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Der Klimawandel mit Klimaerwärmung und die Auswirkungen (Teil 2)

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino


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Welt
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9.12.2010: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung meint, die Ozeane speicherten höhere Temperaturen deutlich länger - ohne Massnahmen steigt das Meer um 2 Meter

aus: Welt online: Neue Umweltstudie: Klimaprobleme viel dramatischer als bislang bekannt; 9.12.2010;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article11506112/Klimaprobleme-viel-dramatischer-als-bislang-bekannt.html

<Düstere Prognose Potsdamer Klimaforscher: Selbst wenn es gelänge, die Erde wieder abzukühlen, würde der Meeresspiegel für weitere 200 Jahre ansteigen.

Die Eindämmung des Klimawandels steht einer neuen Studie zufolge vor größeren Problemen als bislang angenommen. Die Ozeane speicherten höhere Temperaturen deutlich länger als bisher gedacht, da durch die Erderwärmung der normale Wärmeaustausch in den Meeren gestört werde, teilte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mit.

Selbst wenn es gelingen sollte, den Planeten durch den Entzug von Kohlendioxid aus der Atmosphäre wieder abzukühlen, würde diese Abkühlung daher rund zehnmal länger dauern als zuvor das Aufheizen durch Treibhausgase.

Folge wäre, dass der globale Meeresspiegel trotz Abkühlung der Erdoberfläche noch für weitere 200 Jahre ansteige, hieß es weiter. Die Studie soll den Angaben zufolge in Kürze in der Zeitschrift „Earth System Dynamics“ veröffentlicht werden.

Beim Weltklimagipfel im mexikanischen Cancún wird derzeit den Angaben zufolge über eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter verhandelt.

Auch bei einer Erderwärmung um nur 1,5 Grad werde der Meeresspiegel jedoch bis 2250 um rund 30 Zentimeter steigen, hieß es weiter. Wenn weiter Treibhausgase wie bisher ausgestoßen werden, werde der Meeresspiegel insgesamt um mehr als zwei Meter steigen und auch im Jahr 2500 noch nicht wieder zurückgehen.

Die bisher freiwillig abgegebenen Versprechen vieler Staaten, ihren CO2-Ausstoß zu verringern, würden zu einem Temperaturanstieg von etwa drei bis vier Grad führen, hieß es weiter.

Eine Begrenzung der Erderwärmung auf rund 1,5 Grad könne erreicht werden, wenn die klimaschädlichen Emissionen ab 2015 sinken und ab 2070 Kohlendioxid aus der Atmosphäre entzogen werde, hieß es weiter. Dafür müssten jedoch voraussichtlich fossile Brennstoffe massiv durch Biomasse ersetzt und Kohlendioxid mit Hilfe der CCS-Technologie unterirdisch gespeichert werden. Beides berge Risiken.

[Die Krämer vom Klimagipfel in Cancún bewirken nichts]

Beim UN-Klimagipfel in Cancún läuft indes den 194 Staaten die Zeit davon. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard betonte: „Es gibt kaum Anzeichen für Fortschritte in Schlüsselfragen.“

Selbst bei angestrebten Lösungen wie dem Waldschutz zur Eindämmung klimaschädlicher Emissionen hakt es nach Angaben aus Delegationskreisen. Umstritten ist, ob private Unternehmen zum Schutz vor einer Abholzung Waldgebiete in Entwicklungsländern kaufen dürfen und die durch den Erhalt vermiedenen Emissionen auf ihre Klimabilanz anrechnen lassen dürfen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) rief die Staaten mit eindringlichen Worten dazu auf, zu handeln und den Klimawandel als Wachstumschance zu begreifen. „In Deutschland hat in den letzten Jahren ein Umdenken begonnen“, sagte Röttgen in seiner Rede zu den Delegierten. „In Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sehen wir den Klimawandel nicht länger als Bedrohung an, sondern als Chance und Herausforderung“, betonte Röttgen.

EPD/dpa/oc>

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n-tv
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12.12.2010: Der Klimagipfel von Cancún - Bolivien gehen die Resultate nicht weit genug

aus: n-tv online: Klage in Den Haag angekündigt: Bolivien will Cancún stoppen; 12.12.2010;
http://www.n-tv.de/politik/Bolivien-will-Canc-n-stoppen-article2130031.html

Bolivien sträubt sich gegen die Ergebnisse des Klimagipfels von Cancún, weil sie dem südamerikanischen Land nicht weit genug gehen. Die Regierung will in Den Haag klagen, weil der Gipfel die Blockade Boliviens lediglich als Fußnote abgetan und damit das Konsensprinzip aufgehoben hatte.

Bolivien will nach seiner gescheiterten Blockade das beim Weltklimagipfel in Cancún vereinbarte Klimaschutzpaket nun vor Gericht stoppen. "Wir werden vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen den Text von Cancún klagen", teilte die Regierung in La Paz mit. Das Klimapaket von Cancún war von allen anderen 193 Teilnehmerstaaten abgesegnet worden. Nur Bolivien sträubte sich, weil dem südamerikanischen Land die Anstrengungen zum Klimaschutz nicht weit genug gehen.

Trotz des fehlenden Konsenses hatte die mexikanische Außenministerin, die Konferenzleiterin Patricia Espinosa, die Vereinbarung für angenommen erklärt. Viele lobten sie für diese allerdings sehr offensive Auslegung der UN-Spielregeln. Der UN-Botschafter Boliviens, Pablo Solón, kritisierte die Missachtung der bolivianischen Haltung als "Attentat gegen die Regeln des Rahmenabkommens über den Klimaschutz". Heute sei Bolivien betroffen, aber morgen könne es jedes andere Land treffen, warnte er. Das Konsensprinzip dürfe nicht aufgegeben werden.

Patricia Espinosa hat die Bedenken Boliviens in einer Fußnote abgetan und war dafür weltweit gelobt worden.

Gegen den erbitterten Widerstand Boliviens hatte der UN-Klimagipfel in Cancún in letzter Minute ein überraschend umfangreiches Klimaschutzpaket verabschiedet. Es kann die Basis für den dringend notwendigen Weltklimavertrag sein. Das von den mehr als 190 Teilnehmern nach einer teilweise dramatischen Schlussphase verabschiedete Abkommen sieht unter anderem einen Fonds vor, um armen Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Erstmals wird das auch Ziel, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, verbindlich bestätigt.

Obama lobt "exzellente Arbeit"

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama zeigten sich zufrieden. Obama gratulierte seinem mexikanischen Kollegen Felipe Calderón. Die EU-Kommission bezeichnete die Einigung als Erfolg.

Mexiko habe bei der Konferenz exzellente Arbeit geleistet, sagte Obama in dem Telefonat. Das Gipfelergebnis habe den Kampf gegen den Klimawandel vorangebracht. "Wir haben heute in Cancún einen guten Schritt nach vorne gemacht", sagte Merkel in Berlin. Es bleibe jedoch sehr viel zu tun, um ein Anschlussabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Abkommen zu erzielen. "Aber das war heute ein wichtiger Tag für den internationalen Klimaschutz", fügte die Kanzlerin hinzu.

Das erste verabschiedete Papier des Abkommens umfasst die Fortführung des Kyoto-Protokolls, das zweite auch die Klimaziele der USA und der Entwicklungsländer. Noch sind aber weiterhin auch viele Absichtserklärungen darin enthalten.

Schutz für die Wälder

Der Wald soll besser geschützt werden, weil durch die Abholzung rund 15 Prozent der CO2-Emissionen entstehen. Zudem soll ein Klimafonds geschaffen werden, um arme Länder bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Von 2020 an sollen dafür jährlich rund 100 Milliarden Dollar (75 Mrd. Euro) an Klimahilfsgeldern zusammenkommen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte in Brüssel: "Die Vereinbarung von Cancún (...) ist ein wichtiger Schritt hin zu einem umfassenden und rechtlich bindenden Rahmen für ein weltweites Klima-Handeln."

Klimaschützer äußerten sich verhalten positiv, waren sich jedoch einig, dass die Vereinbarung nicht ausreiche, um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. Greenpeace sprach von einem Zeichen der Hoffnung. "Das Ergebnis ist besser, als viele hier zeitweise befürchtet haben. Trotzdem - es ist erst der Anfang, sagte der Leiter der Internationalen Klimapolitik von Greenpeace, Martin Kaiser. "Mit der Übereinkunft von Cancún wurde eine gute Grundlage für die kommenden Klimaverhandlungen in Südafrika gelegt", meinte WWF- Klimaexpertin Regine Günther. Diese sollen 2011 in Durban stattfinden.

dpa>

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Stern
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15.12.2010: <Klimawandel: Der Eisbär überlebt doch> - falls sich die Treibhausgase verringern

Die Annahme, dass sich die Treibhausgase verringern könnten, gibt zur Spekulation Anlass, dass das Klima sich nicht mehr erwärmen würde, und so könnte der Eisbär dann doch überleben. Also: Wir haben hier die Spekulation der Spekulation. Aber lesen Sie selbst:

aus: Stern online; 15.12.2010; http://www.stern.de/wissen/natur/klimawandel-der-eisbaer-ueberlebt-doch-1634644.html

<Eisbären gelten als Paradeopfer des Klimawandels: Bei fortschreitender Erderwärmung würden bis 2050 zwei Drittel der heutigen Population ausgestorben sein, warnten Wissenschaftler schon vor Jahren. Nun revidieren sie ihre Prognose: Ganz so düster sieht es wohl doch nicht aus.

Sie sind das bekannteste Symbol für den Klimawandel: Seit Jahren warnen Experten, dass die Eisbären stark von der globalen Erwärmung bedroht seien. Doch nun gibt es Hoffnung für die Tiere: Bei einer Drosselung der Treibhausgas-Emissionen in den kommenden Jahrzehnten sind die Polarjäger offenbar nicht dem Untergang geweiht. Mit dieser Einschätzung im Magazin "Nature" revidieren US-Forscher ihre frühere Prognose, die Erderwärmung und das Abschmelzen des arktischen Eises entziehe den Tieren die Lebensgrundlage.

Tatsächlich brauchen die in den nördlichen Polarregionen heimischen Eisbären zum Überleben Packeisfelder: Denn dort stellen sie insbesondere Robben nach, etwa wenn diese an Eislöchern zum Luftholen auftauchen. Verschwindet das Treibeis in der warmen Jahreszeit, so fällt die Hauptnahrungsquelle weg - mit schlimmen Folgen: Die hungernden Räuber verlieren pro Tag bis zu ein Kilo Gewicht.

Schicksal der Eisbären nicht besiegelt

In einer früheren Studie im Jahr 2007 rechnete der Biologe Steven Amstrup vom US Geological Survey noch mit einem stetig steigenden Ausstoß von Treibhausgasen. Der dadurch angefachte Klimawandel lasse das Meereseis im Spätsommer und Frühherbst dahinschmelzen. Bei Fortdauern des dramatischen Eisschwunds - so kalkulierte der Forscher damals - würde bis zum Jahr 2050 nur noch ein Drittel der gegenwärtig rund 22.000 Eisbären leben. Letztlich drohe sogar die gesamte Spezies zu verschwinden. Als Reaktion auf die Studie kam der Ursus maritimus im Jahr 2008 auf die Liste der bedrohten Arten.

"Das war eine ziemlich düstere Prognose, aber sie berücksichtigte nicht die Möglichkeit, dass sich der Ausstoß von Treibhausgasen verringern können", erläutert Amstrup nun. Anhand neuer Klimaberechnungen revidiert der Forscher seine damalige Einschätzung: Im Gegensatz zur früheren Vorhersage existiert demnach keine Schwellentemperatur, ab der ein vollständiger Verlust des arktischen Eises im Sommer unabwendbar und damit das Schicksal des Eisbären besiegelt ist.

"Hoffnungsvolle Botschaft"

Sollte der Mensch die Treibhausgas-Emissionen in den kommenden zwei Jahrzehnten drosseln, so bliebe den Tieren demnach wohl auch im Spätsommer und Frühherbst noch genug Eis zum Überleben. "Unsere Forschung bietet eine sehr vielversprechende hoffnungsvolle Botschaft", sagt die an der Studie beteiligte Klimaforscherin Cecilia Bitz von der Universität von Washington. "Aber sie liefert auch einen Anreiz, die Treibhausgas-Emissionen einzuschränken.">

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Welt online, Logo

16.12.2011: Neue Tierkreuzungen im arktischen Raum wegen Klimaerwärmung und Eisschmelze - der Pizzly-Bär u.a.

aus: Welt online: Klimawandel: Eisschmelze zwingt Arktis-Tiere zu Fehlpaarungen; 16.12.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article11647369/Eisschmelze-zwingt-Arktis-Tiere-zu-Fehlpaarungen.html

<Bei vielen Säugetieren in der Arktis gibt es ein neues Paarungsverhalten über Artgrenzen hinweg: Dabei entstehen immer mehr so genannte Hybride.

Forscher weisen unter anderem auf "Pizzly"-Bären hin, eine Mischung aus Eisbär (englisch: polar bear) und Grizzly. Aber auch bei vielen anderen Säugetieren der Polarregion seien Hybridformen beobachtet worden.

Der Klimawandel verlangt den Tieren in der Arktis einiges ab: Laut einer wissenschaftlichen Studie finden viele Säugetiere nun nicht einmal mehr den passenden Partner, um Nachwuchs zu zeugen. Wie die britische Fachzeitschrift „Nature“ berichtete, führt das schmelzende Eis isolierte Tiere unterschiedlicher Arten zueinander. Immer häufiger würden Hybride gezeugt, und seltene Tiere seien in ihrer Existenz bedroht.

„Das schnell schmelzende Eis im Arktischen Meer gefährdet Arten durch das Kreuzen sowie durch den Verlust des Lebensraumes“, schreiben die Wissenschaftler um Brendan Kelly von der US-Behörde für Ozeane und Atmosphäre in der Studie.

Im Jahr 2006 hätten Wissenschaftler einen „Pizzly“ entdeckt, eine Mischung aus Eisbär (englisch: polar bear) und Grizzly. Im Jahr 2010 habe ein Jäger einen Bären erschossen, der eine gemischte DNA aufwies. Auch bei Walen gab es Vermischungen, ebenso wie bei Seehunden.

Wie sehr sich die arktischen Tiere schon vermischt haben, ist laut Kelly noch unklar. Es gebe jedoch bereits mehrere Beispiele: So sei im vergangenen Jahr in der Barentsee zwischen Alaska und Russland eine Kreuzung aus dem Grönlandwal und dem Pazifischen Nordkaper fotografiert worden.

Die Pazifischen Nordkaper, von denen es nur noch weniger als 200 Exemplare gibt, könnten den Forschern zufolge durch Kreuzungen mit dem viel häufiger vorkommenden Grönlandwal gänzlich verdrängt werden. Auch bei Schweinswalen und Seehunden sei Nachwuchs mit veränderten Chromosomen entdeckt worden.

Kelly betonte, das Entstehen von Hybriden sei nicht für sich genommen etwas Schlechtes, denn das Phänomen habe maßgeblich die Evolution vorangetrieben. Eine von Menschen verursachte Kreuzung wie in diesem Fall sei jedoch meist nur von kurzer Dauer und verringere die genetische Vielfalt dramatisch schnell.

So bestehe etwa im Falle der Kreuzung aus Eisbär und Grizzly für den Hybriden ein Überlebensproblem. Während der Eisbär für das Jagen von Seehunden seine guten Fähigkeiten als Schwimmer nutzen kann, kann der Grizzly aufgrund seines Körperbaus nur schlecht schwimmen.

Die Forscher sprachen sich dafür aus, solche Bären-Kreuzungen zu töten, so wie es bei Kreuzungen aus Wölfen und Kojoten in den USA getan wurde.

Die globale Erderwärmung trifft die Arktis zwei- bis dreimal stärker als den Rest der Welt und sorgt für eine drastische Veränderung der von zahlreichen Land- und Meeressäugern bewohnten Umwelt. Experten rechnen damit, dass es gegen Ende dieses Jahrhunderts im Sommer kein Eis mehr an der Polkappe geben wird, wenn der weltweite CO2-Ausstoß nicht drastisch reduziert wird.

AFP/OC>

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n-tv online, Logo

10.3.2011: Bis 2050 wird das Meer um 32 Zentimeter anschwellen

aus: n-tv online: Meeresspiegel steigt rasant an - Eis verschwindet an den Polen; 10.3.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Eis-verschwindet-an-den-Polen-article2802016.html

<Die polaren Eisschilde - also das grönländische und antarktische Inlandeis - schrumpfen nach einer neuen Studie immer schneller. Demnach ist dieser Prozess inzwischen zur Hauptursache des globalen Meeresspiegel-Anstiegs geworden - stärker noch als der Verlust an Gletschereis und das Schmelzen von kleineren Eiskappen.

Die Wissenschaftler um Eric Rignot vom Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena und der Universität von Kalifornien in Irvine analysierten für ihre Studie Daten von 1992 bis 2009. Nach Angaben von Rignot ist es nicht überraschend, dass die polaren Eisschilde die künftige Meeresspiegel-Höhe bestimmten, weil die Eismasse viel umfangreicher sei als die von Gletschern. Die Überraschung liege im Tempo der Entwicklung - darin, dass es "jetzt schon passiert".

475 Milliarden Tonnen Eis im Jahr

So ergab die von der American Geophysical Union (AGU) veröffentlichte Studie bei den polaren Eisschilden zusammen einen durchschnittlichen jährlichen Verlust an Masse von 475 Milliarden Tonnen. Das sei genug für einen durchschnittlichen globalen Meeresspiegel-Anstieg von jährlich 1,3 Millimetern. Dagegen belief sich die Schmelze von Gletschern und kleineren Eiskappen auf durchschnittlich 402 Milliarden Tonnen pro Jahr.

Das Schrumpfen des Inlandeises habe sich von Jahr zu Jahr rapide beschleunigt, heißt es. Jedes Jahr seien zusammen durchschnittlich 36,3 Milliarden Tonnen mehr verloren gegangen als im Jahr davor.

Meeresspiegel steigt wesentlich mehr

Wenn sich der Trend fortsetze, so Rignot, werde der Meeresspiegel wahrscheinlich bedeutend höher steigen als 2007 vom Weltklimarat, dem Intergovernmental Panel on Climate Change der UN (IPCC), vorausberechnet. Laut der Studie könnte er bis 2050 um 32 Zentimeter anschwellen: 15 Zentimeter durch das Schwinden der Eisschilde, 8 Zentimeter durch die Schmelze von Gletschern und Eiskappen sowie 9 Zentimeter durch die thermische Ausdehnung der Ozeane.

Die Studie basiert auf zwei wissenschaftlichen Messmethoden, für die unter anderem Satellitendaten genutzt wurden. Die Ergebnisse sind im Fachblatt "Geophysical Research Letters" vom März veröffentlicht.

"Das ist eine wichtige Studie, weil nach dem letzten IPCC-Bericht für die polaren Eisschilde ein etwa gleicher Beitrag zum Meeresspiegelanstieg abgeschätzt wurde wie für Gebirgsgletscher und kleinere Eiskappen. Rignot und Koautoren beschreiben einen zukünftig zunehmend größeren Beitrag der polaren Eisschilde", kommentierte Prof. Frank Wilhelms vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven die Untersuchung.>

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Financial Times Deutschland online, Logo

29.3.2011: Klimawandel: Schädliche Kondensstreifen - die Bildung von Zirren und der Entzug von Feuchtigkeit in der Luft

aus: Financial Times Deutschland online: Erderwärmung: Kondensstreifen schädlich fürs Klima; 29.3.2011;
http://www.ftd.de/wissen/:erderwaermung-kondensstreifen-schaedlich-fuers-klima/60032428.html

<Vermutet hatten Wissenschaftler es schon länger, jetzt zeigen Berechnungen mit einem neuen Modell: Kondensstreifen verbrauchen in der Luft enthaltene Feuchtigkeit. Dadurch schädigen sie das Klima.

Kondensstreifen hinter Flugzeugen und ihre Folgen heizen die Erde erheblich stärker auf als bisher bekannt. Sie verursachten heute in einem Jahr womöglich sogar mehr Erderwärmung als das angesammelte Kohlendioxid, das Flugzeuge seit Beginn der Luftfahrt ausgestoßen hätten, sagte Atmosphärenforscherin Ulrike Burkhardt. Zusammen mit ihren Kollegen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen hat sie die Auswirkungen der Kondensstreifen mit einem neuen Klimamodell berechnet.
Aus den Kondensstreifen entstehen sogenannte Zirren. Dabei handelt es sich um Wolken aus Eispartikeln. Ihre Fläche ist etwa neunmal größer als der linienförmige, meist sichtbare Streifen, den Flugzeuge am Himmel hinterlassen. Bislang konnten Experten bloß den Effekt linienförmiger Kondensstreifen abschätzen und gingen davon aus, dass die Auswirkung der Zirren deutlich größer sei - konnten das aber nicht belegen.

Ulrike Burkhardt und Bernd Kärcher beschreiben in der Zeitschrift "Nature Climate Change" zudem die Folgen für die natürliche Bewölkung. Da Kondensstreifen in der Luft enthaltene Feuchtigkeit verbrauchen, reduzieren sie die Bedeckung durch natürliche Wolken. Diese Wirkung sei mit dem Modell nachgewiesen worden. Beide - natürliche und künstlich erzeugte - Zirren verringern die Infrarotausstrahlung der Erde und erwärmen so das Klima.

Die Kondensstreifen und ihre Zirren bedecken am Himmel über Europa eine größere Fläche als über Nordamerika, wo der Luftverkehr jedoch vergleichsweise intensiver ist. Das liegt zum einen an der kälteren Luft über dem europäischen Kontinent. Diese ist für die Bildung von Kondensstreifen nötig. Zum anderen werden viele Kondensstreifen, die sich über dem nordatlantischen Flugkorridor bilden, nach Europa transportiert.>

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Spiegel online, Logo

16.4.2011: Übersaures Meerwasser provoziert das Auflösen oder Nicht-Wachstum der Weichtiere

aus: Spiegel online: CO2-Überdosis: Saures Wasser löst Meerestiere auf; http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,754992,00.html

Von "National Geographic"-Autorin Elizabeth Kolbert

Die Ozeane nehmen einen Teil des von uns in die Luft geblasenen Kohlendioxids auf und werden immer saurer. Viele Tiere beginnen buchstäblich, sich aufzulösen. Wird es in hundert Jahren noch Korallenriffe, Muscheln und Schnecken geben?

[Text der Bilderstrecke]:

1. Eine Pazifische Felsenauster vor der Küste von Oregon entlässt eine Woke von Sperma. Hier ist das Wasser stellenweise so stark versauert, dass das Wachstum der Larven gehemmt und die Muschelernte halbiert wurde [web01].

2. Gesunder Meeresboden rund um die Felsenfestung Castello Aragonese vor Ischia: mit Seepocken, roten und braunen Schwämmen, verschiedenfarbigen Algen, einem Seeigel und einem Schleimfisch (Bildmitte) [web02].

3. Einige hundert Meter vom Aufnahmeort des vorigen Bildes entfernt perlt CO2 aus natürlichen unterseeischen Quellen. Ein grauer Algenteppich hat die bunte Vielfalt erstickt. Hier ist das Wasser bereits so sauer, wie es eines Tages in vielen Ozeanen werden könnte [web03].

4. Der große Seestern wuchs in Kiel in einem Becken mit frisch geschöpftem Meerwasser heran [web04].

5. Dieser Seestern wurde in einem Aquarium Bedingungen ausgesetzt, wie sie im Jahr 2100 in der Ostsee herrschen könnten, wenn sich die heutige Entwicklung unverändert fortsetzt. Der Seestern im sauren Wasser erreichte nur ein Fünftel des Gewichts seines Artgenossen [web05].

Wie ein Turm erhebt sich das Castello Aragonese aus dem Tyrrhenischen Meer. Die Festung wurde auf einem kleinen Eiland vor Ischia errichtet und ist von der Hauptinsel aus über eine schmale Steinbrücke zu erreichen. Touristen, die hierherkommen, sind neugierig auf das Leben in früheren Zeiten. Sie steigen zu dem Schloss hinauf, in dem mittelalterliche Folterinstrumente ausgestellt sind. Die Wissenschaftler, die hier anreisen, interessieren sich dagegen für das Leben in der Zukunft.

Eine Laune der Geologie ermöglicht es ihnen, rund um die kleine Felseninsel schon heute einen Blick auf die Ozeane im Jahr 2050 und später zu werfen. Denn hier perlt Kohlendioxid (CO2) aus unterirdischen Quellen des Meeresbodens. Das Gas löst sich im Wasser und reagiert zu Kohlensäure. Was unsere Sprudelgetränke so erfrischend macht, ist für viele Meerestiere einfach ätzend: "Einen hohen CO2-Gehalt verträgt fast kein Lebewesen", sagt der Meeresbiologe Jason Hall-Spencer von der Universität Plymouth in Großbritannien.

Im Meer vor Ischia geschieht von Natur aus in kleinem Maßstab, was die industrielle Welt in den Ozeanen der Welt angestoßen hat: Das Wasser nimmt immer mehr von dem Kohlendioxid auf, das aus unseren Schornsteinen und Auspuffrohren kommt. Die See wird sauer.

Schon seit acht Jahren erforscht Hall-Spencer das Meer rund um Ischia. Er protokolliert die chemischen Eigenschaften des Wassers und beobachtet Fische, Korallen und Schnecken, die hier leben. Und dass sich manche Arten buchstäblich aufzulösen beginnen. An einem kalten Wintertag gehe ich mit ihm und Maria Cristina Buia, einer italienischen Zoologin, zum Tauchen. Wir wollen uns die Auswirkungen der Versauerung ansehen. Etwa 45 Meter vom Strand entfernt werfen wir Anker und lassen uns ins Wasser fallen. Als sich das Meer um uns herum wieder beruhigt hat, sehen wir Kohlendioxidblasen, die wie Perlen aus Quecksilber vom Meeresboden aufsteigen.

Buia hat ein Messer dabei und schabt ein paar Napfschnecken von den Felsen. Die Tiere haben sich auf ihrer Suche nach Nahrung zu weit vorgewagt. Das Wasser hier ist für sie zu sauer und ätzend. Ihre Gehäuse sind papierdünn, fast transparent. Wir schwimmen weiter. Unter uns wiegt sich Seegras, seine Blätter leuchten nackt und grün herauf. Auch das ist ein Indiz für die Versauerung, denn normalerweise sind die Halme dicht mit anderen Lebewesen besiedelt. Auch Seeigel, sonst an Felsküsten allgegenwärtig, sind nicht zu sehen. Dafür treiben ganze Schwärme nahezu durchsichtiger Quallen vorüber. Hall-Spencer gibt uns Warnzeichen: "Vorsicht, die brennen!"

Die Versauerung der Meere lässt sich vermutlich nicht rückgängig machen

Quallen, Seegras und Algen - viel mehr Leben gibt es nicht, wo das CO2 am dichtesten aus dem Meeresboden quillt. Eine Zone im Umkreis von ein paar hundert Metern ist tödlich für viele Arten. Der Säuregehalt des Wassers ist hier - je nach Strömungslage - zeitweise so hoch, wie er es beim heutigen Trend im Jahr 2100 in den Ozeanen weltweit sein könnte. "Welche Folgen das hat", sagt Hall-Spencer, als wir wieder im Boot sitzen, "können Sie so ähnlich in einem stark verschmutzten Hafenbecken sehen: Dort überleben nur ein paar sehr widerstandsfähige Arten. Und so wird es überall werden, wenn der CO2-Gehalt weiter ansteigt."

Seit Beginn der Industriellen Revolution vor rund 150 Jahren haben die Menschen so viel fossile Brennstoffe - Kohle, Öl, Erdgas - verfeuert und so viele Wälder abgeholzt, dass mehr als 500 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt wurden. Seit es den Menschen gibt, ist die Kohlendioxidkonzentration in der Erdatmosphäre niemals höher gewesen als heute.

Meerwasser ist leicht basisch und hat an der Oberfläche einen pH-Wert von 7,9 bis 8,2. Durch die CO2-Emissionen ist dieser Wert im Durchschnitt bisher um ungefähr 0,1 gesunken. Die pH-Skala ist logarithmisch, das heißt, schon kleine Veränderungen der Zahlen stehen für große Wirkungen. Ein Rückgang von 0,1 bedeutet, dass das Wasser um 30 Prozent saurer geworden ist. Wenn sich die Entwicklung fortsetzt, könnte der pH-Wert bis 2100 auf durchschnittlich 7,8 sinken. Dann wäre das Wasser um 150 Prozent saurer als im Jahr 1800.

Die bisherige Versauerung lässt sich vermutlich nicht rückgängig machen. Theoretisch wäre es zwar möglich, dem Meer Chemikalien zuzusetzen und damit dem Effekt des zusätzlichen CO2 entgegenzuwirken. Aber in der Praxis würde man dafür ungeheure Mengen brauchen.

Dieser Artikel ist im National Geographic Deutschland, Ausgabe April 2011, erschienen .>


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n-tv online, Logo

2.5.2011: Der Meeresspiegel steigt immer höher - und immer schneller: 0,9 bis 1,6 m oder 0,75 bis 1,9 m bis 2100 erwartet

aus: n-tv online: Wissen: Höher und schneller: Meeresspiegel steigt dramatisch; 2.5.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Meeresspiegel-steigt-dramatisch-article3229266.html

<Der Arktische Rat sagt einen dramatisch höheren und schnelleren Anstieg des globalen Meeresspiegels voraus. Diese neue Prognose liegt deutlich über dem vom Weltklimarat angenommen Anstieg

An den Polen schmilzt das Eis immer schneller.

Die Expertengruppe AMAP warnt in einem noch unveröffentlichten Bericht vor einem dramatischen Anstieg des Meeresspiegels. Durchschnittlich werde er von 0,9 bis 1,6 Meter bis zum Jahr 2100 ansteigen, wie die Kopenhagener Zeitung "Politiken" berichtete.

Bei der letzten großen Prognose zu dieser Frage hatte der Weltklimarat (IPCC) 2007 angenommen, dass die globale Klimaerwärmung zu einem um 0,19 bis 0,59 Meter höheren Meeresspiegel führt. In dem AMAP-Report heißt es jetzt, dass vor allem das beschleunigte Abschmelzen des arktischen Eises zur unvermutet hohen Änderung des Meeresspiegels beitrage.

Zwischen 2003 und 2008 ist der Meeresspiegel pro Jahr um rund 3 Millimeter angestiegen. Dazu habe das geschmolzene Arktis-Eis mit 40 Prozent beigetragen, heißt es in dem AMAP-Bericht. Weltweit leben 150 Millionen Menschen auf einer Höhe von bis zu einem Meter über dem Meeresspiegel.

In die falsche Richtung

EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard meinte zu der neuen Prognose, sie könne den Verhandlungen zum Klimaschutz vielleicht eine neue Perspektive geben: "Die Daten zeigen, dass es in die falsche Richtung geht." Nach dem gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen habe sich die Lautstärke bei diesem Thema "kräftig vermindert".

Mehrere Studien hatten zwischenzeitlich ebenfalls auf einen höheren Meeresspiegel hingewiesen, als vom IPCC berechnet worden war. So könnte er nach einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Technischen Universität Helsinki im Jahr 2100 sogar um 75 bis 190 Zentimeter höher stehen als heute. Für die Expertise im Fachjournal PNAS (2009) wurden Meeresspiegel- und Temperaturmessungen aus den vergangenen 130 Jahren ausgewertet.

dpa>

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7.5.2011: Brotpreis steigt wegen Klimawandel und sinkender Weizenernte

aus: Welt online: Extremwetter: Klimawandel treibt Preise für Brot in die Höhe; 7.5.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13357031/Klimawandel-treibt-Preise-fuer-Brot-in-die-Hoehe.html

<Autor: Danielle Bengsch

Weizen kommt nicht mit jeder Wetterlage klar. Reis und Soja kommen besser mit Extremwetter zurecht.

Landwirte klagen über schlechte Weizenernten: Dafür ist auch das sich wandelnde Klima verantwortlich. Besonders Weizen und Mais wachsen schlecht.

Brot wird immer teurer. Allein im vergangenen Jahr ist der Preis für ein Kilogramm um rund 3,5 Prozent von 2,02 Euro auf 2,09 Euro im ersten Quartal 2011 gestiegen. Dafür gibt es viele bekannte Gründe: die steigende Inflation zum Beispiel oder die hohen Energiekosten.

Was das Brot besonders teuer macht, ist jedoch der Rohstoff Getreide. Quoten für Biosprit in Europa und USA trieben das Korn vom Teller in den Tank, sagt Amin Werner, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks.

Europa und die USA haben sich Ziele gesetzt, einen bestimmten Anteil ihrer Getreideernte für die Biokraftstoffproduktion einzubehalten. Für den Handel bedeutet das: weniger Ware auf dem freien Markt, bei gleicher oder steigender Nachfrage.

So hat sich im vergangenen Jahr der Preis für Weizen an der Börse beinah verdoppelt, um rund 125 Euro auf 250 Euro pro Tonne. Doch ein Faktor, der den Preis für Getreide ebenfalls in die Höhe schnellen lässt, wurde bislang kaum beachtet: der Klimawandel.

Drei amerikanische Wissenschaftler haben nun den Einfluss von Temperatur und Niederschlägen der vergangenen 30 Jahre auf die Getreideproduktion ermittelt.

„Bislang wurde immer gesagt, ‚lass uns abwarten, bis wir etwas vom Klimawandel spüren. Dann können wir uns anpassen'“, sagt Wolfram Schlenker von der School of International and Public Affairs der Columbia University, „doch wir spüren den Einfluss schon heute“.

Er hat gemeinsam mit seinen Kollegen der Stanford University und des National Bureau of Economic Research analysiert, wie sich die bisherige Klimaveränderung auf die Produktionsmenge der wichtigsten Getreidesorten Weizen, Mais, Soja und Reis ausgewirkt hat. Aus diesen vier Pflanzensorten werden drei Viertel der Kalorien produziert, die die Weltbevölkerung verzehrt.

Die Wissenschaftler werteten regionale und globale Klimaaufzeichnungen und historische Daten früherer Ernten aus. So errechneten sie, wie die Erträge zwischen 1980 und 2008 ausgesehen hätten, wenn die Temperaturen und der Niederschlag sich nicht verändert hätten und verglichen die Ergebnisse mit der tatsächlichen Produktion.

Andere Faktoren, wie technologische Entwicklungen in der Landwirtschaft und sozioökonomische Veränderungen, etwa der Wandel weg von der Agrarwirtschaft hin zu anderen Industrien, bezogen die Statistiker in ihre Rechnung mit ein.

„Wir können nicht garantieren, dass alle Faktoren beachtet wurden. Die brauchen wir jedoch auch nicht, um den generellen Trend zu bestimmen“, sagt Schlenker.

Besonders dramatisch wirkten die klimatischen Veränderungen sich in den Anbaugebieten von Weizen und Mais aus. Hier sollen vor allem wärmere Temperaturen einen Ernterückgang um durchschnittlich 3,8 bei Mais und 5,5 bei Prozent bewirkt haben.

Größter Verlierer ist laut Studie Russland, wo rund 15 Prozent der Weizenernte ausgefallen sein sollen. Erst im vergangenen Sommer brachten trockene Hitze und Waldbrände Russland große Ernteausfälle. Der Export für Weizen wurde damals stark eingeschränkt.

Aber nicht jedem Land bekommt das sich ändernde Klima schlecht: In den USA etwa werden 40 Prozent der weltweiten Ernte von Soja und Mais eingefahren – ohne Einbußen im untersuchten Zeitraum.

Trockenheit, Hitze, aber auch Starkregen und Sturm – die Landwirtschaft kennt die Wetterkapriolen, die der Klimawandel mit sich bringt. „Nördlichere Regionen werden für den Ackerbau zugänglich werden“, sagt Meinolf Lindhauer, Leiter des Instituts für Sicherheit und Qualität bei Getreide des Max Rubner-Instituts.

So könnte ein Ausweichen in andere Anbaugebiete möglich werden, wenn es den bestimmten Getreidearten zu warm oder zu trocken wird. Er denkt an Skandinavien, oder gar Sibirien. Heimische Arten könnten dann durch andere ausgetauscht werden, zum Beispiel durch Kulturpflanzen aus dem Süden.

Ein Beispiel ist der Mais, der seit Ende der 50ger Jahre immer weiter nach Norden vorgedrungen ist. Das ist eine Leistung der Züchtung, und so arbeiten die Kulturpflanzenzüchter schon fleißig an neuen Kreationen, die widerstandsfähiger gegen Hitze und Trockenheit sind, so Lindhauer. Diese sollen etwa tiefere Wurzeln bekommen, um Wasser in tieferen Bodenschichten zu erreichen.

Die wärmeren Temperaturverhältnisse treiben bei Ernteausfällen nicht nur den Brotpreis in die Höhe, sondern könnten auch die Qualität beeinflussen. Denn die Zusammensetzung der Eiweiße im Getreide verändert sich durch das wärmere Wetter. Die Brote und Brötchen gehen im Ofen schlechter auf. Das hat Lindhauer im Hitzesommer 2006 beobachten können. Ob das nun in jedem warmen Sommer so sein wird, ist ungewiss.

Die wärmeren Temperaturverhältnisse treiben nicht nur den Brotpreis in die Höhe, sondern könnten auch die Qualität beeinflussen. Denn die Zusammensetzung der Eiweiße im Getreide verändert sich durch das wärmere Wetter. Die Brote und Brötchen gehen im Ofen schlechter auf. Das hat Lindhauer im Hitzesommer 2006 beobachten können. Ob das nun in jedem warmen Sommer so sein wird, bleibe jedoch abzuwarten.

Das Brot mag in Zukunft weniger gut schmecken oder das Korn anders aussehen, aber genug wird es doch geben. „Der reine Kalorienanteil des Getreides ist ausreichend“, sagt Schlenker.

Doch den hohen und wachsenden Fleischkonsum erkennt Schlenker als problematisch. Das Verhältnis von Kalorien, die man einer Kuh zu fressen geben muss, und denen, die man von ihr bekommt, ist schlecht. Doch immer mehr Menschen äßen immer mehr Fleisch. Heute isst ein Chinese 50 Kilogramm Fleisch im Jahr, vor 30 Jahren nur halb so viel.

Noch kritischer sieht Schlenker die Nutzung von Getreide für Kraftstoffe. „Das ist nicht CO2-effizient“, sagt er. So wird der Preis für Korn direkt und indirekt in die Höhe getrieben.>

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Financial Times Deutschland online,
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10.5.2011: <Insekten: Klimawandel bringt neue Mücken und Viren> nach Europa

aus: Financial Times Deutschland online; 10.5.2011;
http://www.ftd.de/wissen/natur/:insekten-klimawandel-bringt-neue-muecken-und-viren/60050398.html

<Erreger aus Afrika, Insekten aus Asien: Durch die Veränderung des Klimas kommen neue Krankheiten und deren Überträger nach Deutschland. Wissenschaftler warnen aber vor Panik.

Der Klimawandel beschert vielen Regionen auf der Welt Tiere und auch Viren, die bislang vor Ort nicht vorkamen - auch Deutschland. In der Bundesrepublik wurden eine neue Stechmückenart und drei von Mücken übertragene Viren registriert.
Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) und der Universität Heidelberg haben in Zusammenarbeit mit der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) eine neu angelegte Datenbank zur Erstellung einer Mückenkarte für Deutschland um diese Erkenntnisse ergänzt.

Bei der Mückenart handelt es sich um den japanischen Buschmoskito, der im Südwesten Deutschlands identifiziert wurde. In anderen deutschen Stechmücken wurden zudem erstmals das Sindbis-, das Batai- und das Usutu-Virus nachgewiesen. Diese drei ursprünglich in Afrika und Asien vorkommenden Viren können beim Menschen zum Teil schwerwiegende Erkrankungen hervorrufen: "Darum ist es jetzt wichtig, die medizinische Bedeutung dieser Ergebnisse für die Bevölkerung in Deutschland näher zu untersuchen", sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom BNI.

Dennoch sei dies kein Grund zur Panik, sagte der Wissenschaftler. Denn alle Untersuchungen der letzten Jahre zeigten deutlich, dass andere von Stechmücken übertragenen Viren, die weltweit von großer medizinischer Relevanz sind, wie etwa das West-Nil- oder das Dengue-Virus, bisher in Deutschland nicht nachgewiesen werden konnten und daher Erkrankungsfälle mit diesen Viren unwahrscheinlich sind.

Mit dem japanischen Buschmoskito wurden bislang 48 Stechmückenarten in Deutschland nachgewiesen. "Durch unsere Arbeiten haben wir einen guten Überblick über das Auftreten von Stechmücken als mögliche Überträger von Krankheiten wie der Malariamücke Anopheles plumbeus, die sich in vielen ländlichen Gemeinden in Süddeutschland ausbreitet", sagte Norbert Becker, wissenschaftlicher Leiter der KABS. Die Mücke wäre auch als Überträger der Malaria geeignet, wie Infektionsversuche im Labor gezeigt haben.

Ende Mai werden die Wissenschaftler des BNI und der KABS ihre Ergebnisse auf einer Veranstaltung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der European Mosquito Control Association (EMCA) zur Diskussion stellen. Die Veranstaltung thematisiert vor allem eingewanderte Mückenarten, wie die Tigermücke, und das damit verbundene Risiko neuer Infektionskrankheiten. Langfristiges Ziel ist es, Infrastrukturen zu schaffen, die eine europaweite Überwachung von Stechmücken ermöglichen.>

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19.5.2011: <Invasion in der Arktis: Killerwale verdrängen Eisbären>

Wenn das Packeis weg ist, dann kommen neue Haifische nach und nimmt anderen Arten das Futter weg. Aber lesen Sie selbst:

aus: n-tv online; 19.5.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Killerwale-verdraengen-Eisbaeren-article3370396.html

<Während der Klimawandel mehr und mehr die Eisbären in der Arktis bedroht, können die Killerwale davon profitieren. Durch die Eisschmelze dringen sie in immer nördlichere Regionen vor, wo sie heimischen Arten die Nahrung wegnehmen.

Eisbären sind als "Könige" der nördlichen Arktis akut vom Klimawandel bedroht, und künftig könnten Killerwale die Herrschaft übernehmen: Während das immer schnellere Schrumpfen der nordpolaren Eismassen den riesigen Bären die Lebensgrundlage entzieht, verschwindet für die Meeressäuger, auch Schwertwale genannt, ein entscheidendes Hindernis. Sie können jetzt auch im äußersten Norden auf die Jagd nach schwimmendem Futter gehen.

"Wenn die Arktis-Invasion der Killerwale und anderer Säugetiere aus milderen Regionen kommt, wird es hier verstärkt Konkurrenz um Nahrung zwischen den Arten geben", sagte der kanadische Biologe Steven Furgeson der dänischen Zeitung "Politiken". Seine Forschung für die Manitoba University of Canada habe ergeben, dass traditionell in der Polarregion ansässige Arten, darunter auch andere Wale, durch die neue "Hackordnung" im Bestand gefährdet werden können.

Traditionell haben sich die Schwert- oder Killerwale aus der Arktis ferngehalten, weil das Eis gefährlich für ihre sehr empfindlichen dreieckigen Finnen war. Doch das Eis verschwindet immer schneller, wie es erst Anfang Mai wieder in einer neuen Schätzung für den Arktischen Rat hieß. Fergusons Arbeit ist Teil dieses umfassenden neuen Gutachtens, in dem ein Anstieg des globalen Meeresspiegels um 0,9 bis 1,6 Meter bis 2100 vorhergesagt wird.

Der Kanadier verweist in "Politiken" auf schon jetzt zu beobachtende Verschiebungen der bisherigen Balance zwischen den Tierarten. In der Arktis seien immer häufiger "Gastvisiten" von Killerwalen und anderen Tieren in den Sommermonaten zu beobachten. Tendenz steigend, denn ihr Polarrevier wird immer größer.

Killerwal immer häufiger vor Labrador

Der Killerwal (Orcinus orca) ist ein sehr gefräßiger und intelligenter Kleinwal. Er wird seit einigen Jahren immer häufiger vor Labrador gesichtet, wo er mit seinen normalerweise sechs bis acht Metern Länge und einem Gewicht von etwa sechs Tonnen vor allem Jagd auf Robben macht. Aber die Meeresräuber stürzen sich im Polarmeer auch auf andere Wale wie den Narwal, den Pottwal und den Beluga (Weißwal) - dabei attackieren sie etwa Walkälber in Gruppen.

Auch andere Walarten wie der Buckelwal, der Zwergwal und der Grauwal werden dank schrumpfender Eisberge häufiger als früher im äußersten Norden auftauchen, sagt Ferguson voraus. Aber weil sie im Gegensatz zum Killerwal keine Raubtiere sind, können sie auch nicht so viel "Ärger" im Ökosystem auslösen. Unweigerlich Konsequenzen, so meint der kanadische Biologe, müsse die mögliche Balance-Verschiebung auch auf die bisher zugelassene Jagd der Arktis-Ureinwohner auf einheimische Wale haben.

Thomas Borchert, dpa>

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Schweiz 29.5.2011: Die Gletscher schmelzen weg - und neue Seen entstehen - und neues Potential für Wasserkraft

aus: 20 minuten online: Atomausstieg: Keine Stromlücke dank der Gletscherschmelze; 29.5.2011;
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/20274792

<Das Volk steht hinter dem Entscheid des Bundesrates, und auch im Nationalrat schafft er eine knappe Mehrheit. Eine Stromlücke decken könnten etwa die schmelzenden Gletscher.

Allen Unsicherheiten zum Trotz: Inzwischen unterstützen 80 Prozent der Schweizer die Strategie, die AKWs am Ende ihrer Laufzeit nicht zu er­setzen. Das zeigt eine Umfrage im Auftrag der «SonntagsZeitung». Sogar bei SVP-Anhängern findet ein Ausstieg laut Umfrage eine Mehrheit. 64 Prozent der Befragten nehmen für den Ausstieg auch eine Strompreiserhöhung von 15 Prozent in Kauf.

Im Nationalrat zeichnet sich ebenfalls eine Mehrheit ab, die die Pläne des Bundesrates unterstützt: 99 sprechen sich heute für einen Ausstieg aus, 96 dagegen, so ein wei­teres Umfrageresultat von der «SonntagsZeitung».

Die Stromkonzerne wollen den Ausstieg nicht einfach hinnehmen: Alpiq-Chef Giovanni Leonardi etwa sagt, dass die Schweiz acht neue Gaskraftwerke brauche, um den Strombedarf zu decken. «An unseren CO2-Zielen könnten wir so aber nicht mehr fest­halten», so Leonardi. Eine Stromlücke mit erneuerbaren Energien zu decken, wie dies der Bundesrat wolle, sei in-des «völlig unrealistisch». Eine Studie des Glaziologen Wilfried Haeberli von der ­Universität Zürich zeigt hingegen, dass im Alpenraum wegen der Gletscherschmelze eine ganze Reihe neuer ­grosser Seen entstehen wird. Diese 40 Gletscherseen könnten als Stauseen Strom erzeugen.

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30.5.2011: Klimawandel "Kleine Eiszeit": Die Wikinger mussten von Grönland flüchten

aus: Welt online: Flucthbewegung: Eisige Kälte vertrieb die Wikinger aus Grönland; 30.5.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13403321/Eisige-Kaelte-vertrieb-die-Wikinger-aus-Groenland.html

<Sedimentproben in der Nähe ehemaliger Wikingersiedlungen belegen: Ab Mitte des 14. Jahrhunderts flohen die Nordmänner vor der "Kleinen Eiszeit" aus Grönland.

Sedimentproben aus Seen nahe ehemaliger Wikingersiedlungen haben erstmals direkt bewiesen: Eine lang anhaltende Klimaabkühlung, die sogenannte Kleine Eiszeit, vertrieb die Nordmänner Mitte des 14. bis Anfang des 15. Jahrhunderts aus Grönland.

Schon länger war vermutet worden, dass neben Kämpfen mit den benachbarten Inuit und eingeschränkten Handelsmöglichkeiten besonders Klimaänderungen den Exodus provoziert haben könnten. Allerdings gab es nur wenige geschriebene Zeugnisse über das Ende der Wikinger-Siedlungen und auch die archäologischen Überreste ließen viele Fragen offen.

Selbst Proben von Eiskernen, die im ewigen Eis Grönlands genommen worden waren, hatten den Nachteil, dass sie nicht das Klima direkt am Ort der Wikinger-Siedlungen wiedergaben. Dieses Manko haben Forsche aus den USA und Großbritannien nun beseitigt.

Aus den Sedimentproben zweier Seen nahe dem Siedlungsgebiet um die heutige Stadt Kangerlussuaq konnten sie eine komplette Klimageschichte der letzten 5600 Jahre erarbeiten, berichten sie im Wissenschaftsjournal „Proceedings of the National Academy of Science“.

„Dies ist das erste quantitative Temperatur-Protokoll der Gegend, in der sie wirklich gelebt haben“, betont William D'Andrea von der Brown University in Providence, Rhode Island. „Da war tatsächlich ein Rückgang der Temperatur, kurz bevor die Wikinger verschwanden.“ Als Folge davon hätte sich die Zeit für den Ackerbau verkürzt und es habe weniger Futter für das Vieh gegeben.

Außerdem hätte die Kaltzeit den Handel erheblich behindert, da das Meer wesentlich länger durch Eis blockiert gewesen sei. D'Andrea sagt im Hinblick auf die heutige Zeit: „Es ist interessant, zu beobachten, wie schnell Klimawechsel vergangene Gesellschaften verändert haben - speziell im Licht der aktuellen schnellen Klimaänderungen.“

Neben den Wikingern hatten die Wissenschaftler ebenfalls untersucht, wie sich das Klima auf die Vorgänger-Zivilisationen der Nordmänner ausgewirkt haben könnte. Auch hier konnten sie einen erheblichen Einfluss des Klimas nachweisen: Die Saqqaq erreichten Grönland um 2500 vor Christus.

Als die Temperaturen 850 vor Christus erheblich sanken, wurden die Saqqaq von den Dorset verdrängt, die eher gewohnt waren, auf dem Eis zu jagen. 50 vor Christus wurde es dann wohl auch für die Dorset zu kalt. Sie verschwanden und ließen Grönland rund 1000 Jahre unbewohnt, bis 980 die Wikinger auftauchten.

Als die Nordmänner ihre Kette kleiner Kolonien entlang der Westküste und im Süden der Insel errichteten, herrschte relativ mildes Klima, vergleichbar mit den heutigen Gegebenheiten. In diesem „Mittelalterlichen Klimaoptimum“ grünte selbst Grönland - daher der Name der Insel.

Als die Durchschnitts-Temperaturen später sanken, versuchten die Wikinger diesem Klima zunächst zu trotzen, mussten aber schließlich aufgeben. Als Ursache für die Kleine Eiszeit gelten u.a. eine Reihe von Vulkanausbrüchen, die das Klima weltweit beeinflussten.

dapd/oc>

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4.6.2011: Je mehr Kohlendioxid im Meer, desto weniger können sich Fische anhand von Geräuschen orientieren

aus: n-tv online: Klimawandel ändert Verhalten: Clownfische werden leichte Beute; 4.6.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Clownfische-werden-leichte-Beute-article3498916.html

<Normalerweise verstecken sich Clownfische bei Gefahr in Anemonen.

Je höher der Kohlendioxidgehalt im Wasser, desto weniger sind junge Clownfische in der Lage, sich anhand von Geräuschen zu orientieren. Der dadurch fehlende Fluchtreflex lässt die Fische anfälliger für ihre Feinde werden. Mit der Ansäuerung des Wassers ist die Überlebenschancen vieler Arten im Meer gefährdet.

Die Versauerung der Meere durch den steigenden Eintrag des Treibhausgases Kohlendioxid könnte für viele Arten unvorhersehbare Folgen haben. Junge Clownfische etwa verlieren bei steigendem Säuregehalt des Wassers ihre Fähigkeit, sich nach Geräuschen zu orientieren und damit ihren Feinden zu entgehen. Das berichten Forscher der Universität Bristol (Großbritannien) in den britischen "Biology Letters".

Stephen Simpson von der Universität Bristol hatte für seine Experimente junge Clownfische (Amphiprion percula) in mehrere Gruppen aufgeteilt. Ein Teil von ihnen wuchs nach dem Schlüpfen in Meerwasser heran, das mit der heute üblichen Menge des Treibstoffgases Kohlendioxid versetzt war.

Wird das Gehör geschädigt?

Andere Tiere schwammen dagegen in Wasser, dem bis zu doppelt so viel Kohlendioxid zugegeben worden war, wie es nach den Voraussagen internationaler Experten im Jahr 2050 und 2100 in den Meeren zu erwarten wäre. Anschließend testete der Forscher die Reaktion der Tiere auf Unterwasser-Tonaufnahmen eines natürlichen Riffs, mit allen seinen Geräuschen von Fischen und Krebsen.

Die in heutigem Meerwasser aufgewachsenen Jungfische zeigte bei den Riffgeräuschen das normale Clownfisch-Verhalten – und entfernte sich. In der Natur neigen die Fische dazu, sich in Seeanemonen zu verstecken.

Die anderen Gruppen zeigten sich dagegen völlig unbeeindruckt. Schon bei CO2-Konzentrationen, wie sie Mitte des Jahrhunderts erwartet werden, flüchteten sie nicht mehr vor den Geräuschen des Riffs. Es blieb aber unklar, ob das Gehör der Tiere geschädigt wurde, oder ob sich ihr Verhalten änderte. Bisherige Untersuchungen hatten allerdings bereits gezeigt, dass saures Meerwasser die Ausbildung der Hörorgane von Fischen schädigen kann.

Anfälliger für Feinde

Der fehlende Fluchtreflex bei Geräuschen bedeute in jedem Fall, dass die Fische anfälliger für ihre Feinde werden, schließt Simpson. Dies könne ein Beispiel dafür sein, wie die Ansäuerung des Meeres unmerklich das Verhalten und damit auch die Überlebenschancen vieler Arten im Meer beeinflusst.

Mehr als die Hälfte des seit der Industrialisierung vom Menschen in die Lust entlassenen Kohlendioxids hat sich inzwischen in den Meeren gelöst, und die Meere schneller angesäuert als in den vergangenen letzten 650.000 Jahren, erklärt Simpson.

dpa>

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21.6.2011: <Klimawandel: Rotes Meer heizt sich beunruhigend schnell auf> - bedrohte Korallenriffe

aus: Welt online; 21.6.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13442372/Rotes-Meer-heizt-sich-beunruhigend-schnell-auf.html

<Innerhalb weniger Jahre ist die Wassertemperatur im Roten Meer um ein Grad gestiegen: Für den Laien dürfte das undramatisch klingen – doch Forscher schlagen Alarm.

Das Rote Meer wird wärmer - innerhalb eines einzigen Jahrzehnts stieg die Wassertemperatur um fast ein Grad. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team internationaler Klimaforscher nach der Analyse von Satellitendaten. Demnach setzte der ungewöhnlich schnelle Temperaturanstieg Mitte der 1990er Jahre ein.

Die Ursache sehen die Wissenschaftler in der durch den Klimawandel erhöhten Lufttemperatur. Bis 2007 stabilisierte sich die Temperatur dann auf hohem Niveau bei durchschnittlich etwa 28 Grad. Die Forscher berichten über ihre Studie in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“ (doi: 10.1029/2011GL047984).

„Dieser Trend der Erwärmung ist unabhängig von den Jahreszeiten“, berichten Dionysios Raitsos und seine Kollegen von der King Abdullah University for Science and Technology (KAUST) in Thuwal.

Für dieses Ergebnis analysierten die Wissenschaftler Wärmeaufnahmen von der Wasseroberfläche des Roten Meeres, die mit mehreren Satelliten der US-Ozeanografie- und Wetterbehörde NOAA aufgezeichnet wurden. Der lange Beobachtungszeitraum zwischen 1985 und 2007 machte es möglich, den Temperatursprung ab 1994 zu erkennen.

Folge des globalen Klimawandels

Zwischen 1985 und 1993 schwankten die mittleren Wassertemperaturen nur wenig zwischen 27 und 27,5 Grad. Doch ab 1994 zeigten die Daten einen signifikanten Sprung, der bis zu einer Temperatur von 28,5 Grad im Jahr 1995 reichte.

Die Ursache dafür fanden die Forscher in deutlich erhöhten Lufttemperaturen, die sich mit etwa einem Jahr Verzögerung auf die Wassertemperatur auswirkten.

„Der Vergleich mit den Temperaturen in der Nördlichen Hemisphäre belegt, dass die beobachtete Erwärmung ein Teil des globalen Klimawandels ist“, erläutern Raitsos und Kollegen.

[Bedrohte Korallenriffe]

Durch diesen raschen Temperaturanstieg sehen die Forscher die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt der Korallenriffe im Roten Meer bedroht. Denn so hätten die Lebewesen nur sehr wenig Zeit, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.

Wie bereits eine Studie von US-Forschern vor einem Jahr zeigte, starb im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts etwa ein Drittel der Korallenart Diploastrea heliopora wegen ungewöhnlich hoher Wassertemperaturen in den Sommermonaten ab.

Wie gut andere Arten mit der wärmeren Umgebung zurechtkommen, ist bislang noch wenig erforscht. Doch da Korallenriffe als sehr empfindliche Ökosysteme gelten, bestehe nach Aussage der Forscher ein hohes Risiko für einen unumkehrbaren Artenschwund im Roten Meer.

dapd/oc>

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Australien 25.6.2011: <Lebensraum schrumpft - Klimawandel bedroht Schnabeltier>

aus: n-tv online; 25.6.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Klimawandel-bedroht-Schnabeltier-article3664136.html

<Der Klimawandel bedroht das Schnabeltier in Australien. Die steigenden Temperaturen trocknen die Gewässer aus, an denen die Tiere leben, außerdem wird ihr dichtes Fell bei steigenden Temperaturen zu warm.

Das Schnabeltier wird als Säugetier eingestuft, hat aber auch Eigenschaften von Vögeln und Reptilien.

Durch ein wärmeres und trockeneres Klima könnte der Lebensraum des Schnabeltiers um bis zu ein Drittel schrumpfen. Das geht aus einer Studie der Manosh-Universität in Melbourne hervor. Die Forscher hatten Daten zum Wetter und zur Verbreitung des eierlegenden Säugers aus mehr als 100 Jahren verglichen und dabei einen Rückgang der Population bei Hitze und Dürren festgestellt. Seit dem Jahr 1960 sei es an manchen Orten in Australien bereits zu warm für die ungewöhnlichen Säugetiere geworden, sagte die Forscherin Jenny Davis. "Ihr Lebensraum wird kleiner."

Durch steigende Temperaturen trocknen nicht nur die Gewässer aus, an deren Ufern die nachtaktiven Tiere mit dem platten Schwanz in tiefen Erdbauen leben. Auch das dichte, wasserabweisende Fell des Schnabeltiers kann nach Angaben der Forscher bei steigenden Temperaturen schnell zu warm werden. Schlimmstenfalls könnten die Schnabeltiere auf dem australischen Festland ganz aussterben und nur noch auf Tasmanien und den südlichen King- und Kangaroo-Inseln geeignete Lebensräume finden. Die Abholzung von Wäldern und der Bau von Dämmen könnte nach Angaben der Forscher zu einem weiteren Problem für die Tiere werden.

Das im Osten Australiens lebende Schnabeltier wird als Säugetier eingestuft, weil es einen Pelz hat und Milch produziert. Die Jungen saugen die Milch jedoch nicht aus Zitzen, sondern aus der Haut am Hinterleib der Mutter. Vogelartige Eigenschaften des Schnabeltiers sind sein flacher, entenähnlicher Schnabel und die Schwimmhäute an seinen Füßen. Mit Reptilien hat das Schnabeltier gemeinsam, dass die Weibchen Eier legen und die Männchen Angreifer mit einem Gift ähnlich dem von Schlangen abwehren können.

AFP>


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11.7.2011: Gletscher weg - Wasser weg: Europa wird sehr trocken werden

aus: 20 minuten online: Gletscherschmelze: Europa wird der Wasserhahn zugedreht; 11.7.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/klimakrise/story/Europa-wird-der-Wasserhahn-zugedreht-10382949

<Klimawandel und die dadurch verursachte Gletscherschmelze haben massive Konsequenzen auf die Wasserversorgung in der Schweiz und in Europa. Das zeigt eine Studie der Universität Freiburg.

So zeigt sich der Steingletscher im Sustengebiet heute. Bis vor einigen Jahren ragte das Eis noch bis zum Gletschersee. (Bild: Keystone)

Das Schmelzen der Alpengletscher wird für die Wasserversorgung in ganz Europa Konsequenzen haben. Das zeigt die Studie eines Forschers der Universität Freiburg. Im Sommer stammt nämlich ein beträchtlicher Teil des Wassers der grossen Flüsse aus den Gletschern.

Matthias Huss vom Departement für Geowissenschaften der Universität Freiburg bestimmte den Beitrag der Alpengletscher zum Abfluss der vier grossen Flüsse Zentraleuropas: Rhein, Rhone, Donau und Po. Er stellte fest, dass die Gletscher weit über den Alpenraum hinaus für genügend Wasser sorgen, wie die Uni am Montag mitteilte.

Huss stützt sich für seine im Fachblatt «Water Resources Research» publizierte Studie auf Daten von 50 Gletschern aus der Schweiz. Er verglich die Daten mit Abflussmessungen entlang der vier Ströme von deren Quelle bis zur Mündung ins Meer. So konnte er berechnen, welcher Anteil des Abflusses in den Sommermonaten vom Gletscher stammt.

Wichtige Gletschermilch

So zeigte sich zum Beispiel, dass mehr als ein Viertel des Rhone-Wassers, das im August ins Mittelmeer fliesst, Schmelzwasser von Gletschern ist. Beim Po in Italien beläuft sich der Anteil auf etwa 20 Prozent, beim Rhein in Holland auf etwa sieben Prozent und bei der Donau in Rumänien immerhin noch auf 2,8 Prozent.

Die unterschiedlichen Zahlen hängen damit zusammen, wie gross die Gletscher gemessen am übrigen Einzugsgebiet eines Stroms sind. So bedecken die Alpengletscher beim Rhein weniger als 2 Promille des Einzugsgebiets. Bei der riesigen und langen Donau sind es gar nur 0,6 Promille des Einzugsgebiets.

Wären also die Gletscher nicht, würde der Abfluss von Rhein, Rhone Donau und Po deutlich geringer ausfallen. Besonders ausgeprägt wäre dieser Effekt bei Hitzewellen, wie zum Beispiel im Sommer 2003. In der Rhone zum Beispiel steuerten die Gletscher im August 2003 über 40 Prozent zum Abfluss ins Mittelmeer bei.

Gefährdete Flussfahrt

Huss schätzte auch ab, wie sich der Gletscherbeitrag bis ins Jahr 2100 verändern wird. Er kommt zum Schluss, dass die Gletscher noch bis etwa Mitte dieses Jahrhunderts Wassermengen beitragen können, die ins Gewicht fallen. Doch in 90 Jahren werden die Gletscher auf rund zehn Prozent ihrer heutigen Grösse geschrumpft sein.

Dann wird in Europas Strömen nur noch wenig Gletschermilch zu finden sein. Die Folge: Ein Abflussrückgang, der zum Beispiel zu Einschränkungen beim Schiffsverkehr und der Trinkwasserversorgung oder zu Einbussen für Flusskraftwerke führen kann. Huss hofft, dass seine Studie dabei hilft, sich auf solche Veränderungen vorzubereiten.

(sda)>

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26.7.2011: Die Korallen passen sich an - die Korallenriffe sterben nicht so schnell, wie bisher angenommen

aus: n-tv online: Korallen passen sich an: Great-Barrier-Riff stirbt langsamer; 26.7.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Barrier-Reef-stirbt-langsamer-article3887716.html

<Das Great Barrier Reef wird offenbar doch nicht so schnell verschwinden wie bislang gedacht. Warnungen, das Korallenriff könne durch den Klimawandel bis 2040 absterben, seien übertrieben, sagt ein Forscher. Dennoch sagt auch er, weitere Schäden am Riff könnten gestoppt werden, wenn die Treibhausgasemissionen reduziert würden.

Das größte Korallenriff der Welt vor der australischen Ostküste wird nach einer neuen Studie nicht so schnell verschwinden wie bislang gedacht. Warnungen, das Great Barrier Reef könne durch den Klimawandel innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre absterben, seien übertrieben, meinte Sean Connolly von der James Cook Universität am Wochenende.

"Es wird anders aussehen, es wird schlechter dastehen als heute, aber es wird nicht innerhalb von 20 bis 30 Jahren verschwinden", sagte Connolly der Zeitung "The Australian". Die Korallen könnten sich besser an Temperaturschwankungen anpassen, als viele Forscher annehmen, schließt er unter anderem aus Analysen der vergangenen Erdzeitalter.

Seine Schlussfolgerung ähnelt jedoch denen, anderer Wissenschaftler: Wenn die Treibhausgasemissionen reduziert und der Klimawandel verlangsamt werde, könnten auch weitere Schäden am Great Barrier Reef gestoppt werden.

Zudem solle das Gebiet vor lokaler Verschmutzung geschützt und nicht überfischt werden. Dann habe es auch eine größere Chance, den steigenden Temperaturen und der zunehmenden Meeresversauerung zu widerstehen, schreiben Connolly und Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Science". Auch das ist eine weit verbreitete Forderung.

Zwei bekannte Korallen-Experten hatten in diesem Jahr Alarm geschlagen. Ove Hoegh-Guldberg vom Zentrum für Meeresforschung an der Queensland University sieht keine Chance für das Great Barrier Reef, wenn die Emissionen nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre massiv reduziert werden. Auch Ray Berkelmans, der die Korallenbleiche untersucht, warnt, dass die Korallen bis 2025 abgestorben sein könnten, wenn die Wassertemperaturen weiter steigen.

Korallen sind Tiere, die eine enge Symbiose mit Algen eingehen. Wenn das Wasser zu warm wird, trennen sich die beiden. Übrig bleiben die weißen Korallenstöcke, deshalb sprechen Experten von Korallenbleiche. Das Great Barrier Reef zieht sich über eine Länge von rund 2600 Kilometern entlang der Nordostküste Australiens bis nach Papua-Neuguinea. Es zieht jedes Jahr zwei Millionen Touristen an.

dpa>

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26.7.2011: <Gefahr durch arktische Erwärmung: Eisschmelze setzt Gifte frei>

aus: n-tv online; 26.7.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Eisschmelze-setzt-Gifte-frei-article3886306.html

<In arktischen Eisschichten gespeicherte Schadstoffe gelangen durch die Erderwärmung wieder in die Atmosphäre. Dort hat die Konzentration von Giften in den letzten Jahren abgenommen. Doch das schmelzende Eis, das viele Schadstoffe gebunden hat, gibt diese nun allmählich wieder frei.

Als Folge des Klimawandels setzt das schmelzende Eis der Arktis giftige Chemikalien wieder frei, die dort über Jahrzehnte hinweg abgelagert wurden. Diesen Trend gibt es bereits seit etwa zwei Jahrzehnten, schreibt ein Team um Roland Kallenborn vom norwegischen Institut für Luftforschung in Kjeller im Journal "Nature Climate Change".

Im Fokus der Gruppe stehen langlebige organische Schadstoffe (POP, persistent organic pollutions). Diese künstlichen Kohlenstoffverbindungen enthalten häufig Chlor, werden in der Natur nicht abgebaut und sammeln sich daher an. Insektengifte und Industriechemikalien gehören dazu. Einmal in die Atmosphäre gelangt, werden sie weltweit verteilt. In der Arktis gehen sie mit den Niederschlägen wieder zur Erde und werden in den Eisschichten gespeichert.

Freisetzung mit Folgen

Die Konzentration vieler POPs sind in den vergangenen Jahrzehnten indes zurückgegangen, weil Produktion und Gebrauch eingeschränkt wurden, erklärte Kallenborn. Zusammen mit seinen kanadischen Kollegen untersuchte er die Daten der POP-Messungen in der Arktis. Die beiden Datenreihen stammen von Messstationen auf Spitzbergen und in Kanada. "Wir haben die Aufzeichnungen über die tatsächlichen POP-Konzentrationen seit den frühen 1990er Jahren mit Simulationen verglichen, die den Einfluss des Klimawandels auf die POP-Verteilung beschreiben", erklärte Kallenborn.

Die Resultate zeigten, dass eine große Zahl verschiedener Chemikalien wieder in der Arktis-Atmosphäre freigesetzt wurden. Dies bestätige, dass die arktische Erwärmung die globalen Anstrengungen zum Schutz vor den Giften unterminiere. Diese haben zahlreiche Folgen, einige ahmen die Wirkung von Hormonen nach, andere führen zu Verhaltensstörungen oder schädigen das Immunsystem.

dpa>

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26.7.2011: <Aufgabe für Baubranche und Stadtplanung: Klimawandel fordert Anpassung>

aus: n-tv online; 26.7.2011;
http://www.n-tv.de/politik/Klimawandel-fordert-Anpassung-article3905836.html

<Ein Ende der Erderwärmung ist nicht in Sicht. Der Klimawandel wird künftig vor allem in Städten spürbar sein, vor allem durch Wärmestaus. Wetterexperten fordern daher schon jetzt ein Umdenken bei Stadtplanern.

Deutschland erwärmt sich nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bis zum Jahr 2100 um weitere zwei bis vier Grad. Das hätten Klimasimulationen gezeigt, teilte der Wetterdienst in Berlin mit. Außerdem erwarten die Experten trockenere Sommer, nassere Winter und mehr extreme Wetterereignisse. Der Klimawandel habe auch Folgen für die Bauwirtschaft und erfordere ein Umdenken bei Stadtplanern.

Die weiteren Aussichten sind schlecht: Nach Auskunft des DWD war 2010 "kein gutes Jahr" für den Klimaschutz. "Die Menschheit hat fast 31 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen - ein trauriger Rekord", sagte DWD-Präsident Gerhard Adrian bei der Pressekonferenz in Berlin. Der Anteil des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Luft steige trotz aller Klimakonferenzen scheinbar unaufhaltsam.

Keine Abkühlung durch Dreck

Zugleich trage eine bessere Luftqualität zur Klimaerwärmung bei, erklärte Adrian. In den westlichen Industrieländern sei die Verschmutzung mit Staub und Ruß durch Kraftwerke, Hausbrand oder Verkehr gesunken. "Damit reduziert sich zugleich die abkühlende Wirkung solcher Aerosole", erläuterte der Experte. Allein dies führe zu einem Anstieg der weltweiten Jahresdurchschnittstemperatur um ein Grad.

Für die Reduzierung von Treibhausgasen gebe es in Deutschland noch erhebliche Potenziale, vor allem durch den Ausbau erneuerbarer Energien. Die Wasserkraftbranche etwa könne profitieren, wenn sie sich das künftig ungleichmäßiger werdende Wasserangebot durch Speicherung nutzbar mache. "Ab etwa 2050 wird der Klimawandel wahrscheinlich mehr Niederschläge im Winter bringen. Im Sommer könnte es trockener werden", sagte Adrian. Bei der Solarenergiegewinnung liege Deutschland weltweit aufgrund des wechselhaften Wetters nur im Mittelfeld. Reserven gebe es auch bei der Windenergie, vor allem bei Offshore-Anlagen in der Nordsee oder in Mittelgebirgen und im Alpenraum.

Wärmestau in Städten

Besonders in Städten werden sich die steigenden Temperaturen ab Mitte des Jahrhunderts durch häufigere Wärmestaus bemerkbar machen. Deshalb müssten Stadtplaner stärker auf Frischluftschneisen, Grün- und Wasserflächen und eine aufgelockerte Bauweise setzen, betonte DWD-Vizepräsident Paul Becker. Fassadenbegrünungen, mehr Bäume und eine Entsiegelung von Flächen könnten außerdem helfen. Auch einzelne Gebäude müssten besser isoliert und vor Starkregen und Stürmen geschützt werden.

Für die Bauwirtschaft habe die Wetterentwicklung aber auch Vorteile: "Unter dem Strich wird der Klimawandel die Bauwirtschaft beim Thema Schlechtwettertage aber voraussichtlich eher entlasten", erklärte Becker.

dpa>

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26.7.2011: Pazifik-Insel Tegua von Vanuatu versinkt und sinkt gleichzeitig

aus: n-tv online: Umsiedlung im Pazifik: Klimawandel nicht allein schuld; 26.7.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Klimawandel-nicht-allein-schuld-article3899276.html

<Tegua gehört zum pazifischen Inselstaat Vanuatu.

Das Wasser rückte immer näher. Deswegen verließen die Einwohner den Hauptort der pazifischen Insel Tegua. Lange Zeit wurde für den Anstieg des Meeresspiegels der Klimawandel alleine verantwortlich gemacht. Forscher stellen jetzt aber auch noch eine andere Ursache fest.

Die ersten von den Vereinten Nationen auch offiziell sogenannten etwa 100 Klima-Flüchtlinge verließen in den Jahren 2002 bis 2004 ihr kleines Dorf Lateu auf der Pazifikinsel Tegua, um in einen einige hundert Meter entfernten, höher gelegenen Bereich umzuziehen. Wellen und Wasser waren zur Bedrohung geworden und hatten den tief gelegenen Wohnort immer häufiger erfasst.

Diese Entwicklung wurde auch dem Klimawandel zugeschrieben, der den Meerwasserspiegel steigen lässt. Nun berichtet eine Gruppe um Valérie Ballu von der Université Paris Diderot, dass die Erderwärmung nicht allein verantwortlich gemacht werden kann: Das zum Inselstaat Vanuatu gehörende Eiland sinkt aufgrund der Plattentektonik nach unten. Damit erscheint der beobachtete Wasseranstieg dramatischer, als er ist. Die Untersuchung ist in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften nachzulesen.

Die Region wird häufig von Erdbeben erschüttert. Diese geologischen Prozesse verändern die Lage der Kontinentalplatten, von denen Kontinente und eben auch die Insel Tegua emporragen. Ballu und ihre Kollegen werteten Klima-, Satelliten- und GPS-Daten aus und wählten einen Untersuchungszeitraum von 1997 bis 2009.

Insel rutscht einen Zentimeter pro Jahr ab

Sie kommen zu dem Schluss, dass die kleine Inselgruppe Torres Island, zu der auch Tegua gehört, durch die geologischen Prozesse etwa einen Zentimeter im Jahr tiefer rutscht (-0,94 Zentimeter +/- 0,25 Zentimeter). Hinzu kommt ein Meeresspiegel-Anstieg von etwa 1,2 Zentimetern (+/- 0,15 Zentimeter). Beides zusammengenommen ergibt den beobachteten schnellen Anstieg. Die Resultate seien auch für die Analyse des steigenden Meeresspiegeles in anderen Regionen der Welt von Bedeutung.

dpa>

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Welt online, Logo

30.7.2011: Russlands Permafrostböden tauen auf - Bahngleise, Strassen und Pipelines werden destabilisiert

aus: Welt online: Klimawandel: Tauende Permafrost-Böden bereiten Russen Probleme; 30.7.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/article13515267/Tauende-Permafrost-Boeden-bereiten-Russen-Probleme.html

<Rund 23 Millionen Quadratkilometer Land sind auf der Nordhalbkugel derzeit noch gefroren.

Russland erwartet ein deutliches Schrumpfen der Permafrost-Gebiete. Mit Folgen: Bahngleise, Straßen und Gaspelines könnten aus des Fugen zu geraten.

Das russische Permafrost-Gebiet droht sich nach Behördeneinschätzung in den kommenden Jahrzehnten drastisch zu verkleinern, was schwerwiegende Folgen für das Klima sowie für die Infrastruktur der Region haben dürfte

In den kommenden 25 bis 30 Jahren könnte das Permafrost-Gebiet um zehn bis 18 Prozent schrumpfen, sagte der Chef des Zentrums zur Bekämpfung von Naturkatastrophen im russischen Katastrophenschutzministerium, Wladislaw Bolow.

Bis 2050 sei ein Rückgang von 15 bis 30 Prozent möglich. Die Grenze des Permafrost-Gebietes werde sich dann um 150 bis 200 Kilometer in den Nordosten verschieben.

Bolow wies darauf hin, dass es im westlichen Sibirien ständig wärmer werde. In den vergangenen Jahren seien die Temperaturen um 1,5 bis zwei Grad auf minus vier bis minus drei Grad gestiegen. Wenn in Gebieten nicht mehr dauerhaft Frost herrsche, könnte das schlimme Folgen für die Infrastruktur haben, warnte Bolow.

So könnten Eisenbahnschienen und Straßen sowie Gas- und Ölpipelines beschädigt oder zerstört werden. Derzeit macht die Permafrost-Zone 63 Prozent des russischen Territoriums aus, mehr als 80 Prozent der Erdölreserven und rund 70 Prozent der Gasvorkommen liegen in diesem Gebiet.

Eine weitere Folge der Eisschmelze im Permafrost-Gebiet wäre die Freisetzung von Methangas, die die Erderwärmung weiter vorantreibt.

AFP/nib>

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Basler Zeitung online, Logo

Basel 4.8.2011: Klimawandel-Schädlinge befallen bestimmte Baumarten - Artenvielfalt hält den Verlust gering

aus: Basler Zeitung online: Mit Artenvielfalt gegen das Baumsterben; 4.8.2011;
http://bazonline.ch/basel/stadt/Mit-Artenvielfalt-gegen-das-Baumsterben/story/13565301

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<Baumart des Jahres: Mitarbeiter der Stadtgärtnerei pflanzen im April 2011 zusammen mit Freiwilligen Helfern am «Mach-mit-Tag» einen Elsbeeren-Baum im Schützenmattpark.

Die Basler Stadtgärtnerei beugt Problemen wegen des Klimawandels und Schädlingen mit einer breiten Palette von Baumarten vor.

Die insgesamt 25'454 registrierten Basler Bäume gehören 395 unterschiedlichen Arten an. Bepflanzt wird gezielt nach Standort und aktueller Situation. Eine grosse Artenvielfalt bei den Stadtbäumen reduziere unter anderem das Risiko eines Massenbefalls durch einen Schädling, hiess es am Donnerstag an einer Medienkonferenz. Man beobachte genau, welche Insekten oder Pilze sich in Europa wie ausbreiten. Da manche Bäume mehrere hundert Jahre alt werden können, sei Weitsicht gefragt.

Im laufenden Jahr breite sich ein Pilz an Eschen sehr stark aus, der vor drei Jahren erstmals festgestellt worden sei. Er befalle Triebe junger und alter Bäume und lasse sie absterben. Geschwächte Bäume sind auch für weitere Schädlinge anfälliger. (jg/sda)>

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Spiegel online, Logo

4.8.2011: <Kalkalgen: Saure Ozeane schädigen wichtige Winzlinge> - immer dünnere Schalen - die Chile-Kalkalge hat dicke Schalen

aus: Spiegel online; 4.8.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,778337,00.html

<Mikroskopisch kleine Kalkalgen bilden einen wichtigen Baustein im großen Kohlenstoff-Kreislauf der Meere. Doch die Versauerung der Ozeane macht ihnen zu schaffen: Die Organismen bilden immer dünnere Schalen aus. Es gibt aber auch eine krasse Ausnahme von dieser Regel.

Hamburg - Höhere Kohlendioxid-Konzentrationen wirken nicht nur auf die Atmosphäre, sondern auch auf die Meere. Denn Kohlendioxid reagiert mit Wasser zu Kohlensäure, welche das Meer saurer werden lässt. Der sinkende pH-Wert des Wassers bereitet vielen Meeresforschern Sorgen. Er beeinträchtigt unter anderem Korallenriffe massiv. Auch die Polargebiete sind stark betroffen .

Jetzt haben Forscher den Einfluss des saureren Wasser auf Coccolithoporiden, mikroskopisch kleine Kalkalgen, untersucht. Laut ihrer im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie beeinträchtigt er die Organismen noch stärker, als bisher angenommen wurde.

In einem Kalzifizierung genannten Prozess bilden die in den Ozeanen weit verbreiteten Organismen ein Skelett aus Kalkplättchen aus. Weil die Winzlinge so häufig vorkommen, ist dieser Prozess ein sehr wichtiger Bestandteil des Kohlenstoffkreislaufs in den Meeren. Die winzigen kleinen Algen können sogar sichtbar Großes bewirken: Über sehr lange Zeiträume bildeten ihre Kalkablagerungen etwa die Kreidefelsen von Rügen.

Doch die Kohlensäure greift den Kalk an. In saurerem Wasser bilden die Coccolithoporiden dünnere Kalkskelette, berichtet das internationale Forscherteam um Luc Beaufort von der Université Aix-Marseille in Aix-en-Provence.

Robuste Kalkalge vor Chile entdeckt

Nach Laborversuchen hatten Wissenschaftler bereits seit längerem vermutet, dass die Kalkalgen empfindlich auf eine Versauerung der Ozeane reagieren. Nun haben Forscher erstmals anhand einer Vielzahl von Plankton- und Sedimentproben untersucht, wie sich die Kalkbildung in den vergangnen 40.000 Jahren verändert hat. Mit der zunehmenden Versauerung der Meere sei eine Verschiebung hin zu Arten und Stämmen mit schwächeren Schalen zu erkennen, so die Studie.

"Die Reaktionen im natürlichen System sind viel stärker als bislang angenommen", sagt der an der Studie beteiligte Björn Rost vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Die Coccolithoporiden können also heute weniger Kalk binden - "mit ungewissen Folgen für den Kohlenstoff-Kreislauf in den Ozeanen".

Allerdings entdeckten die Wissenschaftler in einer besonders stark versauerten Meeresregion vor Chile Kalkalgen-Arten mit extrem starken Schalen. Offenbar habe sich dieser Stamm über einen längeren Zeitraum an die veränderten Bedingungen angepasst.

wbr/dpa>

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Russlands Pazifikküste 18.8.2011: Hai-Angriffe, wo es früher nie Haie gab - Beutefische gehen neue Wege

aus: n-tv online: Vor der russischen Pazifikküste: Haie attackieren Badegäste; 18.8.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Haie-attackieren-Badegaeste-article4077996.html

<Erstmals sind vor der russischen Pazifikküste Menschen von Haien angegriffen und schwer verletzt worden. Einem 16-Jährigen sei ein Bein zerfleischt worden, teilte das Zivilschutzministerium der Region Primorje rund um die Hafenstadt Wladiwostok nach Angaben der Agentur Interfax mit. Zuvor hatte vermutlich ein Weißer Hai einem 25-jährigen Schwimmer nur 50 Meter vom Ufer entfernt beide Hände abgerissen. Er war nach einer stundenlangen Notoperation außer Lebensgefahr. Die Behörden verhängten ein Badeverbot.

Meeresbiologen vermuten, dass die Haie Beutefischen folgen, die aufgrund des Klimawandels in die wärmeren Gewässer schwimmen. In der Region waren bislang nur für Menschen ungefährliche Katzenhaie heimisch. In den vergangenen Jahren seien aber auch immer wieder Weiße Haie dort gesichtet worden, hieß es.

dpa>

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19.8.2011: <Verschiebung von Lebensräumen: Tiere flüchten vor Erderwärmung>

aus: n-tv online; 19.8.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Tiere-fluechten-vor-Erderwaermung-article4090051.html

<Der Klimawandel lässt Pflanzen und Tiere viel schneller in kältere Gegenden flüchten, als bisher angenommen. Das finden Forscher nach der Analyse von allen verfügbaren Studien zur Lebensraumverschiebung heraus. Allerdings verhalten sich nicht alle Arten gleich.

Der Klimawandel beeinflusst das Verhalten von Tieren und Pflanzen weitaus stärker, als bislang angenommen. Das berichten Forscher aus Großbritannien und Taiwan im Fachmagazin "Science". Demnach sollen die verschiedenen Arten zwei- bis dreimal schneller in kühlere Regionen flüchten als Wissenschaftler bisher prognostiziert hatten.

Die Forscher um I-Ching Chen von der University of York haben alle verfügbaren Studien ausgewertet, die sich mit der Verschiebung von Lebensraum befasst haben - meist wanderten die Arten in höhere Regionen oder Richtung Erdpole. Darunter waren unter anderem Vögel, Schmetterlinge, Grashüpfer, Käfer, Spinnen, Bergpflanzen und Algen.

Bergauf oder zu den Polen

Die Berechnungen zeigen, dass die Arten sich innerhalb eines Jahrzehnts durchschnittlich 16,6 Kilometer vom Äquator entfernen oder sich ihr Lebensraum rund 11,1 Meter bergaufwärts verschiebt. Als erste Studie überhaupt belege die vorgestellte Arbeit, dass eindeutig die globale Erwärmung der vergangenen 40 Jahre für die Verschiebung des Lebensraumes der Arten verantwortlich ist, berichten die Forscher. Entscheidender Hinweis dafür sei die Tatsache, dass die größten Veränderungen bei Arten in den am stärksten erwärmten Regionen auftraten.

Insgesamt konnten die Forscher auf Ergebnisse von über 2000 Tier- und Pflanzenpopulationen zurückgreifen. Beispielsweise hatte sich das Verbreitungsgebiet einer Mottenpopulation am Mount Kinabalu auf Borneo in 42 Jahren um rund 60 Meter nach oben verschoben.

Unterschiede zwischen den Lebewesen

Trotz der oft allgemeingültigen Aussagen haben die Forscher durchaus auch individuelle Unterschiede festgestellt. So bewegten sich einige Arten wesentlich langsamer, andere deutlich schneller als die Berechnungen erwarten ließen. Wieder andere Arten wechselten ihren Lebensraum überhaupt nicht oder zogen sich gar vollkommen zurück. Die Ursachen dafür sind nach Ansicht der Forscher vielfältig.

Während einige Arten nur in ihrem angestammten Gebiet überleben können, reagieren andere bei bestimmten Temperaturgrenzen besonders sensibel. Um genauere Aussagen treffen zu können, seien weitere detaillierte Forschungsarbeiten zu Lebensraum und Lebensweise der einzelnen Arten nötig, so die Forscher. Ihre Arbeit könnte helfen, den Einfluss des Klimawandels auf die Artenvielfalt besser zu verstehen.

dpa>

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20.8.2011: Grönlands Gletscher schmelzen, z.B. um 2,5 Meter Mächtigkeit pro Jahr

aus: n-tv online: Hiobsbotschaft aus der Klimaforschung: Grönlands Gletscher bald weg; 20.8.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Groenlands-Gletscher-bald-weg-article4095426.html

<Fast zweieinhalb Meter Eis verliert ein Gletscher im Südosten Grönlands innerhalb eines Jahres. Das ist ein Rekordverlust. Die schnellen Veränderungen in Grönland und um Grönland herum sind beachtlich, die Wissenschaft ist alarmiert.

Die Gletscherwelt Grönlands schmilzt noch schneller als bisher angenommen. Der Mittivakkat-Gletscher im Südosten Grönlands, die bisher am intensivsten beobachtete Eisfläche der Insel, verlor von 2010 auf 2011 ganze 2,45 Meter an Mächtigkeit, fand ein Forscherteam der Universität Sheffield (Großbritannien) heraus.

Dies sind 29 Zentimeter mehr als der bisherige Rekordverlust im vergangenen Jahr, ergaben die Beobachtungen der Wissenschaftler. Im Durchschnitt der vergangenen 16 Jahre verlor der Gletscher nur knapp einen Meter an Dicke. Die Gletscherzunge zog sich im Jahr 2011 um 22 Meter zurück. Das waren zwar 10 Meter weniger als im Vorjahr, seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1931 hat der Gletscher jedoch insgesamt 1,3 Kilometer an Länge verloren.

Die Wissenschaftler führen die Eisverluste des Mittivakkat-Gletschers vor allem auf höhere Temperaturen und schrumpfende Schneemengen zurück. Sie nehmen an, dass die Beobachtungen in ähnlicher Weise auf die anderen mehreren Hundert Gletscher in Grönland zutreffen. Diejenigen, die beobachtet werden, zeigten ähnliche Verluste.

"Das Abschmelzen dieser kleineren Gletscher macht das benachbarte Festlandeis anfälliger für Temperaturerhöhungen im Sommer, die wahrscheinlich sind", sagte Edward Hanna von der Universität Sheffield, der die Untersuchung leitete. "Die Ergebnisse unserer Feldstudie sagen viel aus über die schnellen Veränderungen, die man nun in Grönland und um Grönland herum sehen kann."

dpa>

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26.8.2011: Die Arktis öffnet die Polarroute für die Schifffahrt

aus: Spiegel online: Russland und Kanada: Eisschmelze öffnet Arktis für die Schifffahrt; 26.8.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,782657,00.html

<Von Christoph Seidler

Es ist eine ganz besondere Konstellation, wie Satellitenbilder beweisen: Zwei legendäre polare Schifffahrtsrouten sind gleichzeitig offen - der Nördliche Seeweg vor Russlands Küste und die Nordwestpassage im kanadischen Inselarchipel. Kapitäne wagen sich nun in die schmelzende Arktis vor.

Berlin - Es wird ein Fotofinish. Irgendwann in der zweiten Septemberhälfte werden Polarforscher wissen, ob das Eis der Arktis in diesem Sommer noch stärker geschrumpft ist als im Rekordjahr 2007. Damals lag die Ausdehnung bei 4,2 Millionen Quadratkilometern, dem niedrigsten Wert seit Start der Satellitenmessungen . Aktuelle Datenauswertungen der Universität Bremen und des National Snow and Ice Data Center in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) zeigen, dass die aktuellen Werte ähnlich niedrig sind wie damals.

Auch das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" berichtet dieser Tage vom Nordpol über dünnes, junges und instabiles Eis. Für die internationale Schifffahrt eröffnet die große Schmelze in der Arktis neue Perspektiven - unabhängig davon, ob der Negativrekord bei der Eisausdehnung tatsächlich kassiert wird. Denn bereits jetzt sind zwei legendäre polare Schifffahrtsrouten gleichzeitig offen: der Nördliche Seeweg vor Russlands Küste und die Nordwestpassage im kanadischen Inselarchipel. Das berichtet die Europäische Weltraumbehörde Esa und bezieht sich auf Bilder ihres Satelliten "Envisat".

"Das ist weiträumig eisfrei", bestätigt auch Georg Heygster von der Universität Bremen. Zusammen mit Kollegen generiert der Forscher Eiskarten auf Basis der Daten des Nasa-Satelliten "Aqua". Sie zeigen, dass die Nordwestpassage seit dem 23. August durchgängig passierbar ist. "Das besondere in diesem Jahr ist, dass auch der Parry-Channel offen ist", sagt Heygster.

Im Prinzip gibt es mehrere Wege, auf denen sich Schiffe durch die Nordwest-Passage winden können. Die südliche Route ist weniger eisgefährdet - aber für Kapitäne wegen Untiefen und zahllosen Inseln ungefähr so angenehm zu navigieren wie eine verkehrsberuhigte Zone in einem Wohngebiet für Lastwagenfahrer. Der deutlich breitere Parry-Channel ist dagegen so etwas wie eine maritime Autobahn. "Das ist viel unproblematischer zu fahren", sagt Forscher Heygster.

Frankreichs Ex-Premier liest Kanada die Leviten

Ein Blick auf die andere Seite der Arktis zeigt: Vom Nördlichen Seeweg vor der russischen Küste ist das Eis sogar Ende Juli schon verschwunden. Doch während dort bereits - wie in den vergangenen Jahren - mehrere Schiffe ihre Bahnen ziehen, ist es in der kanadischen Arktis wie gewohnt weitestgehend ruhig. Frachtschiffverkehr gibt es hier kaum. Nur die "Camilla Desgagnés" schipperte im Jahr 2008 - die südliche Route war damals eisfrei - Versorgungsgüter für Kanadas Inuit-Siedlungen durch die Passage.

Die Nordwest-Passage ist als Abkürzung zwischen Europa und Asien durchaus interessant, doch nennenswerter Schiffsverkehr findet kaum statt. Für die sich öffnenden Wasser fehlen technische Infrastruktur und detaillierte Navigationskarten. Der französische Arktisbotschafter Michel Rocard - ja, so etwas gibt es - erklärte unlängst, dass Kanada wohl "zu klein" sei, um für all das zu bezahlen. Ottawa habe es aufgegeben, sich um größere Teile des arktischen Schiffsverkehrs in 25 oder 30 Jahren zu bemühen. Stattdessen würden die Russen ihren Nördlichen Seeweg fit für den Schiffsverkehr der Zukunft machen.

Dass der Ex-Premier Rocard diese Dinge an Bord des kanadischen Eisbrechers "Amundsen" sagte, machte seine Gastgeber wenig glücklich. Doch tatsächlich scheint man sich in Russland weit mehr als in Kanada für die Idee von zunehmender Schifffahrt in der Arktis zu begeistern. So berichten kanadische Medien, dass sich die Fertigstellung einer Marinebasis beim verlassenen Arktis-Örtchen Nanisivik auf das Jahr 2016 verzögern dürfte - dabei sollte sie ursprünglich bereits seit 2008 zumindest teilweise betriebsbereit sein. Auch der geplante Eisbrecher "John G. Diefenbaker" dürfte kaum vor Ende des Jahrzehnts zu seiner ersten Fahrt aufbrechen. Wenn überhaupt.

Russland will dagegen gleich sechs neue Eisbrecher kaufen, darunter drei atomgetriebene. Außerdem sollen mehrere neue Seenotrettungsstationen an der gottverlassenen sibirischen Küste entstehen, nachdem sich die Anrainerstaaten der Arktis im Mai auf ein Abkommen zur Seenotrettung geeinigt hatten . Und Ende September laden die Russen zu einer großen Konferenz nach Archangelsk am Nordmeer - bei der es vor allem um arktische Schifffahrt gehen soll.

Supertanker auf dem Weg nach Südostasien

Bereits eine ganze Reihe von Kapitänen hat die Abkürzung vor Sibiriens Küste bereits genutzt - darunter im vergangenen Jahr auch der Erzfrachter "MV Nordic Barents". Der zog voll beladen von Norwegen nach China durch, ohne überhaupt einen russischen Hafen anzulaufen. Doch die 280 Meter lange "Wladimir Tichonow" ist der wohl eindrucksvollste Beleg dafür, was auf der Nordroute schon jetzt möglich ist. Der russische Supertanker machte sich vor wenigen Tagen von Murmansk auf Richtung Osten - beladen mit 120.000 Tonnen Gaskondensat für Südostasien.

Die zwei Atomeisbrecher sollen dem schwimmenden Rekordhalter - es ist der größte Tanker auf dieser Strecke - den Weg bahnen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie nur als Staffage dienen. So wie es in vergangenen Jahren bei anderen Fahrten schon war. "Völlig unproblematisch", nennt Georg Heygster die aktuelle Eissituation vor der russischen Küste. Wladimir Arutyunyan von der Eisbrecherfirma Rosatomflot sieht das ähnlich. Es gebe "überhaupt kein" dickes Eis entlang der Route.

Dabei soll die "Wladimir Tichonow" sogar nördlich der Neusibirischen Inseln vorbeiziehen - also noch näher am Pol als die meisten Schiffe vor ihr. Trotzdem will die Crew des Riesentankers mit durchschnittlich 13 bis 14 Knoten durch die Arktis rauschen - und die Passage in acht bis neun Tagen hinter sich lassen. Erst im Juli hatte der Tanker "STI Heritage" mit acht Tagen einen Geschwindigkeitsrekord auf der Strecke aufgestellt. Er hatte ebenfalls Gaskondensat an Bord, das nach Thailand geliefert wurde.

Natürlich: Die Arktis-Strecken werden auch in Zukunft nur für einen Bruchteil der weltweiten Schifffahrt interessant sein. So glaubt etwa Kristin Bartenstein von der Université de Laval in Kanada, dass die Erfolgsaussichten der Polarroute tendenziell überschätzt werden. Containerschiffe mit ihren strengen Fahrplänen würden die Strecken wohl gar nicht befahren - weil Wetterkapriolen für Verzögerungen sorgen könnten. Andere Schiffe brauchen mehr Sprit, weil die eisverstärkten Rümpfe mehr Antriebsenergie fressen. Dazu kommen die Kosten für begleitende Eisbrecher.

Doch Firmen wie der russische Gashersteller Novatek, der die "Wladimir Tichonow" auf die Reise geschickt hat, haben Großes mit dem Nördlichen Seeweg vor. Die Firma will allein dieses Jahr 420.000 Tonnen Gaskondensat durch die Arktis schicken - sechs Mal so viel wie vergangenes Jahr.

Und währenddessen macht sich im Hafen von Murmansk der Erzfrachter "Sanko Odyssey" abfahrbereit. Er soll Ende des Monats 72.000 Tonnen Erz durch die Arktis schippern. Die Japaner haben den Nördlichen Seeweg nämlich auch entdeckt.>

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12.9.2011: Der Klimawandel bringt Hurrikane bis Europa

aus: Welt online: Unwetter: Wenn Hurrikane plötzlich Richtung Europa rasen; 12.9.2011;
http://www.welt.de/vermischtes/article13600649/Wenn-Hurrikane-ploetzlich-Richtung-Europa-rasen.html

<Autor: Ulli Kulke

Hagelkörner so groß wie Taubeneier und Blitze wie in der Diskothek: Über Deutschland und Europa wüten Unwetter. Die haben ihren Grund.

Dicke Schlammschicht in Sangerhausen: Heftige Regenfälle haben in der Nacht zum Montag in weiten Teilen Mitteldeutschlands zu Überschwemmungen geführt.

Lautstark verabschiedete sich das sonnige, warme Wochenendwetter, als eine kräftige und vor allem stürmische Gewitterfront über den Süden und den Osten Deutschlands hinwegzog. In Sachsen-Anhalt, wo der Sturm zahlreiche Dächer abdeckte, wurde eine Frau von einem Dachziegel erschlagen.

Unwetter in Sachsen und Sachsen-Anhalt: Dicke Schlammschicht in Sangerhausen: Heftige Regenfälle haben in der Nacht zum Montag in weiten Teilen Mitteldeutschlands zu Überschwemmungen geführt.

Die Autobahn A14 musste bei Bernburg gesperrt werden, nachdem fünf Autos in tiefen Schlammmassen stecken geblieben waren. Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 111 Stundenkilometern, entwurzelte Bäume, die Bahnlinien und Straßen blockierten, überflutete Keller, ein wegen eines unterspülten Gleisbettes entgleister Intercity-Zug – im Rheinland, in der Oberpfalz, Franken und in großen Teilen Ostdeutschlands waren die Nacht über Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehren im Dauereinsatz.

Was man in diesen bewegten Tagen kaum glauben mag: Der deutsche Sommer 2011 (Juni bis August) erlebte nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes die wenigsten Gewittertage (80) der vergangenen Dekade, in acht der zehn Jahre zuvor seit 2001 waren es jeweils über 85 Tage.

Enormer Temperaturunterschied in den Luftmassen

Auch die Anzahl der gezählten Blitze ging gegenüber den beiden Vorjahren deutlich zurück. Klimaforscher an der Universität Karlsruhe stellten denn auch fest, dass die Häufigkeit von Gewittern im Land langfristig keinen Trend nach oben oder unten aufweist.

Allerdings gehen sie davon aus, dass sie in den letzten Jahren häufiger mit Hagelstürmen einhergingen. Dass die Zahl der Gewitter in Ostdeutschland, wie von der Klimaforschung vorhergesagt, abnahm und es dort auch allgemein trockener geworden wäre, konnte sich indes nicht bestätigen.

Der Grund für die Heftigkeit des Gewitters war der enorme Temperaturunterschied in den Luftmassen, die über uns zusammenprallten. Über 30 Grad und schwülwarm war es in Deutschland, als die Kälte des Island-Tiefs „Frank“ ankam. „Je stärker die Temperaturgegensätze, desto stärker fallen die Gewitter aus“, sagt Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Erst "Irene", dann "Katia"

Während das Unwetter in Deutschland zwar heftig, seine Folgen aber im Vergleich zu früheren Ereignissen im laufenden Jahr eher moderat blieben, bereitete man sich auf den Britischen Inseln auf eine außergewöhnliche Situation vor: Die Schotten erwarten die Ausläufer des Hurrikans „Katia“. Gerade erst hatte "Irene" zur vorsorglichen Schließung sämtlicher Flughäfen und U-Bahnen in New York geführt, bevor der Wirbelsturm sich dann doch als „halb so wild“ entpuppte.

Der Jetstream, ein breites Sturmband, das in acht- bis zehntausend Metern Höhe von West nach Ost um die nördliche Erdhalbkugel zieht, hat den gewaltigen Hurrikan über den Atlantik in Richtung Europa getragen. Genauer gesagt: wieder zurückgetragen, denn gebildet hatte sich der Wirbel vor mehreren Wochen im Osten des Ozeans, bevor er vom Passatwind zunächst in Richtung Amerika getragen wurde und dabei Kraft tankte.

Zum Orkan degradiert

Der britische Wetterdienst forderte die Menschen im Nordwesten auf, sich auf Stürme von mehr als 110 Stundenkilometern vorzubereiten. Als ein tropischer Wirbelsturm wird „Katia“ allerdings nicht in Europa eintreffen. Auf dem Weg von der Karibik nach New York hatten die Meteorologen ihn noch als Hurrikan der Stufe vier (von fünf) geführt, inzwischen haben ihn sie ihn zum Orkan „degradiert“, die Meteorologen nennen ihn deshalb mittlerweile auch „Ex-Katia“.

Dass die Hurrikane, einmal angekommen an der amerikanischen Ostküste, wieder die Gegenrichtung einschlagen, ist nichts Außergewöhnliches, sie folgen damit den Wind- und Strömungsverhältnissen des Atlantiks. Seltener schon, zwei oder drei Mal pro Jahrzehnt, geschieht es, dass ihre Ausläufer Europa erreichen – meist als Orkane oder Sturmtiefs, entweder an den britischen Küsten oder denen der Iberischen Halbinsel.

In den 60er-Jahren immerhin erreichten zwei von ihnen Europa, die nach Ansicht vieler Meteorologen damals noch alle Eigenschaften eines Hurrikans aufwiesen: „Debbie“ drehte sich am 16.September 1961 über der irischen Grafschaft Mayo ein und tötete in ihren Turbulenzen elf Menschen in Irland und Großbritannien.

1966: Hurrikan über den Färöer

Die Ausläufer kamen in den Folgewochen bis nach Sibirien. Fünf Jahre später, ebenfalls im September, schaffte es der Hurrikan „Faith“ über die Färöer sogar bis in die nördliche Nordsee, bevor er sich erst dort zu einem Sturmtief abschwächte.

Um als Hurrikan zweimal den Atlantik zu kreuzen – und zumeist als Sturmtief anzukommen, bedarf es einer außerordentlichen Kraft oder sehr günstiger Bedingungen. Der Hurrikan muss über den tropischen Meeren genügend Kraft tanken, sodass er auf dem Weg liegende Hochdruckgebiete ohne allzu große Schäden überwinden oder aus dem Weg räumen kann.

Zum anderen muss er von einem so kräftigen Wind wie dem Jetstream zügig geschoben werden, um anzukommen, bevor das Drehmoment verloren geht.

Auch in Deutschland gibt es eine Art "Tornado Alley“

Wenn auch Europa von stabilen Hurrikans – die schon mal eine Fläche in der Größe unseres Kontinentes einnehmen können – weitgehend verschont bleibt, so sind dagegen die kleinen Geschwister dieser Wirbelstürme auch hierzulande nicht unüblich: die Tornados, auch Windhosen genannt. Und so kam der Sturm in der Nacht zu Montag in Sachsen-Anhalt, wo er am heftigsten wehte, denn auch als Tornado übers Land.

Für solche Windhosen gibt es in Deutschland sogar besonders betroffene Gebiete, ähnlich wie die „Tornado Alley“ in den USA, ein berüchtigtes Gebiet zwischen dem heißen Golf von Mexiko und den kalten Rocky Mountains: Es zieht sich vom westlichen Niedersachsen über das Rheinland nach Franken und weiter Richtung Thüringen.

Wie es nun weitergeht? Die Woche wird durchwachsen bleiben, Sonne und Regen, im Osten und Süden etwas trockener und wärmer als im Westen und Norden.>

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2.10.2011: Klimawandel lässt die Alpen bröckeln - zum Beispiel am Mont Blanc

aus: Welt online: Erderwärmung: Forscher besorgt über das Abbröckeln der Alpen; 2.10.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/article13638597/Forscher-besorgt-ueber-das-Abbroeckeln-der-Alpen.html

<Autor: Estelle Emonet

Schon wieder hat sich ein riesiger Felsbrocken aus dem Mont-Blanc-Massiv gelöst und ein Bergdorf in Staub gehüllt. Klimaexperten befürchten eine Häufung des Phänomens.

In 3400 Metern Höhe hat sich ein riesiger Felsbrocken aus der Drus-Bergkette im Mont Blanc-Massiv gelöst. Der Mont Blanc bröckelt.

So schnell werden die Einwohner des kleinen französischen Bergdorfes Tignes das zweite September-Wochenende nicht vergessen. Unter riesigem Getöse hatte sich in 3400 Metern Höhe ein 12.000 Kubikmeter großer Felsbrocken von der Drus-Bergkette im Mont Blanc-Massiv abgelöst und war donnernd nach unten gestürzt.

Es dauerte fast eine Stunde, bis sich die riesige Staubwolke aufgelöst hatte und den Blick auf die imposanten Gipfel wieder freigab.

An solch spektakuläre Ereignisse werden sich die Menschen in den Alpen gewöhnen müssen, fürchtet Ludovic Ravanel, Klimaexperte beim staatlichen Forschungsinstitut CNRS und der Universität Grenoble. Es werde immer häufiger vorkommen, dass sich Felsen ablösten – und die Brocken würden womöglich immer größer, warnt der Franzose.

Denn an den Alpen nage der Klimawandel. Das Phänomen sei seit den 80er-Jahren zu beobachten und es sei davon auszugehen, dass es sich noch verstärken werde. „Wir wissen aber nicht, in welchem Umfang“. Allein seit dem Jahr 2007 seien im zentralen Mont Blanc-Massiv 182 Abbrüche registriert worden, berichtet Ravanel. Besonders spektakulär war nach seinen Angaben 2005 der Absturz von 265.000 Kubikmetern Gestein – ebenfalls in den Drus-Bergen. Dabei wurde auch der Bonatti-Felspfeiler in die Tiefe gerissen, der seit Menschengedenken zum Panorama dieser Bergkette gehört hatte.

Die Ursache für das Abbröckeln sei „zweifelsohne“ die Erderwärmung, betont der Forscher. Sie habe dazu geführt, dass heute selbst in sehr großer Höhe nicht mehr ständig Temperaturen unter Null herrschen.

Den Erkenntnissen von Geologen und Klimaforschern zufolge stabilisierte der permanente Frost über Jahrtausende die Felsen – durch das Eis in den Steinritzen, das wie Beton wirkt. Schmilzt das Eis und wird zu Wasser, dann fehlt dieser „Beton“.

Der Temperaturanstieg habe die natürliche Verwitterung der Felsen somit deutlich verstärkt, erläutert Ravanel. Im Wintersportort Chamonix beispielsweise sei die Durchschnittstemperatur seit 1936 um zwei Grad angestiegen.

Die Gletscher auf den Gipfeln würden von Jahr zu Jahr immer kleiner. Die Gletscherschmelze wiederum verstärke die Erwärmung des Felsens. „Das Eis refektiert die Sonnenstrahlen, doch Gestein ist ein Wärmeträger“, erklärt der Experte. Für die Zukunft ist der Forscher wenig optimistisch. Felsabbrüche werde es immer häufiger geben – selbst im Winter, prophezeit er.

AFP>

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4.10.2011: <Südsee-Inseln ohne Trinkwasser: Notstand breitet sich aus> - betroffen sind Tuvalu und Tokelau

aus: n-tv online; 4.10.2011;
http://www.n-tv.de/panorama/Notstand-breitet-sich-aus-article4447011.html

<Der Trinkwassermangel auf einigen Inseln der Südsee breitet sich aus. Nach dem Pazifik-Staat Tuvalu hat auch das winzige Inselreich Tokelau den Notstand ausgerufen, wie Neuseelands Außenminister Murray McCully mitteilte.

Wegen ausbleibender Regenfälle könne sich die Krise weiter ausweiten, warnte er. Auch in anderen Regionen werde das Trinkwasser knapp. Es drohten Ernteausfälle und somit Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln. "Die Lage ist ziemlich ernst", sagte McCully. Tokelau gehört zu Neuseeland. Auf den drei Korallenatollen rund 500 Kilometer nördlich von Samoa leben knapp 1500 Menschen.

Am Montag hatte ein neuseeländisches Militärflugzeug zwei Meerwasser-Entsalzungsanlagen sowie Experten des Roten Kreuzes nach Tuvalu gebracht. Der Pazifikstaat zwischen Australien und Hawaii ist mit seinen 26 Quadratkilometern eines der kleinsten Länder der Welt und zählt auf seinen neun Inseln rund 10.500 Einwohner.

Laut einem Bericht des Roten Kreuzes ist der Pazifikstaat fast vollständig vom Regenwasser abhängig. Wegen des Wetterphänomens La Niña blieben  die Regenfälle in den vergangenen Monaten jedoch spärlich.

dpa/AFP>

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23.10.2011: Die Arktis bekommt Algen - kühl und blau ist nicht mehr

aus: n-tv online: Arktischer Ozean wird produktiver: Klimawandel lässt Algen spriessen; 23.10.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Klimawandel-laesst-Algen-spriessen-article4595691.html

<Der Rückgang des Eises steigert die Produktivität der arktischen Gewässer.

In den Gewässern vor der Nordküste Kanadas wachsen immer mehr Algen. Das zurückgehende Eis und mehr Wasserbewegungen lassen nährstoffreiches Wasser heranfließen. Außerdem dringt mehr Sonnenlicht in die Tiefe vor. Die Folgen für die Region sind noch nicht absehbar.

Der Klimawandel lässt im Meer der Arktis vor der Küste Kanadas viel mehr Algen und anderes Plankton wachsen. Das berichtet ein Team um Jean-Éric Tremblay von der Laval-Universität im kanadischen Quebec. Ursache sind höhere Temperaturen, die das Eis schmelzen lassen. Zudem zieht es sich weiter vom Land zurück als bisher. Daraufhin kann der Wind das Meerwasser stärker bewegen, weshalb aus anderen Bereichen als bisher mehr nährstoffreiches Wasser heranfließt. Dies alles führt schließlich dazu, dass in der südlichen Beaufort-See vor der Nordküste Kanadas zwei- bis sechsmal so viel pflanzliches und tierisches Plankton wächst. Die Studie ist in den "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.

Tremblay und seine Kollegen hatten dafür Satellitendaten über die Windverhältnisse und die Eisbedeckung zugrunde gelegt. Zudem nahmen die Forscher zahlreiche Wasserproben in der Region. Der Untersuchungszeitraum umfasst Herbst 2007 bis Sommer 2008. Zu dem starken Wachstum der Organismen hat auch beigetragen, dass das Licht der Sonne tiefer ins Wasser herabreichte. Welche Folgen das alles für die Region hat, lässt sich derzeit nicht sagen, schreiben die Forscher. Die erhöhte Produktivität könne aber nicht die Befürchtungen der Forscher ausräumen, die mit der Versauerung der Ozeane, der Erwärmung und dem Eis-Verlust zusammenhängen.

dpa>


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25.10.2011: <Verheerender Klimawandel in China: Gletscherschmelze ist dramatisch>

aus: n-tv online; 25.10.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Gletscherschmelze-ist-dramatisch-article4600986.html

<Im Himalaya und in den Bergen im Südwesten Chinas gibt es fast 24.000 Gletscher. Chinesische Forscher ermittelten dort durch den Klimawandel alarmierende Entwicklungen. Sie stellen "beträchtliche Temperatursteigerungen" und einen "dramatischen Rückgang der Gletscher" fest. Das kann zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen.

Der Klimawandel hat einer Studie zufolge verheerende Auswirkungen auf die Gletscher in den Bergregionen Südwestchinas. Forscher der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking ermittelten "beträchtliche Temperatursteigerungen" und einen "dramatischen Rückgang der Gletscher", wie aus einer Studie hervorgeht, die in den "Environmental Research Letters" des britischen Institute of Physics (IOP) in London veröffentlicht wird.

Die 999 Gletscher im Pengqu-Becken des Himalaya hätten zwischen 1970 und 2001 insgesamt 131 Quadratkilometer Fläche verloren. Allein der Yalkong-Gletscher in den Gangrigabu-Bergen sei zwischen 1980 und 2001 um mehr als 1500 Meter zurückgegangen. Die Forscher stellten zugleich einen Zuwachs der Gletscherseen fest.

Erhebliche Auswirkungen

"Der Gletscherverlust ist vor allem durch Temperatursteigerungen verursacht, besonders in höheren Regionen", sagte der leitende Autor der Studie, Li Zongxing. 77 Prozent der 111 Wetterstationen zeigten einen Anstieg der Temperaturen zwischen 1961 und 2008. Die 14 Wetterstationen über 4000 Meter Höhe hätten in der Zeit einen Anstieg der jährlichen Temperaturen um 1,73 Grad gemessen.

"Die Auswirkungen dieser Veränderungen sind weit ernster, als einfach die Landschaft zu ändern", heißt es in der Veröffentlichung. "Gletscher sind ein integraler Bestandteil von tausenden Ökosystemen und spielen eine entscheidende Rolle in der Versorgung der Bevölkerung." Verstärkte Gletscherschmelze könne zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen, natürliche Lebensräume beeinträchtigen sowie Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung schädigen.

Im Himalaya und in den Bergen von Nyainqntanglha, Tanggula und Hengduan im Südwesten Chinas gibt es 23.488 Gletscher mit einer gesamten Fläche von 29.523 Quadratkilometern.

dpa>


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Europa 30.10.2011: <Herbststürme: Forscher erklären Jahrhundert-Orkane zum Normalfall>

aus: Spiegel online; 30.10.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,794786,00.html

<Von Axel Bojanowski

Orkan "Kyrill" galt als Ausnahme: 2007 verursachte er acht Milliarden Euro Schaden. Einer neuen Studie zufolge muss in Deutschland in kurzen Abständen mit ähnlichen Stürmen gerechnet werden. Das schlimmste Sturm-Szenario aber bleibt unberechenbar.

Hamburg - Er hinterließ ein Trümmerfeld: Mit Böen von bis zu 200 Kilometern pro Stunde zerlegte im Januar 2007 der Orkan "Kyrill" 60 Millionen Bäume, riss Dächer ab und zerstörte Brücken und Strommasten. 46 Menschen starben. Es entstanden Schäden von acht Milliarden Euro, davon waren 4,5 Milliarden versichert.

Nach dem Desaster war von einem Jahrhundertsturm die Rede. Doch diese Bezeichnung erweist sich nun als unzutreffend: Alle 15 bis 21 Jahre muss einer neuen Studie zufolge mit einem Sturm von der Zerstörungskraft "Kyrills" gerechnet werden. Und selbst weitaus heftigere Orkane als "Kyrill" treten demnach erstaunlich häufig auf.

Dieser Herbst verläuft bislang ausgesprochen ruhig, und auch für die nächste Woche sagen Meteorologen keinen extremen Wind voraus. Doch der erste Herbststurm wird heraufziehen. Die stärksten Orkane kommen in milden Wintern. In schneereichen Zeiten entsteht meist hoher Luftdruck über Europa, der Westwinde blockiert.

Gefährlich wird es hingegen, wenn über dem Nordatlantik ein Tiefdruckgebiet festsitzt, das kalte Polarluft Richtung Europa fächert. Ein kräftiges Azorenhoch im Süden verstärkt das Luftdruck-Gefälle - daraufhin beschleunigen die Westwinde.

Rhythmus der Stürme

Anhand von Versicherungsdaten und Wetterstatistik haben deutsche Forscher um Markus Donat, der an der University of New South Wales in Australien arbeitet, den Rhythmus der heftigsten Orkane der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland ermittelt. Die Forscher haben die 34 stärksten Stürme von 1997 bis 2007 und deren Schäden mit Stürmen der vergangenen 60 Jahren verglichen. Daraus ermittelten sie, wie häufig sich die Wetterlagen mit entsprechenden Schäden wiederholen.

Der Klimawandel bleibt in der Studie außen vor; bislang zeigt die Statistik keine Zunahme von Stürmen in Nordeuropa, und Prognosen gelten als unsicher. Allein die nun ausgewertete Statistik aber zeigt, dass selbst der zerstörerischste Sturm seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahre 1901 demnach kein Jahrhundertereignis ist: Orkane wie "Capella", der Anfang Januar 1976 vor allem in Norddeutschland Milliardenschäden anrichtete, wiederholten sich im Durchschnitt alle 29 bis 45 Jahre, berichten Donat und seine Kollegen nun im Fachmagazin "Natural Hazards and Earth System Sciences".

"Capella" galt eigentlich als Ausnahmeerscheinung: Vom Atlantik kommend erreichte er mit einer Ausdehnung größer als das Mittelmeer am 2. Januar 1976 Deutschland. Der Orkan mähte ganze Wälder nieder, deckte noch in Österreich Kirchen ab, Baukräne fielen um wie Spielzeug. 82 Menschen starben.

Der schlimmste Fall

"Capella" erreichte zwar keine Rekorde bei den Windstärken, wenngleich seine Böen von mehr als 140 Kilometern pro Stunde schwere Schäden verursachten. Eine andere Konstellation machte den Orkan aber zum unvergleichlichen Desaster: Am stärksten blies er ausgerechnet bei auflaufendem Meerwasser, so dass die Nordseeküste und Hamburg eine schwere Sturmflut erlebten. Alleine im Hamburger Hafen vernichtete der Orkan Werte von 500 Millionen Mark.

Eine ähnlich unglückliche Wetterkonstellation scheint der neuen Studie zufolge gar nicht so selten. Würde das Wetter sich streng an Statistik halten, wäre ein "Capella"-Nachfolger wieder fällig. Doch die Jahreswerte für den Rhythmus der Stürme in der Studie sind Durchschnittswerte - zwei ähnliche Ereignisse binnen kurzer Zeit sind möglich, aber auch längere Fristen als der Durchschnitt.

Auch mit einer Wiederkehr von "Lothar"-Stürmen muss jederzeit gerechnet werden. "Lothar" zog Weihnachten 1999 über Frankreich und Süddeutschland, er verursachte europaweit den zweithöchsten Sturmschaden für Versicherungen.

Doch den schlimmsten Fall konnte die neue Studie nicht berücksichtigen - weil er noch nicht eingetreten ist: Ein ähnlicher Sturm wie "Lothar" mit leicht veränderter Flugbahn wäre laut "Münchener Rückversicherung" (MR) ein Höchstschadensfall. Eine Sturmfront von Hamburg bis Frankfurt, die durchs Rhein-Ruhrgebiet zöge, würde die Volkswirtschaft rund 80 Milliarden Euro kosten. Es wäre der MR zufolge die teuerste Sturmkatastrophe - doch wie häufig mit ihr zu rechnen ist, konnte auch die neue Studie nicht klären.>

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5.11.2011: <Folgen der Eisschmelze: Am Südpol könnten Wasserstrassen entstehen>

aus: Spiegel online; 5.11.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,796036,00.html

<Die Antarktis ist von einem dicken Eispanzer bedeckt. Doch wenn dieser mehr und mehr schmilzt, könnten neue Wasserwege quer durch den Kontinent entstehen. Forscher glauben, dass dies vor Tausenden Jahren sogar schon einmal geschehen ist.

Bislang trotzt die Antarktis dem einsetzenden Klimawandel. Immer neue Minusrekorde der Eisbedeckung, wie sie die Forscher am Nordpol feststellen, gibt es auf dem Kontinent am Südpol bislang nicht. Doch über kurz oder lang dürfte auch das antarktische Eis schmelzen, sofern die Temperaturen weltweit in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten ansteigen.

Ein Forscherteam des British Antarctic Survey berichtet nun, dass der Eisschwund wahrscheinlich neue Wasserwege quer durch den Kontinent ermöglichen wird. Dies werde allerdings erst in etwa 1000 Jahren geschehen, sagte David Vaughan gegenüber dem Magazin "New Scientist".

Dass man dann den zentralen Teil der Antarktis mit einem Schiff durchqueren kann, hält der Forscher jedoch für unwahrscheinlich. Die neuen Wasserwege dürften am ehesten im sogenannten Westantarktischen Eisschild des Kontinents entstehen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Geochemistry Geophysics Geosystems".

Die Antarktis ist ein praktisch komplett mit Eis bedeckter Kontinent. Der Eispanzer ist teils mehrere Kilometer hoch. Die genaue Ausdehnung des Festlands ist nur schwer zu ermitteln, auch weil das Meer rund um die Antarktis ebenfalls großflächig unter Eis liegt.

Die Wissenschaftler vom British Antarctic Survey glauben, dass nach einer Schmelze große Teile der westlichen Antarktis unter dem Meeresspiegelniveau liegen könnten, weil das Festland über die Jahrhunderte unter der Last des Eises abgesackt ist. Zwischen Eis und Festland könnten kleine Wasserkanäle entstehen, die den Kontinent durchqueren.

Die Forscher nutzten Radartechnik, um die Dicke des Eises und somit die Lage des Gesteins darunter zu messen. Auf diese Weise konnten sie jene Regionen identifizieren, die zuerst unter dem Meeresspiegelniveau liegen dürften. An diesen Stellen kann Wasser eindringen, das Eis löst sich vom Kontinent und beginnt, auf dem Wasser zu schwimmen.

Erste Hinweise darauf, dass die Antarktis früher schon einmal auf dem Wasserweg passierbar war, hatten Forscher im Jahr 2010 präsentiert. Damals untersuchten sie sogenannte Moostierchen, die entlang der antarktischen Küste im Wasser leben. Dabei entdeckten das Team von David Barnes große Übereinstimmungen zwischen Arten, die im Ross- und im Weddellmeer leben. Zwischen den beiden Meeren liegt der Westantarktische Eisschild, der Abstand beträgt mehr als 2000 Kilometer. Dies legt nahe, dass es in früheren Zeiten schon einmal Verbindungen zwischen beiden Meeren quer durch die Antarktis gegeben hat.

hda>

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12.11.2011: Neue, grosse Stürme in der Mittelmeerregion: Das Mittelmeergebiet erhält eine neue Sturmkategorie - und in 20 bis 30 Jahren werden Hurrikane im Mittelmeergebiet möglich sein

aus: Spiegel online: Satellitenbild der Woche: Risenwirbel um Italien; 12.11.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,797323,00.html

<Was ist das denn bitte für ein Ungetüm? Sieht aus wie ein Hurrikan und erweist sich sogar als genauso stürmisch! Über Südeuropa wütete diese Woche ein monströser Tiefdruck-Wirbel. Meteorologen erfanden eigens eine neue Sturm-Kategorie.

Hamburg - Südeuropa erlebte diese Woche schwere Unwetter: Heftige Regenfälle ließen Flüsse zu Sturzfluten werden. In Genua wurden Straßen zu reißenden Flüssen; mindestens 16 Menschen ertranken. Sturm mit hurrikanstärke ließ das Meer toben, sechs Meter hohe Wellen zerschmetterten in Lavagna, südöstlich von Genua, die Strandpromenade. Starke Niederschläge prasselten auch in Südfrankreich, Piemont, Ligurien und in der Südschweiz vom Himmel.

Der Blick auf die Wetterkarte bot einen erstaunlichen Anblick: Ein hurrikanähnlicher Wirbel schob sich über das Mittelmeer. Erstmals gab der amerikanische Wetterdienst einem Wettergebilde über Europa den Namen eines Tropensturms: "01M" hieß der Wirbel. Normalerweise firmieren solche Tiefs als Subtropische Stürme. Allerdings ist nur der Name besonders - Stürme wie diesen gab es immer schon; sie bilden sich alle paar Jahre über dem Mittelmeer.

Wirbelstürme über dem Mittelmeer entstehen anders als ihre großen Geschwister: Hurrikane in den Tropen werden von der aufsteigenden Warmluft des Meeres in eine kreisrunde Drehung versetzt. Die Wirbel über dem Mittelmeer hingegen entwickeln sich aus gewöhnlichen Tiefdruckgebieten - aus Schlechtwetterzonen also.

Treibstoff der Wirbel sind kräftige Kaltluftvorstöße aus Norden, sie senken den Luftdruck über Südeuropa - es bilden sich Wolken. Über dem warmen Mittelmeer entfachen die Turbulenzen kräftige Gewitter, die immer mehr feuchte Luft ansaugen - das Tief verstärkt sich. Wer genau hinsieht, erkennt aber, dass es sich nicht um Hurrikane handelt: Die Wirbel über dem Mittelmeer haben eine unsymmetrische Form.

In ein paar Jahrzehnten könnte es jedoch richtige Hurrikane über dem Mittelmeer geben - das zeigen zumindest Klimasimulationen, berichteten Forscher um Miguel Gaertner von der Universität von Kastilien-La-Mancha in Toledo vor vier Jahren in einer Studie: Sollte sich das Wasser künftig im Sommer dauerhaft und weiträumig auf 30 Grad erwärmen, könnten den Rechnungen zufolge Hurrikane über Südeuropa ziehen.

boj>

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16.11.2011: Der Klimawandel macht Teile Europas unbewohnbar

aus: Welt online: Extremwetter: UN-Klimarat sagt Hitzewellen bis 50 Grad voraus;
http://www.welt.de/wissenschaft/article13721008/UN-Klimarat-sagt-Hitzewellen-bis-50-Grad-voraus.html

<Bereits diesen Sommer litten viele Regionen Deutschlands unter extremer Dürre

Ganz Europa sollte sich dem Bericht des Weltklimarates zufolge auf extreme Wetterkapriolen vorbereiten. Einige Regionen der Welt werden unbewohnbar.

Mehr Hitzewellen in Europa, zunehmende Dürre in Afrika und einen steigenden Meeresspiegel für die Inseln sagt der Extremwetterbericht des Weltklimarates (IPCC) voraus, der am Freitag im ugandischen Kampala vorgestellt werden soll. Einige Regionen könnten so praktisch unbewohnbar werden, warnen die Experten laut vorab bekannt gewordenen Auszügen. Insbesondere in den westeuropäischen Mittelmeerstaaten rechnen die Forscher mit Hitzewellen wie der von 2003.

Für Deutschland hatte der Klimaforscher Mojib Latif am Montag bereits Temperaturen bis zu 50 Grad vorhergesagt. Weltweit geht der IPCC bis 2100 von einem durch den Treibhauseffekt verursachten Temperaturanstieg um ein bis fünf Grad aus.

Für die USA und die Karibik prognostizieren die Experten noch zerstörerische Hurrikane, die kleinen pazifischen Inseln sind weiter durch einen Anstieg des Meeresspiegels bedroht. In Westafrika rechnet der IPCC vor allem in den Regionen mit noch mehr Dürre, in denen es bereits Hungersnöte gibt.

Tausend Studien floßen ein

Wie stark sich Überschwemmungen und Dürre auswirkten, hänge auch von den Maßnahmen ab, die gegen solche extremen Wetterphänomene ergriffen würden, heißt es in dem Bericht. „Naturereignisse müssen keine humanitären Katastrophen verursachen“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei einem Klimaforum in Bangladesch.

Bei teuren Vorkehrungen wie Frühwarnsystemen oder stabileren Gebäuden seien ärmere Länder aber im Nachteil.

Der Extremwetterbericht des Weltklimarates, in den tausende Studien einflossen, soll am Freitag im ugandischen Kampala verabschiedet werden. Er soll auch Teil des nächsten großen Klimaberichts sein, der 2014 veröffentlicht wird. Der 1988 gegründete IPCC wurde 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, weil er den Klimawandel in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt hatte.

AFP/cor>

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Deutschland 29.11.2011: Klimawandel bringt bessere Weine in Deutschland - auch deutsche Rotweine sind inzwischen Spitze

aus: Spiegel online: Erderwärmung: Klimawandel lässt deutsche Weinberge erröten; 29.11.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,799044,00.html

<Von Frank Patalong

Der Klimawandel liegt nicht in ferner Zukunft, er findet bereits statt - und die Beweise füllen Winzer längst in Flaschen. Rekordernten häufen sich, neue Rebsorten sind erfolgreich - inzwischen bekommen sogar deutsche Rotweine Spitzennoten.

Ende Oktober lud das Deutsche Weininstitut (DWI), eine Art Verkaufsförderungs-Lobby der deutschen Weinwirtschaft, zu einer hochaufgehängten Verkostung internationaler und deutscher Weine in ein Londoner Nobelrestaurant. Eine renommierte Fachjury kostete sich durch 380 Weine, am Ende gab es ein tolles Ergebnis zu bejubeln: Sieben von zehn ausgezeichneten Weinen kamen aus deutschen Landen.

Ein Ergebnis wie bestellt? Dagegen spricht, dass die Juroren einen Ruf zu verlieren hätten - und die Tatsache, dass sich die Auszeichnungen für hiesige Weine in den vergangenen Jahren häufen. Das liegt vielleicht vor allem an einer neuen Garde junger, ambitionierter Winzer, die die allzu ausgetretenen Pfade der einst berüchtigten "Süßmost mit Alkohol"-Produktion lange hinter sich gelassen haben.

Es gibt aber noch einen anderen Grund: Deutscher Wein wird immer besser, weil er unter immer besseren Bedingungen heranwächst. Man kann nur anbauen, lesen und keltern, was das Klima erlaubt. Unter hiesigen Winzern herrscht Konsens: Es erlaubt immer mehr.

Nichts macht das klarer als der Londoner Erfolg. Verköstigt wurden dort nämlich nicht etwa Weißweine, die hierzulande seit langem in besten Qualitäten produziert werden. Gewonnen hatten sieben deutsche Pinot-noir-Abfüllungen. Das macht klar, dass hier tatsächlich etwas passiert: Weiß ist die Farbe des nördlichen Weins, Rot die Farbe des warmen Südens. Zumindest bisher.

Wein ist keine Pflanze "warmen" Klimas, sondern gemäßigter Zonen

Doch seit einigen Jahrzehnten gibt es Veränderungen. Wein gedeiht in einem relativ engen Bereich mit gemäßigtem Klima, den man für Europa traditionell zwischen dem 30. und 50. Breitengrad ansiedelt. Südlich davon ist es ihm zu heiß, nördlich zu kalt - auch hier aber gilt: zumindest bisher.

Es zeichnet sich ab, dass sich das Weinbau-Fenster gerade um zehn Grad in Richtung der kühleren Breiten verschiebt.

Dafür gibt es im Norden wie Süden klare Indizien. Seit Jahren ist die Produktion von Qualitätsweinen in den warmen Mittelmeerländern rückläufig. Spanien verlor von 1990 bis 2009 satte 29,4 Prozent seiner Anbauflächen. In Frankreich waren es 12, in Italien 22, in Portugal 35,9 Prozent. Das hat natürlich nicht nur klimatische Gründe, aber sie sind wichtig: Zunehmende Probleme mit Sonnenbrand und Wassermangel sind wichtige Ursachen - die Sommer wurden messbar heißer, länger und trockener. Gerade in Spanien verdorrt der Wein immer öfter auf den Reben.

Deutschland, einst wenig tauglich für den Anbau roter Sorten, errötet derweil zusehends: Binnen weniger Jahre stieg beispielsweise der Anteil des oben genannten Pinot noir - hierzulande meist Spätburgunder genannt - von nur 5,5 Prozent im Jahr 1990 auf aktuell 11,1 Prozent (2010) der Anbaufläche. Auch in Österreich sind Sorten, die bisher nur südlich der Alpen gediehen, auf dem Vormarsch.

Inzwischen gibt es sogar schon Probleme mit zu viel Licht. Immer früher setzt die Weinlese ein, damit der Wein nicht zu viel Zucker entwickelt. Denn das erhöht auch den Alkoholgehalt und ist nicht erwünscht. Die verkürzte Zeit bis zur Lese aber hat auch Nachteile: Seine Säure baut der Wein erst in der ausgehenden Wachstumsphase ab. Doch ein guter Wein lebt von einer ausgewogenen Balance von Süße und Säure, Alkohol und Aromen.

Schon experimentieren Winzer damit, ihre Reben quer zur Sonne zu reihen, damit die sich gegenseitig Schatten geben können. Andere schneiden die Blattmasse zurück, um die Gesamtlichtmenge und den Wasserverbrauch zu senken - wahrlich neue Probleme in deutschen Landen.

Vormarsch "französischer" Sorten

Zugleich verschiebt sich die Anbaugrenze für weniger anspruchsvolle Weißweine immer mehr nach Norden. In den mittleren und südlichen Landesteilen kultivieren die Winzer derweil Sorten, die bis Mitte der neunziger Jahre niemand auch nur anzubauen wagte. Chardonnay etwa tauchte erstmals 1995 mit 0,2 Prozent der Anbaufläche in den Statistiken des Deutschen Weininstituts auf - damals nicht mehr als ein önologisches Experiment. Inzwischen sind 1,3 Prozent der deutschen Rebflächen mit Chardonnay bepflanzt, Tendenz weiter steigend.

Längst laufen Anbauversuche an der Ostsee, und selbst im einst als Nebelinsel verschrienen England gelingt weit mehr als die Essigernte. "Wird Südengland das neue Bordeaux?", fragte die Deutsche Welle schon zuspitzend, aber längst nicht so übertreibend, wie man meinen könnte: Schon vor rund zehn Jahren begann sich abzuzeichnen, dass Regionen in Norddeutschland, in Südengland, Polen und sogar Skandinavien nicht nur in theoretischen Szenarien zu Weinbaugebieten werden könnten, sondern dass dies längst begonnen hat.

Zeitgleich begann die Fachpresse im Alpenraum, in den Mittelmeerländern, aber auch in Australien, in den USA und andernorts über Veränderungen für die Winzer zu berichten. Was in unseren nördlichen Breiten vornehmlich als Chance gesehen wird, ist für die Winzer in warmen Weltgegenden vor allem eine Bedrohung. Die Verschiebung des geografischen Fensters, in dem Weinbau möglich ist, bedeutet an dessen kühlen Enden eine Ausweitung des nutzbaren Bereiches, am warmen Ende jedoch könnten traditionelle Weinbaugebiete verlorengehen. Das nutzbare Gebiet wächst nicht, es wandert.

Am Mittelmeer müssen Weinbauern immer öfter zusätzlich bewässern, die Weinlese verschiebt sich früher ins Jahr, weil sonst die Trauben am Stock verdorren - gerade in Spanien ein wachsendes Problem. In Australien vertrocknen einst fruchtbare Weinbaugebiete, im kühleren Neuseeland ist der Weinbau ein wachsendes Geschäft. Klingt, als stünde jedem Verlust ein Gewinn gegenüber, doch das wäre eine verkürzte Sicht der Dinge.>

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20 minuten online, Logo

30.11.2011: <Dramatische Aussichten: Schmelzender Permafrost führt zu Klimawandel>

aus: 20 minuten online; 30.11.2011;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/23718085

<Bislang war nicht bekannt, wie sehr sich die Erderwärmung mit dem Auftauen der Permafrostböden beschleunigt. Eine Studie warnt jetzt, die Schmelze könnte den Klimawandel stärker beeinflussen als die weltweite Abholzung.

Die schmelzenden Permafrostböden beschleunigen den Klimawandel voraussichtlich stärker als bislang gedacht. Nach einer neuen Berechnung könnten sie bis zum Ende des Jahrhunderts ähnlich viel Kohlenstoff freisetzen wie die weltweite Abholzung.

Die Auswirkungen auf unser Klima wären wegen der hohen Methankonzentration jedoch zweieinhalb Mal grösser. Zu diesem Schluss kommen Edward Schuur, Benjamin Abbott und 39 weitere internationale Experten des «Permafrost Carbon Research Network», die ihre neuen Berechnungen in einem Kommentar der Zeitschrift «Nature» veröffentlichen. Das Treibhausgas Methan heizt die Atmosphäre wesentlich stärker auf als Kohlendioxid.

Wie sehr sich die Erderwärmung mit dem Auftauen der Permafrostböden beschleunigt, war bislang nicht genau zu berechnen. Schuur, Abbott und Kollegen haben nun anhand neuer Modelle ermittelt, wie viel Permafrost auftauen wird, wie viel Kohlenstoff dies freisetzt und wie viel davon in Form von Kohlendioxid (CO2) und von Methan in die Luft gelangen könnte.

Viel mehr CO2

Die Permafrostböden enthalten etwa 1700 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff, also Überreste von Pflanzen und Tieren aus Tausenden von Jahren. Das sei dreimal mehr als bislang angenommen, schreiben die Forscher - und etwa doppelt so viel, wie momentan in der Atmosphäre enthalten sei.

In dem sich erwärmenden arktischen und antarktischen Boden zersetzen Mikroben diesen alten Kohlenstoff und geben CO2 und Methan in die Atmosphäre ab. Riesige Tundrenfeuer und Methan, das aus arktischen Seen blubbert, seien bereits Zeugen dieses Erwärmungsprozesses.

Um zu berechnen, wie schnell sich der Permafrost erwärmt und wie viel Klimagase er dabei freisetzt, orientieren sich die alten Modelle vor allem an der steigenden Lufttemperatur. Die Wirklichkeit sei jedoch sehr viel komplexer, so die Autoren.

Alarmierende Ergebnisse

Mit dem Schmelzen von Eiskeilen im Boden kollabiere der Untergrund - und dies beschleunige wiederum den Tauvorgang. Das sichtbare Ergebnis seien die wie «betrunken» aussehenden, schiefstehenden Bäume. Weitere Faktoren seien die Bodenfeuchte und sehr tief liegende Kohlenstoffvorkommen.

Die Ergebnisse der neuen Berechnungen sind alarmierend: Unter dem stärksten Erderwärmungsszenario - ein Temperaturanstieg von 7,5 Grad Celsius bis 2100 - würden 47 bis 61 Prozent der obersten drei Meter des Permafrostbodens bis zum Ende des Jahrhunderts zerfallen.

Der CO2-Ausstoss beschleunigt sich dabei über die Jahre: Bis 2040 würden 30 bis 63 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt - sowohl als CO2 als auch als Methan; bis 2100 vervielfache sich diese Menge auf 232 bis 380 Milliarden Tonnen. Dieser Anstieg an Kohlenstoff wäre 1,7 bis 5,2 Mal stärker als bisher berechnet.

(sda)>

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31.11.2011: Der schmelzende Permafrostboden wird instabil und gibt Methan frei

aus: n-tv online: Tundrenfeuer und blubberndes Methan: Permafrostboden schmilzt rasant; 31.11.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Permafrostboden-schmilzt-rasant-article4900746.html

<An den Permafrostböden lässt sich gerade gut beobachten, wie eine Kettenreaktion abläuft. Wegen der steigenden Erderwärmung tauen die Böden zunehmend auf, dadurch wird immer mehr Methan freigesetzt, das wiederum die Atmosphäre noch weiter aufheizt.

Die Böden erodieren und geben jahrhundertlang gebundene Stoffe frei.

Die schmelzenden Permafrostböden beschleunigen den Klimawandel voraussichtlich stärker als bislang gedacht. Nach einer neuen Berechnung könnten sie bis zum Ende des Jahrhunderts ähnlich viel Kohlenstoff freisetzen wie die weltweite Abholzung. Die Auswirkungen auf unser Klima wären wegen der hohen Methankonzentration jedoch zweieinhalb Mal größer. Zu diesem Schluss kommen Edward Schuur, Benjamin Abbott und 39 weitere internationale Experten des "Permafrost Carbon Research Network", die ihre neuen Berechnungen in einem Kommentar der Zeitschrift "Nature" veröffentlichen. Das Treibhausgas Methan heizt die Atmosphäre wesentlich stärker auf als Kohlendioxid.

Wie sehr sich die Erderwärmung mit dem Auftauen der Permafrostböden beschleunigt, war bislang nicht genau zu berechnen. Schuur, Abbott und Kollegen haben nun anhand neuer Modelle ermittelt, wie viel Permafrost auftauen wird, wie viel Kohlenstoff dies freisetzt und wie viel davon in Form von Kohlendioxid (CO2) und von Methan in die Luft gelangen könnte.

Die Permafrostböden enthalten etwa 1700 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff, also Überreste von Pflanzen und Tieren aus Tausenden von Jahren. Das sei dreimal mehr als bislang angenommen, schreiben die Forscher - und etwa doppelt so viel, wie momentan in der Atmosphäre enthalten sei.

In dem sich erwärmenden arktischen und antarktischen Boden zersetzen Mikroben diesen alten Kohlenstoff und geben CO2 und Methan in die Atmosphäre ab. Riesige Tundrenfeuer und Methan, das aus arktischen Seen blubbert, seien bereits Zeugen dieses Erwärmungsprozesses.

dpa>


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12.12.2011: Das Meer nimmt Kohlendioxid auf - aber Korallen, Muscheln und auch Fische erleiden Schäden: Eier, Larven und Gewebe

aus: n-tv online: Versauerung der Meere: Auch Fische werden geschädigt; 12.12.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Auch-Fische-werden-geschaedigt-article4981266.html

<Klar ist, dass Korallen und Muscheln auf den sinkenden pH-Wert reagieren. Am Kabeljau konnten deutsche Forscher einen negativen Einfluss der Versauerung auch für Fische nachweisen.

<Die Versauerung der Ozeane infolge des Klimawandels bedroht die Fischbestände in den Meeren. Laut Forscherteams aus Kiel und den USA reagieren vor allem frühe Entwicklungsstadien der Fische, also Eier und Larven, empfindlich auf steigende Kohlendioxid-Werte.

Anders als bisher angenommen bleiben Fische von der Ozean-Versauerung nicht verschont, im Gegenteil: Viele ohnehin durch Überfischung gefährdete Arten seien durch den Klimawandel und seine Folgen einer weiteren Bedrohung ausgesetzt.

Der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre ist seit der industriellen Revolution rapide gestiegen und wird auch in den nächsten Jahrzehnten aller Voraussicht nach weiter stark zunehmen. Derzeit liegt der Anteil an Kohlendioxid in der Atmosphäre bei etwa 390 ppm (parts per million, 390 Teile CO2 pro 1 Million Teile Luft). Das ist weit mehr als in den vergangenen eine Million Jahren. Ein Drittel des überschüssigen Kohlendioxids wird voraussichtlich von den Ozeanen "geschluckt" – das Gas löst sich im Wasser. Dadurch verändert sich die Chemie des Meeres. Das Wasser wird saurer, sein pH-Wert sinkt.

Es ist bekannt, dass sich dies auf zumindest einige marine Lebewesen nachteilig auswirkt, vor allem auf solche, die ein kalkhaltigen Außenskelett besitzen, wie zum Beispiel Muscheln, Schnecken, Korallen oder Krebstiere. Bisher gingen Experten davon aus, dass Fische von den steigendem Kohlendioxid-Werten nicht beeinträchtigt werden. Sie seien in der Lage, ihren Säure-Base-Haushalt effektiv zu regulieren und könnten Veränderungen des marinen pH-Werts somit ausgleichen – so lautete die Annahme. Die aktuellen Untersuchungen belegen nun, dass dies jedoch nicht auf Eier und Larven zutrifft.

Wachstumskurve verändert

Andrea Frommel vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften und ihre Mitarbeiter hatten Eier und Larven des Kabeljau in großen Versuchsbecken unterschiedlich hohen CO2-Konzentrationen ausgesetzt: einem Kontrollwert, der etwa beim heutigen Kohlendioxid-Anteil liegt, einem mittleren Wert, der gegen Ende des 21. Jahrhunderts erreicht sein wird, und einem hohen Wert, der mehr als zehn Mal über dem heutigen Wert liegt, aber vor allen in Küstennähe zeitweise durchaus erreicht werden dürfte. An den Küsten kommt es zu einem Auftrieb an sauerstoffarmen und kohlendioxidreichem Wasser, so die Forscher – und damit genau dort, wo auch die Larven des Kabeljau vorkommen.

Es zeigte sich nun, dass sich die Wachstumskurve der Larven bei hohen Kohlendioxid-Werten verändert: Zwischen dem 25. und dem 46. Tag nach dem Schlüpfen wuchsen die Larven weiter, obwohl normalerweise zu diesem Zeitpunkt die Energie in die Entwicklung der inneren Organe gesteckt werde, schreiben die Forscher. Außerdem bildeten die Fischlarven viel mehr Fette als Proteine und lagerten diese in den Organen ab. Das Gewebe vieler Organe wurde darüber hinaus stark geschädigt, etwa in Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse oder im Darm.

Starke Schäden im Gewebe

Insgesamt wiesen zwölf Prozent der Larven im mittleren und 75 Prozent im hohen CO2-Bereich starke Schäden in mehreren Geweben auf. Diese waren allerdings vorübergehend. Am Tag 46 waren an den Larven keine Schäden mehr sichtbar. Die Sterblichkeit der Fischlarven untersuchten die Forscher in ihren Experimenten nicht. Sie gehen aber davon aus, dass sich aufgrund der massiven Organverletzungen deutlich weniger Larven als üblich zu ausgewachsenen Fischen entwickeln werden.

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kamen auch die Forscher von der Stony Brook University in New York. Sie hatten die Auswirkungen der Versauerung auf Eier und Larven des Gezeiten-Ährenfisches untersucht, der an den Flussmündungen entlang der Nordamerikanischen Atlantikküste lebt. Setzen sie Eier und Larven bis zum Alter von einer Woche hohen Kohlendioxid-Werten (etwa 1000 ppm) aus, verkürzte sich die Lebensdauer der Larven. Außerdem wuchsen die Larven weniger. Die Eier, so zeigten Versuche, waren am empfindlichsten für die steigenden Kohlendioxid-Werte. Auch ihre Untersuchung widerspräche der allgemeinen Annahme, dass die Ozean-Versauerung den Fischpopulationen nicht schade, schreiben die Wissenschaftler. Die Ergebnisse sind im Journal "Nature Climate Change" nachzulesen.

dpa>


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n-tv online, Logo

20.12.2011: <Starker Eingriff in die Nahrungskette: Klimawandel begünstigt Parasiten>

aus: n-tv online; 20.12.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Klimawandel-beguenstigt-Parasiten-article5044421.html

<Zwischen steigenden Temperaturen in der Umwelt und dem Wachstum von Parasiten besteht ein enger Zusammenhang. Die Erderwärmung verändert die Balance zwischen Parasit und Wirt, was einen verheerenden Kreislauf zur Folge hat.

Der Klimawandel könnte durch steigende Wassertemperaturen das Wachstum von Fischparasiten fördern. Die Wirte blieben dadurch zunehmend auf der Strecke. Wissenschaftler um Ian Barber von der britischen Leicester University fanden heraus, dass Bandwürmer in Dreistachligen Stichlingen bei höheren Temperaturen viel schneller wachsen und insgesamt größer werden. Gleichzeitig vermehrten sich die Fische dann schlechter, schreiben die Forscher im Journal "Global Change Biology".

Damit nicht genug: Das Team vermutet, dass die Würmer auch das Verhalten der Fische beeinflussen können und sie vermehrt in wärmere Gewässer lotsen. Die hätte einen verheerenden Kreislauf zur Folge: Der Klimawandel könnte nicht nur das Gleichgewicht zwischen Parasit und Wirtstier zum Kippen bringen, sondern auch Einfluss auf die weitere Nahrungskette haben. Denn die Größe, die die Parasiten im Fisch erreichen, habe auch Einfluss auf die Infektionsgefahr für fischfressende Vögel wie Fischreiher oder Eisvögel, erklärte Barber. "Größere Larven im Fisch werden auch zu größeren Würmern im Vogel und produzieren dort mehr Eier." Die gelangen durch den Vogelkot wieder ins Wasser und setzen den Kreislauf fort.

Das Team infizierte zahlreiche Stichlinge künstlich mit den Larven des Parasiten und hielt einige der Fische bei 15 Grad Celsius, andere bei 20 Grad. Die Würmer in Fischen aus wärmerem Wasser wurden viel größer, sie wogen im Durchschnitt rund 105 Milligramm. In den kälter gehaltenen Exemplaren wuchsen die Parasiten im Durchschnitt auf rund 27 Milligramm heran. Und nach acht Wochen waren alle Würmer aus dem 20 Grad warmem Wasser weit genug entwickelt, um Vögel zu infizieren. Von den Parasiten aus dem kälteren Wasser dagegen war es keiner.

Nach Angaben der Forscher gibt die Untersuchung Hinweise darauf, dass steigende Temperaturen in der Umwelt die Balance zwischen Wirt und Parasit verändern können. Womöglich entwickeln sich die Parasiten dann schneller und können mehr Wirte infizieren.

dpa>

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Quellen
[web01] http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-66552.html
[web02] http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-66552-2.html
[web03] http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-66552-3.html
[web04] http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-66552-4.html
[web05] http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-66552-5.html

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