Der Traum, mit dem Velo über den zentralsten Pass der Schweiz, den
St.Gotthard-Pass zu fahren, ist von Norden her eigentlich nicht sehr
schwierig zu verwirklichen, wenn man sich dafür mehrere Tage Zeit
nimmt. Dann ist das
auch mit einem normalen Citybike zu schaffen. Die
Jugendherbergen am Vierwaldstättersee und die Jugendherberge in
Hospental auf halber Höhe sind für dieses Unternehmen ideal gelegen.
Die Strecke von Airolo nach Figino die Leventina hinab war dann bei
sonnigem Wetter leider nicht so ideal.
Beunruhigender scheint, dass auf der Gotthard-Passstrasse seit der
Eröffnung des Gotthard-Autotunnels in den 1980-er Jahren bereits wieder
so viele Autos verkehren wie vor der Eröffnung des
Gotthard-Autotunnels (Stand 2005). Die Formulierung Schweiz =
"Veloland" scheint in
diesem Fall absolut gelogen. Schweiz = Autoland scheint eher der
Wahrheit zu entsprechen.
Zürich - Gersau
Die erste Etappe ging von Zürich an den Vierwaldstättersee der Sihl
entlang nach Zug mit einer Rast am Zugersee und mit einem Abstecher ins
Muotatal.

An der Muota; Tagebuch 15.7.1994 |
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Und auch für einen "Schwumm" und für ein Panorama am Vierwaldstättersee
blieb noch genügend Zeit:

Panorama von Gersau aus; Tagebuch 15.7.1994 |
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Gersau - Hospental
Am Nächsten Tag wurde es dann "ernst". Die Strecke bis Göschenen ist
dabei für VelofahrerInnen auf der alten Kantonsstrasse praktisch
autofrei zu fahren. Ab Göschenen wird es sehr mühsam wegen dem
Autoverkehr, der über den Gotthard geht. Die Strecken in den
Tunnelgalerien sind dabei sehr mühsam. Hier fehlt eine separate
Velostrecke. "Veloland" Schweiz? stimmt nicht (also: damals sicher
nicht, wie es heute ist, weiss ich nicht).
Ich erreichte Hospental um ca. 15 Uhr, und es blieb wiederum Zeit, auch
von dieser Aussicht ein Panoramabild zu machen:

Blick ins Tal von Hospental aus in Richtung Furkapass; Tagebuch,
16.7.2005 |
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Hospental - St.Gotthardpass -
Figino
Nach einer weiteren gut durchschlafenen Nacht machte ich mich auf die
letzten 800 m Höhendifferenz. Am Morgen war da noch nicht sehr viel
Verkehr auf dem Gotthard. Um ca. 12 Uhr war ich bereits auf der
Passhöhe. Da war der Verkehr bereits mittel bis dicht. Ich machte Rast
und konnte beobachten, wie die Touristen mit ihren Autos jeweils einen
kleinen Halt auf der Passhöhe einlegten. Da sagte eine Frau: "Hu, ganz
schön kalt", und stieg gleich wieder ein. Na, wenn man auf 2200 m Höhe
ist, da ist es sicher nicht so warm wie in Luzern. Blinde Autofahrer,
sie haben nur Augen für Verkehrszeichen, manchmal auch nur noch für den
Tachometer...
Bei der Rast hatte man so seine Gedanken. Da wurde gemunkelt, dass der
ganze Gotthard innen hohl sei. Nun, das ist ja scheinbar auch so, wie
ja heute bekannt ist. Heute dürfen das auch Ausländer wissen...

St.Gotthardpass, Passhöhe; aus dem Tagebuch, 17.7.1994
Dann die Abfahrt. Ich wählte nicht die Pflastersteinstrasse,
sondern die weit ausladende breite Strecke. Für bergauffahrende
VelofahrerInnen fehlt übrigens auch hier eine Velostrecke. Veloland?
Autoland!
Bis Airolo ging die Abfahrt ja ganz
schön zügig, aber dann wurde die Leventina zum Horror: Gegenwind durch
Termik! Im hinteren Teil des Gotthardmassivs heizten sich die kahlen,
steinernen Berge so auf, dass
die Luft sich erhitzte und aufstieg, und dadurch wurde durch die ganze
Leventina die Luft
nachgezogen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich musste oft bergab
noch trampen.
Die Situation änderte sich auch nach Biasca nicht sehr gross. Und da
war noch der Monte Ceneri: Endlich kein Wind, aber nun hatte ich
fast keine Kraft mehr. Und auf der alten Passstrasse rasten die wenigen
Tessiner Autos wie die Wilden. Veloweg? nicht vorhanden. Veloland
Schweiz? Autoland!
Es reichte gerade noch bis Figino am Luganersee
entlang mit knapper Not, und ich fragte mich, wieso ich nur diesen
Gegenwind gehabt hatte. Erst ca. ein Jahr später erklärte mir jemand
die Termik. Sollte man so was nicht im Schulunterricht gehabt haben?
Nein, da lernte man alle Länder, Einwohnerzahlen, Flüsse aus Russland
und sonstingen Blabla, aber die Termik hatten wir nie gehabt. Da ist
ein Defizit vorhanden. Veloland Schweiz? Auch in der Schule nicht...
Das heisst, wer die Leventina mit dem Velo hinabfahren will, ohne dabei
Energie zu verlieren, sollte dies
-- an einem Tag bei Bewölkung oder bei Regen tun
-- oder an einem sonnigen Tag am frühen Morgen tun mit Übernachtung
vorher in Airolo. Da sollte man sich ein Hotel tatsächlich leisten.
Anders herum:
Wer die Leventina mit dem Velo hochfahren will, kann an sonnigen Tagen
am Nachmittag ab Bellinzona, vor allem aber von Biasca bis Airolo,
durchaus mit einem massiven
Rückenwind rechnen. Wieso lehrte man uns das in der Schule nicht? Und
in den Velokarten sind diese Windverhältnisse wahrscheinlich auch nicht
eingetragen...
Figino: Ein Traum von Jugendherberge bei schönem Wetter, nur teuer,
dafür mit Strand
am See.

Strand bei Figino am Luganersee mit Blick aufs italienische Ufer;
Tagebuch, 22.7.1994 |
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Figino: Damals war die Jugendherberge von einer deutschschweizer
Familie aus der durchschnittlichsten Stadt der Schweiz geleitet, mit
Sennenhund.