mir Mut.>
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17.7.2011: Genfood ist teurer - und macht auch noch krank - Functional Food einfach NIE kaufen
aus: Welt online: Functional Food: Die gefährliche Illusion vom Essen, das gesund macht; 17.7.2011;
http://www.welt.de/wirtschaft/article13491513/Die-gefaehrliche-Illusion-vom-Essen-das-gesund-macht.html
Moderne Lebensmittel sollen nicht nur satt, sondern auch gesund und jung machen. Das Versprechen wird selten gehalten – und ist sogar schädlich.
Es ist ziemlich leicht, der Lebensmittelindustrie ein paar Euro zusätzlich zu bescheren, wenn man im Supermarkt fürs Frühstück einkaufen geht. Die kommen schnell zusammen, wenn man sich statt Lebensmitteln, die einfach nur satt machen und schmecken, solche kauft, die einen Mehrwert versprechen, eine sogenannte Funktion: die Cholesterin senkende Margarine für 2,99 statt der 99 Cent für die herkömmliche Margarine, den mit Calcium und Vitamin C versetzen Saft, der 20 Cent teurer ist als der normale Saft des Herstellers, den Viererpack probiotischen Joghurt für 1,99 Euro statt der rund halb so teuren einfachen Joghurts. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. In der Bäckerei gibt es Omega-3-Brot und -Brötchen, im Reformhaus Frühstückseier mit zugesetzten Molekülketten.
Dabei haben die allermeisten Käufer gar keinen Bedarf für diese Lebensmittel. Eine Studie der Verbraucherzentralen und des Bundesinstituts für Risikobewertung stellte etwa fest, dass fast jeder zweite Deutsche, der cholesterinsenkende Margarine isst, keinerlei Probleme mit seinem Fettstoffwechsel hat.
Die eigene Marktforschung des Danone-Konzerns ermittelte, dass jeder dritte Käufer des entsprechenden Drinks keinen erhöhten Cholesterinspiegel hat. Gekauft wird der Drink trotzdem. Und die Margarine. Das spiegelt die Einstellung des deutschen Verbrauchers zu seiner Ernährung wider: Wer genug Geld investiert, kann sich Gesundheit im Vorbeigehen kaufen. Und: Wer am falschen Ende spart und anschließend herzkrank wird, ist selber schuld.
Milliardenumsätze mit Functional Food
Der Industrie beschert diese Vorstellung riesige Umsätze: rund neun Milliarden Euro, die die Deutschen jedes Jahr für Nahrungsmittel ausgeben, mit denen sie sich gesund essen wollen. In den letzten fünf Jahren ist der Markt für diese Lebensmittel um ein Drittel gewachsen. Was davon unter "Functional Food" fällt, also unter Lebensmittel, die beim Verzehr ganz konkret die Gesundheit durch zugesetzte Substanzen fördern sollen, hat keine Marktforschungsfirma erhoben. Es gibt aber ein paar Anhaltspunkte: Allein für cholesterinsenkende Lebensmittel blättern deutsche Kunden pro Jahr rund 60 Millionen Euro hin, für probiotische Joghurts sogar 550 Millionen.
Doch trotz der Milliarden, die die Deutschen Jahr für Jahr investieren, um sich gesund zu essen, wird das Volk immer kranker. Fast zwei Drittel der Männer in der Bundesrepublik sind übergewichtig oder sogar fettleibig und etwa die Hälfte aller Frauen. Sogar bei den Kindern hat sich die Zahl der Fettleibigen seit den 90er-Jahren verdoppelt. Die Gefahr von Herz- und Kreislauferkrankungen steigt in der Folge. In jungen Jahren trinken und essen sie sich einen Bierbauch und einen zu hohen Cholesterinspiegel an, dann merken sie irgendwann, dass es so nicht weitergeht – und versuchen, ihr Problem so zu lösen, wie sie es gelernt haben. Mit Konsum.
Forscher: Die funktionellen Nahrungsmittel bringen nichts
Jedes Jahr kommen Dutzende an neuen Functional-Food-Produkten auf den Markt. Doch Wissenschaftler und Ernährungsberater ziehen eine ernüchternde Bilanz: Die funktionellen Nahrungsmittel, die heute in unseren Supermarktregalen stehen, bringen mehrheitlich nichts. Im besten Fall sind sie wirkungslos. Im schlimmsten Fall gesundheitsschädlich.
"Bei der Masse an Functional Food geht es darum, ein Lebensgefühl zu vermitteln, aber mit Gesundheitsförderung hat das nichts zu tun", sagt der renommierte Ernährungsforscher Peter Stehle aus Bonn. Auch sein Kollege Dirk Haller von der Technischen Universität Münster meint: "Funktionelle Lebensmittel können keine Krankheiten verhindern." Und Apothekerverbände betonen, dass der Genuss einiger der Lebensmittel nichts anderes als Selbstmedikation ohne ärztliche Aufsicht sei.
Um zu verstehen, welche Mechanismen hinter dem Geschäft mit den funktionellen Lebensmitteln stecken, muss man sich nach Paris begeben. Genauer gesagt nach Palaiseau, einen ländlichen Vorort im Süden der Stadt. Dort liegt das Forschungszentrum von Danone. Palaiseau ist der Geburtsort von Danacol. Ein cholesterinsenkender Joghurtdrink, der Gesundheit verspricht. Der Konzern hat ihn im Herbst mit Werbespots beworben. Darin war Schauspieler Heiner Lauterbach zu sehen, auf dem Arm seine kleine Tochter, der erklärte, ab jetzt werde gesund gelebt.
Grundlagenforschung bei Danone
Catherine Nicolle ist Grundlagenforscherin bei Danone. Man könnte Frau Nicolle eine Schlüsselfigur in der wissenschaftlichen Erforschung des Joghurtdrinks nennen. Sie war an den wissenschaftlichen Arbeiten beteiligt, unter anderem daran, die Wirksamkeit des Produktes aufzuzeigen. Drei Jahre habe die Entwicklung gedauert, sagt sie. Auf einer Folie ist ein Sieben-Stufen-Plan zu sehen: Marktanalyse, Ansatzpunkte zur Lösung des Problems "zu hohes Cholesterin" suchen, Wirkstoff bestimmen, dann Darreichungsform – trinkbarer Joghurt oder Jogurt zum Löffeln? –, klinische Studien durchführen, die Ergebnisse in ein Markenbild umsetzen, Werbung.
Der Aufwand ist groß, nur etwa fünf Prozent aller neuen Produktideen bei Danone schaffen es tatsächlich in die Regale. Bis es so weit ist, muss ein neues Produkt viele Testläufe in der "Prototyp-Fabrik" im Inneren des Forschungslabors überstehen, außerdem Dutzende Runden an Konsumentenbefragungen: Schmeckt der Joghurtdrink, ist die Verpackung ansprechend? Für Danacol wurden 7300 Konsumenten befragt. Die Danone-Marktforscher hoffen auf einen neuen "Blockbuster". Danocol soll dem Konzern in den nächsten drei bis fünf Jahren 80 bis 100 Millionen Euro Umsatz bescheren.
"Blockbuster" – der Begriff kommt ursprünglich aus Hollywood, von großen Kinoerfolgen, die die Kassen der Filmstudios klingeln lassen. Mittlerweile spricht man allerdings auch in einer anderen Branche von Blockbustern: der Pharmaindustrie. Bei Medikamenten, die gegen große Volkskrankheiten wirken sollen. Also gegen Krebs oder Bluthochdruck. Oder zu viel Cholesterin. Der fettähnliche Stoff, der unsere Zellmembranen stabilisiert, gilt bei zu hohen Werten als Auslöser von Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs. Ihn unter Kontrolle zu halten ist das weltweit größte Geschäft der Pharmakonzerne. Der Industrie beschert der Verkauf der Cholesterinsenker fast 30 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.
Milliarden-Umsätze mit Cholesterinsenkern
Warum davon nicht eine Scheibe abschneiden? Danone-Deutschlandchef Andreas Ostermayr rechnete bei der Markteinführung von Danacol vor, 70 Prozent aller erwachsenen Deutschen hätten einen erhöhten Cholesterinspiegel. Auf sie hat es auch Konkurrent Unilever abgesehen, der ebenfalls einen solchen Joghurtdrink im Programm hat. Und die Schweizer Großmolkerei Emmi. Und Nestlé. Und Coca-Cola. Das Konzept funktioniert meistens gut.
So gut, dass Danone sich ein Forschungszentrum mit 600 Mitarbeitern leistet. Und Konkurrent Nestlé aus der Schweiz im Herbst ankündigte, eine neue Industrie an der Schwelle zwischen Ernährungs- und Pharmabranche anführen zu wollen – mit seiner neu gegründeten Sparte Health Science, aus der künftig Wundernahrung gegen Diabetes, Fettleibigkeit und sogar Alzheimer kommen soll. So viel Forschung, Marktanalyse und Werbung ist teuer. Danone erklärt, die Entwicklung solcher funktioneller Lebensmittel koste "mehrere Millionen Euro". Was wiederum den Preisaufschlag erklären soll.
Wenn Peter Stehle den Begriff Functional Food hört, schnauft er erst einmal durch. Er hat sich für das Gespräch erst einmal eine Cola light aus dem Kühlschrank geholt. Dogmatisch ist er also nicht, der Professor für Ernährungsphysiologie an der Universität Bonn. In seinem Fachgebiet geht es darum zu erforschen, wie einzelne Moleküle in den Körper gelangen und was genau sie dort tun. "Func-tio-nal Food", sagt er und betont dabei jede Silbe, "Das, was die Lebensmittelindustrie unter diesem Namen vertreibt, geht an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei."
Vitaminzusatz ist Humbug
Er zählt auf: Säfte mit Vitaminzusatz – Humbug. "Wir hatten in Deutschland in den letzten Jahren noch nie Mangel an Vitamin C - oder haben Sie schon mal von Skorbutfällen gehört?" Probiotika, also künstlich zugesetzte Mikroorganismen im Essen: "Da gibt es kaum Evidenz für eine vorbeugende, das heißt eine das Krankheitsrisiko vermindernde Wirkung." Omega-3-Fettsäuren: "Im Prinzip eine gute Sache. Nur leider ist die Menge, die Eiern oder Brot zugesetzt werden kann, nicht ausreichend."
Stehle ist ein gefragter Mann in der Fachwelt. Momentan zieht er mit Vorträgen über die Wirksamkeit von Functional Food durch die Lande. Auf einer seiner Folien steht lapidar: "Der objektive Beweis, dass die Einführung von Functional Food generell den Ernährungs- und Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessert hat, fehlt." Manche Lebensmittel jedoch, sagt der Professor, können sogar der Gesundheit schaden. Besonders kritisch sieht Stehle die cholesterinsenkenden Lebensmittel, also zum Beispiel Danone Danacol oder Becel pro-activ, Unilevers Blockbuster-Margarine.
Der Wirkstoff in beiden Produkten sind Phytosterine. Das sind pflanzliche Moleküle, die bei Pflanzen die gleiche Funktion erfüllen wie das Cholesterin beim Menschen und die zum Beispiel in Sonnenblumenkernen oder Avocados gehäuft vorkommen. In Danacol und Becel pro-activ sind sie in stark konzentrierter Form künstlich zugesetzt. Wer viele Phytosterine zu sich nimmt, dessen Körper nimmt - vereinfacht gesagt - weniger Cholesterin auf.
Tatsächlich ist die Wirksamkeit von Phytosterinen vielfach belegt, weltweit gibt es laut Danone mehr als 100 Studien zu diesem Thema. Das Unternehmen verlinkt auf der Internetseite Danacol.de auf mehrere Untersuchungen, die gezeigt haben, dass der regelmäßige Konsum einen erhöhten Cholesterinspiegel senken kann. Forscherin Nicolle betont, dass verschiedene internationale Gesundheitsorganisationen derselben Ansicht sind. Und Unilever weist auf seiner Website Herzalter.de darauf hin, dass die Wirksamkeit erst vor Kurzem erneut wissenschaftlich bestätigt wurde.
Sind cholesterinsenkende Lebensmittel gefährlich?
Doch was bedeutet das? Nicht viel, wenn man Professor Stehle fragt. "Tatsächlich lässt sich durch den Konsum solcher Produkte eine gewisse Senkung des Cholesterinspiegels belegen." Dieser Zusammenhang sei anerkannt, betont er. Nur: "Das heißt nicht, dass damit auch das Herzinfarktrisiko sinkt." Denn statt Cholesterin nehme der Körper eben mehr Phytosterin auf. Was das langfristig für den Körper bedeute, sei kaum erforscht. Eines der wenigen Forscherteams, die sich mit diesem Thema bislang beschäftigt haben, sitzt am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg an der Saar.
Vielleicht, sagt Professor Ulrich Laufs, der die Untersuchung leitete, habe die geringe Fallzahl kritischer Forschungsprojekte ja auch damit zu tun, dass man solche Ergebnisse nur schwer veröffentlichen könne. "Die wissenschaftlichen Magazine, in denen Fachartikel über Ernährung veröffentlicht werden, sind natürlich auch von den Lebensmittelherstellern als wichtige Werbekunden abhängig." Und bei wissenschaftlichen Kongressen träten die Nahrungsmittelkonzerne häufig als Mitveranstalter auf.
Die Homburger Studie wurde 2008 veröffentlicht. Das Ergebnis dürfte Unilever, Danone und Co. nicht gefallen haben. Laufs und seine Arbeitsgruppe hatten Labormäusen Futter gegeben, das mit Phytosterinen angereichert war. "Dabei haben wir festgestellt, dass sich bei diesen Tieren die Pflanzensterine in den Geweben ablagerten", sagt der Mediziner. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die ein cholesterinsenkendes Medikament gefüttert bekam, wiesen die Mäuse, die Functional Food verspeist hatten, anschließend noch doppelt so viel Gefäßverkalkung auf.
Danone: Ergebnisse vom Tierversuch kaum übertragbar
"Kein Mensch weiß, was mit den Gefäßen passiert, wenn Menschen mit Risikofaktoren über eine lange Zeit hinweg größere Mengen einnehmen." Laufs sagt, eine spürbare Senkung des Cholesterins trete überhaupt erst beim Konsum hoher Dosen an Phytosterinen ein. "Es gibt also keine Hinweise auf eine deutliche Wirksamkeit solcher funktioneller Lebensmittel, dafür aber Hinweise auf eine möglicherweise nachteilige gesundheitliche Wirkung."
Danone-Forscherin Nicolle weist darauf hin, dass es schwierig sei, Ergebnisse von Untersuchungen an Tieren auf Menschen zu übertragen. Da hier keine klare Einigkeit herrsche, arbeite das Unternehmen derzeit zusammen mit externen Forschungseinrichtungen daran, zusätzliche wissenschaftliche Belege für diese Fragen zu liefern. Die Pressestelle gibt auch noch die Empfehlung, sich die Gegenmeinung eines anderen Wissenschaftlers anzuhören, und zwar die von Professor Eberhard Windler vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.
Der Forscher hat in den 90er-Jahren die Ernährungsweise weiblicher Patienten mit koronaren Herzkrankheiten statistisch erfasst. Dabei kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass ein hoher Fleischverzehr das Erkrankungsrisiko erhöhe, während ein hoher Verzehr von Obst und Gemüse das Risiko senke. Aus den Angaben errechneten sie auch, dass Menschen mit koronaren Herzkrankheiten meist vergleichsweise niedrige Phytosterinspiegel aufweisen. Einen Beleg für die Unbedenklichkeit der mit Phytosterinen künstlich versetzten Lebensmittel liefern diese Forschungsergebnisse allerdings nicht.
Behörde warnt vor Lebensmittel mit Pflanzensterinen
Den deutschen Behörden sind die Studienergebnisse aus dem Saarland seit Langem bekannt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine Behörde des Verbraucherschutzministeriums, warnte kurz nach deren Veröffentlichung: Menschen mit normalen Cholesterinwerten sollten den Verzehr von Lebensmitteln mit zugesetzten Pflanzensterinen "ausdrücklich vermeiden". Das BfR riet sogar ausdrücklich davon ab, weitere Lebensmittelgruppen mit Phytosterinzusatz für den Verkauf zuzulassen.
Es ist nicht so, dass die Hersteller funktionelle Nahrungsmittel einfach in die Supermarktregale stellen könnten. Alle neuen Arten von Lebensmitteln, die in die Läden kommen, müssen zuvor eine Zulassung der EU erhalten. "Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten, die unter diese Verordnung fallen, dürfen keine Gefahr für den Verbraucher darstellen", heißt es in Artikel 3, Absatz 1 der entsprechenden EG-Verordnung. Beantragt ein Nahrungsmittelhersteller eine Zulassung für eine neue Lebensmittelgruppe, wendet sich die Kommission an die Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA (European Food Safety Authority). Mit dem Auftrag, eine Risikobewertung für die Produktgruppe zu erstellen.
Die Hersteller betonen nachdrücklich, ihre Produkte seien völlig ungefährlich. "Wenn wir nur den geringsten Zweifel daran hätten, würden wir sofort reagieren", sagt Arne Kirchem, Manager bei Unilever und verantwortlich für die Becel-Produktgruppe. Schließlich, argumentiert er, sei der Imageschaden, den eine gesundheitsschädigende Wirkung eines der Produkte hätte, ein viel zu großes Risiko für einen Konzern wie Unilever. Und Danone teilt mit, das Unternehmen orientiere sich an den Untersuchungen der EFSA, laut denen die Produkte vorrangig von denjenigen Konsumenten gekauft würden, für die sie geeignet seien. Lobbyarbeit in Brüssel ist essenziell für Firmen wie Coca-Cola, Nestlé, Unilever oder Danone.
Lebensmittelkonzerne unterstützen die Forschung
Wie die meisten anderen Industriezweige auch unterhalten die Konzerne dort sowohl Büros für ihre eigenen Interessenvertreter als auch ihre Verbände und finanzieren darüber hinaus "Think Tanks". Gesponserte Forschung gehört bei fast allen großen Nahrungsmittelherstellern zum Marketing. "Beim Konsumenten besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Wissen über Ernährungszusammenhänge und der Bereitschaft, funktionelle Lebensmittel auszuprobieren", schreibt der Ernährungswissenschaftler Gastón Ares aus Montevideo. Deshalb stellt sich Unilever seit ein paar Jahren in deutsche Supermärkte und bietet den Kunden kostenlos Cholesterin-Schnelltests.
Bei der Gesundheitsaufklärung für Erwachsene sind die Franzosen nicht zurückhaltend. Für den Actimel-Drink gab es eine Zeit lang Broschüren inklusive Rabattgutscheinen, die über den Gesundheitsnutzen des Produkts aufklärten und in Arztpraxen und bei Ernährungsberatern auslagen. Ob Actimel indes tatsächlich Erkältungen vorbeugen kann, ist bisher nicht offiziell von der EU verbrieft. Danone hat vor gut einem Jahr den Antrag auf eine Health-Claim-Prüfung vorerst zurückgezogen. Branchenbeobachter vermuten, dass die Sorge vor dem Imageschaden, den eine mögliche Ablehnung des Antrags mit sich gebracht hätte, eine Rolle gespielt habe.
Danone dagegen begründet die Rücknahme damit, dass zunächst die Vorgaben der Behörden nicht eindeutig genug gewesen seien, welche wissenschaftlichen Belege beigebracht werden müssten. "Wir werden im Laufe dieses Jahres den Antrag erneut vorlegen und sind überzeugt, die Zustimmung zu bekommen", heißt es aus dem Konzern.
"Goldener Windbeutel" für Actimel
Vor zwei Jahren hatte Foodwatch den "Goldenen Windbeutel" für die dreisteste Werbelüge an Actimel vergeben, weil nach Ansicht der Verbraucherschützer durch die Werbung suggeriert werde, dass Actimel als einziges Produkt am Markt Erkältungen verhindern könnte. Dabei stärke er das Immunsystem lediglich ebenso gut wie ein herkömmlicher Naturjoghurt.
In den Behandlungsräumen von Miriam Eisenhauer sucht man nach Werbeplakaten oder Flyern vergeblich. Die Ernährungsberaterin hat ihre Praxis in Frankfurt am Main. Auf dem Klingelschild klebt ein Aufkleber mit dem Firmenlogo, auf dem die Bürotürme Frankfurts aus Gurken und Paprika nachgebaut sind. Die Ernährungsexpertin ist der Typ Sportstudentin, jung, hübsch, Jeans und T-Shirt, die kurzen blonden Haare zurückgesteckt, leicht hessischer Dialekt. "Ich halte von dem ganzen Kram gar nichts", sagt sie.Zu Eisenhauer kommen Frankfurter, die Übergewicht haben, Untergewicht oder an einem Reizdarmsyndrom leiden. Fünf Sitzungen verteilt über vier Monate setzt sie gewöhnlich an, danach sollten die Leute wissen, wie sie sich gesund ernähren: möglichst viele ballaststoffhaltige Nahrungsmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse und Obst essen, nicht zu viel Zucker. Wer eine Überweisung vom Hausarzt bekommt, bei dem zahlt die Krankenkasse 135 Euro zur Ernährungsberatung zu. Eisenhauer erzählt, dass viele ihrer Klienten ihr Fragen zu funktionellen Lebensmitteln stellen: Beugt das wirklich Krankheiten vor? Soll ich mir das kaufen? "Ich sage da immer ganz entschieden Nein", sagt sie.
Lebensmittelzusätze kommen aus der Chemie
Ein Spot mit Bildern, die von Familienglück erzählen, von Ausgeglichenheit und Menschen, die mit sich selbst, ihrem Körper und ihrer Umwelt im Reinen sind. "Tiefenpsychologie", sagt Klaus Menrad. "Den Geist der Zielgruppe richtig zu treffen, das ist die größte Herausforderung beim Functional Food. Die Inhaltsstoffe selbst sind dann eher Nebensache." Menrad kennt sich mit diesen Dingen aus wie kaum ein anderer in Deutschland. Er ist Professor für Marketing am Wissenschaftszentrum Straubing und hat als einer von wenigen Wissenschaftlern weltweit bisher erforscht, wie funktionelle Lebensmittel beworben, bepreist und in Läden platziert werden müssen, damit Kunden sie kaufen. Das Zauberwort heiße "Natürlichkeit", sagt er. "Die Verpackung, die Werbung, alles muss nach Natur aussehen, es darf auf keinen Fall chemisch oder technisch wirken."
Wahrscheinlich, meint Professor Menrad, fänden die meisten Leute wohl die Vorstellung, woher die Vitamine, die Phytosterine oder die Omega-3-Fettsäuren tatsächlich stammen, weniger ansprechend. Die größte deutsche Vitaminquelle liegt in Ludwigshafen, auf dem Firmengelände des Chemiekonglomerats BASF. Mehr als 20.000 Tonnen Vitamin E laufen jedes Jahr vom Band und in etwa noch einmal so viele Tonnen Vitamin A und Vitamin C. Bevor sie in den Saft, in die Cornflakes oder ins Bonbon gerührt werden, stecken die Vitamine in weißem Pulver.
Das Pulver wird in große Fässer gefüllt, auf Lastwagen verladen und dann zu den Kunden in aller Welt verschickt. Das erfolgreichste Produkt derzeit heißt Vegapure: konzentrierte Phytosterine, die in Brotaufstriche, Getränke oder Joghurt gerührt werden. "Multinationale Lebensmittelunternehmen" seien die Kunden, sagt Massimo Armada, weltweiter Leiter der BASF-Sparte Human Nutrition. Die "hoch leistungsfähigen Inhaltsstoffe" könnten den Kunden helfen, "auf den Wellness-Trend eine Antwort zu finden", und das "auf Basis petrochemischer und nachwachsender Rohstoffe"
Lebensmittelherstellung erinnert an die Pharmaindustrie
Auch die Herstellungsverfahren der modernen Lebensmittelbranche erinnern stark an die Pharmaindustrie. Es deutet alles darauf hin, dass hier eine gigantische Branche entsteht, in der die Übergänge zwischen Essen und Medikament immer weiter verschwimmen. Natürlich versuchen deshalb auch die großen Pharmakonzerne, auf dem benachbarten Markt Tritt zu fassen. In den USA klappt das schon ziemlich gut. Abbott Laboratories verkauft in den amerikanischen Drugstores Puddings mit künstlich zugesetzten Ballaststoffen für unterernährte Alte, die nicht mehr gut kauen können. Johnson & Johnson vertreibt eine cholesterinsenkende Margarine.
In Europa dagegen hat sich bisher nur Novartis, der Hersteller von Schmerzsalben und Nasentropfen, an einer eigenen Functional-Food-Linie versucht. Vor zwölf Jahren ging das Unternehmen mit seiner Marke "Aviva" an den Start, die Knochen, Herz und Verdauungstrakt stärken sollten. Nach gut einem Jahr nahm Novartis die Kekse, Müslis und Müsliriegel mangels Erfolg wieder vom Markt. Warum, weiß Marketingexperte Menrad. "Die Pharmakonzerne sind lange nicht so gut auf dem Gebiet der Imagebildung für solche Produkte wie Lebensmittelkonzerne, die dies häufig schon jahrzehntelang für ihre Markenprodukte tun." Novartis scheiterte, weil der Produktname, die Aufmachung der Verpackungen und die Werbung "an Krankheit erinnerten".
Ältere Menschen sind die typischen Käufer
Krank sein, das ist das Letzte, was die Käufer von Functional Food wollen. Vor ein paar Jahren skizzierten Kollegen des Marketingexperten ein Profil des typischen Käufers krankheitsvorbeugender Lebensmittel. Das wenig überraschende Ergebnis: Der überwiegende Teil der Kunden ist über 50. "Das sind halt die Leute, die ihr Häuschen schon abbezahlt haben, die Kinder durch die Ausbildung durch haben und nun wieder mehr Zeit haben, sich mit sich selbst zu beschäftigen", meint Menrad. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass die kaufkräftige ältere Kundengruppe immer größer wird.
Die Lebensmittelhersteller kennen diese Zusammenhänge natürlich auch, sie stehen sogar im Internet bei Wikipedia erklärt. Und trotzdem versetzen sie weiter Brot mit Omega-3-Fettsäuren aus Raps - einfach weil es sich gut verkauft.
Es geht aber auch anders. Denn grundsätzlich, da sind sich alle Forscher einig, ist die Idee ziemlich genial, mit sinnvollen Wirkstoffen im Essen Unterversorgungen auszugleichen. So wie beim Jod, das seit Jahrzehnten in Deutschland dem Speisesalz zugesetzt wird. Durch das Jodsalz ist es nach Angaben der WHO gelungen, dass Deutschland heute kein Jodmangelgebiet mehr ist. Bloß: Lebensmittelzusätze sind nur dann sinnvoll, wenn die Konsumenten mit ihrer normalen Ernährung tatsächlich mit diesem Stoffen zu wenig versorgt sind.
Die Blaubeere ist so ein Beispiel. Sie enthält, ebenso wie etwa die Brombeere, eine hohe Menge an Anthocyanen. Diese Pflanzenfarbstoffe, ähnlich den Carotinen, braucht der Körper, um freie Radikale zu binden – was zum Beispiel Krebserkrankungen vorbeugen kann. Anthocyane gehören wie das Jod oder die Fettsäuren aus dem Fisch zu den wenigen Stoffen, von denen wir Deutschen tatsächlich mehr vertragen könnten. "Kein Wunder", meint Karsten Köhler. "Wann isst man schon mal frische Heidelbeeren? Bei mir zumindest ist das lange her." Köhler steht in einem Labor des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Hier wird Verfahrenstechnik gemacht: Die Forscher entwickeln etwa Verfahren, um Lebensmittel länger haltbar zu machen oder die wertvollen Inhaltsstoffe so in Öl- oder Wasserlösungen zu verpacken, dass sie die industrielle Verarbeitung überstehen.
Violettes Pulver – Heidelbeere aus der Dose
Köhler macht in der Ecke halt, in der eine Laborantin gerade einen Versuch mit einem anthocyanhaltigen Heidelbeerextrakt macht. Das dunkelbau-violette Pulver, die Laborantin zeigt eine kleine Dose davon, könnte man nun direkt in Joghurts, Marmelade oder Säfte einrühren. Doch in dieser Form wäre es in einem Lebensmittel nicht lange stabil. Also forscht das KIT gemeinsam mit einem Forschungsverbund von zehn weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen bundesweit, wie man es besser verpacken kann.
Die Laborantin löst das Heidelbeerpulver in Wasser auf, vermischt es erst mit einem Pflanzenöl, dann mit einer Lösung aus Kohlenhydraten, rührt es mit mehreren Maschinen durch. "Was Sie hier sehen, wird nicht mit spezieller Chemie erreicht, sondern mit dem Prozess. Somit könnte auch eine Hausfrau in ihrer Küche ganz ähnlich arbeiten, wie beispielsweise bei einer Mayonnaise", sagt Köhler.
Lebensmittel gegen Darmentzündung
Wissenschaftler trauen den funktionellen Lebensmitteln viel mehr zu, als nur Mangelversorgung zu bekämpfen. In Zukunft, glaubt zum Beispiel Forscher Dirk Haller von der TU München, wird man damit Krankheiten in ihrem Verlauf positiv beeinflussen können. Sein Spezialgebiet die Probiotika. Früher hat Haller für Nestlé gearbeitet, heute versucht er herauszufinden, wie Darmbakterien Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Diabetes helfen können. Die bisherigen Forschungsergebnisse sind ermutigend. Bei Darmkranken etwa konnten Entzündungsherde gemildert werden.
Doch das ganz große Geld wird aber wohl in Zukunft anderswo gemacht werden. Es gibt einfach viel weniger Schwerkranke, als es Gesunde gibt, die potenziell irgendwann einmal krank werden könnten. Zu Letzteren zählen die unabhängigen Wissenschaftler eben auch Menschen mit leicht erhöhtem Cholesterinspiegel. Der Knackpunkt ist: Bei Patienten mit "leicht erhöhtem" Blutfettwert würde wohl kein Arzt auf die Idee kommen, medikamentöse Cholesterinsenker zu verschreiben.
Auf diese große Kundengruppe setzen Firmen wie Unilever und Danone. Professor Stehle in Bonn sind Lebensmittel mit Zusatznutzen bewusst noch nie in den Einkaufswagen gekommen. Krankheiten vorbeugen geht ganz anders, sagt er. Sport treiben und möglichst versuchen, nicht zu dick zu werden. "Wobei Letzteres mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird, muss ich zugeben." Und was ist mit der gesund erhaltenden Ernährung? "Ich persönlich minimiere mein Risiko, indem ich alles esse", sagt er und gießt sich ein Glas Cola light ein.>
Kommentar
Es erscheint eine grosse Grausamkeit, wie die Regierungen die genveränderten Lebensmittel zulassen und damit jegliche Krankheiten einfach in Kauf nehmen. Das sind - auf Deutsch gesagt - Menschenexperimente. Die Naturmedizin hat nie genveränderte Sachen gebraucht, heilt aber bis heute oft und zuverlässig.
Michael Palomino, 18.7.2011
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