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Der Goldschaden der "Zivilisation"
Wie die Goldsuche und die Goldgewinnung die Menschen und die Umwelt verseuchen und zerstören
Meldungen
präsentiert von Michael Palomino
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Goldminen sind chemische Zeitbomben [und an den Laugebecken vergiften sich die Vögel]
aus: Renate Domnick: Für Gold, das niemand braucht. Goldabbau auf dem Land der Western Shoshone. Internet (1999): http://www.humanrights.de/u/usa/WS_GOLD.html
[Zyanid zur Goldgewinnung]
Die Zyanid-Haldenlaugung muss man sich ungefähr so vorstellen: Das goldhaltige Erz wird aus dem Berg gesprengt, zerkleinert und zu einer Halde aufgeschüttet, die am Boden mit einer Plastikplane abgedichtet ist. Durch eine Sprinkleranlage wird sie von oben mit einer Zyanidlösung berieselt, die das Gold aus dem Gestein löst. Aus dieser "schwangeren Lösung" wird das Gold in weiteren Verfahren herausgefiltert. Tatsächlich ist der Vorgang viel komplizierter und so aufwändig, dass nur Grosskonzerne die Mittel für solche Anlagen aufbringen.
[Leckagen bei der Zyanidlauge überall]
60 bis 90% der Zyanidlauge werden zwar recycelt, aber Leckagen sind an der Tagesordnung. Oft wird die Plastikplane durch das Gewicht der Halden vom Gestein "punktiert" und durchlässig. Beim Zerfall des Zyanids entstehen u.a. Nitrogen- und Schwefel-Verbindungen, aus dem Gestein lösen sich giftige Schwermetalle.
[Rückhaltebecken für Zyanidabfälle - getäuschte Vögelzüge vergiften sich an der Lauge]
Das grösste Risiko bergen die Rückhaltebecken für die zyanidhaltigen Flüssigabfälle. Ein Leck kann ganze Flüsse verseuchen. Die glänzende Oberfläche lockt Zugvögel an, die oft ihre Flugstrecke wegen dieser vermeintlichen Wasserteiche ändern und darin umkommen. Laut Earth Island Journal wurden in Nevada in den letzten Jahren fast 10.000 Vögel darin vergiftet.
[Schlussfolgerung: Gold ist ein unethisches Produkt
Wer Gold trägt, muss wissen, dass mit der Goldfabrikation nicht nur riesiege Opfer an Naturlandschaft, sondern auch an Flusswelt und auch Vogelwelt verbunden sind. Gold ist in diesem Sinn ein absolut unethisches Produkt.
Sind die Banken und die Goldschmiede jemals bereit, für den Schaden bei der Gold-"Gewinnung" aufzukommen?
Michael Palomino, Basel, Mai 2004].
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Goldschaden 17.2.2009: "US"-Goldminen-Altlasten verseuchen die Natur, z.B. Beal Mountain im "Bundesstaat" Montana
aus: 20 minuten online: US-Bergwerke: «Da tickt eine wahre Zeitbombe»; 17.2.2009;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/18656713
<Auch Naturschützer setzen grosse Hoffnungen in das milliardenschwere Konjunkturpaket, das die US-Wirtschaft ankurbeln soll: Sie setzen darauf, dass es nun endlich vorangeht mit der Sanierung Tausender aufgelassener Bergwerke, deren giftige Hinterlassenschaften Mensch und Umwelt gefährden.
Als die Goldmine Beal Mountain bei Butte im Staat Montana 1988 eröffnet wurde, priesen die Eigentümer die Goldgewinnung durch Zyanidlaugung in Übertageminen als modern und umweltfreundlich. Zehn Jahre lang holte die kanadische Firma Pegasus Gold Corp. 460 000 Unzen Gold heraus, bevor sie die Anlage 1998 schloss und Bankrott anmeldete.
Zurück blieben ein 28 Hektar grosses zyanidverseuchtes Schlammbecken mit lecker Abdichtung und Tonnen von Abraum, aus dem Selen in die Flüsse sickert und Forellen und andere Fische gefährdet. Die 6,2 Millionen Dollar, die die Firma für die Sanierung zurückgestellt hatte, reichen nicht einmal annähernd aus; die Kosten dürften eher in Richtung 40 Millionen Dollar gehen. «Da oben tickt eine wahre Zeitbombe», sagt Naturschützer Josh Vincent von Trout Unlimited über die Mine, die auf Land der US-Forstverwaltung liegt.
Zehntausende aufgelassene Gruben
Solche aufgelassenen Erzbergwerke gibt es Zehntausende, viele davon noch aus dem 19. Jahrhundert. Das Konjunkturpaket enthält über 1,5 Milliarden Dollar für Bau- und Wartungsmassnahmen des Landverwaltungsamts, der Nationalpark- und der Forstverwaltung. Dazu zählt auch, Sicherheits- und Umweltrisiken durch aufgelassene Minen auf öffentlichem Land anzugehen. Für solche Aufräumarbeiten haben die drei Behörden zusammen im vergangenen Haushaltsjahr rund 25 Millionen Dollar ausgegeben.
Doch auch Vorhaben wie die Instandsetzung von Wanderwegen und der Ersatz von Ausrüstung sind finanzierbar, so dass es keine Garantie dafür gibt, dass tatsächlich Geld in die Bergbausanierung fliesst. Laut Gesetz sollen solche Projekte Vorrang haben, die Arbeitsplätze schaffen.
Tausende Jobs erwartet
Bergbausanierung sei ein kräftiger Job-Motor, argumentieren ihre Befürworter. «Diese dringend benötigten Mittel werden Tausende Jobs schaffen, die Gewässerverschmutzung verringern, Sicherheitsrisiken beseitigen und die Lebensräume von Fischen und Wildtieren auf dem Land wieder herstellen», unterstreicht Lauren Pagel von der Umweltorganisation Earthworks.
Das Government Accountability Office des US-Kongresses schätzt die Zahl der «Hardrock»-Minen - in denen «harte» Mineralien wie Gold, Silber, Blei oder Zink gewonnen werden - in Alaska und elf weiteren Bundesstaaten im Westen sowie in South Dakota auf mindestens 161 000. Vefallende Anlagen und offene Schächte stellen Sicherheitsrisiken dar, Giftstoffe sickern in Grundwasser und Flüsse, Abraumhalden enthalten Arsen.
Steuerzahlervertreter zweifelt
Ein Inspektionsbericht des Innenministeriums vom vorigen Jahr warnt auch vor tödlichen Gasen, explosiven Chemikalien und Einsturzgefahren. Und vor ungesicherten Schächten, in denen geländegängige Fahrzeuge wie Quads verunglücken können: So wurden 2007 ein Mädchen tödlich und seine Schwester schwer verletzt, als ihr Fahrzeug in der Nähe eines Campingplatzes in Arizona vom Weg abkam und in einen Schacht stürzte. Im Mojave-Naturschutzgebiet in Kalifornien fanden die Inspektoren neben den Strassen Schächte so gross, dass Autos darin verschwinden könnten. «Die Möglichkeit weiterer Todesfälle und Verletzungen ist bedenklich», warnten sie.
Nach Schätzung der US-Umweltbehörde kann es bis zu 50 Milliarden Dollar kosten, alle Bergbaue zu sanieren. Kritiker bezweifeln, dass dafür überhaupt Geld ausgegeben werden soll. Sanierungsarbeiten seien vorübergehender Natur und hätten wohl keine wirtschaftliche Dauerwirkung, meint Pete Sepp, ein Sprecher des Steuerzahlerbundes. «Es ist doch nicht so, dass in diesen Minen jemals wieder irgendjemand graben würde.»
Quelle: AP >
Schlussfolgerung: Boykottiert Gold
Gold sollte weltweit boykottiert werden, weil die Goldgewinnung viel zu sehr die Umwelt schädigt. Stattdessen sollten andere Sachen als Währung einführen, z.B. Vogelfedern, bestimmte Pflanzenkerne etc.
Michael Palomino, Februar 2009
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Nigeria 4.6.2010: Illegaler Goldabbau provoziert 163 Tote durch Bleivergiftungen
aus: n-tv online: Panorama: 163 Menschen vergiftet - illegaler Goldabbau in Nigeria; 4.6.2010;
http://www.n-tv.de/panorama/Illegaler-Goldabbau-in-Nigeria-article906757.html
<Wegen des illegalen Abbaus von Gold sind in Nigeria in den vergangenen fünf Monaten 163 Menschen an Bleivergiftung gestorben, unter ihnen 111 Kinder. Die Todesfälle hätten sich in fünf Dörfern im Bundesstaat Zamfara im Nordwesten des Landes ereignet, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums. Die Dorfbewohner hätten Gesteinsbrocken zu sich nach Hause gebracht, um daraus das Edelmetall zu gewinnen. Die Kinder hätten mit den Steinen gespielt, in denen sich offenbar Blei befand, und sich so vergiftet.
Das Gesundheitsministerium hat eine Säuberung der Gegend angeordnet. Unterstützung bekommt das Ministerium unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation und von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.
AFP>
Schlussfolgerung: Boykottiert Gold
Gold sollte weltweit boykottiert werden, weil die Goldgewinnung viel zu sehr die Umwelt schädigt. Stattdessen sollten andere Sachen als Währung einführen, z.B. Vogelfedern, bestimmte Pflanzenkerne etc.
Michael Palomino, Juni 2010
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Goldschaden in Nigeria 6.8.2010: 160 tote Kinder durch Bleivergiftungen durch wildes Goldschürfen
aus: 20 minuten online: Tragödie in Das Gold, das die Kinder sterben lässt; 6.8.2010; http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/13828578
<von John Gambrell, AP - Seit der Goldpreis nach immer neuen Höhen strebt, ist im Norden von Nigeria ein Goldrausch ausgebrochen. Doch mit dem Edelmetall kamen die Probleme und den Preis zahlen die Kinder.
Frisch angelegte Kindergräber zeugen vom Blutzoll den der Goldrausch einfordert.
Die Region Zamfara trauert um 160 Kinder. Zunächst wurden sie krank, konnten nicht mehr alleine stehen, nicht mehr hören, nicht mehr sehen. Dann starben sie. Die Ärzte vermuteten Malaria. Aber erst nach 160 Todesopfern und hunderten Erkrankten enthüllten Bluttests den wahren Auslöser: Blei, das die Dorfbewohner auf der Suche nach Gold mit in ihre Häuser gebracht hatten.
Die Böden und die Hütten in den Dörfern in Zamfara sind mit Blei versetzt, worunter besonders die Kinder leiden.(Bild: Keystone) Die meisten Opfer sind Kinder. Sie haben in kontaminierten Hütten oder auf verseuchten Dorfplätzen gespielt. Die Konzentration in ihrem Blut war teilweise so hoch, dass die Messgeräte ihre Werte nicht mehr anzeigen konnten. Ihr Schicksal war der stark gestiegene Goldpreis, der die Suche nach Gold in der Region nahe der Grenze zum Niger erst attraktiv machte. Die Männer im Staat Zamfara konnten das Gold für mehr als 32 Dollar pro Gramm verkaufen - viel Geld für ein Land, in dem die meisten Menschen weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung haben. «Es gibt kein anderes Geschäft, in dem man so viel Geld verdienen kann», sagt ein 70-jähriger Dorfältester in Yargalma, Haruna Musa.
Die Männer zerschlagen die Erdbrocken mit dem Hammer und zermahlen die kleineren Stücke zu einem Puder, dabei hilft heute eine Maschine. Das Puder wird mit Wasser und Quecksilber vermischt, um zu erreichen, dass sich die Goldpartikel zusammenklumpen. In Zamfara enthielt das Erz, das die Väter in die Dörfer mitbrachten, jedoch eine hohe Bleikonzentration. Sie bewahrten die wertvollen Brocken in ihren Hütten auf, sogar neben ihren Schlafmatten. Oft zertrümmern auch die Ehefrauen das Erz, während ihre Kinder daneben spielen. So reicherte sich das Blei in den Wänden an, in den Böden und auf den Dorfplätzen.
Ein internationales Ärzteteam traf Mitte Mai in Zamfara ein, um die Kinder zu behandeln und das Gift aus den Dörfern zu bekommen. «Schlimmer kann es nicht kommen», sagt der Präsident des amerikanischen Blacksmith-Instituts, Richard Fuller. Das Institut führt die Arbeiten zur Dekontaminierung der Dörfer an.
Im Dorf Dareta haben die Arbeiten bereits begonnen. Bauern in weissen Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken machten sich daran, den Boden einer Hütte abzutragen. Das Eisenerz wird nicht mehr bearbeitet, die Maschinen liegen offen herum, während das Regenwasser die kontaminierte Erde in einen Teich spült. In Yargalma sind die Säuberungstrupps noch nicht eingetroffen. Auf dem Friedhof des Dorfes sind zahlreiche frische Kindergräber zu sehen. Rabiu Mohammed trauert hier um einen Sohn und eine Tochter und spricht Gebete für sie. In der Nähe gehen andere Väter zwischen den Gräbern auf und ab.
Gehirn und Nervensystem werden geschädigt
Kinder unter fünf Jahren sind besonders empfänglich für eine Bleivergiftung, weil ihre Gehirne noch nicht vollständig entwickelt sind. Blei kann das Gehirn und das Nervensystem schädigen. Weitere Folgen einer Vergiftung sind Bluthochdruck, Nervosität und Gedächtnisverlust. In schweren Fällen kann es zu Anfällen, Koma und Tod kommen.
Wenn in diesen Tagen in der Region ein Kind in ein Krankenhaus gebracht wird, ist Stille das schlechteste aller Zeichen. Denn dann ist die Bleikonzentration so hoch, dass Messgeräte sie nicht mehr anzeigen. Über einen Piepston freut man sich dagegen im Krankenhaus von Bukkuyum, etwa 20 Kilometer von Yargalma entfernt. Dieser bedeutet in vielen Fällen, dass die Behandlung angeschlagen hat und die Bleikonzentration gesunken ist.
In den Industriestaaten wird ein Patient mit einer Bleikonzentration von mehr als zehn Mikrogramm pro Deziliter meist ins Krankenhaus eingewiesen. Die Messgeräte können bis zu 65 Mikrogramm Blei feststellen. Doch in Nordnigeria wären diese Geräte nutzlos. Fast alle Bluttests hätten höhere Werte ergeben, als die Geräte anzeigen könnten, sagt die australische Ärztin Jenny Mackenzie, die für die Organisation Ärzte Ohne Grenzen (MSF) arbeitet. Bei mindestens einem Kind seien mehr als 300 Mikrogramm gemessen worden.
Vier Wochen Behandlung notwendig
Die Kinder werden in Bukkuyum vier Wochen lang mit Medikamenten behandelt. Bei schweren Vergiftungen ist ein zweiter Zyklus notwendig. Die meisten Kinder reagieren jedoch schon nach 48 Stunden positiv auf die Behandlung, sie können jedoch Hirnschäden zurückbehalten. Noch immer werden nicht alle erkrankten Kinder erreicht. Mackenzie erklärte, ihre Organisation wolle bald eine zweite Station eröffnen.
Die Arbeiten zur Dekontaminierung bedeuten eine weitere Herausforderung. Das Blei ist immer noch überall in der Erde. Fuller vom Blacksmith-Institut erklärt, Freiwillige wollten in den Dörfern bis zu fünf Zentimeter Erde abtragen und auch das Quecksilber entsorgen. Allerdings hat inzwischen die Regenzeit begonnen. Immer wieder strömen wahre Bäche die Wege hinab und tragen das Blei mit sich. Die Brunnen in dem Gebiet wurden bereits getestet. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, könnten aber erneut schlechte Nachrichten für die Dörfer bedeuten.>
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Ghana 26.10.2010: Goldschürfen unter z.T. lebensgefährlichen Umständen - und Kinderarbeit - und Vergiftung ganzer Landstriche mit Chemikalien und Brunnenvergiftungen
aus: Basler Zeitung online: Schmutziges Gold für schweizer Anleger; 26.10.2010;
http://bazonline.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Schmutziges-Gold-fuer-Schweizer-Anleger/story/13771791
<Die Schweiz ist Drehscheibe im weltweit blühenden Goldhandel. Dafür schuften Minenarbeiter, darunter auch Kinder, unter lebensgefährlichen Umständen, wie Recherchen des «Kassensturz» aufzeigen.
Der Goldrausch geht ins zehnte Jahr. Nach den Anschlägen vom 11. September in den USA wurde Gold bei den Anlegern beliebt wie noch nie. Letztes Jahr wurden weltweit 2400 Tonnen Gold gefördert. Sein Jahres- und Allzeithoch hatte der Goldpreis dieses Jahr am 14. Oktober mit 1.388,10 Dollar je Unze erreicht. Eine der wichtigsten Drehscheiben im Goldhandel ist seit Jahrzehnten die Schweiz.Weder Banken noch Bijoutiers wissen allerdings, wo und unter welchen Bedingungen das Gold abgebaut worden ist, das sie verkaufen. Recherchen des Kassensturz zeigen, dass der Abbau des Goldes für die Minenarbeiter äusserst gefährlich ist und für die Umwelt gravierende Folgen hat. Im westafrikanischen Ghana werden Kleinschürfer krank, Kinder schuften zwölf Stunden pro Tag und ganze Landstriche sind mit Chemikalien vergiftet. Die miserablen Zustände bei der Goldproduktion, würden sich mit dem steigenden Goldpreis noch verschlimmern.
Mineure hantieren ohne Schutz mit Dynamit [in Ghana]
Ghana ist ein Land im Goldrausch. 500'000 Mineure arbeiten in kleinen Goldminen. Sie wollen vom hohen Goldpreis profitieren und nehmen deshalb grosse Risiken auf sich. Sie steigen in stillgelegte Minenschächte, hantieren dort ohne jeglichen Schutz mit Dynamit und schleppen das Gestein aus dem Stollen. Um das Gold aus dem gemahlenen Stein herauszulösen, vermischen fast alle der weltweit 18 Millionen Kleinschürfer diesen mit Quecksilber und rühren stundenlang die giftige Masse.
«Langfristig gesehen sterben Leute an hoher Quecksilbervergiftung», sagt Friedel Hütz-Adams, Goldexperte der Organisation Südwind aus Köln zum Kassensturz. Das giftige Schwermetall reichere sich im Körper immer mehr an und führe zu neurologischen Schäden. Viele dieser Kleinschürfer sind Kinder, die fern von ihrer Familie das grosse Glück suchen. «Wir sind unglücklich, seit einem Jahr haben wir unsere Eltern nicht mehr gesehen», sagt der 14jährige Abu, welcher in einer ghanaischen Kleinmine täglich 12 Stunden arbeitet.
Gold wird mit Cyanid aus dem Gestein gelöst
Der grosse Teil des weltweit abgebauten Goldes stammt aus Grossminen. Filmaufnahmen des «Kassensturz» in der grössten Mine Ghanas zeigen, dass dort täglich 6000 Tonnen Gestein gemahlen und mit giftigem Cyanid vermengt werden, um das Gold herauszulösen. Die Abfälle aus diesem Prozess lagern in grossen Seen und führen so immer wieder zu katastrophalen Umweltverschmutzungen. In vielen Dörfern sind Flüsse und Brunnen vergiftet.
«Kassensturz» heute um 21.05 Uhr auf SF1 (www.kassensturz.sf.tv) (mfa)>
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19.4.2011: <Umwelt: Hoher Goldpreis zerstört Regenwald>
aus: 20 minuten online; 19.4.2011; http://www.20min.ch/finance/news/story/25262726
<Der immer weiter steigende Goldpreis hat die Zerstörung von Amazonas-Regenwäldern im peruanischen Departement Madre de Dios durch illegale Goldsucher in wenigen Jahren versechsfachtGold hat seinen Preis auch für die Umwelt. Zwischen 2003 und 2009 haben die mit primitiver Technik arbeitenden Goldgräber allein in den zwei grösseren Schürfgebieten Guacamayo und Colorado-Puquiri 7000 Hektar unberührten und extrem artenreichen Regenwaldes zerstört, berichtet Jennifer Swenson von der US-Universität Duke in Durham (North Carolina) im Fachmagazin «PLoS ONE».
Die Forscherin schliesst dies aus der Auswertung von Satellitenbildern der NASA. Sie berücksichtigte in der Studie auch den Goldpreis und Quecksilberimporte. «Angesichts der laufend steigenden Importe gehen wir davon aus, dass sich Perus Quecksilberimporte bis Ende 2011 auf 500 Tonnen verdoppelt haben werden.»
Verseuchte Mondlandschaften
Das hochgiftige Quecksilber wird von armen Goldschürfern zum Auswaschen des Goldes aus Gestein und Sand eingesetzt. Es gefährdet dabei nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern verseucht auch die Flüsse und die Luft in der Region. Wenn Goldsucher ein Gebiet ausgebeutet haben, hinterlassen sie eine quecksilberverseuchte Mondlandschaft.
Nach Angaben des peruanischen Umweltministers Antonio Brack haben die Goldsucher in Madre de Dios schon 32'000 Hektar Regenwald zerstört. Im März gingen Polizei und Militär bei einem Grosseinsatz gegen zehntausende Goldsucher vor. 32 Schwimmbagger seien zerstört worden, teilte Brack anschliessend mit.
Wohlhabende Hintermänner
Den Tod von zwei Goldsuchern bei der Aktion bedauerte er, betonte aber, dass der Einsatz von Gewalt angesichts der «ökologischen Tragödie» gerechtfertigt sei. Das Problem ist jedoch noch lange nicht gelöst. Die Polizei geht davon aus, dass in der Region mindestens 250 Schwimmbagger im Einsatz sind.
Es werde noch mindestens fünf Jahre dauern, bis die Goldsucher aus der Region vertrieben worden sind, schätzt Brack. Allerdings treibt die hohe Armutsrate in Peru immer neue Menschen als Goldsucher aber auch als illegale Holzfäller oder Siedler in die Regenwälder. Brack vermutet beim Gold wohlhabende Hintermänner, die die einfachen Arbeiter vor Ort als «Kanonenfutter» missbrauchten.
(sda)>
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Peru 19.4.2011: Der hohe Goldpreis provoziert eine Versechsfachung der Urwaldzerstörung - und quecksilberverseuchte Flächen
aus: Welt online: Amazonasgebiet in Peru: Zerstörung des Regenwaldes wächst mit dem Goldpreis; 19.4.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13215679/Zerstoerung-des-Regenwaldes-waechst-mit-dem-Goldpreis.html<US-Forscher haben Satellitenbilder der Nasa ausgewertet: Goldgräber hinterlassen im peruanischen Dschungel mit Quecksilber verseuchte Mondlandschaften.
Der hohe Goldpreis versechsfache die Regenwaldzerstörung in Peru, behaupten Forscher
Der immer weiter steigende Goldpreis hat die Zerstörung von Amazonas-Regenwäldern im peruanischen Departement Madre de Dios durch illegale Goldsucher in wenigen Jahren versechsfacht.
Zwischen 2003 und 2009 hätten die mit primitiver Technik arbeitenden Goldgräber allein in den zwei größeren Schürfgebieten Guacamayo und Colorado-Puquiri 7000 Hektar unberührten und extrem artenreichen Regenwaldes zerstört, berichtet die Professorin Jennifer Swenson von der US-Universität Duke in Durham (North Carolina) im Online-Wissenschaftsjournal „PLoSOne“.
Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher nach Auswertung von Nasa-Satellitenbildern. Sie berücksichtigten in ihrer Studie auch den Goldpreis und Quecksilberimporte. „Angesichts der laufend steigenden Importe gehen wir davon aus, dass sich Perus Quecksilberimporte bis Ende 2011 auf 500 Tonnen verdoppelt haben werden“, warnt Swenson.
Das hochgiftige Metall wird von armen Goldschürfern zum Auswaschen des Goldes aus Gestein und Sand eingesetzt, zerstört dabei aber nicht nur deren Gesundheit, sondern verseucht auch die Flüsse und die Luft in der Region.
Durch die Nahrungskette schädigt es zudem die in der Region lebenden Ureinwohner und sogar weiter entfernt lebende Menschen. Wenn die Goldsucher ein Gebiet ausgebeutet haben, hinterlassen sie eine quecksilberverseuchte Mondlandschaft.
Nach Angaben des peruanischen Umweltministers Antonio Brack haben die Goldsucher in Madre de Dios schon 32.000 Hektar Regenwald zerstört. Im März gingen Polizei und Militär bei einem Großeinsatz gegen zehntausende Goldsucher vor. 32 Schwimmbagger seien zerstört worden, teilte Brack anschließend mit.
Den Tod von zwei Goldsuchern bei der Aktion bedauerte er, betonte aber, dass der Einsatz von Gewalt angesichts der „ökologischen Tragödie“ gerechtfertigt sei.
Das Problem ist jedoch noch lange nicht gelöst. Die Polizei geht davon aus, dass in der Region mindestens 250 Schwimmbagger im Einsatz sind. Es werde noch mindestens fünf Jahre dauern, bis die Goldsucher aus der Region vertrieben worden sind, schätzt Brack.
Allerdings treibt die hohe Armutsrate in Peru immer neue Menschen als Goldsucher aber auch als illegale Holzfäller oder Siedler in die Regenwälder. Brack vermutet beim Gold wohlhabende Hintermänner, die die einfachen Arbeiter vor Ort als „Kanonenfutter“ missbrauchten. In peruanischen Medienberichten war auch von einer „chinesischen Mafia“ die Rede.
dpa/oc>
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Peru, 25.4.2011
25/04/2011: La selva amazónica peruana en serio peligro por deforestación
25.4.2011: Der peruanisch-amazonische Urwald ist durch Waldvernichtung in hoher Gefahr
de / aus: http://www.cronicaviva.com.pe/index.php/politica/2-politica/18100--la-selva-amazonica-peruana-esta-en-serio-peligro-
Lunes, 25 de Abril de 2011 10:38
Un último estudio de la Universidad de Duke, en Estados Unidos, revela públicamente que la desmesurada deforestación de la selva amazónica peruana, ha incrementado hasta seis veces por culpa de la minería informal.Por ejemplo, en Madre de Dios alrededor de 7 mil hectáreas de bosques vírgenes y humedales fueron arrasados por los mineros.
"Hay muchas áreas dispersas, pequeñas, pero en expansión de la actividad minera en Madre de Dios que son más difíciles de controlar, pero pueden crecer rápidamente", señala la profesora de Medio Ambiente de Duke, Jennifer Swenson.
Según el portal Masproduccion.com, cerca de 50 mil mineros artesanales son los que por su escaso conocimiento de normas medioambientales contaminan con mercurio el aire, suelo y agua de esa zona del país.
Desmesurada deforestación ponen la ponen en grave riesgo
Al respecto el informe presentado por el Fondo Mundial para la Naturaleza (WWF) en medio de la XIII Conferencia de las Naciones Unidas sobre el Cambio Climático revela una realidad más que preocupante: de continuar con el ritmo de deforestación exhibido en los últimos años en la cuenca del Amazonas, en el 2030, la selva amazónica (el mayor pulmón del planeta a través de la absorción de dióxido de carbono y la emisión de oxígeno) podría sufrir graves daños en el 60% de su territorio e incluso – en el peor de los escenarios- llegar a desaparecer.
Según el informe de la WWF, la deforestación en la Amazonía (donde se encuentra más de la mitad de la selva a nivel mundial) produciría entre 55.500 y 96.900 millones de toneladas de dióxido de carbono. Esta segunda cifra –sorpréndanse- es igual a la cantidad de gases de efecto invernadero que se emiten en todo el mundo en veinticuatro meses.
Pero, ¿cuál es la situación real del problema? ¿En realidad la deforestación está avanzando de manera incontenible? La dinámica descrita en el informe presentado en Bali (Indonesia) muestra que la mayor parte del problema se produce en Brasil (país que tiene casi el 65% o las 3/5 partes de la selva amazónica) y sobre todo en Rondonia y Mato Grosso, estados en los que las actividades agrícolas y ganaderas han llevado a la progresiva destrucción de esa parte de la selva con la finalidad de cubrir la demanda de productos de exportación como la carne y la soya, una suerte de tándem mortal para la supervivencia de la selva amazónica brasileña.
La Amazonía brasileña también tiene campo deforestado.
¿Cómo estamos en el Perú?
Para Michael Valqui, Director de Iniciativas de WWF-Perú, el informe presentado en Bali es un gran llamado de alerta a las consecuencias que podrían producirse a causa del calentamiento global. Valqui aclara que en nuestro país –a diferencia del caso brasileño- todavía tenemos el 90% de la Amazonía en buen estado (somos el país que mejor conserva su espacio amazónico), aunque se están creando las condiciones para que el problema comience a ser verdaderamente grave. El creciente interés por desarrollar actividades a gran escala, la explotación del gas de camisea o el desarrollo de la carretera Interoceánica son vías que facilitarían la deforestación para utilizar el terreno con otros fines. Sin ir muy lejos, las malas prácticas brasileñas en su zona amazónica ya entró al Perú en la zona de Iñapari.
De hecho, la Amazonía peruana ya comenzó a sufrir los primeros golpes del cambio climático y la deforestación: la quema de árboles en Bolivia ha hecho que el humo llegue a la zona de Purús a causa del viento. Las partículas que se desprenden de ese humo generan disminución en las lluvias y por lo tanto, el ambiente se seca y es más fácil de deforestar. “Es un círculo vicioso” dice Valqui, “ a mayor deforestación, mayor aumento de temperatura y menores precipitaciones”. Teniendo en cuenta todo esto, no es difícil imaginar por qué el cambio climático llevará al progresivo deterioro de la selva amazónica, hasta llegar incluso –tal como lo señala el informe- a la sabanización de la Amazonía en décadas futuras.
C.A.U>
Montag, 25. April 2011, 10:38 Uhr
Eine neue Studie der Universität Duke in den Verunreinigten Staaten deckt öffentlich die riesige Waldvernichtung im peruanisch-amazonischen Urwald auf. Die gesamte, geschädigte Waldfläche ist durch die wilde Goldsuche ("minería informal") auf das Sechsfache angewachsen.
In Madre de Dios sind zum Beispiel 7000 Hektar Urwald und Feuchtgebiete durch die Metallsucher vernichtet worden.
"Es gibt viele verstreute Gebiete. Sie sidn klein, aber wenn die Goldabbau-Tätigkeit in Madre de Dios zunimmt - und das ist hier nur schwer zu kontrollieren - dann können diese Flächen sich schnell ausweiten", meinte die Professorin für Umweltschutz in Duke, Jennifer Swenson.
Gemäss dem Internetportal Masproduccion.com sind es ungefähr 50.000 Goldsucher, die durch ihre mangelnden Umweltkenntnisse und Gesetzeskenntnisse mit Quecksilber die Luft, den Boden und das Wasser in diesem Gebiet des Landes vergiften.
Grenzenlose Waldvernichtung birgt ein grosses Risiko
Der Bericht wurde beim Weltweiten Naturfond (WWF) an der 13. Konferenz der Vereinten Nationen über den Klimawandel präsentiert, und es wird dabei eine sehr besorgniserregende Tatsache präsentiert: Wenn das mit der Entwaldung so weitergeht wie in den letzten Jahren, dann wird das Amazonasbecken bis 2030 zu 60% geschädigt sein. Dabei handelt es sich um die grösste Lunge des Planeten mit der Absorbtion von Kohlendioxid und der Abgabe von Sauerstoff. Und wenn das schlimmste Szenario eintritt, dann könnte der Urwald im Amazonasbecken ganz verschwinden.
Gemäss einer Information des WWF
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27.9.2011: <Schwarzbuch Gold: Der diskrete Charme der Goldbranche> - und alle Nebenwirkungen der Goldproduktion werden verschwiegen
aus: Der Standard online; 27.9.2011;
http://derstandard.at/1315005506522/Schwarzbuch-Gold-Der-diskrete-Charme-der-Goldbranche
=====<Minenarbeiter in Südafrika - Rohstoffabbau ist ein hartes Geschäft - Kleinschürfer in Ghana - manch einer wäre eigentlich lieber Bauer - In Kambodscha verwandelt man Wasser in Gold...
Gold glänzt und wirft gute Gewinne ab. Über die Schattenseiten der Industrie hüllt die Branche aber gerne den Mantel des Schweigens.
Der Goldpreis hat im Zuge der Krise kräftig zugelegt. Gold glänzt allerdings erst, wenn es bei den Banken und im Schmuckgeschäft landet. Das Goldbusiness ist ein schmutziges Geschäft und der neue Goldrausch macht es um nichts sauberer. Der Konsument muss allerdings nehmen, was er bekommt, sagt Brigitte Reisenberger, eine der Autoren des „Schwarzbuch Gold" im derStandard.at-Interview. Den Gold hat kein Mascherl, die Industrie kein Interesse die verschlungenen Wege für Verbraucher nachvollziehbar zu machen.derStandard.at: Sie haben für das Schwarzbuch Gold jede Menge Fakten und Daten zusammengetragen. Was hat Ihr Interesse geweckt?
Brigitte Reisenberger: Ich arbeite schon seit längerem für eine Menschenrechtsorganisation und bin so zum ersten Mal mit Menschen in Kontakt gekommen, die in Goldbergbaugebieten leben. Da bin ich auch auf die Probleme gestoßen, die damit verbunden sind.
derStandard.at: Sie haben solche Gebiete auch besucht. Das Goldgeschäft ist demnach ein ziemlich dreckiges. Worauf sind Sie gestoßen?
Reisenberger: Ich habe längere Zeit in einem Dorf in Ghana verbracht, das direkt im Umfeld einer Mine angesiedelt worden ist. Dort hat man hautnah miterlebt, wie es ist, wenn Sicherheitsdienste der Minenunternehmen oder die Polizei ständig durch den Ort patroullieren. Die Leute müssen großen psychischen Druck ertragen, sind Schikanen ausgesetzt. Die Bauern müssen zum Beispiel die Minen durchqueren, um zu ihren Feldern zu kommen. Leute werden gegeneinander ausgespielt und die Dörfer teilweise gespalten. Was die Leute erleben, ist ein sehr strategischer Divide-and-Rule-Zugang der Minenbetreiber. Die picken sich ein paar heraus, um sie zu unterstützen, und die breite Masse wird links liegen gelassen.
derStandard.at: Das erinnert stark an die Anfänge des Goldbusiness um 1900 in Südafrika. Dort wurden die Bauern quasi ihrer Existenzgrundlage beraubt, sodass ihnen gewissermaßen nichts übrig blieb als in den Goldminen zu arbeiten.
Reisenberger: Ja, Südafrika ist da quasi ein klassisches Beispiel, weil das Regime und der Goldbergbau sehr eng verknüpft waren. Ohne die billigen Arbeitskräfte des Apartheidregimes hätte die Goldindustrie nie einen so hohen Gewinn abwerfen können. Umgekehrt hat sich das Regime aus der Minenindustrie finanziert.
derStandard.at: Von 228 Goldminen liegen 19 Prozent in politisch stabilen Ländern. Wie sieht es mit der Verquickung von Gold und Politik heute aus?
Reisenberger: Goldabbau findet sehr oft in marginalisierten, abgelegenen Gebieten statt. Dort leben häufig indigene Gruppen oder Kleinbauern, die zuwenig Macht haben, sich gegen solche Projekte zur Wehr zu setzen. Oft wird in den jeweiligen Staaten von einem nationalen Opfer gesprochen, das ein Land im Dienste des Fortschrittes erbringen müsse. Im Endeffekt sind es aber die Ärmsten, die diese Opfer bringen.
derStandard.at: Die Goldindustrie reiht sich damit offenbar nahtlos in die Rohstoffindustrie ein. Den multinationalen Konzernen sagt man nach, dass sie lieber auf Gesundheits- und Sicherheitsvorsorge in den Minen verzichten und stattdessen den Arbeitern später eine unangemessene Entschädigung zahlen. Gibt es die Guten und die Bösen?
Reisenberger: Diese Kategorisierung funktioniert leider nicht. Es gibt manche, die sind beim Umweltaspekt ein bisschen besser, andere zahlen da und dort höhere Löhne. Aber von den Großen bis zu den Kleinen durchziehen verschiedene Probleme die Branche.
derStandard.at: Gibt es Auswege?
Reisenberger: Ghana ist zum Beispiel ein Land, in dem man sieht, in welche Richtung das gehen kann. Man sieht hier, wie wichtig es ist, in Menschen und in die Zivilgesellschaft zu investieren. Dort sind die zivilgesellschaftlichen Organisationen relativ gut organisiert, versuchen vernetzt und auf lokaler Ebene zu arbeiten. Das sieht dann konkret zum Beispiel so aus, dass man, wenn Minenunglücke passieren, sofort die Presse hinzuholt und die Umweltbehörde aufmerksam macht. Andrerseits arbeiten sie daran, mehr Transparenz in den Sektor zu bekommen, weil diese Deals sehr im Dunklen ablaufen, was die Vertragsvergabe betrifft. Sie haben es jetzt geschafft, die Fördergebühren von drei auf fünf Prozent zu steigern, was ein ziemlicher Meilenstein ist. In Ghana ist es relativ einfach, sich zu organisieren und auch politischen Druck auszuüben. In anderen Ländern wie etwa Kambodscha ist es wahnsinnig restriktiv. Da ist es sehr schwierig für Interessensgruppen, weil die Menschen oft wirklich Angst um ihr Leben haben müssen.
derStandard.at: Sie sagen, dass anders als beim Öl, die goldenen Reichtümer nicht überall komplett an der lokalen Bevölkerung vorbei gehen. Ist das schon ein Fortschritt?
Reisenberger: In Ghana gab es schon immer ein paar Hunderttausend Kleinschürfer. Das sind meistens Subsistenzbauern, die, wenn sie nicht in der Landwirtschaft tätig sind, Gold abbauen. Goldschürfen hat dort Tradition. Allerdings kommt dazu eine neue Komponente, weil die Kleinschürfer immer mehr werden. Sehr viele Bauern verlieren Land wegen der Ausbeutung durch die Minenindustrie und verdingen sich dann hauptberuflich als Kleinschürfer. Nicht alle sind davon begeistert. Die Mehrzahl sagt, sie wäre eigentlich lieber Bauer. Sie haben zwar auch die Hoffnung auf den großen Fund, aber groß reich wird im Endeffekt keiner. Mehr als ein paar Dollar pro Tag verdient der Durchschnittskleinschürfer nicht. Außerdem ist Kleinbergbau nicht umweltfreundlicher als industrieller Bergbau. Der Großindustrielle verwendet Zyanid, der Kleinschürfer verwendet Quecksilber - auch verbunden mit wahnsinnigen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kleinschürfer.
derStandard.at: Vermutlich passieren auch nicht wenige Unfälle?
Reisenberger: Sehr oft. Es gibt eine freiwillige Selbstverpflichtung der Konzerne, mit Zyanid sorgfältig umzugehen. Da sind auch fast alle großen Minenkonzerne beteiligt, aber das ist in keiner Weise eine Garantie. In Ghana ist erst vor ein paar Monaten wieder von einer solcherart zertifizierten Mine Zyanid ausgetreten. Das hat man versucht zu vertuschen. Erst als den Bauern tote Fische aufgefallen sind, und sie bei der Umweltbehörde Alarm geschlagen haben, ist das aufgeflogen. Es würde mehr Sinn machen, die nationalen Umweltgesetze zu schärfen und deren Einhaltung zu fordern.
derStandard.at: Das ist wohl eine Frage der Kosten-Nutzen-Rechnung?
Reisenberger: So ist es. Es werden eben viele Kosten externalisiert. Da werden Leute umgesiedelt, Arbeitsplätze gehen häufig mehr verloren, als geschaffen werden. Ökosysteme werden oftmals nachhaltig beeinträchtigt. Leute werden schikaniert. Aber das lässt sich alles schwer in Geld aufwiegen. Würde man das alles in jede Feinunze Gold, die produziert wird, einbeziehen, dann würde der Preis ordentlich nach oben schießen.
derStandard.at: Die Gesamtkosten zur Förderung einer Unze Gold liegen bei durchschnittlich 740 Dollar, dazu kommen Forschung und Exploration. Wie hoch sind die Margen bei den effizientesten Goldgräbern.
Reisenberger: In Afrika liegen die Produktionskosten bei rund 400 Dollar, in Südafrika bei 700 bis 800. Bei einem Preis von 1.900 Dollar bleibt ein hübsches Sümmchen. An der Produktion orientiert sich der Goldpreis aber ohnedies schlichtweg nicht. Die Goldproduktion bleibt Jahr für Jahr relativ konstant. Natürlich werden jetzt mit dem steigenden Preis wieder viele Minen reaktiviert, weil es sich ökonomisch rechnet, sie auszubeuten. Da macht es zum Beispiel in Südafrika auch Sinn, bei einem Goldpreis von 1.900 Dollar fünf Kilometer in die Tiefe zu gehen. Wenn irgendwo die Gewerkschaften höhere Löhne für die Minenarbeiter verlangen oder sich eine Goldmine als taube Nuss erweist, wirkt sich das kaum auf den Goldpreis aus, wenn aber wieder einmal über die Probleme in Griechenland berichtet wird, sieht man das sofort. Und in gewissem Ausmaß wirkt sich auch noch die hohe Nachfrage in China oder Indien im Schmuckbereich aus.
derStandard.at: Sie führen in Ihrem Buch Auguren an, die den Gold-Preis bei 10.000 Dollar sehen. Das würde die Produktion sicher noch einmal heftig beflügeln?
Reisenberger: So eine Mine hat eine lange Vorlaufzeit. Das dauert abhängig vom Gebiet schnell einmal fünf, sechs Jahre. Jetzt ist man eher dazu übergegangen, bereits stillgelegte Schächte wieder in Betrieb zu nehmen, außerdem wird wieder mehr in Forschung investiert. Rund 165.000 Tonnen Gold wurden schätzungsweise schon gefördert. Über 100.000 Tonnen könnte es noch geben, ein Drittel davon wird in Südafrika vermutet. Man wird immer weiter in die Tiefe gehen, um an dieses Gold zu kommen. Es wird immer gefährlicher und teurer, diese Vorkommen auszubeuten. Jede Woche sterben ein bis zwei Kumpel im Goldbergbau.
derStandard.at: Würde ich mir jetzt einen Goldbarren kaufen wollen, wo könnte ich sehen, dass ich kein in diesem Sinne „schmutziges Gold" kaufe?
Reisenberger: Gold hat kein Mascherl. Der Weg von der Mine bis zu den Barren ist völlig undurchsichtig. Es gibt keinerlei Herkunftszertifizierung. Die Industrie ist auch sehr dahinter, das im Unklaren zu lassen. Die Goldbranche ist sehr diskret. Das meiste Gold kommt über die Schweiz nach Europa in die Banken und in den Handel. Viele Minenunternehmen haben Raffinerien in der Schweiz. Und die Schweizer sind bekannt dafür, diskret zu sein. Dort in der Schweiz wird dann quasi das Gold aus Afrika sauber gemacht. Um die Produktionsbedingungen in der Schweiz mache ich mir keine Sorgen.
derStandard.at: Wie komme ich zu „Green Gold"?
Reisenberger: Dieses fair und in Teilen auch ökologisch produzierte Gold, hauptsächlich von Kleinschürfern und Kooperationen in Lateinamerika, ist überwiegend für den Schmucksektor interessant. Die Nachfrage ist relativ hoch, die vorhandenen Mengen relativ gering. Das wird wohl ein Nischenprodukt bleiben. Zum Beispiel für einen Ehering, bei dem man sicher sein will, dass der aus ökologisch produziertem Gold besteht. (Regina Bruckner, derStandard.at, 5.9.2011)
Schwarzbuch Gold, Gewinner und Verlierer im neuen Goldrausch, Brigitte Reisenberger, Thomas Seifert, August 2011, erschienen bei Deuticke, Wien.>
9.12.2011: Goldmine provoziert vergiftetes Trinkwasser mit Cyanid - Beispiel Goldmine "Marlin" in San Marco in Guatemala
aus: Der Standard online: Guatemala: Trübe Aussichten beim glänzenden Gold-Geschäft; 9.12.2011;
http://derstandard.at/1322531341204/Guatemala-Truebe-Aussichten-beim-glaenzenden-Gold-Geschaeft
09. Dezember 2011 06:15
Protestaktion gegen Minenbau im Departement Totonicapán. Bischof Ramazzini unterstützt eine Protestaktion in Totonicapán.
Die Anwohner von San Marco in Guatemala wehren sich gegen die Goldmine "Marlin" - Bislang ohne Erfolg50 Kilometer und im Zick-Zack schlängelt sich "Marlin" unterirdisch durch San Marco und umliegende Gemeinden in Guatemala. Die Goldmine ist in Besitz von Montana Exploradora de Guatemala, einer Niederlassung der kanadischen Firma Goldcorp.1998 wurden die Goldvorkommen entdeckt, seit 2005 wird der Bodenschatz abgebaut. Aufgrund schwacher Verträge profitiert Guatemala vom Geschäft mit dem Gold kaum. Im Gegenteil: Umweltverschmutzung und soziale Probleme belasten die Bewohner der Region. Gewinner sind ausländische Konzerne.
"Da es ein sehr schwaches Bergbaugesetz gibt, hat uns der Abbau von Gold und Silber nur noch mehr Probleme gebracht", berichtet Alvaro Ramazzini, der seit 1989 Bischof im südwestlichen Hochland ist und sich im Widerstand gegen die großen Konzerne engagiert. Das Gesetz würde ausländische Konzerne sogar bevorzugen und ihnen in den ersten sieben Jahren Steuerfreiheit verschaffen. Die Betreiber der "Mina Marlin" müssten gar nur ein Prozent ihrer Bruttoeinnahmen an Guatemala leisten, sagt Ramazzini.
Volksbefragungen ohne Konsequenzen
"Bislang gab es 59 Volksbefragungen über Minenprojekte und alle Gemeinden haben negativ abgestimmt", berichtet der Bischof. Doch der Präsident und die Regierung würden auf diese Zeichen nicht reagieren. Was mit der Mine "Marlin" nach deren Stilllegung passieren wird, ist unklar. Ramazzini hat mit Hilfe von Forschen berechnen lassen, dass eine angemessene Schließung zehn Millionen Dollar kosten würde. Bislang habe der Staat jedoch nur eine Million zurückgelegt.
Konflikte zwischen Indigenen und Staat
Zunächst nehmen die BewohnerInnen vieler Regionen neue Minen als Chance wahr, da dadurch Jobs geschaffen werden. Der Preis ist hoch: Traditionelle Lebensgrundlagen werden zerstört. Denn industrielle Goldförderung kann selbst bei einem extrem niedrigen Vorkommen von 0,5 Gramm pro Tonne Gestein noch wirtschaftlich rentabel sein. Es werden aber auch bei höherem Vorkommen große Mengen Gestein bewegt und das Gold mit Hilfe von giftigen Chemikalien daraus gewonnen. Die dafür nötigen Deponien brauchen sehr viel Platz, wodurch benachbarte Dorfgemeinschaften ihr angestammtes Land verlieren.
Bei Zwangsumsiedlungen werden die Rechte der Betroffenen regelmäßig missachtet, angemessene Entschädigungen gibt es selten. Und das, obwohl laut Bestimmungen von internationalen Konventionen große Bergbauprojekte nur durchgeführt werden dürfen, wenn die lokalen indigenen Gemeinschaften ihre Zustimmung ("free, prior and informed consent") geben. Eine Folge dieser Marginalisierung der Rechte einer Bevölkerungsgruppe kommt es zu gewaltvollen Konflikten, in die sowohl private Sicherheitsfirmen, als auch staatliche Kräfte verwickelt sind.
Vergiftetes Trinkwasser
Die Betroffenen versuchen, sich vor allem gegen die Umweltverschmutzung zu wehren. "Der Abbau der Bodenschätze unterliegt nur einer schlechten Prüfung", kritisiert Ramazzini. Durch Unfälle, wie Lecks oder Dammbrüche, wird das Wasser mit hochgiftigem Cyanid verunreinigt. Die Abfälle der Minen werden zudem oft unsachgemäß gelagert. Die gesundheitlichen Konsequenzen bleiben nicht aus: Verseuchtes Oberflächen- und Grundwasser macht die AnwohnerInnen krank. Bischof Ramazzini weist darauf hin, dass all diese Probleme auch noch Jahre nach Stilllegung einer Mine aktuell sein können.
Guatemala nach dem Bürgerkrieg
Das große Problem des kleinen Staates in Zentralamerika ist die Armut. Die Preise für Lebensmittel und Medikamente steigen, die Gehälter bleiben jedoch gleich. Ramazzini liefert Zahlen: Demnach leiden 59 Prozent der ein- bis fünfjährigen Kinder der Indigenen an chronischer Unterernährung. Laut UNICEF liegt Guatemala auf dem siebten Rang, was Kindersterblichkeit betrifft. "Das ist noch dazu so traurig, da in meinem Land genug Lebensmittel vorhanden wären", sagt Ramazzini
"Das Land ist durch die 36 Jahre Bürgerkrieg geprägt. Es werden noch immer 13 bis 15 Menschen pro Tag ermordet: Das ist mehr als zur Zeit des Bürgerkriegs", sagt Ramazzini. Die aktuellen Konflikte hängen seiner Meinung also auch mit der vergangenen Situation zusammen, die noch nicht aufgearbeitet wurde.
Gold: Sicherheit für nervöse Anleger
Der Goldpreis gilt in der Börsenwelt als Krisenindikator: Sobald die Nerven von Anlegern zu flattern beginnen, flüchten sie zum vermeintlich sicheren Gold. Das Edelmetall gilt als krisensicher, da es so selten vorkommt. Weltweit wurde bis 2009 insgesamt jene Menge Gold geschürft, die der Größe eines Würfels mit 20,28 Metern Seitenlänge entspricht, informiert die Dreikönigsaktion. Seit 1950 wurden laut aktuellen Zahlen des World Gold Council etwa 65 Prozent des Weltgoldbestandes aus dem Boden gefördert.
Da seit 2001 die Goldpreise kontinuierlich steigen, wird auch die Förderung des Edelmetalls immer mehr forciert. Durch gegenseitige Übernahmen kam es zu einer starken Konzentration im Bergbausektor: Die zehn größten Unternehmen gewinnen mittlerweile 40 Prozent der gesamten jährlichen Produktion. Ihre Firmensitze sind vor allem in Kanada, den USA, Südafrika und Australien.
Hoffnung auf neue Regierung
Die Alliance for Responsible Mining (ARM) und Fairtrade International (FLO) haben gemeinsam Standards entwickelt. Das ist eine Möglichkeit für BergarbeiterInnen und ihre Familien, ihre Lebenssituation zu verbessern. Für "ecological gold", das ohne Einsatz von Chemikalien und unter Einhaltung strenger Umweltauflagen gewonnen wird, gibt es zusätzlich einen Aufschlag in Höhe von fünf Prozent der entsprechenden Kursfestsetzung.
Bischof Ramazzini gibt die Hoffnung nicht auf: Am 11. Jänner beginnt eine neue Regierung ihre Arbeit. Das Parteiprogramm ist noch nicht bekannt. "Wir verlangen eine Stilllegung und, dass die kommenden 20 Jahre keine neuen Lizenzen vergeben werden", sagt er. Die Zeichen deuten auf anderes hin: Erst kürzlich wurde wieder eine Lizenz für ein umstrittenes Minenprojekt in einem Umweltschutzgebiet vergeben. (Julia Schilly, derStandard.at, 29.11.2011)>
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