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Psychologie: Töchter und Väter - mit Literaturbeispielen
Die verschiedenen Familienkonstellationen und Rollenspiele
zur Ausbildung einer ausgeglichenen Seele
von Michael Palomino (2004 / 2007)
Vater und Tochter am Schultisch
Vater mit Tochter auf der SchulterLeider kommen die Töchter ab 11 in die Pubertät, und dann ist das Verhältnis zwischen Vater und Tochter nicht mehr so einfach wie hier auf den Fotos...
aus: von Linda Leonard; Kösel-Verlag, München, ohne Jahr
Kommentar
Das Werk zeigt deutlich auf, wie Actio und Reactio zwischen Vater und Tochter positive oder negative Verhaltensmuster ergeben. Es ist in erster Linie die Aufgabe des Vaters, ein ausgeglichenes Leben zu erreichen, bevor er Kinder hat. An Märchenbeispielen und realen Beispielen werden Fehlentwicklungen und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Die Kapitel wurden in der ursprünglichen Reihenfolge belassen.
Michael Palomino
März 2004
Familie auf Velotour: Töchter beobachten genau, wie sich "Papa" verhält. Und ab der Pubertät geht die Tochter ihre eigenen Wege, dann sind solche Ausflüge eher seltener möglich.
Inhalt
1. Teil: Die Vaterfiguren als Faktor der Mädchenerziehung
1. Die Vaterfigur in der Pubertät der Tochter
2. Die Opferung der Tochter, des Weiblichen, in der Männerherrschaft
Literaturbeispiel: Euripides: "Iphigenie in Aulis"
3. Das ewige Mädchen
Literaturbeispiel: Gebrüder Grimm: Märchen "Dornröschen" und "Aschenputtel"
3.1. Das Püppchen
Literaturbeispiel: Henrik Ibsen: Schauspiel "Ein Puppenhaus"
3.2. Das Mädchen aus Glas
Literaturbeispiel: Tennessee Williams: Drama "Die Glasmenagerie"
3.3. Der Höhenflug: Donna Juana, Meisterin der Verkleidung
Literaturbeispiel: Anaïs Nin: Roman: "Ein Spion im Haus der Liebe"
3.4. Die Aussenseiterin: Der Aussenseiter-Vater produziert Aussenseiter-Töchter
Literaturbeispiel: "Puellae" bei Dostojewski
3.5. Die Heilung der Puellae
Literaturbeispiel: Gebrüder Grimm: "Rumpelstilzchen
4. Die geharnischte Amazone
Literaturbeispiel: June Singer: Buch: "Nur Frau - nur Mann?"
4.1. Der Superstar und Workaholic
Literaturbeispiel: Sylvia Plath: "Die Glasglocke"
4.2. Die pflichtbewusste Amazonen-Tochter
Literaturbeispiel: Jenny im Film von Ingmar Bergman: "Von Angesicht zu Angesicht"
4.3. Die stille, leidende Märtyrer-Amazone
Literaturbeispiel: Film von Fellini: "Julia und die Geister"
4.4. Die Märtyrer-Kriegerkönigin
Literaturbeispiel: C.S.Lewis: Roman: "Till We Have Faces" ["Bis wir Gesichter bekommen"]
4.5. Die Verzweiflung der geharnischten Amazone
4.6. Der Heilsweg der Amazone: Die Verwandlung
5. Die männlichen Figuren im weiblichen Innern: Der innere Mann
5.1. Die Puella und die Vorstellung vom perversen, alten Mann
Literaturbeispiel: Film: "Der letzte Tango in Paris"
5.2. Die Amazone und der innere zornige Junge, der als "Dummling" abgetan wird
-- der Fall von Verfasserin Leonard selbst
-- Literaturbeispiel: Gebrüder Grimm: "Die goldene Gans"
5.3. Entwicklung einer positiven männlichen Figur im Innern: der Mann mit Herz
-- Fall von Leonard: drei nette männliche Einbrecher
2. Teil. Die Schmerzen bei der Wandlung von Amazone / Puella in die Ganzheitlichkeit
6. Die Wut
Literaturbeispiel: Gebrüder Grimm: "Der Froschkönig"
Literaturbeispiel: Mythos von "Amor und Psyche"
Literaturbeispiel (extrem): Griechische Tragödie: "Medea"
Literaturbeispiel: griechische Sage: "Die Danaiden"
7. Tränen
Literaturbeispiel: Rilke: "Duineser Elegien" ("10 Elegien")
Literaturbeispiel: Gebrüder Grimm: "Ein Mädchen ohne Hände"
3. Teil: Die Heilung
8. Die Stärken des Weiblichen zur Heilung nutzen: Die Facetten des Weiblichen
Fall Leonard: Das Bild vom Kristall mit vielen Seiten
9. Die Erlösung des Vaters durch die Opfer-Tochter
Literaturbeispiel: Märchen aus Tadschikistan: "Das tapfere Mädchen"
Fall Leonard: Die Erlösung bei Autorin Leonard
9.1. Wünsche der Töchter an den Väter gemäss Leonard
9.2. Die Erlösung des Weiblichen im eigenen Innern
10. Die Entdeckung des weiblichen Geistes
1. Teil: Die Vaterfiguren als Faktor der Mädchenerziehung
1.
Die Vaterfigur in der Pubertät der Tochter
Tochter 14 Jahre alt, nun ist die Souveränität des Vaters in allen Lebensbereichen gefragt!
Die Aufgabe des Vaters
Der Vater muss in einer verbindlichen, verantwortungsvollen Weise für seine Tochter da sein, die Entwicklung ihrer intellektuellen, professionellen und spirituellen Seite fördern und der besonderen Weiblichkeit ihren Wert geben. sonst wird es eine Verletzung des weiblichen Geistes der Tochter zur Folge haben.
Die Beziehung zum Vater hat tiefe Auswirkung auf das emotionale und spirituelle Wachstum der Tochter, denn der Vater ist die erste männliche Gestalt in ihrem Leben und hat so am meisten Einfluss:
-- darauf, wie die Tochter die eigene männliche Seite entwickelt
-- darauf, wie die Tochter sich später zu Männern verhalten wird.
Der Vater ist der "Andere", der sich von ihr und ihrer Mutter unterscheidet, somit gestaltet er ihr Anderssein (die "andere" Seite), ihre Besonderheit und die Individualität.
Die Art, wie der Vater sich zu ihrer Weiblichkeit verhält, wird sich auf die Art auswirken, wie sie in ihre Weiblichkeit hineinwächst.
Die Rolle, die der Vater "spielen" soll
Die Aufgabe des Vaters beinhaltet,
-- die Tochter aus dem behüteten Bereich der Mutter und des Heims in die äussere Wert zu führen
-- der Tochter zu helfen, die äussere Welt und ihre Konflikte zu bestehen
-- die Einstellung zu Arbeit und Erfolg des Vaters wird auf die Einstellung der Tochter abfärben (zuversichtlich, erfolgreich - ängstlich, erfolglos)
-- der Vater vertritt traditionelle Ideale und ist dafür das Vorbild: Autorität, Verantwortung, Entschlusskraft, Objektivität, Ordnung, Disziplin.
Wenn die Tochter alt genug ist, dann kann sie diese Ideale selbst verwirklichen.
Zu nachsichtige Väter haben keinen Sinn für innere Ordnung und Disziplin. Es sind Männer, die ewige Jünglinge bleiben (lat.: puer aeternus).
Verschiedene Vatervorbilder und die Auswirkungen auf die Töchter
Verschiedene Vatervorbilder: Der "puer aeternus" ("ewige Jünglinge")
Puer aeternus: Beispiel Maradona
Maradona, ein "Puer aeternus" in jungen Jahren mit dem Weltpokal
Maradona, ein "Puer aeternus" im Jahr 2007, mit Besuch der Psychiatrie
Männer im Zustand des "puer aeternus"
-- sind romantische Träumer
-- gehen den Konflikten des praktischen Lebens aus dem Weg
-- sind unfähig zu einer bindenden Verpflichtung
-- oft sind sie nahe den Quellen des Schöpferischen, sensibel, geistig Suchende.
[Männer im Zustand des "puer aeternus" sind also mit belastendem Charakter, können aber gleichzeitig die Umwelt mit "genialen Handlungen" begeistern. Sie sind in einem dauernden Zustand, die Umwelt für sich "gewinnen" zu müssen, um auch mit ihren Verhaltensfehlern in der "normalen" Gesellschaft akzeptiert zu werden, und sie kämpfen um diese Anerkennung bis zum Umfallen, zum Beispiel mit kindlichen Spielen wie dem Fussball, die dem Puer aeternus entsprechen. Wenn solche Menschen reich werden und aufhören zu kämpfen, dann können sie nicht konstruktiv mit dem Leben umgehen. Maradona ist ein gutes Beispiel für diesen bedauerlichen Zustand].
Ihr inneres Jahr dreht sich um Frühling und Sommer, es fehlt die Tiefe und die Wiedergeburt, die von Herbst und Winter kommt. [Menschen in Klimazonen ohne Winter haben demnach keine seelische Tiefe, weil das Erlebnis der Stille fehlt].
Negative Veranlagungen von Männern im Zustand des "puer aeternus" sind Ungeduld und mangelndes Durchhaltevermögen.
Positive Veranlagungen von Männern im Zustand des "puer aeternus" sind Charme, charmantes Auftreten, Hang zu romantischen Szenen, Empfänglichkeit für inspirierende Elemente im Leben (Geist in der Form von Möglichkeit, der Suche, des Funkens).
Gemäss Leonard scheut der Puer aeternus die Mühe, scheut die praktische Arbeit, scheut den Kampf.
Extreme Beispiele von ewigen Jünglingen sind:
-- Süchtige, die für immer in Abhängigkeit von ihrer Sucht verharren
-- Männer, die nicht arbeiten können
-- Don-Juan-Typen, die von einer Frau zur anderen laufen
-- Männer, die für ihre Frauen passive Söhne abgeben
-- Männer, die ihre Töchter verführen, schwärmerische Liebhaber
-- einige "ewige Jünglinge" zeigen auch folgendes Verhalten: Für kurze Zeit sind sie strahlend erfolgreich, dann selbstzerstörerisch, oder sie kreieren sie einen Kult um ihre eigene Person. Sie haben den archetypischen Charakter / Ur-Charakter und sind an sich selbst fasziniert [ohne jede Ganzheitlichkeit].
Die Töchter des Puer aeternus
-- die Töchter bleiben ohne Vorbild der Selbstdisziplin, ohne Vorbild von Grenzen und ohne Autorität
-- oft herrscht das Gefühl mangelnder Geborgenheit, Unsicherheit, mangelndes Selbstvertrauen, Ängstlichkeit, Frigidität, allgemeine Ich-Schwäche.
Bei süchtigem und arbeitslosem Vater: Die Tochter sucht den idealen Gegen-Mann
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Trinkertyp mit Weinflasche. Trinkertypen sind meist übergewichtig (wegen des vielen Weizenkonsums durch Bier), stumpfen durch den Alkohol psychisch total ab (durch Zerstörungen im Gehirn) und können ihre Umgebung nicht mehr richtig wahrnehmen, genau das falsche für pubertäre Töchter.
Bei süchtigem und arbeitslosem Vater entwickelt die Tochter ein grosses Schamgefühl: Sie schämt sich für ihren Vater, überträgt oft dieses Gefühl auf sich selbst. In solchen Fällen errichtet die Tochter unbewusst ein Idealbild des Mannes und des Vaters. Das Leben kann zu einer Suche nach diesem idealen Vater werden. Folge: Die Beziehungen zu Männern sind gestört, besonders im Bereich der Sexualität, weil es ja jeweils ein "idealer Mann" sein soll.
Bei fehlender Bindung zum Vater
Wenn die Mama der Tochter den Telefonhöhrer reicht, wo Papa dran ist
und Papa ist wegen seiner Karriere immer weg und nur über das Telefon erreichbar, und auch das nur selten
dann sind seelische Deformationen und Unsicherheiten bei der Tochter mit 16 Jahren vorprogrammiert.
(Die Fotos zeigen keine Familie, sondern repräsentieren nur die Familienmitglieder).
-- die fehlende Bindung zum Vater erzeugt häufig einen allgemeinen Mangel an Vertrauen zu Männern
-- die Tochter bekommt keine geistigen Werte und Ideale vermittelt
-- die Tochter bekommt die Schwierigkeit, an Gott den Vater zu glauben und hat damit auch religiöse Probleme.
Verschiedene Vatervorbilder: Zu strenge Väter
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Strenger Vater, z.B. der Künstler und Schauspieler Habich, Jahrgang 1940. Solche Leute wissen nicht, was sie bei ihren Kindern mit ihrer Strenge kaputtmachen: Die Leute vom Jahrgang 1940 gönnten ihren Kindern den Wohlstand nicht, weil es in der eigenen Kindheit 1945-1955 in Mitteleuropa noch keinen Wohlstand gab.Zu strenge Väter sind hart, kalt, gleichgültig und versklaven ihre Töchter. Solche Männer sind oft vom vitalen Leben ausgeschlossen, abgeschnitten von ihrer eigenen weiblichen Seite und ihren Gefühlen, bestehen darauf, dass die Töchter ihre Werte übernehmen. In der Regel bestehen solche Männer auf der etablierten Ordnung, bei Abweichungen entwickeln sie Argwohn und Misstrauen.
Oft sind es dominierende, alte Männer, häufig verbittert, zynisch und verbraucht, nicht aufgeschlossen für das Unerwartete, für den Ausdruck von Kreativität und Gefühl. Wenn Gefühle da sind, dann zeigen sie sich in starkem Sarkasmus und ziehen Kreativität ins Lächerliche.
Beispiele:
-- alte Patriarchen: Sie haben alles Geld unter ihrer Kontrolle, bevormunden Frau und Kinder
-- Väter, die alle Regeln bestimmen und Gehorsam verlangen
-- Väter, die von ihren Töchtern ungewöhnlichen Erfolg im Leben erwarten
-- Väter, die Rollenerfüllung von ihren Töchtern verlangen
-- Väter, die kein Zeichen von Schwäche, Krankheit oder auch nur Meinungsverschiedenheit zulassen können.
[Weil sich in der Kriegszeit und in der Nachkriegszeit in Mitteleuropa niemand eine Schwäche erlauben konnte, meinten viele Mütter und Väter der Nachkriegsgeneration, dass die Kinder genau gleich zu erziehen seien, wie die Lebensumstände in der Nachkriegszeit waren. Die Kinder sagen Danke...].
Die Töchter von zu strengen Vätern
Die Betonung von Autorität und Pflichtbewusstsein wirkt positiv, gibt der Tochter ein Gefühl der Geborgenheit, Sicherheit und Struktur. Gleichzeitig erdrückt das Übermass an Struktur aber die weiblichen Eigenschaften wie Gefühl, Sensibilität und Spontaneität.
Die Töchter haben ein gebrochenes Verhältnis zu ihren weiblichen Instinkten, da ihre Weiblichkeit vom Vater nie anerkannt wurde. Die Töchter sind selber sich selbst oder anderen gegenüber ebenso hart.
Wenn eine Rebellion in der Pubertät erfolgt, so wendet sich die Tochter unnachgiebig und scharf gegen den Vater (wie der Vater gegen sie gewesen ist).
Wenn keine Rebellion in der Pubertät erfolgt, beugen sie sich und leben nie ihr eigenes Leben, sondern das Leben, wie der Vater es für sie bestimmt.
Andere bleiben trotz Rebellion an die Kontrolle des Vaters gebunden, leben in Reaktion gegen ihn, entwickeln nie ein gesundes Verhältnis zu Männern.
Väter, die eine Mischung sind (zu streng - "puer aeternus" im Wechsel)
Es sind
-- rigide, autoritäre Väter, die plötzlich irrationale Gefühlsausbrüche, Wutanfälle haben, die selber so ihre Sicherheit und Ordnung bedrohen. Dieses Verhalten flösst den Töchtern eine schreckliche Angst vor dem Chaos ein, denn der emotionale Bereich wird ja nicht anerkannt, sondern der Vater wird von seinem emotionalen Bereich immer wieder überwältigt. Dieser Prozess wirkt bedrohlich und ist manchmal noch mit sexueller Bedrohung verbunden, aus kindlichen Stimmungen und kindlichen Impulsen heraus.
oder es sind
-- nachsichtige Väter, die mit hämischem Zynismus richten, plötzlich gegen Lebenselemente der Tochter eingreifen, wenn er diese nicht mag.
Die typischen Eheverbindungen von Puer-Vätern oder zu strengen Vätern
Der "puer aeternus" nimmt eine "Mutter" ["Hausdrachen"] zur Ehefrau
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Hausdrachen, z.B. Else Kling (in der Fernsehserie "Lindenstrasse"). Nicht nur für die Töchter, sondern auch für die Söhne ergeben sich Blockaden bei der Entwicklung, wenn ein Puer aeternus und ein Hausdrachen den Ablauf zu Hause bestimmen.
Die Ehefrau beherrscht das Zuhause, diszipliniert die Familie, repräsentiert die Werte, die normalerweise der Vater repräsentiert. Manchmal kann die Mutter aber auch rigider sein als der rigideste alte Mann. Dazu kommt die Gewalt ihrer weiblichen Emotionen. Insgesamt wirkt die Mutter stark und beherrschend als verfälschtes Vatervorbild. [Die Mutter ist der "Hausdrachen", der Vater ist kindlich mit schöpferischen Impulsen, die der Mutter fehlen].
Entwicklungsmöglichkeiten der Tochter
Die Tochter hat in dieser vertauschten Konstellation ein doppeltes Problem:
-- der Vater kann ihr kein männliches Vorbild bieten
-- der Vater ist der Mutter nicht gewachsen und kann der Tochter nicht helfen, sich von ihrer Mutter zu unterscheiden.
Somit kann die Tochter an die Mutter gebunden bleiben und sich mit ihr identifizieren, übernimmt unbewusst dieselbe starre Haltung der Mutter. Die Tochter empfängt weder echte Väterlichkeit noch echte Mütterlichkeit und wird keine ausgeglichene Person.
Der zu strenge alte Mann nimmt ein junges Mädchen als Frau
Alter, strenger Vater,
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nimmt eine unterwürfige, junge Frau, z.B. aus Peru
so hat dies für die Kinder grosse Entwicklungsschwierigkeiten zur Folge, mit den Vorbildern umzugehen.
(Die Fotos sind keine Familienkonstellation, sondern repräsentieren nur die Familienrollen).
Mutter und Tochter werden vom Vater beherrscht. Die Mutter ist passiv abhängig, kann kein Vorbild für eine echte weibliche Selbständigkeit bieten.
Entwicklungsmöglichkeiten der Tochter:
-- die Tochter kann das Verhaltensmuster der weiblichen Abhängigkeit wiederholen
-- bei pubertärer Rebellion: Die Rebellion geschieht aus defensiver Reaktion gegen die väterliche Autorität statt aus eigenen weiblichen Bedürfnissen und Werten.
Der "puer aeternus" nimmt ein "ewiges Mädchen" zur Frau
Puer aeternus, Macho mit spiegelnder Sonnenbrille, "USA"
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Ewiges Mädchen, unterwürfige Frau aus Kolumbien
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In solch einem Fall haben sich zwei Menschen verbunden, die beide im Sandkastenalter steckengeblieben sind und durch ihre autoritären Eltern an den familiären, soziologischen und auch sexuellen Entwicklungen gehindert wurden. Diese Vorbilder werden für die Kinder inakzeptabel.
Entweder:
Von beiden Eltern kommt wenig Stabilität, Struktur oder Autorität. Die Bindung beider Eltern ist oft schwach. Die Familie kann sich auflösen. Es herrschen von Anfang an für das Kind Chaos und Angst.
oder:
Beide Eltern sind rigide Vorgesetzte gegenüber der Tochter, streng und hart [um ihre eigenen charakterlichen Schwächen zu vertuschen]. Die Tochter kann unter dieser gemeinsamen Härte der Eltern weder männliche noch weibliche Gefühle entwickeln.
Die zwei Hauptmuster von Töchterentwicklungen bei verletzten Vater-Tochter-Beziehungen: Ewiges Mädchen und geharnischte Amazone
Die zwei Muster "das ewige Mädchen" (lat.: puella aeterna) und die "geharnischte Amazone" bekämpfen sich manchmal gegenseitig in der selben Frau.
Die "puella aeterna", das ewige Mädchen
Oft sind "ewige Mädchen" auch in der Prostitution anzutreffen: Die Frauen sind alte Huren. Sie lieben die Abhängigkeit von den Freiern, die sie mit Geschenken (Geld) überhäuft. So viele Geschenke kann man von einem Ehemann ja nie haben!
Die Frau ist psychisch ein junges Mädchen geblieben, dem Alter nach aber 60-70-jährig:
-- sie bleibt eine abhängige Tochter von ihrem Mann
-- sie neigt dazu, Abhängigkeiten anzunehmen, die andere auf sie projizieren
-- sie tritt ihre eigene Stärke immer an andere ab
-- sie tritt die Verantwortung für die Gestaltung ihrer Identität an andere ab
-- sie geht auf Männer zu, die Autorität ausstrahlen
-- sie heiratet Männer, die oft starr autoritär sind
-- sie passt sich den Wünschen des Mannes an und wird zum Bild der Frau, die er sich wünscht
-- sie hat ihr Leben nicht in der Hand, sondern sie gibt ihr Leben in andere Hände.
Aussehen und Handlungsweisen:
-- unschuldig, hilflos, passiv
-- bei Rebellion bleibt sie Opfer, hilflos, im Selbstmitleid, in Depression, in Trägheit
-- sie verliert die eigene Energiequelle und Identität (Träume: Verlust von Geld und Handtasche)
-- sie verliert die Selbstbestimmung (Träume: sie fährt auf dem Rücksitz im Auto, oder: Gehorsam gegenüber sadistischen Männern).
Oft fehlen die Eigenschaften eines positiven Vaters: Bewusstheit, Disziplin, Mut, Entscheidungskraft, Selbstwertgefühl, Richtung.
Häufig werden solche Frauen von der Entwicklung solcher Eigenschaften sogar noch abgehalten. So entsteht da puella-Verhalten des ewigen Mädchens.
Die zwei inneren Hauptelemente des ewigen Mädchens sind der schwache Knabe und der perverse, sadistische, alte Mann. Die stimme des perversen, alten Mannes sagt: "Das kannst du nicht - du bist nur eine Frau". Der schwache, sensible Knabe gibt dieser Stimme nach und hindert die Frau, aus diesem destruktiven Muster auszubrechen. So verliert die Frau ihren eigenen Lebensmut und übergibt ihr Leben in andere Hände.
Die geharnischte Amazone
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Rebellin Nina Hagen, eine unberechenbare, geharnischte Amazone mit Rockgitarre und Drogenkonsum als Zeichen des Protests gegen die staatlichen Systeme und die Umweltzerstörung.Das Verhaltensmuster der geharnischten Amazone entsteht aus Rebellion: Gegensatz sein wollen. Es ist die Reaktion auf einen unzulänglichen Vater mit persönlich oder kulturell nicht akzeptablen Elementen. Die Tochter baut ein eigenes maskulines Ich auf aus eigener Kraft durch Leistung oder Kampf, für einen guten Zweck oder durch Ausüben von Kontrolle.
Beispiele von Verhaltensweisen:
-- die geharnischte Amazone regiert die Familie z.B. wie ein Geschäftsbetrieb
-- Aneignen einer maskulinen Identität, oft als Schutzhülle, ein Panzer gegen den Schmerz des Verlassenseins oder der Ablehnung
-- ein solcher Panzer ist Hilfe zur beruflichen Entwicklung
-- aber gleichzeitig wehrt der Panzer das weibliche Element ab, das Weiche, Schwache, Verletzliche, Abkapseln von den weiblichen Gefühlen, Kreativität, Spontaneität, Vitalität.
Weil alle die weiblichen Eigenschaften fehlen, sind keine gesunden Beziehungen zu Männern möglich.
Äusserlich betrachtet ist eine solche Frau voll Selbstvertrauen, Stärke, ist tüchtig, finanziell unabhängig, jedoch seelisch müde und einsam.
Im Innern ist eine solche Frau total schwach, verletzlich und hat eine unterentwickelte Kreativität.
Der Panzer repräsentiert die "Amazone", der Kern aber ist ein ewiges Mädchen ohne eigenen Schöpfergeist.
Faktoren zur Entwicklung zum ewigen Mädchen oder zur Amazone
Hauptfaktoren sind:
-- Veranlagungen
-- Stellung in der Familie
-- Verhältnis zur Mutter
Weitere Faktoren sind:
-- körperlicher Typ
-- rassische und sozio-ökonomische Klassenunterschiede
-- Stellung in der Familie: Die älteste Tochter tendiert oft zur Amazone, die jüngere Tochter tendiert oft zum ewigen Mädchen.
Die Elemente "Amazone" und "ewiges Mädchen" sind in den meisten Frauen vorhanden, wobei das eine bewusster ausgelebt werden kann als das andere.
Die Verzweiflung der Amazone / des ewigen Mädchens
Frauen als extreme Amazonen / ewige Mädchen fühlen sich ihrer Mitte entfremdet, weil sie von wichtigen Teilen ihres Selbst abgeschnitten sind. Es ist so, als ob sie ein grosses Haus besässen, von dem sie nur wenige Zimmer bewohnen. Die Frauen leben in einer ewigen Verzweiflung [die dann oft durch Erfolg überspielt wird].
Philosoph Sören Kierkegaard nennt zwei Arten von Verzweiflung:
1. die Verzweiflung, die einem selbst unbewusst ist
2. die Verzweiflung, die bewusst ist und sich als Schwachheit manifestiert.
Die unbewusste Verzweiflung
Die Person steht im Missverhältnis zu sich selbst, weiss dies jedoch nicht.
Beim ewigen Mädchen herrscht die "Verzweiflung der Schwachheit", bei der Amazone die "Verzweiflung des Trotzes".
Folgen von Verzweiflung sind Genusssucht und Zerstreuungen. Die Regungen des Ichs werden als das Höchste betrachtet. Es entsteht Don Juanismus. Kierkegaard:
"Der zwanghafte Drang nach unendlicher Empfindung und Sinnenlust zusammen mit den einbrechenden Momenten der Langeweile und Angst offenbaren, dass nicht alles in Ordnung ist."
Wenn die Momente von Langeweile und Angst zugelassen werden, dann kommt die Erkenntnis der Verzweiflung von selbst auf.
Schwäche: Die Frau ist zu schwach, das Selbst und die eigene Stärke zu wählen. Die Frau verzweifelt an der Schwachheit, sich an etwas Höheres hinzugeben als die Regung des Ich. Die Frau hat keinen Mut zur Hingabe.
Bei Trotz: Verweigerung an Hingabe. Bei Erkennen des Trotzes wird die Stärke erkannt, das Selbst zu wählen, den Glaubenssprung zu vollziehen. Es folgt die Annahme des Unkontrollierbaren und des Transzendenten. Wenn Trotz dagegen erfolgt, so werden die Mächte bekämpft, welche die Vernunft und die Endlichkeit des Menschen übersteigen.
Der Weg zur Selbstbefreiung des ewigen Mädchens
Solche Frauen müssen sich ihrer Stärke bewusst werden und ihre Opfer-Identität abschütteln.
Der Weg zur Selbstbefreiung der geharnischten Amazone
Die Amazone hat den drang, alles kontrollieren zu wollen. Sie muss einsehen, dass Kontrolle eine falsche Stärke sein kann, muss die Offenheit für das Unkontrollierbare schätzen lernen.
Der Glaubenssprung: Die Heilung nach Kierkegaard
Kierkegaard sagt: Die Loslösung und Verwandlung kommt dann, wenn die Verzweiflung aller Stufen durch einen Glaubenssprung überwunden wird, wenn die eigene Schwäche und Stärke angenommen wird, wenn das Endliche und das Unendliche im menschlichen Dasein angenommen wird, wenn die Gegensätze integriert werden können, das Mädchen wie die Amazone. dies ist die Grundlage für die werdende Frau.
Die Weiterentwicklung nach der Erziehung
Die Einflüsse der Eltern sind da, aber wir sind nicht dazu verdammt, immer nur das Produkt unserer Eltern zu bleiben.
Jung dazu:
In der Psyche findet ein natürlicher Heilungsprozess hin zum Gleichgewicht und zur Ganzheit statt. In der Psyche selbst sind Verhaltensmuster und innere Vorbilder, die durch Berühren mit dem Unbewussten erkannt werden können. Diese inneren Verhaltensmuster und inneren Vorbilder können viele negativen Einflüsse kompensieren. So kann jeder Mensch die Ganzheitlichkeit erlernen.
Fall:
Ein strenger Vater lässt keine Schwäche zu. Folge: Die Tochter lässt an sich auch keine Schwäche zu, kann keine weiblich-schöpferische Seite entwickeln, obwohl sehr viel kreatives Potenzial da ist. Im Studium wird die Tochter wissenschaftliche wie der Vater. Aber sie hat Hautausschlag. Die Verletzung des Weiblichen zeigt sich im Hautausschlag. Wirksam ist nur eine Therapie zum Akzeptieren der schwachen Seite im Leben. Die Tochter ergreift ein neues Studium mit einem Fach ihrer Wahl.
2.
Die Opferung der Tochter, des Weiblichen, in der Männerherrschaft
Die Hauptsache im verletzten Verhältnis zwischen Vater und Tochter ist ein gestörtes Verhältnis zwischen dem männlichen und dem weiblichen Prinzip. Es herrschen dabei Verwirrung und Leiden auf Seiten der Tochter wie auch auf Seiten des Vaters.
Schilderung der Vater-Tochter-Verwundung im griechischen Drama von Euripides: "Iphigenie in Aulis": Die Herrscher-Tochter Iphigenie muss für den Sieg Griechenlands geopfert werden
Die Opferung von Iphigenie für Artemis [herrische Lebens- und Geburtsgöttin]
Iphigenie wird Artemis dargebracht, der jungfräulichen Göttin der Jagd, weil der Vater von Iphigenie, Agamemnon, eine Hirschkuh der Artemis erlegt hatte, ohne der Göttin Ehre zu erweisen. Artemis hat zur Strafe Windstille verhängt. Die Windstille wird so gedeutet, dass Agamemnon der Artemis keinen Respekt dargebracht habe und die Artemis gegen Agamemnon deswegen Windstille verhängt habe. So liegen die Kriegsschiffe Agamemnons gegen Troja fest und Griechenland ist in Gefahr.
Opferung von Iphigenie für Griechenlands Sieg gegen Troja. Giovanni Battista Tiepolo, 1757
Der Vater sieht sich veranlasst, seine Tochter zu opfern. Darstellung der verwundeten Gefühle des Vaters, der zu diesem Ende getrieben wird. Offenbarung der beschränkten Auffassung des Weiblichen in einer patriarchalisch regierten Gesellschaft.
Iphigenie, die am meisten geliebte Tochter des Königs Agamemnon, wird zum Tode verurteilt, denn das Orakel verlangt es so, wenn Agamemnon sein Reich vor den Trojanern retten will, muss er opfern. Agamemnon lässt Iphigenie nach Aulis bringen. Da erkennt er den Wahnsinn seiner Tat, aber zu spät. Sein Bekenntnis zur Macht und zum Ruhm Griechenlands sowie seine Angst vor der Öffentlichkeit lassen keine andere Handlung zu, als Iphigenie zu töten, sonst würde die Menge auch ihn töten.
Er täuscht eine Heirat vor, dann folgt die Szene auf Aulis: Agamemnon ist der dämonischen Machtgier über das Heer hilflos ausgeliefert. Iphigenie sieht, dass die Menge nicht zu stoppen ist. So beschliesst sie, edel für Griechenland zu sterben. Iphigenie geht heldenmütig in den Tod, vergibt ihrem Vater und bittet die Mutter, ihm nicht zu zürnen oder ihn zu hassen. Iphigenie vergibt ihrem eigenen Henker...
Die Auffassung des Weiblichen im Drama
-- die Frau ist im Besitz des Mannes
-- das Weibliche ist auf die Formen reduziert, die mit der vorherrschenden männlichen Anschauung im Einklang stehen
-- das vorherrschende männliche Ziel ist Macht
-- die vorherrschende, erste Pflicht des Mannes ist die Staatsidee Griechenland
-- die weiblichen Charaktere sind dargestellt als Schönheit (Helena) oder Gehorsam zum Dienst am Manne (Klytaimnestra).
Folgen der Auffassungen für die Handlungsweisen:
-- wenn eine Frau nur als Schönheit angeschaut wird, mindert dies den Wert der Frau zu einer reinen Projektion des männlichen Begehrens herab, versetzt sie in die Position der puella aeterna, der mädchenhaft-kindlichen Abhängigkeit mit Gehorsam und mit dem Status einer Dienerin
-- die Identität der Frau ist gar nicht da, die Frau existiert nicht in sich und aus sich selbst, sondern bezieht ihre Identität nur im Verhältnis zu den Bedürfnissen des Mannes
-- Agamemnon unterstützt die Entwertung des Weiblichen mit der Opferung der Tochter und erwartet auch noch, dass seine Frau Klytaimnestra seinem Befehl zur Opferung der Tochter gehorcht
Der Herrscher Agamemnon herrscht und verkauft seine Seele und seine Tochter:-- der Schönheit Helenas (Griechenland) soll alles geopfert werden, die Seele wird der Machtgier verkauft (Agamemnon)
-- der Ehrgeiz, König zu sein, hindert Agamemnon daran, väterliche Gefühle zu zeigen, hindert ihn zu weinen, er ist von seinen eigenen Tränen abgeschnitten
-- Klage Agamemnons: "Mein Aug will weinen, und ich schäme mich sowohl der Tränen wie des trocknen Auges, so tief hat mich des Schicksals Schlag gebeugt"
-- der Wert des Weiblichen ist für Agamemnon lediglich darauf beschränkt, Objekt männlicher Zwecke zu sein
Die schlussendliche Einstellung der Frau im Drama
-- Iphigenie meint, dass ein Mann "mehr als tausend Frauen dieses Tageslichts verdient"
-- dann gibt Iphigenie ihre eigene Identität und den Wert ihrer Tränen auf, Zitat: "... und mein Vater wird den Opferherd umschreiten! Seht, ich komm, die euch die Rettung und den Sieg gebracht!"
Die Fortsetzung des Dramas "Iphigenie":
-- die Mutter Klytaimnestra ermordet Agamemnon
-- Deutung: Das Weibliche wird entwertet und unterdrückt, so gerät es in Wut und fordert seinen Tribut auf primitive Weise.
Artemis als Göttin der pubertären Mädchen
Eine von Artemis' Funktionen ist es, junge Mädchen in der Pubertät zu beschützen und sie Unabhängigkeit zu lehren.
Macho Agamemnon
Agamemnon verstösst mit dem Jagen von Artemis' Hirschkuh gegen Artemis , gegen herrschende kulturelle Werte. Das Männliche negiert bewusst das Weibliche.
Agamemnon ist ein Macho. Für ihn hat nur seine eigene Macht einen Wert, und er nimmt, was er will: die Hirschkuh der Artemis. Als Strafe kommt Windstille auf. Erst durch die Opferung der Iphigenie ist die Windstille aufgehoben.
Die Entstehung von Machos
Macho mit Cabriolet
Die Herrschaft des Männlichen in der Seele der Männer
-- lässt keine weiblichen Werte zu
-- keine Möglichkeit der Vielfalt der Ausformungen des Weiblichen
-- Reduzierung des Weiblichen auf die Elemente, die männlichen Zwecken dienen.
Folge: Das Männliche kann kein Verhältnis zu den Werten des weiblichen Bereichs aufbauen. Folge: Der Männercharakter wird roh und opfert nicht nur die äussere Frau, sondern auch seine innere, weibliche Seele.
Männliches und weibliches Element
Die männliche Gier ist aufgeteilt in Gier nach Schönheit und Macht.
Die Weiblichkeit ist aufgeteilt in Schönheit und Pflichtbewusstsein.
Diese Gegensätze sind in der Vater-Tochter-Verwundung enthalten.
Durch die Einstellung zur Macht verliert Agamemnon seine Tochter, das Symbol seines eigenen weiblichen Potentials. Wenn ein Mann das Weibliche mit Füssen tritt, verliert er die Beziehung zu ihm.
Umgekehrte Sichtweise:
In gewissem Sinn ist das Opfer der Iphigenie für Artemis notwendig zur Selbstbestätigung, zum Machtbeweis über Agamemnon, um die weibliche Unabhängigkeit zu ehren.
Harmonie zwischen männlichem und weiblichem Prinzip bringt Kreativität
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Harmonie zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit: 2 Delphine, senkrecht stehend
Die Ausgeglichenheit zwischen Kanten und Rundungen ist das Entscheidende bei Skulpturen, die Ausgeglichenheit repräsentieren. Die Delphine sind ein hervorragendes Beispiel für diese Harmonie.
Sind männliches und weibliches Prinzip in harmonischer Beziehung, dann sind sie Quelle von Wachstum, Geist und Kreativität, Vereinigung von männlicher und weiblicher Weisheit. Wenn keine Harmonie besteht, regieren Chaos und Zerstörung.
Das Weibliche in der männlichen Vorstellung von heute
Das Weibliche ist in den Augen vieler Männer
-- die pflichtbewusste Ehefrau oder
-- die schöne Geliebte oder
-- eine Variation der beiden Typen.
Die Frau, die aus der "Rolle" ausbricht
Frauen leben für Männer statt für sich selbst. Ein Ausbruch aus dieser Rolle erfolgt:
-- zur Verwirklichung im Beruf, dabei Imitation des "männlichen Modells", weitere Abwertung des Weiblichen
-- zur Rebellion: Frauen, die sich machtlos fühlen, werden wütend, folgen äusserlich dem System und behalten aber Zorn unter der Oberfläche, verweigern sich sexuell, üben Rache am Partner mit Fremdgehen, plündern das Konto des Partners, flüchten in Alkohol, werden krank, werden hypochondrisch, haben die Neigung zu Depressionen oder zum Selbstmord.
Männer, die ihre weibliche Seite verloren haben
-- solche Männer müssen ihre weibliche Seite versagen im Kampf um Machtziele im technischen Zeitalter
-- wie Agamemnon opfern sie ihre "innere Tochter" im Namen ihrer Macht
oder
-- wie Menelaos (Bruder von Agamemnon) sind sie der Macht der äusseren Frau (die schöne Schale) erlegen, haben den Zugang zu ihrer echten, inneren Weiblichkeit verloren
-- in beiden Fällen wird der unabhängige weibliche Geist entehrt und geht daher verloren.
Das Ziel der Harmonie zwischen weiblichem und männlichem Prinzip = Geist
Der Geist hat sich im Leben der meisten Männer und Frauen noch nicht wirksam durchgesetzt.
Die leidenden, modernen Iphigenien
-- die heutigen Iphigenien leiden an einer beschränkten Auffassung des Weiblichen
-- es sind oft zornige Frauen, die wissen, dass die den Frauen zugeordneten Bilder von der patriarchalischen Kultur geprägt sind
-- sie empfinden Hilflosigkeit und fühlen sich in einer Falle.
Fall Joan, eine Tochter einer wechselhaften Mutter und eines frustrierten Vaters
Die Mutter ist ein ewiges Kind mit einem Teil Amazone. Sie verunmöglicht der Tochter den Genuss und das Loslassen in der Beziehung zum Vater. Der Vater ist frustriert, liebt seine Tochter aber sehr.
Die Tochter empfängt die unbewussten Wünsche des Vaters nach einer Liebesbeziehung und gleichzeitig seine Schuldgefühle. Die Tochter Joan meint, sie müsse für ihn eine Helena (eine schöne und begehrenswerte Frau) sein.
Die Jugend von JoanDie emotionale Entwicklung ist nicht normal, sie hat Minderwertigkeitsgefühle bei der Anpassung. Ausgehen, Dating, eine feste Beziehung eingehen entspricht ihr nicht. Gruppenzwang. Sie wünscht sich Akzeptanz ihrer "Natur" der "Helena" durch die Gesellschaft.
Gleichzeitig hasst sie ihre Vorbilder, erkennt den Verrat an den wahren Bedürfnissen und Möglichkeiten der Frau. Sie fühlt sich immer von jüngeren, knabenhaften Männern angezogen, spielt die Mutterrolle als "Helena", aber die Beziehungen scheitern, da die Männern nicht reif genug sind, sich bedroht fühlen und sexuell passiv sind.
In den Träumen hat Joan Angst vor dem Vater, der Vater ist in den Träumen ein Richter, der erotische Beziehungen verbietet.
Folgerung:
Aus Angst vor dem Vater hat Joan Beziehungen nur mit zu jungen Männern gehabt und kann so dem Besitzanspruch des Vaters ausweichen, bleibt aber unbefriedigt.
Joan beruflich
ist erfolgreich, nimmt unbewusst die männliche Sichtweise an: Statt an kreativen Projekten arbeitet sie in einer Verwaltung. Kein Entdecken der eigenen Kreativität. Bewährung in der männlichen Geschäftswelt. Sie schafft so die finanzielle Unabhängigkeit. Aber sie will gar nicht mehr so stark sein, sehnt sich nach jemandem, der sie umsorgt.
Der Charakter von Joan
Auf der bewussten Ebene ist sie Amazone, insgeheim will sie eine Helena sein, das von Männern begehrte, ewige Mädchen. Sie hat eine Wut auf die Frauen, die in der Helena-Rolle Erfolg haben. Sie endet in einer ausweglosen Verstrickung.
Therapie für Joan und Selbsthilfegruppe von Joan
Joan gründet nach der Therapie eine Frauengruppe, die die in vielen Kulturen und Mythen existierenden Bilder weiblicher Gottheiten untersucht. Sie findet die eigene weibliche Zentriertheit und ihren eigenen weiblichen Geist.
3.
Das ewige Mädchen
Das Erleben des ewigen Mädchens im Märchen
Literaturbeispiel: Grimm: Märchen "Dornröschen"
Der König vergisst, zur Taufe seiner Tochter die mächtigste Fee einzuladen. Folge: Diese weibliche Kraft fehlt. Folge: Dornröschen fällt in einen 100-jährigen Schlaf, Entrückung, bis ein Prinz Dornröschen aus dem Schlaf holt.
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Dornröschen tanzt mit dem Prinzen, Titelblatt
Solche Märchen mit psychotischen Rollen geben den Kindern falsche Vorbilder und falsche Vorstellungen, wie das Leben ist. Solche Märchen können gefährlich sein, wenn sie in der Pubertät nicht als Rollenspiele erkannt werden.Literaturbeispiel: Grimm: Märchen "Aschenputtel"
Der Vater lässt sich von der zweiten Ehefrau beherrschen. Folge: Die Tochter wird von der eifersüchtigen Stiefmutter dazu verurteilt, Aschenputtel zu sein (Lumpenkleider, Magd). Aschenputtel werden Erbsen in die Asche geschüttet, die sie aufsammeln muss. Tauben helfen ihr beim Aufsammeln der Erbsen. Eines Tages kommt ein Prinz für Aschenputtel.
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Aschenputtel lässt sich von Tauben helfen
Auch dieses Märchen mit psychotischen Rollen gibt den Kindern ein falsches Vorbild und falsche Vorstellungen, wie das Leben ist. Solche Märchen können gefährlich sein, wenn sie in der Pubertät nicht als Rollenspiele erkannt werden.
Deutungen:
Bei Dornröschen herrscht ein mächtiger Vater, der König ist.
Bei Aschenputtel ist der Vater ein passiver, schwacher Puer-Vater, seine Frau bestimmt im Haus.
Beide Male werden die Töchter in minderwertige Stellungen verwiesen. Am Ende werden beide Töchter von Prinzen gerettet.
Deutung der Märchen für die Realität
Das Muster ist oft dasselbe wie im Märchen: Die Frauen leben in Passivität, suchen dann Sicherheit und Geborgenheit in der Ehe. Die meisten Frauen haben dann das Gefühl, dass sie sich selbst verraten haben.
Wenn die Kultur Fügsamkeit, Anpassungsfähigkeit, Sanftmut oder Jugendliche Süsse preist, bleiben die Frauen in der Entwicklungsstufe des Mädchens stecken. Die Frauen ziehen es vor, nicht erwachsen zu werden, wie Peter Pan.
[Die Prinzen-Rettung ist im Leben sehr selten, v.a. deswegen, weil sich die "Prinzen" oft als "normale" Männer herausstellen, die den Vorstellungen der träumerischen, von den Märchen verblendeten Frauen nicht entsprechen].
Vorteile und Reize, ein ewiges Mädchen zu sein
-- die Frau wird als süsses, junges Ding bewundert
-- in wichtigen Entscheidungen kann sich die Frau immer auf einen Stärkeren verlassen
-- die Frau schwärmt in romantischen Phantasien von ihrem Prinzen, von der Erlösung
-- die Frau schwebt in Wunschvorstellungen
Konsequenzen für ein ewiges Mädchen
-- Aufgeben der Selbständigkeit
-- passives, abhängiges Leben
-- keine persönliche und berufliche Entwicklung
-- keine Arbeit an der eigenen Identität
-- kein Herausfinden, wer sie wirklich ist
-- Bezug der Identität aus den Projektionen anderer: Sie wird gestempelt zur z.B. Femme fatale, brave Tochter, charmante Ehefrau und Gastgeberin, schöne Prinzessin, Muse, tragische Heldin
-- die Frau verharrt in der Schwäche, kein Wahrnehmen von Kraft, keine Stärke und Verantwortung
-- wie eine Puppe erlaubt sie den anderen, aus ihrem Leben zu machen, was sie wollen.
Beispiele von Frauen als ewiges Mädchen
3.1.
Das Püppchen
Eine Frau, die in der geistigen Entwicklung als "Püppchen" steckenbleibt, wird das Abbild dessen, was der Liebhaber von ihr erwartet. Gegen aussen: erfolgreich, erscheint als mächtige Prinzessin. Innerlich: Identität zerbrechlich, denn sie ist nur für andere da, weiss nicht, wer sie wirklich ist, gleicht einem Fotomodell. Viele Frauen verbringen ihr Leben so, bis plötzlich die Scheidung in den mittleren Jahren folgt. Dann ist keine Kraft da, weil keine Entwicklung durchgemacht worden ist.
Püppchen: Miss Universe 2006 aus Puerto Rico, Fotomodell
Püppchen, z.B. Barbies, alle mit unrealistischen hellen Augen
Literaturbeispiel: Henrik Ibsen: Schauspiel "Ein Puppenhaus"
Hauptperson ist Nora, eine reizende Ehefrau, die alles tut, was der Ehemann will, die sich für ihn kostümiert, trägt Kosenamen wie "scheuer kleiner Liebling", "kleines Eichhörnchen", "kleine Lerche", "Singvögelchen" usw. Sie ist für den Mann eine Puppe, ein Spielzeug.
Standpunkt des Mannes: Nora muss beschützt werden, denn sie ist unfähig, praktisch zu handeln, könne nicht mit Geld umgehen, könne keine Entscheidungen treffen, könne keine Verantwortung tragen. Der Mann zu Nora: "... ich werde dein Wille und auch dein Gewissen sein."
Ibsen, "Das Puppenhaus", Mann mit Frau Nora, Theaterszene, Theater in der Josefstadt, Wien 8
Noras Handlungen für den Mann: Sie überfordert sich selbst:
-- Nora lügt für ihren Mann
-- Nora nimmt Darlehen für Reise auf wegen einer Krankheit, hält es aber geheim, dass sie für ihn Schulden macht, denn Nora weiss, dass ihr Mann mit seiner "männlichen Unabhängigkeit" zu stolz wäre, er würde das Geld nicht annehmen
-- Nora muss für den Kredit die Unterschrift ihres Vaters fälschen
-- die Schuld wird im Stillen beinahe abbezahlt, dann drohen die Gläubiger mit Enthüllung
-- Nora versucht zuerst, alles geheim zu halten, erkennt dann aber, dass sie damit auch sich selbst verbirgt, ihre Verfehlung, aber auch ihre Stärke und Tüchtigkeit
-- Nora lässt den Dingen schliesslich ihren Lauf.
Die Handlungen von Noras Ehemann nach der Enthüllung des Kredits:
-- der Mann erfährt die Wahrheit, sein Ruf steht auf dem Spiel
-- der Mann wird wütend, sieht sich bestätigt, dass die Frau verantwortungslos sei und erhebt anklagende Reden:
"... Keine Religion, keine Moral, kein Pflichtgefühl"
-- durch einen Gläubiger wird die Krise in der Familie abgewendet.
Die Affäre hat aber Konsequenzen, Nora erkennt ihre Manipulation durch Erziehung
-- Nora konfrontiert ihren Mann, erzählt über ihre eigene Erziehung, wo sie immer die Meinung des Vaters annehmen und ihre eigene Meinung verheimlichen musste, weil sie meinte, der Vater möge sie dann nicht mehr
-- sie wurde zu einem "Puppenkind"
-- Nora kommt zur Erkenntnis, dass sie gar nicht weiss, wer sie ist
-- Nora will sich selbst werden, will ihre eigenen Werte und Ansichten gewinnen
-- Nora entschliesst sich, Mann und Kinder zu verlassen, um auf eigenen Füssen zu stehen.
Deutung der Handlungen: Erkennen und Ausbruch aus der manipulativen Situation
Im Schock wird der Frau klar, dass ihr Leben nicht wirklich ihr gehört, dass sie wie eine Marionette von oben dirigiert wurde. Die Frau bricht aus dem Verhaltensmuster aus, um nicht mehr manipulierbar zu werden. Die Frau muss zur Selbsterkennung beginnen, sich ihre eigenen Werte und ihre eigene Lebensanschauung zu bilden, ihre Macht bewusst anzunehmen und sie schöpferisch und offen einzusetzen.
Fall der gegenseitigen Manipulation Frauen gegen Männer und Männer gegen Frauen
Die Frau ist eine Puppe für die Männer, die Männer sind aber auch Puppen für sie, mit unpersönlichen Beziehungen, typisch für die erste Ehe, die sie schon mit ihrem Vater erlebte. Nach dem Schock kommt die zweite Hälfte des Lebens mit dem Beschluss, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, mit dem Kennenlernen eines neues Mannes, der ihre Entwicklung, Charme und Schönheit würdigt.
3.2.
Das Mädchen aus Glas
Ein "Mädchen aus Glas" ist das scheue, zerbrechliche Mädchen, das im Abseits des Lebens steht, das oft in einer Welt der Phantasie lebt.
Literaturbeispiel: Tennessee Williams: Drama "Die Glasmenagerie"Hauptgestalt ist Laura, die typische Tochter eines Puer aeternus, ein charmanter, romanischer Vater, der die Familie verlässt, der aber auch nach dem Verlassen der Familie einen ungeheuren, unbewussten Einfluss auf Laura hat, allein durch das Photo an der Wand. Letzte Botschaft ist eine Ansichtskarte aus Mexiko "Grüss Gott - lebt wohl".
Lauras Mutter ist eine Märtyrerfigur, sie arbeitet unentwegt, lebt in einer Traumwelt, projiziert ihre eigenen Wünsche betreffs des Ehemannes auf Laura. Laura soll die "gefeierte Schönheit" werden wie sie selbst vor der Ehe.
Laura lebt mit den alten Schallplatten des Vaters, lebt mit einer Menagerie winziger Glastiere, erfindet deren Leben. Lieblingstier ist das Einhorn, das imaginäre Pferd mit einem Horn. Laura erlebt so im wahrsten Sinne des Wortes die Zerbrechlichkeit und die Entrücktheit vom Leben.
Auch körperliche Umstände lassen Laura zerbrechlich erscheinen. Ein Bein ist etwas kürzer als das andere, sie trägt eine Schiene, die für ihre psychische Verkrüppelung steht, ist extrem schüchtern, leidet unter Mangel an Selbstvertrauen, kann weder Schule noch kaufmännische Kurse besuchen, ist die Verkörperung totaler Zerbrechlichkeit.
Menschen wie Laura sind unfähig, in die Welt hinauszugehen und Beziehungen zu Menschen aufzubauen, denn sie sind im gläsernen Berg ihrer Phantasie eingeschlossen.
Der Prinz für Laura, der Laura aus der Phantasiewelt herausholt, ist Jim, ein Freund der Mutter, wird zum Essen eingeladen, ist warmherzig, leutselig, vermittelt Laura den Kontakt zum Leben, den ihr Vater ihr durch das Wegziehen versagte, und den ihr Bruder ihr nicht geben kann, denn er muss sich selbst befreien. Gespräch Laura - Jim, am Ende Tanz. Lauras Schüchternheit schmilzt, dem Einhorn bricht das Horn ab, wird verschenkt. Laura wagt sich in die Sphäre des Lebens und des Handelns hinein.
Das Leben von Glas-Frauen
Viele Frauen leben dieses Muster, man hört nichts von ihnen, weil sie sich verstecken. Bei Konfrontation mit der Wirklichkeit erfolgt der Zusammenbruch der Traumwelt mit Schock und Therapie. Heute verstecken sich die Leute oft in der Welt der Bücher.
3.3.
Der Höhenflug: Donna Juana, Meisterin der Verkleidung
verkörpert die Frau, die hoch hinaus will: überschwänglich, spontan, frei, nach aussen führt sie ein wildes, aufregendes Leben, schwebt wie auf Wolken, hat ein schlechtes Verhältnis zu Grenzen und zur praktischen Ordnung sowie zum Körper und zur Zeit. Sie hat keine Führung im Leben, handelt meist intuitiv, hat künstlerische oder mystische Neigungen. Sie lebt nahe dem Bereich des Unbewussten, lebt im kindlichen Höhenflug, sucht nach dem Kitzel der Gefahr.
Literaturbeispiel: Anaïs Nin: Roman: "Ein Spion im Haus der Liebe"
Hauptperson ist Sabina, lebt das Leben eines Spions, sie ist unverbindlich und unwahrhaftig in ihren Beziehungen, muss wie ein Spion leben, um jederzeit fliehen zu können, muss ständig auf der Hut sein, sich nicht zu verraten. Sie wechselt ihre Persönlichkeit wie ein Kaleidoskop [das rohrähnliche Glasspielzeug].
Der Ehemann ist der einzige Ruhepunkt.
Die Frau Sabina kann die Ansprüche des gewöhnlichen, täglichen Lebens nicht ertragen, sie fühlt sich dann wie in einem Gefängnis. Ihre Lichtquelle ist der Mond, denn für alle anderen ist es die Sonne. Sie stellt sich Mondwesen vor, "heimatlos, kinderlos, freie Liebe, nicht an den anderen gebunden". Sie betrügt ihren Mann, sie stürzt sich für jeden Mann in eine andere Kostümierung, die Männer halten siejeweils für echt, sie muss dann die Rolle weiter spielen, denn die Männer könnten böse sein und sich betrogen fühlen, wenn sie die Wahrheit wüssten.
Deutung:
Es entstehen Liebesängste, wie die Ängste eines Süchtigen oder eines Spielers: Zwang - Drang - Aktion - Depression - Schuldgefühl - Zwang - Sucht nach Liebe. Sabina fühlt die Zersplitterung, die Schwäche in ihrer Wesensmitte. Sie erkennt, dass der Himmel mit seinem Mond keinen Schutz bietet, sondern eine grenzenlose Weite ist, an der sie sich nicht festhalten kann.
Sabina löst sich aus ihrer Phantasie
Sabina ruft anonym an und bittet um Befreiung von den Schuldgefühlen. Antwort: Sie kann sich nur selbst befreien, das werde erst mit der Liebe kommen.
Erkenntnis von Sabina: Alle bisherigen Liebhaber waren ihre Opfer ohne richtige Beziehung: Statt eine Beziehung zu ihnen als Individuen einzugehen und sie zu sehen, wie sie in Wirklichkeit wären, kleidete sie die Männer in das Gewand der Mythen, die sie ausleben wollte.
Wandlung von Sabina:
Begreifen der Kontinuität in der Spannung zwischen Bewegung und Dauerhaftigkeit. Therapie-Mittel ist u.a. die klassische Musik, ein Beethoven-Quartett.
Ein praktischer Fall:
Eine junge Frau lebt im oben beschriebenen Muster, empfindet ihren Wert aufgrund der Anzahl der Männer, mit denen sie schläft sowie ihrer anderen Nationalität. Mit 19 Jahren hat sie schon mit etwa 30 Männern aus ebenso vielen Ländern geschlafen. Gleichzeitig erwartet die Mutter ihre Jungfräulichkeit, der Vater ist emotional nicht vorhanden. Zuerst ist die Tochter der Liebling der Mutter, dann erfolgt die Rebellion, das Ausleben der nicht anerkannten Seite der Tochter. Die junge Frau kippt ins Gegenteil, schläft wahllos mit Männern. Der lockere [und riskante] Lebenswandel ist Rebellion gegen die Mutter, zugleich hindert es sie, eine echte Beziehung zu dem Mann aufzubauen, den sie liebte.
3.4.
Die Aussenseiterin: Der Aussenseiter-Vater produziert Aussenseiter-Töchter
Fast immer identifiziert sich die Tochter positiv mit dem Vater. Folge: Wenn die Gesellschaft den Vater ablehnt, dann fühlt sich auch die Tochter abgelehnt. Oder: Die Vater lehnt auch den Vater ab. Die Tochter fühlt sich aber trotzdem von der Gesellschaft ausgeschlossen, das Verhaltensmuster bleibt trotz der gedanklichen Wende, den Vater abzulehnen.
Die Mutter wird dann selbstgerecht, wird zur Kritikerin des schlechten Vaters. Wenn die Tochter dann ähnliche Verhaltensweisen zeigt wie der Vater, folgt die spezielle Züchtigung, dauernde Drohung, dass sie so wie der Vater enden würde. Folge: Rebellion und fast automatisch Wiederholen des Musters des Vaters.
Literaturbeispiel: Dostojewski schildert oft weibliche Charaktere mit süchtigen Vätern. Die Töchter werden zur "puellae"
Diese Charaktere haben oft einen dostojewskischen "Untergrundmenschen", der sich zynisch weigert, Hilfe anzunehmen und sich zu verändern. Diese Opfer-Töchter leben in träger Passivität, mit der Gefahr des Abfalls in Alkohol- und Drogensucht, mit der Gefahr, in die Prostitution abzurutschen, mit Selbstmordphantasien oder Hörigkeit. Manche heiraten einen Mann wie der Vater, verkümmern in Depression und in Masochismus.
In griechischen Termini werden diese Frauen in die "dunkle Unterwelt" von Pluto herabgezogen, wie Persephone, verharren dort mit wenig oder ohne Ich-Stärke. eine entwickelte Seele und Lebens-Erkenntnisse nützen ihnen nichts.
Literaturbeispiel: Arthur Miller: "Nach dem Sündenfall"
Maggie wächst als uneheliches Waisenkind auf, der Vater setzt sich ab, als sie noch Säugling ist, leugnet dann auch noch die Vaterschaft.
die Mutter verhält sich sehr streng und abweisend.
Maggie entwickelt kein Urteilsvermögen über Männer. Kennenlernen von Quentin, Maggie projiziert auf Quentin die Macht, ihn zu retten, sie übergibt ihm die Verantwortung für ihr Leben. Magie glaubt insgeheim, dass sie nichts Wert ist , nennt sich in Hotels "Miss Nichts".
Deutung:
Die Beziehung zu Quentin ist nur Kompensation für fehlendes Selbstwertgefühl und fehlende Selbstachtung. Maggie muss von Quentin angebetet werden, der es tut.
Fortsetzung: Der Zusammenbruch durch Unausgeglichenheit - Alkoholsucht und Erreichen des Nichts
Entwicklung der Beziehung ist gefährlich, weil die Anbetung nicht konstant stattfindet und das Selbstwertgefühl von Maggie überhaupt nicht konstant ist. Entwicklung von Eifersucht, Verdacht, Verzweiflung, Depression. Die Situation bei Maggie eskaliert, sie flüchtet sich vor ihren eigenen Schwankungen in Alkohol (Sucht, symbolisiert: Abhängigkeit und Bedürfnis nach ständigem und vollkommenem Angenommenwerden). Maggie hat nun die Selbstbestätigung, dass sie mit der Sucht eine "Miss Nichts" ist, das Letzte vom Letzten, ein Opfer der Gesellschaft.
Freisetzung ihres Zynismus, von ihren Aggressionen, Maggie lässt ihre Aggressionen gegen Quentin los, droht mit Selbstmord. Maggie behauptet, er sei der einzige Mensch, der sie retten könne. Quentin aber hält entgegen, sie müsse sich selber retten. Maggie hat sich so sehr mit der Rolle des Opfers identifiziert, dass sie schliesslich Selbstmord begeht.
Maggie verabsolutiert ihre Unschuld und die Opferrolle, aber sie ist auch Verfolgerin von Quentin, sie wird auch schuldig.
Lösung der Verstrickung:
Die Identifizierung als Opfer muss aufgelöst werden. Es wäre Maggies Aufgabe, die zynische Haltung, die Verzweiflung und die Ablehnung in eine Haltung der Hoffnung zu verwandeln, sich selbst und das Leben bewusst zu bejahen.
In einer Zwischenphase einer solchen Befreiung können die betroffenen Frauen aus Scham vor dem Vater lesbisch werden.
Zusammenfassung über "puellae"
Puellae: haben keine Beziehung mehr zum Selbst. Sie sind in einer totalen Verzweiflung, in der Unfähigkeit, eine sinnvolle Art des Lebens zu wählen. Sie sind in einer totalen Schwäche, sie spielen eine Rolle, die andere von ihnen erwarten.
Die Puella als Höhenfliegerin: bleibt auch schwach, da sie ihre Möglichkeiten nicht aktualisiert, sondern nur mit ihnen spielt. Sie treibt ein ständiges Leben im Möglichen, fördert aber die Schwäche, denn sie bringt nichts zuwege, sie wird vom Abgrund des Möglichen verschluckt, behindert die eigene Entwicklung und endet im Frust, dass sie der Welt viel geben kann, aber keine Wege dazu findet. sie endet in der "Verzweiflung der Schwachheit". Folgen sind Spannungen bis zum Selbstmord, Rückzug, Anpassung oder Rebellion, wenn es positiv endet: die Verwandlung.
3.5.
Die Heilung der Puellae
Erster Schritt auf dem Weg zur Wandlung: Bewusstwerden, dass man in einem schiefen Verhältnis zum Selbst steht. Das bewusste Benennen ist der erste Schritt der Befreiung von der negativen Struktur. Wissen und Spüren, dass mehr in einem drinsteckt: eine höhere Macht über den Drang des Ich hinaus, diese Macht offenbart sich in Träumen. Diese Phase der Benennung muss durchlitten werden.
Zweiter Schritt: dieses Leiden akzeptieren.
Dritter Schritt: Erkenntnis, dass wir trotz der Schwäche auch Stärke in uns haben
und schliesslich den Zugang zu dieser höheren Macht. Kierkegaard: Das Verharren in der Schwäche ist in Wahrheit eine Form des Trotzes [sehr zweifelhafte Aussage].
Letzter schritt: besteht darin, die Stärke des Selbst zu akzeptieren, ist ein Akt des Glaubens, der die ganze Stärke des Empfangens erfordert.
Literaturbeispiel zur Heilung von Puellae
1.Schritt des Bewusstwerdens: Beispiel "Rumpelstilzchen"
Struktur: Ein "puer" als Vater, verspricht dem König aus Wichtigtuerei, er habe eine Tochter, die Stroh zu Gold spinnen könne. Die Tochter ist eine "puella", kann sich nicht wehren. Der König will die Probe. Die Tochter ist hilflos und weint. Da kommt als Hilfe ein Männchen, will einen Preis dafür, zuerst eine Kette, dann einen Ring. Der König will sie heiraten, wenn es ein drittes Mal gelingt. Bedingungen des Männchens: Es will das erste Kind. Die Tochter denkt, das werde schon nie geschehen, gibt in ihrer Hilflosigkeit das Versprechen. Daraufhin wird das Mädchen Königin, bekommt ihr erstes Kind, da will das Männchen das Kind, wenn es ihr nicht gelingt, seinen Namen herauszufinden. Das Mädchen lässt boten ausschicken und den Namen suchen. Der Name wird gefunden, die Tochter sagt dem Männchen, dass es "Rumpelstilzchen" heisst. Folge: Das Rumpelstilzchen wird so wütend, dass es einen Fuss in die Erde stampft, ihn nicht mehr herausziehen kann, uns sich selbst entzwei reisst.
Deutung:
-- das Kind ist Symbol des wahren Potentials des Mädchens.
-- das Rumpelstilzchen stirbt: heisst: der einengende Komplex am Mädchen ist entmachtet.
-- Benennen des Lebensmusters: heisst: man muss nach der Lösung suchen, im Märchen: der Bote sucht für das Mädchen. Durch das Benennen werden neue Perspektiven eröffnet und die nötige Distanz und die Einsicht gewonnen, warum es zum Entwicklungsstillstand kam.
Die nächste Aufgabe ist, die eigene Schwäche, die Verzweiflung und Leiden zu akzeptieren in dem Sinn, dass dieses Leiden einen Sinn hat. Die Puella fühlt sich als Opfer und trotzdem übt sich auf ihre Art Macht und Manipulation aus.
Zusammenfassende Übersicht über die Frauenpsychosen durch Erziehung
Das Püppchen als Höhenfliegerin verführt Männer durch weibliche Reize.
Die Aussenseiterin manipuliert durch selbstzerstörerische Drohungen, oder projiziert Macht auf andere und benutzt die Taktik der Umgarnung.
Das gläserne Mädchen schafft sich eine Atmosphäre von Zerbrechlichkeit und Sensibilität, gibt den anderen somit den Eindruck, sie seien linkisch und tölpelhaft. Die Mitmenschen sollen sich vorkommen wie Elefanten im Porzellanladen.
Die abgegebene Macht der PuellaDie Puella will keine Macht annehmen, sondern immer abhängig sein. Oft ergreift eine andere Gestalt die Macht über ihre Psyche, ein perverser, alter Mann, eine boshafte, zornige Gestalt (wie Rumpelstilzchen). Bei der Analyse ist auch das Auseinandersetzen mit dieser "bösen" Figur nötig. Zum Annehmen des Leidens gehört auch das Ringen mit dieser Gestalt. Meinung von Leonard: Dieser Vorgang der Auseinandersetzung mit der "bösen" Figur ist auf einer tiefen spirituellen Ebene ein Ringen mit dem Teufel.
Der letzte Schritt: die Stärke annehmen, nicht aufgeben, keine Flucht, kein Rückzug
keine Anpassung, keine Rebellion, sondern: Die Macht und die Stärke annehmen. Dies ist ein schrittweiser Prozess, der Jahre dauern kann. Überhaupt Macht und Stärke anzunehmen fällt der Puella schwer.
Beispiel eines Mädchens ohne Macht ist das Märchen "Das Mädchen ohne Hände": Das Mädchen führt 7 Jahre lang einen Kampf mit dem Teufel, bis die Vereinigung mit einem König erfolgt. Auf dem Weg dazu geht das Mädchen durch geduldiges Warten im Wald. Das geduldige, verständnisvolle Warten ist also der Schlüssel und der endgültige Vollzug in diesem Heilungsprozess.
4.
Die geharnischte Amazone
Amazonen in Sagen
Die Amazonen sind Töchter von Ares, dem Gott des Krieges und der Angriffslust. Amazonen provozieren eine unbewusste Identifikation mit dem männlichen Prinzip des Kampfes.
In Sagen entwerten Amazonen die Männer, indem sie die Männer von allen herrschenden Positionen ausschliessen. Männer werden zu Sklaven, Söhne zu Dienern, oft verstümmelt, physische wie soziale Entmachtung der Männer. Die Amazonen übernehmen alle männlichen Funktionen.
Die Amazonen haben den Ruf von Eroberinnen, Jägerinnen, wilden Kriegerinnen. Sie sind tapfere Reiterinnen, sie erziehen ihre Töchter nach diesem Muster wieder zu tapferen und kämpfenden Frauen.
In der Sage lassen die Amazonen ihre rechte Brust amputieren, um mit Pfeil und Bogen besser umgehen zu können.
Entstehen des Amazonenverhaltens
Die Töchter werden so, wenn sie einem nachlässigen oder unverantwortlichen Vater gegenüber stehen, und wenn der Vater emotional nicht präsent ist. Als Reaktion stellt die Tochter sich gegen ihn, gegen Männer generell, denn sie erlebt Männer als unzuverlässig. Als Folge ergibt sich in der jungen Frau die Tendenz, sich unbewusst mit dem männlichen Prinzip zu identifizieren. Tendenz je nach Veranlagung.
Falls betreffs der Schätzung des Weiblichen ein Versagen der kulturellen Repräsentanten des Vaterprinzips dazukommt, ist eine Reaktion gegen die verantwortungslose Autorität fast unvermeidlich. In der heutigen zeitgenössischen Kultur tritt dieses Muster der Amazone besonders häufig in Erscheinung.
Literaturbeispiel: June Singer: Buch: "Nur Frau - nur Mann?"
Schilderung: Die Amazone integriert ihre männlichen Eigenschaften nicht, sondern sie identifiziert sich mit den Machtaspekten des "Männlichen". Gleichzeitig verzichtet sie auf ihre Fähigkeit einer liebevollen Beziehung. Sie nimmt eine männliche Identität an.
Die Amazone ist vom Leben abgeschnitten, denn sie hat Machtbedürfnisse und schirmt sich gegen alles ab, was sie nicht kontrollieren kann. Sie ist in ihrem eigenen Panzer gefangen. Sie ist eine Persona, die ihrem eigenen Wesen aber möglicherweise nicht entspricht, da sie aus einer Reaktion und nicht aus ihrer weiblichen Mitte heraus entstand. Sie ist von ihren Gefühlen abgeschnitten, von ihrer Rezeptivität abgeschnitten, von der Stärke ihrer weiblichen Instinkte abgeschnitten.
[In diesem Sinn ist jede Amazone mindestens schizoid].
Amazonen aus unserer Kultur und Zeit
Amazonen entstehen heute aus Reaktion gegen die kollektive männliche Autorität, mit einer amazonenhaften Selbstbehauptung von Frauen fast im Kollektiv. Die kollektive männliche Autorität hat sich gegenüber dem Weiblichen wie ein nachlässiger Vater verhalten. Die Frauen ahmen dabei nur die Männer nach. Aber die eigentliche Herausforderung wäre dabei auch, das eigentlich Weibliche schätzen zu lernen.
Der Heilsweg der Amazone
Die Herausforderung der Amazone ist: das eigentlich Weibliche schätzen lernen.
Rilke darüber in "Briefe an einen jungen Dichter:
"... dass die Frauen durch die Fülle und den Wechsel jener (oft lächerlichen) Verkleidungen nur gegangen sind, um ihr eigenstes Wesen von den entstellenden Einflüssen des anderen Geschlechts zu reinigen ... Dieses in Schmerzen und Erniedrigungen ausgetragene Menschentum der Frau wird dann, wenn sie die Konventionen der Nur-Weiblichkeit in den Verwandlungen der Nur-Weiblichkeit in den Verwandlungen ihres äusseren Standes abgestreift haben wird, zutage treten, und die Männer, die es heute noch nicht kommen fühlen, werden davon überrascht und geschlagen werden."
Die amazonenhafte Reaktion ist also eine wichtige Phase in der kulturellen wie der persönlichen Entwicklung, ist aber nur ein Schritt innerhalb des weiblichen Entwicklungsprozesses.
Die Typen der Amazonen
4.1.
Der Superstar und Workaholic
Die häufigste Reaktionsweise der Tochter auf einen verantwortungslosen Vater ist: Sie macht das, worin der Vater in Arbeit und Leistung versagt hat. Die Tochter schafft sich selbst ein Identitätsgefühl und Verhältnis zur Arbeit als Kompensation des Versagens des Vaters.
Folge: Dieser Kompensationsdrang führt zur Überarbeitung, zur übersteigerten Leistung, schlussendlich zum Workaholic, zum arbeitssüchtigen Menschen. Die betroffene Frau fühlt sich ausgepumpt, von Gefühlen und Instinktquellen abgeschnitten. folge sind Depressionen, Sinnverlust, denn die Identifizierung mit der Arbeit genügt für das Leben nicht.
Literaturbeispiel: Sylvia Plath: "Die Glasglocke"
Hauptperson ist Esther Greenwood, Vorzugsschülerin, zwingt sich zum Erfolg ohne Rücksicht auf ihre Gefühle, gewinnt einen Preis, ist in Gesellschaft von reichen Töchtern. Sie selbst kommt aus armem Milieu, der Vater starb, als sie neun Jahre alt war.
Mit alle dem Erfolg sollte Esther überglücklich sein, ist es aber nicht, sondern sie ist in Wahrheit gelangweilt und deprimiert.
Deutung der psychischen Konstellation von Esther:
Hinter allen Leistungen steht eine tief verwurzelte Depression. Die Leistungen haben für ihr Leben dadurch keinen Sinn. Sie überdeckt die Depression mit zynischem Humor und schirmt sich dadurch von ihren Gefühlen ab.
Esthers Beziehungen zu Männern im Buch:
sind alle aus zuschauerartiger Distanz, objektiviert, Spüren eines Kicherns im Hinterhalt, total kaltes Gefühl. Motto:
"Wenn man von jemandem nichts erwartet, ist man nie enttäuscht."
Denn die Grunderfahrung mit Männern ist das Verlassenwerden: der Tod des Vaters. Dafür ist die Mutter eine Märtyrerin. Darauf folgen eine Reihe von unpersönlichen Beziehungen. Esther nimmt die Männer primär als "Frauenhasser" war, unberechenbar, unzuverlässig.
Das Schicksal führt in die Sackgasse und aus der Sackgasse
Der erste Frust im Beruf folgt: Eine Bewerbung für einen Schriftstellerkurs in New York wird abgelehnt. Esther muss zurück aufs Land, verbringt einen inhaltslosen Sommer. Damit folgen aber Schritte der Entwicklung: Viel Schlaf - Schlaflosigkeit - Selbstmordphantasien - sie fühlt sich in eine Glasglocke eingesperrt - Selbstmordversuch - Einweisung in Klinik, dann der Umschwung: Gute Therapeutin, Zärtlichkeit und Verständnis - Mut finden, es wieder mit der Welt aufzunehmen, nicht mit absoluter Sicherheit, sondern mit "Fragezeichen".
Die Mutter, die amazonenhafte Märtyrerin, verleugnet ihre Gefühle. Die Tochter fühlt sich so nie angenommen, so wie sie ist, entwickelt nur ihre männliche Seite, bezieht ihre Identität aus der Leistung. Sie ist von Sinnenhaftigkeit und ihrem Sein als Frau abgeschnitten.
Das Buch ist Beispiel für folgendes Modell der Amazonen-Heilung
Vater abwesend, Mutter übernimmt die männliche Rolle: Vorbild des Männlichen wie des Weiblichen fehlen. Hilfe nötig, von einer Frau, die das männliche wie das weibliche Prinzip in sich integriert hat. Wenn die konkrete Erfahrung mit dem Vater fehlt, ist die Brücke über die Weisheit einer Frau wahrscheinlich am ehesten erreichbar. Arbeit mit einer Therapeutin nötig. Ziel: Arbeit und Leistung müssen aus der Wesensmitte kommen, nicht aus einem abgetrennten Teil des Selbst, dann ist die Heilung eine echte Erfüllung.
Die Frauenbewegung
gleicht Esthers Weg. Auftrumpfen und Ablehnen der Männer. Dahinter aber steht ein männliches Modell des persönlichen Ausdrucks. Häufig erscheint es nur als Nachahmung des Mannes. Entscheidend ist das Erkennen, dass die Rückbindung an das Weibliche einen Wert hat, dass man versteht, was es bedeutet, eine Frau zu sein, und dass dies anerkannt wird.
Analyse des Superstars
Beim Eintritt in die Analyse sind die Superstars meist erschöpft, suchen eine Beziehung. Sie haben das Gefühl, dass Männer Angst vor ihnen haben. Die Väter dieser Töchter machen ihre Töchter zu Söhnen, sie sollen stellvertretend für den Vater das unverwirklichte Potential leben, das die Väter nicht verwirklicht haben.
4.2.
Die pflichtbewusste Amazonen-Tochter
Literaturbeispiel: Jenny im Film von Ingmar Bergman: "Von Angesicht zu Angesicht"
Jenny ist eine Anpasserin, tüchtig, diszipliniert, verantwortungsvoll, jedoch plötzlich kommt der Zusammenbruch, der Selbstmordversuch, das Krankenhaus, Halluzinationen, Träume, Rückkehr in die Vergangenheit, Konfrontation.
die Krise wird ausgelöst durch den erschöpften Zustand, durch Beruf und gleichzeitiges überbrücken einer Zeit zu Hause, durch Aufsteigen von Erinnerungen in Träumen, die in das wohlorganisierte Leben von Jenny eingreifen. Das wichtigste sich wiederholende Bild ist eine furchterregende, alte Frau in Schwarz oder Grau mit nur einem lebendigen Auge, die andere Augenhöhle ist starr und leer. Das Bild symbolisiert den Komplex des blinden und sturen, negativen Pflichtgefühl, das Jenny dominiert.
Die Entstehung der pflichtbewussten Amazonen-Tochter
Jenny erlebt eine zärtliche Vaterbeziehung, aber leider ist er Alkoholiker. Der Vater wird von der Mutter wie der Grossmutter getadelt. Jenny empfindet die Zärtlichkeiten ihres Vaters schliesslich als peinlich.
Plötzlich kommen die Eltern durch einen Flugzeugabsturz ums Leben, Jenny zieht zur Grossmutter. Diese Grossmutter verlangt eiserne Disziplin: Tränen, Milde, Schwäche, Faulheit, Vergnügen gibt es nicht. Es gelten nur Pflicht, Disziplin und Kontrolle. Jenny fügt sich, wird eine "brave" Tochter, dann die gewissenhafte, verantwortungsvolle, verlässliche erwachsene Frau.
Unter der Schale befindet sich das gehemmte, paralysierte Kind. Jenny wird in Halluzinationen mit Menschen konfrontiert, die sie sorgfältig "beiseite geräumt" hat.
Traum: Jenny im Sarg in rotem Kleid, rotes Kleid wird von Geistlichem abgeschnitten. Jenny zündet den Sarg an, als der Geistliche den Sarg schliesst. Alles brennt.
Deutung:
Gefühle und Leidenschaften sind im Sarg, wollen hervortreten und leben. Geistliche sind Symbol für die alten Kräfte des Pflichtbewusstseins. Ergebnis der tat des Geistlichen ist eine riesige Flamme, ein leidenschaftliches Feuer, das niemand unterdrücken kann.
Jenny gewinnt neue Einsichten. Das Streben nach Kontrolle hat ihr Leben erstickt. Sie ist nicht fähig, dies loszulassen. Gleichzeitig sieht Jenny, dass die Grossmutter selbst unter ihrer Disziplin-Sucht leidet.
Abschütteln des Pflichtbewusstseins bei Pflicht-Amazonen
Solche Pflicht-Amazonen-Menschen müssen vor allem erkennen, dass ihnen das Pflichtbewusstsein von jemandem anders aufgedrängt wurde. Die Pflicht-Amazonen müssen einsehen dass dieses Menschenbild nicht zu ihnen gehört. Sie müssen ihre eigene Kreativität, die eigene Persönlichkeit finden.
Nonnen-Menschen
Dieser Frauentyp neigt dazu, sich hinter der eigenen Persona zu verstecken nach einem Modell, das nicht ihr eigenes ist, das an Pflichtbewusstsein und an autoritäre Strukturen gebunden ist. Das Nonnengewand hat die Funktion eines Panzers: Die Weiblichkeit wird verhüllt, wobei die Weiblichkeit als dunklere, schwächere Seite empfunden wird.
Nonnen in der Therapie
-- sie müssen ihren Panzer "ausziehen"
-- die nicht zugelassene Seite kommt zum Vorschein
-- wenn dieser Prozess nicht bewusst geschieht, besteht eine gewisse Gefahr, denn die neu sichtbaren Seiten sind unterentwickelt und in primitivem, unerlebtem Zustand.
Dressur-Kinder
Die Tochter gehorcht ihrem Vater so, dass sie die Berufswahl auf seine Meinung abstimmt. Der Vater meint, Frauen sollen nur Assistentinnen, aber nicht Ärzte, Rechtsanwälte oder Professorinnen werden. Die Tochter fügt sich, aber sie sehnt sich, ein wirklicher "Profi" zu sein.
Traum mit Opferungen: Eintritt ins Kloster, Tagebücher werden geopfert (verbrannt), die Haare werden abgeschnitten.
Deutung:
Das Opfern der Tagebücher und der Haare sind die Opfer, die ihr Vater von ihr fordert, wenn sie von ihm geliebt werden will. Die Tochter soll ihre schöpferische Energie opfern.
Traum mit verbotenem Kind durch den Königsvater: Heirat mit König (der Vater), sie bekommt ein Kind von ihm, der König will das Kind nicht, denn das Kind bringe nur den Stammbaum durcheinander. Der König lässt die Königin ins Gefängnis stecken. Da tötet die Gefangene eine Nonne, flieht so unerkannt aus dem Gefängnis im Kostüm.
Deutung:
Die Tochter verdeckt ihre schöpferische Energie auch am Schluss noch mit dem Kostüm, sie verdeckt ihr Ich, so kann sie überleben.
Nach der Therapie und nach der Arbeit an sich selber hat die Betroffene Träume, in denen sie ohne Verstellung gewinnt.
4.3.
Die stille, leidende Märtyrer-Amazone
ist eine weitere Form des Amazonendaseins, mit Versteinerung des Amazonenpanzers in einer Märtyrerhaltung. Dieses Verhalten bedingt einen Lebensstil, der an Einschränkungen und an passive Ressentiments gebunden ist. Oft ist dieser Lebensstil mit einer anhaltenden Leidensmine maskiert.
Literaturbeispiel: Film von Fellini: "Julia und die Geister"
Julia spiegelt falsche Tatsachen vor, um der Gesellschaft zu gefallen. In der Ehe spiegelt sie eine zufriedene Ehefrau vor. Dann kommt der Schock durch Geister, die sagen: "Niemand braucht dich; du bedeutest niemandem etwas."
Julia versucht, diese Botschaft zu ignorieren, aber dann tauchen Kindheitserinnerungen auf: Schöne Bilder, dann aber Erinnerungen an die gleichgültige Mutter von kalter Eleganz, Erinnerungen an den faschistischen Vater, der die Tochter in die Pfarrschule geschickt hat, und dort gab es Schulaufführungen, wo Julia eine Märtyrerin gespielt hat, die hat verbrannt werden sollen.
Das Theater hat Julia so geprägt, dass sie auch im Erwachsenenleben immer noch diese Rolle der heiligen Märtyrerin spielt: in der Ehe: Sie schweigt, stellt ihren Mann nie zur Rede, unterdrückt ihren Zorn, ihre Freude, damit unterdrückt sie aber auch die Sexualität. Sie hat Erinnerungen an den Grossvater, ein lebhafter, unkonventioneller Mann, der mit einer Zirkusreiterin durchbrennt.
Bei Julia bricht die Krise aus, als sie entdeckt, dass ihr Mann eine Affäre mit einer anderen Frau hat. Es brechen Träume und Visionen herein. Hauptfigur im Traum ist eine aufreizende, nackte Frau, die der Zirkusreiterin des Grossvaters ähnelt.
Julias Leben entwickelt sich weiter mit einem Kontakt zur freizügig sinnlichen Suzy mit dionysischem Lebensstil. Suzy lädt Julia zu einer Party ein, ist die Chance, in die Welt der Sinnlichkeit einzutreten. Aber das Bild der Märtyrerin drängt sich dazwischen. Julia verlässt die Party.
Nur langsam zerfällt das bewusste, angepasste Ich von Julia. In Traumbildern kommen bedrängte, verhungernde türkische Angreifer vor, ausgemergelte, erschöpfte Pferde, eine Märtyrerin, die sich in eine Hure verwandelt.
Julia beginnt eine Psychodrama-Therapie. Der Therapeut stellt fest, Julia identifiziert sich zu sehr mit ihren Problemen, denn sie soll entspannt und spontan sein. Julia erkennt, dass sie Angst hat, glücklich zu sein. Ihre Ehe ist in Wirklichkeit ein Gefängnis. Zum ersten Mal lässt sie Gefühle zu: Eifersucht, Aggressivität, Rachsucht, Weinen, Selbstmordgedanken. Es entsteht Zorn, und das ist auch gut so, denn so kann am Zorn die Selbstbehauptung wachsen.
Julia kann die Angst gegenüber der Mutter ablegen. Traum: Sie befreit ein gemartertes Kind. Die Mutter und all die gequälten Gestalten verschwinden. Eintreten des Grossvaters, der das Kind willkommen heisst. Abstreifen des Wesens der Märtyrerin, Zulassen des Geistes des Kindes, Verlassen des Gefängnisses ihres Hauses.
Das Wesen des stillen Märtyrerdaseins
-- Julia ist in der Ehe besitzergreifend, lebt aber im Schatten ihres Mannes
-- Julia passt sich den einengenden, kollektiven Werten an, die ihre Individualität und die eigene weibliche Schönheit hemmen
-- Fellini will mit dem Film der Frau die Würde zurückgeben
-- Fellini über Frauen: "Die Ehefrau darf weder eine Madonna noch ein Instrument der Lust und am wenigsten eine Dienerin sein."
Hauptmerkmal des Lebensstils der stillen Märtyrerin
ist die schwer arbeitende Dienerin (als Ehefrau oder als Mutter oder beide). Dieser Lebensstil entsteht, wenn der Vater schwach ist und die Mutter dauernd kritisiert: Die Tochter nimmt die Meinung der Mutter an und gibt das Muster weiter, heiratet einen schwachen Mann, so dass der Mann quasi zum Sohn wird und sie selbst eine Mutterrolle gegenüber dem Mann führt.
Alexander Lowen über das Wesen des stillen Märtyrerdaseins
Das stille Märtyrerdasein hat einen passiv-unterwürfigen, masochistischen Aspekt, hinter dem sich ein Gefühl der Überlegenheit, Feindseligkeit und Verachtung gegenüber dem Männlichen verbirgt.
Die Handlungen einer stillen Märtyrerin sind gekennzeichnet durch zu viel Fürsorge und Bemuttern und / oder ein strenges Regiment über die Kinder. gleichzeitig kommt oft eine asexuelle Lebenseinstellung dazu, das den Ehemann zusätzlich schwächt.
Das stille Märtyrertum ist eine absolute Selbstverleugnung. Die betroffene Person wird Aussenseiterin, empfindet sich als abgelehntes Opfer, will bemitleidet werden, will dafür anerkannt und bedauert werden, dass sie sich selbst verleugnet.
4.4.
Die Märtyrer-Kriegerkönigin
ist eine weitere Reaktionsweise auf einen verantwortungslosen und schwachen Vater. Die Tochter strebt das Gegenteil an, strebt danach, eine starke, entschlossene Kämpferin zu werden, und geht dabei noch weiter und nimmt den Kampf gegen den Vater auf, gegen seine Irrationalität, die sie am Vater als degeneriert erlebt.
Literaturbeispiel: C. S. Lewis: Roman: "Till We Have Faces" ["Bis wir Gesichter bekommen"]
Ein brutaler König opfert die jüngste Tochter Psyche, die von der ältesten Tochter Orual aufgezogen wurde:
Der Vater ist ein destruktiver und brutaler König, der seine jüngste Tochter Psyche der Göttin Aphrodite opfert, um seine Untertanen zu besänftigen, denn die Tochter soll für Hungersnot und Pest verantwortlich sein.
Der Vater opfert liebe eine Tochter, statt die Probleme in verantwortungsvoller Weise zu bewältigen. Die Opferung zeigt seinen Mangel an eigener Stärke. Stattdessen macht der Vater hauptsächlich Gelage, Jagden, strebt dem Geld und der Besitzvergrösserung nach. Für seine Töchter hat er keine Zeit, und er nimmt ihnen übel, dass sie keine Söhne sind. Der Vater bekommt Wutausbrüche und beschimpft seine Töchter: Psyche sei eine Dirne (sie ist eine puella-Figur), und für die weiteren Töchter hat er ähnliche Komplimente: Orual, die älteste, soll "hässlich" sein.
Orual übernimmt als älteste Tochter die Mutterrolle, weil die Mutter bereits gestorben ist. Orual betrachtete Psyche sogar als ihr Kind, dabei mit einer grimmigen Mutterliebe.
Nun opfert der Vater Psyche, so dass Orual ihren wertvollen "Besitz", die junge Schwester, die sie gross gezogen hat, verliert, die geliebte Psyche. In der Folge hasst Orual ihren Vater und alles, was er repräsentiert, mit Hass auf die Götter, weil sie ihre geliebte Schwester Psyche weggenommen haben. Oruals Bewusstsein dreht ins Negative und erstarrt im Negativen. Sie beginnt, gegen den Vater zu kämpfen (Schwert), und als der Vater stirbt, übernimmt sie den Thron.
In Orual bleibt aber die Bitterkeit, denn sie erkennt, dass ihr Leben nur ein Leben der Arbeit ist. Sie ist eine traurige und einsame Königin, mit einem riesigen Hass auf die Götter. Sie formuliert ein Testament mit lauter Anklagen, und gleichzeitig wird sie rasend, mit Träumen und Visionen.
Orual erkennt, dass sie durch ihre Reaktion gegen den Vater mit dem Versuch, sein Gegenteil zu sein, in derselben irrationalen Lebensweise gelandet ist. Sie erkennt ihre Aufgabe: nicht die Bekämpfung des Irrationalen, sondern: den degenerierten Geist in einen heiligen Geist verwandeln. Sie unterwirft sich der grösseren Macht der Götter, ist endlich fähig zu lieben.
Der trotzige Widerstand gegen die Götter war ein Versuch ihres Ich, Kontrolle über ihr Umfeld auszuüben, Besitz zu ergreifen. Die Art der Stärke hat sie von ihrem männlichen Vorbild übernommen, vom Vater. Das weibliche Lebenselement hat sie gleichsam entwertet, mit einer absoluten Entschlossenheit, auf Gedeih und Verderb.
Das Leben wurde auf diese Weise aber zur Plage, zu einer Serie von Kämpfen, ohne Genuss, mit Missachtung von Gefühlen und mit Missachtung ihres Körpers und ihrer Sexualität. Weibliche Empfänglichkeit bedeutet für diese Art Frauen eine schwächliche Passivität.
Fall Bobbie
Ein Vater gibt ihr einen männlichen Vornamen. Sie wächst quasi als Sohn statt als Tochter auf, wird ehrgeizig, entwickelt Konkurrenzgeist und wird zur zähen Kämpferin. Später im Leben zerstören diese Elemente ihre Ehe und stehen weiteren Beziehungen im Weg. Sie übt immer noch Härte und Kritik sich selbst gegenüber. In der Therapie beginnt sie zu meditieren. Sie wird empfänglicher und spontaner mit Menschen und beziehungsfähig.
4.5.
Die Verzweiflung der geharnischten Amazone
Gemeinsame Merkmale aller Amazonen-Typen sind:
-- der Wunsch nach Kontrolle
-- alle Amazonen-Typen sehen den Mann eher als schwach und impotent
-- alle Amazonen-Typen entwickeln sich an einer Männer-Figur, die irrational und logisch nicht nachvollziehbar Macht über sie ausübt
-- alle Amazonen-Typen reissen die Macht an sich [um es "besser" zu machen als der terroristische oder der schwache Vater]: Die Töchter dieser unfähigen Männer bekämpfen die Unfähigkeit der Väter und stehen im dauernden Kampfvergleich.
Folge der Kontrolle: Übermass an Verantwortung, Übermass an Pflichten, Überlastung und Gefühl von Erschöpfung.
Das Bedürfnis nach Kontrolle beruht auf einer Angst vor dem Irrationalen. Ziel ist das Ausschalten des Irrationalen [folglich bleibt der Zugang zum tiefen seelischen und sexuellen Bereich verschlossen]. Die Betroffene bleibt völlig abgeschnitten von Spontaneität und vom Unerwarteten. Das Leben bleibt ohne Schwung und ohne Reiz. Die Betroffenen bekommen nach und nach das Gefühl, ihr Leben sei ausgetrocknet und sinnlos, weil die Begrenztheit und die Notwendigkeiten überbetont sind. Die Betroffene sieht sich selbst nur noch als endliches Wesen.
4.6.
Der Heilsweg der Amazone: Die Verwandlung
Die Heilung von Amazonen erfolgt gemäss Kierkegaard durch Anpassung. Dabei besteht die Gefahr, dass man die Spontaneität nicht zuzulassen darf, denn die Spontaneität könnte die sichere Stellung in Gesellschaft und Beruf kosten.
Die Analyse hofft auf eine bewusste Wandlung der Betroffenen, bevor ein Zusammenbruch der Amazone eintritt. Die Betroffene muss die Kraft und den Mut aufbringen, sich aus der Falle ihres Amazonenpanzers zu befreien.
Erster Schritt: Den Panzer sehen, in dem die Amazone steckt - unter dem Panzer die Hilflosigkeit, die Abhängigkeit und die eigene Not entdecken - den Panzer als Maske erkennen, die leidende Arbeiterin in einem selbst erkennen, die gleichzeitig Opfer von Selbstmitleid und des Mitleids anderer ist.
Weiterer Schritt: Nach dem Erkennen der Schwäche muss diese Schwäche akzeptiert werden.
Weiterer Schritt: Erkennen der Wesensmitte, Erkennen von schon erworbenen Stärken, schon erworbene Stärke durch die Wesensmitte kommen lassen, statt sie durch das angepasste Ich forcieren.
Weiterer Schritt: Anwenden der Stärke in dem Bereich, vor dem die Betroffene Angst hat: im Bereich des Irrationalen.
Weiterer Schritt: Lernen, die unkontrollierbaren Aspekte des Daseins zu würdigen, denn so kann die Betroffene darin eine neue Quelle der Kraft finden. Der Weg dazu ist kein "Tun", sondern das Geheimnis liegt im "Nichttun": Spaziergänge, Besuche. Die Weisheit besteht darin, Dinge nicht zu forcieren, sonst erreicht man nur das Gegenteil vom Gewollten. Beispiel: Wenn man einem Pferd nachläuft, läuft es nur noch weiter weg. Im übertragenen Sinn: Es ist besser, das Irrationale von selbst zurückkommen zu lassen. Man kann schöpferische Energie nicht erzwingen, sondern nur warten, bis sie kommt.
Weiterer Schritt:
-- sich von der Vorstellung lösen, dass die Amazone wie ein Mann sein müsse, um Macht zu besitzen, die der Vater vor ihr nicht hatte
-- sich von der Vorstellung des Heroisch-Männlichen lösen
-- Erweichung des Panzers, einen weicheren Charakter annehmen, um zum Weiblichen in sich selbst und zum weiblichen Element in Männern ein schöpferisches Verhältnis zu finden und das dauernde Konkurrenzdenken und den dauernden Kampfvergleich ablegen
-- eine Beziehung ist dabei nicht angebracht, denn diese würde noch nach den alten Mustern und ohne jede Menschenkenntnis ausgesucht
-- Erweichen des Panzers durch liebevolle, männliche Figuren ("Mann mit Herz"), der eine warme, gemütliche Atmosphäre schaffen kann.
Casanovas verführen Amazonen
Casanovas lieben viele Frauen oberflächlich und vermitteln jeder das Gefühl, dass sie weiblich sei und geliebt sei. Der Casanova ist innerlich positiv gestimmt, der den Frauen ein Selbstwertgefühl gibt, mit Behutsamkeit und Sensibilität, was für die Amazone bisher unbekannt war. Auf den ersten Blick ist der Mann ein sensibler Mann, auf den zweiten Blick aber ein "Dummling" ohne inneren Weg.
5.
Die männlichen Figuren im weiblichen Innern: Der innere Mann
Der Vater ist für das Mädchen ein wichtiges Vorbild, denn dies ist für das Mädchen die erste Erfahrung mit dem Männlichen. Er vermittelt ihr ein wichtiges Vorbild für die Art und Weise, wie sie sich zum Mann und zu ihrer eigenen männlichen Seite verhalten wird.
Wenn die Tochter-Vater-Beziehung gestört ist, so taucht bei der Tochter in Träumen und Erfahrungen oft einen Phantasie-Mann: der "perverse alte Mann". Bei den Amazonen, die nie einen normalen Vater gekannt haben, taucht in den Träumen und Erfahrungen die Gestalt des "zornigen Jungen" auf.
Die so entstehende Puella verleugnet ihre Stärke, verfällt somit dem mächtigen, autoritären Männlichen [weil sie geliebt werden will bzw. am Vater wachsen will mit dem Wunsch, dass der Vater normal werden soll]. Es findet eine Perversion der Macht statt und es entwickelt sich ein innerer Richter.
Die Amazone entwickelt eine absolute Kontrollsucht, und gleichzeitig will der zornige, rebellische Jüngling diese Kontrolle durchbrechen.
Voraussetzung zur Heilung von Puella und Amazone ist ein besseres Verhältnis zum inneren und äusseren Männlichen zu gewinnen. Die Betroffene muss sich diesen Figuren in ihrem Inneren stellen. Sie muss sich ihrer eigenen Wirkung auf das innere männliche Element und auf die Männer bewusst werden. Nur wenn sich die Betroffenen diesen Wirkungen stellen, kann sich eine neue und schöpferische Beziehung zum Männlichen herausbilden.
5.1.
Die Puella und die Vorstellung vom perversen, alten Mann
Die Puella-Therapiepatientinnen haben oft ein negatives Selbstverständnis, eine Mutlosigkeit. Bei diesen als ewiges Mädchen gefangenen Frauen tritt oft ein Traumbild von perversen und sadistischen alten Mann auf.
Traumschema: Verfolgt-Sein und erste Gegenwehr
Das junge, unschuldige Mädchen wird von einem sexuell perversen, alten Mann verfolgt. Er wartet auf den Augenblick, wo er sie packen kann, und zwar dann, wenn sie lange Kleider trägt, also dann, wenn sie im Begriff ist, Frau zu werden. In diesem Moment will er sie umbringen. Die Freundin des Mädchens warnt sie vor dem Mann. Der Mord scheitert. Der Mann wird wütend, stürzt sich auf sie. Das Mädchen tritt ihm in die Eier. Der Mann taumelt, wird noch wütender, will sie mit Schmutzwasser übergiessen. Das Mädchen wird schneller, fasst den Eimer, überschüttet den Mann mit dem Wasser. Leonard: "Dies ist eine Aufgabe, die in den Märchen vier verschiedener Sprachen vorkommt."
Der Schritt zum Erwachsenwerden der Puella: Überwinden des alten Vaterbildes
Im Moment des Schrittes zum Erwachsenwerden kommt es zur bewussten Konfrontation mit dieser Figur, die die Frau beherrschen muss. Die Puella aber ist verbunden mit einer krankhaften Manifestation der starren, autoritären Seite des Männlichen: Ein weiser, alter Mann, der krank und ekelhaft geworden ist, weil sie vernachlässigt wurde. Die Vernachlässigung stammt aus der verwundeten Vaterbeziehung. der Vater war in der Tochtererziehung nicht da, erfüllte seine Funktion als Vater nicht (Eros wie Logos).
Wenn das Vater-Prinzip fehlt (innere Autorität, Geist), so wird dem Bild des perversen, alten Mannes mehr Raum zum Auftreten gegeben. Aus der Erfahrung der Analyse ist bekannt: Wenn ein Potential in der Psyche brachliegt, besteht die Gefahr der Pervertierung, denn mit dem Potential wird nicht experimentiert und erforscht, keine Erfahrung.
Faktor Umwelt kann fehlenden Vater kompensieren oder die Situation verschlimmernDie erwachsene Puella ohne positive Vater-Erfahrung ist angewiesen auf das, was sie von ihrer Mutter und ihren Verwandten hört, ist angewiesen auf kulturelle Eindrücke und Werte für ihre Phantasie, denn die Wirklichkeit hat sie nie als Kind erfahren.
Wenn kein Vater-Vorbild vorhanden ist, dann ist oft auch keine Vater-Präsenz vorhanden und die Mutter ist dann oft verbittert oder zynisch über die Männer. Die Tochter ist zweifachem negativem Einfluss ausgesetzt, ohne Vater-Vorbild und dazu wächst sie noch mit derselben negativen Anschauung gegenüber Männern auf, die die Mutter ihr vorlebt. Es entsteht in der Vorstellung und Phantasie der Tochter ein völlig verzerrtes Verhältnis zum inneren männlichen Element und zu anderen Männern.
Die Puella landet im Sadomasochismus, um geliebt zu werden
Wenn das Vaterbild verletzt ist, dann wird auch das Bild vom Mann generell verletzt. Das Misstrauen dominiert das Männerbild der Betroffenen.
[Der schlechte oder abwesende Vater muss dann auch meist noch lange als Ausrede herhalten, dass die Betroffene so und so empfinde etc. ].
Gleichzeitig hat die Puella aber auch ihre eigene Macht an die Männer abgegeben, ist abhängig von deren Urteil und richtet ihr Leben an den Männern aus. Die Amazone dagegen hat den Kampf aufgenommen und sieht die Männer schwach, unterlegen, machtlos, Männer gelten wenig oder gar nichts, denn sie ist die Selbständige.
Die Puella entwickelt mit ihrer Verhaltensweise, sich am Urteil der Männer zu orientieren, ein sadomasochistisches Syndrom. Es bleibt fast nichts für sie übrig, das sie selbst gemäss ihrem eigenen Willen gestalten kann.
Die Struktur des Unbewussten der Puella: vernachlässigt - Selbstzweifel - Versagen
Die Puella sieht sich selbst vielleicht als "Prinzessin auf der Erbse", hält sich für alles zu gut. Sie entwickelt ein Bewusstsein wie ein Aschenputtel, vernachlässigt und ausgenützt. Die innere Stimme ist bei der Puella die des inneren sadistischen Mannes. Die Stimme behauptet, dass sie nichts tauge, dass sie nie etwas leisten werde, dass sie unwürdig sei, geliebt zu werden. Wenn es so ist, dann "versagt" sie tatsächlich in der äusseren Welt. Die Puella muss mit dem pervertierten alten Mann fertig werden, der ihr Potential angreift. vorher ist kein schöpferischer Schaffensprozess möglich.
Beziehungen der Puella mit Vaterfiguren - die Puella verrät sich selbst
Die Puella strebt unbedingt nach einer Vaterfigur, da keine echte Vaterbeziehung da war. Zuerst folgt eine sexuelle Gehemmtheit in der Beziehung, da Sex mit dem Vater nicht erlaubt ist. Dann schläft sie aber bald mit jedem, weil sie einem Mann nie "nein" sagen kann, oft aber nur widerwillig. Meistens sind es verheiratete Männer, mit denen sie Sex hat. Der Sex kompensiert das Bedürfnis nach Liebe und Bindung, die der Vater nie gegeben hat. Der Sex kommt nicht aus dem Zentrum des femininen Eros, sondern ist nur Kompensation.
Die Betroffene entwickelt ein Gefühl des Selbstverrats. Im Innersten bleibt aber das Misstrauen gegenüber den Männern. Sie hat nie das Vertrauen, die wirklichen Gefühle mitzuteilen.
Die Stimme des perversen, alten Mannes sagt, sie könne nur Beziehungen durch sexuelle Kontakte haben. Dies untergräbt ihr Selbstvertrauen nur noch mehr. In Wahrheit bleibt sie von einer echten Beziehung und vom Eros abgeschnitten wie früher in ihrer Naivität und Unschuld, wo sie als Mädchen hat ohne Vater bleiben müssen.
Erst die Naivität und Unschuld, ohne Vater in der Familie aufzuwachsen, gibt dem alten Mann in ihrem Innern Raum.
Kindsmisshandlungen
Sexueller Missbrauch und Vergewaltigung von Seiten älterer Männer geht bei den Opfern ins Selbstbewusstsein über, das ernsthaft beschädigt wird und nur therapeutisch behoben werden kann. Tief im seelischen Innern findet man den perversen alten Mann, einen quälenden, negativen Animus, der den Missbrauch fortsetzt.
Die Psyche von Prostituierten
Häufig sind die Frauen früher vom Vater brutal zurückgewiesen worden.
Erste mögliche Entwicklung: Prostituierte aus Hass: Die Tochter entwickelt einen Hass auf den Vater, und ist so im Hass gefangen, dass sie den Hass auf alle Männer ausdehnt und sich ihnen verkauft.
oder
zweite mögliche Entwicklung: Prostituierte aus Liebesdurst: In der Kindheit wurde die Frau abgelehnt und hat nun ein massloses Bedürfnis nach Liebe. Die Bedürfnisse sind aber so unersättlich, dass alle Liebhaber versagen. Die Betroffene lehnt alle Liebhaber ab und optimiert ihr Bedürfnis in der Prostitution. Dieses letztere Muster kommt auch bei der scheinbar glücklichen Hausfrau bzw. bei der flotten, lebenslustigen, jungen Frau vor.
Regel: Unschuld entwickelt Perversion
Die "Unschuld" ist immer Voraussetzung zur Entwicklung von Perversion im seelischen Bereich, der ohne Erfahrung und Experiment brach liegt.
Literaturbeispiel: Film: "Der letzte Tango in Paris"
Der Film zeigt die integrale Beziehung zwischen einem sadistischen alten Mann und einer masochistischen jungen Frau im Extrem. Ein älterer, kaputter, deprimierter Mann sucht eine Wohnung, begegnet einer munteren, jungen Frau, und die Beziehung wird sofort sexuell. Der Mann behauptet, sie seien füreinander nur Sexualobjekte, sie solle keine Fragen stellen, nicht einmal die Namen solle man voneinander wissen. Das Mädchen will etwas über ihn wissen, akzeptiert dann aber alle Bedingungen des Mannes. In der Beziehung wird die Frau dann hörig, fügt sich demütigenden und erniedrigenden sexuellen Handlungen.
Dann aber verliebt sich der Mann eines Tages, wünscht eine persönliche Beziehung. Jetzt besteht das Mädchen auf der Unpersönlichkeit des Verhältnisses. Das Mädchen gewinnt so die Kontrolle über ihn. Der Mann bedrängt sie, will endlich ihren Namen wissen, aber das Mädchen verweigert den Namen. Schliesslich kommt es beim Mädchen zur hysterischen Selbstverteidigung: Sie erschiesst ihn.
Sie versucht, ihre Tat mit Unschuld und Ahnungslosigkeit zu rechtfertigen und damit, dass sie seinen Namen nicht kannte.
Bilanz: ein sadistischer Mann - ein masochistisches Mädchen. Am Ende ist das Mädchen auch sadistisch, bis zum Todschlag. Es zeigt sich die Kehrseite der Unterwerfung unter die Männer: Die Puella misstraut den Männern, bis zu Hassgefühlen [die Puella wird zur Amazone].
Die Rettung der Puella vor der Gestalt des perversen alten Mannes
Die Puella muss den perversen, alten Mann identifizieren. Nur mit der Kenntnis des Namens kann die Puella den Klauen der perversen Figur entzogen werden. Der Weg zum Herausfinden des Namens:
-- erster Weg: Träume: Offenbarung der Gestalten unseres Innern
-- zweiter Weg: Verstehenlernen der Projektionen auf andere Menschen
-- dritter Weg: Selbsterkennung durch Märchen, Mythen, Literatur, Filme
-- vierter Weg: "aktive Imagination": Die Puella soll mit der inneren Gestalt einen aktiven Dialog führen. In der Folge wandelt sich die alte, perverse Gestalt.
Folgerung:
Die Puella darf den perversen, alten Mann in ihr nicht vernachlässigen, sonst verharrt sie in der Position der Hilflosigkeit und Wehrlosigkeit, [wie sie selbst als Kind vernachlässigt wurde].
Je mehr die Puella die Figur des perversen, alten Mannes vernachlässigt und ihn verdrängt, desto mehr schadet er ihr.
Vernachlässigung [Verdrängung] von Töchtern durch Väter und die Folgen: Übersicht
-- Entstehung einer Amazonen-Höhenfliegerin, die eine liebende Seite gar nicht kennt
-- Entstehen eines Püppchen, die nie geliebt worden ist, weil der Vater und die Liebhaber ein allzu idealistisches Bild auf sie projiziert haben
-- Rebellion gegen die Vernachlässigung: Flucht in Drogen, Alkohol und Sex, keine Grenzen mehr betreffs Körper und Gefühlsleben
-- Entstehen eines Mädchen aus Glas: Rückzug in die Phantasiewelt mit eventuell zerbrechlichen Spielfiguren, was von der Umwelt belächelt wird
-- Entstehen einer inneren Stimme eines alten Mannes, weil das Phantasiepotential ohne Erfahrung brachliegt, die Frau will der inneren Stimme des alten Mannes davonlaufen, nützt aber nichts, denn die Stimme folgt überall hin, nur mit der Konfrontation kann die innere Stimme des alten Mannes unter Kontrolle und verwandelt werden.
Der Kampf mit dem Bild des alten, perversen Mannes
Das Risiko, einen Kampf einzugehen, kann zur Entdeckung neuer Stärken führen. Beispiel im Traum: Das Mädchen bewirft den Mann mit Schmutzwasser. Die Frau muss entdecken, dass in der Perversion eine verborgene Möglichkeit liegt, verborgene Werte liegen. Also: Durch den Kampf kommt es zur Erkenntnis, warum die Vaterfigur versagte. Erst durch den Kampf [erst durch die Beschäftigung] mit den Figuren können die Hintergründe des Wesens des Vaters ergründet werden.
5.2.
Die Amazone und der innere zornige Junge, der als "Dummling" abgetan wird
Der Panzer, den sich die Amazone gegen jede Sensibilität zugelegt hat, kann eine unheimliche Bürde sein. Die Betroffene zwingt sich selbst zu Leistung, Pflicht, Märtyrertum und zu kämpferischem Geist.
Die Umwelt um sie herum meint, die Amazone habe eine verehrungswürdige Stellung inne, denn
-- sie arbeitet, leidet, verleugnet ihre eigenen Impulse um eines würdigen Zieles Willen,
-- sie sei verantwortungsbewusst, rechtschaffen, , trägt die ganze Welt auf ihren Schultern etc.
Mit der Zeit werden die Schultern und der Rücken aber müde und brechen manchmal zusammen. Der Panzer bekommt Sprünge.
Gleichzeitig findet sich tief in der Psyche ein sensibler, rebellischer und zorniger Junge, zornig, weil er schwach und vernachlässigt ist. Die Betroffene verdrängt diese innere Figur und tut ihn als "Dummling" ab. Es ist das Ich der Betroffenen, das sich für die Anpassung an das Starke, an das Männliche entschieden hat, aus Trotz.
Der Fall von Verfasserin Leonard selbst
Sie hatte die Auffassung, dass kein Unterschied zwischen Mann und Frau bestehe. Viele Gefühle und Vorstellungen widersprachen ihren Vorstellungen. In der Folge fühlte sie sich schuldig und unterdrückte ihre Gefühle. In der Ehe konzentrierten sich beide auf ihre Arbeit. Im Traumerlebnis kam ein rothaariger, zwölfjähriger Junge, bewarf sie mit Steinen, war offensichtlich zornig, wollte Aufmerksamkeit erregen. In der Folge kam die Analyse.
Positive Eigenschaften der Amazone:
-- Selbstvertrauen
-- Durchsetzungsvermögen
-- Errungenschaften.
Es besteht aber die Gefahr der Erschöpfung bis zur Sinnlosigkeit der Arbeit. Spass, Spiel und Spontaneität gehen dadurch im Leben verloren. Die Betroffene lebt zu starr und zu ernsthaft. Die spielerische, jugendhafte Seite verbirgt sich dann in der Gestalt des zornigen und rebellischen Jungen.
Schon im Kindesalter verliert das Mädchen durch die Enttäuschung, durch die Unzuverlässigkeit, durch Sorge oder Scham im Verhältnis zum Vater die jungenhafte, spielerische Seite. Als Erwachsene häufen sich die schlechten Erfahrungen mit Männern. Die Amazone versagt selbst, wie der Vater vor ihr, obwohl sie besser sein will als er.
Die Identifikation mit dem Männlichen gelingt nur in Teilbereichen: Nüchternheit, Seriosität, Stärke, Macht, Tüchtigkeit, Leistungsfähigkeit, Pflichtbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein. Die ganze spielerische, spontane, phantasievolle und unterhaltende jugendliche Seite wird vernachlässigt und entwertet. Es ist kein Wunder: Der innere Junge wird dann böse und gemein.
Auswirkungen des inneren bösen Jungen
-- Verfehlungen bei Kollektivarbeiten, obwohl man krankhaft versucht, alles richtig zu machen
-- Körpersymptome: Magengeschwüre, Kolitis (Dickdarmentzündung), Kopfschmerzen, schmerzender, verspannter Rücken und Nacken
-- Depressionen.
Auswirkungen des amazonenhaften Perfektionismus
Provokation von Mitmenschen dadurch, dass die Amazone alles richtig macht bzw. richtig machen will: Diejenige Person, die alles richtig macht, wird als lächerlich dargestellt.
Die Figur des inneren Dummlings
Für die Amazone sind alle Männer Dummlinge. Aber in den Märchen ist es gerade der Dummling, der die Aufgaben löst. Der Dummling hat die Funktion, die Amazone versagen zu lassen, so dass sie den Weg zu sich selbst findet.
Dummlinge in Dummling-Filmen sind liebenswerte Gestalten, sind "Helden", z.B. Charlie Chaplin, Buster Keaton, Peter Sellers, Dick und Doof. Sie geben Beispiel, die Erfolgsorientiertheit des Ich aufzugeben. Dadurch wird es dem kreativen Element ermöglicht hervorzutreten. So bieten uns die Dummlinge immer einen Weg.
Merkmale des Dummlings im Märchen
-- der Dummling weiss, was er kann und was nicht
-- bei unmöglichen Aufgaben setzt er sich hin und weint und verweigert die Bewährungsprobe
-- der Dummling schämt sich nicht seiner Schwäche und Verletzlichkeit
-- der Dummling vertraut auf Hilfe und kann warten
-- der Dummling hat ein gutes Herz und teilt seinen Besitz
-- die Tiere sind seine Freunde, er hilft den Tieren, oder die Tiere helfen ihm
er ist immer der jüngste Bruder, der von den älteren verächtlich behandelt wird
-- er verteidigt sich nie, er sagt einfach nichts und wartet schweigend ab
-- er macht auch ohne Kontrolle keinen Unsinn, der anderen schaden könnte
-- er folgt dem Lebensstrom, ist offen und empfänglich, ist unbekannten und neuen Dingen gegenüber offen
-- er kann werten und braucht die Dinge nicht voranzutreiben
-- er hat keine Angst, als Narr abgestempelt zu werden. In der Folge handelt er immer in vollem Vertrauen.
Literaturbeispiel: Märchen der Gebrüder Grimm: "Die goldene Gans"
Der Dummling ist der jüngste von drei Söhnen, verachtet, verspottet, zurückgesetzt. Die grösseren Brüder richten sich nach den Plänen ihres Ichs. Der grösste Bruder ist am Holzhauen und hat im Proviant Eierkuchen und Wein. Da kommt ein altes graues Männlein und fragt ihn um etwas zu Essen. Der grösste Bruder verweigert. Folge: Er schneidet sich in den Arm. Der zweite Sohn verweigert auch. Folge: Er schneidet sich ins Bein.
Der Vater ist verzweifelt, denn er meint, niemand würde ihm mehr Holz hausen. Da will der Dummling das Holz hauen. Der Vater traut es ihm aber nicht zu. Der Vater gibt dem Dummling nur einen Aschekuchen und saures Bier mit. Da klopft das alte, graue Männlein auch beim Dummling um etwas zu Essen an. Der Dummling teilt mit dem Männlein. Folge: Der Proviant hat sich in Eierkuchen und Wein verwandelt. Und das Männlein verspricht dem Dummling Glück.
Der Dummling haut einen weiteren Baum um, und findet in seiner Wurzel eine Gans mit goldenen Federn. Auf dem Heimweg wollen viele Leute vom Dummling eine goldene Feder, aber alle bleiben sie an der Gans kleben, es bildet sich eine lange Schlange. Der Dummling geht seinen Weg, kommt in die Stadt.
Der König der Stadt hat eine Tochter, die so ernsthaft ist, dass niemand sie zum Lachen bringen kann. Der König macht ein Gesetz: Derjenige, der die Tochter zum Lachen bringen kann, bekommt sie zur Frau und erbt das Königreich. Der Dummling präsentiert sich mit der Gans und der daran klebenden Menschenkette beim König. Die Prinzessin lacht über dieses Schauspiel. Der Dummling fordert die Braut. Da stellt der König zusätzliche Bedingungen:
-- der Dummling soll einen Mann herbringen, der einen Keller Wein austrinken kann
-- der Dummling soll einen Mann herbringen, der einen Berg Brot aufessen kann
-- der Dummling soll ein Schiff herbringen, das zu Lande und zu Wasser fahren kann.
Nun hilft das alte, graue Männlein wieder. So kommt es zur Heirat zwischen Dummling und Königstochter. Der Dummling ist am Ende der König über alle.
Deutung:
Die Tochter des Königs steckt in einem Amazonenpanzer, ist total ernsthaft. Die zwei älteren Brüder sind vernünftig, zielstrebig, haben aber die Leistung überbetont, sonst hätten sie etwas vom Proviant abgegeben und nicht gemeint, sie würden alles selber brauchen, um optimale Arbeit zu erzielen. folge des Ehrgeizes der beiden Brüder: Verletzung und Schaden.
Der Dummling zeigt, dass das Nicht-Besitzergreifen ihm den Zugang zum Schatz eröffnet. Die Gans gilt allgemein als dummes Geschöpf, hat aber goldene Federn. Botschaft: Auch in der Dummheit steckt "Gold". Dieses Gold entzieht sich der Kontrolle des Ich und der Besitzgier. Folglich bleiben alle, die willentlich nach den goldenen Federn greifen, an der Gans kleben. Die Masse der Ehrgeizigen wirkt lächerlich. Nicht der Dummling, sondern die Leute mit berechnender Handlung sind die Geprellten.
Das Schauspiel mit der goldenen Gans und der Masse daran klebender gieriger Menschen hintendran lässt den Panzer der Amazone schmelzen. Sie muss den Wert der Dummheit einsehen, muss lachen können über die Einstellung, zu besitzen und zu kontrollieren. Der Dummling führt ihr hundertfach den Spiegel vor. Dieser Spiegel sprengt den Amazonenpanzer..
Warum ist die Tochter des Königs eine Amazone geworden? Wegen dem abweisenden Charakter des Vaters: Er ist nie zufrieden. Er weist den Dummling auch dann noch ab, obwohl er die Tochter zum Lachen gebracht hat.
Funktion der Aufgaben des Königs: Die Aufgaben und deren Erfüllung wirken auf die Tochter nochmals grenzenlos auflockernd. Der Panzer wird völlig aufgelöst, die unterhaltsame, geniesserische, jugendliche Seite kommt hervor. Dies hilft der Amazone, empfänglicher zu sein und loszulassen.
Das Männlein im Wald ist eine weise, alte, männliche Gestalt des Unbewussten. Dieses Unbewusste hilft dem Dummling immer, der wiederum der Amazone zur Befreiung vom Panzer Hilfe leistet.
5.3.
Entwicklung einer positiven männlichen Figur im Innern: Der Mann mit Herz
Die Amazone in der Therapie muss ihre Extreme erkennen - neue Träume vom netten Einbrecher
-- die Amazone muss den Krieger in ihr erkennen: So ist sie nach aussen
-- die Amazone muss den Dummling erkennen: ihre Sichtweise zu Männern
-- dann taucht ein neues männliches Bild im Traum und in der Phantasie auf, er erscheint zuerst ein Eindringling, ein Fremder, der ins Haus der Frau einbricht.
Fall von Leonard: Drei nette männliche Einbrecher
Sie träumte dreimal vom Eindringling:
-- der erste brachte eine Katze und einen Hund mit
-- der zweite nahm sie zum Schwimmen an einen Bergsee mit
-- der dritte schmückte ihr neues Zimmer mit Teppichen mit Blumen- und Vogelmustern.
Die drei Eindringlinge vermittelten Herz, ein Gefühl von strahlender Wärme.
Die Autorin bekam ein neues Lebensgefühl: "Jetzt hatte ich eine männliche Figur in meinem Inneren, die mich als Frau gern hatte."
sie muss nicht mehr die unschuldige, liebe Tochter oder die übertüchtige Superfrau sein. Das Männliche ist nicht mehr auf Sohn und Vater beschränkt. Die innere Loslösung von der Familie hat begonnen.
Die Entwicklung der positiven männlichen Gestalt bei intakter Vaterbeziehung: der "Seelengefährte"
wenn eine gesunde Beziehung zum Vater existiert, kommt die Vorstellung einer positiven, inneren, männlichen Gestalt von allein. Diese innere, männliche Gestalt
-- ist fürsorglich, warmherzig, stark
-- hat keine Angst vor dem Zorn, hat keine Angst vor Intimität und Liebe
-- sieht den Wesenskern, hat Geduld
-- hat gleichzeitig auch Initiative und stellt sich den Dingen, ist stabil und ausdauernd, stabil, weil die Figur mit dem Sturm des Lebens schwimmt und im Augenblick lebt
-- ist ein erdhafter Mensch, hat Instinkt und ist sexy
-- ist schöpferisch, naturliebend, kinderliebend, geniessend, liebt Schönheit, Kunst, das Wort und die Musik
-- ist der Seelengefährte, der innere Freund und Liebhaber, der eine Frau auf der Reise und auf dem Abenteuer des Lebens begleitet.
2. Teil. Die Schmerzen bei der Wandlung von Amazone / Puella in die Ganzheitlichkeit
6.
Die Wut
Wut kann Befreiung sein. Manche Frauen unterdrücken Schmerz und Zorn. Dann wendet sich der Zorn nach innen und äussert sich in körperlichen Symptomen, in depressiven Selbstmordgedanken etc. mit Lähmung des Lebens und der Kreativität als Folge. Andere lassen ihre Wut heraus, überfahren Menschen mit ihrer Wut. Aus ihrer Verletzung heraus verletzen sie andere, in diffuser Weise, formlos, explosiv.
Die Energie aus der Wut setzt bei richtigem Einsatz ihr Potential als Frauen frei. Die Wut kann als zentrale Kraft für die Erlösung des Vaters und die Verwandlung des Weiblichen wirken.
Viele Frauen haben aber Angst vor ihrer eigenen Wut und unterdrücken sie, denn wenn der Vater sich selbst vor Wut verzehrt, bleibt die ungelöste Wut des Vaters auf der Tochter sitzen, so z.B. Wutausbrüche des Vaters, Wut in passiver, zurückgenommener Art, in starr kontrollierter Art. So blockieren sich die Frauen ihre eigenes Potential und die Befreiung bleibt aus.
Der Vater zerstört durch Zorn oder Passivität das Gleichgewicht der Tochter und produziert in der Tochter die stille Wut
Der Vater hat durch grenzenlosen Zorn oder durch kalte Passivität der Tochter die Ordnung, die Stabilität und die vertrauensvolle Beziehung zur Welt zerstört. Oft ist auch das Verhältnis zur Sexualität und zu den schöpferischen Kräften bedroht. Die männliche Seite und die durch Sexualität freigelegten Energien sind der Tochter dann suspekt und oft gelähmt.
Frauen haben aus Angst vor dem eigenen Zorn die Tendenz, die eigene Wut zu verschleiern. Dieses Verschleiern von Wut kennt viele Arten der Kompensation:
-- Alkohol: Wut kann im Suff herauskommen, aber nicht bewusst
-- Fresssucht: ist eine Art, seiner eigenen Meinung "Gewicht" zu verleihen
-- Leiden unter Hypochondrie: Erleben von körperlicher Schwäche und Krankheiten, die in Wirklichkeit angestaute Energie überdecken (Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magengeschwüre, Kolitis [Dickdarmentzündung] und andere Magenbeschwerden. Häufig verschwinden diese Leiden, wenn die Wut akzeptiert wird
-- Depression
-- Angstzustände: verdecken oft einen Zorn, in dem man vor Hilflosigkeit zittert
-- Selbstmordgedanken: können einen mörderischen, nach innen gewandten Zorn verschleiern
-- sich erpresst fühlen, ohne erpresst zu werden: Dahinter versteckt sich der Zorn auf andere
-- viele Frauen verschleiern ihre Wut mit sexueller Verführung
-- viele Frauen verschleiern ihre Wut mit Zurückweisung von allen Beziehungen
-- manche Frauen sind Provokateure, lassen andere Menschen ihre eigene Wut ausagieren
-- manche Frauen haben verbitterte, zynische Haltung, distanzieren sich völlig von Männern, wollen so den Männern ihre Abhängigkeit von ihnen heimzahlen. Folge: Oft kommt es zu zwanghaftem einkaufen und Geldausgeben
-- Besessenheit von Schuldgefühlen: verschleiert ebenfalls Wut, so schränkt sich die Betroffene unentwegt selber ein
-- die intellektuelle Art, Zorn zu verschleiern: "über alles Bescheid wissen", und damit andere einschüchtern, oder: einen kritischen Angriff starten, der emotional nicht wirklich trifft, aber die andere Person hilflos macht
-- Märtyrertum
-- Askese
-- puritanisches Arbeitsethos
-- stolz auf eigenes Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein-- Haltung: "Ich bin eben so, wie ich bin", die Betroffene hat Angst vor dem Risiko, sich verletzlich zu zeigen.
[Die Autorin Leonard vergisst völlig, dass ein Staat aber ohne Disziplin nicht funktionieren kann, und dass ohne gewisse revolutionäre Impulse in der Gesellschaft gar kein Fortschritt möglich ist. Es ist nicht jeder revolutionäre oder märtyrerische Impuls negativ zu sehen!].
Kein Verarbeiten von Zorn bei der Puella: lieber die völlige Hilflosigkeit
Die Puella hat Angst vor einer feurigen, wütenden Selbstbehauptung. Folge: Die Puellas versuchen immer, den anderen zu beschwichtigen und sich anzupassen. Sie verbergen ihre Wut unter einem gefälligen Auftreten. Am Ende fühlen sie sich von ihrem Selbst entfremdet und betrogen, treten ihre Energie an andere ab. Sie verlieren ihre seelische Mitte und haben das Gefühl der Schwäche und Hilflosigkeit.
Kein Verarbeiten von Zorn bei Amazonen: Der Zorn bleibt unter dem Panzer
Die Amazone unterdrückt den Zorn bei äusserlich starker Erscheinung. Sie errichtet eine Mauer zwischen dem Selbst und den anderen. Der Zorn wird unter den Amazonenpanzer geschoben. Dabei entsteht keine positive Kraft, denn der Panzer ist im Weg.
Das Wutpotentials richtet sich gegen den Partner
Wenn das grosse Wutpotential aus einer negativen Vaterbeziehung stammt, richtet sich diese Wut folglich auch gegen die Liebhaber. Es ist die nicht integrierte Wut aus der Kindheit. Somit ist die Amazone nicht imstande, mit kleinen Problemen in der Partnerschaft positiv umzugehen, weil die Wut dominiert (Trinken, Wutanfälle, Depressionen). Es folgen unbewusste Angriffe auf den Partner, unbarmherziges Kritisieren, was jede Möglichkeit der Liebe zerstört.
aber:
-- hinter der Wut stehen oft Tränen
-- unterhalb des Zorns liegen Verwundbarkeit und die Möglichkeit der Zärtlichkeit und Intimität.
Wut über den Vater
Hat die Betroffene die Wut des Vaters als Ablehnung und Verlassenwerden erlebt, dann werden manchmal die Tränen und die Zärtlichkeit zusammen mit der Wut verschleiert.
Wenn die Betroffene also lernen kann, sich zu ihrer Wut in ein Verhältnis zu setzen, so kann das ihre zärtliche Seite und die Möglichkeit einer intimen Beziehung öffnen.
Wenn die Betroffenen ihren Zorn zum Ausdruck bringen können, dann öffnen sich die Frauen auch sexuell mehr. Das Loslassen im Zorn führt zu einer tiefen Liebeserfahrung.
Wut über die Mutter
Wenn die Mutter Wut in der Familie zerstreut, ist der Vater meist mitbetroffen. Fall der Tochter René:
Der Vater hat dann gewöhnlich Angst vor der eigenen Wut, stellt sich der Wut der Mutter nicht entgegen, ist nett und entgegenkommend zu den Kindern. Das gute Verhältnis zwischen Vater und Kindern steigert die Wut der Mutter, Eifersucht.
Die Kinder sind in der Klemme. Die Tochter versucht wie der Vater, gefällig zu sein, kann es der Mutter aber nie recht machen. Wenn die Tochter ins Teenageralter kommt, dreht die Mutter durch vor Eifersucht, flüchtet in Alkohol, Selbstmordversuche, Nervenzusammenbruch. Der Vater setzt dem Verhalten der Mutter keine Grenzen. René sucht sich Ersatzmütter, entwickelt Anpassungsfähigkeit, entgegenkommen, Verantwortungsbewusstsein [als leidende, stille Amazone].
René hat ihre erste Heirat mit einem "ewigen Jüngling", nie Streit, aber Mangel an Tiefe. Dann Bindung mit einem praktischen Typ, der aber Tadel bei Misslingen austeilt, viele Kämpfe, kann weder mit seinem noch mit ihrem Zorn umgehen. Es folgen Analyse und Therapie.
René muss lernen, sich zur Wehr zu setzen. Aber Kämpfe machen ihr insgeheim Angst, denn sie befürchtet, wie ihre Mutter zu werden, denn es gab ja sonst kein Vorbild. Einziges Vorbild ist die Mutter, die die ganze Familie tyrannisiert hat, mit ihrer primitiven Wut. René muss mit der Angst umgehen lernen, so wie die Mutter zu werden, ohne es zu werden. Sie muss neues Selbstvertrauen aufbauen. Sie muss lernen, sich selbst und anderen Grenzen zu setzen, sagen lernen: "Nein, da kann ich nicht." Um Grenzen zu setzen, muss sie sich selbst aber einen Wert geben, sich für ein besseres Schicksal einsetzen, quasi gegen "Gott" wüten, um das Bewusstsein auf eine höhere Ebene zu heben.
Bewältigen der Wut über die Eltern-Psychosen und deren Umwandlung in schöpferische Energie
Der Prozess läuft in mindestens zwei Stufen ab:
1. Herauslassen der Wut
2. Verwandlung dieser Kraft in schöpferische Energie.
1. Herauslassen der Wut
Gefühlsausbrüche beherrschen lernen als Akt der Selbstbehauptung - Grenzen setzen - Erfahren der vollen Kraft ihrer eigenen Macht und Stärke.
Literaturbeispiel: Märchen: "Froschkönig"
Die Prinzessin wirft den Frosch an die Wand. Damit haben sich die weiblichen Gefühle durchgesetzt. Der Frosch verwandelt sich in einen Prinzen und wird ihr Geliebter.
Also: Erst durch das Herauslassen und die Bewältigung der Wut ergibt sich auch die Möglichkeit einer intimen Beziehung.
2. Verwandlung der Kraft der Wut in schöpferische Energie
Literaturbeispiel: Mythos von "Amor und Psyche"
Der Mythos gibt den Hinweis zum Zugang zur Wut und deren Umwandlung:
-- die Beziehung zwischen Psyche und Eros geht verloren
-- Psyche versucht, die Beziehung wieder zu gewinnen und muss die Aufgaben von der eifersüchtigen Mutter von Eros erfüllen, eine davon: Ein goldenes Vlies von wilden Widdern bringen
-- Psyche meint, sie kann die Aufgabe nie erfüllen, will sich im Fluss ertränken
-- da hilft eine melodische Stimme aus dem Schilfrohr und sagt, es gebe einen Weg, sie solle warten , bis die Wildheit der Widder am Abend vorbei sei, dann:
"Schüttle das Laub des benachbarten Haines auf, und du wirst das wollige Gold finden, das überall an den gebogenen Zweigen hängt."
Das Rezept ist also ein geduldiges Warten, um Zugang zu der mörderischen Energie zu bekommen, so dass eine indirekte Näherung möglich wird. Das direkte Konfrontieren mit der Wut würde nur Tod und Zerstörung bringen.
Die zerstörerische Wut einer Frau
ist durch so tiefe Wunden so explosiv, dass sie alle Beziehungen zerschlägt. Wurzeln einer solchen Wut sind die Gefühle des Verlassenseins, des Verrats und der Zurückweisung. Die Wut kann auf die Beziehung zum Vater zurückgehen und in gegenwärtigen Beziehungen sich immer wiederholen. Mitder Wut vermischen sich Eifersucht und Rachsucht. Diese Kombination zerstört jede Beziehung, zerstört auch die Fähigkeit, sich selbst zu lieben.
Literaturbeispiel (extrem): Griechische Tragödie: "Medea"
Medea wird vom Geliebten Jason verraten, so dass Medea aus Rache ihre eigenen Kinder tötet, um Jasons Selbstwertgefühl zu schaden.
Deutung:
Hysterische Ausbrüche, Selbstmorddrohungen und Selbstmordversuche. So wird die Beziehung zerstört.
Der Zugang zur Umwandlung der Wut in schöpferische Energie
(Fortsetzung von Amor und Psyche)
Für den Zugang zur Umwandlung der Wut in schöpferische Energie gibt es nur eins: Warten auf den Moment, das Vlies zu erlangen, ohne durch ihre rasende Energie zerstört zu werden. Die Betroffene gewinnt so Zugang zu ihrer schöpferischen, "goldenen Energie". Voraussetzungen, um diese schöpferische Energie zu erreichen:
-- Geduld
-- Wissen
-- man muss warten, bis die rechte Zeit gekommen ist
-- man muss die richtige Zeit erkennen.
Von Wut besessen und zu unrechter Zeit den Zugang vollzogen bewirkt eine Explosion: Die Energie ist dann gewöhnlich vergeudet, hat oft die gegenteilige Wirkung
Die Betroffene muss den Sinn der Wut erkennen und soll die verschiedenen Element der Wut differenzieren. Dadurch kommt ein Klärungsprozess zustande, welcher Teil der Wut ist der Frau selber, welcher Teil ist der Zorn auf den Vater etc. Psyches erste Aufgabe ist, einen Haufen Samenkörner sortieren. Die Ameisen helfen ihr dabei, ist bildlich gesehen diese Aufgabe: die Differenzierung der Wut. Es ist eine wichtige und grosse Aufgabe.
Wenn keine Differenzierung der Wut erfolgt, so endet man wie die Danaiden in der griechischen Sage, [wie wenn man ein Fass ohne Boden füllen soll].
Literaturbeispiel: griechische Sage: "Die Danaiden"
Die Danaiden sind 50 Töchter. Der Vater gibt unwillig die Einwilligung zur Heirat. Jede bekommt in der Hochzeitsnacht ein Schwert umgebunden, um im Auftrag des Vaters in der Hochzeitsnacht den Gatten zu erschlagen. Er lässt damit seine eigene Wut über die Töchter an den Gatten aus.
49 Töchter ermorden ihre Männer, sie alle landen in der Hölle, müssen bodenlose Schalen mit Wasser füllen. Die 50. Tochter verhilft ihrem Mann aus Mitleid zur Flucht. Die Tochter wird nicht in die Hölle verbannt.
Deutung:
Die Töchter, die die Gatten ermorden, werden zu einem höllischen, vergeblichen Dasein verdammt und erleiden den Abbruch der Beziehungen zur ganzen Welt. [Sie haben sich vom Vater benutzen lassen, ohne selbständig zu sein].
Nach der Aufarbeitung der Wut: Ausbilden von innerem Besitz
Beispiel: die 3. Aufgabe von Psyche: Psyche soll eine kristallene Schale mit den Wassern der Quelle der Flüsse der Unterwelt füllen. Die Lage der Quelle ist aber in der höchsten Spalte einesFelsengebirges, von Drachen bewacht. Psyche wird von Stimmen gewarnt, sie könne die Aufgabe nicht erfüllen. Da kommt Hilfe: Zeus schickt einen Adler, der nimmt die Schale, füllt sie oben an der Quelle mit Wasser, erfüllt für die Psyche die Aufgabe.
Symbolik: der Fluss verbindet das Höchste (die Bergspitze) mit dem Niedrigsten (mit der Unterwelt). Der Fluss ist die strömende Lebensenergie, verbindet Bewusstsein mit Unterbewusstsein. Es erfordert aber Kraft, sich zu erheben und die schöpferischen Energien gezeigt zu bekommen, ohne auf die negativen Stimmen zu hören.
Wut in Form von schöpferisch behaupteter Energie
kann vorkommen in Form von politischen Taten, von künstlerischen Werken, durch die Erziehung eines Kindes, durch eine Beziehung, v.a. durch das eigene Sein, durch die Qualität des eigenen Lebens.
Zustand nach der Transformation der Wut:
Die Frau wird stark, kann mit ihrer schöpferischen Energie und weiblicher Weisheit zum Wachstum beitragen: von sich selbst aus, über andere, über die Kultur allgemein. die Frau setzt weibliche Stärke und Geist frei. Nur so kann die verwundete Frau und die verwundete Vater-Tochter-Beziehung geheilt werden.
7.
Tränen
Zur verwundeten Frau [auch zum Mann] gehören Tränen:
-- die Tränen können zu Eis erstarrt sein mit dolchartigen Spitzen und Kanten wie Eiszapfen. Wenn die Tränen erstarren, erfriert die Frau, bzw. ihre Beziehungen erfrieren. Diese gefrorenen Tränen können einen Mann versteinern, können das Herz der Frau in Stein verwandeln. Es ist kein Wachstum der Seele möglich, keine Erlösung möglich, denn die Seele ist in bitterem Zorn erfroren.
-- die Tränen können losbrechen wie ein Gewitter, mit der Überschwemmung des Bodens, auf dem die Frau steht, oder die Tränen können wie befruchtender Regen fallen, ermöglicht so Wachstum und Wiedergeburt des Frühlings. Die Tränenflut schwemmt den Boden unter den Füssen der Frau weg. Es entsteht schlammige Erde, und die Seele bleibt im Schlamm stecken, ist unfähig, sich zu bewegen und auf die eigenen Füsse zu kommen. In der Seele entsteht ein Morast von Kummer, der zu Selbstmitleid wird und die Seele überschwemmen kann.
Die erstarrten Tränen und die Tränenflut reissen die Seele auf, öffnen sie. Die Tränen können befreiend sein und zur Heilung beitragen.
Das Verhältnis zu den Tränen
Falls der Vater Tränen an sich selbst nie zuliess (aus Angst, als Schwächling qualifiziert zu werden) und falls er bei der Tochter auch keine Tränen duldet, hat die Frau nachher ein behindertes Verhältnis zu ihren Tränen.
Frauen träumen oft, dass der Vater die Tränen der Tochter verkauft.
Umstände zur Erziehung gegen Tränen:
-- die Eltern leben das Leben am Kind vorbei weiter, wie wenn nichts gewesen wäre, fröhlich, optimistisch sein. Weinen wird als Zeichen der Niederlage oder Schwäche gewertet
-- Verbot von Tränen, Betonung von Disziplin und Arbeit
-- wenn Väter selber in Tränen ""ertrinken", bekommen die Töchter selbst Angst vor Tränen.
Tränen brechen aber oft den Bann. Gefühle werden zugelassen, gezeigt,. Man soll sich nicht hinter einem harten Äusseren verbergen, sondern milder mit sich selbst umgehen. Das Weinen durchbricht die Abwehrhaltung und erkennt ihre Wunden an. Dies ist nötig, weil vor der Heilung die Wunde akzeptiert werden muss.
In Träumen kommt oft das Bild eines erlösenden Regens vor. Dies symbolisiert die Tränen der Wandlung, eine neue Energie für neues Wachstum.
Literaturbeispiel: Rilke: "Duineser Elegien" ("10 Elegien")
Schilderung der Wunde des menschlichen Daseins: Verzweiflung, Entfremdung, Hoffnungslosigkeit: Erleben von Vergänglichkeit, Ängsten, von ihrem eigenen geteiltem Wesen, Erleben ihres Unvermögens, das zu sein und das zu besitzen, was sie sich wünschen, Erleben der Travestie von Ungerechtigkeit und Krieg in ihrer persönlichen und kulturellen Geschichte, Erleben der Tatsache des bevorstehenden Todes. Erkennen: Leid und Freude gehören zusammen. Schmerz und Depression sind kein Abstieg, sondern gehört zur Hochstimmung und zum Erfolg dazu [für Lernprozesse]. Der Regen ist ein Bild in diesem Zyklus des Wachsens.
Literaturbeispiel: Gebrüder Grimm: "Ein Mädchen ohne Hände"
Ein Vater verkauft seine Tochter an den Teufel. Die Tochter weint, Tränen fallen auf ihre Hände. Der Teufel verlangt, der Vater solle der Tochter die Hände abhacken, sonst würde er den Vater selbst holen. Die Hände müssen weg, weil alles Wasser entfernt werden muss, sonst hätte er keine Macht über sie. Der Vater gehorcht und hackt der Tochter die Hände ab. Da weint die Tochter wider und Tränen fallen auf ihre Armstümpfe. Folge: der Teufel geht leer aus.
Der Vater versucht die Wiedergutmachung bei der Tochter, verspricht, dass er sie in seinem neuen Reichtum aufs Prächtigste halten wolle. Erst jetzt verweigert sich die Tochter dem Vater, geht allein in den Wald und durchschaut die Schwäche des Vaters. Sie hat aber ohne Hände und kann den Weg der Ich-Aktivität als Kompensation nicht alleine gehen. Die Tränen retten sie aber immerhin vor dem Teufel.
Im Wald bittet die Tochter ohne Hände um göttliche Hilfe. Sie vertraut den heilenden Kräften der Natur. Sie bekommt die Hilfe eines Engels, speist von Früchten eines königlichen Baumes. Der König verliebt sich, heiratet sie, gibt ihr silberne Hände. Bald aber kommt Krieg, Trennung, und der König muss in den Kampf. Der Teufel gibt eine falsche Botschaft, und so geht die Tochter mit dem Kind allein fort.
Wieder bittet die Tochter um göttliche Hilfe. Der Engel bietet ein Haus im Wald. Die Tochter und das Kind leben dort 7 Jahre. Die natürlichen Hände wachsen wieder nach. Der König sucht die Tochter 7 Jahre lang, findet sie schlussendlich, und am Ende kommt es zur Vereinigung durch Geduld und Annehmen des Leidens.
Deutung:
Es gibt Situationen im Leben, wo man machtlos ist, wie in der Situation ohne Hände. Es gibt nur eins: Ausharren und warten und neues Vertrauen schöpfen.
Beispiel des Ausharrens und Wartens:
Amor und Psyche: Psyches vierte Aufgabe
Psyche scheitert aber, nimmt den verbotenen Schönheitstrank, wird bewusstlos und hilflos, denn die Weiblichkeit ist nicht nur auf das Schöne reduzierbar. Beginn der Wandlung. Psyche muss das bisherige Leben aufgeben. Unterwerfung unter die grösseren Mächte in der Bewusstlosigkeit, um von der menschlichen Schwäche und Begrenztheit loszukommen.
Schlussfolgerung, Zusammenfassung über den Sinn von Tränen
Tränen sind nicht Zeichen des Versagend, sondern fruchtbringend, schützen vor teuflischem und rachsüchtigem Tun (Amazone) oder vor hilfloser Passivität (Puella). Tränen sind Tränen der Wandlung.
Aktives Warten und Annehmen des Leidens ist Voraussetzung für den Neuanfang nach der Krise. Dann folgt die aktive Empfänglichkeit für Glaube, Hoffnung und gläubige Zuversicht. Nach den Tränen folgt die natürliche Heilung, die zu Liebe und Mitgefühl führen kann.
3. Teil: Die Heilung
8.
Die Stärken des Weiblichen zur Heilung nutzen: Die Facetten des Weiblichen
Fall Leonard: Das Bild vom Kristall mit vielen Seiten
Autorin Leonard praktizierte den Lebensstil der Puella und der Amazone. Beide Lebensarten haben neben einengenden Aspekten auch ihre konstruktive Seite, leisten sich gegenseitig einen Beitrag. Sie benutzt das Bild eines Kristalls zur Selbstdarstellung, der verschiedene Flächen und Lichtbrechungen hat. Wenn die Frau den Kristall als ihr Selbst betrachtet und dreht, kann sie zur richtigen Eigenschaft im rechten Augenblick Zugang gewinnen.
Die Stärken und Heilung bei den Puella-Typen
Stärken und Heilung beim Püppchen
Stärken: Sie kann annehmen - emotionale Bereicherung von aussen - Anpassungsfähigkeit zum Partner - Anpassungsfähigkeit zum Kollektiv - Fähigkeit, etwas zur Gesellschaft beizutragen.
Gefahren: Sich dem anpassen, was der andere wünscht, denn dann erleidet sie einen Verlust der Beziehung zu sich selbst.
Stärken und Heilung beim Mädchen aus Glas
Sie hat sensible Verbindungen zum innerlichen Leben, zur Phantasie, zur Vorstellungskraft - sie hat Angst vor der äusseren Welt - sie ist in der inneren Welt aber sehr abenteuerlustig wie jeder Held - sie kann die Kreativität in anderen wecken - sie unternimmt selbst schöpferische Arbeit, wenn kein Rückzug vom wirklichen Leben stattgefunden hat.
Stärken und Heilung bei der Höhenfliegerin
Suche nach Herausforderung und Abenteuer ist ihre Stärke, führt zur Veränderung und zur Erkundung neuer Möglichkeiten, sie ist der Forschertyp - sie hat die Tendenz zur Zersplitterung, die sie begreifen und vermeiden lernen muss, so kann sie Vorbild für Veränderung und Erforschung in der Gesellschaft werden.
Stärken und Heilung bei der Aussenseiterin
Stärke ist die Fähigkeit, die etablierten kollektiven Werte in Frage zu stellen - sie lebt im Schatten, der von der Kultur verworfen wird. Wenn sie ihre Neigung, Opfer und entfremdete Aussenseiterin zu sein, zu überwinden vermag, kann sie eine wichtige Kraft zur Wandlung der Gesellschaft werden.
Die Stärken und die Heilung bei den Amazonen-Typen
Stärken und Heilung des Superstar
Stärken sind Disziplin, Leistungsfähigkeit, sie kann der Welt ihre Stärke und Kompetenz zeigen, sie kommen aus dem Abwehrpanzer heraus - Wenn die Fähigkeiten aus der Mitte kommen, so kann sie ihre eigene Leistung und die Früchte ihrer Arbeit geniessen.
Stärken und Heilung der pflichtbewussten Tochter
Stärke sind Pflichtgefühl und Gehorsam, Sinn für Gesetz und Ordnung. Diese Gesinnung kommt aber aus Zwang den Eltern bzw. dem Vater gegenüber - Wenn die Fähigkeiten aus der Mitte ihres Wesens kommen, so kommt das Gleichgewicht und die Distanzierung von den Eltern. Sonst ist der Bereich der Spontaneität, der Hingabe und der Kreativität nicht zugänglich. Die Betroffene muss die geerdete Mitte finden.
Stärken und Heilung der Märtyrerin
Stärken sind die Handlung, die Opfer bringen, Vorbild des weiblichen Heldentums sein. Wenn jedoch das Heldentum auf Kosten des weiblichen Selbst passiert, so ist dies die Selbstopferung. Die Betroffene soll lernen zu geniessen, sich selbst zu beschenken. Dann wird der revolutionäre Impuls zur Quelle der Inspiration. Sonst ist das Revoluzzertum eine Selbstverleugnung aus einem andauernden Schuldgefühl.
Stärken und Heilung der Kriegerkönigin
Stärke ist die Energie zur Selbstbehauptung gegenüber den Eltern. Die Betroffene kämpft ums Überleben und erwirbt die totale Selbständigkeit. Dabei besteht die Gefahr, dass die Betroffene sich von sich selbst entfremdet, wenn die weiblichen Gefühle und die Weichheit verdrängt werden. Ihr Kämpfen kann zur maschinengewehrartigen Attacke werden. Wenn sie die weibliche Mitte findet, den inneren Ruhepunkt findet, so kann sie sich zur rechten Zeit behaupten, so weist sie einen Weg für Frauen, Stärke und Macht zu entwickeln.
Reaktion der verschiedenen Existenzweisen in den Heilungsprozessen
Im psychiatrischen Prozess machen die Betroffenen die verschiedenen psychischen Existenzformen durch. So können die Betroffenen die jeweiligen Qualitäten entwickeln, Beziehungen zu den jeweiligen Facetten finden, alle Seiten des "Kristalls" kennen lernen, zu ganzheitlichen Personen werden. Dies ist der Prozess der Heilung. Es ist eine "lange Reise" durch die verschiedenen Bereiche [die bei ausgeglichenen Verhältnissen in der Familie eigentlich in der Kindheit und Jugend stattfindet].
Manchmal ist der psychiatrische Prozess leicht, manchmal schwer. Die Reihenfolge der Stadien ist je nach Mensch verschieden. Schlussendlich muss es gelingen, den "Kristall des Selbst" so zu drehen, dass die mannigfaltigen Eigenschaften in ihrer Stärke statt in ihrer Schwäche aufleuchten. Die Integration dieser vielen Facetten kann die Grundlage sein, seinen eigenen Geist zu finden, die schöpferische, "goldene Energie".
9.
Die Erlösung des Vaters durch die Opfer-Tochter
Die Psychiatrie sucht nach Modellen der weiblichen Entwicklung, die die Erlösung des Vaters aus seiner Schuld miteinschliessen.
Literaturbeispiel: Märchen aus Tadschikistan: "Das tapfere Mädchen"
Das Mädchen geht die Suche nach einer Medizin, die ihren Vater von Blindheit heilen könnte. Beschreibung einer grossen "Reise":
Ein alter Mann wünschte sich immer einen Sohn, hat aber drei Töchter, wird krank und erblindet. Das Heilmittel ist in einem fernen Land bei einem Arzt. Der Vater traut seinen Töchtern die Reise nicht zu, klagt weiterhin, dass er keinen Sohn hat, denn dieser könnte es beschaffen. Die älteste Tochter will reisen, der Vater willigt ein. Die Tochter reist in Männerkleidung, begegnet einer alten, kranken Frau. Als die Tochter der alten, kranken Frau zu Essen bringt, sagt die alte Frau, dass es unmöglich sei, für den Vater gegen die Blindheit eine Medizin zu bekommen. Alle tapferen Burschen, die es versucht hätten, seien bis jetzt dabei umgekommen.
Die Tochter verliert den Mut und kehrt heim. Da versucht es die zweite Tochter, gegen den willen des Vaters, auch in Männerkleidung. Auch sie begegnet der alten Frau. Auch die zweite Tochter bringt ihr Essen, und auch hier sagt die alte Frau, dass es aussichtslos sei, das Mittel gegen die Blindheit des Vaters suchen zu gehen. Auch die zweite Tochter kehrt so vorzeitig nach Hause zurück.
Da versucht es die dritte Tochter, auch in Männerkleidern, gibt der alten Frau zu Essen, hilft ihr beim Waschen, und trotzdem erklärt die Frau auch ihr von der Aussichtslosigkeit des Vorhabens für die Medizin gegen die Blindheit des Vaters. Aber die dritte Tochter weigert sich umzukehren. Die alte Frau findet den vermeintlichen Jüngling tapfer, enthüllt den Weg zur Medizin.
Die verkleidete dritte Tochter erreicht den Arzt. Der Arzt verlangt die Samen eines Baumes. Der Baum gehört Dev, ein dreiköpfiges Ungeheuer. Sie erreicht den Baum. Die Tochter muss zu den Tieren und zu Devs Dienern freundlich sein und dann eine Frucht nehmen, wenn Dev schläft. Zum Schutz vor dem Dev gibt eine alte Frau der Tochter einen Spiegel, einen Kamm und einen Wetzstein. Im Fall der Verfolgung soll sie alles rückwärts über die Schultern werfen.
Die Tochter erreicht die Wohnung von Dev. Das Eingangstor ist schmutzig und verbogen. Sie säubert es, sie hängt es gerade ein. Im Hof stehen angekettete Hunde und Pferde. Das Heu liegt vor den Hunden, die Knochen liegen vor den Pferden. Die Tochter vertauscht das Futter, so liegt es sinngemäss.
Die Tochter begegnet Dienerinnen. Sie haben die Arme verbrannt, denn sie müssen immer in den Ofen greifen wegen Mahlzeiten für Dev. Die Tochter freundet sich mit den Dienerinnen an, näht für jede Dienerin einen Schutzärmel. Die Dienerinnen erzählen, der Baum trage keine Früchte, ein Sack der Samen des Baumes liege aber unter dem Kopfkissen von Dev. Der schlafe, wenn alle seine Augen offen seien. Dann könne die Tochter den Sack nehmen. Die Tochter nimmt den Sack, als Dev schläft. Dev erwacht, ruft die Dienerinnen und will Pferde und Hunde zur Verfolgung vorbereiten. Diese aber verweigern den Gehorsam, weil die Tochter allen geholfen hat.
Da verfolgt Dev die Tochter allein. Sie aber wirft den Spiegel über ihre Schulter, und der Spiegel verwandelt sich in einen strömenden Fluss. Der Fluss hält Dev etwas auf, aber der Abstand verkürzt sich dann wieder. Die Tochter wirft den Wetzstein über ihre Schulter, der sich in einen Berg verwandelt. Dev kann nicht durch und muss aufgeben.
Die Tochter erreicht den Arzt, der ihr die Medizin und die Hälfte der Samen mitgibt und eine Einladung für einige Tage ausspricht. Der Freund des Arztes ahnt, dass es sich um eine verkleidete Frau handelt. Der Arzt kann es nicht glauben, dass so ein kühner tapferer Held ein Mädchen sein könnte. Da machen die beiden eine Test und legen weisse Chrysanthemen unters Kopfkissen. Wenn es sich umeinen Mann handelt, dann verwelken sie nicht, wenn es sich um eine Frau handelt, dann verwelken sie. Die Tochter aber errät die Liest, bleibt wach und ersetzt am Morgen die verwelkten Chrysanthemen durch neue aus dem Garten.
Der Sohn des Arztes hat aber alles beobachtet und beschliesst voll Neugier, den Besuch nach Hause zu geleiten. Er hat auch nicht geschlafen, sondern im selben Zimmer geschlafen. Auf der Heimreise bleibt die Tochter aber standhaft und spielt weiter den Jüngling. Als sie nach Hause kommt, heilt sie den Vater und erzählt von den Geschehnissen. Da beschliesst der Vater, sich nie mehr zu beklagen, denn die Tochter habe ihm die Ergebenheit von zehn Söhnen erwiesen und ihn geheilt. Am Ende hält der Sohn des Arztes um die Hand der Tochter an. Heirat, Glück.
Deutung:
-- die Blindheit des Vaters: er erkennt die Werte des Weiblichen nicht und traut Frauen keine Leistung zu
-- die alte Frau im Wald denkt noch schlimmer als der Vater und traut nicht einmal den Männern die Leistung zu
-- der Vater kann nur durch das Weibliche selbst gerettet werden
-- die Motivation des Weiblichen ist hoch, und die Verkleidung in Männerkleider zeigt die geringe Achtung und das Misstrauen der Männer gegenüber dem Weiblichen
-- das Märchen zeigt den Weg der Befreiung der Frau in unserer Kultur: Man kann die Männer nur mit ihren eigenen Waffen schlagen:
Die Entwicklung zur Änderung der Welt zur Akzeptanz des Weiblichen
sich wie ein Mann verhalten, Erfolg haben, denn ein weiblicher Beitrag wird nicht akzeptiert - nicht aufgeben und den Willen zur Veränderung durchhalten - sanfte Liebenswürdigkeit paaren mit schneidiger Tapferkeit - die Integration dieser beiden Eigenschaften bringt den Erfolg.
Dev: ist eine destruktive, männliche Gestalt, ein rasendes Ungeheuer, stellt den rasenden Vater in seiner ganzen männlichen Wut dar, mit der sich die Tochter auseinandersetzen muss. Das Abringen der Samen ist kein Frontalangriff, sondern eine hinterlistige Freundlichkeit. Dev merkt nicht, dass die Tochter den Dienerinnen und den Tieren geholfen hat. Die Tiere und die Dienerinnen geben aber die Freundlichkeit an die Tochter zurück und helfen Dev bei der Verfolgung nicht.
Dev: Die Frauenfiguren sind bei Dev alle in den Stand der Dienerinnen herabgesetzt.
Das Aufhalten von Dev durch den Berg ist das Aufhalten der alten monströsen Kräfte und die Rettung der Welt vor der Selbstzerstörung mit Bewahren der Fortentwicklung.
Der Spiegel, der gegen Dev geworfen wird, wirft dem Dev sein klares Bild seiner selbst zurück.
Der Wetzstein, der gegen Dev geworfen wird, soll dem Dev seinen Verstand schärfen, der Kamm seinen Kopf in einen schönen Rahmen setzen.
Beim Arzt hält die Tochter die Verkleidung bei, weil ihre Stärke sonst vor der Gesellschaft abqualifiziert würde und der Heilungsvorgang abgebrochen werden müsste. Die Tochter vermeidet die Liebesbeziehung, die ihre Macht dem Partner übertragen würde und die Heilung verhindern würde. Die Tochter weiss genau, was nach was kommt, obwohl sie mit dem Sohn des Arztes im selben Zimmer die Nacht verbringt.
Verwelkende Chrysanthemen symbolisieren die Fragilität und Vergänglichkeit der weiblichen Kraft. Das Mädchen muss alle täuschen mit der Bewusstheit und Tatkraft, die Frauen haben muss, um ihre weibliche Stärke und ausdauernde Tapferkeit zu zeigen. Der Sohn des Arztes bewundert dies und beschliesst die Begleitung bis nach Hause. Die Tochter weiss genau, wann sie zur Ehe bereit ist: nach der Erlösung des Vaters. Der Vater erkennt nach der Heilung den Wert des Weiblichen. Nun erst ist die Tochter zur Ehe bereit, eine Ehe, die nicht auf kulturellen Projektionen des Weiblichen beruht, sondernauf seinem tiefen gegenseitigen Band der Freundschaft und auf der Liebe eines Mannes und seiner Bewunderung für die Tapferkeit und das Wissen der Frau.
Die dritte Tochter heilt den Vater
Sie hat den Vater auf persönlicher wie kultureller Ebene erlöst, kann zur reifen Vereinigung des Männlichen und Weiblichen führen. Die Tochter unterzieht sich keiner Unterwerfung in der Ehe, kann ihre ganze Stärke und ihren ganzen Geist zeigen.
In der Aufgabe, den Vater zu heilen, gewinnt die Tochter eine tiefe Verbindung mit ihrer eigenen Stärke und Tapferkeit, gewinnt die Macht des weiblichen Geistes, gewinnt die liebende Beziehung zum Männlichen.
In Realität: Kind-Eltern-Beziehungen müssen noch nach dem Tod gewandelt werden
Wenn der Vater tot oder für eine neue Beziehung nicht offen ist, so muss die Beziehung zum inneren Vater trotzdem noch verwandelt werden, denn sonst gehen die alten destruktiven Muster aufgrund der beschädigten Beziehung weiter. Der Wandlungsprozess zeigt sich durch das Erkennen der destruktiven Muster und deren Auswirkungen im bisherigen Leben.
Der nächste Schritt ist, den Wert des Vaters zu erkennen, zur positiven Seite des Vaters eine Beziehung aufzubauen, die positive und die negative Seite zu erkennen, sonst bleibt die Beziehung potentiell zerstörerisch.
Forderung nach Normenänderung in der Kultur
Allgemein sind Veränderungen der kulturellen Normen nötig. Weibliches und Männliches muss gleichermassen bewertet werden. Nur so wird die Wunde zwischen Männlichem und Weiblichem geheilt.
Fall Leonard: Die Erlösung bei Autorin Leonard
war ein langwieriger Prozess, beginnend mit Jungscher Analyse. Kennenlernen der Traumwelt mit Hilfe einer guten Analytikerin. Auffinden vieler archetypischer, väterlicher Gestalten. Entdecken vieler Gesichter im Vater. Dies machte Angst, die Ich-Vorstellung über den Vater zerbröckelt. Erkenntnis: Es gibt eine Macht in ihr, die stärker ist als ihr bewusst anerkanntes Selbst. Versuche der Kontrolle des Lebens waren zwecklos, sondern es wurde die Kontaktaufnahme zu der Macht nötig, da kein Selbst mehr da war.
Leonard lehnte den Vater auch, auch seine positiven Seiten. Sie verleugnete die eigenen positiven Kräfte und die Hinweise in den Träumen. Sie erreicht eine grössere unbekannte, seelische Einheit. Sie muss die in ihr sich streitenden Figuren sterben lassen, hat Angst davor, vor dem mächtigen Grund ihres eigenen Wesens: Den grösseren Mächten sich öffnen, dem drohenden Antlitz entgegensehen und den Wesenskern treffen.
Das kontrollierte Muster wird erschüttert, die Abwehrhaltung gegenüber dem äusseren und inneren Leben nützt nichts mehr, Entstehen einer Leere. Vergleich mit Vater, der ein Trinker ist. Warum ist er ein Trinker? um Leere zu überwinden? Leonard muss lernen, in dem abgelehnten Bereich einen Wert zu erkennen. Hierzu kann man nur das Bedürfnis nach Kontrolle loslassen. Leonard muss sich dazu zwingen, die Gegenseite, das unkontrollierbare Chaos von Gefühlen und Trieben, die Unterwelt, zu erfahren und ihr einen Wert geben
Nächster Schritt ist das Schreiben des Buches. Dies ist für sie ein Weg, ihren Vater zu erlösen, mit Entwicklung von Selbstvertrauen und Courage. Das Schreiben verlangt von ihr, ihre eigene Vaterbeziehung in den Blick zu nehmen, Verstehen seiner Sehnsüchte, und Verstehen seiner Verzweiflung. Plötzlich entsteht die volle Konfrontation durch das Schreiben. Leonard muss die männliche Energie akzeptieren.
Traum: Leonard ist in der Unterwelt am Tisch mit dem Vater und mit anderen Männern. Es wird auf ihre Gesundheit getrunken. Leonard lernt, der spielerischen, spontanen, magischen Seite des Vaters einen Wert zu geben. Leonard erkennt, dass der Vater zu ihr gehört. Diese Erkenntnis befreit sie für ihre eigene Beziehung zu den transzendenten Kräften ihres Selbst.
Generell erfordert die Erlösung des Vaters, dass die Frau den verborgenen Wert, den der Vater zu bieten hat, erkennt.
Töchter, die gegen einen autoritären Vater reagiert haben
neigen dazu, sich anzupassen, rebellisch zu reagieren. Sie müssen einen Wert im eigenen Verantwortungsbewusstsein sehen, ihre eigene Macht und Stärke akzeptieren, Grenzen akzeptieren, eine konstruktive Kraft entwickeln mit Wertschätzung, Urteil und Entschlusskraft.
Die Betroffene muss einen eigenen inneren Sinn für Werte entwickeln, die nicht mehr ausserhalb nach Billigung und Anerkennung suchen. So kann die Betroffene sich unabhängig machen von den kollektiven Projektionen, und lernt, das eigene Weibliche hoch genug einzuschätzen, um gegen die kollektive Anschauung "des Weiblichen" vorzugehen.
Töchter, die zum Vater eine "zu positive" Beziehung hatten
Zu starke Vaterbindung bewirkt Überidealisierung, Verbleichen in der Projektion statt Entdecken der eigenen männlichen Seite. In den Beziehungen zur Tochter reicht kein anderer Mann als der Vater heran. Es findet dauernd ein Vergleich statt, ist destruktiv, kann negativ wirken auch im Beruf: Der Vater hat ja alles getan, was kann sie dann noch tun? Die Tochter kann keine Beitrag zur Welt erkennen, den sie selbst beisteuern kann. Die "Erlösung" vom Vater erfolgt durch das Erkennen der negativen Seite und durch Ausschaltung des Vaters als idealisierte Gestalt.
Generelle Schlussfolgerungen
Die Betroffenen müssen den Wert des Vaterprinzips erkennen, die Grenzen müssen anerkannt werden. Die Betroffenen müssen Wesentliches von dem unterscheiden, was die Kultur aus dem Vater gemacht hat.
Was hat die Kultur gemacht? Das Vaterprinzip wurde unterteilt in autoritäre Herrscher und spielerische und verantwortungslose Jünglinge. Die Frauen können durch die Aufklärung über die Aufteilung des Vaterprinzips zur Heilung der Männer beitragen.
9.1.
Wünsche der Töchter an die Väter gemäss Leonard
-- "Führe und lehre, aber dränge und predige nicht"
-- auf diese Art helfen, Grenzen setzten, Grundsätze setzen, Werte setzen
-- Ausgleich finden zwischen Disziplin und Vergnügen
-- Vorbild sein, durch sein Beispiel anleiten
-- Vorbild für Ehrlichkeit sein, für Kompetenz, für Autorität, für Mut, glauben, Liebe, Mitgefühl, Verständnis, Grosszügigkeit auf dem Gebiet der Arbeit, Kreativität, der sozialen, ethischen und liebenden Hingabe
-- seine eigenen Werte soll der Vater nie als die "einzig wahren" hinstellen
-- Anbieten von Erziehung und Beratung, Ermutigung zur Selbständigkeit
-- Väter sollen selbst Dinge erforschen
-- den Umgang mit Geld weitergeben
-- die Töchter in jedem beruflichen Streben unterstützen
-- stolz sein auf die Töchter, auf ihre Stärke, Schönheit, Intelligenz und Fähigkeiten
-- die Tochter als Person achten, schätzen, ihre individuelle Seinsweise bejahen
-- der Vater soll verfügbar sein, wenn die Tochter ihn im Verlauf ihrer Entwicklung braucht
-- der Vater soll ein intuitives Verständnis haben, so kann er ihr Schutz und Führung bieten, die sie zur rechten Zeit braucht
-- die Töchter wollen im Vater eine ruhige, geordnete, solide, feste und zuverlässige Person, aber auch einen Vater, der liebevoll und gefühlsoffen bleibt, einen Vater, der zu sich selbst Sorge trägt (emotional, physisch, schöpferisch, spirituell)
-- das Sorgen für sich selbst ist der Boden seiner Fürsorge für seine Tochter.
Was der Vater gemäss Leonard unterlassen soll
-- unerfüllte Wünsche auf die Tochter projizieren
-- von der Tochter abhängig sein oder fürsorglich sein
-- die Tochter nicht mit Verantwortung belasten, die über ihr Alter hinausgeht
Was der Vater gemäss Leonard tun soll, wenn die Tochter zur Frau wird
-- der Vater muss das spüren
-- der Vater muss den Rollenwechsel vom Vater zu gegenseitiger Freundschaft mit der notwendigen Achtung und Liebe akzeptieren
-- der Vater soll von der Tochter auch etwas dazulernen wollen, Lebenserfahrungen austauschen, einander zuhören, voneinander lernen
-- entscheidend ist, dass der Vater um Hilfe bittet, wenn er sie braucht
-- wesentlich ist auch, dass er seine eigene Verletzlichkeit zeit, statt in Gefühlen zu schmoren und über ihr zu brüten oder mit ihnen zu explodieren
-- entscheidend ist, dass der Vater in der Lage ist, die Liebe seiner Tochter zu ihm anzunehmen
-- die Tochter soll nicht die Ehefrau des Vaters spielen: Der Vater soll seine primäre Beziehung nicht zur Tochter, sondern zur Frau haben, denn die Tochter soll nicht die emotionalen Bedürfnisse des Vaters befriedigen, sondern soll frei sein, selbst zu wachsen
-- der Vater soll das Vorbild einer guten ehelichen Beziehung geben, soll die Frau als starke, unabhängige, kompetente Partnerin akzeptieren, sie weder als Tochter behandeln (autoritär) noch alsMutter missbrauchen (unterwürfiges Verhalten), mit gegenseitiger Achtung, die Vorbild für die Tochter ist für eigene Beziehungen.
Der Vater als Faktor für die pubertäre Tochter
-- der Vater soll die sichere, geborgene Beziehung garantieren
-- der Vater soll im richtigen Stadium den Unterschied seiner Tochter und der weiblichen Sexualität würdigen
-- der Vater soll mit ihr in ungefährlicher weise flirten, das gibt der Tochter eine Brücke zu einer gesunden, sexuellen Beziehung zu sich selbst
-- der Vater soll das Bestreben der Tochter, mit Männern in Beziehung zu treten, unterstützen
-- der Vater soll die Tochter nicht als Besitz betrachten und ihre Beziehungen vorausbestimmen.
Weitere Wünsche der Töchter an die Väter gemäss Leonard
-- eine gute Beziehung des Vaters zu seinem eigenen inneren Kind
-- Humor
-- Fähigkeit zum Spiel behalten
-- Fähigkeit, sich an der Welt der Tochter zu erfreuen und so die Tochter in ihrem Tun bestätigen.
Am wichtigsten ist, dass der Vater für die Tochter Zeit hat, wenn sie ihn braucht, in einem beständigen Rhythmus, der Vertrauen vermittelt, ehrlich, zuverlässig sein, und Wort halten.
gleichzeitig kann der Vater aber auch nicht vollkommen sein und soll auch Fehler zugeben können.
9.2.
Die Erlösung des Weiblichen im eigenen Innern
ist genauso gefordert und erfolgt durch die echte Wertschätzung der Seinswerte, durch das Erkennen der eigenen schöpferischen Kraft und durch das Erfahren der schöpferischen Autorität. Dann ist die Frau fähig, mit dem Männlichen wirklich in Dialog zu treten.
Gleichzeitig können viele Frauen zwar das Weibliche spüren und erfahren, können aber keine Worte dafür finden, weil unsere Sprache und unsere Begriffe auf männlichen Denkmodellen beruhen. Die Erlösung des Weiblichen muss die Frau also selbst finden [eventuell neue Begriffe definieren].
10.
Die Entdeckung des weiblichen Geistes
Selbsterfahrung der Autorin Leonard
Der erste Traum: Anstoss für Leonard ist ein Traum, in dem ihre Analytikerin starb. Eine Botin überreichte von der Analytikern drei Geschenke: Hauptgeschenk: eine riesige, handgearbeitete, goldene Toilettenmuschel, dann verschiedene Bilder der Autorin zum Zeitpunkt des Beginns der Analyse, dann noch Zeitungsausschnitte. Der Traum wiederholte sich.
Deutung:
Zuerst kommt bitteres Leid, dann das Erkennen der Chance. Die Toilettenmuschel ist handgefertigt, symbolisiert die Einheit des "Höchsten und Niedrigsten". Es ist der Hinweis: Das Erarbeitete der Analyse muss sie in den Mittelpunkt des Lebens stellen, nicht verdrängen. Also: Leonard soll der Sehnsucht und der positiven, spirituellen Seite des Vaters nachgehen und den weiblichen Geist danach formen.
Der zweite Traum: Leonard bittet die gegenwärtige Analytikerin, ihre Haare zu schneiden und Dauerwellen zu legen, damit das Haar mehr Körper, mehr Fülle bekommt.
Deutung:
Leonard ist am Selbstformen der weiblichen Identität, die Identität soll mehr Dauer und mehr Substanz verliehen bekommen. Der Hinweis im Traum: Das Geheimnis bei der Erlösung liegt nicht im Männlichen, sondern im Weiblichen. Leonard soll aufhören, den Geist auf den Vater zu projizieren, stattdessen soll sie den Geist im Weiblichen in sich selbst finden.
Fortschritt der Heilung
Der Fortschritt in einer Therapie geht nicht männlich-linear, sondern spiralförmig, und die Hauptprobleme werden immer wieder konfrontiert, jedes Mal mit einem stärkeren Schmerz. Aber die Perioden des Schmerzes werden immer kürzer. Am Ende hat die Therapie-Person genug Stärke, Mut und Fähigkeit entwickelt, mit den schmerzhaften Themen fertig zu werden. Nach jeder Runde wird die Qualität des Lebens harmonischer. Das Bild des zyklischen Lebens, des in einer zyklischen Zeit verlaufenden Heilungsprozesses, befreit die Therapie-Person von den Erwartungen des Ichs. Es darf keine Erwartung geben, dass Probleme für immer gelöst sein werden.
Im spiralförmigen Therapie-Verlauf spiegelt sich das Bild der Jahreszeiten. Man muss jede Jahreszeit annehmen, so wie sie kommt. So entsteht Weisheit und Stärke. Dabei sollen die Frauen ihre Erfahrungen auf eigene weibliche Weise ausdrücken. [die Männer?]
Eine Studentengruppe schildert den weiblichen Geist
-- keine Frau meint, ihre Mutter könne Vorbild für sie sein
-- alle mussten ihre eigenen Erfahrungen sammeln
-- die Frauen begreifen langsam, dass bisher die Männer das Weibliche definiert haben und dass die Frauen unter unbewussten Projektionen lebten
-- die Frauen erkennen die dadurch verzerrten Anschauungen der Frau wie auch die verzerrten Anschauungen der inneren weiblichen Seite beim Mann
-- die Frauen müssen erkennen, was ihr Selbst ist, und was projiziert ist
-- durch diese Differenzierung entwickeln die Frauen neues Selbstvertrauen
-- die Frauen lernen, die Werte ihrer Seinsweise auszudrücken
-- dann können die Frauen daran gehen, die Heilung ihres männlichen Elements anzugehen, denn durch die Verletzung der Tochter-Vater-Beziehung ist das Männliche in der Tochter wie im Vater verletzt.
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Bildernachweis
-- Vater und Tochter am Schultisch: http://fp.tsn.at/vs-gilmstrasse/schulklassen/klasse_neumayr/2Klasse20042005/F%C3%BCllfederfest%20am%204.2.2005.htm
-- Vater mit Tochter auf den Schultern: http://www.fotosearch.de/ISH118/42-15350734/
-- Familie auf Velotour: http://www.marcus-kaestner.de/blog/index.php?/archives/131-Happy-Family.html
-- Tochter 14 Jahre: http://www.young.de/profil/index.php?id=258118
-- Maradona Puer aeternus jung mit Weltpokal: http://www.neverlandteam.net/blog/category/noticias-mundiales/
-- Maradona Puer aeternus in Psychiatrie 2007: http://europe.football.fr/2007/03
-- Trinkertyp mit Weinflasche: http://www.guyhelminger.de/Guys_Webpage/Selbstportraets/Fotos/selbstportraet_Trinker.htm
-- Frau reicht den Telefonhöhrer: http://www.teletalk.de/fileadmin/teletalk/TeleTalk-Compact/2006-03-31/newsletter_.htm
-- Mann telefoniert: http://www.evkirche-rv.de/portal/news.php?s=read&id=15
-- strenger Vater Habich, Jg. 1940: http://de.movies.yahoo.com/schauspieler/h/matthias-habich/index-36928.html
-- Hausdrachen Else Kling: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,422035,00.html
-- alter Vater Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt: http://de.wikipedia.org/wiki/Generalfeldmarschall
-- unterwürfige junge Frau aus Peru, Puer aeternus aus "USA", ewiges Mädchen aus Kolumbien: www.latinamericancupid.com
-- alte Hure: http://www.sexwolke.de/katrin-bilder-xxl3.html
-- Rebellin Nina Hagen: http://www.br-online.de/kultur/literatur/lesezeichen/20030309/20030309_2.html
-- Opferung von Iphigenie für Griechenlands Sieg: http://de.wikipedia.org/wiki/Trojanischer_Krieg
-- Macho mit Cabriolet: http://czad.blox.pl/html/1310721,262146,14,15.html?2,2006
-- Harmonie Männlichkeit-Weiblichkeit: 2 Delphine senkrecht: http://www.spirit-feng-shui.at/images/shop/index.html?http://www.spirit-feng-shui.at/images/shop/group_035.html
-- Dornröschen, Titelblatt: http://laserdisc.holin.de/disney.html
-- Aschenputtel lässt sich von Tauben helfen: http://www.maerchenbuehne.at/aschenputtel.html
-- Miss Puerto Rico als Miss Universe 2006: http://512mb.net/journal/entry/miss-puerto-rico-ist-miss-universe-2006/
-- Püppchen "Barbies": http://www.tabazzco.com/
-- Ibsen "Das Puppenhaus": Mann mit Frau Nora, Theaterszene: http://www.eventszene.at/scripts/events.dll/event?si_id=2&help=0&ch_id=0&searchlisted=1&en_id=117763
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